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Full text of "Jahrbuch der Kais. Kön. Geologischen Reichs-Anstalt"

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JAHRBUCH 


DER 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


bEULOGISCHEN RBICHSANSTAL 


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LIII. BAND 1903. 


Mit 23 Tafeln und einer geologischen Karte in Farbendruck. 


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Wien, 1904. 
Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt. 


In Kommission bei R. Lechner (Wilh. Müller), k. u. k. Hofbuchhandlung, 
I., Graben 31. 


Inhalt. 


Personalstand der k. k. geologischen Reichsanstalt (30. Juni 1904) 


Heft 1. 


Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. Von R. Hoernes. 
I. Die Anfangskammer der Nautiloidea und die SnheN® Aukalyıs 
derselben bei Orthoceras . 


Die untersilurischen Phyllopodengattungen Ribeiria ne und Ribeirella 
nov. gen. Von Dr. Richard Johann Schubert und Dr. Lukas 
Waagen. Mit einer re Tafel ER » und 5 Zinko- 
typien im Text . are : . 


Über den Rest eines männlichen Schafschädels (Ovis Mannhardi n. aus 
der Gegend von Eggenburg in Niederösterreich. Von Franz Toula. 
Mit einer Tafel (Nr. II) und drei Textillustrationen j 


Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. Von Dr W. Hammer. 
Mit einer Lichtdrucktafel (Nr. ID). . . . 


Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. Von Dr. O. Abel. 
Mit 4 Profilen im Text . ; 


Das Sammelergebnis Dr. Franz Schaffer’s aus dem en von 
Hadschin im Antitaurus. Von Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. 
Mit vier Lichtdrucktafeln (Nr. IV—-VI) . Ein ol i 


Über Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. Von Dr. W. 
Petrascheck. Mit einer Lichtdrucktafel (Nr VIII) und zwei Text- 
figuren . TEEN EN De u 


Heft 2. 


Geologische Beschreibung des nördlichen Theiles des Karwendelgebirges. 
Von Dr. ©. Ampferer. Mit 50 Profilen im Text, einer Profilkarte 
(Tafel Nr. IX) und einem tektonischen Schema des Gebirgsbaues 
(Tafel Nr. X) er 


Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. Von Dr. Julius 
Dreger. Mit 3 HEIRBESDDERTER,. Tafeln Br XI u — XII nu) ) und 
einer Zinkotypie im Text ; 

Über das Alter und die Entstehung einiger Erz- und CE 
der steirischen Alpen. Von Dr. Karl A. Redlich. Mit 4 Zinko- 
typien im Text . BERE  E 

Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. Von Eber- 
hard EHER Mit einer Tafel (Nr. XIV) und 11 Zinkotypien im 
Text. i BEE en nn NE er 


Seite 


Seite 


33 


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65 


91 


141 


153 


Seite 


169 


253 


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295 


IV 
Heft 3. 


Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nyfan. Von Doc. Dr. F. 


Ryba. Mit 3 Lichtdrucktafeln (Nr. XV [D—XVII [III]) 


Der Schwazer Augengneiss. Von Th. Ohnesorge. (Aus dem mineralog.- 
petrogr. Institut der Universität Innsbruck.) Mit einer Tafel Or: a 
und 3 Zinkotypien im Text 


Die Ergebnisse der mikroskopischen Titormiehie 5 Ma der. kohrlächen 


Tiefbohrung zu Wels durchteuften Schichten. Von Dr. Richard Joh. 
Schubert. Mit einer lithographierten Tafel (Nr. XIX) 


Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. Von G. Geyer. 
Mit einer Tafel (Nr. XX) . . 3; 

Brachiopoden aus den Pachycardientuffen der Seiser Alpe, Von Dr. Lukas 
Waagen. Mit 6 Zinkotypien im Text 

Der Klinocompass. Von J. Blaas, Innsbruck. Mit 3 Kinkobrprön im Text . 

Die Mineralquellen der Gegend von Nachod und Cudowa. Von Dr. W. 
Petrascheck. (Vortrag, gehalten in der De vom 29. März 1904.) 
Mit 4 Zinkotypien im Text ; 

Lias bei Vares in Bosnien. Von Dr. Hekgrioh Beck. Mit. 4 Weriäguren) 

Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt, ausgeführt in den Jahren 1901—1903 von C. v. John und 
C. F, Eichleiter ; toh Eh wi ee 4 


Heft 4. 


Geologie der Umgebung von Sarajevo. Von Ernst Kittl. Mit einer geolo- 


gischen Karte in Farbendruck, 3 lithograpbierten Tafeln Sa XXI u 


— XXIII [III]) und 47 Zinkotypien im Text 


Verzeiehnis der Tafeln: 


Tafel 
I zu: Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen: Die unter- 
silurischen Phyllopodengattungen Ribeiria und Ribeirella 
11 zu: Franz Toula: Über Ovis Mannhardi n. 5 aus der co 


von Eggenburg 


II zu: Dr. W.Hammer: Porphyrit und Diorit aus er Ulentaler 
Alpen. 


NV VIE Drs KR: Poreek Obaitesen von Hai. im Be 
taurus . 


VIll zu: Dr. W.Petrase h ec An een aus ae Kreide Das 
und Sachsens . 


IX—X zu: Dr.O.Ampferer: Nördlicher Teil del Karwendel 


XI—XIII zu: Dr. J. Dreger: Lamellibranchiaten von Er und 
Kirchbichl in Tirol . & 


XIV zu: E. Fugger: Die oberönkerfeiehiächen Voralpen Bee 
Irrsee und Traunsee REN EN 


XV—XVI zu: Dr. F. Ryba: Ganneiiohininte bei Nftan 
XVII zu: Th. Ohnesorge: Der Schwazer Augengneis 
XIX zu: Dr. R. J. Schubert: Ärarische Tiefbohrung zu Wels 
XX zu: G. Geyer: Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich 


XXI— XXllIzu: E. Kitt!: Geologie der Umgebung von Sarajevo. Hierzu 
SE Beilage eine geologische Karte 1 : 75000 in Farbendruck 


Seite 


351 
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481 


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515 


Seite 


Personalstand 


der 


k. k. Geologischen Reichsanstalt. 


Direktor: 

Tietze Emil, Ritter des österr. kaiserl. Ordens der Eisernen Krone 
Ill. Kl., Besitzer des kaiserl. russischen Sct. Stanislausordens 
ll. Kl. und des Comthurkreuzes II. Kl. des königl. schwedischen 
Nordsternordens, Ritter des königl. portugiesischen Sct. Jakobs- 
ordens und des montenegrinischen Daniloordens, Phil. Dr., k. k. 
Oberbergrat, Mitglied der kaiserl. Leop. Carol. deutschen Aka- 
demie der Naturforscher in Halle, Präsident der k. k. Geogra- 
phischen Gesellschaft in Wien, Ehrenmitglied der Societe g&o- 
logique de Belgique in Lüttich, der königl. serbischen Akademie 
der Wissenschaften in Belgrad, der uralischen Gesellschaft von 
Freunden der Naturwissenschaften in Jekaterinenburg, der Gesell- 
schaft für Erdkunde in Berlin, der rumänischen Geographischen 
Gesellschaft in Bukarest und der schlesischen Gesellschaft für 
vaterländische Cultur in Breslau, korrespondierendes Mitglied 
der Geological society of London, der Societe Belge de G£ologie, 
de Pal&eontologie et d’Hydrologie in Brüssel, der Geographischen 
Gesellschaft in Leipzig ete., III., Hauptstraße Nr. 90. 


Vicedirektor: 
Vacek Michael, III, Erdbergerlände Nr. 4. 


Chefgeologen: 


Teller Friedrich, Phil. Dr. hon. causa, k. k. Bergrat, korr. Mitglied 
der kais. Akademie der Wissenschaften, III., Kollergasse Nr. 6. 

Geyer Georg, III, Kübeckgasse Nr. 9. 

Bukowski Gejza v., II., Hansalgasse Nr. 3. 

Rosiwal August, a. ö. Professor an der k. k. Technischen Hochschule, 
IIl., Bechardgasse Nr. 10. 


VI 


Vorstand des chemischen Laboratoriums: 


John von Johnesberg Conrad, k. k. Regierungsrat, II., Paffrath- 
gasse Nr. 6. 


Geologe: 
Dreger Julius, Phil. Dr., II., Ungargasse Nr. 63. 


Chemiker: 
Eichleiter Friedrich, III., Seidlgasse Nr. 37. 


Adjunkten: 
Kerner von Marilaun Fritz, Med. U. Dr., XIII, Penzingerstraße 
Nr. 78. 


Suess Franz Eduard, Phil. Dr., Privatdozent an der k. k. Universität, 
II., Afrikanergasse Nr. 9. 


Kossmat Franz, Phil. Dr., Privatdozent an der k. k. Universität, 
III., Metternichgasse Nr. 5. 


Abel Othenio, Phil. Dr., Privatdozent an der k. k. Universität, XII., 
Jenullgasse Nr. 2. 


Hinterlechner Karl, Phil. Dr., XVIIIL., Hofstattgasse Nr. 22. 


Bibliothekar: 
Matosch Anton, Phil. Dr., III., Hauptstraße Nr. 33. 


Assistenten: 
Hammer Wilhelm, Phil. Dr., III., Blattgasse Nr. 8. 
Schubert Richard Johann, Phil. Dr., UI., Pragerstraße Nr. 2. 
Waagen Lukas, Phil. Dr., III., Sophienbrückengasse Nr. 10. 
Ampferer Otto, Phil. Dr., XVIII, Haizingerstraße Nr. 47. 
Petrascheck Wilhelm, Phil. Dr., III., Geusaugasse Nr. 31. 


Praktikant: 
Trener Giovanni Battista, Phil. Dr., III, Untere Viaduktgasse Nr. |. 


Für das Museum: 
Zelizko Johann, Amtsassistent, 1II., Löwengasse Nr. 37. 


VII 


Für die Kartensammlung: 
Zeichner: 


Jahn Eduard, Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, 
III., Messenhausergasse Nr. 8. 

Skala Guido, III., Hauptstraße Nr. 81. 

Lauf Oskar, VII., Kaiserstraße Nr. 8. 


Für die Kanzlei: 
Girardi Ernst, k. k. Rechnungsrat, III., Marxergasse Nr. 23. 


In zeitlicher Verwendung: 
Frenzl Olga, II., Große Schiffgasse Nr. 26. 


Diener: 

Erster Amtsdiener: Schreiner Rudolf, 

Besitzer des silbernen Verdienstkreuzes mit 

der Krone 
Laborant: Kalunder Franz 
Zweiter Amtsdiener: Palme Franz 
Dritter Amtsdiener: Ulbing Johann III., Rasumofsky- 
Präparator: Spatny Franz easse Nr. 23 u. 25. 
Amtsdienergehilfe für das Laboratorium: 

Felix Johann 
Amtsdienergehilfe für das Museum: 

Kreyca Alois 
Heizer: Rausch Josef 


Portier: 
Schmid Josef, k. u. k. Invaliden-Feldwebel, IIl., Hauptstraße Nr. 1. 


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Ausgegeben am.15.. Mai. 1903, 


Een. 


| KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


GROLOCISCHEN BEICHSANSPALT 


JAHRGANG 1903. LIH. BAND. 


1. Heft. 
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Wien,. 1903. 
Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt. 


In Commission bei BR, Lechner (Wilh. Müller), k. u. k.- Hofbuchhandlung, 
I., Graben 81. 


Zur Ontogenie und Phylogenie der Gephalopoden. 


Von R. Hoernes. 


1. Die Anfangskammer der Nautiloidea und die angebliche 
Anheftung derselben bei Orthoceras. 


Die Untersuchungen von W. Branco über die Anfangskammern 
verschiedener Cephalopodengehäuse haben gezeigt, dass die Gestaltung 
und Sculptur der ersten Kammer von grosser Bedeutung für die 
Systematik der fossilen Cephalopoden ist. Im ersten Theile seiner „Bei- 
träge zur Entwicklungsgeschichte der Cephalopoden“ !) hat Branco 
zunächst die wesentlichen Unterschiede der Gestaltung der Anfangs- 
kammern verschiedener Ammoniten dargelegt und gezeigt, dass 
die Ammoniten nach diesen Unterschieden, zumal nach der Gestaltung 
der Anfangskammer selbst und nach dem breiten oder schmalen 
Aussensattel in zwei grosse Gruppen: Latisellati und Angustisellati, 
getrennt werden können. Im zweiten Theile ?) wurden die Verhältnisse 
der ersten Kammer und der Schalenanfänge bei Goniatiten, 
Clymenien, Nautiliden und Spiruliden eingehend erörtert. 
Unter den von Branco am Schlusse seiner überaus eingehenden, 
auf Grund eines sehr grossen, mühevolle Forschung verursachenden 
Beobachtungsmaterials gegebenen Darstellung veröffentlichten 31 
Sätzen ®) scheint mir der 17. von besonderer Bedeutung. Er lautet 
dahin, „dass nach den bisherigen Untersuchungen die Anfangskammern 
der Nautiliden, der Ammonitiden (Ammonites, Goniatites, Oly- 
menia) und der Spiruliden-Belemnitiden je als fremdartige 
Gruppen gegenüberstehen, die mit Ausnahme der sub 15 und 16 
vermerkten Uebereinstimmung und der sub 18 zu erwähnenden ganz 
allgemeinen Aehnlichkeit keinerlei nähere Verwandtschaft untereinander 
erkennen lassen“. Die sub 15 und 16 vermerkte Ausnahme bezieht 
sich darauf, dass Goniatites compressus Beyr. constant, andere ihm 
verwandte Arten bisweilen eine Anfangskammer aufweisen, „welche 
durch ihre kugel- oder eiförmige Gestalt, ihre Abschnürung von der 


1) Palaeontographica, 26. Bd. oder III. Folge, 2. Bd., 1. u. 2. Lieferung, 
Kassel 1879, Seite 15—72, mit 10 Tafeln ([IV—XII]). 


®) Palaeontographica, 27. Bd. oder III. Folge, 3. Bd., 1. Lieferung. Kassel 
1880, Seite 12—81, mit 7 Tafeln (IV—XIJ). 
9) Siehe: „Zusammenfassung der erlangten Resultate“, a. a. O., S. 75--80. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (R. Hoernes.) ! 


D) R. Hoernes. [2] 


übrigen Schalenröhre, das uhrglasförmige, ‚nach vorn concave erste 
Septum und die fast gerade erste Sutur sich kaum von derjenigen 
einer Spirula (oder eines Belemnitiden) unterscheidet“. In Punkt 18 
aber wird vermerkt: „Zwischen der Anfangskammer eines Nautiliden 
und derjenigen eines Spiruliden-Belemnitiden besteht eine gewisse 
Uebereinstimmung in dem allgemeinen Bauplane. Beiden sind gemeinsam 
die oben gelegene Mundöffnung von annähernd kreisförmigem Um- 
risse, das Fehlen einer spiralen Aufrollung der Schale der Anfangs- 
kammer und die damit im Zusammenhange stehende Nabellosigkeit.“ 
In Punkt 17 aber wird hervorgehoben, dass dies „nur eine ganz all- 
gemeine Aehnlichkeit“ sei. 

Branco’s Auffassung der grundsächlichen Verschiedenheit der 
Anfangskammern der Nautiliden und Ammoniten beruht im Wesent- 
lichen darauf, dass er, im Gegensatze zu Hyatt, die mit „Narbe“ 
(Barrande’s Cicatrice) versehenen, an der Spitze des Nautilus-. oder 
Orthoceras - Gehäuses befindlichen Kammern als wahre Anfangs- 
kammern bezeichnet. Er findet demgemäss einen wesentlichen Unter- 
schied in der spiralen Gestaltung der Anfangskammer eines Ammoniten 
und der kegel-, näpfchen- oder fingerhutförmigen eines Nautiliden, 
ferner darin, dass erstere stets glatte und unverzierte, letztere hin- 
gegen sculptirte Anfangskammern aufweisen. Zu dieser Sculptur 
rechnet er auch die von Barrande als Cicatrice oder Narbe 
geschilderte Bildung, welche unbekannten Zweck habe, aber nicht 
in der Weise gedeutet werden könne, wie dies von Hyatt und 
Barrande geschehen sei. Ersterer nimmt bekanntlich an, dass der 
Anfang der Nautilidenschale, das, was Branco später als „Anfangs- 
kammer“ bezeichnete, in Wirklichkeit die zweite Kammer sei. 
Die echte Anfangskammer der Nautiliden sei hingegen vergänglicher 
oder zerbrechlicher Natur gewesen; deshalb finde man auch bei dem 
lebenden Nautilus nie eine Spur derselben. Die Narbe betrachtet 
Hyatt als die sichtbare Erinnerung an die Oeffnung, durch welche 
das junge Tbier aus der häutigen oder zerbrechlichen Anfangskammer 
in die bleibende Schale geschlüpft sei. Dann aber sei auf dieser 
Oefinung Kalk abgelagert und die Schale durch die Narbe geschlossen 
worden. }) 

Gegen diese Anschauung Hyatt’s hat sich bereite Barrande 
sehr energisch verwahrt und sie mit folgenden Worten lächerlich zu 
machen gesucht: 

». . . parmi toutes les conceptions imaginables, il en est une 
qui doit &tre necessairement Eliminge, comme absolument impossible, 
d’apres la nature des documents fournis par nos Cephalopodes, et 
que nous allons voir confirmes par l’etude de Naut. Pompilius. 
Cette combinaison impossible ä nos yeux serait celle, qui tendrait & 
supposer, que la cicatrice represente le passage du mollusque entre 
P’oeuf et sa coquille. En effet, nous venons de constates, que la 


. . . a : 6 . 0 
eicatrice, qui ofire les plus grandes dimensions, est reduite ä , c. a. 


x 5 


d. & une faible fraction de la surface de la calotte, & sa base, ou A 


') A. Hyatt, Foss. Cephalop. of the Mus. of compar. zoology. Bull. 
Cambr., Mass. Vol. III. Nr. 5. 


[3] Zur Ontogenie und Phylogenie. der Cephalopoden. 5 


Vextremite de la coquille. Cette extremit6 nous montre la forme 
exterieure et les dimensions du jeune mollusque dans sa premiere’ 
station. La fraction la plus: voisine, dans nos especes figurees, 


s’abaisse & -_ et nous pourrions en citer d’autres encore plus 
minimes. Ainsi, le passage du mollusque par louverture 
representee par la cicatrice sur la calottte initiale, 
Serait une difficulte & pew pres de m&me ordre, que le 
passage d’un chameau ou d’un cäble, par le trou d’une 
aiguille.“) 

Branco wendet sich gleichfalls gegen die Hyatt’sche Ansicht 
und erörtert sehr ausführlich ?) die Umstände, welche ihn bestimmen, 
im Gegensatze zu Hyatt die mit Narbe versehene Kammer als die 
wirkliche Anfangskammer zu bezeichnen. Er wirft die Frage auf, 
wie denn das junge Nautilidenthier geformt gewesen sein mag und 
wie es urplötzlich seine Gestalt geändert haben könne, um durch 
die Narbe, die bald rund, bald strichförmig schmal, bald kreuzförmig 
gestaltet sei, hindurch zu schlüpfen — ferner wie es abermals seine 
Gestalt geändert haben könne, da ja der Anfang der Nautilidenschale 
kegel- oder näpfchenförmig sei. Es könne auch die Annahme einer: 
verschwundenen Anfangskammer deshalb nicht aufrechterhalten werden, 
weil dann die Spitze der kalkigen, nach Branco’s Ansicht wirklichen 
Anfangskammer, an welcher sich die Narbe befindet, das erste Septum 
darstellen würde, durch welches die häutige Schale von der kalkigen 
geschieden werde. Septa bestünden aber nur aus Perlmuttersubstanz 
und seien unverziert, während jene Spitze der kalkigen Anfangs- 
kammer häufig bereits mit Sculptur versehen sei und nach Barrande 
eine aus drei Schichten bestehende Schale besitze, demnach. wohl 
nur im Innern mit Perlmuttersubstanz ausgekleidet sein dürfte. 

Barrande, welcher sehr eingehende Studien über die „Narbe“ 
des jugendlichen Orthoceras - Gehäuses angestellt hat, ?) vermuthet, 
dass irgendein dem jungen Thiere eigenes Organ durch die später: 
mittels der Narbe geschlossene Oeffnung in’s Freie getreten sei. 
Er äussert sich allerdings sehr reservirt über diesen Gegenstand 
am Schlusse seiner Betrachtungen über die Narbe: 

„Il nous resterait maintenant & reconnaitre l’origine de la 
fissure, representee par la cicatrice et le röle qu’a joue l’organe 
ou la partie du corps, dont elle constate l’existence. Nous ne 
possedons aucun document demonstratif, pour resoudre ce probleme 
en toute seceurite. Nous ne pouvons donc presenter ä ce sujet que 
des interpretations hypothetiques, dont ancune ne pourra peut-etre 
jJamais 6&tre verifice.“ 

Barrande vermuthet, dass durch die später durch die Narbe 
geschlossene Oeffnung eine Verbindung mit einem provisorischen 
äusseren Organe, vielleicht Kiemen, Dottersack oder Schwimmblase, 
stattgefunden hätte. Dieses äussere Organ, welcher Natur immer, 


1) J. Barrande, Cephalopodes. Etudes gen@rales. Prague 1877. Seite 46. 

?2) Branco, II, Seite 46. j 

°») J. Barrande, C£phalopodes. Etudes generales. Prague 1877, pag. 33—45. 
— Systeme silurien du centre de la Bohöme, Vol. Il, Texte V, Seite 1375—1397. 


1* 


4 R. Hoernes. [4] 


konnte aber keine lange Dauer haben, da sein Zusammenhang mit 
dem Körper des Weichthieres nothwendigerweise unterbrochen werden 
musste, sobald dieses über der ersten Schalenanlage (der „calotte 
initiale“ Barrande’s) die erste Scheidewand gebildet hätte, und 
den ältesten. Theil des Sipho, welcher sein blindes Ende an .die 


Narbe fügt. 

Branco erörtert, !) dass die beiden ersten Annahmen Barrande’s 
(Vorhandensein eines Dottersackes oder provisorischer Kiemen, welche 
durch die Narbenöffnung mit dem Thiere zusammengehangen hätten) 
nicht gut annehmbar seien, wenn nicht etwa die embryonale Ent- 
wicklung des Nautilus eine total andere sei als jene der übrigen. 
lebenden Cephalopoden. 

Was aber die dritte Voraussetzung, das Vorhandensein einer 
Schwimmblase, anbelangt, so komme ein solches Organ (vessie nata- 
toire) bei den Mollusken nicht vor. 


Branco betont, dass es bei weiterer Untersuchung der Frage 
vor Allem darauf ankomme, sich Gewissheit darüber zu verschaffen, 
ob eine wirkliche Narbe oder nur eine narbenähnliche Verzierung 
der Schale vorliege. Barrande’s Darlegungen sprächen allerdings 
dafür, dass eine echte Narbe vorhanden sei. Ueber die Natur der 
Narbe enthält sich Branco gegenüber dem grossen Beobachtungs- 
materiale, über welches Barrande zu verfügen hatte, jedes Ur- 
theiles und beschränkt sich auf die Bemerkung: „Lag der Narbe 
eine wirkliche Oeffnung zu Grunde, so wird man sich die Anfangs- 
kammer von Nautilus ähnlich wie die Schale einer Fissurella zu 
denken haben, mit dem Unterschiede freilich, dass bei letzterer sich 
das Loch erst bei späterem Wachsthume herausbildet, während es 
bei Nautilus gerade umgekehrt nur in der frühesten Jugend vor- 
handen sein soll. Wäre die Narbe dagegen keine echte, sondern eine 
blosse Verzierung, so würden wir in der Schale von Patella ein un- 
gefähres Bild der Anfangskammer von Nautilus erblicken können. 
In gleicher Weise aber, wie die Schale von Fisurella und Patella 
eine Seulptur trägt, so zeigt sich auch bei Nautilus die Anfangs- 
kammer oft verziert. Und letzteres ist, wie schon erwähnt, der beste 
Beweis gegen die supponirte häutige Anfangskammer.“ 


K. A. v. Zittel hat sich indessen nicht der Branco’schen 
Anschauung angeschlossen, sondern ist geneigt, die Hyatt’sche An- 
nahme einer vergänglichen Embryonalkammer der Nautiliden zu ac- 
ceptiren. Er meint: „Es ist nicht wahrscheinlich, dass die stumpf 
conischen Anfangskammern der Nautiliden wirklich den eingerollten, 
kugeligen Initialkammern der Ammoniten homolog sind. Im Gegen- 
theil, die Anwesenheit einer Narbe legt die Vermuthung nahe, dass 
diese entweder die Ansatzstelle oder die nachträglich geschlossene 
Verbindungsöffnung zu einer weiteren, leicht vergänglichen, vielleicht 
häutigen Blase darstellt, welche der Anfangskammer der Ammoniten 
entspräche. Nach dieser von Hyatt vertretenen Auffassung wäre 


) Branco, IT, Seite 47. 


[5] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 5 


demnach die Anfangskammer der Nautiliden gleichwerthig der zweiten 
Kammer der Goniatiten und Ammoniten.“ )) 

Und an anderer Stelle?) äussert sich Zittel, nachdem er des 
abweichenden Verhältnisses bei einigen paläozoischen Nautiloideen 
mit gerader Schale und sehr diekem Sipho (Endoceras, Piloceras) 
gedachte, bei welchen das hintere Ende des Gehäuses vom Sipho 
gebildet wird, der hinter der ersten Scheidewand anschwillt und sich 
dann nach hinten zu einer Spitze verengt, mit folgenden Worten: 
„In der Regel bildet jedoch die erste Luftkammer das Embryonalende 
der Schale. Dieselbe hat conische Form, ist am unteren Ende ab- 
gestutzt und aussen fast immer mit einer Narbe versehen, welche 
vermuthen lässt, dass hier vielleicht eine vergängliche Embryonalblase 
angeheftet war.“ 

Wichtige Beobachtungen über die erste Schalenanlage bei silu- 
rischen Nautiloideen hat Gerhard Holm gemacht und 1885 
veröffentlicht. ?) Es betreffen dieselben erstlich die Anfangskammer 
von KEndoceras belemnitiforme Holm, dann die Anfangskammer und 
den Anfang der Sipho bei Lituwites teres Eichw. und der Gattung 
Trocholites. 

Die Anfangskammer von Endoceras belemnitiforme weicht von 
jener der übrigen Tetrabranchiaten durch ihre ausserordentliche Grösse 
sowie dadurch ab, dass sie ausschliesslich vom Sipho eingenommen 
wird. Das ganze spitze Hinterende des Gehäuses ist hohl und bildet 
einen offenen, in den Sipho übergehenden Raum, welcher ehedem 
vom fleischigen Sipho oder richtiger von dem noch nicht zu einem 
Sipho differenzirten Visceralsack eingenommen wurde. Bei den Endo- 
ceren mit grossem Sipho hat, wie Holm hervorhebt, der Sipho 
eine ganz andere Bedeutung als bei den übrigen Tetrabranchiaten 
mit dünnem Sipho. Der ursprüngliche Visceralsack des Thieres, der 
die ganze offene conische Anfangsspitze ausfüllte, zieht sich bei den 
Endoceren in die Länge aus und bildet den Sipho, der wahr- 
scheinlich dauernd theilweise als Visceralsack functionirte. Bei der 
grossen Bedeutung, welche die embryonalen Verhältnisse bei der ur- 
sprünglichsten uns bekannten Cephalopodentype aus der Gruppe der 
Nautiloideea für die hier erörternden Fragen besitzen, sei die Dar- 
stellung, welche Holm von dem allmäligen Aufbau der Schale 
sowie der Bildung der ersten Kammern bei Endoceras belemnitiforme 
gibt, in extenso mitgetheilt. Er sagt: „Der Visceralsack des Thieres 
hatte eine bedeutende Grösse erreicht. Seine Form war hinten zu- 
gespitzt conisch. Die Mantelfläche hatte eine ebenso geformte Schale 
abgesondert. Die vom Mantel erzeugte Schale war also ganz offen 
und von einer zugespitzt conischen Form; sie bildete jetzt nur eine 
Kammer, die zugleich Anfangs- und Wohnkammer, ganz vom Thiere 


!) K. A. v. Zittel, Handbuch der Paläontologie, 1. Abt. Paläontologie, 
II, Seite 345. 

2) K. A. von Zittel, Grundzüge der Paläontologie (Paläozoologie) 1895, 
Seite 377. 

®») Gerhard Holm, Ueber die innere Organisation einiger silurischer 
Cephalopoden. Paläontologische Abhandlungen. Herausgegeben von W. Dames 
und E, Kayser, III. Bd., Heft 1, 28 Seiten, 5 Tafeln, 


6 R. Hoernes. [6] 


ausgefüllt war. Bei dem Fortwachsen des Thieres wurde die Schale 
wie gewöhnlich am vorderen Rande verlängert. Da das Thier zuletzt 
zu schwer wurde und einen hydrostatischen Apparat nöthig hatte, um 
sich heben und senken zu können, wurden jetzt die Luftkammern. 
gebildet, durch welche das hydrostatische Problem bei den Tetra- 
branchiaten gelöst ist. Die erste von diesen entstand dadurch, dass: 
am oberen Ende des Visceralsackes eine,von der einen Seite der 
Schale ausgehende, beinahe geschlossene, ringförmige Einschnürung, 
entstand. Die so erzeugte Mantelfalte sonderte jetzt Schalensubstanz 
aus. Es bildete sich eine faltenförmige Wand und eine Abkamme-, 
rung eines Theiles der ursprünglichen offenen Anfangskammer aus. 
Die so entstandene Kammer war leer und bildete die erste Luft- 
kammer. Diese ist also nur von einer faltenförmig gebogenen: 
Scheidewand begrenzt und liegt hier hinter der Wand, die der ersten 
Scheidewand bei Nautilus entspricht. Sie entspricht daher 
der Anfangskammer bei diesem.!) Da sie hier als Luft- 
kammer gleich den übrigen functionirt, so. habe ich sie als die erste 
Luftkammer bezeichnet, obgleich sie in der That einen Rest der 
zuerst ganz offenen Anfangskammer ausmacht. Auch die zweite Luft- 
kammer ist zum Theil wahrscheinlich von dem Vordertheile der An- 
fangskammer gebildet. Der Visceralsack der Thiere war jetzt durch 
eine Einschnürung in einen hinteren und einen vorderen Theil 
sesondert, ebenso wie das ursprünglich ganz offene Gehäuse. Der 
vordere Theil bildet jetzt die eigentliche Wohnkammer, aber der 
srosse Visceralsack erfüllt auch den hinteren Theil. Das Wachsthum 
des Thieres schreitet fort. Die Schale verlängert sich wiederum an 
der Mündung. Das Thier wird wieder zu schwer und muss abermals 
eine Luftkammer bilden. Es löst sich von der Schalenwand ab, der 
Visceralsack verlängert sich an der Einschnürung und das Thier: 
rückt ein Stück im Gehäuse vor. Die Mantelfläche bildet eine neue 
Scheidewand und an dem Theile des Visceralsackes, der an der 
Streckung theilgenommen hat, setzt sich die Kalkabsonderung als 
eine Scheide, als Siphonaldute fort. Damit ist jetzt der Siphonal- 
strang des Thieres entstanden. Der Sipho von Zndoceras belemniti- 
forme muss also als durch eine Differenzirung des Visceralsackes 
entstanden angesehen werden.“ | 

Diese Ausführungen Holm’s wurden hier a cchen, weil 
sie erstlich die erste Schalenanlage bei einer primitiven, den Urahnen 
der Tetrabranchiaten unstreitig nahe stehenden Form darlegen und 
uns auch Aufschluss darüber geben, wie die räthselhafte Bildung des 
Sipho zu Stande kam. Mit Recht sagt Holm: „Die von Zittel — 
Handbuch der Paläontologie, Bd. I, Abth. 2, pag. 349 — aufgeworfene:; 
Vermuthung, dass der Sipho der "Tetrabranchiaten sich gemäss der 


‘) Gegen diese Auffassung Holm’s lassen sich auf Grund der neueren Er- 
fahrungen über die Anfangskammern bei Nautilus und Orthoceras, welche in ge- 
wissem Sinne Hyatt’s Annahme des Vorhandenseins einer vergänglichen oder 
doch jeicht zerstörbaren ersten Kammer bestätigen, Einwände geltend machen, 
die hier nicht vorgebracht werden, da sie ohnedies aus den weiteren, die Dar- 


legungen Ja ekel’s und Po&ta’s über diesen Gegenstand betreffenden Ausführungen - 
zur Genüge erhellen. 


[7] Zur Ontogenie und. Phylogenie der Cephalopoden. 7 


Entwicklungsgeschichte der Thiere am besten als ein Ueberrest des 
Visceralsackes erklären lasse, da für den Sipho eine bestimmte 
physiologische Function nicht ausfindig gemacht werden könne, wird 
durch die oben beschriebenen Verhältnisse bei Eindoceras belemniti- 
forme nicht nur wahrscheinlich gemacht, sondern erhält eine feste 
Stütze.“ Wir müssen Holm wohl auch beipflichten, wenn er meint, 
dass die mit grossem  Sipho ausgestalteten Tetrabranchiaten die 
älteren, jene mit ‚kleinem Sipho die jüngeren Formen seien: „Bei 
den Formen mit kleinem Sipho ist dieser ein im Rückgange befind- 
liches Organ, bei denen mit grossem functionirt derselbe noch als 
ein Theil des Visceralsackes. Die Tetrabranchiaten stammen wahr- 
scheinlich von Formen mit einer offenen conischen Schale ohne 
Scheidewände und Sipho ab. Die Endoceren, also Formen mit grossem 
Sipho, scheinen überhaupt die ältesten zu sein.“ 

Es scheinen mir ferner die Bemerkungen Holm’s über die 
Verhältnisse bei anderen Arten der Gattung Endoceras von grossem 
Interesse. Holm hat allerdings an diesen den Bau der Anfangs- 
kammer selbst und die erste Anlage des Sipho nicht beobachten 
können, wohl aber gefunden, dass die Anfangskammer in der Regel 
viel kleiner gewesen sein müsse als bei Eindoceras belemnitiforme. Er 
hat in mehreren Fällen bei Eindoceras-Arten den Anfangstheil bis zu 
einem Durchmesser von einigen Millimetern beobachten können, bei 
allen war dieser Anfangstheil noch einfach conisch und zeigte ebenso 
wie der übrige Theil der. Schale Scheidewände und Sipho. Bei einem 
Exemplare von KEndoceras Burchardi Dew. war der Anfangstheil 
eigarrenförmig zugespitzt. Die Spitze selbst war bei einem Durch- 
messer von einigen Millimetern abgebrochen, aber die Scheidewände 
waren schon entwickelt. Nach Holm’s Untersuchungen scheinen 
also bei Eindoceras die ersten Kammern in Grösse und Gestalt ziem- 
lich zu variiren, wie dies später auch hinsichtlich Orthoceras und Nautilus 
dargelegt werden wird. 

Holm hat auch bei eingerollten silurischen Nautiloideen, 
nämlich bei Zitwites teres Eichw. und zwei Formen der Gattung 
Trocholites: Trocholites incongruus (Eichw.) Lindström und Trocholites 
sp., die Anfangskammern untersucht. Beide Gattungen, Lituites und 
Trocholites, weichen in der Gestaltung der ersten Kammer, namentlich 
aber in der Anlage des Sipho nicht unwesentlich von Nautilus ab. 
Sowohl bei Litwites teres als bei den beiden von Holm untersuchten 
Trocholites geht der Sipho nicht durch die Anfangskammer bis an 
deren Ende — er fängt vielmehr bei T’rocholites mit einem ganz 
freien abgetrennten Ende an, das nicht einmal bis in die Mitte der 
ersten Kammer hineinragt, bei Lituites aber liegt er nahe der äusseren 
Seite der schon in der Gestaltung der ersten Kammer angedeuteten 
Spirale, ist etwas angeschwollen und legt sich mit seinem. nur wenig 
in die erste Kammer hineinragenden Ende an die Innenseite des 
Externtheiles. Ich finde in der Anlage des Sipho in den von Holm 
geschilderten Anfangskammern von Litwuites und Trocholites mehr 
Uebereinstimmung mit den von Branco bei Ammonitiden 
geschilderten Verhältnissen als mit Nautilus, das heisst mit der von 
Branco als Anfangskammer der letzteren betrachteten Kammer, 


8 R. Hoernes. [8] 


was eben daher rührt, dass in den von Holm untersuchten Fällen 
die wirkliche Anfangskammer vorlag, während dies bei der sogenannten 
Anfangskammer von Nautilus nicht der Fall ist. Dementsprechend 
konnte Holm auch die sogenannte „Narbe“ an der Hinterwand der 
Anfangskammer nicht auffinden. 

J. M. Clarke hat an einer leider nur fragmentär erhaltenen 
Orthoceras-Schale aus nordamerikanischem Devon eine sehr bemerkens- 
werthe Beobachtung gemacht.) Es bezieht sich dieselbe auf eine 
theilweise erhaltene Anfangskammer von kalkiger Beschaffenheit, doch 
vermag der Fund eben seiner Unvollständigkeit wegen (es ist ausser 
der nur theilweise erhaltenen, als Protoconcha gedeuteten Anfangs- 
kammer nur eine einzige Luftkammer erhalten) die Frage nach der 
Beschaffenheit der Anfangskammmer bei Orthoceras nicht mit aller 
Bestimmitheit zu lösen. 

OÖ, Jaekel hat bei Aufstellung seiner „Thesen über die Organi- 
sation und Lebensweise ausgestorbener Cephalopoden“?) diese ihm 
vielleicht unbekannt gebliebene Beobachtung Clarke’s gänzlich ver- 
nachlässigt und auch in der Discussion über jene Thesen, 3) in welcher 
mehrere Herren (Branco, Menzel, Gagel, Oppenheim und 
Weissermel) gegen die von Jaekel angenommene sessile Lebens- 
weise der ÖOrthoceren opponirten, ist merkwürdigerweise die 
Clarke’sche Wahrnehmung nicht als Einwand gegen Jaekel’s 
Behauptung, dass die Anfangskammer der Orthoceren aus Conchyolin 
bestanden habe, geltend gemacht worden. Wie wir unten sehen 
werden, hat Ph. Poöta die durch Clarke gemachte Beobachtung 
an Jungen Orthoceras-Individuen aus Barrande’s Etage Z, von dem 
bekannten Fundorte Vyskotilka bei Prag bestätigen können. Ehe 
wir jedoch auf die Ergebnisse Po&Gta’s eingehen können, müssen 
wir die Jaekel’sche Hypothese von der Festheftung der Orthoceren 
durch ihre fest gewachsene Embryonalkammer näher betrachten. 

Jaekel’s These 1 lautet: „Die Orthoceren können wir uns 
nicht als freischwimmend vorstellen, wohl aber als festgewachsen 
wie die Conularien, derart, dass ihre gekammerte Schale aus einer 
sockelartigen, festgewachsenen Embryonalkammer emporwuchs und 
mit dieser durch conchyoline Ausscheidungen in biegsamer Ver- 
bindung blieb.“ Ueber die Art, wie Jaekel sich diese bleibende 
Anheftung eines Orthoceras mittels seiner Anfangskammer vorstellt, 
gibt die von ihm veröffentlichte bildliche Darstellung“) Aufschluss. 
Jaekel’s „Schematisches Bild des Schalenanfanges eines Orthoceren- 
körpers“ zeigt uns einen „Urkörper“, der von einer mit breiter 
Basis fesigehefteten „Urschale“ umgeben wird und nur durch 


') J. M. Clarke, The Protoconch of Orthoceras. American Geologist, 
Vol. 12, 1893, $. 112. 
® ) 0. Jaekel, Thesen über die Organisation der Cephalopoden. Protokoll 
über die Sitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft am 5. Februar 1902. — 
Zeitschrift d. Deutschen geol. Gesellschaft. 54. Bd. Protokolle S. 7. 

°) Discussion über O. Jaekel’s „Thesen“ in der März- und April- Sitzung 
dar nn geologischen Gesellschaft. — Zeitschrift, 54. Bd. Protokolle, 
8. 6 01. 

*) Fig. 2 auf S. 75, 


[9] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden, 9) 


einen schmalen, dem Durchtritt des Sipho entsprechenden, eingeengten 
Hals in das „Thecosoma“, den mittleren, von Kammern eingeengten 
Theil des Körpers übergeht, welches Thecosoma sich (wie Jaekel 
sagt) nach oben in das „Cephalosoma* fortsetzt, das bei den Octo- 
poden nach ihm allein übrig bleiben soll. In diesem Bilde fällt uns 
vor Allem die breite, als sockelartige Wurzel dargestellte Urschale 
auf, welche mit der gekammerten Kalkschale durch conchyoline Aus- 
scheidungen (im Bilde mit „Z“ bezeichnet) verbunden werden soll. 
Von welchem Organe des Körpers diese „Ausscheidungen“ her- 
rühren sollen, bleibt zweifelhaft, da ja der Inhalt des „Prosoma“ 
oder Urkörpers lediglich mit dem „Thecosoma“* oder Kammer- 
strang communieirt, und zwar durch jene Oeffnung, von der wir durch 
Barrande’s Untersuchungen wissen, dass sie sehr klein und durch 
eine wahre Narbe geschlossen wurde. 

Jaekel’s Annahme einer sockelartigen, festgewachsenen Em- 
bryonalkammer bei Orthoceras wird verursacht durch seine Deutung 
des Zweckes der Septal- und Kammerbildung bei diesen von ihm den 
Korallen, Hippuriten und gewissen festgehefteten Gastropoden ver- 
slichenen Tetrabranchiaten, die im Bau ihrer Schale — abgesehen von 
der mangelnden Einrollung — so nahe mit dem heute noch lebenden 
Nautilus verwandt sind, bei welchem die Schale als hydrostatischer 
Apparat dient. Jaekel’s zweite These lautet: „Die Septal- und 
Kammerbildung diente wie bei den Korallen, Hippuriten und einigen 
sessilen, emporwachsenden Gastropoden dazu, den Körper über den 
durch Sedimentation wachsenden Boden zu erheben, ohne ihn zu 
einer wesentlichen Aenderung seiner Form zu zwingen, und bei den 
Orthoceren gleichzeitig dazu, die aufrechte Stellung der Schale und 
damit des Thieres auf einer relativ kleinen Basis zu erleichtern.“ 

In dieser zweiten These Jaekel’s liegt der Kern seiner ganzen 
Annahmen, denn die erste ist ja — da sie auf keinerlei Beobachtungen 
beruht — lediglich eine logische Consequenz der Ansicht, dass die 
Örthoceren sich nicht, wie bisher fast allgemein angenommen wurde, 
nach Art der heutigen Tintenfische rasch durch das Wasser bewegten, 
wobei die Spitze des Gehäuses im Sinne der Bewegung nach vorne 
gerichtet war und als Wassertheiler funetionirte. Es macht nun Jaekel 
gegen diese Ansicht der freien Bewegung der Orthoceren fünf Ein- 
wände geltend, !) welche der Reihe nach aufgezählt und erörtert 
werden sollen, obwohl sie bereits in der Discussion der „Thesen“ 
durch die Mitglieder der Deutschen geologischen Gesellschaft Wider- 
legung fanden. 

Der erste Einwand lautet: „a) Die Kalkschale der Orthoceren 
ist viel zu dick und schwer für eine pelagische Lebensweise, überdies 
bei einigen Formen noch durch besondere Kalkausscheidungen be- 
schwert.* Gegen diesen Einwand hat in der Discussion der Jaekel’schen 
Thesen Weissermel die ältere Auffassung mit guten Gründen ver- 
theidigt. Er sieht in der gekammerten Cephalopodenschale ein Mittel 
der Erleichterung des Körpers, ein Analogon der Schwimmblase der 


!) Zeitschr. d. Deutschen geol. Gesellsch., 54. Bd., 2. Heft, 1902. — Sitzungs- 
protokolle, Seite 70. 


Jahrbuch d. K. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft, (R. Hoernes.) 2 


10 R. Hoernes. [10] 


Fische, um die für active Räuber nothwendige energische Bewegung 
im Wasser zu ermöglichen oder zu erleichtern. Treffend scheint mir 
der Vergleich, welchen Weissermel mit anderen Organismen, 
welche sich in einem leichteren Medium bewegen, und mit den beiden 
Methoden der Aöronautik — passiv durch einen Ballon oder activ 
durch einen Motor — zieht: „Beide Mittel werden meist neben- 
einander angewandt (Vögel, Fische); das letztere, die Erhöhung der 
activen Energie, ist aber bei weitem leistungsfähiger, dasselbe hat 
daher auch bei den Cephalopoden im Concurrenzkampfe gesiegt: die 
mit bedeutendem activen Schwimmvermögen ausgerüsteten Stämme 
haben die mit gekammerter Schale bis auf geringe Reste aus den 
Meeren der Erde verdrängt.“!) Jaekel betont dagegen, „dass die 
Orthocerenschale, als Luftballon gedacht, viel zu schwer gepanzert 
wäre“. Es muss aber diesem Einwande Jaekel’s gegenüber vor Allem 
geltend gemacht werden, dass bei Nautilus die gekammerte Schale 
zweifellos die Function eines hydrostatischen Apparäts hat, welcher 
dem Thiere das Schwimmen und zumal das Auf- und Absteigen er- 
leichtert. Es ist also von vornherein wahrscheinlich, dass auch die 
sekammerte Orthoceras-Schale von Hause aus dieselbe Bestimmung 
hatte. Barrande, welcher über den Schalenbau der paläozoischen 
Nautiloidea die eingehendsten Untersuchungen angestellt hat, betrachtet 
die gekammerte Schale als Schwimmapparat, der zuweilen sogar, wenn 
er allzu grossen Auftrieb entwickeln würde, mit organischem Depot 
belastet werden muss, welches häufig im Sipho, zuweilen aber auch 
in den Luftkammern zur Ablagerung kömmt. Die eingehenden Dar- 
legungen Barrande’s über die Art und Weise, in welcher das 
organische Depot zu Stande kommt, und die Verschiedenheit des 
Auftretens desselben bei verschiedenen paläozoischen Formen, zumal 
bei der Gattung Orthoceras (Gegensatz der longiconen zu den brevi- 
conen Formen), rechtfertigen, wie mir scheint, die Ansichten, welche 
Barrande im Abschnitt IV „But du depöt organique“ des Capitels VII 
„Depöt organique dans les loges a@riennes“ 2) vorbringt. Barrande 
betont, dass der grösste Theil der Orthoceren, welche ein organisches 
Depot aufweisen, eine verlängerte, langsam anwachsende Schale be- 
sitzt (Orthoceres longicones). Die Wohnkammer des Thieres erreiche 
höchstens die Hälfte der Schalenlänge, bleibe aber häufiger hinter 
derselben zurück: „Cette grande loge represente le volume de l’animal 
a peu pres complet. On sait, que la densite moyenne d’un mollusque 
ne differe pas beaucoup de celle de l’eau de la mer. Ainsi, pour 
faire flotter un semblable corps, il suffissait d’un flotteur & air peu 
considerable. Nous voyons, au contraire, que la longue serie des loges 
aeriennes constitue souvent un volume de beaucoup superieur & celui 
du mollusque. Par eonsequent, la puissance flottante de la partie 
cloisonnee, si elle eut &te entierement remplie d’air, aurait &te trop 
energique, pour ne pas contrarier les mouvements de l’animal. En 
eifet, il faut nous rappeler que la densite de l’air est tres minime 


)A.%8..0, '8:.100, 


“) J. Barrande, Systöme silurien du centre de la Bohöme. Vol. II, qua- 
trieme partie, 1877. Chapitre VII, Seite 264—290, 


[11] Zur Ontogenie und Fhylogenie der Cephalopoden. 11 


par rapport & celle de l’eau, dont elle ne represente que 1/773. 1 
semblerait done que le depöt organique, dans les loges a@riennes, etait 
destine a diminuer le volume d’air qu’elles contiennent, et A former 
un contre poids contre leur tendance ascensionelle trop puissante.“!) 

Diese Ausführungen Barrande’s werden meiner Ansicht nach 
wesentlich gestützt durch das entgegengesetzte Verhalten, welches 
die longiconen und breviconen Orthoceren hinsichtlich der Bildung des 
„Depöt organique* erkennen lassen. Es unterliegt meiner Ansicht 
nach keinem Zweifel, dass die Function der gekammerten Orthoceras- 
Schale dieselbe war wie diejenige der Nautilus-Schale. Für Nautilus 
ist es nach den Untersuchungen von Quenstedt und Woodward 
und nach den bezüglichen Darlegungen in Bronn’s Classen und Ord- 
nungen ?) zweifellos, dass Nautilus in der Lage ist, durch Zurückziehen 
oder Vorstrecken des Leibes den Auftrieb der gekammerten Schale 
aufzuheben: oder in Thätigkeit zu setzen: „Wie es Rumph und 
Bennet nach eigener Anschauung, Prosch nach den Angaben 
dänischer Walfischfänger der Südsee mittheilen, tritt beim Schwimmen 
oder Treiben das Thier mit ausgebreiteten Tentakeln aus der Mündung 
der Schale hervor und stürzt, sobald es sich in die Schale zurückzieht, 
dem Fange dadurch entgehend, rasch in die Tiefe.* Auch Orthoceras 
hat gewiss den Auftrieb seiner gekammerten Schale in gleicher 
Weise benützt, um durch Hervortreten aus der Wohnkammer an die 
Oberfläche emporzusteigen, durch Rückzug in die Wohnkammer 
aber die Flucht in die Tiefe anzutreten. Ein allzu leichtes Gehäuse 
aber hätte allzu grossen Auftrieb entwickelt und deshalb musste es 
durch das organische Depot belastet werden. Dass das organische 
Depot in diesem Sinne zu deuten ist, wird vor Allem dadurch er- 
wiesen, dass die paläozoischen Nautiloides (im weiteren Sinne) noch 
ein anderes Mittel anwenden, um den allzu grossen Auftrieb ihrer 
gekammerten Schalen zu verringern: sie werfen einen Theil 
ihrer Kammern ab. Barrande hat in seinem grossen Silurwerke 
diese für die biologischen Verhältnisse der paläozoischen Nautiloidea 
höchst wichtige Thatsache eingehend erörtert. Am lehrreichsten sind 
die an zahlreichen Exemplaren von Orthoceras truncatum Barr. studirten 
Verhältnisse, weiche darthun, dass diese Form regelmässig je vier 
Luftkammern abwarf und dass sich dieser Vorgang bei den grössten 
Exemplaren mindestens vierundzwanzigmal vollzog. Ueberaus inter- 
essant sind dann auch die Schalenbildungen, welche an dem abge- 
stutzten Ende des Gehäuses von Orthoceras truncatum zu Stande 
kommen und von Barrande?) eingehend geschildert werden. 
Barrande leitet mit Recht aus der Art und Weise, mit welcher 
die Reparatur des Orthoceras truncatum zu Stande kommt, den Schluss 
ab, dass das Thier, welches diese Schalen bewohnte, mit Organen 


2), As, 2. 0: 81280, 


°) H.G.Bronn, Classen und Ordnungen der Weichthiere; fortgesetzt von 
W.Keferstein, III. Bd.. 2. Abth., S. 1347 und 1348. 


») J. Barrande, Syst. si). du centre de la Boh@me. II. quatrieme partie: 
Etudes generales sur les Nautilides pal&ozoiques, 1877. Chapitre VIII: Troncature 
normale ou periodique de la coquille dans certains Cephalopodes pal&ozoiques, 
pag. 291 — 306. 

9%* 


a 


19 R. Hoernes. [12] 


ausgestattet war, welche dem heutigen Nautilus fehlen: „Que le 
mollusque de Orthoceras truncatum possedait des organes, qu’on ne 
saurait assimiler ä ceux des Nautiles vivants, ni sous le rapport de 
leur forme, ni sous le rapport de leurs fonetions.“ Barrande ver- 
weist dann darauf, dass bei einer lebenden, sonst von den Nautiloidea 
sehr verschiedenen Familie unter den Octopoden bei Argonauta 
Schalenbildung durch zwei Arme vorkommt. Allerdings sei die Schale 
von Argonauta sonst, zumal durch den Mangel jedweder Kammerung, 
von jener der Nautiliden gänzlich verschieden: „Ce fait etablit done 
a la fois une profonde diversite dans les caracteres, des deux familles, 
sous le rapport de la coquille, et un rapprochement frappant, sous 
le rapport des fonctions attribuges & deux bras du mollusque, si 
on met en parallele Argon. Argo avec Orth. truncatum. D’apres ces 
considerations, il ne serait peut-&tre pas trop hasarde de supposer, 
que la mollusque de Orth. truncatum possedait deux long bras palmes, 
plus on moins analogues ä ceux des Argonautes de nos mers. On 
pourrait admettre une paire semblable de longs appendices dans 
toutes les autres especes, qui Eprouvaient la troncature normale, soit 
dans le genre Orthoceras, soit dans Gomphoceras et les Ascoceratides.“ 


Sei es nun, dass in der That, wie Barrande annimmt, Ortho- 
ceras mit zwei langen und wie bei Argonauta verbreiterten Armen 
ausgestattet war, welche bei denjenigen Formen, die zeitweilig Serien 
ihrer Luftkammern abstiessen, die Reparatur des Gehäuses besorgen 
konnten, sei es, dass, wie Hyatt will, der verläugerten Kopfkappe 
diese Funetion zufiel!), unter allen Umständen können diese Formen 
unmöglich sessil gewesen sein. Es ist deshalb merkwürdig, dass weder 
Jaekel selbst bei Verständigung seiner Thesen, welche sessile 
OÖrthoceraten zum Ausgangspunkt haben, irgendwie darauf zu sprechen 
kam, dass vachweislich freie Orthoceras-Arten im Silur vorkommen, 
welche von Zeit zu Zeit Kammerreihen abwarfen und ihre Schale 
mit äusseren Organen — Armen oder weit ausgedehnter Kopfkappe — 
wieder ausbessern konnten. Noch merkwürdiger ist es freilich, dass 
unter den Opponenten Jaekel’s, welche seiner Annahme der An- 
heftung von Orthoceras entgegentraten, keiner auf die von Barrande 
an Orthoceras truncatum so eingehend studirten Thatsachen und die 
aus denselben abzuleitenden Folgerungen hinwies. Es ist dies umso 
auffallender, als ja auch Zittel in seinem allen Paläontologen wohl- 
bekannten Handbuche nach Erörterung der Lebensweise des Nautilus, 
bei welcher er die schon 1705 von Rumph mitgetheilten Beobach- 
tungen anführt, die Bemerkung macht: „Dass bei ungewöhnlich langen 
oder besonders leichten Schalen (Orthoceras) noch besondere Ein- 
richtungen bestanden, um das Gewicht des Gehäuses zu vergrössern, 
zeigen theils die kalkigen Ablagerungen im Sipho und zwischen den 
Scheidewänden, theils aber auch die zuweilen vorkommende periodische 
Abstossung eines Theiles der gekammerten Schale.“ ?) 


') Ein wesentlicher Unterschied beider Auffassungen besteht aus dem Grunde 
ich 1] 7e . 7 p r . . . 
nicht, weil ja die Kopfkappe des Nautilus zweifellos nichts Anderes darstellt, als 
wei verwachsene Arme, welche als Schliesser der Schale functioniren. 


‘) Handbuch der Paläontologie, 1. Abtheilung, II. Bd., S. 350—851. 


[113] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 13 


E.-v. Mojsisovies, welcher die Truncatur auch bei Orthoceras 
dubium Hau. aus dem Hallstätter Kalk vom Röthelstein beobachtete !), 
äussert sich mit folgenden Worten über die Bedeutung der organischen 
Depots und die Truncatur der Orthoceren: „Bei sämmtlichen Ortho- 
ceraten, bei welchen in Folge periodischer, normaler Truncatur die 
Bildung einer massiven Kappe (calotte terminale) eintritt, findet sich 
nach den schönen Untersuchungen Barrande’s, welche ich für einen 
bei Orth. dubium aus den Hallstätter Kalken von mir beobachteten 
Fall völlig bestätigen kann, weder im Sipho noch in den Kammern 
irgendeine Spur eines organischen Absatzes von Kalksubstanz. Eben- 
sowenig konnte ich in den zahlreichen Längsschnitten von Aulaco- 
ceras- Phragmokonen, welche ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, 
auch nur die geringsten Reste eines solchen wahrnehmen. Bei 
Belemnites scheint dies auch nicht der Fall zu sein. Man könnte 
daher gewissermassen die Rostra der Belemnitiden mit den Kappen 
der trunkirten Orthoceraten in Vergleich stellen und sagen, dass die 
übrigen Orthoceraten dem Bedürfnisse der Beschwerung ihrer Hart- 
theile dadurch gerecht werden konnten, dass sie im Innern des ge- 
kammerten Kegels, theils im Sipho, theils innerhalb der Kammern, 
grössere oder geringere Mengen von Kalksubstanz absetzen.“ ?) 


So verlockend es wäre, schon an dieser Stelle, dem Gedanken- 
gange v. Mojsisovics’ folgend, auf die Erörterung der Beziehungen 
zwischen denOrthoceren und Belemnitiden einzugehen, müssen 
wir doch vorläufig zur Erörterung der Einwände zurückkehren, welche 
Jaekel gegen die Annahme freier Bewegung der Orthoceren ange- 
führt hat. Der zweite dieser Einwände lautet: „b) Die äussere Sculptur 
der Schale schliesst die Möglichkeit aus, dass dieselbe in die Weich- 
theile des Körpers eingebettet war, demnach konnten active Schwimm- 
organe nur am Mündungsende der Schale (‚Ostium‘) hervortreten.“ 
Würde dieser Einwand zu Recht bestehen, dann würde auch der 
lebende Nautilus sich nicht schwimmend bewegen können, was durch 
directe Beobachtung widerlegt ist. Das Schleppnetz des „Challenger“ 
brachte 1875 einen lebenden Nautilus zwischen Neu-Seeland, Fidji 
und Cape York aus einer Tiefe von 300 Faden herauf. In einem 
Kübel mit Seewasser breitete das Thier seine Tentakel nach ver- 
schiedenen Richtungen aus. Der Trichter stiess mit ziemlicher Heftig- 
keit Wasser aus der Athemhöhle, wobei das Thier ruckweise von der 
Stelle getrieben wurde. Eine solche Bewegung wird wohl auch den 
Orthoceren möglich gewesen sein und vermuthlich waren sie theil- 
weise, zumal die mit langen Armen ausgestatteten Formen, welche 
ihre Schale periodisch verkürzten, noch bessere Schwimmer als 
Nautilus. 

Der dritte Einwand Jaekel’s lautet: „c) Die Schale weist nicht 
nur sehr verbreitet eine ausgeprägte Quersculptur auf, sondern kann 
sogar mit ringförmigen Anschwellungen versehen sein (annulate Formen). 


!) E v. Mojsisoviecs, Die Cephalopoden der Hallstätter Kalke, Band I 


(Abhandl. d. k. k. geol. R-A., VI. Bd., I. Abt.), Seite 4, Taf. I, Fig. 5. 


®) E. v. Mojsisovics, Ueber das Belemnitidengeschlecht Anlacoceras 
Hauer. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A.. XXI. Bd., 1871, Seite 45. 


14 R. Hoernes. [14] 


Beide Erscheinungen sind unvereinbar mit einer rostralen Function 
der Schale, da durch dieselben dem Wasserdruck geradezu Reibung 
und Widerstand geboten würde.“ Hingegen hat schon Branco in der 
Discussion von Jaekel’s Thesen geltend gemacht, dass man die bei 
einem Theile der Orthoceren vorkommende Sculptur nicht gut als 
einen Beweis für das Fehlen ehemaliger Bewegungsfähigkeit ansehen 
könne, denn auch die Ammonitenschalen seien vielfach mit einer 
solehen oft noch viel stärkeren, sogar gestachelten Sceulptur versehen, 
und doch hätten diese Thiere eine schwimmende oder doch mindestens 
eine am Boden kriechende Lebensweise besessen. Jaekel bemerkte 
dazu, dass er in der Quersculptur nicht ein Hindernis jeder Be- 
wegungsart erblicke, sie aber schwer mit einer schnellen, stossförmigen 
Bewegung nach Art der Oigopsiden vereinigen zu können glaube. 
Zweifellos gab es jedoch unter den zahlreichen, in der Bildung ihrer 
Gehäuse und jedenfalls auch in ihrer sonstigen Organisation so mannig- 
fachen Formen, die früher unter der Gattungsbezeichnung Orthoceras 
vereinigt wurden, von Hyatt aber wohl mit Recht in viele Gruppen 
zerlegt werden, gute und schlechte Schwimmer. Die weitaus über- 
wiegende Anzahl der Formen besass glatte oder wenig sculptirte 
Gehäuse, welche der Bewegung nach Art der Oigopsidae kein wesent- 
liches Hindernis entgegenstellen konnten. Bei solchen iormen, wie 
Orthoceras annulatum Sow., O. dulce Barr., O. pseudocalamiteum Barr., 
und ähnlichen, mit starker Sculptur versehenen Formen mag die 
Bewegung durch Rückstoss nach Art der heutigen Tintenfische in 
der That Schwierigkeiten gehabt haben. Aber auch diese Formen 
waren gewiss nicht sessil, wie z. B. die „Calotte terminale lisse“ 
bei Orthoceras dulce Barr.!) lehrt. Ein grosser Theil der Orthoceren 
dürfte sich vermuthlich zumeist kriechend fortbewegt haben, wie 
das ja auch bei den Ammonitidae bei gewissen Formen der Fall 
gewesen sein mag. Ein Turrilites oder Cochloceras wird sich zumeist 
schwerlich anders als nach Art der Gastropoden auf dem Meeres- 
grunde kriechend fortbewegt haben, und gleiches mag auch — ob- 
wohl es von Jaekel für unmöglich erklärt wird — bei manchen 
Orthoceren der Fall gewesen sein, wie wir bei Erörterung der beiden 
letzten Einwände Jaekel’s gegen die freie Beweglichkeit der Ortho- 
ceren sehen werden. 

Diese beiden Einwände lauten: „d) Die streng symmetrische 
Form der Schale steht in scharfem Gegensatze zu den Schalen der 
Tintenfische und findet auch, abgesehen von ihrer Schwere, kein 
Analogon in der Schalenform der Pteropoden, die eine so ausge- 
prägte einachsige Bilateralität ebenfalls vermissen lassen“, und ,e) 
Die gerade Abstutzung des Ostialrandes schliesst neben der sym- 
metrischen Gesammtform auch die Möglichkeit aus, dass die Ortho- 
ceren ihre Schale nach Art der Schnecken als kriechende Thiere 
auf dem Rücken trugen.“ 

Nun ist die vollkommene Symmetrie der Orthoceras - Schale 
keineswegs Regel, sondern vielmehr Ausnahme. Vor Allem steht 
der Sipho selten völlig central, sondern oft weit seitlich und das 


') Vergl. Barrande, Syst. Sil. II. Pl. 295, Fig. 17, 18. 


[15] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 15 


organische Depot im Sipho findet nicht in gleicher Weise ringsum, 
sondern häufig ganz einseitig statt. Auch dort, wo organisches 
Depot in den Kammern abgelagert wird, finden wir. es zumeist nur 
oder doch stark vorwaltend auf einer Seite. Bei der Bedeutung, 
welche meiner Ansicht nach die einseitige Beschwerung der Luft- 
kammern mit organischem Depot für die Widerlegung der Jaekel’schen 
Hypothese hat, sei es gestattet, auf eine Anzahl charakteristischer Ab- 
bildungen der nachstehend angeführten Orthoceras-Arten in Barrande’s 
srossem Werke hinzuweisen: 


Orthoceras Agassizi Barr. Systssila1 BE. IEsP1.28034 Fig. 11: 
Davidsoni Barr. ,„ E 3 aan Lo 16 


. gryphus Barr. F r + un pn: 
b inchoatum Darr. „ e $ ra, 32 
z omnium Barr. r 3 h a Ay 
h rivale Barr. h h h Inn IE WER T: 
h severum Barr. 4 r $ ROTS HL TER LIT BR 6 
ß subannulare Münst. „ h are 9. 


Aber auch die Mündung, der „Ostialrand“, ist keineswegs immer 
serade abgestutzt, sondern sehr häufig schräg gestellt und auf 
einer Seite weit vorgezogen, wie schon aus dem Verlaufe der Zu- 
wachsstreifen hervorgeht, mit denen auch die Gestalt des Mundrandes 
dort, wo derselbe vollständig erhalten ist, übereinstimmt. Ich finde 
mich auch hier bemüssigt, der Behauptung Jaekel’s gegenüber eine 
Anzahl von Abbildungen aus dem „Syst&me silurien“ Barrande’s 
zu eitiren, wobei ich mich lediglich auf die Fälle beschränke, in 
welchen ine auffallend schiefe Mündung nicht blos durch die Zu- 
wachsstreifen wahrscheinlich gemacht, sondern an dem wohlerhaltenen 
„Ostialrand* selbst zu ersehen ist: 


Orthoceras aequabile Barr. Syst. sil, T. I. Pl. 366, Fig. 25. 
; bifrons Barr. 367, 2 


” » ” ” ’ ” = 
„ caduceus Barr. TEUER, $ WERL Me 
. fasicolatum Barr. ,„,  ,„ ? Run; 26 
N Janus Barr. 5 R B 22 LH: 
R placidum Barr. aD Ant e Ar 
r pleurotomum Barr. ,„,  , a I 8. 
. siligqua Barr. une‘, 1 „nr A 1. 
I: teres Barr. N a R aaa; 178 
4 vermis Barr. $ j , SER FR: 


Diese Beispiele sind aber nur wenige von vielen. Barrande 
zählt 23 Orthuceras-Arten auf, welche sich durch sehr schiefstehende 
Mündung auszeichnen (4° Forme de l’ouverture simple: Ouverture 
tres incelinee; large &chancrure).!) Er macht darauf aufmerksam, 
dass gewisse Formen, wie z. B. Orthoceras valens, im jugendlichen 
Alter eine horizontale Mündung aufweisen, während dieselbe an den 


’) Systeme silurie, Il, quatrieme partie, pag. 118, 119. 


16 R. Hoernes. [16] 


erwachsenen Gehäusen stark geneigt ist. Auf die überaus mannig- 
fache Gestalt der Mündung paläozoischer Nautiloidea soll hier nicht 
weiter eingegangen werden, da an dieser Stelle nur die Behauptung 
Jaekel’s, dass der streng symmetrische Bau und die gerade Ab- 
stutzung des Ostialrandes die Möglichkeit ausschliesse, dass die 
Orthoceren ihre Schale nach Art der Schnecken auf dem Rücken 
trugen, zur Erörterung gelangt. Mit Recht hat übrigens schon in der 
Discussion der Jaekel’schen Thesen Herr Gagel darauf hingewiesen, 
dass gerade die ältesten Formen, die Endoceren, durchaus nicht im 
statischen Gleichgewichte waren, sondern ganz excentrisch gebaute 
Gehäuse haben, deren schwerer Sipho ganz seitlich gerichtet ist. 
Jaekel erwiderte auf diesen Einwurf, dass sich die radiäre Symmetrie 
allerdings bei den untersilurischen Orthoceren auf die äussere Schale 
beschränke, dass es aber sehr wohl möglich sei, dass die schwerere 
Belastung einer Seite durch den Sipho durch eine entgegenwirkende 
Stellung von Armen ausgeglichen wurde. Diese Erklärung reicht aber 
nicht hin, um alle Fälle der inneren Asymmetrie, wie wir sie oben 
auch hinsichtlich des organischen Depots bei den jüngeren Formen 
hervorgehoben haben, mit der gewagten Hypothese der sessilen 
Lebensweise in Uebereinstimmung zu bringen. 

Wir sehen sonach, dass die Einwände Jaekel’s gegen die 
bisherige Annahme der freien Bewegung der Orthoceren sich als 
nicht stichhältig erwiesen. Betrachten wir nun die positiven Argu- 
mente, welche er für die sessile Lebensweise der Orthoceren anführt. 
Sein erster Beweggrund lautet: 

„@) Der radiär-symmetrische Bau, der überall im Thierreiche für 
sessile Formen charakteristisch ist, kommt in der Rundung des Quer- 
schnittes, der geraden Abstutzung des sogenannten Mundrandes typischer 
Örthoceren, der Stellung der drei oder fünf submarginalen Eindrücke in 
der Wohnkammer, des regelmässigen Diekenwachsthums und einer ge- 
legentlich auftretenden, regelmässig radiär-symmetrischen Anordnung 
von Längsleisten auf der Oberfläche zum Ausdrucke und erklärt sich 
ungezwungen nur durch statische Druckverhältnisse beim Wachsthum.* 
Wir haben bereits oben gesehen, dass die Orthoceras-Schale keineswegs 
streng symmetrisch gebaut war und auch die Mündung sehr häufig schief 
stand. Wie schon Gagel in der Discussion der Jaekel’schen 
Thesen treffend hervorhob, sind gerade die geologisch älteren, im 
Untersilur massenhaft vorkommenden Endoceren durchaus nicht 
so gebaut, wie es die Jaekel’sche Hypothese voraussetzt, sondern 
haben vollkommen excentrische Schalen, deren schwerer Sipho ganz 
zur Seite gerückt ist. Es steht aber Jaekel’s Behauptung, dass 
der radiär-symmetrische Bau im Thierreiche überall 
für sessile Formen charakteristisch ist, mit so vielen 
Thatsachen im Widerspruche, dass es Wunder nimmt, weshalb seine 
Opponenten sich nicht zunächst gegen diese Behauptung kehrten. 
In der That sind zahlreiche bilateral symmetrische oder vollkommen 
asymmetrische Formen sessil und andere, welche als Typus radiärer 
Symmetrie gelten können, freilebend. Ich will mich diesbezüglich 
nicht etwa auf die Protozoen berufen, unter welchen es zahlreiche 


[17] Zur ÖOntogenie und Phylogevie der Cephalopoden. #7 


Foraminiferen und Radiolarien gibt, welche frei leben und ausge- 
zeichneten radiär-symmetrischen Bau besitzen, während die sessilen 
Foraminiferen, wie Saccamina, Placopsilina, Carpenteria, Polytrema, 
Rupertia, Nubecularia, mehr oder minder unregelmässig gestaltet sind; 
wohl aber darauf, dass z. B. viele freilebende Echinodermen, die 
heute in Menge unsere Meere bevölkern, wie Cidaris, Echinus, 
Astropecten, Ophiura u. a. m., regelmässig radiär gebaut sind, an- 
geheftete, alte, ausgestorbene Formen, wie Agelacrinus, Pleurocystites. 
Echinosphaerites, Glyptosphaerites etc. ete., aber nicht; dass unter den 
Onidaria die freischwimmenden Acalephae und die zwar angehefteten, 
aber doch einer gewissen Beweglichkeit sich erfreuenden Actinaria 
vollkommen regelmässig radiär gebaut sind, während dies bei vielen 
Madreporaria (bei allen durch unvollkommene Theilung sich vermehren- 
den Steinkorallen) nicht der Fall ist, endlich darauf, dass fast alle 
festgehefteten Mollusken gar keine radiäre Schalensymmetrie auf- 
weisen und dass dort, wo sie anscheinend (aber nur äusserlich) zu 
Stande kommt, wie bei den extrem umgestalteten Rudistae (Hippurites, 
Sphaerulites, Radiolites ete.), die wenn auch stark veränderten Ein- 
richtungen des Schlosses und der Muskelansätze deutlich den ur- 
sprünglich bilateralen Bau der Schale und des Thieres erkennen 
lassen. Auch stellen die Chamidae und Caprinidae die Bindeglieder 
dar, welche von den normalen Pelecypoden zu den aberranten Rudistae 
führen, die seinerzeit bald für eine erloschene Olasse, bald für 
Korallen, Brachiopoden, Oephalopoden, Cirripedien oder Annelliden 
gehalten wurden. Wenn wir selbst das Rudistengehäuse als ein an- 
nähernd radiär-symmetrisches gelten lassen wollen, so liegt doch 
zweifellos hier eine im Laufe der Phylogenie erworbene Eigen- 
thümlichkeit vor, welche mit dem nach Jaekel’s Hypothese den 
Örthoceren ureigenen radiär-symmetrischen Bau nicht verglichen 
werden darf. Gleiches gilt wohl auch von der äusserlichen Symmetrie, 
welche die jüngsten Gruppen der Cirripedia, die Balaniden-Gattungen 
Balanus und Pyrgoma, aufweisen. 

Es ist also gegen Jaekel’s ersten Beweisgrund einzuwenden, 
dass die radiär-symmetrische Gestaltung keineswegs für sessile Formen 
bezeichnend ist und dass die wenigen Fälle, in welchen ursprünglich 
bilateral gebaute freie Formen durch Anheftung eine äusserlich 
symmetrische Gestaltung erwarben, keineswegs dahin zu deuten ist, 
dass ursprünglich angeheftete Formen diese Symmetrie von Haus aus 
besitzen mussten. 

Der zweite Beweisgrund Jaekel’s lautet: „b) Die Schale ist 
am unteren Ende in der Regel abgebrochen, was z, B. bei äusserlich 
ähnlichen Schneckenschalen, wie Fusus, Turritella, Terebra, oder den 
zum Theil sehr schlanken Gehäusen von Pteropoden nur ausnahms- 
weise der Fall ist. Unter den Tausenden beobachteter Orthoceren- 
gehäuse sind Anfangskammern nur bei einigen wenigen Formen bekannt 
geworden. Die Schalenspitze ist also fast ausnahmslos abgebrochen 
und dieser Umstand spricht dafür, dass sie beim Absterben des 
Thieres durch einen äusseren Widerstand festgehalten war. In den 
Fällen, wo die Schalenspitze in guter Erhaltung beobachtet wurde, 
zeigt sie eine Narbe, die ebenso wie die an der ersten Luftkammer 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (R. Hoernes.) 3 


18 R. Hoernes. ° Yan [18] 


der Ammoniten!) dem Sipho allem Anscheine nach eine Verbindung 
mit dem Inhalte einer bisher unbekannten Urkammer bot.“ Hiergegen 
ist zu bemerken, dass, abgesehen von der bereits oben besprochenen 
normalen Truneatur, welche bei gewissen Orthoceras-Formen eintrat, 
die Spitzen der Gehäuse vermuthlich deshalb so leicht beschädigt 
wurden, weil nach dem Tode des Thieres die gekammerten, mit Luft 
gefüllten Schalen ein Spiel der Wellen wurden und vor ihrer Ein- 
bettung mannigfache Beschädigungen erlitten, ja erleiden mussten, 
ehe sie auf den:-Grund des Meeres hinabsinken konnten. Barrande’s 
srosses Tafelwerk gibt wohl hinlänglichen Aufschluss darüber, dass 
die meisten Orthoceras-Schalen vor ihrer Eiubettung grösseren oder 
kleineren Beschädigungen ausgesetzt waren. Die langgestreckten 
Schalen wurden dabei auch viel leichter zerbrochen als diejenigen 
eingerollter Cephalopoden. Aber auch von diesen sind die meisten in 
den Sammlungen aufbewahrten Gehäuse beschädigt. Wie selten sind 
z. B. Ammoniten mit vollständigem Mundrande, während Gasteropoden- 
gehäuse viel häufiger vollständig erhalten blieben. Die Schnecken- 
schalen blieben eben zumeist nach dem Tode des Thieres an Ort 
und Stelle liegen und wurden nur in jenen Fällen, in denen sie von 
der Brandung ergriffen wurden, zertrümmert. Die gekammerten, 
leichten Cephalopodenschalen aber stiegen an die Oberfläche des 
Meeres, trieben mehr oder minder lang umher, wurden an die Küste 
gespült oder sanken unter, nachdem die Schale mehr oder minder 
beschädigt worden war. | 

Auf die Bedeutung der „Narbe“ an der Schalenspitze der 
Örthoceraten werden wir unten — bei Erörterung der Veröffent- 
lichung Ph. Po&ta’s über die Anfangskammer der Gattung Orthoceras 
— zurückzukommen haben. 

Der dritte Beweisgrund Jaekel’s bezieht sich auf die an- 
gebliche Aehnlichkeit des Schalenbaues der Orthoceren und der 
Conularien, aus welcher — da die Conularien sessil sind — auch 
für die Orthoceren die gleiche Eigenschaft gefolgert wird. Nun sagt 
Jaekel allerdings: „Die Uebereinstimmung des Schalenbaues der 
Orthoceren mit dem der Conularien scheint mir unverkennbar zu sein. 
Auch die Conularien zeigen einen radiär-symmetrischen Bau; auch 
bei ihnen dominirt eine Quersculptur, auch bei ihnen zeigt sich 
regelmässig die Schalenspitze abgebrochen.“ Ich vermag aber 
beim besten Willen im Schalenbau der Conularien und Orthoceren 
keinerlei Uebereinstimmung, sondern nur durchgreifende Verschieden- 
heiten zu erkennen. Die solide Kalkschale der Orthoceren und die 
aus Chitin (oder Conchyolin?) bestehende Conularienschale sind von 
Haus aus ganz verschiedene Dinge. Wohlerhaltene Conularien zeigen 
den regelmässigen Umriss einer vierseitigen scharfkantigen Pyramide 
mit eingezogenen Seitenflächen — etwas Aehnliches ist bei Orthoceren 
nie beobachtet worden. Dafür mangelt den Conularien die regel- 
mässige Kammerung und der für die gekammerten Cephalopoden- 
schalen so charakteristische Sipho. Man kann da wohl kaum von einer 
„unverkennbaren“ Uebereinstimmung des Schalenbaues sprechen. 


‘) Soll wohl heissen (der Nautilidae ! 


19] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 19 


Wenn ferner Jaekel von den Conularien meint: „— ausserdem 
scheint mir ihre ausgeprägte Tetramerie ein Licht zu werfen auf 
verschiedene, bisher unerklärte Organisationsverhältnisse der Cephalo- 
poden, so z. B. den Besitz von vier Kiemen bei den älteren Cephalo- 
poden, der bekanntlich innerhalb dieser Klasse verloren geht und 
einer Dibranchie weicht, ferner der auffälligen ersten tetrameren 
Zelltheilung von Cephalopoden-Embryonen* — so unterliegt es doch 
keinem Zweifel, dass diese Analogien etwas weit hergeholt sind und 
jedenfalls nicht hinreichen, eine nähere Verwandtschaft zwischen 
Conularien und Cephalopoden zu begründen. Für erstere hat nun 
allerdings Ruedemann die sessile Lebensweise wenigstens in der 
Jugend nachgewiesen !) und ich möchte Jaekel beipflichten, wenn 
er gegenüber der Ruedemann’schen Auffassung, dass die Conularien 
nur in der Jugendzeit sessil und später frei waren oder es wenigstens 
sehr wohl sein konnten, die Sessilität auch der erwachsenen Conularien 
annimmt. Jaekel beruft sich auf ein von ihm aus dem englischen 
'Obersilur untersuchtes Exemplar einer 70 cm hohen Conularia, welche 
nahe ihrem spitzen Ende Wachsthumserscheinungen zeigt, die er als 
direeten Beleg für eine dauernde Sessilität betrachtet. Dies zugegeben, 
würde gerade die Sessilität der Conularien gegen die von Ruede- 
mann und Jaekel geäusserte Ansicht, dass die Conularien mit den 
Örthoceren näher verwandt sind, sprechen. Denn die letzteren sind, 
wie zumal aus den Untersuchungen Pocta’s über die Anfangs- 
kammer der Gattung Orthoceras hervorgeht, zeitlebens frei gewesen. 
Aus der Anheftung der Conularien lässt sich andererseits aber auch 
der Schluss ableiten, dass ihre Einreihung bei den Pteropoden, zu 
welchen sie die Paläontologen zumeist rechnen, fernerhin nicht 
aufrecht erhalten werden kann. Ich habe wiederholt darauf hinge- 
wiesen, dass die Einreihung der ausgestorbenen, mit grossen, verkehrt 
pyramidenförmigen Gehäusen ausgestatteten Conularien bei den durch- 
wegs nur kleine, zarte Schalen besitzenden heutigen Pteropoden sich 
kaum rechtfertigen lasse und dass die Conularien möglicherweise 
einer gänzlich erloschenen Molluskengruppe unbekannter Organisation 
und Verwandtschaft angehören. ?) 

Als vierten Beweis für die Sessilität der Orthoceren führt 
Jaekel die Kammerung ihrer Schale mit folgenden Worten an: 
„d) Eine Querkammerung der Schale, das heisst in primitiver 
Form ein durch Bildung von Böden bewirktes Vorrücken in der 
Schale findet sich ausschliesslich bei sessilen Formen und nicht nur 
als typische Erscheinung bestimmter Thierformen, wie Korallen, 
Chaetetiden, Sphinctozoen, sondern auch vereinzelt in anderen Ab- 
theilungen, und zwar bei solchen Formen, die im Gegensatz zu ihren 
Verwandten mit der Sessilität ein verticales Emporwachsen verbanden, 
wie z. B. Richthofenia unter den Brachiopoden, Hippurites unter den 
Bivalven, Vermetus unter den Gasteropoden. Gerade diese besonderen 


!) R. Ruedemann, The discovery of a sessile Conularia, 15. Ann. Rep: 
of the State Geologist. Vorläufige, theilweise Berichte im American Geologist 1896, 
XVIH, S. 158, XVII, 8. 65 (eitirt nach Jaekel). 

?), R. Hoernes, Elemente der Paläontologie 1884, 8. 292 u. 295. 


3* 


20 R. Hoernes. [20] 
Fälle lassen die Kammerung als eine Folge aufrechter Sessilität er- 
scheinen und also umgekehrt einen Rückschluss aus solcher Kammerung 
auf diese Lebensweise zu.“ Hiergegen ist nun vor Allem zu bemerken, 
dass die Querkammerung bei den drei letztgenannten Formen: 
Richthofenia, Hippurites und Vermetus, eine sehr verschiedene ınorpho- 
logische Bedeutung besitzt und daher keineswegs ohne Weiteres zu- 
sammengeworfen werden darf. Für ZRichthofenia und Hippurites ist es 
wahrscheinlich, dass die nicht sessilen Ahnen ungekammerte Schalen 
besassen und erst nach der Festheftung allmälig bei der Umgestaltung 
ihrer vertical in die Höhe wachsenden Gehäuse diese „Böden“ ent- 
wickelten, die allerdings von der regelmässigen Kammerung der 
Cephalopodenschalen ziemlich verschieden sind. Bei Vermetus aber 
liegen die Dinge wesentlich anders. Die Bildung der Scheidewände 
ist hier jedenfalls nicht eine später, erst nach der Festheftung er- 
worbene Eigenschaft, sondern trat schon bei den freilebenden Vor- 
fahren von Vermetus, welche ein turritellenähnliches Gehäuse besassen, 
auf. Das zeigt schon der Umstand, dass diese Scheidewände gerade 
in dem normalen, spiral gestalteten Anfang des Vermetus-Gehäuses 
viel häufiger sind. Es ist überhaupt die Bildung von Querscheide- 
wänden bei den Gasteropoden eine sehr häufige Erscheinung und 
keineswegs auf die sessilen Formen und diejenigen, welche ihre 
obersten Windungen abstossen, beschränkt: „Die obersten Windungen 
werden überhaupt bei allen Thieren selten noch bewohnt, sondern 
das Thier zieht sich in einzelnen Absätzen daraus zurück und bildet 
dann jedesmal eine Scheidewand, so dass die Schale ein gekammertes 
Ansehen erhält.“*!) Bei manchen Formen, wie Turritella, Cerithium 
u. a. m., reichen diese Kammern weit herab, so z. B. bei Cerithium 
giganteum, wo die Scheidewände die Spitze des Gewindes wohl. bis 
auf ein Drittel der ganzen Länge abschliessen.2) Die Entwicklung 
solcher Querscheidewände ist bei sehr vielen Gasteropoden in ver- 
schiedenem Masse zu beobachten, was deshalb von Interesse ist, weil 
Deshayes bekanntlich das Auftreten solcher Scheidewände bei 
fossilen Vermetus-Gehäusen als Mittel hervorgehoben hat, um sie von 
Anneliden-Röhren zu unterscheiden. M. Hoernes spricht von der 
Schwierigkeit, Vermetus- und Anneliden-Röhren zu unterscheiden und 
bemerkt: „Nun hat aber Deshayes auf eine Eigenthümlichkeit der 
Schalen aufmerksam gemacht, mittels welcher man auch diese mit 
Leichtigkeit von einander unterscheiden kann. Derselbe erwähnt 
nämlich in der zweiten Ausgabe von Lamarck, dass, wenn man 
eine Schale der Geschlechter Turritella oder (erithium entzwei- 
schneidet, an der Spitze des Gewindes in mehr oder weniger ent- 
fernten Distanzen nicht selten Querscheidewände erscheinen, die, 
halbkugelförmigen Käppchen ähnlich, nichts anderes als das Resultat 
des raschen Wachsthums des Thieres in der Schale sind. Diese 
Scheidewände bemerkt man vorzüglich bei Cerithium giganteum, wo 


‘) Bronn, Classen und Ordnungen der Weichthiere. III. Bd., 2. Abtheilung, 


DS. 923. 
{ 3) Q u ensted t, Petrefactenkunde Deutschlands. VII: Gasteropoden, S. 460. 
- Vergl. Tafel 208, Fig. I, 2 und 5. — Tafel 195, Fig. 97 zeigt die Querscheide- 


wände bei Tiauritella carinifera, wo sie ebenfalls weit herabreichen. 


[21] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. =. 


sie manchmal sehr weit herabsteigen. Deshayes beobachtete an 
mehreren bisher zu den Anneliden gezählten Schalen derlei Quer- 
scheidewände und überzeugte sich gar bald, dass diese Schalen dem 
Geschlechte Verinetus angehören.“!) Die Querscheidewände von 
Vermetus, welche schon Linne als charakteristisch für Vermetus 
polythalamius?) bezeichnete: „intus septis transversis hine convexis 
inde concavis non perforatis distineta*, sind also keineswegs für die 
sessilen Gasteropoden wie Vermetus und Siliquaria bezeichnend, 
sondern finden sich auch bei verschiedenen freilebenden Formen. 
Im fünften Beweisgrunde sucht Jaekel den Siphonalstrang 
für seine Hypothese der Sessilität der Orthoceren zu verwenden. 
Er sagt: „e) Der Siphonalstrang, der immer das absonderlichste 
Räthsel der Cephalopoden-Organisation bildete, ist bekanntlich sehr 
verschieden gedeutet worden, aber keine dieser Deutungen ist als 
befriedigend allgemein acceptirt worden. Als Befestigungsorgan des 
Thieres in der Schale ist er schwerlich aufzufassen, weil einerseits 
das Thier in der Wohnkammer durch den Haftmuskel befestigt ist, 
andererseits der Sipho bei Nautilus durchaus nicht den histologischen 
Charakter eines Ligaments hat und schliesslich unverständlich bliebe, 
dass er dann zeitlebens die ganze Schale bis zur Spitze durchzieht 
und nicht auf die letzte Septalwand concentrirt wird. Wenn wir nun 
von der Vorstellung ausgehen, dass die gekammerte Cephalopoden- 
schale von einer sessilen Urschale ausging, so erscheint sofort die 
Siphonalbildung in ganz anderem Lichte. Der Sipho ist dann 
nichts anderes, als der durch die Kammerbildung ein- 
seengte Theil des Körpers. Er wird in biologischer 
Beziehung vergleichbar dem Nabelstrange der Wirbel- 
thiere, namentlich aber dem durch die Stielgliederein- 
seengten Abschnitte der Pelmatozoen, und diese Analogien 
erscheinen auch insofern nicht bedeutungslos, weil verschiedene 
Momente auf stammesgeschichtliche Beziehungen dieser Thiertypen 
hinweisen.“ — Die (auch bei Jaekel) gesperrt gedruckten Aus- 
sprüche zerfallen nun in zwei Theile. Auf den letzteren, mir einfach 
unverständlichen, in welchem der Sipho biologisch mit dem Nabel- 
strange der Wirbelthiere und dem Pelmatozoenstiel verglichen wird, 
möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen. Entwicklungs- 
geschichtlich lässt sich der von Jaekel gemachte Vergleich wohl 
kaum näher begründen. Wir haben aber keine Veranlassung, auf ihn 
weiter einzugehen. Uns interessirt vor Allem der erste Theil des 
Jaekel’schen Ausspruches, nach welchem der Sipho nichts anderes 
ist, als der durch die Kammerbildung eingeengte Theil des Körpers. 
Wie Jaekel behauptet, erscheint uns die Siphonalbildung nur dann 
in diesem Lichte, wenn wir von der Vorstellung ausgehen, dass die 
gekammerte Cephalopodenschale von einer sessilen Urschale ausging. 
Nun hat aber bereits Zittel, ohne von dieser Ausnahme auszugehen, 
die Vermuthung ausgesprochen, dass der Sipho der Tetrabranchiaten 


!) M. Hoernes, Fossile Mollusken des Tertiärbeckens von Wien. I, S. 482 
und 483. 


?) Gmelin, pag. 3743. 


99 R. Hoernes. [22] 
sich gemäss der‘ Entwicklungsgeschichte des Thieres am besten als 
ein Ueberrest. des Visceralsackes erklären lasse, da für den Sipho 
eine bestimmte physiologische Function nicht gefunden werden könne. !) 
Wir haben ‘oben gesehen, dass Holm’s Untersuchungen über die 
erste Schalenanlage. bei Endoceras belemnitiforme, wie Holm selbst 
mit Recht hervorhebt, eine wesentliche Stütze der Zittel’schen An- 
schauung ‘ergeben haben, welche Anschauung keineswegs mit der 
Annahme einer angehefteten Urkammer zusammenhängt. Holm hebt 
auch bereits hervor, dass die mit grossem Sipho ausgestatteten Tetra- 
tranchiaten die älteren, jene mit.kleinem Sipho die jüngeren Formen 
sind und meint, ‘dass bei letzteren der Sipho ein im Rückgange be- 
griffenes Organ sei, während er bei den ersteren noch als ein Theil 
des Visceralsackes funetionirte.. Holm’s Ansicht, dass die Tetra- 
branchiaten wahrscheinlich von Formen mit einer offenen conischen 
Sehale ohne Scheidewände .und Sipho abstammen und dann die 
Endoceren: mit sehr grossem Sipho folgen, wird auch durch die Ver- 
hältnisse bestätigt, die wir bei der untersilurischen Gattung Piloceras 
Salter finden. Hier fallen 'Kammerscheidewände und Sipho zusammen 
und wir finden in. der. wenig gekrümmten, kegelförmigen Schale ein- 
fache trichterförmige Böden, einen in dem’'anderen steckend. Die 
Verhältnisse bei Piloceras und Endoceras, welche gewiss frei lebten, 
zeigen einerseits, dass die Zittel’sche Erklärung der Bildung des 
Sipho vollkommen berechtigt ist, andererseits widerlegen gerade diese 
einfachsten und; ältesten Deus breiten Gehäuse die oewagten An- 
nahmen Jaekel’s. 

‚Wir sehen ' sonach, abks ‚die osram Argumente, welche 
Jaekel für die :Anheftung ‘der. Orthoceren vorbringt, ebensowenig 
stichhaltig sind wie die ‘oben erörterten Einwände gegen die freie 
Bewegung. a BURB 

Betrachten ‘wir ‚aber, nachdem wir uns mit Jaekel’s erster 
These vertraut gemacht haben, die folgenden. These 2 lautet: „Die 
Septal- und Kammerbildung diente wie bei Korallen, Hippuriten und 
einigen sessilen, emporwachsenden Gastropoden dazu, den Körper über 
den durch Sedimentätion wachsenden Boden zu erheben, ‘ohne ihn 
zu. einer wesentliehen Aenderung seiner Form zu zwingen, und bei 
den Orthoceren .gleichzeitig dazu, die aufrechte Stellung der Schale 
und damit des Thieres auf einer relativ kleinen Basis zu erleichtern.“ 
Dagegen hat Branco'in der Discussion geltend gemacht, dass man 
J ackers Annahme zufolge die Orthoceren häufig in senkrechter Lage 
im Schichtgesteine finden müsse, in der Regel aber nähmen dieselben 
eine mehr oder weniger horizontale Lage an. Jaekel meinte, ‘dass 
beim Absterben des Thieres die conchyolinen Gewebe der Basal- 
kammer zerfielen. und die nicht mehr festgehaltenen Luftkammern 
das untere Ende nach oben gezogen haben mögen, wogegen Menzel 
nicht mit Unrecht darauf verweist, dass ja Jaekel annehme, dass 
die Kammerbildung hauptsächlich deshalb stattfinde, damit das Thier 
Sich über den durch Sedimentation wachsenden Boden erheben könne. 
Dann aber hätte die Schale ‚durch, Umhüllung und Einbettung in den 


') R. A. v. Zittel, Handbuch der Paläontologie. ‘Abth. I, Bd. II, S. 349. 


[23] Zur Oftogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 23 


Schlamm einen festen Halt erlangt. und müsste dadurch auch nach 
Zerstörung des Conchyolins in ihrer aufrechten Stellung verharren. 

These '3 lautet: „Der Siphonalstrang erscheint hierbei als der 
durch die Kammerbildung eingeengte Abschnitt des Körpers. Gegen- 
über anderen gekammerten Schalthieren wird seine Anlage verständlich 
dadurch, dass. der Körper erst, secundär aus der ursprünglichen Heft- 
kammer oder Embryonalkammer hervorwächst und letztere also ein 
integrirender Theil des ursprünglichen Körpers war.“ Diese Tliese 
wird, wie schon oben gezeigt. wurde, durch die von Holm bei 
Endoceras belemnitiforme nachgewiesenen Entwicklungsverhältnisse einer 
unzweifelhaft freien Form widerlegt. Sie steht aber auch, wie wir 
gleich sehen’ werden, mit These 5 Jaekel’s in offenbarem, Wider- 
spruche, in welcher angenommen wird, dass die eingerollten Nautiloidea 
im engeren Sinne die Anheftung entweder von Anfang an oder in 
frühen Stadien ihrer Entwicklung aufgegeben hätten.. Im ersteren 
Falle aber wäre nach Jaekel die Anlage des Sipho unverständlich. 

These 4 lautet: „Die siphonalen Kalkabscheidungen (Obstructions- 
ringe und endosiphonale Kalkablagerungen im untersten Schalentheile 
von Endoceren) dienen zur: Beschwerung des. Körpers als Gegen- 
gewicht gegen die eine aufstrebende Stellung garantirende Kammer- 
bildung.“ Mit dieser These steht die meist in hohem Grade asym- 
metrische Bildung des organischen Depöts sowohl im Sipho als in 
den Luftkammern im Widerspruche. Es wurde diese auffallende, schon 
von Barrande .hervorgehobene Asymmetrie der organischen Ab- 
lagerungen in der gekammerten Schale der Orthoceren bereits oben 
bei Besprechung des ersten Einwandes Jaekel’s gegen die freie 
Beweglichkeit der Orthoceren erörtert. Es möge hier im Anschlusse 
daran noch darauf hingewiesen werden, dass das zur Beschwerung der 
Schale dienende organische Depot auch bei triadischen Nautilen 
und Ammoniten — also zweifellos frei sich bewegenden Formen — 
durch E. v. Mojsisovics nachgewiesen wurde. Diese. Thatsache 
wurde bereits durch Barrande in seinem grossen Silurwerke be- 
sprochen!); da sie aber für die Beurtheilung des Zweckes, welcher 
dem organischen Depot zugeschrieben wird, von besonderer Bedeutung 
ist, sollen nachstebend die von Mojsisovics.gegebenen Abbildungen 2), 
welche organisches Depot bei triadischen Naufilen und Ammoniten 
erkennen lassen, als Beleg dafür aufgezählt werden, dass eine derartige 
Belastung der gekammerten Schale auch bei frei beweglichen Formen 
stattfand. 


A. Nautilidae. 


Grypoceras haloricum v. Mojs. Taf. VII, Fig. 4. 

Grypoceras obtusum v. Mojs. Taf. VII, Fig. 1. 

Olydonautilus gasteroptychus v. Dittm. Taf. X, Fig. 2. 
Paranautilus Simonyi v. Hau. Suppl.-Taf. I, Fig. 2, 3. 
Juvavionautilus (Oxynautilus) acutus v. Hau. Suppl.- Taf. III, Fig. 1. 


1) Barrande, Syst. silur. Vol. IL, Texte IV., pag. 265. 
2) E. v. Mojsisovics, Die Cephalopoden von Hallstatt. Abhandlungen 
der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. VI, erste Abtheilung. : 


24 R. Hoernes. | [24] 


B. Ammonitidae. 


Monophyllites Simonyi v. Hau. Taf. XVH, Fig. 5, 6. 
Megaphyllites Jarbas Münst. Taf. XIX, Fig. 16. 
Cladiscites quadratus v. Mojs. Taf. XXXH, Fig. 5. 


Wie man sieht, erscheint organisches Depot bei einzelnen 
Formen, welche sehr verschiedenen Gruppen der Nautilidae und 
Ammonitidae angehören. Die Fälle, in welchen solches Depot nach- 
zuweisen ist, mögen vielleicht erheblich zahlreicher sein, ich habe 
mich begnügt, diejenigen aufzuzählen, in welchen gute Abbildungen 
die Thatsache leicht und unzweifelhaft erkennen lassen. 

These 5 Jaekel’s lautet: „Die eingerollten Nautiloidea im 
engeren Sinne hatten die Anheftung aufgegeben, entweder von Anfang 
an oder in frühen Stadien ihrer Entwicklung. Ihre Urkammer 
(Protoconch) bestand aus Conchyolin und war deshalb nicht erhaltungs- 
fähig, so dass nicht festzustellen ist, ob dieselbe vom Thiere mit 
und in die Schale aufgenommen wurde oder ob sich der gekammerte 
Schalentheil von der Urkammer trennte. Möglich ist beides, wahr- 
scheinlicher als Regel das erstere. Bei einem Nautilus Barrandei 
aus dem alpinen Keuper sehe ich ihren ovalen Eindruck in dem 
folgenden Schalenumgange. Die erste Kammer der Nautiliden ist also 
nieht ihr Protoconch, sondern ihre erste Luftkammer, die am unteren 
Ende dieselbe Narbe zum Durchtritt des Sipho aus der Urkammer 
in den gekammerten Theil der Schale zeigt wie bei Orthoceren.* Es 
wurde schon oben darauf aufmerksam gemacht, dass die Annahme, 
die Nautiloidea im engeren Sinne, das heisst die eingerollten Formen 
hätten von Anfang an die Anheftung aufgegeben, mit Jaekel’s 
Behauptung, nur durch die Annahme der Anheftung der Anfangs- 
kammer von Orthoceras würde die Kammerung der Cephalopoden- 
Schale und die Bildung des Sipho verständlich, in offenbarem Wider- 
spruche steht. In dem Wortlaute der These 5 wird allerdings noch die 
Eventualität, dass die Nautiliden nicht von Anfang an frei gewesen 
seien, sondern ihre Anheftung „in frühen Stadien der Entwicklung“ 
aufgegeben hätten, angeführt, in der Erläuterung zu seinen Thesen 
aber sagt Jaekel!): „Die Einrollung der Schalen, wie sie 
uns bei den Nautiliden schon im Untersilur in vollkommener Weise 
entgegentritt — dass die Lituiten dieselbe bei weiterem Wachsthum 
wieder aufgegeben haben, beeinträchtigt die Bedeutung ihrer ersten 
Einrollung ja nicht — beweist unwiderleglich, dass die Nautiliden 
frei waren, denn eine Anheftung dieser Thiere ist in erwachsenem 
Zustande ausgeschlossen. Das bei den meisten regelmässig 
symmetrische Wachsthum ihrer Schale macht es aber 
auch sehr wahrscheinlich, dass sie überhauptniesessil, 
sondern von Anfang an frei waren. Diesen (hier durch ge- 
sperrten Druck hervorgehobenen) Worten Jaekel’s möchte ich voll- 
kommen beipflichten, ebenso seinen Ausführungen, welche sich gegen 
die Möglichkeit kehren, dass sich der gekammerte Theil der Nautiliden- 


‘) Siehe Zeitschrift d. Deutsch. geol. Ges. 54. Bd., 1901. Sitzungsproto- 
tolle, S. 77. 


[25] Zur Ontogenie und. Phylogenie der Cephalopoden. 95 
schale oder — um Jaekel’s Bezeichnungen zu gebrauchen —: „ihr 
Siphosoma und Cephalosoma von dem angehefteten Prosoma frei- 
gemacht hätten und erst damit die Möglichkeit symmetrischer Ein- 
rollung erlangt hätten“. 

„Diese Auffassung‘ — sagt Jaekel — „könnte eine Stütze 
finden in der von Branco vertretenen Annahme, dass die erste 
kappenförmige Kammer der Nautilidenschale der eiförmigen Anfangs- 
kammer der Ammoniten und Belemniten entspräche. Demgegenüber 
möchte ich mich aber doch der Hyatt’schen, auf die Siphonalnarbe 
gegründeten Ansicht anschliessen, dass die kappenförmige erste 
Kammer der Nautiliden der zweiten Kammer der Ammoniten ent- 
spricht und die echte Anfangskammer der Nautiliden also verloren 
ging. Hierfür bin ich erfreulicherweise in der Lage, einen Beieg 
anführen zu. können. Ein Nautilus Barrandi Hauer, den ich vor vielen 
Jahren in den rothen Keuperkalken des Röthelstein bei Aussee fand, 
lässt zwar den Anfang der Schale vermissen, zeigt aber dessen Ein- 
druck auf der Innenfläche der nächsten Windung. Dieser. Eindruck 
schliesst sich zunächst mit scharfen Seitenkanten den noch erhaltenen 
Kammern an. Allmälig nach dem Apex zu verschmälert sich dieser 
Eindruck der gekammerten Schale ganz regelmässig, um dann plötzlich 
mit einer ovalen Verbreiterung zu enden. Diese ovale Verbreiterung 
kann nur als Eindruck der eiförmigen Urkammer gedeutet werden, 
die dann derjenigen des Belemnitenphragmocons oder von Goniatites 
depressus genau entsprechen würde, während bekanntlich bei den eng 
eingerollten Ammoniten diese Urkammer in der Regel durch Zusammen- 
drückung etwas deformirt ist. Dass diese eiförmige Urkammer bei 
N. Barrandei verkalkt war, ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, da 
sie sonst auf die nächste verkalkte Windung schwerlich einen so 
regelmässig ovalen Eindruck verursacht hätte. Da aber bei den älteren 
Nautiliden die diesen entsprechende Urkammer fehlt, so ist es wohl 
sehr wahrscheinlich, dass sie erst im Laufe der Phylogenie Kalksalze 
zur Ausscheidung brachte und Anfangs aus Conchyolin bestand, aus 
dem wohl auch die Urkammer der Orthoceren bestanden haben mochte.“ 

Ich habe diese Ausführungen Jaekel’s über den Nautilus vom 
Röthelstein wörtlich wiedergegeben, weil sie mir das Wichtigste 
scheinen, was in seinen ganzen Thesen enthalten ist. Werden wir 
doch durch diesen bemerkenswerthen, schon vor. vielen Jahren ge- 
machten Fund zum erstenmal mit einer verkalkten ersten Kammer 
eines Nautilus bekannt gemacht, welche vollkommen mit jener eines 
Belemnitenphragmocons oder eines Goniatiten übereinstimmt! Dies 
veranlasst zur näheren Erörterung der überaus interessanten, von 
Jaekel mit den oben angeführten Worten geschilderten und von 
ihm in Figur 3 zur Abbildung gebrachten Versteinerung. 

Vor Allem ist zu bemerken, dass dieselbe nicht auf Nautilus 
Barrandei Hauer bezogen werden darf, wie schon eine flüchtige Ver- 
gleichung von Jaekel’s Abbildung mit der von Hauer!) und von 


1) Nautilus Barrandei. F. v. Hauer, Cephalopoden von Aussee. Haidinger’s 
naturw. Abh. I, Taf. VII, Fig. 15—18, und Neue Cephalopoden von Hallstatt und 
Aussee. Ibidem II, Taf. I, Fig. 4. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (R. Hoernes.) 4 


96 R. Hoernes. [26] 


Mojsisovics!) gegebenen lehrt. Schon der gewaltig grosse Nabel- 
durehbruch der Jaekel’schen Form, das langsame Anwachsen der 
Umgänge und deren kantiger Querschnitt lassen erkennen, dass es 
sich um eine Type handelt, welche gar nicht in die Gattung Syrin- 
goceras Hyatt und in die Familie der Syringonautilidae gestellt werden 
kann. Soweit es die Figur Jaekel’s zu beurtheilen gestattet, dürfte 
es sich eher um eine zur Familie der Temnocheilidae, etwa zu Pleuro- 
nautilus v. Mojs., gehörige Type handeln. Herr Hofrath v. Mojsiso- 
vies, dem ich meine Bedenken gegen die Zugehörigkeit der von 
Jaekel auf Nautilus Barrandei bezogenen Form zu dieser Art und 
zu Gyroceras überhaupt mittheilte, hatte die Güte, sich über diese 
Frage in einem Schreiben vom 21. December 1902 mit folgenden 
Worten zu äussern: „Ihre Auffassung, dass das in der Zeitschrift der 
Deutsch. geol. Gesellsch. 1902, pag.78 der Sitzungsberichte, abgebildete 
nautilicone Exemplar nicht zu Syringoceras Barrandei Hau. und über- 
haupt nicht zur Gattung Syringoceras gehört, halte ich für vollkommen 
zutreffend. Zu Gunsten Ihrer Vermuthung, dass der abgebildete ge- 
kammerte Steinkern vielleicht einer noch unbeschriebenen Art von 
Pleuronautilus angehören könnte, spricht der in der Abbildung deutlich 
markirte Nabelrand im vorderen Theile des Fragments. Die auf- 
fallende Weite der Nabelperforation erinnert an Pleuronautilus 
(Encoiloceras) superbus; doch bin ich, ohne das ‚Originalstück unter- 
sucht zu haben, nicht im Stande, lediglich nach der Abbildung mich 
bestimmter über die richtige systematische Stellung des fraglichen 
Stückes auszusprechen. Es wäre wohl wichtig, auch noch an anderen 
Exemplaren solch eine eiförmige Anfangskammer zu beobachten. Ich 
habe ähnliches bei triadischen Nautilen nie beobachtet! Ob hier nicht ein 
zufälliger Eindruck eines fremdartigen Körpers vorhanden sein könnte ?* 

Diese Worte v. Mojsisovics’ lassen eine neuerliche genaue 
Untersuchung des interessanten, von Jaekel geschilderten und zur 
Abbildung gebrachten Restes höchst wünschenswerth erscheinen, und 
zwar sowohl erstlich hinsichtlich der Zugehörigkeit der wahrscheinlich 
neuen Form zu einer der bereits bekannten Gattungen als der von 
Jaekel angegebenen, von Mojsisovics aber in Zweifel gezogenen 
Spuren des Vorhandenseins einer eiförmigen, jener der Belemnitiden 
und gewisser Goniatiten ähnlichen Anfangskammer. Wir kommen 
unten darauf zurück, dass diese Anfangskammer bei manchen triadischen 
eingerollten Nautiliden kappen- oder mützenförmig gestaltet ist, aber, 
wie es scheint, der von Barrande an Orthoceras beobachteten und 
auch für den lebenden Nautilus pompilius als bezeichnend für die 
sogenannte Anfangskammer betrachteten „Narbe“ entbehrt. In diesem 
Falle hätten wir, was mir sehr wahrscheinlich dünkt, in dem ein- 
fachen kappenförmigen Ende der Schale thatsächlich die Protoconcha, 
während in jenen Fällen, in welchen an dem Ende der sogenannten 
Anfangskammer eine Narbe zu sehen ist, die wahre Protoconcha ver- 
loren gegangen ist. Manche Triasnautiliden, welche in Folge ihres 
Nabeldurchbruches die erste Schalenanlage leicht untersuchen lassen, 


‘) Syringoceras Barrandei, E. v. Mojsisovics, Die Cephalopoden der Hall- 
stätter Kalke. Supplement, Taf. V, Fig. 2, 3. 


[27] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 97 


wie z. B. die Angehörigen der Gattung Syringoceras, zeigen nach 
meiner Ansicht an der Spitze die einfach kappenförmige Protoconcha. 
An einem mir vom Röthelstein bei Aussee vorliegenden Exemplare 
des Syringoceras eugyrum v. Mojs. sehe ich an dieser spitz endigenden, 
kappenförmigen ersten Schalenanlage wohl die feine, zierliche Sceulptur 
des übrigen Gehäuses, finde aber keine Andeutung der „Narbe“. Ich 
vermuthe also, dass hier und bei allen verwandten Formen, welche 
ähnliche Verhältnisse zeigen, eine einfache, spitz endigende, mützen- 
förmige Protoconcha vorhanden war. Deshalb möchte ich aber das 
Vorkommen einer eiförmigen Protoconcha bei dem in Rede stehenden 
interessanten, durch Jaekel geschilderten Nautiliden-Fragment nicht 
für unmöglich halten. 

Nach der von Jaekel gegebenen Abbildung möchte ich im 
Gegentheile glauben, dass die von ihm angenommene eiförmige 
Anfangskammer thatsächlich vorhanden war. Dass Aehnliches bei den 
zahlreichen, von Mojsisoviecs untersuchten Nautiliden der Trias 
sich nicht findet, schliesst die Möglichkeit durchaus nicht aus, dass 
sich Jaekel’s Nautilus einer verkalkten eiförmigen Anfangskammer 
zu erfreuen hatte. Ich theile die Ansicht von Mojsisovics’, dass 
man unter dem Sammelnamen „Nautilus“ und „Orthoceras“ sehr Ver- 
schiedenartiges zusammenwirft und dass diese alten „Gattungen“ ähnlich 
gestaltete Gehäuse umfassen, welche besser nach dem Vorgange 
Hyatt’s in zahlreiche Familien zu zerlegen sind. Wahrscheinlich 
sassen in diesen Gehäusen recht verschieden organisirte Thiere und 
es ist auch von Haus aus wahrschemlich, dass die ersten Anfänge 
ler Schale vielleicht noch grössere Mannigfaltigkeiten zeigen als die 
würch Branco untersuchten Anfangskammern der Ammoniten. Wir 
wrden unten sehen, dass Po&ta’s Untersuchungen an obersilurischen 
Othoceren hierfür hinsichtlich der „Gattung“ Orthoceras Breyn sichere 
Amaltspunkte geben. Für die „Gattung“ Nautilus ist Gleiches mit 
sroser Wahrscheinlichkeit anzunehmen und ich möchte mir erlauben, 
zur Unterstützung dieser Voraussetzung auch auf die oben bereits 
bespnchenen Ergebnisse der Untersuchungen G. Holm’s über die 
Gesta‘ung der Anfangskammer bei Lituites teres Eichw. und der 
Gattum Trocholites hinzuweisen. Von besonderem Interesse ist das, 
was H4m über die Gestaltung des Anfanges des Sipho in beiden 
Fällen Ssgt. Ich habe schon oben darauf hingewiesen, dass die Lage 
und das Jineinreichen des Sipho in einen kleinen Theil der Proto- 
concha be Litwites und Trocholites wesentlich verschieden ist von dem 
Befunde bi der sogenannten Anfangskammer des Nautilus pompilius, 
was eben 'aher rührt, dass letztere nicht die Protoconcha ist. 
Dementsprecend konnte Holm auch an den wahren Anfangskammern 
von Litwites ud Trocholites keine Narbe beobachten. 

E. v. M6sisovies hat nun in seinem grossen Werke über 
die Hallstätter Gephalopoden von einer Triasform, und zwar von 
Olydonautilus (F oelydonautilus) gasteroptychus Dittm. sehr interessante 
Beobachtungen üer die Embryonalkammer mitgetheilt. 1) Ich erlaube 


') E. v. Mojsiäyies, Die Cephalopoden der Hallstätter Kalke. I. (Haupt- 
text). 8. 24—35, Taf. I yig, 3. 


4* 


28 R. Hoernes. [28] 


mir seine eigenen Worte anzuführen: „Nicht ohne Interesse ist die 
innerste, durch einen Medianschnitt aufgeschlossene Windung, welche 
auf Taf. X, Fig. 35 und 3c, dargestellt ist. Die erstere Figur unter- 
scheidet durch den dunklen, auch in der Natur vorhandenen Ton die 
Embryonalblase und die ersten Kammern. Eine Kammerscheidewand 
trennt den durch Ton hervorgehobenen Theil von dem folgenden 
liehten gekammerten Theil. Nahe an der Spitze der dunklen Partie 
bemerkt man sehr deutlich eine enge, gegen rückwärts geschlossene 
Schleife, den Beginn des Sipho. Man bemerkt ferner verschobene 
Reste von Kammerwänden, welche aber in der Zeichnung leider nicht 
richtig in einer Weise dargestellt sind, welche zu Irrungen Anlass 
geben könnte. Fig. 3c, welche den Durchschnitt der zweiten Schnitt- 
hälfte gibt, corrigirt diesen Fehler und zeigt zugleich ein kleines 
Nabelloch, welches auf der ersten, der Medianlinie mehr genäherten 
Schnitthälfte nicht vorkommt. Es geht aus diesen Schnitten hervor, 
dass ein durchbrochener Nabel bei Naut. gasteroptychus nicht vor- 
kommt, vielmehr die erste Windung vollkommen an den innersten 
Kern anschliesst. Die Embryonalblase ist daher jedenfalls 
erhalten und in ihren Umrissen nicht verschieden von 
dem conisch zugespitzten Ende der imperfecten 
Nautilen.*“ In dem (hier gesperrt hervorgehobenen) Schlussatze 
erkennen wir, dass v.Mojsisovics auch für die imperfecten Nautilen 
die Erhaltung der ursprünglichen ersten Kammer, der wahren Proto- 
concha annimmt und wohl mit Recht. Von grösster Bedeutung ist die 
aus Figur 5b bei Mojsisovics ersichtliche Thatsache, dass der 
Sipho von Ulydonautilus gasteroptychus in der Embryonalkammer gerade 
so mit einer blindsackartigen Ausstülpung beginnt, wie dies 
bei den Ammonitiden der Fall ist und wie es von G. Holm auch 
bei ZLituites teres Eichw. und bei Trocholites beobachtet worden ist. 
Bei den imperfecten nautiliconen Formen der Trias, welche in Folge 
ihres mehr oder weniger grossen Nabeldurchbruches den kegelförmigen 
Beginn ihrer Schale deutlich erkennen lassen, ist es überaus wahr- 
scheinlich, dass die kegelförmige Spitze ihre wahre Anfangskaımnmer 
oder Protoconcha darstellt, und es müsste meiner Ansicht nach leicht 
sein, diese Annahme durch Untersuchung grösseren Materials — 
wie es in ausgezeichneter Erhaltung die Sammlungen der k. k. geol. 
Reichsanstalt und des naturhistorischen Hofmuseums in Wien ent- 
enthalten — auf ihre Stichhältigkeit zu erproben. Meiner Ueberzeugung 
nach müsste die Protoconcha dieser Formen der Barrande’schen 
„Narbe“ entbehren, da diese ja, wie noch zu erörtern sein wird, nur 
dann erscheinen kann, wenn die erste Kammer verloren gegangen ist, 
dafür aber im Innern einen blindsackartigen Beginn des Sipho zeigen. 

Von dem kegelförmig zugespitzten Schalenanfange, welcher in 
der Regel bei triadischen Nautiliden zu beobachten ist, unterscheidet 
sich nun wesentlich die eiförmige, anscheinend durch eine starke 
Einschnürung von der gekammerten Schale gesonderte Anfangskammer 
des von Jaekel zur Abbildung gebrachten nautiliconen Fragments. 
Wenn hier wirklich, wie es Jaekel annimmt, eine derartige Proto- 
concha vorhanden war, die verschieden ist von derjenigen anderer 
Nautiliden, so erscheint dies deshalb nicht so wunderbar, weil bei 


[29] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 29 


„Orthoceras Breyn* ebenfalls sehr verschieden gestaltete Anfangs- 
kammern auftreten, wie die schöne Untersuchung Ph. Po&ta’s lehrt, 
auf deren vor Kurzem veröffentlichte Resultate ich nun zurückkomme. 

Po&ta erinnert in seiner Veröffentlichung!) zunächst an die 
bisherigen Untersuchungen, deren Gegenstand die Verhältnisse der 
Protoconcha der Gephalopoden bildeten — an die Unterschiede, welche 
in dieser Hinsicht die beiden grossen Gruppen der Cephalopoden, 
die Nautiloidea und Ammonoidea, darbieten, die Wahrnehmung der Narbe 
Barrande’s bei Nautilus und Orthoceras, die eigenthümliche Ge- 
staltung der Anfangskammer bei Endoceras — er erwähnt die An- 
nahme, dass die Protoconcha der Nautiloidea aus einer gebrechlichen 
Materie, wahrscheinlich aus Conchyolin, bestand und somit nicht er- 
halten werden konnte, gedenkt aber auch des Fundes von J. M. 
Clarke im Devon Nordamerikas, welcher die Spuren einer kalkigen 
Protoconcha an einem leider nur sehr fragmentär erhaltenen Orthoceras 
erkennen liess. Glücklicherweise war es Po&ta möglich, Clarke’s 
Annahme durch seine Untersuchungen an jugendlichen Orthoceren 
aus dem böhmischen Obersilur zur Gewissheit zu erheben. 


An dem bekannten Fundorte VyskocGilka bei Prag kommen 
in den höheren Lagen der Etage e, tuffige Lagen vor, die. den Ver- 
steinerungssammlern wohlbekannten Schichten, welche die „körper- 
lichen“ Graptolithen führen. Sie enthalten aber auch eine reiche 
Mikrofauna an verschiedenen Mollusken, deren Schälchen in Durch- 
schnitten sichtbar werden, sobald man Dünnschliffe von dem tuffigen 
Kalke herstellt. Neben winzigen Orthoceras-Schalen finden sich auch 
Gasteropoden und Pelecypoden. Die Schalen wurden dabei selbstver- 
ständlich nach allen möglichen Richtungen geschnitten und solche 
Durchschnitte, welche gerade die Mitte der Gehäuse treffen, sind sehr 
selten. Solche Durchschnitte kommen unter hunderten nur ein- bis 
zweimal vor, zeigen aber dann ÜÖontouren der Anfänge der jugend- 
lichen Gehäuse von Gasteropoden u. a. m. Einige centrale Schnitte 
durch Gehäuse von winzigen juvenilen Orthoceras-Individuen ge- 
statteten nun Po&ta Untersuchungen, über die Form und Beschaffen- 
heit der Anfangskammer anzustellen. Grössere und demnach ältere 
Individuen erscheinen durchwegs ohne Anfangskammer, die gebrechlich 
gewesen und verloren gegangen zu sein scheint. Die von Po6ta 
beobachteten Orthoceras-Schalen messen nur 0°5 bis 12 mm Länge, 
können also als sehr jugendliche bezeichnet werden. Deutlich kann 
man schon in diesen jüngsten Stadien jene beiden Gruppen unter- 
scheiden, welche Barrande bei den erwachsenen festgestellt hat, 
nämlich die gestreckten, mit spitzem Gehäusewinkel (longicones) und 
die kürzeren, mit stumpferem Gehäusewinkel (brevicones). Von den 
Figuren, welche Po&ta auf der seiner Publication beigegebenen Tafel 
in 5Ofacher Vergrösserung nach mittels der Camera lucida ent- 
worfenen Zeichnungen gibt, beziehen sich 1—7 auf longicone, 8 und 9 
auf brevicone Formen. In Bezug auf die Anfangskammer aber zeigen 


!) Philipp Po&ta, Ueber die Anfangskammer der Gattung Orthoceras 
Breyn. Sitzungsberichte der königl. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften, Prag 
1902. Vorgelegt am 10. October 1902, ausgegeben am 20. November 1902. 


30 R. Hoernes. [30] 
beide Gruppen der Hauptsache nach dieselben Verhältnisse, so dass 
Po&ta dieselben unter einem mit folgenden Worten behandelt: „Die 
Protoconcha erscheint bei den juvenilen Orthoceras-Schalen in der 
Form einer blasenförmigen, zuweilen unten etwas wenig zugespitzten 
Kammer, die gewöhnlich durch eine, schon in der Contour der Schale 
kenntliche Einschnürung von der ersten Luftkammer abgegrenzt ist. 
Immer ist jedoch dieser Anfang der Schale von grösseren Dimensionen 
als die nächstfolgende erste Luftkammer, eine Erfahrung, welche die 
frühere Annahme in dieser Richtung eorrigirt. Bei den ceylindrisch- 
conischen Schalen pflegt diese Anfangskammer eine etwas wenig be- 
deutendere Breite zu besitzen, ist aber gewöhnlich höher als die 
erste Luftkammer. Bei den kurz kegelförmigen ist ihre Contour sehr 
von jener der anderen Kammern abweichend, so dass sie sogleich in 
die Augen fällt. Die Masse, aus welcher diese Protoconcha besteht, 
unterscheidet sich in den Durchschnitten von der Masse der übrigen 
Schale nicht im geringsten. Es muss demnach angenommen werden, 
dass auch die Anfangskammer ebenfalls wie die übrige Schale aus 
Kalk besteht.“ 

Wir ersehen sonach aus diesen, durch Po&ta dargelegten That- 
sachen: 1. dass dieAnfangskammer der Orthocerennicht 
festgeheftet, sondern frei war; 2. dass sie nicht aus 
Conchyolin, sondern wie die übrige Schale aus Kalk 
bestand. 

„Die erste Kammerscheidewand“ — fährt Po&ta fort — „welche 
die Protoconcha abgrenzt, besitzt bereits jene Richtung und auch 
jene Concavität, welche alle übrigen Scheidewände haben. An dieser 
ersten Scheidewand ist die Stelle, wo die Anfangskammer später 
abbricht, und es scheint, dass dieses Abwerfen derselben in erster 
Reihe durch die Einschnürung, welche bei den meisten Schalen hier 
sich befindet, verursacht wird. In dieser Hinsicht machen jedoch 
einige cylindrische Schalen insoweit eine Ausnahme, dass man an 
ihnen keine Einschnürung bemerken kann. So ist zum Beispiel das Fig. 6 
abgebildete Exemplar, welches sich nebenbei durch die Erhaltung 
der Siphonalduten auszeichnet, vollkommen cylindrisch und ohne jede 
Einschnürung. Es ist aber aus dem ganzen Habitus dieser Schale, 
welche nur drei Scheidewände besitzt, zu schliessen, dass uns dieselbe 
ein sehr junges Individuum vorstellt, und es ist möglich, dass erst 
später die Protoconcha durch Einschnürung von der übrigen Schale 
sich abgrenzt.“ 

Gegen die letzten Sätze dieser Ausführungen Po&ta’s möchte 
ich bemerken, dass mir gerade bei der von ihm aus gutem Grunde 
angenommenen kalkigen Beschaffenheit der Protoconcha eine spätere 
Umgestaltung derselben sehr unwahrscheinlich vorkommt. Ich kann 
mir nicht vorstellen, wie ein sehr jugendliches Individuum, dessen 
kalkige Protoconcha keine Einschnürung an der Grenze gegen die 
erste Luftkammer zeigt, in späterer Zeit eine Einschnürung dieser 
Kammer an ihrem oberen Ende acquiriren soll, da die einmal ge- 
bildete feste Kalkschale einer solchen Umgestaltung wohl nicht fähig 
wäre, es sei denn, dass sie ganz oder theilweise aufgelöst und durch 
eine Neubildung ersetzt würde, was wohl kaum anzunehmen ist. Mir 


[31] Zur Ontogenie und Phylogenie der Cephalopoden. 31 


scheint-es viel wahrscheinlicher, dass die Unterschiede in der Gestaltung 
der Protoconcha von Haus aus vorhanden sind, wie dies auch die 
übrigen, von Po&ta gegebenen Figuren vermuthen lassen. Die Anfangs- 
kammer erscheint da bald erheblich breiter, bald schmäler als die 
erste Luftkammer, bald nur wenig, bald aber um ein Mehrfaches 
höher als diese. Die Anfangskammer endigt bald mit einer allerdings 
wenig hervortretenden Spitze bald vollkommen rund — kurz, es sind 
erhebliche Unterschiede sowohl in den Dimensionen wie auch in der 
Gestaltung der Protoconcha zu bemerken. Es lässt sich aber keines- 
wegs — wie Po&ta meint — das verschiedene Verhältnis der Grösse 
der Anfangskammer lediglich durch das ungleiche Alter der unter- 
suchten Gehäuse erklären. 

Der Sipho ist leider in den juvenilen Orthoceras-Gehäusen nur 
sehr selten zu sehen, es scheint, dass der Schnitt den Sipho in den 
meisten Fällen nicht getroffen hätte. Bei jenen Exemplaren, in welchen 
durch Zufall die Siphonalgegend geschnitten wurde, sieht man, dass 
die Siphonalduten etwa 0:04 bis 0:08 mm messen, also eine so un- 
bedeutende Breite besitzen, dass der Schnitt sie allerdings sehr leicht 
fehlen konnte. Vom Sipho selbst ist in den juvenilen Gehäusen keine 
Spur zu sehen. PoGta nimmt deshalb an, dass in diesen Stadien die 
denselben einhüllende Membrane noch keine festen Bestandtheile 
(Kalk) enthalten habe, welche den Verlauf des Sipho andeuten könnten. 
In Beziehung auf die Siphonalduten ergaben Po&ta’s Untersuchungen 
sehr interessante Verhältnisse. Die Duten werden je jünger, desto 
enger und während die späteren ein einfaches Röhrchen bilden, ist 
die erste in der Anfangskammer wie kragenförmig ausgestülpt; sie 
ist es, welche die Narbe auf der ersten Scheidewand 
(Barrande’s cicatrix) bildet. 

Poctta fasst die Ergebnisse seiner Untersuchung mit folgenden 
Worten zusammen: 

1. Die Gattung Orthoceras hatte eine kalkige Anfangskammer. 

2. Die Gestalt derselben war sackförmig, nach unten etwas wenig 
verengt und immer von bedeutenderer Breite als die erste Luft- 
kammer. 

3. Diese Protoconcha besteht nur in juvenilen Stadien, später 
fehlt sie und die Spuren derselben an erwachsenen Individuen ge- 
hören zu den grössten Seltenheiten (Clarke). 

4, Die erste Siphonaldute stülpte sich auf der ersten Scheide- 
wand kragenförmig um und bildete so die Narbe (Barrande’s cicatrix). 
Diese erste Siphonaldute pflegt eine andere Form zu haben als alle 
übrigen Duten der Schale. Bei einigen Arten (z. B. Orthoceras mundum) 
ist dieser Unterschied zwischen der ersten Siphonaldute und zwischen 
allen übrigen Siphonalöffnungen besonders bedeutend. 

Jedenfalls ist Po&ta im Rechte, wenn er meint, dass die von 
ihm beschriebenen Funde die Frage über die Anfangskammer der 
Gattung Orthoceras in so ersichtlicher Weise beleuchten, dass dieselbe 
als gelöst anzusehen ist. 

Allerdings muss es als wünschenswerth erachtet werden, dass 
die von Po&ta in so erfolgreicher Weise begonnenen Studien über 
die Ontogenie der Orthoceren noch fortgezetzt werden. Die Ergebnisse 


39 R. Hoernes. [32] 


der Untersuchung juveniler Orthoceras-Schalen von Vyskotilka 
haben gezeigt, dass trotz der wesentlichen Uebereinstimmung in der 
Anlage der Protoconcha beträchtliche Verschiedenheiten in der Gestalt 
und in den Dimensionen derselben auftreten. Sie hängen höchst 
wahrscheinlich mit den weitgehenden Verschiedenheiten der Formen 
zusammen, welche gewöhnlich unter den Collectivnamen „Orthoceras“ 
begriffen werden, nach Hyatt sich aber auf zahlreiche Gattungen 
vertheilen. 

Es ist nun, wie Po&ta hervorhebt, ein sehr beklagenswerther 
Umstand bei den Vorkommnissen von Vyskocilka, dass man auf 
die nähere Bestimmung der in Dünnschliffen untersuchten Reste ver- 
zichten muss, denn es können in den einfachen Bildern, welche die 
durchgeschnittenen Schalen darbieten, die Artmerkmale selbstver- 
ständlich nicht zum Ausdruck kommen. Wünschenswerth wäre nun 
vor Allem, dass die Untersuchungen über die Protoconcha der Or- 
thoceren an einem Materiale fortgesetzt würden, welches auch eine ge- 
naue Art und Gattungsbestimmung der untersuchten Exemplare gestattet. 
Ich möchte mir erlauben, auf einen durch seine Mikrofauna seit langer 
Zeit berühmten Fundort hinzuweisen, St. Cassian, dessen Orthoceren 
auch bereits hinsichtlich ihrer jugendlichen Gehäuse Gegenstand der 
Untersuchungen mehrerer Forscher geworden sind. 

J. Barrande bringt in seinem grossen Silurwerke die Spitzen 
mehrerer jugendlichen Orthoceras-Gehäuse von St. Cassian zur Abbildung. 
Einige seiner Abbildungen, so jene der „Calotte initiale* von Orthoceras 
elegans Münst.!) und Orthoceras politum Klipst.?) sind Copien nach 
Hyatt’schen Zeichnungen von Klipstein’s Originalstücken im Bri- 
tish Museum. In beiden Fällen scheint eine „Narbe“ vorhanden zu 
sein und die Protoconcha also zu fehlen. Anders scheint es sich bei 
einem Exemplare von Orthoceras politum Klipst. aus der Sammlung 
der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien zu verhalten, welches 
Barrande gleichfalls zur Abbildung bringt), und an welchem meiner 
Meinung nach die Protoconcha vorhanden ist und eine „Narbe“ dem- 
gemäss fehlt. Dieses Jugendgehäuse von Orthoceras endigt mit einer 
vorgezogenen Spitze — gerade so wie die von Barrande auf der- 
selben Tafel seines Werkes zur Abbildung gebrachten Exemplare von 
Endoceras Marcoui Barr. und Orthoceras digitale F. A. Roem. spitz enden 
und gleichfalls der Narbe entbehren. Noch deutlicher als die Bar- 
rande’sche Abbildung der „Calotte initiale* von Orthoceras politum 
lässt die von Branco (nach demselben Exemplar?) gegebene ®) die 
einfache spitze Endigung der Schale und den Mangel der Narbe er- 
kennen. An solchen Jugendgehäusen würde ein Medianschnitt gewiss 
denselben Befund ergeben wie an den von Po&ta untersuchten 
juvenilen Orthoceras-Schalen von Vysko&ilka. 


') J. Barrande, Syst. silur. dela Bohöme. Vol. II. Supp). Pl. 488, Fig. IX. 

?) Ibidem, Fig. XI. 

°) Ibidem, Fig. X. 

*) W. Branco, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der fossilen Cephalo- 
poden.-II. Paleontographica 27. Bd., Taf. IX, Fig. VI. 


Die untersilurischen Phyliopodengattungen 
Ribeiria Sharpe und Ribeirella nov. gen. 
Von Dr. Richard Johann Schubert und Dr. Lukas Waagen. 


Mit einer chemigraphischen Tafel (Nr. I) und 5 Zinkotypien im Text. 


Den Grundstock der im Folgenden zu besprechenden Formen 
bildet eine Suite aus der Sammlung der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt. Ausserdem konnten in den Bereich der Untersuchung gezogen 
werden die in der paläontologischen Sammlung des k. k. Hofmuseums 
in Wien, im Museum der geologischen Lehrkanzel der Wiener Uni- 
versität und der Brünner tschechischen technischen Hochschule be- 
findlichen Ribeirien und Ribeirellen sowie Doubletten?!) aus 
dem böhmischen Landesmuseum in Prag und die dem Correspondenten 
unserer Anstalt Herrn Blaha in Laun gehörigen einschlägigen Exem- 
plare,ı Den Herren Prof. V. Uhlig, Prof. -A..Friö,,,Brof..J. Jahn, 
Qustos E. Kittl, Dr. Perner, W. Bläha und .J. V.Zelizko .sei 
auch hier für die freundliche Ueberlassung, beziehungsweise Ver- 
schaffung von Material, Herrn Prof. Grobben für seine zoologischen 
Rathschläge, die uns für die Deutung der fossilen Formen von grossem 
Werthe waren, bestens gedankt. 

Unsere Untersuchungen beschäftigten sich vornehmlich mit der 
Deutung und systematischen Stellung der bisher zum Theil arg ver- 
kannten Gattung Ribeiria. Ausserdem konnte auf Grund mehrfacher 
Analogien für eine Anzahl anderer Exemplare eine Verwandtschaft 
mit den Apodiden sehr wahrscheinlich gemacht werden, für die wir, 
da uns eine generische Vereinigung mit kibeiria unmöglich schien, den 
Namen Ribeirella vorschlagen möchten. 


Beschreibung der Steinkerne von Ribeiria. 


Beschalte Exemplare sind weniger leicht als hierhergehörig zu 
erkennen als Steinkerne. Sie sehen Pholas- oder Lithodomus-ähnlich 
aus, lassen jedoch bald ersehen, dass sie überhaupt nicht zu den 


!) Die Originalien zu den Barrande’schen Abbildungen in dem durch 
H. Perner in Bearbeitung begriffenen Gastropodenwerke konnten nicht näher 
geprüft werden. Doch ermöglichte uns die Freundlichkeit des Herrn Perner eine 
Durchsicht des betreffenden Tafelabdruckes (Taf. VII). 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reiclisanstalt, 1908, 53. Bd,, 1. Heft. (Schubert u, Waagen.) 5 


34 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. | [2] 


Lamellibranchiaten zu stellen sind, da keine zweiklappige, sondern 
eine einheitliche Schale vorliegt, die auf der Dorsalseite ziemlich 
stark gekniekt ist. An Steinkernen dagegen sind die Merkmale, die 
Sharpe für die von ihm (1853) aufgestellte Gattung Kibeiria angab, 
deutlich wahrzunehmen. 

Es sind, wie sie gegenwärtig vorliegen, seitlich mehr minder 
zusammengedrückte Stücke mit im Ganzen gerundeter, gleichwohl auf 
eine mediane Kniekung der rückwärtigen Schalenhälfte deutender 
Dorsalseite und langer schmaler Ventralöffnung. Von vorn und oben 
her ist ein Einschnitt gegen das Innere ersichtlich, der sich beider- 
seits als Furche auf dem Steinkerne nach rückwärts fortsetzt und nach 
vorn sich so stark verbreitert, dass dadurch ein mehr oder minder 
auffallendes Zurücktreten der Ausfüllungsmasse bewirkt wird. Dieser 
Einschnitt und die Dorsallinie treffen in einem spitzen Winkel auf- 
einander und lassen derart die Ausfüllungsmasse hier die Form eines 
Stachels bilden, was den Steinkernen ihr charakteristisches Aussehen 
verleiht. Die Dorsallinie des Steinkernes verläuft entweder gerade 
oder ist in der rückwärtigen Hälfte ausgebuchtet und mit nach vorn 
sewendeten concentrischen Linien verziert, wenngleich selten so 
stark, wie bei dem von Sharpe abgebildeten Exemplare von Ribeiria 
pholadiformis. Diese sculpturirte Vertiefung wurde von Sharpe als 
Muskeleindruck gedeutet. Der Hinterrand des Steinkernes lässt darauf 
schliessen, dass die Schale ähnlich wie bei dem recenten Apus cancri- 
formis rückwärts einen Ausschnitt besass. 


Bisherige Deutung der Ribeirien. 


1855 wurde von Sharpe im Quart. journal geol. soc. London 
(On the Carboniferous and Silurian formations of the neighbourhood 
of Bussaco in Portugal by Carlos Ribeiro with notes and 
description of the animal remains by Daniel Sharpe Esq. etc.) 
auf pag. 157 die Gattung Ribeiria aufgestellt, mit der einzigen Art 
Ribeiria pholadiformis und ihre Verwandtschaftmit denCalyptraeiden 
wahrscheinlich zu machen gesucht, obgleich ihm bereits der Mangel 
eines spiralen Wachsthums auffiel. Die äussere Form entspreche einer 
Calyptraea, die von beiden Seiten so zusammengepresst sei, dass beide 
Seiten fast gleich erscheinen und nur eine schmale Oeffnung für den 
Fuss des Thieres übrig sei; die dorsale, seulpturirte Ausbuchtung des 
Steinkernes wurde als Muskelanhaftungsstelle aufgefasst. 

1859 betonte R. J. Murchison (Siluria, III. Edition. London, 
pag. 398) eine Aehnlichkeit der portugiesischen Ribeiria pholadiformis 
mit Redonia? complanata. Ebendaselbst wird pag. 50 Redonia? com- 
planata Salter aus den stiperstones der Llandeilo rocks angeführt, 
auch eine Abbildung dieser gegeben, die jedoch so undeutlich ist, 
dass bei dem Mangel einer weiteren Beschreibung nicht zu entscheiden 
ist, ob diese Redonia? complanata in der That eine Redonia ist, also 
Bivalve, deren Steinkern ja äusserlich einige Aehnlichkeit mit dem 
von Zeibeiria besitzt, oder ob eine Deutung als Ribeiria zulässig ist. 
Im Appendix dazu wird unter den Gastropoden Ribeiriu complanata 
(Redonia) Salter angeführt. 


[3] Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 35 


Dass diese Identificirung von Ziberria mit der typischen Bivalve 
Redonia haltlos ist, braucht wohl nicht erst ausführlich bewiesen zu 
werden. - 

1864 spricht zuerst Salter im geolog. Magazine I, pag. 12 
(On some points in ancient physical geography, illustrated by fossils 
from a Pebble-Bed at Budleigh Salterton, Devonshire), die Vermuthung 
aus, dass Ribeiria pholadiformis ein Krebs sei aus derselben Gruppe 
oder Myocaris mit einer bedeutend verdickten Dorsalregion und kräf- 
tiger innerer Nackenleiste „cervical ridge“. Er glaubt zwar nicht, die 
völlige Verwandtschaft zu kennen, fügt aber hinzu, dass kibeiria ein 
charakteristisches Glied der mitteleuropäischen Silurfauna sei, zu 
welcher die Fossilien der Normandie und die Einschlüsse der pebbles 
zu Budleigh Salterton gehörten. 

1865 beschrieb E. Billings in den Pal. Foss., vol. 1, pag. 340, 
zwei neue Arten von kibeiria: BR. caleifera und R. longiuscula, doch 
wagt er nicht dem Genus Aibeiria eine bestimmte systematische 
Stellung zuzuweisen. Es war zwar Billings bekannt, dass die frag- 
lichen Reste von Salter mit den Crustaceen in Beziehung ge- 
bracht wurden, dennoch neigt er mehr der Auffassung Sharpe’s zu. 
Billings weist insbesondere darauf hin, dass sich vorn, gleich 
unterhalb des Umbonaltheiles, eine schmale Oeffnung von halbkreis- 
förmiger Gestalt befinde, die zum Austritt einer Röhre diene, welche 
sich nach rückwärts über die schräge Platte hinweg bis in das Innere 
der Leibeshöhle erstreckte. Es sei dies eine Oeffnung für den Byssus, 
mit dem sich diese Thiere verankerten. Billings vermag jedoch 
keine zweifellose Indentificirung mit Ribeiria vorzunehmen, weshalb 
er für den Fall einer Abtrennung den Subgenusnamen kRibeirina vor- 
schlägt. 

1875. S. P. Woodward (A manual of the mollusca, III. 
edition, London, pag. 497) stellt Ribeiria zu den Anatiniden, indem 
der vordere Einschnitt des Steinkernes durch eine Knorpelplatte 
(cartilage plate), wie bei Lyonsia? hervorgerufen, angenommen wird. 

Ralph Tate erwähnt im Appendix zu diesem Handbuche, pag. 
80, die oben eitirte Auffassung von Billings und dass bereits vier 
Arten dieser Gattung aus dem Untersilur von Portugal, England und 
Canada bekannt geworden seien. 

1877. S. A. Miller (Americ. palaeoz. foss. catalog, Cincinnati, 
Ohio, pag. 42—44) führt Ribeiria als incertae sedis unter seinem sub- 
kingdom Protista an, zu dem er Rhizopoden und Poriferen stellt, ob- 
gleich es ihm bekannt war, dass sie schon früher als Lamellibranchiaten, 
beziehungsweise Crustaceen aufgefasst wurden. 

1881— 1885. Im Handbuch der Paläozoologie von K. A. von 
Zittel, II. Bd., pag. 659, wird Aibeiria zu den Phyllocariden 
gestellt. 

1889 findet sich in dem Manual of Palaeontology von Nichol- 
son und Lydekker die Bemerkung, es habe den Anschein, als ob 
die beiden obseuren Genera des Ordovician Myocaris und FKibeiria 
mit Leaia verwandt wären. 

1900. In der neuen zweibändigen englischen Ausgabe des 
Zittel’schen Handbuches (Text-Book of Palaeontology, Dr. Charles 

Hr 


36 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [4] 


R. Eastman, vol. D,in welchem die Crustaceen mit Ausnahme der 
Tyilobiten von John S. Kingsley und John M. Clarke bearbeitet 
wurden, ‘befindet sich /Ribeiria] gleichfalls den Phyllocarida Packard, 
und zwar der Familie der Hymenocariden, zugetheilt, mit der sie 
jedoch offenbar gar nicht verwandt ist. Zugleich wird jedoch auch ein 
Zweifel an der Krebsnatur der Ribeirien ausgesprochen. 

1901. In einem vorläufigen Berichte über die Bearbeitung 
der Gastropoden für den IV. Band des Barrande’schen Werkes 
„Systöme silurien du centre de la Boh@me“ (Bull. internat. ac. scienc. 
Boh&me, pag. 3) erwähnt J. Perner, Tafel 7 enthalte viele Ab- 
bildungen von Ribeirien, welche sicher keine Gastropoden und 
höchstwahrscheinlich zu den Phyllocariden zu stellende Crusta- 
ceen seien. 

1901. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. (pag. 232) erwähnt J. V. 
Zelizko gelegentlich der Besprechung der Localität Radotin, in 
welcher die Ribeirien in Böhmen bisher relativ am häufigsten 
gefunden wurden, die ihm mitgetheilte Auffassung von dem Phyllo- 
podencharakter dieser Fossilien. Die von ihm ausgesprochene Hoffnung, 
dass im böhmischen Landesmuseum zu Prag sich eine grössere Anzahl 
von Arten finden werde, erwies sich jedoch als unbegründet, ja es 
konnte sogar KRibeiria inflata nob. unter den in Betracht gezogenen 
Prager Exemplaren nicht festgestellt werden. 


Die innere Organisation von Ribeiria. 


Wie aus Vorstehendem ersichtlich ist, beschäftigten sich schon 
mehrere Autoren mit der Deutung dieser interessanten Steinkerne. 
Die Deutung als Gastropode wurde schon frühzeitig mit Recht wieder 
aufgegeben. Länger hielt sich die Annahme, dass Zibeiria als Lamelli- 
branchiat aufzufassen sei. Doch kann ja die gegen das Innere des 
Steinkernes vorspringende Leiste nicht als Schlosszahn angesehen 
werden, da sonst ein Oeffnen der Schale unmöglich gewesen wäre. 
Vor Allem weist die dorsale Rundung des Steinkernes keineswegs auf 
eine zweiklappige, sondern auf eine einheitliche, obwohl geknickte 
Schale hin. Auch spricht die Structur der Schale gegen eine Zu- 
gehörigkeit zu den Bivalven. Es bleibt somit nur die Auffassung 
übrig, die zuerst von Salter ausgesprochen wurde, dass nämlich 
Ribeiria zu den Crustaceen zu stellen sei, wie es ja auch die 
meisten neueren Handbücher der Paläontologie annehmen. Allerdings 
wurde in einem der letzterschienenen, der zweibändigen englischen 
Ausgabe des Handbuches von Zittel, wieder ein Zweifel an der 
Krebsnatur von Ribeiria ausgesprochen. Entgegen den bisherigen An- 
sichten, dass diese Gattung zu den Phyllocariden zu stellen sei, 
ergibt ein Vergleich mit dem recenten Apus eine derart weitgehende 
Uebereinstimmung mit diesem, dass man ARibeiria ohne Zweifel in 
die Familie der Apodiden stellen kann. 

Ein Längsschnitt durch einen recenten Apus cancriformis, wie 
ihn Fig. 1 darstellt, mit einem combinirten Längsschnitt durch Ribeira 
(Fig. 2) verglichen, ergibt die überraschende Thatsache, dass die von 
den älteren Autoren angenommene Leiste oder schräge Platte ganz 


[5] Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 37 


ungezwungen mit der durch Innenskelet und Schalenumschlag be- 
gsrenzten Körperpartie von Apus identifieirt werden kann. Allerdings 
zeigt dieser Umschlag nach vorn zu eine auffällige Verdickung, die 
jedoch in der Erhaltungsweise begründet ist, wie im Folgenden ge- 
‚zeigt werden soll. 

Der recente Apus cancriformis besitzt eine dorsoventral abge- 
plattete chitinige Schalenduplicatur, die vorn umgeschlagen ist. An 


Fig. 1. 


J = Innenskelet. — L — Cranialraum für die Leberschläuche,. — U = Schalen- 
umschlag. — O0 = Öberlippe. D = Darm. 


diesen Umschlag schliesst sich ventralwärts die gleichfalls aus Chitin 
bestehende starke ÖOberlippe und die kräftigen Mandibeln. Nach 
rückwärts zu folgt dann der Verdauungstract, dessen Leberschläuche 
den durch den Schalenumschlag gebildeten Raum “ausfüllen. Man 
könnte nun meinen, dass nach Verwesung sämmtlicher Weichtheile 


Fig. 2. 


Bezeichnungen wie bei Fig. 1. 


des Apus-Körpers die ganzen Schalenräume, somit auch der durch 
den Schalenumschlag gebildete eraniale, durch Schlammasse ausgefüllt 
würden. Sucht man jedoch durch Maceriren mittels (erwärmter) Kali- 
lauge die Weichtheile des Apus-Körpers zu entfernen, so bemerkt man, 
dass die in dem erwähnten Kopfraume befindlichen Leberschläuche 
scheinbar der Wirkung der KOH längere Zeit widerstehen. Ein 
inneres chitiniges Skelet, an dem möglicherweise Kaumuskeln inserirt 


38 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [6] 


waren, dürfte das Eindringen der Kalilauge in den cranialen Theil 
erschweren. Es ist daher einleuchtend, dass bei der natürlichen 
Verwesung ein gleicher Vorgang stattfindet, und die Schlammasse nur 
bis zum Kopfraume eindringt. So ist auch die obenerwähnte scheinbare 
Verdickung des Schalenumschlages bei Ribeiria dadurch zu erklären, 
dass der durch den Umschlag gebildete Raum von Leberschläuchen 
erfüllt war und dass ein analoges, wenngleich anders orientirtes 
Chitinskelet, das, gleichwie die äussere Schale, bei kibeiria viel stärker 
war als bei Apus, ihn vom übrigen Körper abschloss. Da Apus eine 
dorsoventral abgeplattete Schalenduplicatur besitzt, welche den grössten 
Theil des Körpers überdeckt, so ist die Höhe eine viel geringere, als 
sie scheinbar Ribeiria zukam. Dennoch muss ein Längsschnitt durch 
ein Exemplar von Apus, das seitlich zusammengepresst wurde, ein im 
Wesentlichen gleiches Bild zeigen, wie der Steinkern einer gleich- 
falls seitlich zusammengepressten Ribeiria. Bei einem derartigen Längs- 
schnitte muss die Schale gleichwie bei den fossilen Ribeirien seitlich 
herabgezogen erscheinen. Danun ein Längsschnitt durch einen seitlich 
comprimirten Apus äusserst schwierig auszuführen, beziehungsweise 
genau darzustellen ist, wurde auf Fig. 1 ein Längsschnitt eines Apus 
mit herabgezogener Schalenduplicatur dargestellt. Nichtsdestoweniger 
scheint es uns, .dass Zibeiria eine stärker gewölbte Schale besass als 
Apus, so dass sie beim Niedersinken in Schlamm auf die Flanke 
auffiel und seitlich zusammengepresst wurde. Der Schalenumschlag 
verläuft allmälig an der Innenseite der Schalenduplicatur, wie durch 
schwache Furchen an manchen Steinkernen ersichtlich ist. An den 
Schalenumschlag schloss sich wie bei Apus eine kräftige Oberlippe 
und Mandibeln, welche die Mundöffnung deckten. Diese ist daher an 
den Steinkernen nahe dem Hinterende des Einschnittes zu suchen. 

Der vordere Oberrand der schmalen, schlitzförmigen Oeffnung, 
die von älteren Forschern als Austrittstelle des Fusses gedeutet, von 
anderen zu einem Byssusrohre in Beziehung gesetzt wurde, ist daher 
nichts anderes als der vordere Unterrand der gegenwärtig seitlich 
zusammengepressten Schalen von Ribeiria. 

An Exemplaren, welche nebst dem Steinkerne den Umriss der 
Schale erkennen lassen, sieht man, dass am Umbug des Dorsalrandes 
nach vorn eine leichte Einkerbung sich findet, welche offenbar der 
bei Apus gleichfalls leicht angedeuteten Nackenfurche entsprechen 
dürfte. Dann sind vor dieser Kerbe die Augen von KRibeiria zu suchen. 
Von Beinen ist an den uns vorliegenden Exemplaren von Ribeiria 
nichts zu bemerken. Beim ausgewachsenen Apus erfolgt die Fort- 
bewegung durch die zahlreichen Kiemenblattfüsse, während bei den 
auf das Naupliusstadium folgenden Entwicklungsformen noch eine 
Zeitlang das zweite Beinpaar sehr stark entwickelt ist und vorzugs- 
weise zur Fortbewegung dient, ähnlich wie bei den Cladoceren 
die zweiten Antennen zur hauptsächlichen Fortbewegung benützt 
werden. Es scheint uns nun gewagt, für die untersilurischen marinen 
Vorläufer von Apus die gleiche Entwicklungshöhe anzunehmen wie 
für den recenten Apus, weshalb wir in Uebereinstimmung mit dem 
biogenetischen Grundgesetze für Ribeiria eine ähnliche Form recon- 


[7] Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 39 


struirten, wie sie Apus in vorgeschritteneren Entwicklungsphasen 
aufweist (Fig. 3). 

Bei manchen Steinkernen von Ribeiria (auch von kibeirella) sieht 
man am Rücken eine Ausbuchtung, die mit nach vorn concaven 
Bogen seulpturirt ist. Die Tiefe derselben ist sehr wechselnd, bei 
manchen Stücken ist sie kaum angedeutet, bei anderen dagegen sehr 
auffallend (z. B. bei Ribeiria pholadiformis Sharpe). Bei Libeirella 
ist diese Ausbuchtung fast durchwegs durch einen flachen, gerundeten 
Höcker getheilt. Diese Veränderlichkeit der Ausbuchtung in Bezug 
auf die Tiefe und Schärfe oft bei sonst gleichen Merkmalen bietet 
einer befriedigenden Deutung mehrfach Schwierigkeiten. Von den 
älteren Autoren wurde sie meist als Muskeleindruck angesprochen. 
Doch liegt es auf der Hand, dass bei der Krebsnatur der Ribeiriden 


eine solche Erklärung unmöglich ist. Andererseits kann diese Aus- 
buchtung des Steinkernes mit einer Verdickung der Schale gerade 
wegen ihrer Variabilität nicht gut in Beziehung gebracht werden. 
Nach den Beobachtungen an den uns vorliegenden Fossilresten war 
zunächst nur feststehend, dass man es mit einem Hohlraume zwischen 
Thier und Schale zu thun habe. Dass dieser Hohlraum durch Drüsen 
ausgefüllt gewesen sei oder als Brutraum benützt worden wäre, ist 
wohl kaum anzunehmen. Wenn auch manche Phyllopoden (Clado- 
ceren) in dieser Körperregion einen Brutraum besitzen, der durch 
Körpervorsprünge abgesperrt werden kann und in dessen Bereich der 
Körper Reste einer Segmentirung erkennen lässt, ist es doch nicht 
ersichtlich, warum bei einer Verwesung des Thierkörpers dieser 
Raum erhalten geblieben sein sollte. Ueberdies spricht auch die nahe 


40 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [8] 


Verwandtschaft von ZRibeiria mit Apus, die sich im übrigen Körper- 
bau kundgibt, gegen eine solche Annahme, da bei Apodiden kein 
Brutraum vorhanden ist, sondern das 11. Beinpaar der Weibchen 
mit Eierbehältern versehen ist. 

Beim recenten Apus haftet jedoch die Schalenduplicatur nicht 
dem Körper an, sondern dieser ist von der Cervicalregion an mit 
einem eigenen Integument bedeckt. Die uns plausibelste Erklärung 
ist nun die, dass der obenerwähnte Hohlraum dem zwischen Schale 
und Körperintegument befindlichen entspricht, wobei auch die Varia- 
bilität in Bezug auf die Stärke, eventuell das gänzliche Fehlen der 
Einbuchtung an Steinkernen einfach durch den Fossilisationsprocess 
erklärt wird. Die Sculptur wäre dann mit der Segmentirung des 
Körpers, eventuell auch mit den Blattfüssen in Zusammenhang zu 
bringen. 


Fig. 4. Fig. 5. 


Ch = Chitinlagen. — C — Carbonate mit Zwillingsstreifung. — G — Gesteins- 
masse, in der die Schalen eingebettet sind. 


Wenn im Vorstehenden zumeist Uebereinstimmungen zwischen 
dem Bau von Kibeiria und Apus sich ergaben, muss nun ein wesent- 
licher Unterschied im Bau der Schale, beziehungsweise im Wachs- 
thume derselben hervorgehoben werden. „Im Gegensatze zu den 
schalentragenden Limnadien und Estherien wird jedesmal (bei 
Apus) auch die dorsale Lamelle des Rückenschildes abgeworfen, 
während dieselbe bei jenen Gattungen — wie ©. Claus feststellte !) 
— als besondere Schalenlagen, in deren Peripherie die neugebildete 
Haut einen Anwachsstreifen ansetzt, zur Verdickung der Schalenhaut 
verwendet werde.“ Die Apus-Schale erscheint daher glatt und zeigt 


') Abhandl. d. kgl. Gesellsch. d. Wissensch. Göttingen 1873, pag. 132. (Zur 


Kenntnis des Baues und der Entwicklung von Branchipus stagnalis und Apus can- 
criformis.) 


9 Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 41 
[ 


keine Anwachsstreifen, bei Ribeiria dagegen sind solche durchwegs bei 
gut erhaltenen Stücken wahrzunehmen, obschon sie sehr fein sind (siehe 
Taf. I, Fig. 5c und 8). Die Schale von Ribeirella endlich neigt in ihrer 
derberen Sculptur auffällig zu derjenigen der Esterien und Lim- 
nadien (siehe Taf. I, Fig. 18 und 19). Wir müssen daher annehmen, 
dass bei Ribeiria und Kibeirella ähnliche Wachsthumsverhältnisse der 
Schale stattfinden wie bei den Limnadiiden. Gleichwohl unter- 
scheiden sich diese durch ihre zweiklappige Schale von den ein- 
klappigen, wenngleich zum Theil geknickten Apus-ähnlichen Schalen 
von Ribeiria und Ribeirella wesentlich. Eine mikroskopische Unter- 
suchung lässt dem oben geschilderten Wachsthumsvorgange ent- 
sprechend mehrere Chitinlagen erkennen, denen Partien von Car- 
bonaten (mit reicher Zwillingsstreifung) zwischengelagert sind. (Fig. 4 
Längsschnitt, Fig. 5 Querschnitt durch den vorderen Theil.) 


Ribeiria Sharpe 1853. 


Sharpe gibt von dieser Gattung folgende Diagnose (l. c. 
pag. 157): 

„Testa univalvis, elongata, lateraliter compressa; aperturä 
elongatä, angustä; intus laminä transversali anteriore et impressione 
musculari elevatä elongatäque munita.“ 

Diese muss nun, nachdem Sharpe ledislich auf die rein 
morphologischen Merkmale des Steinkernes Rücksicht nahm, ergänzt 
und berichtigt werden. Die Schale ist Apus-ähnlich breit, vorn 
umgeschlagen, jedoch stärker gewölbt und durch Einlagerung von 
Kalksalzen viel kräftiger als bei Apus. Das innere Chitinskelet er- 
streckte sich von den Kauwerkzeugen an schräg nach vorn und 
oben. Concentrische Anwachsstreifen auf der Schale deuten auf 
ähnliche Wachsthumsverhältnisse, wie sie sich bei den heutigen 
Limnadiiden finden. 


Bisher waren aus dem Genus Äkibeiria Sharpe vier 
Arten bekannt. 


1. kibeiria pholadiformis Sharpe. 
Falıl Eee agb c 


R. testä compressä, subovatä, antice rotundatä, postice attenuatä; 
lineis concentrieis crebris inaequalibus. 

Diese Art, zu welcher die in Böhmen gefundenen Formen von 
Barrande gezogen wurden, scheint sich von denselben doch ganz 
erheblich zu unterscheiden. Zunächst ist der durch das Innenskelet 
bedingte Einschnitt des Steinkernes, wie ihn die Fig. 35 auf Taf. I 
zeigt, ganz eigenthümlich gestaltet; er ist bedeutend steiler gerichtet 
als bei unseren Exemplaren und wieder anders als bei kibeirella, von 
welcher ihn überdies der davorgelegene Ausschnitt grundsätzlich 
unterscheidet. Sehr auffällig ist auch die aussergewöhnlich kräftige 
Sculpturirung auf der Dorsalseite, die nach rückwärts so scharf be- 
grenzt ist, beides Erscheinungen, welche sich an unseren Steinkernen 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Bd., 1. Heit. (Schubert u. Waagen.) 6 


42 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [10] 


nicht wiederholen. Die Schale endlich zeigt ebenfalls eine Abweichung, 
indem an ihr, wenn auch blos ganz schwach, eine schräg nach hinten 
verlaufende Kante angedeutet ist, welche die Dorsalregion von der 
Flanke trennt und wodurch R. pholadiformis an Kibeirella erinnert. 
R. pholadiformis stammt aus der unteren Abtheilung des Untersilurs 
von Portugal (Sierra de Mucela und de Bussaco). 


2. Ribeiria (Redonia) complanata Salter. 
Taf. I, Fig. 4 und 4a. 


Murchison brachte eine Abbildung dieser Art, die er für 
identisch mit R. pholadiformis erklärte. Eine Beschreibung fehlt 
leider und aus der Abbildung allein ist die Zugehörigkeit zu Kibeiria 
nicht mit vollkommener Sicherheit zu entnehmen. Immerhin ist die 
Möglichkeit vorhanden, dass wir es hier mit einer kibeiria zu thun 
haben und, abgesehen von den Grössenverhältnissen, könnte nach der 
Art des Einschnittes auf einige Aehnlichkeit mit unserer R. apusoides 
geschlossen werden, obgleich nicht einmal die Krebsnatur jener Art 
feststeht. R. complanata wurde in den stiper stones der Llandeilo 
rocks, England, gefunden. 


3. Ribeiria? caleifera Billings. 
Tat. I,.Fıie, %a)'B, ec. 


Oval, zusammengedrückt, Hinterende verschmälert, Vorderende 
breit gerundet; der Ventralrand ist mehr minder in der ganzen Länge 
convex und erstreckt sich von der Mitte an nach auf- und rückwärts 
gegen die Dorsallinie zu. Der Rücken verläuft von der hinter der 
Nackenfurche gelegenen Auftreibung (beaks) an bis zur oberen hinteren 
Ecke geradlinig, ist aber in der rückwärtigen Hälfte gewöhnlich ein 
wenig concav. Der Dorsalwulst (beaks) ist nicht stark ausgeprägt und 
seine Lage wechselt zwischen !/, und 1/, der Entfernung von der 
vorderen Ecke. Der vor diesem Wulst gelegene Theil der Rückenlinie 
ist fast gerade, liegt ein wenig tiefer als der dahinter gelegene Theil 
und erstreckt sich gewöhnlich allmälig nach abwärts von der Mündung 
gegen die Ecke. Der Rücken ist ungetheilt, das muss wiederholt 
werden, und besitzt kein Gelenk — es ist nämlich nur eine Klappe 
vorhanden — er ist sehr eng gerundet oder etwas gekielt. Das 
Hinterende ist unter einem Winkel von eirca 100% abgeschnitten und 
der hierdurch gebildete gerade Rand entspricht dem vierten oder 
dritten Theile der Schalenhöhe vom Ventralrande zum Schnabel (beaks) 
gemessen. Die Schalenöffnung ist sowohl an den Enden als auch am 
Ventralrande gerundet; auch ist sie gewöhnlich etwas weniger breit 
als eine Linie. Die Beschaffenheit der Oberfläche ist unbekannt, doch 
war diese anscheinend glatt. 

Die meisten gesammelten Exemplare sind verkieselt, einige hohl. 
Einzelne Ausgüsse des Inneren wurden hergestellt. Sie lassen den 
Querschlitz unter dem Schnabel (beaks) sehen, der durch eine Quer- 
platte entstand, ähnlich wie dies bei den Innenausgüssen von Cleido- 
phorus (Hall) der Fall ist, nur dass sie sich bei Ribeiria nach rück- 


[11] Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 453 


wärts statt nach vorwärts erstreckt. Hier zeigt sich auch eine ringsum 
parallel und nahe dem Ventralrande verlaufende Linie, die der Palleal- 
linie der Lamellibranchiaten ähnelt. Die Form ist veränderlich, der 
Ventralrand nicht immer gleich convex. Beide Schalenseiten sind 
sanft gewölbt. 


Länge 8—-16 Linien, Höhe vom Schnabel zur Ventrallinie halb 
so gross. 


Caleiferous formation; Counties of Leeds and Grenville. 


4. Ribeiria? longiuscula Billings. 
Taf. I, Fig. 2. 


Länglich oval, Dorsal- und Ventralrand in den letzten zwei 
Dritteln fast parallel, Vorderende einfach gerundet, das rückwärtige 
Drittel anscheinend verschmälert, indem der Ventralrand sich nach 
aufwärts zieht, so dass das Hinterende ähnlich wie bei R. calcifera 
erscheint. Der vor dem Schnabel gelegene Theil ist ebenfalls gerade, 
liegt aber tiefer als der hinter demselben befindliche. Die Mündung 
unter dem Schnabel ist bei dem Exemplare undeutlich zu sehen. 
Beide Seiten sind sanft gewölbt und vor dem Schnabel befindet sich 
eine weite seichte Vertiefung, die sich nach rückwärts und abwärts 
gegen den Ventralrand erstreckt. Der Ausschnitt der Schale ist 
überall gerundet. Der Rücken ist ungetheilt und eng gerundet, kaum 
sekielt. Oberflächenbeschaffenheit unbekannt. 


Länge 16 Linien, Breite 7 Linien. 
Caleiferous formation; Counties of Leeds and Grenville. 


Die Abbildungen obiger beider Arten stammen von Schalen- 
exemplaren, so dass daraus weniger gut die Hierhergehörigkeit zu 
entnehmen wäre, wenn nicht im Texte das Vorhandensein der von 
vorn schräg nach innen verlaufenden „Platte“ ausdrücklich erwähnt 
wäre. Die beiden Arten unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, 
dass Ribeiria caleifera sich nach rückwärts rasch verschmälert, während 
Ribeira longiuscula länger ist und in ?2/; der Länge gleich breit bleibt. 
Die uns vorliegenden böhmischen Formen stehen in Bezug auf Länge 
der R. longiuscula näher, während die rückwärtige Verschmälerung in 
der Regel zwischen beiden die Mitte hält, wenn auch beide Extreme 
vorkommen mögen. Eine Vereinigung unserer Riberien mit jener von 
Billings ist jedoch schon aus dem Grunde nicht möglich, weil 
Billings über die Art des durch das Innenskelet und den vorderen 
Schalenumschlag bedingten Ausschnittes am Steinkerne, beziehungs- 
weise Schalenausgusse sich nicht näher ausspricht, also lediglich den 
Umriss der zusammengedrückten Schale in Betracht zieht und daraufhin 
die beiden erwähnten Arten unterscheidet, über deren specifische Ver- 
schiedenheit er selbst Zweifel ausspricht. 


Im böhmischen Untersilur konnten zwei weitere 
Arten von uns unterschieden werden. 
6* 


44 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [12] 


Ribeiria apusoides Schubert et Waagen. 
Taf. I, Fig. 5—9. 


Die Gattungsmerkmale sind an dieser böhmischen Art ebenso 
ersichtlich wie an den portugiesischen und canadischen Formen. Als 
Artmerkmal betrachten wir die typische Stellung des Innenskelets 
sowie die Form des Schalenumschlages, die beide besonders an Stein- 
kernen gut ersichtlich sind. Bei Ribeiria apusoides war das Innenskelet 
ungefähr unter einem Winkel von 45° oder noch stärker gegen vorn 
geneigt, der Schalenumschlag ziemlich horizontal, wenn auch etwas 
nach unten ausgebuchtet, zurückgeschlagen. 2. pholadiformis besass 
ein viel steiler gestelltes Innenskelet und dadurch am Steinkern einen 
steileren Einschnitt und einen kürzeren Schalenumschlag. Auch unter- 
scheidet sich der Umriss der R. apusoides-Schale von jenem der R. 
pholadiformis durch den gestreckten Dorsalrand, welcher bei letzterer 
winkelig gebogen war. 

Von den beiden canadischen Arten liegen leider keine Abbil- 
dungen oder eingehendere Beschreibungen von Steinkernen, beziehungs- 
weise von Schalenausgüssen vor, so dass die böhmischen mit den 
canadischen Formen nicht direct verglichen werden können. R. calei- 
fera steht, dem Umriss nach zu urtheilen, der R. pholadiformis näher, 
während R. longiuscula im Umriss mehr der R. apusoides und R. in- 
flata ähnelt, von diesen beiden sich aber durch die äusserlich stärker 
markirte und im Ganzen weiter rückwärts gelegene Kerbe — Nacken- 
furche — unterscheidet. Diese scheinbar nebensächliche Eigenschaft 
lässt jedoch auf eine andere Stellung des Innenskelets schliessen 
und ist daher wohl zu beachten. Auch ist der Ventralrand von 
R. apusoides und R. inflata durchwegs sanft gebogen, während Billings 
für R. longiuscula ausdrücklich angibt, dass der Ventralrand in den 
letzten zwei Dritteln fast parallel der Dorsallinie verläuft. Denkt 
man sich die Schale ausgebreitet, so muss Zibeiria longiuscula im 
Gegensatz zu R. apusoides und R. inflata eine von theilweise parallelen 
Rändern begrenzte Schale besessen haben. Auch die weite horizontale 
Entfernung der Fundpunkte macht eine völlige Uebereinstimmung 
beider Arten unwahrscheinlich. Am meisten Beziehungen zu unserer 
R. apusoides scheint die englische R. (Redonia?) complanata Salter 
zu besitzen. Doch lässt die geringe Grösse der Abbildung und die 
dadurch sowie durch den offenbar stark corrodirten Zustand der 
Objecte bedingte mangelhafte Darstellung eine genauere Deutung 
nicht zu. 

Grösste Länge: 36 mm. 

Grösste Höhe: 16°5 mm. 

Länge des Schalenumschlages: 5 mm, des Einschnittes: 7 mm 
(in der Mitte) und 11’5 mm (seitlich). 

Höhe des Kopftheiles: 6 mm. 

Dicke eines beschalten Exemplars: 10 mn. 

Dicke der Steinkerne: 53/,—8 mm. 

Vorkommen: d,y (Ossek), d, (Chrustenitz, Lodenitz, Levin, 
ee bei Radotin, Kuchel, Sterbohol, Prag, Lieben, Bohdatetz), 

I, (Leiskow). 


[13] Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 45 


Ribeiria inflata Schubert et Waagen. 
Taf. I, Fig. 10 und 11. 


Diese Art stimmt mit R. apusoides im Allgemeinen überein. 
Einen wesentlichen Unterschied bedingt jedoch die Art. des Schalen- 
umschlages, der nicht fast horizontal wie bei jener verläuft, sondern 
dadurch, dass die Schale vorn stärker herabgezogen war, steiler gegen 
das Innere zu ansteigt. Hierdurch wird der Winkel zwischen Innen- 
skelet und dem Schalenumschlage ein viel grösserer, fast ein rechter. 
Es könnte nun scheinen, dass diesem Merkmale keine grössere Be- 
deutung zukommt und dass die grössere Ausweitung eine individuelle 
Variation bedeute oder durch den Erhaltungszustand bedingt sei. Von 
unserem Materiale zeigten vier Exemplare von verschiedenen Fund- 
punkten diese Merkmale deutlich und es konnten Uebergänge zum 
Typus R. apusoides nicht beobachtet werden. Manchmal scheint es 
wohl, als ob Mittelformen vorlägen, doch handelt es sich dann stets 
um vorn abgebrochene Stücke. die mit grosser Wahrscheinlichkeit 
zu R. apusoides gehören. Dennoch ist es ja möglich, dass Uebergangs- 
formen zwischen beiden Arten existiren. 

Die Grössenausmasse stimmen mit denen der vorstehenden Art 
überein, nurist die Höhe des Kopftheiles beträchtlicher, S mm gegen 
6 mm bei R. apusoides. 

Vorkommen: d, (Rokytzan) und d, (Radotin, Lodenitz, 
Chrustenitz). 


Ribeirella nov. gen. 


Diese auch von Barrande unter den Speciesnamen Ribeiria 
Sharpei n. sp. und Ribeiria erpandens n. sp. auf seiner Manuscript- 
tafel abgebildeten und wenngleich mit ? zu Ribeiria gezogenen Formen 
unterscheiden sich nicht unwesentlich von Ribeiria. Zunächst fällt die 
bedeutend geringere Grösse der Steinkerne und beschalten Exemplare 
den Ribeirien gegenüber auf; dennoch können dieselben nicht etwa 
als Jugendformen von ARibeiria aufgefasst werden, da uns aus der 
Sammlung des Herrn Blaha auch Steinkerne von Jugendlichen kleinen 
Exemplaren (Taf. I, Fig. 6 und 7) von kibeiria apusoides vorliegen 
und diese die wesentlichen Merkmale der erwachsenen Formen er- 
kennen lassen. Ein zweites auffälliges Merkmal, das zugleich als 
generelles Merkınal verwendbar ist, ist die durchwegs stärkere, ja 
oft starke concentrische Schalenstreifung, welche an die Limnadiiden 
erinnert. Der Hauptunterschied, der uns zur generellen Abtrennung 
der im Folgenden beschriebenen Formen von zkibeiria bestimmte, 
besteht darin, dass nicht wie bei dieser Gattung (und theilweise in 
Uebereinstimmung damit wie bei Apus) die Schale vorn breit um- 
geschlagen war, sondern ziemlich steil nach unten herunterhing 
und am Ende scharf nach auf- und rückwärts geknickt war. 
Dementsprechend erschien auch die Oberlippe nicht die directe 
Fortsetzung dieses Umschlages, sondern setzte gleichfalls unter 
einem scharfen Winkel dagegen ab. Das Innenskelet war fast senk- 
recht, zuweilen nach rückwärts geneigt orientirt, so dass die Stein- 


46 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [14] 


kerne ein ganz verschiedenes Bild darbieten. Dieser functionell 
offenbar mit dem von Ribeiria gleichwerthige Schalenumschlag sowie 
die analoge, gleich sculpturirte Ausbuchtung des Steinkernes am 
Rücken sprechen mehr für eine Verwandtschaft von Ribeirella mit 
Ribeiria und ihre Zugehörigkeit zu den Apodiden als für eine 
nähere Verwandtschaft von Ribeirella mit den Limnadiiden. Auch 
ist ihre Schale zwar meist stark zusammengepresst, bisweilen dorsal 
geknickt, was dann durch die schiefrige Beschaffenheit der sie ein- 
schliessenden Gesteinsmasse und die durchwegs dünnere Schale er- 
klärlich ist, doch war sie sicherlich eine einheitliche und nicht zwei- 
klappig wie bei den Limnadiiden, obwohl die Schale gleich wie 
bei Ribeiria und im Gegensatze zu Apus nicht gewechselt wurde, 
sondern sich durch Anwachszonen vergrösserte. Die Schale lässt 
beiderseits einen von der Dorsalmitte schräg gegen ihren Hinterrand 
verlaufenden Knick erkennen, der vermuthen lässt, dass die Ribei- 
rellenschale im rückwärtigen Theile nicht blos eine mediane Kante 
besass, sondern dass der ganze rückwärtige dachgiebelförmige Schalen- 
theil gegen die Flanken abgesetzt war. Durch diese schräg ver- 
laufenden lateralen Kanten wird vielleicht auch ein Hinweis gebildet 
auf jenes andere noch ziemlich unbekannte Urustaceengenus Myocaris, 
bei dem die Lateralkanten zu Rippen verstärkt sich beiderseits in 
der Zweizahl finden. 

Die Gattungsmerkmale von ARibeirella lassen sich kurz in 
Folgendem zusammenfassen. 

Schale zart, stark concentrisch gestreift, vorn herabgeschlagen 
und am Ende nach rückwärts geknickt, im rückwärtigen Dorsaltheile 
sesen die Flanken kantig abgesetzt. Innenskelet senkrecht oder nach 
rückwärts geneigt. 

Die aus dem böhmischen Untersilur vorliegenden Exemplare 
konnten specifisch nicht getrennt werden, obgleich Barrande im 
Gastropodenbande die Steinkerne und beschalten Exemplare mit zwei 
verschiedenen Namen R. expandens und R. Sharpei belegte. Es liessen 
sich keine durchgreifenden Unterschiede zwischen diesen Formen 
feststellen; wir wählten als Artnamen den von Barrande für die 
beschalten Exemplare gegebenen. 


Ribeirella Sharpei Barr. sp. (emend. Schubertet Waagen). 
Taf. I, Fig. 12—20. 

Grösste Länge: 14 mm. 

Grösste Höhe: 9 mm. 

Höhe des herabgeschlagenen Schalentheiles: 3—D mın. 

Länge des Schalenumschlages 15—3 mm. 

Dicke der Steinkerne: 2—3°5 mm. 

Vorkommen: d, (Rokytzan), d, (Winice), d, (Radotin, Lieben, 
Butowitz, Zahoran, Kuchel, Lodenitz), d, (Kosov, Gross-Kuchel, Lodenitz). 


Ob alle die oben bei der Gattungsbesprechung erwähnten Merk- 
male auch Gattungsmerkmale sind oder ob nicht auch darunter welche 
blos der Art Ribeirella Sharpei Barr. sp. zukommen, ist natürlich 


[15] Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 47 


gegenwärtig-nicht zu entscheiden, da sämmtliche (24) in Betracht 
gezogenen Exemplare keine wesentlichen Unterschiede aufweisen und 
daher als zu einer Art gehörig aufgefasst wurden. Möglicherweise 
sind die seitlich auf der rückwärtigen Schalenhälfte verlaufenden 
schrägen Kanten nicht für die Gattung Ribeirella, sondern lediglich 
für die Art bezeichnend, da auch bei Ribeirien (R. pholadiformis) eine 
solehe Kante bereits angedeutet ist. 

Inwieweit die von uns als Kibeirella bezeichneten Formen mit 
den bisher noch so wenig erkannten Aptychus-ähnlichen paläozoischen 
Krebsen, wie Aptychopsis Barr., Cardiocaris Woodw., Entomis Jones, 
Spathiocaris Clarke ete., in Beziehungen stehen, muss glücklichen 
Funden und eingehenden Untersuchungen überlassen bleiben. Der 
Umstand, dass die bei unseren untersilurischen, stets seitlich zusammen- 
gepressten Formen ersichtlichen, beziehungsweise erschliessbaren Merk- 
male, wie Innenskelet, Schalenumschlag ete., bei den übrigen an- 
scheinend durchwegs dorsoventral zusammengedrückten Exemplaren 
nicht nachweisbar waren, liess uns von einer näheren Bezugnahme 
auf die zunächst in Betracht kommende Gattung Aptychopsis absehen. 
An dem Abdrucke eines Exemplars sieht man nämlich etwas wie 
eine die concentrische Sculptur im vorderen Theile schräg schneidende 
Trace, die an eine Rostralnaht von Aptychopsis primus Barr. erinnern 
könnte. Doch ist diese Linie zu unbestimmt und scheint auch den 
Barrande vorgelegenen beschalten Originalexemplaren seiner R. 
Sharpei ganz gefehlt zu haben (cf. Taf. I, Fig. 19, 20 und Barrande- 
Perner |. e. Bd. IV, Taf. VII, Fig. 7—11)}. Auch müsste dort, wo das 
„Rostrum“ bei Aptychopsis primus fehlt, eine Spur des Innenskelets 
wahrgenommen werden, ausserdem scheint die Schalenbeschaffenheit 
eine wesentlich verschiedene zu sein. 


Erklärung der Ribeirien und Ribeirellen auf Taf. VII des Barrande’schen !) 
Gastropodenwerkes. 

Fig. 5, 6. (Ribeiria pholadiformis Sharpe) R. apusoides Schub. et Waagen, Jugend- 
exemplare. 

Fig. 7, 8, 9, 10, 11. (Ribeiria? Sharpei Barr.), beschalte Exemplare von Ribeirella 
Sharpei Barr. 

Fig. 12, 13. (Ribeiria expandens Barr.), Steinkerne von kibeirella Sharpei Barr. 

Fig. 14—17. (Ribeiria pholadiformis Sharpe) Ribeiria apusoides Sch. et W., schlecht 
erhalten. 

Fig. 18—20. (Ribeiria pholadiformis Sharpe) Ribeiri« apusoides Sch. et W., bei 
19 und 20 sind die Seulpturen des Integuments markirt. 

Fig. 21. (kibeiria pholadiformis? Sharpe) Ribeiria apusoids Sch. et W. 

Fig. 22, 23. (Ribeiria pholadiformis? Sharpe) wahrscheinlich R. apusoides, beschalt. 

Fig. 24, 25. (Ribeiria pholadiformis? Sharpe) wahrscheinlich R. apusoides, beschalt, 

Fig. 26. (Ribeiria pholadiformis?) wahrscheinlich Ribeiria apusoides Sch. et W. 


!) IV. Band des „Syst&me silurien“, bearbeitet von J. Perner. Die in 
Klammer gesetzten Angaben sind die von Barrande auf der Manuscripttafel ge- 
brauchten. 


48 Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [16] 


Systematisch-geologische Bemerkungen. 


Im Vorhergehenden wurde die Verwandtschaft der beiden 
Gattungen mit dem recenten Apus hinreichend klargelegt. Dieselben 
sind somit wohl in die Familie der Apodidae Burmeister zu stellen, 
da von den anderen beiden Familien der Branchiopoden die 
Limnadiiden eine zweiklappige Schale besitzen, die Branchi- 
podiden dagegen durch den Mangel einer Schalenduplicatur 
charakterisirt sind. Vom recenten Apus, der ja auch zweifellos in 
seologisch älteren Perioden lebte, unterscheiden sie die Wachsthums- 
verhältnisse der Schale und die übrigen in den Gattungsbeschreibungen 
erwähnten Merkmale. In Zittel’s „Text-Book“ (l. e.) werden als 
Apodiden Protocaris Walcott und Apus Schäff zusammen- 
gefasst. Ersterer wurde aus dem Untercambrium von Vermont be- 
schrieben, Apus wird von der Trias an eitir. Wenn nun auch die 
Deutung des von Prestwich (Geology of Coalbrook Dale!) als 
Apus dubius bezeichneten Fossilrestes als Apodide zweifelhaft ist, 
dürfte doch der von W. P. Schimper aus dem Vogesensandsteine 
beschriebene ?) Apus (non Apudites) antiguus mit Recht als Vorläufer 
des recenten Apus aufgefasst werden. Von Interesse ist, dass diese 
triadische Art in einer Schicht gefunden wurde, die ganz übersät 
war mit Schälchen von Posidonia minuta (= Estheria minuta) und eine 
Küstenbildung darstellen dürfte. Die untersilurischen Apodiden waren 
zweifellos marine Formen und lebten, wie die sie einschliessenden 
Sedimente vermuthien lassen, keineswegs in grosser Tiefe. Auffällig 
ist ihr Fehlen in allen obersilurischen und jüngeren Schichten, 
trotzdem gerade aus den Stufen Z-e, und Z%-e, so reichhaltige Faunen 
bekannt sind. Wenn nun auch E, F und @ vorzugsweise durch kalkige 
Schichten vertreten sind, so besteht doch die Etage H überwiegend 
aus Thonschiefern, für deren litorale, vielleicht auch brackische Ent- 
stehung die stellenweise häufigen Hostinellen und anderen Land- 
pflanzen sprechen. Es dürfte also die Weiterentwicklung der unter- 
silurischen Ribeirien, wenn sie der directen Ahnenreihe von Apus 
angehören, wie es gut möglich ist, in anderen Meeren stattgefunden 
haben. Von Kibeirella kann wohl mit Sicherheit behauptet werden, 
dass sie nicht einen Vorläufer von Apus darstellt, sie dürfte vom 
Apustypus bereits in präcambrischen Zeiten abgezweigt haben. 

Die wesentliche Vertiefung des böhmischen Meeres zur Zeit des 
Obersilurs®) dürfte wohl mit zu den Ursachen gerechnet werden, dass 
die Ribeirien (und Ribeirellen) nach der Absatzzeit der unter- 
silurischen (D) Sedimente so selten wurden, dass bisher von ihnen 
aus Jüngeren böhmischen Schichtgliedern keine Reste bekannt sind. 

Der recente Apus ist eine auf das Süsswasser beschränkte Form 
und stellt nach Vorstehendem den von anderen marinen Formen in’s 
Süsswasser gedrängten Rest einer in frühen Erdperioden reicher ge- 
gliederten marinen Thiergruppe dar. 


London, Transactions geol. Soc. 2 Ser. V (non X), pag. 491, pl. 41. 
Neues Jahrbuch für Min. und Geologie 1840, pag, 338. 

F. Frech, Ueber die Entwicklung der silurischen Sedimente in Böhmen 
etc. Neues Jahrbuch für Min. etc. 1899, II. Bd., pag. 174. 


) 
) 
3) 


[17] 


Die untersilurischen Phyllopodengattungen. 49 


TabeHle über die Verbreitung der böhmischen uns bisher bekannten Arten. 


Etage 


m 


Lo ea] ıt a0: 


Ribeiria 


apusoides 


Ribeirella 


inflata Sharpei 


Ossek (d, y) 
Rokytzan 


Winice 


Bi 


- 


Bohdatetz 
Butowitz. 
Chrustenitz. 


Kuchel 

Levin 

Lieben 

Lodenitz. 

Braga a 
Radotin (Stankowka) . 
Sterbohol Ale 
Zahofan . 


Gross-Kuchel . 
Kosov : 
Leiskow . 
Lodenitz.. 


I ++ +++ +++ 14 


(el 


ER 


| 


+++ | HH 44H 44H 


| 
| 


Wie aus obiger Tabelle ersichtlich ist, wurde sowohl Aibeiria 
als auch Ribeirella bisher im ganzen Untersilur Böhmens gefunden. 
Wenn wir von der von d, wahrscheinlich nur faciell verschiedenen 
Etage d, absehen, wäre lediglich das Fehlen, beziehungsweise die 
Seltenheit von Ribeiria inflata und apusoides im jüngsten Untersilur (d,) 
gegenüber dem reichlicheren Vorkommen von Kibeirella hervorzuheben. 


Jahrbuch d. k. K. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Bd., 1. Heft. (Schubert u. Waagen.) 7 


Fig. 


Fig. 


Fig. 


Fig. 


Fig. 


Fig. 


Dr. R. J. Schubert und Dr. L. Waagen. [18] 


Erklärung zu Tafel I. 


1. Ribeiria caleifera Billings (Copie nach Billings). 
a) von der Seite, b) von vorn, c) von oben. 
2. Ribeiria longiuscula Billings (Copie nach Billings). 
3. Ribeiria pholadiformis Sharpe (Copie nach Sharpe). 
a) beschaltes Exemplar, b) Steinkern von der Seite, ce) Steinkern von oben. 
4. Ribeiria (? Redonia) complanata Salter (Copie nach Murchison in 
Originalgrösse). 
4a dieselbe Copie vergrössert: 
5. Ribeiria apusoides Schubert et Waagen aus D, von Radotin. 
a) Steinkern von der Seite, b) von oben, d) von vorn, c) Theil eines 
Ausgusses, um die Anwachsstreifen zu zeigen. 
6. KRibeiria apusoides Schubert et Waagen aus D,y von Össek, Jugendexemplar. 
7. Ribeiria apusoides Schubert et Waagen aus D,y von Ossek, Jugendexemplar. 
8. Beschaltes Exemplar von Ribeiria apusoides Schubert et Waagen (Copie 
nach Barrande-Perner, Syst. sil,, Band IV, Taf. 7, Fig. 24). 
9. Steinkern von Ribeiria apusoides . Schubert et Waagen (Copie nach 
Barrande-Perner, Syst. sil., Band IV, Taf. 7, Fig. 20). 


. 10. Ribeiria inflata Schubert et Waagen aus D, von Lodenitz. 
. 11. Ribeiria inflata Schubert et Waagen aus D, von Rokytzan. 
. 12. Ribeirella Sharpei Barr. sp. (emend. Schubert et Waagen) aus D, 


von Zahoran. 


. 13. Riübeirella Sharpei Barr. sp. aus D, von Gross-Kuchel, Steinkern. 


13a derselbe doppelt vergrössert. 


. 14--16. Ribeirella Sharpei Barr. sp. Steinkerne. | 
. 17. Ribeirella Sharpei Barr. sp. a) Steinkern von der Seite, 5) von vorn. 
. 18. Vergrösserte Schalensculptur von Ribeirella Sharpei Barr. sp. (Copie 


nach Barrande-Perner, Syst. sil., Band IV, Taf. 7, Fig. 11). 


. 19, 20. Beschalte Exemplare von Ribeirella Sharpei Barr. sp. (Copie nach 


Barrande-Perner, Syst. sil., Band IV, Taf. 7, Fig. 8 und 10). 


Schubert und Waagen: Untersilur. Phyllopoden. Taf. I. 


A. Kasper del. Chemigr. von Angerer und Göschl, 
Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Band LIIT, 1903. 
Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumofskygasse 23. 


Ueber den Rest eines männlichen Schafschädels 
(Ovis Mannhardi n. f.) aus der Gegend von 
Eggenburg in Niederösterreich. 


Von Franz Toula. 


Mit einer Tafel (Nr. II) und drei Textillustrationen. 


Bei meinem letzten Besuche von Eggenburg fand ich in der 
Sammlung des Herrn Johann Krahuletz („Krahuletz-Museum“ der 
Stadt Eggenburg) neue Fundstücke vor, die mich besonders interessirten, 
da ich ja gerade mit ähnlichen Objecten beschäftigt war, und die ich 
mir zur näheren Untersuchung erbat. 

Es waren ein Stirnzapfen mit Rose von Cervus (die Bruchstellen 
von Stange und Augenspross sind deutlich erkennbar) und zwei zu- 
sammengehörige Stirnbeine mit Stirnzapfen eines Hohlhörners. 

Diese letzteren beiden Stücke liessen sich, wenngleich die Nähte 
an den Rändern etwas beschädigt sind, recht gut vereinigen und 
stammen von einem Schafschädel her. Da derartige Reste verhältnis- 
mässig selten sind, möchte ich etwas näher auf ihre Betrachtung ein- 
gehen. 

Herr Krahuletz nannte mir als Fundort „die Marktgemeinde 
Grafenberg, 1/, Stunde von Eggenburg*. Genau gemessen beträgt der 
Abstand von Pfarrkirche zu Pfarrkirche 27 im und liegt Grafenberg 
südöstlich von Eggenburg, und zwar am Nordrande der bekannten 
Granitmasse zwischen Burg Schleinitz, Limbach, Grafenberg, die sich 
weiter im Norden in einer ähnlichen Masse über Stolzendorf (Stoitzen- 
dorf der Specialkarte) bis über den Königsberg fortsetzt. Zwischen 
diesen beiden Granitmassen liegt eine Lössdecke, die sich nach Osten 
bis an die Schmieda fortsetzt. Der. Fundort liegt sonach am Rande 
des Mannhard. 

Aus dieser Gegend kam mir zuerst die untere Hälfte eines 
Rhinoceros-OÖberarmes zu, welche bei einer Abgrabung an der „Grafen- 
berger Lehne* der Franz Josefsbahn aufgefunden wurde und wohl als 
von KRhinoceros antiquilatis stammend angesehen werden darf. Aus 
demselben Löss erhielt ich auch Reste von ÄElephas primigenius, 
freilich von einer südlicher, bei Ziersdorf gelegenen Stelle, wo sie 
gleichfalls bei einer Abgrabung an derselben Bahnlinie aufgefunden 
wurden, Reste, aus welchen ich einen ganz trefflichen Unterkiefer 
zusammensetzen konnte. Diese Stücke unterscheiden sich von den 

Jahrbuch d. k.k. geol. Reiclısanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (Fr. Toula.) 7* 


52 Franz Toula. [2] 


Schafschädelknochen in der Farbe: sie sind nämlich beide bräun- 
lichgrau, während die Krahuletz’schen Stücke die gelblich-bräunliche 
Färbung zeigen, wie sie bei Funden im thonigen Lehm so häufig ist. 

Herr Krahuletz theilte mir in einem Schreiben (vom 10. Juni 
1902) weiters mit, dass bei Grafenberg sich „eine der ältesten An- 
siedlungen aus heidnischer Zeit“ der Umgebung von Eggenburg 
befunden habe. Auch der bekannte Vitusberg bei Eggenburg liegt 
in dem Gemeindegebiete von Grafenberg. „In der Nähe“, so fährt 
Krahuletz fort, „und in südlicher Richtung gegen Etzmannsdorf, 
wo sich auch eine kleinere Ansiedlung befunden hat, entdeckte ich 
nach einem gewaltigen Gewitterregen, welcher eine ziemliche Schlucht 
in ebenem Felde ausgewaschen hatte, zwei Stellen, welche mir sofort 


Fig. 1. Ovis Mannhardi n. f. 
Von der Seite. 


auffielen und welche ich bei der nächsten Gelegenheit aufzugraben 
begann. Ich kam dort in einer Tiefe von 60—80 cm auf zwei soge- 
nannte Aschengruben (Kochstellen), welche einen Durchmesser von 
2 m und eine Tiefe von 15 m hatten.“ Hier fand Krahuletz ‚in 
Asche und Küchenresten“ Hau- und Reibsteine, einen gebrochenen 
Steinhammer, mehrere Spinnwirtel, ein Bronzemesser nebst dem frag- 
lichen Schädelfragment mit den beiden Hornzapfen. Der Fundort 
liegt sonach südwestlich von Grafenberg und jenseits der Grafen- 
berger Lehne. 

An dem mir vorliegenden Stücke finde ich keine Spur einer 
weiter gehenden Behandlung mit Werkzeugen. Die Schädeldecke mit 
den Hornzapfen dürfte einfach abgeschlagen worden sein, um zum 


[3] Ovis Mannhardi n. f. von Eggenburg. 53 


Gehirne zu gelangen. — In den Stirnbeinhöhlen und im rückwärtigen 
Theile der Gehirnhöhle finden sich etwas dunklere graue Körnchen, 
aber keine Spur einer kohligen Substanz. 

Hirsche und Wildschafe mögen damals auf den Höhen des 
Mannhard gelebt haben und gejagt worden sein. Ich enthalte mich 
jedoch jeder weiteren Auseinandersetzung über diese Frage und will 
nur den Rest selbst etwas näher in Betracht ziehen. 


Quersehnitte der rechtseitigen Hornzapfen etwas oberhalb der Basis von: 


I. Ovis Mannhardi n. f. Umfang 168 mm. 
II. Ovis orientalis Gml. (Persien). Umfang ca. 190 mm. 
III. Ovis musimon Schreb. (Sardinien). Umfang ca. 190 mm. 
IV. Ovis aries Lin. Altes Individuum (Merino-Bock). Umfang 152 mm. 
V. Ovis aries Lin. Junger Bock. Umfang ca. 95 mm. 
VI. Ovis (musimon) musmon A. Koch von Bodrogh-Monostorszeg (Paläont. 
Sammlung der Budapester Universität). Umfang 155 mm. 


Von der Seite betrachtet (s. Fig. 1), verlaufen die Hornzapfen in 
einem schönen Bogen nach rückwärts und fällt die sehr allmälige Ab- 
nahme der Stärke nach oben und rückwärts auf. In der Ansicht von 
vorn (Taf. II, Fig. 1) und von hinten (Taf. II, Fig. 2) erscheinen die Horn- 
zapfen fast gerade und nach rückwärts gebogen. Von oben betrachtet 
(Taf. II, Fig. 3), ersieht man den Verlauf, die Krümmung nach rückwärts 
und einwärts, wie diese ja auch im unteren Theile besonders von 
Ovis aries erkennbar ist, auf das deutlichste, indem die windschiefe 
Krümmung nach aussen erst weiter oben und rückwärts beginnt. Die 


54 Franz Toula. [4] 


Knorren am unteren Rande verlaufen bei unserem Stücke in einer 
geschwungenen Linie von rückwärts nach vorn. — Die spongiöse 
Structur der Hornzapfen tritt besonders schön hervor. 

Was die Form des Querschnittes nahe der Ansatzstelle anbe- 
langt (Fig. 2, D), so ist dieselbe unter allen in Vergleich gebrachten 
Formen die der elliptischen am nächsten kommende, nur dass an der 
Vorderseite eine recht deutliche, aber schmale Abflachung auftritt.) 
Erst etwas weiter oben stellt sich auch auf der Innenseite eine Abflachung 
ein. Am vorderen Theile der Innenseite ist nahe an der Basis eine 
deutliche Vertiefung vorhanden, die nach oben zu bald verschwindet. 
Die Aussenseite zeigt, soweit die Stirnzapfen erhalten sind, eine 
deutliche und wohlausgeprägte Wölbung, welche Neigung zur Heraus- 
bildung einer ziemlich weit hinauf zu verfolgenden stumpfen Kante 
erkennen lässt. Diese Vorwölbung der Aussenseite ist von den in 
Vergleich gebrachten Stücken bei Ovis musimon (Fig. 2, III) mindestens 
angedeutet. Die Vorderseite zeigt bei dieser Form jedoch eine breite, 
scharf begrenzte Fläche, ähnlich wie bei Ovis aries (Fig. 2, IV, V), 
während das Verhalten bei Ovis orientalis (Fig. 2, II) jenem bei unserem 
Stücke am ähnlichsten wird. Freilich sind bei dieser Form die Aussen- 
und Innenseite flach, so dass die Schneide an der Hinterseite schon 
nahe an der Basis deutlich hervortritt. 

Der Rest ist von immerhin ansehnlicher Grösse und übertrifft 
darin den grössten Schafbockschädel (Merinorasse), den ich zum 
Vergleiche mit herangezogen habe und den mir mein verehrter 
College Prof. Dr. Adametz aus der Sammlung der Hochschule für 
Bodenecultur zur Verfügung gestellt hat, um etwa 11°/,, indem der 
Abstand der Stirnbeine unterhalb der Stirnzapfenansätze bei dem 
Schädel von Ovis aries 9'08 cm, bei unserem Reste aber 101 cm 
beträgt. Dieselbe Entfernung an einem Exemplare von Ovis orientalis 
Gml. aus Persien (zool. Sammlung des k. k. naturhist. Hofmuseums) 
nähert sich recht sehr an mit 98 cm. 

Unser Rest besteht aus den beiden Stirnbeinen bis in die Nähe 
der oberen Augenränder, mit ansehnlichen Stücken recht wohler- 
haltener Stirnzapfen, von welchen nur die äussersten Spitzen fehlen. Die 
auf das innigste verschmolzenen Scheitelbeine sind fast ganz erhalten, 
nur die spitzen Enden am Augenhöhlenrande und der Hinterrand 
gegen das Hinterhauptsbein sind, letzterer in der unmittelbaren Nähe 
der Naht, verbrochen. Die Stirnbein-Scheitelbeinnaht ist sehr gut er- 
halten und lässt sich bis an die Augenhöhle verfolgen. Von der linken 
Schuppe der Schläfenbeine ist ein kleiner Theil erhalten, auf der 
rechten Seite liegt die Scheitelschläfenbeinnaht am Scheitelbein bloss. 

Die oberen Augenränder sind abgebrochen und gewähren Einblick 
in die Hohlräume der Hornzapfen. Von den Augenhöhlenwänden liegen 
nur die vom Stirnbein hinabziehenden erhalten vor. 

Die obere Decke der Gehirnkapsel kann ich mit jener von Ovis 
musimon (Exemplar aus Sardinien) vergleichen. Von der Mittelfurche, 
welche bei der letzteren hauptsächlich in der mittleren Partie der 


. .,.) Diese Querschnittsdarstellungen wurden durch Abformung mittels eines 
weichbiegsamen, die gegebene Form gut beibehaltenden Drahtes erhalten. 


[5] Ovis Mannhardi n. f. von Eggenburg. 55 


Scheitelbeinregion verläuft, kann ich bei dem vorliegenden Reste keine 
Andeutung finden. Die grösste innere Breite ergibt sich mit 6°5 cm, 
an der Stirnscheitelbeinnaht gemessen, während sie bei Ovis musimon 
nur 62 cm beträgt. Die Gehirnkapsel deutet auf ein recht gleich- 
mässig gewölbtes Gehirn hin. 


Die Abmessungen der in Vergleich gebrachten Stücke ergeben 
in Millimetern: 


k bei 
bei ee bei Ovis bei Ovis Ovis aries 
e musimon orientalis Merino- 
Mannhardi ( bock) 


Breite der Scheitelbeine, 
gemessen an der Stirn- 
beinnaht Anl 4t: 86'6 82:6 803 79-4 


Breite der Scheitelbeine, 
gemessen a. d. Naht der 
Schläfenbeinschuppe . 740 717 740 66:0 


Grösste Länge des Stirn- 
zapfen-Querschnittes an 
der Basis . . . 625 661 71:8 56°3 


Grösste Breite des Stirn- 
zapfen - Querschnittes 
unmittelbar an der Basis 43-3 49:9 48:0 360 


Grösste Länge des Stirn- 
zapfen - Querschnittes 
6cm oberhalb der Basis 55.0 530 59:2 451 


Grösste Breite, ebenso ge- 
Bee. chi hetıis 335 3857 309 29.3 


Die Stirnzapfen sind bei unserem Stücke in einer Höhe von 
125 mm das linke, von 123 mm das rechte erhalten. An der Vorder- 
seite gemessen beträgt die Bogenlänge circa 170 mm. 

Was die Stellung der Hornzapfen anbelangt, so habe ich die 
in Vergleich gebrachten Formen auch in dieser Beziehung in Betracht 
gezogen und versucht, durch gleichmässige Messung den Winkel, 
welchen dieselben in der unteren Partie — soweit sie an dem Grafen- 
berger Stücke vorliegen — einschliessen, zu bestimmen. 


Dieser Winkel beträgt: 
1. Bei Ovis (Musimon) Mannhardi eirca 76°, 
2. bei Ovis (Musimon) orientalis 84°; 
3. bei Ovis musimon (Sardinien) 121°; 
4. bei Ovis aries (Merinorasse) 104°, 


Andere Formen konnte ich annähernd nach den Abbildungen in 
Vergleich ziehen, so das tibetanische Argali: Ovis ammon hodgsoni 
Lydekker (ein junges Männchen: Wild Oxen, Sheep and Goats 1898, 
8.178) mit 72%. Das Bighorn-Schaf: Ovis canadensis Shaw (Lydekker 
l. ec. S. 204) zeigt einen Winkel von etwa 85°, die Abbildung Elliot’s 
(Ovis corvina Desm. — Ovis canadensis Shaw —= Ovis montana Cuv.) in 
Syn. of the Mammals of N. Am. Chicago 1901, Taf. XXI) weist auf 


56 Franz Toula. [6] 


einen etwas grösseren Winkel hin und ergäbe etwa 95%. — Ovis vignei 
Blyth (Lydekker l. ec. S. 166), das Sha oder Urial, ergäbe etwa 
86%. — Ovis Poli Blyth würde (Lydekker S. 189) in der basalen 
Region einen Winkel von nur 70° ergeben. Alle die Argali ähnlichen 
zuletztgenannten Arten (Ovis vignei wäre nach A. Nehring nicht zu 
den Argalis zu zählen) haben wie das Muflon eine nach vorn gerichtete, 
an den Hörnern breite Fläche, die nur bei der erwähnten Abbildung 
Lydekker’s (]. e. S. 178) von Ovis ammon typica etwas verschmälert 
erscheint. 

Dureh die Güte des Herrn Custos Dr. Ludwig Lorenz von 
Liburnau war es mir möglich, eine grössere Anzahl (14) von Männchen- 
schädeln von Ovis Polü zu vergleichen, welche die Herren Almasy 
und Stummer aus dem Thian-Shan mitgebracht haben, über deren 
genauere Verhältnisse wir eine Bearbeitung durch den genannten Herrn 
Custos erwarten dürfen, welche umso interessanter sich gestalten wird, 
als die verschiedensten Altersstadien vorliegen. Für meinen Zweck hat 
derselbe mir gestattet, die für den fossilen Rest interessanten Mass- 
verhältnisse verwerthen zu dürfen, welche auf Grösse, Querschnitt 
und Winkel der Hornzapfen, Breite und Länge des Scheitelbeines 
Bezug haben. (Breite und Länge nach der Achse des Thierkörpers 
verstanden.) Da sich die Hörner dermalen nur bei wenigen Exem- 
plaren abziehen lassen, ist die Zahl der Messungen eine beschränkte. 

Was die Hornzapfenquerschnitte anbelangt, so lässt die nach- 
stehende Fig. 3 deutlich erkennen, dass dieselben eine ziemlich gute 
Uebereinstimmung aufweisen und dass sie von den in Fig. 2 zur Dar- 
stellung gebrachten Formen mit jener von Ovis orientalis die grösste 
Aehnlichkeit besitzen. Vergleicht man sie untereinander, so ergibt sich 
die weitergehende Aehnlichkeit bei den beiden jüngsten Individuen 
(5 und 6). 

Recht veränderlich erscheint die vordere Seite und die Lage der 
Abflachung des Hornzapfens. Der Unterschied zwischen den Quer- 
schnitten von Ovis Polii und jenem von Ovis Mannhardi ist ein sehr 
beträchtlicher und kommt der letztere ohne Zweifel unter allen in Ver- 
gleich gebrachten Formen jenem des grossen Merinobockes (Fig. 2, IV) 
am nächsten. 

Was nun den Winkel der Hornscheiden im basalen Theile anbe- 
langt, so schwankt derselbe bei den 14 verglichenen Individuen (beim 
15. Individuum ist nur der hintere Theil des Schädels erhalten) bei 10 
Individuen zwischen 75° und 81°, grössere Winkel (84—90°) sind nur 
dreimal, ein kleinerer (73°) nur einmal gemessen. Der Winkel der Stirn- 
zapfen selbst ist ein beträchtlich grösserer, bei denen der jüngeren 
Individuen mit 76° Gehörnwinkel wurde er mit 88% bestimmt; bei 
alten Böcken erscheint dieser Unterschied noch grösser. 

Die grösste Breite der Scheitelbeine, gemessen an der Stirnbein- 
Scheitelbeinnaht, variirt zwischen 105 mm (jüngstes Individuum) und 
153 mm bei zwei der ältesten Böcke der Almasy-Stummer-Sammlung. 
Der Schädel von Ovis Polü, welchen A. Nehring (N. Jb. 1891, 5, 
S. 148) seinen Vergleichen mit dem fast ebenso grossen Schädel von 
Ovis antiqua Pom. zu Grunde legte, stammt von einem noch grösseren 
Individuum her, Die Länge von der Spitze der Nasalia bis zur Höhe 


[7] Ovis Mannhardi n. f. von Eggenburg. 57 


2 Hinten 
7 


Aussen. 


? Vorne 


Fig. 3. Querschnitte (an der Basis) durch mehrere Hornzapfen von Ovis Polii 
Blyth (vom Thian-Shan) und eines Hornzapfens von Ovis ammon L. 


1. Alter Bock (Stirnbein-, Scheitelbein- und Hinterhauptsnaht verwachsen). 
Umfang 330 mm. 

2. Alter Bock (unbedeutende Spuren der Nahtlinien). 

3. Alter Bock (Scheitelbein - Hinterhauptsnaht verwachsen, Scheitelbein- 
Stirnbeinnaht deutlich erkennbar). Umfang 296 mm. 

4. Alter Bock (Stirnbein-Scheitelbeinnaht lässt sich deutlich verfolgen). 
Umfang 285 mm. 

5. Junger Bock (m, noch nicht angekaut). Umfang 245 mm. 

6. Ganz junger Bock (zum Theil noch Milchgebiss, 5 Backenzähne). Um- 
fang 162 mm. 

7. Alter Bock von Argali (Ovis ammon L. — Zoologische Sammlung der 
Wiener Universität). 

8. Ovis (Musimon) musmon A. Koch von Bodrogh-Monostorszeg. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (Fr. Toula.) 8 


58 Franz Toula. [8] 


des Stirnbeins zwischen den Hornzapfen beträgt beispielsweise bei dem 
von Nehring gemessenen Tibetaner Bocke 250 mm, bei dem ältesten 
Thian-Shan-Bocke, an dem sich diese Messung vornehmen liess, nur 
wenig über 230 mm. Der Umfang des Hornzapfens des ältesten Bockes 
vom Thian-Shan beträgt dagegen vollkommen übereinstimmend mit 
jenem aus Tibet 330 mm, bei dem jüngsten derselben aber nur 162 mm. 
Die Längen der Hornzapfen an der Vorderseite gemessen betragen 
zwischen 492 mm und 343 mm bei den älteren Böcken, beim jüngsten 
Individuum aber nur 164 mm. 

Auch der jüngste Bock vom Thian-Shan hat eine weit grössere 
Breite des Scheitelbeines (105 mm), während der Schädel von Ovis 
orientalis sehr ähnlich ist (85°3 mm gegen 86°6 mm an unserem Stücke). 
In Bezug auf dieses Mass variiren die Abmessungen der Thian-Shan- 
Böcke wie gesagt zwischen 133 mm und 105 mm. 

Aus der zoologischen Sammlung der Universität (Prof. Dr. 
Hatschek) erhielt ich den Schädel eines gewaltigen Bockes von Ovis 
ammon L. zum Vergleiche. Den Querschnitt des Hornzapfens habe ich 
in Fig. 3 mit Nummer 7 bezeichnet. 

Der Umfang desselben an der Basis misst 356 mm, übertrifft somit 
jenen des Exemplars des Berliner Naturwissenschaftlichen Museums 
(A. Nehring.c. S. 151) und steht fast genau in der Mitte zwischen 
diesem (330 mm) und Ovis antigqua (380 mm). Die Länge des Schädels 
im Profil, von der Höhe der Stirnbeine zwischen den Hornzapfen 
bis zur Spitze der Nasalia, misst 278 mm gegen 250 mm des Berliner 
Exemplars. Dagegen beträgt die Breite des Schädels an den hinteren 
Augenrändern 184 mm. Sie ist sonach geringer als jene des Schädels 
im Berliner Museum (195 mm). Die grösste Breite der Scheitelbeine 
misst 139 mm. Den Winkel der Stimzapfen im unteren Theile der- 
selben fand ich mit 76°. 

Von A. Nehring’s Ovis argaloides aus der Certova dira bei 
Stramberg in Mähren ist ein Kopf leider nicht bekannt geworden 
(N. Jb. 1891, II, S. 148). Nehring hat alles über die diluvialen 
Wildschafe Bekannte zusammengetragen und dabei auch darauf hin- 
gewiesen, dass viele derselben nicht als sicher diluvial zu bezeichnen 
seien. Nehring hat schon angeführt, dass Gervais Ovis primaeva 
(Zool. et Paleont. Frang. Paris 1848—1852, S. 75) später selbst mit 
grösserer Wahrscheinlichkeit auf einen Steinbock bezogen hat. 
Auch das von den Argalis abweichende Verhalten der Hornzapfen von 
Caprovis Savinüi Newton hat A. Nehring gebührend hervorgehoben. 
Da über das Wildschaf aus, der Grotte von Espelungues ‚(Hautes- 
Pyrendes), das Ovis magna Garrigon, nichts Näheres bekannt geworden 
ist und der von Brandt auf Ovis montana bezogene Schädelrest 
von Oliva bei Danzig einem „büffelähnlichen Boviden* (Bubalus Pal- 
lasii. Rütim.) angehört, so bleibt von fossilen Formen nur noch Ovis 
antigua Pommer. von Pont-du-Chäteau am Allier im Dep. Puy-de-Döme 
übrig, ein Schädelrest, der mit unserem Reste in Vergleich zu bringen 
wäre. ‘Diese Form wäre schon nach A. Nehrine’s vorläufigen Mit- 
theilungen (l. e. S. 151) als mit Ovis. Polü in. naher Verwandtschaft 
stehend zu bezeichnen. 

Der Umfang des Hornzapfens an. der Basis wird bei Ovis: Polü 


[9] Ovis Mannhardi:n. f. von Eggenburg. 59 


(einem nicht sehr. alten Individuum) mit 330 mm, jener von Ovis antigua 
Pommer. (ein altes Individuum) mit 330 mm angegeben. Der Hornzapfen 
unseres Individuums (dasselbe war, nach dem Zustande der Nähte zu 
urtheilen, ein junges) beträgt nur 168 mm. 

Wenn ich auch in dieser Beziehung die von mir in Vergleich 
gezogenen Individuen vergleiche, so ergibt sich: Für Ovis musimon 
(altes Individuum) 201 mm, Ovis orientalis (nicht sehr altes Thier) 
192 mm und für Ovis aries (sehr starker Merinobock) 160 mm als 
Umfang, an der Basis des Hornzapfens gemessen. Unser Individuum 
schliesst sich in den Grössenverhältnissen am besten an Ovis orientalis 
an, da Ovis aries in allen anderen Beziehungen: Winkel der Hornzapfen, 
Querschnittform und Krümmungsverhältnisse derselben, ausser Betracht 
bleiben muss. 

Leider war es mir trotz vieler Bemühungen nicht möglich, 
Pommerol’s erste Abhandlung (Association Francaise pour l’avance- 
ment des sciences 1879, Congres de Montpellier S. 600,. Taf. 3) ein- 
zusehen, so dass ich auf die von Nehring gegebenen Ausführungen 
(l. e. S. 150) angewiesen bin. Eine Copie der Pommerol’schen Ab- 
bildung, welche Herr Prof. Nehring so freundlich war mir. zur 
Verfügung zu stellen, erlaubt mir, diesen schönen Rest mit Ovis Mann- 
hardi in Vergleich zu bringen. Die Unterschiede sind, abgesehen von 
der viel bedeutenderen Grösse beträchtlich. Die Stirnbeinbreite an der 
Ansatzstelle der Hornzapfen würde sich bei Ovis antigqua Pommer. mit 
eirca 200 mm, bei unserem Reste mit 104 mm, also etwa halb so gross, 
ergeben. Die gewaltigen Hornzapfen schliessen einen weit grösseren 
Winkel ein und sind ausgesprochen nach aussen gerichtet und nach 
rückwärts gekrümmt, und zwar mit einem Radius des Bogens der Ober- 
kante von etwa 28cm. Bei unserem Individuum würde dieser Radius 
etwa 35 cm betragen. Der Radius des Bogens an der Unterseite dürfte 
bei Ovis antigua eirca 12 cm betragen, während sich bei unserem Indi- 
viduum (auf gleiche Schädelgrösse bezogen) 17 cm ergeben würden. 
Diese Masse geben eine V.orstellung von der viel stärkeren Krümmung 
der Hornzapfen von Ovis antigua. Die Form des Querschnittes lässt 
sich nach der Abbildung nur an der Aussenseite erkennen. Diese 
scheint ziemlich stark und gleichmässig gewölbt zu sein. Von einer 
vorderen ebenen Fläche lässt sich an den Hornzapfen von Ovis untigua 
an der Abbildung nichts erkennen. 

In einer zweiten Abhandlung Dr. F.Pommerol’s (l. ec. Congres 
d’Alger 1881,.S. 5) wird ein anderer Schädelrest mit kurzen, weit von 
einander abstehenden Hornzapfen, als von einem weiblichen Individuum 
derselben Art stammend, abgebildet und beschrieben. Beide Schädel- 
reste wurden in einer Sandgrube von Pont-du-Chäteau in quater- 
nären Sanden aufgefunden. Der weibliche Schädel kommt bei unserem 
Stücke eigentlich nicht weiter in Betracht. Die Stirnbeinbreite, an der 
Basis der Hornzapfen gemessen, dürfte nach der Abbildung zu schliessen 
etwa 140 mm betragen und sonach zwischen jener unseres Stückes und 
jener des Männchens von Ovis antiqua liegen. 

Lydekker in seinem kostspieligen Werke Wild Oxen, Sheep 
and Goats (London 1898) führt S. 165 Ovis Savini als das pleistocäne 
Muflon an. E.T. Newton (The Vertebrata of the Forest Beds Ser. Mem. 

8%+ 


60 Franz Toula. [10] 


of the geol. Surv, London 1882, S. 49) hat erkannt, dass diese Art 
mit keiner der ihm bekannt gewordenen Formen übereinstimmt. Wenn 
die Abbildung (l. e. Taf. X) richtig ist, was ja nicht zu bezweifeln 
ist, und vor Allem, wenn die Querschnitte (Fig. 3 und 4) richtig ge- 
zeichnet sind, hat man es dabei mit etwas von Ovis in der That Ver- 
schiedenem zu thun. Schon A. Nehring (N. Jahrb. 1891, II, 149) hat 
auf die Eigenart der Hornkerne dieser Art hingewiesen, und darauf, 
dass diese Form durch diese Eigenartigkeit von den Argali-ähnlichen 
Wildschafen abweicht. 

Im American Journal (XXXI. Bd.) vom Jahre 1837 werden 
S. 83 zwei Abbildungen eines fossilen Schädels aus dem Athenaeum 
von Zanesville (Ohio U. St. N.-Am.) unter dem Namen Ovis mammillaris 
gegeben, die weiter nicht in Betracht kommen können. R. Lydekker 
gibt in seinem Buche über die geographische Verbreitung und 
geologische Entwicklung der Säugethiere (Autor. Uebers., Jena 1901, 
S. 380) an, dass vielleicht in den Siwalikschichten ein fossiler 
Vertreter aus der Gattung Ovis vorkommen dürfte. In der That hat 
Blyth (Ann. mag. nat.-hist. XI, 78—79) das Vorkommen eines Schädel- 
restes in den Siwaliks mit Hornzapfen erwähnt, welchen er für ähnlich 
oder übereinstimmend mit dem sibirischen Ovis ammon hält. 

G. Fr. Jäger hat in seiner Abhandlung über die fossilen 
Säugethiere, welche in Württemberg gefunden wurden (Stuttgart 1835), 
das Vorkommen eines unteren Backenzahnes von Ovis angeführt, den 
er jedoch nach seinem Aussehen für neueren Ursprunges halten 
möchte. — Max Schlosser, in seinen „Beiträgen zur Kenntnis der 
Säugethierreste aus den süddeutschen Bohnerzen“* (Geol. und paläontol. 
Abhandl., N. F., V., Jena 1902), erwähnt bei Besprechung der Antilopen 
(S. 89 [203]) Mahlzähne von Melchingen und Neuhausen, welche recht 
sehr an jene von Ovis Argali erinnern. Es wären dies, „sofern sie 
sich wirklich als Zähne von Oviden und nicht von Antilopen er- 
weisen sollten“, die ältesten bekannten Ueberreste von Oviden. und 
zwar aus dem Unterpliocän (S. 127 [241]. Den von Jäger abge- 
bildeten M; von Russberghof hält auch M. Schlosser (I. e. 8. 91 
[205]) für fossil (Ovis, Capra sp.). 

Aus dem Diluvium oder älterem Alluvium des Donauthales bei 
Langenbrunn gibt G. Fr. Jäger (Württemb. Jahresh. 1852, IX, 
S. 15) das Vorkommen von Unterkiefer und Backenzähnen von Ovis 
an. Pomel in seinem Catalog methodique führt (Paris 1854, S. 113) 
Ovis primaeva Gerv. aus dem Diluvium an der Loire an. Ueber diese 
Form wurde schon im Vorstehenden gesprochen. 

Th. Davidson erwähnt unter den Säugethierknochen aus China 
(Quart. Journ. 1853, S. 354) nach Bestimmung durch Waterhouse 
den Oberkiefer eines Ruminanten, der von einem Schafe sein könnte, 
doch sei er viel kleiner. Max Schlosser hat in der grossen Fauna 
der fossilen Säugethiere von China (Centralbl. f. Min. 1902, S. 529) 
wohl mehrere Arten von Antilopen, aber keine Schafreste vorgefunden. 

A. v. Nehring’s schon erwähnte Abhandlung über diluviale 
Reste von Cuon, Ovis, Saiga, Ibex und Rupicapra (Neues Jahrb. f. 
Min. ete. 1891, I, S. 107—155) ist sicherlich die wichtigste neuere 
Arbeit über Ovis (8. 116—131 und 148—153). Es lagen ihm jedoch von 


11] Ovis Mannhardi n. f.. von Esgenburg. 61 


Ovis nur Knochen der Extremitäten vor. Unter Anderem führt er auch 
an, dass ein von Germar (Keferstein Teutschland III, 611, Taf. 15) 
abgebildetes Unterkieferfragment von Westeregeln „möglicherweise 
einem Wildschafe angehören könnte“. 

Auch J. N. Woldrich hat in der „Fossilen Steppenfauna aus 
der Ziegelei von Bulovka unweit Prag“ nur ein Metatarsus-Stück als 
möglicherweise zu Ovis argaloides gehörig besprochen (Neues Jahrb. 
f. Min. 1897, II. S. 178). 

Brandt-Woldrfich (Diluviale europäisch-nordasiatische Säuge- 
thiere. Mem. l’acad. imp. St. Petersb. VI. Ser., XXXV, I, 1887, S. 111) 
führen an, dass Ovis magna Garrigou aus der Höhle Espelungues 
(Hautes-Pyren.) vielleicht Ovis montana Pallas oder Ovis tragelaphus 
sein könnte, welche Art Marc. de Serres (Ossa foss. de Cavern. 
Lunel Vieil Mus. 1839, Pictet Pal. I, S. 362, IV, S. 706) aus dem 
Diluvium am Mittelmeer anführt. Ueber Ovis montana Pall. haben 
Middendorff (Reise II, 2, 116 und IV, 2, 850) und Schrenck 
(Amur I, S. 156) berichtet. Hedenstroem (Fragm. über Sibirien, 
St. Petersburg 1842) hat diese Reste mit dem Argali zusammen- 
geworfen. Brandt führt auch einen Schädelrest aus Westpreussen 
(im Museum zu Danzig) an, der zu Ovis montana gehören dürfte. 
A. Nehring (l. ec. 152) hat schon hervorgehoben, dass dieser Rest 
mit Ovis nichts zu thun habe; er stamme von Bubalus Pallasi; Rütim., 
wie schon F.Roemer (Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1875, S. 430, Taf. XT) 
nachgewiesen hat. J. Tscherski (Wissenschaftl. Erg. der neu- 
sibirischen Exped. Mem. l’acad. imp. St. Petersburg VII. Ser., XL. Bd., 
1893, S. 187) führt die sibirischen Funde als Ovis nivicola Esch. an, 
hält es jedoch nicht für sicher, ob diese ihm aus dem Faunagebiete 
bekannt gewordenen Reste von Zeitgenossen des Mammuth herrühren, 
ihr Aussehen sei zu frisch. 

Forsyth Major bespricht (C. r. 113, 1891, S. 609) einen 
Rest aus dem oberen Miocän von Samos als COriotherium argalioides, 
dessen systematische Stellung fraglich ist. Die kurzkronigen Zähne 
erinnern an solche der Schafe, auch Hornzapfenansätze haben Aehnlich- 
keit mit jenen von Ovis Poli und Ovis Argali. Die Form der Horn- 
zapfen selbst lasse sich nur mit jenen von Budorcas aus Assam und 
Tibet vergleichen. Auch an Damalis Südafrikas könne man denken. 

Pomel hat in seiner grossen Monographie über die quaternären 
Säugethiere von Algier auch Reste von Oviden besprochen, und zwar 
(Carte geol. de l’Algerie. Alcier 1897, 32 S. mit 14 Taf.) Ovis 
paleotragus, Ovis ambigua und Ovis cf. africana Sanson. Das erstere 
wird mit Ovis tragelaphus, die beiden letzteren mit Ovis aries in nähere 
Beziehung gebracht. Sie kommen bei unserem Reste nicht in Betracht 
Ovis promaza wird als zu Capra gehörig bezeichnet. 

Im Museum von Genua habe ich bei meinem Besuche im Früh- 
jahre 1902 einige recht gute Reste von Ovis gesehen, besonders von 
der Localität Arena Candide, sowie aus einer der ligurischen Höhlen 
(Höhle von Mentone). Die erstere Localität hat eine grosse Menge 
von Knochenresten, auch sehr gut erhaltene Schädelreste, geliefert, und 
zwar auch von Capra (als Ü. hircus bestimmt) und von Ovis. Von 
letzterer Gattung liegen zwei Schädel vor, einer, der wohl von einem 


62 Franz Toula. [1 2] 


Weibchen stammen dürfte, ein Cranium-Bruchstück mit beiden (vom 
oberen Augenrande gemessen) nur 5'85 cm hohen Hornzapfen von 
eirca 3cm Durchmesser (als „Ovis aries var.“ bestimmt). und ein sehr 
wohl erhaltenes Cranium eines Bockes mit mächtigen, leider kurz 
oberhalb der Basis abgebrochenen Hornzapfen. Dieser hat 41 cm 
längeren und 2'5 cm kürzeren Durchmesser. Das Hinterhaupt ist 
44cm breit, während die Scheitelbeine an der vorderen Naht 7'’5 cm, 
die Stirnbeine, an den oberen Augenrändern gemessen, 10'653 cm weit 
abstehen, bei einer Länge des Schädels von der Stirnbeinhöhe zwischen 
den beiden Hornzapfen bis zum Unterrande des Hinterhauptes von 
nur 958 cm. Der Schädel verschmälert sich sonach sehr auffallend 
gegen rückwärts. Aus der Höhle von Mentone sah ich neben Resten 
von Capra hireus, Cervus capreolus (Unterkiefer), Bos primigenius (Molar 
des Unterkiefers) und kurzen Stirnzapfen einer anderen Form, Cervus 
elaphus, Cervus megaceros und von Ovis sp. einen grossen Stirnzapfen 
der rechten Seite. 


Das Manuscript meiner kleinen Arbeit über den Schafschädel von 
Eggenburg war bereits in den Händen des Redacteurs des Jahrbuches, 
als ich von Herrn Prof. Antal Koch seinen „Beitrag zur früheren 
Verbreitung des Muflons“ erhielt). der einen Schädelrest behandelt, 
welcher auf einer prähistorischen Lagerstätte von dem Schuldirector 
Koloman Gubitza bei Bodrogh-Monostorszeg im Bäcser Comitate 
ausgegraben worden war. Wie unser Rest besteht auch dieser aus 
beiden Stirnzapfen und Theilen der Schädeldeeke. Herr Prof. Koch 
hatte auf meine Bitte hin die Freundlichkeit, den in den Besitz der 
paläontologischen Sammlung der Budapester Universität gelangten linken 
Stirnzapfen eines etwas kleineren Exemplars zur Ansicht zu senden, 
wodurch ich in der Lage bin, den Querschnitt desselben den in Fig. 2 
zusammengestellten Querschnitten beizufügen und auf diese Weise 
den Vergleich zu ermöglichen. Ich füge den Querschnitt aus dem- 
selben Grunde auch der Querschnittzusammenstellung von Ovis Polü 
(Fig. 3) bei. Sein Umfang misst 155 mm bei einem grössten Durch- 
messer von 59 mm und einem kleinsten von 40 mm. Sechs Centimeter 
nach aufwärts betragen die Durchmesser 54 mm und 35 mm. Gehen 
wir an den Vergleich, so zeigen sich als die auffallendsten Erschei- 
nungen: die gleichmässige Krümmung der Vorder- und Aussenseite 
und der Abgang einer gegen vorn gerichteten Abflachung. Die 
Krümmung ist bei dem Bäcser Schafhornzapfen auf mehr als den 
vierten Theil des Umfanges von einem Kreisbogen kaum zu unter- 
scheiden. Bei den mir zu Gesichte gekommenen Muflonhornzapfen 
ist die vordere Fläche beiderseits durch deutliche Kanten begrenzt, 
so dass die Aehnlichkeit des fraglichen Querschnittes mit jenem von 
Ovis Polii Blyth viel grösser ist als mit dem des echten Ovis musimon L. 
Man vergleiche in Fig. 3. den Querschnitt des Bäcser Hornzapfens mit 
den Querschnitten von Ovis Poli (1—6) oder mit jenem von Ovis 
ammon (7). Die an der Innenseite auftretende, gegen oben zu 


*) Földtani közlöny XXXII. Bd. (1902), S. 403—408, 


13] Ovis Mannhardi n. f. von Eggenburg. 63 


immer .schärfer werdende Kante bedingt dagegen die Annäherung an 
Ovis musimon und Ovis aries, ebenso wie die auffallend flache Innen- 
seite, wenngleich in letzterer Beziehung der eine und andere 
Querschnitt vonfOvis Polii-Hornzapfen (z. B. 1 und 3) ähnliches Ver- 
halten zeigt, wenn auch nicht in so weiter Erstreckung, da diese 
Fläche bei dem Bäcser Wildschafe fast ein Drittheil des Umfanges 
ausmacht. Oben wurden auch die Krümmungen der Stirnzapfen unseres 
Restes im Vergleiche mit jenen von Ovis antigqua Pommer. angegeben. 
Bei dem Bäcser Schafschädel würde unter gleichen Annahmen der vor- 
dere Bogen einen Radius von etwa 28 cm, der rückwärtige von 19'2 cm 
ergeben. In dieser Beziehung würde unsere Form zwischen die 
französische und ungarische zu stehen kommen. 

Der Winkel, welchen die beiden Hornzapfen miteinander ein- 
schliessen, dürfte nach der Abbildung (A. Koch]. e. S. 404) nicht 
viel von einem rechten abweichen, ich schätze ihn auf etwa 87°; er wird 
sich sonach nur wenig grösser erweisen als jener von Ovis (Musimon) 
orientalis (84°), jedoch viel kleiner bleiben als bei Ovis musimon 
Schreb. (121°). Dass der Rest von Bodrogh-Monostorszeg zur Gruppe 
des Ovis musimon gehört, steht wohl ausser Zweifel, dass er aber mit 
dieser Art wirklich übereinstimmt, bezweifle ich, vielleicht wäre es 
besser, die Form mit einem neuen Namen zu versehen. Mit dem Schaf- 
schädelreste von Eggenburg (Ovis Mannhardi) verglichen ergibt sich 
schon aus der Form des Stirnzapfenquerschnittes, dass man es dabei 
mit verschiedenen Formen zu thun hat. Die Stirnzapfen der nieder- 
österreichischen Form sind viel massiger gebaut, indem die grösste 
Breite weit nach rückwärts zu gelegen ist, während sich bei dem 
Bäcser Schafschädelreste der Querschnitt nach rückwärts gleichmässig 
verjüngt und die grösste Breite ganz nach vorn gerückt erscheint. 

Wenn sonach die beiden Formen verschiedene Typen vorstellen, 
so ist doch die Thatsache überaus überraschend, dass beide Schaf- 
schädelfunde „prähistorischen“ Fundstellen entstammen. 

H. Krämer hat unter den Hausthierfunden von der Römer- 
station Vindonissa (Revue Suisse de Zoologie. Ann. Soc. zool. Suisse 
Geneve 1900, S. 145—272) auch der Schafe gedacht. Als die 
ursprünglichste Form der alten schweizerischen Schafrassen wird 
(S. 209) das Torfschaf, Rüätimeyer’s Ovis aries palustris (Unters. der 
Thierreste aus den Pfahlbauten, Zürich 1860, S. 128), eine Form 
mit auffallend schwachen zweischneidigen Hörnern, bezeichnet, welche 
im Nalpser Thale in Graubünden sich erhalten hat und nicht vom 
Muflon abzuleiten sei. Ovis primaeva aus den Höhlen Südfrankreichs 
(s. ob.) könnte der untergegangenen Urform von Ovis palustris nahe- 
stehen. Ausserdem gab es auch „schwergehörnte Formen“, welche 
Studer als vom Muflon herstammend annahm, welcher Ansicht auch 
Krämer beipflichtet entgegen Rütimeyer, der dabei an die grossen 
spanischen Schafe dachte. Reste davon finden sich seltener. 

Während der Bronzezeit gab es auch eine hornlose Form, die 
von der Rhone her mit den Bronzen eingeführt worden sein dürfte 
und sich in der Westschweiz erhalten hat. — In Vindonissa fanden sich 
zwei Hornzapfen, einer schliesst sich an das Torfschaf an, der zweite 
grössere, stärker gekrümmte aber an die schwerhörnigen Schafe der 


64 Franz Toula. [14] 


Steinzeit. Der grösste Basaldurchmesser beträgt bei dieser Form von 
den verschiedenen Fundstellen 53—66 mm, der basale Umfang 
140—188 mm. Es war sonach in der That eine Form von der Grösse 
unseres Thieres und des Muflons. Nach der von Krämer gegebenen 
Beschreibung des Querschnittes könnte das von ihm (l. c. Taf. X, 
Fig. 6) von der Aussenseite zur Darstellung gebrachte Hornzapfen- 
bruchstück als mit jenem von Bodrogh-Monostorszeg übereinstimmend 
bezeichnet werden und somit mit jenem aus der Steinzeit. Die Leute 
der Ansiedlung bei Monostorszeg könnten sonach entweder von dieser 
Rasse Thiere gezüchtet oder sich dieselben aus einer der nächsten 
römischen Ansiedlungen herübergeholt haben. Der ungarische Stirn- 
zapfen, den mir Herr Prof. A. Koch zu senden die Güte hatte, 
ist nur etwas grösser, (Grösster Durchmesser an der Basis 59 mm 
gegen 42—50 mm.) H. Krämer führt an (S. 215), dass die Dimen- 
sionen der grosshörnigen Vindonissarasse geringere sind als jene der 
alten Rasse der Steinzeit, was ganz gut auf Folgen - der weiteren 
Domestication zurückgeführt werden könnte. Für das Mass der. Varia- 
bilität der Querschnitte gibt die Zusammenstellung in Fig. 3 eine 
ganz gute Vorstellung. Ovis Mannhardi zeigt einen so bestimmt ver- 
schiedenen Querschnitt, dass eine Uebereinstimmung mit der gross- 
hörnigen Steinzeitrasse nicht angenommen werden kann. Entweder 
haben wir es dabei mit einem Wildschafe zu thun, wie ich annehmen 
möchte, oder mit einem Vertreter einer anderen grosshörnigen Rasse. 


Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 


Von Dr. W. Hammer. 
Mit einer Lichtdrucktafel (Nr. III). 


In den Sommern 1900—1902 war ich mit der geologischen Auf- 
nahme der NW-Section des Blattes Cles und der SW-Section des 
Blattes Meran der österreichischen Specialkarte beschäftigt. Es um- 
fassen diese Kartenblätter — ergänzt durch die nordöstliche Ecke 
des Blattes Bormio—Tonale und die südöstliche des Blattes Glurns, 
die ich 1902 ebenfalls besuchte — hauptsächlich jene hufeisenförmig 
verlaufende Gebirgskette, welche das Ultenthal allseits umschliesst 
und die ich als Ultenthaler Alpen zusammengefasst habe. Die 
geologische Schilderung dieser Berge wurde in diesen Jahrbüchern 
theils schon gegeben, ') theils wird sie baldmöglichst folgen, so dass 
ich hier nicht näher darauf eingehe. Beim Durchstreifen dieser 
Gegenden hatte ich aber Gelegenheit, eine grosse Anzahl bisher 
unbekannter Vorkommen von Porphyrit und auch drei Dioritvor- 
kommen aufzufinden, deren petrographische Beschreibung ich hier 
nun vorlege. Die Fundstellen liegen durchwegs im nördlichen und 
westlichen Theil dieses Gebirges. Die Lage der Fundorte wird 
hier nicht bis ins Eingehendste beschrieben werden, sondern es wird 
diesbezüglich auf das Erscheinen der betreffenden Blätter der geolo- 
gischen Specialkarte von Oesterreich verwiesen, da nur die Karte 
jene Fundorte genau angeben kann, nicht aber eine umständliche 
Darlegung in Worten. Es sind verschiedene Typen vertreten; die 
einen nähern sich sehr den in der Ortlergruppe so verbreiteten Sul- 
deniten — es sind dies auch jene Vorkommen, welche im westlichsten, 
der Ortlergruppe am nächsten liegenden Theile sich befinden — die 
anderen stehen der grossen Serie der Tonalitporphyrite näher, deren 
Hauptverbreitungszone aus dem Pusterthale über Meran in das Ultener 
Gebiet herüberzieht, entlang den Tonalitstöcken der Judikarien-—Drau- 
linie. Wenn auch Vertreter dieser Typen schon mehrfach beschrieben 
worden sind, so dürfte doch ein weiteres Material an darauf bezüg- 
lichen Thatsachen immer noch von einigem Werthe sein. Wesentlich 
erhöht wird dieser aber im gegebenen Falle dadurch, dass es mir 
durch das Interesse und Entgegenkommen, das Herr Regierungsrath 
C. v. John dieser Ardeit angedeihen liess, möglich ist, dieselbe auch 


ı) W. Hammer, Die krystallinen Alpen des Ultenthales. I. Theil. Jahrb. 
d. k. k. geol. R.-A. 1902, Heft 1, pag. 105. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (W. Hammer.) 9 


66 Dr. W. Hammer. [2] 


mit chemischen Analysen auszustatten, indem Herr C. v. John sechs 
der vorliegenden Porphyrite — von jeder der verschiedenen Arten ein 
Muster — einer quantitativen chemischen Prüfung unterzog. Da von den 
ostalpinen Porphyriten zwar viele und sehr gute Beschreibungen, mit 
Ausnahme der Ortlergesteine aber fast gar keine Analysen vorliegen, 
ist ein derartiges Material gewiss sehr erwünscht. Ich drücke Herrn 
Regierungsrath C. v. John hier meinen verbindlichsten Dank für 
diese Unterstützung meiner Arbeit aus. 

Ich fasse die Porphyrite in eine Anzahl Gruppen zusammen, 
die hier zunächst folgen; daran sind die Diorite gereiht und anhangs- 
weise wird über die Contacte einiges mitgetheilt werden. 


Hornblendeglimmerporphyrite. 


Hier wird eine Gruppe porphyrisch struirter- Ganggesteine 
zusammengefasst, die durch Einsprenglinge von Hornblende, Feld- 
spath und Biotit charakterisirt sind. Es ist dies der verbreitetste 
Typus in diesem Gebirgstheile. 

Die bisher theils schon publieirten, theils von mir neu aufge- 
fundenen Vorkommen sind folgende in der Reihenfolge vom Rabbijoch 
zum Marlingerjoch: 

1. Porphyrit von Piazola bei Bad Rabbi, aufgefunden von Tara- 
melli!) und von Brugnatelli®) untersucht. 

2. In der Südwand des Sassfora (2866 m) liegen drei mächtige 
Lagergänge; zwei weitere kleine Gänge treten auf dem von der 
Umbiegungsstelle des Kammes Sassfora—Gleck gegen Saent (W) 
hinabziehenden Rücken (in ungefähr 2500 m Höhe) auf. Des Weiteren 
wurde im Bereich des Gleck—-Sassforastockes noch in der Grube, 
östlich zwischen beiden, beim obersten kleinen See ein kleiner Gang 
gefunden. 

3. Am FErzknott, östlich unter dem Schwärzer Joch (2830 m), 
zwei Gänge von je wenigen Metern Mächtigkeit. Dieses Vorkommen 
wurde bereits von Stache beobachtet und von Foullon?) be- 
schrieben. 

4. Im Weissbachthal, westlich der oberen Weissbrunneralpe, 
stehen im mittleren Theile ober den untersten Wänden drei grössere 
und mehrere kleine Gänge an. Das Gestein zeigt in den grösseren 
Gängen Uebergänge zu körniger Structur, zu Diorit. 

9. „In der Neuen Welt“, dem Thal des Grossen Grünsees, treten 
in der Thalstufe ober dem See in Begleitung der dioritischen Ge- 
steine auch mehrere Gänge derartiger Porphyrite auf. Ein verein- 
zelter derartiger Gang ist auch in der Nähe des Zufrittjoches 
(3255 m) zu sehen. 


') Taramelli, Osservazione geol. dei dintorni di Rabbi. Rendic. d. R. Ist. 
Lomb. 1891, Serie II, Vol. XXIV, Fasc. IX. 

.”) Brugnatelli, Studio petrogr. di due porfiriti dioritiche dei dintorni di 

Rabbi. Giorn. d. Min. Cryst. c. Petr. di Dr. Sansovini. Pavia. Fasc. 3, Vol. II, 1891. 


°) Jahrh. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 747. Das Joch wird fälschlich Saent- 
Joch genannt. 


[3] Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 67 


6. Hier aufgezählt kann auch der „Nadelporphyrit* vom Soyjoch 

werden, den Stacheund John!) beschrieben. Derselbe unterscheidet 
sich jedoch von den anderen hier aufgezählten Gesteinen durch den 
Mangel des Biotits, die Armuth an Feldspatheinsprenglingen und das 
Auftreten von Augit. 
7. Im obersten Theil des Tuferberges (Thal des Tuferbaches, 
der ober St. Gertraud i. U. in die Falschauer mündet) unter P. 3088 m 
und unter dem Joch P. 2951 m wurden fünf Gänge von Hornblende- 
slimmerporphyrit beobachtet. 

8. Unter dem unteren Ende des Kuppelwieserferners (Ostseite 
des Hasenohrs) kommen Blöcke eines derartigen Porphyrits vor. Am 
Südgrat des Hasenohrs, nahe unter seinem Gipfel, wurde ein ge- 
schieferter, sehr zersetzter Gang gefunden. 

9. Endlich können hierher auch die zwei Gänge von Töllit an 
der Töll bei Meran und von Bad Egart nahe der Töll gestellt werden. 
Sie wurden zuerst von Pichler?) aufgefunden und beschrieben und 
sind später des öfteren besprochen worden. Eine eingehende petro- 
graphische Untersuchung uud Angabe der ganzen früheren Literatur 
über diesen Gegenstand gibt U. Grubenmann.?) 

Das Gestein vom centralen Theil des Egarter Ganges ist viel 
reicher an Feldspatheinsprenglingen als die obigen Gesteine vom 
innersten Ultenthale und macht daber einen mehr dioritischen Ein- 
druck als jene. Die Zusammensetzung ist jedoch die gleiche. 

Mit Ausnahme des Töllits, der in zwei-glimmerigem, fein- 
schieferigem, glimmerreichem Gmneiss steht, liegen alle Gänge in den 
jüngeren Granatglimmerschiefern und Granatphylliten; die im Weiss- 
brunnergebiet in deren untersten quarzreichen Horizonten. — Die 
Gänge am Erzknott, im Weissbachthal und in der Neuen Welt zeigen 
meist durchgreifende Lagerung, die anderen, sofern erkennbar, sind 
Lagergänge. 

Die typischen Vertreter dieser Gruppe in unzersetztem Zustand 
— wie sie am Erzknott, im Weissbachthal und am Sassfora auftreten 
— zeigen makroskopisch eine graue (grünlichgraue), sehr feinkörnige 
Grundmasse, in der sehr viele Einsprenglinge liegen; solche sind: 
Feldspath von annähernd rechteckigem Umriss, von 3—4 mm 
Länge, Glasglanz auf den Spaltflächen, von weisser oder glasig- 
graulicher Farbe; Hornblende grünschwarz, in Krystallen, die 


& P {ll} undoP {010}, 


manchmal auch © P » {100} zeigen, selten mit Endflächen o P, 
Länge von 4—15 mm; Biotit in dunkelroth-braunen, lebhaft glän- 
zenden, meist sechsseitigen Blättchen von 2—3 mm Durchmesser. 


!) Stache und John, Geol. und petrogr. Beiträge zur Kenntnis der 
älteren Eruptiv- und Massengesteine der Mittel- und Östalpen. II. Theil. Jahrb. 
d. k. k. geol. R.-A. 1879, pag. 317 (332 u. 397). 

?2) A. Pichler, Neues Jahrb. f. Min. 1873, pag. 940, u. 1875, pag 926. 

>) U. Grubenmann, Ueber einige Ganggesteine aus der Gefolgschaft der 
Tonalite. Tscherm. Min. Mitth. XVI. Bd. 1896, pag. 189. Bei Cathrein’s Dünn- 
schliffsammlung der Tiroler Eruptivgesteine (Neues Jahrb. f. Min. etc. 1890, I, 
pag. 71) ist nur die Randvarietät beschrieben. 


9* 


68 Dr. W. Hammer. [4] 


Reichlich ist in den meisten Gängen Pyrit in feinen Körnchen zu 
finden. 

Eine Mengenberechnung nach Rosiwal’s Methode ergab bei 
Messung am Handstück (vom Weissbachthal) 68'8°/, Grundmasse und 
22:6%/, helle (Feldspathe) und 86°), dunkle Einsprenglinge (Horn- 
blende und Biotit); bei Messung am Dünnschliff desselben Gesteins 
54°/, Grundmasse und 46°/, Einsprenglinge, und zwar 22-7°/, Plagio- 
klas, 17°6°/, Hornblende, 44°, Biotit und 1'2°/, Pyrit. Der Unter- 
schied in den Messungen kommt dadurch zu Stande, dass die kleinsten 
Einsprenglinge (besonders Hornblende) bei der makroskopischen 
Messung unbeachtet bleiben und zur Grundmasse gerechnet werden. 

Abweichungen vom obigen makroskopischen Bilde ergeben sich 
bei manchen Gängen durch Zersetzung der Einsprenglinge. Das 
Gestein von der Grube zwischen Gleck und Sassfora fällt durch 
die geringe Menge der Feldspatheinsprenglinge auf (Annäherung an 
das Gestein vom Soyjoch). Ueber Töllit (im engeren Sinne) siehe oben. 

Mikroskopisch untersucht wurden eine Gesteinsprobe vom 
Erzknott (1), zwei aus dem Weissbachthale (2, 3), das Gestein vom 
Kuppelwieserferner (4), die beiden Varietäten des Töllits vom Egart- 
bad a. d. Töll (5, 6) und zwei von der Südseite des Sassfora”(eines 
mit einer dunklen Concretion) (7, 8). 

Zunächst werden 1, 2, 3 und 4 beschrieben (Taf. III, Fig. 1): 

Die Grundmasse besteht vorwiegend aus. Quarz und Feldspath 
zu gleichen Theilen ungefähr. Der Feldspath ist zum grösseren 
Theile Plagioklas von mittlerer Basieität und zum kleineren Theile 
Orthoklas. Er zeigt bei 2 durchwegs, bei 3 theilweise idiomorphe 
Ausbildung mit zonarer Structur, wobei die Auslöschungsschiefe vom 
Kern gegen den Rand zu abnimmt. Die Grundmasse enthält aber 
auch Hornblende und Biotit in geringerer Menge. 

Durchschnittliche Korngrösse 4—8 ı.. Gestein 4 ausnehmend 
feinkörnig 0'7—1'4u. Die eine der beiden Gesteinsvarietäten aus 
dem Weissbachthale zeigt einen Uebergang von porphyrischer zu 
körniger Structur; hier ist daher von einer eigentlichen Grundmasse 
nicht mehr zu reden. Dagegen zeigt sich bei diesem Gesteine ein 
Gegensatz zwischen idiomorphen und xenomorphen Bestandtheilen ; 
letztere sind grosse Körner von Orthoklas und Quarz; die idiomorph 
ausgebildeten, die theils, in den xenomorphen Bestandtheilen stecken, 
theils Aggregate bilden, entsprechen den Einsprenglingen der porphyri- 
tischen Ausbildung. 

Diese Einsprenglinge sind: Plagioklas, gut ausgebildete Kry- 
stalle; Auslöschungsschiefe, Lichtbrechung und die mikrochemischen 
Reactionen nach Boricky sind die desLabradors. Viellingslamellirungen 
nach Albit- und seltener auch nach Periklingesetz treten stark auf, 
zonarer Bau oft mit mehrfachen Recurrenzen ist häufig, besonders in 
dem porphyritisch-körnigen Gesteine; darunter besonders häufig nach 
M gestreckte rectanguläre Leisten, welche einen stark basischen Kern 
und eine Rinde von Oligoklas zeigen. In diesem Gesteine tritt auch 
Orthoklas untergeordnet unter den „Einsprenglingen“ auf; Horn- 
blende, Krystallformen siehe oben, selten auch Zwillinge a = blass- 
grünlichgelb, b= c — dunkelmooserün; Biotit mit starkem Dichrois- 


[5] Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 69 


mus von-blassstrohgelb zu dunkelrothbraun; endlich tritt noch Pyrit 
auf in unregelmässigen Körnern und Aggregaten, seltener mit Krystall- 
formen. Nebengemenstheile sind Apatit, oft in der Hornblende ein- 
geschlossen und dadurch seine Erstgeburt zeigend, und Magnetit. 
Gestein 4 ist in allen Theilen hochgradig zersetzt und zerstört. 

Gesteine 5 und 6 sind von Grubenmann!) so genau unter- 
sucht und beschrieben worden, dass hier nicht neuerdings Gleiches 
wiederholt zu werden braucht. Es sei nur bemerkt, dass der Töllit 
im engeren Sinne mit den oben beschriebenen Gesteinen in allen 
wesentlichen Punkten übereinstimmt. Verschiedenheiten sind: das 
Vorkommen dunkler Bestandtheile, allerdings in geringer Menge in der 
Grundmasse der hier beschriebenen Gesteine, während sie in den 
Porphyriten von der Töll fehlen. Der Gehalt von Granat in 5 und 6 und 
endlich die Färbung ist bei der Hornblende des Töllgesteines b dunkel- 
braun (in der Randabart auch c) und a braun (Randvarietät hell- 
gelb, ich fand a im Kerngestein blassgrün), während bei den anderen 
Porphyriten die Hornblende durchaus grünliche Töne zeigt (b=c 
satt moosgrün, a grünlichgelb). Der schon makroskopisch bemerk- 
bare Unterschied in der grösseren Zahl der Feldspathe im centralen 
Töllgesteine wurde schon oben hervorgehoben. 

7 und 8 stimmen vollkommen mit den erstbeschriebenen überein, 
nur sind sie bedeutend ärmer an Biotit. 

In dem Hornblendeglimmerporphyrit in der Südwand des Sass- 

fora treten Schlierenknödel auf, rundliche, vom übrigen Gestein durch 
eine deutliche Grenze getrennte Partien des Gesteines, die in Folge der 
starken Anreicherung an Hornblende durch ihre dunklere Farbe sich 
abheben vom normalen Porphyrit. U. d. M. erkennt man, dass diese 
Schlierenknödel einen dioritischen Gesteinscharakter besitzen: die 
Grundmasse ist fast ganz verschwunden, das Korn ein gleichmässiges, 
zwischen dem der Grundmasse und der Einsprenglinge im Porphyrit 
in der Mitte stehend. Hornblende überwiegt an Menge gegenüber 
dem Feldspath. Dabei ist die Hornblende hier bedeutend besser aus- 
gebildet als der Feldspath, welcher oft fast ganz fremdförmig ist, 
während die Hornblendekrystalle in ihn hineinragen. Der Quarz 
schart sich nesterweise in kleinen rundlichen Körnern zusammen. 
Eingeschlossen in der Hornblende sieht man Apatitkryställchen; dort 
und da ist Erz (Magnetit) durch das Gestein verstreut in kleinen 
Körnchen. 
Im normalen Porphyrit sind Hornblende, Feldspath und Biotit 
gleich gut entwickelt. In den grossen Plagioklasen kann man kleine 
Blättchen von Biotit und Splitterchen von Hornblende eingeschlossen 
beobachten. Man wird daher Hornblende und Biotit als die erst- 
gebildeten Bestandtheile anseben können, während die Bildung des 
Plagioklas nach Beginn der Hornblendebiotitbildung aber noch 
gleichzeitig mit dieser einsetzte und länger fortdauerte. In den 
Schlierenknödeln fehlt der Biotit, Hornblende ist der erstgebildete 
Bestandtheil, der Plagioklas scheint erst nach vollständiger Ausbildung 
der Hornblende sich gebildet zu haben. 


elsr cc: 


70 j Dr. W. Hammer. irqil [6] 


U. Grubenmann) sieht im Töllit die „eigentlichen Tonalit- 
porphyrite“. Andererseits bezeichnet aber Becke ?) als typische 
Tonalitporphyrite die hellen Quarzglimmerporphyrite, als deren Ver- 
treter er das Gestein vom Geltthalferner eingehend darstellt. Beide 
können eben wohl mit gleichem Rechte als Tonalitporphyrite be- 
zeichnet werden, entsprechend den verschiedenen Schwankungen in 
der Zusammensetzung der Tonalite. Es umfasst der Terminus 
Tonalitporphyrit also sowohl die eben beschriebenen Hornblende- 
elimmerporphyrite wie die nachfolgenden Quarzglimmerporphyrite. 

Salomon?) gibt bei der Beschreibung der Tonalitporphyrite 
in der Gruppe des Monte Aviolo auch an, dass die verschiedenen 
Typen, die er dort beobachtete (Hornblende-, Quarzglimmer- und 
Uralitporphyrite), durch Uebergänge miteinander verbunden sind. 
Die dortigen Hornblendeporphvrite entsprechen in ihrer Zusammen- 
setzung den hier beschriebenen und ebenso die Quarzglimmer- 
porphyrite den hier im nächsten Abschnitte folgenden. Wie nahe 
verwandt alle diese Porphyrite miteinander sind, zeigen auch die 
Porphyrite vom Falkensteingrund bei Probstzella im Thüringer- 
wald ®), bei denen an einem und demselben Gange der Uebergang 
aus Quarzglimmerporphyrit in Hornblendeporphyrit (und auch in 
Kersantite) zu beobachten ist. 

Foullon?) stellt das Gestein vom „Saentjoch* (Schwärzer- 
joch), das mit den anderen aus dieser Gegend so ziemlich gleich ist, 
zu den (Quarzglimmerporphyriten, trotzdem Quarz als Einsprengling 
sar nicht vorkommt und auch die Grundmasse als quarzarm be- 
zeichnet wird. Der Grund dieser Einreihung lag in der Verwandt- 
schaft mit den Iselthaler und. Pusterthaler Gesteinen. 

In Beziehung auf die zahlreichen Porphyritgänge des benach- 
barten Cevedalegebietes ist zu bemerken, dass die Ultener Gesteine 
den quarz- und biotitführenden „Nebenformen des Suldenits“, be- 
sonders dem Gesteine von Pradaccio und Val Zebrü, entsprechen, 
nach den Angaben von Stache und John‘) Gesteinen, die nach 
den Angaben der Autoren selbst wieder zu dem Paläoandesit von 
Lienz in Parallele gestellt werden, welches Lienzer Gestein den 
Iselthalergängen und diese nach Teller”) dem Töllit entsprechen. 
Öathrein 8) empfiehlt für alle diese Gesteine statt „Tonalitporphyrit“ 


2)1. 6, Ä 

?) F. Becke, Petr. Studien am Tonalit des Rieserferner, III. Th. Tscherm. 
Min. Mitth. XIII. Bd., 1892/93, pag. 433. 

°) Salomon, Geol. u. petr. Studien am Monte Aviolo. Zeitschr. d. 
Deutschen geol. Gesellsch. 1890, pag. 548. 

*) Erläuterungen zur geol. Specialkarte von Preussen etc.,’Lief. 40, 
Blatt Probstzella (Liebe u. Zimmermann), und Hess v. Wichdorf, Die 
Porpbyrite d. südöstl. Thüringerwaldes. Jahrb. d. kgl. preuss. geol. Landesanstalt 
1901, pag. 173. 

°) v. Foullon, Ueber Porphyrite aus Tirol. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 
1886, pag. 747. 

6) ]. c. pag. 399. 

‘) Teller, Ueber porphyritische Eruptivgesteine aus den Tiroler Central- 
alpen. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 729. 

°) Cathrein, Dioritische Gang- und Stockgesteine aus dem Pusterthale, 
Zeitschr. d. Deutschen geol. Gesellsch. Bd. L, Hft. 2, 1898, pag. 275, bez. 272. 


[7] Porphyrite und Diorit aus den ‚Ultenthaler Alpen. al 


den Namen „Töllit“; die hier zusammengefassten Gesteine können 
nicht unter diesem Titel miteinbegriffen werden, da sie mit Aus- 
nahme eben des Töllits von der Töll selbst einen davon ab- 
weichenden, den Suldeniten sich. sehr nähernden Typus darstellen, 
besonders in den biotitarmen Vertretern (7 und 8). Der Gang von 
der Töll (Egartbad) wurde nur anhangsweise als verwandte Form hier 
angehängt. Die Gesteine dieser Gruppe stellen ein Zwischenglied 
zwischen den Suldeniten und den Tölliten Cathrein’s dar. 
Der Gehalt an Biotit und Quarz bringt diese sonst den mehr basischen, 
typischen Suldeniten im andesitischen Habitus und der Zusammen- 
setzung entsprechenden Dioritporphyriten des Ultener Gebirges den 
Tölliten näher. Der nach Cathrein!) für die Töllite auch charakteri- 
stische Granat fehlt diesen Ultener Gesteinen. 


Von den Gesteinen dieser Gruppe wurde das Gestein aus dem 
Weissbachthale (mittlerer Theil desselben) einer quantitativen chemi- 
schen Analyse unterzogen (I). Zum Vergleiche stelle ich die Analyse 
des oben angeführten quarz- und biotitführenden Porphyrits von Pra- 
daccio (II), des Paläoandesits von Lienz (III) und jene des besonders 
kieselsäurereichen Suldenits vom Hinteren Gratspitz daneben (IV), 
sämmtliche von C. v. John: 


I 1 1901 IV 

SEONWINEIN  9E250775885 1.150957 5372 
A, OS EE3S AL HIRLD TT 35, 21652 
ET en VD 4:03 144 3:25 
Be. OENB MIT 420 422 9:09 627 
MnO . . .spuren -- En E 
ao ner ars 600 675 8:64 
URo MDR 3:04 252 2:83 2:42 
AO. SH „2,48 2:78 2:08 2.54 
Na OR la 04 301 3:30 2:38 
O4 DE ER — — _ 
5 0:69 


 ahwörleh DH gTLE, BAM DR 
101-21 10155 100:76 100-32 


Die chemische Zusammensetzung bestätigt die oben auf Grund 
der mineralogischen Bestandtheile geschlossene Zusammengehörigkeit 
dieser Gesteine. 

Da das Gestein schon makroskopisch reich an Pyrit ist, so 
muss, um ein von diesem accessorischen Gemengtheil unabhängiges 
Bild der Zusammensetzung zu erhalten, der Schwefel als Fe, an- 
gegeben werden. Man erhält dann 


Fe, OÖ; - . 0 2-17 
Prrit!!Peisz 190 23; 1'29 
Summe der Analyse . . . 100% 


1) ]. c. pag. 278. 


72 Dr. W. Hammer. | [8] 


In den zum Vergleiche herangezogenen Gesteinen ist ein der- 
artiger Pyritgehalt der Literatur nach nicht vorhanden. Der grosse 
Kaligehalt bestätigt den Gehalt an Orthoklas in der Grundmasse ; 
theilw eise wird es wohl auch mit dem starken Auftreten von Biotit 
in Zusammenhang stehen, der auch den grösseren Gehalt an Mg O 
verursacht. Die Phosphorsäure entspricht dem accessorischen Apatit. 
Als P berechnet, enthält man 0'38°),. 


Granatporphyrite. 


An die Hornblendebiotitporphyrite schliessen sich ein paar 
Porphyritvorkommen an, die ich im Anschlusse an ein in der petro- 
sraphischen Literatur bereits beschriebenes, vollkommen entsprechen- 
des Gestein als Granatporphyrite bezeichne. Der Name bezieht sich 
zwar auf keinen sehr wesentlichen Gemengtheil — auch in den 
Tölliten kommt Granat vor — aber dieser Gemengtheil tritt in einer 
ungewöhnlichen auffallenden und eben für diese Gesteine charak- 
teristischen Weise auf: die blutrothen Granatkörnchen liegen näm- 
lich mitten in die weissen Feldspatheinsprenglinge eingebettet vor. 
Deshalb kann dieser von Cathrein!) eingeführte Name immerhin 
als zutreffend bestehen bleiben. 

Es sind dies folgende Gänge: 

Ein Porphyritgang im östlichen Aste des Schleiderthales (Tab- 
landergraben) in ca. 1700 m Höhe in granathaltigem phyllitischen 
Gneiss; 

ein Gang am ÖOstgehänge des Mittelrückens, der die beiden 
Quelläste des Kellerberggrabens trennt (ca. 13800 m Höhe), in phyl- 
litischem Gneiss; 

weiters ein Vorkommen nahe dem Grate des (Ultener) Hochjoches 
(2424 m) an dessen Nordseite. In den obersten Felshängen dieses 
Grates und seiner westlichen Fortsetzung dürften noch weitere solche 
Gänge zu finden sein, den abgerollten Blöcken nach zu schliessen. 

Alle diese zeigen eine grünlichgraue, äusserst feinkörnige bis 
dichte Grundmasse, in der rein weisse Feldspathe als Einspreng- 
linge stecken, die meist ungenau umgrenzte rechteckige Durchschnitte 
von 5X 53 mm mittlerer Grösse und stellenweise mattglänzende Spalt- 
flächen zeigen. Beim Gesteine vom Schleiderthale sind die Krystall- 
flächen der Plagioklase wohl zu erkennen. 

Als ein weiterer Einsprengling erscheint dunkelblutrother 
Granat in Individuen bis zu Hanfkorngrösse, selten auch noch 
grösser. Während Feldspath in Menge vorhanden ist, ist Granat 
sehr spärlich verstreut. Besonders die kleineren Granaten zeigen 
wohlausgebildet das Rhombendodekaeder. An den grösseren Granaten 
sieht man deutlich eine Streifung (Facettirung) der Flächen | den 
vier Kanten, wie sie Cathrein bei seinem Granatporphyrit angibt. 
Die anen Kryställchen zeigen glatte, lebhaft glänzende Flächen. 


9 A. en Beiträge zur Petrographie Tirols. Neues Jahrb. f. Min. 
etc. 1887, I, pag. 157, 


BR‘ 


[9] ; Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 13 


Die Mehrzahl der Granaten findet sich, wie schon oben bemerkt, 
in den Feldspathen eingeschlossen. — Endlich sieht man 
noch einsprenglingsartig schmutziggrüne, wenig von der Grundmasse 
sich abhebende Splitter von geringer Grösse, die sich makroskopisch 
nicht diagnostieiren lassen. 

U. d. M. löst sich die Grundmasse in ein allotriomorpk-körniges 
Gemenge von Quarz, Feldspath und Glimmer auf. Der letztere ist 
blassgrünlich gefärbt, mit sehr schwachem Pleochroismus, zeigt aber 
bei gekreuzten Nicols noch die lebhaften Polarisationsfarben der 
Glimmer. Er bildet sehr kleine zerfranste Schüppchen. Nach 
Analogie mit den anderen Porphyriten dürfte er ein in beginnender 
Chloritisirung befindlicher Kaliglimmer sein. Die Korngrösse der 
Grundmasse beträgt 6—12 u». 

Die Einsprenglingsfeldspathe zeigen hohe Idiomorphie. In dem 
Gesteine vom Schleiderthale zeigen die meisten der Feldspathe poly- 
synthetische Zwillinesbildung und wenig stark ausgebildete zonare 
Structur. Ein Schnitt L «a zeigte die Auslöschungsschiefe des 
Labradors; die Mehrzahl ist schon stark zersetzt. Im Gesteine vom 
Nörderberge zeigten dagegen die Feldspathe fast durchwegs keine 
Viellingsbildung; ihre Lichtbrechung wurde an mehreren als geringer 
als bei Quarz festgestellt. Nur einzelne kleinere Durchschnitte 
liessen durch die Zersetzungsproducte hindurch noch eine undeut- 
liche Viellingslamellirung erkennen. Der hohe Kalkgehalt dieses 
Gesteines aber, den die nachfolgende chemische Analyse aufweist, 
spricht entschieden dafür, dass auch ein Theil der ungestreiften 
Feldspathe in Analogie mit dem Schleiderthalgesteine Labrador ist, 
zudem unter den Zersetzungsproducten neben Epidot, Glimmer und 
Quarz auch Caleit stark vertreten ist. Ein Theil der Feldspathe ist 
gleichwohl sicher Orthoklas. 

Die Granaten sind u. d. M. blassröthlich. Die schmutzig- 
grünen Körner erweisen sich als Pseudomorphosen, bestehend aus 
einem Aggregat büschelförmiger oder sphärolithisch angeordneter 
Stengel, die sich auch öfter zu compacteren Körnern mit Längs- 
spaltung und Querabsonderung vereinen. Die einfache Lichtbrechung 
ist hoch, die Polarisationsfarben sind preussischblau oder citrongelb 
und fleckig. Achsenbilder sind wegen der Feinheit des Kornes nicht 
zu erhalten. Sehr wahrscheinlich liegt ein Aggregat von Zoisit, 
Klinozoisit und Epidot vor. Daneben erscheint auch Chlorit. In dem 
Gesteine vom Schleiderthale bestehen diese Pseudomorphosen neben 
Epidot vorwiegend aus Chlorit. Beiderseits erscheint auch Caleit, 
besonders im zweitangegebenen Gesteine. In diesem sind auch noch 
Reste der ursprünglichen Substanz erhalten, nämlich Reste von 
blassbräunlichgrüner Hornblende, deren Krystallform in den Quer- 
schnitten noch deutlich sichtbar ist. An Menge stehen diese zersetzten 
Hornblendeeinsprenglinge gegenüber dem Feldspathe bedeutend zu- 
rück, auch sind sie viel kleiner. Accessorisch tritt Magnetit in kleinen 
Kryställchen auf. 

Eine Auszählung der Bestandtheile ergab 44°/, Feldspath, .26°/, 
Quarz und 30°/, Pseudomorphosen nach Hornblende und chloritisiren- 
der Glimmer zusammen. Diese letzteren wurden zusammengenommen, 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (W. Hammer.) 10 


74 Dr. W. Hammer. [10] 


da sich nieht immer sagen lässt, welcher Chlorit noch jenen Pseudo- 
morphosen angehört und welcher noch zum Glimmer. Bei dieser 
letzten Zahl mitgerechneter secundärer Epidot und Zoisit kann zu 
kleinem Theile auch zersetztem Feldspathe zuzurechnen sein, so dass 
sich die Feldspathprocentzahl etwas erhöhen würde. — Granat wurde 
von den Auszählungslinien gerade keiner getroffen; sein Procentsatz 
ist auch thatsächlich ein sehr geringer. 

Der Gehalt an Quarz ist, wie man sieht, hier bedeutend höher 
als bei den vorangehenden Hornblendeglimmerporphyriten. Dies kommt 
auch in den Analysen zum Ausdruck. Der Quarzgehalt verbindet diese 
Granatporphyrite mit den nachfolgenden Quarzglimmerporphyriten, 
die gleich hohe Procentzahlen für Quarz aufweisen. 

Diese Porphyrite entsprechen vollständig dem oben eitirten, 
von Cathrein beschriebenen Granatporphyrit, nur mit dem Unter- 
schiede, dass in Cathrein’s Gestein die Hornblende in zwei Gene- 
rationen vorliegt, hier aber nur in einer. | 


Die chemische Analyse des Gesteins vom Nördenberge ergab 
Folgendes: 


SEO) a BE 
7 On SE 3 
DI: nee 
WO. Au... a 
Mn0s As): Spuren 
DO: RR... "6:90 
a en u. 1006 
Kl)... one... 1:09 
DOT. Ken. Die 
TO a, (05 
DE it ee 6 DER 
Glübverlut . . 284 .(0°0,) 
101:02 
Pr a 
C0n..5.:: Me 


Dieser Kohlensäure entspricht ein Gehalt an secundärem Caleit 
von 2:09. Dem entsprechend erhält man dann 


2.05... We ae 
07 0 DER Vai 
Glühverlust (ohne 00,) . 1:92 
Summe der Analyse . . 101:00 


Diese Granatporphyrite nähern sich auch in der chemischen 
Zusammensetzung sehr den obigen Hornblendeglimmerporphyriten. 
Der Kieselsäuregehalt ist wenig höher, der Kalkgehalt etwas niederer 
als dort. Stärker ist das Minus auf Seite der Granatporphyrite bei 
K und Mg. Am nächsten steht der Paläoandesit von Lienz. 


[11] Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 75 


Quarzglimmerporphyrite. 


Eine weitere Gruppe porphyritischer Ganggesteine, die die kry- 
stallinen Schiefer (des Kammes Marlingerjoch—Rabbijöch) durch- 
setzen, bilden die lichtgefärbten Porphyrite, die durch Quarz, Feld- 
spath und Glimmer als Einsprenglinge charakterisirt sind. Diese 
stehen als Uebergangsformen mit aplitischen Ganggesteinen sowohl 
als auch mit granitporphyritischen in Verbindung. Hierher gehören 
folgende Gänge: ; 

1. Bei der Koflrasteralpe (2298 m), am Hange gegen Muttegg- 
srub (2734 m) zu, sehr wahrscheinlich anstehend. Beobachtet wurde 
nur die Blockansammlung am unteren Theile dieses Hanges. 

2. Aın Rontscherjoche (2621 m) stehen drei derartige Gänge an; 
einer am Sattel östlich zwischen dem Rontscherjoch und P. 2528, un- 
gefähr 10 m lang und 3 m breit; ein zweiter am Ostkamm des Rontscher- 
joches 30—40 m lang und ein ebenso grosser dritter am Sattel 
zwischen Rontscherjoch und Hohem Dieb (2730 m), alle drei sind 
Lagergänge, die ersten beiden in Granatphyllit (Granatglimmerschiefer), 
der dritte in quarzitischen Schichten dieser Granatphyllitserie. 

3. Im obersten Theile des östlichen Quellastes des Tarscher- 
srabens, in ungefähr 2300 m Höhe liegen drei Lagergänge von ähn- 
licher Grösse wie am Rontscherjoch in den untersten Lagen der 
Granatphyllitgruppe. 

4. Im Graben hinter Bauernhof Forst bei Tschirland wurden 
(in circa 1500 m Höhe) Blöcke eines derartigen Porphyrits gefunden. 

5. Im Gehänge „Ortler“ bei St. Walburg i. U. steht im nörd- 
lichen Gehänge des Hauptgrabens (nahe der Sohle desselben, in circa 
1400 m Höhe) ein ziemlich grosser Porphyritgang dieser Unterart an. 
Lagerung nicht erkennbar; das nächste anstehende Gestein ist ein 
zweiglimmeriger, feinkörniger Gneiss. 

Diese Gesteine zeigen durchwegs eine helle grünlichgraue oder 
gelbliche Gesammtfärbung und ausgeprägt porphyritische Structur. 
Bei dem an Einsprenglingen reichsten Vertreter, dem Gesteine von 
der Koflrasteralm, wurde ein Verhältnis von 71'4°/, Grundmasse zu 
28:6°/, Einsprenglingen gefunden (nach der Messungsmethode von 
Rosiwal). Dagegen zeigt das Gestein 4 nur sehr wenig Einspreng- 
linge. Die Grundmasse ist bei allen makroskopisch dicht und homogen. 
Als Einsprenglinge erscheinen: an Menge voranstehend Feldspath, 
weiss, mit ungefähr rechteckigen Umrissen, meist ohne scharfe krystallo- 
graphische Umgrenzung, von durchschnittlich 2 X 4 mm Grösse, selten 
auch bis zu 5X 10 mm, gelegentlich mit mattglänzenden Spaltflächen ; 
dann Quarz, öfter in rundlichen Körnern, aber auch in deutlichen 
Dihexaedern, glasiggrau, Grösse ähnlich der der Feldspathe; ferner 
Glimmer in sechseckigen Blättchen und in sechseckigen Säulchen bis 
zu 4 mm Höhe, Durchmesser 2—3 mm, bräunlichgrün gefärbt. Ausser- 
dem bei dem Gesteine der Koflrasteralm noch stecknadelkopfgrosse 
abgerundete Körner von blutrothem Granat. Bei Gestein 4 und dem 
vom Sattel östlich des Rontscherjoches erscheint Quarz (makroskopisch) 
nicht als Einsprengling. Bei Gestein 1 wurde das Mengenverhälnis 

10* 


76 Dr. W. Hammer. [12] 


der 28°6°%/, Einsprenglinge bestimmt zu 542°), Feldspath, 3:19), 
Glimmer und 1'3°/, Quarz. 

Mikroskopisch untersucht wurden Gestein 1, 4 und von 2 das 
Vorkommen am Sattel zwischen Hohen Dieb und Rontscherjoch (2a) 
und das am Sattel östlich des Rontscherjoches (2 b). Fig. 2 auf Taf. III 
gibt ein Bild aus dem Schliffe von 1. 

Die Grundmasse erweist sich unter dem Mikroskope bei allen 
vieren als holokrystallin, und zwar hypidiomorph, bei Gestein 2« 
zeigt der Quarz Annäherung ‘an Idiomorphie. Das Korn ist ein sehr 
feines (2—5u). Bei 4 und 2b ist eine der Grösse nach zwischen 
der Grundmasse und den Einsprenglingen stehende Generation vor- 
handen, deren Bestandtheile sich durch idiomorphe Ausbildung hervor- 
heben. Bei allen besteht die Grundmasse aus Quarz und Feldspath. 
Stets ist auch Glimmer, und zwar Muscovit, gebleichter Biotit oder 
ein chloritisches Mineral als Zersetzungsproduct eines Glimmers vor- 
handen, in kleinen oft zerfaserten, lappig begrenzten Blättchen. Der 
Habitus der Glimmerschüppchen in der Grundmasse deutet darauf, 
dass der Muscovit hier nicht durchaus primär, sondern theilweise 
spätere Neubildung ist. Der Feldspath zeigt keine Zwillingsbildung. 
Eine sichere Bestimmung seines Charakters war mir bei der Feinheit 
des Kornes nicht möglich. Sein Vorhandensein in reichlicher Menge ist 
durch Färbung gut erkennbar, die Mittelgeneration zeigt bei 25 Quarz 
in dihexaedrischen Körnchen, Plagioklas, Orthoklas (ohne Zwillings- 
bildung oder mit Karlsbader Zwillingsbildung, länglich, leistenförmig;) 
und Muscovit, beziehungsweise Chlorit (sehr schwacher Pleochroismus, 
blassgelblich gefärbt). In 4 sieht man in dieser Zwischengeneration 
auch granophyrische Verwachsungen von Orthoklas und Quarz. 

Unter den Einsprenglingen ragt, wie oben genannt, der Feld- 
spath besonders hervor. Bei 1 ist ausschliesslich Plagioklas vor- 
handen, bei 2« und 4 ist auch Orthoklas als Einsprengling zu sehen, 
bei 2«@ annähernd in gleicher Menge wie Plagioklas; in 25 gestattet 
der Zersetzungszustand der Feldspathe keine nähere Bestimmung, 
wobei allerdings das Vorhandensein secundären Caleits auf Plagio- 
klase hinweist. Auch bei 4 sind die Feldspathe stark zersetzt. Es 
bilden sich Nester äusserst feinkörniger Muscovite; stellenweise ist 
der Muscovit in grösseren Blättchen ausgebildet und ist dann büschel- 
förmig oder sphärolithisch angeordnet. Daneben tritt secundärer 
Caleit auf. In 2a zeigen die Feldspathe wohlausgebildete Individuen 
(M, P,ı, T), oft zu Gruppen geschart; die symmetrischen Aus- 
löschungsschiefen verweisen auf Andesin; 1 zeigt schlechte Form- 
ausbildung der Plagioklase und oft intensive Zwillingslamellirung nach 
Albit- und Periklingesetz, gelegentlich auch in Verbindung mit dem 
Karlsbader Gesetz, und fast stets vielfachen zonaren Bau mit von innen 
nach aussen zunehmender Acidität und inhomogenem Kern. Zwillings- 
bildung, zonarer Bau, Zusammenscharung unvollständig entwickelter 
Individuen und dynamische Beeinflussung zusammen geben dem Plagio- 
klas gelegentlich ein geradezu abenteuerlich complicirtes Aussehen. !) 


W w Im Allgemeinen sind sonst die Zwillingslamellen breit und nicht sehr 
zahlreich. : 


[13] Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 77 


Die Auslöschungsschiefe zeigt das Vorhandensein von zwei verschie- 
denen Plagioklasen, und zwar Anorthit und Andesin. Der letztere 
wurde auch durch die Boriöky’sche Probe bestätigt. 


Quarz tritt in allen vier Gesteinsproben als Einsprengling auf, 
die Kanten der Dihexaeder sind abgerundet, oft sind auch vollständig 
rundliche Körner vorhanden. Häufig gruppiren sich mehrere Indivi- 
duen eng aneinander, wobei die Grundmasse die feinen Fugen und 
die kleinen Hohlräume zwischen den Körnern erfüllt (siehe Fig. 2, 
Taf. III). Meist ist er reich an Scharen von Gasbläschen. 


Von Glimmer wurden nur im Gestein 4 noch einzelne voll- 
ständig frische Blättchen unter den Einsprenglingen gefunden. Es ist 
hier Muscovit (gebleichter Biotit?).. Im Uebrigen ist in allen vier 
Gesteinen nur Chlorit an seiner Stelle zu finden. Dieser zeigt 
c — blassgeiblich bis blassgelblichgrün und a—b— grünlichgelb, 
beziehungsweise blassgrün, gerade Auslöschung und matte blaue oder 
blaugraue Interferenzfarben. In 2a und 25 liegt zwischen den Spalt- 
blättehen des Chlorits Caleit, bei 1 Epidot; in 2a enthält er über- 
dies Sagenit, dessen Vorkommen für. die Biotitnatur des Glimmers 
spricht. Der Chlorit ist immer in ‚einheitlichen grossen Täfelchen, 
beziehungsweise Säulchen ausgebildet, die in ihren Umrissen denen 
von Glimmer entsprechen, nur in 2a wurde einmal einer dieser Ein- 
sprenglinge als aus einem Aggregat kleinerer Chloritfasern bestehend 
gefunden, die einen Gesammtumriss hatten, der dem Querschnitt eines 
srossen Hornblendekrystalls so ziemlich entspräche. Es ist also wohl 
möglich, dass nicht aller Chlorit aus Glimmer, ‚sondern ein kleiner 
Theil desselben eventuell aus Hornblende hervorgegangen ist. Endlich 
finden sich überall vereinzelt Granatkörnchen. 


Das Vorherrschen der Kalknatronfeldspathe in den besprochenen 
Gesteinen sowie die structurelle Gleichheit berechtigen eine Einrei- 
hung derartiger Grenzgesteine zu den dioritporphyritischen Gesteinen ; 
andererseits tritt allerdings der Mangel an Hornblende oder, wenn 
die oben vermutheten Pseudomorphen von Chlorit nach Hornblende 
thatsächlich solche sind, die sehr geringe Menge der Hornblende 
(in einzelnen Vertretern) befremdend hervor bei einem mit dioritischen 
Typen in Zusammenhang gebrachten Gesteine. 


Am nächsten verwandt in ihrer Zusammensetzung sind die von 
Grubenmann!) beschriebenen Porphyrite, welche, in der Randzone 
der Kreuzberg-Tonalitmasse auftreten. Auch diese,sind hornblendefrei, 
die Biotite chloritisirt. Dagegen sind die Plagioklaseinsprenglinge be- 
deutend grösser als in den beschriebenen Vorkommnissen. Das Auf- 
treten einer Varietät mit Ka-Feldspath bildet eine weitere Aehnlich- 
keit. Weiters geben Cathrein und Spechtenhauser?) der- 
artige Gesteine vom Oberwieserhof bei St. Lorenzen im Pusterthale 


1) Grubenmann, Ueber einige Ganggesteine aus der Gefolgschaft der 
Tonalite. Tscherm. Min. Mitth. XV], 1896, pag. 185. 


?) Cathrein, Dioritische Gang- und Stockgesteine aus dem Pusterthale. 
Spechtenhauser, Diorit- und Noritporphyrite von St. Lorenzen im Puster- 
thale. Zeitschr. d. Deutschen geol. Gesellsch. pag. 257, bezw.’ pag. 279. 


18 Dr. W. Hammer. : | [14] 


an. Diese enthalten Biotit in der Grundmasse und als Einsprengling. 
Auch hier wurde die Ausbildung einer zwischen Grundmasse und 
Einsprenglingen in der Mitte stehenden Generation beobachtet. In 
dem von denselben Autoren von Stegen im Pusterthale beschriebenen 
Gesteine tritt ebenso wie bei den Ultener Gesteinen Granat auf. 

Hornblendefreie Porphyrite beschreibt ferner Williams!) vom 
Lippenhof im Schlegelthal (Schwarzwald), jedoch ohne Quarzgehalt. 
In Folge des Quarzgehaltes mehr Aehnlichkeit mit den beschriebenen 
hat der Quarzglimmerdioritporphyrit vom Ködelschutzteich im Fichtel- 
gebirge nach den Angaben Pöhlmann’s.?2) Auch dieser ist horn- 
blendefrei. 

Wenn die allerdings nur selten gefundenen Aggregate von 
Chloritschuppen als Pseudomorphosen nach Hornblende aufgefasst 
werden, so entsprechen diese Gesteine, von der Quantität der 
Hornblende abgesehen, sehr dem Tonalitporphyrit vom Gelt- 
thalferner, den Becke?°) beschrieben hat. Vermuthlich besteht hier 
dasselbe Verhältnis zwischen Granitstock und Gängen. wie beim 
Tonalitstock des Rieserferners. Während dort entsprechend dem 
Hornblendegehalte des Tonalits auch die damit im Zusammenhange 
stehenden Ganggesteine mehr hornblendehaltig. sind, sind hier die 
Ganggesteine hornblendefrei oder wenigstens sehr arm daran, weil 
auch der in nächster Nähe *) der Gänge befindliche Granitstock des 
Kuppelwieser Thales wenigstens im überwiegend grösseren Theile 
seiner Erstreckung hornblendefrei ist. Dieser Granit correspondirt im 
Uebrigen in der Natur der Feldspathe nicht mit den Porphyriten, da 
er Oligoklas und Orthoklas enthält. Dieser Acidität entspricht aber 
andererseits der hohe Kieselsäuregehalt, den die Analyse des Por- 
phyrits zeigt, entsprechend seinem Quarzgehalt. Als Typus dieser 
Gruppe wurde das Gestein von der Kofirasteralpe analysirt (I). In 
der Zusammensetzung sehr nahe übereinstimmend zeigt sich der von 
Iddings beschriebene Quarzglimmerdioritporphyrit vom Electric Peak 
Nationalpark U. S.’) Seine Analyse setze ich des Vergleiches halber 
daneben (Il). Die oben eitirten Quarzglimmerdiorite vom Lippenhof 
bei Unterkirnach (Williams) und vom Ködelschutzteich im Fichtel- 
gebirge (Pöhlmann) besitzen einen geringeren Kieselsäuregehalt trotz 
ihres Quarzes. Ich stelle hier den ersteren neben die anderen Analysen 
(An. III). Endlich mag zum Vergleiche auch noch der von Tscher- 
mak °) angegebene (Quarzporphyrit von Val San Pellegrino (Monte 
Boceche) angeführt werden (IV): 


!) Williams, Die Eruptivgesteine der Gegend von Triberg im Schwarzwald. 
Neues Jalırb. f. Min. ete. Bd. II, 1885, pag. 585. 


?) Neues Jahrb. für Min. etc. Bd. III, 1885. 


au D F. Becke, Tonalit der Rieserferner. Tscherm. Min. Mitth. XIH. Bd., 
„Uhr 

*) Nur der Gang am „Ortler“ ist weiter entfernt davon; dieser liegt in der 
Mitte zwischen Kreuzberg- und Kuppelwieser Granitstock. 


°) Iddings, The eruptive rock of Electric Peak etc. 12th. Ann. Rep. U. S. 
geol. Survey. Washington 1892. 


.  ,%) Entnommen aus J. Roth, Beiträge zur Petrographie der plutonischen 
Gesteine. Berlin 1869. 


[15] Porphyrite und Diorit aus: den Ultenthaler Alpen. 79 


1% ae Na, IV 
0,2... 68:83 %:69°24 26494 66:95 
PIC». IV. — 0:65 — uno 
aaO, mr Pllededbel 30 7 RLRBON 6b 
3 0 0,92... 2'172 0:69 2:76 
WRONREHUN, 2.16 VER 9A 1366 
MwOssIıtFiND Spuren — = .— 
EROEN N 3:08 2:98 2:59 4:71 
ONE ET 0:96 0:95 2:83 2:64 
Karomnlan), 2:12 2:52 3:11 1'82 
N,0ropn, 3'36 4:46 344 2:86 
Na 0 a tal 0:75 Spuren —_ —_ 
S 


.. yauılarr 0.05 Bu BI", x En 
Glühverlust . 470 = au FR 
10036 100°08. 100.40 10158 


Berechnet man wieder den dem 8 entsprechenden Gehalt in 
Pyrit, so erhält man: | 


Te ROLE AHEDUG 
Bel ee 06 


Von den alpinen Tonalitporphyriten liegen derzeit keine Analysen 
zum Vergleiche vor. 


Aplitische Porphyrite. 


An die Quarzglimmerporphyrite reihen sich ein paar Vorkommen 
an, die — bei Wegfall der Quarzeinsprenglinge — durch den fast 
vollständigen Mangel farbiger Gemengtheile und das stärkere Hervor- 
treten des Ka- Feldspathes eine Uebergangsform zu reinen Apliten 
darstellen. 

Es. sind dies folgende: 

1. Ein Gang im östlichen Aste des Tablandergrabens, ungefähr 
60 m unter dem oben angeführten Granatporphyrit am westlichen 
Rande der hier befindlichen Thalterrasse, und einer am östlichen 
Rande desselben in phyllitischem Gneiss; 

2. im untersten Theile des Birchberggrabens (erster Graben ober- 
halb Plaus im Vintschgau) noch unter dem Hofe Brand; Lagergang in 
glimmerreichem, zweiglimmerigem Gneiss (mit Pegmatitlagen) ; 

3. im Melsbachthale (bei Plaus ausmündend) im untersten Theile; 
Lagergang im Gneiss. Blöcke eines sehr ähnlichen Gesteines wurden 
ober Platzgum (bei Naturns) gefunden. 

Makroskopisch zeigen alle eine nahezu homogene dichte Grund- 
masse von hellgrauer Farbe und ziemlich spärlich darin verstreut 
und wegen der hellen Farbe der Grundmasse wenig hervortretend 
Feldspatheinsprenglinge bis zur Grösse von X 2 mm. Es kommen 
aber auch alle Abstufungen bis zu ganz kleinen, in der Grundmasse 
verschwindenden Feldspathen vor. ‚Die Formausbildung ist makro- 
skopisch eine schlechte. Grünlich zersetzte Glimmerblättchen treten 


80 Dr. W. Hammer. [16] 


bei 1 reichlieb, bei 3 in sehr geringer Menge als Einsprenglinge 
hervor; bei 2 und 3 treten winzige rothe Granatkryställchen in 
geringer Menge hervor. 

Das Mengenverhältnis der Bestandtheile, am Dünnschliffe vom 
Gesteine 2 berechnet, ist: 424°), Quarz, 48'8°%, Feldspath und 
8°80/, Glimmer. Es ist dies (von dem nachfolgenden Aplit abge- 
sehen) der quarzreichste Porphyrit, dem entsprechend auch der 
Kieselsäuregehalt am höchsten ist. 

U.d.M. betrachtet (Taf. III, Fig. 3), setzt sich die Grundmasse 
aus Quarz, Feldspath und Muscovit (chloritisirt theilweise) zusammen. 
Die Ausbildung der Bestandtheile neigt besonders bei 2 sehr zur 
panidiomorphen hin. Hier sind die Feldspathe oft leistenförmig nach M 
entwickelt und zeigen sehr oft Karlsbader Zwillinge. Lichtbrechung 
und Auslöschung verweisen auf Orthoklas. Bei 3 ist der Feldspath 
zu sehr zersetzt, um eine Bestimmung zu ermöglichen. Das Korn 
ist ein sehr feines. Auch die eingesprengten Feldspathe sind meist 
zu sehr zersetzt, um optisch bestimmt werden zu können. Bei 3 
sind sie fast vollständig, bei 2 zum grossen Theile zersetzt, wobei 
(bei 2) unter den Zersetzungsproducten besonders Zoisit und Epidot 
hervortreten neben glimmerigen Bildungen. Ferner treten einspreng- 
lingsartig blassröthliche, ganz rundliche Granatkörner auf. Granat und 
Feldspath scharen sich oft zu Paaren und Gruppen, wobei dann auch 
in den Klüften des Granats Zoisit zu beobachten ist (und Quarz), 
der möglicherweise aus dem zersetzten Feldspathe stammt, da die 
Granaten sonst vollständig frisch und unzersetzt sind. (Siehe den 
Granat auf Taf. III, Fig. 3.) Im Melsbacher Gesteine sind endiich 
noch die makroskopisch sichtbaren grünen Splitterchen zu erwähnen, 
die u. d. M, als Chlorit mit Einlagen von Epidot und Caleit erscheinen 
und dem dünnschuppigen Habitus nach Pseudomorphosen nach Glimmer 
sein dürften. Gestein 1 wurde mikroskopisch nicht untersucht. 

Diese Gesteine, speciell 2 und 3, stehen in Folge ihres Gehaltes 
an Ka-Feldspath und des Mangels, beziehungsweise der Armuth an 
farbigen Gemengtheilen dem Aplit bereits näher als den Porphyriten. 

Von 2 liegt eine Analyse vor: 


I Oi ;: 
Al, 0, 2 men &, Mean 
De, On 0:91 
170 DT RAETESTIEERRNE 1:56 
MO Mar Venen 
a 0 Ahr 3:65 
ed 0:58 
Nr ie 1-71 
N0,:0° SUPRMBRTE 918 
Pa OR N 093 
8° AAN BIER 0:06 
Glühverlust . . 1:08 
10114 
Ba st bente 0:41 


(Pyrit) Fe... 4..00011 (0, 0:84) 


[1 7] Porphbyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 81 


Der verhältnismässig hohe Gehalt an CaO spricht dafür, dass 
die zersetzten Feldspathe kalkreiche Plagioklase ursprünglich waren. 
Etwas mag auch der Granat dazu beitragen. Vergleicht man die 
Analyse mit. solchen von typischen Apliten, so zeigt sich, dass für 
einen Aplit der Kieselsäure- und der Kaligehalt zu nieder, der Kalk- 
gehalt zu hoch ist. Das Gestein stellt eben auch chemisch noch einen 
Uebergang zu den Tonalitporphyriten her. Es steht im chemischen 
Bestande den oben beschriebenen Quarzglimmerporphyriten näher 
als einem Aplit, dem es andererseits durch seinen ganzen petro- 
graphischen Habitus sich nähert. Durch die verhältnismässig hohe 
Basieität stellt sich dieser aplitische Porphyrit in Analogie zum Tonalit 
und kann dementsprechend als aplitischer Tonalitporpbyrit bezeichnet 
werden. 


Aplit. 


Eigentlicher Aplit wurde an zwei Orten beobachtet: im untersten 
Theile des Birchberggrabens (bei Plaus im Vintschgau) noch unter dem 
oben beschriebenen aplitischen Porphyrit ein grösserer Lagergang und 
in seiner nächsten Nähe zwei kleinere, alle drei in zweiglimmerigem, 
phyllitischem Gneiss, und im östlichen Theile des Tablandergrabens 
(Schleiderthal), auf der Terrasse, zwischen den anderen dort anstehenden 
Porphyritgängen (siehe oben). Alle liegen in zweiglimmerigem, phylliti- 
schem Gneiss. 

Das Gestein ist hellgrau und gleichmässig äusserst feinkörnig 
für das freie Auge. 

U. d. M. erblickt man beim Gesteine vom Birchberggraben ein 
feinkörniges Gemenge, das hauptsächlich und zu ungefähr gleichen 
Theilen aus Quarz und Feldspath zusammengesetzt ist. Der letztere 
ist leistenförmig ausgebildet (Leistchen von 12—36 u. Länge, an 
denen man oft Zwillingsbildung nach dem Karlsbader Gesetz bemerkt). 
Neben dem vorherrschenden Orthoklas ist in geringerer Menge auch 
Plagioklas vorhanden. Die Feldspathe sind stark in Zersetzung. 
Im Dünnschliffe zeigte sich übrigens auch ein Feldspath von ein- 
sprenglingsartiger Ausbildung. Ausserdem bemerkt man sehr wenig 
Muscovit (chloritisch). 

Am Rande des Hauptganges wird das Gestein grobkörniger und 
seine Structur nähert sich durch Hervortreten der Feldspathleisten 
der porphyritischen. Dasselbe Structurbild ergibt sich u. d, M. Die 
Bestandtheile sind die gleichen wie im Hauptgestein: Quarz, Ortho- 
klas, wenig Plagioklas, sehr wenig Muscovit, secundär Chlorit, Epidot 
und Caleit. Der Feldspath zeigt auch zonaren Bau mit im Kern 
beginnender Zersetzung. Die Orthoklase zeigen krystallographische 
Ausbildung nach allen Seiten. 


Lamprophyrische Ganggesteine. 


Einen von den anderen Porphyriten des Ultner Gebietes stark 
abweichenden Typus stellen zwei Vorkommen im Bereiche der Eggen- 
spitzen in den Kalkphylliten vor. 

Jahrbuch d.k.k, geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (W. Hammer.) 11 


89 Dr..W. Hammer. | [18] 


Das eine bildet am Südgrat der vorderen Eggenspitze (3385 m) 
nahe unter dem Gipfel derselben einen sehr kleinen Lagergang. 

Das andere fand ich in Blöcken im obersten Theile des Weiss- 
bachthales (Weissbrunneralpe). 

Beide fallen gleich durch ihre dunkle Farbe auf. Wir sehen 
eine dunkelgraubraune oder grünlichgraue, sehr feinkörnige Grund- 
masse, in der als Einsprenglinge nur dunkelbraune Biotitblättchen von 
2—4 mm Durchmesser in grosser Zahl hervortreten. 

Im Dünnschliffe (Taf. III, Fig. 4) löst sich die Grundmasse 
in ein Aggregat von Feldspathleistchen, Biotitschüppchen und Quarz- 
körner auf. Der stark überwiegende Bestandtheil ist Labradorit. 
Er ist in kleinen rechteckigen Leistchen entwickelt, die meistens 
zonaren Bau zeigen. Es sind meistens wenige Zonen vorhanden, 
die äussersten Oligoklas, der Kern basischem Labradorit entsprechend. 
Grösse der Leistehen 0:006—0°2 mm. Biotit ist auch in der Grund- 
masse in Leistchen, beziehungsweise Blättchen vorhanden, besonders 
im Eggenspitzgesteine, wo auch Uebergänge in der Grösse von den 
Grundmassebiotiten zu den Einsprenglingsbiotiten auftreten. Quarz 
ist in kleinen Körnchen zwischen den Feldspathleisten eingezwängt, 
beim Gesteine vom Eggenspitz bedeutend mehr als im Gesteine vom 
Weissbachthal, aber auch im ersteren noch gegen den Biotit der 
Grundmasse an Menge zurückstehend. 

Die grossen Biotite zeigen im Gesteine vom Eggenspitz einen 
zonaren Bau, aus grossem, hellem Kern und dunkler Randzone bestehend. 
Der Achsenwinkel ist in beiden sehr klein; Zweiachsigkeit aber beider- 
seits deutlich wahrnehmbar. Während im Eggenspitzgesteine andere 
Einsprenglinge nicht auftreten, zeigt das Gestein vom Weissbachthale 
noch grössere Individuen eines monoklinen Pyroxens (Diopsid) von 
blassbläulichgrüner Farbe und geringem Pleochroismus. Dieser Pyroxen 
ist aber fast durchwegs in Uralit umgewandelt. Kleine Pyroxene und 
Biotite scharen sich oft nesterartig zusammen. In grosser Menge 
finden sich in diesem Gesteine sehr feine, farblose Leistehen von 
Apatit. Auch im anderen Vertreter dieses Typus ist Apatit zu finden, 
aber weniger und in grösseren Kryställchen. Im beiden ist Magnetit 
in geringer Menge eingestreut. Secundär findet sich Caleit. 

Der Biotit mit der dunklen Randzone erinnert sehr an das von 
Becket) beschriebene lamprophyrische Gansgestein aus dem Rieser- 
ferner. Er erkannte den Kern als Anomit. Im Uebrigen unterscheidet 
sich dieses Gestein von der Antholzerscharte von dem hier be- 
schriebenen durch den Gehalt’an Hornblende (und auch an Pseudo- 
morphosen nach Olivin).. Auch Grubenmann’s?) Kersantit vom 
Untergesteine bei Meran ist ein Hornblendekersantit. 

Das Mengenverhältnis der Bestandtheile wurde am Gesteine vom 
Eggenspitz ausgezählt. Es ergab sich 15%), Quarz, 530%, Plagioklas, 
29%/, Biotit, 1°/, Apatit. Der hohe Procentsatz von Quarz tritt nur 
im Eggenspitzgestein auf, im anderen ist beträchtlich weniger Quarz. 

!) F. Becke, Petr. Studien am Tonalit des Rieserferner. Tscherm. Min. 
Mitth. XIII, 1892—93, pag. 442. 

*) Grubenmann, Tscherm. Min. Mitth. 1896, pag. 195. 


[19] Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 83 


Dieses Eggenspitzgestein hat sonach mehr Quarz als die Hornblende- 
slimmerporphyrite, die sonst im Allgemeinen doch einen saureren Typus 
darstellen. Dagegen ist der Gehalt an farbigen Bestandtheilen (Biotit) 
hier der höchste unter den vorliegenden Porphyriten. | 

Diese Gesteine entsprechen ihrer mineralogischen Zusammen- 
setzung nach am besten den Kersantiten mit porphyritischer Structur 
— ein Vorkommen, das in dieser Ausbildung in den Centralalpen 
bisher nicht gefunden worden zu sein scheint. Es wurden beide Arten 
auch chemisch analysirt und die Analyse bestätigt die Zugehörigkeit 
zu den Kersantiten. Zum Vergleich sei hier der Kersantit von Heim- 
bach (Nassau) nach Rosenbusch!) ete. eitirt: 

I bezieht sich auf das Gestein vom Eggenspitz, II auf das 
Gestein vom Weissbachthale und III ist die Vergleichsanalyse nach 
Rosenbusch. 


I EM HI 

0 a ala 5359 5559 53:16 
2 1509 17:65 796 
a RE For 343 9:24, 
2 NEAR 747 714 477 
Be 7 Sn, 0:18 Spuren ‚1:23 
214.3 BER 726 7:76 664 
2:55 A ee 4:66 SR) 305 
5 ie 3:48 2-56 3:06 
BE DANIEL, ©. 2:86 293 >97 
RO LETTER. 1:20 1:09 1:20 
u ee 0:28 ai 0:17 
Gluhverlust.‘.'.r'.. 270 1:13 CO, 408 

(einschl. 00,) . H,O ART 

100:34 PER ne A 

ae - SP SERERE 1:00 — 99:34 
N tt 0:53 0:48 
Ealeik gar 5% 2:27 — 
Schwefelkies . . 0:53 (Fe0, 121) 0:32 (Fe&,0, 3'22) 
Glühverlust ohne CO, 170 1:18 


Der schon oben betonte grosse Gehalt an Apatit tritt hier in 
der Phosphorsäure deutlich hervor und ist gerade für Kersantite 
bezeichnend. Al, O, der Vergleichsanalyse ist zufällig ungewöhnlich 
nieder für Kersantite, die sonst 14—16'/, Als O; haben. 


Diorite. 


In enger Vergesellschaftung mit den Hornblendeglimmerpor- 
phyriten treten in der Gegend des Grossen Grünsees (am Fusse der 
Eggenspitzen) im Weissbachthale und am Pludersee auch dioritische 
Gesteine auf. 


!) Kosenbusch, Klemente der Gesteinslehre, 2. Aufl., pag. 235. 
1015 


84 Dr. W, Hammer. [20] 


In der „Neuen Welt“, dem Thale des Grünsees, bildet Diorit 
die Schwelle des Sees, weiters tritt Diorit im Thalboden ober dem 
See und an der nächsthöheren Thalstufe (gegen das Zufrittjoch hinauf) 
auf, endlich sieht man Dioritlager in dem NO-Grat der vorderen 
Eggenspitze und am Östgrat der Zufrittspitze. Der Diorit durchbricht 
die Phyllitte der Kalkphyllitgruppe. seltener liegt er lagergangartig 
zwischen den Schichten. An dem Dioritgang der Thalstufe sieht man 
am Rande gegen den Schiefer Breceien dieser Schiefer mit Magma 
durchtränkt. Die Umrisse der Dioritmassen sind unregelmässig, meist 
langgestreckt; die Dioritmasse an der Seeschwelle hat eine grösste 
Erstreckung von ungefähr 300 »m zu 100 m in der kürzesten Dimension. 

Im Weissbachthale (ober der oberen Weissbrunneralpe) tritt 
ein gleicher Diorit auf der ersten rechtseitigen Felsterrasse in 
Blöcken auf. Das Gestein zeigt hier überall gleich Uebergang in 
Porphyrite und Uebergangsstufen zwischen Diorit und Porphyrit. — 
Endlich ist ein Aufschluss eines dioritischen Gesteines ‘nahe südlich 
ober dem hinteren Pludersee. 

Das Gestein von der Schwelle des Grossen Grünsees ist ziem- 
lich grobkörnig, der Feldspath zeigt im Handstück keine eigenförmige 
Ausbildung und bildet den weissen Grundstock der Gesteinsmasse, 
aus dem die schwarze Hornblende in leistenförmigen Individuen in 
der Länge von 3—8 mm und der Breite von 1—3 mm hervortritt. 


Unter dem Mikroskope sieht man zweierlei Feldspath. Der 
stark überwiegende Theil ist Labrador (bestimmt nach den Aus- 
löschungsschiefen in Schnitten der Zone L a, nach symmetrischen 
Auslöschungsschiefen und nach dem Lichtbrechungsvermögen im Ver- 
gleich mit Quarz). Er ist meist automorph ausgebildet, langprismatisch 
nach M mit abschliessenden Prismenflächen, stark verzwillingt nach 
dem Albit-, Periklin- und Karlsbader Typus und häufig auch zonar 
struirt (Randzone aus Oligoklas). Daneben tritt aber auch Orthoklas 
auf in grossen, unregelmässig geformten Ausfüllungskörpern. Er (und 
auch der Quarz) erfüllen als letzterstarrte Bestandtheile die kleinen 
Drusenräume des Gesteines und umschliessen so die hineinragenden 
Plagioklas- und Hornblendekrystalle (Taf. III, Fig. 5). 


Die Orthoklase heben sich schon durch die Trübung und bei 
gekreuzten Nikols durch die bräunlichen Polarisationsfarben von den 
reineren Plagioklasen ab. Ausfüllungsartig zwischen den Feldspathen 


findet man dann Quarzkörner. Die Hornblende zeigt {110} [010)} 


und selten auch {100}, dort und da Zwillinge nach (100); a moos- 
gelb bis moosgrün, b bedeutet moosgrün, c tiefsaftgrün. Ausserdem 
tritt als zweiter dunkler Bestandtheil, makroskopisch kaum bemerkbar, 
Biotit auf. Absorption sehr stark; die Färbung hat einen Stich ins 
grünliche. Als accessorische Gemengtheile findet man Pyrit, Apatit, 
Rutil und Zirkon. 


Eine Auszählung der Bestandtheile (nach Rosiwal) ergab 
71°7°/, Feldspath (56'1°/, Plagioklas und 15'6%, Orthoklas, doch ist 
diese Trennung nicht ganz genau, da ja oft einzelne Körnchen von 
Feldspath nicht mit Sicherheit zum einen oder anderen Feldspath 
gestellt werden können), 17:20), Hornblende, 7:5%, Biotit, 29%), 


[21] Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 35 


Quarz und 0'7°/, Erz (Pyrit). Rechnet man nach diesen Quantitäts- 
verhältnissen den Kieselsäuregehalt aus, so erhält man 54°6%, SiO ;, 
wobei ich des zonaren Baues wegen bei den Plagioklasen ?/;, Labra- 
dor- und '/; Oligoklassubstanz annahm; bei der Hornblende wurde 
ein Kieselsäuregehalt von 49°/,, beim Biotit von 38°/, angenommen. 


Die gleiche Mineraliengruppirung zeigt das Gestein aus dem 
Weissbachthale. Hier nähert sich die Struetur schon mehr der porphy- 
ritischen, indem Feldspath und Hornblende in zwei Generationen 
auftreten, die aber durch Uebergänge miteinander verbunden sind. 
Auch hier erscheint Orthoklas in grossen fremdförmigen Körnern. 
Quarz ist auch, Biotit beträchtlich mehr als im Grünseediorit vor- 
handen. Pyrit ist in diesem Gesteine wie auch in den Porphyriten 
vom Weissbachthal und Erzknott reichlich in sehr kleinen Körnchen 
eingesprengt. | | 

Das Gestein ober dem hinteren Pludersee ist feinkörniger als 
die anderen, kleine Hornblendenädelchen treten aus der dem unbe- 
waffneten Auge fast dicht erscheinenden hellgrauen Gesteinsmasse 
hervor. Im Dünnschliff sieht man, dass in zwei durch Uebergänge 
verbundenen Generationen nur der Plagioklas auftritt. Hornblende ist 
nur in grossen Individuen vorhanden. Quarz ist wenig und in sehr 
kleinen Körnchen vorhanden. Glimmer fehlt ganz, wenn nicht ein- 
zelne Chloritschuppen als Reste desselben aufgefasst werden. Das 
ganze Gestein ist stark zersetzt, die Hornblende nirgends mehr voll- 
kommen erhalten, sondern stets wenigstens theilweise chloritisirt und 
epidorisirt, so dass wahrscheinlich aller Chlorit von ihr herstammt. 


Die Aufschlüsse dieses Dioritvorkommens sind schlecht. Durch 
Schutt und Vegetation von dem hier beschriebenen Diorit, der plattige 
Absonderung zeigt, getrennt, steht in seiner Nähe ein granitisches Gestein 
an, dessen Beziehung zum Diorit unklar ist. 


Dieses granitische Gestein ist grobkörnig und von seinen Bestand- 
theilen tritt vor Allem der reichlich vorhandene Biotit in ungefähr 
sechsseitigen Täfelehen von 2—4 mm Durchmesser hervor. Im Dünn- 
schiff zeigt der Biotit eine grünlichbraune Farbe und sehr starke 
Absorptionsunterschiede. Eingeschlossen in ihm findet man Kryställchen 
von Apatit, Quarzkörnchen und Rutil in sagenitischer Aggregation. 
Stellenweise beginnt er sich lamellenweise in Chlorit umzuwandeln. 
Der Feldspath ist zum stark überwiegenden Theile Orthoklas in grossen 
unregelmässigen Körnern, gelegentlich nach dem Karlsbader Gesetze 
verzwillingt. Sehr schön entwickelt sind, fleckenweise begrenzt, myr- 
mekitische und schriftgranitische Verwachsungen von Quarz und 
Örthoklas. Quarz erscheint sonst in ähnlicher Form wie der Ortho- 
klas, zeigt aber gelegentlich Neigung zur Formung einzelner Krystall- 
flächen (Dihexaeder). Das Gestein ist reich an Erz, und zwar Kıy- 
ställchen von Magnetit und Pyrit; letzterer ist auch makroskopisch 
viel sichtbar. Secundär tritt Caleit auf. 

Die Gesteine vom Grünsee und Weissbachthale können ihrer 
Zusammensetzung nach als Quarzglimmerdiorite bezeichnet 
werden. Gegenüber dem Tonalit, der ja auch ein Quarzglimmerdiorit 
ist, besitzen sie aber immer noch einen viel basischeren Charakter, 


86 Dr, W. Hammer. [22] 


da der Tonalit viel mehr Quarz und Orthoklas enthält. Auch der 
Glimmergehalt ist beim Tonalit grösser, der Hornblendegehalt kleiner, 
der Diorit vom Pludersee ist ein gewöhnlicher quarzführender Diorit. 


Anhang. 
Contactgesteine. 


Bei der Untersuchung dieser Eruptivgesteine wurden in mehreren 
Fällen auch Proben der umgebenden Gesteine untersucht, um even- 
tuelle Contactwirkungen festzustellen. 


Unter den Fundorten der ersten. Gruppe Nenn 
phyrite) wurden derartige Untersuchungen beim Gang- an der Töll 
(Egartbad) und bei denen am Erzknott im Weissbachthale gemacht, 


Ein Schliff vom Contactrande des Egartganges zeigt, dass Eruptiv- 
sestein und Gneiss vollkommen scharf von einander absetzen; die 
Schieferung des Gneisses steht ungefähr senkrecht zur Grenzfläche. 
Der Schiefer ist makroskopisch ein sehr feinkörniger, biotitreicher 
Gneiss. Unter dem Mikroskope sieht man folgende Zusammensetzung: 
Quarz in kleinen, oft parallel Aer Schieferung gestreckten Körnern, 
oft mit starken Druck- und Quetscherscheinungen — er ist reich an 
Gas- und Flüssigkeitseinschlüssen ; der Glimmer ist vorwiegend Biotit, 
weniger Muscovit; Feldspath (Orthoklas und Plagioklas) ist ziemlich 
reichlich vorhanden. Kleine Granatkörnchen, selten etwas Apatit ist 
auch zu sehen; Structur und Zusammensetzung sind die normalen 
eines Gneisses, beide bleiben im ganzen Schliff bis zur Contactlinie voll- 
kommen gleich. Granat ist durchwegs in allen krystallinischen Schiefern 
dieser Gegenden mehr weniger reichlich vorhanden und kann daher 
nicht als Contaetproduet angesehen werden. Auf die Veränderung, welche 
der Töllit in seiner Randfacies.zeigt, wurde schon früher hingewiesen. 
An einer Stelle dringt er auch in feinen Apophysen ein ganz kurzes 
Stück in den Schiefer an kleinen Klüften ein. — Die Grenze des 
Ganges gegen den Schiefer besteht an der Ost- und Westseite theil- 
weise aus Verwerfungsflächen und Rutschflächen, im Norden und 
Süden dagegen sind die Schichtflächen des Gneisses Grenzflächen. 
Der Schliff ist von einer Stelle im nordöstlichen Eck, wo Schiefer und 
Porphyrit normal (nicht an einer Rutschfläche) aneinander gelöthet 
sind. Im Süden (SW) bildet ein in den Gneiss eingelagertes gering- 
mächtiges Pegmatitlager die Grenze. Eine Gneissprobe aus der 
Umgebung des Ganges zeigt ganz das gleiche wie der Contactschliff; 
ein feinkörniger Gneiss, Biotit etwas weniger, aber immer noch vor- 
waltend. Bei der Aufnahme des ganzen Gebirges wurde auch der 
Gneiss an der Reichsstrasse an der Töll untersucht und auch dieser 
zeigt einen feinkörnigen Gneiss ganz vom oben beschriebenen Habitus 
(Biotit ist hier wieder sehr stark vorherrschend, Granat einzeln und 
in lagenreicher Anreicherung). 

Ks sei hier bezüglich des Mangels von Contactmetamorphose 


[23] Porphyrite und Diorit aus den Ultenthaler Alpen. 87 


an die Beobachtung Becke’s !) erinnert, dass die Gänge des Isel- 
thales, welche analog dem Egartgange körnig struirte Centralmasse 
und porphyritische Randfacies besitzen, auch keinerlei Contactmeta- 
morphose an den Schiefern hervorgerufen haben, während die nicht 
mit einem porphyritischen Sahlband ausgestatteten Tonalitkerne der 
Rieserferner eine solche Aenderung der Schiefer hervorgebracht haben. 
Auch die dioritischen Gesteine am Grünsee zeigen, wie weiter unten 
beschrieben werden wird, Contactumänderungen der Schiefer. 

Aus der Gegend der Weissbrunneralpe wurden mikroskopisch 
Proben untersucht: nahe dem Contacte eines Ganges am Erzknott, 
vom Contacte eines Ganges im Weissbachthale und das Gestein in 
der weiteren Umgebung der Gänge des Weissbachthales (vom Ein- 
gange des Thales). 

Das Gehänge des Erzknott und der untere Theil des Weiss- 
bachthales bestehen aus einem quarzreichen phyllitischen Gesteine 
von rostbrauner Verwitterungsfarbe. Auf den Spaltflächen sieht man 
grosse feingefältelte oder ausgewalzte Muscovitlamellen, meist rostig 
oxydirt; im Querbruche sieht man eine äusserst feinkörnige bis dichte, 
sraue, feinschiefrige Gesteinsmasse, aus der dort und da Granat- 
körner hervortreten. Diese Schiefer gehören den untersten Horizonten 
der den Ulten—Vintschgaukamm in seiner Höhe beherrschenden 
Granatphyllite und Granatglimmerschiefer an. Gegen Westen nimmt 
dieser starke Granatgehalt ab, ist aber immer noch regionenweise 
in verminderter Intensität vorhanden, so auch hier. 

U. d. M. sieht man lagerweise Anordnung der Bestandtheile. 
Lagen von Quarz in fast einschlussfreien Körnern zu fein verzahnten 
Asgregaten geschart — selten sieht man auch Flaseraggregate von 
fast isodimensionalen kleineren Körnern — wechseln mit solchen 
von Glimmer. Die zusammenhängenden Glimmerflasern werden haupt- 
sächlich von Muscovit gebildet; in ihnen sowie zwischen den anderen 
Lagen tritt auch Biotit in kleinen Schüppchen auf. Durch Färbung 
mit Anilinblau zeigte sich bei dem Gesteine aus der weiteren Um- 
gebung der Gänge im Weissbachthale, dass auch Lagen von Feld- 
spath vorhanden sind, der äusserst feinkörnig und oft zersetzt ist 
und keine Zwillinesbildung zeigt. Das Gestein vom Erzknott zeigt 
keine Feldspathe. 

In dem Gesteine aus der weiteren Umgebung im Weissbach- 
thale fanden sich ausser dem obgenannten Mineralbestande längliche 
Kryställchen von Turmalin von grünlichbrauner Farbe und Kryställchen 
von Andalusit (Färbung blassröthlich, fleckig bis farblos), beide in 
geringer Menge. Ihr Auftreten kann wohl auch als Zeichen einer 
Contactmetamorphose angesehen werden, da sie sonst in diesen Ge- 
steinen nicht auftreten. Dagegen zeigt das Gestein nahe dem Oontacte 
am Erzknott keine derartigen als Contactwirkung zu deutenden Er- 
scheinungen. Die Quarzlagen zeigen schöne Fältelungen und die 
grossen Granaten eigenthümliche, nahezu S-förmige Zersprengungs- 
spalten, die mit secundärem Quarz ausgefüllt sind, als Wirkung des 


1) F. Becke, Petr. Studien am Tonalit des Rieserferner. Tscherm. Min. 
Mitth. XIII. Bd., pag. 430. 


88 Dr. W. Hammer. ‚ua [24] 


Faltungsdruckes. Ein auf die Einwirkung der Eruptiva verweisender 
Umstand ist der, dass hier und im Weissbachthale sowohl die Por- 
phyrite als auch die umgebenden Schiefer reich an Pyrit sind, daher 
ja auch der auf alte Schürfungen deutende Name Erzknott. 

Die Porphyrite im Weissbachthale durchbrechen die Schiefer 
quer zu deren Schieferung. Ein Schliff vom unmittelbaren Contact 
zeigte einerseits das durch die ganze Masse gleichmässig zusammen- 
gesetzte Eruptivgestein (sehr feinkörnige Grundmasse mit Einspreng- 
lingen von zonar gebauten Feldspathen mit sehr basischem Kerne, 
von grüner Hornblende und Biotittäfelchen), andererseits den Schiefer 
und zwischen ihnen eine Trümmerzone. Der Schiefer zeigt ganz die 
für diese Schiefer normale Zusammensetzung: sehr viele Lagen von 
Quarz in oft länglichen, feinzackig ineinandergreifenden Körnern, 
dazwischen Glimmerflasern, aus Biotit und Muscovit und sec. Chlorit 
bestehend; auch Feldspathe wurden beobachtet. Die Mittelzone be- 
steht aus Schiefertrümmern, die das Aussehen der eben beschriebenen 
Schiefer haben und starke Zertrümmerung und undulöse Auslöschung 
der Quarze zeigen. Zwischen die Trümmer dringt der Porphyrit ein 
und die Grenze von Porphyrit und Schiefer ist unscharf; an der 
Grenze tritt stellenweise ein wirres Aggregat von Glimmer und Quarz 
auf. !) Im Porphyrit sieht man in den Adern zwischen den Trümmern 
auch Granate. 

Es sind hier also viele Erscheinungen einer starken dynamischen 
Beanspruchung der Grenzzone vorhanden, aber solche einer deutlichen 
Contactmetamorphose fehlen. | 

Wie schon oben erwähnt, treten deutlichere Contactbildungen 
bei den Dioriten der „Neuen Welt“ auf. Die den Diorit am Grossen 
Grünsee umgebenden Schiefer haben schon makroskopisch ein von 
den sonstigen Phylliten des Thales abweichendes Aussehen. Die 
schiefrige Structur ist verschwunden, das Gestein ist sehr fein- 
körnig, von violettgrauer Farbe, unregelmässig fleckig, durch An- 
reicherung von Quarz auch weisslich. In grosser Masse sieht man 
winzige Biotittäfelchen aufblitzen, die in ihrer lagenweisen An- 
reicherung die ursprüngliche Phyllitstructur andeuten. Auch unter dem 
Mikroskop sieht man lagenweise Anordnung; es wechseln grosskörnige 
Lagen von Quarz (reich an äusserst feinen Einschlüssen) und Feld- 
spath (ohne Zwillingsbildung, Lichtbrechung geringer als Quarz) mit 
sehr kleinkörnigen Lagen in ausgesprochener Pflasterstructur, vor- 
wiegend aus Feldspath (hier auch Plagioklase mit Zwillingslamellirung) 
und daneben auch Quarz. Im ganzen Gesteine in lagenweiser An- 
reicherung und in Nestern der blassgefärbte Biotit, der auch sehr 
häufig in Schwärmen von winzigen Kryställchen im Quarz und Feld- 
spath eingeschlossen vorkommt. 

Nach dem Vorschlage Salomon’s2) könnte man das Gestein 
als Hornfelsgneiss bezeichnen. 


‘) In der Mittelzone treten auch eng verzahnte Aggregate grosser undulös 
auslöschender Quarzkörner auf, die durch ihre einheitliche krystallographische 
Umgrenzung den Charakter von Pseudomorphosen haben. 

°) W. Salomon, Ueber Alter, Lagerungsform und Entstehungart der peri- 
adriatischen, granitisch-körnigen Massen, Wien 1897, pag. 41. 


[25] Porphyrite und Diorit aus .den Ultenthaler Alpen. 89 


Bei dem Diorit an der Thalstufe ober dem Grünsee gegen das 
Weissbrunnerjoch hinauf ist, wie schon bemerkt, der Schiefer rand- 
lich zertrümmert und diese Trümmer schwimmen im Diorit, der 
eine vom inneren Theil der Dioritmasse stark abweichende Rand- 
ausbildung zeigt. Er ist feinkörnig und von weisser Farbe; dort 
und da treten Muscovitblättchen hervor. ‘ Der Schiefer ist sehr fein- 
körnig, die Schieferung ist noch erkennbar; seine Farbe ist dunkel- 
bräunlich, ähnlich den Contactschiefern am Grünsee. Die Schliffe 
zeigen als Bestandtheil des Eruptivgesteines: 'Feldspath, stark zer- 
setzt, theilweise als Andesin erkennbar; Quarz und Muscovit; also 
eine aplitische Randfacies. Gegen den Rand zu nimmt der Quarz- 
gehalt etwas zu, gleichzeitig treten hier auch Biotittäfelchen auf, die 
grösstentheils schon gebleicht sind und nur fleckenweise und an ihrem 
Rande noch die ursprüngliche Farbe zeigen. Die Grenze gegen den 
Schiefer ist unscharf, die Bestandtheile beider greifen ineinander. 
Dieser Schiefer besteht im Wesentlichen aus einem wirren, gelegent- 
lich auch strahligen Aggregat von Glimmer, der grösstentheils in 
beginnender oder schon vollendeter Umwandlung in Chlorit sich be- 
findet (Farbe blassbläulichgrün, beziehungsweise blassgrünlich), stellen- 
weise mit Sagenit und dadurch auf Biotit deutend; die noch frischen 
Theile zeigen auch Biotit und daneben auch noch Muscovit. Magnetit 
und Limonit ist reichlich verstreut im Gesteine. Spärlich nester- 
weise geschart finden sich kleine Körner von Quarz und einem nicht 
verzwillingten Feldspath. Ausserdem sind aber noch Andalusit in 
krümeligen Körneraggregaten und grosse blassrothe Granaten vor- 
handen. 

Bei diesem Diorit auf der Thalstufe ober dem Grossen Grün- 
see tritt zwischen Diorit und Schiefer dann noch eine Randbildung 
auf, die als endomorphe Contactbildung des Diorits anzusehen sein 
dürfte. Dieses Gestein erscheint makroskopisch ziemlich grobkörnig 
mit schwacher Andeutung einer Lagenstructur. Man sieht in einer 
sraulichen Grundmasse zahlreiche Biotittäfelchen in regelloser Stellung, 
durchschnittlich 2—3 mm im Durchmesser messend; einzelne Tafeln 
erreichen aber auch 6—8 mm Durchmesser. U. d. M. sieht man 
eine eigenartige Structur. Theilweise sind sehr grosse, unregelmässig 
geformte Körner von Feldspath da, theils Nester und Flasern von 
ganz kleinen, annähernd isodimensionalen oder kurz rechteckigen 
abgerundeten Körnern. Ausserdem sind Schwärme kleiner Feldspathe 
vorhanden, die in jenen grossen eingeschlossen sind und durch ihre 
ovale Form auffallen (Taf. III, Fig. 6). Die grossen Feldspathe zeigen 
stark entwickelte Zwillingsbildung. Nach der symmetrischen Aus- 
löschungsschiefe sind es Labradore. Auch die Nester aus kleinen 
und mittleren Körnern bestehen aus Plagioklas. Jene Schwärme 
ovaler Feldspathkörner aber sind Orthoklase und zeigen keine oder 
nur einfache Zwillinge, ihr Lichtbrechungsvermögen ist kleiner als 
das der umschliessenden Feldspathe. Bei der Färbung mit Anilinblau 
färbten 'sie sich nur sehr wenig, während die anderen sich stark 
färbten. Auch manche grosse Feldspathe zeigen keine Zwillings- 
bildung, dagegen eine fleckige Auslöschung, so dass die einzelnen 
Flecke bei gekreuzten Nicols sich ziemlich scharf abgrenzen; ohne 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (W. Hammer.) 12 


90 Dr. W. Hammer. [26] 


Nicol verschwinden sie. Man kann aber Uebergänge sehen von diesen 
fleckigen Feldspathen zu solchen, wo das Individuum bereits in Körner 
sich auflöst und diese sich wiederum in jene Schwärme ovaler Körner. 

Gelegentlich liegen in diesen Aggregaten auch kleine Plagioklase 
eingeschlossen; auch in die grossen Plagioklase dringen die kleinen 
dann und wann in ähnlicher Weise ein, wie jene kleinen Orthoklase. 
Diese verschiedenen Feldspathe bilden die Hauptmasse des Gesteines; 
als weiterer Bestandtheil ist der Biotit hervorzuheben, der reichlich 
in grossen Blättchen auftritt. Die Absorptionsunterschiede sind sehr 
stark, die Zweiachsigkeit deutlich sichtbar, der Achsenwinkel also 
relativ gross. Auch in den Biotiten finden sich jene ovalen Orthoklas- 
körner eingeschlossen. In dichten Schwärmen tritt dann grüner Spinell 
in sehr kleinen rundlichen Körnchen, oft vergesellschaftet mit einem 
schwarzen Erze auf. Zirkon ist in den Feldspathen oft zu sehen; 
als secundärer Gemengtheil, auf Klüften und in Nestern, ist Muscovit 
zu nennen. 


Studien in den Tertiärbildungen des Tullner 
Beckens. 
Von Dr. O. Abel. 


Mit 4 Profilen im Text. 


Einleitung. 


Die vorliegenden Mittheilungen bilden einen Theil der Ergebnisse 
der geologischen Aufnahme des Tertiärgebietes am Aussensaume der 
Alpen, welche in den Blättern der österr.-ungar. Specialkarte Tulln, 
Baden— Neulengbach, St. Pölten und Ybbs im Maößstabe 
1:25.000 in den Jahren 1900—1902 durchgeführt wurde. 

Da ich mit der raschen Durchführung der kartographischen Auf- 
nahme der genannten Blätter beauftragt war, so konnte den benach- 
barten Tertiärgebieten nicht jene Aufmerksamkeit geschenkt werden, 
die zu einer übersichtlichen Darstellung und gründlichen Untersuchung 
des gesammten Tertiärgebietes zwischen der böhmischen Masse und 
der Flyschzone nothwendig gewesen wäre. Aus diesem Grunde können 
auch die folgenden Ausführungen nicht als eine Monographie dieses 
ganzen Gebietes gelten; sie sind nur die Resultate flüchtiger Be- 
gehungen am Aussenrande der Alpen. 

Das untersuchte Gebiet ist bisher nur geringer Aufmerksamkeit 
gewürdigt worden. Mit Ausnahme der Mittheilungen über die Melker 
Schichten, welchen wegen ihrer besseren Aufschlüsse und ihrer Fossil- 
führung mehr Beachtung geschenkt wurde, liegen über das übrige 
Tertiärgebiet nur dürftige Angaben vor; seit C2jZek!) und Hauer?) 
sind die Tertiärbildungen am Aussensaume der Alpen nicht eingehender 
studirt worden, und über die Oncophora-Schichten bei St. Pölten und 
Traismauer hat Bittner?) erst vor wenigen Jahren eine kurze Mit- 
theilung veröffentlicht. 


') J. C2jZek, Geologische Zusammensetzung der Berge bei Mölk, Mautern 
und St. Pölten in Niederösterreich, Jahrb. d. k. k geol. R.-A. IV, 1853, 2. Heft, 
pag. 264—283. — Die älteren Anschauungen CzjZek’s über den geologischen 
Bau dieses Gebietes sind niedergelegt in den „Erläuterungen zur geognostischen 
Karte der Umgebungen Wiens“, Wien 1849, 

®) F. v. Hauer, Ueber die Eocängebilde im Erzherzogthume Oesterreich 
und in Salzburg. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. IX, 1858, pag. 103. 

®9) A. Bittner, Ueber das Auftreten von Oncophora-Schichten bei St. Pölten 
und Traismauer in Niederösterreich. Verh, d. k. k. geol. R.-A. 1896, pag. 323—325. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 1, Heft. (Dr. O. Abel,) 12* 


92 Dr. O. Abel. [2) 


Aus diesem Grunde ist denn auch die Stratigraphie dieser 
Bildungen bisher unaufgeklärt geblieben. Gerade in dem Gebiete 
zwischen der Erlauf und der Donau ist jedoch eine Reihe von Auf- 
schlüssen vorhanden, welche uns in die Lage versetzen, der Frage 
nach dem Alter dieser Tertiärbildungen näherzutreten. Leider sind 
die meisten Glieder der Tertiärablagerungen des Tullner Beckens 
fossilleer oder sehr fossilarm, so dass sich der genaueren Erforschung 
‘dieser Bildungen grosse Schwierigkeiten entgegenstellen. Diese 
Schwierigkeiten werden noch durch die mächtige Lössdecke ver- 
mehrt, die den grössten Theil der Tertiärbildungen verhüllt. 

Während CZjZek die Tertiärschichten des Tullner Beckens 
als Aequivalente der II. Mediterranstufe des Wiener Beckens be- 
trachtete, kam Hauer zu einem wesentlich anderen Ergebnisse; er 
hielt die gesammte Reihe. der -Conglomerate, Sande, Sandsteine, 
Schiefermergel und Braunkohlen für eocän. Jedenfalls ist sein 
Scharfblick hervorzuheben, mit dem’ er erkannte, dass die Tertiär- 
bildungen des Tullner Beckens’ nicht eine verschiedene Facies der 
Miocänbildungen des Wiener Beckens, sondern ältere Ablagerungen 
darstellen.. 

Die Melker Tertiärschichten wurden schon vor längerer Zeit 
als Aequivalente der aquitanischen Molterschichten erkannt, soweit 
dies die Tegelbildungen mit Cerithium margaritaceum, ©. plicatum, 
Östrea fimbrioides u. s. w. ‘betraf; der weisse Melker Sand selbst 
wurde als ein jüngeres Glied angesehen, das mit der oberen Ab- 
theilung der Horner Schichten in Parallele zu stellen sei. Indessen 
wurde kein Versuch unternommen, die Beziehungen der Melker 
Sande und Sandsteine zu den Mergeln des Tullner Beckens 
zu verfolgen. 

Dagegen wurde von Hauer (Geologische Vepbrerehiäkame ae 
österr.-ungar. Monarchie nach den Aufnahmen der k. k. geologischen 
Reichsanstalt, Blatt I und II (Böhmen), Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 
1869, XIX, pag. 54) darauf hingewiesen, dass der Schlier des Tullner 
Beckens durch allmälige Uebergänge, auch Wechsellagerungen, mit 
dem Sande und Sandsteine aufs Innigste verbunden ist. Diese‘ Sande 
und Sandsteine gehören, wie später von A. Bittner gezeigt wurde 
(Verh. d. k. k. geol. R.-A. 1896, pag. 323), den Oncophora-Schichten 
an, welche über dem Schlier liegen. Die organischen Reste der 
Tertiärbildungen des Tullner Beckens stellt Hauer im Jahre 1869 
den marinen Schichten des Wiener Beckens an die Seite und hebt 
hervor, dass namentlich die Fossilien aus dem Schlier von Ottnang 
eine grosse Uebereinstimmung mit jenen aus on Tegel von Baden 
zeigen. 
Mit dem Schlier, welcher auf der ae schen Karla mit den 
Tertiärbildungen des inneralpinen Wiener Beckens‘ vereinigt wurde, 
verbindet Hauer die Quarzschotter und Conglomerate in .der Um- 
gebung von Münzkirchen (Passau SO), die Sandsteine vom Perg und 
W allsee, die Sande von Linz ‘und die Melker Schichten, „welche 
theilweise den tieferen Schichten des ausseralpinen Wiener Beckens 
entsprechen“. 

Dagegen liegen die mächtigen Schotter- und Conglomeratbänke, 


[3] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. "93 


des Hausruckgebirges, die Decke der dort so mächtig entwickelten 
Lignitflötze, in nahezu horizontalen Schichten über dem Schlier. 
(Hauer, l. c. pag. 55.) Gümbel parallelisirt diese Süsswasser- 
ablagerungen mit der oberen Süsswassermolasse Bayerns und der 
Schweiz. Hauer hat sie als Belvedereschotter bezeichnet. In .der- 
selben Arbeit erwähnt Hauer, dass E. Suess in den steil aufge- 
richteten Tertiärschichten von Starzing, welche die Lignite ein- 
schliessen, Melettaschuppen auffand und dass in dieser Gegend dem- 
nach wohl am ehesten ein Analogon mit der schweizerischen Anti- 
klinallinie nachzuweisen sein wird. 

- Die Neuaufnahme der Specialkarte. der. Umgebung von Wien 
im Maßstabe 1:75.000 führte D. Stur im Jahre 1889—1890 auch 
in das Tertiärgebiet ‘am Aussensaume der Alpen. Leider starb Stur 
vor Herausgabe der Karte, zu welcher Paul und Bittner im Jahre 
1894 die Erläuterungen verfassten. 

Nach dieser Karte gehören die Mergel und .Sandsteine. des 
oberen Donaubeckens derselben Zeit an wie. die Leithakalkbildungen 
des inneralpinen Wiener Beckens. Stur unterscheidet nur eine 
Mediterranstufe ‚auf seiner Karte und bezeichnet die Mergel des 
oberen Donaubeckens als „Schlier“, dem er also das Recht einer 
selbständigen Stufe abspricht und ihn als Aequivalent der Leitha- 
kalkbildungen des inneralpinen Wiener Beckens betrachtet. Ausser- 
dem . unterschied er „Sand und Sandsteine des Donaubeckens“, die 
er in dieselbe Zeit stellte wie den „Schlier“ dieses Gebietes, ferner 
das „Sotzkaconglomerat“ und die „„Sotzkakohlen- und Hangend- 
schichten“. 

Südlich von der Donau unterschied Stur eine Partie dieses 
„Sotzkäconglomerates“ bei Königstetten, am Einsiedlberg und Heu- 
berg zwischen Siegersdorf und Sieghartskirchen, endlich einen längeren 
Zug. zwischen Elsbach bei Ried und Neulengbach. Ueber diesem 
aquitanischen Oonglomerate folgen nach Stur die „Sotzkakohlen- und 
Hangendschichten“, die sich unmittelbar an den Aussensaum der Flysclı- 
zone anschliessen; äuch sie gehören nach Stur der aquitanischen 
Stufe an und sind älter als der „Schlier“ und der „Sand und Sand-. 
stein des oberen Donaubeckens“. 

In den Erläuterungen zur Karte Stur’s bemerken Paul und 
Bittner (pag. 19), dass „positive Beweise* für die Richtigkeit der 
Parallelisirung dieser Gebilde mit den „Sotzkaschichten“ nicht vor- 
liegen, manche Gründe, deren nähere Erörterung hier zu weit führen 
würde, vielmehr gegen eine solche Deutung sprechen, so dass die- 
selbe. vorläufig als eine provisorische bezeichnet werden muss. 

„Mit mehr Wahrscheinlichkeit als die vorhergehenden können 
die „Sotzkakohlen- und Hangendsehichten“ der aquitanischen ‚Stufe 
zugezählt werden.“ 

. Es ist sehr bedauerlich, dass die Gründe gegen die Auffassung 
Stur’s von den Verfassern der Erläuterungen nicht in diesen selbst 
geltend gemacht worden sind. Gerade das Buchbergeonglomerat, 
wie ich das Sotzkaconglomerat Stur’s nannte, ist dem Alter. nach 
in der Hauptsache richtig gedeutet, doch reicht es, -wie ich später 


94 Dr. O. Abel. [#] 


zeigen werde, noch in das Mitteloligocän und Unteroligocän und 
bildet das unmittelbare Hangende des Greifensteiner Sandsteines. 


Bittner hat das Verdienst, die „Sande und Sandsteine des 
oberen Donaubeckens“ als Oncophora-Schichten erkannt zu haben. 
Er bemerkt zwar in seiner Mittheilung nichts darüber, dass die 
Sande und Sandsteine, die Stur auf der Karte Tulln und Baden— 
Neulengbach vom Schlier trennte, eine Fortsetzung der Oncophora- 
Schichten seien, welche er bei St. Pölten und Traismauer nachweisen 
konnte; die Sande und Sandsteine des Haspelwaldes bilden jedoch 
die Fortsetzung der Vorkommnisse von St. Pölten und es ist nun- 
mehr möglich geworden, die Oncophora-Sande bis Judenau zu ver- 
folgen, 

Die Oncophora-Schichten gehen ganz allmälig aus dem „Schlier* 
hervor. Es besteht keine Discordanz zwischen den Oncophora-Sanden 
und den Mergeln des Donaubeckens; die Oncophora-Sande bilden also 
die obere Grenze des „Schlier“. 

Dies war im Wesentlichen der Stand der Kenntnisse über das 
Gebiet, als ich im Jahre 1900 mit dem Studium der Tertiärbildungen 
südlich von der Donau begann. Nördlich von der Donau hatte ich 
im Waschberggebiete über den Nummulitenkalken und den Sand- 
steinen von Bruderndorf einen Mergel kennen gelernt, der schon 
von Hauer und später von E. Suess!) als eocän und von Rzehak?) 
als obereocän oder unteroligocän bezeichnet worden war. Stur da- 
gegen zog auch diesen Mergel zu seinem neogenen „Schlier“. 


Südlich von der Donau bilden die Mergel und Sandsteine von 
Königstetten die unmittelbare Fortsetzung der Mergel aus dem 
Waschberggebiete und sie gehören, wie ich im Folgenden nachzu- 
weisen versuchen werde, ebenfalls dem Alttertiär, zum Theil jedoch 
auch dem Untermiocän an; weiter gegen Westen wird es sehr schwer, 
die älteren und jüngeren Schichten dieser Mergel auseinanderzuhalten, 
so dass bis jetzt keine genaue Verbreitungsgrenze der alttertiären 
Mergel gegen Westen festgestellt werden konnte. Die jüngeren ober- 
oligocänen und untermiocänen Mergel und Sandsteine gewinnen schon 
im Gebiete von Neulengbach die Oberhand. 


Es mag darum angebracht sein, für diese Gruppe von Mergeln 
und Sandsteinen, welche unvermerkt aus dem Alttertiär in das untere 
Miocän übergehen, die Bezeichnung „Schlier“ zu vermeiden und statt 
dessen von den „Mergeln und Sandsteinen des Tullner Beckens“ zu 
sprechen. 


’) E. Suess, Untersuchungen über den Charakter der österreichischen 
Tertiärablagerungen. I. Ueber die Gliederung der tertiären Bildungen zwischen 
dem Mannhart, der Donau und dem äusseren Saume des Hochgebirges. Sitzungsber. 
d. a Akad. d. Wiss. Wien LIV. Bd. d. math.-naturwiss. Cl, I. Abth., Juni- 
heft 1866. 


’) A. Rzehak, Die Foraminiferen des kieseligen Kalkes von Niederholla- 
bruun und des Melettamergels der Umgebung von Bruderndorf in Niederösterreich. 
Annalen des k. k. naturhist, Hofmuseums in Wien III, 1888, pag. 257—269. — 
Die Foraminiferenfauna der alttertiären Ablagerungen von Bruderndorf in Nieder- 
österreich mit Berücksichtigung des angeblichen Kreidevorkommens von Leitzers- 
dorf. Ebenda 1891, pag. 1-12. 


[5] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 95 


Ich vermeide es, auf die Besprechung der rostgelben Quarz- 
schotter längs den Ufern der Donau, welche offenbar den Belvedere- 
schottern homolog sind, im Folgenden näher einzugehen, da dieselben 
keine Rolle bei der Frage nach dem Alter der älteren Tertiärbildungen 
spielen. In der vorliegenden Schrift wurden nur folgende Glieder 
der Tertiärbildungen des Tullner Beckens besprochen: 


. Die schieferigen Mergel und Sandsteine des Tullner Beckens. 
. Die Blockmergel und Conglomerate von Königstetten. 

. Das Buchbergconglomerat. i 

. Die Melker Schichten. 

. Die Oncophora-Schichten. 


{Be u SU So Bug nn 


I. Uebersicht der tertiären Randbildungen des Tullner 
Beckens. 


1. Die schieferigen Mergel und Sandsteine des Tullner Beckens. 


Die Hauptmasse der Tertiärbildungen, welche dem Aussensaume 
der Flyschzone in dem untersuchten Gebiete vorgelagert sind, besteht 
aus äusserst fossilarmen, sandigglimmerigen Mergeln, welche in 
frischem Zustande bläulich oder leberbraun gefärbt sind, verwittert 
jedoch weisslich werden. Die weisse Farbe des Ackerbodens auf den 
Abhängen, deren Ackerboden aus einiger Entfernung eigenthümlich 
sefleckt aussieht, ist das bezeichnendste Merkmal dieses Gebietes, 
und zwar namentlich im nordöstlichen Theile des Tullner Beckens. 
Schon E. Suess hat dies im der Gegend von Stockerau, Leitzersdorf, 
Haselbach, Niederfellabrunn, Maisbirnbaum u. s. f. beobachtet; wir 
finden diese weissen Abhänge wieder in der Gegend von Nikolsburg 
in Mähren und südlich von der Donau am Aussenrande der Flysch- 
zone. Je weiter wir nach Westen schreiten, desto mehr verliert sich 
die Sterilität des Bodens, die weissen Flecken auf den Gehängen 
werden seltener, die ganze Gegend nimmt den landschaftlichen 
Charakter des Wiener Waldes an, es stellt sich — wie z. B. im 
Haspelwalde — statt der grasigen dürren Gehänge ein dichter Wald 
ein, und während der verschiedene landschaftliche Charakter zwischen 
dem Flyschgebiete und der Region der weissen Mergel die Ver- 
folgung der Grenzen ungemein erleichtert, sind wir in der Gegend 
von Neulengbach, Böheimkirchen, Wilhelmsburg, Kilb, Purgstall und 
weiter gegen Westen kaum im Stande, in dem von dichter Vegetation 
bedeckten Gebiete die genaue Abgrenzung der Tertiärbildungen von 
der Flyschzone durchzuführen, zumal da der petrographische Charakter 
der tertiären Mergel und Sandsteine, wenn wir sie einmal in einem 
Regenrisse oder einer Schlucht zu Gesichte bekommen, immer flysch- 
ähnlicher wird. 

Der bläuliche oder leberbraune Mergel ist in der Regel schieferig; 
die einzelnen Schichten sind oft papierdünn, selten mehr als 5 cm 
stark. Das Gestein ist in den Aufschlüssen, welche lange Zeit hin- 
durch den Einflüssen der Witterung preisgegeben sind, sehr stark 


9 R 0 © .Dr.:O. Abel. Br: [6] 


zerklüftet, so dass es oft kaum möglich ist, 'ein grösseres Handstück 
zu schlagen; häufig trifft man an Steilrändern, an welchen der schie- 
ferige Mergel aufgeschlossen ist, das Gestein noch in einer Tiefe 
von 1—2 m vollständig verwittert und zerklüftet. Die scharf- 
kantigen Splitter, in welche das Gestein zerfällt, sind sehr bezeich- 
nend und das Vorhandensein derartiger 'splitteriger Bruchstücke : in 
Maulwurfshügeln ist .oft auf. grosse Strecken hin das einzige An- 
zeichen des Untergrundes. 

Häufig schalten sich in den schieferigen Mergeln Sandsteinbänke 
ein, welche in einzelnen Gegenden; wie im Haspelwalde, schliesslich 
den schieferigen Mergel vollkommen verdrängen. Es scheint dies-für die 
obere Abtheilung der Mergel, welche allmälig in die Oncophora- 
Schichten übergehen, besonders charakteristisch zu sein. 

Da wir am Aussensaume der Flyschzone in verschiedenen Gruppen 
der Tertiärablagerungen Sandsteine entwickelt finden, welche durch- 
wegs fossilleer sind, so mag es vielleicht von einigem. Werthe sein, 
die Verschiedenheiten hervorzuheben, welche die verschiedenen Sand- 
steine in verwittertem Zustande erkennen lassen, -da dies oft ein 
Fingerzeig für die kartographische Aufnahme ist. Die Verschieden- 
heiten bestehen im Folgenden: I 

1. Sandsteine der Flyschzone. Am Aussensaume des unter- 
suchten Gebietes fast ausschliesslich Inoceramenschichten (obere 
Kreide); der angebliche Zug von Greifensteiner Sandstein. südlich 
von Böheimkirchen, welchen Paul den Alttertiärzug von Pyhra und 
Furth nennt, besteht der Hauptsache nach aus cretacischen Gesteinen. 

Am Aussenran de der Flyschzone schwarze, weiss- 
geaderte kalkige Sandsteine sowie feinplattige, gelbe 
oder gelbgraue Sandsteine (ähnlich dem Steinitzer 
Sandstein) vorherrschend. Stets in eckige,- grosse, 
scharfkantige Blöcke zerfallend, kleinere Trümmer 
in der Regel von rhomboedrischer Form, auch als Ge- 
schiebe die Kanten beibehaltend. 

2. Sandsteine des Haspelwaldes (Oberoligocän und 
Untermiocän), Einlagerungen in den schieferigen Mergeln bildend. 

Meistfeine, graue, glimmerreiche, weiche, bröcke- 
lige Sandsteine Zu unregelmässig begr enzten Trüm- 
mern verwitternd, nie in scharfkantige Stücke zer- 
fallend. Stets gebankt, 

3. Sandsteine von Melk, Kirchstetten, Neulengbach 
(Oberoligoeän und Untermiocän). In der Regel rein weisse, 
mürbe, grobe, glimmerarme Quarzsandsteine, manch- 
mal hellgelb gefärbt, oft mit schwarzen Streifen und 
dunkelgefärbten Coneretionen. — Stets zu gerundeten 
Blöcken verwitternd, welchesich schliesslich in grobe 
Sande auflösen, niemals in scharfkantige Trümmer 
zerfallend. Sehr selten gebankt. 

4. Sandsteine der Oncophor a-Schichten (Mittelmiocän). 
Von den Sandsteinen des Haspelwaldes kaum zu unterscheiden. 

Nur an sehr wenigen Stellen ist es gelungen, Versteinerungen 
in den schieferigen Mergeln zu finden. Es liegen bis jetzt einige 


[7] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 97 


stark verdrückte Exemplare einer Brissopsis vor, welche der Brissopsis 
Ottnangensis sehr nahe steht, mehrere schlecht erhaltene Pteropoden, 
unbestimmbare Fragmente verschiedener kleiner Bivalven und Gastro- 
poden, Solenomya cfr. Doderleinii von Mechters bei St. Pölten und 
eine Platte mit ungefähr 150 Exemplaren der Nucula placentina aus 
dem Flussbette der Ybbs bei Kemmelbach. 

Die Verbreitung dieser schieferigen Mergel und der mit ihnen 
wechsellagernden Sandsteine südwärts von der Donau ist folgende: 


Sie beginnen am Aussensaume der Flyschzone bei Königstetten 
am Tullnerfelde, fallen hier in SO unter die Blockschichten ein, 
welche der Flyschzone unmittelbar vorgelagert sind, und setzen in 
den Auberg bei Sieghartskirchen fort; bei Flachberg deuten nach 
Hauer Gerölle und Quarzsand das Vorhandensein von Conglomeraten 
an; ich konnte in dieser Gegend nichts mehr davon wahrnehmen; 
Flachberg selbst, eine kleine Ortschaft südlich von Tulln auf der 
Höhe des Heuberges, liegt auf einer Lössscholle.' 

Am Nordwestabhange gegen Judenau beobachtete ich an mehreren 
Stellen in den mit den schieferigen Mergeln wechsellagernden weichen 
Sandsteinen ein Fallen in SO, während im südlichen Theile des 
Auberges nordwestliches und nördliches Fallen Regel ist. CZjZek 
beobachtete nahe der Spitze des Auberges ein Streichen in Stunde 5 
und Fallen nach N 70°, in der Nähe von Sieghartskirchen Streichen 
hora 6, Fallen N 15°, an einer zweiten Stelle Fallen N 70%. Es 
scheint somit der Auberg eine grosse Synklinale zu bilden; dann 
schliesst sich gegen die Flyschzone eine Antiklinale an, da am Flysch- 
rande selbst südöstliches Fallen ganz allgemein zu beobachten ist. 

Auf der Höhe des Auberges finden sich glimmerige, weiche, 
plattige, gelbliche Sandsteine, welche an gewisse Gesteinsvarietäten 
der cretacischen Sandsteine des Wiener Waldes erinnern, aber un- 
zweifelhaft dem schieferigen Mergel eingelagert sind. 


Die Terrainformen des Auberges erinnern sehr an die Gegenden 
aus dem Wiener Walde; der thonige Waldboden, die Armuth an Quellen 
und die tief eingerissenen Schluchten verleihen der Gegend einen 
Charakter, wie wir ihn aus dem Wiener Sandsteingebiete kennen. 
Die Quellen sind in dieser Gegend selten, da das Regen- und 
Schmelzwasser auf der thonigen Verwitterungschichte abläuft, ohne 
in die Tiefe zu dringen. 

In den Hohlwegen, welche von der Denksäule im Dietrich- 
stein’schen Forst gegen SW herabführen, trifft man sehr steil gestellte 
Mergelschichten an, die zuerst fast saiger stehen und sich dann weiter 
südlich steil nach NW neigen; von hier an geht das im nördlichen Ge- 
biete des Auberges vorherrschende südliche und südöstliche Fallen 
in ein gegen Süden immer flacher werdendes Fallen in NW und 
N über. 

In den Tegellagen, welche den Mergellagen untergeordnet sind, 
findet man in den Hohlwegen, die gegen Henzing und Wagendorf 
herabführen, langgezogene verdrückte Kalkseptarien, weiter thalwärts 
folgen ähnliche Gesteinstypen, wie wir sie in den Auspitzer Mergeln 
bei Nikolsburg und nördlich von der Thaya antreffen. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 58. Band, 1. Heft. (Dr. O. Abel.) 13 


98 Dr. O. Abel. | | [8] 


Am Kuhberge, östlich von Sieghartskirchen, findet man wieder 
hellgraue schieferige Mergel, welche stark zerknittert sind und mit 
Sandsteinbänken abwechseln; das Fallen ist 5° in NW. Höher oben 
trifft man wieder weiche ungeschichtete Sandsteine an, welche linsen- 
förmige Einschaltungen von Schottern und Conglomeraten enthalten; 
die Gerölle stammen ausschliesslich aus der Flyschzone. 

Westlich von Sieghartskirchen setzt sich der schieferige Mergel 
auf den Heuberg fort und wird hier nördlich von Conglomeraten und 
Blockschichten begrenzt. Südlich von Siegersdorf, zwischen diesem 
Orte und Asperhofen, ist ein Streifen der Mergelschiefer entblösst; er 
wird weiter gegen Grabensee zu von den Oncophora-Sanden verdeckt, 
tritt aber bei Grabensee wieder hervor und bildet von hier an einen 
breiten Streifen, welcher parallel zum Aussenrande der Flyschzone 
nach Westen zieht, zwischen Umsee und Elsbach den nördlichen 
Rand des 14 km langen Conglomeratzuges bildet, welchen ich den 
Buchbergzug nenne, zwischen Umsee und Dorfern bei Siebenhirten 
auf eine Strecke von über 11 km den nördlichen Rand des Streifens 
der Melker Sande und Sandsteine am Aussenrande der Flyschzone 
begleitet und von hier an gegen Westen unmittelbar an die letztere 
anstösst, soweit dies bisher verfolgt werden konnte, also bis in die 
Gegend südlich von Amstetten. 

Der nördliche Theil dieses Streifens von schieferigem Mergel 
und den Sandsteinen des Haspelwaldes wird grossentheils von den 
Oncophora-Schichten verdeckt, über welche wieder eine mächtige 
Schichte von Löss ausgebreitet liegt. An einigen Stellen tritt jedoch 
der schieferige Mergel wieder hervor, namentlich in Bacheinschnitten 
und in tiefen Hohlwegen; eine grösser®@ Entblössung findet sich 
zwischen Rassing am rechten Ufer der Perschling und Thalheim und 
zieht sich südlich bis über Pönning hinaus; eine weitere Entblössung 
finden wir bei Murstetten am Nordabhange des Haspelwaldes, eine 
dritte bei Hasselbach und westlich von Würmla am Königsberg; 
endlich sind mehrere Aufschlüsse zwischen Pottenbrunn und Unter- 
Grafendorf zu nennen. 

Vom Plattenberg und Kollerberg (zwischen St. Pölten und Böheim- 
kirchen) zieht sich eine zusammenhängende Partie von Mergel und 
Sandstein bis zur Flyschzone und wird schräge von dem rechtsuferigen 
diluvialen Steilrande der Traisen abgeschnitten. Dieser Streifen von 
Mergeln spitzt sich nach Südwesten zu und. endet bei Ochsenburg 
an der Traisen. 

Bei Pyhra ist am rechten Perschlingufer eine ziemlich hohe 
Steilwand aufgeschlossen, an welcher der Mergel sichtbar ist; er fällt 
hier südöstlich unter den Wiener Sandstein ein. 

Hauer führt an (l. ec. pag. 34 d. S.-A.), dass östlich von Pyhra 
gegen den Wiener Sandstein zu ein feingeschichteter und leicht 
zerfallender Mergel aufgeschlossen ist, welcher Schichten von gelb- 
lichbraunem Kalk mit weissen Spathadern und röthlichen Hornstein- 
kugeln enthält. Leider ist es mir nicht möglich gewesen, dieses 
interessante Vorkommen wieder aufzufinden. 

Der linksuferige Steilrand der Traisen schliesst allenthalben 
von Pappenberg bis St. Pölten den schieferigen, bläulichen Mergel 


[9] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 99 


auf; bei-St. Pölten fand sich eine Brissopsis speec., sehr ähnlich der 
der Brissopsis Ottnangensis, und an der Galgenleiten zahlreiche stark 
verdrückte Pteropoden, wie sie sich auch in dem Kalkmergel von 
Mechters finden, hier begleitet von einer Solenomya, ähnlich der 
S. Doderleinii. Da eine ähnliche Form sich auch in den Niemtschitzer 
Schichten findet!) und kürzlich von J. Dreger?) aus den Schichten 
von Häring in Tirol beschrieben wurde, darf wohl dem Vorkommen 
von Solenomya cfr. Doderleinii keine besondere Bedeutung für die 
Beurtheilung des Alters der Mergel von Mechters beigelegt werden. 

Brissopsis cfr. Öttnangensis fand ich noch am rechtsuferigen 
Steilrande der Pielach bei Völlerndorf und erhielt ein Exemplar dieses 
Seeigels von Herrn W. Bernhard, Bürgerschullehrer in St. Pölten, 
welcher dasselbe in dem Eisenbahneinschnitte der Localbahn Sanct 
Pölten—Ober-Grafendorf ebenfalls in der Nähe von Völlerndorf auf- 
sefunden hatte. 

In dem Gebiete zwischen Pielach und Traisen ist der schieferige 
Mergel mit einer mächtigen Lössschichte bedeckt. An einigen Stellen 
tritt zwischen dem Mergel und dem Löss ein Schotter zu Tage, 
welcher quartären Alters ist und als eine quartäre Ablagerung der 
Pielach und Traisen anzusehen ist. Er enthält viele Flyschgeschiebe 
und daneben zahlreiche Trümmer von Gesteinen der nordalpinen 
Kalkzone. 

Der Mergel ist am rechtsuferigen Steilrande der Pielach überall 
gut aufgeschlossen. 

Bei St. Pölten ist der Mergel in dem Eisenbahneinschnitte der 
Westbahn gut entblösst und man sieht, besonders deutlich bei Regen- 
wetter, eine flache Antiklinale mit nordöstlichem Streichen. In der 
Ziegelei von St. Pölten, südlich vom Rangirbahnhof, ist der Schlier 
heftig gefaltet und zerknittert. Es ist dies umso auffallender, als die 
Steilränder der Pielach und Traisen den Mergel in horizontaler Lage- 
rung zeigen. Etwas Aehnliches sehen wir bei Kemmelbach am rechten 
Ufer der Ybbs, wo der Mergel stark gefaltet ist, während er in dem 
ganzen Gebiete zwischen Wilhelmsburg und Purgstall a. d. Erlauf 
vollkommen horizontal liegt; erst unmittelbar am Aussensaume der 
Flyschzone ist er wieder heftig gefaltet und fällt überall südöstlich 
unter den Wiener Sandstein ein. 

Bei St. Pölten wird der Mergel im Eisenbahneinschnitte von 
quartärem Schotter überlagert. Im Prater von St. Pölten verschwindet 
er unter den Oncophora-Sanden. Das Gleiche sieht man bei Wanzen- 
dorf. Bei Afing, Watzelsdorf, Gerasdorf und Prinzersdorf tritt der 
Mergel in kleineren Partien unter der Lössdecke hervor; zwischen 
Hafnerbach, Pfaffing, Zendorf, Weinzierl und Windschnur ist eine 
grössere Partie von Mergel erhalten; hier tritt er ganz nahe an die 
böhmische Masse heran. 


!) A. Rzehak, Die Niemtschitzer Schichten. Ein Beitrag zur Kenntnis 
der karpathischen Sandsteinzone Mährens. Verh. d. naturf. Vereines in Brünn 
XXXIV. Bd., 1896. 

?) J. Dreger, Ueber die unteroligocänen Schichten von Häring und Kirch - 
bichl in Tirol mit einem Verzeichnisse der bisher von dort bekannten Lamelli- 
branchiaten. Verh, d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 845. 

18? 


100 Dr. O. Abel. [10] 


Am Südabhange der Lochau bei Loosdorf sieht man den Mergel 
unter die Blockschichten einfallen, welche eine Bank von Ostrea fim- 
brioides Rolle enthalten. 

Südlich von der böhmischen Masse tritt die Lössdecke immer 
mehr zurück und verschwindet im Erlaufthale fast gänzlich. Bei 
Kilb und Oberndorf sind grössere Schollen von Löss vorhanden, 
sonst aber ist überall der Mergel entblösst; der Streifen, welche sich 
von Inning bis zur Flyschzone erstreckt, erreicht eine Breite von 
75 km. 

Auf die Urgebirgsarten, welche die böhmische Masse zusammen- 
setzen, greift der Mergel an keiner Stelle hinauf, sondern wird 
hier von den fossilleeren weissen Sanden und Sandsteinen von Melk, 
den fossilführenden Schichten von Pielachberg u. s. w. oder Block- 
bildungen abgelöst. 

Das Gebiet, welches sich zwischen dem Melkflusse und der Erlauf 
ausdehnt, ist ungemein einförmig gebaut. Die Oncophora-Schichten 
fehlen vollständig und der ganze Streifen von Tertiärbildungen zwischen 
der böhmischen Masse und dem Aussensaume der Flyschzone besteht 
aus dünnschieferigen, hellgrauen oder blaugrauen Mergeln mit härteren 
Zwischenlagen von dunkelgrauen Mergelkalken und Sandsteinbänken. 
Ein schönes Profil, welches die steil in SO fallenden Mergelschichten 
aufschliesst, ist südöstlich von Oberndorf am Melkflusse zu beob- 
achten. Der Mergel ist hier sehr sandig, mürbe, von hellgrauer Farbe 
und rostroth gefleckt. Sehr schön aufgeschlossen sind die Mergel- 
schichten in einer tiefen Schlucht, durch welche ein Wildbach in 
nordsüdlicher Richtung gegen das „Lehen“ abfliesst. Die Schichten 
streichen hier 0'100 N und fallen 65° in S. Bei einer kleinen Mühle 
in der Schlucht trifft man, im Bache abwärts nach N fortschreitend, 
dünnplattige Sandsteine, harte, geäderte Kalksteine und dunkle, sehr 
harte Mergel an, welche Flyschcharakter besitzen. Bei dem auf der 
Karte im Maßstabe 1:25.000 verzeichneten Bauernhause am linken 
Bachufer am Ausgange der Schlucht gelangt man in ebenfalls 
SO fallende Mergel und Sandsteine, welche den oben beschriebenen 
petrographischen Charakter zeigen; die Sandsteine sehen anders 
aus als die Flyschsandsteine und gleichen vollkommen jenen des 
Haspelwaldes. 

Wir befinden uns hier offenbar an der so selten sichtbaren 
Grenze zwischen den Mergeln des Tullner Beckens und dem Flysch. 
Trotz des günstigen Aufschlusses ist es indessen ganz unmöglich, die 
genaue Grenze festzustellen; alle Schichten liegen vollständig con- 
cordant, eine Discordanz zwischen dem Flysch und dem 
oligocänen Mergelist nicht wahrzunehmen. 

Bei Böheimkirchen ist ein ganz ähnlicher Aufschluss an der 
Flyschgrenze zu beobachten, wo am rechten Ufer des Stoissingbaches 
bleigraue harte Mergelkalke unter dem Flysch einfallen. 

Die Unmöglichkeit einer scharfen Trennung zwischen den jün- 
geren tertiären Mergel und dem Flysch legt den Gedanken nahe, 
ob nicht ein Theil der Flyschgesteine am Aussensaume der Flysch- 
zone, welche bisher als cretacisch angesehen wurden, jünger ist und 
vielleicht dem Unteroligocän angehört. Auch einige andere Aufschlüsse 


[11] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 101 


in dem .noch nicht vollständig kartirten Gebiete westlich von der 
Erlauf lassen dieselbe Vermuthung aufkommen. Ein sicheres Urtbheil 
in dieser wichtigen Frage ist noch nicht möglich und es muss die 
Entscheidung darüber weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben. 


2. Die Blockmergel und Conglomerate von Königstetten. 


Im Tullner Becken ist dem Aussensaume der Flyschzone, welcher 
hier von den Wolfpassinger Schichten Stur’s (= Inoceramenschichten 
Paul’s) gebildet wird, eine mächtige Ablagerung fossilleerer, schieferiger 
Mergel vorgelagert, welche vereinzelte Sandsteinbänke enthalten. Geht 
man von der Kirche von Königstetten am Tullner Felde bergwärts gegen 
Südosten, so gelangt man zuerst in Sandsteine, welche in SO einfallen 
und mit bleigrauen oder bläulichen, verwitternd weisslichen Mergel- 
schiefern wechsellagern, ganz ebenso, wie wir dies im Gebiete des 
Waschberges und Michelsberges in der Gegend von Niederfellabrunn 
und Niederhollabrunn antreffen. N 

Weiter gegen das Gebirge fortschreitend, kommen wir in ein 
Gebiet, in welchem sich die Sandsteinbänke allmälig verlieren und 
nur der lichtbäuliche splitterige Mergel aufgeschlossen ist. Dann wieder- 
holt sich die Wechsellagerung von Sandsteinen und Mergelschiefern 
neuerdings, rostgelb gefärbte mürbe Partien von Sandstein schalten 
sich häufiger ein, auch lockere Sande treten auf, welche alle in SO 
unter den Tulbingerkogel einfallen. 

Je weiter wir gegen den Tulbingerkogel emporsteigen, desto 
häufiger werden die Sandsteinbänke, die hier schon 70—80 cm stark 
werden, und statt der Mergel stellen sich gelbe Sande ein. Die 
letzteren werden mit der Annäherung an den Gebirgsrand immer 
sröber und an der Oberfläche der Schichtbänke sieht man häufig 
Schotterlagen, welche Rollstücke bis zu Taubeneigrösse führen, und 
eanz allmälig verwandelt sich auf diese Weise der Sandstein in ein 
Conglomerat. Schliesslich gelangen wir in grosse Blockanhäufungen, 
in welchen namentlich Granitblöcke häufig sind; einige von diesen 
Blöcken sind mehrere Centner schwer. Daneben kommen auch zahl- 
reiche gerollte Flyschgesteine vor. 

Ein sehr grosser Block von grobem grauen Granit liegt am 
Nordabhange des Tulbingerkogels in den sogenannten Rennauen; 
möglicherweise ist dies einer jener Blöcke, die schon C2jZek kannte. 
In den „Erläuterungen zur geognostischen Karte der Umgebungen 
Wiens“, pag. 10, gibt C2jZek an, dass „auf der Mittelhöhe zwischen 
Königstetten und dem Tulbingerkogel* mehrere zum Theil schon zer- 
störte grosse Blöcke eines feinkörnigen grauen Granits nebst vielen 
kleineren Geschieben von ähnlichem Granit, Gneiss und Glimmer- 
schiefer zu finden sind. Der grösste Block, den ich fand, mass 3 m 
in der Länge und ebensoviel in der Breite; er ragte 1'5 m weit 
aus dem Boden einer Vertiefung hervor, die vor mehreren Jahren 
angelegt worden war, um den Block abzubauen. Er mag früher be- 
deutend grösser gewesen sein, da man an seiner Oberfläche zahl- 
reiche Sprenglöcher wahrnehmen kann. 

Es scheint jedoch, dass dieser Block nicht wohl als anstehendes 


102 Dr. O. Abel. [12] 


Gestein gedeutet werden kann, wie dies für das Granitvorkommen 
des Waschberzes bei Stockerau gilt, sondern dass er als loser Block 
in den Blockanhäufungen vor der Flyschzone eingebettet ist. Indessen 
spricht wohl das häufige Auftreten von Granit, Gneiss, Glimmer- 
schiefer u. s. w. dafür, dass zur Zeit der Ablagerung der Block- 
schichten ähnliche Klippen archäischer Gesteine aus dem Meere 
emporragten, wie sie sich heute noch am Waschberge bei Stockerau, 
am Michelsberge und Praunsberge erhalten haben und dort aus den 
obereocänen Nummulitenkalken auftauchen. 

Bei der Grabenmühle südöstlich von Königstetten befindet sich 
hart an der Flyschgrenze ein Kohlenflötz, in welchem vor Jahren 
geschürft wurde, das aber gegenwärtig nicht abgebaut wird. Die 
Lagerung dieses Braunkohlenflötzes in den Blockmergeln in Ver- 
bindung mit Sandsteinen, Mergelschiefern u. s. w. ist genau dieselbe, 
wie wir sie in der Gegend von Alt-Ruppersdorf westlich von Falken- 
stein, unweit der niederösterreichisch - mährischen Grenze, antreffen; 
auch mit den Braunkohlenflötzen von. Hagenau und Starzing ist eine 
Aehnliehkeit der Lagerung vorhanden, da auch dort die Flötze in SO 
unter den Flysch einfallen, während unter den Braunkohlen das 
Buchbergeonglomerat liegt. Wie wir dort sehen werden, ist die 
Lagerung eine überkippte und es ist sehr wahrscheinlich, dass wir 
auch hier an gleiche Verhältnisse zu denken haben. 

Der Streifen von. versteinerungsleeren, schieferigen Mergeln 
nimmt gegen Westen stark an Breite zu, während gleichzeitig die 
Blockschichten, Conglomerate und Sandsteine immer mehr zurück- 
treten. Die Längserstreckung der blockführenden Schichten von 
Königstetten beträgt 22 km, die Breite kaum 0'8 km. 


3. Das Buchbergeonglomerat. 
a) Der Buchbergzug. 


Dem Kreideflysch, welcher den Aussensaum der Flyschzone in 
dem Abschnitte zwischen Sieghartskirchen und Ollersbach bildet, ist 
ein Streifen von Conglomerat vorgelagert, welcher dem Aussensaume 
der Alpen parallel ist und bei einer Breite von 2 km (in der Gegend 
von Gschwend quer über den Buchberg) eine Gesammtlänge von 17 km 
besitzt. Der höchste Punkt dieses Zuges wird vom Buchberge nord- 
östlich von Neulengbach gebildet, dessen Spitze 464 m hoch ist und 
sich über den Thalboden der grossen Tulln 250 m erhebt. 

Von der Höhe des Buchberges gewinnt man einen guten Ueber- 
blick über die hügeligen Tertiärketten, welche den Sandsteinen des 
Wiener Waldes vorgelagert sind, sowie über das weite Tullner Feld, 
das bis an den linksuferigen Wagram der Donau reicht und im Nord- 
westen und Norden von den Melker, Kremser und Meissauer Bergen 
umrahmt wird. 

Das Conglomerat des Buchberges ist in der Regel rothbraun 
gefärbt und besteht fast ausschliesslich aus gerundeten Geschieben, 
welche aus der Flyschzone stammen. Vorwiegend trifft man dunkle, 
weissgeaderte Sandsteine an, daneben Mergel und Quarzgerölle, selten 


[13] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 103 


auch Granit, Glimmerschiefer und Gneiss. In der Regel sind die 
grösseren Geschiebe von der Grösse eines Hühnereies; an manchen 
Stellen, so an der von CZ2jZek angegebenen Stelle in einem Hohlwege 
an der Südwestseite des Buchberges, trifft man sehr grosse, mehrere 
Centner schwere Blöcke von Wiener Sandstein an, die nur geringe 
Spuren von Abrollung erkennen lassen. Das Bindemittel der Ge- 
schiebe ist fast immer ein grober Quarzsand. Zwischen den einzelnen 
Bänken des Conglomerats finden sich häufig Schnüre von Thon, 
welche stark gewunden und verknittert sind; unregelmässig begrenzte 
Blöcke von solchen geschichteten Thonmergeln sind in dem Conglo- 
merate nicht selten. 

Sehr häufig findet man in diesen Conglomeraten, namentlich 
in der Gegend von Johannesberg in der Richtung gegen Dörfel und 
in der Umgebung von Kogel bei Starzing, Flyschgeschiebe, die eine 
stark glänzende, wie lackirt aussehende Oberfläche besitzen. Ent- 
weder sind diese Geschiebe flach eiförmig oder linsenförmig und sie 
liegen dann mit ihren Flachseiten den Schichtflächen parallel oder 
sie besitzen stark abgerundete Kanten, welche vertiefte Flächen ein- 
schliessen, so dass diese Flächen wie Fingereindrücke aussehen. 
Der Glanz ist manchmal auf allen Flächen gleich stark, in der Regel 
sind jedoch einige besonders stark geglättet, während die übrigen 
matter erscheinen. Häufig sind die glänzenden Geschiebe zerbrochen, 
verschoben und wieder zusammengekittet und man sieht daraus, dass 
in diesen Fällen die Glättung dem Bruche vorausgegangen sein muss. 

Betrachtet man die Geschiebe mit geglätteten Flächen genauer, 
so sieht man eine grosse Anzahl feinerer und gröberer Kritzen auf 
denselben, die ziemlich parallel verlaufen und sich nur selten schneiden. 

Die Kritzung und Glättung dieser Geschiebe kann wohl nur dem 
Gebirgsdrucke zugeschrieben werden, wobei kleinere Quarzkörner des 
Bindemittels die Glättung bewirkten. Die Concavität der geglätteten 
Flächen einiger Geschiebe scheint darauf hinzudeuten, dass die Pressung 
des Conglomerats sehr stark gewesen sein muss. 

Das Streichen in dem Buchbergzuge ist durchwegs nordöstlich, 
das Fallen bald in NW (NW 55° am Südwestabhange des Buchberges 
in einem Hohlwege), bald in SO (SSO 70° in einem Steinbruche am 
Südende des Buchberges, bei Johannesberg u. s. w.). 

Das Conglomerat, welches ich zur Unterscheidung von den 
bloekführenden Schichten des Waschberggebietes das Buchberg- 
eonglomerat nennen möchte, beginnt westlich vom Elsbache bei 
Hohenwart südlich von Gerersdorf, ist bei Rappoltenkirchen von einer 
Lössscholle verdeckt, taucht bei Ertl und Kreuth wieder aus der- 
selben hervor und zieht von hier in geschlossenem Zuge von 10°5 km 
Länge bis in die Gegend von Ebersberg und Strass westlich von 
Neulengbach. Der westlichste Punkt ist eine Kuppe im Dorfe Baum- 
garten; weiter nach Westen treten am Aussensaume der Flyschzone 
keine Conglomerate mehr auf. 

Das Buchbergeonglomerat scheint eine Anschüttung durch einen 
aus der Flyschzone kommenden Fluss zu sein, welcher in das Tullner 
Becken einmündete. 

Stur bezeichnete diese Conglomeratbildungen als Sotzka- 


104 Dr. O. Abel. [14] 


schichten. Dass diese Deutung sehr wahrscheinlich ist, wird weiter 
unten auseinandergesetzt werden. Indessen dürfen die Blockschichten 
des Waschberggebietes nicht mit dem Buchbergconglomerate ver- 
mengt werden, wie dies durch D. Stur in der geologischen Special- 
karte der Umgebung von Wien geschehen ist. In den von C. M. 
Paul und A. Bittner verfassten Erläuterungen zu dieser Karte, 
die nach dem Tode Stur’s veröffentlicht wurde, wird darauf hinge- 
wiesen, dass „positive Beweise für die Richtigkeit der Parallelisirung 
dieser Gebilde mit den Sotzkaschichten nicht vorliegen, manche Gründe, 
deren nähere Erörterung hier zu weit führen würde, vielmehr gegen 
eine solche Deutung sprechen, so dass dieselbe. vorläufig als eine 
provisorische bezeichnet werden muss. Mit mehr Wahrscheinlichkeit 
können die Sotzkakohlen- und Hangendschichten der Stur’schen 
Karte der aquitanischen Stufe zugezählt werden“. 


Diese Sotzkakohlen- und Hangendschichten Stur’s bestehen in 
dem Gebiete des Tullner Beckens aus Mergeln, Thonen, Sandsteinen, 
Kohlenschiefern und vereinzelten Braunkohlenflötzen. Nach der 
Stur’schen Karte bilden sie einen Streifen, der das Buchberg- 
conglomerat von der Flyschzone trennt, bei Ried beginnt und sich 
bis über Ollersbach nach Westen fortsetzt; nach Stur erreicht 
dieser Zug am Westende des Blattes Baden— Neulengbach (Zone 13, 
Col. XIV, 1:75.000) eine Breite von ungefähr 1700 m. 

Die Braunkohlenvorkommnisse von Hagenau, Starzing, Neuleng- 
bach, Ebersberg und Rappoltenkirchen fallen in diese Zone. Heute 
ist keiner der alten Bergbaue mehr in Betrieb. Die Baue sind ver- 
lassen und verfallen und die Aufschlüsse grösstentheils von Vegetation 
bedeckt. Ich bin daher genöthigt, mich bei der Darstellung dieser 
braunkohlenführenden Schichten und ihrer Beziehungen zum Buch- 
bergceonglomerate auf die Darstellungen C2jZek’s!) zu berufen und 
kann mich nur auf wenige Fossilreste beziehen, die von D. Stur 
gesammelt wurden und in der k. k. geologischen Reichsanstalt auf- 
bewahrt sind. 


Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden in der Gegend 
von Hagenau und Starzing Braunkohlen erschürft, die bald zu einer 
bergmännischen Thätigkeit in diesem Gebiete führten. 


Am rechten Ufer des Starzingbaches wurde eine Reihe von 
Stollen und Schächten angelegt. Die Braunkohle von Hagenau und 
Starzing besitzt eine Mächtigkeit von 3—4, selten 5—6 Fuss; an 
kr Punkte wurde sie mit einer Mächtigkeit von 8 Fuss ange- 
troffen. 

Das Liegende der Kohle ist das Buchbergceonglomerat; stellen- 
weise liegt zwischen dem Conglomerate und der Kohle ein grünlicher 
oder brauner Mergelschiefer. Das Hangende der Kohle bildet ein 
ein weisser, ungleichkörniger, grober Sandstein; zwischen diesem 
und der Kohle ist eine schwarze, glänzende Kruste von bituminösem 
Mergelschiefer vorhanden. 


‘) J. CäjZek, Die Braunkohle von Hagenau und Starzing in Niederöster- 


reich. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. III, 1852, pag. 40. 


[15] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 105 


Das Fallen des Conglomerats betrug nach CZjzek 42° in SO 
in den höheren Horizonten, wurde aber nach unten steiler und zeigte 
an der tiefsten angefahrenen Stelle ein Verflächen von 80%. 

Das Flötz von Ebersberg westlich von Neulengbach liegt über 
dem Buchbergeonglomerate und fällt in SO ein. Die Lagerungsver- 
hältnisse der kohlenführenden Schichten von Neulengbach und aus 
der Gegend von Rappoltenkirchen sind nicht zu ermitteln. 

Wir sehen also in der Gegend von Starzing unter dem Kreide- 
fiysch zuerst Mergelschiefer, dann die weissen, ungleichkörnigen, groben 
Sandsteine einfallen, darunter ein dünnes Band von bituminösem 
Mergel, dann die Braunkohle, wieder ein Band von grünlichem oder 
braunem Mergelschiefer und endlich das Buchbergeonglomerat. 

Es entsteht nun die Frage, ob diese Lagerung der natürlichen 
entspricht oder ob nicht die ganze Serie der Tertiärschichten über- 
kippt erscheint. 

Aus diesem Grunde wollen wir zuerst das Profil durch den 
Buchberg nördlich von Neulengbach betrachten. Gehen wir vom Süd- 
westabhange des Buchberges aus, so sehen wir die Schichten des 
Conglomerats in NW 55° fallen. Links an der Strasse von Neuleng- 
bach—Markt gegen Johannesberg befindet sich ein alter verlassener 
Steinbruch, in welchem Wiener Sandstein, und zwar offenbar der 
Kreideflysch, aufgeschlossen ist; schon Hauer hat auf die Aehnlich- 
keit dieses Sandsteines mit dem Wiener Sandsteine aufmerksam ge- 
macht (l. c. pag. 135). In den weiter oben am Gehänge liegenden 
Steinbrüchen ist dagegen wieder das Südostfallen zu beobachten, 
und zwar in den südlichen ein steileres (70%, in den nordöstlichen 
ein geringeres (50%. Je weiter wir an den südlichen Rand des 
Conglomeratzuges herantreten, desto flacher wird das Einfallen, wie 
bei Starzing, wo das Fallen in SO 420 beobachtet worden ist; hier 
biegen jedoch die Schichten in der Tiefe um und fallen steil 80°. 

Gehen wir von Markersdorf über den Buchberg nach Johannes- 
berg, so durchschreiten wir zunächst hellgraue schieferige Mergel, 
welche südöstlich einfallen, darüber folgt mit gleichem Einfallen 
eine kurze Strecke weit das Buchbergconglomerat, dann wieder der 
schieferige Mergel, noch einmal das Conglomerat, dann folgen grobe 
Sande und Sandsteine, stellenweise vom Conglomerate durch eine 
Lage schieferigen Mergels getrennt, wie bei Oed (nahe dem Wirths- 
hause „zum lustigen Bauern“), immer nach SO fallend, endlich die 
kohlenführenden bituminösen Mergelschiefer und zum Schlusse wieder 
die groben Sande und Sandsteine. 

Zwischen Starzing und Burgstall erhebt sich aus diesen Mergel- 
schiefern, groben Sanden und Sandsteinen über dem Conglomerate 
ein Rücken, der aus Kreideflysch besteht; es sind schwarze Kalk- 
sandsteine mit weissen Kalkspathadern, die besonders im Dorfe Starzing, 
unmittelbar an der Hauptstrasse, links im Strassengraben gut zu sehen 
sind. Hier stösst das Buchbergconglomerat unmittelbar an die Nord- 
seite des Flyschrückens. Südlich von diesem Rücken folgen wieder 
die groben gelben Sande und Sandsteine. An der Strasse von Starzing 
gegen Burgstall sieht man, weun man diese Sande nach SW verfolgt, die 
Flyschsandsteine aus dem Sande emportauchen. Es ist dies die Stelle 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 63. Band, 1. Heft. (Dr. O. Abel.) 14 


106 Dr. O, Abel. [16] 


südlich von Erlaa, wo auch auf der Stur’schen Karte der Vorsprung 
des Kreideflysches in die Tertiärbildungen eingetragen ist; indessen 
ist dieser Flyschsandstein nicht in unmittelbarer Verbindung mit dem 
Aussenrande der Flyschzone, sondern von derselben durch den oben- 
erwähnten groben Sand und Sandstein tertiären Alters getrennt, der 
stellenweise durch Ansammlung grösserer Geschiebe zu einem Con- 
slomerate wird. 


Unmittelbar an den Aussensaum der Flyschzone stossen süd- 
östlich von Burgstall und südlich von Hagenau graue, rostroth ge- 
fleckte Tegel an den Flysch, wie dies besonders am Schönbache, 
der bei Hagenau in die kleine Tulln mündet, gut zu beobachten ist. 
Nicht weit von diesem Aufschlusse ist am rechten Ufer des Baches 
der südöstlich fallende Flyschsandstein in einem niedrigen Steilrande 
entblösst; der Schönbach bezeichnet in seinem nordöstlich ziehenden 
Theile seines Laufes die Grenze zwischen diesem Tegel und dem 
Flysch. 


b) Der Eichbergzug. 


Nördlich vom Buchbergzuge und parallel zu demselben zieht 
ein zweiter Streifen von Conglomeraten dem Aussenrande der Flysch- 
zone entlang. Schon Hauer war das Vorkommen von Conglomeraten 
am Einsiedlberg bei Abstetten bekannt, ebenso die Wechsellagerung 
desselben mit Lagen sandiger Mergel (Hauer, ]. c. pag. 34 des 
S.-A.) — Stur zeichnet auf seiner Karte der Umgebung von Wien 
eine grössere Partie des Flyschconglomerats südlich von Abstetten 
am Eichberge ein, scheidet jedoch die westlich vom Eichberge ge- 
legenen Höhen als Sande und Sandsteine des oberen Donau- 
beckens aus. 

In der That besitzt das Conglomerat, welches petrographisch 
mit dem Buchbergeonglomerate vollständig übereinstimmt und so 
wie dieses fast ausschliesslich aus Flyschgeschieben besteht, eine 
weit grössere Verbreitung, indem es auch die westlich von Loibers- 
dorf gelegenen Höhen fast ausschliesslich zusammensetzt. 


Westlich von Sieghartskirchen gelangen wir nach Ueberschreitung 
der von Löss ausgefüllten Niederung zwischen Abstetten, Judenau und 
Henzing in der Richtung gegen den Heuberg wieder in das Gebiet 
der weissen schieferigen und splitterigen Mergel, welche im Wasch- 
berggebiete bei Stockerau nördlich der Donau entwickelt sind. 


Steigen wir vom Heuberge durch den Adlitzgraben gegen Ab- 
stetten hinab, so gelangen wir in Conglomerate, welche offenbar die 
weissen Mergel unterteufen und welche denselben nördlich vorge- 
lagert sind. 

In einem in den letzten Jahren eröffneten grossen Steinbruche 
bei Dittersdorf ist ein grober Quarzsandstein von gelblicher oder 
blaugrauer Farbe aufgeschlossen, der petrographisch so vollkommen 
mit dem Nummulitensandsteine von Höflein und Greifenstein an der 
Donau übereinstimmt, dass wir ihn ohne Bedenken mit dem Greifen- 
steiner Sandsteine identifieiren können. Die einzelnen Bänke sind 
1—1'5 m mächtig, einzelne erreichen eine Stärke von 2 m. Das 


[17] Studien in den Tertiärbildnngen des Tullner Beckens. 107 


Fallen ist 5— 10° in S gerichtet. Das Zwischenmittel der Bänke ist ein 
grauer schieferiger Tegel mit kleinen Kohlenschmitzen; in der Regel 
sind diese Lagen 20—35 cm stark. Nach oben zu wird der Sandstein 
immer gröber, es stellen sich Conglomeratbänke ein, welche petro- 
graphisch vollkommen mit dem Buchbergeonglomerate übereinstimmen 
und mit dem Sandsteine wechsellagern, endlich tritt der letztere 
ganz zurück und wir treffen das typische geschichtete Buchberg- 
conglomerat an, welches sich von hier angefangen über den ganzen 
Eichberg ausdehnt und über die Steinwand nach Süden zum Heu- 
berge, nach Westen über das Thal der grossen Tulln in den Spital- 
berg und Reitberg fortsetzt. Von hier an lässt es sich über die obere 
Windleiten auf den Hochberg und Reiserberg verfolgen und endet 
in der Gegend von Diendorf am rechten Ufer des Perschlingbaches. 


Südlich von Loibersdorf liegt das Conglomerat, welches haupt- 
sächlich schwarze Kalke, schwarze, weissgeaderte Sandsteine und 
Mergel der Flyschzone in Geschiebeform und daneben Gerölle von 
Urgebirgsgesteinen (namentlich Granit und Gneiss) enthält, auf einem 
stahlblauen, stark eisenschüssigen, kurzklüftigen, stark thonigen 
Mergel, wie er auch stellenweise im Gebiete des Auberges aufge- 
schlossen ist. Daraus geht wohl mit Sicherheit die Aequivalenz des 
Greifensteiner Sandsteines von Dittersdorf mit diesen Mergeln her- 
vor, da beide Schichten concordant unter dem Conglomerate liegen. 


Gehen wir nördlich von Loibersdorf gegen Streithofen, so treffen 
wir das Conglomerat über groben Sanden an. Einzelne Conglomerat- 
schollen liegen noch südlich von Pixendorf auf dem Mitterberge; süd- 
lich davon befinden sich die schon Hauer bekannt gewesenen grossen 
Steinbrüche im Conglomeraät. 


Südlich von Pixendorf im Waldwege über den Mitterberg nach 
Gollarn liegt zu unterst das Conglomerat, dann folgt grober Schotter, 
nach S fallend, feiner Schotter, scharfer Sand, mehrere Sandstein- 
bänke und darüber wieder das Buchbergeonglomerat. 


Der Sand enthält viele vereinzelte Flyschgerölle und unregel- 
mässig umgrenzte Tegel- und Mergelmassen, so wie wir dies am 
Südwestabhange des Auberges bei Sieghartskirchen angetroffen haben. 
Der Mergel ist stark blätterig, von grünlicher oder rothgelber Farbe. 


Gegen Siegersdorf zu treten immer häufiger Blöcke von groben 
srauen und rothen Graniten auf, die westlich von Siegersdorf in 
srosser Zahl am Waldboden liegen; nahe der Spitze des Heuberges 
finden wir den ganzen Waldboden von Granitgrus durchsetzt und im 
Walde ragen an einzelnen Stellen grössere Granitblöcke hervor, die 
bis 4 m im Durchmesser besitzen; ich möchte dieselben für eine 
Fortsetzung der Klippen des Waschberggebietes halten und glaube, 
dass die Spitze des Heuberges von anstehendem Granite gebildet wird. 
Diese Granitklippe und die verschiedenen Klippen des Waschberg- 
sranits bilden zwei der letzten Reste einer früher wahrscheinlich zu- 
sammenhängenden Zone von archäischen Gesteinen, welche den Aussen- 
saum der Flyschzone im Alttertiär begleiteten und von welcher die 
verschiedenen „exotischen“ Blöcke in den Flyschgesteinen und den 
Blockbildungen am Aussensaume der Alpen stammen. 

14* 


108 Dr. ©. Abel. [18] 


Bei meinen Untersuchungen in der Gegend von Kilb traf ich 
in der Flyschzone im Sommer 1902 einen Serpentin an, auf 
welchen ich dadurch aufmerksam gemacht worden war, dass viele 
Strassen in dieser Gegend mit Serpentin geschottert sind, was Paul 
bei seinen Begehungen offenbar übersehen hatte. Der Serpentin ist 
an zwei Stellen entblösst, welche etwa 3 km voneinander entfernt 
sind; der grössere Aufschluss, in welchen ein jetzt verfallender Stein- 
bruch angelegt ist, befindet sich südlich zwischen den Orten Fleisch- 
essen und Schitzen, der zweite kleinere an der Strasse von Kilb 
nach Kohlenberg. Der Steinbruch misst heute noch etwa 10 m im 
Geviert; von einem Blockvorkommen kann wohl nicht die Rede sein, 
da sich der Serpentin im Walde von diesem Steinbruche aus sowohl 
nach Westen wie nach Osten verfolgen lässt, so dass die im NO- 
Streichen liegende Längserstreckung dieses Vorkommens bei 600 m 
beträgt. Der Serpentin wird bei Fleischessen überall von hellgrauen, 
weissgeaderten Kalksteinen umgeben, welche möglicherweise neocomen 
Alters sind. 

Ich bemühte mich, im Streichen das Vorkommen weiter nach 
West zu verfolgen, fand aber bis über Scheibbs hinaus keine Fort- 
setzung. Dagegen fand ich genau im Streichen bei Kohlenberg den 
obenerwähnten zweiten Aufschluss im Serpentin. An der Strasse von 
Kilb nach Kohlenberg trifft man, von Osten kommend, zuerst grau- 
gelbe, weissgebänderte Kalke mit dünnen schieferigen Zwischenlagen, 
dann folgen blutrothe, kurzklüftige Mergelschiefer, graue, dünnblätterige 
Schiefer, dann folgt ein Streifen, der vollständig von Vegetation be- 
deckt ist und in welchem die Zersetzung des Gesteines so weit vor- 
geschritten ist, dass eine Erkennung desselben unmöglich wird; dann 
folgt 3—5 m Serpentin, wieder ein Streifen stark zersetzten Gesteines 
(wahrscheinlich Schiefer), dann folgen weiter wieder die hellgrauen, 
weissgeaderten Kalke. 

Bei einem Bauer in der Gemeinde Kohlenberg sah ich mehrere 
Stücke einer Jaspisbreccie, welche er in jenem Einschnitte gefunden 
haben will; es war mir nicht möglich, das Anstehende dieser rothen 
Jaspisbreccie aufzufinden. Die einzelnen eckigen Trümmer von Jaspis 
waren mit hellen Quarzkrystallen umrandet. Leider liess sich der 
Eigenthümer dieser Stücke nicht bewegen, mir dieselben zu über- 
lassen und ich muss mich deshalb beschränken, auf das mögliche 
Vorhandensein dieses Gesteines in Verbindung mit dem Serpentin 
hinzuweisen. 

Herr Prof. F. Becke hatte die Liebenswürdigkeit, diesen 
Serpentin näher zu untersuchen und theilte mir über denselben 
Folgendes mit: 

„Das Gestein ist ein normaler Serpentin mit Maschenstructur 
und mit accessorischen Pseudomorphosen nach Pyroxen und einzelnen 
Picotitkörnern. Er ähnelt vollkommen den Serpentinen des Wald- 
viertel. An alpine Serpentine ist kein Anklang zu finden.“ 

Es ist möglich, dass hier zwei Klippen von Serpentin vorliegen, 
wenn auch keine sicheren Anhaltspunkte für diese Auffassung aus 
den Lagerungsverhältnissen beizubringen sind. Ich habe diese Auf- 
schlüsse wiederholt besucht, aber nie eine Spur von Contact gefunden. 


19] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 109 


Dieses V.orkommen von Serpentin im Süden von Kilb ist das erste, 
welches bisher aus der ostalpinen Flyschzone bekannt wurde. 

Betreffs der fremden Blöcke von archäischen Gesteinen in der 
Flyschzone möchte ich noch erwähnen, dass ich im Sommer 1900 
zwischen Penzing und Kronstein südlich von Starzing mehrere grosse 
Granitblöcke auffand, jedoch an einer anderen Stelle, als der von 
Czjzek entdeckten. Die sieben Blöcke lagen an der rechten Aussen- 
seite in der Richtung gegen Penzing, bald nach der Abzweigung von 
der Hauptstrasse von Rekawinkel nach Hagenau; sie bestehen aus 
srauem groben Granit. Ausserhalb des Dorfes Penzing ist eine kleine 
Grube von feinem Quarzschotter aufgeschlossen, der möglicherweise 
ein zersetzter grober Greifensteiner Sandstein ist. Die starke Vege- 
tation verhindert, die Verbreitung dieses Quarzschotters festzustellen, 
und ebenso ist ein Urtheil über die Lagerungsverhältnisse nicht 
möglich. } 

Kehren wir zu den Aufschlüssen des Buchbergceonglomerats im 
Eichbergzuge zurück, so sehen wir, dass am südlichen Abhange des 
Königsberges, nordöstlich von Mittermoos, der schieferige lichtblaue 
Mergel hervortritt, welcher in der Gegend von Weinzierl in einen 
feinen thonigen Sand und Sandstein übergeht; der letztere zeigt 
ganz die petrographischen Charaktere der Oncophora -Schichten und 
ist wahrscheinlich mit diesen zu vereinigen. Im Sandsteine: treten 
vereinzelte Flyschgerölle auf. is 


4. Die Melker Schichten. 


Die Tertiärablagerungen der Umgebung von Meik sind von allen 
Gliedern der Tertiärformation, welche die Senkung zwischen der 
böhmischen Masse und der Flyschzone ausfüllen, am besten studirt. 
Schon C2ZjZek!) hat diesen Bildungen seine Aufmerksamkeit zu- 
gewendet, später H. Wolf2), F. PoSepny?°), Th. Fuchs) und 
F. E. Suess°). Neuerdings hat Prof. R. Hödl®) eine sehr eingehende 
Durchforschung des ganzen Gebietes vorgenommen; ich danke deu: 
letzteren viele werthvolle Angaben über Aufschlüsse in diesem Ge- 
biete. Herrn Prof. Hödl, der die Liebenswürdigkeit hatte, bei 
einigen Begehungen mein Führer zu sein, sei dafür an dieser Stelle 
mein verbindlichster Dank ausgesprochen. 


1) J. CZjZek, Geologische Zusammensetzung der Berge bei Melk, Mautern 
und Sf. Pölten in Niederösterreich. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. IV, 1853, 2 Heft, 
pag. 264. 

2) H. Wolf, Geologische Studien beim Baue der Elisabeth- Westbahn 
zwischen Wien und Linz. Verh. der k. k. geol. R.-A. Juli 1858. Ebenda 1859, 
Sitzung vom 22. Jänner, pag. 36. 

»).F. PoSepny, Oligocäne Schichten bei Pielach nächst Melk. Verh. d. 
k. k. geol. R.-A. 1865, Sitzung vom 18. Juli, pag. 165. 

*#) Th. Fuchs, Conchylien aus dem Braunkohlenschurf mit Cerithium mar- 
garitaceum Brocc. bei Pielach nächst Melk. Verh.d.k. k. geol. R.-A. 1868, pag. 216. 

5) F. E. Suess, Beobachtungen über den Schlier in Oberösterreich und 
Bayern. Annalen d. k. k. naturhist. "Hofmus. VI, 3. und 4. Heft, 1891, pag. 407. 

®) R. Hödl, Das untere Pielachthal. Ein Beispiel eines epigenetischen 
Durchbruchsthales. Festschrift zur Feier des- 200jährigen Bestandes des k. k. 
Staatsgymnasiums im VIII. Bezirke Wiens. Wien 1901. 


110 Dr. ©. Abel. [20] 


Das auffallendste Glied der Tertiärablagerungen bilden die weissen 
Sande und Sandsteine des Wachberges. Der Sand ist im nördlichen 
Theile des Wachberges in mehreren Gruben aufgeschlossen; der Tunnel 
der Westbahn ist ausschliesslich durch diesen Sand gegraben. 

In Melk selbst ist durch Brunnenbohrungen in den letzten 
Jahren das Liegende des weissen Sandes angefahren worden; es 
sind dies thonige Lagen mit verdrückten Austernschalen, Cerithium 
margaritaceum und ©. plicatum. Die Reste der Austern, welche mir 
nebst den übrigen Versteinerungen aus der Brunnenbohrung des Brau- 
hauses Herr Prof. P. Chrysostomus Zermann vom Benediectiner- 
stifte Melk zu übergeben die Freundlichkeit hatte, dürften der Ostrea 
fimbrioides Rolle angehören. Am östlichen Ausgange des Wachberg- 
tunnels sieht man im PBahneinschnitte einen mageren, sandigen, 
blaugrauen Tegel aufgeschlossen, welcher Ostrea fimbrioides in zahl- 
reichen Exemplaren enthält, dann Cerithium margaritaceum. Der 
Einschnitt ist gegenwärtig stark verwachsen; am Abhange gegen die 
Reichsstrasse sieht man ebenfalls nichts mehr von diesen Schichten 
und findet nur zahlreiche Scherben der genannten Auster im Erdreich. 

Diese sandigen, blaugrauen Tegel mit härteren Zwischenlagen 
treten auch an anderen Stellen der Umgebung von Melk zu Tage; 
leider sind die meisten Aufschlüsse gegenwärtig verstürzt, so dass ich 
mich auf die Angaben von PoSepny, Fuchs und F. E. Suess be- 
ziehen muss. 

Bei der Grundmühle im Orte Pielach mündet eine Schlucht 
in das Pielachthal, in welcher unter dem Löss die Tertiärbildungen 
zum Vorscheine kommen. Ich lasse hier die Angaben PoSepny’s 
über den Kohlenschurf von Pielach folgen: 

„Etwa 36 Klafter über der Thalsohle befindet sich ein alter 
Schacht, der durch die Kalkconglomeratschicht und durch sandige 
Tegel und Sande ging und in dem 17. Klafter das Kohlengebilde 
erreicht haben sollte. In den Sanden an der Halde findet sich sehr 
häufig Cerithium margaritaceum und einige Schritte im anstehenden 
blauen Tegel Ostrea fimbriata Grat. und Bruchstücke von Arca sp.? 
Fasciolaria sp.? 

„Etwa 10 Klafter unter diesem Punkte in der Schlucht selbst 
teufte man ein Bohrloch ab. Der Bohrer langte nur in eine Tiefe 
von 12 Klafter und man soll in der letzten Klafter bereits die 
schwarzen Schiefer erreicht haben. 

„Unmittelbar an dem Ausbisse, 130 Klafter horizontal vom 
Schachte und 20 Klafter über der Thalsohle, untersuchte man diese 
Kohlenlage mittelst eines Stollens. 

„Der jetzige Bau besteht im Betriebe eines Stollens bei der 
Grundmühle an der Thalfläche, dessen gerader Schlag 50 Klafter 
lang ist. Man durchfuhr zuerst Löss, dann einen Tegel mit Ostrea 
fimbriata Grat. und später einen sandigen Tegel. Ueber die 
Lagerung des Schieferthones hat man keine sicheren Anhaltspunkte, 
doch ist zu vermuthen, dass er entweder horizontal liegt oder flach 
aus dem Berge herausfällt, da der Rücken des Prackerberges bereits 
aus krystallinischen Gesteinen besteht. Dieselben Gesteine reichen 
im N und S bis an das Pielachthal hinab und .die ganze Tertiärpartie 


[21] Studien in den Tertiärbildungen des Tulluer Beckens. 111 


bildet eine ca. 500 Klafter lange und ebenso breite Einbuchtung 
in demselben.“ 

Th. Fuchs besuchte ein Jahr später diesen Kohlenschurf und 
gab im Jahre 1868 eine Mittheilung über die gesammelten Fossilien. 
Es fanden sich in diesen Schichten vor: 


Cerithium margaritaceum Broce. h. 
„  elegans Desh. h. 
fr pliactum Brug. var. intermedium Sandb. h. 
» plicatum Brug. var. multinodosum Sandb. h. 
pr plicatum Brug. var, Sabotti Nyst. 
» plicatum Brug. var. enodosum Sandb, 
„» plicatum Brug. var. pustulatum Sandb. 
4 Lamarckii Desh. 
Turritella sp. (cf. turris Bast.) 
ie sp. (cathedralis Brong.) 
“ sp. (cf. imbricataria Lam.) 
Natica. helieina Broce. 
Melanopsis callosa Braun. 
Corbula carinata Desh. 
Cyrena cf. semistriata Desh. 
Arca cardiformis Bast. h. 
Mytilus Haidingeri Hoern. 
Ostrea fimbrioides (= fimbriata Grat.?) 


Steigt man von Pielachberg gegen den Prackersberg hinauf, so 
trifft man bald neben dem Feldwege unter einer kleinen Gruppe von 
Föhren einen Tegel an, der Scherben von Ostrea fimbrioides Rolle führt; 
höher oben liegt der weisse Melker Sand. Ein anderer Aufschluss 
liegt nordöstlich von Ursprung, in welchem weisse fossilleere Sande 
sichtbar sind, ein zweiter südöstlich von Ursprung bei dem Dorfe 
Thal. Höd] führt an, dass bei Hub unter einem Conglomerate der 
weisse Sand ansteht. Dieses Conglomerat ist wahrscheinlich tertiären 
Alters, da es in der Höhe der Schotter liegt, welche die Decke des 
Wachberges bilden; es ist wahrscheinlich vom selben Alter wie der 
Belvedereschotter. 

Czjzek fand in den Bacheinrissen ; bei Ursprung folgendes 
Profil aufgeschlossen: 


1. 5 Fuss Löss, gelb, thonig. 
Löss, bläulich, sandig. 

2. 1 ,„  Süsswasserkalk, zum Theil aufgelöst und mürbe, 
kreideweiss, mit dünnen Thonlagen. 

3. 2 „  Quarzschotter mit Fragmenten von Ostrea, 

4. 12 kalkig-thonige Schicht mit vielen Conchylien, dar- 
unter Mytilus Haidingeri und Panopaea Menardi (non 
Faujasii Men.), 


5. 3 „ Sand, gelb, feinkörnig, 

„ weiss, feinkörnig, 
6. 1 „ fester Sandstein mit vielen Conchylien, 
Her grober grauer Quarzsand. 


112 Dr. ©. Abel. [22] 


Im Hohlwege von Pielach nach Ursprung fand Hödl eine Bank 
von Ostrea fimbrioides, deren Schalen auch in den Feldern ver- 
- streut sind. 

Oberhalb Ursprung gibt Hödl harte Bänke mit Mytilus Hai- 
dingeri an; dann folgt abwechselnd grober und feiner Grus und nach 
oben hin der feine weisse Sand, 20 m mächtig. 

Geht man in der Richtung von Thal nach Mauer, so trifft man 
auf dem gegen Mauer abflachenden Gehänge des krystallinischen 
Rückens zuerst ein Haufwerk von wohlgerundeten Blöcken und Ge- 
röllen, welche vorwiegend aus Gneiss bestehen; diese Blocklagen 
senken sich nach O und weisse Sande bilden das Hangende dieser 
Schichten. Einige Aufschlüsse dieses weissen Sandes tauchen aus 
dem Löss in der Gegend von Mauer hervor, bei Osang, westlich von 
Graben u. s. w. 

F.E.Suess fand unter den weissen Sanden bei dem Orte Mauer 
Tegel mit Conchylien wie bei dem Orte Sitzenthal. Suess gibt an, 
dass sich der weisse fossilleere Sand von mehr als 20 m Mächtigkeit 
nach unten in groben Granitgrus verwandelt, ähnlich zersetztem Ur- 
gebirge (circa 5 m), dann folgt wieder feiner Grus mit rothen Bändern 
und Knollen von Brauneisenstein (etwa 10 m), welchem einzelne faust- 
srosse Granitstücke eingelagert sind; nach einer zweiten, weniger 
mächtigen Zwischenlage erscheinen harte Bänke mit Mytilus Haidingeri. 

Das Profil von F. E. Suess stimmt mit jenem, welches C2jZek 
mittheilte, nicht überein und es sind offenbar zwei verschiedene Auf- 
schlüsse, über welche diese Angaben vorliegen. In dem von mir 
beobachteten Aufschlusse oben am Abhange westlich von Mauer liegen 
zahlreiche Blöcke und Gerölle von Granit unmittelbar auf den Amphi- 
boliten und Gneissen und die Blockanhäufungen werden von dem 
weissen Sande überlagert. 

Ueberschreiten wir den Pielachfluss, so treffen wir in dem Hohl- 
wege, welcher von Sitzenthal nach Loosdorf führt, zuerst nahe dem 
Steilrande, der von dem linken Ufer der Pielach ausgewaschen ist, 
den weissen feinen Melker Sand, unmittelbar darüber folgt fester 
Letten mit Ostrea fimbrioides, dann ein Band grober Quarzsand mit 
schlecht erhaltenen Conchylienscherben, eine Lage von Tegel mit 
Spuren von Braunkohle (circa 0'5 m), dann fester kalkiger Tegel, 
welcher das Profil nach oben abschliesst. 

In diesem Tegel hat F. E. Suess folgende Versteinerungen ge- 
funden: 

Mytilus Haidingeri hh. 
Lueina sp. 

Venus sp. cf. plicata. 
Oytherea sp. 

Cardium sp. 

Turritella sp.(cf. turris). 


Dieses Profil ist von grosser Wichtigkeit, da es zeigt, das der 
weisse Sand vom Meierhofe bei Sitzenthal die Schichten mit Ostrea 
Jimbrioides unmittelbar unterteuft. Es ist somit festgestellt, dass der 
weisse Melker Sand, der immer als jünger angesehen wurde als die 


[23] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 113 


aquitanischen Schichten mit Cerithium margaritaceum, Oerith. plicatum, 
Ostrea fimbrioides u. s. w., mit den tegeligen Bildungen, welche diese 
Fauna führen, wechsellagert und somit kein wesentlich jüngeres Glied 
darstellt, sondern nur eine verschiedene Facies. Indessen mag ein 
Theil der weissen Sande und Sandsteine auch jünger sein und ein 
Aequivalent jenes Theiles der Horner Schichten darstellen, welcher 
über den Molter Schichten liegt; denn die Schichten von Molt sind 
ohne Zweifel den Schichten von Melk mit Cerithium margaritaceum, 
0. plicatum und Ostrea fimbrioides äquivalente Bildungen. 

Gegenüber von Haunoldstein trifft man am rechten Vielachufer 
gelbe grobe Quarzsande an, welche mit feinen, gleichkörnigen, gelb- 
lichen Sandsteinbänken und groben Schotterlagen wechseln. Dazwischen 
treten Lagen von weisslichgelben blätterigen Mergeln mit Meletta- 
schuppen auf. Das Fallen der Schichten ist sehr flach gegen N ge- 
richtet. Ein kleiner Aufschluss der Sande befindet sich nördlich vom 
Orte Wimpassing am rechten Pielachufer. Bei Windschnur (nordwestlich 
von Sasendorf) treten noch einmal die Sande auf; es ist der östlichste 
Punkt, bis zu welchem man am Rande der böhmischen Masse im Blatte 
St. Pölten die Melker Schichten verfolgen kann. Weiter gegen Nord- 
osten verändert sich der petrographische Charakter der aquitanischen 
Meeresbildungen; es treten nur die schieferigen Mergel in Verbindung 
mit plattigen grauen Sandsteinen auf. 

Der Aufschluss bei Sasendorf ist wahrscheinlich derselbe, den 
schon CZjZek (l. e. pag. 275) erwähnt und von welchem: er die feine 
parallele Streifung, entstanden durch Eisenoxydhydrat, beschreibt. 

Betreten wir das krystallinische Gebiet, das durch das epi- 
genetische Durchbruchsthal der Pielach zwischen Loosdorf und Gross- 
Sirning im Norden und die Westbahnstrecke im Süden begrenzt 
und die Lochau genannt wird, so gelangen wir in dem Hohlwege, 
der nördlich von Rohr die Anhöhe hinaufführt, zu einem sehr 
wichtigen Aufschlusse, den Hödl (l. e. pag. 10) eingehend beschreibt. 
Im Hohlwege selbst finden wir den schieferigen blaugrauen Mergel, 
welcher sich von hier an bis zur Flyschzone ausbreitet. Darüber 
folgt Löss, welcher den Untergrund eine Strecke weit verhüllt, dann 
gelangen wir bei 300 m M.-H. in die alte Strandlinie des aquitanischen 
Meeres. Ueber dem grauen schieferigen Mergel liegt ein brauner 
glimmerreicher Sand, welcher viele unregelmässig begrenzte Knollen 
desselben Mergels enthält, den wir weiter unten im Hohlwege ange- 
troffen haben; diese Trümmer sind von einer rostfarbigen, ziemlich 
dieken Kruste überrindet. Ueber dieser Partie liegt brauner Sand 
mit zahlreichen gerundeten Urgebirgsblöcken, Gneissen, Amphiboliten 
u. Ss. w., welche ausgewaschen und den Abhang hinabgeschwemmt 
werden, so dass man sie auch in grosser Anzahl im Löss findet, 
welcher den schieferigen Mergel im Hohlwege am Südabhange der 
Lochau überlagert. 

Noch höher oben findet man an der rechten Seite des Weges 
in den Blockschichten eine Bank mit zahlreichen Exemplaren der 
Ostrea fimbrioides Rolle, wir haben hier die aquitanischen Bildungen 
über dem grauen schieferigen Mergel entwickelt und es ist also 
kein Zweifel, dass derselbe älter ist als die Blockablagerungen, was 

Jahrbuch d.k.k. geol. Reiclısanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (Dr. O. Abel.) 15 


114 Dr. O. Abel. [24] 


erstens aus der Lagerung und zweitens aus dem Vorhandensein von 
Trümmern dieses Mergels in den höher äm Abhange liegenden Sanden 
hervorgeht. Der Mergel reichte offenbar während der Bildung der 
aquitanischen Strandablagerungen am Abhauge der Lochau bis. in eine 
Höhe von 300 m M.-H. 

Dieselben Blockanhäufungen trafen wir westlich. von Mage: gegen 
Thal zu an; sie sind ferner bei Neuhofen nördlich von Sitzenthal 
am rechten Pielachufer entwickelt, wo sie Hödl in einer Meeres- 
höhe von 305—310 m auffand. Bei Neuhofen treten überdies Tegel 
und Sandlagen wie bei Pielachberg, im Hohlwege von Sitzenthal oder 
am östlichen Ausgange des Wachbergtunnels auf. Ein kleiner Auf- 
schluss von weissem Sand befindet sich unmittelbar bei Loosdorf am 
südlichen Abhange des Mühlberges. 

Am Südabhange der Lochau wie in der Umgebung von Mauer 
trifft man häufig grosse lose Blöcke eines durch quarziges Binde- 
mittel verfestigten grauen, sehr harten Sandsteins an, der ganz erfüllt 
ist mit den Steinkernen von Cardien und zahllosen Exemplaren der 
Oyprina rotundata Braun. Es ist mir nicht gelungen, das Anstehende 
dieses Sandsteins zu ermitteln. Indessen scheint dieser Sandstein 
eine verwandte Bildung jenes Sandsteins zu sein, welchen CZjZek 
bei Ursprung auffand und welcher ebentnile mit Conchylien ganz. 
erfüllt ist. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Fund eines Sand- 
steinblockes in den Blockmergeln am Südwestabhange des Wasch- 
berges bei Stockerau erwähnen. Der petrographische Charakter 
dieses Sandsteins stimmt vollkommen mit jenem der losen Sand- 
steinblöcke der Lochau überein. Die Bivalven sind unbestimm- 
bar; es finden sich vorwiegend kleine Cardien sowie Scherben. 
srösserer Bivalven vor. Ich möchte auf das Auftreten dieses Sand- 
steinblockes in den Blockmergeln des Waschberges grosses Gewicht 
legen, obwohl eine Bestimmung der Versteinerungen nicht möglich 
ist; da jedoch der petrographische Charakter des Sandsteinblockes 
aus den Blockmergeln des Waschberges mit jenen aus der Lochau 
vollkommen übereinstimmt und ich aus dem ganzen ausseralpinen 
Tertiärbecken keine ähnlichen Sandsteine kenne, so ist es doch wohl 
möglich, dass die Blockablagerungen des Waschberges jünger sind, 
als man bisher anzunehmen geneigt war, und vielleicht zeitliche Aequi- 
valente der Horner Schichten, wenigstens der unteren Abtheilung 
derselben, darstellen. Es ist sehr zu bedauern, dass der grosse Block 
vom Waschberge, der in dem gegen Leitzersdorf herabführenden 
Hohlwege lag, bei einem neuerlichen Besuche nicht mehr aufgefunden 
werden konnte, da er entweder von den Steinkarren in den Boden 
gedrückt oder bereits verarbeitet war, so dass nur wenige Stücke in 
der Sammlung der geologischen Reichsanstalt als Belegstücke für 
diesen Fund dienen können. Zwei Aufschlüsse des weissen Melker 
Sandes finden wir bei Rohr südlich von der Lochau, ferner unweit 
der Bahnstrecke südlich von Loosdorf, links von der Strasse, welche 
von Loosdorf nach Inning führt. 

Viel zahlreicher sind die Aufschlüsse im Hiesberggebiete. Geht 
man von Schrattenbruck westlich vom Wachberge gegen den Pöver- 


[25]- Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 115 


dinger Wald, so trifft man an dem nördlichen Abhange desselben 
den weissen und gelben Sand aufgeschlossen. Ein grösserer Lappen, 
theilweise von Belvedereschotter bedeckt, zieht sich hinüber gegen 
Anzendorf; südlich vom Schlosse Schallabure liegt ein grösserer 
Lappen tertiären Sandes, dann treffen wir einen Aufschluss von roth- 
gelb gefärbtem Quarzsand in einem Hohlwege südöstlich von der Spitze 
des Hiesberges („beim Schrollen“), eine kleine Scholle „beim Wasen- 
meister“ und einen grösseren Lappen bei Steinparz. 

Die Senke zwischen der Ruine Sichtenberg und dem Waida- 
berge wird von einem breiten Streifen des Melker Sandes ausgefüllt, 
welcher im Osten unter dem Löss verschwindet und erst bei Löbers- 
dorf wieder aus demselben emportaucht. 

Hödl gibt die Meereshöhe des Melker Sandes am Ostabhange 
des Hiesberggipfels (558 m nach der Specialkarte 1:25.000) mit 
400 m beim Schrollen an; am Östabhange des Waidaberges liegt er 
noch über 330 m; dagegen befindet sich die obere Grenze des Melker 
Sandes am Südabhange = Prackersberges (nördlich von Ursprung) 
bei 380 m. 


Der Hiesberg trägt eine Reihe kleinerer isolirter Lappen von 
weissem oder gelbem Sande, so am Nordwestabhange des Schneider- 
berges zwischen Melk und Winden; eine grössere Scholle liegt 
zwischen Kollapriel, Klauspriel und Grosspriel und wird von einem 
Lappen Belvedereschotters im südöstlichen Theile verdeckt. Dann tritt 
der Sand an den Abhängen, welche den Melkfluss begleiten, zwischen 
Zelking, Matzleinsdorf und Ordning auf; er setzt sich weiter fort 
gegen Hofstetten und Anzenberg, zieht sich zwischen Au und Fachel- 
berg im Westen von St. Leonhard am Forst an dem Südabhange des 
Hiesberges entlang und dehnt sich unter der Lössdecke ziemlich 
weit nach Süden und Südwesten ins Melkthal aus. 


An allen Orten, wo der Sand in grösseren Aufschlüssen zu Tage 
tritt, sind Keller in denselben gegraben. Bei Schlatten ist der Sand 
zu Sandstein verfestigt; hier sind an einem in einem Wäldchen 
emporragenden Felsen "Inschriften angebracht und verschiedene Zeichen 
deuten darauf hin, dass auf der Höhe dieses Felsens eine alte Opfer- 
stätte bestand. Es ist sehr zu wünschen, dass die Bemühungen des 
Postmeisters von St. Leonhard am Forst um die archäologische Er- 
forschung dieser Denkmäler gefördert würden. 

Schreitet man weiter nach Westen, so trifft man in einem 
dichten Fichtenwalde auf eine steil abfallende Wand von ungefähr 
30 m Höhe, welche ganz aus weissem und gelbem ungeschichteten 
Melker Sandstein besteht. In der Hälfte der Wandhöhe befindet sich 
eine. grosse gegrabene Höhle. Trotz der ausgedehnten Aufschlüsse 
des Sandsteines findet man keine Versteinerungen; im weissen Melker 
Sande dieses Gebietes sind überhaupt noch niemals Fossilien ange- 
troffen worden. 

Eine kleine Scholle von Melker Sand findet sich bei Harland 
südlich von Pöchlarn; das rechte Erlaufufer besteht indessen durch- 
wegs aus Gneiss und Granulit und nicht, wie die älteren Aufnahms- 
karten der geologischen Reichsanstalt angeben, aus Tertiärbildungen. 

15* 


116 Dr. ©. Abel. [26] 


Nördlich von der Donau zieht sich eine grössere zusammen- 
hängende Scholle von weissem Melker Sande von Klein-Pöchlarn nach 
Unter-Bierbaum und über das Reiterfeld in die Losau; die südliche 
Grenze ist von Belvedereschotter verdeckt. Eine kleinere Partie 
tritt bei Unter-Thalheim zu Tage. — Bei Klein-Pöchlarn sind unter 
den Sanden marine Blockanhäufungen und Schotter aufgeschlossen. 

Die Grenze zwischen dem Melker Sande und Sandsteine gegen 
die blaugrauen schieferigen Mergel zwischen dem Melkflusse und der 
Erlauf ist keine scharfe, sondern die beiden Bildungen gehen ganz 
allmälig ineinander über. Die Melker Sande werden nach Süden 
zu feinkörniger, verlieren ihre rein weisse oder hellgelbe Farbe und 
werden hellgrau oder bläulichgrau und die Sandsteine banken ‚sich, so 
dass es nur schwer möglich ist, auf der Karte die Grenze zu ziehen. 
Indessen scheint mir dies eine Thatsache von besonderer Wichtig- 
keit zu sein, da sie uns offenbar zeigt, dass der Melker Sand und 
die südlich an ihn anstossenden Mergel nur faciell verschiedene Ab- 
lagerungen desselben Meeres sind; auf den krystallinischen Inseln 
und an ihren Rändern sind die Melker Sande und die Schotter so- 
wie die Blockanhäufungen abgelagert worden, während in weiterer 
Entfernung von der Küste die schieferigen Mergel und da und dort 
schwache Sandsteinbänke niedergeschlagen wurden. 

An einigen Stellen, wie in der Lochau, ist die Ablagerung des 
dünnschieferigen Mergels der Bildung der Melker Sande und der 
Blockanhäufungen vorausgegangen, 

Wir wenden uns nunmehr wieder nach Osten in die Gegend 
von Neulengbach. 

Unmittelbar an der Flyschzone liegt hier ein Streifen von 
groben weissen oder gelben Quarzsanden und Sandsteinen, der aus 
der Gegend von Kogel bei Starzing bis Siebenhirten und Dorfern 
die Flyschzone begleitet. An einigen Stellen, wie bei Reith südöstlich 
von Böheimkirchen oder bei Burgstall am Buchberge, treten tegelige 
Bildungen in Verbindung mit den Sanden auf. Die Sandsteine ver- 
wittern in der Regel zu kugelförmigen Klumpen und zerfallen schliess- 
lich in groben Quarzsand, ganz wie wir dies bei den Melker Sand- 
steinen finden, 

Südlich von Baumgarten ist dem Aussensaume der Flyschzone, 
welcher hier ausschliesslich aus Inoceramenschichten besteht, eine 
Partie von bläulichem oder gelbem groben Sandstein angelagert, 
welcher Foraminiferen enthält. Die Foraminiferen finden sich auf 
den Schichtflächen, welche aus gröberem Materiale als die Schicht 
selbst zu bestehen pflegen. Es sind nur eine Alveolina und mehrere 
Orbitoiden besser erhalten, über welche mir mein Freund Dr. R. 
Schubert Folgendes mitzutheilen die Liebenswürdigkeit hatte: 

„I. Alveolina spec. — Durch ihr spindelförmiges, dünnes Ge- 
häuse an jungeocäne Typen aus Dalmatien (A. bacillum Stache) er- 
innernd. 

2. Orbitoides spec. — Ein corrodirtes Exemplar lässt anscheinend 
hexagonale Mediankammern erkennen; danach dürfte eine Lepido- 
cyclina vorliegen, Dem Aeusseren anderer Exemplare nach zu schliessen, 
könnte Zepidocyelina burdigalensis Gümb. in Frage kommen, die Gümbel 


[27] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 117 


aus „mitteltertiären“ Schichten beschreibt. Lepidocyclina ist bisher 
nur aus dem Öligocän und Miocän bekannt.“ 

Wenn die Orbitoides- Art in der That zur Gruppe der Lepido- 
eyclinen gehört, so ist das aquitanische Alter dieses Sandsteines nicht 
unwahrscheinlich ; jedenfalls ist dieser Form ein grösseres Gewicht bei- 
zulegen als der Alveolina spec. Ist aber der Sandstein aquitanisch, so 
ist es wieder wahrscheinlich, dass er mit den lockeren mürben Sand- 
steinen in Verbindung steht, welche petrographisch vollkommen mit den 
Melker Sandsteinen übereinstimmen. Besonders gute Aufschlüsse in 
diesen Sanden sind der Eisenbahneinschnitt bei Neulengbach (wo H. Wolf 
gelegentlich der Streckenbegehung beim Baue der Westbahn Pecten- 
schalen auftand), die Gegend von Burgstall, Oed und Graben bei 
Starzing, die Gegend von Tausendblum westlich von Neulengbach 
und die Aufschlüsse südlich von Kirchstetten und bei Waasen, wo 
die Sande eine Klippe von Inoceramenschichten umgeben. 

Versteinerungen konnte ich weder in den Sanden noch in den 
Sandsteinen auffinden. Wolf fand nur bei Neulengbach im Eisenbahn- 
einschnitt mehrere Pecten. 

Am Stationsplatze in Neulengbach wurde bei einer Brunnen- 
bohrung eine Teredina aufgefunden, welche Rolle für eine eocäne 
Form hielt. Aus dem Mergelschiefer im Hangenden des Braunkohlen- 
flötzes von Starzing führt Hauer nach der Bestimmung von Prof. 
Suess Schalen von Solecurtus an.!) Im Museum der k. k. geolog. 
Reichsanstalt befinden sich einige stark verdrückte Conchylien von 
Starzing aus dem schwarzen Tegel, welcher die Kohle beeleitet. 
Es liegen vor: Mitra spec. (vom Typus der M. scrobiculata), zwei 
Exemplare einer Voluta, sehr ähnlich der Voluta Haueri (von 
D. Stur als Cassidaria cypraeiformis Bors. bestimmt), Nucula 
spec. und eine grössere, unbestimmbare Bivalve, ferner Zimopsis 
anomala ? (nach einer Bestimmung von Th. Fuchs vom Jahre 1875). 
Auf der Karte Stur’s (aufgenommen 1889—1890) ist bei Starzing 
mediterraner mariner Tegel eingetragen. 

Wenn auch der Erhaltungszustand der Fossilien von Starzing 
viel zu wünschen übrig lässt, so darf man doch aus den dürftigen 
Daten vermuthen, dass der Tegel von Starzing jünger ist als die 
Schichten von Melk mit Cerithium margaritaceum, ©. plicatum, Ostrea 
fimbrioides u. s. f. und dass er wahrscheinlich den jüngeren Gliedern 
der Horner Schichten entspricht. Indessen scheint mir die genaue 
Feststellung einer für die Kenntnis der Tertiärbildungen des ausser- 
alpinen Beckens so wichtigen Thatsache auf Grund des vorliegenden 
Materials nicht möglich und es muss wohl diese Frage bis auf 
Weiteres offen gehalten werden. Jedenfalls sind die Tegel, welche 
die Braunkohle von Starzing begleiten, jünger als das Buchberg- 
conglomerat und ihre Aequivalente sind wahrscheinlich im schieferigen 
Mergel des Tullner Beckens zu suchen, über welchem die Oncophora- 
Schichten liegen. Dass auf die Oncophora-Schichten nochmals eine 


1) E, Suess hat nach einer Mittheilung F. v. Hauer’s (Jahrb, d. k. k, 
geol, R.-A. 1869, XIX, pag. 57) in den braunkohlenführenden Schichten von 
Starzing Meletta-Schuppen gefunden. 


118 ste] Dr. :'O. Abel. [28] 


marine Ueberfluthung im. Tullner Becken folgte, ist nach den bis- 
herigen Beobachtungen unwahrscheinlich. 


5. Die Oncophora-Schichten. 


CZjZek erwähnte schon im Jahre 1850 das Vorkommen von 
Melanopsis Martiniana und Venus gregaria im Sande von St. Pölten 
und vier Jahre später von den Sandwänden beim Prater von St. Pölten 
das seltene Auftreten von Venus. gregaria, Melanopsis Martiniana und 
Cardien. — A. Bittner hat das Verdienst, diese Sandschichten zu- 
erst genauer untersucht zu haben; er wies nach, dass diese Sande 
typische Oncophora-Schichten sind und dass neben Oncophora-Formen, 
welche sich. enger an 0. .socialis Rz. aus Mähren anschliessen als an 
die Oncophora dubiosa M. Hoern. (= Saxicava dubiosa M. Hoern. = 
Venerupis Gümbeli M. Hoern. = Oncophora Partschii May. aus Nieder- 
bayern), Cardien (vielleicht ©. bavaricum und C. moravicum), stumpf- 
wirbelige Congerien, Melanopsiden und Austernscherben auftreten. 

Der Oncophora-Sand und -Sandstein besitzt in dem von mir unter- 
suchten Gebiete eine ziemlich bedeutende Verbreitung. A. Bittner 
hat die Oncophora-Schichten von St. Pölten bis Traismauer auf eine 
Distanz von über 17 km in der Luftlinie verfolgt; ich konnte sie 
dem Rande des Tullner Beckens entlang aus der Gegend. von St. 
Pölten bis Judenau verfolgen, also auf eine Strecke von etwa 30 km. 

Am besten sind die Oncophora-Schichten am linksuferigen Steil- 
rande der Traisen nördlich von St. Pölten aufgeschlossen; es sind 
dies die Aufschlüsse, welche schon CZ2jZek bekannt: waren und die 
Bittner im Jahre 1396 beschrieb. Dieser Steilrand erstreckt sich 
in beträchtlicher Höhe aus dem Prater bei St. Pölten an Viehofen 
vorbei nach Ober-Radelberg, wird bei Unter-Radelberg flacher und 
bei Herzogenburg schon sehr undeutlich. Der Höhenunterschied 
zwischen dem auf dem Steilrande liegenden Viehofener Kogel (354 m 
M.-H.) und dem Traisenbette (bei Ober-Radelberg 242 m M.-H.) be- 
trägt fast 92 m. — Die ganze Höhe dieses Steilrandes wird von Sanden 
gebildet, die mit dicken feinkörnigen Sandsteinbänken wechsellagern, 
in verschiedenen Lagen, wie schon Bittner hervorhob, Einstreuungen 
feiner Quarzgerölle führen, stellenweise von dünnen Schichten schiefe- 
rigen Mergels durchsetzt werden, wie er südlich vom Rande der Flysch- 
zone bei St. Pölten auftritt und ausserdem unregelmässig begrenzte 
Einschlüsse dieses Mergels enthalten. Besonders deutlich und häufig 
sind diese Einschlüsse in den Sandgruben im Prater bei St. Pölten. 

. » Hauer hat bei Sitzenberg im Tullner Becken in diesen feinen 
Sanden Bruchstücke von Bivalven gefunden, die er als Venus gregaria 
und. Cardium spec. bestimmte; weiter im Osten bis Judenau sieht man 
zwar an vielen Stellen in diesem Sande kleine weisse kreidige Splitter 
von CGonchylien, indessen war es mir nicht möglich, aus diesem Ge- 
biete sicher :bestimmbare Versteinerungen: zu erhalten. -. Bittner 
glückte es, in den Hohlwegen von Oberndorf bei Traismauer, welche 
zur, „Venushöhe“ hinaufführen, eine Anzahl Fossilien zu sammeln, 
die namentlich in den seröllführenden Lagen häufiger sind, eine Er- 
scheinung, die ich auch bei Untermoos (SO .von Würmla) beobachten 


[29] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 119 


konnte. ‘Auch hier fanden sich neben der Oncophora socialis Rz.) 


Cardien, Melanopsiden und Congerien; dieselben Formen, welche in 


den Oncophora-Sanden bei Viehofen auftreten. 
Die Oncophora - Sande. werden ‘beim Schlösse Viehofen von 


quartären Schottern überlagert; vom ‚Viehofener Kogel zieht eine 


Scholle dieses Schotters, sich rasch gegen Norden ausbreitend, 
zwischen dem Hennbigl- und Ober-Radelberg dem Steilrande der 


Traisen entlang. Bei-Flinsberg erscheint wieder eine Partie dieser 
feinen Sande, die östlich von dieser Ortschaft am Hennbigl an einigen 


Stellen gut aufgeschlossen sind. 


Südöstlich von Weitern treten. an einer Kreuzung mehrerer 


Hohlwege die :Oncophora-Sande unter dem Löss hervor, der gegen 


Westen eine immer mächtiger werdende Decke bildet, und erscheinen 


wieder 'beivWaitzendorf, wo sie über den schieferigen Mergeln liegen, 
die sich von hier aus bis zur Flyschzone ausdehnen. 


Nordöstlich «von Pottenbrunn am rechten Traisenufer bilden sie’ 
zu beiden Seiten der-nach Perschling führenden Strasse kleine An- 


höhen, darunter den Pöltenberg, erscheinen im Osten von Rassing 


und liegen bei Unter-Miesling wieder über dem schieferigen Mergel;: 
ein kleiner Aufschluss. findet sich in einem Hohlwege südlich von 


Obermoos; die Lössdecke erschwert sehr die genaue Abgrenzung 
der nur schlitzartig aus dem Löss auftretenden Oncophora-Sande. 
Einen grösseren Flächenraum nehmen diese Schichten im Ge- 


biete zwischen St. Pölten und Böheimkirchen ein, wo sie den Schild- 


berg zusammensetzen. Gegen Süden schliessen sich die schieferigen 
Mergel an, welche bis zum Aussensaume der Flyschzone reichen. 
Die Oncophora-Schichten setzen sich am rechten Ufer des Perschling- 
baches bei Weisching unter der Lössdecke nach Nordosten fort, 


treten bei Wiesen, Winkling und Murstetten wieder hervor und bilden 


den nördlichen Theil des Haspelwaldes; die breiteste Stelle dieses 
Zuges von Oncophora-Sanden zwischen Anzing bei Würmla und Anzing 
bei Raipoltenbach beträgt 3 km. Bei Untermoos und bei Graben am 


Seefeld beobachtet man in den feinen Sanden ein Falien von 20° im 


SO; zwischen den 2—3 m mächtigen Sandlagen, die weisse kleine 
Bivalven (Oncophora, Arca,' Cardium, _Congeria und Gastropoden 
[Melanopsis]) führen, treten Zwischenlagen von blauem schlierartigen 
Mergel auf. Ausserdem findet man zahlreiche 'grosse kugelförmige 
Sandsteinconcretionen verstreut umherliegen, welche aus den Sanden 
ausgewittert sind. 

Von weitem sieht dieser Sand ganz lössartig aus. Da auch der 
Löss, welcher über den Oncophora-Sanden lagert, z. B. im Tullner 
Becken bei Watzendorf, Ebersdorf und Weinzierl, sehr sandig; ist, so 
ist die genaue kartographische Abgrenzung im Ackerlande ungemein 
schwierig. Westlich von Heiligen -Eich am Tullner Felde sieht man 
in den Hohlwegen die Oncophora-Sande gut aufgeschlossen ; das Vor- 
handensein grösserer Quarzkörner in den Sanden führt häufig zur 
Bildung von Erdpyramiden, die jedoch in .der Regel -nur wenige 
Centimeter hoch sind. 

Stellenweise sind „im alten Berge* westlich von Trasdorf, wo 
ebenfalls die Bildung kleiner Erdpyramiden in den Hohlwegen zu 


120 ‘Dr. O. Abel. [30] 


beobachten ist, mächtigere Sandsteinbänke dem Sande eingeschaltet, 
die nahezu horizontal liegen. An einigen Stellen am Schusterberge 
bei Heiligen-Eich trifft man grössere Mengen von gerolltem Quarz, 
Gneiss und Granulit in den Oncophora-Sanden an, doch erreichen 
diese Stücke selten mehr als Nussgrösse und sind fast immer nur 
erbsengross. 

An den wenigen Punkten, wo die horizontale Lagerung in eine 
geneigte übergeht, kann man ein Fallen von 4—7° in NW feststellen ; 
eine so unbedeutende Neigung, dass man hier wohl an Unebenheiten 
des Untergrundes denken darf, welche die Abweichung von der 
horizontalen Lagerung bedingen. 

In den vom „alten Berge“ gegen Watzendorf und Hütteldorf 
herabführenden Hohlwegen trifft man kleinere Gerölle von Greifen- 
steiner Sandstein und rothen Kalken an, die offenbar aus den 
Oncophora-Sanden ausgewittert sind. Diese bilden steil abfallende 
Wände in den Hohlwegen wie der Löss und eine Unterscheidung 
ist nur dadurch möglich, dass die Oncophora - Sande eine deutliche 
Parallelschichtung zeigen. Man muss sich indessen hüten, die parallelen 
Streifen, welche durch das Durchziehen schwerbeladener Heuwagen 
an den Wänden der engen Hohlwege entstehen, mit der ähnlich feinen 
Schichtstreifung der Oncophora-Sande zu verwechseln. 

An dem Abhange des Mitterberges und Burgstallberges südlich 
von Atzelsdorf und Pixendorf am Tullner Felde ist in einigen steilen 
und stark verwachsenen Schluchten der Oncophora-Sand und -Sandstein 
entblösst. Ueber Judenau hinaus gegen Osten kann man ihn nicht 
mehr verfolgen; der Nordabhang des Auberges besteht bereits aus 
schieferigem bläulichen Mergel mit wechsellagernden Sandsteinbänken, 
die ein anderes Aussehen als die Sandsteine der Oncophora-Schichten 
zeigen. 

Eine kleinere Partie der Oncophora-Sande ist noch zwischen 
Diesendorf und Weinzierl bei Siegersdorf aufgeschlossen, die zum 
Haspelwaldzuge der Oncophora-Schichten gehört. Bei Asperhofen 
werden die Oncophora-Sande vom Thale der grossen Tulln durch- 
brochen und setzen sich südlich von Asperhofen auf die Schafleiten 
fort; das Ende dieses Zuges, der bei Ober-Zwischenbrunn (südlich 
von Pottenbrunn) beginnt, liest in der Gegend von Röhrenbach 
(nördlich von Kogel bei Starzing). !) 


!) Ueber die Oncophora-Schichten vgi.: A. Rzehak, Der Grunder Horizont 
in Mähren (Verhandl. d. naturf. Ver. in Brünn, XXI, 1882); A, M. Lomnicki, 
Stodkowodny utwör trzeciorzedny na podolu galicyjskiem (Berichte d. psysiogr. 
Commission in Krakau, 1886); L.v. Ammon, Die Fauna der brackischen Tertiär- 
schichten in Niederbayern (Geognost. Jahreshefte, Kassel 1887); F. E. Suess, 
Beobachtungen über den Schlier in Oberösterreich und Bayern (Annalen d.k. k. 
naturhist. Hofmuseums in Wien, VI, 1891, 3. und 4. Heft); L. Prochazka, Zur 
Stratigraphie der Oncophora-Schichten (Schriften d. k. böhm. Ges. d. Wissensch., 
Prag 1892, in tschechischer Sprache); C. W. v. Gümbel, Die miocänen Ab- 
lagerungen im oberen Donaugebiete und die Stellung des Schliers von Ottnang 
(Sitzungsber. d. kgl. Akad. d. Wiss,, München 1887, pag. 221--316); A. Rzehak, 
Die Fauna der Oncophora-Schichten Mährens (Verhandl. d.naturf. Ver. in Brünn, 
XXXI, 1893); A. Bittner, Ueber die Gattung Oncophora (Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1893, pag. 141); A. Bittner, Referat über A. Rzehak (l. c. 1893, 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1893, pag. 339); A. Rzehak, Zur Stellung der 


[31] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 121 


II. Tektonischer Theil. 


‘ Ueber die Tektonik der Tertiärbildungen des besprochenen 
Gebietes ist bisher fast gar nichts bekannt. Genauere Daten liegen 
nur über den Buchbergzug und die denselben südlich begleitenden 
Sandsteine und Schiefer vor, welche die Kohlen von Hagenau, Starzing, 
Ebersberg u. s. w. führen; ohne Frage ist auch der Buchbergzug 
jenes Gebiet, in welchem die tektonischen Erscheinungen in den 
tertiären Randbildungen am Aussensaume der Alpen am besten be- 
obachtet werden können. 

Wir haben gesehen, dass vor dem Aussensaume der Flyschzone, 
welcher in dem untersuchten Gebiete zwischen Furth (südlich von 
Böheimkirchen) und Ried (südlich von Tulln) von den Inoceramen- 
schichten des Wiener Sandsteines gebildet wird, zuerst ein Streifen 
srober Sande und Sandsteine auftritt, der zwischen Neulengbach und 
Ried häufig kleinere Kohlenflötze enthält und, wie wir oben nachzu- 
weisen versucht haben, der aquitanischen Stufe angehört. Südlich 
von Baumgarten haben sich in einem groben braunen Sandsteine 
Foraminiferen gefunden, unter denen besonders Orbitoiden Beachtung 
verdienen, welche zu den Lepidocyclinen gehören und vielleicht mit 
Lepidocyclina burdigalensis Gümb. zu identificiren sind. 

Aus diesen Sanden und Sandsteinen ragt an einigen Stellen 
das Buchbergeonglomerat hervor, welches bei Neulengbach unmittel- 
bar auf dem Sandsteine der Inoceramenschichten liegt. In Baum- 
garten selbst taucht es aus den umgebenden groben Sanden hervor, 
zugleich den westlichsten Punkt seiner Verbreitung am Aussensaume 
der Flyschzone bezeichnend ; von Matzelsdorf und Ebersberg bei 
Neulengbach angefangen bildet dieses Buchbergeonglomerat, wie wir 
gesehen haben, einen geschlossenen Zug bis Hohenwart (nordöstlich 
von Rappoltenkirchen). 

Südlieh von Neulengbach liegt zwischen dem Conglomerate und 
der Flyschzone ein schmaler Streifen von groben Sanden und Sand- 
steinen mit südöstlichem Einfallen, an welchen sich südwärts die 
ebenfalls südöstlich einfallenden Inoceramenschichten anschliessen. 
Oestlich von Neulengbach vom rechten Ufer des Anzbaches angefangen 
bis Gschwend stösst das Conglomerat unmittelbar an den Aussensaum 
der Flyschzone, welcher hier einen bogenförmigen Vorsprung bildet; 
dann tritt es weiter zurück, zwischen das Conglomerat und die 
Inoceramenschichten schieben sich wieder die tertiären Sande und 
Sandsteine ein, dann tritt aus diesen ein Flyschrücken hervor. 

Dieser Flyschrücken stösst mit seinem nördlichen äusseren Saume 
wieder an das Conglomerat an, wird aber im Südwesten und Nord- 


Oncophora-Schichten im Miocän des Wiener Beckens (Verhandl. d. naturf. Ver. 
in Brünn, XXXII, 1894); A. Bittner, Referat dieser Arbeit (Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1894, pag. 353); A. Rzekak, Oncophora-Schichten bei Mährisch- 
Kromau (Verhandl. d. k. k. geol R.-A. 1894, pag. 155); A. Bittner, Ueber das 
Auftreten von ÖOncophora-Schichten bei St. Pölten und Traismauer in Nieder- 
österreich (Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1896, pag. 323); A. Rzehak, Ueber 
ein neues Vorkommen der Oncophora-Schichten in Mähren (Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1895, pag. 334). 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (Dr. O. Abel.) 16 


122 Dr. O. Abel, [32] 


osten sowie im Süden und Südosten wieder von dem Sande und Sand- 
steine umrahmt, welchem die Braunkohlen von Starzing und Hagenau 
eingelagert sind. An einigen Stellen tritt unmittelbar an der Grenze 
zwischen diesen Sandsteinen und der Flyschzone ein schmaler Streifen 
tegeliger Ablagerungen hervor. 

Endlich wollen wir noch an den Aufbruch von schieferigem 
grauen Mergel bei Oed erinnern, welcher zwischen dem Buchberg- 
conglomerate und den groben Quarzsanden zu Tage tritt. 

Das Streichen der ganzen Ablagerungen ist nordöstlich, das 
Fallen südlich vom Buchbergkamme durchwegs südöstlich; am nörd- 
lichen Abhange des Buchberges dagegen sieht man, dass die Schichten 
des Conglomerats unter die schieferigen Mergel einfallen, also gegen 
Nordwesten. Dieses Fallen ist für das äussere nordwestliche Gehänge 
des Buchberges Regel; zwischen Baisling und Johannesberg stellt sich 
dagegen auch in den schieferigen Mergeln südöstliches Fallen ein. 


Der Aufbruch der Inoceramenschichten am Südabhange des Buch- 
berges bei Neulengbach liegt im Streichen des ersten Conglomerat- 
aufbruches im Profile Dörfel—Johannesberg; wir haben gesehen, dass 
in diesem Profile zuerst schieferiger Mergel, dann Conglomerat, wieder 
schieferiger Mergel, dann noch einmal das Buchbergeonglomerat auf- 
tritt; daran schliesst sich der grobe Sand und Sandstein, der 
Aufbruch der Inoceramenschichten von Starzing, dann folgen wieder 
die groben Sande, endlich wieder die Inoceramenschichten; die ganze 
Schichtreihe ist nach Südosten geneigt. 


Man erkennt also Folgendes: 


Das Buchbergeonglomerat ist bei Neulengbach zu einer Anti- 
klinale aufgewölbt; in dem Einschnitte zwischen dem Schlossberge 
von Neulengbach und dem Buchberge tritt der Sandstein der Inoce- 
ramenschichten als der Kern dieser Antiklinale hervor (Profil IV). Der 
nordwestliche Flügel zeigt ein Fallen von ungefähr 50° in NW, ist also 
nicht überkippt, sondern fällt in regelmässiger Lagerung unter den 
schieferigen Mergel des Tullner Beckens ein. Der südöstliche Flügel 
dieser Aufwölbung fällt dagegen steil in SO ein; man erkennt überall 
ein Fallen von ungefähr 70°; je weiter wir nach Südosten vorschreiten, 
desto flacher wird das Fallen. 


Wenden wir uns gegen Johannesberg, so sehen wir, dass 
zwischen Baisling und Johannesberg eine Antiklinale in dem 
schieferigen Mergel vorhanden ist (Profil D, ferner, dass das 
Buchbergeonglomerat am nordwestlichen Saume des Buchberges nach 
SO einfällt und dass die schieferigen Mergel sowohl im Liegenden 
als im Hangenden des Conglomerats auftreten. Wir sehen, dass hier 
eine überkippte Falte vorliegt, in welcher auch die in normaler Weise 
über dem Buchbergeonglomerate liegenden schieferigen Mergel mit- 
einbezogen sind. Weiter gegen Johannesberg zu finden wir zum 
zweiten Male einen Aufbruch des Buchbergeonglomerats (Profil I). Diese 
dritte Antiklinale, welche hier ebenfalls überkippt ist, ist am Süd- 
ende des Buchberges durch die Aenderung des Fallwinkels im Con- 
glomerate noch zu erkennen; derselbe beträgt nahe dem Aufbruche 
der Inoceramenschichten 70° in SO, wird oft sogar noch steiler und 


[33] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 123 


geht bis 80°, während im südöstlichen Gebiete durchwegs ein flaches 
Fallen vorherrscht; diese Antiklinale ist also überkippt. 

Der Hangendflügel dieser dritten Antiklinale wird bei Oed 
noch von einem schmalen Streifen des schieferigen Mergels gebildet, 
über welchem die groben Sande und Sandsteine liegen (Profil II). 

Bei Graben und Starzing ist jedoch der Sandstein verschwunden 
und wir sehen das Buchbergconglomerat unmittelbar unter die Ino- 
ceramenschichten einfallen; dann folgen wieder die groben Sandsteine 
und kohlenführenden aquitanischen Schiefer, darüber der Flysch. 

Der Aufbruch der Inoceramenschichten von Starzing (Profil II) stellt 
den Kern einer vierten Antiklinale vor, welche zwischen dem Buchberge 
und Eichberge unmittelbar vor dem Aussenrande der Flyschzone auf- 
gewölbt ist. Das scheinbare Liegende der Inoceramenschichten wird 
zwischen den Ortschaften Oed und Graben von dem aquitanischen 
Sande und Sandsteine gebildet; im Hangenden treten dieselben Ab- 
lagerungen wieder auf und sie sind es, welche bei Starzing und 
Hagenau die Braunkohle führen. In Starzing liegen die kohlenführenden 
Bildungen fast unmittelbar über dem Conglomerate (Profil I), während 
keine Spur des Aufbruches der Inoceramenschichten wie im Süd- 
westen von Starzing zwischen dem Conglomerate und der Flyschzone 
zu beobachten ist. 

Der Flyschrücken zwischen Burgstall und Starzing bildete mög- 
licherweise eine Klippe zur Zeit der Ablagerung der groben Sande 
und Sandsteine; vielleicht gilt dies auch für das Vorkommen des 
Kreidesandsteines bei Neulengbach und bei Waasen (S von Kirch- 
stetten). Diese Hervorragungen des älteren Gebirges können leicht 
als die Veranlassung zur Aufrichtung der Antiklinalen angesehen 
werden, wobei die präexistenten Flyschklippen zu den Kernen der 
Antiklinalen wurden. Indessen kann dies nur vermuthungsweise aus- 
gesprochen werden. 

Wir haben somit im Profile von Baisling gegen den Eichberg vier 
Antiklinalen in den aquitanischen und untermiocänen Bildungen zu unter- 
scheiden. — Die vierte Antiklinale, deren Kern von dem Aufbruche der 
Inoceramenschichten zwischen Burgstall und Starzing gebildet wird, ist 
zwischen den Orten Graben und Starzing zerrissen und der Hangendflügel 
gegen den Buchberg hin in nordwestlicher Richtung überschoben, so 
dass die Sande und Sandsteine, die bei Burgstall, Oed und Graben 
den südöstlichen Rand des Buchbergeonglomerats begleiten, unter 
dem Flysch liegen, welcher über diese Sande auf das Conglomerat 
hinaufgeschoben ist. 

Es scheint sehr beachtenswerth, dass die Ueberkippungen an 
jener Stelle des Buchbergzuges auftreten, wo die Conglomerate nur 
schwach entwickelt sind und in Folge dessen einer nordwestwärts 
gerichteten Ueberschiebung keinen so starken Widerstand entgegen- 
zusetzen vermögen, als dies im südwestlichen Theile des Buchberges 
der Fall ist. Es ist weiters auffallend, dass die Fundorte der stark 
glänzenden, gekritzten Flyschgeschiebe im Buchbergeonglomerate am 
häufigsten in den beiden stark überkippten Antiklinalen auftreten, 
die an der Strasse zwischen Dörfel und Johannesberg schön aufge- 
schlossen sind, während in den übrigen Aufschlüssen des Buchberg- 

16* 


Dr, O. Abel. 


124 


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Maßstab: 1:30.000. 
1. Inoceramenschichten (= Muntigler Flysch = mittlere Abtheilung der Wiener Sandsteine). — 2. Buchbergeonglomerat. — 3. Schieferige 


Mergel und Sandsteine des Tullner Beckens. — 4. Melker Schichten (weisse und gelbe grobe Sande und Sandsteine, Mergelschiefer und 
Thone mit Braunkohlenflötzen), — 5. Braunkohle von Starzing. — 6. Tegel von Starzing. — 7. Oncophora-Schichten,. — 8. Alluvium. 


V, und V, = Ueberschiebungsflächen. 


[35] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens, 125 


conglomerats diese geglätteten Geschiebe zu den Seltenheiten gehören. 
Offenbar hängt diese Glättung der Geschiebe, wie schon oben ange- 
deutet wurde, mit einer stärkeren Pressung der Gesteinsschichten 
zusammen. 

Während sich die Zusammenpressung der tertiären Randbildungen 
zwischen Graben und Starzing in einer starken Ueberfaltung und 
Ueberschiebung auslöst, deren Länge jedoch kaum 2 km beträgt, und 
während der Rand der Flyschzone gegen den Eichberg stark zurück- 
springt, ist im südlichen Buchberggebiete der Aussensaum der Flysch- 
zone über die Sande und Sandsteine auf das Conglomerat hinaufge- 
schoben und bildet ‚auf diese Weise den bogenförmigen Vorsprung 
segen das Südende des Buchberges, von welchem früher die Rede 
war, so dass die Synklinale, in welcher die groben weissen Sande 
und Sandsteine sowie die kohlenführenden Bildungen eingefaltet liegen, 
von den Inoceramenschichten überschoben wird. 

Die mangelhaften Aufschlüsse am Schlossberge von Neulengbach 
und westlich gegen Ebersberg und Baumgarten verhindern eine ge- 
nauere Verfolgung dieser Aufbrüche. Indessen lässt sich feststellen, 
dass das Buchbergconglomerat zum letzten Male in Baumgarten auf- 
tritt und hier wahrscheinlich ebenso wie bei Ebersberg den Kern 
einer Antiklinale bildet; die drei anderen Antiklinalen, die wir 
in der Gegend von Johannesberg beobachten konnten, sind hier voll- 
kommen verschwunden. 

Wir wenden uns nunmehr der Betrachtung des dem Buchberge 
im Nordosten vorgelagerten breiten Streifens von hellgrauen oder 
bläulichen Mergelschiefern und Sandsteinen zu, welche den Haspel- 
wald. zusammensetzen. 

Bei Johannesberg sahen wir die Mergel unter das. Buchberg- 
conglomerat widersinnig in SO einfallen; bei Neulengbach fällt das 
Conglomerat in NW und die schieferigen Mergel liegen concordant 
darüber. In dem ganzen Gebiete vom Steghofe bei Neulengbach bis 
Raipoltenbach kann man das Nordwestfallen dieser Mergel beob- 
achten (Profil IV). 

Das Profil zwischen Grabensee und der Flyschzone bei Starzing 
zeigt, wie wir gesehen haben, zunächst die Ueberschiebung des Aussen- 
randes der Flyschzone, die hier allerdings weit weniger ausgebildet ist 
als die Ueberschiebung bei Neulengbach; dann folgen in einer Syn- 
klinale die kohlenführenden Bildungen von Starzing, die zweite nord- 
westwärts gerichtete Ueberschiebung des Kreideflysches auf das Buch- 
bergeonglomerat, die bei Neulengbach fehlt, dann die beiden Anti- 
klinalen im Buchbergeonglomerate bei Johannesberg und zwischen 
Dörfel und Grabensee haben wir nunmehr die vierte Antiklinale zu 
unterscheiden, in welcher ausschliesslich die weichen schieferigen 
Mergel eingefaltet sind. Wie wir schon erwähnt haben, ist diese 
Antiklinale nur im nördlichen Gebiete des Buchberges entwickelt, 
da bei Neulengbach ein normales Fallen des Conglomerats unter 
den Mergelschiefer des Steghofes zu beobachten ist. 

Die Oncophora-Schichten liegen concordant über den schieferigen 
Mergeln und Sandsteinen des Tullner Beckens und gehen, wie man 
sich am Schildberge und im Haspelwalde an zahlreichen Stellen über- 


126 Dr. O. Abel. [36] 


zeugen kann, so allmälig aus diesen hervor, dass es schwer hält, 
eine Trennung der beiden Schichtgruppen auf der Karte durchzu- 
führen. Bei St. Pölten liegen die Verhältnisse etwas anders; während 
im Bahneinschnitte und in der Ziegelei von St. Pölten die schieferigen 
Mergel stärkere Faltungen erkennen lassen, liegen die Oncophora- 
Schichten im Prater nördlich von St, Pölten nahezu horizontal, ein 
Umstand, der die Vermuthung aufkommen lässt, dass zwischen den 
schieferigen Mergeln des Tullner Beckens und den Oncophora-Sanden 
eine Discordanz besteht. Herr Hofrath Prof. A. Penck, welchen 
ich bei einer Excursion im Sommer 1901 im Traisenthale begleitete, 
neigte sich ebenfalls der Ansicht zu, dass die Verhältnisse der Um- 
sebung von St. Pölten die Annahme einer solchen Discordanz recht- 
fertigen würden. Indessen beweisen die Lagerungsverhältnisse in dem 
östlich gelegenen Gebiete, dass eine Discordanz zwischen den Mergeln 
des Tullner Beckens und den ÖOncophora-Sanden nicht besteht, wie 
ich später feststellen konnte. Die Erscheinung, dass "bei St. Pölten 
die schieferigen Mergel gefaltet, die Oncophora-Schichten dagegen un- 
gefaltet sind, findet sich im Gebiete der Mergel und Sandsteine selbst 
sehr häufig vor, derart. dass z. B. im Haspelwalde an einigen Stellen 
stärkere Auffaltungen der Mergel zu beobachten sind, während zwischen 
diesen Auffaltungszonen grössere Gebiete ungestört scheinen. Man 
kann dieses Gebiet von St. Pölten, Böheimkirchen, den Haspelwald 
u. s. w. als Austönungszonen ansehen, „deren flache Lagerung auf ein 
allmäliges Ausklingen der nur in schmalen Faltenzonen sich heftig 
und gleichsinnig äussernden Massenbewegung hinweist“. (V. Uhlig, 
Die Geologie des Tatragebirges. II. Tektonik des Tatragebirges. 
Denkschr. d. kais. Akad. d. Wiss. 68. Band, Wien 1900, pag. 66, 
Taf. IIb, Fig. 6.) 

In dem Gebiete von Raipoltenbach bis Pettenau an der Westbahn 
liegen die Mergel und Sandsteine vollkommen horizontal. Schreitet 
man die verschiedenen Hohlwege, die in den Haspelwald führen, auf- 
wärts, so sieht man in den mit dünnen Sandsteinbänken wechsel- 
lagernden hellen schieferigen Mergeln manchmal eine kleine, wenige 
Meter hohe Falte, an welche sich wieder vollkommen horizontal liegende 
Schichten anschliessen. Solche kleinere Falten in sonst horizontal 
gelagerten Schichten sieht man an vielen Orten, namentlich in dem 
breiten Gürtel von Schiefermergeln zwischen den südlichen Aus- 
läufern der böhmischen Masse im Süden von Melk und der Flyschzone. 

Der nördliche Theil des Haspelwaldes wird von Sanden und 
Sandsteinen gebildet, welche jünger sind als die schieferigen Mergel, 
welche die Flyschzone begleiten und die östliche Fortsetzung der 
Oncophora-Schichten von St. Pölten und Traismauer bilden. 

Das Fallen der Oncophora-Sande und -Sandsteine im Haspel- 
walde ist an dem südlichen Rande nordwestlich, am nördlichen süd- 
östlich und die Oncophora-Schichten bilden daher eine flache Mulde 
im Schlier. Das nordwestliche Fallen ist gut zu beobachten bei Unter- 
wolfsbach, Berging und an einigen Stellen der Raipoltenbacher Höhe, 
das südöstliche besonders deutlich bei Untermoos, wo sich einige 
mangelhaft erhaltene Conchylien, darunter die Oncophora socialis in 


[37] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens, 127 


Bruchstücken, sowie Fragmente von Cardien und Melanopsiden ge- 
funden haben. 

Nördlich von diesem Vorkommen der Oncophora-Schichten tritt 
wieder der schieferige Mergel in Verbindung mit Sandsteinen hervor, 
dann erheben sich mehrere Höhen, die einen fortlaufenden Zug 
bilden und die hauptsächlich aus Conglomeraten bestehen,. welche 
wie das Buchbergeonglomerat vorwiegend Flyschgeschiebe führen und 
welche ich schon oben als das Buchbergeonglomerat des Eichbergzuges 
besprochen habe. 

Der Eichbergzug bezeichnet eine Antiklinalregion im Norden, 
wie der Buchberg im Süden, während die schieferigen Mergel und 
Sandsteine sowie die über ihnen liegenden Oncophora-Schichten der 
dazwischen liegenden Synklinalregion entsprechen. 

An der Steinwand bei Dittersdorf tritt unter dem Conglomerate 
eine Partie groben blaugrauen oder gelben Sandsteins hervor, welcher 
in seinen oberen Lagen mit dem Buchbergeonglomerate wechsellagert 
und in SO einfällt. Der Fallwinkel ist 5—10°. Da dieser Sandstein 
petrographisch ganz mit dem Greifensteiner Sandsteine übereinstimmt 
und für eine überkippte Lagerung in diesem Gebiete keine weiteren 
Anhaltspunkte vorliegen, so wurde dieser Sandstein mit dem eocänen 
Sandsteine von Greifenstein und Höflein identificirt. Ist dies richtig, 
so hätten wir bei Dittersdorf das Liegende des Buchbergeonglome- 
rates aufgeschlossen und dieses Conglomerat würde offenbar jünger 
sein als der nummulitenführende Sandstein von Greifenstein und 
Höflein. 

Der Auberg im Nordosten von Sieghartskirchen zeigt in seinem 
nördlichen Theile südöstliches, im südlichen nordwestliches Einfallen 
der schieferigen Mergel, Sandsteine und Sande, welchen an einigen 
Stellen, wie am Kühberge bei Sieghartskirchen, Conglomeratlagen 
eingeschaltet sind. Der Auberg entspricht daher einer Synklinale 
und bildet die Fortsetzung der Synklinale zwischen dem Eichbergzuge 
und Buchbergzuge. 

Je weiter wir nach Westen fortschreiten, desto schwieriger wird 
die Entzifferung der Lagerung der Tertiärschichten wegen der mangel- 
haften Aufschlüsse und der mächtigen Lössdecke, die sich zwischen 
der Flyschzone und dem Südrande der böhmischen Masse ausbreitet. 
Hart an der Flyschzone herrscht überall südöstliches Einfallen vor, 
aber schon in geringer Entfernung von der Flyschzone liegen die 
Schichten flach. 

In der Nähe der böhmischen Masse ist an verschiedenen Punkten, 
besonders deutlich bei St. Pölten, eine Faltung der schieferigen Mergel 
erkennbar. In der Ziegelei und dem Eisenbahneinschnitte von St. Pölten 
sowie in dem Einschnitte der vor Kurzem nördlich von demselben und 
parallel zu ihm angelegten Strasse sieht man den Schiefermergel stark 
gefaltet und im Eisenbahneinschnitte ist an der rechten Seite der 
Fahrtrichtung von Wien aus eine schöne, allerdings flache Anti- 
klinale zu beobachten. Stärker sind die Faltungen, welche in der 
Ziegelei sichtbar sind. Es scheint, dass die Nähe der alten Masse 
auf die Faltung in diesem Gebiete einen Einfluss ausgeübt hat. Auf- 
fallend ist es, dass die schieferigen Mergel am Steilrande der Ybbs 


128 Dr. O. Abel. [38] 


in der Gegend von Kemmelbach gefaltet sind, während sie im Ge- 
birge zwischen Wieselburg und Purgstall an der Erlauf vollkommen 
horizontal liegen und nur durch Verwerfungen oder Flexuren mit 
ostwestlichem Streichen und südlichem Fallen gestört werden; die 
Sprunghöhe dieser Verwerfungen ist nicht festzustellen. Da das 
Gestein, .wie zum Beispiel an der rechtsuferigen Steilwand der Erlauf, 
welche an einigen Stellen den horizontal gelagerten Mergel aus- 
gezeichnet aufschliesst (Franzosensprung), auf 40—50 m durchaus 
gleichartig ist, so ist es nahezu unmöglich, die Sprunghöhe der Ver- 
werfungen zu bestimmen. An einer Stelle unweit des Franzosen- 
sprunges sieht man eine Flexur, wo die Niveaudifferenz der Mergel- 
schichten kaum einen Meter beträgt; die Schichten sind nach Norden 
abgesunken, liegen aber vollkommen horizontal. 


III. Stratigraphische Ergebnisse. 


Das Alter der Tertiärbildungen am Aussensaume der ostalpinen 
Flyschzone ist bisher noch nicht klargestellt gewesen. Die Unter- 
suchungen, welche C2jZek in diesem Gebiete durchführte, brachten 
keine befriedigende Aufklärung über das Verhältnis der Tertiär- 
bildungen des Tullner Beckens zu den Leithakalkbildungen des inner- 
alpinen Theiles des Beckens von Wien; das Buchbergceonglomerat 
wurde als Aequivalent des Leithaconglomerats und die Mergel und 
Sande sowie die Sandsteine des Tullner Beckens als Aequivalente 
jener Bildungen des inneralpinen Beckens betrachtet, welche Suess 
später als die II. Mediterranstufe unterschied. 


Hauer machte zuerst auf die grosse Aehnlichkeit der sub- 
alpinen Molasse der Schweiz, namentlich ihrer Nagelfluhbänke, mit 
dem Conglomeratzuge des Buchberges aufmerksam und betont, dass 
es bei dieser grossen Analogie nur schwer sei, die vermeintlichen 
Eocänbildungen des Tullner Beckens von der Molasse der Schweiz 
zu unterscheiden; „vielleicht wird es gelingen, mehr Sicherheit zu 
erlangen, wenn es etwa möglich würde, einen Theil der Schichten 
des Tullner Beckens als oligocän nachzuweisen“. (F. v. Hauer, 
l.. ce. pag. 5 des S.-A.) Hauer sagt ferner: „Es würden demnach von 
allen im Obigen abgehandelten Eocängebilden die Wiener Sandsteine 
die ältesten sein, ihnen folgen wahrscheinlich als nächstjüngere Gruppe 
die Mergel, Sandsteine und Conglomerate des Tullner Beckens u. Ss. w., 
in welchen die nummulitenreichen Kalk- und Sandsteine wohl nur 
stellenweise Einlagerungen bilden, die aber zum Beispiel im Tullner 
Becken selbst ganz fehlen.“ 


Wenn wir von den Schichten der Umgebung von Melk vorläufig 
absehen, so ist: über die angeblich eocänen Mergel und Sandsteine 
des Tullner Beckens bis in die letzte Zeit nur sehr wenig veröffent- 
licht worden und erst Stur hat sich gelegentlich der kartographi- 
schen Aufnahme der Umgebungskarte von Wien wieder mit der 
Untersuchung dieser Bildungen beschäftigt. 


[39] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 129 


D. Stur kam zu dem Ergebnisse, dass die Mergel und Sand- 
steine des Tullner Beckens neogenen Alters sind und er unterschied 
im oberen Donaubecken (=Tullner Becken) 1. den Schlier und 2. Sande 
und Sandsteine des oberen Donaubeckens; das Buchbergconglomerat 
dagegen identifieirte er mit dem Sotzkaconglomerat und die han- 
genden Tertiärschichten mit Braunkohlenflötzen nannte er mit Rück- 
sicht auf ähnliche in Steiermark beobachtete Lagerungsverhältnisse 
„Sotzkakohlen- und Hangendschichten“. 

Es ist dieser Standpunkt Stur’s umso beachtenswerther, da 
wenige Jahre früher A. Rzehak die Foraminiferen des kieseligen 
Kalkes von Niederhollabrunn und des Melettamergels von Brudern- 
dorf bei Stockerau näher untersucht hatte und zu ganz abweichenden 
Ergebnissen gekommen war. Rzehak untersuchte verschiedene 
Schlemmproben aus diesem Gebiete, welche von E. Kittl aufgesam- 
melt worden waren. In der ersten Probe (Verwitterungsproduct des 
kieseligen Kalkes von Niederhollabrunn) waren unter 21 specifisch 
bestimmbaren Arten sechs neue Arten vorhanden, während von den 
übrigen 15 im Ganzen 11 heute noch leben, 11 sicher im Miocän 
und 14 im Eocän auftreten. Einige Formen sind aus jüngeren als 
eocänen und oligocänen Bildungen noch nicht bekannt geworden. 

Rzehak musste daher zu dem Schlusse gelangen, dass der 
kieselige Kalk von Niederhollabrunn nach seiner Foraminiferenfauna 
dem oberen Oligocän angehört. Nach den im Zuge befindlichen 
Untersuchungen Kittl’s ist eine ähnliche Mischung eocäner und 
miocäner Typen in der Conchylienfauna vorhanden. 

Die zweite Schlemmprobe (Melettamergel aus dem Hangenden 
der Sandsteine von Bruderndorf) enthält Orbitoiden und Nummuliten 
(Orbitoides stellata, O. aspera, N. Boucheri). Der Bruderndorfer Me- 
lettamergel bildet das Hangende der Sandsteine, welche wahrschein- 
lich in das Bartonien gehören, und dürfte nach Rzehak der ligu- 
rischen Stufe entsprechen. 

Rzehak bemerkt, dass diese älteren Mergel wahrscheinlich 
noch höher hinaufreichen und mehrere Stufen umfassen dürften. 

Auch in einer zweiten Abhandlung spricht Rzehak der Fora- 
miniferenfauna der Melettamergel von Bruderndorf ein obereocänes 
oder unteroligocänes Alter zu. 

Das Vorhandensein von Menelitschiefern oder Chalcedonknollen- 
lagen in den weissen Mergeln zwischen Bruderndorf und dem Prauns- 
berge konnte ich bei den Untersuchungen feststellen, welche ich im 
Jahre 1896 begann, um die tithonischen Mergelkalke von Nieder- 
fellabrunn eingehender zu studiren. Bei dieser Gelegenheit und 
später, nachdem mir die kartographische Aufnahme dieses Gebietes 
durch die Direction der k. k. geologischen Reichsanstalt übertragen 
worden war, konnte ich in den Tertiärablagerungen von Bruderndorf, 
am Praunsberge, bei Niederhollabrunn, am Michelsberge und Wasch- 
berge grössere Aufsammlungen durchführen; da jedoch E. Kittl 
mit der Bearbeitung dieser interessanten Formen beschäftigt ist, habe 
ich vorläufig von einer Darstellung dieser Formen abgesehen und will 
nur erwähnen, dass die Kalksteine vom Hollingstein und die „Pfaffen- 
holzschichten* mit Mytilus spec. weder ein eocänes noch miocänes, 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heit. (Dr. O, Abel.) 17 


130 Dr. O. Abel. [40] 


sondern oligocänes Alter haben dürften und dass sie wahrscheinlich, 
wie schon v. Hauer meinte, Einlagerungen in den weissen Mergeln 
und Sandsteinen darstellen. 

Ein höchst wichtiger Nachweis von älteren tertiären Bildungen 
am Rande der karpathischen Sandsteinzone wurde von A. Rzehak 
in seiner Abhandlung über die Niemtschitzer Schichten !) geliefert, 
welcher in den letzten Jahren eine Reihe weiterer Veröffentlichungen 
über das mährische Alttertiär folgten. 

Vor Kurzem hat Th. Fuchs?) einige Beiträge zu dieser Frage 
nach dem Alter der Tertiärbildungen am Aussensaume der Flysch- 
zone geliefert, welche besonderes Interesse beanspruchen. 

Auch Th. Fuchs ist der Meinung, dass die alttertiären Kalk- 
steine aus der Gegend von Niederhollabrunn oligocänen Alters sind, 
und zwar parallelisirt er diese Bildungen unmittelbar mit den 
Niemtschitzer Schichten, welche von Rzehak in das oberste Eocän 
oder tiefste Oligocän gestellt wurden (l. ce. pag. 46). 

Th. Fuchs führt aus den Hollingsteiner Schichten bei Nieder- 
hollabrunn eine grosse hochgewölbte Lucina an, ähnlich der Lucina 
globulosa Desh., doch kommen auch Exemplare vor, die stark ent- 
wickelte Schlosszähne zeigen und sich der apenninischen Lucina 
pomum im Sinne Gioli’s nähern. Ferner kommt häufig ein grosser 
Axinus vor, der mit dem im italienischen Schlier verbreiteten Axinus 
sinuwosus identisch zu sein scheint, sowie eine kleine Cypricardia-ähn- 
liche Muschel, welche mitunter wahre Lumachellen bildet (l. ec. pag. 442). 
Ausserdem tritt noch eine Solenomya auf, welche der miocänen 9. 
Doderleinii sehr ähnlich ist. 

In dem Manuscripte, welches Stur hinterliess und welches die 
Grundlage zu den von Paul und Bittner verfassten Erläuterungen 
zur geologischen Karte der Umgebungen Wiens bildet, finden sich 
die Copien zweier Briefe, welche Ch. Mayer-Eymar im Jahre 
1890 und 1891 an Stur richtete. In dem ersten Schreiben erklärt 
Mayer-Eymar auf Grund der ihm von Stur übersandten Fossilien 
den Kalk des Hollingsteiner Berges mit Lucina globulosa für Bar- 
tonien I, im zweiten Briefe für Parisien II. Den Waschberg- 
Nummulitenkalk, die Pfaffenholzschichten mit Mytilus Levesquei Desh. 
und den Niederfellabrunner Nummulitenkalk rechnet Mayer-Eymar 
zum unteren Bartonien, die Orbitoidenkalke der Reingrubhöhe bei 
Bruderndorf dagegen zum oberen Bartonien. 

Sehr wichtig ist die Angabe einer Fossilliste vom Orte Rosalien- 
feld bei Mautnitz, welche Mayer-Eymar als Aequivalent der 
Hollingsteiner Schichten mit Lucina globulosa betrachtet. 


!) A. Rzehak, Die „Niemtschitzer Schichten“. Ein Beitrag zur Kenntnis 
der karpathischen Sandsteinzone Mährens. (Verh. d. naturf. Ver. in Brünn, XXXIV, 
1896.) — Beiträge zur Kenntnis der karpathischen Sandsteinzone Mährens. (Geol.- 
paläont. Mitth. a. d. Franzensmuseum in Brünn, 2. Folge) — Die Tertiärfor- 
mation in der Umgebung von Nikolsburg in Mähren, I. a. II. (Zeischr. des mähr 
Landesmuseums, Brünn 1902 und 1903.) etc. 

°?) Th. Fuchs, Ueber ein neuartiges Pteropodenvorkommen ans Mähren, 
nebst Bemerkungen über einige muthmassliche Aequivalente der sogenannten 
„Niemtschitzer Schichten “. (Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss., math.-naturwiss. 
Classe CXI, Abth. 1, pag. 33.) Mai 1902. 


[41] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 131 


Hoffentlich werden die Untersuchungen Kittl’s volles Licht 
über das Alter dieser Schichten verbreiten. 

Th. Fuchs weist nun in seiner oben eitirten Abhandlung auf 
einige Vorkommnisse hin, welche am Aussensaume der Alpen liegen 
und die dem Horizonte der Niemtschitzer Schichten anzugehören 
scheinen. 

Im Jahre 1874 beschrieb Fuchs mehrere Petrefacten aus dem 
Schlier von Hall und Kremsmünster in Oberösterreich. Die Mehrzahl 
der Arten war neu und ist seither aus miocänen Schlierbildungen 
nicht bekannt geworden. Unter den übrigen Arten befand sich 
Axinus sinuosus, Solenomya Doderleinii, sowie eine grosse Lucina, 
ähnlich der Lucina globulosa Desh. 

Lueina cf. globulosa, Axinus cf. sinuosus und Solenomya cf. 
Doderleinii gehören jedoch zu den häufigsten Vorkommnissen der 
Niemtschitzer Schichten. 

Dazu kommt, dass eine bei Hall in Oberösterreich in grosser 
Menge auftretende Bivalve, die Fuchs!) im Jahre 1874 als Cytherea 
oder /socardia n. sp. anführte und von diesem gegenwärtig zu Uypri- 
cardia gestellt wird, vollkommen identisch ist mit jener Form, welche 
in den Hollingsteiner Kalken bei Niederhollabrunn in so zahlreichen 
Exemplaren gefunden wird. 

Aus diesen Gründen stellt Th. Fuchs die harten fossilführen- 
den Mergelkalke von Hall nicht mehr zum miocänen Schlier, sondern 
zu den Niemtschitzer Schichten. 


Diesen Bemerkungen möchte ich anfügen, dass sich im Museum 
der k.k. geol. Reichsanstalt mehrere Gesteinsstücke befinden, welche 
ganz mit Steinkernen erfüllt sind und dem Vorkommen von Nieder- 
hollabrunn so ausserordentlich gleichen, dass ich lange der Meinung 
war, dass es sich um eine Verwechslung der Fundortsangabe handeln 
dürfte, da als Fundort Rainbach bei Efferding in Oberösterreich an- 
gegeben war. Es scheint sich indessen bei diesen Stücken um ein 
Vorkommen eines den alttertiären Mergeln eingelagerten Kalksteines 
zu handeln, ebenso wie bei den Kalksteinen der Pfaffenholzschichten 
bei Niederhollabrunn; vielleicht werden sich bei der Fortsetzung der 
Untersuchungen in den Tertiärbildungen zwischen dem Aussensaume 
der Flyschzone und der böhmischen Masse weitere Stellen auffinden 
lassen, an welchen das Alttertiär, und zwar das Oligocän, zu Tage 
tritt, wodurch weitere Verbindungspunkte der mährischen und bayri- 
schen Oligocänbildungen festgestellt werden könnten. 


Sehr beachtenswerth sind die Bemerkungen, welche Th. Fuchs 
über das Auftreten von Tertiärbildungen am äusseren Rande des 
Apennin in seiner oben erwähnten Arbeit über die muthmasslichen 
Aequivalente der Niemtschitzer Schichten macht. Am äusseren Rande 
des Apennin finden sich von Cherasco und Ancona und weiter nach 
Süden die Pteropodenmergel des Langhien mit Solenomya Doderleinii, 
Axinus sinuosus, Lucina globulosa, Pecten denudatus u. Ss. w. 


!) Th. Fuchs, Petrefacten aus dem Schlier von Hall und Kremsmünster 
in Oberösterreich. (Verh. d. k. k. geol. R.-A. 1874, pag. 112.) 
17° 


132 Dr. O. Abel. [42] 


Im Liegenden dieses Mergels befindet sich der Macigno. 
Stellenweise tritt in demselben eine grosse Lucina vom Aussehen 
der L. globulosa auf (Porretta bei Bologna, Dicomano etc... — Im 
Liegenden des Macigno wurden später graue Mergel mit eingelagerten 
Mergelkalken gefunden, welche ebenfalls die Zucina cf. globulosa Desh. 
enthalten. Th. Fuchs macht darauf aufmerksam, dass diese Mergel- 
kalke sehr reich an Bitumen sind und daher als „Calcare fetido* 
bezeichnet werden; sie treten als concretionäre Blöcke auf wie die 
Knollen in den Niemtschitzer Schichten. (Literatur bei Th. Fuchs, 
1902, 1. ce. pag. 444.) 

Th. Fuchs neigt daher der schon von Oppenheim ge- 
äusserten Vermuthung zu, dass diese Schichten vormiocänen Alters 
sind und wir hätten danach in ihnen möglicherweise die Aequivalente 
der Niemtschitzer Schichten zu erblicken. 

Kehren wir zum Aussensaume der Flyschzone zurück. 

Die ersten Spuren des südbayrischen Oligocäns trifft man, von 
Osten kommend, in den Vorbergen der Flyschzone südöstlich und 
südlich von Traunstein in Bayern, und zwar erscheint hier, steil 
aufgerichtet, unmittelbar am Gebirgsrande die untere Meeres- 
molasse und über ihr die brackische Molasse mit kleinen 
Pechkohlenflötzen. Beide gehören, wie W. Wolff!) gezeigt hat, 
dem Oberoligocän an, und zwar besitzt die untere Meeresmolasse 
einen rein oberoligocänen Charakter, während die brackische Molasse 
bereits in nahe Beziehungen zur aquitanischen Stufe tritt. 

Nördlich sind der brackischen Molasse rein marine Gesteine 
vorgelagert, welche dem Miocän angehören und die obere Meeres- 
molasse genannt werden. 

Es ist wichtig, dass die Oligocänmolasse vom älteren Flysch 
und der Kreide sehr gut getrennt ist und dass diese Trennung durch 
tektonische Störungen verschärft wird. 

Die untere Meeresmolasse gehört etwa dem Horizonte 
des Pectunculus - Sandsteines in Ungarn und der Casseler Sande an. 
Der wichtigste Fundort von Versteinerungen dieser Schichtgruppe ist 
nach W. Wolff der Thalberggraben bei Siegsdorf; die Fossilien 
liegen in einem grauen Mergel, welcher zwischen Sandsteinen und 
Conglomeraten eingeschaltet ist. 

Ueber der unteren Meeresmolasse folgen die brackischen 
Cyrenenmergel. Cerithium margaritaceum, ©. Galeottii, Cyrena 
semistriata und Melanopsis Hantkeni sind ungemein häufig; daneben 
treten viele miocäne Typen auf. Auch Reste von Anthracotherium 
haben sich in diesen Schichten gefunden, die in Form von Mergeln, 
Sandsteinen, feineren Conglomeraten und Pechkohlenflötzen ent- 
wickelt sind. | 

Die oberoligocäne Molasse ist überall stark gefaltet und gestört. 

W. Wolff hat es versucht, den Zusammenhang mit den älteren 
Tertiärbildungen Oesterreichs am Aussensaume der Fiyschzone zu 


') W. Wolff, Die Fauna der südbayrischen Oligocänmolasse. (Palaeonto- 
graphica 43. Bd., Stuttgart 1896—1897, pag. 223.) Vergl. ferner die oben citirte 
ee 2 Gümbels (Sitzungsber, d. kgl. Akad, München, 17., 1887, pag. 
2 


[43] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens, 133 


verfolgen und hat zunächst die Vorkommnisse von Amstetten und 
Melk in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. 

F. E. Suess hat gelegentlich seiner Beobachtungen über den 
Sehlier in Oberösterreich und Bayern (l. ce. pag. 414) ein Profil mit- 
getheilt, welches Prof. H. Commenda in der Gegend von Plesching 
bei Linz in Oberösterreich aufnahm. 

Im Herbste 1889 wurde bei Plesching ein Versuchsstollen 
durch einen sandigen Mergel mit Muschelabdrücken getrieben; darüber 
lagerte ein grober weisser, stellenweise gegliederter Quarzsand. 
Nachdem der Stollen eine Länge von 15 m erreicht hatte, trieb man 
einen Schacht in die Tiefe und durchfuhr von oben nach unten 
folgende Schichtreihe: 


5m Quarzsand mit Kaolin und Muschelbänken. 

2 m Sand mit Concretionen und ? Kohlenspuren. 

bm ? B 

1 m feste Bank von verkittetem Sand. 

1 m sandigmergeliges, etwas fettig sich anfühlendes graues Ge- 
stein. 


F. E. Suess konnte folgende Arten bestimmen: Pholadomya 
Puschii Goldf., Panopaea cfr. Menardi Desh., Thracia faba Sandb., 
Thracia n. spec., ÜOytherea cfr. Lamarcki Ag., Lweina spec., Venus 
umbonaria Lam., Cardium eingulatum Goldf., Cardium cfr. edule M. 
Hoern., Cardium spec., Clavagella bacillaris Desh. (häufig), Pecten n. 
spec, af. crinitus Mstr., Turritella cathedralis Brong., Fusus spee., 
Cassidaria spec., Echinolampas spec., mehrere kleine unbestimmbare 
Bivalven. 

Pholadomya Puschii Goldf. findet sich in der unteren Meeres- 
molasse und im Cyrenenmergel, im Oyrenentegel und im Pectunculus- 
Sandstein Ungarns, im Oberoligocän Siebenbürgens, im Mittel- und 
Oberoligocän Deutschlands und ist im Unteroligocän ganz allgemein 
verbreitet. 

Cardium cingulatum Goldf. findet sich ebenfalls in der unteren 
Meeresmolasse, den Cyrenenmergeln Bayerns, in den gleichalterigen 
Bildungen Ungarns und Siebenbürgens u. s. w., im Mitteloligocän des 
Mainzer Beckens, des Pariser Beckens u. s. w. und ist auch im Unter- 
oligocän weit verbreitet; im Wiener Beeken hat sich diese Art in 
den Loibersdorfer Schichten gefunden. 

Thracia faba kommt im Oligocän des Mainzer Beckens vor, 
Pecten cerinitus Münst. im Oligocän von Bünde. 

Auf Grund dieser Fauna stellt Dr. F. E. Suess die Schichten 
von Plesching in dasselbe Niveau wie die Loibersdorfer und Gaudern- 
dorfer Schichten; es ist jedoch sehr zu beachten, dass von 10 be- 
stimmbaren Formen (die Thracia n. sp. nicht mitgerechnet) 4 Arten 
typische Oligocänformen sind und es ist viel wahrscheinlicher, 
dass diese Schichten den Molter Schichten entsprechen; die weissen 
Sande im Hangenden sind vielleicht zum Theil noch aquitanisch; 
auffallend ist das Vorkommen von Halitherium Schinzi Kaup (= H. 
Ohristoli Fitzinger) in den weissen Sanden von Linz, eine Form, die 
sonst nur in oligocänen Bildungen angetroffen wird. 


134 Dr. O. Abel. [44] 


Zwischen Linz und Melk haben sich bei Viehdorf nördlich von 
Amstetten in dunklen Schieferthonen mehrere Versteinerungen ge- 
funden, welche am Museum der k. k. geol. Reichsanstalt und in der 
Sammlung der Wiener Technik aufbewahrt werden. Im verflossenen 
Sommer besuchte ich die Gegend wiederholt, traf aber keine Auf- 
schlüsse mehr an. Es liegen folgende Arten von Viehdorf vor, welche 
F. Toula bestimmte (Verh. d. k. k. geol. R.-A. 1865, pag. 165): 


Oerithium margaritaceum Broce. 
e plicatum Brug. 

Neritina pieta Fer. 

? Pyrula cornuta Ag. 

Ostrea cfr. digitalina ? 


Aus Viehdorf gelangte an die geol. Reichsanstalt eine Kohle 
zur Untersuchung, deren Analyse von C. v. Hauer (Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1865, pag. 68) mitgetheilt wurde. 

Wolff bemerkt zu der Fauna der Schichten von Amstetten 
und Melk, dass sie mit derjenigen des Cyrenenmergels viele Aehn- 
lichkeit zeigt, jedoch zu dürftig sei, um ein sicheres Urtheil über 
das Altersverhältnis beider zu gestatten: „Die Cerithien sind in- 
different, die Austern und Neritina picta aquitanisch; Pyrula cornuta 
ist sowohl hier als in .Bayern zweifelhaft.“ Die Schichten von Molt 
sind ebenfalls nicht ganz mit den Cyrenenmergeln in Uebereinstimmung 
zu bringen; neben Neritina picta, Cerithium margaritaceum, CO, pli- 
catum, Lucina ornata und Cyrend gigas treten typisch - aquitanische 
Fossilien auf, welche auf ein jüngeres Alter hinweisen, wie Turritella 
turris, T. cathedralis und Arca cardüformis. 

Die von Th. Fuchs angeführte COyrena cfr. semistriata Desh. 
von Pielachberg bei Melk findet sich sehr häufig im Mainzer Becken 
und in den Cyrenenmergeln Bayerns, im Aquitanien der Schweiz, 
in den Öyrenentegeln Ungarns, im Oberoligocän Siebenbürgens und 
im Stampien des Pariser Beckens. Die von Suess aus Pielachberg 
angeführten Cyrenen (Antlitz der Erde, I, pag. 453, Anm, 53) waren 
speeifisch nicht näher bestimmbar. 

Rzehak weist darauf hin, dass in Mähren in der oberen 
Oligocänzeit ähnliche Verhältnisse geherrscht haben dürften wie in 
Oberbayern und ist der Ansicht, dass auch der oberoligocäne Sand- 
stein von Gross-Pawlowitz bei. Saitz ohneweiters als „Molasse“ be- 
zeichnet werden dürfe; „es lässt sich mit Rücksicht auf alle diese 
Verhältnisse wohl kaum bezweifeln, dass das oberoligocäne Becken 
Mährens mit jenem ÖOberbayerns und mittelbar also auch mit dem 
der Schweiz in freier Verbindung gestanden ist“. Aus diesem Sand- 
steine, welcher sich in den Blockablagerungen des Windmühlberges 
bei Gross-Pawlowitz gefunden hat, konnte Th. Fuchs folgende Arten 
bestimmen: 

Pectunculus latiradiatus Sandb. 
R cfr. Philippi Desh. 

Öytherea Beyrichi Semp. 

Leda n. spec. 

Cardium Heeri M. Eym. 


[45] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 135 


- Cardium cfr. Heeri M. Eym. 
Turritella cfr. quadricanaliculata Sandb. 
Calyptraea cfr. striatella Nyst. 
Nassa cfr. flexicostata Speyer. 
Cupularia spec. 


A. Rzehak fügt dieser Liste noch folgende Arten hinzu: 


Oytherea incrassata Sow.? 

Öyprina rotundata A. Braun? 

Tellina f. ind. 

Leda cfr. gracilis (— Leda n. f. Fuchs in litt.). 
»„ af. varians Wolff. 
„ af. modesta Wolf. 

Nucula f. ind. 

Corbula? f. ind. 

Cardium f. ind., af. semirugosum Sandb. 

Buceinum f. ind. 

Fusus f. ind. 

Ringicula cfr. Hochstetteri H. u. A. 


Es ist somit eine sehr grosse Uebereinstimmung mit der unteren 
Meeresmolasse (chattische Stufe Fuchs) vorhanden, eine Thatsache, 
die von grosser Bedeutung bei der Untersuchung der Altersfrage 
jener Tertiärbildungen ist, welche den Saum der Alpen bei Nieder- 
österreich bis nach Bayern begleiten, denn es ist sehr wahrscheinlich, 
dass die Verbindung zwischen dem mährischen und bayrischen Ober- 
oligocän in dem schmalen Meeresarm bestand, welcher sich zwischen 
der böhmischen Masse und dem Aussensaume der Flyschzone aus- 
dehnte. 

Wir wollen nunmehr die untere Grenze der Tertiärbildungen 
des Tullner Beckens fixiren. 

Wir finden bei Bruderndorf nördlich von der Donau über den 
rothbraunen Sandsteinen, die dem oberen Bartonien angehören, weisse 
Mergel, welche neben Melettaschuppen zahlreiche Foraminiferen von 
bartonisch -ligurischem Typus enthalten. Diese Mergel setzen sich, 
ohne sich petrographisch im geringsten zu verändern, nach Süden 
über die Donau fort und wir konnten sie am Auberge bei Siegharts- 
kirchen und bei Königstetten am Tullner Felde nachweisen. Bei 
Dittersdorf trafen wir Conglomerate aus Flyschgesteinen an, welche 
über typischem Greifensteiner Sandstein liegen und ganz allmälig 
aus den oberen Bänken desselben durch Wechsellagerung hervor- 
gehen; an einer nicht weit entfernten Stelle lag dasselbe Conglomerat 
auf einem Tegel, der sonach als ein Aequivalent des Greifensteiner 
Sandsteines angesehen werden muss, da sich in diesem Gebiete die 
Schichten in normaler Lagerung befinden. 

Es ist also kein Zweifel, dass diese Gruppe von Mergeln und 
Sandsteinen dem unteren Oligocän entspricht und dies wird noch 
durch das Vorhandensein von Menelitschiefern nördlich von Nieder- 
fellabrunn bestätigt, welche Zwischenlagen in den hellen Mergeln 
und Sandsteinen bilden; südlich von dieser Stelle sind sie nirgends 
mehr am Aussensaume der Flyschzone anzutreffen. 


136 Dr. O. Abel. [46] 


Die Mergel und Sandsteine gehen ganz allmälig in Schichten 
über, welche sich petrographisch von den älteren Bildungen in der 
Regel fast gar nicht unterscheiden; nur bemerkt man, dass die 
schieferigen Mergel nach oben zu ihre charakteristische weisse oder 
hellblaue Farbe verlieren und in der Regel hellgrau, blaugrau oder 
leberbraun gefärbt sind. Auch treten da und dort mergelige Kalke 
auf, welche linsenförmige Einlagerungen in den Mergeln zu bilden 
scheinen. In der Gegend von Niederhollabrunn sind an einigen Stellen 
Kalke aufgeschlossen, welche wir oben bereits erwähnt haben und 
die oligocänen Alters sind. Eine genauere Trennung dieser Bildungen 
ist nicht durchzuführen. 

Am Rande der Flyschzone sind zwischen Ebersberg und Gerers- 
dorf im Buchbergzuge Conglomerate entwickelt, über welchen einer- 
seits die Mergel folgen, welche an der Aussenseite des Conglomerat- 
zuges liegen; andererseits liegen an der Innenseite der Conglomerate, 
zwischen denselben und dem Aussenrande der Flyschzone Sande und 
Sandsteine, welche ganz den Charakter der weissen groben Quarz- 
sande von Melk besitzen und welchen an vielen Stellen Braunkohlen- 
flötze eingelagert sind. Bei Baumgarten ist sogar das Conglomerat 
ringsum von diesen Sanden umgeben. 

Der Zwischenraum zwischen dem Buchbergconglomerate am Rande 
des Gebirges und der böhmischen Masse wird von den Mergeln und 
Sanden gebildet, welche bei St. Pölten zahlreiche Pteropoden und 
Brissopsis cfr. Ottnangensis enthalten; bei Mechters hat sich u. a. 
eine Solenomya cfr. Doderleinii gefunden. 

Diese Mergel fallen am Südabhange der Lochau, welche aus 
einer zur böhmischen Masse gehörigen Gneisskuppe besteht, unter 
Blockablagerungen ein, die eine Bank der Östrea fimbrioides Rolle 
enthalten; diese Auster hat sich in grossen Mengen in den aquitani- 
schen Schichten bei Melk und Pielachberg gefunden und die Blocks 
ablagerungen gehören aus diesem Grunde wahrscheinlich ebenfalls 
der aquitanischen Stufe an. Sie enthalten, wie wir oben gezeigt 
haben, viele Trümmer der grauen schieferigen Mergel des Tullner 
Beckens. 

In Wechsellagerung mit den Schichten mit Ostrea fimbrioides, 
Cerithium margaritaceum, ©. plicatum u. s. f. befinden sich die weissen 
Sande und Sandsteine von Melk. Es sind dies dieselben Schichten, 
die sich nach Westen über Amstetten bis Linz fortsetzen und wir 
haben bei Plesching unter den weissen Sanden wieder oligocäne Typen 
angetroffen. 

In den Mergeln und den ihnen eingeschalteten Mergelkalken 
haben sich in der Gegend von Kremsmünster jene Formen gefunden, 
welche Th. Fuchs mit Arten aus den Niemtschitzer Schichten 
Mährens, aus den Kalken bei Niederhollabrunn und aus den Mergeln 
am Aussenrande der Apenninen verglich. 

Die Hauptmasse der Tertiärbildungen zwischen der böhmischen 
Masse und dem Flyschrande ist also ohne Zweifel weit älter, als man 
bisher anzunehmen geneigt war und fällt zum grossen Theil in das 
Oligocän. Es sind jedoch auch in den Mergeln jüngere Stufen ver- 
treten, welche sich an jenen Stellen, wo die Mergel fossilleer sind, 


[47] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 137 


wegen der gleichartigen petrographischen Beschaffenheit der ganzen 
Schichtgruppe nicht nachweisen lassen; dass aber die I. Mediterran- 
stufe in diesen Mergeln vertreten ist, lehren die Beziehungen der- 
selben zu den Oncophora-Schichten in dem Gebiete zwischen St. Pölten 
und Judenau am Tullner Felde. 

Im Haspelwalde und am Schildberge zwischen St. Pölten und 
Böheimkirchen liegen die Oncophora-Sande concordant auf den Mergeln 
und Sandsteinen des Tullner Beckens, und zwar bilden sie, wie oben 
auseinandergesetzt wurde, eine muldenförmige Einlagerung in den- 
selben. Der Uebergang vollzieht sich so allmälig, dass es nicht mög- 
lich ist, eine scharfe Grenze zwischen beiden Bildungen zu ziehen. 
In den ÖOncophora-Sanden und -Sandsteinen finden sich zahlreiche 
Trümmer der tieferen Mergelschichten. 

Dass diese Oncophora-Schichten das Verbindungsglied zwischen 
den bayrischen und mährischen Vorkommen darstellen, unterliegt 
wohl kaum einem Zweifel und ebensowenig zweifelhaft dürfte auch 
das Alter dieser Oncophora-Sande von St. Pölten sein, die den 
Schichten von Grund entsprechen und somit das jüngste Glied der 
zusammenhängenden Kette der Tertiärbildungen des Tullner Beckens 
darstellen. 

Wenn auch in Folge der Kürze meiner Aufnahmszeit in dem 
untersuchten Gebiete die Ergebnisse nur lückenhaft sein können und 
obwohl vor Allem nur sehr wenige Versteinerungen aufgefunden wurden, 
welche eine sichere Parallelisirung mit den bayrischen und ungarischen 
sowie den mährischen Oligocänbildungen ermöglichen würden, so 
glaube ich doch, dass durch die Zusammenstellung meiner dürftigen 
Beobachtungen immerhin einige Anhaltspunkte zur Klärung der Alters- 
frage der Tertiärbildungen am Aussensaume der Alpen gegeben sind. 
Wir konnten zeigen, dass das Buchbergeonglomerat concordant auf 
dem Greifensteiner Nummulitensandstein liegt, dass die Mergel von 
Niederfellabrunn und Bruderndorf concordant auf den oberbartonischen 
Sandstein von Bruderndorf folgen und dass östlich von Bruderndorf 
Menelitschieferlagen diesen Mergeln eingeschaltet sind. Durch diese 
Lagerungsverbältnisse wie durch die Untersuchungen Rzehak’s über 
die Foraminiferen dieser Bildungen ist ohne Zweifel festgestellt, dass 
die untere Abtheilung der Mergel und Sandsteine des Tullner Beckens 
ein unteroligocänes Alter besitzt. 

Ferner konnte gezeigt werden, dass diese untere Abtheilung 
der Mergel und Sandsteine des Tullner Beckens ganz allmälig in die 
obere übergeht, dass in der Lochau bei Loosdorf die Mergel unter 
die aquitanischen Blockschichten einfallen und dass in diesen Trümmer 
die Mergel eingebettet sind. Diese Abtheilung würde somit dem 
Mitteloligocän und Oberoligocän entsprechen. Zwischen St. Leonhard 
am Forst und Wieselburg sieht man jedoch den weissen Melker Sand 
und Sandstein nach Süden ganz allmälig in die schieferigen Mergel 
und Sandsteine übergehen ; diese Abtheilung der Mergel des Tullner 
Beckens entspricht daher der aquitanischen und wahrscheinlich der 
I. Mediterranstufe. Dass die letztere auch noch in den Mergeln ver- 
treten ist, geht aus dem Lagerungsverhältnisse derselben zu den 
Oncophora-Sanden hervor. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 1. Heft. (Dr. O. Abel.) 18 


138 Dr. O. Abel. 148] 


Fassen wir die Ergebnisse kurz zusammen, so ergibt sich 
Folgendes: 


Die Mergel und Sandsteine des Tullner Beckens 
beginnen mit dem Unteroligocän und reichen ohne 
Unterbreehung durch die höheren Stufen hinauf bis 
an die Basis der Oncophora-Sande. 

Das Buchbergeonglomerat umfasst das Unter- 
oligocän, Mitteloligocän und wird einerseits von den 
Mergeln des Tullner Beckens, andererseits von den 
braunkohlenführenden Melker Schichten überlagert. 

Die Melker Schichten entsprechen den Molter 
Schiebten des Horner Beckens und sind entweder als 
fossilführende thonige Bildungen mit Cerithium mar- 
garitaceum, O. plicatum, O.elegans, 0. Lamarckiti, Cyrena 
cfr. semistriata, Ostrea fimbrioides u. s. w. mit Ein- 
lagerungen von Braunkohlen oder als weisse und hell- 
gelbe lockere fossilleere Sande und Sandsteine ent- 
wickelt. Der Sandstein mit Alveolina spec. und Lepido- 
eyclina cfr. burdigalensis Gümb. am Aussenrande der 
Flyschzone gehört wahrscheinlich zu derselben Schicht- 
gruppe. An einigen Stellen sind Blockablagerungen 
(Klein-Pöchlarn, Ursprung, Lochau) entwickelt, die in 
der Lochau die Ostrea fimbrioides enthalten. 

Die Mergel und Sandsteine des Tullner Beckens 
werden nach oben von den Oncophora-Schichten abge- 
schlossen, welche bisher nurin dem Gebiete zwischen 
St. Pölten und Judenau nachgewiesen werden konnten, 
wo sie eineGesammtausdehnungvon 30km Länge (parallel 
zum Gebirgsrande) und 17 km Breite (zwischen St. Pölten und 
Traismauer) erreichen. 

Die jüngsten Tertiärbildungen des Gebietes sind 
die pliocänen rostgelben Quarzschotter (Belvedere- 
schotter), welche den Lauf der Donau begleiten undiin 
einzelnen Schollen auf den Höhen der böhmischen 
Masse liegen. 


Immerhin lässt sich schon heute erkennen, dass die grosse 
Lücke, welche man immer zwischen den oligocänen Vorkommnissen 
Mährens und Bayerns anzunehmen geneigt war, in der That nicht 
besteht. Ob es gelingen wird, die einzelnen Horizonte des Oligocäns 
in Oberösterreich nachzuweisen und ihre Beziehungen zu dem jüngeren 
Schlier von Ottnang klarzulegen, muss weiteren Untersuchungen bei 
der kartographischen Aufnahme dieses Gebietes vorbehalten bleiben. 


[49] Studien in den Tertiärbildungen des Tullner Beckens. 139 
Ortschaftsverzeichnis. 
Seite Seite 
Fun. 3) ee 1066 Hasselbach . :» . . 98 
nr ne = = a Hunslästen 7... 2... smimie 113 
Alt- Ruppersdorf . SErseae eiimreneichr ee... . .% 119, 120 
Beten. ! . ! ! .. 2.184.135 Donzne 2» ..:.... 97, 106 
Bmzonbere., . . .. I... ut Slidssı Heryopenbure u... Sp. fu. s 118 
rd Hl E IE Ri en Klar) Hötlemmii.c. al: 106, 127 
Anzing bei Raipoltenbach = #119 2 5 ipislarben en te BT 115 
Anzing bei Würmla ..119 Hohenwart 103, 121 
Asperhofen 3 Sen 1y Tage: 21) Diehl A er Fe 111 
Atzelsdorf . „120 Hütteldorf am Tullnerfeld 120 
ae nl ER. 115 
Inning 100, 114 
U ER A VE 128 
Baumgarten bei Neulengbach . . 108, Johannesberg . . . 103, 105, 122, 123 
116, 121, 125, 136 Judenau 94, 97, 106, 118, 120, 137 
Barsine. 4:0; : . 126 
Böheimkirchen 95, 100, Ag 137 _ Kemmelbach a. d. Ybbs 97, 99, 128 
Burgstall . oe ae ee . 95, 100. 108 
Bruderndorf .. 94, 129, 135, 137 _ Kirchstetten . 117, 123 
Mauspriel n ; Woreın er. Bi 
Diendorf „ale ylein-Pochlamt elmmin Wpsle 116 
ERrschdorf , =... 2.00. . 120  Königstetten 93, 94, 97, 101, 102, 135 
Dittersdorf „ . ..eaSse 106, 197, 135 Kogel bei Starzing. .. ... 103, 116 
Dörfel NS, 122. 123,125 Konhlenberg bei Kılb . ....... „108 
22 es er BEAT TE ‚116 Kollapriel . a 115 
Kremsmünster 3 131, 136 
Ebersberg 103, 104, 105, 121, 125, 13 Kreufh . . . . .108 
Ebersdorf . . . .119  Kronstein . . 109 
Elsbach bei Ried Ba a 98, 98 
EUREN RERTNE .106 Lehen ER N ... 100 
ee 2 ec ha age 1032 Seitzersdort 214 Haar 95, 114 
T:inz.%.! ). 133, 136 
Fachelberg 115 Löbersdorf ....... ‚22116 
Benberee.. .... 97  Loibersdorf am Tullnerfeld . 106, 107 
Fleischessen bei Kilb . 108 Loosdorf . . 100, 105, 114, 137 
Dlnsberz ‘.. . u... 119 
Furth bei Böheimkirchen . 12] Maisbirabeum .'. U. .IE amdi 95 
Markersdorf. . . 105 
Gerasdorf.. ; 99  Matzelsdorf bei Neulengbach re 9 
Gerersdorf 103, 136 Matzleinsdorf bei Melk E42 
Gollarn . . „107 Mauer bei Melk . . 42.:L88 
Graben bei Melk . . .. ... 112 Mechters .. . Ur 99, 136 
Graben bei Neulengbach . . 117, 123 Melk. 100, 109, 110, 115, 134, 136 
Graben am Seefeld . .119 _Mitter-Moos . . 109 
Grabensee 98,15 Molt... En "118, 134 
Greifenstein . . . 106, 127 Münzkirchen (Bayern) u). wu 
Gross-Pawlowitz . . . .,134  Mursteiten, ©. -. IM . 98, 119 
Gross-Priel 115 
Gross-Sirning - . „113 Neuhofen bei Loosdorf ee be 
Gschwend . 102, 121 Neulengbach 93, 94, 95, 104, 105, 
116, 117, 121, 123 
Häring in Tirol . 99  Niederfellabrunn . 95, 101, 129, 137 
Hafnerbach . . 99  Niederhollabrunn 101, 129, 130, 131, 136 
Hagenau 102, 104, 106, 121, 122  Nikolsburg De 95, 97 
Hall in Oberösterreich 6 131 
Darland..):: 2.5 er 115  Ober-Grafendorf . 49:99 
Hareibasiiı . 17. u 95 Ober-Moos ..... .119 


18* 


140 Dr. O. Abel. [50] 
Seite Seite 
Oberndorf bei Purgstall ... . . .100 Siegsdorf (Bayern)... ..... 132 
Oberndorf bei Traismauer . . .„. .118 Sitzenberg. ..... 2.2... Bi: 
Ober-Radelberg ..... . 118, 119 Sitzenthal ..... 0... 112, 114 
Ober-Zwischenbrunn . ....120 Starzing 93, 102, 103, 104, 105, 116, 
Ochsenbure ce. rn... 2 sen 117, 121, 122, 123 
Dede. . 105, 119, 322,183  Bteinparz MN: .o PERF 115 
Ollerspachemsee Ve . 102, 104 Stockerau . 95, 102, 106, 114 
ORdnIBEL 7 ee: 2 ANIEMITLD. - SELBER 2 0 Den ie ee . 103 
Osane) . “un. en. ea BErBIthoipn . 2.0 107 
Pappenberg . . ..... +... 2598 ' Tansenülblum vu LER ITS 
Paz im Wiener Wald... . . 109 Thal... .. . 111, 112, 114 
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Perschling“ RE N 119 Traismauer en 91, 94, 118 
Potkenau). ."... NEE yaane © LROSUDER® „FM B N 172 20 13 Me He 
RE ee Traunstein (Bayern) EEE IN 132 
Belach orte rd, Bz 
Pielachberg . . 100, 111, 114, 134, 186 ÜUmsee .... 2.2200 98 
Pixendorf . . an oz, an, Unter. Bierbanm our UNTERE 
Plesching bei Lin. . .. 138, 136 Unter-Grafendorf ... . 2. „,.98 
Pöchlam -. ..2.2.......115 Unter-Miesling....... . 119 
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Pottenbrunn . 98, 119, 120 Unter-Thalheim a. d. Donau .. .116 
Prinzersdorf 2,0 2 ec "98,  Unter- Woltsbach". =) 2 EM er e 126 
Purgstall a. d. Erlauf 95, 99, 128 Ursprung . 2.2... . 111, 112 
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Rainbach bei fferding .. „a Ausbil en ca wir Bde 
Raipoltenbach . . . il; ee ww 
Rappoltenkirchen . 103, 104, 105, 121 
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Rekawinkel .. +: . -%&, 109 won dorf SIT SIE DEE 
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Böhrenbach . . . ./.. . „ roskmsJan a RE = 
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Rosalienfeld bei Mautnitz. . . . .130 elselador a er Per; 
atzelsdorf . u De cc ae 99 
Watzendotf. sr du, 119, 120 
Sasendorf . . . . . 0.2. 118  Weinzierl am Tullnerfeld 109, 119, 120 
St. Leonhard am Forst . . . 115, 137 Weinzierl bei St Pölten . .... 99 
St. Pölten 91, 94, 98, 99, 118, 119, Weischne... Er. r. ZereWei$ RE- 
126, 127,,136,1187  Weitern... .» zu, . TUN: 
Schallaburg . ....°.....2.. 4118 Wieselberess..d. Erlauf. 128, 137 
Scheibbs. u. b 108 . WIESE ann „119 
Schützen N... 0. @ See aa DVB Wilhelmsburg a a. d. Traisen 95,.99 
Schlatten?. . .... . =... „ser lla Wonpssungze a anne - < 113 
Schrattenbruck . . .'.'. .„ .,... 114 Winden. em ES 
Schrollen 2... 2.2... 2. 48 "Wondschnur 95, 113 
Sichtenberg . . . 2»... ulm. din. ı Winklins 2 Eures Ge 
Siebenhirten... . 3... } 98, 116 Würmla. . i 98, 118 
Siegersdorf EA 93, 98, 107 
Sieghartskirchen 93, 97, 98, 102, 106, Zelkmee > 1 ee. Rs, 
197, 185 "Zemdor. m 8 BE. 


Das Sammelergebnis Dr. Franz Schaffer’s aus 
dem Oberdevon von Hadschin im Antitaurus. 


Von Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. 
Mit vier Lichtdrucktafeln (Nr. IV—VIM). 


Von seiner ersten Reise nach Kleinasien im Frühjahre 1900, 
die Dr. Franz Schaffer im Auftrage der „Gesellschaft zur För- 
derung der naturhistorischen Erforschung des Orients“ unternommen 
hatte und die hauptsächlich der Erforschung der „tertiären Meeres- 
bildungen, deren bedeutende Entwicklung in diesem Gebiete seit 
Tehihatcheff bekannt ist“,!) galt, brachte er auch eine stattliche 
Serie zum Theil prächtig erhaltener Fossilien aus dem gleichfalls be- 
reits durch Tehihatcheff?) bekanntgemachten Oberdevon von 
Hadschin im Antitaurus mit, die in das Eigenthum des k. k. natur- 
historischen Hofmuseums in Wien übergingen. Von Herrn Director 
Theodor Fuchs erhielt ich im Frühjahre 1901 den ehrenden Auf- 


trag, diese Devonfossilien zur Bestimmung und Bearbeitung zu über- 


nehmen, wofür ihm hiermit mein Dank ausgesprochen sei. Leider ver- 
zögerte sich durch äussere Umstände die Fertigstellung dieser Arbeit, 
so dass ich erst jetzt zu ihrer Veröffentlichung schreiten kann. Zu 
ganz besonderem Danke bin ich Herrn Prof. Dr. Rudolf Hörnes 
verpflichtet, der selbst mit grösster Zuvorkommenheit die Photogra- 
phien zu den beigegebenen Tafeln im geologischen Institute der 
Grazer Universität anfertigte. 


Graz, im März 1903. 


Herrn Dr. Schaffer verdanke ich folgende Darstellung über 
die Lagerungsverhältnisse an der von ihm ausgebeuteten Localität): 
„Tchihatcheff hat im Flussgebiete des Sarran Su im südlichen 
Antitaurus ein ausgedehntes Gebiet devonischer Ablagerungen ge- 
funden, die ich auf meiner ersten Reise im Jahre 1900 kennen lernte 
Das Streichen der circa 2200 m hohen Bergketten ist meridional und 


!) Dr. Franz Schaffer. Geologische Studien im südöstlichen Kleinasien. 
Sitzungsberichte der math.-nat. Cl. der kais. Akademie d. W. Bd. CIX, Abth. I, 
pag. 498. Wien 1901. 


?) P.de Tehihatcheff. Asie mineure. IV. Geologie I, pag. 694 ff. Paris 1867. 


®) Die mir vom k. k. Hofmuseum anvertrauten: Stücke tragen alle die Eti- 
quette: Coll. Dr. F. Schaffer. Hadschin. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (Penecke.) 


142 Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. [2] 


entspricht dem der intensiven Falten, die durch tief eingerissene 
Flussläufe aufgeschlossen sind. Am Nordfusse des Kiras Bel traf ich 
in der Schlucht des Dalgan Suiu folgende Schichtenfolge: zu oberst 
liegt heller, blauer, dichter Kalkstein ohne Fossilien, darunter 
schwarzer und dunkelbrauner Schiefer mit lichteren Kalkbänken von 
zahlreichen Harnischen durchzogen, und dann rostbrauner plattiger 
Sandstein mit Eisenerzen und Fucoiden, unter dem weisse krystalli- 
nische Kalke mit Eisenerzen liegen. Th. Fuchs hat für den Fucoiden- 
sandstein ein untersilurisches Alter wahrscheinlich gemacht.!) Das 
Thal des Hadschin Su ist in die meist senkrecht stehenden Devon- 
falten eingerissen und zeigt bei Hadschin folgende Schichtenserie: 


I. Blauer Kalkstein. 

II. Rostbrauner Kalk und Sandstein (sehr fossilreich). 
III. Schwarzer Schiefer. 
IV. Braunschwarzer Kalkstein. 


Besonders an der Einmündung des Hadschin Su in den Sarran 
Su, wo der von Hadschin nach Feke führende Weg über den Hussein 
Bel führt und in die Sarran-Su-Schlucht eintritt, bilden die roth- 
braunen Sandsteine und Kalke die westliche Thalseite und sind 
äusserst fossilreich. Von hier stammt die Mehrzahl der Stücke. Bei 
Feke, weiter im Westen, treten die gleichen Schichten mit dem 
nämlichen Fossilreichthum auf. 

Auf Kiepert’s neuer Karte sind die Localverhältnisse recht 
gut zu erkennen. Hadschin liest eirca 1000 m hoch.“ 

Kurz hat Dr. Schaffer darüber bereits in seinen geologischen 
Studien im südöstlichen Kleinasien (l. c. pag. 517) berichtet. 

Die mir vorliegenden, die Fossilien umschliessenden Gesteins- 
stücke sind gelb- bis rothbraune eisenschüssige Kalksandsteine, die 
in manchen Stücken durch Anhäufung von Brachiopodenschalen oder 
Crinoidenstielgliedern in einen Brachiopoden-, beziehungsweise Cri- 
noidenkalk übergehen und die jedenfalls Schicht II in Schaffer’s 
obiger Darstellung entstammen. Daneben weniger zahlreich sind 
schwarze graphitische Schiefer, die nur stengelige Korallen (Cyatho- 
phyllum caespitosum Goldf. und Thamnophyllum supradevonicum mihi) 
sowie Abdrücke einer Polypora enthalten. Ob sie der Schicht III 
angehören oder aus Einlagerungen der Schicht II stammen, weiss 
ich nicht., Nach ihrer Fauna lassen sich diese Thonschiefer wenigstens 
vorläufig von Schicht II nicht trennen, da sie ja nur aus 
den drei genannten Formen besteht. Wenn sich auch gewisse Ver- 
schiedenheiten geltend machen: das Thamnophyllum ist auf sie be- 
schränkt und das Oyathophyllum zeigt etwas grössere Dimensionen 
als das des Sandsteines; diese Verschiedenheiten können sich jedoch 
ebensowohl durch die andere Facies als durch geringe 'Altersver- 
schiedenheit erklären lassen. Sonst zeigt die Fauna ein einheitliches 
Gepräge und verweist die Ablagerung mit aller Bestimmtheit, wie 
bereits Tchihatcheff richtig erkannt hatte, ins. Oberdevon, und 


. ..) Th. Fuchs. Ueber einige Hieroglyphen und Fucoiden aus den palaeo- 
zoischen Schichten von Hadjin in Kleinasien. Sitzungsber. d. kais, Akad. d. Wissensch. 
Bd. XCI, Abth. 1, pag. 327. Wien 1902. 


[3] Das Sammelergebnis aus dem Oberdevon ‚von Hadschin. 143 


zwar in dessen untere Abtheilung und stellt dieselbe dem Iberger- 
kalke des deutschen Devons gleich. 

Ein drittes fossilführendes Gestein liegt mir noch mit der gleichen 
Fundortsbezeichnung vor. Es ist ein brüchiger, schwarzbrauner, in 
Säure nicht brausender Dolomit, erfüllt von weissen, gleichfalls dolo- 
mitisirten, daher schlecht erhaltenen Aesten einer Striatopora, die 
sicher einer anderen Art angehört als die Striatopora vermicularis M. 
Coy. aus den Sandsteinen der Schicht I und die im Habitus sehr 
an St. Suessi Pen. der steirischen Barrandei-Schichten erinnert. Ob 
wohl dadurch das Vorkommen eines tieferen fossilführenden Horizonts 
angedeutet wird? 

Tehihatcheff führt I. ec. pag. 696 von einer Stelle, die gleich- 
falls am Wege von Feke nach Hadschin liegt, jedoch aus einem „cal- 
caire bleu fonc& crystallin, tout chamarre de fossiles“, also nicht von 
Schaffer’s Fundorte, wo die Fossilien in einem ockerfarbigen Sand- 
steine und nicht in einem blauen krystallinischen Kalke eingeschlossen 
sind, bereits eine Reihe von Fossilien des gleichen Horizonts auf, 
die in der dritten Spalte folgender Tabelle genannt sind. Es sind 
darunter eine Anzahl von Arten, die in der Schaffer’schen Aus- 
beute fehlen, wogegen durch letztere eine Anzahl anderer Arten hin- 
zukommt, so dass sich beide Listen gegenseitig wesentlich ergänzen 
und ich nun aus dem Hadschiner Oberdevon jetzt 31 Arten namhaft 
machen kann. Es sind dies: 


Von 
Nr. Ar wen Tehihatcheff Tan Sghaler 
aufgeführt Bann 
1 Thamnophyllum supradevonicum sp. nov. . Hr 
2 || Cyathophyllum caespitosum Goldf. . ni 
3 = minus Roem. x — + 
4 A Darwini Frech . — + 
5 A Marmini E. et H. E= E 
6 Sedgwicki E.et H. ... . — + 
7 Phillipastraea Schaferi sp, nov. — 2: 
8 micrastraead sp. Nov. . — ee 
9 Daroinia rhenana Schlüt. —_ -+ 
10 || Favosites Tehihatcheffi Heime . + = 
11 Pachypora eristata Blumb. In 7 
12 £ reticulata Blainv. HRınaLE + ar 
13 || Striatopora subaequalis E.et H. ... - 7 BZ 
14 P vermiceularis M. Coy. —_ - 
15 Alveolites suborbicularis Lam. + 
16 || Coenites fruticosus Stein. + ae 
17 Fenestella antiqua Goldf. . —T 7 
18 & explanata Roem. — re 
19 Polypora striatella Sandb. — + 
20 Produetus Murchisoni Kon. . + um 
21 Chonetes nana Vern. - : 2 2... + —_ 
22 Orthis striatula Schloth. . . . + + 
23 Streptorhynchus cerenistriatus Phil. _ + 
24 || Spirifer disjunctus Sow. : + + 
25 H Archiaeci Murch. . a. m 
26 a Trigeri Vern. FH — 
27 . Seminoi Vern. -I ._ 


144 Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. [4] 


i | Von 
Nr A. cm Tehihatcheff Von LE 
aufgeführt ee 
98 «N Atryparetieulanis LI. 2 ANNE uw — 
29 er I UEBDErn | SCHIEBEN. Era 3 — +. 
30  Rhynchonella euboides Sow. . ..».... — 25 
31 3 pleurodon Phil... x . “x — — 


Thamnophyllum supradevonicum sp. nov. 
Taf. IV, Fig. 1a und 15, 


Die strauchförmig verzweigten Stöcke gleichen in ihrer äusseren 
Erscheinung ganz dem mitteldevonischen T'h. trigeminum Quenst. und 
dem unterdevonischen Th. Stachei Pen.!) Die Aeste sind cylindrisch, 
von 1—1'4cm Durchmesser, aussen mit durch dichte Epithek gebildeten 
scharfkantigen Längsrippen in der Anzahl der Septen versehen, die 
sich an den Verzweigungsstellen zwischen den Astwurzeln zu einem 
blasigen Ektothecalgewebe auflösen. Der Querschnitt (Fig. la) 
zeigt eine kreisrunde Gestalt mit scharfgezähntem Aussenrande, ent- 
sprechend den scharfkantigen Aussenrippen (am abgebildeten Quer- 
schnitt nur auf der rechten Seite erhalten), und 24—28 Septen erster 
Ordnung, die mit ebensoviel zweiter Ordnung alterniren. Die ersteren 
erreichen die Mitte nicht, sondern lassen im Centrum einen Raum 
frei, dessen Durchmesser !/, des Gesammtdurchmessers beträgt; die 
letzteren erreichen knapp die halbe Länge der ersteren. Septalleisten 
fehlen. Die Septen sind bis zu ihrem inneren Ende durch Querbalken, 
den Wänden des endothecalen Blasengewebes, verbunden, die im pe- 
ripheren Theile dichter als in den dem Centrum näheren Theilen 
stehen. Der Längsschnitt (Fig. 1b) zeigt drei wohldifferencirte 
Zonen. An die Aussenwand, die dort, wo eine äussere Längsrippe in 
die Schliffebene fällt, sehr dick erscheint (linke obere Partie unserer 
Abbildung), sonst dünn ist, schliesst sich eine Verticalreihe sehr grosser 
hochgewölbter, einander kappenförmig überdeckender Blasen wie bei 
Th. trigeminum Qwenst. an; auf diese einschichtige Zone folgt gegen 
innen ein mehrschichtiges Blasengewebe, das aus kleineren flacheren 
Blasen gebildet ist und innen bis an das Ende der Septen erster 
Ordnung reicht. Diese Blasen sind im peripheren Theile dieser Zone 
klein, ihre Längsachse steht nahezu aufrecht, sie schmiegen sich dicht 
an die steil abfallenden Innenwände der riesigen Randblasen an, gegen 
innen werden sie grösser, ihre Längsachse ist schräg nach innen und 
unten geneigt. Der centrale Theil des Längsschnittes endlich wird 
von eingesenkten, öfters miteinander in Verbindung tretenden Böden 
gebildet, die sich, stark gegen die Peripherie ansteigend, zwischen 
dem mittleren Blasengewebe theilweise bis zur peripheren Blasen- 
reihe verfolgen lassen, so dass die Blasen jenes augenscheinlich auf 


‘) Penecke, Das Grazer Devon. Diese Zeitschrift 1893, Bd. 43, pag. 593, 
Taf. 8, Fig. 1—6 und Taf. 11, Fig. 1—3 


[5] Das Sammelergebnis aus dem Oberdevon von Hadschin, 145 


und zwischen ihnen zur Ausbildung gelangten und aus ihnen dadurch 
hervorgegangen sind, dass sich die die Böden bildenden Lamellen im 
peripheren Theile vielfach spalteten und in häufige Verbindung unter- 
einander traten, wodurch zwischen ihnen kleine blasenförmige Räume 
abgesondert wurden. 

Unser oberdevonisches T’'hamnophyllum schliesst sich durch die 
Grösse der Blasen seiner peripheren Blasenreihe eng an das mittel- 
devonische Th. trigeminum Quenst. an, aus dem es durch die Aus- 
bildung einer mittleren „Blasenzone*, die, wie oben gezeigt wurde, 
aus dem peripheren Theile der Böden hervorgegangen ist, entwickelt 
hat. Durch das reichliche Blasengewebe erinnert es auch stark an 
die Art der Gattung Öyathophyllum Goldf., namentlich an solche der 
Gruppe des Ü. caespitosum Goldf., bleibt aber durch die periphere 
Blasenreihe, die Art seines baumförmigen Wuchses und die ektothecalen 
Längsrippen streng geschieden. Durch den durch die letzteren be- 
dingten peripherisch gezähnten Querbruch sind selbst kleine Astfrag- 
mente von solchen des mitvorkommenden Cyathophyllum caespitosum 
Goldf. sofort schon makroskopisch . zu unterscheiden, deren Quer- 
brüche (vergl. Taf. IV, Fig. 2a) in Folge mangelnder Längsrippen 
stets eine einfache ungezähnte Contour besitzen. Thamnophyllum Pen. 
bildet eine kleine, in sich geschlossene Reihe von Formen, die im 
Unterdevon !) mit Th. Stachei Pen. und Verwandten beginnt, das durch 


!) Trotz Stache’s, Hörnes’ und meiner Darlegungen (vergl. Penecke, 
Das Grazer Devon) stellt Herr Professor F. Frech in der Lethaea geognostica 
(I. Th., 2. Bd., 1. Lief.) die ostalpinen Schichten mit Heliolites BarrandeijPen. ins 
Mitteldevon und gibt auf der 19. Tabelle (zu S. 256) folgende eigenartige Gleich- 
stellung der von mir veröffentlichten Gliederung des Grazer Devons: 


1 — 
ERS ee i 
DS = Hochlantschkalk mit Cyathophyllum 
Ss 28 quadrigeminum 
cc: 35 
= n 2 er eu, 
© ES v,o 
S S= 
> . . . 
= = S HH Calceola-Kalk u. a. mit Cyath. helianthoides 
Be 2 
rS un” 2 
o z ERE 
S = S F 
ER ES Kalkschiefer der Hubenhalt 
ir SEIEN 
= tan = 2 
le AL 
& = WERE Kalke .mit Heliolites Barvandei (Graz, 
3 | Mu: Vellach) 
n ES 
MO Ma 


Das Gezwungene dieser Gleichstellung erscheint augenfällig, wenn man den 
Platz betrachtet, den die Calceola-Schichten der Ostalpen (des Hochlantsch) in 
der letzten Spalte obiger Tabelle einnehmen; mit Calceola sandalina und einer 
Reihe anderer von mir daraus bekanntgemachter Formen des unteren Mitteldevons 
gehören sie nicht der Stufe der Calceola sandalina an, sondern sollen jünger sein 
und werden in die Stufe des Stringocephalus Burtini versetzt, obwohl auch hier 
(im Lantschgebiete) dieser Horizont als mächtige Kalkmasse (Hochlantschkalk) mit 
bezeichnenden Fossilien über den Calceola-Bänken entwickelt ist. Und warum ? 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (Penecke.) 19 


146 Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. [6] 


fast fehlendes Blasengewebe sich den inexpleten Tetrakorallen nähert, 
seine periphere Blasenreihe besteht aus winzigen, im Alter theilweise 
schwindenden Bläschen; im Mitteldevon bei Th. trigeminum Quenst. 
wachsen diese zu grossen, einander kappenförmig überdeckenden 
Blasen an; im ÖOberdevon tritt dann noch innerhalb der charakteri- 
stischen Randblasenreihe ein mehrschichtiges Blasengewebe hinzu, 
das den älteren Formen gänzlich fehlt, deren Innenraum innerhalb 
der Randblasenreihe nur von wenig vertieften horizontalen Böden 
eingenommen wird. In ihrer äusseren Erscheinung gleichen sich alle 
Formen vollständig. 


Vorliegend in einem Gesteinsstücke, davon 3 Schliffe. 


Oyathophyllum caespitosum Goldf. 
Taf. IV, Fig. 20, 2b’ und 38, 35; Taf. V, Fig. 1. 
Cyathophyllum caespitosum Goldfuss. Petrefacta Germaniae, pag. 60, Taf 19, Fig. 1. 


Die typische Form (vergl. Penecke, Das Grazer Devon, 
pag. 596 (30)] tritt häufig in den Sandsteinen der Schicht II auf. Die 
erwachsenen Individuen sämmtlicher Stöcke zeigen annähernd den 
gleichen Durchmesser von 6—7 mm, während in den oben erwähnten 
schwarzen Schiefern, aus denen allein das Thamnophyllum suprade- 
honicum stammt, die Aeste durchschnittlich eine bedeutendere Decke 
aufweisen (10—11 mm). 


Vorliegend: 31 Stöcke, davon 15 Dünnschliffe. 


Offenbar nur, um im unteren Mitteldevon Raum für die Barrandei-Schichten zu 
erhalten. Ich muss hier aber nochmals darauf hinweisen, dass die Fauna dieses 
Horizonts ein entschieden anderes, und zwar älteres Gepräge als die des Mittel- 
devons aufweist, wenn sie auch einige mitteldevonische Arten besitzt. Nun hilft 
sich Herr Prof. Frech (l. c. pag. 242) mit der Annahme, dass diese „locale Eigen- 
thümlichkeit“ eine „steirische Meeresprovinz“ andeute. Wie vorsichtig man mit der 
Schaffung derartiger „Provinzen“ sein muss, zeigt wohl die Geschichte der „juva- 
vischen Triasprovinz“ zur Genüge. Eine derartige Annahme‘ ist auch hier nicht nur 
überflüssig, sondern auch unrichtig. Die Faunenverschiedenheit der Barrandei- 
Schichten und des Mitteldevons ist deutlich eine Altersverschiedenheit. Eine ganze 
Anzahl von Arten der Barrandei-Schichten sind augenscheinliche Stammformen 
des dieselben überlagernden Mitteldevons, so z. B. Cyathophyllum Hoernes Pen. von 
C. ceratites Goldf.; Cyathophyllum graecense Pen. von C. Lindströmi Frech; 
Thamnophyllum Stachei Pen. von Th. trigeminum Quenst. u.s. w., daneben treten 
dann alterthümliche Formen von obersilurischem Typus auf, wie Dalmania und 
die Pentamerus-Untergattung @ypidia, worauf schon Stache und Hörnes hin- 
gewiesen haben, und neuerlich hat G. Lindström (königl. svenska vetenskap 
akademiens handlingar Bd. 32, Nr. 1, pag. 59) das Vorkommen der Heliolithes 
Barrandei Pen. selbst im Öbersilur von Gothland nachgewiesen. Die Barrandei- 
Schichten von Graz und Vellach kann ich daher nach wie vor nur als Unterdevon 
ansprechen, und die Calceola-Schichten des Hochlantsch sind Calceola-Schichten 
und nicht Stringocephalenkalk. Die Kalke des Oisternigg „mit Helolites-Barrandei“ 
sind allerdings Calceola-Schichten. Sie führen aber auch nicht Heliolites Barrandei 
Pen. sondern Heliolites vesiculosa Pen. (Zeitschr. d. deutsch. geolog. Gesellsch. Jahrg. 
1887, pag. 272), eine mit jener verwandte, aber specifisch verschiedene Koralle 
neben typischen Fossilien des unteren Mitteldevons, wie Heliolites porosa Goldf., 
Cyathophyllum planum Ludw. (nicht hexagonum Goldf. wie ich seinerzeit berichtete), 
Cyath. helianthoides Goldf., Favosites eifelensis Nich. (genau dieselbe grosszellige, 
septaldornenarme Form, wie die der Calceola-Schichten des Hochlantsch) u. 8. w. 


[7] Das Sammelergebnis aus dem Oberdevon von Hadschin. 147 


Oyathophyllum minus Röm. 
Taf. IV, Fig. 4a, 4b. 


Diphyphillum minus Römer. Harz III., pag. 29, Taf. 6, Fig. 12. 
COyathophyllum minus Frech. Deutsch. geolog. Gesellsch. Bd. 37, pag. 34, Taf. 1, 
Fig. 3—3b, 
In typischen Stöcken. Der abgebildete Längsschnitt (Fig. 4b) 
zeigt die Art der Vermehrung durch seitliche Sprossung. 


Vorliegend: 3 Stöcke, davon 6 Schliffe. 


Oyathophyllum Darwini Frech. 
Taf. V, Fig. 2a, 2b. 


Cyathophyllum Darwini Frech. Deutsch. geolog. Gesellsch. Bd. 37, pag. 36. 
Oyathophyllum Darwini Frech. Cyathophyll. und Zaphrent. d. deutschen Mittel- 
devons, pag. 73, Taf. 3, Fig. 2, 2a. 

Der nur in einem Fragmente vorliegende Stock unterscheidet 
sich von dem von Frech beschriebenen ©. Darwini durch etwas 
geringeren Durchmesser der Zellen (5—6 mm gegen 6—10 mm) mit 
etwas geringer Septenanzahl (12 + 12 bis 14 + 14 gegen 16 + 16 
bis 18 + 18) und weniger regelmässig polygonalem Umfang der Zellen. 
Da aber im Uebrigen der Bau der Hadschiner Koralle mit dem der 
angezogenen Art übereinstimmt, so glaube ich sie trotz der ange- 
gebenen Unterschiede zu obiger Art stellen zu müssen. 


Vorliegend: 1 Stock, davon 7 Dünnschliffe. 


Oyathophyllum Sedgwicki E. et H. 
Tal! V, Eig,.sa, 55, 32. 
Cyathophyllum Sedgwicki Milne Edwards et J. Haime. British fossil corals, pag. 231, 
Taf. 52, Fig. 3, 3a. 
Cyathophyllum Sedgwicki Frech. Deutsch. geolog. Gesellsch. Bd. 37, pag. 42, 
Taf. 4, Fig. 6. 

Diese für das untere Oberdevon bezeichnende Art liegt in zum 
Theil sehr umfangreichen Stöcken in typischer Ausbildung mir vor. 
Tehihatcheff führt von seinem Fundorte bei Feke nicht diese Art, 
sondern das äusserlich ähnliche Marmini E.et H. an, das in Schaffer’s 
Aufsammlung nicht vertreten ist. 

Vorliegend: 9 Stöcke, davon 26 Dünnschliffe. 


Phillipsastraea Schafferi sp. nov. 
Taf. VI, Fig. 1a, 15, 2a, 25; Taf. VII, Fig. 1. 


Die brodlaib- oder rübenförmigen asteroiden Stöcke erreichen 
ziemlich bedeutende Grösse (bis 2 dm Durchmesser). Die einzelnen 
Zellen haben 5—6 mm Durchmesser und besitzen 26—28 Septen; die 
erster Ordnung erreichen die Mitte und es vereinigen sich hier häufig 
zwei oder drei mit ihren distalen Enden; die zweiter Ordnung reichen 

19* 


148 Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. [8] 


nur so weit, als das Blasengewebe entwickelt ist, Kommen daher in ihrer 
Länge dem halben Kelchradius gleich. Eine deutliche Verdickungs- 
zone fehlt den Septen, sie haben vielmehr von ihrer Basis bis zum 
Innenrande der Blasenzone ziemlich die gleiche Stärke und sind mit 
gleichmässig vertheilten Septalleisten mehr oder weniger deutlich 
besetzt. An ihrer’ Austrittsstelle aus der Blasenzone in den blasen- 
freien Innenraum verjüngen sich die Septa erster Ordnung dagegen 
ziemlich plötzlich. Die im Querschnitte die Septen verbindenden Quer- 
balken des Blasengewebes verdichten sich gegeu den Innenrand des 
letzteren entsprechend dem centripetalen Kleinerwerden der Blasen. 
Aber auch im Centrum des Kelches erscheinen im Querschnitte die 
Endtheile der Septa erster Ordnung durch Querbalken verbunden, es 
sind diese die Durchschnitte der aufsteigenden Theile der im Kelch- 
centrum kuppenförmig aufgewölbten Böden. Im Längsschnitte wird der 
periphere Theil eines Kelches durch ein dichtes, kleinmaschiges Blasen- 
gewebe erfüllt, das scharf begrenzt an einen centralen blasenfreien 
Innenraum abstösst, dessen Durchmesser: der Hälfte des Gesammt- 
durchmessers eines Kelches gleichkommt. Die Grösse der Blasen der 
Blasenzone nimmt von der Peripherie gegen das Centrum ab, dabei 
verändert sich auch ihre Lage. Im äusseren Theile liegt ihre längste 
Achse horizontal, das heisst senkrecht auf die Längserstreckung des 
Kelches, gegen innen zu stellt sich ihre längste Achse immer schräger, 
so dass am Innenrande der Blasenzone sie sehr steil von innen nach 
aussen aufsteigt, mitunter sich fast vertical, das ist parallel zur Längs- 
erstreckung des Kelches, stellt. Der centrale Innenraum wird durch 
dicht gestellte Böden eingenommen, die eine horizontale oder schwach 
eingesenkte, einer Hutkrempe vergleichbare Aussenpartie und einen 
centralen, hoch aufgewölbten, einer Hutkappe gleichenden Innentheil 
besitzen; während die „Krempen“ untereinander meist parallel ver- 
laufen und nur vereinzelt Verbindungen untereinander eingehen, 
treten die centralen aufgewölbten Theile der Böden in vielfache Ver- 
bindungen untereinander, so dass in einem centralen Kelchlängs- 
schnitte (Fig. 2b rechts) im Innenraume ein centraler blasiger Mittel- 
strang, eine falsche Columella, erscheint. Die die Kelche scheidenden 
Aussenwände sind stets vollständig entwickelt und ziekzackförmig 
geknickt, entsprechend der alternirenden Anordnung der Septen in 
den benachbarten Kelchen. Die Kelche verschiedener Stöcke varjiren 
nur wenig in Grösse und Bau. Die Stöcke mit etwas kleineren Zellen 
besitzen meist auch ein feineres und kleinmaschigeres Blasengewebe 
als die mit grösseren Zellen. Die auf Taf. VI, Fig. 1 und 2 ab- 
gebildeten Schliffe stellen diesbezüglich die beiden extremen 
Grenzen dar. 

Phillipsastraea Schafferi schliesst sich an Ph. ananas Goldf. in 
der Auffassung Frech’s (Deutsche geolog. Gesellsch. Bd. 37, pag. 49) 
an, zeichnet sich aber durch geringere Grösse der Zellen, worin ihr 
nur die kleinstzelligen Individuen der vielgestaltigen Ph. ananas 
gleichkommen, den stetigen Mangel einer Verdickungszone und die 
stets deutliche Ausbildung einer falschen Columella aus. Am nächsten 
stehen jene Formen der Ph. ananas, die Frech |. e. Taf. II, Fig. 4a 
und 45 und Taf. III, Fig. 14 abbildet, denen gleichfalls eine deutliche 


[9]: Das Sammelergebnis aus dem Oberdevon von Hadschin. 149 


Verdickungszone fehlt, die sich aber durch bedeutend geringere Aus- 
dehnung des Innenraumes. auszeichnen; namentlich Frech’s Ab- 
bildung des Längsschnittes auf Taf. IH, Fig. 14 zeigt grosse Aehn- 
lichkeit mit meiner Figur 2b, auch eine falsche Columella ist deutlich 
darauf zu sehen, obwohl Frech im Texte nichts von einer centralen 
Aufwölbung der Böden erwähnt, im Gegentheile spricht er zweimal 
auf pag. 51 (l. ec.) von den. „horizontalen Böden“ der Phillipsastraea 
ananas. Da jedoch sämmtliche mir vorliegenden Exemplare die gleichen 
Eigenthümlichkeiten aufweisen, so ist diese Hadschiner Form wohl 


als selbständige Art abzutrennen. 5% » 


Vorliegend: 9 Stöcke, davon 24 Schliffe. 


Phillipsastraea micrastraea sp. nov. 


Der asteroide Stock besteht aus regelmässig polygonalen, meist 
sechsseitigen- Zellen von nur 3 mm Durchmesser. Im: Querschnitte 
bemerkt man 20 (10+10) Septen, von denen’ die: erster Ordnung bis. 
zum Centrum reichen und hier sich mehr oder weniger mitein- 
ander verbinden; die zweiter Ordnung enden am Innenrande der 
schmalen Blasenzone, sind daher kurz und erreichen nur etwa ?/;, der 
Länge des Kelchradius. Eine deutliche Verdickungszone fehlt. Inner- 
halb des Blasengewebes sind die Septen ziemlich kräftig, etwa von 
der Stärke des woblentwickelten, ziekzackförmig geknickten' Mauer- 
blattes, bei ihrem Austritt aus demselben verjüngen sich die Septa 
erster Ordnung plötzlich. Septalleisten sind nur schwach entwickelt. 
Entsprechend dem nur ein- bis zweischichtigen Blasengewebe werden 
die Septen im Querschnitte an der Aussengrenze des Innenraumes 
nur durch einen oder durch zwei einander genäherte Querbalken 
verbunden. Im Längsschnitt fällt die sehr geringe Entwicklung des 
Blasengewebes auf, nur eine Verticalreihe relativ grosser, nach oben 
gewölbter, horizontal gestellter Blasen schliesst sich an das Mauer- 
blatt an, die nach innen zu noch durch eine oft unterbrochene, 
streckenweise auch gänzlich fehlende Reihe viel kleinerer, schräg 
gestellter Blasen begleitet wird. Der blasenfreie Innenraum ist daher 
sehr weit und nimmt 2/; des Querdurchmessers einer Zelle ein; er 
ist durch dicht gestellte, vielfach miteinander in Verbindung tretende 
horizontale oder schwach eingesenkte Böden erfüllt. 


Durch das nur ein- bis zweischichtige Blasengewebe ist Phelli- 
psastraea micrastraea sehr ausgezeichnet und lässt sich mit keiner 
mir bekannten Phillipsastraea näher vergleichen. Die Angehörigen des 
Genus Pachyphyllum E. et H., bei denen auch das Blasengewebe 
gegenüber des mit Böden erfüllten Innenraumes stark zurücktritt, 
zeigen im Uebrigen einen so abweichenden Bau, dass sie keinen 
näheren Vergleich gestatten. 


In ihrer äusseren Erscheinung und der Zahl der Septen stimmt 
unsere Form mit kleinzeiligen Stöcken der Ph. pentagona (Goldf.) 
Frech. überein. 


Vorliegend: 1 Stock, davon 4 Schliffe. 


150 . Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. [10] 


Darwinia rhenana Schlüt. 
Taf. VII, Fig. 3. 


Darwinia rhenana Schlüter. Deutsche geolog. Gesellsch. Bd. 33, pag. 80, Taf. 7, 
Fig. 1--4. 
Darwinia rhenana Frech. Eodem Bd. 37, pag. 73, Taf. 7, Fig. 3. 


Ein ziemlich grosses, plattenförmiges Stockfragment dieser 
seltenen Art, mit Sehlüter’s Abbildung gut übereinstimmend, 
liegt vor. 


Pachypora cristata (Blum) Frech. 


Favosites cristata Frech. Deutsche geolog. Gesellsch. Bd. 37, pag. 103, Taf. ı1, 
Fig. 5, 5a. 
Aeste dieser vom Unterdevon bis ins ÖOberdevon reichenden 
weitverbreiteten Art sind mehrfach vorhanden. Zwei Gesteinsstücke 
werden fast ausschliesslich von ihnen erfüllt. 


Pachypora reticulata (Blainv.) Frech. 


Favosites reticulata Frech. Deutsche geolog. Gesellsch. Bd. 37, pag. 103, Taf. 11, 

Fig. 4. 

Aststücke, meist in Gesellschaft von solchen der folgenden Art, 
erfüllen zahlreiche Gesteinsstücke von Hadschin. 


Vorliegend in 5 Gesteinsstücken. 


Striatopora vermicularis M. Coy. 


Taf. VII, Fig. 4a, 4b. 


Striatopora vermicularis Frech. Deutsche geolog. Gesellsch. Bd. 37, pag. 105, 
Taf. 11, Fig. 6, 6a, 6b. 

Häufig und meist in sehr kräftigen Exemplaren, deren Aeste 
an der Basis bis gegen 2 cm Durchmesser erreichen können. Jene 
starke Ausbiegung der distalen Zellenenden gegen aussen, wodurch 
die Längsachsen der Zellenmündungen fast senkrecht zur Längser- 
streckung des Astes zu stehen kommt, wie Frech’s Längsschnittbild 
(Fig. 6) darstellt, ist selten zu beobachten; meist neigen sich die 
Kelche in ihrem Mündungstheile viel weniger und allmäliger nach 
aussen und verlaufen schräg von innen nach oben und auswärts, 
wodurch das Längsschnittbild viel mehr der mitteldevonischen Striat. 
subaequalis E. et H. (vergl. Frech |. ce. Taf. 11, Fig. 7) gleicht, welche 
Art Tcehihatcheff von Feke anführt. Beide Formen dürften wohl 
kaum specifisch zu trennen sein. Ein mir vorliegendes Aestchen 
war seiner Länge nach von einem nicht ganz 2 mm breiten drehrunden 
Bohrgange durchsetzt, der im unteren Theile ziemlich im Centrum 
verlief und etwa 1 cm unter der Spitze an der Seite mündete. In der 


[11] Das Sammelergebnis aus dem Oberdevon von Hadschin. 151 


Tiefe war sein Lumen von spätbigem Caleit, im oberen Theile vom 
umgebenden ockerigen Sandstein erfüllt. Er bietet insofern einiges 
Interesse, als er offenbar noch während des Lebens der Koralle an- 
gelegt wurde und sich die an ihn grenzenden und von ihm noch theil- 
weise angegriffenen Zellen (vergl. Fig. 4«) gegen ihn durch Wände 
abgrenzten, wodurch er durch eine eontinnizliche kreisrunde Wand 
umgeben wird. 

Vorliegend in 9 Gesteinsstücken, davon 8. Dünnschliffe. 

Eine sicher verschiedene, jedoch wegen schlechter Erhaltung 
unbestimmbare Striatopora erfüllt die oben bereits erwähnten Dolomit- 
stücke, die vielleicht einem anderen stratigraphischen Horizonte an- 
gehören. 


Alveolites suborbicularis Lam. 


Gut erhaltene Stöcke dieser im Mittel- und Oberdevon sehr 
verbreiteten Art sind auch in Hadschin häufig. 


Vorliegend : 10 Stöcke, davon 4 Schliffe. 


Fenestella explanata Röm. 
Fenestella explanata Römer. Palaeontographica Bd. III, pag. 7, Taf. I, Fig. 122. 


Ein kleines wohlerhaltenes Fragment einer Fenestella auf einem 
von Brachiopodenschalen erfüllten Gesteinsstücke, das die Innenseite 
des Stockes mit je einer Zellenreihe beiderseits eines scharfen Mittel- 
kieles auf den dichotomisch verzweigten Aestchen zeigt, stimmt sehr 
gut mit der eitirten Abbildung überein. Der einzige Unterschied ist 
der, dass an unserem Stücke die verbindenden Querbalken etwas weiter 
voneinander entfernt sind, so dass die von ihnen zwischen den 
Aestehen abgegrenzten Maschen gestreckte Rechtecke formiren. 
Römer’s Original stammt aus den Calceola-Schichten. 


Vorliegend: 1 Stock. 


Polypora striatella Sandb. 


Taf. VII, Fig. 5. 
Polypora striatella Sandberger. Nassau, pag. 378, Taf. 36, Fig. 4, 4a. 


Ziemlich grosse Fragmente auf einem mit Spirifer-Schalen er- 
füllten Gesteinsstücke liegen mir in guter Erhaltung vor. Sie zeigen 
gleichfalls die mit Zellen besetzte Innenseite des Stockes und stimmen 
mit Sandberger’s Beschreibung und Abbildung gut überein. Drei 
weitere schiefrige Gesteinsstücke zeigen gleichfalls Abdrücke, die 
vielleicht zur selben Art gehören. 


Brachiopoda. 


Weniger gut erhalten sind die zahlreichen Brachiopodenreste 
unseres Fundortes. Die Klappen sind meist getrennt und mehr oder 
weniger gequetscht. Die des Spirifer disjunctus Sow. (Verneuili Murch.) 


152 Prof. Dr. Karl Alphons Penecke. [12] 


erfüllen oft dicht ganze Gesteinsstücke und bilden -einen’ schiefrigen 
Brachiopodenkalk. Von den übrigen Spirifer-Arten, die Tehihatcheff 
von Feke aufführt, liegen mir keine sicher erkennbaren Klappen vor; 
auch die übrigen von mir im Faunenverzeichnis von Hadschin namhaft 
gemachten Arten sind nur in einem oder in wenigen Exemplaren vor- 
handen. Hervorheben möchte ich die beiden. Rhynchonellen (Kynch. 
cuboides Sow. und Rh. pleurodon Phill.), die je in einem Stücke da 
sind, weil Tehihatcheff die Gattung gar nicht erwähnt. Die als 
Leh, pleurodon Phill. bestimmte Rhynchonelle stimmt am besten mit 
der von Tietze (Palaeontographica Bd. 19, pag. 156, Taf. 17, Fig. 39) 
aus dem Oberdevon von Ebersdorf beschriebenen und abgebildeten 
Form überein und zeigt dieselben Eigenthümlichkeiten gegenüber'den 
aus dem Kohlenkalke stammenden Stücken. 


Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und 
Sachsens. 
Von Dr. W. Petrascheck. 


Mit einer Lichtdrucktafel (Nr. VIII) und zwei Textfiguren. 


Eine Suite von Inoceramen, die von Herrn Dr. Gäbert bei 
Tellnitz am Fusse des böhmischen Erzgebirges gesammelt und mir von 
Herrn Geheimrath Prof. Dr. Credner in freundlicher Weise zur 
Untersuchung überlassen wurde, gab Veranlassung, das in der geo- 
logischen Reichsanstalt vorhandene Material genauer durchzusehen. 
Da sich aber die Bestimmungen vielfach auf die Beschreibungen 
Geinitz’s gründen, wurde die Heranziehung seiner Originale nöthig, 
die mir von Herrn Prof. Dr. E. Kalkowsky in bekannter Liberalität 
gestattet wurde. Endlich konnten auch dank dem Entgegenkommen der 
Herren Prof. Dr. G. Laube, Prof. Dr. Woldrich, Prof. Dr. Friö 
und Oustos Dr. Kittl die Sammlungen des geologischen Instituts 
der deutschen und der tschechischen Universität sowie des böhm. 
Museums zu Prag und des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in 
Wien benützt werden. So lag die Versuchung nahe, die Inoceramen 
der sächsisch-böhmischen Kreide überhaupt der Bearbeitung zu unter- 
ziehen. Eine solche konnte aber nicht vorgenommen werden, weil 
einmal nicht alles im Gebiete Gefundene zur Verfügung stand, dann 
aber, weil zur Zeit eine solche Arbeit als undankbar erscheint, da 
die ausländischen Arten, die bei unseren Bestimmungen in Frage 
kommen, häufig noch zu mangelhaft bekannt sind, als dass die Identi- 
fieirung mit vollkommener Sicherheit möglich wäre. 

So sind wir z. B. über den Inoceramus latus Mant. nicht genügend 
orientirt, um festzustellen, ob die Art, die wir dem Vorgehen Geinitz’s 
folgend so nennen, wirklich mit der englischen übereinstimmt. Der 
Inoceramus striatus Mant. ist nur sehr ungenau beschrieben. Lücken- 
haft ist unsere Kenntnis des Schlosses gar mancher Art, so dass 
eine Monographie aller Inoceramen überhaupt nöthig wäre, um die 
vielfachen Zweifel aufzuklären und zu beseitigen. Der Zweck der 
vorliegenden Zeilen ist daher nur, einzelne als Leitfossilien in der 
Zonengliederung des Gebietes gut brauchbare Arten schärfer zu 
präcisiren sowie die Veränderlichkeit einzelner Typen, insbesondere 
soweit sie für die Kenntnis der verwandtschaftlichen Beziehungen 
zwischen denselben von Wert ist, zu besprechen. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 1. Heft. (W. Petrascheck.) 20 


154 Dr. W. Petrascheck. [2] 


Obgleich verdienstvolle Autoren wie Schlüter, Strombeck, 
Zekeli und Zitte] versucht haben, die oft von Anfang an ver- 
fahrene Synonimik mancher Arten zu corrigiren und irrthümliche 
Bestimmungen richtig zu stellen, haftet man doch vielfach an den 
althergebrachten, wenn auch falschen Benennungen. So erfreut sich 
der Jnoceramus striatus Mant. in Sachsen und Böhmen noch allge- 
meiner Beliebtheit, trotzdem durch Schlüter’s kritische Unter- 
suchungen bekannt geworden ist, dass die von Geinitz so genannte 
Art nicht mit der englischen zu vereinigen ist. Trotz der mangel- 
haften Darstellungen der älteren englischen Autoren kann man an 
allen typischen Exemplaren Sachsens sich wiederholende Unterschiede 
wahrnehmen. So ist bei diesen die hochgewölbte Schale gegen den 
Wirbel stark verjüngt, sie verbreitert sich gegen den halbkreisförmigen 
Unterrand. Dem I. striatus Mant. hingegen wird eine fast kugel- 
förmige Gestalt zugeschrieben. Er kann also auch nicht die steil, 
oft mit einer Kante abgesetzte Vorderseite der sächsischen Art: haben. 
Auch dürften bei ihm die Schalen gleich sein, während für unsere Art 
die Ungleichheit der beiden Wirbel höchst charakteristisch ist. 

In der Schalenwölbung und der Ungleichheit der Klappen unter- 
‚scheidet sich unsere Art auch vom I. virgatus Schlüt. Letzterer be- 
sitzt höchst charakteristische feine, vom Wirbel ausstrahlende Linien. 
Ebensolche kann man, wie auch Geinitz bemerkt, an den best- 
erhaltenen Exemplaren der sächsischen Art vorfinden, so am Originale 
zu Elbthalgebirge I, Taf. 46, Fig. 9, ferner etwas undeutlicher an 
einem von Gäbert unter der Wand bei Tellnitz gesammelten Stücke 
sowie an Exemplaren aus dem Pläner von Oberau bei Meissen, end- 
lich sehr schön an Steinkernen aus dem cenomanen Pläner der Um- 
gebung von Dresden. Am deutlichsten treten diese Streifen auf dem 
mittleren Theile der Schale hervor, sie fehlen aber; auch nicht auf 
den seitlich desselben gelegenen Partien. Etwas, was mit dem Inoc. 
virgatus Schlüt. zu identificiren wäre, ist mir bisher weder aus Sachsen 
noch aus Böhmen vorgekommen. Dahingegen citirt Sturm!) diese Art, 
ohne genauer auf ihre Beschreibung einzugehen, aus dem Cenoman- 
Quader von Habelschwerd und Langenau in Schlesien, meines Wissens 
das einzige Vorkommnis im hereynischen Kreidegebiete. 

Bereits Schlüter?) hat hervorgehoben, dass Geinitz’s 
I. striatus eine im übrigen Norddeutschland unbekannte Art ist. 
Leonhard?) hat für dieselbe die Bezeichnung 


Inoceramus bohemicus 


vorgeschlagen. Bei Einführung dieses neuen Namens beruft er sich 
auf die Abbildungen und Beschreibungen von Goldfuss und Geinitz 
unter Ausschaltung der von letzterem Autor aus dem Turon eben- 
falls als /. striatus beschriebenen Fossilien. Gleichzeitig bildet aber 


‘) Der Sandstein von Kieslingswalde. Jahrb. d. preuss. geol. Landesanstalt 
1900, pag. 45 

?) Palaeontographica Bd. 24, pag. 265. 

°) Die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. Palaeontographica 
Bd. 44, pag. 26, Taf. V, Fig. 2. 


Ale 


[3] Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. 155 


Leonha-rd zwei Muscheln ab, die nicht ganz mit der gewöhnlichsten 
und als typisch zu bezeichnenden Form des I. striatus Geinitz’s, 
wie sie durch Fig. 9 auf Taf. 46 im Elbthalgebirge illustrirt wird, 
entsprechen. Zwar haben sie die für die Art höchst bezeichnende 
Eindrückung der Vorderseite unter dem Wirbel, sie sind aber etwas 
flacher und ist die Krümmung ihrer Rippen mehr oval. Sie nähern 
sich in diesem Punkte der schmalen Varietät Geinitz’s, die sich 
wohl nicht gut von der Hauptform trennen lässt. Diese schmale 
Varietät findet sich sowohl im cenomanen Quader (sie wurde auch 
von Gäbert am Keibler gesammelt) als auch in dem jüngeren ceno- 
manen Pläner. Unter diesen finden sich Formen, die zu gleicher Zeit 
flachere und schiefere Schalen aufweisen und somit eine Annäherung 
an den /. labiatus Schloth. zeigen. 


Betont muss noch werden, dass auch die Berippung der Schale 
veränderlich ist. Am gewöhnlichsten sind unregelmässige, stumpfe 
Runzeln und Falten, wie sie die erwähnte Fig..9 zeigt. Daneben, 
und zwar mit Individuen dieser Art nesterweise zusammengeschart, ° 
kommen Aberrationen mit äusserst regelmässigen, dünnen, etwas über 
!/, mm breiten Rippen vor. Ich fand bei Welschhufe unweit Dresden 
im Cenoman-Quader ein Exemplar, dessen Berippung noch regel- 
mässiger ist als bei Fig. 10 Geinitz’s. 

Es scheint, nach dem vorliegenden Materiale zu urtheilen, nicht 
möglich zu sein, innerhalb der besprochenen Art bestimmte Varietäten 
auszuscheiden und halten wir es daher für angemessen, für den ganzen 
Complex der cenomanen Art den von Leonhard vorgeschlagenen 
Namen beizubehalten. 


Was nun G@einitz aus dem Strehlener Plänerkalke als Jnoce- 
ramus striatus beschrieben und abgebildet hat!), gehört sicher nicht 
zu der besprochenen Art, vielmehr, wie Elbert?) sehr richtig er- 
kannte, zu 


Inoceramus cuneiformis d’Orb., 


also einer für den Scaphiten-Pläner sehr charakteristischen Art, die 
in die Verwandtschaft des im Gebiete in noch jüngere Schichten 
hinaufgehenden /. latus Mant. gehört. Die Art wurde durch d’Or- 
bigny°) genügend genau geschildert. Sie fällt sofort durch ihren 
spitzen Wirbel und die scharfen, ungleichen Rippen auf. Es liegen 
einige Exemplare von Strehlen sowie eines aus den Iserschichten 
von Winar bei Wraclav (Hohenmauth) vor, sie alle stimmen gut mit 
solchen überein, die wir im Scaphiten- Pläner von Salzgitter und 
Paderborn gesammelt haben. 


Der Inoceramus bohemicus Leonh. des Cenomans wird in den 
Sandsteinen und Plänern des Unterturon abgelöst durch den 


') Elbthalgebirge Bd. II, Taf. 13, Fig. 1 u. 2. 

?) Das untere Angoumien in den Ösningbergketten des Teutoburger Waldes. 
Verh. d. naturh. Ver. d. preuss, Rheinlande 38 (1901), pag. 109. 

3) Terr. cret. III, pag. 512, Taf. 407. 


20* 


156 Dr. W. Petrascheck. [4] 


Inoceramus labiatus Schloth. 


Localitäten, an denen beide Arten nebeneinander vorkommen, 
kennen wir nicht. Selbst in den cenomanen Plänern Sachsens (Zone 
des Actinocamax plenus), die den Pachydiesus peramplus Mant. ge- 
liefert haben, ist /. labiatus bisher noch nicht gefunden worden. Es 
scheint also bei uns diese Art ebenso plötzlich und unvermittelt auf- 
zutreten, wie es nach Strombeck!) in Westphalen der Fall ist. 

Die normalen Formen des 1. labiatus von schmal zungenförmiger 
Gestalt mit spitzem, hochgewölbtem und gedrehtem Wirbel sind am 
häufigsten im Labiatus-Quader der sächsisch-böhmischen Schweiz. Sie 
kommen auch nicht selten im Labiatus-Pläner der Umgebung von Dresden 
vor. Im unterturonen Pläner des östlichen Böhmens fanden wir sie bei 
Rathsdorf unweit Böhm.-Trübau. Häufig begegnet man in den Weissen- 
berger Schichten Ostböhmens Formen, die oben breiter und, ohne 
verdrückt zu sein, flacher sind. Ihre Rippen stehen oft enger, sind 
regelmässiger und schärfer; sie stimmen aber in ihrem Bogen völlig 
mit der Hauptform überein. Ebensolche Inoceramen wurden bereits 
von Stanton?) aus den Coloradoschichten sowie von Eichwald’°) 
aus der Kreide Volhyniens abgebildet. 

Bei der im Allgemeinen ziemlich gleichförmigen Art erfolgen 
Abänderungen am häufigsten durch Verbreiterung der Schale und 
damit Hand in Hand gehende Verlängerung des Schlossrandes. 
Tritt die Tendenz zur Verbreiterung der Schale erst im grösseren 
Alter stärker hervor, so führt das zu einer auffälliger als gewöhnlichen 
Drehung, wie dies bei Fig. 1 auf Taf. 12 im Elbthalgebirge II er- 
sichtlich ist. Von Gross-Cotta liegen einige Exemplare vor, die sich 
am Unterrande derart verbreitern, dass die Länge der Schale der 
Höhe gleich kommt. *) Vielleicht handelt es sich hier um eine Form, 
die, wenn besseres Material vorliegt, sich abscheiden lassen wird. 
Es kommt aber auch vor, dass von Anfang an das Wachsthum der 
Schale stärker nach hinten gerichtet ist, was dann zu sehr schiefen, 
stark nach rückwärts verlängerten Varietäten führt, wie ebenfalls eine 
von Cotta bei Pirna vorliegt. 

In den Labiatus-Schichten kommt aber auch noch eine Art vor, 
die dem /. labiatus zwar sehr nahe steht, durch ihre flachen und 
sehr breiten Schalen aber oft den Habitus des J. Oripsii Mant. au- 
nimmt, mit dem sie auch verwechselt worden ist. Es handelt sich 
hier um eine noch nicht bekannte Art, dem 


Inoceramus hercynieus n. sp. 
Taf. VIII, Fig. 1—8. 


Seine Schalen sind gleich, flach gewölbt, bei grossen Exemplaren 
nur wenig höher wie breit. Die steile Vorderseite ist gerundet wie 


‘) Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. Bd. 11 (1859), pag. 43. 

°) Bull. U. St. geol. surv. Nr. 106 (1893), pag. 77, Taf. 14, Fig. 2. 

°) Lethaea rossica II, pag. 492, Pl. 21, Fig. 6. 

*) Die Begriffe Höhe und Länge werden hier in der althergebrachten Weise 
gebraucht. Die zweifellos vorzuziehenden Vorschläge Noetling’s konnten keine 


[5] Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. 157 


beim ]. Jabiatus Schloth. ‘und geht mit gleichmässiger Rundung in den 
Unterrand über. Dieser biegt sehr rasch, jedoch ohne eine Ecke zu 
bilden, in die Rückseite um. Letztere ist bei grossen Stücken fast 
gerade und bildet mit dem Schlossrande einen Winkel von ca. 135%. 
Der Winkel, den die Achse mit dem Schlossrande bildet, beträgt 70 
bis 80°. Der Hinterrand dacht sich ganz allmälig in den Flügel ab. 

Die Steinkerne sind von concentrischen, regelmässig verlaufen- 
den stumpfen Runzeln bedeckt, die ihrerseits 3—4, den Runzeln 
conforme, auf den Sculptursteinkernen scharfe Rippen tragen. Je 
mehrere dieser Rippen sowohl wie der Runzeln vereinigen sich am 
Vorderrande wie am Hinterrande. Während sie aber auf ersterem 
verstärkt hervortreten, schwächen sie sich auf letzterem ab, um 
namentlich in der Jugend nach ihrer Umbeugung gegen den oberen 
Rand des Flügels hin oft ganz zu verschwinden. Nahe dem Wirbel 
fehlen die Rippen auf dem dort schmalen Flügel gänzlich. Hier ist 
der Flügel scharf abgesetzt, was durch eine gegen innen gerichtete 
faltenartige Verdickung der Schale bewirkt wird. Dort, wo die Schale 
des Flügels sich wieder gegen den Schlossrand verdünnt, kann man 
auf einem guterhaltenen Steinkerne aus dem Pläner vom Weissen 
Berge bei Prag eine ganz schwache kantenartige Erhebung wahr- 
nehmen. Ihrem Verlaufe entspricht die Umknickung des Flügels 
an dem Taf. VIII, Fig. 2 abgebildeten Sculpturensteinkern. Längs 
des Oberrandes des Flügels verläuft, sich nach rückwärts ver- 
schmälernd, der die seichten Bandfurchen tragende Wulst. 

Im Bau des Schlossapparates unterscheidet sich die Art scharf 
vom I. Oripsii Mant.,!) stimmt dagegen mit I. labiatus Schloth. 
überein, an dessen Steinkernen ich jedoch nie etwas von der inneren 
faltenartigen Verdickung des Flügels wahrnehmen konnte. 

Dieser hier beschriebenen Art gehören Steinkerne .an, die 


Gäbert an der Wand bei Tellnitz gefunden hat, ferner solche aus 


dem Labiatus-Quader von Gross-Cotta und Schöna. Das von Geinitz 
Elbthalgebirge I. Taf. 13, Fig. 12 abgebildete Exemplar von Gross- 
Cotta gehört höchstwahrscheinlich auch hierher. Es wurde. von 
Elbert?) als I. Cwvieri var. eripsioides bezeichnet. Das Original ist 
zu mangelhaft, um seine Zugehörigkeit zu /. Cuvieri Sow. am Schloss- 
baue erkennen zu können. Da es im Exterieur mit unserer Art gut 
übereinstimmt und auch im gleichen Niveau gefunden worden ist, 
halten wir die Bezeichnung J. Ouvieri var. cripsioides hierfür als un- 
geeignet. Wir werden später nochmals auf diese Varietät Elbert’s 
zurückkommen. 

Aus der Plänerfacies der Labiatus-Stufe wurde die Art durch 
Geinitz bereits von Priessnitz bei Dresden als /. Cripsii Mant. ab- 


Anwendung finden, da bei vollständigem Fehlen der Muskeleindrücke sich die 
Lage des 'hieres zur Schale bei allen Kreide Inoceramen nicht fixiren lässt, 

!) Geinitz zeichnet am Schlossrande seiner Fig. 11 eine feine Zähnelung, 
die den Eindruck der Ligamentgruben des I. Oripsiü macht. Am Originale selbst 
ist jedoch nichts davon wahrnehmbar, vielmehr ist der Schlossrand noch durch 
Gestein verdeckt. 

2?) Verh.. d. naturh. Ver, d. preuss. Rheinlande u. Westphalen Bd. 58 (1901), 
pag. 111 


158 Dr. W. Petrascheck. [6] 


gebildet. In einer Reihe schöner und grosser Exemplare wurde sie 
von Herrn Lehrer Ebert bei Kemnitz nächst Dresden aufgefunden 
und dem k. Museum überlassen. Bei einigen derselben sind an Stelle 
der Runzeln zwei gleiche und besonders starke Rippen ausgebildet, 
die im Vergleich zu den übrigen Rippen auffällig hervortreten. Da 
gerade diese Stücke nur mangelhaft erhalten sind und theilweise 
blos in Bruchstücken vorliegen, lässt sich nicht entscheiden, ob diese 
Sculptur einer auch durch andere Merkmale charakterisirten Form 
eigenthümlich ist. Wir geben nebenstehend die Abbildung eines 
solchen Stückes. 

Prächtige Exemplare lieferte auch der Pläner des Weissen Berges 
bei Prag. Das geologische Institut der deutschen Universität sowie 
das k. Museum zu Prag besitzen mehrere solche, sie wurden uns von 
Herrn Prof. Dr. G. Laube in liebenswürdigster Weise zur Unter- 
suchung übergeben. Im gleichen Niveau fand H. Wolf diese Art bei 
Reichenau unweit Solnitz und wir selbst zu Vysokov bei Nachod in 
Ostböhmen. Das Hofmuseum besitzt sie von Tfiblitz und von Schön- 
hengst bei Landskron. 

Unter den von Kemnitz sowohl wie vom Weissen Berge vor- 
liegenden Exemplaren befindet sich je eines, das seiner Gestalt nach 
zwischen dem ]J. labiatus und dem /. hercynicus steht. Es übertrifft 
bei ihm die Höhe der Schale die Länge um fast das Doppelte. 

Nicht unähnlich in der Gestalt ist unsere Art der I. problematicus 
var. aviculoides, den Meek!) aus der Niobara group von Upper Missouri 
beschreibt. Durch Vergleich der Abbildungen wird man leicht heraus- 
finden, dass diese Varietät sich deutlich durch die Beugung ihrer 
Rippen von unserer Art unterscheidet und hierin dem /. labiatus Schloth. 
näher steht. Es fehlen solche Formen auch nicht der Kreide unseres 
(Gebietes, wie Stücke aus dem Labiatus-Quader von Gross-Cotta bei 
Pirna sowie aus dem Pläner von Brünnlitz und Riegersdorf bei Policka 
in Ostböhmen lehren. 

An demselben Fundorte, der Wand bei Tellnitz, gelang es 
Gäbert’s Bemühungen, ausser dem soeben beschriebenen 1. hercynicus 
noch einen zweiten Inoceramen zu finden, der ebenfalls eine neue 
Art darstellt, den 


Inoceramus saxonicus. 
Taf. VIII, Fig. 5 und Textfigur 2. 
1826— 1833. 1. cordiformis (Sow.). Goldfuss, Petref. germ., pag. 113, Taf. 110, 
Fig. 6.«. 
1872—1876, I. Lamarcki (Park.). Geinitz, Elbthalgebirge II, pag. 50, Taf. 14, 
Fig. 4. 

Für die fast ebenso hohen wie breiten Schalen ist ein hoch 
gewölbter, sich rasch verjüngender, stark nach vorn gedrehter Wirbel 
charakteristisch. Unter ihm ist die Vorderseite etwas eingedrückt. 
Der Wirbel der linken Klappe überragt den der rechten, er ist 


‘) Invertebr. eretac. and tert. fossils. Rep. of the U. St. geol. Surv. of the 
territories IX (1876). 


[7] 


2 


Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. 


Fig. 1. 


Invceramus hercynicus n. sp. 
Aus dem Lebiatus-Pläner von Kemnitz bei Dresden. 


Original im könig). Museum Dresden. 


159 


160 u Dr. W. Petrascheck. I vadat [8] 


stärker gewölbt und gegen den Hinterrand stärker abgesetzt. Der 
Steinkern ist mit Runzeln und Rippen bedeckt, die auf die Vorder- 
und Hinterseite übergehen, auf dem kleinen Flügel jedoch sehr un- 
deutlich werden. Der ziemlich dieke Schlossrand trägt kräftige 
Ligamentgruben, die ‘nach vorn an Grösse abnehmen. Achse und 
Schlossrand bilden einen nahezu rechten Winkel. Auf der rechten 


Fig. 2. 


Inoceramus sawonicus n. sp. 
Aus dem Brongniarti-Quader vom Königstein. 


Original Geinitz’s (Elbthalgeb. II, Taf. 14, Fig. 4). 


Klappe ist jedoch die Linie der stärksten Schalenwölbung mehr nach 
hinten gerückt, diese Schale fällt daher an der Hinterseite etwas 
steiler ab als die linke. Die Rippen stehen senkrecht zur Achse. 

I. cordiformis, den Goldfuss von Schandau abbildet, stimmt, 
soweit man es nach der einen Abbildung beurtheilen kann, gut mit 
unserer Art überein und dürfte wohl dieselbe repräsentiren. Das 


[9) Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. 161 


Original ist, wie Herr Geheimrath Schlüter uns mittheilte, in Bonn 
nicht vorhanden und konnte daher nicht zum Vergleich herangezogen 
werden. Es ist zweifellos verschieden von Sowerby’s I. cordiformis, 
den Goldfuss Taf. 110, Fig. 65 copirt und der, wie von Schlüter‘) 
hervorgehoben wird, mit /. Brongniarti Sow. zu vereinigen ist. 

Geinitz stellte diese Art zu I. Lamarcki Park. und hob die 
Uebereinstimmung der Steinkerne Sachsens mit den unter gleichem 
Namen von Nagorzany beschriebenen hervor. Von diesen letzteren 
liegt aus dem Museum der Anstalt eine Suite vor. Es ist sicher, 
dass dieselben von der sächsischen Art durchaus verschieden sind. 
Die Wölbung der Schale ist bei der galizischen Art ganz anders, 
der Wirbel viel breiter, die beiden Klappen gleich. Auch das Schloss 
weist Merkmale auf, die unserer sächsischen Art abgehen. Eine dritte 
Art wurde von Zittel aus der Gosau als /. Lamarcki Park. be- 
schrieben, eine vierte liegt unter gleichem Namen aus Nordböhmen 
vor. Wir werden auf diese letztere später zurückkommen. 

So ist der Name ]J. Lamarcki ein recht verschiedenartig ange- 
wendeter. Da die Abbildung Parkinson’s nicht zu brauchen, seine 
Beschreibung mangelhaft und sein Original, wie Herr Woods, 
Cambridge, uns mittheilte, im British Museum nicht auffindbar ist, 
wird es sich wohl empfehlen, Schlüter’s Vorschlag zu acceptiren 
und den Namen /. Lamarcki Park. ganz fallen zu lassen. 

Der /noceramus saxonicus liegt uns vor aus dem unterturonen 
Quader von der Wand bei Tellnitz, dem ebenfalls unterturonen Pläner 
vom Weissen Berge (k. Museum Prag), ferner aus dem Drongniarti- 
Quader von Königstein und den Schemmschuhbrüchen bei Schandau. 

Der in der vorstehenden Textfigur 2 abgebildete, sehr gut er- 
haltene Steinkern unterscheidet sich von den aus dem tieferen Niveau 
herrührenden Stücken (vergl. Fig. 5, Taf. VIII) durch schwächere 
Seulptur, kleineren Flügel und kürzeren Schlossrand. Er stimmt 
jedoch mit den meisten übrigen Stücken des Oberquaders überein, nur 
einige stellen sich zwischen beide Formen. 


Nur wenige Beobachtungen konnten über die aus den mittel- 
turonen Schichten Sachsens und Böhmens am häufigsten citirte 
Art, den 


Inoceramus Brongniarti Sow. 


gesammelt werden. Was Sachsen anbetrifft, so wird ihre Verbreitung 
durch Geinitz ausführlich und genau geschildert. Aus Böhmen 
besitzt das Museum der Anstalt gute Exemplare der normalen Form 
aus den Teplitzer Schichten von Chrudim, aus den Iserschichten von 
der Reinwiese bei Herrnskretschen, von Dittersbach bei Böhm.-Kamnitz 
und Minchengrätz, alles Vorkommnisse des Quadersandsteines, ferner 
von Liebenau aus einem Kalksandstein und endlich aus den Priesener 
Schichten von Priesen. Die flachere, durch sehr regelmässige Rippen 
und Falten ausgezeichnete, als /. annulatus Goldf. benannte Varietät 
fanden wir im Labiatus-Pläner von Kr&in bei Neustadt an der Mettau. 


') Palaeontographica Bd. 24, pag. 264. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. (W. Petrascheck.) 2] 


162 Dr. W. Petrascheck, [10] 


Aehnliche Stücke, aber von stärkerer Wölbung, also den Uebergang 
zur Hauptform darstellend, liegen aus den Malnitzer Schichten von 
Welhowitz bei Melnik vor. 

Geinitz hat den Artbegriff ziemlich weit gefasst. Eine Durch- 
arbeitung seines Materials dürfte wohl ermöglichen, einige Formen 
genauer zu präcisiren. So halten wir es für angezeigt, den J. Bron- 
gniarti (Taf. 13, Fig. 3) mit dem I. alatus, den Goldfuss von 
Schandau abbildet, zu vereinigen, einer Form, die sich unter anderem 
vom I. Brongniarti dadurch unterscheidet, dass die Schale allmälig, 
nicht mit einem Absatze in den sehr grossen Flügel abfällt. 

Auch der dem I. Brongniarti Sow. nahestehende und mit ihm 
in demselben Niveau vorkommende 


Inoceramus inaequivalvis Schlüt. 


scheint im Gebiete vertreten zu sein. Gäbert sammelte ihn bei 
Liesdorf unweit Tellnitz in einem Quadersandsteine, der nachı seinen 
sonstigen Fossilien dem Cenoman zuzurechnen ist. Der nahezu glatte 
Steinkern der linken Schale hat einen den Schlossrand weit über- 
ragenden dicken Wirbel. Die Vorderseite ist mit einer Kante steil 
abgesetzt, die Hinterseite gerundet, der Flügel klein. Die Schale 
ist noch einmal so hoch wie breit. Die Achse steht senkrecht zum 
Schlossrande. 

Wie weit Inoceramen aus der Gruppe des /. Brongniarti nach 
oben gehen, ist schwer festzustellen, denn in den thonigen Sedimenten, 
die auf das mittlere Turon folgen, sind Inoceramen meist sehr schlecht 
erhalten. 

Wir erwähnten ein gutes Stück von Priesen und auch Jahn ) 
‘eitirt 1. Brongniarti Sow. ebenfalls aus den Priesener Schichten der 
Umgebung von Pardubitz. Im Allgemeinen werden aber die Ino- 
ceramen aus der Verwandtschaft des /. Brongniarti im oberen Turon 
abgelöst durch die ihr an Mannigfaltigkeit nicht nachstehende 
Gruppe des 


Inoceramus QCuvieri Sow. 


Zwischen der Hauptform aus dem Scaphiten-Pläner von Strehlen 
und den als var. cripsioides Elbert zu bezeichnenden Formen des 
untersten Senons scheint eine Reihe von Uebergängen zu bestehen. 
Aber immer noch ist das Material zu lückenhaft, um das Vorhanden- 
sein einer vollständigen Formenreihe zu erweisen. 

Die Art erscheint zuerst im Scaphiten-Pläner von Strehlen, ?) 
von wo sie Geinitz (Elbthalgebirge I, Taf. 13, Fig. 6 und 7) ab- 
bildet. Schlüter?) zweifelt zwar die Bestimmung an, wir können 
jedoch ebenso wie Elbert in den uns vorliegenden Exemplaren 
keine andere Art erkennen. Genau dieselbe Form liegst aus den 


‘) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1895, pag. 166 u. 183. 

?) Sie ist auch aus älteren Schichten eitirt worden, aber alles, was ich da- 
von zu Gesichte bekam, ist entweder irrthümlich bestimmt worden oder es handelte 
sich um Fragmente, die eine sichere Deutung nicht zulassen. 

°») l. ce pag. 267 Anmerkung. 


[1 1] Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. 163 


Teplitzer- Schichten von Rohatec bei Raudnitz und von Hundorf bei 
Teplitz vor. Fri&!) bildet von Hundorf einen I. Cuvieri ab, dessen 
Rippen gröber sind und deren Bogen etwas abweichend ist. Eben- 
solche Stücke wurden im Weichbilde Dresdens auf der Ackermann- 
strasse in einem Mergel, der etwas jünger als der Strehlener Pläner- 
kalk ist, gefunden. Diese Formen haben alle, wie der echte J. Cuvieri 
Sow., einen schmalen, aber noch deutlich abgesetzten Flügel. Der- 
selbe verschwindet jedoch bei Formen, deren regelmässige Wellen- 
rippen zwar noch an die vorerwähnten Stücke erinnern, bei denen 
jedoch der Bogen, den diese Rippen bilden, mehr in die Breite ge- 
zogen ist und deren Schalen etwas stärker und gleichmässiger ge- 
wölbt sind. Auf einem gut erhaltenen Steinkerne gewahrt man auf 
den Wellenrippen noch sehr feine, diesen parallele Rippen. Solche 
Stücke liegen vor aus den Priesener Schichten von Neudörfel bei 
Böhm. - Kamnitz, aus den Chlomeker Schichten von Podsemin bei 
Klein-Lhota und aus dem Quadermergel von Kreibitz. Sie wären im 
Sinne Elbert’s als var. planus Münst. aufzufassen, vorausgesetzt, 
dass der I. planus Münst. aus dem Obersenon nicht, wie Schlüter 
meint, eine dem I. Cripsü Mant. anzugliedernde Art sei. ?) Sie führen 
hinüber zu Formen, auf die wir Elbert’s Beschreibung nach die 
Bezeichnung 


var. cripsioides Elbert 


anwenden möchten, wenngleich die Abbildungen, auf die sich ge- 
nannter Autor bei Einführung seiner Varietät beruft, anderen Arten, 
nämlich dem schon beschriebenen /. hercynicus und dem noch zu 
behandelnden /. crassus, zugehören. 

Bei /. Cwvieri var. cripsioides Elbert ist der Bogen, den die 
Rippen bilden, stark nach hinten verlängert. Die Rippen werden 
gegen vorn immer schärfer, verlöschen aber auf der Vorderseite 
unter dem Wirbel. Dieser letztere ist fast rechtwinkelig und über- 
ragt den schwachen Schlossrand nur wenig. Die Achse bildet mit dem 
Schlossrande einen Winkel von ca. 50% Von den beiden im Besitze 
der Anstalt befindlichen Exemplaren entstammt eines dem Quader- 
mergel unter dem Pickelstein nördlich Kreibitz, das andere aus dem 
Sandsteinbruche hinter dem Stadtbrauhause von Böhm. - Kamnitz. 
Die erstere Localität liegt nach dem Kartenmateriale der Anstalt 
im Bereiche der Chlomeker Schichten, die zweite in den Iser- 
Schichten, was vielleicht auf Grund dieses Vorkommnisses ange- 
zweifelt werden kann, denn ein dritter Fund wurde ebenfalls in dem 
höheren Niveau, in den Priesener Schichten von Priesen (Sammlung 
des k. k. naturhist. Hofmuseums), ein weiterer im Sandstein vom 
Tannenberge (Museum Prag) gemacht. 


!) Teplitzer Schichten, pag. 84, Fig. 74. 

2) Auch Reuss (Verstein. d. böhm. Kreidef., pag. 25, Taf. 27, Fig. 11) und 
Fri& (Priesener Sch., pag. 99) citiren aus den Priesener Schichen den ]. planus 
Münst, Uns liegt ein gut erhaltenes Stück (Coll. Hofmuseum) dieser Art von 
Priesen vor. Es gehört weder in die Nähe des 1. Owvieri Sow., noch zum 1. 
planus Münst., sondern dürfte eine neue Art repräsentiren, über deren Stellung 
ohne Kenntnis des Schlosses sich nichts aussagen lässt. 


2 


164 Dr. W. Petrascheck. [12] 


Eine Eigenthümlichkeit des J. Ouvieri Sow. ist, dass seine Schale 
im höheren Alter nicht mehr in ihrer früheren Richtung, sondern 
senkrecht dazu fortwächst, wodurch die Schalen ein geblähtes Aus- 
sehen erhalten. Dies ist in ausserordentlich hohem Grade der 
Fall bei 


Inoceramus CrASSUS NOV. spec. 
Taf. VIII, Fig. 4. 


der Schalen von ganz gewaltiger Wölbung besitzt. Nach den uns 
vorliegenden zwei erwachsenen Stücken zu urtheilen, sind beide 
Klappen gleich gestaltet. Ihre Länge übertrifft die Höhe um die 
Hälfte. Der Wirbel bildet nahezu einen rechten Winkel. Die kurze 
Vorderseite ist senkrecht abgesetzt und glatt. Die Rippen bilden 
einen sehr breiten Bogen, sie stehen anfangs dichter, treten aber 
später weit auseinander. Auf den Steinkernen sind sie ziemlich scharf. 
Der Winkel, den Achse und Schlossrand bilden, beträgt 30—40°. 
Ein Flügel fehlt völlige. Am Schlossrande ist die Schale ausserordent- 
lich dick. Die Furche, die dieser am Steinkerne hinterlassen hat, 
verbreitert sich vom Wirbel nach hinten. Am Vorder- und Unterrande 
besass die Schale eine nach innen gerichtete wulstartige Verdickung, 
die auf den Steinkernen als flache Einschnürung erscheint. Die er- 
wähnten beiden Exemplare sind im Besitze des geol. Instituts der 
deutschen Universität Prag und stammen aus den Chlomeker Schichten 
vom Daxloch bei Innocenzidorf östlich Kreibitz. 


Ihre Maasse sind: 
Orig.-Expl. 2. Stück 


Längesa. ss PD CAM 13 cm 
Höhe Fa ri 1044 
Dickes. at, 45 „ 


Ein kleines jugendliches Exemplar derselben Art ist der von 
Kreibitz herrührende /. Cripsi, den Geinitz im Elbthalgebirge II, 
Taf 13, Fig. 13 abbildet. Elbert!) zieht dieses zu seinem I]. Cuvieri 
var. cripsioides, bei dem jedoch, wie aus den Worten „theils hoch, 
einer breiten Panopaea nicht unähnlich, theils flacher“ hervorgeht, 
eine so gewaltige Schalenwölbung nicht vorkommt. Wohl wegen dieser 
letzteren und des dieken Wirbels war für unsere Stücke der Name 
I. Lamarcki Park. in Anwendung gebracht worden. Eine Beziehung 
zu der unter demselben Namen von Nagorzany bekannten Art ist 
aber nicht vorhanden, denn diese unterscheidet sich durch geringere 
Länge, durch eine nicht so steile Vorderseite und durch einen anderen 
Schlossrand. 


Die Verlängerung der Schale ist somit eine bei Inoceramen 
wiederholt auftretende Variationsrichtung. Vom Vorhandensein von 
Formen des /. Cuwvieri, bei denen im Gegentheile die Höhe die 
Länge übertrifft, haben wir uns bis jetzt nicht überzeugen können. 


2).1: €. Pag, ALL 


[13] Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. 165 


Zwar beschreibt Sturm!) aus dem Sandsteine von Kieslingswalde 
als J. Cuvieri Sow. Stücke, bei denen dies der Fall ist. Es sind das 
die von Stoliczka?) als J. Geinitzianus bezeichneten Inoceramen. 
Von Wollemann?) wird jedoch sehr mit Recht die Richtigkeit der 
Bestimmung Sturm’s angezweifelt. Im Dresdener Museum liegt ein 
grosses und vollständiges Exemplar dieser Art, das einen sehr stark 
entwickelten Flügel hat, während wir gesehen hatten, dass dieser 
bei Z. Cuvieri Sow. stets recht schmal ist, bei manchen ihm nahe- 
stehenden Formen sogar ganz verschwindet. Auch das anscheinende 
Fehlen von Uebergängen zu dem durch die Kieslingswalder Art dar- 
gestellten Typus spricht für eine grössere Selbständigkeit desselben, 
so dass es wohl vorzuziehen ist, ihn als besondere Art separat zu 
behandeln. Ob sie freilich mit dem indischen I. Geinitzianus identisch 
ist, davon können uns die Abbildungen Stoliczka’s nicht recht 
überzeugen. Trotzdem muss vorläufig auch die Frage, ob der /. Cuvieri 
Sow. nicht doch bis in das Niveau des Kieslingswalder Sandsteines 
hinaufgeht, offen bleiben, denn es liegt uns aus der Sammlung des 
mineral.-geol. Instituts der technischen Hochschule zu Dresden ein 
Schalenexemplar eines Inoceramen vor, das dem J. Cuvieri Sow. in 
hohem Grade ähnlich ist. 

Die Mehrzahl der aus den jüngsten Schichten der Kreide 
Sachsens und Böhmens vorliegenden Inoceramen gehört dem 


Inoceramus latus Sow. 


an, von dem Geinitz hervorhebt, dass er in zwei Varietäten, in 
breiteren und in schmäleren, vorkommt. Er bildet beide aus dem 
Strehlener Pläner ab. Ebensolche Stücke liegen aus dem Thon von 
Zatschke bei Pirna vor. Auch die Chlomeker Schichten von Kreibitz 
haben Formen geliefert, die hierher zu stellen sind. Neben ihnen 
kommen dort noch Steinkerne vor, die zwar auch das scharfe Um- 
biegen der Rippen, wie es für /. latus Sow. charakteristisch ist, 
zeigen, deren Rippen jedoch geringer an Zahl, gröber und scharf 
sind. Der Schlossrand ist kürzer als bei I. latus und bildet mit der 
Vorderseite einen Winkel von 30—40°. Es scheint hier eine Form 
vorzuliegen, über die wir uns mangels genügenden Materials nicht 
genauer äussern können. 

Von grosser Wichtigkeit für die geologische Stellung der 
Chlomeker Schichten ist endlich das Vorkommen des 


Inoceramus percostatus G. Müller. *) 


Im Materiale der k. k. geolog. Reichsanstalt finden sich mehrere 
Exemplare aus dem Quadermergel vom Tannenberge bei Kreibitz. 


!) Jahrb. d. kgl. preuss. Laundesanst. 1900, pag. 92, Taf. 10 Fig. 1. 

?) Cretaceons fauna of Southern India III, pag. 407. 

®) Die Fauna der Lüneberger Kreide (Abh. d. kgl. preuss. geol. Landesanst. 
Nr. 37, pag. 69). 

*, Jahrb. d. kgl. preuss. Landesanst. 1887, pag. 413, Taf. XVIII, Fig. 3a 
bis 3 c. 


166 Dr. W. Petrascheck. [14] 


Auch die kgl. Museen zu Dresden und Prag besitzen Exemplare von 
derselben Localität. Von dem kleinsten derselben ist im Elbthal- 
gebirge II, Taf. 113, Fig. 15 eine recht mangelhafte Abbildung gegeben. 
Geinitz stellt das Stück zu /. Oripsii Mant. Elbert!) hingegen 
erblickte hierin den J. inaequivalvis Schlüt. Unser Material stimmt 
gut mit der Beschreibung Müller’s überein. Die Steinkerne sind 
hoch gewölbt, haben einen spitzen, ganz vorn stehenden Winkel. 
Die Rippen sind kräftig und scharf. Sie verlöschen am Oberrande 
des Flügels. Auch die leichte Einsenkung, die sich vom Wirbel 
zum Unterrande zieht, ist deutlich vorhanden. 


Das im Laufe der vorangehenden Beschreibungen wiederholt 
erwähnte Vorhandensein von Mittelformen und Uebergängen sowie 
der Umstand, dass nahe verwandte Arten sich in aufeinander folgen- 
den Horizonten ablösen, hat dazu geführt, die genetische Entwicklung 
der verschiedenen Arten in Stammbäumen darzustellen. Solche Ver- 
suche liegen von Geinitz?) und von Leonhard?) vor. Nun ist 
bekannt, dass zur Aufstellung von Formenreihen, wie man sie unter 
den Inoceramen sucht, ein ebenso reiches wie gutes Material gehört. 
Obgleich zwar unsere Suiten umfangreicher als die Geinitz’s und 
vermuthlich — handelt es sich doch um ein weit grösseres Gebiet — 
auch Leonhard’s sind, halten wir es doch noch für unmöglich, 
bestimmtere Formenreihen festzustellen. Der Versuch scheitert einmal 
an den noch nicht immer genügend geklärten stratigraphischen Ver- 
hältnissen und daran, dass es bei der grossen Mächtigkeit und Un- 
gleichförmigkeit der in Frage kommenden Gesteinsschichten nicht 
immer möglich ist, Genaues über die Provenienz mancher Zwischen- 
glieder festzustellen. Störend kommt hierzu noch der Einfluss des 
Substrates, auf dem uie Thiere einst lebten. Die Steinkerne im 
Sandsteine sind fast regelmässig besser erhalten als die des Pläners. 
Der Grund mag zum Theil darın zu suchen sein, dass sich auf dem 
sandigen Boden dickschaligere Rassen entwickelten, zum Theil aber 
auch darin, dass in den thonig-schlammigen Absätzen, die den oft 
recht kalkarmen Pläner lieferten, die Schalen theilweise wieder ge- 
löst wurden. Dies mag der Grund sein — es gilt dies sehr allgemein 
für die Fossilien unserer Plänerablagerungen — dass sich ihre Reste 
oft nur in Bruchstücken vorfinden und im Gegensatze zu den Petre- 
facten des Quaders durch Präparation nichts weiter aus dem Gesteine 
gelöst werden kann. In den thonigen und mergeligen Ablagerungen 
sind es oft gerade die Schlösser, die verloren gegangen sind, während 
es im Sandsteine oft ebenso unschwer gelingt, sie zu präpariren. 
Endlich sind die Inoceramen, wie überhaupt alle Fossilien des Pläners, 
stärker verdrückt als die des Quaders. Es ist dies die Folge der 
leichten Verschiebbarkeit und der Beweglichkeit der schlammigen 
Absätze, welche bei den grösseren und kantigen Sandkörnern wegen 
des Reibungswiderstandes nicht möglich ist. Sandige und kalkig- 


u 
?) Elbthalgebirge II, pag. 52 und Neues Jahrbuch 1873, pag. 20. 
°) Palaeontographica Bd. 44, pag. 47. 


[15] Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens, 167 


thonige Ablagerungen folgen aber im Gebiete wiederholt aufeinander 
und vertreten sich auch gegenseitig, So kommt es, dass zur Auf- 
stellung von Formenreihen Material verwendet werden muss, das nicht 
nur in ganz verschiedenen Erhaltungszuständen vorliegt, sondern auch 
unter biologisch verschiedenen Bedingungen zur Entwicklung gelangt 
ist, was natürlich auf das Ergebnis der Untersuchungen, solange sie 
sich auf ein enges Gebiet ‚beschränken, modificirend und störend 
einwirken muss. Eine gründliche Durcharbeitung aller bisher be- 
schriebenen Inoceramen wird zweifellos in dieser Richtung viel Auf- 
klärung bringen. Beobachtungen wie unsere, die nur in einer Provinz 
gemacht wurden, lassen sich höchstens zur Prüfung der aufgestellten 
Behauptungen verwerthen. 

Sicher ist und das zeigen auch die entworfenen Stammbäume 
zur Genüge, dass eine bestimınte Variationsrichtung nicht vorliegt, 
vielmehr werden gewisse Wege zu wiederholten Malen eingeschlagen, 
so z. B. die Tendenz, unter Verlängerung des Schlossrandes die Schale 
zu verbreitern, was zu Formen vom Habitus des J. Oripsit Mant. 
führt. Dies beobachtet man im Unterturon am J. labiatus Schloth., 
von dem unser ]. hercynieus abzuleiten ist; im obersten Turon am 
I. Cwvieri Sow. und im Senon stellen sich zwischen dem /. planus 
Münst. von Lemförde und dem J. Cripsii Mant. dieselben Verhält- 
nisse ein. 

Zwischen manchen Arten, von denen man anzunelımen hat, dass 
sie aus einander hervorgegangen sind, fehlt es im Gebiete völlig an 
Zwischenformen, was höchstens besagen kann, dass sie sich hier nicht 
aus einander entwickelt haben. In anderen Fällen wird wohl ein 
sorgfältiges Nachforschen an geeigneten Localitäten noch Aufklärung 
bringen. Es ist, nach einigen vorliegenden Stücken zu schliessen, 
Hoffnung vorhanden, dass sich die Beziehungen des 7. bohemicus 
Leonh. zu jüngeren Arten mit Hilfe systematischer Aufsammlungen 
noch festlegen lassen. So wird man in der Annahme, dass der 1. 
Brongniarti Sow. aus dem /. bohemicus Leonh. hervorgegangen ist, 
kaum fehlgehen. Es wurde oben hervorgehoben, dass erstere Art 
in Böhmen bereits in tieferen Schichten vorkommt, als es in Nord- 
deutschland die Regel ist. Die ältesten Schichten, aus denen sie 
eitirt wird, sind die Pläner von Zohse unweit Landskron. !) Hier 
kommt er zusammen mit Mutationen des J. bohemicus Leonh. vor, 
die schon beträchtlich von der normalen Form in der Richtung auf 
den J. Brongniarti Sow. hin abweichen. Aehnliche Stücke bekamen wir 
auch von anderen Localitäten Ostböhmens, immer aus den tiefsten 
Bänken des Pläners zu sehen. Der J/. bohemicus selbst wird von 
Geinitz sowohl wie von Leonhard auf den /. concentricus Park. 
zurückgeführt. Gleicher Abstammung scheint der I. virgatus Schlüt. 
zu sein. In ihm und dem /. bohemicus Leonh. dürften dann vicari- 
irende Arten vorliegen, von denen sich die letzteren in den küsten- 
nahen Gewässern der herceynischen Provinz herausgebildet und später- 
hin auch weiter umgebildet hatten, während die constant gewordenen 
Arten weite Verbreitung gefunden haben. 


!) Tietze, Jahrb. d. k. k geol. R.-A. 1901, pag. 273. 


168 Dr. W. Petrascheck. [16] 


Es wurde bereits oben erwähnt, dass sich der I. bohemicus 
Leonh. in gewissen Mutationen dem /. labiatus Schloth. nähert, ohne 
dass es aber auch hier zu einem lückenlosen Uebergang käme. 
Geinitz schiebt, vermuthlich durch verdrückte breite Varietäten 
des 1]. bohemicus veranlasst, zwischen diesen und dem ]. labiatus 
Schloth. den I. latus Mant. ein, welcher jedoch immer nur in einem 
höheren Niveau als der I labiatus Schloth. anzutreffen ist und eher 
von diesem abgeleitet werden könnte, wenn nicht der Verlauf seines 
Schlossrandes ihm eine abgesonderte Stellung zuweisen würde. Neben 
dem /. latus Mant. gehört, wie Elbert sehr richtig erkannt hat, 
der I. cuneiformis d’Orb. Da mit diesem letzteren der I. striatus 
Geinitz’s aus dem Plänerkalk identisch ist, so ist die ebendem- 
selben von Leonhard in seinem Entwicklungsschema zugewiesene 
Stellung, sowohl was die verwandtschaftlichen Verhältnisse als auch 
was den geologischen Horizont anbetrifft, unrichtig. Anhaltspunkte 
für die Entwicklung des /. Cuvieri Sow. zu finden, ist uns nicht ge- 
lungen. Er bildet ebenso wie der I. Brongniarti Sow. eine Gruppe, 
die im Gebiete durch grosse Mannigfaltigkeit und Formenreichthum 
ausgezeichnet ist und offenhar in den jüngsten Schichten desselben 
in lebhafter Umbildung begriffen ist. Beide Gruppen stehen hierin 
im Gegensatze zu den Inoceramen des Emschers, die, wie die Arbeiten 
Schlüter’s und G. Müller’s zeigen, sich durch grosse Constanz 
ihrer Merkmale auszeichnen. 


Gesellschafts-Buchdruckerei Brüder Hollinek, Wien, III., Erdbergstrasse 3. 


en 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Heft. 22 


Erklärung zu Tafel LI. 


Ovis Mannhardi n. f. 


Fig. 1 von vorne. 
Fig. 2 von rückwärts. 
Fig. 3 von oben. 


Beiläufig ?/, (genauer °4/,,,) der natürlichen Grösse. 


Fr. Toula. Ovis Mannhardi von Eggenburg. Tafel II, 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Band LIII, 1903. 


Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III.. Rasumofskygasse 23. 


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Erklärung zu Tafel III. 


Fig. 1. Hornblendeglimmerporphyrit aus dem Weissbachthale. 
Rechts oben ein Biotiteinsprengling, darunter Hornblende (Längsschnitt) anstossend 
an den Plagioklas, links unten Hornblendequerschnitt, gekreuzte Nicols. Objectiv «a, 
Zeiss, Ocular 1 Fuess. 


Fig. 2. Quarzglimmerporphyrit von der Koflrasteralm. Grosser Quarz: 
einsprengling, in der Grundmasse mehrere kleine. Die Feldspathe sind mit Anilinblau 
nach Becke’s Methode gefärbt und erscheinen im Bilde dunkel. Vergr. wie bei 1. 


Fig. 3. Aplitischer Porphyrit ‚vom Birchberggraben. Links unten 
Granat, rechts seitlich und links oben Feldspatheinsprenglinge. Präparat mit 
Anilinblau gefärbt. Vergr. wie bei l. 


Fig. 4. Kersantit vom vorderen Eggenspitz. Zwei grosse Biotite, der eine 
mit hellem Kern (Anomit), die leistenförmigen Plagioklase sind mit Anilinblau 
gefärbt; sie bilden zusammen mit kleinen Biotiten die Grundmasse. Vergr. 
Objectiv AA Zeiss, Ocular 1 Fuess. 


Fig. 5. Diorit vom Grünsee. Die gleichmässig hellgraue Substanz, welche 
die Zwischenräume zwischen allen anderen Mineralien einnimmt, ist Orthoklas ; 
Plagioklase ragen von den Seiten und von unten in die Bildfäche. Links unten 
grosser Hornblendequerschnitt, gekreuzte Nicols. Vergr. wie bei 4. 


Fig. 6. Randbildung am Diorit ober dem Grossen Grünsee. Man sieht 
die tropfenförmig in den grossen Feldspathen eingeschlossenen kleinen Orthoklase, 
gekreuzte Nicols. Vergr. wie bei 4. 


Dr. W. Hammer: Porphyrite und Diorit etc. Tafel. IM. 


Autor phot. Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIll, 1903. 


Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 


Erklärung zu Tafel IV. 


Fig. 1. Thamnophyllum supradevonicum sp. nov. 


a. Querschnitt (vergr. 4:1). 
b. Längsschnitt desselben Astes (vergr. 36:1). 


Fig. 2. Cyathophyllum caespitosum Goldf. 


a. Querschnitt (vergr. 4:1. 
b. Längsschnitt desselben Stockes (vergr. 4:1). 


Fig. 3. Oyathophyllum caespitosum Goldf. Ansichten eines Stockes in natürlicher 
Grösse, 
a. Von der Seite. 
b. Von oben. 


Fig. 4. Cyathophyllum minus Römer. 


a. Querschnitt (vergr. 37:1). 
b. Längsschnitt desselben Stockes (vergr. 4:1). 


K. A. Penecke: Oberdevon von Hadschin im Antitaurus. Tatel IV. 


Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien. 


R. Hoernes phot. 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIII, 1903. 


Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 


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Erklärung zu Tafel V. 


Fig. 1. Cyathophyllum caespitosum Goldf. Längsschnitt der kräftigeren Form aus 
den schwarzen Schiefern (vergr. 4:1). 


_ Fig. 2. Cyathophyllum Darwini Frech. 


a. Querschnitt (vergr. 35:1). 
b. Längsschnitt desselben Stockes (vergr. 34:1). 


Fig. 3. Cyathophyllum Sedgwicki E. et H. 
a. Querschnitt (vergr. 36:1). 
b. Längsschnitt (vergr. 37:1). 
c. Ansicht desselben Stockes von oben, schwach verkleinert (längster 
Durchmesser 40:44 cm). 


Tafel V. 


Oberdevon von Hadschin im Antitaurus. 


K. A. Penecke: 


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Lichtdruck v, Max Jaffe, Wi 


R. Hoernes phot. 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIII, 1903. 
Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 


Tafel VI, 


Oberdevon von Hadschin im Antitaurus. 


Jahrbuch der k. k. geo]. Reiehsanstalt. 1903 53. Band, 1. Heft 


23 


Erklärung zu Tafel VI. 


Fig. 1. Phillipsastraea Schafferi sp. nov. 


a. Querschnitt (vergr. 37:1). 
b. Schräger Längsschnitt desselben Stockes (vergr. 3'7:1). 


Fig. 2. Phillipsastraea Schaferi sp. nov. 


a. Querschnitt (vergr. 3:1). s 
b. Längsschnitt (vergr. 34:1) eines Stockes mit etwas kleineren Kelchen 
mit feinerem Endothecalgewebe., 


Fig. 3. Phillipsastraea micrastraea sp. nov, 


a. Querschnitt (vergr. 37:1). 
b. Längsschnitt desselben Stockes (vergr. 3°6:1). 


Datel VI. 


Oberdevon von Hadschin im Antitaurus. 


K. A. Penecke 


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Wien, 


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Lichtdruck v. 


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Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LII, 1903. 
Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumofiskygasse 29. 


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Fig. 


Fig. 


Fig. 


Erklärung zu Tafel VII. 


. Phillipsastraea Schafferi sp. nov. Ansicht der Oberfläche eines Stockes in 


natürlicher Grösse. 


. Phillipsastraea micrastraea sp. nov. Ansicht der Oberfläche eines Stockes 


in natürlicher Grösse. 


. Darwinia rhenana Schlüt. Ansicht der Oberfläche eines Stockes in natür- 


licher Grösse. 


. Striatopora vermicularis M. Coy. 


a. Querschnitt eines Astes mit einem Bohrgange (vergr. 45:1). 
b. Längsschnitt der Spitze desselben Astes (vergr. 33:1). 


. Polypora striatella Sandb. Stockfragmente von der Innenseite auf geschie- 


fertem Brachiopodensandstein mit Spirifer disjunctus Sow. 


K. A. Penecke: Oberdevon von Hadschin im Antitaurus. Tafel VII. 


R. Hoernes phot Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien. 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIII, 1903. 


Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumofiskygasse 23. 


Tafel VI. 


Ueber Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 1. Hett. 24 


Erklärung zu Tafel VIII. 


Fig. 1a, 1b. Imoceramus hercynicus n. sp. Steinkern aus dem Labiatus-Quader von 
der Wand bei Tellnitz. (Original in der geologischen Landesanstalt 
Leipzig.) 

Fig. 2. Inoceramus hercynicus n. sp. Seulpturensteinkern vom Weissen Berge bei 
Prag. (Original im geologischen Institut der deutschen Universität Prag.) 


Fig. 3. Inoceramus hercynicus n. sp. Steinkern mit Fragmenten der Schale vom 
Weissen Berge bei Prag. (Original im geologischen Institut der deutschen 
Universität Prag.) 


Fig. 4a, 4b, 4c. Inoceramus crassus n. sp. Steinkern aus dem Chlomeker Quader 
vom Dachsloch. (Original im geologischen Institut der deutschen Uni- 
versität Prag.) 


Fig. 5a, 5b, 5e. Inoceramus saxonicus n, sp. Steinkern aus dem Quader von der 
Wand bei Tellnitz. (Original in der geologischen Landesanstalt Leipzig.) 


Fig. 5 stellt die natürliche Grösse dar, die übrigen sind auf ?/, derselben 
reducirt. 


Dr. W. Petrascheck: Inoceramen aus der Kreide Böhmens und Sachsens 


Tafel VIM. 


Photographie und Lichtdruck von Max Jaffe, Wien, 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIII, 1903. 


Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, IIT., Rasumoffskygasse 


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"Mit vier Lichtdrucktafeln (Nr. IV: A 


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Petrascheck. Mit einer BUNTEN In. Rn, und ni 
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NB. Die Autoren allein a für den Inmait 
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2, Heft. 


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wien, 1903. 
Vera der k. k. geologischen Reichsanstalt. 


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geologische Beschreibung des nördlichen Theiles 
: des Karwendelgebirges. 


Von Dr. 0. Ampferer. 


Schema des Gebirgsbaues (Tafel Nr. X). 


Vorwort. 


Wenn man eine grössere Summe geistiger Erfahrungen zusammen- 

zufassen versucht, so gelangt man leicht an zwei gleich gefährliche 
Klippen der Darstellung, an jene der elegant, hoch im Aether der 
Hypothesen schwebenden Erklärung, wo die gütige Natur gewisser- 
massen dankbar für den kühnen Gedankenflug überall Beweise bereit 
zu stellen scheint, wo immer aus der Höhe ein grundsuchender Anker 
geflogen kommt, und an jene der umständlichen, klebrigen Detail- 
schilderung, welche zwar viele richtige Einzelbilder ergibt, jedoch 
mit ihren Einblendungen den freien Blick und Zusammenhang in einer 
Weise stört, dass die Lecture eher ein Hindernisreiten als eine 
 freudige Aufmunterung zu erneutem Forschen bedeutet. 
Von beiden Schreibarten besitzt die geologische Literatur starke 
Bestände, blendendes Lustfeuerwerk oder eisernen, ungeniessbaren 
' Vorrath der Büchereien, und ich verhehle mir die Schwierigkeiten 
_ nicht, welche in ihrer Vermeidung begründet liegen. 

Scharfe Sonderung des Beobachteten und des Dazugedachten, eine 
möglichst getreue, bündige Schilderung ohne jegliche Nebenabsichten 
oder Verhüllung vorhandener Lücken sowie reichliche bildliche Dar- 
stellungen scheinen mir die besten Mittel zur Abwehr. 

In diesem Sinne möge auch die Arbeit verstanden werden, 
welche nur ein Stück mühsam gebrochenen Pfades zu weiterer Er- 
 kenntnis bildet. 

Die neue Aufnahme dieses Gebirges setzt sich aus zwei sowohl 
örtlich als zeitlich getrennten Arbeitsreihen zusammen, von denen die 
erste des südlicheren Gebietes, an welcher sich auch mein Freund 
Dr. W. Hammer betheiliste, die Jahre 1896 und 1897 erfüllte, während 
die zweite des nördlicheren Theiles im Auftrage der k. k. geologischen 
Reichsanstalt sich in den Jahren 1901 und 1902 vollzog. 

Die Ergebnisse des ersten Aufnahmszuges haben im Jahrbuch der 
obigen Anstalt, und zwar im 48. Band, 2. Heft, eine kurze Darlegung 
gefunden, so dass der südliche Antheil des Gebirges mit Ausnahme 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (O0. Ampferer.) 24 


170 Dr. 0. Ampferer. - [2] 


von einzelnen Berichtigungen, Vergleichen und Uebersichten hier keine 
weitere Berücksichtigung beansprucht, wenn auch die damals bei- 
gegebene Karte durch mehrfache neue Begehungen, besonders in 
Bezug auf die glacialen Ablagerungen, inzwischen Verfeinerungen 
erlangte. 

Dem nördlichen Gebirgsabschnitte, von welchem der Vomper- 
Hinterauthaler Kamm, die Karwendelkette, die Falken, Gamsjoch, 
Sonnenjoch, Stanserjoch sowie das nördlich vorlagernde Gebiet der 
srossen Kreidemulde behandelt werden sollen, konnten über 90 volle 
Aufnahmstage gewidmet werden. 

Ausserdem ist in Betracht zu ziehen, dass umfassende touristische 
Wanderungen und Hochtouren früherer Jahre eine sehr genaue Kenntnis 
der Berge, Thäler sowie ihrer Pfade vermittelten. 

Dieser Gebirgstheil war schon in den Jahren 1886 und 1887 
das Ziel von Detailaufnalımen, welche unter der Leitung von Professor 
Rothpletz von den Herren Dr. Clark, E. Fraas, G. Geyer, 
O. Jaekel, OÖ. Reis und R. Schäfer ausgeführt und deren Er- 
gebnisse hauptsächlich von ersterem in der Alpenvereinszeitschrift 
1888 durch Beschreibung, Profile, Ansichten und Karten festgelegt 
wurden. 

Diese Arbeit bedeutet jedenfalls einen sehr wichtigen Vordrang 
in der Erkenntnis dieses Gebirges, wenn sie auch in der Folge un- 
verdientermassen mehr Anfeindung als Anerkennung von Seite anderer 
Geologen zu erfahren hatte. Zwei Neuerungen waren vor allem die 
Steine des Anstosses, die erste eine schematisierende, reichliche Ver- 
wendung von Verwerfungslinien zur Begrenzung der Schichtschollen, 
die zweite eine unglückliche, stratigraphische Neutaufe eines ohnehin 
schon getauften Schichtverbandes. Ich meine die Myophorienschichten, 
welche sich nach meinen Erfahrungen in keiner Weise von jenen 
Gesteinen unterscheiden lassen, die in den östlicheren Nordalpen 
längst schon als Reichenhaller Schichten beschrieben wurden. Ueber 
diesen ziemlich unwichtigen Aussentheilen der Arbeit wurde der Kern 
derselben, die in vielen Gebieten sehr getreue Wiedergabe der 
geologischen Verhältnisse, leichthin übersehen, Während noch auf 
der alten Karwendelkarte von Neumayr und Mojsisovics oft 
das ganze Gebirge durchziehende Schichtfolgen falsch eingetragen 
oder übersehen waren, finden wir auf der Rothpletz’schen Karte 
eine weitgehende richtige Schichtbeurtheilung mit Ausnahme von ein- 
zelnen Stellen, welche wahrscheinlich überhaupt nicht näher be- 
gangen wurden. So liegt der Fortschritt dieser Aufnahme nicht, 
wie es scheinen möchte, in der tektonischen Auffassung, sondern 
vielmehr in der Schichtendiagnostik. Als ich meine Arbeiten begann, 
war ich eher geneigt, an der Stratigraphie als an der Tektonik zu 
zweifeln, und erst langsam kehrte sich das Verhältnis um, als ich 
gewahrte, dass die Gesteine, wo die Aufnahmen überhaupt verlässlich, 
auch gut geschieden waren, während in anderen Gebieten die Gesteins- 
und Grenzenangaben in einer Weise unrichtig sind, dass zur Erklärung 
keine Verwechslung der Schichten, sondern nur eine Kartierung aus 
der Ferne ausreichend ist. Doch beschränken sich diese Fehlerzonen 
vor allem auf die Gebiete des Sonnen- und Gamsjochs sowie auf den 


re ec 


[3] Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 171 


Falkenkamm, während die Fehlerzonen der Neumayr-Mojsisovics- 
schen Karte allgemein und gleichmässig vertheilt sind, natürlich aber 
ebenso af unzureichenden Begehungen und Verallgemeinerung auf 
Grund von Fernsichten beruhen. Nun liegen aber gerade die für die 
Tektonik entscheidenden Stellen in solchen Fehlerzonen, weshalb das 
von Rothpletz geschaffene Bild des Karwendelgebirges ein theil- 
weise verfehltes wurde. 

Daraus lässt sich nun sofort die Aufgabe dieser neuen Bearbeitung 
ableiten, welche vor allem versuchen will, eine richtigere Vorstellung 
vom Bau dieses Gebirges zu verbreiten und die vorhandenen Irr- 
thümer aufzulösen und zu beseitigen. Wichtige stratigraphische Ent- 
deckungen waren in einem in dieser Hinsicht so gründlich ausge- 
beuteten Gebirge nicht zu erwarten und auch unmöglich, indem die 
verfügbare Zeit gerade hinreichte, alle Grenzen so weit als möglich 
zu begehen, die Schichten zu untersuchen, jedoch ohne einzelne 
Fundstellen so umfangreich aufzuschliessen, dass aus ihnen neues mass- 
gebendes Material hätte gewonnen werden können. So brachte die 
Gesteinsforschung grösstentheils nur wieder paläontologische Beweise 
zu Tage, welche von denselben oder benachbarten Stellen schon früher 
bekannt waren. Aus diesen Gründen könnte ich von einer strati- 
graphischen Schilderung der verschiedenen Gesteinsarten überhaupt 
absehen und mich auf die vorhandene Literatur allein stützen, wenn 
nicht doch einzelne Beobachtungen an älteren Schichtgliedern sowie 
die bisher unbeschriebenen glacialen Erscheinungen eine Erwähnung 
verlangten. Letztere haben auch auf den Kartenblättern 1:25.000 
eine eingehende Darstellung erhalten, welche allerdings bei der Ver- 
öffentlichung im Masse 1:75.000 viel von ihrer Feingliedrigkeit ver- 
lieren wird. Damit bin ich an dem Hauptübelstande der ganzen Unter- 
nehmung angekommen, welcher darin begründet liegt, dass die grossen 
neuen Karten wahrscheinlich erst in einigen Jahren und dazu stark 
verkleinert in die Oeffentlichkeit gelangen werden, welche zum Ver- 
ständnis der Beschreibung so viel hätten beitragen können. Ich hoffe 
indessen, durch zahlreiche graphische Darstellungen diesen Mangel für 
den Leser weniger empfindlich machen zu können. Zu diesem Zwecke 
habe ich eine grössere Anzahl von Profilen in den Text geschoben, 
ausserdem eine andere Profilschar zu einer Art von Karte zusammen- 
geordnet, welche gestattet, die charakteristischesten Durchschnitte der 
Gebirgsglieder in ihrem geographischen Zusammenhange zu verfolgen. 

Ein Netz der Thalläufe im Masse 1: 100.000 bildet die orientierende 
Grundlage für die Aufstellung dieser Querschnitte, welche in dem- 
selben Massverhältnis gezeichnet sind. Um ihre Einordnung so einfach 
und übersichtlich als möglich zu machen, wurden die Profile so hinein- 
gelegt, dass ihre Endpunkte immer geographisch mit der Karten- 
unterlage übereinstimmen. 

An diesen zwei Punkten ist jeder Querschnitt gleichsam fest- 
gehalten und dann um 90° gedreht, bis er in der Projectionsebene 
des Kartenfeldes liegt. Diese Methode der Darstellung ist nur dann 
mathemathisch genau, wenn die Endpunkte dieselbe Meereshöhe haben, 
sonst tritt eine kleine Verzerrung ein, welche jedoch so unbedeutend 
bleibt, dass daraus keine Zerstörung der Verhältnisse folgert. Die 

24* 


172 Dr. O0. Ampferer. R [#] 


Punkte, welche geographisch mit der Kartenunterlage übereinstimmen 
und die Drehpunkte der Profile darstellen, sind durch Angabe}; der 
Meereshöhe ausgezeichnet. Ausserdem stehen je zwei zusammen- 
sehörige durch eine gebrochene Linie in Verbindung, welche nicht 
nur die Lage, sondern auch die Drehachse des Durchschnittes angibt. 
Aus der Höhe der beiden Drehpunkte ist unmittelbar die Neigung der 
Achse zu entnehmen. Natürlich ging mein Bestreben dahin, möglichst 
horizontale Profilachsen zu verwenden, indessen liessen sich schiefe 
nicht vermeiden, ohne dadurch erhebliche Lücken zu schaffen. Da 
alle wichtigeren Theile des Gebirges berücksichtigt wurden, kann man 
aus dieser Profilkarte leicht den Bau der Schichten herauslesen. Für 
den raschen Ueberblick und zur leichteren Einprägung der grossen 
geologischen Züge, welche den Körper dieser Bergwelt beherrschen, 
habe ich ausserdem ein Schema beigegeben, welches von meinem 
Freunde Dr. W. Hammer in lieber Freundlichkeit ausgeführt wurde. 
Das Gebirge ist mit Ausnahme des südlichsten Theiles, welcher sich 
durch Verworrenheit und Aufschlussmangel einer solchen Darstellung 
entzieht, aus der Vogelperspective gezeichnet. Zur leichten Erfassung 
der geologischen Zusammenhänge sind nur drei Schichtgruppen unter- 
schieden, welche auch meistens tektonische Einheiten ausmachen. Diese 
Schichtlagen sind nun aus ihren thatsächlich vorhandenen Resten 
künstlich zu jener Vollständigkeit ergänzt, welche genügt, um die 
Ruinen des Gebirges in ihrem Baustil zu erkennen. Im übrigen 
erklärt sich das Bild von selbst. Wenn man dazu die tektonische 
Uebersichtskarte von Prof. Rothpletz vergleicht, so fällt die Ver- 
änderung in der Auffassung leicht in die Augen. 

Es liegt in der Natur einer schematischen Darstellung, dass 
gewisse Einzelheiten weggelassen, andere vergrössert und verschärft 
werden mussten, um dem Gesammteindrucke zur vollen Wirkung zu 
verhelfen. Ich bemerke hier ausdrücklich, dass in dem Schema bereits 
jene Gedankencombination der Aufschlüsse zum Ausdruck kommt, 
welche in mehrjährigem Begehen und Betrachten derselben in mir 
erwachsen ist. Aus der Beschreibung und den Profilen dagegen habe 
ich sie so viel als möglich zu verdrängen gesucht. So kann der auf- 
merksame Leser gewissermassen sowohl die Grundlage wie auch den 
von mir darauf errichteten Bau von einander trennen und die Wahr- 
scheinlichkeit der Folgerungen schätzen. 

Ich sehe in diesem Schema nur den einfachsten und bequemsten 
Ausdruck meiner Vorstellungen über den Aufbau dieses Hochgebirges, 
welche ich durch keine Beschreibung so leicht in der Phantasie des 
Lesers hätte verkörpern können. 

Ich kann diese einleitenden Erörterungen nicht schliessen, ohne 
allen meinen Vorarbeitern auf diesem Gebiete”meinen Dank zu ent- 
richten. Wer einsam durch die wilden Schluchten des Hochgebirges 
forschend geklommen ist, der weiss verlässliche Angaben wie einen 
Freund zu schätzen und erinnert sich gern ihrer Hilfe. 

Dagegen habe ich beim besten Willen vorhandene Fehler und 
Uebersehungen nicht bedauern können, wie viele Autoren von sich 
zu berichten pflegen, sondern mich darüber gefreut, weil dadurch 
Raum und Licht zu eigenem Schaffen sich öffnete. Diese Freude 


[5] Geologische Beschreibung: des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 173 


kümmert sich nicht um die Person des Irrenden, sie gleicht der des 
Soldaten, welcher, lange harrend, endlich die Linien der Kämpfenden 
verstärken darf. 

Die Reihe der Probleme, welche die Natur in der Form eines 
grossen Gebirges uns stellt, ist eine so umfangreiche, dass es oft 
den Anschein hat, als würde durch eine neue Arbeit ihre Anzahl nur 
noch vergrössert. So ist auch hier das Erledigte verschwindend gegen 
die andringende Schar geöffneter Fragen, welche allerdings immer 
allgemeiner und schwieriger sich gestalten. Die stille Grösse der 
Berge, die Weihe der Wälder und Wasser, eine Flut von herrlichen, 
unvergesslichen Stimmungen aber wird jeden belohnen, der neuerdings 
auszieht, die Geheimnisse der Erde dem Schosse des Gebirges zu 
entreissen. 


Stratigraphische Anmerkungen. 


Die hier folgenden Bemerkungen sollen nur Ergänzungen zu der 
von Rothpletz und im 48. Bande, 2. Heft, des Jahrbuches der Reichs- 
anstalt gegebenen Stratigraphie bedeuten, was die sehr ungleichmässige 
Behandlung der verschiedenen Abtheilungen erklären mag. 


Euntsandstein, Werfener Schichten. 


Während im südlichen Abschnitte des Karwendelgebirges der 
Buntsandstein doch verhältnismässig mächtig und weit verbreitet auf- 
tritt, gehören seine Ablagerungen im nördlichen Theile zu den Selten- 
heiten. Durchaus in riesig gestörter Lage auf und inmitten weit jüngerer 
Schichten findet sich keine Stelle, wo man die ursprünglichen Lage- 
beziehungen mit Sicherheit zu erkennen vermöchte. Indessen gewähren 
die petrographischen Merkmale hinreichende Sicherheit zur Erkennung. 
Während im südlichen Gebiete längs der Innthalzone besonders rothe, 
oft ziemlich grobkörnige Sandsteine vorherrschen, treffen wir solche 
nur auf der Höhe des Stanserjochs und des Mahnkopfs, während die 
anderen Vorkommnisse vorzüglich aus lichtgrünen Sandsteinen bestehen, 
denen sich häufig ausgelaugte Salzthone innig anschliessen. Ich habe 
diese mit Sandsteinen verbundenen Salzthonlagen noch zu den obersten 
Werfener Schichten gerechnet, mit denen sie sowohl im Auftreten 
und Lagern viel enger verbunden sind als mit den darauf folgenden 
Reichenhaller Schichten. Die Schichteinordnung dieser Gebilde beruht 
somit lediglich auf Analogieschlüssen, denn die nächste Stelle, wo die 
Unter- und Ueberlagerung des Buntsandsteines zu sehen ist, liegt südlich 
des Inns auf den Vorhöhen des Schwazer Erzdolomits. Auch hier sind 
die Verhältnisse stark gestört, doch erkennt man mit Sicherheit, dass 
sich die Sandsteine nach oben zu wesentlich verfeinern, verschlammen, 
häufig lichtgrünliche Färbungen annehmen und dann in gelbliche Rauch- 
wacken übergehen, welche noch Stückchen von Sandstein und Thon 
in sich bergen. Diesen obersten Lagen dürften wahrscheinlich die 
meisten nördlichen Karwendelvorkommnisse gleichzustellen sein. Nur 
am Stanserjoch wurden bisher Versteinerungen, und zwar von A. Pichler 


174 Dr. 0. Ampferer. - [6] 


gefunden, der Myophoria costata und Natica Gaillardoti erwähnt. Ich 
konnte an derselben Stelle keine deutlichen Fossilien entdecken, 
obwohl ich an zwei verschiedenen Tagen jedesmal längere Zeit der 
Suchung widmete: 


Reichenhaller Schichten. 


Es ist das Verdienst Bittner’s, durch seine Fehde gegen Roth- 
pletz diesem alten, brauchbaren Namen wieder zu seinem Rechte 
verholfen zu haben, und dies fällt umsomehr ins Gewicht, als das 
Karwendelgebirge sicherlich nicht der rechte Ort ist, neuen Schicht- 
bezeichnungen dieser Stufe eine genügende Stütze zu verleihen. Denn 
wie die Werfener Schichten ganz ausserhalb ihres ursprünglichen 
Verbandes nur in wirren Resten vorliegen, so entbehren auch die 
grossen Massen dunkler Kalke, Dolomite, Rauchwacken und schwarzer 
Schiefer jeglicher nachweisbaren ungestörten Beziehung zu diesen 
ältesten Gesteinen. Um über ihre Einordnung eine Vorstellung zu 
sewinnen, müssen wir von viel jüngeren Schichtverbänden, zum Bei- 
spiel vom Wettersteinkalk, ausgehen und in die Tiefe steigen, wo wir 
dann ziemlich regelmässig unter den  paläontologisch und petro- 
graphisch wohlcharakterisierten Lagen des Muschelkalkes auf einen 
oft mächtigen Verband der obengenannten Gesteine treffen, deren 
tiefste Lagen fast ausschliesslich Rauchwacken innehalten. Zwischen 
diesen Gesteinen und den Resten von Buntsandstein besteht nicht 
der geringste Zusammenhang, während die Verbindung derselben mit 
den unmittelbar Jüngeren Schichtfolgen fast durchgängig und oft auf 
weite Strecken eine recht feste ist. Die dunklen, oft blauschwarzen 
Kalke, welche dünnplattig gegliedert sind, enthalten an manchen 
Stellen auf den Schichtflächen zahlreiche Schalen von Myophoria 
costata uud Natica stanensis. Alle anderen Versteinerungen ‚wie 
Modiola cf, triqueter, Gervillia sp., Pecten sp., Entrochus sp. sind ver- 
hältnismässig selten ebenfalls in denselben dunklen, dünnplattigen 
Kalken.: Diese artenarme Fauna sowie die Gesteinsausbildung ist für 
einen weiten Theil der östlichen Nordalpen ganz charakteristisch, wie 
zuerst Bittner und neuerdings E. Böse nachgewiesen hat. Wer 
Gelegenheit: hat, die Belegstücke Bittner’s aus den östlichen 
Nordalpen mit jenen aus dem Karwendel zu vergleichen, wird von 
ihrer Gleichartigkeit geradezu überrascht sein. 

E. Böse hat im 50. Bande der Zeitschrift der Deutschen geo- 
logischen Gesellschaft, Seite 552 und folgende, auch die Verhältnisse 
des Karwendelgebirges in den Kreis seiner Beobachtungen gezogen, 
welche schon wegen einzelner irriger Angaben hier besprochen 
werden müssen. 

Aus seinen weit über die Nordalpen ausgedehnten Studien kommt 
er über die Stellung der Reichenhaller Sebichten ungefähr zu den- 
selben Ergebnissen, welche Bittner gegen Rothpletz vertrat, 
dass diese nämlich nicht zum Buntsandstein, sondern zum untersten 
Muschelkalk zu rechnen sind. Um nun seine Beobachtungen auch auf 
das Karwendelgebirge zu richten, besuchte er hauptsächlich die Gegend 
des Stanserjochs und des Bärenkopfs im Südwesten des Achensees. 


[7] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 175 


Hier untersuchte er am Stanserjoch das Vorkommen der Werfener 
Sandsteine im Sattel zwischen Hanskampl (richtig Hankampl) und 
Gamskarspitze und gibt an, dass dieselben von schwarzen Kalken mit 
Neritaria stanensis überlagert werden. Diese Ueberlagerung ist aller- 
dings vorhanden, jedoch eine so gestörte, dass man daraus nicht den 
geringsten berechtigten Schluss auf das Altersverhältnis der betheiligten 
Schichten ziehen kann. In der Beschreibung dieses Gebirgstheiles wird 
eine genauere Darstellung dieser Verhältnisse folgen. 

Von dieser Stelle wanderte Böse nach Norden hinunter zum 
Sattel zwischen Stanserjoch und Bärenkopf und fand da im Graben 
gegen die Weissenbachalpe schön aufgeschlossene Werfener Schichten 
mit Resten von Naticella costata. Das Verhältnis zu den Reichenhaller 
Schiehten konnte er nicht ermitteln, doch vermuthet er, dass sich der 
Buntsandstein bis ins Tristenauthal hinabziehe, wo Pichler (Zeitschrift 
des Ferdinandeums 1863, Beiträge zur Geognosie Tirols, 11I. Folge, 
auf Seite 7) angibt, dass man in den Schluchten des Bärenkopfs ;im 
Schotter Stückchen von Sandsteinschiefer begegne, die immer zahl- 
reicher werden und von einer Felswand abstürzen, in deren Nähe 
früher Gyps geholt wurde. Von Buntsandstein, wie Böse angibt, 
spricht der alte, verlässliche Beobachter hier nirgends, nachdem er 
schon am Eingange seines Aufsatzes erwähnt, dass sich der eigent- 
liche bunte Sandstein nur auf der Höhe des Stanserjochs vorfinde, 
wogegen auf der Nordseite des Stanserjochs das Haselgebirge weit 
verbreitet auftrete. Ebenso entdeckt dann Böse noch einen Zug von 
Buntsandstein bei der Bärenbadalpe, welcher sich bis gegen den 
Achensee hinabzieht. Er ist meistens sehr schlecht aufgeschlossen, 
führt aber an besser sichtbaren Stellen Naticella costata. Da Roth- 
pletz und der betreffende Aufnahmsgeologe nach Böse wahrscheinlich 
diese Züge von Buntsandstein für Einlagerungen in den schwarzen 
Kalken angesehen haben, so sollen sie nach den in ihnen enthaltenen 
Fossilien das Alter der schwarzen Kalke bestimmt haben. 

Dem entgegen ist anzuführen, dass einmal auf der Rothpletz- 
schen Karte diese für ihn so wichtigen Buntsandsteinzüge gar nicht ver- 
zeichnet sind und ausserdem gerade Naticella costata ihm von diesen 
Orten, wenigstens den Angaben nach, nicht bekannt war. Ebenso gibt 
Pichler an diesen Stellen ausdrücklich nicht bunten Sandstein, 
sondern weitverbreitetes Haselgebirge an, ja in einem derselben 
Abhandlung beigegebenen Profile, Nr. VII, führt er am Sattel der 
Bärenbadalpe sogar Carditaschichten auf. 

Ich habe diese Gegenden oft besucht und auf den verschiedensten 
Pfaden überschritten, ohne mich von dem Vorhandensein jener Bunt- 
sandsteinstreifen überzeugen zu können. Es liegen sowohl am Sattel 
zwischen Bärenkopf und Stanserjoch wie auch auf der Bärenbadalpe 
reichliche Massen von bräunlichen Sandsteinen, welche jedoch petro- 
graphisch durchaus von Buntsandstein verschieden sind und vollständig 
den Raibler Sandsteinen ähneln. Ausserdem kommen an zahlreichen 
Stellen dieser Gebiete Spuren von ausgelaugten Salzthonen und spär- 
lichen lichtgrünen Sandsteinschiefern vor, die jedoch leicht von den 
ersteren Gebilden zu unterscheiden sind. Deutliche Versteinerungen 
habe ich keine aufbringen können, wohl aber manchen schlechter- 


176 Dr. 0. Ampferer. . [8] 


haltenen Rest, der keine halbwegs sichere Bestimmung gestattete. 
Klarer liegen die Verhältnisse gegenüber der Bärenbadalpe an den 
Abhängen der Tristlalpe gegen den Hintergrund des Tristenauthales. 
Gewaltige Zonen von Rauchwacken und Kalken der Reichenhaller 
Schichten bilden in steiler Lage den Berghang, auf dem sich einzelne 
Haufen von braunen Sandsteinen mit Kohlenspuren, Oolithen, gelblich 
verwitternden Schiefern, schwarzen und grauen Kalken, welche höchst 
wahrscheinlich den Raibler Schichten angehören, erhalten haben. Steigt 
man durch diese schwierigen Schluchten auf die Höhe des Kaserjochs 
empor, so trifft man im Sattel gegen die Rappenspitze auf dieselben 
Gesteine, welche hier jedoch ganz regelrecht von flachen Bänken des 
Hauptdolomits bedeckt werden. 

Jedenfalls haben diese Sandsteine nichts mit den viel älteren 
des Buntsandsteines zu thun, und die seltsame Art ihrer Lagerung 
wird sich im übrigen Gebirge als weit verbreitet erweisen. 


u 


* 


a 


Muschelkalk, Partnachschichten, Wettersteinkalk. 


Ueber den eben beschriebenen untersten Ablagerungen des 
Muschelkalkes folgen in regelmässigem Verbande grosse Massen meist 
wohlgeschichteter Kalke von heller und dunkler grauer Farbe, oft in 
ausgezeichneter Knollenstructur mit dünnen, roten und schwarzen 
Zwischenmergeln, meist jedoch reich an Kieselausscheidungen, welche 
scharf und weit aus den verwitterten Kalken vorstarren. Sie bilden 
mit den darauf lagernden gewaltigen Massen des Wettersteinkalkes 
riesige Wände, an denen der aus Muschelkalk bestehende Sockel 
weithin durch seine Staffelung und seinen Grasbänderschmuck sich 
abhebt. Versteinerungen sind fast überall zu finden, jedoch selten in 
reicher und guter Ausbildung. Rothpletz hat danach die ganze 
Folge von unten nach oben in einen Gastropoden-, einen Brachiopoden- 
und Ammonitenhorizont getheilt, was für einzelne sehr beschränkte 
und fossilreichere Stellen wohl durchzuführen ist, jedoch für eine 
allenthalben zu vollziehende kartierende Scheidung wegen der Selten- 
heit von deutlichen Petrefacten und guten petrographischen Unter- 
schieden nicht ausreicht. Im allgemeinen ist der Muschelkalk im 
südlichen Theil, in der Innthalkette, reicher und viel mächtiger ent- 
wickelt und enthält hier besonders in seinen oberen Zonen im Niveau 
der Schreyeralmschichten eine sehr reiche Fauna. Mit Ausnahme 
einer schmalen Zone im Nordabfalle der Karwendelkette gehen die 
Kalklagen des Muschelkalkes allmählig in die hellen, mächtigen, 
silberfarbig verwitternden Bänke des Wettersteinkalkes über, welcher 
hier fast ausschliesslich die oberen Körper des Hochgebirges aufbaut. 
In den Sätteln im Süden des Stuhlkopfes und des Thorkopfes liegen 
unter dem Wettersteinkalke mehr als 100 m mächtige Lagen von 
schwarzen, splittrigen, oft intensiv gefältelten Thonschiefern, aus denen 
sich Züge dunkler, fester Kalke kräftig herausheben. Pentacrinus 
propinquus findet sich nicht allzuselten auf den Platten der Kalke. 
Sandsteine fehlen hier ebenso wie im Innthalgebiete und bilden neben 
dem Mangel an Fossilien mit den charakteristischen Griffelschiefern 
ein gutes Unterscheidungsmerkmal gegen die oft ähnlichen Raibler 


[9] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 177 


Schichten. Auch hier haben wir nur ein auskeilendes Ende dieser 
Facies vor uns, zu deren Eigenheiten so rasches Ein- und Aussetzen 
gehört. - 

Im südlichen Karwendelgebirge konnte mit Sicherheit und ziemlich 
vielen Versteinerungsangaben der untere Wettersteinkalk vom oberen 
geschieden und als eine Vertretung der Partnachschichten erklärt 
werden. Im nördlichen Gebirgstheile konnte ich dafür keine guten 
paläontologischen Beweise auffinden, was allerdings nicht ausschliesst, 
dass solche in dem weiten Berglande vorhanden sind. Indessen zeigt 
sich auch hier der tiefere Theil des Wettersteinkalkes als dunkler- 
farbig und reich an Grossoolithstructur, welche wir in der Innthal- 
kette als typisch für die Partnachkalke erkannten. Auch auf den 
Schutthalden am Nordfusse der grossen Wand der Hinterauthalkette 
traf ich manches wahrscheinlich dieser Facies angehörige Stück. 

Die oberen Wettersteinkalkschichten zeichnen sich durch eine 
sehr ungleiche Schichtung aus, wobei auffallenderweise meist die 
saiger gestellten Schichten feiner gesondert erscheinen als die flach 
liegenden, wohl weil bei jenen die Erosion viel mehr und ausdrucks- 
voller arbeitet. Grosse Massen entbehren jedoch überhaupt oder 
nahezu der Schichtung, so besonders die Klötze des Stanserjochs, 
des Sonnen- und Gamsjochs, wo dieselbe nur einzelne Theile beherrscht. 
In diesen Gegenden ist auch die dolomitische Ausbildung des Gesteines 
eine sehr verbreitete Erscheinung, welche sich auch in einer Aenderung 
der Verwitterungsformen äussert. Das grösste Vorkommen von Wetter- 
steindolomit, der immer dem oberen Wettersteinkalke entspricht, stellt 
das Stanserjoch dar, dessen Nordabhang ausschliesslich davon zusammen- 
gesetzt wird. In den südlichen oberen Gehängen des Stanserjochs 
wechseln öfters dolomitische und kalkige Lagen miteinander ab. 
Rothpletz hat die Mächtigkeit der Wettersteinkalke auf etwa 700 m 
angegeben, was wohl sehr gering gerechnet und an den meisten Stellen 
übertroffen sein dürfte. Zahlreiche Sprünge und schuppenartige Zu- 
sammenschübe steigern die scheinbare Mächtigkeit oft auf mehrere 
1000 m, besonders im Vomper- und Hinterauthaler Kamm. An solchen 
Stellen zeigt sich dann das Gestein getrümmert, zermalmt und in 
Folge seines Eisengehaltes und der erhöhten Zügigkeit für Wasser 
grellgelb und roth gefärbt. Auch Höhlen nisten sich gern in solchen 
Zonen ein. 


Raibler Schichten. 


Die schönsten und fossilreichsten Aufschlüsse fallen zumeist in 
den südlicheren Theil des Gebirges, so die berühmten Fundstätten 
des Hallerangers, des Hallthales und der Zirler Gegend. Dieselben 
haben die eingehendsten Untersuchungen erfahren, welche sich in 
sehr feinen Eintheilungen wiederspiegeln, die jedoch auf die grosse 
Masse der schlecht erschlossenen oder tektonisch umgearbeiteten Auf- 
schlüsse sich als unanwendbar erweisen. Im nördlichen Gebiete sind 
lediglich die Vorkommnisse am Nordfusse der Karwendelkette noch 
ziemlich ungestört, aber auch diese sind so verwachsen, dass nur 
jeweils einzelne Zonen wiederzuerkennen sind. Ich habe auf der 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (0. Ampferer.) 95 


178 Dr. O. Ampferer. . [10] 


Karte die an Sandstein und Schiefer reichen, die kalkreichen und die 
aus Rauchwacken bestehenden Abtheilungen ausgeschieden. Im Norden 
nehmen besonders die Rauchwacken auf Kosten der anderen Zonen 
einen sehr beträchtlichen Raum ein, doch fehlen Sandsteine fast in 
keinem Vorkommen. 


Hauptdolomit, Plattenkalk. 


Während diese meist zusammen auftretenden Schichtglieder im 
Gebiete des südlichen, eigentlichen Hochgebirges nur in schmalen 
Zügen vorkommen, beherrschen sie im Norden weite Flächen. Nur 
die Seefelder Gruppe bildet darin eine Ausnahme, indem hier auch 
im Süden der ganze Gebirgsstock aus Hauptdolomit besteht. Der 
Plattenkalk ist nur im nördlichen Vorgebirge umfangreich entwickelt, 
am schönsten in der kleinen Soierngruppe, welche jedoch schon ausser- 
halb des betrachteten Gebirges liegt. 


Quartäre Ablagerungen. 


Hier muss vor allem die Rede von den eiszeitlichen Schuttmassen 
sein, welche in diesem Gebirge eine sehr grosse Rolle spielen. 
Während im südlichen Gebiete der Einfluss des centralalpinen Eises 
in der Innthalfurche, am Seefelder Gebirge und längs der Achensee- 
thalung ein sehr bedeutender ist, beherrschte das innere Gebirge eine 
ausgedehnte, kräftige Eigenvergletscherung, welche fremde Zuflüsse 
von sich schob. 

Wenn wir die Ueberbleibsel dieser Vergletscherungen zu trennen 
versuchen, so bemerken wir gleich, dass wir es der Hauptsache nach 
mit den Resten der letzten Rückzugsstadien sowie mit einigen Inter- 
glacialbildungen zu thun haben. 

Zur Scheidung der Ablagerungen ist es am sichersten, in den 
höchsten Theilen des Gebirges zu beginnen, wo sogar jetzt noch 
kleine Gletscher sich erhalten haben oder die Anzeichen der Ver- 
eisung frisch und klar vor uns liegen wie eben erst erstanden. Dauernde 
Gletscher besitzt das Karwendelgebirge nur mehr zwei sehr kleine, 
welche in den Eiskarln, ausgezeichneten, typischen Karformen in den 
riesigen Nordwänden der Eiskarl- und Spritzkarspitze, eingesargt liegen, 
In zahlreichen anderen Karen verharren die Schneefelder oft bis in 
den Herbst hinein, so dass eine geringe Schwankung des Klimas sie 
mit Eis zu füllen vermöchte. In den Karen treffen wir nun auf die 
höchsten Moränenwälle, welche sich oft zu 10 bis 15 m hohen Dämmen 
erheben und besonders auf der Nordseite der Bergketten reich ent- 
faltet sind. Spuren von ihnen zeigen sich fast in allen Karen, wenn 
auch in sehr verschiedener Mächtigkeit. Am auffallendsten ist der 
Gegensatz der Südseite und der Nordseite am Karwendelkamm, welcher 
einerseits prachtvolle, fast ganz von Schutt ausgefegte Kare und ander- 
seits solche mit gewaltigen Wällen besitzt. Von ersterem Typus gibt 
das Grosskar oder das Grabenkar eine vorzügliche Vorstellung, von 
letzterem das Dammkar oder das Steinloch. 

Als Regel können wir aufstellen, dass sich allenthalben ein 
oberstes, jüngstes Gletscherstadium in Moränenwällen vorfindet, das 


11 Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 179 
gebirg e 


sich ungefähr auf die Karwannen beschränkt und darin lange Zeit 
sich hielt. Wie sehr allmählig der Rückzug dieses Stadiums stattfand, 
zeigt in prächtiger Weise das Thal, welches vom südlichen Lamsjoch 
sich gegen die Stallenalpe herabzieht. Hier finden wir, vom Kar 
unter der Lamsscharte ausgehend, etwa 10 bis 12 kleinere Wälle 
ziemlich nahe aneinander aufgeworfen, welche bis gegen 1600 m 
herabreichen. Diesem feingegliederten Rückzuge des Eises dürften 
wohl auch die zahlreichen Abstufungen und Wannen der meisten 
Kare entsprechen, von denen manche, wie das Lamskar, etwa zehn 
grössere Knickungen des Gefälles aufweisen. Demselben Gletscher- 
stadium, dessen Hinterlassenschaften wir so in den Karen fast allent- 
halben begegneten, treten wir auch wieder auf den Jöchern entgegen. 
Sämmtliche der tiefen Einsattelungen wie Ueberschall 1914 m, s. 
Lamsjoch 1933 m, Hohljoch 1795 m, Spielistjoch 1770 m, Hochalp- 
sattel 1804 m und Plumserjoch 1649 m sind von Moränenwällen besetzt, 
welche sich vom Scheitel des Joches nach beiden Seiten hinabschieben. 
‚Dieses hochgelegene Gletscherstadium zeichnet sich fast durchaus 
durch seine frischen, zusammenhängenden Formen aus, welche jeden 
Zweifel an ihrer Entstehung abweisen. Steigen wir von diesen Zonen 
tiefer in die Thäler hinab, so können wir an mehreren Stellen aufs 
‘neue grosse Schuttanhäufungen gewahren, welche man mit Wahr- 
scheinlichkeit als die Endwälle eines weiteren, älteren Gletscher- 
stadiums ansprechen muss. Die Eigenart dieser Schuttmassen ist nicht 
mehr so ausgesprochen eine rein glaciale, dass man in jedem Falle 
genau zusehen muss, ob nicht Reste von Bergstürzen vorliegen. Im 
Vomper-, im Stallen-, Eng-, Lalider-, Ron- und Karwendelthal lässt 
sich dieses Stadium ziemlich deutlich erkennen. Mehrfach haben diese 
grossen Schuttverstopfungen der Thäler beim Zurückweichen des Eises 
zu Stauseen Anlass geboten, was sich im Stallenthal, Engthal, besonders 
aber im Ron- und Karwendelthal verfolgen lässt. Im Lalider- und 
Johannesthal gewinnen Seitenmoränen, welche wahrscheinlich dem 
Alter nach hierher zu rechnen sind, eine ganz gewaltige Ausdehnung. 
In grosser Deutlichkeit haben sie sich hier in den Thalhintergründen 
erhalten, wohl vor allem wegen ihrer bedeutenden Mächtigkeit und 
Seitablage von grösseren Bächen. Im Johannesthal, wo sie die ge- 
waltigste Entwicklung erlangten, haben ihre Schuttmassen seitliche 
Anstauungen herbeigeführt, deren Früchte die schönen, fast ebenen 
Böden der Ladizalpe bilden. Im Karwendelthal und wohl auch im 
Ensthal füllen grossentheils feinblättrige Bänderthone die ehemaligen 
Stauseen aus. Auch im Rissthal finden sich bei der Kaarlalpe Anzeichen 
einer Seeausfüllung in Form von stellenweise steilgeschichteten Bach- 
seröllen. Dieser See dürfte indessen wohl dadurch entstanden sein, 
dass die Gletscher des Johannesthales entweder früher das Rissthal 
erreichten oder beim Rückzug des Eises noch länger hineindrängten 
als die Fismassen des Hauptthales. Hier haben wir einen ähnlichen 
Fall wie im Innthal, indem auch in ein Längsthal kurze Seitenthäler 
‚mit hohen, schattigen Hintergründen einmünden. 

Mit den Resten dieser zwei Gletscherstadien sind jedoch die 
Vorräthe der glacialen Ablagerungen keineswegs erschöpft. Wir treffen 
zwar keine deutlichen Schuttanhäufungen in den Gebirgsthälern, welche 


25” 


180 Dr. 0. Ampferer. . [12] 


zur Aufstellung eines dritten Stadiums berechtigten, wohl aber grosse 
Massen von Grundmoränen, welche fast alle Thäler bis zum Ausgang 
begleiten, ohne noch dort in Endmoränen einen Abschluss zu finden. 
Hier sind das Vomper-, Stallen- und Falzthurnthal mit den Ablagerungen 
des Innthalgletschers verknüpft, wobei, wenigstens nach der Ver- 
theilung der centralalpinen Geschiebe zu schliessen, die kalkalpinen Eis- 
massen sich auf die centralalpinen hinaufschoben, denn an der Mündung 
dieser Thäler sehen wir überall in der Höhe die centralalpinen Ge- 
schiebe beträchlich zurückweichen, während sie im Thalgrunde weit 
hineinreichen. Natürlich lässt dieses Verhältnis auch noch andere 
Deutungen zu. 

Noch deutlicher spricht sich dasselbe an den Ausgängen des 
Gleiersch-, Hinterau- und Karwendelthales aus, welche nur an ihren 
Mündungen centralalpine Geschiebe in grosser Menge enthalten, 
während dieselben am benachbarten Seefelder Gebirge bis gegen 
1700 m (Kreuzjöchl bei Oberbrunn) reichlich vertreten sind. Das 
Rissthal konnte ich nicht auf bayrisches Gebiet hinaus verfolgen, im 
tirolischen Antheil finden sich jedoch keine Anzeichen von Endmoränen, 
welche seinen reichlichen Grundmoränen entsprechen würden. Während 
also die zwei letzten Stadien hoch im Gebirge und in den oberen Thälern 
verblieben, hat das dritte seine Grenzen jedenfalls bedeutend über 
das Gebirge hinausgeschoben. Zur Zeit dieses Stadiums waren sämmt- 
liche Karwendelthäler mit Eis erfüllt. Aus der eigenthümlichen Er- 
scheinung, dass sowohl am Plumserjoch als auch am Hochalpsattel 
und Ueberschall Grundmoränen mit gekritzten Geschieben ganz nahe 
an die Jochhöhe hinaufrücken, möchte ich schliessen, dass diese Jöcher 
vom Eise überschritten wurden. Es dürfte somit das Eis des Vomper- 
und Hinterauthales vereinigt und über den Ueberschall in Bewegung 
gewesen sein, wie das des Rissthales über dem Plumsersattel mit dem 
des Gernthales verbunden war. Im Norden der grossen Wandflucht 
aber bildete das Eis vom Karwendelthal über Hochalpsattel, Spielist-, 
Hohl- und Gamsjoch eine gewaltige zusammenhängende Masse, welche 
nach Westen, Norden und Osten in vielen Strahlen abfloss. Die übrigen 
kleineren Glacialreste finden bei der Landbeschreibung ihre Erwähnune. 
Ich hoffe übrigens, durch eine graphische Wiedergabe der Ver- 
gletscherungsstadien in einiger Zeit diese Verhältnisse des Karwendel- 
gebirges übersichtlich darstellen zu können. 


Beschreibung der einzelnen Theile des Gebirges. 
Das Vomperloch. 


Von Schwaz im Innthale bis zum Scharnitzpass zieht durch das 
ganze Gebirge ein flach nach Norden vorgewölbter, gewaltiger Fels- 
kamm, gewissermassen sein mächtiges, ungebrochenes Rückgrat. Keine 
tiefere und breitere Einschartung zerstückelt den einheitlichen Bau, 
der nur ganz nahe an seinem westlichen Ende von der tiefen Furche 
des Karwendelthales entzwei geschnitten wird. Von den südlichen 
Nachbarkämmen des Hallthaler und Gleierschthaler Gebirges trennt 


[13] Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 181 


ihn im Osten die tiefe, fast durchaus schluchtenge Thalung des 
Vomperloches, im Westen die breitere des Hinterauthales, welche 
beide durch den Sattel des Ueberschalls am Halleranger geschieden 
werden. 

Im grossen folgen beide Thalläufe tiefen und stark einseitigen 
Mulden, denen sie jedoch am Ende untreu werden, indem sie in wilden 
Durchbruchsklammen sich Ausgänge schaffen. Betrachten wir zuerst die 
östlichere Thalbildung des Vomperloches. Der flache, tiefe Sattel des 
Ueberschalls (1914 m) besteht aus Raibler Schichten, welche in scharfem 
Einbug einerseits zwischen den saigeren Wettersteinkalktafeln des 
südlichen Hallthalerkammes und anderseits zwischen den 25°—35° 
südfallenden Platten desselben Gesteines des Hochkanzel—Suntiger 
Grates lagern. Ausgezeichnet schön spricht sich hier dieser Gegen- 
satz der Lagerung derselben Gesteine in ihren Verwitterungsformen 
aus, indem den glatten, grellen Kalkwänden mit ihren Faltungs- und 
Torsionssprüngen, dem gothischen Schnitzwerk der Kalk- und Rauch- 
wackenthürme der Raibler Schichten die von Wasserrinnen zerfurchten 
Plattenhänge mit den zungenförmig aufstrebenden, weichen, begrünten 
Lehnen darüber entgegenstehen. Das breite, weich geformte Joch weist 
auf seinen Abhängen je eine grössere Wanne auf, welche mit vor- 
züglich aus Wettersteinkalk bestehenden Moränenwällen versehen ist. 
Diese Wälle, welche jenem letzten Stadium angehören dürften, in 
dem keine allgemeine Eisbedeckung, sondern nur eine Vergletscherung 
der dafür geeignetsten Stellen, der Eispunkte des Gebirges, vorhanden 
war, sind besonders auf der Westseite des Joches, in der Gegend 
der Halleranger Alpe, deutlich entwickelt. Nebenbei treten aber auch 
wahrscheinlich ältere Glacialreste auf, von denen auf der Vomperloch- 
seite ein mächtiger, das Thal begleitender, schon stark erodierter 
Längswall bis gegen 1600 m hinab zu verfolgen ist. Etwas darunter 
endet die Einlage der Raibler Schichten, welche besonders auf der 
nördlichen Thalseite durch eine mächtige Furche von angrenzendem 
Kalkgehänge gesondert wird. In den Felsen oberhalb der Thalstute, 
an deren Fuss das ärmliche Lochhüttl liegt, zeigen Stollen und Erz- 
halden einen verlassenen Bergbau auf Bleiglanz und Galmei an, wie 
ein ähnlicher sogar hoch in den Nordostwänden des Bettelwurfes be- 
trieben wurde. Die Wettersteinkalkstufe des Lochhüttls durchsägt der 
Bach in tiefer, von Wasserfällen schäumender Klamm, aus der er 
dann in lebhaftem Gegensatz in ein ganz flaches Thalstück übergeht, 
in welchem er vielfach gewunden zwischen breiten Schuttbeeten sich 
hinschlängelt. Die Gegend des Lochhüttls stellt überhaupt den inneren 
Abschluss des trogförmigen Mittelstückes des Thales vor, das ganz 
ausgezeichnet ausgeprägt ist mit breiter, flacher Sohle und steilen, 
hohen Wandungen, in denen über 300—400 m hohen Steilstufen die 
tiefen Kare zurückgehen. Vom Mittelstück des Thales aus gesehen, 
erscheint überhaupt das mächtige Grubenkar als dessen gerade, un- 
mittelbare Fortsetzung, das sich mit hoher (300 m), steiler Stufe zum 
Lochhüttl abstürzt. In diesen breiten, rechteckigen Ausguss des Kares 
hat sich der daraus zur Zeit des Schneeschmelzens oder bei Gewittern 
entspringende Bach eine tiefe, aber ganz schmale Schlucht eingefressen, 
eine Erscheinung, die sich fast an allen Karen wiederholt, natürlich 


182 Dr. O. Ampferer. . [14] 


in sehr verschiedener Deutlichkeit. Während in diesem mittleren 
Thalstück, wo der Bach nirgends in Felsgrund arbeitet, sondern Schutt 
ablagert, die nördliche und nordöstliche Flanke aus einer glatten Fels- 
flucht besteht, ist der entgegengesetzten Seite eine kleine. Hügel- 
landschaft vorgelagert, welche zum Theil aus anstehenden Raibler 
Schichten, aus Schuttkegeln sowie aus glacialen Schuttmassen gebildet 
wird, welche besonders zwischen Lochhüttl und Auhütte vielfache 
Anschwellungen und Gruben bilden, die wahrscheinlich dem Ende 
jenes Gletscherstadiums angehören, das schon der Längswall im oberen 
Thalgebiete verrieth. 

Bei der Jagdhütte unter der triefenden Wand beginnt der Bach 
wieder kräftig in den Felsgrund zu schneiden, so dass er von da an 
bis zu seiner Mündung ins Innthal fortwährend in einer tiefen Schlucht 
hinläuft, welche jedoch, abgesehen von einigen Schwellen am Anfang 
und einer ganz draussen am Wasserfang des Vomper Elektricitäts- 
werkes, ein flaches und sehr gleichmässiges Gefälle aufweist. Zur 
Seite verlaufen in ungefähr 1000—1100 m Höhe Ueberreste einer 
viel älteren Thalsohle, welche noch vielfach von den Weganlagen zum 
Eindringen in diese wilde Welt von Schluchten und Wänden benützt 
werden. Diese Terrassenreste münden etwas tiefer als die Höhe der 
‚Vomperberger Schotterterrasse. Dieselben ziehen sich recht deutlich 
ins Zwerchloch, das einzige Seitenthal, hinein, wo die Jagdhütte darauf 
steht und sie noch bis nahe an die Thaltheilung zu erkennen sind. 
Auf Vorsprüngen dieser alten Thalsohle finden sich auch noch nahe 
am Ausgang des Thales, besonders zwischen Schneethalgraben und 
Vomperberger Terrasse, Ueberreste von Grundmoränen eines älteren, 
weit umfangreicheren Gletscherstadiums. 

Der schluchtartige Theil des Vomperlochs nun lässt eine sehr 
einschneidende Zweitheilung in einen inneren, noch der grossen Mulde 
angehörigen, und einen äusseren, im Hauptdolomit quer durchbrochenen 
Abschnitt zu. Der erstere reicht von der Jagdhütte an der triefenden 
Wand bis zur Schlucht bei der Ganalpe, wo die grosse Störungslinie 
des Walderjochs das Thal trifft und unter sehr spitzem Winkel schneidet. 
Längs derselben treffen arg zerfaltete Lias- und Kössener Schichten 
meist unmittelbar oder mit Einschaltung von verstümmelten Raibler 
Schichten an den Wettersteinkalk der Vomper Kette. Von da an 
auswärts gräbt sich der Bach in die steil nordfallenden Platten des 
Hauptdolomits, indem er nicht mehr der tektonischen Vorzeichnung 
sich unterwirft. 

Am inneren Abschnitte der Schlucht haben wir in vorzüglicher 
Weise Gelegenheit, die innersten Theile einer stark gequetschten 
Mulde zu betrachten, welche gerade in der Tiefe der Klamm auf- 
geschlossen sind. Wenn wir dem neuen Steig folgen, der mit Ver- 
meidung der Katzenleiter an der Mündung der Zwerchlochklamm den 
Grund der Schlucht erreicht und ihm aufwärts folgt, so erkennen 
wir vielfach eingeschlossen zwischen nahezu senkrechten Rutschwänden 
ganz zermalmte Raibler Reste, vor allem bituminöse Kalke, aber auch 
schwarze Schiefer und bräunliche Sandsteine. Die Kalke sind fast 
ausnahmslos zu einem feinen, scharfkantigen Grus zerdrückt, der 
wieder durch das feinere Mehl zu einer leicht zerbrechlichen Breccie 


[15] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 183 


verkittet ist. Die Abhängigkeit von einem gewaltigen, zermalmenden 
Druck ist hier eine ganz unabweisbare. 

Die grossen Rutschwände begleiten eine Strecke weit die Schlucht, 
indem sie die beiden Wände derselben bilden, doch schneiden sie auch 
seitlich in die Bergkörper und zeigen so an, dass eine ganze Zone 
in der Richtung sich nahe stehender Sprünge vorhanden ist. Einer 
derselben spaltet am Abhange des Bettelwurfkammes die Bärenklamm 
auseinander und sondert so die flach gelagerten Theile des Haupt- 
kammes von einer steil gegen das Vomperloch zu abschiessenden 
Scholle. Wie verbogen und verworfen dieser tiefste Muldenkern 
übrigens ist, geht schon daraus hervor, dass einerseits im Grunde 
der Schlucht, anderseits aber auch auf der Stufe der Ganalpe und 
jener der Melanseralpe 200—300 m höher auf beiden Seiten Raibler 
Schichten auf flach liegendem Wettersteinkalk anstehen. 

Ausserhalb der Mündungsstelle der Zwerchlochklamm treffen wir 
in der Schlucht selbst keine Raibler Schichten mehr an, wohl aber 
ziehen sie sich auf der Stufe der Melanseralpe mit geringen Unter- 
brechungen und meist durch Rauchwacken vertreten über den Sattel 
des Arbesbüchel ober dem Vomperberge bis zum Mahdgraben 
hinüber. 

Die durch die Ganalpschlucht herabkommende Störungslinie ver- 
läuft eine kleine Strecke in dem hier etwas verbreiterten Schlucht- 
grunde, dann erhebt sie sich unter den Wänden der Melanseralpe und 
zieht oberhalb der alten Thalstufe ebenfalls über den Sattel des 
Arbesbüchels zum Mahdgraben hinüber. Fast allenthalben treffen wir 
in dieser Zone, wo die Aufschlüsse hinreichen, steil gegen den Vomper- 
kamm einfallende jurasische Gesteine, meist Liasfleckenmergel, unter 
denen sich Kössener Schichten, Plattenkalk und Hauptdolomit ein- 
stellen. Während die Hauptdolomitschichten keine besonders auf- 
fallenden Zeichen der Störung an sich tragen, sie sind zwar auch in 
vielen Theilen zermalmt und ungeschichtet, so zeigen die liasischen 
Schiefer gewundene und enggefältelte Formen in ganz hervorragender 
Weise. Es ist ganz genau dieselbe tektonische Ausbildung hier im 
Süden des Vomper Kammes vorhanden, welche wir seinerzeit von der 
Ganalpschlucht über das Walderjoch bis ins Hallthal hinein verfolgen 
konnten. Sehr bemerkenswert ist das Auftreten der Raibler Schichten 
in verquetschten Resten an zahlreichen Stellen dieser quer zum Falten- 
bau des Karwendels verlaufenden Störungslinie, welche sich von der 
Gegend der Thaureralpe bis nach Fiecht bei Schwaz verfolgen lässt. 

Am Ende der Hauptdolomitschlucht bei der Pfannenschmiede 
durchbricht der Bach noch eine Scholle von Wettersteinkalk, von 
Hauptdolomit, ein steiles Gewölbe von schwarzen Schiefern und 
Rauchwacken der Reichenhaller Schichten, grünlichen Buntsandstein 
und Muschelkalk. Dieses mosaikartig. zusammengesetzte Schichten- 
gebäude ähnelt am meisten den ebenso verwickelten Vorlagen von 
alter Trias, die wir auf den Vorhöhen des Schwazer Erzdolomits 
antreffen. Zum Theil schon über dem Hauptdolomit beginnend, finden 
wir dann die Reste eines sehr mächtigen, verkalkten, alten Schutt- 
kegels des Thales, unter denen sich, durch einen Steinbruch entblösst, 
grosse Gletscherschliffe mit Grundmoränen zu erkennen geben. Ueber- 


184 Dr. 0. Ampferer. . [16] 


lagert wird dieses Conglomerat von wohlgeschichteten, vor allem central- 
alpinen Schottermassen, denen hinwiederum die Reste von jungen 
Grundmoränen stellenweise aufsitzen. Diese Schotter mit den oberen 
Grundmoränen sind es auch, welche die Terrassen zu beiden Seiten 
der Mündung des Vomperthales, den Gnadenwald und den Vomperberg, 
zusammensetzen. An letzterem betheiligt sich im Aufbau auch eine 
erhebliche, aus Hauptdolomit bestehende Felsstufe, welche am Vomper- 
bach, bei Fiecht und am Stallenbach erschlossen ist. 

Wir haben gesehen, dass das Vomperloch vor allem von den 
eigenen Eismassen besetzt war und zwei ziemlich deutlich erkennbare 
und abgeschlossene, hochgelegene Glacialstadien enthält. Ausserdem 
- haben wir Kalkgrundmoränen auf altem, hochgelegenem Thalboden bis 
zum Vomperberg verfolgen können, welche wohl ebenso einem Rück- 
zugsstadium angehören dürften, nur einem, das viel weiter sich ver- 
schob. Interessant ist die Vertheilung der erratischen Geschiebe, von 
denen der Innentheil des Thales vollständig frei ist, während vom 
Walderjoch her, wo sich neben zahlreichen Irrblöcken auch noch 
Grundmoräne findet, der Hang der Ganalpe und der ganze Abhang des 
Ummelberges damit ziemlich regelmässig überstreut ist. In der Schlucht 
selbst findet sich das innerste erratische Vorkommen an der Ein- 
mündung der Zwerchlochklamm. Dem entsprechend liegen auch auf 
der anderen Thalseite noch am Abhange der Huderbankspitze selten 
und nur in kleinen Geröllen Irrstücke verbreitet. Thalaus mehren 
und vergrössern sie sich, ja die Melanseralpe verdankt ihre Wiesen 
zum grossen Theil schon glacialem Schutt, in dem centralalpine Ge- 
schiebe nicht mehr selten sind. Auch auf der gegenüberliegenden 
Ganalpe finden sie sich reichlich nebst Resten einer kalkigen Grund- 
moräne. 

In dem von grossartig wilden Wänden umdüsterten Seitenthale 
des Zwerchloches begegnen wir ebenfalls innerhalb der Jagdhütte, am 
Abhange des Sonnschartgrates, einem Reste einer kalkigen, schlammigen, 
verkitteten Masse, steilgeschichtet, welcher auch schlecht gekritzte 
Geschiebe enthält und einer alten Thalstufe auflagert. Etwas innerhalb 
von dieser Stelle vereinigen sich Lamskar, Schafkar und Schneepfanne, 
drei Kare von den reinsten, unverhüllten Felsformen, in denen nur 
ganz oben ziemlich magere Moränenwälle liegen, während sonst der 
nackte, kaum begrünte Fels hervortritt. 

Breite, steilgewölbte Strassen senken sich zwischen den steilen 
Wänden von den Karen herab, von denen Schafkar und Lamskar 
überhaupt ausser dürftigen Quellchen keine Wasserläufe besitzen. 

Steigen wir durch eine oder die andere dieser Felsenstrassen 
empor, so staunen wir über die Anzahl von Wannen und Stufen, die 
hier vereinigt ist. Dabei pflegen die unteren Stufen viel höher und 
steiler zu sein als die oberen, während die Wannen sich nach oben 
vergrössern und vertiefen. Das Lamskar weist in dieser Art sicherlich 
10 grössere Stufen auf, von denen die oberen oft noch zu weiterer 
Gliederung neigen. 

Von eigentlichen Gehängebreccien findet sich im Thalgebiete 
des Vomperloches nur bei der Dawaldhütte (Fig. 8) am Abhange der 
Niedernisslspitzen eine Vertretung. Hier reicht nämlich von etwa 1200 m 


4 - 
17 Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 185 


bis gegen 2000 m eine festverkittete, reine Wettersteinkalkbreccie 
empor, auf welcher lose Irrblöcke bis gegen 1460 m zerstreut sind. Eine 
grundmoränenartige Schuttmasse scheint diese Breccie zu unterlagern. 

Weiter östlich am Vomperjoch steigen die erratischen Stücke 
noch höher, von denen die höchsten im Mahdgraben bei 1620 bis 
1650 m sich einstellen. 


Das Hinterauthal. 
Fig. 1—3. 


Wie der Ueberschall die Quellen des Vomperloches trägt, so 
birgt er auch die des Hinterauthales. Flache Mulden senken sich 
anfangs vom Scheitel des Joches herab, die bei der Hallerangeralpe 
(Fig. 1) von deutlichen Moränenringen umschlungen werden. Indessen 
gesellen sich hier und weiter unten bei der Köhleralpe. auch noch 
unter den Nordwänden der Hallthaler Kette, seitliche Moränenringe 
dazu, welche uns ein ausgezeichnetes Bild jenes letzten grösseren 
Eisstadiums gewähren, wo nahe beisammen eine Anzahl von kleinen, 
selbständigen Gletscherchen in jeder schattigen Mulde kauerte. 
Alle diese Ringe und Wälle liegen auf dem Grunde von Raibler 
Schichten oder von Hauptdolomit, welcher hier bis in die Nähe der 
Hallangeralpe den Kern der Mulde bildet, und bestehen aus grobem 
Schutt und Klötzen von Wettersteinkalk. Das neuerrichtete, be- 


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= 8# 58 1914 m. 
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Pb. 


mo —= Moränen. — hd —= Hauptdolomit (Plattenkalk). 


queme Hallerangerhaus der Section Schwaben des Deutsch-Oesterr. 
Alpenvereines liegt auf einer Anschwellung wenig unterhalb der 
Hallerangeralpe, und hier wurden durch die Grundaushebungen ganz 
deutliche Grundmoränen von schlammiger Grundmasse mit einzelnen 
klaren, gekritzten Geschieben aus Wettersteinkalk entblösst. Diese 
Grundmoräne gehört wohl einer älteren Zeit an als die Blockringe 
in ihrer Umgebung. 

Wandern wir thalab, so bemerken wir gleich, dass sich der 
Bach immer mehr aus dem Kern der Mulde gegen den nördlichen 
Flügel hinausdrängt. Beim Unterleger der Lavatschalpe treffen wir 
beträchtliche Schuttanhäufungen, welche wohl wieder das Ende eines 
Stadiums bezeichnen. In derselben Gegend setzen auch die Raibler 
Schichten auf die Südseite des Baches über, der sich in die Wetter- 
steinkalkplatten einzunagen beginnt, in denen hier früher ein Bergbau 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reiclısanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (O. Ampferer.) 26 


186 Dr. O0. Ampferer. . [18] 


auf silberhaltigen Bleiglanz umging. Thalab durchbricht er nun in 
machtvoller, unzugänglicher Schlucht den grossen Wettersteinkalk- 
flügel seiner Mulde und tritt bei der Kastenalpe ganz unvermittelt 
in einen breiten, fast ebenen Thalboden ein, welcher sich weit ins 
Rossloch hineinzieht. Kommt man das Hinterauthal aufwärts gegangen, 
so erkennt man deutlich, dass seine eigentliche Fortsetzung das 
Rossloch bildet, so dass das Hinterauthal und das Vomperthal in 
ihren geraden Fortsetzungen am Kamme der Grubenkarspitze sich 
treffen würden. 

Freilich ist der Gegensatz des weit geöffneten, flachbodigen 
Rossloches gegen den 150 m höher über der Klamm liegenden Aus- 
guss des Lavatscherthales ein weit schärferer als der beim Loch- 
hüttel im Vomperloch. 

Hier haben wir auch eine Stufenmündung eines Seitenthales 
vor uns, welche nicht durch glaciale Wirkungen, sondern allein 
durch tektonische Verhältnisse zu erklären ist. Der Lavatscherbach 
verlässt sein Muldengebiet und fällt über den Rand des Nordhügels 
in eine neue Mulde hinab, der er nun ein gutes Stück folgt. So 
kommt die grosse Ungleichart der Ausbildung des mittleren Hinter- 


Fig. 2. 


Suntiger 2124 m. 


r = Raibler Schichten. — W = Wettersteinkalk. 


authales zustande. Im Süden haben wir eine schroffe Wetterstein- 
wand, darüber eine hochliegende Raibler- und Hauptdolomitmulde, 
die Fortsetzung vom Halleranger, über welche erst die grosse Wand 
des Gleierschkammes sich aufrichtet. Im Norden fallen die Wetter- 
steinplatten des Hinterauthalkammes ganz regelmässig ins Thal und 
weisen eine ganz normale Kar- und Thalbildung auf, während im 
Süden die kurzen Querthäler mit hohen, durch eine gewaltige Längs- 
verwerfung gebildeten Stufen münden. Uebrigens sind diese Quer- 
thäler am Fusse der hohen Nordwand des Gleierschkammes mit ganz 
grossartigen Moränenwällen des letzten Stadiums ausgestattet. 

Von der Kastenalpe dringt das Hauptthal in sehr gleichmässigem 
Anstieg ins Rossloch hinein, das im Innern von einem weiten Kranz 
hoher Felsgipfel eingeschlossen wird, unter denen sich bucklige, fast 
reine Felskare von allen Seiten vereinen und die grossartigste Kar- 
landschaft des Karwendels erzeugen. 

Trotz der mächtigen, an Stufen und Felswannen so reichen 
Formen sind Moränenwälle sehr ärmlich vorhanden; ein grosser und 
zusammenhängender findet sich nur an der Westseite der Sonnen- 
spitzen. Endlos dehnen und wölben sich Buckel und Gruben über- 


[19] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 187 


und nebeneinander, was besonders, wenn alles mit schimmerndem 
Schnee bedeckt ist, einen ernsten, unvergesslichen Eindruck hinterlässt. 

Die "Stufe, welche in der Wand des Suntingerkammes (Fig. 2) 
so scharf ausgeprägt sich bis ganz in den Hintergrund hinein verfolgen 
lässt, ist rein tektonischer Natur, indem der untere Theil aus saigeren, 
der obere aus südfallenden Wettersteinkalkplatten besteht, an deren 
Grenze wegen der verschiedenartigen Verwitterung sich ein Gesimse 
einstellt. In den steilen Plattenschüssen der südlichen Sonnenspitzen 
hat sich hier im Rossloch ein kleiner Rest einer Wettersteinkalk- 
brecceie erhalten, welche wie alle ähnlichen Gesteine sehr zu Höhlen- 
bildung sich eignet. Auffallend ist ihre ausgesetzte, steile Lage auf 
abschüssigem Plattengefüge, worin sie sehr an die ebenso gebildeten 
und lagernden „verzauberten Knappen“ des Hallthales erinnert, wenn 
sie auch keine Thürme zusammensetzt. 

Während die südlichen Querthäler des Hinterauthales so aus- 
gesprochen tektonisch vorgezeichnet sind, zeigen die nördlichen umso 
klarere Erosionsverhältnisse. Sämmtliche münden mit engen Klammen 
und darüber liegenden deutlichen alten Thalsohlen. Moserkar-, Birk- 
kar-, Oedkar-, Breitgrieskar- und Hinterkarbach sind alle nach dem- 
selben Typus gebaut, so dass es genügen wird, einen derselben ge- 
nauer darzustellen. 

Als innerstes selbständiges Querthal mündet etwas innerhalb der 
Kastenalpe das Moserkarthal mit einer tiefen, wasserreichen Klamm, 
welche bis zur Thalgabelung hineinreicht. Auf beiden Seiten der Klamm 
laufen sehr flach ansteigende Felsterrassen hinein, welche sich bei 
der Thalgabelung vereinen. Auf diesen Felsstufen und noch weiter 
aufwärts treffen wir die Reste einer reinen Wettersteinkalkbreceie, 
die wieder von weiter ausgebreiteten Vorräthen von glacialem Schutt 
mit schlammigen Massen und gekritzten Geschieben überzogen wird. 
Als jüngste Bildung schieben sich allerwärts von den Wänden frische 
Schuttkegel darüber. Steigen wir weiter empor zu den Karen, so 
treffen wir an ihrer Schwelle auf Schuttringe, welche das jüngste 
Glacialstadium bezeichnen. Nicht alle diese Querthäler besitzen solche 
Breccien, jedoch sind fast überall Grundmoränen in ihren unteren 
Theilen anzutreffen, wo sie auf den Resten der alten Thalsohlen lagern. 
Die Moränenreste in den oft riesenhaften Karen stehen mit ihrer 
unbedeutenden Ausdehnung in lebhaftem Gegensatz, was allerdings 
auch daher kommt, dass die mächtigen, rasch sich vergrössernden 
Schutthalden ihre Formen verwischen. 

Die Höhe der alten Thalsohlen über der jetzigen Schuttfläche 
des Hinterauthales schwankt um 100 m herum und bleibt annähernd 
bei allen Mündungen dieselbe. Nur der Birkkarbach hat einen be- 
deutenden frischen Schuttkegel ins Hauptthal hinausgeschoben. 

Das bei der Kastenalpe stattlich breite Hauptthal verengt sich 
allmählig thalabwärts, und dazu setzen auf beiden Seiten begleitende 
Schuttstufen ein, welche jedoch von frischen Schuttkegeln und Bach- 
rissen vielfach zerstückelt werden. Sie beginnen in der Gegend der 
reichen Quellen, „Bei den Flüssen“, bemerkbar zu werden und 
nehmen thalaus stetig an Umfang zu. Ihr Material besteht aus Raibler- 
stücken, Hauptdolomit und Wettersteinkalk, welcher die anderen 


26* 


188 Dr. O. Ampferer. u [20] 


Bestandtheile weit überwiegt. Interessant ist es zu sehen, wie rasch 
verhältnismässig die weicheren Stücke der Raibler Schichten thalab 
zwischen den härteren Kalksteinen aussterben, und zwar allem An- 
schein nach in den Schuttstufen viel rascher als im frischen Bach- 
erölle. 
: Diese terrassenförmig angeordneten Schuttmassen besitzen einen 
ziemlich einheitlichen Aufbau, indem sie grösstentheils ungeschichtet 
sind, vor allem in den unteren Lagen, und hier vielerort Grund- 
moränenpackung und gekritzte Geschiebe verrathen. 

Sehr schön wird ihr Aufbau am Ausgang des Kienleitengrabens 
(Fig. 3) erschlossen. Hier bilden schichtungslose, schlammige Massen 
mit oft prächtig geschliffenenen und geschrammten Wettersteinkalk- 
geschieben die Unterlage. Nach oben wird der Grundmoränencharakter 
undeutlicher, dafür stellt sich schräg thalabfallende Schichtung und 
Verkittung ein. Frischer Schutt lagert noch darüber. 

In dieser Gegend endet der mittlere, völlig in Schutt liegende 
Theil des Hinterauthales und es beginnt seine mächtige Ausgangs- 
klamm bei etwa 1030 m sich in Hauptdolomit einzugraben. Bei der 


Fig. 3. 


Kienleitengraben. 


mo — Moränen. — br = ÜConglomerat (Breccie). — r — Raibler Schichten. — 
W = Wettersteinkalk. 


Mündung des Breitgrieskarbaches setzen nämlich schon die Raibler 
Schichten, am Kienleitenkopf der Hauptdolomit aufs nördliche Ufer 
über. So kommt es, dass nicht blos der Ausgang des Hinterau- 
thales, sondern auch der des Karwendelthales fast völlig in Haupt- 
dolomit gelegt ist. An den Abhängen des Kienleitenkopfes treffen wir 
im Hinterauthalgebiete zum ersten Male auf sehr vereinsamte, erratische 
Geschiebe, welche thalauswärts sich vermehren. Der gegen die Hinter- 
authalschlucht gekehrte Abhang des Kienleitenkopfes ist fast ganz ab- 
gescheuert und sehr arm an Schutt, wogegen der gegenüberstehende 
Abhang des Gleierschkammes reichlich mit Moränen beladen ist. 
Zwischen Hinterauthal und Karwendelthal, die sehr ähnliche 
Felsausgänge besitzen, schiebt sich ein Absenker des Kienleitenkopfes 
weit vor und bildet hier in der Höhe der alten Thalsohlen über den 
Klammen eine breite Hochfläche, welche sich auch noch jenseits der 
Karwendelschlucht bis Scharnitz ausdehnt und hier als „Birzel* be- 
zeichnet wird. Diese Anhöhe besteht grösstentheils aus Fels, und 
zwar aus Hauptdolomitund einer schmäleren Zone von Raibler Schichten 
in Rauchwackenfacies. In ausgezeichneter Weise ist hier ein grösseres 
Stück des alten Thalbodens erhalten, der sich besonders ins Karwendel- 


[21] Geologische Beschreibung.des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 189 


thal mit deutlichen Terrassen hineinzieht. Bedeckt wird dieser alte 
Thalbodenrest zwischen den beiden Thälern von. Grundmoränen, 
welche fast ausschliesslich. aus Wettersteinkalk bestehen und daher 
grellweissliche Färbungen aufweisen. Spärlich, erscheinen Urgerölle 
beigemengt, während gekritzte Geschiebe aus Wettersteinkalk reich- 
lich und gut entwickelt sind. Am Birzel und am Ausgange des Hinter- 
authales ins Scharnitzer Becken am Südufer liegt noch unter den 
weissen Grundmoränen ein sehr festes Conglomerat aus gerundeten 
Wettersteinkalk-, Muschelkalk-, Hauptdolomit- und Raiblerkalk-Stücken 
mit seltenen centralalpinen Geschieben und gekritzten Kalkgeröllen. 
Es erinnert diese Bildung sehr an die ganz ähnliche am Ausgange 
des Gaisthales ins Leutascher Becken, welche auch centralalpine 
Geschiebe enthält und von Grundmoränen überlagert wird. 


Der Vomper-Hinterauthaler Kamm. 
Fig. 4—15. 


Ueber diesen beiden oben beschriebenen Thälern erhebt sich der 
obige Bergkamm mit seinen kraftvollen, stolzen Formenreihen in mehr 
allmähligem Anstieg, um dann im Norden durchaus mit gewaltigen 
Wänden gegen Thäler und Jöcher niederzubrechen. Kein Kamm des 
Karwendels trägt so alle Eigenarten dieses einsamen, ernsten Hoch- 
gebirges an sich wie dieser, der nicht nur die höchsten, sondern auch 
schwierigst zugänglichen Gipfel und Kare enthält. 

Er beginnt am Innthale mit dem langgezogenen Rücken des 
Vomperjoches (Fig. 4 und 5), dessen Aufbau für das Verständnis des 
ganzen Kammes massgebend ist. Der längere, Östliche Theil desselben 


Fig. 4. 


Vomperjoch 2000 "m. 


W. J 0. 
7 u CA ha 
m N 2 WEBEDo>> 
71600 r 
m — Muschelkalk. — S — Salzthone, Rauchwacken der obersten Werfener Schichten. 
— J = Jura. — ! = Lias. — K = Kössener Schichten. — hd — Hauptdolomit 
(Plattenkalk). 


besteht aus steilgestelltem Hauptdolomit, der durch den Sattel und die 
Furche des Mahdgrabens von der aus Muschelkalk und Wettersteinkalk 
gebildeten westlichen Fortsetzung des Joches geschieden wird. Ueber 
diesen Sattel streicht nun aus dem Gebiete des Stallenthales her- 
über eine regelrechte Folge jüngerer Schichten, welche mit Platten- 
kalk, Kössener Schichten, Lias und oberem Jura sich ziemlich con- 
cordant auf die Unterlage des Hauptdolomits hinlegen. Sie stossen 
schräg unter sehr spitzem Winkel an einer mächtigen Störungszone 
ab, welche von einem schmalen Band von zerquetschten Rauchwacken 
und Salzthonen der obersten Werfener Schichten begleitet wird. An 
diese von Quellen besetzte Zone schliessen sich dann mächtige, ‚aus 


190 Dr. O. Ampferer. ö [22] 


Muschelkalk und Wettersteinkalk gebildete Schichten, welche ihren 
Abfall in etwas mehr als Gehängeneigung erst dem Innthale, dann 
dem Vomperloch zukehren. Der Zug dieser jungen Schichten, welcher 
quer den Hauptkamm übersetzt und bis zu den Schotterterrassen 


Fig. 5. 
Mahdgraben. 


Arbesbühel. 


hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). — ” —= Raibler Schichten. — W = Wetterstein- 
kalk. — m = Muschelkalk, — 5 = Salzthone, Rauchwacken der obersten Werfener 
Schichten. — J = Jura. -— ! = Lias. — K = Kössener Schichten. 


oberhalb von Fiecht zu verfolgen geht, setzt sich auch jenseits des 
Kammes noch bis unter die Nordwand der Fiechterspitze hinein fort. 

Dieses Zusammenstossen von weit jüngeren Schichten mit grossen 
älteren Gebirgsmassen haben wir bisher in grossem Maßstabe nur an 


Fig. 6. | 


Fiechterspitze 2331 m. 


Vomperloch. 


hd == Hauptdolomit (Plattenkalk). — J = Jura. — r — Raibler Schichten. — 
W — Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. 


jenem ganz gleich gebauten Zug beobachten können, der von der 
Thaureralpe an über Hallthal, Walderjoch, Vomperthal und Vomper- 
berg bis in die Nähe des Mahdgrabens herabzieht und ebenfalls die 
Kämme des Wildanger und Hallthaler Gebirges quer abschneidet. 


[23] Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 191 


Wir werden indessen im Verlaufe der Schilderung noch mehrfache 
ähnliche Vorkommnisse bemerken, die sich alle zu einem Bilde ver- 
einen lassen. 

Die grossen Muschelkalkplatten des Vomperjoches bilden seinen 
westlichen schärferen Grat, welcher schroff ins Stallenthal abbricht. 
An diesem Abbruche kann man deutlich sehen, wie zahlreiche Sprünge 
den Fels zerschneiden, der in Erkern vorspringt, von denen sich die 
äussersten Ecken oft mit tiefen, klaffenden Spalten vom Hinterland 
ablösen. Bergab legt sich eine Decke von Wettersteinkalk auf die 
Knollenbänke des obersten Muschelkalkes. 

Mit der stolzen Pyramide der Fiechterspitze (Fig. 6) schwingt sich 
dann der Grat zum Hochgebirge auf, vorerst zur aussichtsreichen Gruppe 
des Hochnissl. Steile Seitengrate streben aus der Tiefe des Vomper- 
loches zu den lichten Bergscheiteln empor, zuerst jener der Bärenköpfe 


>! 
nie 

(> 
. 
1 
. 


Schneekopf 2314 m. 


Bärenkopf 
1933 m. 


N. 


Vomperloch. 


hd = Hauptdolomit (Plattenkalk), — J = Jura. — r = Raibler Schichten. — 
W = Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. 


(Fig. 7), dann der der Sonnschartspitze (Fig. 9). Klettern wir an ihnen 
empor, so zeigt uns besonders der grosse Bärenkopf in seinen edelweiss- 
geschmückten Osthängen eine sehr wichtige Zweitheilung der grossen 
Platte an, welche sich längs ihrer ganzen Erstreckung verspüren 
lässt. Wir treffen hier einen steil südfallenden Grat aus undeutlich 
geschichtetem Wettersteinkalk, unter dem die mannigfaltig verbogenen 
Bänke des obersten Muschelkalkes weithin hervorspringen. Dieselben 
steigen nun aber nicht ihrer steilen Schichtlage entsprechend bis zum 
Hauptkamm empor, sondern stossen oben an einer Verwerfungszone 
an dem Wettersteinkalke ab. welcher die Gipfel krönt. Wenn wir 
dieselben Gipfel von der anderen Seite betrachten, so sehen wir erst 
tief unten am Fuss ihrer Nordwände steil südfallenden Muschelkalk 
hervorlugen und können so mit Sicherheit schliessen, dass ungefähr 
parallel dem Hauptkamme im oberen Gehänge eine Verwerfung 
hinzieht, an welcher die höheren Theile des Gebirges gegen die 


Be. eher ee. Ampferer. Hi isniluentl ala) [24] 


tieferen eingesenkt wurden. Diese Verwerfung ist mit Deutlichkeit an 
allen Querkämmen des Hauptkammes zu ersehen, welche derselbe 
ins Vomperloch absendet. Sie schneidet hinter der Sonnschartspitze 
durch, überquert die Huderbankspitze, die Südgrate der Eiskarl- 
und Plattenspitze und setzt zwischen Hochkanzel und Rosslochspitze 


Fig. & Mittagsscharte 2240 m. 


02 


Vomperloch. 
Dawaldalpe. 


hd — Hauptdolomit (Plattenkalk).. — J = _ Jura. — r — Raibler Schichten. — 
W = Wettersteinkalk. — mo — Moränen. — br — Conglomerat (Breceie). 


Fig. 9. 
Hochnissl 2547 m. 


Sonnschart- 
spitze 


S. 


Nasstalwald. 


N 680m 


W = Wettersteinkalk. — ” = Raibler Schichten. — m — Muschelkalk. 


ins Rossloch hinüber. Damit gelangen wir in ein Gebiet, in welchem 
sie eine weit grössere Selbständigkeit und Herrschaft erlangt. Während 
nämlich bisher der Hauptkamm aus einer ungefähr südfallenden riesigen 
Platte bestand, welche entzwei geschnitten, verschoben aber so zu- 
sammengefügt war, dass beide Theile gleichsinnig sich ergänzten, 


[25] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 193 


löst sich von der Hochkanzel an der südliche Theil vollständig. vom 
nördlichen, ja es schiebt sich erst das Rossloch, dann"das Hinterau- 
thal zwischen beide hinein. 

Der südliche Theil bildet ebenfalls einen Bergkamm, der mit 
der Hochkanzel anhebt, den langen Grat des Suntigers sowie die 
Felsstufe im Süden des Hinterauthales zusammensetzt, bis sie ver- 
schwindet. Am Suntiger (Fig. 2) tritt seine Bauart am klarsten hervor, 
weil er hier am tiefsten und vollständigsten erschlossen ist, und wir sehen 
einen stark einseitigen Sattel vor uns, über dessen saigerem Nord- 


Fig. 10. 
nm 
93 
Rothwandl- go 
spitze 2250 m. = 2 Schafjöchl. 
W. x 0. 


W = Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. -- K = Kössener Schichten. — 
hd = Hauptdolomit (Plattenkalk). 


schenkel unmittelbar der vorgedrängte flachere Südschenkel thront. 
Weiter im Westen ist überhaupt nur mehr der Südschenkel zu sehen, 
endlich am Ausgange des Hinterauthales können wir nur mehr an 
der verschiedenen Höhe des Hauptdolomits das Weiterstreichen dieser 
Verwerfung erkennen. 


Fig. 11. 


Lamsenspitze 2501 m. 


W. 


W — Wettersteinkalk. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — 
K = Kössener Schichten. — hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). 


War so der Vomperkamm durch einen Längsbruch zerschnitten, 
so ist auch der eigentliche Hinterauthalerkamm, abgesehen von der 
Loslösung seines südlichen Theiles, noch von Störungen anderer Art 
beherrscht, welche sich am deutlichsten im Quergrat der Sonnen- und 
Kaltwasserkarspitze aussprechen. Diese Seitengrate (Fig. 13) sind 
nämlich nicht etwa blos aus südfallenden Schichten herausgeschnitten, 
sondern sie stellen für sich einseitige Faltwellen dar, welche quer zum 
Streichen des Hauptgrates aufgeworfen und gegen Nordwesten steiler 
gestellt sind. Die westlicheren Seitengrate verrathen keine so grossen 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (0. Ampferer.) 27 


194 Dr. 0. Ampferer. ; [26] 


Unregelmässigkeiten, wenn auch die Anzeichen von Verschiebungen 
daran nicht fehlen. Am Südwestabhang des Hohen Pleissen, des west- 
lichsten Gipfels der Kette, legt sich der Hauptdolomitklotz des Kien- 
leitenkopfes mit einer Zwischenlage von zerpressten Raibler Schichten 
an das Ende des Hauptkammes, der sich geologisch noch in den 
Brunnsteinköpfen und der. Sulzelklammspitze nach Ueberschreitung 
der Karwendelklamm fortsetzt. 


Fig. 12. 
Schafkarspitze 2513 m. 


N. 


Kaiserkopf. 


hd = Hauptdolomit (Plattenkalk). — K = Kössener Schichten. — ! = Lias. — 
J = Jura. — m = Muschelkalk. — W = Wettersteinkalk. 


Die Raibler und Hauptdolomitschichten des Kienleitenkopfes 
sind nicht als eine Fortsetzung der Halleranger-Hinterödmulde anzu- 
sehen, denn diese wird von der Masse des Hohen Gleiersch vollständig 
überschoben, sondern als Rest der Decke der grossen Wetterstein- 


Fig. 13. 
Kleiner Rücken der 
Heissenkopf. Sonnenspitze. 


Moserkar- 


W = Wettersteinkalk. 


platte, von der sich nach den Angaben Rothpletz’ ein kleiner 
Fetzen an der Plattenspitze finden soll, den ich jedoch dort nicht zu 
entdecken wusste. Diese Decke von Raibler und Hauptdolomitschichten 
übersetzt ebenfalls die Schlucht des Karwendelbaches und zieht im 
Süden der Brunnsteinköpfe bis nach Scharnitz. Damit haben wir den 
Verlauf der Gestaltung der Südseite dieses grössten Karwendelkammes 
verfolgt und können nun zur Beschreibung seiner Nordseite übergehen. 


27) Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 195 


Da längs der ganzen Kette zum Theil ganz gewaltige Nord- 
abstürze sie begrenzen, sind die Aufschlüsse gross und zusammen- 
hängend. - 

Am Vomperjoch sehen wir den Zug der jüngeren Schichten vom 
Innthal auf den Nordgrat der Fiechterspitze hinüberziehen und dort 
enden. Am Fusse der riesenhaften Nordwände der Hochnisslkette 
treten nur die Schichtköpfe des Muschelkalkes hervor, an deren 
Ausstrich man einzelne geringfügige Auf- und Abrückungen bemerken 
kann. An der Lamsscharte reicht der Schutt so weit hinauf, dass 
ehemals ein kecker Pfad, der jetzt künstlich abgesprengt ist, die 
Wand überspannen konnte. Mächtige Sprünge mit Rutschtafeln zer- 
stückeln in dieser Gegend das Gefüge der Wand, welche von der Lams- 
scharte weg mit der kühnen Lamsspitze in scharfem Eck gegen Norden 
vorspringt. An diesem Eck (Fig. 11) zeigen sich wieder am Fusse der 
Wand, welche zuerst nur aus Wettersteinkalk erbaut ist, Rauchwacken 
mit schwarzen Schiefern zusammengeknäult, darunter flach südfallende 


Fig. 14. 


Moserkarscharte. 


W = Wettersteinkalk. — m — Muschelkalk. — J = Jura. — mo — Moränen. 


Kössener Schichten, welche abwärts in Plattenkalk und Hauptdolomit 
übergehen. Knapp nordöstlich am Anknüpfungsgrat des nördlichen 
Lamsjoches taucht auch schon wieder unter dem Wettersteinkalke der 
Lamsenspitze der Muschelkalksockel hervor, welcher fortan ununter- 
brochen bis in die Nähe der Hochalm sich eröffnet. Hier legen sich 
unter der grossen Wand die Kössener Schichten und Plattenkalke in 
eine knittrige, gegen Norden überdrückte Falte, in deren Mulde im 
Westabhang dieses Joches Lias und oberer Jura sich wieder einstellen. 
Unter der schroffen Nordwand der Mitterspitze versperrt Schutt 
die weiteren Aufschlüsse, welche in prächtiger Weise der weit vor- 
springende Wartthurmgrat des Kaiserkopfes (Fig. 12) wieder bringt. 
Diesen schmalen, von der Schafkarspitze abzweigenden Grat aus zer- 
spaltenen, fast horizontalen Muschelkalkbänken umspannen wieder die 
jungen Schichten sehr umfangreich, wenn auch die unmittelbare 
Berührung verwachsen oder verschüttet ist. Jenseits dieses Spornes 
weicht die grosse Wand stark zurück, die jungen Schichten folgen nach 
und es bilden hier besonders die jurassischen röthlichen und grünlichen 
27* 


196 Dr. O0. Ampferer. n [28] 


zerfältelten Mergelschiefer und Kalke hohe, auffallende Wände mit 
einem schönen, schimmernden Wasserfall. In dieser Strecke, im 
Gebiet des Hochglücks, der Eiskar- und Spritzkarspitze sind mächtige 
Kare in die Wände eingehöhlt, von denen die zwei Eiskare noch 
jetzt kleine Gletscher zu bewahren wissen. Was diese Karformen vor 
allem auszeichnet, ist der Umstand, dass dieselben vom Thalgehänge 
durch eine lothrechte, gegen 300 m hohe Wand glatt abgeschnitten 
erscheinen, über welche ihre Schmelzwasser in Schleiern herabflattern. 
Diese Strecke der Nordwand zusammen mit der umgrenzenden düster- 
schweren Grubenwand gehören zum Grossartigsten, was das Hochgebirge 
hier zu bieten vermag. 

Am Fusse der himmelhohen Mauern ziehen die Aufschlüsse der 
jungen Schichten bis in den „Grund“ unter die Grubenwand hinein, 
wo Schuttmassen nur mehr allein herrschen. 

Umso ausgezeichneter treten sie wieder am Abhange gegen das 
Hohljoch unterhalb des Muschelkalksockels hervor. Von der Gruben- 
karspitze ragt ein stolzer, steiler Pfeilergrat zum Hohljoch herab und 
setzt sich darüber, von neuem Aufschwung und kecke Formen ge- 


Fig. 15. 
Kaltwasserkar- 
spitze 2784 m. 
= 
, r— Ag 
Hinterauthal. ee) 
ee: FE 
: W a2 
S r N. 
>22 

w ma 
1500 m 222 


W = Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. 


winnend, ununterbrochen bis zum Gumpen- oder Lalider Hochjöchl 
fort. Nur der Kamm und die Gipfel bestehen hier aus Muschelkalk, 
die Abhänge im Osten und Westen zeigen von oben nach unten ganz 
regelmässig flach lagernde, klein gefältelte Juraschichten, Kössener 
und Plattenkalklagen. Die Aufschlüsse sind gut und sehr reichlich. 
Vom Hohljoch bis zum Spielistjoch verdecken riesige Schutthalden 
die Füsse der unglaublich glatten, nahezu lothrechten Wände. Erst 
am Spielistjoch sehen wir wieder unter dem Muschelkalksockel die 
Juraschichten ansetzen, welche, auf Kössener Schichten und Platten- 
kalk ruhend, in ziemlich flacher Lage den Ladizkopf aufbauen. 
Interessant ist die Beobachtung, dass sich hier zwar kein 
zusammenhängender Arm mehr von der Wand vorstreckt, wohl aber 
eine allseitig abgeschnittene Kappe von Muschelkalk den jungen 
Schichten auflastet, welche die höchsten Theile des Ladizkopfes bedeckt. 
Auf eine lange Strecke liegen nun wieder die tieferen Abhänge 
unter der dichten Last des Wandschuttes begraben, aus der sie erst 
wieder an jenem kräftig gegen Norden vorgesetzten Eck auftauchen, an 
dessen Seite die Moserkarscharte (Fig. 14) eingebaut ist. Hier vollziehen 


[29] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 197 


die Muschelkalkschichten der untersten Wand eine starke, gegen Norden 
steiler gebuchtete Abbiegurg, unter welcher am Osthange in ziemlichem 
Umfange die Juraschichten aufgeschlossen liegen. Auf der Westseite 
dieses Pfeilers konnte ich sie nicht nachweisen, vielleicht liegen sie 
im Schutt oder unter der Vegetation verborgen. 

An den in riesenhaften Umrissen emporwachsenden Wänden der 
Kaltwasserkarspitze (Fig. 15) schmiegen sich flache Kare ein, welche 
vom Thal mit hohen, jedoch nicht ungangbar schroffen Wandstufen 
gesondert sind. 

Die mächtige Birkkarspitze entsendet gegen Nordwesten einen 
starken Seitenarm, welcher den Hochalpsattel im Süden begrenzt und 
bis zum Schlauchkarbach sich hinspannt. Im mittleren Theile dieses 
Seitengrates verschwindet der Muschelkalksockel, nachdem er knapp 
davor gerade noch einen kleinen, gegen Westen überschobenen Falt- 
schnörkel enthüllt. 

Steigt man vom Hochalpsattel oberhalb der Alpe gegen die Wetter- 
steirkalkwand empor, so trifft man einen schmalen Keil von Jura- 
schichten, aus dem die Alpquelle hervorkommt. Er reicht den mangel- 
haften Aufschlüssen nach noch ein ziemliches Stück am Westhang gegen 
den Schlauchkargraben hinab. Dieser merkwürdige Einschluss von 
jungen Schichten hat auch schon auf der Rothpletz’schen Karte 
seine Darstellung gefunden. 

Von nun an steigen die Nordwände der Hinterauthaler Kette 
meist nahe zum Karwendelbach hinab, allein sie haben ihr geschlossenes 
und einheitliches Wesen verloren. Der Scheitel, der Hauptkamm, tritt 
von der Birkkarspitze an bis zur Pleissenspitze weiter zurück, so 
dass Seitenkämme vorherrschen, welche auch eine gegen Norden 
fallende Schichtstellung besitzen. Grossentheils sind in Folge dessen 
die ganzen Kämme von Wettersteinkalk gebildet, und nur an einzelnen 
Stellen tritt nicht mehr so ungestört wie im Osten am Sockel meist 
unterer Muschelkalk hervor. Drei solche Stellen folgen thalab einander, 
von denen die innerste die ausgedehnteste ist und mit der nächsten 
in Verbindung steht. Sie reicht vom Schlauchkarbach bis in die Nähe der 
Angeralpe und setzt besonders die Felsen zwischen dem Karwendel- 
und Schlauchkarbach bei den reichen Quellen zusammen. Es ist 
durchaus der untere Muschelkalk, welcher sich am Aufbau betheiligt. 
Gegenüber dem Schuttkegel des Bärenalpgrabens treten ebenfalls wahr- 
scheinlich gleichaltrige Schichten zu Tage, auch wieder in gestörter 
Lagerung und vom auflastenden Wettersteinkalk tektonisch getrennt. 
Das westlichste Vorkommen bricht am Nordfusse der Pleissenspitze 
hervor und ist von ihnen am besten aufgeschlossen. Im untersten Theil 
des Larchetkargrabens haben wir verbogene, etwa 40° südfallende 
Muschelkalkschichten vor uns, welche eine Vorhöhe aufbauen. Darüber 
folgt eine Zone von dunkelfarbigen Breccien, aus Kalken und Schiefern 
zusammengeknetet, welche die Unterlage der gewaltigen Schichtmassen 
der Pleissen- und Larchetkarspitze ausmachen. Die Schichtstellung 
der wahrscheinlich dem unteren Muschelkalke angehörigen Bänke ist 
eine sehr rasch wechselnde und sie wird gegen Westen zu steiler. 
In der Gegend nördlich von der Pleissenspitze streben diese Schichten, 
jedoch ohne eigentlichen Zusammenhang, auf das Nordufer des Kar- 


198 Dr. O0. Ampferer. - [30] 


wendelbaches hinüber. Vom Gipfel der Pleissenspitze an verliert der 
Kamm rasch an Höhe, indem sich zugleich die Schichtbänke in der- 
selben Richtung neigen. Hier durchbricht der Karwendelbach die 
Wettersteinkalkmassen und scheidet sie so von ihrer Fortsetzung im 
Kamm der Brunnsteinköpfe, welche über Scharnitz aufragen. Abgesehen 
von kleineren Störungen, legen sich am Westende nun Raibler Schichten 
und Hauptdolomit auf diese grosse Wettersteinkalkplatte, welche 
ebenfalls noch von der Klamm des Karwendelbaches angeschnitten 
werden. Man könnte in diesen Raibler und Hauptdolomitschichten 
leicht die Fortsetzung der Halleranger-Hinteröder Mulde zu erkennen 
glauben, dieselbe wird jedoch von den Wettersteinkalkbänken des 
Hohen Gleiersch bedeckt, so dass diese Reste einer jüngeren Schicht- 
decke nördlich der Rosslochspalte einzuordnen sind. 


Das Stallenthal. 
Fig. 16. 


Zwischen der Nordwand der Hochnisslkette und dem Vomper- 
joche einerseits, dem Klotz des „Rauhen Kners“ und den Abhängen 
des Stanserjoches anderseits schiebt sich das Stallenthal ein, dessen 
unterster Theil als Stanserthal nach dem Orte Stans benannt ist, bei 
welchem es in das breite Innthal mündet. 

Am südlichen Lamsjoch beginnt seine Furche sich einzusenken, 
die allerdings bis fast zur Stallenalpe hinab völlig leer von Wasser- 
läufen bleibt. Umso reiner haben sich die Ueberreste der Eiszeit 
darin zu erhalten vermocht, welche sich schon in der Kargrube 
zwischen südlichem Lamsjoch und Lamsscharte durch Schuttwälle 
und Wannen verrathen. Obwohl das Lamsjoch in Kössener Schichten 
und Plattenkalk gelegt ist, treffen wir doch vor allem aus Wetter- 
steinkalk bestehende Blöcke in seiner Gegend, welche auch reichlich 
in den ganz in Hauptdolomit eingegrabenen Hintergrund des Falz- 
thurnthales hinabgeschoben wurden. Ziehen wir vom südlichen Lamsjoch 
ins Stallenthal hinunter, so sehen wir gleich am Abhang des Schafjöchls, 
eines Plattenkalk- und Hauptdolomitberges, weit hinab eine mächtige 
Seitenmoräne das Thal begleiten, bis dieselbe von den riesigen, frischen 
Schuttströmen des Schafjöchls und „Rauhen Kners“ vollständig über- 
wältigt wird. Auf der anderen Thalseite schütten die Wände der 
Hochnisslkette unaufhörlich ihren Schutt herab, der sich zu grossen, 
gleichmässigen Halden versammelt. Zwischen dem Längswalle und den 
grossen Schuttfeldern bleibt noch eine schmale, flache Masse übrig, 
in der sich eine grosse Anzahl von Blockwällen und Gruben anein- 
ander reihen. Wenn man nur die deutlicheren zählt, so erhält man 
mindestens zehn Wälle. Auch sie setzen ungefähr zugleich mit dem 
Längswalle aus und so schieben sich im letzten Thalstück oberhalb 
der Stallenalpe von der einen Seite die Schutthalden des Hochnissl- 
kammes, von der anderen die des Schafjöchls und Rauhen Kners ganz 
aneinander. Dabei hat man Gelegenheit, zwei sehr verschiedene Arten 
von Schuttmassen knapp nebeneinander zu vergleichen. Die Halden 
der grossen Hochnisslwände, welche an zahlreichen Stellen weiter- 
senährt werden, besitzen einen fast gleichmässigen, flach concaven 


[31] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges.. 199 


Abfall, während die Schuttmassen des Schafjöchls und Rauhen Kners 
einen mächtigen Kuchen von stark convexer Wölbung bilden. Diese 
auffallende Form dürfte er wohl dem Umstande verdanken, dass an 
seiner Aufschüttung häufig bei Schneeschmelze und Regen rasch ver- 
siegende Bäche betheiligt sind, welche nur aufzuschütten, nicht aber 
wegzureissen die Kraft haben. 

Unterhalb dieses Schuttkuchens öffnet sich das Thal zum herrlich 
ebenen Boden der Stallenalpe (Fig. 16). Zugleich vereinigt es sich hier 
mit jenem Seitenthale, welches vom Lunstsattel zwischen Rauhem Kner 
und Lunst herabstreicht. In diesem Thale liegen viel reichere Quellen, 
welche jedoch im Alpgrund versiegen und erst ausserhalb desselben 
viel stärker wieder hervorbrechen. Der Lunstsattel ist an der Grenze 
von Hauptdolomit und Wettersteinkalk in sehr spärliche Raibler 
Schichten eingefressen, welche auch noch tiefer im Thal, gerade 
oberhalb der Stallenalpe, in schwachen Resten zu finden sind. In der 
Kargrube im Osthang des Rauhen Kners lagert ein deutlicher Moränen- 
wall, das Thal selbst ist ebenfalls voll Schutt, der jedoch von den 
oft wildbachartigen Gewässern ganz umgearbeitet und verstümmelt 
wird. Interessant ist ein kleiner Rest jenes langen Moränenwalles, 


Fig. 16. 


W. Stallenboden. o. 
Hm gr R WIz: 
hd = Hauptdolomit. — mo = Moränen. — W = Wettersteinkalk. 


den wir vom Lamsjoch herabziehen sehen, welcher sich knapp oberhalb 
der Stallenalpe an den Abhang des Brentenkopfes anschmiegt. Der Boden 
der Stallenalpe selbst ist von einer sehr geringen Neigung und einer 
glatten, nahezu ebenen Oberfläche, welche in lebhaftem Gegensatze 
zu den hohen und steilen Felsmauern des Thaltroges steht. Nur in 
sehr wasserreichen Zeiten vermag der Bach den Boden zu über- 
strömen, wobei er dann flache, weite Schuttbeete darüber breitet. 
Gegen das untere Ende des Bodens zu gräbt sich eine meist leere 
Bachrunse tief in seinen Schuttgrund hinein und setzt sich thalab fort, 
wobei sie die riesige Mächtigkeit des Schuttinhaltes des Stallenbodens 
bis auf das Grundgebirge hinab entblösst. Am unteren Ende des 
Stallenbodens finden sich auch die ersten centralalpinen Geschiebe, 
darunter ein grosser Gneissblock in der Nähe des Stallengatterls am 
Abhang des Vomperjoches. 

40—50 m unterhalb der Krone des Schuttbodens beginnen dann 
die Quellen in reicher Fülle hervorzutreten, von denen ein Theil in 
langer Leitung zum Kloster Fiecht hinabgeführt wird. In einer Mächtigkeit 
von etwa 150 ın wird so der Schuttinhalt des Stallenbodens erschlossen, 
der grösstentheils aus ungeschichtetem Geröll des Thalgebietes sowie 
aus eingestreuten centralalpinen Gesteinen zusammengesetzt wird. Im 


200 Dr. O. Ampferer. 5 [32] 


unteren Theile zeigt die Masse deutlich den Charakter einer Grund- 
moräne, und am neuen Steig durch die Schlucht waren zur Zeit der 
Anlage mehrfache schlammige Lager mit schönen gekritzten Geschieben 
zu entdecken. 

Diese -Schutteinfüllung, welche noch immer sehr reichlich vor- 
handen ist, war jedoch ohne Zweifel eine noch weit beträchtlichere, 
wie man aus Resten im Thale und besonders auf seiner südlichen 
Flanke ersehen kann. 

Tief schneidet die wilde Gamsbachklamm, welche, unterhalb 
dieser Schutteinlage mündet, in den Körper des Stanserjoches’hinein 
und enthält dabei eine Anzahl von mächtigen Verwerfungsklüften, 
denen entlang die Klamm streckenweise hinstreicht. Erstaunt bemerkt 
man in der Tiefe der grossartigen Schlucht eine ganze Ansammlung 
von grossen, abgerundeten centralalpinen Blöcken, welche man nicht 
darin vermuthen möchte. 

Bei St. Georgenberg erheben sich zu beiden Seiten des Thales 
schroffe Felsecken, vom Hintergehänge durch kleine Sättel getrennt, 
auf welchen sich überall noch kleine centralalpine Geschiebe erhalten 
haben. Der Wallfahrtsort St. Georgenberg selbst liegt auf der be- 
deutendsten dieser Felskanzeln und besitzt daher seinen romantischen 
Zugang einerseits über eine in den Fels gesprengte Stiege, anderseits 
über eine hohe, alterthümliche Brücke. 

Unterhalb von St. Georgenberg tritt der Bach ins Gebiet des 
Muschelkalkes ein, der im Norden des Vomperjoches von der Gegend 
des Stallenbodens bis in die Nähe des Schlosses Tratzberg am 
Südfusse des Stanserjoches sich hinzieht und dabei den Stallenbach 
kreuzt. Von der Brücke und der Säge an bildet der dunkle Kalk 
einen flachen, breiteren Thalboden, auf den von der Höhe der Bau- 
hofterrasse ein 200 m mächtiger Einsatz von gutgeschichteten, gerollten, 
grösstentheils centralalpinen Flussgeröllen, Sanden und Bänderthonen 
hereingebaut ist. Zu unterst liegen die Bänderthone, während darüber 
Sande und Schotter öfters miteinander wechseln. Auf der anderen 
Thalseite finden sich nur ganz oben Reste dieser Schotter, das übrige 
Gehänge haben Muschelkalkfelsen inne. Der Weg, welcher vom Kloster 
Fiecht nach St. Georgenberg führt, läuft allenthalben in diesen Schottern 
bis nahe an die Brücke des Stallenbaches, wo er den Muschelkalk 
streift. Der Bach selbst schneidet in den alten Thalbodenrest ein 
und wirft sich darunter in wilden Stürzen durch die tosende Wolfs- 
klamm, welche jetzt zum grossen Theil künstlich zugänglich gemacht 
wurde. Alte Stollen verrathen in ihren Wänden aufgelassene Bergbau- 
versuche. 

Am Ausgange der Klamm streicht eine Zone von gelblichen 
Rauchwacken zum Bach herab, welche den Muschelkalkstreifen vom 
Stallenthal heraus bis in die Gegend von Maria-Larch begleiten. 

Von nun an folgt der Bach eine längere Strecke der Grenze 
zwischen Kalk und Rauchwacken, bis er sie durchbricht und in eine 
Thalweitung eintritt, welche in ganz zerdrückten, bituminösen Haupt- 
dolomit eingearbeitet ist. Bilden die Rauchwacken am Eintritt in das 
kleine Becken eine von Thürmen gekrönte Pforte, so schliessen sich 
am Ausgange desselben festere Dolomitfelsen zu einer Enge zusammen, 


[33] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 201 


aus welcher die Wasser über einen mächtigen Schuttkegel dem Inn 
zueilen. Auch dieser Kegel besitzt ebenso wie der des Vomperbaches 
eine tiefe, mehrstufige Furche, in welcher der Bach sich jetzt bewegt. 
Auch gegenüber dem Inn zeigen die Schuttkegel keinen allmähligen 
Uebergang, sondern eine 6—8 m hohe Steilböschung. 

Das Mittelgebirge, welches sich von St. Georgenberg bis zum 
Schlosse Tratzberg (Fig. 17) hinabzieht, besteht zum grössten Theil aus 
steil (50— 70°) südfallendem Muschelkalk, hinter dem sich stellenweise 
ein ziemlich mächtiger Zug einer weissgrauen Rauchwacke einklemmt. 
Die Schuttbedeckung dieser Terrasse ist eine nicht zusammenhängende, 
indem immer wieder abgerundete Felsbuckel daraus hervorschauen. 
Centralalpine Schotter setzen in den unteren Theilen ein, die Höhe 
wird von spärlichen Resten von Grundmoränen in Besitz genommen. 


Das Stanserjoch. 
vis 1722. 


Der Einfachheit der Bezeichnung wegen fasse ich unter diesem 
Namen die ganze Berggruppe zusammen, welche sich zwischen Stallen- 
thal, Falzthurnthal, Achenseethalung und Innthal erhebt. Ein gewaltiges 
Gewölbe von Wettersteinkalk und Dolomit bildet einen langen Rücken, 
welcher vom Lunstsattel bis gegen Jenbach hinzieht und unmittelbar 
ins Stalleuthal, auf die Heuberger Terrasse und endlich ins Innthal 
selbst sich niederlässt. Schroff ist sein Abfall gegen Norden, der 
schon zum Beispiel gegen das innere Falzthurn- und Tristenauthal 
die Neigung einer steilen Wand annimmt, wogegen er im Süden und 
Westen in der Glätte und Rundung seiner Flanken und Kuppen 


Fig. 17. 
Heuberg- 
terrasse. 
5. N. 
Mm 
600 m. 
m — Muschelkalk. — mo = Moränen. — R = Rauchwacken der Reichenhaller 


Schichten. — W = Wettersteinkalk. 


einem riesenhaften Gletscherschliff nicht unähnlich sieht. Von der 
srossen Platte des Vomperkammes trennt ihn die mächtige Einlage 
des Rauhen Kners, des Schafjöchls und jene des Vomperjoches. Ihr 
Verhältnis ist am klarsten an jenem Grate erschlossen, der vom 
Gipfel des Lunst über Rauhen Kner, Schafjöchl und südliches Lamsjoch 
sich an den Vomper Hauptkamm anlehnt. Hier sehen wir am Lunstsattel 
auf die gegen Westen absinkenden Platten des Wettersteinkalkes mit 
einer verquetschten Zwischenlage von Raibler Schichten (Rauchwacken, 
Schiefer und Sandsteine) etwas discordant die Schichten des Haupt- 
dolomits sich anlegen. Das riesige Schluchtwerk des Rauhen Kners 
und des Schafjöchls enthüllt vorzüglich den Bau dieser grossen 
- Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstait, 1903, 53. Band, 2. Heft. (0. Ampferer.) 28 


202 Dr. 0. Ampferer. . [34] 


Zwischenschaltung. Während der Wettersteinkalk sich steil herabsenkt, 
stossen die angrenzenden Hauptdolomitschichten weit flacher daran 
ab und setzen im Bereiche des Rauhen Kners eine flache Mulde 
zusammen, an welche das Schafjöchl als Sattel und das südliche Lams- 
joch als neuerliche Mulde ‚sich fügen (Fig. 10). Der Scheitel des 
Sattels zwischen Rauhem Kner und Schafjöchl ist jedoch durch eine 


Fig. 18. 


Ochsenkopf 2148 m. 


N, Stanser- Ss, 


Tristenau. 


R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — W = Wettersteinkalk. 


gewaltige, tief einschneidende’ Schlucht entzwei gerissen, welche aus 
dem Falzthurnthal ins Stallenthal hinüberquert. 

Die Schichten des Schafjöchls sowie die des südlichen Lamsjoches 
zeigen nun eine ganz ausserordentliche Verknitterung und Verzerrung, 
welche man vom gegenüberliegenden Hankampl aus prächtig übersehen 


Fig. 19. 
Hankampl Gamskarspitze 
2084 m. 2097 _m. 


Tristenau. 


W = Wettersteinkalk. — R — Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. 
b — Buntsandstein (Werfener Schichten). 


kann. Dabei besteht bereits der höhere Theil des Schafjöchls aus Platten- 
kalk, auf den sich in der Gegend des südlichen Lamsjoches noch kräftig 
verbogene Kössener Schichten legen, welche auch den Felsrücken im 
Süden des Joches zusammenbauen. 

Wenn wir den westlichen Abfall des Wettersteingewölbes noch 
genauer besichtigen, so begegnen wir im Südkamme des Lunst (Fig. 22) 


[35] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 203 


bei der sogenannten „Nauderer Stiege“ noch einem kleinen Rest von 
Sandsteinen und Schiefern der Raibler Schichten. Von diesem Sattel 
senkt sich- nämlich gegen Westen eine Einbuchtung des Wetterstein- 
kalkes herab, in deren Grund wir einem wirren Haufwerk der oben- 
senannten Gesteine gegenüberstehen, welche, soweit die Aufschlüsse 
reichen, ohne jeden geordneten Schichtverband dort lagern. 

Damit sind jedoch ‘die Auflagerungen von jüngeren Schichten 
auf dem Gewölbe des Stanserjoches noch nicht erschöpft. Vom Gipfel 
des Lunst sinkt der Hauptkamm gegen Nordosten zu einem fast um 
200 m niedrigeren Sattel”ab, von dem sich die höchste Gipfelform, 
welche dem Joche aufgesetzt ist, die Rappenspitze (2224 m) (Fig. 21), auf- 
schwingt. Dieselbe besteht aus flach liegenden, leicht gewellten Haupt- 
dolomitplatten, welche zum Theil mit einer Unterlage von Raibler 
Schichten dem Wettersteinkalkgewölbe auflasten. Sehr bemerkens- 
wert ist nun aber der Umstand, dass trotz der scheinbar ganz regel- 
mässigen Auflagerung die Raibler Schichten nicht in ungestörter Voll- 


Fig. 20. 


Kaserjoch 2200 m. 


Tristkopf 


N. 


Falzthurnthal. 


W = Wettersteinkalk. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. _ 
m = Muschelkalk. 


ständigkeit, sondern in ganz verwirrter, unregelmässiger Weise fast 
nur aus losen Sandsteintrümmerhaufen zusammengesetzt werden. Dabei 
fehlen sie auf der Westseite fast ganz, während sie auf den übrigen 
Seiten sehr wechselnd zum Vorschein kommen. Auch hier ruht wie 
an der Nauderer Stiege das ganze Vorkommen in einer Einbuchtung 
des Wettersteinkalksockels, welcher sich dann daraus wieder zum 
Kaserjoch (2200 m) aufrichtet. Dieses ist die höchste Aufwölbung 
des hier ganz dolomitischen Wettersteinkalkes des Joches, das sich 
nun in leicht! auf- und abwogender Zeichnung bis zum eigentlichen 
Stanserjoch (2102 m) hinzieht. Etwas südöstlich vom Kaserjoch bildet 
der Kamm den kleinen Gipfel der Gamskarspitze, von welcher nach 
Süden der Seitengrat des Hankampls abzweigt, der nach St. Georgen- 
berg hinabstreicht. In dem Sattel zwischen Gamskarspitze und Han- 
kampl (Fig. 19) liegt nun das. merkwürdige, schon von Pichler ent- 
deckte Vorkommen von rothen und grünen Quarzsandsteinen, welche 
vollständig den Werfener Sandsteinen gleichen und auch von allen geo- 
logischen Besuchern dafür angesehen’ wurden. Sie werden begleitet 
28* 


204 Dr. O. Ampferer. . [36] 


von dunklen, schmalplattigen Kalken, welche eine typische Reichen- 
haller Fauna führen und besonders an Natica stanensis Pichler, daneben 
noch an Myophoria costata ziemlich reich sind. Ausserdem sind noch 
grössere Massen von Rauchwacken in der Nähe der Quarzsandsteine 
und der dunklen Kalke vorhanden. 

Dieser ganze, auffallend ältere Schichteomplex liegt in einer 
tiefen Einbuchtung des Wettersteindolomits, welche auf der einen 
östlichen Seite fast bis in die Tiefe des Ochsenkars, etwa 100 m, 
auf der anderen westlichen nahezu bis zur Seitenschlucht der Gams- 
bachklamm, gegen 250 m tief, hinabreicht. In der solcherart gegen 
Westen neigenden Furche bildet der Quarzsandstein ungefähr den 
Kern, zu dessen Seiten dunkle Kalke und Rauchwacken sich anreihen. 
Dabei fügen sich dieselben jedoch nicht zu einer regelmässigen Mulde 
oder Sattelung zusammen, sondern im Süden folgt auf den Quarzsand- 
stein sogleich ein Rauchwackenzug und dann erst steil nordfallende 
dunkle Kalke, wogegen im Norden verworren gestaltete Bänke der 


Fig. 21. 


Rappenspitze 2224 m. 


7140 m. 


W = Wettersteinkalk. — Ad = Hauptdolomit (Plattenkalk),. — ” — Raibler 
Schichten. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — m — Muschelkalk. 


dunklen Kalke unmittelbar an den Sandstein stossen, aber wieder 
durch einen Rauchwackenstreifen vom Wettersteindolomit der Gams- 
karspitze gesondert werden. 

Diese vorzüglich erschlossene Auflagerung hat schon Pichler 
veranlasst, im Jahre 1863 in der Zeitschrift des Ferdinandeums 
(III. Folge der Beiträge zur Geognosie von Tirol), Seite 6, zu erklären, 
dass hier untere Trias in einer Falte der oberen eingeklemmt und 
über diese flach hinweggeschoben erscheine. 

Anschliessend an dieses Vorkommen treffen wir weiter östlich 
noch auf eine viel weiter reichende Decke von dunklen Kalken mit 
Reichenhaller Fauna in der Gegend des Ochsenkopfes (2148 m) 
(Fig. 18). 

Der nördliche Zug der dunklen Kalke und Rauchwacken setzt 
sich nämlich von der Gamskarspitze an, den Hauptkamm selbst be- 
herrschend, bis weit über den Ochsenkopf hinaus fort, wobei die 
Schichten eine äusserlich ziemlich ruhige Lage einzunehmen scheinen. 


Kan 


[37 Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 205 


Sie reichen im Osten bis zu jenem Sattel, an welchem der Jochweg 
nach Norden zur Weissenbachalpe hinabsteigt. Am Ochsenkopf sind 
sieXbesonders gut erschlossen, und man sieht, dass ihre Bestandtheile 
wild durcheinander liegen, da in die Rauchwacke oft ganze Schollen 
von dunklen Kalken eingefasst sind. Weiter im Osten befinden sich 
auf der Höhe des Joches keine Reste von jüngeren oder älteren 
Gesteinen mit Ausnahme von erratischen Gesteinen, von denen jedoch 
die centralalpinen nirgends über 1650 m hoch hinaufsteigen. 

Umso grossartiger überdecken auf der Nordseite des Gewölbes 
ältere Schichtmassen seinen Abfall. 

Vom Ochsenkopf (Fig. 18) ziehen sich die Rauchwacken, Kalke und 
Dolomite der Reichenhaller Schichten einerseits direct bis in den 
Grund des Tristenauthales hinab, anderseits streichen sie zum Kessel 
des Weissenbachthales in die Tiefe, von der sie, von der Erosion 
vielfach ausgezackt, zur Heiterlahnalpe und nahe ans Weihnachtesg 
hinausstreichen. 

Das ganze mächtige Berggebiet zwischen der eben beschriebenen 
Südgrenze, dem Tristenau-, Falzthurnthal und der Achenseethalung wird 
vor allem von diesen Gesteinen des unteren Muschelkalkes erbaut, 
aus deren Reich sich nur der östliche Kamm des Bärenkopfes als 
ein mächtiger Wettersteinkalkklotz heraushebt. Dichte Vegetation 
verdeckt grosse Theile dieser reich abgerundeten Höhen und er- 
schwert den Einblick in den wahrscheinlich ziemlich verwickelten 
Aufbau. 

Die Felsen, welche unterhalb des Lehnberges im Osten des 
Tristenauthales zur Höhe der Bärenbadalpe anstreben, verrathen eine 
Mulde, deren Nordflügel in die Luft ausgeht, während der Südflügel 
in mächtiger Entfaltung sich auf den Wettersteinkalkleib des Bären- 
kopfes hinaufschiebt. Die Decke von Reichenhaller Gesteinen bildet 
so die Kappe des höchsten Theiles des Bärenkopfes, was sich von 
der Weissenbachalpe her recht auffällig ausnimmt. Zahlreiche Ver- 
werfungen zeigen sich in den Felsen, ohne dass es gelingt, sie weiter 
zu verfolgen. Am Abhange des Bärenkopfes gegen das Weissenbach- 
thal kommen unten Gesteinsarten vor, welche wahrscheinlich schon 
dem Muschelkalke zuzuzählen sein dürften. Südlich dieses Thales 
besteht der ganze Kamm des Schwarzeggs wieder aus Reichenhaller 
Schichten, stellenweise in sehr zerstörter Lagerung. Hier ziehen 
dieselben bis zu den Glacialterrassen des Achenseedammes hinunter. 
Auf den Hängen der Bärenbadalpe sowie am Sattel westlich oberhalb 
der Weissenbachalpe finden sich die schon erwähnten Haufen von 
losen Raibler Sandsteinen in ziemlicher Verbreitung. 

An den tieferen Nordost- und Nordhängen der Bärenbadalpe 
tritt in den Gräben vielfach ausgelaugter Salzthon und Rauchwacke 
auf, welche die obersten Werfener Schichten verrathen, von denen 
die Quarzsandsteine auf der Nordseite des Joches nirgends an den 
Tag treten. 

Am untersten Fusse des Lehnberges ist längs der Schuttbucht 
von Pertisau eine schmale Zone eines bituminösen Dolomits, wohl 
Hauptdolomit, angeworfen, der auch noch am Nordfusse des Trist- 
kogels, am Habüchel, zu sehen ist. 


” 


206 Dr. ©. Ampferer. [38] 


Noch grossartiger äussert sich zwischen Tristenau- und Falz- 
thurnthal, im Gebiete des Tristkogels, die Ueberlagerung jüngerer 
Schichten durch ältere. | 

Am Nordfusse der Rappenspitze setzt die vorzüglich aus Rauch- 
wacken bestehende Zone ein und zieht schräg gegen das Lärchkar 
hinauf, von dort hoch über die Brunnthalalpe bis über 1900 m an 
den Nordgrat des Kaserjoches, von wo sie in wilder Schlucht in den 
Hintergrund des Tristenauthales absinkt. Auf dieser ganzen Strecke 
enthüllt sich die Grenzlinie wie auch sonst überall am Stanserjoch 
als eine Rückwitterungslinie der auflagernden Decke von Reichen- 
haller Schichten, unter denen das Wettersteindolomitgewölbe allerorts 
hervorschaut. 

Zunächst dem Gewölbe des Stanserjoches lagern ganz gewaltige 
Massen von gelblichen Rauchwacken, die häufig grössere und kleinere 
Brocken von dunklen und hellen Kalken sowie von Dolomit in sich 
schliessen. In steilen, von Höhlen zerfressenen Schichtzügen fallen 
sie nach Norden hinunter. Die Schichten des oberen Muschelkalkes 
legen sich häufig flacher, in ziemlicher Mächtigkeit darüber, ja an 
einzelnen Stellen, wie am Gipfel des Tristkogels (2005 m), des Trist- 


Fig. 22. 
Lunst Nauderer Brentenkopf 
2141 m. Stiege. 2024 m. 


IT 


NW ” RL so. 
ATOOzA De; 


W = Wettersteinkalk. — ” — Raibler Schichten. 


kopfes (1812 m) und an einem südlich davon aufragenden Felsrifte, sind 
sogar noch Kappen von Wettersteinkalk erhalten. Unter den Reichen- 
haller Schichten tauchen am Nord- und Südfusse des Tristkogels, 
sowohl im Falzthurn- als auch im Tristenauthale Salzthone mit licht- 
grünen Sandsteinen auf, in denen fast regelmässig Quellen ent- 
springen. | 

Den besten Einblick in den intensiv gestörten Aufbau der Trist- 
kogelmasse gewinnt man aus den Aufschlüssen des Brunnthalgrabens 
(Fig. 20). Steigt man aus der Tiefe des Falzthurnthales den schmalen Alp- 
steig empor, so sieht man an beiden Seiten des Thales in mächtigem 
Aufschwung Bänke des Muschelkalkes sich aufrichten. Mehrfach bemerkt 
man Schichtstauchungen und Verwerfungen, doch ist im ganzen der 
Aufbau noch ziemlich regelmässig. Unter diesen Bänken mit Enerinus 
Iiliiformis machen sich dann in ungefähr gleicher Neigung dunkle 
Kalke, Dolomite und Rauchwacken bemerkbar, welche am westlichen 
Thalgehäuge mit schönen Knickungen bis gegen das Wetterstein- 
dolomitgewölbe hinaufstreben. Am östlichen Gehänge stellen sich 
Jedoch schon etwas unterhalb der Brunnthalalpe viel bedeutendere 
Störungen ein, indem die Rauchwacken grossartig zerknickt über die 


[39] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgeb irges. 207 


Muschelkalkdecke emporbrechen. Knapp bevor man den Stauboden 
der Alpe betritt, finden sich in diesen Rauchwacken Reste von Salz- 
thon und Jichtgrünen Sandsteinbröckchen. Gegenüber der Alpe lastet 
den mächtig gefalteten Rauchwacken noch ein engmuldig zusammen- 
gepresster Klotz von hellem Kalk auf, hinter dem die Rauchwacken 
wieder in ruhigerem Anstieg sich an die Dolomitwand des Kaser- 
joches lehnen. 

Die weitaus grösste dieser Wettersteinkalkauflagerungen ist 
der Gipfel des Tristkogels, welcher ganz regelmässig auf flach nord- 
ostfälligem Muschelkalk aufruht. 

Es erübrigt noch, die glacialen Ablagerungen in diesem Gebiete 
näher zu beachten. Der ziemlich geringen Höhe sowie dem Mangel 
an hohen, tiefen Karen ist wohl die auffallende Armut an Glacial- 
resten vor allem zuzuschreiben. Nur in den Karen an der Süd-, 
Südwest- und Nordostseite der Rappenspitze sind deutliche und mehr- 
fache Moränenwälle hinterlegt worden. Davon ist besonders die 
letztgenannte Seite bemerkenswert, einmal durch die Reinheit der 
Wallformen, anderseits aber auch darum, weil wir sehen, wie in 
diesen Wällen vielfach Material der viel höher anstehenden Raibler 
Schichten in die Tiefe geschleppt wurde. Dadurch sind jedenfalls 
am allereinfachsten zum Beispiel die losen Stücke von Raibler 
Schichten zu erklären, welche gerade nördlich von diesen Wällen auf 
dem Boden der Brunnthalalpe unten liegen. 

Interessant ist die Vertheilung der erratischeu Geschiebe im 
Süden und Norden dieses Gebietes. Am Südabhange finden sich 
von etwa 1400 m an abwärts ziemlich dicht und regelmässig central- 
alpine Geschiebe. Höher hinauf liegen nur wenige, am meisten noch 
am Abhange des Hankampls oberhalb der Plattenalpe, wo sie sich 
bis 1650 m verfolgen lassen. Von der Plattenalpe abwärts nach 
St. Georgenberg sind an dem sehr steilen Felshange an manchen 
etwas geschützteren Stellen sogar die Reste von Grundmoränen und 
sekritzte Geschiebe zu finden. Der Niederleger der Stanseralpe 
(1349 m) ist auf grossen, deutlichen Gletscherschliffen erbaut, auf 
deren fast ebenen Fläche auch grosse Blöcke von Gneiss sich vor 
dem Abkollern bewahrt haben. Zwischen dieser und der Plattenalpe 
bricht im sogenannten Kreidenwald ein heller kalkiger Lehm, wohl 
ebenfalls von Grundmoränen, zu Tage. 

Auf der Nordseite umsäumt den Fuss des Lehnberges bei 
Pertisau eine Zone von Grundmoränen, während centralalpine Ge- 
schiebe noch auf der Bärenbadalpe herumliegen. Auch im inneren 
Falzthurnthale, bei der gleichnamigen Alpe, konnte ich kleine Geschiebe 
eines Amphibolits entdecken. Im Weissenbachthale reichen dieselben nur 
in die Gegend der Jagdhütte hinein, etwa bis zur Höhe von 1200 m. 


Das Falzthurnthal. 


Die bisher betrachteten Thäler folgten alle mehr oder weniger 
genau der tektonischen Vorbauung; mit dieser Thalform kommen wir 
zu reinen Durchbruchsthälern, welche von nun an ein grosses Gebiet 
fast ausschliesslich beherrschen. 


208 Dr. ©. Ampferer. . [40] 


Das Thal beginnt mit einem tiefen, weiten Kessel, welcher quer 
in die Haupdolomitmasse des Rauhen Kners, des Schafjöchls und des 
Hahnkampls eingebohrt ist. Vergleicht man die beiden gegenüberstehen- 
den Wände des innersten Thalgrundes, so springt ihre Zusammen- 
gehörigkeit sofort in die Augen, indem der Faltzeichnung des Rauhen 
Kners und Schafjöchls auch die des Hankampls ähnlich ist. Der 
Weg, welcher das südliche Lamsjoch mit dem nördlichen verbindet, 
führt gerade über den Wänden des eigenartigen Thalschlusses hin, 
in den man so bequem einen guten Einblick bekommt. Dieser 
innerste Kessel ist jetzt ganz wasserleer, da nur sehr bescheidene 
Quellen eine Strecke weit über die Felsen rieseln und dann im Schutt 
versiegen, der allein hier in riesigen Halden seine Herrschaft ausübt. 
Aus dem weiten Kessel des Hauptdolomits tritt das Thal in eine Enge, 
welche von Wettersteindolomit hervorgerufen wird, der in mächtigem 
Zuge quer darüberstrebt. Es ist das Gewölbe des Stanserjochs, welches 
sich vom Lunst über dieses Thal ins Sonnenjoch fortsetzt und diesen 
mächtigen Klotz zum grössten Theil aufbaut. Tiefe Schluchten 
trennen den inneren Hauptdolomit von diesem Wettersteindolomit- 
sewölbe, welche sowohl im Lunst- als auch im Grammaigraben als 
Zwischenlage stark verschobene Keile von Raibler Schichten auf- 
schliessen. Besonders im letzteren erhalten wir in die mächtigen 
Verzerrungen dieser Schichten einen guten Einblick, welche hier in 
Sandsteinen, Schiefern, Oolithen, Kalken und Rauchwacken recht gut 
vertreten sind. Hat das Thal den querliegenden Wall von Wetter- 
steindolomit durchbrochen, so gelangt dasselbe in den Bereich der 
Reichenhaller Schichten, welche auf seiner südlichen Seite nun weit 
hinaus an den Thalhängen ausstreichen. Es sind die gegen Norden 
und Nordosten abfälligen Massen des Tristkogelgebietes, welche 
natürlich, ihrem Fallen entsprechend, in der Fortsetzung auf der 
nördlichen Thalseite nur mehr mit ihren höheren Schichten ver- 
treten sind. 

Wenn man dieses hauptsächlich gegen Norden gerichtete Fallen 
berücksichtigt, entspricht auch hier die südliche Thalseite ganz genau 
der nördlichen. 

Die Störungslinie zwischen Wettersteindolomit und den auf- 
lagernden Reichenhaller Schichten setzt sich über das Thal am 
Nordostabbruch des Sonnenjochs über die Bärenlahnerscharte ins 
Engthal hinüber fort. Reichenhaller Schichten, ja sogar Salzthone 
sind im Bärenlahnergraben aufgeschlossen, auf denen die flachge- 
wellten Wettersteinkalkmassen der Bettlerkarspitzkette lagern. Nach 
dieser mächtigen Masse alter Trias tritt von Norden her die über- 
schobene Kreidemulde des Gütenberges an das Thal heran und endet 
allerdings an seinen Schuttmassen, jedoch biegt im weiteren Verlauf 
der Thalzug ganz in die Gütenberg-Richtung ein, so dass es wahr- 
scheinlich ist, dass er hier derselben gefolgt ist. An dieser Stelle 
mündet im Süden das Tristenauthal, im Norden das Gernthal. Das 
erstere zieht sich mit breitem, gleichmässig ansteigendem Grunde 
durch die Decke von alter Trias bis zum Stanserjochgewölbe hinein 
und geht im Hintergrunde in äusserst steile Runsen über, aus denen 
Wildbäche herniederbrausen; das letztere schwenkt um den Güten- 


[41] Geologische Beschreibung des nörd], Theiles des Karwendelgebirges. 209 


berg herum und ist ganz in Hauptdolomit eingegraben. Seine Quell- 
äste greifen bis zum Plumserjoch empor, auf dessen Abhängen gegen 
die Gernalpe sich Gletscherschliffe sowie Reste der Grundmoränen 
finden. Dieselben sind an der Ostseite des Joches von etwa 1400 m 
an aufwärts zu erkennen, und es liegen hier auf Hauptdolomit und 
Plattenkalk sogar einzelne geschrammte Geschiebe von Wetterstein- 
kalk. Tiefer legen sich riesige Schuttmassen an die Abhänge des 
Joches, welche ebenfalls an glacialen Schutt erinnern. 

Von der Pletzachalpe an begleitet im Nordosten eine Schutt- 
stufe das Thal bis zu seiner Mündung. Knapp vor der Pletzachalpe 
ist durch künstlichen Abbau unter dieser Stufe ein oben gelblich- 
grauer, unten mehr blaugrüner, äusserst feiner und knetbarer Lehm 
erschlossen, der nach Münster im Unterinnthal zur Geschirrerzeugung 
versendet wird. Er enthält keine fremden Bestandtheile und ist in 
einer Mächtigekeit von 5 m angeschürft, ohne dass sein Grund er- 
reicht wurde. Die Schuttstufe darüber besteht vorzüglich aus eckigem 
oder wenig angerundetem Hauptdolomitschutt und Spuren von anderen 
im Hintergrunde des Thales anstehenden Gesteinsarten. Auf ihr liest 
die Alpe Pletzach und sie zieht in verschieden deutlicher Erhaltung bis 
ins Falzthurnthal hinaus, wo sie mit einer deutlichen Grundmoränen- 
stufe in naher Lagebeziehung steht, da dieselbe zwar durch einen 
Schuttkegel vom Stampferköpfl herab von ihr geschieden ist, jedoch 
in gleicher Höhe am selben Bergsaume sich fortsetzt. 

Diese Stufe von Grundmoränen reicht bis auf 800 m Entfernung 
an den Achensee heran und die ihr entsprechende am gegenüber- 
liegenden Bergsaume streicht überhaupt vollständig an denselben heran 
und begleitet sein Ufer auf der halben Strecke gegen Seespitz. 
Während ich nun aber in der Stufe der Pletzachalpe keine central- 
alpinen oder geschliffenen Geschiebe auffinden konnte, sind die Grund- 
moränenstufen der Bucht von Pertisau daran sogar reich. Dabei 
sind die erratischen Geschiebe im unteren Theile reicher als in der 
Höhe und sehr schöne gekritzte Geschiebe, meist aus Wettersteinkalk, 
nicht selten. Steigt man den Schuttkegel des Stampferköpfls bis in 
den Grund seiner Felsschlucht empor, so trifft man zu seinem Er- 
staunen hier um 200 m höher auf eine mächtige Einlage von Dolomit- 
schutt mit schlammigen Lagen, gekritzten Geschieben und ziemlich 
seltenen centralalpinen Stücken, welche im Schluchthintergrunde und 
nach oben noch mehr zurücktreten. 

Wenn wir nun noch einmal den ganzen Thallauf überschauen, 
so fällt vor allem der breite, flache Grund auf, welcher sich ohne 
jede Stufe bis in den innersten Grund hineinzieht und in gleicher 
Weise auch noch die beiden Seitenthäler beherrscht. Dabei ist der 
srösste Theil des Thales meistens ohne Wasserläufe, welche nur im 
Hintergrunde in den seitlichen Felsschluchten und ganz nahe an der 
Mündung stets lebendig bleiben. Mächtige Schuttkegel vermummen, 
von allen Seiten eindringend, seinen früheren Charakter. Auffallend 
ist weiters der Mangel an glacialen Schuttwällen, von denen nur bei 
Pertisau Grundmoränen sich zeigen. In eigenthümlichem Widerspruche 
dazu fand ich noch bei der Falzthurnalpe kleine centralalpine Roll- 
stückchen, welche sich auch am nördlichen Gelände, am Kleinbergl, 

Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (0. Ampferer.) 29 


210 Dr. O. Ampferer. - [42] 


einstellen. An den tiefen Einrissen, welche bei Gewittern die Wild- 
wasser in den Schuttgrund des Thales reissen, kann man seinen Auf- 
bau verfolgen. Es ist ein vielfacher Wechsel von Schuttlagen, zwischen 
denen sich schmale, verkohlte Pflanzenrestzonen verrathen, welche 
bei den seltenen, aber mächtigen Schuttgängen aus begrabener Vege- 
tation sich bildeten. Nirgends im ganzen Thale ist seine Felssohle 
entblösst. 


Der Kamm des Sonnenjoches. 
Fig. 23—28. 


Wie sich der Kamm des Stanserjoches am südlichen Lamsjoch 
vom Vomper Hauptkamme losknüpft, so der des Sonnenjoches am 
nördlichen Lamsjoch (Fig. 23). Wir haben bereits bei der Beschreibung 
der Lamsenspitze erwähnt, dass sich an ihrem Nordgrat unterhalb 
des Muschelkalksockels eine gegen Norden überschobene Falte aus 
Kössener und Plattenkalkschichten befindet, in deren Mulde das 
südliche Lamsjoch selbst eingebettet erscheint. Diese Falte lässt 
sich, nur einmal durch Schutt verdeckt, bis ins Engthal hinab ver- 
folgen und sie tritt am Eck der Dreiaggenalpe am deutlichsten her- 
vor, welche auf der Höhe des Sattels auf Plattenkalk liegt, während 
sich im Süden wie im Norden Kössener Schichten, Lias und oberer 
Jura der Faite entsprechend anlegen. Diese Einlage von Lias und 
oberem Jura beginnt schon nahe am nördlichen Lamsjoch und streicht 


Fig. 23. 


Lamsenspitze 2501 m. 


Nördliches 
Lamsjoch N. 
1933 m. Hankampl. 


W = Wettersteinkalik. — m = Muschelkalk. — K = Kössener Schichten. — 
hd —= Hauptdolomit (Plattenkalk). -- R= Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. 


dem Binsgraben nach, von Moränenwällen theilweise überschüttet, 
bis in den Grund des Engthales hinab. 

Vom nördlichen Lamsjoch hebt sich der Grat zum flachen Kamm 
des Hankampls (Fig. 24), der grösstentheils aus Hauptdolomit in eng- 
gefalteter Aufwölbung erbaut wird. Bemerkenswert ist an diesem Grate 
knapp nördlich vom Lamsjoch ein Keil von eingepressten Rauchwacken, 
wie sie ganz ähnlich den untersten Muschelkalk zu begleiten pflegen. 
Im grossen erfasst, stellt der Hankampl ein an die Lamsmulde 
geschlossenes Gewölbe dar, das im Norden mit einer verstümmelten 
Mulde und dem verworrenen Keil von Raibler Schichten des Grammai- 
grabens an das Wettersteindolomitgewölbe des Sonnenjoches stösst. 
An seinem Südostabfall gegen die obere Binsalpe und das Grammai- 
Joch legen sich ganz regelrecht auf die Plattenkalke Reste von 


Zi 


5. 


[43] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 211 


Kössener Schichten, die auch den Grund. des letztgenannten Joches 
ergeben: Das weite Kar im Norden des Hankampls ist bis zum 
Hochleger der Grammaialpe von Trichtern, Schuttwällen und Gräben 
des jüngsten Glacialstadiums reichlich erfüllt. 

Im Norden und Nordwesten des Grammaijoches tritt uns nun 
ein grosses, neues Element im Aufbau entgegen, nämlich mächtige 
Massen von Rauchwacken und dunklen Kalken der verschiedensten 
Art, meist dem unteren und oberen Muschelkalke angehörig. Die- 


Fig. 24. 


Grammaijoch Hankampl 
1903 m. 2082 m. 


R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — J = Jura. — K = Kössener 
Schichten. — hd = Hauptdolomit (Plattenkalk). 


selben’legen sich als riesige Deckefüber das Gewölbe von Wetterstein- 
dolomit- und -Kalk, welches sich vom Sonnenjoch unter ihr bis ins 
Engthai fortsetzt und dort in gleicher Gewölbebildung die schroffe 
Bärenwand (Fig. 25) aufbaut. Ausgedehnte Bewachsung hindert eine 
genaue Verfolgung der verwickelten Verhältnisse dieser Decke, welche 
im grossen ganz einheitlich auftritt. Im Norden des Binsgrabens stösst 


Fig. 25 
Bärenwand 1867 m. 
Hochglück- > 
kar. oraNn 
Dreiaggen- Bins- © E> Ang 
alpe. graben. 2 ED 
Ws EZ 
CHRLE 
nn SANS ER u 
A EN . 1404 
Pa At N, 
J 70, \ ) 7 
ho 130 0m 7m. 
W = Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. — J = Jura. — K = Kössener 


Schichten. — hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). — R = Rauchwacken der Reichen- 
haller Schichten. 


dieselbe unmittelbar an flach gefältelte, oberjurassische Schiefer und 
Kalke, am Grammaijoch an Kössener Schichten. Hier ist am Grat 
westlich von diesem Joche in die Rauchwackenmasse ein kleiner Keil 
von oberjurassischen Schiefern eingeklemmt. Weiter im Norden des 
Hochlegers der Grammaialpe schwingt sich die Rauchwackendecke 
auf den Kopf des Sonnenjochgewölbes hinauf und schneidet dabei 
die Einlage der Raibler Schichten ‘des Grammaigrabens schräg ab. 
Dem entsprechend zeigen sich auch auf dem Abhange gegen das Eng- 
29* 


N. 


212 ‚Dr. O0. Ampferer, t [44] 


thal die Verhältnisse an der Bärenwand. Das Wettersteingewölbe 
wird hier zunächst von Bänken dunkelgrauer Kalke, dann von Rauch- 
waecken überdeckt, wobei die Kalkbänke an zwei Stellen lebhafte 
Schubfaltungen und Zerrungen aufweisen und tiefe Sprünge die 
Wettersteinkalkmasse durchsetzen. 

Am Sonnenjoch selbst herrschen die Rauchwacken an seinem 
unteren Abhange gegen den Hochleger der Grammaialpe. An den 
westlichen und nördlichen Abstürzen streichen die Muschelkalkbänke 
darüber hin, welche auch seinen höchsten Gipfel einnehmen. So 
deutlich wie am Obertheil der östlichen Abbrüche des Sonnenjoches 


Fig. 26. 


Bettlerkar- Plumser- 
spitze 2262 m. joch. 


W = Wettersteinkalk. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten, — 
hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). 


zeigt sich die Ueberlagerung der Decke von unterem oder oberem 
Muschelkalk nur an wenigen Stellen des ganzen Kammes. In mächtiger 
Woge überschwillt sie hier die hohe Schwelle von Wettersteindolomit 
und senkt sich dann nördlich davon mit Jähem Rucke in die tiefe 
Furche der Bärenlahnerscharte hinunter. 


Fig. 27. 


Falzthurnerjoch 2109 m. 


S. 


W = Wettersteinkalk. — r = Raibler Schichten, — hd = Hauptdolomit (Plattenkalk). 


Wenn wir dieselbe vom Falzthurnthal ins Engthal überschreiten, 
so haben wir im Grunde meistens Rauchwacken, aus welchen auf der 
Ostseite der Scharte sogar mehrfach Salzthone mit den charakteristi- 
schen lichtgrünen Sandsteinbröckchen vortreten. Nördlich davon 
bricht die Schaufelspitze mit machtvoller, lothrechter Wettersteinkalk- 
wand in die Scharte herab und zeigt am Fusse derselben über den 
Rauchwacken die Bänke des oberen Muschelkalkes. 

Gefälle nach Norden oder Nordwesten beherrscht die ganze 
Decke des Sonnenjochkammes, und so bilden in der nördlichen Ab- 
theilung, im Gebiete der Schaufel- und Bettlerkarspitze, vor allem 


[45] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 213 


Wettersteinkalkmassen das Gebirge und nur an der Zone der Bären- 
lahnerscharte und am Westfusse der Schaufelspitze bis zum Bettler- 
karbach hinein treten unterer und oberer Muschelkalk, Rauchwacken, 
ja sogar Salzthone und Sandsteine der obersten Werfener Schichten 
hervor. 

Letztere sind sehr schön an der Strasse zum Plumserjoch im 
Bettlerkargraben erschlossen, wo sie in einem mehr als ein Kilometer 
langen, schmalen Streifen die Schlucht erfüllen. Salzthone, weiche, 
liehtgrüne und röthliche Sandsteinschiefer und Gypsreste bilden den 
Bestand, der zwischen die mächtigen Wettersteinkalkmassen der 
Schaufelspitze und die zerdrückten Hauptdolomitlager des Plumser- 
joches eingeklemmt liegt. Er findet an der ganzen Nordkante der 
Bettlerkarkette eine tektonische Fortsetzung, indem fast allenthalben 
zwischen dem tiefer liegenden Hauptdolomit und dem Wetterstein- 
kalke der Gipfel eine schmale Zone von Rauchwacken und östlich vom 
Plumserkar von Schiefern und Sandsteinen, welche wahrscheinlich von 
Raibler Alter sind, eingeschaltet ist. Im oberen Bettlerkargraben (Fig. 26) 


Fig. 28. 


Falzthurnerjoch. 


Gütenberg 1666 mı. 


NO. 


W = Wettersteinkalk. — r = Raibler Schichten. — Ad = Hauptdolomit (Plattenkalk). 
K — Kössener Schichten. — ! = Lias. — J = Jura. — n = Neocom. 


kann man deutlich gewahren, wie zwischen die flachgebogenen Wetter- 
steinkalkbänke des Nordgrates der Bettlerkarspitze und die steil süd- 
fallenden Hauptdolomitplatten des Plumserjoches steil aufgerichtete 
und geknickte Rauchwackenbretter eingesperrt sind. Oestlich vom 
Plumserkar fehlen die Rauchwacken und es tritt die schon erwähnte 
Schiefer- und Sandsteinzone ein (Fig. 27), welche als schmales Band 
fast eben durch die hohen Wände zum Gütenberg hinüberzieht und 
von einem schmalen Jagdsteige zum Durchpass benützt wird. 

Damit sind wir an die Zusammenstosstelle der älteren Trias- 
platte mit der überschobenen Kreidemulde des Gütenberges gekommen 
(Fig. 28). Dieselbe streicht quer zum Kamme der Bettlerkarspitze vom 
innersten Gernthal ins Falzthurnthal hinüber und besitzt einen verhältnis- 
mässig geordneten Südflügel, der gegen Norden zu überkippt ist. Am 
darunter liegenden Nordflügel fehlen vom oberen Jura an alle Schicht- 
glieder bis zum Hauptdolomit, so dass das eingeklemmte Neocom mit 
Zwischenlage von zerquetschten oberjurassischen Schiefern unmittelbar 
auf discordant stehenden Schichtköpfen von Hauptdolomit aufruht. In 


214 Dr. O. Ampferer. ” [46] 


dem wilden Graben, welcher von der Gütenbergalpe ins Falzthurn- 
thal hinabzieht, sieht man anfangs Kössener, ‘dann Juraschichten 
schräg an einer Störungslinie gegen völlig structurlos zerdrückten 


Hauptdolomit anstossen. Dieser Hauptdolomit schneidet seinerseits 


ebenso schroff am Wettersteinkalk des Falzthurnerjoches ab. und 
schiebt sich so als Keil zwischen Triasplatte und Gütenbergmulde. 
Ganz im Nordosten im.Abhange des Gütenberges gegen die Pletzach- 
alpe scheint die Kreidemulde durch ein Absinken des Hauptdolomits 
sestaffelt, doch sind die Aufschlüsse nicht recht ausreichend zur 
Beurtheilung. 

An Glacialresten enthält der Kamm des Sonnenjoches ausser den 
schon geschilderten noch in allen Karen seiner Nordseite Moränen- 
wälle, so im Grammai-, Bettler- und Piumskar. Der Abhang des 
Gütenberges und des Plumskars gegen das innere Gernthal ist eben- 
falls reichlich mit wahrscheinlich glacialen Schuttmassen übersät. 


Das Engthal. 
Fig. 29. 


Dieses Thal ist trotz der mächtigen, steil aus ihm aufstrebenden 
Felsbauten sowohl das flachste als auch das breitsohligste Karwendel- 
thal, in dem ebenso wie im Falzthurnthal nirgends sein Felsgrund 
eröffnet liegt. Mit weit ausgebreiteten Quellarmen umspannt es in 
seinem Hintergrunde einen grossen Bereich, vereinigt die verschiedenen 
Gräben und zieht dann in fast gerader Richtung gegen Norden mit 
einem beinahe unmerklichen Gefälle, so dass der meistens eingetrocknete 
Bach in zahlreichen Schlingen sich hin- und herwindet. 

Einerseits zum nördlichen Gamsjoch, anderseits zum Hohljoch 
heben sich seine ausgedehnten Furchen empor, in denen sich statt- 
liche Wassermengen sammeln, welche im Schutte des Hauptthales 
nach kurzem Laufe wieder verschwinden. 

In den oberen Theilen jener Thalung, welche vom nördlichen 
(Gamsjoch gegen die Binsalpen sich absenkt, finden wir schon im Kar 
unter den Nordwänden der Mitter- und Schafkarspitze grosse Moränen- 
wälle, denen ein weiterer von grosser Deutlichkeit tiefer unten sich 
anreiht. In dem Hinterbecken dieses letzteren grossblockigen Walles 


steht der Oberleger der Binsalpe, während der Unterleger ebenfalls 


auf einer Schuttstufe ruht. Von dem Unterleger abwärts wird das 


Thal schluchtförmig, trotzdem finden sich an geschützten Stellen 


schlecht geglättete und gekritzte Kalkgeschiebe, welche sehr den 
Bestandtheilen einer Grundmoräne ähneln. Der südlichere Graben, 
welcher sich zwischen die Felsstufe des Hochglückkars und den 
Kaiserkopfgrat einzwängt, weist nur an seinem unteren Ende Schutt- 
massen auf, die jedoch nicht allein von ihm angehäuft wurden. Der 
Abfluss der Eiskarln schwebt als Wasserschleier über die riesigen 
Wände ins Thal, wo auch er im Schutte sich verliert. 

Der grösste und am tiefsten eingegrabene Quellast ist jedoch 
jener, welcher in direeter Fortsetzung des Hauptthales bis in den 
sogenannten „Enger Grund“ am Fusse der Nordwand der Grubenkar- 
spitze sich einschneidet. In diesem Seitenthale begegnen wir reichlichem 


re 


[47] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 215 


. glaeialen Schutte sowohl im Grunde als auch besonders an. seiner 
nördlichen Flanke. Im Hintergrunde bedecken mächtige, sich rasch 
fortbildende Schutthalden ein weites Becken. Am nördlichen Abhange 
des Thales beginnen jedoch ‚bald Stufen von grundmoränenartiger 
Packung den Bach zu begleiten, wogegen am südlichen vor allem 
Hangschutt sich ausbreitet. 

Bevor der Bach aus diesem engen Thaltheile in den weiten 
Grund der Engeralpe austritt, durchschneidet er noch einen grossen 
querliegenden Schuttwall, welcher wohl eines der jüngsten Rückzugs- 
stadien begrenzte. 

In glacialer Beziehung ist der ganze Hang gegen das Hohljoch 
hinauf und hinüber zum Gumpenjöchl interessant durch weitverbreitete 
Gehängebreccien, von denen auch Stücke im Thale, in den Moränen- 
wällen sich finden. Sie bestehen hauptsächlich aus Trümmern von 
Wetterstein- und Muschelkalk und zeigen besonders im Graben vom 
Gumpenjöchl (Fig. 29) ins Engthal. durch ihre quer über diese tiefe 
Schlucht zum Gamsjoch hinaufzielende Schichtung ihr beträchtliches 
Alter an. Sie dürften jedenfalls älter als alle anderen Glacialreste 
dieser Gegend sich erweisen. 


Fig. 29. 


Gumpengraben. 


br — Conglomerat (Breceie).,. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. 


Das Hohljoch selbst ist ebenso wie das südliche Gamsjoch von 
Moränenwällen gekrönt, welche sich sowohl gegen das Lalider- und 
Engthal als auch gegen den nördlichen Vorkopf hinschieben. Ebenso 
liegt im Süden des Gumpenjöchls, in dem Kar des obersten Gumpen- 
grabens, ein deutlicher Moränenwall. Die Vereinigungsstelle dieser 
Seitenthäler bildet der weite Grund der Engeralpe. Ohne die 
geringste Schwankung im Gefälle zieht von da der Thalboden bis zur 
Mündung in den Rissbach hinaus, wo der tiefe Einschnitt des Baches 
bei der Blauwassersäge eine gewaltige Grundmoräne aufdeckt. Bei 
Punkt 1127 tritt nämlich reiche Wasserfülle aus dem breiten Thal- 
grunde und schneidet nun thalab allgemach eine tiefe Schlucht in den 
fast eben sich hinausziehenden Schuttboden ein. Dadurch wird sein 
Bau wenigstens theilweise klargelegt. Wir bemerken hier eine 30—40 m 
tief aufgeschlossene, ungeschichtete Masse von Grundmoränenpackung 
ohne jede geschichtete Einlage, reich an lehmigem Schlamm und 
gekritzten Geschieben. Muschel- und Wettersteinkalk liefern neben 
Hauptdolomit fast ausschliesslich die Bestandtheile. Centralalpine 
Geschiebe fehlen vollständig. Bei guter Beleuchtung kann man deutlich 
sehen, dass die Ablagerung aus zwei Arten besteht, welche durch 
eine flach thalabwärts ansteigende Zone mit Quellen geschieden 


216 Dr. O0. Ampferer. . [48] 


werden. Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch die Farbe, weil 
die obere mehr dunklere Gesteine als die untere beherbergt. Diese 
Grundmoränenzone ist am schönsten in dem Winkel zwischen Blau- 
wasser und Plumserbach angeschnitten. Darüber lagert im Laichwald 
sröberer Schutt in Form von flachen Kuppen, Gräben und Wällen, 
was wohl wiederum auf die Endzone eines Rückzugsstadiums zu 
schliessen gestattet. Die Grundmoränenterrasse findet jedoch im Riss- 
thal abwärts ihre entsprechende Fortsetzung. 


So zeigt sich auch dieses Thal als ein reines Durchbruchsthal, 
in welchem der Gegensatz zwischen riesigen, steilen Felsflanken und 
breitsohligem Boden, die Trogform, ganz ungewöhnlich scharf sich 
ausdrückt. 


Der Kamm des Gamsjoches. 
Fig. 30. 


Dieser Kamm ist der einzige Seitengrat, auf welchen sich die 
Platte des Hinterauthaler Kammes unmittelbar hinaus fortsetzt. 

Am Hohljoch fügt sich derselbe an den Nordpfeiler der Gruben- 
karspitze und zieht sich mit niedriger, aber felsiger Gipfelbildung 
etwa 21/; km zum Gumpenjöchl, an dem sich erst der Grat in hohem 
Schwung zum dreigipfligen Gamsjoch aufwirft. 


Dieses innerste Stück des Seitenkammes vom Hohl- zum Gumpen- 
joch zeigt nun in sehr klarer Weise die Ueberlagerung von jüngeren 
Schichten durch eine Zunge von Muschelkalkgesteinen. Es lässt 
sich nämlich hier der Bergkörper in eine obere und untere Abtheilung 
zerlegen, von denen die erstere durch wohlgeschichtete Kalke des 
unteren und oberen Muschelkalkes, die letztere durch eine regel- 
mässige Folge von Plattenkalk, Kössener, Lias-, und oberen Jura- 
schichten vertreten wird. Dieser untere Schichtverband ist sowohl 
auf der Ost- als besonders auf der Westseite gut erschlossen und 
befindet sich in einer flachen, gegen Norden zu ansteigenden Lage. 
Die obersten Lagen der jurassischen Schiefer und Kalke sind äusserst 
fein gefältelt und knapp unterhalb der auflagernden Muschelkalk- 
masse ganz verdrückt, was man auf der Westseite in den scharfen 
Runsen, welche vom Grat ins innerste Laliderthal abfallen, genauestens 
beobachten kann. Die den Kamm bildenden Muschelkalkschichten 
selbst lagern ziemlich flach, nur von eıner kleiner Flexur und senk- 
rechten Sprüngen betroffen. In der Gegend des Gumpenjöchls richten 
sich ihre Platten steiler auf und streben an dem Hange des Gams- 
joches empor. 


Das Gamsjoch selbst (Fig. 30) ist die directe Fortsetzung der 
Bärenwand, somit des Sonnen- und Stanserjoches. Doch tritt sein Ge- 
wölbeaufbau nicht mehr so deutlich hervor, wenn auch die ein- 
zelnen Elemente desselben noch gut zu erkennen sind. Auf diesen 
aus Wettersteinkalk und Dolomit errichteten Kern stemmt sich im 
Süden eine steile Folge von Kalkbänken des oberen und unteren 
Muschelkalkes sowie von Rauchwacken, welche vom Engthal über 
das Gamsjöchl quer ins Laliderthal hinüberstreicht. Dieser Zug ist 


[49] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges.. 217 


am schönsten in dem Graben an der Ostseite des Gumpenjöchls 
gegenüber der Enger Brennhütte aufgebrochen. 

Rauehwacken bilden den Grund und die beiderseitigen Ein- 
fassungen der Schlucht und zeigen dabei mannigfaltige Verbiegungen und 
Aufstellungen. In der Höhe der ersten Felsstufe sieht man deutlich die 
horizontalen Schichtmassen des unteren und oberen Muschelkalkes sich 
querüber legen und noch weit am Südosthange des Gamsjoches hin- 
streichen, bis sie mit scharfem Abbug oder Sprung in steil südfallende 
Lagen umkippen, welche bis an den Engerboden hinabschiessen. 
Diese Umbugstellen der flach geneigten Muschelkalkschichten in die 
steilen sind in der Höhe der Kare am Südost- und Osthang des 
Gamsjoches stark aufgeklappt. Es bilden dort die Knollen und Kiesel- 
knauerbänke des oberen Muschelkalkes mit kräftigen Schichtschwan- 
kungen die Schwellen und Seiten der kleinen, aber tiefen Kare, welche 
hier in Höhen von 2118 m und 2174 m als reine, wasserlose Fels- 


Fig. 30. 


Gamsjoch 2455 m. 


Laliderthal, 


Engthal. 


1300 m. 


W = Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. — R = Rauchwacken der Reichen- 
haller Schichten. 


wannen eingebohrt sind. Nur ganz spärliche Schuttmassen bedecken 
die Felsgruben und Buckel ihrer Oberfläche. 

Entsprechend der steilen Lage der anschliessenden Muschelkalk- 
schichten besteht auch der Gipfelblock des Gamsjoches aus dunkel- 
srauem unteren Wettersteinkalk, der an den wenigen Stellen, wo er 
überhaupt Structur besitzt, eine sehr steile verbogene Schichtung auf- 
weist. Am besten tritt dieselbe an jenem Vorkopfe zu Tage, welcher 
im Nordgrat des Gamsjoches zwischen Laliderthal und Möserkar sich 
aufbaut. Durch einen mächtigen Sprung, welcher vom Engthal durch 


das Tränkkar ins Möserkar hinüberschneidet, wird das Gamsjoch von 


dem nördlich anlagernden oberen Rosskopf (2241 m) abgespalten. Der 
Körper dieses Berges besteht aus einem Gewölbe, das im unteren 
Theile ziemlich flach, im oberen steil und umgebogen ist. Auf seiner 
Nordabdachung legen sich auf den Wettersteinkalk wirre, gegen Norden 
fällige dunkle Kalke und grosse Massen von Rauchwacken, welche die 
tiefe Scharte zwischen oberem und unterem Rosskopf (1757 m) und 
deren Gehänge anfüllen. Sie zeigen im untersten Gefälle nach 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1905, 53. Band, 2. Heft. (OÖ. Ampferer.) 30 


218 Dr. 0. Ampferer. & [50] 
Norden, im einzelnen jedoch oft ganz lothrecht aufstarrende Schicht- 
bretter. 

Der allseits schroffe Klotz des nördlichen oder unteren Ross- 
kopfes (2015 m) stellt sich als eine ziemlich flach gelagerte, riesige 
üinzelscholle von Wettersteinkalk dar, welche auf wild zerkneteten 
Rauchwacken ruht, die in eckigen Bögen in seine Masse -eingefaltet 
wurden. Er ähnelt in seiner Lage etwa dem Tristkogel und dem 
Bettlerkarkamm. 

Während er aber so auf seiner Ost- und Nordseite discordant 
auf Rauchwacken fusst, zeigt er an seiner Nordseite gegen das Rissthal 
eine wenigstens ungefähr regelmässige Lagerung, indem er hier mit 
Zwischenlagen von schlecht erkennbaren Raibler Schichten (Rauchwacken 
und Sandsteine) kräftig gegen Norden überkippten Hauptdolomit- 
schichten sich aufdrängt. 

An glacialen Schuttresten ist dieser Kamm ziemlich reich, doch 
sind die meisten schon gelegentlich der Beschreibung des Engthales 
erwähnt worden. 

Ausgezeichnete thalabgestreckte Wallformen weist das Kar im 
Südwesten des Gumpenjöchls auf. Hier liegen auch am Südhange des 
Gamsjoches, oberhalb des Hochlegers der Gumpenalpe, grosse Massen 
von jurassischen Schiefern auf dem Muschelkalke, die ihrerseits wieder 
von Moränenhaufen aus Muschel- und Wettersteinkalk bedeckt werden. 

Die kleinen Kare am Gamsjoch auf dessen Ostseite sind sehr 
schuttfrei, dagegen lagern im Tränkkar, Ruderkar und besonders im 
Möserkar beträchtliche Moränenwälle. Das letztgenannte grosse Kar 
im Norden des Gamsjochmassivs besitzt ebenso wie das Kar im Süd- 
osten des Gumpenjöchls mehrere mächtige, thalab ausgezogene Schutt- 
wälle, die sehr tief bis zu seiner Stufe hinabsteigen. Es verdankt 
jedenfalls seiner ausgesprochen schattigen Lage die ungewöhnlich 
reichen Schuttzüge. 


Das Laliderthal. 
Fig. 31 und 32. 


Dieses Querthal beginnt unter den riesigen, lothrechten Mauern 
der Lalider Wände, indem es sowohl nach dem Hohljoch wie nach 
dem Spielistjoch je einen Arm ausstreckt. Dadurch wird die Anlage 
seines Hintergrundes eine sehr symmetrische (Fig. 31). In der Mitte der 
breite, flache Schuttstrom der Lalider Wände, rechts der Graben zum 
Hohljoch, links der zum Spielistjoch, welche beide von je einem grossen 
Blockwall aus Wetterstein- und Muschelkalk bis nördlich von der 
Lalideralpe besäumt werden. Diese Wälle reichen fast ganz auf ihre 
zugehörigen Jöcher hinauf, wobei sie sich dann (besonders am West- 
hange des Hohljoches) in mehrere kleine Querwälle auflösen. Beide 
Jöcher sind so von Moränenwällen umgeben. Während der Längs- 
wall vom Spielistjoch unzertheilt bis über die Lalideralpe hinauszieht, 
wird der gegenüberliegende durch einen Murkegel entzwei geschnitten. 
Die nächste Strecke nördlich von der Lalideralpe engen von beiden 
Seiten mächtige Schuttkegel ein, welche überhaupt in diesem Thale 
die Westseite fast ausschliesslich beherrschen, 


j [51] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 219 


Bevor man zum Unterleger der Gumpenalpe hinabkommt, durch- 
quert man eine auflallende Anhäufung von Schuttwällen, in denen 
reichliche -Quellen zum Ausbruch gelangen. Diese Wälle haben auch 
ein flacheres Hinterland aufzustauen vermocht. Der Unterleger der 
Gumpenalpe selbst liegt am Fusse dieser Wälle in einem flachen 
Becken, das an der Westseite noch einige kleine Ansätze von Wall- 
formen aufweist. Während von den Moränenwällen ober der Gumpen- 
- alpe thalauswärts auf der Ostseite eine Terrasse von grundmoränen- 

artigem Schutt trotz zahlreicher Unterbrechungen sich verfolgen 


Fig. 31. 


Ladizkopf Hintergrund des Hohljochgrat 
1923 m. Laliderthales. 1800 m. 
n 
11,2 O. 
2 
K f 
di 1500 m. 
m —= Muschelkalk. — J = Jura. — ! = Lias. — K = Kössener Schichten. — 
hd = Hauptdolomit. — mo —= Moränen. 


. lässt, gehört die Westseite frischen Schuttkegeln und Bergstürzen. 
Beachtenswert ist auch in diesem Thale, dass im frischen Bachschutt 
ziemlich reichlich Stücke von jüngeren Schichten (Kössener, Lias) vor- 
kommen, welche im glacialen Schutt der Wälle und Terrassen nicht 
oder sehr selten zu finden sind. Am Ausgang des Thales heben sich 
die Terrassen auf beiden Seiten kräftig hervor und der Bach gräbt 
sich die letzten 700 m eine Klamm in die nordwärts überkippten 
Hauptdolomitbänke hinein. 


I; or 


1 = Grundmoränen. — 2 - Wallmoränen. — 3 — Bergsturzmassen. 
W = Wettersteinkalk. 


Auf der Höhe der östlichen Terrasse liegt über der Klamm die 
Aueralpe (Fig. 32). In ihrer Umgebung legen sich nun über die Grund- 
moränen mehrfache Züge von groben Schuttwällen, welche der ganzen 
Oberfläche dieser Alpe ein rauhwelliges Ansehen verleihen. Wetterstein- 
und Muschelkalk liefern die Trümmer zu dieser Schuttlandschaft, 
welche mit grosser Wahrscheinlichkeit das langandauernde Ende eines 
Rückzugsstadiums des Lalidergletschers verrathen. Die Höhe der 
Felsstufe der Mündung des Laliderthales ins Rissthal beträgt etwa 
36—40 m. 

30* 


D. 


290 Dr. O. Ampferer. [52] 


Der Kamm der Falken. 
Fig. 33 und 34. 


In diesem grossartigen, von Schluchten und kühnen Gipfeln bis 
ins Innerste eröffneten Quergrat tritt uns die gewaltsame, gegen Norden 
drängende Bauart besonders klar hervor (Fig. 33). 

Gleich dem Nachbarkamme des Gamsjoches besitzt auch dieser 
einen südlichen Theil, der einen Unterbau von flach lagernden Ober- 
jura-, Lias-, Kössener und Plattenkalkschichten aufweist, den hier 
zwar keine mit der Hinterauthaler-Platte zusammenhängende Brücke, 
sondern nur eine Kappe von Muschelkalk krönt. 

Dieser südliche Abschnitt des Kammes reicht vom Spielist- bis 
zum Ladizjoch und ist nur etwa halb so gross wie der entsprechende 
zwischen Hohl- und Gumpenjoch. 

An ihn stösst im Norden mit schroffer Verwerfungsgrenze der 
grosse Klotz des Mahnkopfes (2096 m), der seinerseits ebenfalls vom 
südlichen Falken mit mächtigen Sprüngen und Verschiebungen abge- 
spalten wird. 


Fig. 33. 


Mahnkopf Südl. Falk 
Ladizkoptf. 2096 m. 2348 m. 


J = Jura. — m = Muschelkalk. — R= Rauchwacken der Reichenhaller Sehichten. — 
b -— . Buntsandstein (Werfener Schichten). — K == Kössener Schichten. — 
W = Wettersteinkalk. 


In durchaus überkippter Lagerung bildet ein flaches, unvoll- 
ständiges Gewölbe von Wettersteinkalk den Unterstock, darüber 
schieben sich mit discordantem Streichen, Fallen und Stauchfalten 
zuerst oberer, dann unterer Muschelkalk, welcher den Rücken des 
Berges erbaut. 

Auf der gewölbten Oberfläche?dieses also zusammengesetzten 
Klotzes liegen nun mannigfaltige Fetzen von jüngeren und älteren 
Schichtgliedern. Am Gipfelgrat zwischen den Punkten 2090 und 2075 m 
beginnt eine schmale Decke von rothen und grünen Quarzsandsteinen, 
denen sich ausserdem Salzthone mit lichtgrünen Sandsteinschiefer- 
brocken, Rauchwacken, Breccien von dunklen Kalken und Dolomiten 
zugesellen. Unverkennbar ist der Charakter dieser wirren Sandstein- 
haufen der des obersten Buntsandsteines. Diese Sandsteine und Salz- 
thone steigen vom Nordgipfel sowohl nach Norden als nach Westen 
beträchtlich in die Tiefe. Im Norden stossen an sie, ebenfalls auf 
der Höhe des Grates, Haufen von grünen oder rothen Kalkschiefern 
von der Art der oberjurassischen, auf deren Ostseite Letten und 
schwarze Kalke mit Kössener Versteinerungen vorschauen. Tiefer im 
Westgehänge überdecken Haufen von Kössener Schichten sogar einen 


[53] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 221 


bedeutenden Theil des Bergkörpers. Zwei sich fast rechtwinklig am 
Kamme treffende tiefe Schluchten sondern den Leib des Mahnkopfes 
von dem des südlichen Falken. Besonders die westliche Schlucht der 
Erzklamm ist von grossartiger Wildheit und enthält am Scheitel gegen 
den östlichen Graben eine schmale, keilförmig eingeklemmte Scholle 
von grünen und rothen kalkigen Schiefern oberjurassischen Alters 
Am Kamme, der sich zum südlichen Falken (Steinspitze 2348 m) 
aufschwingt, sehen wir wildaufgebäumte Rauchwacken, dolomitische 
Breccien und dunkle Kalke der Reichenhaller Schichten in ver- 
schiedenem Streichen und Fallen aneinandergepresst, welche jedoch. 
wie die Aufschlüsse der Ostseite lehren, auf einer flacher gegen Norden 
ansteigenden Platte von Wetterstein- und Muschelkalk steil aufruhen. 
Der Gipfel des südlichen Falken selbst besteht aus oberem Muschel- 
kalk, der in nahezu saigerer Stellung quer über den Kamm streicht. 
Diese Keile von Reichenhaller Gesteinen und die Scholle des südlichen 
Falken setzen nur auf der Westseite in grössere Tiefe hinab, auf der 


Fig. 34; 
Südlicher Falk 2348 ın. 


W. En. 
S 
Erzklamm. © 
RUE; 
APET 
2. 
2a 
LAN 17300 m \ 
R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — m = Muschelkalk. — 


W = Wettersteinkalk. 


Ostseite schneiden sie scharf an einer mächtigen Platte ab, welche, 
schon am Ostfusse des Mahnkopfes beginnend, in einzelnen Rucken 
zur östlichen Schulter, Punkt 2174 m, des südlichen Falken ansteigt 
und von da ins Blausteigkar hineinstrebt. Hier an der Nordwand des 
südlichen Falken (Fig. 34) tritt die Auflagerung der oberen Muschelkalk- 
schichten auf die unten liegende Platte scharf und deutlich hervor. Eine 
flachgebogene Zone von Rutschflächen sondert den unteren Theil der 
Platte von dem Gipfelkörper, der in mächtigem, gegen Osten gebogenem, 
steil aufgerichtetem Schichtknäuel darüber liegt. Die Rutschflächen 
fallen kräftig gegen Westen, weshalb an der Westseite die Grund- 
platte erst ganz unten hervortritt. Am Ausgange der Erzklamm, welche 
vollständig in die wirr gefalteten Reichenhaller Schichten sich ein- 
tieft, beginnt auch hier eine Schwelle von Wettersteinkalk, welche 
gegen Norden aufgewölbt sich erhebt und erst an der tiefen Schlucht 
abgeschnitten wird, die knapp südlich des Risser Falken ins Johannes- 
thal hinabsinkt. Diese Schwelle im Westgehänge entspricht genau 
der schon beschriebenen im Östgehänge. 


222 Dr. O0. Ampferer. . [54] 


Nördlich vom südlichen Falken reisst eine neue, steil stehende 
Störungszone quer durch, indem viel flacher südfallende Lagen von 
oberem Muschelkalk an die steilen südlichen stossen. Diese Muschel- 
kalkplatten bekleiden nun den Verbindungsgrat des südlichen Falken, 
die Südhänge des Risser Falken (2415 m) und ziehen sich vom Blau- 
steigkar sogar auf den Grat und Gipfel des Lalider Falken (2411 m) 
empor. Die unter diesem hochgelegenen Lappen von Muschelkalk 
befindliche Wettersteinkalkmasse wird, wie schon erwähnt, einerseits 
im Westen längs der Schlucht im Süden des Risser Falken, anderseits 
im Osten durch einen mächtigen Sprung begrenzt, welcher vom Gipfel 
des Lalider Falken bis zurAusgangsschlucht des Blausteigkares hinabsetzt. 

Die mächtige, nördlich anlagernde Wettersteinkalkmasse der 
Falkengrate, welche auch schuppenartig überschoben ist, ruht über- 
kippt und discordant auf einer Zone zerpresster Raibler Schichten. 
Unter diesen stellt sich Hauptdolomit ein, der den Hang zum Rissthal 
hinab zusammensetzt. 

So sehen wir hier drei grosse, sich nordwärts überdeckende 
Schuppen von älterer Trias vor uns, die des Mahnkopfes, des Lalider 
Falken und der Falken Nordgrate. Die Scholle des südlichen Falken 
bildet zwischen zwei grossen Schuppen einen vorwärtsgetriebenen Keil. 
Ueberall treffen wir auf überkippte Lagerung, mit Ausnahme der im 
Süden lagernden jüngeren Schichten, welche ihre normale Schichtfolge 
bewahrt haben. 

Die Reste von alten und jungen Schichten auf dem Rücken des 
Mahnkopfes weisen deutlich darauf hin, dass hier wahrscheinlich einst 
grössere Massen dieser Gesteine lagerten. Schon am Gamsjochkamm 
tritt die Zone der jungen Schichten beim Hochleger der Gumpenalpe 
und beim Einsiedlkopf über unteren und oberen Muschelkalk vor, 
hier am Mahnkopf ist das den jungen Schichtresten nach in viel 
bedeutenderem Umfange geschehen. Der Kamm der Falken ist an 
Glacialresten ebenso arm wie an grösseren Karen. Das Blausteig- 
kar ist sehr arm an Schutt, nur das schattige Falkenkar im Norden 
des Risser und Lalider Falken birgt grössere Moränenwälle in seinem 
Innern. 


Das Johannesthal. 
Fig. 35—37. 


In den Hintergründen dieses Thales sind die gewaltigsten Schutt- 
massen des Karwendelgebirges aufgespeichert. Hier entsendet nämlich 
das sonst schmale, trogförmige Thal zwei mächtige Wurzeln einerseits 
zum Spielistjoch, anderseits zum Hochalpsattel, welche ein weites 
(rebiet umspannen. 

Von der Höhe des Spielistjoches ziehen bis in den Grund des 
Hauptthales Blockwälle aus Wetterstein- und Muschelkalk hinab, die 
ganz gewaltige Ausmasse in Länge und Mächtigkeit erreichen. Die- 
selben umsäumen den Fuss der hohen und breiten Schutthalden unter 
den Nordwänden der Sonnenspitze, schliessen dann eng an jenes Eck, 
welches in der gegend der Moserscharte aus dem Hinterauthalerkamm 
vorspringt und vereinigen sich jenseits desselben mit Schuttmassen, 


[55] Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges.. 293 


welche vom Fusse der Ladizer Flecken herausströmen. Der tiefe 
Graben des Johannesbaches schneidet sie dann von ganz ähnlich ge- 
bauten Schuttwällen ab, welche vom kleinen Ahornboden an seinem 
Westufer auswärts ziehen. Die Ausdehnung dieser Wälle gestattet die 
Entwicklung einer eigenartigen Landschaft von buckliger Oberfläche 
mit zahlreichen Gräben und Trichtern, welche die Strasse vom kleinen 
Ahornboden zur Alpe Ladiz in Schleifen quer durchschneidet. In tiefen 
Einschnitten kommt unter dem rauhen Blockwerke eine schlammige, 
kalkige Grundmoräne zu Tage. Zwischen diesem mächtigen Wallzuge 
(Fig. 35, 36) und dem Gelände des Ladiz- und Mahnkopfes befindet sich 
eine fast ebene Schuttstufe, welche vorzüglich aus Jura- und Kössener 
Gesteinen zusammengesetzt ist. Sie besitzt eine auffallende röthliche 


Fig. 35. 


Ladizerwald. Ladizkopf 1923_n. 


mo — Moränen. — J —= Jura. — ! —=Lias. — K = Kössener Schichten. — 
hd —= Hauptdolomit (Plattenkalk). — m = Muschelkalk. 


Färbung und unterscheidet sich sonach weithin von dem lichtgraulichen 
Kalkmaterial der Blockwälle oder dem weisslichen der Grundmoränen. 
Auf ihre Entstehung wirft eine Erscheinung Licht, der wir am Aufstiege 
von der Ladizalpe zum Spielistjoch begegnen. Hier sehen wir bei 
1670 m einen Ring von Wettersteinkalkblöcken ein kleines Becken 


Fig. 36. Mahnkopf, Südgrat. 


Ladizalpe 1574 m. 


W. 


mo — Moränen. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. 


umschliessen, das ebenso mit Schutt von jungen Schichten ausgeebnet 
ist wie das viel grössere, auf welchen die Ladizalpe selbst liegt. 
Folgen wir dem fast ebenen Boden der Ladizalpe gegen Norden, so 
sehen wir die Schuttstufe in grossartigen Runsen gegen das Johannes- 
thal niederbrechen. Wenn man an diesen fast 500 m hohen Schutt- 
massen steht, welche den flachen Boden der Ladizalpe begründen und 
sieht. wie sie von den riesenhaften Blockwällen eingedämmt werden, 
so ist der Gedanke an eine Aufstauung unter Mithilfe von Gletschern 
fast unabweisbar. Gegenwärtig gräbt der Bach, welcher oberhalb der 
Alpe entspringt, in diesen Schuttboden eine tiefe Schlucht hinein. 
In dem Thale, welches sich vom Hochalpsattel (1804 m) zum 
kleinen Ahornboden herabsenkt, liegen ebenfalls ungeheure, doch 


994 Dr. O0. Ampferer. . [56] 


anders gestaltete Schuttmengen (Fig. 37). Den Scheitel des Joches 
tragen Reichenhaller Schichten, doch stellen sich bald in Form von 
Wannen und Wällen eiszeitliche Spuren ein und wir begegnen 
Spuren von Grundmoränen und einer Breccie aus Wetterstein- und 
Muschelkalkstücken. Zahlreiche Stufen von Schutt füllen dann abwärts 
immer mehr den Thalgrund, welcher sich stark verbreitert. Durch 
die Anlage der Jochstrasse, welche in weitem Bogen zum kleinen 
Ahornboden hinabsteigt, sind an vielen Stellen weissliche, kalkige 
Grundmoränen angeschnitten, welche oft sehr schöne gekritzte Ge- 
schiebe aus Wettersteinkalk enthalten. Durch zwei Gräben wird die 
sanze Schuttflut in drei Rücken zerschnitten. Am Ausgang des nörd- 
lichen Grabens, am kleinen Ahornboden, wird wieder eine Scholle 
von einer Breccie angeschnitten, welche mit der vom Hochalpsattel 
viele Aehnlichkeit besitzt. Auch hier beherrscht das Thal eine Schutt- 
landschaft, jedoch von viel flacheren, ruhigeren Formen, da grössten- 
theils viel feinerer Schutt vorhanden ist, wenn auch Einlagen von 
sröberem nicht fehlen. 


Fig. 37. Lackenkarspitze 2414 m. 


Ostabhang 
des Hochalpsattels. 


no 7n0 R 
A 1400 m 


W = Wettersteinkalk.. — m = Muschelkalk. — mo —= Moränen. — R = Rauch- 
wacken der Reichenhaller Schichten. 


Zwischen diesen beiden grossen Schuttthalungen breitet sich der 
fast ebene Boden des kleinen Ahornbodens aus, welchen auf der einen 
Seite die meist trockenen Gräben des Johannesbaches zerreissen, 
während ihn im Süden die Schuttgänge übermuhren. Vom kleinen 
Ahornboden zieht, wie schon betont, ein mächtiger, mehrfacher 
Schuttwall am Westufer des Baches abwärts. In der Gegend der 
Mündung des Thalelekars verliert sich dieser Wall und unter seinem 
äussersten gröberen Schutt liegt eine 3—5 m mächtige Grundmoräne 
entblösst, welche ausgezeichnete gekritzte und polierte Geschiebe in 
Menge enthält. Die Grundmoräne stellt sich der Hauptsache nach als 
ein fester, feiner Lehm dar, weshalb über ihr an der Grenze des 
groben Schuttes starke Quellen hervorbrechen. Diese Stelle liegt 
knapp an der neuen Fahrstrasse zum kleinen Ahornboden, bevor sich 
dieselbe anschickt, in der ersten Schleife zu diesem emporzusteigen. 
Gegenüber beginnt der ungeheure Schuttkegel, welcher aus dem 
Rachen der Erzklamm stetig neue Zufuhren erhält. 

Von hier an zeigt sich nun das Johannesthal bis zu seiner 
Mündung als ein reiner, in Fels gegrabener Trog, dessen Grund von 
mächtigen Grundmoränen hin und hin erfüllt ist. In keinem Kar- 


[57] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 295 


wendelthal hat man Gelegenheit, so nahezu ununterbrochen an Grund- 
moränen entlang zu wandern, welche bei dem Niederleger der Johannes- 
alpe am Westhang des Thales eine erschlossene Mächtigkeit von 100 m 
erreichen. Die neue, am Ostufer angelegte Fahrstrasse schneidet fast 
allenthalben in diese hellen, schlammigen Schuttlagen voll gekritzter 
Geschiebe ein. Bei dem Niederleger der Johannesalpe tritt am Bache 
das Grundgebirge in Form von ganz zerdrücktem Hauptdolomit zu 
Tage, der weiter auswärts dann in steil südfallende (80—85°), festere 
Bänke sich gliedert. Die Höhe der Felsstufe über dem Rissbache 
beträgt etwa 40 m. Auf dieser Stufe lagern auch am Ausgange des 
Thales mächtige Grundmoränen, welche beidersenE vor der Klamm 
ganz ins Rissthal herabsteigen. 


Das Thorthal. 


Dieses kleine Querthal dringt nicht wie die früher geschilderten 
bis zur Hinterauthaler Kette, sondern nur zur Karwendelkette hinein 
und gabelt sich im Hintergrunde in zwei sehr ungleiche Aeste. Der 
eine kleine strebt zur Stuhlscharte empor, der andere grosse zur 
Thorscharte und den Karen in der Nordwand der Grabenkarspitze. 
Von der Stuhlscharte senkt sich ein schroffer, zerrissener Graben in 
den Thalgrund, während zur Thorscharte ein anfangs ziemlich breites 
Thal aufsteigt, das mächtige Schuttwälle enthält. Dieselben sind dem 
Thale entlang angeordnet und nehmen hauptsächlich ihren Ursprung 
in dem tiefen Kare, welches im Süden der Thorscharte in die Wand 
der Grabenkarthürme eingeengt ist. Auch in dem grösseren, südöstlich 
davon lagernden Kare finden sich Moränenwälle. 

Von der Vereinigung seiner Wurzelthäler an abwärts herrschen 
vor allem auf beiden Seiten Schuttkegel und Bergstürze, welche das 
Bachbett sehr beengen. Erst im nördlichen Drittel des Thallaufes 
setzen am Ostufer Schuttstufen ein, welche sich zu einer Art von 
Terrasse anordnen. An einzelnen Stellen zeigt dieser Schutt hier den 
Charakter einer schwach durchgearbeiteten Grundmoräne. Am West- 
ufer tritt eine entsprechende Terrasse noch weiter thalab zugleich 
mit dem Beginne der Hauptdolomitschlucht auf. Am Ostufer liegen 
am Ausgange des Thales Schutthaufen, welche in der Art ihrer Ver- 
theilung an Endmoränen eines Rückzugsstadiums erinnern. Auch hier 
steigen an beiden Thalseiten die Grundmoränen vor der Klamm bis 
ins Rissthal hinunter. Die Höhe der Felsstufe dürfte zwischen 30 und 
40 m schwanken. Bemerkenswert ist noch, dass in diesem Thalzuge 
die Grundmoränen an dunkleren Gesteinen aus dem Muschelkalke 
sehr reich sind. 


Das Ronthal. 


Während die bisher beschriebenen Querthäler sich durch einen 
ziemlich geradlinigen Verlauf auszeichneten, zeigt das obengenannte 
eine sehr kräftige Abbiegung. 

Es beginnt an dem Kar unter der Nordwand der östlichen 
Karwendelspitze, dessen Stufe gegen den flachen, auffallend ebenen 

Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (O0. Ampferer.) 5l 


296 Dr. O. Ampferer. . 158] 


Boden der Ronthalalpe zu mit mächtigen Schuttlagen bedeckt ist. 
Grobes Blockwerk aus Wettersteinkalk ist an der Zusammensetzung 
am meisten betheiligt. 

Im Westen steht dieses Kar mit dem Steinkar im Zusammen- 
hange, wird jedoch davon durch einen hohen und breiten Moränen- 
wall abgeschieden, welcher das letztere Kar vollständig absperrt. 

Der mehr als 1 km lange Boden, auf welchem die Ronalpe 
liegt, reicht gerade bis zur Umbiegung des anfangs nordwärts 
streichenden Thales in eine nordöstliche und endlich östliche Richtung. 
Dieser nach Osten strebende Thaltheil ist grösstentheils in Haupt- 
dolomit, an seinem Ausgange in noch jüngere Schichten eingesenkt, 
wird aber trotzdem bis zu seiner Mündung in einer Erstreckung von 
2 km mit ungeheuren Massen von riesigen Wetterstein- und Muschel- 
kalkblöcken vollständig erfüllt. Mühsam sucht sich der Bach durch 
diese Wirrnis von Blöcken seinen Weg, unter denen solche von 60 
bis 80 m? nicht selten sind. Am Ausgange des Thales, gegen die 
Risser Ache hinab, liegen Grundmoränen zu Tage, welche die Block- 
massen zu unterteufen scheinen. 

Es ist naheliegend, den flachen Boden der Ronthalalpe für die 
Ausfüllung eines Stausees zu erachten, der durch die ungeheuren 
Blockmassen abgedämmt wurde. Die Blockmassen selbst sind wohl 
durch einen Gletscher aus dem Hintergrunde des Thales herausge- 
schleppt und angehäuft worden, welcher sich lange Zeit hindurch in 
dem Thale zu erhalten wusste. In keinem Karwendelthale finden sich 
Blöcke von solcher Grösse und Anzahl zusammengetragen. 


Das Karwendelthal. 
Fig. 38, 39. 


Dieses Thal beginnt mit einem Quellast am Hochalpsattel, mit 
dem anderen im tiefen Schlauchkar. Mit Ausnahme seines äussersten 
Laufes bewegt es sich längs einer kräftig vorgezeichneten Fuge der 
Gebirgskämme zu seinen Seiten. 

Die Westseite des Hochalpsattels wird auch noch oberhalb der 
Quellen grösstentheils von hellweisslichen Grundmoränen überzogen, 
auf denen auch die Hütten der gleichnamigen Alpe erbaut sind. 
Am Sattel und an seinen nächsten Abhängen schauen die südfallenden 
Bänke der Reichenhaller Schichten vor; auch nordwärts gegen 
das typisch rechteckige Grabenkar treten die Felsen anfangs aus 
Muschelkalk, dann aus Wettersteinkalk ziemlich nackt hervor. Im 
Süden des Joches zieht jedoch ein stattlicher Längswall bis gegen den 
Westabfall des Alpbodens hinüber. 

Fast überall finden sich in den beinahe ausschliesslich aus dem 
Material des Wettersteinkalkes gebildeten Schuttmassen deutlich aus- 
gebildete gekritzte und geglättete Geschiebe, was so nahe am Scheitel 
des Joches sehr auffällig ist. 

Unterhalb der obersten Strassenschlinge tritt nun am Westhange 
auf dem Rücken im Süden des Baches eine mächtige, geschichtete und 
verkittete Schuttmasse hervor (Fig. 38), welche nach oben an Festig- 
keit verliert und mit den Grundmoränen verwachsen ist, Dieses Con- 


| 


. 


[59] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 297 


slomerat besteht meist aus angerundeten Stücken von Wetterstein- 
kalk, enthält viel feineres Material und seine Bänke neigen sich mit 
einem geringen Gefälle nach Norden, wo sie an die südfallenden 
Platten des Muschelkalkes anstossen. Ihrer Zusammensetzung und 
Ausbildung nach möchte ich diese Schuttmassen für glaciale, den 
Grundmoränen sehr ähnliche Ablagerungen ansehen. An einzelnen 
Geröllen liess sich übrigens undeutliche Glättung und Schrammung 
beobachten. Dieses Conglomerat, welches jetzt gegen Norden und 
Westen frei in die Luft endet, ist am Westabhang des Joches von 
etwa 1670—1540 m hinab erschlossen und dabei zum grossen Theil 
von den Grundmoränen bedeckt, welche sowohl erheblich höher als 
auch tiefer reichen. 

Der andere Quellast entspringt an dem untersten Absatze des 
dreistufigen Schlauchkares, welches reichliche Wälle, wenn auch in 
ziemlich überschüttetem Zustande, enthält. In seinen Kesseln bleibt 
der Schnee fast alle Jahre in grossen Mengen bis zum Herbst hinein 
aufbewahrt. Eine schmale Felsnase von Reichenhaller Schichten 
trennt eine lange Strecke die beiden Quellen, welche bei ihrer Ver- 
einigung gleich von Süden her aus den Reichenhaller Schichten neue 


Fig. 38. 


Hochalpe. N. 


W = Wettersteinkalk. — J = Jura. — mo — Moränen. — m = Muschelkalk. — 
br — Conglomerat (Breccie). — R — Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. 


und sehr starke Quellflüsse bekommen. Damit betritt der starke Bach 
den flachen Grund der Angeralpe, die selbst jedoch auf einem 
grossen Schuttkegel liegt, welcher der Schlucht des Bärenalpsattels 
entquillt. Am Hange von der Hochalpe zu diesem eigenartigen Sattel 
mitten im Karwendelkamme liegen stellenweise wahrscheinlich glaciale 
Schuttanhäufungen. 

Der breite Sattel selbst zeigt zwei Felsschwellen, eine südliche 
aus Rauchwacken der Reichenhaller Schichten und eine nördliche, 
tiefere aus Wettersteinkalk, welche mit hoher Wand zur Bärenfall 
abstürzt. Diese südliche Schwelle zeigt nun an ihrem Ostende einen 
nach Norden abfallenden Gletscherschliff, der durch Entfernung einer 
Rasendecke sichtbar wurde. In dem weiten Becken zwischen den 
beiden Schwellen aber liegen mehrfache Moränenwälle und viele 
Rundhöcker. Die Wälle bestehen aus Stücken von Wettersteinkalk; 
von Grundmoränen finden sich nur sehr undeutliche Reste. 

Ausserhalb des grossen Schuttkegels der Bärenalpschlucht finden 
wir unterhalb der Oeffnung des Hochkares an der Nordseite des 
Karwendelthales eine mächtige Anhäufung von gröberem und feinerem 

31* 


298 Dr. 0. Ampferer. € [60] 


Schutt, während an der Südseite der Wettersteinkalk in nackter Wand 
unmittelbar an den Bach herandrängt. Den Gesteinen nach besteht 
diese Schuttanschwellung vorzüglich aus dunklen Kalken des unteren 
und oberen Muschelkalkes und aus Rauchwacken, während der Wetter- 
steinkalk ganz zurücktritt. Es ist deshalb nicht unwahrscheinlich, 
dass wir es nicht mit den Endwällen eines glacialen Rückzugsstadiums, 
sondern einfach mit einem oder mehreren Bergstürzen zu thun haben, 
da die Berge im Norden darüber genau aus diesen Gesteinsarten 
bestehen und die Grundmoränen wenigstens im Gegensatze fast nur 
aus Wettersteinkalk sich zusammenstellen. Dieser grosse Schuttpfropfen 
hat nun hinter sich eine bis 20 m mächtige Folge von kalkigen, dünn- 
blättrigen Bänderthonen, welche am Bachufer zurück bis unter den 
Schuttkegel der Bärenalpschlucht reichen. Es ist ganz deutlich die 
Verbindung eines Stausees mit seinem Schlamm, was wieder sehr 
für eine eiszeitliche Entstehung spricht, da die Karwendelbäche ohne 
Mithilfe von Gletschern bei so kurzem Laufe einen See sicher nur 
mit Kies und Schotter zufüllen würden. 


Fig. 39. 


Schuttkegel des Kirchlebaches. 


2. 


W = Wettersteinkalk. 


Innerhalb der Larchetalpe liegt wieder eine wallförmige An- 
häufung von Blöcken, welche auch durch Bergstürze erklärbar wäre, 
da sie auch viel Muschelkalkmaterial enthält und die Berge der 
Karwendelkette schon wegen ihres Aufbaues zum Abbruch neigen. 
Der Boden der Larchetalpe selbst erinnert in seiner Glätte und Weite 
wieder an einen verlandeten See, umsomehr, als vor demselben 
Schuttmassen den Bach umdrängen. 

Eine interessante glaciale Ablagerung findet sich vor der Oeff- 
nung der Klamm des Kirchlebaches (Fig. 39) an der Nordseite des Thales. 

Hier liegt unter dem mächtigen Schuttkegel (1) des genannten Baches 
eine scharf begrenzte, weisse, kalkige, ungeschichtete Schlammasse (2), 
welche häufig eckige Wettersteinkalkstücke umschliesst. Eine gebogene, 
scharfe Rutschfläche trennt diese weisse Masse von einer ähnlichen (3), 
welche jedoch reichlich feinpolierte und abgerundete Gerölle aller 
Gesteine des Thales enthält. Neuerdings durch eine schnittscharfe 
Trennungsfläche abgesondert, liegt als Tiefstes darunter am Grund- 
gebirge wieder der weisse, feste Kalkschlamm (2) mit den Wetterstein- 
kalkstücken. Sämmtliche Glieder dieses Aufschlusses stossen im Norden 
unmittelbar an die Felsen der Klamm. 


[61] Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 229 


Von der Mündung des Kirchlebaches wendet sich das Thal 
stärker nach Süden und wird so, indem es den Hinterauthalkamm 
entzweisägt, zu einem Durchbruchsthale.e Am Beginn dieser Thal- 
entwicklung wurde durch Verlegung der Strasse ein neuer Glacial- 
aufschluss sichtbar gemacht. Gegenüber der riesigen frischen Schutt- 
abrutschung vom hohen Pleissen, etwas ausserhalb der Mündung des 
Kirchlebaches, steht an der Strasse ein Eck aus Wettersteinkalk an, 
das schöne, geschliffene Buckelflächen mit Schrammen und deutlicher 
Grundmoräne darüber aufweist. Die Schrammen verlaufen in der 
Richtung des Thales. 

Am Fusse des Stachelkopfes beginnt der Bach in das Grund- 
gebirge zu nagen, vorerst in den Wettersteinkalk, endlich in die 
Raibler Schichten und den Hauptdolomit. Vom Beginne der Klamm- 
bildung an geleiten den Bach in der Höhe der alten, breiten Thal- 
sohle Fels- und Schuttmassen, welche besonders an der Nordwest- 
seite schön entwickelt zum Plateau des Birzel hinausziehen. Seine 
Zusammensetzung ist schon bei Beschreibung des Hinterauthales ge- 
schildert worden. Wir haben in ihm den Rest eines alten, jetzt ver- 
lassenen Thalbodens vor uns. Mit tiefer Schlucht mündet der Kar- 
wendelbach innerhalb des Birzels in den Hinterauthaler Bach. Im 
Karwendelthale selbst konnte ich nirgends centralalpine Geschiebe 
entdecken; sie reichen nur auf die Höhe des Birzels empor, wo sie 
auch schon selten werden. 


Der östliche Karwendelkamm. 
Fig. 40—45. 


Die tiefe Einsenkung des Bärenalpsattels zerlegt den Karwendel- 
kamm in zwei nahezu gleichlange Theile, von denen nur der östliche 
drei grössere nördliche Seitenkämme entsendet, welche noch in 
gleicher Weise von älterer Trias gebildet werden. Die Scheidung 
des Hauptkammes am Bärenalpsattel ist indessen nicht blos eine 
geographische, sondern noch mehr eine geologische, da hier der öst- 
liche, durchaus überkippte Theil mit dem westlichen zusammenstösst, 
der über den überkippten Schichtgliedern eine normal gelagerte Decke 
von älterer Trias aufweist. 

Der östliche Kamm beginnt nun vom Johannesthal an sich als 
eine lange, geschlossene Mauer aufzubauen, welche durchaus den- 
selben tektonischen Charakter bewahrt. Den Kamm bilden mit Aus- 
nahme des östlichsten Zipfels und der Grabenkarthürme allenthalben 
meist ungeschichtete Massen von Wettersteinkalk, welche ungefähr 
in Gehängeneigung von 350—40° nach Süden fallen. Darauf legen sich 
die Bänke des oberen und unteren Muschelkalkes, welche jedoch 
von der Erosion schon sehr stark angegriffen wurden, so dass sie 
nunmehr in ausgezackten Zungen am Gehänge emporstreben. Der 
obere Muschelkalk ist natürlich als der tiefere Theil noch weit mehr 
verbreitet und begleitet den Wettersteinkalkzug vom Johannesthal 
über den Hochalpsattel bis in die Nähe der Angeralpe im inneren 
Karwendelthal. Dabei nimmt er am östlichen Abfall der Kette den 
ganzen Hang sowie den Kamm selbst ein und steigt erst bei der 


230 Dr. 0. Ampferer. srige! [62] 


Thorwand (2402 m) ins tiefere Gehänge hinunter. An den Seiten 
der im Südhang der Lackenkarspitze eingetieften Kare (ÖOchsen-, 
Küh- und Lackenkar) strebt er mit kräftig verbogenen Platten noch 
hoch hinan,. um dann, allgemach an Höhe verlierend, über den Hoch- 
alpsattel hinauszuziehen, wo er dann plötzlich von einer Höhe von 
1800 m jäh ins Thal hinabschneidet. Die Reichenhaller Schichten 
nehmen einen weit beschränkteren Raum ein, indem sie nur an der 
Öst- und Westseite des Hochalpsattels gut erschlossen sind und auch 


Fig. 40. 
Filzwand. Thaleleberg 2038 m. Stuhlkopf 2051 m. 


m — Muschelkalk. — W — Wettersteinkalk. — r — Raibler Schichten. — 
had —= Hauptdolomit (Plattenkalk). — P = Partnachschichten. 


die charakteristischen Versteinerungen mit sich führen. Wo sie 
zu Tage treten, gehorchen sie im Streichen und Fallen auffallend 
dem Karwendelkamm, wenn sie auch etwas steilere Neigung gegen 
Süden zeigen. In dieses südfallende Schichtensystem ist nun eine 


Fig. 41. 
Nordansicht der Thorwand 2402 m. 


W = Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. 


Anzahl von typischen, vollständig wasserlosen Karwannen eingesenkt, 
die alle sehr wenig Schuttreste enthalten. Das grösste und schönste 
von ihnen ist das Grabenkar, welches sich gerade nördlich der Hoch- 
alpe eröffnet und im Hintergrunde von den kühnen Grabenkarthürmen 
umzäunt wird. Dieses Kar besitzt eine breite, bucklige Felsschwelle, 
einen flachwelligen Grund, gegen den sich die hohen, glatten Seiten- 
wände fast rechtwinklig abheben. Nur im Hintergrunde lagern grössere 
frische Schuttmassen, während ältere Schuttwälle fehlen. 


[63] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 231 


An solchen ist überhaupt die ganze Südseite des Karwendel- 
kammes mit Ausnahme der Bärenalpscharte äusserst arm, in grellem 
Gegensatze zur Nordseite, die davon geradezu Ueberfluss aufweist. 
An der Bärenalpscharte dürften die gegen Nordwesten ausgezogenen 
und abfallenden Wälle wohl ein Ueberströmen des Eises nach Norden 
beweisen, wie das schon von Prof. Rothpletz angenommen wurde. 

Die Nordseite dieses Kammes zeigt nun viel verwickeltere 
Formen der Architektur, jedoch mit einer Deutlichkeit, welche so- 
gar das Verständnis der früher beschriebenen Kämme wesentlich er- 
leichtert. | 
Im Norden des Östgrates der Thorwand öffnet sich gegen das 
Johannesthal ein langes, schlauchartiges Kar, das in vorzüglicher 
Weise die Zusammensetzung. des Bergkörpers aufhellt. Wir sehen 
im Süden und Norden desselben je eine Platte von Wettersteinkalk 
mit einer Decke von Muschelkalk in südfälliger Neigung von ganz 
gleichartiger Bildung aufragen, und die Hinterwand des Kares ent- 
hüllt die schuppenförmige Ueberlagerung des nördlichen Schichtziegels 


Fig. 12. 
Grabenkarspitze 2483 m. 


u 


Graben der Thorscharte. 


W = Wettersteinkalk. — m = Muschelkalk. 


durch den südlichen. Noch deutlicher tritt im Norden das Verhältnis 
der dritten Schuppe hervor, welche durch den Seitengrat des Stuhl- 
kopfes (2051 m) vertreten wird (Fig. 40). Die nördliche der beiden eben 
erwähnten Schuppen, welche im Thaleleberg (2038 m) gipfelt, bricht in 
schroffen Wänden zur Stuhlscharte hinab, in deren Tiefe eine Zone 
von Partnachschiefern mit Kalkscheidewänden in überkippter Lage 
auf den Wettersteinkalkplatten des Stuhlkopfes kauert. Diese Wetter- 
steinkalkplatten liegen wieder im Norden auf stark überkippten 
Raibler und Hauptdolomitschichten. In voller Klarheit sieht man 
hier also die drei Schuppen sich nordwärts überdecken, welche wir 
schon im Falkenkamm in ähnlicher Stellung gewahrten. Weiter gegen 
Westen vergrössert sieh immer mehr die südlichste dieser Schuppen, 
so dass allmählig die beiden anderen unter ihr verschwinden. 

Schon in der grossen Nordwand der Thorwand (2402 m) (Fig. #1) 
und Lackenkarspitze (2414 m) lagern die beiden südlicheren Schuppen 
fast parallel übereinander. Wenn man durchs Thorthal bei günstiger 
Beleuchtung gegen diese Mauern heranwandert, so sieht man den 
unteren aus Muschelkalk bestehenden Theil der Wand vom oberen 


939 Dr. O. Ampferer. ei [64] 


aus Wettersteinkalk gebildeten überlagert. Ohne Kenntnis ihrer Be- 
ziehungen möchte man das für eine ganz normale Schichtfolge halten, 
wenn nicht die Grenze eine Zone von Schiehtstauchungen und schrägen 
Schichtabschneidungen begleitete. Verfolgt man diese Schichtzüge 
einige hundert Meter nach Osten, so tritt als Unterlage des 
einen Wettersteinkalk, als Decke des anderen Muschelkalk hervor, 
und das Bild der Ueberkippung und Ueberlagerung ist wieder voll- 
ständig. Gegen Westen an der Karstufe in der Nordwand der Graben- 
karspitze (Fig. 42) tritt die discordante Ueberlagerung der nördlichen 
Schuppe durch die südliche ebenfalls klar hervor; ausserdem zeigt 
sich schon eine Zerlegung der südlichen Platte an, welche im Nordgrate 
der Grabenkarthürme (Fig. 43) ihren grossartigsten Ausdruck findet. 

Hier sehen wir die südliche Platte selbst zerschlitzt und 
zwischen ihren Theilen und der unterliegenden Schuppe zwei eng- 
sefaltete Keile von steil aufgerichteten Rauchwacken und dunklen 
Kalken der Reichenhaller Schichten eingefügt. Diese eingeschobenen 
Keile treten in der Landschaft durch ihre verzerrten Faltbilder und 


Fig. 4. 
Grabenkarthürme. 
A 
ı\ Thorscharte. en 
WON A 
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Yin WW N 
Ya SH > en W 
FF) GI 3 pP Y 
x z x ER, 2 N Ad 
je ; R I WII "a ge 
ed 700m u EN e 


m — Muschelkalk. — W == Wettersteinkalk. — R = Rauchwacken der Reichen- 
haller Schichten. — » — Raibler Schichten. — hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). 
P = Partnachschichten. 


die kühnen Thürme lebhaft hervor, welche sie von der Hinter- 
wand lostrennen. Besonders die schräge Auflagerung des unteren 
Keiles ist genau zu beobachten, der mit mehreren kleinen, einge- 
falteten Zipfeln mit der südlichen Platte verzahnt ist. 

Die flach südfallenden Muschelkalkplatten der mittleren Schuppe 
stossen am Fusse der Grabenkarthürme an der Thorscharte discordant 
auf die viel steiler in gleicher Richtung geneigten Partnachschichten. 
Diese legen sich genau so wie am Stuhlkopf auf überkippten Wetter- 
steinkalk und dieser wieder ebenso auf Raibler Schichten und Haupt- 
dolomit. 

Gegen Westen verschwindet nun mit dem gerade geschilderten 
Nordgrate der Grabenkarthürme die mittlere Schuppe vollständig und 
am nächsten Seitengrate, dem der Steinkarspitze, tritt bereits die 
nördlichste Schuppe direct an die grosse südliche. Am Fusse der- 
selben treffen wir noch einen kleinen Keil von eingeklemmten Rauch- 
wacken, dann schliesst sich mit einer Zone von ungeschichtetem gleich 
der steil südfallende und gutgeschichtete Wettersteinkalk der Stein- 


[165] Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 933 


karlspitze daran. Auch diese Wettersteinkalkbänke lagern nordwärts 
überkippt auf Raibler Schichten und Hauptdolomit. An allen diesen 
Seitengraten merkt man bei genauerem Zusehen, dass allenthalben 
die Grenze zwischen Raibler Schichten und Wettersteinkalk nicht 
die ursprüngliche, sondern eine tektonisch veränderte ist. 

Der schroffe Felskopf der Steinkarlspitze (2009 m) (Fig. 44) ist der 
letzte selbständige Vertreter der nördlichen Schuppe, da bereits am 
Fusse der Nordwand zwischen Schlichtenspitze und Bärenalpkopf 
(Fig. 45) saigerer Wettersteinkalk und Raibler Schichten nur mehr den 
unteren Theil der grossen Wand ausmachen. 

Die südliche Platte, welche den Kamm bildet, ist immer die- 
selbe. Unter ihr tritt noch bis über die Bärenalpscharte hinaus 
eine schmale Zone von Rauchwacken aus, während nun der untere 
Theil der Wand aus saigerem Wettersteinkalk besteht, an dessen 
Fusse die zugehörigen Raibler Schichten ausstreichen. Weiter gegen 
Westen überkippt der untere Wettersteinkalk und die Raibler 
Schichten, so dass im Norden der Hochkarspitze endlich auch diese 
Schuppe verschwindet. 


Fig. 4. 


Vogelkarspitze 2524 m. 


S N. 
Steinkarlspitze 
w a 2009 m. 
9 x 
ar x ES 
1700 m | w ? 
m = Muschelkalk. — W == Wettersteinkalk. — R = Rauchwacken der Reichen- 


haller Schichten. — x — Raibler Schichten. — hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). 


So sehen wir im Norden des östlichen Karwendelkammes 
anfangs drei wohlgeschiedene, grosse, überkippte Schichtschuppen, 
von denen die zwei nördlichen allmählig von der südlichen überdeckt 
werden. 

Die Glacialreste der Süd- und Nordseite sind grösstentheils 
schon mit den entsprechenden Thalzügen behandelt worden. Hier 
sollen nur noch einige bedeutende Schuttansammlungen im Norden 
der Kette erwähnt werden, welche, obwohl schon auf bayrischem 
Boden gelegen, dennoch hier kurz besprochen werden sollen. 

Am Fusse der Nordwände der Vogelkar- und Schlichtenspitze 
lagern sehr mächtige Blockmoränen aus Wettersteinkalk auf der 
Grundlage von Hauptdolomit. Diese Wälle umspannen beträchtlich 
tiefere Hinterbecken und ziehen sich von der Steinkarlspitze bis in 
die Gegend der Bärenalpscharte. 

In der Thalung, welche von der Bärenalpscharte zum Fermanns- 
bach sich absenkt, ist der ganze breite und lange Thalgrund von 
riesenhaften Massen von Wettersteinkalkblöcken erfüllt. Die grossen, 
sroben Blöcke bleiben dabei mehr im Süden, indem sich der Schutt 

Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (0. Ampferer.) 393 


234 Dr. O. Ampferer. ” . [66] 


nach Norden verfeinert und am Fermannsbach allenthalben den 
Charakter von Grundmoränen annimmt. 

Auch unter den Nordwänden der Raffel-, Hochkar- und Wörner- 
spitze liegen mächtige Ringwälle des letzten Rückzugsstadiums, welche 
vorzüglich aus Wettersteinkalk gebildet sind. 

Die glacialen Schuttmassen im Norden der Bärenalpscharte 
sind jedoch im Verhältnisse zu den anderen Schuttwällen unter den 
benachbarten Wänden so bedeutend gesteigert und so weit nach 
Norden hinausgestreut, dass man hierin wieder einen Beweis für. das 
Ueberfliessen von Eis aus dem Karwendelthal erblicken kann. Das ganze, 
meist in Hauptdolomit oder jüngere Schichten geschnittene Thal des 
Fermannsbaches ist mit Wettersteinkalkschutt überschwemmt. Auf 
den Hängen über der Klamm, bei der Brandel-, der Peindelalpe 
und an vielen anderen Stellen finden sich Reste von Grundmoränen 
mit gekritzten Geschieben, ja bei der Oswaldhütte an der Mündung 
des Thales häufte sich der glaciale Schutt zu einer Terrasse. Hier 


. Grat zwischen Schlichtevkar- 


Fig. 45. spitze und Bärnalpkopf. 
R 
7a 1r IV. 
W Karwendelthal. LE W w ARFIR, 
Bd t id 
> RE 
GIS AT SEE m 
R OF 1200 m 
W = Wettersteinkalk. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — 


m — Muschelkalk. — r — Raibler Schichten. — hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). 


sehen wir auch im Rissthale nördlich der Mündung des Fermanns- 
baches mächtige glaciale Schuttmassen mit Grundmoränen verbunden 
und entblösst. 

Eine ebenfalls sehr mächtige Bedeckung von glacialen Schottern 
zeigt der Sattel der Vereinsalpe und der Moosgraben, welcher zum 
Fermannsbach hinabführt. In letzterem sind mächtige Lagen von 
wenig bearbeiteter Grundmoräne erschlossen; auf der Höhe des 
ersteren liegen prächtige Moränenwälle, welche das ganze Joch be- 
herrschen und einen kleinen See abstauen. Auch aus dem Thale 
vom Wörnerkar heraus schieben sich umfangreiche, wohl ebenfalls 
glaciale Schuttmassen. 


Der westliche Karwendelkamm. 
Fig. 46-49. 
Dieser Theil der Kette streicht vom Bärenalpsattel bis zum Eng- 
pass von Scharnitz, wo er in voller Breite durchschnitten wird. Seine 
westliche Fortsetzung stellt der Kamm der Arnspitzen dar, welcher 


| 


[167] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 235 


sich wieder im Südabfall des Wettersteingebirges noch weit gegen 
‚Westen mit gleichartigen Berggliedern verbindet. 

Im grossen erscheint hier der Aufbau als ziemlich einfach, da 
der weitaus grösste Theil dieses Kammes aus einer nach Süden 
stark abgebogenen Platte von unterem und oberem Muschelkalk be- 
steht, der ganz regelrecht von Wettersteinkalk überlagert wird, aus 
dem die Gipfel der Kette sich formen. 

Am östlichen, nördlichen und westlichen Abfall dieses Gebirges 
treten jedoch unter dieser Decke steilstehende Schichtzüge hervor, 
in denen wir unschwer jene Schuppen erkennen, welche im östlichen 
Kamme allmählig im Norden verschwunden sind. 

Die Bärenalpscharte (Fig. 46) selbst gehört dem Bau nach noch 
grösstentheils zum östlichen Karwendelkamm, indem wir, wenn auch etwas 
discordant, über dem Wettersteinkalk des Bärenalpkopfes Muschel- 
kalk antreffen, welcher in der Bärenalpschlucht gegen das Karwendel- 
thal hinabstrebt. Der ganze übrige Südabfall der Bärenalpscharte wird 
von Rauchwacken, eigentlich Druckbreccien gebildet, welche von wilden 
Schluchten zu Graten, Wänden und Thürmen zerrissen werden. Verschie- 


Fig. 46. 


Bärenalpscharte 1838 m. 
mo 


N. 


Karwendelthal. 


R — Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — m = Muschelkalk. — 
mo — Moränen. — W = Wettersteinkalk. 


denfarbige helle und dunkle Kalke, Dolomite, lichtgrüne Sandsteinschiefer, 
alle in eckigen Brocken oder seltener in grösseren Schollen, sind in 
einem gelblichgrauen, kalkigen Zerreibsel verkittet. Es ist der Aus- 
druck von umfangreichen, gewaltsamen Gesteinsveränderungen, der 
uns hier in diesen riesigen Massen von zertrümmerten und wieder ver- 
heilten Gesteinen entgegentritt. 

Im schroffen Gegensatze zu dieser zerschluchteten Wildnis ist 
die Nordwand der Bärenalpscharte eine glatte, abgerundete Wand von 
Wettersteinkalk, welche von einzelnen tiefen Sprüngen zerschnitten 
wird. Betrachtet man die Seitenwände der Scharte, so tritt sowohl 
am Bärenalpkopfe wie an der Raffelspitze etwas über der Nord- 
schwelle ein schmaler Keil von Rauchwacken entgegen, welche jenem 
Zuge angehören, den wir schon von Osten bis hierher verfolgt haben. 
Er setzt sich etwas in die Nordwand der Raffelspitze fort und ver- 
schwindet dann an einer Bruchlinie, welche diesen Berg durchtheilt. 

Die Raffelspitze (Fig. 47) selbst zeigt über diesem Rauchwacken- 
streifen noch einen Klotz von südfallendem Wettersteinkalk, wohl die 
Fortsetzung der Platte des östlichen Kammes. Darüber schieben sich 
dann von Süden Rauchwacken, Plattenlagen des Muschelkalkes sowie 


Wettersteinkalk hinauf, welch letzterer den Gipfel besetzt. Der 
32* 


936 Dr. O0. Ampferer. . [168] 


nächste im Westen anschliessende Theil der Karwendelkette bis zu 
den Wörnerspitzen offenbart sich als eine mächtige Schichtenplatte, 
welche im Norden, alles überdeckend, endlich unmittelbar auf Haupt- 
dolomit aufruht und in leichter Wölbung nach Süden ins Karwendel- 
thal sich niederbiegt. Dabei liegt der den Kamm bildende Theil 
sehr flach, fast horizontal, die Platten zeigen leichte Verbiegungs- 
wellen und erst der letzte Abfall gegen Süden bewerkstelligt sich 
mit einem scharfen Abbug der Schichten. 

Bis zu dem mächtigen Eckbau der Wörnerspitzen hat sich der 
Hauptkamm der Karwendelkette bisher immer langsam gegen Norden 
vorgeschoben. Von dieser Ecke an beginnt er ziemlich rasch nach 
Süden zurückzuweichen, so dass unter seiner Decke die früher be- 
grabenen Schichtzüge der Reihe nach wieder auftauchen. 

Bereits am Nordwestfusse der Grosskarspitze erscheint, allerdings 
noch schmal und verdrückt, unter dem Muschelkalksockel der Decke 
wieder Wettersteinkalk mit Resten von Raibler Schichten in etwas 


Fig. 47. 


Raffelspitze 2327 m. 


N. 


Karwendelthal. 


R Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — m — Muschelkalk. — 
W — Wettersteinkalk. — r — Raibler Schichten. — Ad — Hauptdolomit 
(Plattenkalk). 


gegen Norden überkippter Stellung. Es ist die nördlichste Schuppe, 
welche hier wieder hervortritt und nun gegen Westen rasch an 
Umfang gewinnt. Im Norden der Tiefkarspitze bildet dieser Zug 
schon einen selbständigen Vorkopf, den Predigtstuhl (Fig. 48), der aus 
überkippten Wettersteinkalkschichten besteht, unter denen die Raibler 
Schichten in ziemlich geordneter Lage ausstreichen. Ueber Rutsch- 
flächen erscheint im Süden mit einer Zwischenlage von Druckbreccien 
der flach gelagerte Muschelkalk der Decke herangeschoben. Das tiefe 
und seltsam geformte Dammkar, welches weit in den Gebirgskamm 
eindringt, zeigt vorzüglich den Gegensatz der flach gewellten Decke 
und der überkippten Schichtzüge im Norden derselben. Der Zug 
des Predigtstuhles findet jenseits des Dammkares in Kreuzwand und 
Viererspitze seine Fortsetzung Während die Viererspitze noch ganz 
von den lothrechten oder schon überkippten Wettersteinkalkplatten 
aufgebaut wird und ihnen ihre schlanke Fingerform verdankt, besteht 
nur der nördliche Theil der Kreuzwand aus überkipptem Wetterstein- 
kalk, der grössere, südliche dagegen aus fast horizontal liegendem. 


[69] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 237 


An der Erzgrube bei Mittenwald kommen hier am Nordrande zum 
letzten Male die Raibler Schichten zum Ausstrich, und man wird nicht 
fehlgehen,* wenn man sie in Verbindung mit den steil südfallenden 
Wettersteinkalkschichten für die westlichste Vertretung der Scholle 
des Predigtstuhles hält. 

Von der Tiefkarspitze läuft der Rand der Deckplatte am Fusse 
der Lerchfleckspitzen zur westlichen Karwendelspitze und nördlichen 
Linderspitze, von wo er dann am Westabfalle des Gebirges schräg 
hinabschneidet und in der Gegend des Brunnensteinköpfels das Isar- 
thal erreicht. Hier treffen wir nunmehr einen tiefen Querschnitt, 
welcher die Auflagerung und Zusammensetzung der Decke in anschau- 
licher Weise enthüllt (Fig. 49). 

An der westlichen Karwendelspitze und an den Linderspitzen 
sehen wir den aus unterem und oberem Muschelkalk zusammengesetzten 
Rand der Decke in flach gegen Süden abfallender Lage auf den 


Fig. 48. 


Tiefkarspitze 2427 m. 


By 


Karwendelthal. 


m — Muschelkalk. — R = Rauchwacken der Reichenhaller Schichten. — 
W — Wettersteinkalk. — ” — Raibler Schichten. — hd — Hauptdolomit 
(Plattenkalk). 


steilen Schichtköpfen des Wettersteinkalkes aufliegen. Der Rand ist 
hier durch Erosion in einzelne Lappen ausgenagt, wodurch der Cha- 
rakter der discordanten Ueberlagerung noch schärfer zum Ausdruck 
kommt. Gegen Süden senken sich die Schichten des unteren Muschel- 
kalkes in welligen Verbiegungen ins Kirchlekar hinab, dessen felsiger 
Grund fast ganz von ihnen eingenommen wird. An dem Seitengraben, 
vor allem an dem der Lerchfleckspitzen, sieht man darüber den oberen 
Muschelkalk sich herabbiegen, während der Wettersteinkalk in zwei 
Schollen zernagt ist, von denen eine den Gipfel, die andere den 
tiefsten Abfall des Grates zum Karwendelthal zusammensetzt. 

Der Grat, welcher gegenüber von diesem eben beschriebenen 
von der nördlichen Linderspitze nach Süden zieht und die Sulzel- 
klamm— Kirchle—Rothwandl— Brunnensteinspitze bildet. zeigt zwar 
auch ähnliche Verhältnisse, da unterer, oberer Muschel- und Wetter- 
steinkalk sich überlagern und immer steiler gegen Süden abfallen, 
doch treten noch einige grössere Verwicklungen des Baues dazu. 


938 Dr. 0. Ampferer. r [70] 


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[71] Geo!ogische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 239 


Betrachten wir zuerst die Ostseite dieses Grates, so sehen wir 
die Schichten des unteren Muschelkalkes in flachem Gefälle nach 
Süden streben, das jedoch von zwei Schichtstauchungen unterbrochen 
wird. Besonders die untere ist sehr kräftig und gegen Norden zu 
überschoben. Auf diesem Sattel ruht die Kuppe der nördlichen 
Linderspitze, welche aus fast horizontalen Schichten des oberen 
Muschelkalkes aufgebaut wird und ein wilder Knäuel von aufgestauten 
Rauchwacken und dunklen Kalken des unteren Muschelkalkes, welche 
den Kamm der südlichen Linderspitze zusammenstellen. Im Süden 
lest sich die stark gefältelte Muschelkalkscholle der Sulzelklamm- 
spitze darüber, so dass dieser Keil von discordanten, steil gefalteten 
Schichten der südlichen Linderspitze genau an die Faltkeile im 
Norden der Grabenkarthürme erinnert. Wie dort, stehen auch hier 
die Schichten fast senkrecht auf ihrer Unterlage und zeigen jene 
eigenthümlichen Faltzeichnungen. Südlich von der Sulzelklammspitze 
schieben sich mehrere Schollen von Wettersteinkalk übereinander, 
wodurch sich die scheinbar ganz riesige Mächtigkeit dieser Ge- 
steine hier erklärt. Am unteren Ausgange des Kirchlekars schliessen 
sich erst die Zonen von oberem Muschelkalk zusammen, dann die des 
Wettersteinkalkes, welche den Ausgang der Schlucht sperren. 

Zu diesen Aufschlüssen der Ostseite des Kammes liefert die 
viel tiefer erschlossene Westseite noch wertvolle Ergänzungen. 
Grossartig enthüllen sich hier die Faltungen des oberen Muschelkalkes 
an der Sulzelklammspitze. Der Keil der südlichen Linderspitze zeigt 
viel ruhigere Formen, nur gegen die Sulzelklammspitze hin werfen 
sich die Rauchwacken auf. Die Auflagerung der Deckplatte ist von der 
nördlichen Linderspitze bis zur Rosslahn grösstentheils entblösst. In 
den riesigen Wänden des Gerberkreuzes streichen noch lothrechte 
Wettersteinkalkschichten aus, dann schliessen sich Muschelkalk und 
Reichenhaller Schichten steil südfallend und überkippt daran. In 
letztere ist die wilde Sulzelklamm eingefurcht. Auf diese Schichten 
folgt im Süden, ebenfalls südfallend, wieder Muschelkalk, den Prof. 
Rothpletz mit den Reichenhaller Schichten und dem nörälichen 
oberen Muschelkalk als ein Gewölbe erklärt hat. Es ist jedoch an 
diesem Muschelkalkzuge seine Lagebezeichnung kaum genauer fest- 
zustellen, und ich glaube, in diesen Aufschlüssen eher wieder die über- 
kippten Schollen des östlichen Karwendelkammes zu erkennen. Schräg 
über die Schichtköpfe dieser Schollen steigt nun die Deckplatte ins 
Thal herab. Dabei sind in der oberen Sulzelklamm arg zer- . 
faltete Kössener Schichten und Aptychenkalke gerade zwischen der 
Deckscholle und den steilen unteren Schichtköpfen aufgeschlossen, 
welche für die Erklärung der Bauverhältaisse von höchstem Werte 
sind, indem sie unmittelbar für die Ueberschiebung der Decke Zeugnis 
ablegen. Die Kössener Schichten sind nicht arm an charakteristischen 
Versteinerungen, die Aptychenkalke besitzen unverkennbare petro- 
graphische Merkmale. Die im einzelnen durch viele Sprünge zer- 
rissenen Aufschlüsse im Westabfalle der Karwendelkette haben bereits 
auf der Rothpletz’schen Karte eine gute Darstellung gefunden. 
Da alle diese Vorkommnisse schon auf bayrischem Boden liegen, 
musste ich von einer Detailaufnahme Abstand nehmen und mich mit 


240 Dr. 0. Ampferer. 3 [72] 


Uebersichtstouren begnügen, welche indessen vollständig hinreichten, 
den Zusammenhang zu erfassen. Es ist hier die grosse Deckplatte 
stellenweise schuppenförmig übereinander getrieben wie an der süd- 
lichen Linderspitze, Sulzelklammspitze und besonders im südlichen 
Theile in den Wettersteinkalkmassen. Dass diese aus drei grösseren 
Schuppen bestehen, beweisen ihr sehr verschiedenes Schichtgefälle 
sowie kleine Aufschlüsse von Muschelkalk, die dazwischen hervorlugen. 
Sehr interessant ist eine Beobachtung, welche lehrt, dass sich die 
Ueberschiebung des Karwendelkammes auch in den Arnspitzenkamm 
ausdehnt. Im Norden des Arnthalkopfes (1524 m), welcher die un- 
mittelbare Fortsetzung des Brunnsteinkopfes ist, tritt unter nord- 
wärts überschobenem Wettersteinkalk beim alten Bergwerk eine Masse 
von zerfalteten jurassischen Schiefern auf, wie wir solche durch das 
ganze Karwendelgebirge am Fusse der grossen Ueberschiebungsdecke 
verfolgen konnten. Damit ist die Verbindung mit dem Wetterstein- 
gebirge gegeben, welche an einer anderen Stelle Gegenstand der 
Untersuchung sein soll. 

An Glaeialschutt enthält der westliche Abschnitt der Karwendel- 
kette in den Karen der Südseite sehr wenig, obwohl einige derselben, 
wie das Gross- und Kirchlekar, sehr bedeutende Hohlformen besitzen. 
Das Grosskar ist ein besonders weit geöffnetes, breitbodiges Kar, 
dessen aus zahlreichen Felsbuckeln und Wannen bestehende Quer- 
fläche nur am Fusse der Seitenwände von Schuttmassen verhüllt wird. 

Dafür bergen die Kare der Nordseite recht stattliche Moränen- 
wälle. Unter ihnen ragt das Dammkar hervor, welches vielleicht von 
seinen gewaltigen Schuttwällen den Namen bekommen hat. Aus seinem 
Grunde dringen auch reiche Schuttströme zur unteren Kälberalpe 
hinab und an den Gehängen des Karalpbaches sind Reste von Grund- 
moränen nicht selten. Bemerkenswert ist hier am Ochsenboden im 
Norden der Viererspitze eine mächtige Wettersteinkalkbreceie, welche 
von etwa 1400 m bis 1100 m hinab verfolgt werden kann. Auf 
ihr entdeckte ich am Abhang gegen die untere Kälberalpe mehrfach 
centralalpine Geschiebe in einer Höhe von 1200—1300 m. 

Die letzten Ausläufer der Karwendelkette, die Brunnsteinköpfe 
(1857 m und 2044 m), bringen noch ausgeprägte Schliffformen zu Tage. 
Indessen gelang es mir nicht, an ihnen in grösserer Höhe central- 
alpine Geschiebe zu entdecken. 


Das Rissthal. 
Fig. 50, 


Dieses grosse Längsthal hat seine Quellen auf dem Westabhange 
des Plumserjoches, im Plumser- und Bettlerkarbach, und fängt dann 
der Reihe nach mit Ausnahme des Falzthurnthales alle anderen 
Querthäler des nördlichen Karwendels auf. Darauf ist seine auf- 
fallende Einseitigkeit zurückzuführen, indem im Süden viele grosse 
und breite Thalfurchen sich ihm ergeben, während vom Norden 
nur kleine und enge Schluchten zufallen. Bis zur Ortschaft Hinter- 
riss bleibt es so ziemlich seiner Vorzeichnung getreu, da es parallel 
mit dem Gebirgsstriche hinfliesst; von dort ab wird es zum Durch- 


[73] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 241 


bruchsthal. Der weite Sattel des Plumserjoches (1649 m) zeigt Rund- 
formen und Wannen, ausserdem reichen von Ost und West glaciale 
Schuttmassen fast bis auf seinen Scheitel. Die Felsschliffe und Grund- 
moränen aus Wettersteinkalk auf der Ostseite sind schon erwähnt 
worden, die Westseite besitzt keine so deutlichen. Hier ist weit 
hinab bis gegen die Plumseralpe alles mit Hauptdolomitschutt ver- 
hüllt, der aus dem ganz zertrümmerten Dolomit des Grundgebirges 
leicht sich bildet. 

In der Gegend der Plumseralpe (13596 m) zeigen sich Grund- 
moränen aus Wettersteinkalk, ausserdem unterhalb der Alpe bis zur 
srossen Strassenschleife mehrfache Wälle meist aus Wettersteinkalk- 
brocken. Wo die Strasse zum Bettlerkarbach hineinzieht, schneidet 
sie eine helle Schuttmasse an, die schlammige Lagen mit gekritzten 
Wettersteinkalkgeschieben enthält. Knapp darunter streichen die Sand- 
steine und Salzthone der obersten Werfener Schichten aus. 

Tiefer unten tritt der nunınehr vereinigte Bach aus seiner Klamm 
in die Schuttmassen, welche wir am Ausgange des Engthales beschrieben 
haben. Von hier an auswärts begleiten den Bach Terrassen aus glacialen 
Schuttablagerungen, welche jedoch von der Erosion schon vielfach 
zerfressen sind. Das Engthal mündet noch gleichsohlig und ohne Fels 


Fig. 50. 


Kaarlalpe. 
Rissthal. 
Ss AR} mo dr < ; hd N. 
RL 
J00 m 


hd — Hauptdolomit (Plattenkalk). — mo — Moränen. — br — Conglomerat (Brececie). 


zu berühren; die nächsten südlichen Querthäler besitzen schon tiefere 
Mündungsklammen mit hohen, alten Thalsohlen, welche von Grund- 
moränen bedeckt sind. Dass die Terrassen, welche besonders am 
Nordgehänge den Bach überragen, nicht etwa durchaus von Grund- 
moränen gebildet werden, lehren die Gräben des Niederlegers der 
Kaarlalpe (1181 m) (Fig. 50), welche gegenüber vom Laliderthale auf 
der Terrassenhöhe liegt. In dieser Gegend sehen wir Reste von ver- 
festigten Sand- und Schotterbänken theilweise schon am Bache, theil- 
weise erst höher einsetzen, welche zumeist ein ziemlich steiles Fallen 
gegen Norden besitzen und an Deitaschutt erinnern, welcher wahr- 
scheinlich vom Laliderthale heraus in einen Stausee eingeschüttet 
wurde. 

Diese verkitteten Schuttbänke werden allenthalben von Grund- 
moränenmaterial überdeckt, wenigstens finden sich in dem unge- 
schichteten Schutte nicht selten gekritzte Geschiebe, wenn auch 
fluvioglaciale Schotter sicher dabei vertreten sind. Auch unter dem 
verkitteten Sande und Schotter stehen im Kaarlalpgraben grund- 
moränenähnliche Massen an. Etwas ausserhalb der Garberlalpe tritt 
auf der Nordseite der glaciale Schutt ganz zurück, wogegen die Süd- 
seite besonders in der Gegend der Mündung des Johannesthales 
sehr reiche Anhäufungen von deutlichen Grundmoränen aufweist. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (0. Ampferer.) 33 


242 Dr. O. Ampferer. ; . [74] 


Die Höhe der Terrasse beträgt bei der Kaarlalpe gegen 150 m, bei 
der Mündung des Johannesthales 200 m. Beim Alpenhof, neben dem 
Jagdschloss Hinterriss und am Kapellenschlag finden sich dann wieder 
am nördlichen Ufer Reste von Grundmoränen, am südlichen begleiten 
vom Nordhange des Falken an bis zur Mündung des Ronthales 
durchwegs Grundmoränen die Thalflanke. Von Hinterriss auswärts 
durehbricht der Bach erst die grosse Kreidemulde, dann das flache, 
mächtige Gewölbe des Vorderskopfes (1854 m). Schuf er sich im 
ersteren Gebiete eine kleine Weitung, so durchsägt er das letztere 
in langer Schlucht, wobei er weite Strecken auf den flach gewellten 
Schichtplatten hinläuft. Erst bei der Einmündung des Fermannsbaches 
öffnet sich das Thal und führt wieder reichliche Schuttmengen. 

Die grossen Massen von Glacialschutt mit gekritzten Geschieben 
nördlich von der Mündung des Fermannsbaches sind schon beschrieben 
worden, weiter nordwärts zu arbeiten aber lag nicht im Rahmen 
meiner Aufnahmen. 

Auf der Strecke von Hinterriss bis zum Ende der Klamm 
finden sich ebenfalls Reste von glacialem Schutt, jedoch nur an 
einzelnen geschützteren Stellen. 


Das Karwendel-Vorgebirge. 


Dieses Gebiet soll später noch eine genauere Darstellung finden; 
hier können nur die südlichsten, unmittelbar an das Hochgebirge an- 
schliessenden Theile kurz beleuchtet werden. 

Am Gütenberg (1666 m) sehen wir eine einseitige, gegen Norden 
überschlagene Mulde hart an die Triasplatte des Bettlerkarkammes 
stossen. Weiche, neocomische Schiefer bilden den Kern dieser Mulde, 
welche durch die Erosion auf ein kleines Stück zugestutzt wurde, 
das jedoch mit seinem Streichen gegen das Plumserjoch verweist, 
wo wir auch seine Fortsetzung antreffen. Schon an der Ostseite 
dieses Joches stossen wir auf eine verstümmelte Muldenanlage mit 
einem Einsatze von Kössener Schichten, welche knapp nördlich vom 
Sattel gegen den Abhang des Satteljoches hinstreichen und kleine 
Quellen enthalten. Am Südflügel dieser Mulde legen sich saiger 
stehende, verbogene Platten von Hauptdolomit an die Kössener 
Schichten, während am Nordflügel 40—45° südfallende Plattenkalke 
ihre Unterlage bilden. Uebrigens besteht der ganze Nordflügel nur 
aus einer Anzahl untereinander discordanter Schollen. Der Kern 
von Kössener Schichten hat nur eine engbegrenzte Ausdehnung, da- 
gegen zieht sich die Mulde des Plattenkalkes noch bis über den 
Gipfel des Kompar (2010 m) hinaus, wobei sie merkwürdigerweise 
gerade die höchsten Theile des Kammes zusammensetzt. 

Weiter im Westen konnte ich diese Mulde nicht mehr erkennen, 
weshalb ich glaube, dass hier der Hauptdolomit des Süd- und Nord- 
flügels ohne Zwischenglieder aneinandertreten. Nördlich von dieser 
srösstentheils verdrückten Mulde folgen grosse Massen steilstehenden 
Hauptdolomits, welche wohl aus einem ganz zusammengepressten 
Sattel hervorgegangen sind. An diesen Sattel schliesst sich dann die 
grosse, mächtige Mulde, welche vom Marmorgraben bei Mittenwald 


a 


[75] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 243 


längs des ganzen Karwendelgebirges hinzieht und noch weit nach 
Osten sich ausdehnt. Kein. tektonisches Glied des Karwendelgebirges 
kann sich mit dieser grossartigen Mulde an Vollständigkeit der Aus- 
führung und Erhaltung vergleichen, deren Schichtsystem fast allent- 
halben deutlich zu erkennen ist. Während diese Mulde im Westen 
sehr verschmälert u:ıd verschoben ist, wobei saigere oder nordwärts 
überkippte Lagen vorherrschen, fällt sie im Osten, -in der Gegend 
des Schleimser- und Pfonsjoches, flacher nach Norden. 

Oestlich vom Pfonsjoch vollzieht sich dann jene mächtige 
Biegung, mit der sie den Kamm der Seekarspitze und weiter jenen 
der Unutze und des Guffert umspannt. 

Der grosse Streifen von Hauptdolomit, welcher sich nordwärts 
vom Karwendelgebirge ausbreitet und vorzüglich steile Schichtstellungen 
aufweist, dürfte so in zwei Faltenzüge aufzulösen sein, deren südliche 
Mulde nur theilweise am Gütenberge und Plumsjoche reicher ent- 
wickelt ist, wogegen die nördliche zu den schönsten der Alpen zählt. 


Der Aufbau des Karwendelgebirges. 


Wenn es nun auch demjenigen, welcher die geologischen Be- 
schreibungen des südlichen und nördlichen Gebirgsabschnittes genau 
verfolgt hat, gelingen dürfte, sich selbst ein Bild ihrer Architektur 
zu entwerfen, so würde man doch gewissermassen einige begleitende 
Worte zu dem tektonischen Schema, welches beigegeben wurde, ver- 
missen. An der Hand dieser Darstellung werden darum auch die 
nachfolgenden Erörterungen am verständlichsten wirken. 

Wenn wir vorerst der Einfachheit der Erklärung wegen die 
verworrenen südlichsten Zonen, welche am Südabhange des Gebirges 
gegen das Innthal auftauchen, ausser acht lassen, so haben wir ein 
Faltengebirge von ungenau ostwestlichem Striche vor uns, dessen 
Mulden und Sättel schräg vom Innthale abgeschnitten werden. Diese 
Faltenzüge selbst sind fast in allen ihren Theilen von ausgesprochener 
Einseitigkeit, indem alle Sättel steile, überkippte oder überschobene 
Nordflügel aufweisen. Mehrfach lässt sich der Uebergang der Ueber- 
kippung in die Ueberschiebung durch viele Zwischenstadien anschau- 
lich verfolgen, so besonders in der Hallthal- Gleierschkette und im 
Suntiger Kamm. In diesen beiden Fällen gewinnt die Ueberschiebung 
im Westen mehr an Umfang. Während jedoch die Ueberkippungen 
und Ueberschiebungen der südlicheren Falten keine grossen Ausmaße 
erlangen, nimmt die Ueberschiebung der Vomper-Hinterauthaler Platte 
einen gewaltigen Raum ein. Sie beherrscht den ganzen nördlichen 
Abschnitt des Hochgebirges und erstreckt sich stellenweise bis nahe 
an den Südrand des Karwendel-Vorgebirges. Dabei besteht die ganze 
früher wahrscheinlich zusammenhängende Decke aus zwei sehr ver- 
schiedenartigen Theilen. 

Im Süden lagert die mächtige Wetterstein- und Muschelkalk- 
platte, welche von einem langen, scharfen Längsbruche zerschnitten 
wird, der vom Vomperjoch übers Rossloch bis ans Westende des 

33* 


244 Dr. ©. Ampferer. . [76] 


Gebirges zu verfolgen ist. Mit Ausnahme dieser Längsspalte, welche 
von vielen kleineren Querbrüchen durchsetzt und verschoben wird, 
fügt sich der Südabhang der grossen Platte ganz regelrecht in die 
Mulde des Vomper-Hinterauthales. Ganz anders beschaffen ist der 
Nordabbruch, der fast in seiner ganzen Ausdehnung durch schroffe 
Wände gebildet wird. Von der Innthalterrasse bei Fiecht legen sich 
hier unmittelbar an den Muschelkalksattel der Wände weit jüngere 
Schichten, welche in fast zusammenhängendem Verbande bis zum 
Spielistjoch auftreten. Indessen finden sich auch noch weiter west- 
wärts solche Unterlagen von viel jüngeren Schichten, so am Nord- 
fusse der Moserkarscharte, südlich der Hochalpe und am Westabbruch 
der Karwendelkette in der Sulzelklamm. Da von dieser Platte einzelne 
Zungen nach Norden vorragen und auch überall unter diesen wieder 
die jungen Schichtglieder zu Tage treten, ist der Gedanke an eine 
mächtige Verwerfung, welche der Wand entlang streicht, von der Hand 
zu weisen, da sie diese Verhältnisse nicht zu erklären vermag. 

Die am Fusse der grossen Wand anlagernden jungen Schichten 
werden erst durch die auf den Seitenkämmen erschlossene Ueber- 
lagerung in ihrem Verhältnis zu der Platte verständlich. 

Diesem südlichen zusammenhängenden Theil der grossen Platte, 
welcher vom Bärenalpsattel an auch die Höhe des Karwendelkammes 
einnimmt, steht im Norden eine Reihe von Schichtmassen gegenüber, 
welche selbst in normaler Lagerung discordant auf verschiedenen, 
meist jüngeren Schichtzügen auflagert. Diese Schollen zeigen die- 
selbe Zusammensetzung wie die grosse Platte; sie beginnen am 
Stanserjoch und erreichen im Nordabfalle des Gamsjochkammes am 
Rosskopf ihr Westende. Es sind die grossen Massen des Tristkogel- 
gebietes, welche aufs Stanserjoch hinaufreichen, dann die des Sonnen- 
joches, der Schaufel- und Bettlerkarspitze sowie endlich die kleine 
des Rosskopfes. Diese Schollen stehen nirgends in unmittelbarer 
Berührung mit der Vomper-Hinterauthaler Platte, kommen ihr jedoch 
sehr nahe. Am Stanserjoch trennt diese Schollen, zu denen auch 
der Rest von Buntsandstein am Hankampl zu rechnen ist, ein Klotz 
von Hauptdolomit, der auf einer Lage von Raibler Schichten schein- 
bar ganz regelmässig den Rest einer Decke des Stanserjochgewölbes 
bildet. So habe ich ihn auch früher aufgefasst, jetzt bin ich jedoch 
überzeugt, dass die Raibler und Hauptdolomitschichten erst durch 
Verschiebung an diese Stelle gerückt wurden. Einmal sind die 
Raibler Schichten an der Rappenspitze vollständig zerrüttet und nur 
ein Haufwerk von verschiedenen Gesteinen, anderseits überhaupt 
nur stellenweise vorhanden, was bei der flachen, scheinbar ganz 
ungestörten Lagerung nicht gerade wahrscheinlich wäre. Ausserdem 
liegen sie ebenso wie der andere Rest von Raibler Schichten an der 
Nauderer Stiege in einer Vertiefung des Wettersteindolomitgewölbes, 
welche nicht schon ursprünglich vorhanden gewesen, sondern eher 
erst später entstanden ist. 

Betrachtet man überdies die intensiven Schichtzerknitterungen, 
welche Hauptdolomit, Plattenkalk und Kössener Schichten zwischen 
Stanserjoch und Vomper-Hinterauthaler Platte zeigen, so scheint mir 
der Gedanke am einleuchtendsten, dass hier die Massen des Trist- 


[77] Geologische Beschreibung des nörd]. Theiles des Karwendelgebirges. 245 


kogelgebietes über das Stanserjoch als vorderste Theile der grossen 
bewegten Platte hinübergeschleppt wurden. So erklärt sich der eigen- 
thümliche -Rücken des Stanserjoches als eine Schubfläche, auf der 
auf einer gemeinsamen Basis sowohl Buntsandsteine, Reichenhaller 
Schichten, Hauptdolomit und Raibler Schichten in einzelnen Fetzen 
liegen. Deutlicher tritt dieses Verhältnis noch am Kamme des Sonnen- 
joches in die Erscheinung. Hier haben wir ebenfalls eine eng zer- 
knitterte Zone von jüngeren Schichten, auf welche sich mächtige 
Massen vor Rauchwacken und Muschelkalk legen, die sogar als Decke 
das Wettersteinkalkgewölbe des Sonnenjoches überspannen. ‚Knapp 
nördlich vom nördlichen Gamsjoch sehen wir in Plattenkalk einge- 
klemmt einen Keil von Rauchwacken, westlich vom Grammajjoch steckt 
hinwiederum eine Scholle von jurassischen Schichten in den Rauch- 
wacken. Das Gewölbe des Sonnenjoches entspricht genau dem des 
Stanserjoches und wird wie dieses von älteren Schichtmassen über- 
lagert. Wie dort dann die grosse Scholle des Tristkogels im Norden 
sich anschmiegt, so lehnt sich im Norden des Sonnenjoches in ganz 
gleicher Weise die Scholle der Schaufel- und Bettlerkarspitze an. 

Am Sonnenjochkamm reicht so die nördliche Deckmasse viel 
näher an die grosse Platte heran und sie steht auch in ihren eigenen 
Theilen in einem mehr geschlossenen Verbande. Das letzte Auftreten 
einer solchen Scholle findet am Gamsjochkamm statt, wo wir im Süden 
zwischen Hohl- und Gumpenjoch so klar die Ueberschiebung der 
grossen Platte gewahren. Hier ist der Zusammenhang zwischen dem 
Vorsprung der Platte und der Scholle des Rosskopfs ganz zerstört, 
so dass nur Analogieschlüsse berechtigt sind. 

Am Falkenkamme sehen wir im Süden am Ladizkopf noch einen 
Rest der grossen Platte auf Juraschichten lagern, dann finden wir 
nördlich davon, ganz ähnlich wie am Stanserjoch, auf dem Rücken 
des Mahnkopfes sowohl Reste von Buntsandstein als auch solche von 
Jura- und Kössener Schichten nebeneinander sich ausdehnen. 

Während nun im östlichen Theile des Gebirges sehr mächtige, 
von der Hauptplatte abgetrennte Schollen vorherrschen, drängt im 
westlichen diese letztere selbst weit nach Norden vor, wobei sie sich 
in mehrere Schuppen zerspaltet. Im Westen des Bärenalpsattels 
legen sich ihre Schichtmassen auf die Köpfe der überwältigten Schicht- 
züge und bleiben daselbst in dieser Lage bis zum Westabbruch des 
Karwendelkammes. Hier können wir ihre Zusammensetzung aus 
mehreren Schuppen sehr deutlich verfolgen, ausserdem finden sich 
noch zwischen dem überschobenen und überkippten Untergebirge und 
der Decke Reste von Jura- und Kössener Schichten. Diese Verhält- 
nisse werden am klarsten durch die beigelegten Profile erklärt, welche 
auch die eigenthümlichen Schichtknitterungen zeigen, die an einzelnen 
Schuppen der Decke auftreten. 

Im Gebiete des Stanser- und Sonnenjoches bildet ein grosses 
Gewölbe von Wettersteinkalkschichten die Unterlage der Ueber- 
schiebung. Dieses Gewölbe zertheilt sich im Gamsjochkamm in über- 
kippte Schollen, welche nun westwärts ziehen und sich bis zum 
Durchbruch der Isar verfolgen lassen. Es sind drei grosse über- 
kippte Schichtzüge, welche übereinander emporgeschoben wurden, 


946 Dr. 0. Ampferer. - [78] 


und zwar in der Weise, dass der Betrag und die Gewalt des Schubes 
im Süden auffallend stärker war. Hier finden wir zwischen der süd- 
lichsten und der nächsten Scholle sogar noch eine furchtbar zerfaltete 
Schichtzone eingeklemmt, welche am südlichen Falken und am Nord- 
grat der Grabenkarthürme am schönsten ausgebildet ist. Hier hat man 
den Eindruck, als ob es sich um eine Schichtmasse handelte, welche 
von einer vordringenden Platte erfasst, aufgestülpt und eingezwängt 
wurde. Solche Schubkeile zeigen sich übrigens, wie schon erwähnt, 
auch sehr deutlich an den Schuppen der grossen Platte an der Sulzel- 
klamm- und südlichen Linderspitze. 

Die südlichste dieser überkippten Massen übergreift gegen 
Westen allmählig die beiden nördlichen und wird dann an der 
Bärenalpscharte selbst wieder von der Vomper-Hinterauthaler Platte 
überlagert. Die mittlere Scholle ist die unbedeutendste, die nörd- 
lichste dagegen die regelmässigste. Sie legt sich meist in kräftiger 
Ueberkippung auf Raibler Schichten und Hauptdolomit und behält 
von Mittenwald bis zum Nordgrat des Gamsjoches überall denselben 
Charakter. Dört legt sich die Scholle des Rosskopfes quer darüber 
und verdeckt so auch die Raibler Schichten. Am Nordrande der 
Kette der Schaufel-Bettlerkarspitze stossen überall die Massen der 
älteren Trias, sogar Buntsandsteine, unmittelbar an den Hauptdolomit 
des Plumserjoches und dann mit Zwischenschaltung ärmlicher Raibler 
Schiehten an die Mulde des Gütenberges. Auch die Massen des 
Tristkogelgebietes stossen im Norden an zerdrücktem Hauptdolomit 
ab. Die dem Sonnwendjoche vorgelagerte Ebnerspitze gehört dem 
Schichtbau nach noch zum Karwendelgebirge und sie ist ebenfalls 
gegen Jura- und Gosaugesteine am Schichthals hinaufgeschoben. Es 
bleibt uns nur noch zur Vervollständigung des tektonischen Bildes 
die Erwähnung der südlichsten Zonen des Gebirges übrig. 

Hier sind die Verhältnisse im Osten und Westen sehr klare, 
dagegen rauben im mittleren Theile grosse Vegetationsdecken und 
ausserordentlich verworrene Lagerungen jede sichere Entscheidung. 
Im Osten finden wir vom Vomperberg an, übers Walderjoch und Hall- 
thal heraufziehend, eine bald steil, bald flach gegen Norden ein- 
fallende Zone von jungen Schichten vom Hauptdolomit bis zum Jura. 
Dieselbe setzt im Innthale genau dort ein, wo die ganz ähnlich ge- 
baute Zone junger Schichten vom Vomperjoch durch den Mahdgraben 
gegen Fiecht herabschneidet. Diese beiden Zonen kehren sich gegen- 
einander, so dass sie gleichsam eine Mulde bilden, in welcher das 
ganze Karwendelgebirge darinnen liegt. Im Gebiete der Innthalkette 
tauchen noch tiefere Glieder dieser Zone bis zum Muschelkalk hervor, 
ausserdem legen sich noch andere steilstehende Schollen daran, welche 
dann am Vorsprung des Hohen Brandjoches nördlich von Innsbruck 
grösstentheils scheinbar im Bauche dieses Gewölbes verschwinden. 
In der Beschreibung des südlichen Karwendelgebirges haben diese 
schwierigen Verhältnisse eine eingehende Darstellung gefunden, auf 
welche ich hier verweisen muss. Ich führe diese Erörterung hier an, 
weil sich in jüngster Zeit Ideen über Gebirgsbildung fühlbar machen, 
welche hier vielleicht Bestätigungen zu finden glauben. 

Wenn man nämlich die Einfassung der Karwendelfalten durch 


[79] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 247 


junge Schichten beachtet, welche sich vor allem klar an seiner Ostecke 
ausspricht, so kann der Gedanke entstehen, dass vielleicht das ganze 
aus älterer Trias bestehende Hochgebirge auf einem aus jüngeren 
Schichten erbauten Sockel aufruhe. Aus der Erforschung des Kar- 
wendelgebirges sind keine sicheren Beweise für eine solche Annahme 
hervorgegangen. Dieselben dürften jedoch auch vorzüglich ausserhalb 
desselben liegen, so vielleicht im Norden, im Osten und im Westen. 
Ich hoffe, nach Fertigstellung der Feldaufnahmen im Wetterstein- und 
Mieminger Gebirge genauer und von berufenen Stellen aus auf diese 
Fragen eingehen zu können. 


Uebersicht der geologischen Literatur des Karwendel- 
gebirges. 
Abkürzungen: 
A. R. A. = Abhandlungen der k. k. P.M. = Petermann’s Mittheilungen, 


geol. R.-A., Wien. Gotha. 
B. H. Z. — Berg- und Hüttenmännische S. A. W. — Sitzungsberichte der Aka- 
Zeitung, Leipzig. demie der Wissenschaften, Wien. 


B. N. V. = Berichte des naturwissen- REN 


schaftl.-medic. Vereines, Innsbruck. — Verhandlungen der k. k. 


geol. R.-A., Wien. 


G. J. = Geognostische Jahreshefte, , ; 

Een z Z. A. V. = Zeitschrift des deutschen 

J. R. A. — Jahrbuch der k. k. geol. und österr. Alpenvereines, Wien, 
R.-A., Wien. München. 

N. J. = Neues Jahrbuch für Minera- Z.D. G. — Zeitschrift der Deutschen 
logie, Geologie und Paläontologie, geologischen Gesellschaft, Berlin. 
Stuttgart. A nr 2. F. = Zeitschrift des Ferdinandeums, 

Oe. B. Z. = Oesterr. Zeitschrift für Innshrugk. 


Berg- und Hüttenwesen. 


Klingler. Resultat der geogn.-montanist. Bereisung des westlichen Theiles des 
Unterinnthaler Kreises im Jahre 1843. 

— Bericht über die 6. Generalversammlung des geogn -montanist. Vereines für 
Tirol und Vorarlberg. 1844. 

Russegger. Ueber den Asphalt, sein Vorkommen in Tirol, seine technische 
Bedeutung ... Bericht über die 6. Generalversammlung des geogn.-montanist. 
Vereines für Tirol und Vorarlberg. 1845. 

Haidinger. Geognostische Uebersichtskarte der österr. Monarchie. 1847. 

Emmerich. Ueber den Alpenkalk und seine Gliederung im bairischen Gebirge. 
Geol. Zeitschrift I., 1849. 

Stötter. Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaft in Wien. 1549. 

Hoernes. Bericht über eine vorbereitende geol. Rundreise. S. A. W. 1850. 

Hauer. Ueber die Gliederung des Alpenkalkes in den Ostalpen. N. J. 1850. 

Heckel. Bericht über das Vorkommen fossiler Fische bei Seefeld. J. R. A. 1850. 

Schafhäutl. Geognostische Untersuchungen des südbairischen Alpengebirges. 
München 1851. 

— Gliederung des südbairischen Alpenkalkes. N. J. 1851. 

Geognostisch-montanist. Verein für Tirol und Vorarlberg. Geognostische Karte 
Tirols. 1852. 


248 Dr. O. Ampferer. ' [80] 


Emmerich. Geognostische Beobachtungen aus den bairischen und den angren- 
zenden österreichischen Alpen. J. R. A. 1853, I, II. 

Hauer und Foetterle. Ueber die Gliederung von Trias, Lias und Jura in den 
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Schafhäutl. Beiträge zur näheren Kenntnis der bairischen Voralpen..N.J. 1853. 

Escher von der Linth. Bemerkungen über Versteinerungen von Hall. Z. D. G. 
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Prinzinger. Notizen vom Haller Salzbergwerk. J. R. A. 1855. 

Lipold..J::R Ar 1855: 


Gümbel. Beiträge zur geol. Kenntnis von Vorarlberg und Nordwest-Tirol. J. R. A. 


1856. 
Pichler. Zur Geographie der nordöstlichen Kalkalpen Tirols. J. R. A. 1856. 
Gümbel. Untersuchungen in den bairischen Alpen. J. R. A. 1857. 
Pichler. Zur Geognosie der Tiroler Alpen. N. J. 1857. 
Hauer. Bericht über die Aufnahmen bei Reutte. J. R. A. 1857. 
Pichler. Die Umgebung von Innsbruck. V. R. A 1858. 
Gümbel. Geologische Karte des bairischen Alpengebirges. München 1858, N. J. 
1859. 
Richthofen. Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nordtirol I. J. R. A. 1859. 
Pichler. Beiträge zur Geognosie von Tirol. Z. F. 1859. 
— Zur Geognosie von Tirol. Z. F. 1860. 


Richthofen. Die Kalkalpen von Vorarlberg und Nordtirol II. J. R. A. 1861/62. 


Gümbel. Geognostische Beschreibung des bairischen Alpengebirges. Gotha 1861. 
Winkler. Der Oberkeuper nach Studien in den bairischen Alpen. Z. D. G. 1861. 
Pichler. Notizen aus Tirol. N. J. 1862. 

— Zur Geognosie Tirols. J. R. A. 1862. 

— Zur Geognosie Tirols. N. J. 1862. 

— Zur Geognosie Tirols. F. Z. 1863. 

— Programm des Gymnasiums Innsbruck. 1864. 


Schafhäutl. Beiträge zur näheren Kenntnis der bairischen Gebirge. N. J. 1865. 
Hauer. Der Salinenbetrieb in Hall. J. R. A. 1865. 

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— Beiträge zur Geognosie Tirols. V. R. A. 1867. 


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S. A. W. Wien 1867. 

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Wien 1867— 1871. 

Pichler. Beiträge zur Geognosie Tirols. J. R. A. 1868. 

— Beiträge zur Geognosie Tirols. N. J. 1868. 

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J. R. A. 1869. 

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Pichler. Beiträge zur Geognosie Tirols. N. J. 1871. 


[81] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges.. 249 


Mojsisovics. Beiträge zur topischen Geologie der Alpen. J. R. A. 1871. 

— Ueber die Stellung der Carditaschichten. V. R. A. 1871. 

Neumayr..Vom Haller Salzberg. V. R. A. 1871. 

— Das Karwendelgebirge. V. R. A. 1871. 

Kravogl. Zusammensetzung des Innsbrucker Diluviums. B. N. V. 1872. 

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Mojsisovics. Faunengebiete und Faciesgebilde der Trias... J. R. A. 1874. 

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Pichler. Mittheilungen aus den Alpen. N. J. 1877. 

Lechleitner. Ueber den rothen Sandstein an der Grenze der Central- und 
nördlichen Kalkalpen. Programm des Innsbrucker Gymnasiums. 1878. 

Pichler. Beiträge zur Geognosie Tirols. N. J. 1879. 

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Vereines in Kärnten. 1879. 


Penck. Die Vergletscherung der deutschen Alpen. 1882. 

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von Hötting in Tirol. A. R. A. 1882. 

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Rothpletz. Zum Gebirgsbau der Alpen beiderseits des Rheins. Z. D. G. 1883. 

Blaas. Eiszeitliches. V. R. A. 1884. 

Böhm. Die Höttinger Breccie. J. R. A. 1884. 

Stur. Ueber die fossile Flora der Höttinger Breccie. S. A. W. Wien, I., 1884. 

Ettinghausen. Ueber die fossile Flora der Höttinger Breccie. S. A. W. Wien 1884. 

Geistbeck. Die Seen der deutschen Alpen. 1885. 

Penck. Ueber interglaciale Breccien der Alpen. V. R. A. 1885. 

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Wähner. Zur heteropischen Differenzirung .... V. R. A. 1886. 

Geyer. Ueber das Karwendelgebirge. V. R. A. 1887. 

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Penck. Höttinger Breccie. V. R. A. 1887. 

Kerner v. Marilaun. Untersuchungen über die Schneegrenze im mittleren Inn- 
thale. Denkschrift der Akademie der Wissenschaften. Wien 1887. 

Pichler. Beiträge zur Mineralogie und Geologie Tirols. V. R. A. 1888. 

Rothpletz. Karwendelgebirge. Z. A. V. 1888. 

Schäfer. Ueber die geol. Verhältnisse in der Gegend von Hinterriss und Scharf- 
reiter. München 1888. 

Sapper. Der Juifen und seine Umgebung. München 1888. 

Mojsisovics. Ueber das Auftreten von oberem Muschelkalk in der Facies der 
rothen Kalke der Schreyeralpe nördl. von Innsbruck. V. R. A. 1888, 
Wöhrmann. Ueber die untere Grenze des Keupers in den Alpen. J. R. A. 1888. 
Kerner v. Marilaun. Studien über die Flora der Diluvialzeit in den östlichen 

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Isser. Bitumenschätze von Seefeld. Jahrbuch für Berg- und Hüttenwesen. Wien 1888. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (0. Ampferer.) 34 


250 Dr. O. Ampferer. . [82] 


Wöhrmann. Fauna der sogenannten Cardita- und Raibler Schichten in den 
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Blaas. Die Höttinger Breceie. J. R. A. 1889. 

Pichler. Zur Geologie Tirols. V. R. A. 1890. 

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Bittner. Triasbrachiopoden vom Wildanger. V. R. A. 1891. 

Blaas. Die Vergletscherung des Innthales. V. R. A. 1891. 

Wettstein. Fossile Flora der Höttinger Breccie. Z. A. V. 1892. 

Schlosser. Geologische Notizen aus dem bairischen Alpenvorlande und dem Inn- 
thale. V. R. A. 1893. 

Wöhrmann. Die Raibler Schichten. J. R. A. 1893. 

Rothpletz. Ein geologischer Querschnitt durch die Ostalpen. Stuttgart 1894. 

Bittner. Einige Bemerkungen zu A. Rothpletz’s „Ein geologischer Quer- 
schnitt durch die Ostalpen*“. V. R. A. 1894. 

Böse. Ueber liasische und mitteleuropäische Fleckenmergel in den bairischen 
Alpen. Z. D. G. 1894. 

Gümbel. Geologie von Baiern II. Kassel 1894. 

Blaas. Noch einmal die Höttinger Breccie. V. R. A. 1894. 

Bargmann. Der jüngste Schutt der nördlichen Kalkalpen. Verhandlungen des 
Vereines für Erdkunde. Leipzig 1894. 

Schlosser. Zur Geologie von Nordtirol. V. R. A. 1895. 

Blaas. Innsbrucks Boden. Bericht des natur-med. Vereines Innsbruck. 1894/95. 

— Ueber die geologische Position einiger Trinkwasserquellen. Zeitschrift für prak- 
tische Geologie. Berlin 1896. 

Hammer. „Draxlehner Kalk“ bei Innsbruck. V. R. A. 1897. 

Ampferer und Hammer. Geologische Beschreibung des südlichen Theiles des 
Karwendelgebirges. J. R. A. 1898. 

Böse. Beiträge zur Kenntnis der alpinen Trias. Z. D. G. 1898. 

Diener. Die Grundlinien der Structur der Ostalpen. P. M. 1899. 

Hoefer. Das geologische Alter des Salzstockes bei Hall. Oe. B. Z. 1899. 

Diener. Neue Cephalopodenfunde im Ammonitenhorizont der Kaminspitzen. 
V.nR..A. 1900. 

Penck und Brückner. Die Alpen im Eiszeitalter. 1902. 

Ampferer. Ueber den geol. Zusammenhang des Karwendel- und Sonnwendjoch- 
gebirges. V. R. A. 1902. 

— Bericht über die Neuaufnahme des Karwendelgebirges. V. R. A. 1902. 

— Ueber Wandbildungen im Karwendelgebirge V. R. A. 1903. 

- Die Mündung des Vomperthales. V. R. A. 1903. 


[83] Geologische Beschreibung des nördl. Theiles des Karwendelgebirges. 9251 


Inhaltsverzeichnis. 


Seite 
FIT le We ni 4 169— 173 
Stratigraphische Anmerkungen . . 173—180 
Buntsandstein, Werfener Schichten. . . 149 104 
Reichenhaller Schichten. . . . .... . . .174—176 
Muschelkalk, Partnachschichten, Watterkteinkalk 110 177 
Raibler, Schichten, er. „1: ses pergr LTE 
Banuptdolomit,‚Plattenkalk ar 2.8 DS: .. y 178 
Onuartäre Ahblaperungen I... ... um. . . 178—180 
Beschreibung der einzelnen Theile des Gebirges . 180— 242 
Dasakamperisch. Alan - 0. ee 180—185 
DarsEinterauthalee A m ae nn langen 185 —189 
Der Vomper-Hinterauthaler Kamm. . .. . 2.2... 189—198 
Das: Stallentkal® +. ....3..% kor Pe ig . 198— 201 
Das Stanserjoch . 201— 207 
DaspHalzthuentmal,, .%, 2.05 me en une: . 207—210 
Der Kamm des Sonnenjoches .. ...... ... .. 210—214 
Das Engthal. . %,, . ; . 214—216 
Der Kamm des den es ee. .; 216—218 
Basshwliderthalees 7... 27 er u .. . 218—219 
DerökemmndencHalken. 2.0: si oc... 220—222 
Bennesthalate un a a ie ee 222 —225 
Des Yin RE 225 
Dasshontchale, me a. EEE . 225 — 226 
DascKarwendelthal, . ..». 2... 2... 226—229 
Der östliche Karwendelkamm . . 229— 234 
Der westliche Karwendelkamm . 234— 240 
Das Rissthal . ende . 240— 242 
Das Karwendel- Vorne, a BRANTE . . 242—-243 
Der Aufbau des Karwendelgebirges te a2 
Uebersicht der geologischen Literatur des Karwendel- 
gebirges . 247— 250 


Seite 
1-5] 
[5—12] 
[5—6] 
[6—8] 
[8—9] 
[9—10] 

[10] 

[10—12] 
[12— 74] 
12-17 
[17—21] 
[21-30] 
[30— 33] 
[33— 39] 
[39-42] 
[42—46] 
[46—48] 
[48—50] 
[50—51] 
[52-—54] 
[54—57] 
[57] 
[57— 58] 
[58—61] 
[61—66] 
[6672] 
[72—74] 
[74 - 75] 
[75—79] 


[79--82] 


34* 


u nn 


252 


Dr. 0. Ampferer. . 


[84] 


Verzeichnis der Benennungen für die Profilkarte (Tafel Nr. IX) 
des Karwendelgebirges. 


1 


2 
3 
4 
5 
6 
7 


20 
22 


23 


Martinswand — Zirler Klamm. 
Zirler Mähder — Grosser Solstein. 
Hohes Brandjoch — Gleierschthal. 
Kemacher — Kumpfkarspitze. 
Mandlspitze — Niederes Brandjoch. 
Rumergraben — Kreuzjöchl. 
Wildanger — Kleiner Lavatscher — 
Suntiger. 

Kartelserjoch. 

Zunderkopf. 

Spekkarspitze. 

Walderkammspitze. 

Walderspitze. 

Walderjoch — Ganalpe. 


Walderjoch — Sonnschartspitze. 
Ummelberg — Dawaldgraben. 


Fiechterspitze. 

Vomperjoch. 

Ochsenkopf (Stanserjoch). 

Heuberg. 

Weihnachtseck — Weissenbachthal. 


Bärenkopf — Bärenbadalpe. 
Südliches Lamsjoch — Rauher Kner 
— Rappenspitze — Tristkogel. 


Nördliches Lamsjoch — Hahnkampl 
Sonnenjoch — Schaufelspitzee — 
Plumsjoch. 


24 


25 
26 


27 


28 
29 


30 


31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 


Huderbankspitze — Kaiserkopf — 
Hochglück. 

Spritzkarspitze, 

Suntiger — Grubenkarspitze — Hohl- 
joch — Gamsjoch — Rosskopf. 


Spielistjoch — Mahnkopf — Stein- 
spitze — Risser Falk. 
Moserkarscharte. 

Filzwand — Taleleberg — Stuhl- 
kopf. 

Oedkarspitze — Hochalpe — Graben- 


karthürme — Thorkopf. 


Vogelkarspitze — Steinkarlspitze. 
Sonntagskarspitze. 
Praxmarerkarspitze. 
Spitzhüttenköpfe — Seekarspitze. 
Bärenalpscharte. 

Katzenkopf — Hoher Gleirsch. 
Larchetkarspitze. 

Hochkarspitze. 

Kienleitenkopf — Stachelkopf. 
Tiefkarspitze — Predigstuhl. 
Brunnsteinköpfe Sulzelklamm- 
spitze — Linderspitze. 


Erklärung zu Tafel X. 


Die mit Kreuzchen versehenen Stellen bedeuten Gebiete von Jura- und 
Kössener-Ablagerungen, die punktierten solche von Hauptdolomit und Plattenkalk, 
die geschummerten endlich von älteren triadischen Gebilden. 


DE 0.Ampferer : Nördlicher Teil des Karwendelgebirges. 


Taf.IX. 
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EL Eössenerschichten der Kartenunterlage über, 
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N Rn “= „2 Vernerlungs-aVerschiebungs, 
R u Talläufe. Zonen. 
’ er 
Jnnsbruck 


Maßstab = 1:100.000. 


Lith.Anst v. Th.Baunwarti Wien 


Jahrbuch der k.k.Geologischen Reichsanstalt.Band LIlI 1903. 
Verlag der kk Geologischen Reichsa nstalt Wien Ill.Rasumoffskygasse 23 


—. 


Dr. OÖ. Ampferer: Karwendelgebirge. BR . 


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Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Band LIll, 1903. 


Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt Wien, IIT., Rasumofskygasse 23. 


Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirch- 
bichl in Tirol. 


Von Dr. Julius Dreger. 
Mit 3 lithographirten Tafeln (Nr. XI [I—XTII [III]) und einer Zinkotypie im Text. 


Es sind schon zehn Jahre verflossen, seitdem die Beschreibung 
der Gastropoden von Häring in den Annalen des Wiener naturhisto- 
rischen Hofmuseums erschienen ist). Ich hatte die Absicht, die Lamelli- 
branchiaten von Häring bald darauf einer Bearbeitung zu unterziehen, 
wurde jedoch durch verschiedene Umstände davon abgehalten und 
komme erst jetzt dazu, eine Arbeit über die Häringer Lamellibran- 
chiaten zu veröffentlichen. 

Was die Literatur über Häring betrifft, so verweise ich auf die 
oben angeführte Publication. Seitdem erschienen: 


Fridolin Krasser. Ueber ein fossiles Abietinenholz aus der Braun- 
kohle von Häring. Mittheilungen d. naturwissenschaftlichen Vereines 
an der Universität Wien 1892—1893. 


Karl Deninger. Beitrag zur Kenntnis der Molluskenfauna der Tertiär- 
bildungen von Reit im Winkel und Reichenhall. Mit 2 Tafeln. 
Geognostische Jahreshefte. XIV. Jahrg. München 1901. 


Julius Dreger. Ueber die unteroligocänen Schichten von Häring und 
Kirehbichl in Tirol mit einem Verzeichnis der bisher von dort 
bekannten Lamellibranchiaten. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1902, 
pag. 345. 


Durch die paläontologische Bearbeitung der Conchylienfauna 
der Häringer Schichten wird die alte Ansicht von Gümbel?) bekräftigt, 
dass wir es mit einer Ablagerung der ligurischen Stufe (des untersten 
ÖOligocäns) zu thun haben; damit stimmt auch die Meinung Hant- 
ken’s?®) und Hofmann’s*), überein, dass die Häringer und die 
Clavulina Szaböi-Schichten in Ungarn demselben, und zwar dem 
ligurischen Horizont angehören. 


1) J. Dreger. Die Gastropoden von Häring bei Kirchbichl in Tirol. Annalen 
d. k. k. naturhist. Hofmuseums. Bd. VII. Wien 1892. 

2) C. W. Gümbel. Geogn. Beschreibung des bayerischen Alpengebirges und 
seines Vorlandes. Gotha 1861. 

®) M. v. Hantken. Der Ofener Mergel. Mittheil. aus dem Jahrb. d. k. ung. 
geol. Anst. II. 1872, pag. 207. 

4 Dr. K. Hofmann. Beiträge zur Kenntnis der Fauna des Hauptdolomites 
und der älteren Tertiärgebilde des Ofen—Koväcsier Gebirges. Ibid. pag. 181. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (J. Dreger.) 


954 Dr. Julius Dreger . [2] 


Eine Zweitheilung der Schichten, wie sie sich bei den Olavulina 
Szaböi-Schichten in eine untere (Ofener Mergel) und in eine obere 
(Klein-Zeller Tegel) Abtheilung durchführen liess, kann in Häring 
innerhalb der Cementmergel nicht gemacht werden, welche die be- 
schriebenen Conchylien geliefert haben. Es sind übrigens auch der 
Öfener Mergel und der Klein-Zeller Tegel durch zahlreiche Ueber- 
gsänge so verbunden, dass die Grenze der beiden Ablagerungen keine 
scharfe genannt werden kann !). 

Th. Fuchs?) ist der Ansicht, dass die bisher dem miocänen 
Schlier zugerechneten Mergelkalke von Hall in Oberösterreich eine 
ältere Ablagerung darstellen und wahrscheinlich zu den Niemtschitzer 
Schichten Rzehak’s zu rechnen seien. 

Letzterer?) bezeichnet bekanntlich unter diesem Namen eine 
am äussersten nordwestlichen Saume der Karpathen-Sandsteinzone von 
W.-Wisternitz bis Austerlitz hinziehende schlierähnliche Ablagerung, 
die aber in ihrer Fossilführung auf oligocänes Alter hinweise und in 
das oberste Eocän oder das unterste Oligocän zu stellen sei*. Wir 
hätten also auch in Oberösterreich (Hall) eine unseren Häringer 
Schichten etwa gleich alte Bildung. Möglicherweise wären auch manche 
alttertiären Bildungen in der Nähe von Stockerau in Niederösterreich 
(Nieder -Hollabrunn, Hollingstein) hierher zu stellen. [Fuchs, I. e. 
pag. 440; Rzehak®), pag. 5.] 


Beschreibung der Arten. 


Ostrea plicata Soland. 


1766. Chama plicata Soland. in Brand, Foss. haut, pl. VIII, Fig. 84 und 85. 

1806. Ostrea flabellula Lamk. Ann. de Mus. VIII, pag. 104, pl. XX, Fig. 3. 

1825. Ostrea flabellula Desh. Coqu. foss. des envir. de Paris. Tom. I, pag. 366, 
pl. LXIII, Fig. 7. 

1860. Ostrea flabellula Desh. Desh. Annim. sans vert. II, pag. 120. 

1859— 1861. Ostrea flabellula Desh. Wood. Eoc. bivalv., pag. 21, pl. III, Fig. 4. 

1861. Ostrea flabellula Desk. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag, 597. 

1869. Ostrea flabellula. Desh. v. Koenen. Tertiärversteinerungen von Kiew u. Ss. w. 
Zeitschr. d. Deutsch. geol. Gesellsch., pag. 593. 

1886. Ostrea flabellula Desh. Frauscher. Untereocän der Nordalpen, pag. 25, 
Tal. T1l,, Fig. 1, 

1887. Ostrea plicata. Cossmann. Catal. illustre des coqu. foss. de l’eEoc. de Pauis. 
II. Fasc., pag. 199. 
Ein schlecht erhaltenes, zerdrücktes Exemplar von 20 mm Höhe 


und 11 mm Breite lag vor. 


1) J. Halaväts. Die Umgebung von Budapest und Teteny. Erläuterungen 
zur geol. Specialkarte der Länder der ungar. Krone. Budapest 1903, pag. 13. 

?) Th. Fuchs. Ueber ein neuartiges Pteropodenvorkommen aus Mähren 
nebst Bemerkungen über einige muthmassliche Aequivalente der sog. „Niemtschitzer 
Schichten“. Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wiss., math.-naturw. Cl. Wien 1902, pag. 433. 

®3) A. Rzehak. Die „Niemtschitzer Schichten“. ‘ Sonderabdruck aus dem 
XXXIV. Bande der Verhandl. des naturforschenden Vereines in Brünn. 1896. 

*) Nach der neuesten Ansicht Rzehak’s (IX. Intern. Geologen-Congress. 
Führer für die Exkursionen in Oesterr. Wien 1903. Exkursion nach Pausram— 
Auerschitz) reicht die untere Grenze der Niemtschitzer Schichten (Pausramer Mergel) 
bis in das Mitteleocän. 


[3] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 255 


Ostrea sp. 


Steht der Ostrea Quenteleti .Nyst. (v. Koenen, Nordd. Unter- 
oligocän, pag. 1005, Taf. LXIIL, Fig. 4—8 u. Taf. LXIV, Fig. 1—3) nahe. 

An der 47 mm hohen und 35 mm breiten Form treten die 
Anwachsstreifen nicht stark hervor. Die Schale ist mit zarten, erst 
durch die Lupe bemerkbaren Punkten bedeckt. Der Wirbel ist abge- 
rundet, die äussere Schale zerstört. 


Ostrea gigantica Brander. 


1776. Ostrea gigantica Brander. Foss. haut., Taf. 8, Fig. 88. 

1837. Ostrea latissima. Deshayes. Coqu. foss Tom. I, pag. 336, pl. LII, LIII, 
Kur 

1259. Ostrea gigantea. Wood. Eoc. bivalv. I, pag. 23, Taf II. 

1861. Ostrea gigantea. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 608. 

1886. Ostrea gigantea. Frauscher. Untereocän der Nordalpen, pag. 21. 

1887. Ostrea gigantica. Cossmann. Catal. illustre des coqu. foss. de l’eoc. de Paris. 
Il. Fase. pag. 196. 

1902. Ostrea gigantica. Deninger. Molluskenfauna v. Reit i. W. etc., pag. 8. 
Von dieser sehr dichtschaligen, in Häring seltenen Auster sind 

meistens nur Bruchstücke erhalten. Eine kleinere Unterklappe, die 

beinahe vollständig ist, hat eine Höhe von 17'5 cm und eine Breite 

von 14 cm und zeigt auf der Aussenseite zahlreiche unregelmässige 

Längsrunzeln (stärker als bei der englischen Form), welche sich manch- 

mal spalten, verdicken und knotig werden. 


Ostrea sp. 


Gümbel (Bayerisches Alpengebirge, pag. 671) sagt dazu: „Es 
finden sich, jedoch nicht häufig, Schalentheile einer, wie es scheint, 
glatten kleinen Auster.“ 


Gryphaea Brongniarti Bronn 


1831. Ostrea Brongniarti Bronn. Italiens Tertiärgebirge und deren Finschlüsse. 

Heidelberg. 

1861. Gryphaea Brongniarti. Gümbel. Geogn. Beschreibung des bayerischen 

Alpengebirges, pag. 671. 

1886. Gryphaea Brongniarti. Frauscher. Das Untereocän der Nordalpen u. s. w., 

pag. 15, Taf. 1, Fig. 11—14 und Taf. 11, Fig. 1. 

Gümbel sagt über Gryphaea Brongniarti in seinem Bayerischen 
Alpengebirge, pag. 671: „Diese bei Häring nicht seltene Muschel kommt 
sowohl im Duftthale bei Oberaudorf, als bei Niederndorf in einem 
eigenthümlichen, gelblichen, krystallinischen Kalke in Formen vor, 
welche sich kaum von @r. columba unterscheiden lassen, wenn man 
nicht vollständige Exemplare besitzt, an welchen konstant eine flügel- 
artige Erweiterung der Schale sich beobachten lässt.“ 

Hierzu habe ich zu bemerken, dass auch bei einem grösseren 
Exemplar von Häring (von 70 mm Höhe und 45 mm Breite) Andeutungen 
einer flügelartigen Erweiterung vorhanden sind, 


256 Dr. Julius Dreger. ” [4] 


Oyelostreon parvulum Guembel. 
Tafel XI, Fig. 6. 


1861. Plicatula parvula. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 660. 
1863. Spondylus personatus Schafhäutl. Lethaea geognostica, pag. 149, Taf. XXXVI, 

Fig. 11. 

1886. Our parvulum. Frauscher. Das Untereocän der Nordalpen, pag. 37, 

Taz. PL, Fig: 33: 

Eine kleine ovale bis kreisrunde Art von 15--17 mm Durch- 
messer. Die mir vorliegenden Stücke zeigen nur die Innenseite, welche 
mit etwa 20 radialen Leistehen und concentrischen Anwachsstreifen 
bedeckt ist. Am Rande ist ein glatter Wulst bemerkbar, der sich gegen 
den Wirbel zu verschmälert. Unterhalb desselben ist eine Einsenkung 
der Schale vorhanden; eine Oefinung konnte ich jedoch nicht bemerken. 
Es scheint aber vor dem Wirbel ein Ausschnitt in der Schale zu sein. 

Gümbel beschreibt die Plicatula parvula vom Kressenberg 
folgendermassen: 

„Sie ist eine kleine, auf organischer Unterlage aufsitzende Art, 
3 Linien lang und breit, verwandt mit Pl. Beaumontiana Rou., jedoch 
um die Hälfte kleiner, rundlich, gegen den Wirbel etwas zulaufend, mit 
der Aussenfläche aufsitzend, im Innern mit 18—20 entfernt stehenden 
Radialstreifen, zwischen welchen kürzere eingesetzt sind, bedeckt; bei 
einem Exemplar stehen die Streifen zu zweien und drei:n beisammen; 
der Rand ist verdickt, glatt, nur gegen innen schwach gekerbt.“ 


Anomia sp. 


Die vorliegenden Stücke, welche stark zerdrückt und ohne Schloss- 
rand sind, stehen der A. pellucida Deshayes (Anim. sans vert. I, pag. 154, 
pl. LXXXV, Fig. 13) am nächsten. Gümbel führt (Bayer. Alpen- 
gebirge, pag. 671) als Anomia spec. nov. (?) eine Form an, die der 
von Deshayes (Anim. sans vert. I, pl. LXXXV, Fig. 5) abgebildeten 
A. Casanovei Desh. ähnlich, jedoch mit zahlreicheren, etwas feineren 
Radialrippen geziert sei. 


Spondylus sp. 


An einem schlecht erhaltenen Bruchstücke sind deutliche Knoten 
vorhanden. Die Anwachsstreifen sind unregelmässig wülstig (vielleicht 
später zerdrückt), weniger hervortretend sind Radiallinien. Das Stück 
erinnert an Sp. paueispinatus? (Frauscher, Untereocän der Nord- 
alpen, pag. 46, Taf. III, Fig. 19, aber nicht: Bellardi, Mem. soc. geol. 
d. Fr. 2. ser., vol. IV, pag. 259, pl. XX, Fig. 4.) 


Spondylus cf. eisalpinus Brongn. 


1823. Spondylus eisalpinus Brongniart. M&em. sur les terz. de Sedim. sup. de 
Vicentin., pag. 76, pl. V, Fig. 1. 

1861. Spondylus eisalpinus Brongniart. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 608 
und 672. 

1870. Spondylus cisalpinus Brongniart. Fuchs. Denkschr. der kais. Akad. der 
Wisseusch., math.-naturw. Ol. XXX, pag. 168, Taf. VII, Fig. 11 und 12. 


IB) Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 257 


1902. Spondylus cisalpinus Brongniart. Deninger. Molluskenfauna des Tertiär- 

beckens von Reit i. W. etc, pag. 8. 

Einige mir vorliegende Formen, wovon die grösste eine Länge 
von 95 mm, eine Breite von 78 mm und eine Dicke von 41 mm erreicht, 
sind leider stark abgerieben, zeigen aber doch die Radialberippung 
wie die obige Art. 


Spondylus sp. 


| 
I 
| 
| 


Ein weiteres, währscheinlich zu Spondylus gehöriges Stück von 
14 mm Länge und 12 mm Breite hat ganz die Zeichnung von Sp. 
Buchi Philippi (= limaeformis Giebel, Die Fauna der Braunkohlen- 
formation von Latdorf. Abhandl. d. naturforsch. Gesellsch. zu Halle, 
Bd. VIII, Taf. IV, Fig. 18), v. Koenen, Nordd. Unteroligocän. Ab- 
handl. zur geol. Specialkarte von Preussen, Bd. X, Hft. 5, pag. 1036, 
Taf. LXVI, Fig. 1—4. 


Spondylus cf. rarispina Desh. 


1824. Spondylus rarispina Deshayes. Coqu. foss. des envir. de Paris. Tom. I, 
pag. 321, pl. XLVI, Fig. 6—10. 
1864. Spondylus rarispina Deshayes. Desh. Deser. des anim. s. vertebr. II, pag. 90. 
1859. Spondylus rarispina Deshayes. Wood. Eoc. bivalv., pag. 51, pl. VIII, Fig. 1. 
1886. Spondylus rarispina Deshayes. Frauscher. Untereocän der Nordalpen, 
pag. 48, Taf. V, Fig. 3. 
1887. Spondylus rarispina Deshaye. Cossmann. Catal. illustre des coqu. foss. 
de l’eoc. de Paris. II. Fasc., pag. 192. 
Vier kleine Exemplare, wovon das grösste 25 mm laug und 
20 mm breit ist, lagen mir vor. Die Stücke sind fast nur als Stein- 
kerne erhalten, stimmen aber im Umriss mit genannten Species über- 
ein. Die zahlreichen feinen Radialstreifen lassen jedoch keine spitzen 
Knoten erkennen, was aber durch die schlechte Erhaltung erklärlich 
ist, da nur Reste der inneren Schalenschicht erhalten sind. 
Zwei andere stark zerdrückte Formen zeigen eine Aehnlichkeit 
mit Sp. tenuispina Sandberger var., v. Koenen, Nordd. Unteroligocän, 
pag. 1033, Taf. LXV, Fig. 1—9. 


Lima haeringensis n. sp. 
Taf. XI, Fig. 1. 


Eine grosse Form, welche der Lima Szab6i Hofmann (Beiträge 
zur Kenntnis der Fauna des Hauptdolomits und der älteren Tertiär- 
gebiete des Ofen—Koväcsier Gebirges. Mittheil. a. d. Jahrb. d. ung. 
Beol. Anst. 1873, II. Bd., III: Hft., 1. Th., pag. 199, Taf. XIV, Fig. 3) 
sehr nahe steht. Das grösste mir vorliegende Stück hat eine Länge 
von 12:5 cm und eine Breite von 75 cm. 

Die länglich ovalen Klappen zeigen eine mässige Wölbung. Die 
Ohren sind sehr ungleich, das vordere ist ziemlich klein, tritt jedoch 
nicht so zurück, wie bei den in den norwegischen Fjorden lebenden 
Lima (Acesta) excavata Fabrieius. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heit. (J. Dreger.) 35 


258 Dr. Julius Dreger. ’ [6] 


Die kaum !/; mm dicke, sehr zerbrechliche Schale ist beim Vorder- 
rand mit feinen, etwas wellig geformten Radialleistchen bedeckt, welche 
gegen die Mitte zu allmälig breiter und schwächer werden, um noch 
vor dieser ganz zu verschwinden. Der übrige Theil der Muschel ist 
bei älteren Exemplaren ohne Radialverzierung. Schwach stufenförmige 
Anwachsstreifen bedecken aber die ganze Schale. 


Lima Mittereri n. sp. 
Taf. XII, Fig. 6 und 8. 


Kräftige Radialrippen, welche gegen die Mitte zu stärker werden, 
bedecken die Schale. Die Anwachsstreifung ist weniger hervortretend. 
Die Ohren zeigen dieselbe Ausbildung, wie bei der vorhergehenden 
Art, mit der sie auch in der Grösse wetteifert. 

Leider liegen ausser einem ziemlich vollständigen, aber stark 
zerdrückten Steinkerne nur schlecht erhaltene Bruchstücke vor, so 
dass weder die Schlossgegend noch die Beschaffenheit der Area zu 
erkennen ist. 

Lima lineata Desh. (Goldfuss, Petref. Germ. II, pag. 79, Taf. C, 
Fig. 3a, db) aus dem deutschen Muschelkalke hat im Allgemeinen die 
gleiche Zeichnung. 


Lima Guembeli ©. Mayer. 
Taf. XI, Fig, 2. 
1861. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672. 


©. Mayer beschreibt Lima Gwembeli mit folgenden Worten: 
„Sie ist eine grosse, 111/, Linien lange und 11 Linien breite, stark 
ungleichseitige, der L. ovalis Desh. nicht unähnliche, vorn gerade 
abgestutzte Form, deren Oberfläche mit sehr zahlreichen feinen, 
enggestellten, etwas wellig gebogenen Rippchen bedeckt ist; die 
Rippchen sind von entfernt stehenden Anwachsstreifen grob gekörnelt.* 


Lima tirolensis Mayer et Gwermbel. 
Taf. XI, Fig. 3. 
1861. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672. 


„Lima tirolensis Mayer et Guembel, eine ziemlich gleichseitige, 
längliche, schmale, gleichmässig abgerundete, hoch gewölbte Form von 
11!/, Linien Länge und 8 Linien Breite. Die Schalenoberfläche ist 
von sehr engstehenden, feinen, nicht wellig gebogenen, zahlreichen 
(circa 75) Radialrippchen bedeckt, welche durch die ebenfalls enge 
Anwachsstreifung auf ihrem Rücken gekörnelt werden.* 

Einzelne Stücke zeigen eine schwache radiale Faltung, welche 
besonders auf der Mitte der Schale deutlich wird. 

Eine kleine, wenig schiefe, rundliche Form von ungefähr 8 mm 
Durchmesser, welche mit Radialrippchen bedeckt ist, die am Rande 
stärker hervortreten und von der Anwachsstreifung unregelmässig 
gerunzelt werden, ist, vielleicht eine Jugendform der L. tirolensis. 


[7 Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 259 


Lima sp. 


Das Stück hat 36 mm Länge, 26 mm Breite und etwa 5 mm 
Höhe. Ungefähr 25 starke Radialleisten, zwischen welche sich gegen 
den Schalenrand an Zahl zunehmende schwächere einschalten, sind 
vorhanden und werden durch die Anwachsstreifung zart geknotet. Die 
Ohren sind dem Stücke abgebrochen, das an die vergrösserte Lima 
obligua Lam. erinnert (Deshayes, Coqu. foss. I, pl. XLIII, Fig. 10). 
Die Häringer Form ist jedoch schlanker und zarter gezeichnet. 

Ein anderes Stück von 165 mm Länge und 20 mm Breite, dem 
ebenfalls die Ohren fehlen, steht der Lima dilatata Lam. (Deshayes, 
Coqu. foss. I, pl. XLII, Fig. 15—17) am nächsten. Es hat ungefähr 
dieselben Verhältnisse zwischen Länge und Breite, ist ebenfalls wenig 
schief und mit Radialleistchen bedeckt. 


Pecten corneus Sow. 


1818. Pecten corneus J. Sowerby. Min. Conchyl., t. 204. 

1843. Pecten corneus J. Sowerby. Nyst. Coqu. foss. de la Belgique, pag. 299, 
pl. 23, Fig. 1. 

1850. Pecten corneus J. Sowerby. Dixon. Geol. a. Foss. of Sussex, tab. IV, Fig. 6. 

1861. Peeten corneus J. Sowerby. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 608. 

1871. Pecten corneus J. Sowerby Wood. Eoc. bivalves of England, pag. 39, 
Tab. IX, Fig. 7. 


1893. Peeten corneus J. Sowerby. v. Koenen. Nordd. Unteroligocän, pag. 1020, 
Taf. LXVII, Fig. 1-3. 


1902. Pecten corneus J. Sowerby. Deninger. Tertiärbecken von Reit etc., pag. 8. 


Diese Form findet sich ziemlich häufig in Häring und stimmt 
gut mit der englischen überein. Die Oberfläche ist meist ganz glatt, 
nur bisweilen treten schwache Radialstreifen in der Nähe des Wirbels 
auf, so dass die Aehnlichkeit mit der folgenden Art oft eine grosse wird. 


Pecten semiradiatus ©. Mayer. 


Par KL #ig.D. 


1861. Pecten semiradiatus C. Mayer. Desript. d. coqu. foss. des terr. tert. infer. 
Journ. d. Conchyl. 3. ser., tom. I, pag. 59. 

1861. Pecten Bronni. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672. 

1873. Pecten semiradiatus. Hofmann. Mittheil. aus dem Jahrb. d. ung. geol. 
Anstalt, pag. 193, Taf. XIII, Fig. 2. 


Eine der vorhergehenden an allgemeinem Aussehen und Grösse 
nahestehende Art. die sich von letzterer aber durch das Vorhanden- 
sein von sechs entfernt stehenden Radialrippen unterscheidet, welche 
auf der äusseren Schale nur schwach hervortreten, dagegen im Innern 
oder auf dem Steinkerne deutliche Furchen erkennen lassen, welche 
aber nur bis etwa ?2/, der Schalenlänge reichen. Eine feine, etwas 
ungleichmässige, concentrische Streifung bedeckt die Muschel, die 
eine Länge von 60 mm und eine Breite von über 50 mm erreicht. 

Der von Bittner (Die Tertiärablagerungen von Trifail und Sagor. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1884, pag. 525, Taf. X, Fig. 25) beschriebene 
Pecten Mojsisoviesi steht unserer Form ungemein nahe. Sie unterscheidet 

86* 


\ 
1 


260 Dr. Julius Dreger. . 8] 


sich von dieser hauptsächlich dadurch, dass ihre Schale aussen voll- 
kommen glatt ist und innen sieben Rippen aufweist. Die zarte Radial- 
streifung fehlt der Trifailer Form. 


Fecten Bronni ©. Mayer. 


1861. Pecten Bronni C. Mayer. Deser. d. coqu. foss. des terr. tert. infer. Journ. 
de Conchyl. 3. ser., tom. I, pag. 58. 

1861. Pecten Gümbeli. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672. 

1873. Pecten Bronni. Hofmann. Jahrb. d. ung. geol. Anstalt, II. Bd., III. Heft, 
1. Th., pag. 194, Taf. XIV, Big: 

1901. Pecten (Parvamusium) Bronni. Oppenheim. Beiträge zur Paläontologie und 
Geologie Oesterreich-Ungarns etc. XIII, pag. 231, Taf. XV (V), Fig. 2. 
Gümbel gibt im Bayerischen Alpengebirge, pag. 672, folgende 

Beschreibung unseres Pecten, den er mit P. Gümbeli C. Mayer be- 
zeichnet, an: „Er ist zunächst mit P. duodecim lamellatus Br. ver- 
wandt, unterscheidet sich aber von dieser Art nach einer grossen 
Anzahl vorliegender Exemplare konstant durch nur zebn Radial- 
rippchen, welche oben auf der Schale weniger stark vorragen als 
auf der unteren Fläche, so dass sie hier im Steinkerne tiefe, nach 
aussen verstärkte, aber nicht ganz bis zum Rande reichende Furchen 
erzeugen; die Schalenoberfläche ist überdies von gröberen Anwachs- 
streifehen bedeckt, dünn und oft runzelig gefaltet. Die Länge be- 
trägt 12 Linien, die Breite 11 Linien.“ 

Demnach bekam Gümbel nur Stücke mit 10 Radialrippchen 
in die Hand, mir lagen jedoch auch welche mit 12 Rippen vor. Die 
Schale ist nur sehr selten gut erhalten und zeigt eine sehr feine 
Gitterstruktur, wobei die’ concentrischen Streifen stärker hervortreten. 

Hofmann konnte an den zahlreichen und gut erhaltenen Exem- 
plaren aus der Ofener Gegend nachweisen, dass sich die Zeichnung 
der rechten und linken Klappe unterscheidet. An ersterer seien die 
concentrischen Streifen der äusseren Oberfläche viel regelmässiger 
und kräftiger entwickelt als auf der linken; ferner liefen die Radial- 
rippchen auf der Innenseite der rechten Klappe fast bis an den 
Rand herab, während sie auf der linken schon wenig unter zwei 
Drittel der Schalenhöhe endigten. 

Auch in Häring finden sich Formen, bei denen die Radialrippen 
bis an den Rand reichen und andere, die fast ein Drittel der Schale 
frei lassen. Nur konnte ich: hier bei der schlechten Erhaltungsweise 
nicht rechte und linke Klappe unterscheiden. 


Peceten Hoernesi Mayer et Guembel. 


Taf. XTI;| Eig, #. 
1861. Peeten Hoernesi Mayer et Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672, wie folgt 
beschrieben: 
„Eine kleine, eirca 3 Linien lange und 3!/, Linien breite, dem 
P. laminosus Mant. nahe stehende Art mit wenigen (acht bis neun) 
breiten, abgerundeten, concentrischen Wülsten, grossen, weit herab- 
reichenden, concentrisch feingestreiften Ohren; von sonstiger Ober- 
flächenzeichnung ist nichts zu bemerken.“ 


[9] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 261 


Bei dem einzigen mir vorliegenden Stücke, das wohl hierher 
gehören dürfte, konnte ich ausser den unregelmässigen Wülsten, die 
mir den Eindruck machen, als wären sie durch nachherige Quetschung 
entstanden, noch eine regelmässige feine, dichte, concentrische Streifung 
wahrnehmen. 


Pecten sp. 


Es liegen mehrere schlecht erhaltene, verschieden grosse Stücke 
einer oder mehrerer Arten vor; sie erinnern, wie schon Gümbel 
(Bayer. Alpengebirge, pag. 672) erwähnt, durch ihre Oberflächen- 
zeichnung an P. Sowerbyi Nyst (Tert. de la Belgique, pag. 293, pl. 
XXL. 3. et pl. XXIL bis 3.). 


Pecten Telleri Deninger. 


1902. Peeten Telleri Deninger. Tertiärbildungen von Reit etc., pag. 7, Taf. VII, 

Fig. 1 und 2. 

Ein Bruchstück eines Peeten mit fünf entfernt stehenden Radial- 
rippen (Gümbel, Bayer. Alpengebirge, pag. 672, 6. Species von 
oben), ähnlich dem im Mittelmeer lebenden P. flexuosus Poli = P. 
polymorphus Philippi. 


Vola cf. deperdita Mich. 


1861. Michelotti. Etudes sur le mioc. infer. de l’Italie Septentr, pag. 79, pl. IX, 
Fig. 6 und 7. 
Das einzige vorliegende Stück trägt mindestens 25 streifen- 
artige Rippen, die etwas schmäler sind als die dazwischen liegenden 
Vertiefungen. 


Avicula monopteron Guembel. 
Taf. XII, Fig. 7. 


Gümbel beschreibt in seinem Bayerischen Alpengebirge 
(pag. 672) A. monopteron als eine kleine, 31), Linien lange und 
2 Linien breite, wenig ungleichseitige, mit starken, wulstartigen, con- 
eentrischen Streifen bedeckte Form, welche sich dadurch besonders 
auszeichnet, dass sie vorn nur die Spuren einer flügelartigen Ver- 
längerung trägt, nach hinten dagegen breit geflügelt ist; auf diesem 
Flügel sind die Streifen feiner als auf der übrigen Schale. 


Avicula cf. media Sow. 


Die mir vorliegenden Stücke lassen keine sichere Bestimmung 
zu. Gümbel (Bayer. Alpengebirge, pag. 608) hält sie für Avicula 
media Sow. (Wood. 1861, Eoc. Biv. of England, pag. 53, Taf. XI, 
Fig. 1a—d; Frauscher 1886, Untereocän der Nordalpen, pag. 75. 
Taf. VI, Fig. 9u, b). 

In Häring kommen sehr grosse Exemplare vor, von 6 cm Länge 
und 75 cm grösster Schalenbreite. Der Schlossrand ist über 6 cm lang 
und zeigt am hinteren Ende ausserdem noch eine 1 cm lange spitze 
Verlängerung. 


262 Dr Julius Dreger. ‘ [10] 


Perna cf. Sandbergeri Desh. 
1860. Perna Sandbergeri. Sandberger. Mainzer Tertiärbecken, pag. 367, Taf. 
XXT, Fig. 4. 
Bruchstücke von grossen (etwa 96 mm langen und 72 mm breiten) 
Exemplaren; leider sind nur wenige Schalenschichten erhalten, jedoch 
stimmt die allgemeine Form gut mit genannter Art überein. 


Modiola sp. 


Eine sehr schön gezeichnete Form von 28 mm Länge. Leider 
liess sich das Stück nicht ganz von dem darauf haftenden Gesteine 
freimachen. Es erinnert sehr an Modiola marginata Eichw. (Hoernes, 
Die fossilen Mollusken d. Tertiärbeckens von Wien. Bivalven, pag. 350, 
Taf. 45, Fig. 6), hat aber eine viel zartere Zeichnung. Die zahl- 
reichen Radialrippchen werden von einer ganz schwach wellen- 
förmigen Querstreifung überzogen, welch letztere auf den späteren 
Schalentheilen zurücktritt, wofür aber grobe Anwachswülste hervor- 
treten. 


Modiola sp. 


Ein Steinkern mit Schalenresten, welche auf dem mittleren 
Theile eine starke Radialstreifung erkennen lassen. Der längs der 
Schale verlaufende Keil setzt sich in dem gegen den Schlossrand 
wulstig gekrümmten Wirbel fort. 


Lithodomus cf. cordatus Lam. 
1524. Modiola cordata. Deshayes. Description des coqu. foss. des env. de Paris I, 
pag. 268, pl. XXXIX, Fig. 17—19. 
1864. Modiola cordata. Deshayes. Descr. des anim. s. vertebr. II, pag. 19. 
1877. Lithodomus cordatus. Mayer. Pariserstufe von Einsiedeln. Beiträge zur geol 
Karte der Schweiz. 14. Lief., Anhang, pag. 79. 


1886. Lithophagus cordatus. Frauscher. Das Untereocän der Nordalpen, pag. 82, 
Taf. ‚VL; Fig.11: 


1887. Lithodomus cordatus. Cossmann. Catal. des coqu. foss. etc. II, pag. 156. 
1901. Lithodomus cordatus. Oppenheim. Beiträge zur Paläontologie und Geologie 

Oesterreich-Ungarns etc. XIII, pag. 234. 

Das einzige vorliegende Stück hat eine Länge von 29 mm und 
eine Breite von 15 mm, ist also bedeutend grösser als die bisher 
bekannten Exemplare. 

Die allgemeine Form und Zeichnung stimmt, soweit die theil- 
weise Erhaltung der Schale es zulässt, überein; vielleicht sind die 
Anwachswülste etwas stärker als bei L. cordatus. 

Diese und die folgende Art finden sich noch in dem ursprünglich 
angebohrten Triaskalkstein, der gewöhnlich dunkler gefärbt ist, als 
der die Bohrlöcher ausfüllende Häringer Cementmergel. 


Lithodomus Saucatsensis C. Mayer. 
1858. Lithodomus Saucatsensis Mayer. Journ. de Conchyliologie, 2. ser., tom. TII, 
pag. 78. 
Die grosse Bohrmuschel findet sich nicht selten in Häring. Die 
Exemplare stimmen gut mit solchen aus Saucats überein, wie ich 


[11] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 263 


mich in der Samınlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums über- 
zeugen konnte. t 

Diese und die vorhergehende Art fanden sich noch in dem 
ursprünglich angebohrten dunklen Gestein (Gutensteiner Kalk). Die 
Bohrlöcher sind mit Häringer Mergel ausgefüllt. 


Orenella (?) Deshayesana Mayer et Gwembel 
Taf. XII. Fig. 9a, b. : 


1861. Orenella (?) Deshayesana. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672, wie folgt 
beschrieben: 

„Kleine, hochgewölbte, concentrisch und radial stark und zierlich 
gestreifte, einseitige Muscheln stimmen, soweit das Schloss blossgelegt 
werden konnte, mit der Gattung Crenella; doch verhindert die Härte 
des Mergels eine sichere Ermittlung des Genus. Die kleine, meist 
stark gedrückte Muschel misst normal 21/, Linien in der Länge und 
2 Linien in der Breite; der Wirbel ist stark nach einer Seite ge- 
drückt und weit übergebogen, die Oberfläche der Schale mit stärkeren 
eoncentrischen und schwächeren radialen Streifchen bedeckt; der 
Aussenrand ist gekerbt.“ 


Pinna cf. hungarica ©. Mayer. 


1861. Pinna ef. helvetica C. Mayer. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672. 
1875. Pinna hungarica ©. Mayer. Hofmann. Beiträge zur Kenntnis der Fauna etc. 
und der älteren Tertiärgebilde des Ofen-Koväcscer Gebirges. Mittheil. aus 

dem Jahrb. d. ung. geol. Anstalt, pag. 200, Taf. XVI, Fig. 4 und Taf. XVII, 

Fig. 1 und 2. 

Eine Form von etwa 16 cm Länge scheint mir der Ofener näher 
zu stehen als der P. helvetica C. Mayer (System. Verzeichnis der 
Kreide- und Tertiärversteinerung der Umgegend von Thun etc. Bei- 
träge zur geol. Karte der Schweiz, 24. Lief., 2. Theil, 1887, pag. 21, 
Taf. II, Fig. 2), welcher Ansicht auch Hofmann (l. e. pag. 201) ist. 

Die mir vorliegenden Stücke sind zu schlecht erhalten, als dass 
eine genaue Bestimmung möglich wäre. Von der Schale sind nur 
ganz spärliche Reste erhalten. 


Pinna imperialis Mayer et Guembel. 
1861. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 672. 


Diese von Gümbel folgendermassen beschriebene Art: „P. im- 


perialis M. et G., von der Grösse und Form der Pinna radiata Mü. 
(Goldf., Taf. 127, Fig. 6), mit zalılreichen feinen, gekörnelten Ra- 
dialrippchen und dicht stehenden Anwachsstreifen auf der Schalen- 
oberfläche geziert“, war unter dem mir zu Gebote stehenden Material 
nicht vorhanden. 


Arca tirolensis Mayer et Gwembel. 
Taf. XII, Fig. 1. 
Gümbel (Bayerisches Alpengebirge, pag. 672) sagt über diese 
Form: „Die neue Art von Häring zeigt die nächste Uebereinstimmung 


964 Dr. Julius Dreger. . [12] 
mit Arca clathrata Drf.®, ist jedoch viel grösser, 9 Linien lang, 
19 Linien breit. Die radialen Rippen und concentrischen Wülste mit 
den dazwischen stehenden feinen Streifen viel zahlreicher, daher die 
Oberfläche grob gekörnelt und fein gegittert erscheint.“ 

Das abgebildete Stück, das auch der Beschreibung Mayer’s 
und Gümbel’s zu Grunde lag, ist ein Steinkern mit Schalenspuren. 

Ein anderes, etwas zerdrücktes und beschädigtes Exemplar 
einer rechten Klappe zeigt auf der Vorderseite etwa 5 Radialrippen, 
welche durch ziemlich dichtstehende concentrische Leistchen ge- 
knotet werden, hierauf folgen 10 schwache Radialrippchen, wobei 
auch die concentrische Streifung schwächer wird. Der dann gegen 
hinten folgende Schalentheil zeigt wieder eine kräftigere Gitterung 
mit etwa 9 Rippen, die 5 letzten. Rippen werden jedoch durch keine 
Leistehen überzogen und tragen deshalb auch keine Knötchen. 


Arca cf. asperula Desh. 


Eine andere, sehr stark zerdrückte, langgestreckte Form mit 
schuppiger Struetur und Knotenbildung erinnert an Arca asperula Desh. 
aus den Sables moyens (Deshayes, Deser. des anim. s. vertebr. I, 
pag. 883, pl. 66, Fig. 4—6). 

Ein Exemplar mit sehr zahlreichen feinen Radialstreifen und 
einer erst mit der Lupe sichtbaren Körnelung erinnert an Arca sa- 
buletorum Desh. (Anim. s. vert., pag. 877, I, pl. LXX, 1-3), ist aber 
etwas grösser. 


Pectunculus deletus Solander. 


1766. Arca deleta. Solander, in Brand. Foss. Hanton, pag. 97, pl. VII, Fig. 97. 
1810. Peetunculus angusticostatus Lamarck. Ann. du Mus, t. VI, pag. 216, t. IX, 

PLA VIIL,. 78, 7: 

1843. Pecetuneulus deletus var. B. Desh. Nyst. Coqu. foss. de Belgiaue, pag. 252, 

pl. XX, Fig. 2. 

1863. Pectunculus angusticostatus Lam Sandberger. Mainzer Becken, pag. 348, 

Taf. XXX, Fie. 1. 

1871. Pectunculus deletus Sol. Wood, Eoc. bivalves of England, pag. 97, Tab. XVI, 

Fig. 3. 

Eine grosse gleichseitige Form von 55 mm Länge, 50 mm Höhe 
und mässiger Wölbung. Etwa 30 am Rande 2 mm breite, stark her- 
vortretende Radialleisten, welche zu beiden Seiten von je einer Rinne 
begleitet werden, die gegen die Seiten an Deutlichkeit abnehmen, 
bedecken die Schale. Die vertieften Zwischenräume der Leisten sind 
etwas breiter als diese. Die Anwachsstreifung ist ungleich stark und 
tritt im Allgemeinen auf den Leisten stärker hervor als auf der 
übrigen Schale und gibt diesen eine schuppige Structur. Sie steht 
der von Goldfuss (Petref. Germ., pag. 161, Taf. CXXVI, Fig. 10) 
abgebildeten P. angusticostatus am nächsten und unterscheidet sich 
hauptsächlich durch die die Leisten begleitenden Rinnen davon, welche 
Jedoch bei manchen Stücken sehr zurücktreten. 


!) Eine miocäne Art, die besonders in der Touraine sehr häufig ist und 
nach Philippi noch lebend im Mittelländischen Meere vorkommt. Siehe Hörnes, 
Fossile Mollusken des Wiener Beckens. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., IV. Bd., 
pag. 340, Taf. 44, Fig. 10. 


. 


[13] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 265 


Pectunculus cf. obovatus Lam. 
1860. Deshayes. Anim. sans vertebr. I, pag. 849, pl, LXXIII, Fig. 1 und 2. 
Ein Stück mit sehr wenig erhaltener Schale von 69 mm Länge 


und 65 mm Höhe. Die Kerbung am inneren Rande ist eine um die 
Hälfte zartere als bei P. obovatus. 


Pectunculus glycimeroides Mayer et Guembel. 
Taf, XII, Fie; 19. 
1861. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 673. 

Gümbel sagt darüber (l. e.): „Eine mit P. glyeimeris nahe 
verwandte Art, welche sich durch ihre entfernt stehenden Radial- 
streifen auszeichnet.“ 

Das zur Abbildung gebrachte Stück aus der Münchener Samm- 
lung ist noch das am besten erhaltene, das mir vorlag, während 
mehrere andere Exemplare kaum eine charakteristische Zeichnung 
erkennen lassen. 


Fectunculus sp. 


Ein Stück mit teilweise erhaltener Schale ist mit über 40 Radial- 
streifen versehen, zwischen denen je 2 feinere, einander sehr nahe 
liegende Radialleistehen auftreten. Höhe des Stückes 80 mm, Länge 
12 mm. 


2 Pectunculus nobilis Guembel. 


In der Münchener Sammlung des königl. Oberbergamtes fand 
sich eine Muschel aus Häring, die von sümbel als Limopsis nobilis 


bezeichnet worden ist und obenstehend in natürlicher Grösse ab- 
gebildet ist. (c vergrössertes Schalenstück.) 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (J. Dreger.) 36 


266 Dr. Julius Dreger. » [14] 


Das Stück ist unterhalb des Wirbels zerdrückt, so dass eine 
Area nicht zu erkennen ist, weshalb auch seine systematische Stellung 
zweifelhaft ist. 

Die Schale ist auf der Hinterseite in der Gegend des Wirbels 
besser erhalten und zeigt, dass zwischen den gröberen Radialstreifen 
ein oder mehrere feinere Leistehen vorhanden sind, welche fein ge- 
knotet sind. Die gröberen Radialstreifen zeigen die Knotung in 
schwächerem Masse. Der Innenrand der Schale ist gekerbt. 


2 Pectunculus. 


Eine kleine, 105 mm lange und 135 mm breite Schale mit 
zahlreichen feinen Radiallinien, ziemlich stark gewölbt. Der Schloss- 
rand ist nicht deutlich zu verfolgen, weshalb die Stellung zu den 
Pectunculiden zweifelhaft ist. 


Limopsis scalarıs Sow. 


1824. Pectunculus scalaris Sow. Min. Conch., t. 472, Fig. 2. 

1843. Trigonocoelia scalaris Sow. Nyst. Coqu. et polyp. de Belgique, pag. 242, 
pl. XIX, Fig..2. 

1871. Limopsis scalaris Sow. Wood. Eoc. Mollusca. Biv., pag. 104, Taf. XVII, 
Fig. 9. 
Die Häringer Exemplare stimmen gut mit der Form aus Barton 

überein. 


Nucula parisiensis Desh. 
1843. Nucula margaritacea Lamk. (Lin.?). Nyst. Deser. coqu. foss. de la Belgique, 

pag. 229, pl. XVII, Fig. 9. 

1826— 1833. Nucula comta. @oidfuss. Petr. Germ. I., pag. 158, Taf. CXXV, Fig. 20. 
1858. Nucula Parisiensis. Deshayes. Descr. anim. s. vert@br. de Paris I, pag. 819. 
1824—1837. Nucula margaritacea, Deshayes. Descer. coqu. foss. env. Paris I, 

pag. 231, pl. XXXVI, Fig. 15— 17. 

1886. Nucula Parisiensis Deshayes. Frauscher. Das Untereocän der Nordalpen, 

pag. 101, Taf. VII, Fig. 3. 

Zarte kleine Formen von etwa 10 mm Länge und 7 mm Höhe. 
Eine sehr feine Radialstreifung bedeckt die Schale. Am nächsten 
steht unserer Form jene aus Kressenberg (Frauscher), an welcher 
ebenfalls mit freiem Auge eine Radialstreifung zu erkennen ist. 

Ein Stück erinnert durch seine sehr deutliche, regelmässige 
Radialstreifung sehr an Nucula sextans Edw. (W 0 0d, Eoc. biv., pag. 123, 
Tab. XX, Fig. Sa) aus den Thanetsanden. 


Nucula laevigata Sow. 


In der Sammlung des Wiener Hofmuseums findet sich eine 
rechte und eine linke Klappe einer Form, welche gut mit der Ab- 
bildung in Nyst, Deser. coqu. foss. de la Belgique, pl. XVII, Fig. 8 
übereinstimmt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass eine Einkerbung 
am Innenrand vollkommen fehlt. 


Du 


[15] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 267 


? Nucula haeringensis n. sp. 
! Taf. XII, Fig. 12. 


Ob diese Form zu Nucula zu stellen ist, ist nicht ganz sicher, 
da, wie übrigens bei fast allen Häringer Lamellibranchiaten, durch die 
schlechte Erhaltung vom Schlosse nichts zu sehen und die Schale 
auch nur in Spuren vorhanden ist. Doch schien sie mir wegen des 
allgemeinen Umrisses, der Form der Muskeleindrücke und besonders 
wegen des Perlmutterglanzes der inneren Schalenschichte zu den 
Nuculiden zu gehören. 

Die in der Abbildung hervortretende schwache Falte auf dem 
Hinterrande ist eigentlich nicht so deutlich vorhanden, sondern ist nur 
der Rand des Muskeleindruckes. 

In der feinen, ziemlich regelmässigen concentrischen Streifung 
treten einige Anwachsstreifen, die auch auf dem Steinkerne sichtbar 
sind, stärker hervor. Der innere Schalenrand ist glatt. Der Wirbel 
tritt nur wenig hervor. 


2 Nucula. 


Schlecht erhaltene, zerdrückte Stücke, welche eine feine Gitter- 
structur zeigen, wobei die concentrische Streifung stärker hervortritt. 
Bisweilen verschwindet die Radialstreifung gänzlich, so dass eine 
Aehnlichkeit mit der Nucula Deshayesiana Desh. (Nyst, Deser. coqu. 
foss. de la Belgique, pag. 221, pl. XV, Fig. 8) entsteht. 


? Trigonia Deshayesana Mayer et Guembel. 
Taf. XII, Fig. 3. 


Die beiden Autoren sagen darüber (Gümbel, Geognostische 
Beschreibung des bayerischen Alpengebirges, pag. 673) Folgendes: 
„Eine höchst merkwürdige, dem Aeusseren nach zur Gattung Trigonia 
gehörige Muschel von quer ovalem Umrisse; sie ist stark nach hinten 
verlängert; eine sehr vortretende Diagonalkante begrenzt die !/; der 
Schalenbreite einnehmende Schlossfläche, vorn ist die Schale fast kreis- 
förmig abgerundet; über die Schlossfläche verlaufen acht hohe, ge- 
körnelte Radialrippen und feine concentrische Streifen, der grössere 
Schalentheil ist mit gröberen concentrischen Wülsten nebst feinen 
Anwachsstreifen und in der Mitte von etwa sechs flachen Radial- 
rippchen bedeckt, so dass gegen vorn auf einem breiten, gegen die 
Diagonalkante auf einem schmäleren Schalenstreifen keine Radial- 
rippchen stehen; die Länge beträgt 41/, Linien, die Breite 10 Linien.“ 

Diese Beschreibung passt für die linke Klappe; zur Abbildung 
gelangte die rechte Klappe, welche eine etwas andere Zeichnung 
trägt, indem in der Mitte ein Feld von den Radialrippen frei bleibt 
und diese gerade gegen den Vorderrand zu auftreten, während an 
der anderen Klappe hier nur concentrische Streifen sichtbar sind. 

Da der Schlossapparat an dem Stücke nicht zu sehen ist, die 
tertiären und lebenden Trigonien sehr selten und eine weniger an 
die älteren mesozoischen Formen erinnernde Zeichnung tragen, als 

36* 


268 Dr. Julius Dreger. . [16] 


es bei unserem Stücke der Fall ist, ist dessen Stellung als Trigonia 
sehr zweifelhaft. Ich halte es für möglich, dass wir es mit einer 
trigonienartig verzierten Bohrmuschel, mit einer Pholas, zu thun haben. 
Ein Klaffen der Schalen ist nicht deutlich zu bemerken, da die Schalen 
gegeneinander verschoben sind. Auffallend ist die verschiedene Ver- 
zierung der beiden Klappen. 

Die recente Psammobia squamosa Lamk. (Borneo) zeigt ähnliche 
gekörnelte Radialrippen am Hinterrande, wie auf der Area (?) der 
Häringer Form. 


Solenomya Doderleini Mayer. 


1861. Solenomya Doderleini. Mayer. Journ. de Conchyliologie. Vol. IX, pag. 364. 

1861. Solenomya Sandbergeri Gümbel. Beschreibung des bayer. Alpengebirges, 
pag. 668. 

1870. Solenomya Doderleini Mayer. M. Hoernes. Fossile Mollusken des Beckens 
von Wien. II., pag. 257, Taf. 34, Fig. 10. 

1875. Solenomya Doderleini Mayer. R. Hoernes. Schlier von Ottnang, pag. 376, 
Taf. XIII, Fig. 9-12. 

1902. Solenomya Doderleini Mayer. Deninger. Molluskenfauna von Reit im Winkel 
und Reichenhall, pag. 14. 


Die nicht seltenen Exemplare stimmen gut mit denen aus dem 
Schlier von Ottnang in Oberösterreich und mit denen aus Wieliczka 
in Galizien. S. Doderleini hat sich vom Unteroligocän durch das Miocän 
bis in das Pliocän erhalten und steht übrigens auch den lebenden 
S. togata Poli und 5. mediteranea Lamk. sehr nahe. 


Solenomya haeringensis n. sp. 
Taf. XII, Fig. 4. 


Die vordere (längere) Seite trägt fünf entfernt stehende Radial- 
leistehen, von denen, vom Schlossrande ab gerechnet, die zweite und 
dritte beiderseits von Radialfurchen begleitet sind. Auf dem übrigen 
Theil der Schale sind Radialleistehen nur auf der unteren Hälfte zu 
bemerken; sie bilden mit der hier stärker hervortretenden Anwachs- 
streifung unregelmässige, schwache Knoten. 


Solenomya sp. ind. 


Zwei kleine, dreimal so lange als hohe Formen mit Radialstreifung 
ähneln der Solenomya angusta Deshayes (Deser. anim. s. vertebr. I, 
pag. 732, pl. XV, Fig. 12—14) aus dem Pariser Grobkalke. 


Cardita imbricata Lamk. 


1806. Cardita imbricata Lamarck. Ann. des Musee. Vol. VII, pag. 156 et vol. IX, 
tom. XXXI, Fig. 4. 

1824. Cardita imbricata Lamk. Deshayes. Deser. coqu. foss. des env. de Paris. 
Tom. I, pag. 152, pl. XXIV, Fig. 4 und 5. 

1870. Cardita imbricata Lamk. W 00d. Eoc. biv. of England, pag. 147, Tab. XXI, 
Fig. 10. 

? 1872. Cardita cf. Laurae Brongt. Hofmann. Die geol. Verhältnisse des Ofen— 
Koväcsier Gebirges. Mittheil. aus dem Jahrb. d. k. ung. geol. Anstalt. I., 
pag. 223. 


[17] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 269 


1886. Cardita imbricata Lamk. Frauscher. Das Untereocän der Nordalpen. I., 
pag. 108, Taf. VIII, Fig. 5. 
Das Stück zeigt an den Schalenfragmenten die bezeichnende 
Schuppenstructur der dichtstehenden Radialrippen. 


Cardita cf. multicostata Lamk. 


1824. Venericardia multicostata Lamk. Deshayes. Descer. coqu. foss. des envir. 
de Paris. I., pag. 152, pl XXVI, Fig. 1 und 2. 

1852. Cardita Perezi. Bell. Mem. de la Soc. Geol. de France. 2. ser., tom. IV, 
pl. XVII, Fig. 7, pag. 243. 

1886. Cardita multicostata Lamk. Frauscher. Das Untereocän der Nordalpen. 
I., pag. 109 [145], Taf. VIII, Fig. 3. 
Stark abgeriebene Bruchstücke und eine durch Druck seitlich 

ausgedehnte linke Klappe stimmen am besten mit genannter Form. 


Cardita cf. squamosa Lamk. 
1824. Venericardia squamosa Lamk. Deshayes. Deser. coqu. foss. des envir, de 

Paris. I., pag. 157, pl. XXVI, Fig. 9—11. 

Das durch Druck wenig in die Länge gezogene Conchyl ist mit 
etwa 18 schmalen und ziemlich scharfen Radialrippen versehen, die 
mit in die Quere gezogenen dichtstehenden Knötchen geziert sind, 
welche nicht ganz die Anordnung und Beschaffenheit erkennen lassen, 
wie es die Figur 11 (Deshayes) vergrössert darstellt; doch mag 
daran die mangelhafte Erhaltung Schuld sein. 

Gümbel führt (Bayer. Alpengebirge, pag. 675) von Häring noch 
an: Cardita cf. minuta Leym. spec. (Venericardia minuta Leymerie. Mem. 
sur la terr. a nummul. des Corbieres et de la Montagne, pl. XV, Fig. 4. 
Mem. de la Soc. geol. de France 1844), ferner Cardita Basteroti 
(= C. Bazini Desh. Deser. anim. sans vertebr. I, pag. 775, pl. 60, 
Fig. 1—3). Mir lagen zu beiden Arten gehörende Formen nicht vor. 


Astarte sp. ind. 


Ein einziges schlechterhaltenes Stück mit concentrischen Streifen, 
die undeutliche Knötchen tragen. Die allgemeine Form ist die einer 
Astarte. 


Orassatella cf. parisiensis d’Orb. 


1852. Crassatella parisiensis d’Orbigny. Prodr. de paleont. Tom. II, pag. 423, Nr. 
1615 bis. 

1858. Crassatella parisiensis d’Orb. Deshayes Deser. des anim. sans vertebr. etc. 
Tom. I, pag. 740, pl. XX, Fig. 1 und 2. 


Ein unvollständiger Steinkern der rechten Klappe lag vor. 


Orassatella cf. tenuistriata Desh. 


1837. Orassatella tenwistriata. Deshayes. Deser. des coqu foss. des envir. de Paris. 
Tom. I, pag. 38, pl. V, Fig. 13 und 14. 

1886. Crassatella tenuistriata Deshayes. Frauscher. Untereocän der Nordalpen, 
pag. 119, Taf. IX, Fig. 10. 
Ein Steinkern mit Spuren der Schale am oberen Rande. Die 

etwa 30 concentrischen Streifen sind unbedeutend kräftiger als bei 


reg 


970 Dr. Julius Dreger. rare [18] 


der Form, welche Deshayes abbildet. Die Kerbung am inneren 
Rande ist deutlich zu sehen. (Sammlung des Hofmuseums.) 


? Orassatella cf. sinuosa Desh. 


1837. Crassatella sinuosa. Deshayes. Descr. des coqu. foss. des environs de Paris. 
Tom. I. pag. 38, pl. V. Fig. 8—10. 

1870. Crassatella sinuosa (?) Lamk. Wood Hoc. Biv. of England. Vol. I, pag. 168, 
pl. XXIII, Fig. 3 und 9. 


Sehr schlecht erhaltenes, zerdrücktes Stück mit Schalenspuren 
und undeutlicher concentrischer Streifung. 


Orassatella sp. ind. 


Zwei fast nur als Steinkerne erhaltene Stücke, die der Orassatella 
gibbosula Desh. aus Bracklesham (W 0 0d, Eoc. Biv. of England, pag. 165, 
pl. XXI, Fig. 15) am nächsten stehen. 


Crassatella cf. compressa Lamk. 


1806. Crassatella compressa Lamk. Ann. da Mus. Vol. VI, pag. 410, Nr. 4 et vol. 
IX, pl. XX, Fig. 5. 

1837. Crassatella compressa. Deshayes. Descr. des coqu. foss. des envir. de Paris. 
V.ol. I, pag. 37, pl. IL, Fig,.8 und ‘9. 

1870. Crassatella compressa Lamk. Wood. Eoc. Biv. of England. Vol. I, pag. 164, 
Taf. XXIII, Fig. 5. 


Ein schlechterhaltenes Schalenfragment. 


Pecchiolia argentea Maritr. 


1870. Pecchiolia argentea Mariti. Hörnes. Fossile Mollusken des Wiener Beckens. 
Conchifera, pag. 168, Taf. 20, Fig. 4. 

1872. Pecchiolia argentea Mariti. Hofmann. Die geol. Verhältnisse des Ofen— 
Koväcsier Gebirges. Mittheil. aus dem Jahrb. d. k. ung. geol. Anstalt. I., 
pag. 223. 

1893. Peechiolia argentea Mariti. v. Koenen. Das nordd. Unteroligocän, pag. 1134, 
Taf. LXXVIIL, Fig. 11. (Abhandl. zur geol, Specialkarte von Preussen etc. 
Bd. X, Heft 5.) 


? Erycina sp. ind. 
Spärliche Reste einer an Erycina peliucida Lamk. (Deshayes. 


Deser. des coqu. foss. des envir. des Paris. Tom. I, pag. 43, pl. VI], 
Fig. 19—21) aus dem Pariser Grobkalke erinnernden Form. 


Oryptodon Rollei Mayer et Gwuembel. 
Taf. XIIL‘ Fig. 1 und 2. 
Die beiden Autoren sagen darüber (Bayer. Alpengebirge, pag. 675): 


„Lucina (Axinus) Rollei, eine kleine, der L. Goodhalli Sow.!) und 
L. Brongniarti Desh.?) sehr nahe verwandte Art unterscheidet sich von 


!) Deshayes. Descr. des anim. d. vertebr. I, pag. 633, pl. XLIV, Fig. 17—22. 
?) Ibid. pag. 634, pl, XLIV, Fig. 23—25. 


[19] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol >71 


ersterer, der sie an Grösse gleichkomnmt, durch grössere Breite, geringere 
Wölbung,. der Schale und deutliche Impression auf dem Hauptschalen- 
theile neben dem Kiele und von L. Brongniarti, abgesehen von be- 
deutenderer Grösse, durch die zuletzt genannte Impression und stärkere 
Schalenstreifung.“ 

Bei manchen Exemplaren ist die concentrische Streifung in eine 
weniger gleichmässige Runzelung der Schale übergegangen, womit auch 
eine grössere Breitenausdehnung verbunden ist. Die Stücke sind 
leider durchgehends zu schlecht erhalten (und fast ohne Schale), um 
die letzteren (Taf. XIII, Fig. 2) als eigene Species abtrennen zu können, 
da sie vielleicht nur durch Quetschung die grössere Breitenausdehnung 
erhalten haben. Sie sind vielleicht auch der folgenden Art zuzurechnen. 


Oryptodon cf. subangulatus R. Hoernes. 
Taf. XII, Fig. 4. 


1875. Cryptodon subangulatus. R. Hoernes. Die Fauna des Schliers von Ottnang. 
(Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. Bd. XXV, pag. 373, Taf. XIII, Fig. 21 und 22.) 


Die Häringer Form ist regelmässiger und feiner concentrisch 
gestreift, hat aber sonst mit der Ottnanger eine grosse Aehnlichkeit. 
Leider sind die Stücke recht schlecht erhalten. 


Lucina raricostata Hofmann. 


1873. Lueina raricostata Hofmann. Beiträge zur Kenntnis der Fauna des Haupt- 
dolomits und der Tertiärgebilde des Ofen—Koväcsier Gebirges. Mittheil. 
aus dem Jahrb. d. ung. geol. Anstalt II, pag. 202, Taf. XV, Fig. 6. 
Gümbel führt als Lucina Heeri Mayer et Gwembel (Bayer. Alpen- 
gebirge, pag. 6753) unsere Form an. 


Lucina rostralis Mayer et Guembel. 


Taf. XIII, "Fig. 7a, b. 


1873. Lueina rectangulata Hofmann. Beiträge zur Kenntnis der Fauna des Haupt- 
dolomites und der Tertiärgebilde des Ofen—Koväcsier Gebirges. Mittheil. 

aus dem Jahrb. d. ung. geol. Anstalt II, pag. 201, Taf. XV, Fig. 3. 

Mayer und Gümbel beschreiben diese Form (Bayer. Alpen- 
gebirge, pag. 675) als Lucina rostralis wie folgt: Sie ist eine durch 
ihre kurze und breite Form (9 Linien lang, 12 Linien breit) aus- 
gezeichnete Art, welche nach vorn erweitert, kreisförmig abgerundet, 
sehr schmal und schwach gekielt, nach hinten etwas verschmälert, an 
der hinteren unteren Ecke abgestumpft ist. Die Schale ist dünn, 
flach, mit zahlreichen concentrischen, feinen Streifehen bedeckt, von 
denen einzelne entfernt stehende stärker hervortreten. Auf dem 
Steinkerne bemerkt man längs der hinteren Kante eine fast bis zur 
hinteren Ecke herabreichende, dem Rande parallele schmale Ver- 
tiefung und Erhöhung. 

Die von Hofmann beschriebenen Exemplare aus dem Klein- 
Zeller Tegel haben eine etwas andere Schalenoberfläche als die Häringer 
Form, indem bei dieser die concentrischen Streifchen im Allgemeinen 
weniger stark hervortreten, was nur bei einzelnen der Fall ist. 


272 Dr Julius Dreger. . [20] 


Lucina Mitterert Mayer et Gwembel. 
Tafel XIII, Fig. 6. 


Die beiden Autoren sagen über diese Form (Gümbel, Bayer. 
Alpengebirge, pag. 673): „Eine mit L. Bronni C. Mayer (Fischer 
et Bernardi, Journ. d. conchyl., tom. VII, 2. ser., tom. Ill, pag. 74, 
pl. III, Fig. 1) verwandte kleine Muschel, ist im Umrisse quer oval, 
ungleichförmig, 5 Linien lang, 6!/, Linien breit, hinten schief abge- 
stumpft, hinter der schwachen Kante etwas eingebogen, ‚die Oberfläche 
ist von feinen concentrischen Streifchen bedeckt.“ 


Diese Muschel ist eine in Häring häufig vorkommende und steht 
der Lucina spissistriata Hofmann (Beiträge zur Kenntnis der Fauna 
des Hauptdolomits und der älteren Tertiärgebilde des Ofen— Koväcsier 
Gebirges. Mittheil. a. d. Jahrb. d. k. ung. geol. Anst., II. Bd., pag. 203, 
Taf. XV, Fig. 4) aus den Klein-Zeller Tegelschichten nahe. Der nach 
vorn schwach geneigte Wirbel tritt bei unserer Form weniger hervor 
als bei der Ofener und auch bei L. Bronni. 


Lucina (Miltha) cf. Heberti Desh. 
1860. Lucina Heberti. Deshayes. Deser. des anim. sans vertebr. I, pag. 647, 

pl. XLII, Fig. 4—6. 

Gümbel (Bayer. Alpengebirge, pag. 674) verglich zwei in der 
Münchener Sammlung des Oberbergamtes befindliche, sehr schlecht- 
erhaltene. Stücke mit genannter Form. Es wäre auch möglich, dass 
diese grössere Exemplare der Lucina rostralis (Taf. III, Fig. Ta, b) 
darstellten. 


Lucina (Miltha) cf. gigantea Desh. 
1824—1837. Lucina gigantea, Deshayes. Descr. des coqu. foss. I, pag. 91, pl. XV, 

Fig. 11 und 12. 

1886. Lucina gigantea Desh. Frauscher. Das Untereocän der innen 1.9 

pag. 130 [166]. 

Ein stark zerdrücktes Stück mit beiden Klappen aus der Sammlung 
des Ferdinandeums in Innsbruck lag vor. Die sehr feinen und zahl- 
reichen Anwachsstreifen geben der Schale ein rauhes Aussehen. Der 
Wirbel ist etwas nach vorn gebogen. Eine schwache Kante ist auf 
der Vorderseite bemerkbar, jedoch viel schwächer als etwa bei Lucin«a 
Corbarica Leym. (Mem. de la Societe geol. de France. 2. ser., tom. I], 
pag. 361, pl. XIV, Fig. 5—7.) 


Lucina sp. ind. 


Auf der theilweise erhaltenen Schale sind deutliche, ungleich- 
mässig starke Radialrippen vorhanden, die durch die Anwachsstreifung 
gekörnelt werden. Der Wirbel ist am Stücke abgebrochen. 

Der allgemeinen Form nach lässt sich unsere Lucina mit L. 
(Miltha) mutabilus Lamk. (Deshayes, Descr. des coqu. foss. des envir. 


[21] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 273 


de Paris. Tom. I, pag. 92, pl. XIV, Fig. 6 und 7) vergleichen, einer 
Form, die auch in den mitteleocänen Schichten bei Klausenburg t) in 
Siebenbürgen vorkommt. 


2? Corbis lamellosa Lamk. 


1824. Corbis lamellosa Lamk. Deshayes. Coqu. foss. des envir. de Paris. Tom I, 

pag. 88, pl. XIV, Fig. 1—3. 

1860. Fimbria lamellosa Lamk. Deshayes. Anim. sans vertebr. du Bas. de Paris. 

Tom. I, pag. 606. 

1886. Fimbria lamellosa Lamk. Frauscher. Das Untereocän der Nordalpen, 

pag. 136. 

Von dieser im Tertiär fast über die ganze Erde verbreiteten 
Species lagen mehrere zerdrückte Stücke vor, die aber nur Spuren 
der Schale tragen und deren Schloss sich der Beobachtung entzog. 
Die Bestimmung ist deshalb eine zweifelhafte. 


Cardium Oenanum Guembel. 


Gümbel, Bayer. Alpengebirge, pag. 673, sagt darüber: „C. 
Oenanum aus der Gruppe der Protocardien hat seinen nächsten Ver- 
wandten am (©. fraterculus Desh. (Deser. d. an. s. vertebr. I., pl. 54, 
Fig. 4, 5), ist jedoch mehr gleichseitig, hinten kaum bemerkbar abge- 
stutzt, gleichförmig gewölbt, mit weniger zahlreichen stärkeren Radial- 
rippchen, der übrige Schalentheil ist glatt, nur von concentrischen 
Anwachsstreifchen bedeckt; die Länge beträgt 9 Linien, die Breite 
10 Linien.“ 


Cardium haeringense n. Sp. 
Taf. XIII, Fig. 5«@ und b. 


Diese in Häring häufige Form ist fast ganz gleichseitig. Der 
starke und breite Wirbel ist unbedeutend nach vorn gebogen. Sehr 
zahlreiche und feine Radialleistcehen bedecken die Schale, welche 
Radialleistehen gegen hinten etwas stärker werden, jedoch gegen den 
Rand zu aussetzen, wodurch dort ein glatter Schalentheil entsteht. 
Dies letztere ist auch am Vorderrande der Fall. Die Zwischenräume 
der Radialleistchen sind in der Nähe des Wirbels mit diesen gleich 
breit, gegen den Rand zu nehmen sie jedoch an Breite ab. Die zarte 
Anwachsstreifung tritt stellenweise als eine feine Körnelung der Radial- 
leistehen hervor. 


Cardium tirolense Mayer et Guembel. 
Taf. XIII, Fig. 3@ und b. 


In Gümbel (Bayer. Alpengebirge, pag. 673) sagen die Autoren 
über diese Form: „Sie steht zunächst neben (©. tenuisulcatum Nyst. 
(Descer. des coqu. fossil de la Belgique, pag. 191, pl. XIV, Fig. 7), 
ist jedoch ungleichseitiger, verhältnismässig länger und schmäler, die 


1) A. v. Pävay. Geologie Klausenburgs. Mittheil. aus dem Jahrb. d. k. ung. 


_ geol. Anstalt. I., pag. 364. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (J. Dreger.) 37 


274 Dr. Julius Dreger. " [22] 


Radialrippen sind sehr fein und schmal, schmäler als die Zwischen- 
räume, dagegen die durch concentrische Streifen erzeugte Gitterung 
gröber und bestimmter ausgeprägt.“ 


Diese Form ist in Häring ebenso häufig wie die vorhergehende. 
Der spitze Wirbel ist stärker nach vorn gedreht als bei letzterer. 
Die Radialrippen treten sehr deutlich hervor und bedecken die ganze 
Schale. Auf der hinteren Schalenhälfte, in der Nähe des Hinterrandes 
treten sehr deutliche Querleistehen in den Zwischenräumen der Radial- 
rippen hervor, während sonst auf der Schale solche Querleistchen fehlen ; 
eine Gitterung konnte an den vorliegenden Stücken nicht beobachten 
werden. Unsere Form scheint mir dem Cardium cingulatum Goldf. 
(Petr. Germ. I, pag. 222, Tab. 145, Fig. 4) am nächsten zu stehen. 


Weiters werden als in Häring vorkommend zwei Cardien angeführt, 
die sich unter dem mir vorliegenden Material aber nicht befanden. 

1. Cardium cfr. Laurae Brongt. (Hofmann, Die geologischen 
Verhältnisse des Ofen—Koväcsier Gebirges, pag. 223), dann 

2. Cardium subdiscors d’Orb. (Gümbel, Bayer. Alpengebirge, 
pag. 609.) 


Oyrena cf. nobilis Desh. 


1860. Deshayes. Descr. des anim. sans vertebr. I, pag. 490, pl. XXXVI, 
Fig 14 und 15. 
Diese dickschalige Form wird von Deshayes aus dem oberen 
Grobkalke von Hermonville beschrieben. Das Häringer Exemplar trägt 
noch die Spuren der ursprünglichen braunen Färbung. 


Öyrena gregaria Mayer et Guembel. 


Die zahlreichen Exemplare sind alle so stark zerdrückt und 
beschädigt, dass eine Abbildung davon keinen Zweck hätte. 

Gümbel (Bayer. Alpengebirge, pag. 675) schreibt darüber: 
„In den das Kohlenflötz unmittelbar bedeckenden bituminösen und 
kohligen Kalkschichten kommt eine kleine, 3 Linien lange, 21/, Linien 
breite, dünnschalige, hoch gewölbte, stark ungleichseitige Uyrena be- 
sonders häufig vor; ihre Oberfläche ist durch äusserst feine, aber 
sehr bestimmt ausgebildete zahlreiche concentrische Streifchen dicht 
bedeckt. Diese Schalen erfüllen ganze Lagen fast ausschliesslich.“ 


Oyprina scutellaria Desh. sp. 
1824. Deshayes. Descer. des coqu. foss. des envir. de Paris. I., pag. 125, Taf. XX, 
Fig. 13. 
1850. Cyprina planata Dixon. Geol. and foss. of Sussex, pag. 116, pl. XIV, Fig. 11. 
Diese alteocäne Form ist ziemlich verbreitet und findet sich 
aber auch am Kressenberg und bei Mattsee in der Pariser Stufe. 
(Frauscher, Eocän der Nordalpen, pag. 156.) 


y 


- 3] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 275 


Oyprina cf. lunulata Desh. 
1860. Deshayes, Descr. de anim. sans vertebr. I, pag. 546, pl. 35, Fig. 19—21. 


Im Pariser Becken findet sich diese Form wie die vorhergehende 
in den sables inferieurs. 


Isocardia cf. cyprinoides A. Braun. 
1863. Sandberger. Die Conchylien des Mainzer Tertiärbeckens, pag. 315, Taf. 

XXV, Fig. 2. 

Die vorliegenden Exemplare von Häring sind nur halb so gross, 
wie das von Sandberger abgebildete und stark zusammengedrückt; 
im Uebrigen zeigen sie aber dieselbe Schalenzeichnung wie die Form 
aus dem Meeressande von Weinheim bei Alzei. v. Koenen führt eine 
Varietät unserer Species aus dem norddeutschen Unteroligocän von 
Lattorf u. a. an (v. Koenen, Das norddeutsche Unteroligocän etec., 

_ pag. 1178, Taf. LXXX, Fig. 6—8. Berlin 1893. Abhandl. zur geol. 
Specialkarte von Preussen ete., Bd. X, Hft. 5). 


? Tapes sp. ind. 


Es liegen verschiedene, vielleicht zu Tapes gehörende unbestimm- 
bare Steinkerne vor. 


Cytherea cf. proxima Desh. 
1860. Deshayes. Descr. des anim. sans vertebr. I, pag. 435, pl. 30, Fig. 31—34. 
Vier mir vorliegende Stücke haben etwas zartere concentrische 
Streifen als die Exemplare aus dem unteren Meeressande von Cuise- 
la-Motte und erinnern sehr an die von Brongniart (Mem. sur les 
terr. etc. du Vicentin, pag. 81, pl. V, Fig. 11) abgebildete Venus? 
Maura von Ronca. 


Oytherea globulosa Desh. 
1824. Deshayes. Descer. des coqu. fossiles etc. I, pag. 137, pl. XXI, Fig. 9—11. 


Die Häringer Form stimmt gut mit den Exemplaren aus dem 
mittleren Grobkalke des Pariser Beckens überein. 


Oytherea tranquilla Desh. 
1860. Deshayes. Descr. des anim. sans vertebr. I, pag. 450, pl. XXIX, Fig. 20—23. 


Die unregelmässigen Streifen treten bei unserer Form stärker 
hervor als bei jener aus den sables inferieurs. 


Oytherea incrassata Sow, 


1824. Cytherea incrassata Sow. Deshayes. Descr. des coqu. fossiles etc. I, pag. 136, 
pl. XXII, Fig. 1—8. 
1894. Cytherea incrassata Sow. v. Koenen. Das nordd. Unteroligocän, pag. 1259, 
Taf. LXXXVI, Fig. 12 und 13 und Taf. LXXXVIIJ, Fig. 1 und 2. 
Eine im ganzen Oligocän und Obereocän weit verbreitete und 
sehr variable Form. 
87° 


276 Dr. Julius Dreger. . [24] 


. Oytherea sp. 


Gümbel (Bayer. Alpengebirge, pag. 674) sagt darüber: „Cytherea 
spec., eine kleine, zur Gruppe der Üyth. erycina gehörige Form, die 
schlecht erhalten ist.“ Mir lag diese Muschel nicht vor. 


? Donax sp. ind. 
Sehr schlecht erhaltene Stücke mit feiner concentrischer Streifung. 


Tellina Guembeli n. sp. 
Taf. XII, Fig. 13. 


Gümbel (Bayer. Alpengebirge, pag. 674) schreibt : Tellina 
Pichleri Mayer et Gümbel steht der T. hybrida Desh. am nächsten, 
ist jedoch kürzer, nach vorn etwas verlängert, nach hinten schwach 
verschmälert, mit viel schwächerer Falte und schwächerer concen- 
trischer Streifung.“ 

Unter dem mir zur Verfügung stehenden Material, worunter auch 
die Münchener Sammlung im Oberbergamt sich befand, war kein 
Exemplar, das zu der oben angeführten Beschreibung genau passte. 
Das zur Abbildung gebrachte Stück entsprach am besten; jedoch ist 
die Häringer Form bedeutend grösser, lang gestreckt und stärker con- 
centrisch gestreift als die T. hybrida (Deshayes, Descer. des anim. 
s. vertebr. I, pag. 349, pl. XXVI, Fig. 5--7, 12 und 13). Ich habe 
deshalb den Namen Pichleri fallen gelassen und die Form Gümbeli 
genannt. E 

? Tellina sp. ind. ü 


Es liegen mehrere Stücke, die zu Tellina gehören dürften, vor, 
doch hält mich die schlechte Erhaltungsweise von einer genauen Be- 
stimmung zurück. Es sind fast nur Steinkerne, welche bald in die 
Länge, bald in die Quere gezogen und so zerdrückt sind, dass viel- 
leicht gleiche Arten ganz verschiedenes Aussehen erhalten. Von der 
Schalenzeichnung und vom Schlosse ist gar nichts zu sehen. 


Tellina cf. Budensis Hofm. 


1872. Hofmann. Mittheil. aus dem Jahrb. d. k. ung. geol. Anstalt, II., pag. 204, 
Taf. XVI, Fig. 1. 


Einige Steinkerne scheinen mir zu dieser Form aus dem unter- 
oligocänen Ofener Tegel zu gehören. 


3 


Stiligqua (Leguminaria) (2) sinuata Gwembel. 


Gümbel (Bayer. Alpengebirge, pag. 674) sagt über diese Form, 
welche unter dem mir zur Verfügung stehenden Material nicht zu 
finden war und deshalb auch ohne Abbildung bleibt: „Leguminaria (?) 
sinuata Gümb., eine kleine, sehr breite, fast gleich lange, schmal vier- 
seitige, flach gewölbte, nach vorn etwas erweiterte und abgerundete, , 


[25] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 977 


nach hinten verschmälerte, scharf 'abgestutzte, sehr ungleichseitige 
Muschel, deren Wirbel im. ersten Drittheile nach vorn liegt; vom 
Wirbel läuft gegen das hintere Eck eine abgerundete Kante und senk- 
recht zum unteren Rande ein abgerundeter Buckel, neben dem zwei 
seichte Impressionen sich befinden. Die Oberfläche der dünnen Schale 
ist mit concentrischen Streifen: bedeckt und dicht feim punktirt.“ 


Glycimeris haeringensis n. sp. 
Tat. XII, Fig. 14. 


Eine lange, schmale, beiderseits klaffende Form von 11 cm Länge 
und 4 cm Höhe. Die breiten Wirbel sind unbedeutend nach vorn 
gekrümmt. Der Schlossrand ist hinten sattelförmig eingebogen. Sehr 
zahlreiche concentrische Streifen, von denen einzelne (ungleich ent- 
fernt stehende) wülstig verdickt sind. Unter der Lupe tritt noch eine 
feine Radialstreifung der dicken Schale hervor. Eine grosse Aehnlich- 
keit weist unsere Art mit’ der in den europäischen Meeren lebenden 
Lustraria oblonga Gmelin (von Chemnitz) auf, jedoch ist der ganze 
Eindruck unserer Form der einer @lycimeris (Panopaea);, besonders 
ist es die Art der Anwachsstreifung, welche bei den Lutrarien auf 
der Hinterseite bei der Biegung nach vorn einen schwachen Winkel 
bildet, während sie bei den Glycimeriden abgerundet ist. 

Von bekannten Formen erinnert unsere am meisten an Glycimeris 
Bachmanni May.-Eym. (Beitrag zur geol. Karte der Schweiz. XXIV. Lief., 
III. Abtheil., Taf. IV, Fig. 6) aus der unteren bartonischen Stufe der 
Ralligstöcke (Hohgant-Kette, Umgegend von Thun). 


Glyeimeris sp. 


Ein Bruchstück eines Exemplars, das am ehesten mit der von 
Dixon (The geology and fossils of Sussex, pag. 164, Tab. II, Fig. 12) 
beschriebenen Glycimeris corrugata verglichen werden kann. 

Es sind etwa sieben kräftige Radialfurchen vorhanden, deren 
Zwischenräume von unregelmässig knstigen Leistehen bedeckt werden, 
welche auf den Furchen senkrecht stehen. 

Einige fast nur als Steinkerne erhaltene Stücke erinnern an 
Glyeimeris aequalis Schafhäutl (Süd-Bayerns Leth. geogn., pag. 174, 
Taf. XLIV, Fig. 2). 


Pholadomya cf. Puschi Goldf. 


1834—-1840. Pholodomya Puschi Goldf. Petref. Germ. II., pag. 261, Taf. 158, Fig. 3. 

1872. Pholodomya Puschi Goldf. Hantken. Die geologischen Verhältnisse der 
grauen Braunkohlengebiete. Mittheil. d. k. ung. geol. Anstalt, I. Bd., 1. Heft, 
page 143, Taf. V, Rie: 3, 5, und 7. 

1875. Pholadomya Puschi Goldf. Moesch. Monographie der Pholadomyen. Abhand). 
der schweizerischen paläontologischen Gesellschaft, vol. II, pag. 115, Tab. 
XXXV, Fig. 4, Tab. XXXVI, Fig. 7, Tab. XXXVII, Fig. 1-3, 7 und 9. 

1886. Pholadomya Puschi Goldf. Frauscher. bas Untereocän der Nordalpen, 
pag. 192 [228], Taf. XI, Fig. 3 und 4. 

1901. Pholadomya Puschi. O ppenheim. Beiträge zur Paläontologie und Geologie 
Öesterreich-Ungarns etc. XIII, pag. 250. 


278 Dr. Julius Dreger. - [26] 


1902. Pholadomya Puschi Goldf. Deninger. Molluskenfauna der Tertiärschichten 
von Reit etc. Geogn. Jahreshefte 1901, pag. 14. 
Stark zerdrückte und beschädigte Exemplare kommen in Häring 
ziemlich häufig vor. 


Fholadomya subalpina Guembel. 


1861. Pholadomya cf. Ludensis Desh. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 674. 


1872. Pholadomya cf. Ludensis Desh., Hantken. Die geologischen Verhältnisse 
des Graner Braunkohlengebietes. Mittheil. aus dem Jahrb. d. k. ung. geol. 
Anstalt, I. Bd., 1. Heft, pag. 143, Taf. V, Fig. 6. 


Hantken schreibt (loc. eit.), dass die im Kleinzeller Tegel 
sehr häufig vorkommende Pholadomya vollkommen mit der aus den 
Häringer Schichten von Gümbel als Ph. cf. Ludensis übereinstimme, 
wie er sich aus der Vergleichung der Originalexemplare überzeugen 
konnte. Gümbel hätte die Absicht gehabt, die Form, die ohne Zweifel 
neu sei, mit dem Namen Ph. subalpina zu ‚belegen. 

Da auch ich die Form für neu halte, wähle ich den Gümbel- 
schen Namen. 

Hier folgt die von Gümbel (loe. eit.) gegebene Beschreibung: 

„Die im Umrisse schief ovale, 12 Linien lange, 8 Linien breite 
(in der grössten Dimension), sehr stark einseitige, hoch gewölbte 
Muschel erreicht ihre grösste Dicke in einem vom Wirbel zum vor- 
deren Eck verlaufenden abgerundeten Rücken, von dem die Schale 
fast senkrecht zu den vorderen Seiten abfällt; hier ist zugleich eine 
ziemlich breite Impression neben der Lunula bemerkbar. Der Wirbel 
ist stark übergebogen und nach vorn gekrümmt; die Schalenoberfläche 
wird von hohen, scharf zulaufenden, etwas unregelmässigen, breiten 
concentrischen Wülsten bedeckt, welche gegen den Wirbel zu rasch 
als feine Rippchen sich verschwächen; diese Erhöhungen sind von 
feinen Anwachsstreifchen dicht bedeckt, ausserdem laufen zahlreiche 
Radialrippchen vom Wirbel gegen den Aussenrand, wodurch die Schale 
segittert erscheint; der steil abfallende Schalentheil an der vorderen 
Seite sowie der hintere Theil der Schale ist ohne Radialrippchen.“ 


Pholadomya (?) rugosa Hantken. 
Tafel XIU, Fig. 9 und 10. 


1872. Pholadomya rugosa Hantken. Die geologischen Verhältnisse des Graner Braun- 
kohlengebietes. Mittheil. aus dem Jahrb. d k. ung. geol. Anstalt, I., pag. 144, 
Taf. IV, Fig. 4—6. i 


Von dieser aus den unteroligocänen Schichten bei Piszke und 
Mogyoros, welche gleichen Alters mit dem Kleinzeller Tegel sind, 
vorkommende Art sind mir zwei Exemplare untergekommen, die ich 
beide abbilden liess. 

Besonders bezeichnend für unsere Form ist der vollkommene 
Mangel einer Radialberippung, wie sie sonst bei den Pholadomyen 
vorzukommen pflegt, wenn sie auch bei manchen Arten mehr zurück- 
tritt. Auch die allgemeine Form stimmt nicht vollkommen mit der 
genannten Gattung überein, ich halte es deshalb nicht für vollkommen 


N 


[27] Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 279 


gerechtfertigt, diese Art als Pholadomya zu bezeichnen. Es liegen 
jedoch nur zerdrückte Steinkerne ohne Spur eines Schlosses vor, so 
dass sich -keine passendere Gattung finden liess und es auch nicht 
anging, eine eigene aufzustellen. 

Mösch (Monographie der Pholadomyen. Abhandl. der schweiz. 
paläontologischen Gesellschaft, I., pag. 74) stellt die von Goldfuss 
(Petr. Germ., Taf. 152, Fig. 9) beschriebene ZLutraria rugosa aus dem 
hannoverischen Malm zu den Pholadomyen und bezeichnet sie als 
synonym mit Pholadomya concentrica Roemer (Oolithengebirge, Taf. XVI, 
Fig. 2), wodurch der Speciesname rugosa für die unteroligocäne Form 
frei geworden ist. 


? Anatina sp. 


Eine dreimal so lange als breite Form mit Andeutungen von 
Anwachswülsten. Der Hinterrand ist gerade abgeschnitten. während 
der vordere Rand in eine abgerundete Spitze ausläuft. 


Neaera bicarinata Mayer et Gwembel. 
1861. Neaera bicarinata Mayer et Guembel. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 674- 


Diese Form wird von Gümbel (loc. eit.) als eine kleine, 
2 Linien lange, 3!/, Linien breite Art mit zwei scharfen Kielen und 
mehreren Radialrippchen auf dem vor den Kielen abgegrenzten 
schmäleren Schalentheile beschrieben. Die Oberfläche sei von feinen 
concentrischen Streifen dicht bedeckt. 

Unter dem mir zur Verfügung stehenden Material fand sich 
diese Species nicht vor. 


Neaera scalarina Mayer et Guembel. 
Taf. XIII, Fig. 8a, 5 und Fig. 11. 
1861. Neaera scalarina Mayer et @uembel. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 674. 


„Ist (schreibt Gümbel loc. eit.) 3 Linien lang und 4 Linien 
breit, vor allen nahestehenden Arten durch wenige (circa zwölf) ent- 
fernt stehende concentrische, leistenförmige Rippen auf der Schalen- 
oberfläche ausgezeichnet; zwischen diesen treppenförmigen Erhöhungen 
laufen feine Anwachsstreifen.*“ 

Es haben sich jedoch auch grössere Exemplare (Fig. 3) dieser 
Species gefunden, welche auch eine grössere Anzahl von concentrischen 
Leistchen tragen, zwischen denen meistens zwei feinere (Anwachs- 
streifen) verlaufen. 


Neaera cf. cuspidata Oliwr. 


1861. Neaera cuspidata Forb. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 608. 

1870. Neaera cuspidata Olivi. Hoernes. Fossile Mollusken des Tertiärbeckens 
von Wien. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., pag, 42, Taf. V, Fig. 1 und 2. 
Alle Stücke, die mir vorlagen, waren recht schlecht erhalten. 

Von der feinen concentrischen Streifung, welche die Schale dieser 


280 Dr. Julius Dreger. | [28] 


Species zeigen soll, sind nur Spuren zu sehen, da überhaupt von der 
gebrechlichen ‘Schale nur noch wenig vorhanden ist. 

Gümbel führt (l. e.) an, dass N. cuspidata auch in. ligurischen 
Schiehten vorkomme; mir ist sie jedoch nur aus dem Miocän und 
noch jüngeren Schichten (Crag) bekannt. Man trifft sie auch noch 
lebend im Mittelmeer und in der Nordsee. | 


Lutraria sp. 
Bruchstücke einer grossen glatten, wahrscheinlich hierherge- 
hörigen Form. | 


Pholas cf. eylindrica Sow. 


Sehr schlecht erhalten. 


. Teredo Beyrichi Mayer et Guembel. 


1861. Septaria Beyrichi Mayer et Guembel. Gümbel. Bayer. Alpengebirge, pag. 674. 


Gümbel (l. e.) beschreibt unter diesem Namen mehr oder 
weniger gerade, gleich dicke Röhren von kreisrunden oder länglich- 
rundem Querschnitte mit dicker, kalkiger Schale, welche aussen fein 
ringförmig gestreift und in Abständen schwach wulstig geringelt ist. 
Nach Gümbel beträgt der Durchmesser 3 Linien und die Schalen- 
dicke */ı, Linien. 

Die Form soll auch bei Reit im Winkel vorkommen, Deninger 
führt sie jedoch von dort nicht an. 


-Es erübrigt mir am Schlusse dieser Arbeit noch die angenehme 
Pflicht, allen jenen Herren meinen verbindlichsten Dank zu sagen, 
welche mich bei der Herbeischaffung des Untersuchungsmateriales in 
zuvorkommenster Weise unterstützten. Durch die grosse Freundlich- 
keit des Herrn Professors ©. Fischnaler, Custos am Ferdinandeum 
in Innsbruck, wurde mir das sehr reiche Material dieses Museums 
zur Verfügung gestellt, wobei sich auch die durch den früheren, ver- 
dienstvollen Oberbergverwalter des ärarischen Kohlenwerkes in Häring 
A. Mitterer gemachten Aufsammlungen befanden. 

Herr Professor Dr. L. v. Ammon und Herr Conservator Dr. 
M. Schlosser erwiesen mir dieselbe Gefälligkeit in Bezug auf die 
Sammlungen des k. Oberbergamtes beziehungsweise des bayerischen 
Staates in München. 

Ebenso stellte mir auch Herr Director Th. Fuchs die paläon- 
tologische Sammlung des K. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien 
zur freien Benützung. 


Anschliessend an diese Arbeit folgt ein Verzeichnis der bis jetzt 
aus Häring bekannten Lamellibranchiaten. 


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Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 


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Jahrbuch d. k. k. geol. Reiclısanstalt, 1903, 53. Band. 2. Heft. (J. Dreger.) 


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Ueber das Alter und die Entstehung einiger Erz- 
und Magnesitlagerstätten der steirischen Alpen. 
Von Dr. Karl A. Redlich. 


Mit 4 Zinkotypien im Text. 


„Mir sind im Laufe meiner nun nahezu 
zwanzigjährigen Erzlagerstättenstudien noch 
keine der Werner’schen Definition ent- 
sprechende (Schwefelmetalle führende) Erz- 
lager vorgekommen, Lagerstätten, deren Erze 
contemporär mit dem Gesteine gewesen wären 
und die eine förmliche Erzschicht sedi- 
mentärer Entstehung zwischen den übrigen 
Gesteinsschichten gebildet hätten.“ 

PoSepny F. Archiv f. prakt. Geologie. 
I. Bd., pag. 423. 


Immer mehr bricht sich die Ansicht Bahn, dass ein grosser Theil 
der lagerartigen Erzvorkommen nicht gleichzeitig mit dem Neben- 
sestein entstanden, sondern trotz seiner mit den Schichten parallelen 
Stellung epigenetisch ist, und wenn wir die vor Kurzem erschienene 
Erzlagerstättenlehre von Beck!) durchsehen, so finden wir, dass 
bereits ein beträchtlicher Theil dieser Gruppe zugewiesen wird, welcher 
früher dem Lagertypus zugezählt wurde. 

Nördlich der Centralkette der Ostalpen liegt ein ausgedehntes 
Schichtsystem von paläozoischen Kalken, Schiefern und Conglomeraten, 
seit Langem mit dem Namen Grauwackenzone bezeichnet, welches, im 
Osten bei Gloggnitz und Reichenau beginnend, nach Westen bis nach 
Tirol reicht und allenthalben Kies-, Eisen- und Magnesit-(Pinolit-) 
Lagerstätten führt. 

Wir wollen durch Betrachtung einzelner Typen ihrem Zusammen- 
hang und ihrer Entstehung näher treten. 

Die von Canaval?) und Redlich?) studirten Kieslager von 
Kalwang, Oeblarn und der Veitsch in der Steiermark haben ergeben, 


’) R. Beck. Lehre von den Erzlagerstätten. 2. Aufl. Berlin 1903. 

?) R. Canaval. Das Kiesvorkommen von Kalwang in Obersteiermark. Mitth. 
des naturw. Vereines für Steiermark 1904, pag. 2. 

3) K.A. Redlich. Die Walchen bei Oeblarn. Bergbaue Steiermarks, II. Hft. 
Leoben 1903 und Berg- und hüttenm. Jahrb. d. k. k. Bergakademie Leoben und 
Pribram 1902, 4. Jahre. 

K. A. Redlich. Die Kupferschürfe des Herrn Heraeus in der Veitsch. 
Oesterr. Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen 1903, LI. Jahrg. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (A. Redlich.) 


286 Dr. Karl A. Redlich. [2] 


dass ihr Absatz in eine spätere Zeit fällt, als die Bildung des Neben- 
gesteines erfolgt ist, obwohl sie wegen der mit den angrenzenden 
Schieferschichten parallelen Stellung bis zu dieser Zeit als Lager auf- 
gefasst wurden. 

Für den epigenetischen Charakter waren folgende Beweisgründe 
massgebend: 

Die petrographische Beschreibung der Gesteine ergab mit Wahr- 
scheinlichkeit, dass wir in den stets die Erze begleitenden hornblende- 
reichen Schiefern umgewandelte Diabasgesteine sehen müssen. Diese 
Eruptivgesteine mit den in ihnen enthaltenen Metallverbindungen 
dürften die Veranlassung zur Entstehung solcher Lagerstätten ge- 
wesen sein. 


Fig. 1. 


Ortsbild aus dem Stollen am Dürsteinkogel in der Veitsch. 


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Dass bereits bestehende Schichten verdrängt wurden, sehen wir 
sehr schön am Dürsteinkogel in der Veitsch !), wo der Quarz und das 
Erz die ursprüngliche Kalkbank fast vollständig ersetzt haben. (Fig. 1) 

Nur auf diese Weise können auch jene Verquerungen von Oeblarn 
im Ennsthal gedeutet werden, welche das Nebengestein, dem die Erze 
sonst regelmässig folgen, durchsetzen und mit der Lagermasse ein 
zusammenhängendes Ganzes bilden. 

Aus diesem letzteren Grunde musste auch der Gedanke, wir 
hätten es hier mit secundären Spaltenausfüllungen zu thun, von vorn- 
herein zurückgewiesen werden, umsomehr, als die eindringende Masse 
in den Apophysen längs kleiner Verwerfungs-, besser vielleicht 
Zerreissungsspalten abgesetzt ist. (Fig. 2a—b.) 


') K. A. Redlich. Die Kupferschürfe des Herrn Heraeus I. c. 


[3] Ueber d. Alter u. d. Entstehung einiger Erz- u. Magnesitlagerstätten. 287 


Besonders wichtig erscheint es mir auch, schon hier darauf hin- 
zuweisen, dass Carbonate, namentlich Ankerit, wenn auch nur unter- 
geordnet, mit den Erzen von Oeblarn vergesellschaftet vorkommen, 

Ein inniges Band verknüpft unsere Kieslagerstätten mit den 
Sideriten und Ankeriten der Nordalpen. Ein kleiner Theil dieser 
Zone sind die alten Kupfer- und Eisensteinbergbaue der hinteren 
Radmer bei Hieflau, welche in der westlichen Fortsetzung des Eisen- 
erzer Erzberges liegen und die genauer zu studiren ich im heurigen 
Jahre Gelegenheit hatte. 

Der Culminationspunkt dieses Gebietes ist der aus silurischen 
Kalken bestehende Zeyritzkampel, der seinerseits wiederum in eine 
Wechsellagerung von Schiefern und Kalken übergeht. Die Schiefer 
sind grösstentheils schwarz und kieselreich, an vielen Stellen direct 


Fig. 2. 
Ortsbild der Kieslagerstätte von Oeblarn auf der 1. Strecke des Thaddäus- 
Unterbaustollens. 


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graphitischer Natur. Das Verflächen der steil aufgerichteten Schichten 
ist in dem ganzen Gebiete fast constant 1 h 10%, so dass man von 
einem O—W-Streichen des Gebirges sprechen kann. Dass die Kalk- 
bänke mit den Schiefern wechsellagern, sieht man an mehreren Stellen 
des Gehänges am Haselbach, einem Gewässer, das, von N nach S 
fliessend, das Gebirge im Verflächen anschneidet. Ein charakteristisches 
Beispiel dafür sind mehrere nur 2—3 m mächtige, im Schiefer ein- 
gelagerte Kalkbänke, welche am rechten Ufer des Haselbaches durch 
einen Wasserriss, der von der Cote 1607 des Schlagriedl herabläuft, 
aufgeschlossen sind. Auch die rothen und lichtgelben Schiefer des 
Erzberges fehlen hier nicht. Wir müssen daher diese Kalke und die 
mit ihnen innig zusammenhängenden Schiefer als silurisch-devonisch 
auffassen, da sie einerseits den gleichen petrographischen Charakter 
zeigen wie die am Erzberg und seinen Liegendpartien durch Fossilien 


88 Dr. Karl A. Redlich. [4] 


auf ihr Alter bestimmten Gesteine, andererseits aber, wie schon in 
der Einleitung gesagt wurde, seine westliche Fortsetzung bilden. 

In diesem Complex liegen innig verquiekt — nicht, wie man bis 
jetzt glaubte, in verschiedenen Horizonten — der Kupferkies, das Fahl- 
erz, der Ankerit, der spärlichere Siderit und schliesslich als Seltenheit 
der Zinnober. 

Es kann an dieser Stelle nicht meine Aufgabe sein, die Lager- 
stätte auf ihre Ergiebigkeit und praktischen Werth zu prüfen; dies 
behalte ich mir vor, in einer ausführlichen Monographie zu thun. Es 
soll hier vielmehr nur in kurzen Zügen jener Typus beschrieben 
werden, an dem sich nach West und Ost ähnliche Vorkommnisse 
schliessen. Kurz sei nur in historischer Beziehung erwähnt, dass der 
seit dem Jahre 1547 bestehende Kupferbergbau fast durch ein Jahr- 
hundert 3000 Centner Kupfer geliefert hat, ein Zeugnis dafür, welch 
erosse Anreicherungen an Sulfiden vorhanden waren; der Eisenstein- 
bergbau dagegen konnte wegen der starken Verrowandung bis jetzt nie 
über das Schurfstadium gebracht werden. 

An der Grenze der Kalke gegen die Schiefer, vor Allem in 
ersteren, treten die vorgenannten Erze in inniger Mischung auf. Diesen 
Satz kann man als Hauptregel für unser Vorkommen aufstellen. Nament- 
lich die in den letzteren Jahren von der Firma Sommer ausgeführten 
Schurfbaue im sogenannten Kammerlgraben, d. i. dem nördlichsten 
Zuflusse des Haselbaches, haben für die Genesis unserer Erze die 
werthvollsten Aufschlüsse gegeben. Zu tiefst an einer Schurfrösche 
sieht man folgendes hochinteressantes Bild: Auf einer weichen grauen 
Schieferunterlage (1), welche nach dem normalen Fallen des Gebirges 
— 2h — verflächt, sind die erzführenden Kalken zu sehen, welche 
wiederum in die liegende Ankerit- (2 und 3) und die hangende Kalk- 
zone (4 und 5) geschieden werden. (Fig. 3.) 

Die erstere, von grauweisser Farbe und pinolitischem Aussehen, 
zeigt folgende chemische Zusammensetzung (2) (Analytiker Ing. 
F. Eichleiter, Chemiker der k. k. geol. Reichsanstalt in Wien): 


Procent 
Kohlensaures Calium . . 51:16 
Kohlensaures Magnesium . 28:22 
Kohlensaures Eisenoxydul . 1674 
Unlöslicher Rückstand . . 405 
100°17 


Brocken eines grauen dichten, fast gleichartig zusammengesetzten 
Gesteines liegen in dieser Masse, welche sich folgendermassen zusammen- 
setzen (3) (Analytiker Ing. F. Eichleiter, Chemiker der k. k. 
geol. Reichsanstalt in Wien): 


Procent 
Kohlensaures Calcium. . . 50:09 
Kohlensaures Magnesium. . 27:99 
Kohlensaures Eisenoxydul . 17'60 
Unlöslicher Rückstand . . 455 


100:03 


[5] Ueber d. Alter u. d. Entstehung einiger Erz- u. Magnesitlagerstätten. 289 


Der Ankerit birgt als primären Bestandtheil bis faustgrosse 
Kupferkiese und Fahlerzausscheidungen. Er hat massiges Aussehen 
und geht in seiner Horizontalerstreckung als auch in seinem Hangenden 
in gebankten Kalk über, der scharf an der Grenze beider folgende 
Zusammensetzung aufweist (4) (Analytiker Ing. F. Ratz, Assistent 
an der k. k deutschen Technik in Brünn): 


Procent 
Kohlensaures Calcium . . 8014 
Kohlensaures Magnesium. . 710 
Kohlensaures Eisenoxydul . 466 
Unlöslicher Rückstand . . 812 
100:02 


Die höheren Partien ergaben folgende Durchschnittsanalyse 
(Analytiker Ing. F. Eichleiter, Chemiker der k. k. geol. Reichs- 
anstalt in Wien): 


Procent 
Kohlensaures Calcium. . . 96'96 
Kohlensaures Magnesium. . 141 
Kohlensaures Eisenoxydul . 1:06 
Unlöslicher Rückstand . . 060 
100°03 


Fig. 3. 


Ortsbild bei den tiefsten Schurfarbeiten im Kammerlgraben in der Radmer. 


== Schiefer (1). v“Y/J| Ankerit (2 u. 3). 


HH Kalk (4 u. 5). Kies u. Fahlerz, 


Das Verflächen der Kalke, 23h, weicht in den tieferen Lagen 
von dem der Schiefer ab, in den höheren Partien wird es jedoch 
wieder ein normales. Es scheint hier eine Verdrückung (hier vielleicht 
in Folge der Volumsvermehrung) auf der weichen Unterlage vorzuliegen, 
wie man sie häufig bei der Wechsellagerung der Schiefer und Kalke 
beobachtet. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (A. Redlich.) 39 


290 Dr. Karl A. Redlich. [6] 


Die massig aussehenden Ankerite, die in die gebankten Kalke 
mit unregelmässiger Grenzlinie übergehen, von denen sie auch chemisch 
scharf getrennt sind, können erst entstanden sein, nachdem die Kalke 
bereits zum Absatz gelangt waren, sie sind an der schwächsten Stelle, 
an der Grenze der weichen Schiefer und der ursprünglich auch hier 
vorhanden gewesenen Kalke, eingedrungen, diese allmälig umwandelnd. 

Die Kiese sind bei dieser Wanderung rascher in die Kalke ein- 
drungen als die Ankerite, da man mehrere Centimeter im Kalke 
bereits Pyritkrystalle imprägnirt sieht. Die gleichen Verhältnisse 
zeigen die nordöstlich gelegenen Schurfstollen. Auch hier die gleichen 
Ankerite (Analytiker Professor Schöffel an der k. k. Bergakademie 
in Leoben): 


Procent 
Kohlensaurer Kalk. . . . 4894 
Kohlensaures Magnesium . 30:19 
Kohlensaures Eisenoxydul . 1912 
Unlöslicher Rückstand . . 1:80 
100:05 


und die in ihnen auftretenden Kupferkiese, freilich so mächtig an- 
schwellend, dass 2000 Metercentner Erz mit einem durchschnittlichen 
Ausbringen von 6°, Kupfer gewonnen werden konnten. Auch die 
Grenzlinie zwischen Ankeriten und den Kalken ist eine unregel- 
mässige. 

Und wenn wir diese Detailbeobachtungen auf unser ganzes Gebiet 
von der Radmer bis hinüber nach dem Johnsbachthal!) im Gesäuse 
ausdehnen, so sehen wir überall an der Grenze der Schiefer und 
Kalke durch neue Zufuhr, also epigenetisch, Erze, und zwar Ankerit, 
Kupferkies, Fahlerz, Siderit und Einsprenglinge von Zinnober, ein- 
dringen, welche den Kalk verdrängten, aber auch stellenweise die 
angrenzenden Schiefer durchtränkten. 


Und gehen wir noch weiter hinaus nach Osten und nach Westen, 
so treffen wir in der ganzen Grauwackenzone Eisenerze und Kupfer- 
kiese von gleichem Alter und gleicher Entstehungsform wie in der 
Radmer. Als die wichtigsten erwähne ich nur die Erze des Erzberges 
von Altenberg), Gollrad und der hinteren Veitsch. 


') Im Johnsbachthal am linken Ufer, zwischen dem Severing- und Finster- 
graben, findet sich auch Baryt als Gangmasse. 


?) Der schon seit der Mitte des vorigen Jahrhundertes bekannte Josefigang 
in der Gollrad und die gangförmigen Ausscheidungen am Altenberg bei Neuberg, 
welche, wie Miller (Die nutzbaren Mineralien von Obersteiermark. Berg- und 
Hüttenm. Jahrb. der Bergakad. Leoben. Pfibram. XIII. Bd. 1864, pag. 23) sagt, 
„abweichend gegen die herrschende Schichtstellung aufsetzen, jedoch mit Wahr- 
scheinlichkeit gleichzeitig mit dem eigentlichen Lager entstanden sind“, dürften 
einiges Licht auf die Bildung dieser Lagerstätte werfen. Leider sind gerade diese 
Bergbaue heute vollständig unzugänglich. Es ist jedoch Hoffnung vorhanden, dass 
in den nächsten Jahren zur Bauhafthaltung derselben die Stollen geöffnet und 
gewältigt werden. 


[7] Ueber d. Alter u. d. Entstehung einiger Erz- u. Magnesitlagerstätten. 291 


Ueberall treten die Carbonate des Eisens in Gesellschaft der Kupfer- 
kiese, Fahlerze und schliesslich des Zinnobers und Arsenkieses !) auf. 

Von den Ankeriten zu den Pinolitmagnesiten führen ebenso 
zahlreiche Uebergangsformen wie von den Sideriten zu den Ankeriten. 
Der Eisengehalt kann immer mehr abnehmen, bis wir einen Dolomit 
vor uns haben und in diesem kann wiederum der Magnesiagehalt so 


Fig. 4. 


a — Dolomit. — b —= Magnesit. 


zunehmen, dass er trotz seines Eisen- und Calciumgehaltes als 


Magnesit bezeichnet wird. 

Dies sehen wir aus der umstehend befindlichen Tabelle. 

Gewiss liesse sich diese noch weit besser ergänzen, doch sind 
gerade die Uebergangsglieder, welche für die Praxis werthlos sind, 
in ihrer Zusammensetzung wenig bekannt. Ich möchte auch hier 
!) Von den Arsenkiesen am Erzberg bei Eisenerz sagt Hatle (Mineralien 
Steiermarks, pag. 9), dass sie einzeln oder in Gruppen als gelblich angelaufene 
Krystalle oder in körnigen Partien mit späthigem Eisenspath und Thonschiefer- 
fragmenten im Quarz eingewachsen vorkommen. Ebenso beschreibt Hatle von 
dem Bergbau Altenberg bei Neuberg (Mittheil. des naturw. Vereines für Steiermark, 
Jahrg. 1891, pag. 307) Arsenkiese, welche sowohl in der Grauwacke als auch im 
Siderit sich finden. Die Lehrkanzel für Mineralogie an der Bergakademie Leoben 
besitzt aus Gollrad Gangstufen von Siderit mit eingesprengtem Arsenkies, beides in 
grüner Grauwacke gelegen. 

39* 


Anke lt 


| | 
Summe. . .|| 99:95 | 10079 | 9970 | 99:36 99-8 |100:10 || 100'— | 99:81 | 99:50 | 99:39 | 10026 | 10022 | 10074 


% © os = a N 
nA 2 © = = = mas zo ea &n E ER 3 
5 = a =} D Om 2 o® ZZ =! - e- = 
= = = ver n = = Fr 
Es a 2 7 
Kohlensäure . . . . . . .|| 42:08 | 43:08 | 4265 | 44'68 449 44:67 | 4970 | 49°29 | 50:15 | 48:33 | 50'90 | 51'62 52:24 
Bisenoxydul=. ... 2 ...|| 2840| 21:67.) 21'93.| 17:68 12:3 11'87 2:59 1990| 316 387 2:12 174°1* 1:68 
Besseren... ...20. 1a 2212| 22:48 28°6 2741 6-41 0:56 | 242 1:96 1'58 101 0:86 
= NETTE Sy, u er A i 6:08 591 664 | 1347 122 14-35 | 39:17 | 43:84 | 4248| 41°68 45:42 | 45:60 | 45°55 
= EIBOUORVGR Sn se ce 2:29 — —- - _ — _ — — _ — — 
2 Manganozydül . »i =. 0169. 1:92, 134) 118 18 — — 4) _ —_ — — = 
- Unlöslicher Rückstand .. — —_ — — — 1:30 Alam 4°921..21:28 3:55 0:34 0:25 047 
= 
E} 
nd 
5 
Aa 


1) Von A. F. Reibenschuh. — 2) Von Schrötter. — °) Von F. Friedau. — *) Von Berthier. — °) Von 
Berthier. — °) Von F. Ratz. — °) Von F. Ratz. — 2) Von Prof. R. Jeller. — °) Von K.R. v. Hauer. — '°) Von 
K. R. v. Hauer. — !1) Von J. Rumpf. — *) Von F. Uhlig. — ") Von K. R. v. Hauer. 


Ad 7 und 8. Der Magnesit des Häuselberges bei Leoben ist stark im Talk umgesetzt, daher der hohe Gehalt an unlöslichem 
Rückstand, er enthält dichtere graue Partien (Analyse 7) und reine pinolitische Ausscheidungen (Analyse 8). 


292 


[9] Ueber d. Alter u. d. Entstehung einiger Erz- u. Magnesitlagerstätten. 293 


nochmals betonen, dass der äussere pinolitartige Charakter nicht auf 
die Magnesite beschränkt ist, vielmehr auch bei den Ankeriten 
ziemlich häufig auftritt, zum Beispiel in der Radmer. 

Diese gleiche äussere Form und die ähnlichen chemischen Ver- 
hältnisse bei beiden Mineralien lassen bereits eine gleiche Genesis 
vermuthen und thatsächlich kann man an den Pinolitmagnesiten der 
Veitsch sehen, wie in eine Dolomitmasse die Magnesiacarbonate im 
nachhinein eingedrungen sind. Diese Beobachtung hat bereits Hofrath 
Hoefer, Professor an der k. k. Bergakademie in Leoben, vor 
einigen Jahren gemacht und die darauf bezüglichen Belegstücke der 
Sammlung der k. k. Bergakademie geschenkweise überlassen. 

Ich bringe ein solches auf pag. 291 [7] zur Abbildung. 

Wir sehen in die Grundmasse, Dolomit (a), den Magnesit (b) 
eindringen und allmälig ersetzen. Wie an dem vorliegenden Hand- 
stücke kann man die gleiche Erscheinung in bedeutend vergrössertem 
Maßstabe in der Natur beobachten. Der Dolomit bildet oft mehrere 
Meter hohe Brocken. Es ist aber auch wahrscheinlich, dass der 
Dolomit kein ursprünglicher Bestandtheil war, vielmehr gleichzeitig mit 
dem Magnesit als eine Art Diffusionsproduct den Kalk umgesetzt hat. 

Zum Vergleiche könnten jene grauschwarzen dichten Ankerite 
(Analyse 3) der Radmer herangezogen werden, welche in ihrem 
äusseren Habitus und in ihrer Lagerung gegen das Nebengestein voll- 
ständig den Dolomiten der Veitsch gleichen, wenn sie auch in ihrer 
Zusammensetzung voneinander abweichen. 


Veitsch }) Radmer 


Procent Procent 
Kohlensaures Calcium . . . 5412 50:09 
Kohlensaures Magnesium . . 42:75 27:99 
Kohlensaures Eisenoxydul . 211 17:60 
Unlöslicher Rückstand. . . — 4-35 


98:98 100:03 

Der epigenetische Charakter der Ankerite der Radmer wurde 
aber bereits erwiesen. Die Resultate aus den in unserer Studie nieder- 
gelegten Beobachtungen sind somit: 

Die Siderite (Typus Erzberg), Ankerite (Typus Radmer) und 
Pinolitmagnesite (Typus Sattlerkogel in der Veitsch) bilden Lager- 
stätten von gleicher Beschaffenheit; sie sind nicht nur durch einzelne 
Bindeglieder chemisch miteinander eng verbunden, sondern sie treten 
auch stets unter den gleichen geologischen Verhältnissen auf. Man 
kann sie ebensowenig im Sinne der gewöhnlichen Sedimentation als 
Lager auffassen wie die Kiese von Kalwang und Oeblarn, ihre Ent- 
stehung lässt sich nur mit dem Metamorphismus präexistirender 
Materialien erklären. Wir dürfen sie daher mit Recht unter der 
höheren Einheit der metamorphen Carbonatlager der nördlichen Grau- 
wackenzone vereinen 2). Weiter gehend, müssen wir auch die Kiese 


!) Analytiker Professor R. Schöffel an der k. k. Bergakademie in Leoben, 
?®) Das Erzvorkommen des Kulmberges und des Umberges, dann jenes von 
Moosburg, welch letzterem wieder die kiesigen Magnetit führenden Eisensteinlager- 


994 Dr. Karl A. Redlich. [10] 


(Typus Kalwang, Oeblarn) in die nächste Verwandtschaft dieser Erz- 
bildungen stellen. Mehr oder weniger grosse Kiesausscheidungen in 
den Carbonatlagerstätten, von den handgrossen Stücken des Erzberges 
bis zu den mächtigen Anschwellungen in der Radmer, führen schliesslich 
zu den sulfidischen Lagerstätten, wo der Ankerit zum Kies in dem- 
selben Verhältnis auftritt wie der letztere zum ersteren am Erzberg. 

Ich stelle mir den Bildungsvorgang folgendermassen vor. Nach 
einer Zeit submariner Eruptionen — und dafür spricht die lager- 
artige Anordnung der Hornblendegesteine und Tuffe in der Nähe der 
Kieslager — erfolgte die normale Bildung der klastischen Sedimente. 
Mit dieser eingen durch die letzten Emanationen des Vulcanismus 
verschiedene Exhalationen und Quelläusserungen Hand in Hand, welche 
theilweise fast gleichzeitig, theilweise an bereits gebildeten Schichten 
(siehe Radmer, Veitsch) eine Umsetzung in Erze bewirkten. 

War nun das Erzmaterial gegeben, so ist es wohl selbstver- 
ständlich, dass in chemisch so leicht beweglichen Massen fortwährend 
neue Umwandlungen, beziehungsweise Anreicherungen stattfinden 
konnten, ich möchte sie mit dem Namen localer Metamorphismus 
bezeichnen, für welchen man folgende Beispiele anführen kann: Der 
Erzberg bei Eisenerz zeigt Anreicherungen von Sideriten in der Nähe 
von Spalten, die Pinolitmagnesite werden durch ein Netzwerk von 
Spaltenausfüllungen oft fast vollständig in Talk umgewandelt, zum 
Beispiel in Oberort bei Tragöss !). 

In Bezug auf das Alter müssen wir nach dem heutigen Stande 
unserer geologischen Kenntnisse drei Zonen unterscheiden, für welche 
als Beispiel der ältesten die Kiese von Kalwang und Oeblarn, der 
mittleren (silurisch-devonischen) die Eisenerze und Kupferkiese der 
Radmer, des Erzberges und der hinteren Veitsch und schliesslich der 
jüngsten (carbonen) die Kiese und Fahlerze des Dürsteinkogels in 
der Veitsch anzusehen sind. 


stätten in der Krems bei Gmünd nahestehen und das auch vielfache Analogien mit 
der allerdings viel grossartigeren Erzlagerstätte am Schneeberg in Tirol erkennen 
lässt, betrachtet Canaval (Carinthia II, 1901, pag. 192) als Erzdepots, welche 
durch Verdrängung von Kalkablagerungen entstanden sind. In ähnlicher Weise 
erklärt Baumgärtel in seiner Studie über den Erzberg bei Hüttenberg (Jahrb. 
d. k. k. geol. R.-A. 1902, Bd. 52, pag. 219) die Entstehung desselben: 

„Die Erzlagerstätten von Hüttenberg treten im körnigen Kalk auf, welcher 
Einlagerungen in Schiefern von krystallinischer Beschaffenheit darstellt. Sie bilden 
in demselben unregelmässig begrenzte Partien vom Charakter der Erzstöcke. Die 
Schiefer erhielten ihre krystallinische Beschaffenheit durch die Einwirkung eines 
Granits, der zwar in seiner Hauptmasse nicht aufgeschlossen ist, dessen Anwesenheit 
aber mit Sicherheit aus dem unzweifelhaften Anzeichen der Injection in den 
Schiefern selbst und aus dem Vorhandensein zahlreicher echter Pegmatitgänge 
hervorgeht. Die Form wie die Mineralparagenesis der Lagerstätte entsprechen 
keineswegs einer sedimentären Entstehung. Beide sind die charakteristischen 
Erscheinungsformen epigenetischer Lagerstätten. Die unzweifelhafte Nachbarschaft. 
eines grösseren Granitmassivs macht Wirkungen postvulcanischer Natur durchaus 
wahrscheinlich, welche in Form von aus der Tiefe empordringenden Thermen sich 
geltend machten und auf deren Wirksamkeit auch an anderen Stellen des betreffenden 
Abschnittes der Ostalpen aus zahlreichen Erscheinungen geschlossen werden kann.“ 

‘) Auf die Mitwirkung von Thermen bei der Bildung der Pinolitmagnesite 
hat zum erstenmal Rumpf hingewiesen. (Ueber steirische Magnesite. Mittheil. d. 
naturw. Vereines. Graz 1876, page. 91.) 


Die oberösterreichischen Voralpen zwischen 
Irrsee und Traunsee. 


Von Eberhard Fugger. 
Mit einer Tafel (Nr. XIV) und 11 Zinkotypien im Text. 


Die vorliegende Arbeit schliesst sich an meinen Aufsatz über 
„Das Salzburger Vorland* an, welcher im Band 49 dieses Jahrbuches, 
Seite 287—428, erschienen ist, und behandelt den nördlichen Theil 
des Gebietes, welches unter dem Namen des Salzkammergutes bekannt, 
alljährlich von tausenden und abertausenden von Fremden besucht und 
mit Enthusiasmus durchwandert wird. 

Als Voralpen bezeichne ich jene Höhenzüge, welche den Kalk- 
alpen im Norden vorgelagert sind. Die Südgrenze des Gebietes, welches 
ich beschreiben will, bilden sohin die Drachenwand und die Schaäf- 
berggruppe bis zum Attersee, dann weiterhin das Höllengebirge 
mit seinen vorgelagerten Bergen, dem Rothenstein, Rabenstein 
und Fahrnauberge zwischen Attersee und Traunsee, und endlich 
der Traunstein am Ostufer des letzteren. 

Die genannten zwei grossen Seen, der Attersee und der 
Traunsee, liegen in zwei alten Querbruchlinien, längs welchen das 
Kalkgebirge und mit ihm die Flyschberge desto mehr nach Norden 
vorgeschoben wurde, je weiter es gegen Osten hin gelegen ist?). 
Dadurch erscheint die Südgrenze unseres Gebietes viel weniger regel- 
mässig, als dies im Salzburger Vorlande der Fall ist. 

Die West- und Ostgrenze ist schon durch die Aufschrift gegeben ; 
die Nordgrenze bildet im Allgemeinen die Vöckla und die Ager, 
nachdem diese die erstere aufgenommen hat. Das Gebiet entspricht 
im Grossen und Ganzen dem Blatte „Gmunden und Schafberg‘“, 
Zone 14, Columne IX, der Generalstabskarte im Maßstabe 1:75.000. 

Die geologische Literatur über Oberösterreich ist von Hans 
Commenda in seinem verdienstvollen Werke „Materialien zur 
Geognosie Oberösterreichs“, Linz 1900, vollständig erschöpfend zu- 
sammengestellt und über die glacialen Ablagerungen des Gebietes 
findet man eingehende Schilderungen und zahlreiche werthvolle Daten 
in dem noch nicht vollständig erschienenen Buche „Die Alpen im 
Eiszeitalter“ von A. Penck und E. Brückner. Einzelne Theile 


ı) Mojsisovics und Schloenbach. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1868, 
8.212 ff. — Koch. Die geologischen Verhältnisse von Gmunden. 1898. Sep.-Abdr. 8.1. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 


296 Eberhard Fugger. | [2] 


des Gebietes wurden mehr oder weniger ausführlich untersucht und 
beschrieben von Lill von Lilienbach 1830, Morlot und 
Zeuschner 1847, dann seit Gründung der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt von Prinzinger, Lipold, Simony, Ehrlich, Hauer, 
Mojsisovics, Schloenbach, Koch, Lorenz-Liburnau. 

Das Landschaftsbild unseres Gebietes ist herrlich und charakteri- 
sirtt durch die Gegensätze, welche das intensiv bevölkerte und be- 
wirthschaftete glaciale Vor- und Hügelland, dann die gerundeten 
Formen der bis oben bewaldeten Flyschberge mit dem Hintergrunde 
der steil abfallenden kahlen Kalkgebirge bilden, und die grossen 
schönen Seen, welche das Gebiet durchschneiden und deren Ufer 
theils mit reizenden Ortschaften und Villen besetzt sind, während 
an anderen Stellen die Berge schroff und steil aus dem Wasser 
emporsteigen. 


Der Irrsee. 


Der Höhenzug, welcher von Strasswalchen gegen Osten bis 
gegen das obere Vöcklathal reicht und über welchen in der Strecke 
von Wimpassing bis Matzlroith die Landesgrenze zwischen 
Salzburg und Oberösterreich hinläuft, zeigt in seiner ganzen Aus- 
dehnung bis gegen den Kobernauser Wald im Norden und die 
Flyschberge im Süden überall Moräne und glaciale Schotter. Am 
Nordrande des Höhenzuges, dem sogenannten Krenwald, welcher 
sich am linken Ufer des Schwemmbaches zwischen Schnee- 
gattern und Friedburg hinzieht, hören die glacialen Reste auf, 
dafür beobachtet man weissen Sand und nicht gekritzte, abgerundete 
Steine, meist Quarze und Urgebirgsgesteine, offenbar tertiäre Schotter. 

Bei Strasswalchen, Irrsdorfund Rabenschwand lagern 
glaciale, horizontal geschichtete Conglomerate, unmittelbar hinter 
der Säge nächst dem Bahnhofe Strasswalchen steht eine Moräne an. 
Ebenso beobachtet man über die ganze Höhe längs der Orte Ruckling, 
Roid, Pfenninglanden, Brunn, Watzelberg Moränen oder 
Conglomerate. Nördlich von letzterem Orte ziehen sich zwei schwache 
Höhenrücken von West nach Ost. Am Nordabhange des zweiten 
Rückens sind längs des Waldes und im Walde, dann im Bache, der 
am Fusse dieses Abhanges gegen Palting und Pöndorf hin- 
zieht, bis über Baumbach hinaus überall Sandsteine aus der 
jüngeren Nummulitenzeit zu sehen. Sie müssen hier jedenfalls an- 
stehen; Moräne fehlt dagegen in dem genannten Terrain vollständig, 
erst unterhalb Baumbach findet man sie wieder. Auf dem Höhenzuge 
unmittelbar nördlich von Watzelberg ist in einem Steinbruche 
Moräne und darunterliegendes glaciales Conglomerat aufgeschlossen. 
Bei der Eisenbahnhaltestelle Ederbauer liessen sich während der 
Arbeiten im Bahneinschnitte deutlich zwei übereinander liegende 
Moränen unterscheiden, die durch eine mächtige Lehmschicht von- 
einander getrennt waren. Auch an der Bahnlinie von Rabenschwand 
bis zur Höhe des Ederbauers beobachtet man an vielen Orten die 
Moräne blossgelest. Auf der Höhe selbst, in der Nähe des Grenz- 
pfahles zwischen Oberösterreich und Salzburg, lagert an der Bahn die 


[3] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 297 


Moräne auf dem Conglomerat. Dreihundert Schritte nördlich der 
Grenze, ebenfalls an der Bahn, ist in einem Steinbruche eine Wand 
srobbankigen Conglomerats entblösst; die Schichtung ist im Allge- 
meinen horizontal, doch sehr unregelmässig und neigt an einigen 
Stellen nach Ost, an anderen nach Nordost. 

Nordwestlich von Forstern, dann nördlich von Gaisteig, 
einer Ortschaft zwischen Geretsberg und Forstern, sind Moränen auf- 
gedeckt, im Landgraben bei Pating steht Conglomerat an. Wenige 
Schritte nordwestlich von Obermühlham beobachtet man an der 
Strasse an zwei Stellen die Moräne, die eine zeigt überdies noch 
einen kleinen vorliegenden Sumpf und zahlreiche erratische Blöcke. 
Südöstlich von Hochfeld beobachtet man unter der lockeren Moräne 
ein Conglomerat, welches ebenfalls reich an gekritzten Steinen ist; 
auch bei Voglhub ist das Conglomerat unter der Moräne blossgelest. 
Unmittelbar südlich des Wirthshauses Volkerding, der Eisen- 
bahnhaltestelle Pöndorf, sieht man wieder ein Conglomerat 
mit gekritzten Steinen und darüber die lockere Moräne. Zwischen 
diesem Punkte und dem Dorfe Pöndorf sind drei untereinander 
parallele Moränenwälle erhalten, welche man leicht vom Waggon des 
Eisenbahnzuges aus verfolgen kann: auf dem südlichen Walle ist die 
Eisenbahn gebaut, auf dem mittleren die Reichsstrasse und auf dem 
nördlichen steht die Ortschaft Pöndorf. Die Furchen zwischen den 
drei bogenförmigen Wällen sind Sümpfe. Gegen Westen za verwischen 
sich die drei Wälle zu einer einzigen Ebene. An der Brücke von 
Unterthalham beobachtet man Conglomerat, zwischen Unterthalham 
und Höhenwart sowie bei Matzlröth gegen den kleinen 
Steinerbach hin an mehreren Punkten dle Moräne. 

Südlich von Rabenschwand erstreckt sich das Thal des 
Zeller- oder Irrsees von Nord nach Süd und biegt nur in seinem 
untersten Theile gegen Südost zum Mondsee ab. Es wird von 
Flyschbergen eingeschlossen, und zwar im Westen vom Kolomanns- 
berg und seinem nördlichen Ausläufer, dem Irrsberg, im Osten 
von den Zeller Bergen, den Vorbergen des Saurüsselstockes, 
und ihrem nördlichen Vorposten, dem Koglerberg. Der See selbst 
hat eine Länge von fast 45 km; im Norden sind ihm Moränen- 
wälle vorgelagert, welche die Wasserscheide bilden zwischen den 
nach Nord und Nordwest abfliessenden Tributgewässern des Mühl- 


‘baches und den unbedeutenden Zuflüssen, welche der Irrsee im 


Norden erhält. Die Moränenwälle sind vielfach unterbrochen und 
bilden einzelne Hügel, an deren Fuss manchmal das Conglomerat zu 
Tage tritt, wie in dem Terrain zwischen Oberhofen einerseits 
und Kielweg und Speck andererseits. 

Am westlichen Thalgehänge reicht die Moräne bis auf das 
Sommerholz, 660 m, im Fischerhofgraben bis 750 m; südlich 
vom Wildeckgraben beobachtet man noch die Moräne längs einer 
Flyschwand als zusammenhängende Seitenmoräne ebenfalls bis 750 m, 
also ungefähr 200 »m über dem Seespiegel. Weiter gegen Süden werden 
die Wände steiler, die Moräne steigt weniger hoch an, südlich von 
Oed reicht sie etwa nur bis 610 m, dagegen bei Felding wieder 
bis gegen 660 m am Kolomannsberge hinauf. An der Fahrstrasse, 


Jahrbucl &. .:. K. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 40 


298 Eberhard Fugger. [4 


die von Teufelmühl über den südöstlichen Ausläufer des Kolomanns- 
berges nach Mondsee führt, beobachtet man nur Moräne. 

Das Nordende der östlichen Seite des Irrseethales bildet der 
Koglerberg (820 m) bei Oberhofen; er gehört dem Fiysch an, die 
Moräne reicht bis 655 m an ihm empor. Vom Koglerberg zieht ein 
Kamm gegen Südost und culminirt im Schoiberberg (881 m). In 
dem Schwander Graben, der von der Höhe des Schoiberberges 
gegen West zu Thal zieht und dann gegen Oberhofen hin seine 
Wässer in den Mühlbach führt, beobachtet man die Moräne bis 660 m, 
darüber folgt Flysch und zwar Mergel, Sandsteine in Platten und 
Sandsteine mit schaliger Structur. Zwischen dem Schoiber und der 
kleinen Erhebung des Guntersberges (803 m) zieht der Laiter- 
bach herab und mündet bei Laiter in den Irrsee. Die unteren 
Partien dieses Grabens zeigen nur Moränen, in welche der Bach 
stellenweise bis zu 25 m tief eingerissen ist; die Moräne zieht sich 
bis in die Höhe von 670 m, dann kommt man in anstehenden Flysch, 
welcher in 680 m in h 6, 5° mit 55° südlichem Einfallen geschichtet 
ist. An der Nordseite der Platten beobachtet man kleine zierliche 
Wülste, ausserdem findet man Chondrites affınıs Sternb. und COhondr. 
inclinatus Sternb., beide in der Art, dass die Algen selbst hell auf 
dunklem Grunde erscheinen. Fuchs beschreibt ein ähnliches Vor- 
kommen von einem niederösterreichischen Fundorte. 

Lipold fand. beim Laiterbauer Gesteine mit Hippuriten; 
Franz von Hauer besuchte später diesen Punkt und sah daselbst 
abgerundete Blöcke von Hippuritenkalk mit anderen grossen Gesteins- 
blöcken in einem zähen Lehm conglomeratartig eingebettet. Er be- 
zeichnete dieselben als „zweifellos transportirte Blöcke“ (Sitzungsber. 
d. kais. Akad. d. Wiss. Wien 1857. XXV. S. 289). 

Bei dem Bauernhause Guntersberg befindet sich ein Stein- 
bruch auf Flyschsandstein. Südlich vom Guntersberg steigt die Moräne 
aus dem Irrseethal bis auf die Höhe des Kammes, 720 m, und zieht 
sich hinüber in das jenseits gelegene Thal der Vöckla. 

Im Graben unmittelbar nördlich von Zell am Moos steht m 
610 m Höhe auf eine kurze Strecke von etwa 30 m Flysch an in 
h 6, 5° mit 55° südlichem Einfallen; darüber hin lagert wieder Moräne, 
ebenso abwärts im Graben. Bei Zell am Moos reicht die Moräne bis 
gegen 720 m am Berge hinauf; in derselben sind zahlreiche grosse 
erratische Kalkblöcke eingebettet, welche reich an Hippuriten, Oaprina 
d’Aguilloni Orb. und anderen Gosaupetrefacten sind!). Das Terrain, 
in welchem diese Blöcke vorkommen, reicht vom Thal bis auf die 
Kammhöhe in einer Breite von etwa 500 m; die Blöcke selbst liefern 
den Anwohnern schon seit Jahrzehnten den zu ihren Bauten nöthigen 
Kalk. Im ersten kleinen Graben südlich von Zell am Moos an der 
Strasse steht wieder auf eine kurze Strecke Flysch in stark verdrücktem 
Zustand an; ebenso in dem kleinen Graben bei dem Wirthshause 
Kasten. In der Nähe der Oelmühle befindet sich an der Strasse 
ein kleiner Steinbruch auf Flysch ; in demselben fanden Prof. Kastner 


!) Ehrlich. Nordöstliche Alpen. Linz 1850. Seite 30. — Fugger. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A. 1894. Seite 185 und 209. 


[5] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 299 


und ich im Juni 1894 schlechterhaltene, aber deutlich erkennbare 
Reste von Jnoceramus salisburgensis und 1. monticuli im Flyschmergel; 
etwa 1’5 m nördlich der Inoceramenschicht trafen wir eine Flysch- 
breecie von eirca 5 cm Mächtigkeit. Der nächste Graben südlich von 
Rauchberg zeigt nur Geschiebe von Flyschgestein. 

Der Spiegel des Irrsees liegt in 5553 m Meereshöhe, das 
Areal des Sees beträgt nach J. Müllner!) 347 km?2, die mittlere 
Tiefe 153 m und die grösste Tiefe 32 m. Den Abfluss des Sees bildet 
die Zeller Ache; sie fliesst durch glaciale Schotter, welche fast 
das ganze untere Thal erfüllen und aus welchen sich einzelne kleine 
Schotterhügel erheben. zwischen denen kleinere oder grössere Moore 
ausgebreitet sind. Das grösste Moor, welches sich von der Baum- 
gartenmühle bis gegen die Sägemühle hinzieht, hat eine Länge 
von 1'75 km. 

Die Zuflüsse des Sees kommen von allen Seiten, nicht blos 
von den Flyschbergen im Westen und Osten, ein paar unbedeutende 
Bäche fliessen ihm auch im Norden zu, und während in der süd- 
östlichen Ecke des Sees der Ausfluss desselben stattfindet, kommen 
von der südwestlichen Ecke und noch von der Mitte des schmalen 
Südrandes desselben Zuflüsse in den See. 

Die Zeller Ache hat sich unterhalb der Sägemühle wieder 
in das liegende Flyschgestein eingegraben und hier misst man das 
Streichen in h9 mit ziemlich steilem Fallen nach Südwest und Wülsten 
an der Nordostseite. 


Der Mondsee. 


Das Thal des Irrsees vom Ausflusse der Zeller Ache bis zum 
Mondsee hat eine Länge von etwas weniger als 6 km und dabei in 
den oberen Partien ein durchschnittliches Gefälle von 30/90; erst das 
letzte unterste Viertel neigt sich dann rasch dem Mondsee zu und 
besitzt ein Gefälle von 50°/,,. Diesen steilen Theil des Thales be- 
wässert ausser der Zeller Ache, die am rechtseitigen Gehänge 
hinfliesst, noch ein zweiter Bach parallel zur Ache, nämlich der 
Steinerbach, der die Wässer des grossen Feldinger Moores 
abführt und ein paar Seitenbäche aufnimmt, die vom Lackenberg 
und der Buchenscharte kommen. Beide Bäche, Zeller Ache und 
Steinerbach, münden ziemlich nahe nebeneinander im Markte Mond- 
see in den See. 

Auf der Höhe zwischen den beiden Bächen am Nordende des 
Marktes befindet sich eine Kapelle, das Hochkreuz, unmittelbar 
daneben ist eine Lehmgrube: Flyschmergel, der sich zu Lehm zersetzt 
hat. Man kann die Uebergangsstadien recht gut beobachten. Auf den 
Schichtflächen des Lehms oder Lehmmergels lagert hellblauer Vivianit ?). 

Zwei Hügel, die südöstlichen Ausläufer des Kolomannsberges, 
trennen hier das Irrseethal vom Thalgauer Thal. Beide Hügel sind 


!) A. Penck und E. Richter. Atlas der österreichischen Alpenseen. 1895. 
Lief. 1. Taf. XI. 
2) Das Salzburger Vorland. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1899. Bd. 49. S. 345. 
? 40* 


300 Eberhard Fugger. | [6] 


moränenbedeckt, lassen aber an verschiedenen Stellen die Flysch- 
unterlage zu Tage treten. Am Fusse des nördlichen der beiden Hügel, 
des Gaisberges, hat man bei der Eisenbahnhaltestelle Keller 
vier Steinbrüche im Flysch eröffnet; man sieht in allen vieren überein- 
stimmend die Lagerung in h 6 bis 7 mit 50° Einfallen nach Süd. 
Auch am Fusse des anderen, südlichen Hügels sind — längs der 
Bahnstrecke Teufelmühl—St. Lorenz — die nach Süden fallenden 
Flyschplatten vielfach blossgelegt. 

Aus dem weiten Thale von Thalgau kommt die GrisslerAche, 
welche bei St. Lorenz, ein grosses Delta bildend, in den Mondsee 
mündet. Das Thal selbst wird im Norden, d. i. an seiner linken 
Seite, von den moränenbedeckten Abhängen des Kolomannsberges 
eingeschlossen, an seiner rechten Seite von dem Höhenzuge des 
Eggerberges, andensich der Schober und endlich die Drachen- 
wand anschliesst. Der Eggerberg besteht aus Flysch, ist aber fast 
überall bis auf die Höhe hinauf mit Moräne bedeckt. Die Hauptmasse 
des Schober (1523 m) ist Hauptdolomit, welcher auf einer Bank von 
Carditaschichten aufliegt; dieser ist bis zur Höhe von etwa 800 m 
Flysch angelagert, der in einigen Gräben unter der Moräne hervor- 
tritt. In der Nähe der Schlossruine Wartenfels treten am Schober 
auch Hierlatzkalke auf. Die Drachenwand ist die Fortsetzung des 
Schober gegen Ost nicht bloss in geographischer, sondern auch in 
seologischer Beziehung. Das Plateau der Carditaschichten, welches 
am Fusse des Schober eine Breite von etwa 200 m besitzt, wird 
immer schmäler und verschwindet endlich ganz, die Carditaschichten 
keilen sich aus; dasselbe ist mit dem Flysch der Fall. 

In einem Graben bei Keuschen, etwa 500 m über dem Meere, 
kann man noch die Flyschschichten beobachten und zwar fast senk- 
recht, etwas gegen Süden geneigt, in h 6, fünf Meter höher fallen 
sie unter 75° gegen Nord. Wenig weiter gegen Ost hören sie voll- 
ständig auf und verschwinden unter Moräne und Gebirgsschutt; bei 
Gries findet man keine Spur mehr davon. Auch die Moräne, welche 
bei Wartenfels bis 900 m emporreicht, nimmt allmälig ab und hört 
endlich bei Blomberg vollkommen auf. Hier fallen die Dolomite 
des Griesberges steil gegen den See ab. 

Nach einer Strecke von 225 km treten die Felswände zurück 
und es öffnet sich die Bucht von Scharfling, in welcher sich noch 
ein Theil des früher grösseren Sees, der Egelsee, erhalten hat. 
Im Mondsee selbst fand man hier die Reste von prähistorischen 
Pfahlbauten. An die Bucht schliesst sich das Delta des Kienbaches 
an und nun folgt die Kienbergwand, eine dolomitische Felswand, 
welche auf eine Strecke von fast 1 km direct in den See abfällt und 
an deren Fuss erst vor wenigen Jahren eine Strasse in dem Fels 
ausgesprengt wurde. Weiterhin treten die Felsen wieder mehr und 
mehr zurück und an ihrem Fusse wandert man nun über Dolomitschutt 
bis an das Ostende des Sees zur Ortschaft See. Auf dem Wege dahin 
findet man an der Bergseite eine Art Dolomitlehm, d. i. feines Dolomit- 
pulver mit thoniger Substanz derart gemengt, dass dadurch eine lehmige 
knetbare Masse von rein weisser Farbe entstanden ist. 

Das linke Ufer des Mondsees, d. i. das nordöstliche in seinem 


@ 


[7] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 301 


oberen und das nördliche in seinem unteren Theile, zieht sich am 
Fusse der Flyschberge hin, und zwar sind dies am oberen See die 
Gehänge des Mondseeberges und der Kulmspitze. Unten am 
Seeufer treten bis in eine Erhebung von etwa 15 bis 20 m über dem 
Seespiegel häufig die anstehenden Flyschfelsen zu Tage, so in der Nähe 
des Königsbades, bei dr Hammermühle, im Grenzgraben 
zwischen den Gemeinden Tiefgraben und Innerschwand u. 8. w. 

Während an der Strasse längs des Sees die Moräne nur an 
einzelnen Punkten aufgeschlossen ist, trifft man ‘weiter oben am 
Gehänge selbst Moränenmaterial an vielen Stellen. 

Steigt man im Graben hinter der Kirche von Mondsee aufwärts, 
so beobachtet man in etwa 490 m Meereshöhe Flysch, anstehend in 
h 9 mit 45° südwestlichem Fallen; weiterhin im Graben ist dagegen 
die Schichtung in’ h 3 mit 30° südöstlichem Fallen. Oberhalb der 
kleinen Mühle, die hier über den Bach gebaut ist, sieht man seichte 
Karrenrinnen auf den Flyschplatten, die in h 6, 5° mit 40° gegen 
Süd geneigt sind. Weiter aufwärts ist der Bach tiefer, 5 bis 7 m, 
in das Gehänge eingerissen, die Seitenwände sind Flyschschutt, dem 
hie und da einige wenige Kalke beigemengt sind. Am rechten Ufer 
des Baches steht, 565 m über dem Meere, das Reservoir der Hoch- 
quellenleitung. Noch weiter aufwärts ist der Graben 20 und mehr 
Meter tief, am Gehänge bemerkt man nur anstehenden Flysch.' In 
580 m Höhe fand ich an der linken Seite der Bachrinne am Berg- 
gehänge einige gerundete Kalke; an vielen Stellen des freien Gehänges 
tritt geschichteter Flysch zu Tage; die Moräne ist also hier sehr 
wenig mächtig.: Sie scheint bis etwa 680 m zu reichen; dies ist die 
Höhe des Plateaus von Mannsberg, welche in der Generalstabs- 
karte im Masstabe 1:75.000 dureh eine Kapelle bezeichnet ist. Von 
hier aufwärts beginnt das Steilgehänge des Flyschberges. 

In dem Graben, der unterhalb des Königsbades mündet, 
steht — 625 m — Flysch an; in dem sehr steinigen Hohlwege neben 
dem Graben salı ich in der gleichen Höhe nur Flyschtrümmer, bei 
595 m aber zwei Kalke und einen gekritzten Flyschsandstein. Im 
Schreitenbach, der unterhalb der Hammermühle endet, ist in 
570 m Höhe ebenfalls wieder Flysch anstehend; ebenso im nächsten 
Graben gegen Ost. 

Am Gehänge zwischen dem Kirchengraben und dem zuletzt ge- 
nannten traf ich hie und da auf einige wenige Kalkrollsteine, von 
denen einzelne auch deutliche Kritzen zeigten. Je weiter man längs 
dem See in der Richtung gegen sein Ausflussende hingeht, desto 
weniger und seltener werden die Kalke, desto zahlreicher die Flysch- 
trümmer. Da nun aber Flyschtrümmer als Rollsteine fast genau das- 
selbe Aussehen haben wie als Gebirgsschutt und da andererseits auf 
den Höhen überall Flysch ansteht, ist es oft kaum möglich, zu be- 
urtheilen, ob man es mit Moränenmaterial oder Bergschnutt zu thun hat. 
Auf einem schlechten Fahrwege längs des Grabens neben der Warte 
am See stiegich am Gehänge aufwärts; Flyschbrocken sah ich genug, 
aber erst in 550 m Höhe lag ein grauer gekritzter Kalkrollstein; den 
nächsten fand ich 15 m höher. Von 600 m an nahmen sie an Zahl 
etwas zu, aber häufig waren sie auch da nicht. Beim Bauernhaus 


302 Eberhard Fugger. [8] 


Spois, etwa 650 m, fand ich auch ein paar Kalke und etwa 20-25 
längs eines Weges von Spois bis zum vorhergenannten Grenzgraben. 
In der Nähe des Gasthauses „Warte am See“ befindet sich der 
Sehweighof im Mösl. Hier beobachtete seinerzeit Lipold einen 
kleinen, aus einem Felde hervorragenden Block von Hippuritenkalk, 
den man später oberflächlich absprengte und dann überackerte. Im 
Jahre 1854 war von diesem Gesteine nichts mehr zu sehen. Es war, 
wie sich Hauer!) ausdrückte, „ein transportirter Block“. Wahrschein- 
lich stammte er von demselben Orte wie die Hippuritenkalke von Zell 
am Moos und ist dann wie die Flyschmoränen an der Nordseite des 
Mondsees ein Zeugnis dafür, dass der Gletscher sich hier — wenigstens 
während einer gewissen Zeit — von West nach Ost bewegt hat. 

Bei der Warte am See betritt man das Delta der Wangauer 
Ache. Diese bildet sich aus einigen Bächen, welche theils vom 
Kulmspitz, theils vom Rossmoos herabkommen und sich bei Ober- 
wang zur Ache vereinigen; bei der Erlachmühle nimmt diese 
am linken Ufer einen Bach auf, der von Radau am Südhange des 
Rossmoosstoekes kommt, und weiter im Süden einen zweiten 
Bach, der das Aschauthal bewässert und seine Zuflüsse haupt- 
sächlich von der Südseite und dem Hintergrunde (dieses Thales her 
erhält. Sowohl das Thal von Oberschwand als jenes von Aschau sind 
weite Gebirgsfurchen, nahe der Vereinigung des Aschauer Baches mit 
der Wangauer Ache aber verengen sich beide Thäler, das Wangauer 
Thal wird eine kurze Strecke zwischen Friedmühle und Tiefen- 
schwand völlig schluchtartig, nimmt in der Enge bei Tiefenschwand 
den Aschauer Bach auf und erweitert sich erst wieder allmälig bei 
der Lugmühle; bei Loibichl beginnt das breite Mündungsdelta. 

In der Verlängerung nach Norden hängt das Wangauthal mit 
dem Thale der Dürren Aurach ursprünglich zusammen und ist von 
demselben nur durch die Moräne abgedämmt, welche von Ried- 
schwand schief durch das Thal nach Grossenschwand zieht 
und nun die Wasserscheide zwischen den beiden Thalhälften bildet. 
Die Moräne erreicht in einzelnen ihrer Hügel eine Höhe bis zu 650 m 
und ist überall durch gekritzte Geschiebe charakterisirt. Der Boden 
des Wangauthales bis zur Friedmühle zeigt allerorts glaciale Geschiebe 
und diese reichen auch an den Thalwänden bis zur Höhe von 650 m 
und darüber. Zwischen Friedmühle und Tiefenschwand dagegen hat 
sich die Ache in den Flyschboden eingeschnitten und sind keine 
glacialen Reste zu sehen. 

Der Radaubach erhält bei Burgleiten einen kleinen Zufluss, 
der hier fast noch in der Thalsohle eine Plaik im Flyschboden bloss- 
gelegt hat; weiter oben am Wege längs des Thalgehänges ist der 
Flysch auf etwa 100 m anstehend in h 3, 5° mit 40° Einfallen nach 
Südost. Gegen Endfelden hin tritt schon wieder die Moräne auf 
in 630: m Höhe. Bei den Häusern von Radau, 715 m, liegen zahl- 
reiche Kalkblöcke von mindestens einem Kubikfuss Grösse, von denen 
sich wahrscheinlich der vermeintliche „Kreideaufschluss“ herschreibt, 
den ich in einer geologischen Karte dieser Gegend verzeichnet sah. 


) 


!) Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. Wien 1857. XXV. S. 289. 


19] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 303 


Diese erratischen Blöcke liegen auf Moränenmaterial, welches viele 
Geschiebe aus hellem Kalk mit rothen Adern enthält, wie er auf dem 
Plateau des Untersberges bei Salzburg vorkommt. Bei einem Hause 
der Ortschaft Streit, 750 m, ist abermals die Moräne aufgeschlossen. 
Den höchsten Punkt derselben sah ich bei Lichtenbuch, 790 m. 
Unterhalb der Häuser dieser kleinen Ortschaft beobachtet man noch 
die Moräne, oberhalb derselben befindet sich unter dem Humus: nur 
mehr Flyschlehm. Ebenso reicht die Moräne bei den Häusern Streit 
und Radau nicht mehr weit am Gehänge hinauf, so dass man ‘also 
gewissermassen das Herabsteigen der Moräne, respective des Gletschers 
von dem Kamme, der das Thal des Attersees vom Aschauthal trennt, 
durch die Orte Lichtenbuch, Streit, Radau oder die Höhen 790, 750, 
715 m markirt sieht. 

Der Blick von Lichtenbuch über den genannten Kamm hin zeigt 
eine vollkommene Moränenlandschaft. Man gewinnt den Eindruck, dass 
der Gletscher vom Attersee her zwischen Hollersberg im Süden 
und Zwergbühel im Norden in das Thal von Aschau und Oberwang 
eingetreten ist und sich im Thale der heutigen Dürren Aurach bis 
segen Thalham vorgeschoben hat. Bei späterem mehrmaligen Vor- 
rücken hat er die Moränenhügel von Grossenschwand und damit 
die Wasserscheide zwischen Wangauer Ache und der Dürren Aurach 
gebildet, seine Wässer aber haben die Thalenge zwischen Stampt 
und Thalham von Moränenmaterial wieder reingeschwemmt. 

-Das Aschauthal ist vom Thale des Radaubaches nur durch 
einen niedrigen Moränenrücken getrennt; der Thalboden entblösst bis 
gegen nahezu 700 m Höhe am linkseitigen Gehänge an vielen Stellen 
Schotter und Moräne mit viel Flyschstücken und schön gekritzten 
Kalken. In dem Graben zwichen dem Grossen und Kleinen 
Hollerberg sind in eirca 680 m Meereshöhe Moränen von 10 bis 
20 m Mächtigkeit blossgelegt. Gegenüber der sogenannten Sager- 
wand, welche etwa 20 m höher liegt, beobachtet man im Graben 
wieder freigelegten Flysch, und zwar mit der ziemlich selten auf- 
tretenden Einlagerung von rothbraunen Mergeln. Die Sagerwand selbst 
ist eine Moräne. Ein kleiner rechtseitiger Nebengraben enthält die 
sogenannte Steinwand, graue und rothbraune Mergel in Schichten 
von 10—25 cm Mächtigkeit wechsellagernd und mit einem Streichen 
nach h 5, 5° unter 20° nach Süd fallend; über dieser 2 m mächtigen 
Wechsellagerung folgen graue Mergel und Sandsteine. Weiter oben, 
in 750 m Höhe, beobachtet man dieselbe Wechsellagerung in der 
Mächtigkeit eines halben Meters. Bis in diese Höhe und noch etwas 
darüber reicht auch die Moräne an der nördlichen Abdachung des 
Kleinen Hollerberges. An der tiefsten Einsattelung des von Nord nach 
Süd ziehenden Kammes, 756 m, steht eine Kapelle. Auch an dieser 
Seite des Aschauthales bemerkt man nach dem eben Gesagten das 
Hinabsteigen der oberen Moränengrenze gegen das Wangauer Thal. 

Bei Tiefenschwand mündet der Aschauer Bach in die 
Wangauer Ache; hinter der Sägemühle daselbst stehen im Bache fast 
senkrechte Schichten, deren Streichen allmälig von hO bis h 2 um- 
biegt, das Fallen derselben geschieht nach Ost und Südost. An der 
Bergwand beobachtet man den anstehenden Flysch in h 2 mit 50° 


304 Eberhard Fugger. [10] 


Fallen gegen Südost. An der Ache abwärts tritt wiederholt anstehender 
Flysch auf, aber auch Moräne mit gekritzten Flyschstücken und Kalken. 
Auch gegenüber der Lugmühle steht Flysch an, während die 
niederen Höhen von Innerscehwand von Moränen bedeckt sind. 
Zwischen Lugmühle und Loibichl geht die Moräne am rechten Ufer 
ins Thal herab, während an der linken Seite des Deltas am Fusse des 
Wengerberges noch Flysch ansteht. 

Der Wengerberg ist der westliche Vorberg des Hölbling- 
kopfes; er sendet drei fast parallele Gräben gegen Norden. In 
diesen Gräben beobachtet man den anstehenden Flysch in Höhen 
von 520 bis 640 m wiederholt, und zwar meist mit südöstlichem Ein- 
fallen; an einzelnen Stellen fand ich gekritzte Kalke, an anderen 
Stellen sieht man deutlich die Moräne, welche jedoch höchstens 2 m 
mächtig ist, dem.Flysch aufgelagert. An der Südseite des Wenger- 
berges, 520 m, oberhalb Pichl-Auhof, ist die Lagerung der Flysch- 
mergel in h 12 mit 40° Einfallen gegen Ost. 

Auch ‚die zwischen Stockwinkel und Linort in den See 
vorgeschobene Halbinsel mit dem Höhenpunkte 592 m nächst der 
Dampfschiffstation Pichl-Auhof, der Heissberg, gehört dem Flysch 
an. An der Nordseite des Hügels ist die Lagerung in h 0, 5° mit 8° 
Neigung gegen Ost, am Westabhange h 3 mit 40° Fallen nach Süd- 
west, einige hundert Schritte weiter südlich davon in h4, 10° mit 35° 
Südsüdostfallen. Nicht weit von dieser Stelle befindet sich am See- 
ufer ein Steinbruch, in welchem die Schichten eine ähnliche Lagerung 
besitzen, nämlich in h 4, 5° mit 60° Einfallen nach Südsüdost. Hier 
wurde im Jahre 1893 senkrecht zur Schichtung den Berg hinauf eine 
Rösche gezogen, welche von unten nach oben folgende Gesteinslagen auf- 
deckte: 


2'0 .‚Mergel 
0:5 Sandstein 
1'0 . Mergel mit 7049 Proc. Oaleiumcarbonat 


02 a 09-8 „ 
05 N BSR. C, 711 07 BE n 
0:6 „ABTTA 


” » 


1:5 blieb der Boden bedeckt 
0:7. Mergel mit 68:33 Proc. Caleiumcarbonat 


08 RR ; 
04 ee 1 53 Be » 
0:2 


‚0:2 . Sandstein 
0’4 .Mergei mit 61'22 Proc. Galciumcarbonat 


D:25 aa Sera h 
05 n DR Er n 
0-5 Rn ERBE i 
07 TON i 
04 5 En IE A 
1:0 70:89  , ‚ 


03 Sandstein 
0'3 Mergel mit 6645 Proc. Calciumcarbonat. 


[11] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 305 


‘Hinter dem Heissberg führt die Strasse von Mondsee her gegen 
Pichi-Auhof; an dieser Strasse, in der Nähe von Stockwinkel, 
liegt an der östlichen Lehne im Walde eine Moräne entblösst, reich 
an Flyschtrüämmern, aber auch an gekritzten Kalken; näher gegen 
Pichl-Auhof hin steht wieder zu beiden Seiten der Strasse Flysch an. 

Die Flyschschichten bilden in ihrem Streichen von der Lugmühle 
im Wangauer Thal bis um den Fuss des Wenger- und Heissberges 


1: 25.000. 


herum einen Bogen von fast 180°; erst bei Waldwinkel tritt wieder 
das normale westliche Streichen auf. (Fig. 1.) 

Wandert man auf der Strasse am Fusse des Hölblingberges 
längs des Sees gegen Osten nach der Ortschaft See, so trifft man 
nahe bei Waldwinkel einen kleinen Bach, der sehr viel Kalksinter 
absondert; bald danach trifft man anstehenden Flysch in h 7 mit 70° 
Fallen nach Süd. Zwischen Waldwinkel und In der Au dagegen 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 41 


306 Eberhard Fugger. [12] 


hat sich das Einfallen nach Nord gewendet, während .das Streichen 
wenig geändert ist, man beobachtet hier h 7, 5° 50 N. Etwas westlich 
von Ort ist die Schichtung in h 8, 5° mit 65° südwestlichem Einfallen. 
Am Seeufer ist hier überall der Flysch blossgelegt, doch etwa 20 m 
über demselben trifft man wieder glaciales Material, allerdings fast 
nur Flyschtrümmer, aber doch hie und da mit einzelnen Kalkroll- 
steinen dazwischen. 

Von der Ortschaft See am Gehänge aufwärts steigend, fand ich 
gegen Nord und Nordwest hin fast nur Flyschtrümmer; bis zur Höhe 
von 540 m — der Seespiegel liegt 479 m — fand ich zwei Stücke 
Kalkstein. In 600 m Höhe traf ich zwischen See und Ort eine Plaik, 
durch welche eine Moräne blossgelegt wurde; diese bestand — soweit 
ich die Oberfläche absuchen konnte — aus Flyschstücken und einem 
gekritzten Rollstein von weissem Dachsteinkalk. 

Bei.der Ortschaft See hat der Mondsee durch die Seeache 
seinen Abfluss in den Attersee. In den seichten Partien des Sees, 
unmittelbar an seinem Ausflusse, wurde eine ausgedehnte prähistorische 
Pfahlbauniederlassung nachgewiesen. Das Areal des Mondsees beträst 
nach J. Müller?!) 1421 km?, die mittlere Tiefe 36 und die grösste 
Tiefe 683 m. 


Die Vöckla. 


Die Quellen der Vöckla entspringen in der Einsenkung des 
Kammes zwischen dem Lackenberg und dem Mondseeberg im 
Flysch. Die verschiedenen Quellflüsse vereinigen sich in etwa 750 m 
Meereshöhe zu einem Bache, der anfangs eine fast rein nördliche 
Richtung hat; in 690 m Höhe nimmt dieser zwei Zuflüsse auf: am 
rechten Ufer einen ziemlich mächtigen, der am Saurüsselberg 
entspringt und einen von Ost nach West verlaufenden Graben von 
beiläufig 25 km Länge bildet, am linken Ufer ein unbedeutendes 
Bächlein, welches vom Lackenberg in der Richtung von Südsüdwest 
nach Nordnordost herabkommt. Von diesem Punkte ab hat die Vöckla 
einen nordöstlichen Lauf in einem engen Graben im Flysch bis in die 
Gegend von Haarpoint. Noch etwa 500 m südlich von dem 
genannten Orte ist Flysch am linken Ufer anstehend und deutlich 
messbar in h 7, 5° mit flachem Einfallen nach Südsüdwest. 

Haarpoint selbst, eirca 670 m ü. d. M., liegt in einer kleinen 
Mulde, deren Boden mit Moräne bedeckt ist, welche von Zell am 
Moos her über die Einsenkung zwischen Schoiber und Lacken- 
berg herüberzieht. Vom Nordrande dieser Mulde ist die Bachrichtung 
wieder nördlich und die Flyschgebilde sind bis an die Thalsohle 
herab sichtbar. 

Gleich am Ausgang der Mulde (Fig. 2) streichen die Flysch- 
platten in h 6 bis 7 mit flachem Einfallen nach Nord. Ungefähr 
500 m weiter abwärts am Bache ist das Streichen h 6, 10° mit sehr 
steilem südlichen Fallen, an der Brücke bei der Grabenmühle 


!) A.Penck und E. Richter. Atlas der österreichischen Alpenseen. 1895. 
Die® 7 Tatel x 


[13] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 307 


stehen die Schichten senkrecht in h 6, 5° und etwa 10 m weiter ab- 
wärts sind sie stark verdrückt. Von hier bis zum Schweighof 
beobachtet man sowohl an den beiden Ufern als im Bachbett selbst 
eine Reihe von Aufschlüssen im Flysch in h 12, 5° mit 20° Fallen 


Fig. 2. 


j* 


Pr eine 


Shmweigkof Pr 


A —= Alluvium. — D = Diluviam. — F = Flysch. 
1: 25.000. 


nach Ost, dann h 4, 5° mit 25° südsüdöstlichem Einfallen, dann 

wieder h 12 mit 35° östlichem Fallen und beim Schweighof selbst in 

h 2 mit 25° Einfallen nach Südost. Von hier abwärts lässt sich bei 

einem Wehr unmittelbar an der Strasse noch einmal die Schichtung 
4]* 


308 Eberhard Fugger. | | [14] 
bestimmen in h 12, 10° mit 30° Einfallen nach Ost und von nun an 
befindet man sich wieder im Gebiete der Moränen, welche zu beiden 
Seiten des hier erweiterten Thales bis in die Meereshöhe von un- 
sefähr 700 m emporreichen. Südlich von Altach sowie in Haslach 
bei Steinbach ist am rechten Bachufer je eine Moräne mit deutlich 
gekritzten Steinen aufgeschlossen. 

Unterhalb Mühlbauern verengt sich das Thal wieder und 
man trifft nun abermals Flysch anstehend in h 6 mit südlichem Ein- 
fallen unter einem Winkel von 45°. Nicht weit davon abwärts mündet 
am rechten Ufer ein Bach, der den Gollaugraben bildet, einen 
Graben, der eine Strecke von mehr als 3°5 km parallel zur Vöckla 
verläuft. An der Mündung dieses Baches steht Flysch an in h 6, 9 
mit 65° südlichem Einfallen. 

Von da ab treten am linken Ufer die Gehänge zurück und das 
Thal erweitert sich allmälig, der Fluss selbst verändert seine Richtung 
in eire mehr nordöstliche und in der Thalsohle ist nur mehr an einer 
einzigen Stelle anstehender Flysch zu sehen. Die Grenze des an- 
stehenden Flysches zieht sich um den Fuss des Schoiberberges 
an der linken und den des Gigenkogels und Rethen an der 
rechten Thalseite in der Meereshöhe von circa 650 m hin, die Ge- 
hänge am rechten Vöcklaufer sowie die niederen Hügel am linken 
Ufer sind durchaus von glacialem Material gebildet. So ist bei 
Angern am linken Ufer eine Moräne aufgeschlossen in der Mächtig- 
keit von 10 »n, darüber lagern 5 m horizontales Conglomerat. Wenig 
nördlich davon mündet an der rechten Seite ein Graben, der ebenfalls 
in die Moräne eingerissen ist. Weiterhin, etwa beim Buchstaben h 
des Wortes Jagdhub der Generalstabskarte (1: 75.000), ist am linken 
Ufer die Moräne abermals entblösst und nördlich davon beobachtet 
man sowohl am rechten als auch am linken Ufer noch eine Moräne 
angeschnitten; dann steht bei einem Wehr, 1500 m von Angern, 
am rechten Ufer Flysch an, aber derart zerdrückt und verbrochen, 
dass eine Schichtung nicht messbar ist. 

Nun folgt am linken Gehänge unterhalb Gschwendt eine 
Moräne, welche fast nur aus Flyschgeschieben besteht, dann am 
rechten Ufer mehrere Stellen mit Moränen, die von horizontalen 
Conglomeraten überlagert sind, und weiterhin am linken Gehänge 
eine Moräne mit noch ziemlich kantigen Geschieben. Gegenüber von 
OÖberschwaigern ist eine Moräne aufgeschlossen von 8m Mächtigkeit 
mit zahlreichen schön und deutlich gekritzten Kalken, darüber 3—4 m 
horizontales Conglomerat. Etwa 150 m weiter nördlich, südlich von 
Höllmühl, beobachtet man am linken Gehänge sehr lehmreichen 
Schotter mit Centralalpengesteinen, wahrscheinlich wohl auch eine 
Moräne. 

Bei Unterschwaigern mündet der Steinerbach, der am 
Schoiberberg entspringt und einen Parallelgraben zum Vöcklathal 
von,6 km Länge darstellt; er durchfliesst mit Ausnahme seines Quell- 
gebietes nur glaciales Terrain. Unmittelbar oberhalb der Mündung 
des Steinerbaches in die Vöckla steht am linken Ufer unten im 
Bache interglaciales Conglomerat an, darüber circa 8 m Moräne, in 
welcher ich zwar nur undeutlich gekritzte Steine finden konnte, welche 


[15] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee, 309 


sich aber wegen der sehr unregelmässigen Lagerung der Geschiebe 
als solche darstellt. Die Geschiebe derselben, Flyschtrümmer, Kalke, 
auch einige Gesteine der Centralalpen, sind theilweise durch Kalk- 
sinter verkittet; an einer Stelle ist eine Sandlinse von 25 cm Mächtigkeit 
eingelagert. 

Von hier bis zur Eisenbahnbrücke über die Vöckla ist nur noch 

ein Aufschluss zu beobachten, nämlich am rechten Ufer glaciales 
Conglomerat, darüber die Moräne. Im Bache selbst sieht man fast 
nur Flyschschutt. 
: In der Nähe von Voglhub auf der Höhe von Ederbauer 
entspringt der Kleine Steinerbach und nimmt bei Matzlröth 
an seinem linken Ufer einen kleinen Zufluss auf, der von Volkerding, 
der Eisenbahnhaltestelle Pöndorf, herabkommt. An der Vereinigung 
dieser Bäche ist, wie auf der Höhe bei Matzlröth, eine Moräne auf- 
geschlossen und in nächster Nähe der ersteren steht glaciales 
Conglomerat an. Der Bach wird in seinem weiteren Laufe zuerst von 
der Staatsbahn, dann von der Reichsstrasse überbrückt, entblösst hier 
am rechten Ufer eine Moräne, am linken Ufer Conglomerat und 
mündet bei Höhenwart in die Vöckla. 

Nachdem diese den Kleinen Steinerbach aufgenommen, sieht man 
bis zu der Stelle, an welcher die Reichsstrasse wieder an ihr linkes 
Ufer übersetzt, südlich von Auleiten an drei Stellen das Conglomerat 
bis zu 7 m Höhe aufsteigen, darüber lagert Moräne. Gerade bei der 
Strassenbrücke beobachtet man zweierlei Gonglomerate, ein älteres von 
etwa 4m Höhe und ein jüngeres, ebenfalls einige Meter mächtig, 
darüber die Moräne. 

Zwischen der Ortschaft Kühschinken und der Eisenbahn- 
brücke über die Grosse Ache beobachtet man wiederholt das 
jüngere glaciale Conglomerat und darüber die Moräne, die stellen- 
weise auch zu einem lockeren Conglomerat verkittet ist. In der Nähe 
des Wächterhauses, östlich von demselben, steht wieder ein älteres 
Conglomerat mit vielen Quarzen und ohne Flyschgestein ; weiter gegen 
die Grosse Ache treten aber in demselben auch hin und wieder Flysch- 
stücke auf. Unmittelbar am linken Ufer der Grossen Ache ist eine 
Schottergrube, die Steine darin sind regellos gelagert, Kalke, Quarze 
und Flyschbrocken gemischt; Kritzen konnte ich jedoch nicht ent- 
decken. 

Beim Bahnhof Frankenmarkt mündet ein schmales und 
seichtes, von Süden kommendes Thal; an dessen Ostseite -ist etwa 
200 m vom Bahnhofe entfernt ein hartes quarzreiches Conglomerat 
aufgeschlossen. Dasselbe ist auch unmittelbar beim Bahnhofe bloss- 
gelegt. Das Gehänge von Frankenmarkt am linken Ufer der Vöckla 
zeigt unten dieses feste Conglomerat und Schotter mit Einlagerungen 
von sehr feinkörnigem Sandstein bis in die Höhe von 18 bis 20 m; 
darüber tritt wieder der feinkörnige Sandstein auf. Von Stauf über 
Kritzing bis zur Hagerer Mühle ist nur dieses Conglomerat 
sichtbar. Penck?) spricht diese Ablagerungen als glacial an, ich 
möchte sie lieber für tertiär halten und bezeichne daher diese Con- 


!) Die Alpen im Eiszeitalter. S. 87. 


310 Eberhard Fugger. [16] 
olomerate, um nach keiner Richtung hin zu präjudiciren, als Franken- 
markter Conglomerate. Am rechten Vöcklaufer sind dieselben 
bis in die Nähe des Bahnhofes Vöcklamarkt an zahlreichen 
Punkten aufgeschlossen. 

Wenn man von St. Georgen im Attergau gegen das Vöckla- 
thal wandert, nehmen, sobald man der Vöckla auf etwa 1 km nahe 
kommt, die Quarze in den Schottern in auffallender Weise, und zwar 
umsomehr zu, je näher man der Vöckla kommt, und am Rande der 
rechtseitigen Flussterrasse sieht man nur mehr Quarzrollsteine auf 
dem Frankenmarkter Conglomerat, während weiter gegen Süden dem- 
selben auch einzelne Flyschstückchen beigemengt sind. Bei dem Hause, 
welches unmittelbar am Ostende des Bahnhofes Frankenmarkt auf 
der Höhe oben steht, ist eine Moräne blossgelegt, wenige Meter abwärts 
segen den Bahnhof zu liegen wieder die Quarzschotter und unten 
steht das Frankenmarkter Conglomerat an. 

Bei der Hagerer Mühle übersetzt die Linzer Reichsstrasse 
den Bahnkörper, um allmälig bei Mösendorf die Höhe der Ufer- 
terrasse zu gewinnen. An der untersten Partie dieser Strassensteigung 
ist auf das feste Conglomerat ein Steinbruch eröffnet und gibt hier 
Gelegenheit, die Zusammensetzung des Conglomerats genau zu studiren. 
Es ist, wie schon öfters erwähnt, ziemlich fest, enthält viel Quarze, 
alle Arten von Gesteinen der Centralalpen, dann Werfener Schiefer, 
Triaskalke und Crinoidenkalke, aber keine Spur von Flyschgestein. 
In nächster Nähe dieses Steinbruches, wo die Strasse nach St. Georgen 
von der Linzer Strasse abzweigt, ist eine Moräne aufgedeckt mit ver- 
hältnismässig viel Quarzen, gekritzten Kalken und gekritzten Flysch- 
trümmern. 

Beim Bahnhof Vöcklamarkt findet man wieder andere lockere, 
schön horizontal geschichtete Conglomerate, welche viel Kalke und 
unregelmässige Einlagerungen von 2) bis 50 cm mächtigen Sandsteinen 
enthalten. Conglomerate und Schotter begleiten das rechte Vöcklaufer 
bis Timelkam, wo die Dürre Ager mündet. Von da ab bis 
Vöcklabruck fliesst die Vöckla in einem weiten, mit Schotter 
erfüllten Thale. Nur bei Wartenburg tritt im Parke am rechten 
Ufer, dann im Bette der Vöckla und weiterhin an den steilen Wänden 
der linken Thalseite Schlier auf, welcher in etwa 20 m Höhe über 
dem Flusspiegel von theilweise conglomerirten tertiären Schottern 
überlagert wird, welche fast nur aus Quarzen und Üentralgesteinen 
bestehen. An der Grenzschicht zwischen Schlier und Schotter beob- 
achtet man zahlreiche Wasseradern. Dasselbe Schliervorkommen ist 
bei der Eisenbahnbrücke oberhalb Vöcklabruck im Bette der Vöckla 
und an der linkseitigen Thalwand aufgeschlossen. 


Die Grosse Ache. 


Die Quellen der Grossen Ache entspringen am Nordabhange 
des Saurüsselwaldes. Es sind hauptsächlich drei Quellbäche, 
welche sich in der Nähe der Glashütte Freudenthal vereinigen 
und die Ache bilden; sie laufen bis dahin nur im Flyschgestein. Ober- 


[17] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. all 


halb der Häuser von Lichtenberg, 858 m, steht Flysch an in 
h 8, 5° mit Einfallen von 45° in Nordost, im südöstlichen Quellflusse 
findet man in 675 m und dann wieder in 660 »n Höhe den Flysch 
anstehend mit demselben Streichen, aber steilem Einfallen gegen 
Südwest, _ weiter unten in h 7 in fast senkrechter Stellung, in der 
Höhe von 647 m ebenfalls in h 7 mit 60° nördlichem Einfallen und 
wenige Meter tiefer dasselbe Streichen mit steilem Einfallen nach Süd. 
Bei der Mühle unterhalb Freudenthal, nahe der Mündung des süd- 
östlichen Quellflusses, steht noch einmal Flysch an, und zwar direct 
an der Strasse in h 6, 5° mit 65° Fallen gegen Süd. 

Der Thalboden von Freudenthal ist glacial und reichen diese 
Bildungen etwa bis in die Meereshöhe von 600 ın, also nur wenige 
Meter an die Berglehnen hinauf; an der linkseitigen Lehne, am 
Rethepn, zieht sich die Grenze zwischen glacialem Material und 
Flysch auch etwa in dieser Höhe fort, an der rechten Thalseite 
dagegen, am Gehänge des Lichtenbergs, reicht die Moräne schon 
etwa einen halben Kilometer unterhalb der vorher genannten Mühle 
am Bergeshang höher hinauf bis zu 630 und 640 m Meereshöhe, 
während das Aufsteigen der Moräne zu dieser Höhe an der linken 
Thalseite erst 1'2 km später erfolgt. Dort, wo das glaciale Terrain 
am rechten Ufer aufsteigt, beobachtet man ein horizontales Conglo- 
merat mit Sandsteineinlagen und darüber Moräne; 270 m weiter 
nördlich lagert unten an der Thalsohle die Moräne, eine Ueber- 
lagerung derselben ist nicht zu bemerken. 

Westsüdwestlich von Truchtlingen tritt der Flysch auf kurze 
Strecke direct an die Strasse, doch erweitert sich das Thal wieder 
sofort und der Flysch tritt zurück. Wenige Schritte thalabwärts von 
dieser ‘Stelle mündet am rechten Ufer ein Graben, der von Trucht- 
lingen herabkommt; hier steht Conglomerat an. 

Von der Häusergruppe Egg führt ein Graben ins Thal; dieser 
zeigt unten, in 558 m Höhe, horizontales Conglomerat; es reicht im 
Graben empor bis zur Isohypse 600 m und hier beginnt nun die 
Moräne, welche am Nordgehänge von Egg an vier oder fünf Stellen 
aufgeschlossen ist. Auch bei dem etwas nördlicher auf diesem Plateau 
gelegenen Orte Gesslingen liegen zahlreiche grosse und kleine 
abgerundete Steine, besonders Kalke, herum, die aus dem Boden aus- 
gegraben wurden. 

Von der Mündung des Eggergrabens thalauswärts sind am rechten 
Ufer wiederholt Moränen mit darüber gelagertem horizontalen Con- 
glomerat entblösst. Am linkseitigen Gehänge im Wäldchen von 
Schiblingen ist ein Schotterbruch in einer verhärteten Moräne. 
Die Wände des Bruches sind senkrecht, die Verhärtung ist also 
ziemlich bedeutend. Die hier auftretenden Geschiebe sind vorherrschend 
Flysch, doch sind auch allerlei andere Gesteinsarten vertreten; einige 
der Steine sind deutlich gekritzt. 

Bei der Ortschaft Röth befindet sich am rechten Ufer die Moräne 
entblösst, 100 m weiter abwärts zeigt sich am linken Ufer ein Lehm- 
bruch mit wenigen, aber zum Theil gekritzten Steinen. Nordwestlich 
von Röth, auf der Höhe des linken Ufers bei Rappoldsedt, findet 
sich grobkörniges, undeutlich geschichtetes Conglomerat, das vorzugs- 


312 Eberhard Fugger. Hi [18] 


weise aus Flyschgeröllen besteht. Es steigt, von tiefen geologischen 
Orgeln durclisetzt, bis nahezu 600 m). Von der Ortschaft Rötlı etwa 
700 m weiter thalauswärts mündet ein Bach am rechten Ufer, der 
in ziemlich nördlicher Richtung vom Liehtenberg herabkommt. 
Die Höhen an der linken Seite dieses Baches mit den Ortschaften 
Brandstatt, Tuttingen, Hölleithen und Weissenkirchen 
sowie das Plateau des Heidewaldes am rechten Ufer bis hinauf 
zum Wirthshaus Röth am Fusse des Lichtenberges haben als Unter- 
srund Moräne, welche besonders in einzelnen Gräben des Heidewaldes 
aufgeschlossen ist. Bei Weissenkirchen reicht die Moräne bis in die 
Meereshöhe von 630 m, bei dem Wirthshause Röth nur kaum bis 
600 m hinauf. 

Nahe der Mündung der Grossen Ache lagert wieder Lehm, der 
nur wenig Steine eingebettet enthält. Weiter auswärts, östlich von 
Wimm, ist Schotter aufgeschlossen mit viel Letten ; die herrschenden 
Gesteine sind Werfener Schiefer, Quarze, Gneisse und andere Oentral- 
alpengesteine; Kalke sah ich nicht, ebensowenig Kritzen. Am rechten 
Ufer fast gegenüber steht ein Conglomerat an, in welchem grosse 
und kleine Rollsteine unregelmässig durcheinander liegen, mit sehr 
viel lettigem verhärteten Sandmaterial als Bindemittel; dies Con- 
glomerat enthält wenig Kalke und Mergel, auch sah ich keine Kritzen, 
doch halte ich beide Aufschlüsse für Moränen. 


Die Hochfläche von Schmidham und die Dürre Ager. 


Oestlich vom Heidewald zieht sich von Pössing am Fusse 
des Lichtenberges ein unbedeutender Graben nach Norden und 
mündet unterhalb Kritzing in das Vöcklathal; er ist in seinem 
ganzen Laufe in glaciale Ablagerungen eingeschnitten. Die Hochfläche 
zwischen dem Pössinger Graben einerseits und der Dürren Ager 
andererseits, welche im Norden bis nahe an die Vöckla, im Süden 
bis Tannham und St. Georgen im Attergau reicht, trägt als 
Westgrenze den Leowald, im Osten den Eggenpverger Wald, 
ist intensiv cultivirt und enthält zahlreiche grössere und kleinere 
Ortschaften. Abgesehen von dem im Norden hinziehenden Thale der 
Vöckla, finden sich in diesem Gebiete nur glaciale Bildungen. 

Wenig oberhalb der Eisenbahnstation Vöcklamarkt mündet 
aus diesem Plateau ein unbedeutender Graben, durch welchen die 
Strasse in der Richtung gegen Süd nach St. Georgen, in östlicher 
Richtung nach Linz aufwärts zieht. Am Ausgange desselben (490 ın) 
sind mehrere Steinbrüche im Betriebe; in den beiden ersten ist 
Conglomerat horizontal geschichtet mit unregelmässigen Zwischen- 
lagen von 20 bis 50 cm mächtigem Sandstein. Das Conglomerat ist 
in einer Mächtigkeit von etwa 20 m aufgeschlossen und enthält viel 
Kalke. An der Linzerstrasse beobachtet man weiterhin sowohl rechts 
als links der Strasse das Conglomerat, an der linken Seite sieht man 
auch die darüber gelagerte Moräne mit gekritzten Kalken und anderen 


‘) Pencek und Brückner. Die Alpen im Eiszeitalter. S. 87. 


[19] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 313 


Gesteinen. Hinter dem Walchner Keller an der Strasse nach 
St. Georgen befindet sich der gleiche Aufschluss. Der Hügel unmittelbar 
südlich von Schmidham (587 m) besteht aus einer conglomerirten 
Moräne mit gekritzten Steinen, gross und klein durcheinander gelagert, 
auch mit Flyschtrümmern untermischt. Weiter südlich an der Strasse 
findet man dasselbe Conglomerat, westlich davon bei Milchreit 
ist die Moräne nur theilweise verkittet. Im Wäldchen (594 m) westlich 
von Walsberg ist eine Schottergrube in der Moräne, ebenfalls mit 
gekritzten Steinen. Nordöstlich von Haid befindet sich neben dem 
Wege eine Grube, aus welcher glacialer Lehm gewonnen wird; in 
Hörading salı ich wieder die Moräne blossgelegt. Die ganze Hoch- 
fläche hat sohin als Unterlage horizontal geschichtetes Conglomerat 
und über demselben lagert eine Moräne. 

Die Dürre Ager entspringt auf der Einsenkung zwischen dem 
südwestlichen Kamme des Saurüsselwaldes und dem Riechel- 
berg im Schauerwald und fiiesst in der Richtung nach Nordost; 
bei der Ortschaft Halt nimmt sie am rechten Ufer den Ruezing- 
bach auf, welcher seine Quellen am Mondseeberg hat und ebenfalls 
eine annähernd nordöstliche Richtung besitzt; unterhalb Strass erhält 
sie am rechten Ufer einen Zufluss von Süden aus dem Rossmoos- 
kamme, den Sagererbach, und endlich bei Thalham einen Neben- 
bach am linken Ufer, den Klausbach, der vom Saurüssel kommt. 
Das Quellgebiet der Dürren Ager sowie der eben genannten Zuflüsse 
liegt ausschliesslich im Flysch, aus welchem ja sowohl der Saurüssel- 
stock mit dem Gigenkogl und Rethen, dem Lichtenberg und 
Obeng, dann der Mondseeberg mit dem Riechelberg und 
Kulmspitz sowie der Rossmoosstock bestehen. 

Im Klausbach streichen die Flyschplatten in der Meereshöhe 
von 595 m in h 7 mit 50° nördlichem Einfallen, bei 590 m in h 8, 5° 
mit 60° Südwestfallen, bei 575 m ebenfalls in h 8, 5°, aber mit 70° 
Einfallen nach Nordost. Wo der Bach aus dem Graben in die Ebene 
von Thalham tritt, beobachtet man am rechten Ufer gelb verwitternden 
Flyschsandstein, ebenso an der Westseite am Eingang in das Thal 
zwischen Liehtenberg und Kogl. Das eben genannte Thal selbst 
ist mit Moräne bedeckt, die an mehreren Stellen aufgeschlossen ist, 
der Kogl jedoch besteht aus Flysch. 

Ein altes Thal zieht sich, wie schon erwähnt, zwischen dem 
Saurüsselstock und seinen Ausläufern einerseits und dem Ross- 
moosstock andererseits von Innerschwand am Mondsee über 
Oberwang und Grossenschwand hinaus nach St. Georgen 
im Attergau. Dieses Thal wurde aber durch eine Moräne abgesperrt, 
welche dasselbe bei Grossenschwand, 639 m, durchquert und eine 
Wasserscheide bildet, welche die Gewässer zwingt, zum Theil nach 
Nord in der Dürren Ager der Vöckla, zum Theil nach Süd im 
Wangauer Bach dem Mondsee zuzufliessen. 

Der Ruezingbach verlässt bei Riedschwand das Flysch- 
gebiet und durchfliesst das Nordgehänge der mächtigen Moräne von 
Grossenschwand. Die Dürre Ager tritt etwa 1 km oberhalb der 
Krotenmühle aus dem Flysch in die Moräne ein, welche an zahl- 
reichen Punkten des Thales aufgeschlossen ist und an dem Thalrande 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reiclısanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 49 


314 Eberhard Fugger. [20] 


bis in die Meereshöhe von 650 m hinaufreicht. Der Sagererbach 
endlich erreicht die Moräne in der sogenannten Sagerer Flur, 
etwa 2 km oberhalb seiner Mündung. Von Halt weiter thalauswärts 
reicht die Moräne noch immer bis 650 m an die Thalseiten empor; 
unterhalb Pabing ist sie reich an gekritzten Kalken. Unterhalb 
Stampf bis Thalham ist das Thal sehr enge, hier ist die Moräne 
verschwunden und zeigen die Thalwände wieder anstehende Flysch- 
schiehten. Bei Thalham ist am rechten Ufer der Dürren Ager bereits 
wieder die Moräne aufgeschlossen, dagegen befindet sich an ihrem 
linken Ufer am Fusse des Kogl ein bedeutender Steinbruch auf 
Flyschsandstein, welcher in h 6, 7° mit 35° südlichem Einfallen ge- 
lagert ist. Ueber dem Flysch ist weder Schotter noch Moräne be- 
merkbar. 

Bei Thalham betritt die Dürre Ager den weiten Kessel von 
St. Georgen im Attergau (541 m), eine Moränenlandschaft, in 
welcher sich eine Reihe von concentrischen, halbringförmigen Wällen 
unterscheiden lässt, deren Mittelpunkt zwischen den Ortschaften 
Attersee und Aufham liegt. Diese Moränenwälle erreichen an 
einzelnen Stellen eine Meereshöhe von mehr als 600 m; zahlreiche 
Schottergruben mit gekritzten Steinen bestätigen den glacialen Ur- 
sprung dieser Wälle. An dem Berghange, welcher diese Gegend im 
Südwesten begrenzt und sich von Thalham bis Nussdorf am 
Attersee hinzieht, reicht die Moräne sehr hoch hinauf, Der Rücken, 
über welchen ein Weg von Thalham über Bergham zur Reinthal- 
mühle an der Dürren Ager führt, ist noch mit Moräne bedeckt; am 
Wege zur Kapelle auf dem Kronberge liegt überall Moräne, ja 
unmittelbar neben der Kapelle (704 m) ist sie in einer Schottergrube 
mit zahlreichen gekritzten Steinen deutlich aufgeschlossen und von 
der Thalsohle bis zur Kapelle sind fünf Terrassen mehr oder weniger 
deutlich entwickelt. Von der Kapelle bis zur Spitze des Berges 
(782 m) steigt das Terrain gleichmässig flach an und scheint die 
Moränenbedeckung bis gegen 750 m Höhe zu reichen. Auf dem Gipfel 
des Berges steht Flysch an in h 6 mit 45° nördlichem Einfallen, 

Steigt man von Nussdorf am Attersee aufwärts in der Richtung 
nach Nordwest gegen Breitenröth, so kommt man an mehreren 
angeschnittenen Moränen vorüber und trifft etwa in 610 bis 620 m 
Höhe die obere Moränengrenze; in 590 m Höhe zieht sich ein 
Moränenwall von 5 m Höhe an der Berglehne hin gegen Nordwest, 
weiterhin gegen Nordnordwest steigt der Boden auf und man trifft 
sodann noch in 640 m einen zweiten Wall von 6 bis 3 m Böhe, 
parallel zum ersten, und so zieht sich die Moräne in dieser Richtung 
allmälig höher hinauf zur Kronberghöhe. 

Die Mulde unmittelbar nördlich von St. Georgen dürfte dem 
Alluvium angehören, aber schon die etwas höher gelegenen Orte zu 
beiden Seiten der Dürren Ager und von Eggenberg abwärts wohl 
auch das Thal selbst sind glacial. So ist bei Königswiesen in 
einer Grube eine Moräne aufgeschlossen; bei Jedelham beginnt 
ein Graben, welcher westwärts zieht; in demselben ist wieder die 
Moräne mit deutlich gekritzten Steinen blossgelegt, Bei Engel- 
jJäring ist in der Tiefe von 2 m blauer glacialer Lehm theils mit, 


/ 


[21] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 315 


theils ohne Einschluss von Rollsteinen sichtbar. Dieser Lehm führt 
hier den Namen „Mörgel“, während die Conglomerate als „Groppen- 
steine“ bezeichnet werden. Diese lagern unten im Thale in horizontaler 
Schichtung, darüber liegt Moräne. Dieses Conglomerat mit der über- 
lagernden Moräne ist häufig aufgeschlossen bis hinaus nach Reichen- 
thalheim; hier findet man auch im Conglomerat gekritzte Steine. 
Die Häuser in und um Reichenthalheim sind zum Theil aus diesem 
Conglomerat erbaut. 

Auf der. Höhe bei Hörading liegt wieder die Moräne; wenn 
man aber in östlicher Richtung in den weiten Graben der Dürren 
Ager hinabsteigt, trifft man unter der Moräne wieder das Oonglomerat. 
In beiden — Conglomerat und Moräne — sind Trias- und Jurakalke, 
Flyschtrümmer, dann Werfener Schiefer, Silurkalke, aber sehr wenig 
Gesteine der Centralalpen und Quarze enthalten. Auf der Höhe der 
rechten Thalseite bei Egning ist wieder nur Moräne, ebenso bei 
Gampern und auf der ganzen Hochfläche; an einzelnen Stellen 
trifft man Lehm und hie und da kommt beim Graben im Boden das 
Conglomerat zu Tage. 

Bei Timmelkam mündet die Dürre Ager in die Vöckla. 


Die Ager. 


Die Ager ist der Abfluss des Attersees, sie fliesst von 
Kammer nordwärts bis in die Nähe von Oberthalham bei Timmel- 
kam, wendet sich dann ostwärts in zahlreichen Krümmungen, erhält 
unterhalb Vöcklabruck an ihrem linken Ufer den Zufluss der 
Vöckla, nimmt bei Preising am rechten Ufer die Dürre Aurach 
und bei Sieking die Aurach auf und zieht hierauf in nordöst- 
licher Richtung bis Lambach, wo sie in die Traun mündet. 

Der Spiegel des Attersees liegt in 465 m Meereshöhe, das 
Areal des Sees beträgt!) 4672 km?, die mittlere Tiefe 342 m und 
die grösste Tiefe 170°6 m. Der See erhält eine Anzahl von Zuflüssen, 
so im Süden den Aeusseren Weissenbach, den Klausbach 
und die Gewässer des Burggraben, drei Bäche, die aus dem Kalk- 
gebirge kommen, und die Seeache, den Abfluss des Mondsees. 
Letztere mündet bei Unterach nach einem Laufe von etwas über 
2:6 km. Das rechte Ufer dieses Baches besteht in seinem ÖOberlaufe 
aus Dolomitschutt, nur an einer einzigen Stelle, an der grossen Fluss- 
krümmung in der Mitte zwischen den Ortschaften See und Unterach, 
ist eine Moräne mit Flyschgeschieben undeutlich blossgelegt. Von hier 
weg flussabwärts tritt an einzelnen Stellen anstehender Flysch zu 
Tage. Bei Mühlleiten zeigt sich direct am rechten Bachufer ver- 
witterter Flyschsandstein, welcher 4 m über die Oberfläche des Wassers 
hinaufreicht, darüber eine Mischung von kantigen Dolomiten, welche 
vorherrschen, mit abgerundeten Kalken und Flyschplatten. Der Burg- 
wald, welcher dem Dolomit angehört und sich längs der Seeache 


t) Nach J. Müllner in: A. Penck und E. Richter. Atlas der österr. 


Alpenseen. 1895. Lief 1. Taf. VI u. VII. 
42* 


316 Eberhard Fugger. [22] 


hinzieht, zeigt sohin in den unteren Partien seines Nordabhanges 
Flysch, darüber Moräne und diese wieder an den meisten Stellen mit 
Dolomitschutt überdeckt. Gegen den Attersee hin und in dessen 
südwestlicher Ecke ist nur mehr Moräne und Bergschutt zu beob- 
achten. 

Das linke Ufer der Seeache zeigt nur Moräne und Flyschschutt; 
das Gehänge gegen den Grossen Hollerberg und den Hochgupf 
ist mit Flyschbrocken überdeckt, denen hie und da, aber äusserst 
selten, ein einzelner gerundeter Kalkstein beigemengt ist. Auf der 
Waldrodung bei Rockespoint, etwa 570m ü. d.. M., liegt ein 
Kalkblock von der Art des gelblichweissen Untersberger Dachstein- 
kalkes von mindestens 2 m® Grösse. Ganz wenig Östlich von der 
Villa Schieht und etwa 10 m höher als diese ist eine charakte- 
ristische Moräne blossgelegt in einer Mächtigkeit von 1I—12 m; diese 
enthält fast nur Flyschstücke, von denen einzelne die Kritzen deutlich 
zeigen, und nur ein Minimum von Kalken. 

Das Vorhandensein von Moränen, welche bis über 650 m am Ge- 
hänge hinaufreichen, sowie die Eigenthümlichkeit, dass diese Moränen 
fast nur Flyschstücke enthalten, macht es wahrscheinlich, dass auch die 
frei herumliegenden Flyschbrocken zum Theil der Moräne entstammen. 
Nachdem aber hier die Moränen hauptsächlich aus Flyschstücken be- 
stehen, ein von Osten kommender Gletscher jedoch auf seinem Wege 
nirgends vorher mit Flysch in Berührung kommen konnte, so müssen 
die Moränen am linkseitigen Gehänge der Seeache unbedingt von 
Westen gekommen sein, also entweder von einem Arm des Traun- 
gsletschers, der durch das Thal des Abersees über die Höhe 
von Hüttenstein in das Thal des Mondsees trat und von hier 
einen Arm wieder gegen Osten sendete, oder sie entstammen einem 
Arm des Salzachgletschers, der ja möglicherweise einmal einen 
Zweig bis ins Gebiet des Attersees gesendet haben kann. 

Von Unterach am Seeufer abwärts hören die Moränen auf 
und tritt anstehender Flysch zu Tage, welcher bis gegen die Zettel- 
mühle reicht. Von dieser ab beginnt wieder die Moräne und ist 
nun hinauf bis auf den Kamm nachzuweisen, welcher vom Holler- 
berg bis zum Rossmooskopf hinzieht. Die Kapelle auf dem 
Kamme (756 m), welche am Wege liegt, der von Oberaschau herüber 
nach Stockwinkel und Mistling führt, steht bereits auf der 
Moräne und ebenso die Weiler Schwarzenbach, Lichtenbuch 
und Limberg. Der Gletscher hat also, wie schon früher erwähnt, 
hier den Kamm, der den Attersee vom Aschauthal scheidet, über- 
schritten. Der Höhenzug vom Hölblingkopf bis zum Hochgupf 
besteht aus Flysch, der mit einem Mantel von Moräne umgeben ist. 
Südöstlich von der oben genannten Kapelle entspringen zahlreiche 
Quellen; drei davon fliessen in eine seichte, abflusslose Mulde, in der 
sich ihre Wässer sammeln und einen kleinen See von höchstens 15 m 
im Quadrat bilden. Etwas unterhalb davon entspringt in einer nassen 
flachen Mulde ein ziemlich reiches Bächlein, welches etwa 10 m tiefer 
wieder eine abflusslose Mulde bewässert.e Der in den Karten ver- 
zeichnete Rohrwiesensee ist ebenfalls eine abflusslose Lache. 
Etwa 660 m ü. d. M. trifft man wieder deutliche Moräne mit Flysch- 


[23] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 317 


stücken und .einigen gekritzten Kalken. Auch der Egelsee (624 m) 
liegt zwischen Moränen in einer abflusslosen Mulde. 

Auf dem Kamme zieht sich die Moräne nordwärts bis Lichten- 
buch (790 m). Hier erreicht sie ihr oberes Ende. Im Boden oberhalb 
des höchstgelegenen Hauses dieser kleinen Ortschaft findet man unter 
dem Humus nur mehr Flyschlehm. Bei Schwarzenbach (720 m) 
steht wieder die Moräne mit gekritzten Steinen an. Der Abstieg von 
bier durch den Dexelbachgraben geht über Moräne, allerdings 
mit vorherrschendem Flyschgestein, aber auch mit Kalken und anderem 
Material. 

Je weiter man vom Orte Dexelbach den Attersee entlang 
nordwärts zieht, desto weniger hoch reicht die Moräne. Zwischen 
Reith und Nussdorf geht sie höchstens bis in die Meereshöhe von 
600 m hinauf; von da an beginnt sie allmälig wieder höher zu steigen, 
um, wie schon vorher gesagt wurde, auf dem Kronberge die Höhe 
von 750 m zu erreichen. 

Von Altenberg und Aufham zieht sich eine Reihe von con- 
centrischen Moränenwällen bis in die Nähe von St. Georgen und 
hinüber zum Buchberg, welche an einzelnen Punkten die Meeres- 
höhe von etwas über 600 m erreichen. Am Südwestabhange des Buch- 
berges reicht die Moräne ebenfalls bis 600 m, je näher das Gehänge 
aber dem See kommt, desto tiefer herab zeigt sich der anstehende 
Flysch und an der Ostseite des Berges sieht man den Flysch direct 
am Seeufer anstehen, und zwar in der Nähe des Dorfes Attersee 
in h 7 mit 80° nördlichem Einfallen und weiterhin gegen Norden mit 
demselben Streichen, aber 45° südlichem Verflächen. Bei Unter- 
buchberg beobachtet man am Seeufer wieder die Moräne und reicht 
diese etwa 60 m über den See hinauf. Fast an der oberen Grenze 
der Moräne befindet sich ein Steinbruch, welcher zwar gegenwärtig 
nieht im Betrieb ist, früher aber den ganzen Attergau mit Thürpfosten 
und Stiegenstufen versorgt hat. Das Gestein ist meist Sandstein mit 
wenig Mergellagen und streicht in h 6 mit 30° Einfallen nach Süd. Die 
Moräne hat hier eine Mächtigkeit von etwa 1'5 m. 

Vom Buchberg zieht sich ein Höhenzug mit der Ortschaft 
Berg und dem Weiler Katerlehen gegen Norden; dieser Höhenzug 
gehört bereits wieder der Moräne an. Nur an seinem Östgehänge ist 
auf eine kurze Strecke hin noch der Flysch des Buchberges sichtbar, 
in h 6 mit 20° Einfallen gegen Süd, sonst ist überhaupt der ganze 
Boden von Oberbuchberg .nordwärts glaciales Terrain. Überall 
tritt die Moräne zu Tage, so bei Haining, Kemating, Staudach, 
Bandl, Steindorf u. s. w. Dass die Moränen sehr viel Flysch- 
trümmer enthalten, ist selbstverständlich. Bei Staudach ist unter 
der Moräne noch das Conglomerat sichtbar. Bei Litzelberg sowie 
bei Kammer fand man Reste von Pfahlbauten.') Bei Moos, hart 
am Attersee, liegt Schotter ohne jedes Zwischenmittel. Näher gegen 
Seewalchen hin ist an der Strasse eine Schottergrube, welche das 
beifolgende Profil (Fig. 3) zeigt: oben « Moräne, darunter b Oonglo- 
merat 50 cm, dann c feiner Schotter, 1m mächtig, und als Liegendes d 


!) Simony. Mitth. d. Anthropol. Ges. Wien 1870. 1. Nr. 3. 


318 Eberhard Fugger. 124] 


geschichteter Sand. Die Neigung der Schichten ist gegen den See 
gerichtet in h 3, 5° mit 250 Fallen gegen Südost. Oestlich von See- 
walchen sind sowohl am See als an der Ager Moränen blossliegend. 

Das östliche Ufer des Attersees wird in der südlichsten Partie 
desselben von einem Theile des Höllengebirges begrenzt, welches 
aus Trias- und Jurakalken gebildet ist. Beim k. k. Forstamt 
Weissenbach am Attersee beginnen die Vorberge. Die Grenze 
zwischen den älteren Kalken und dem Flysch liegt am rechtseitigen 
Seeufer etwa 2 km nördlicher als am linkseitigen und wird durch 
ein mächtiges Lager von Gebirgsschutt bezeichnet; sie zieht sich 
vom Forstamt in ostnordöstlicher, später fast rein östlicher Richtung 
hin bis zum Gmundner oder Traunsee. Die Nordgrenze der Flysch- 
berge bildet eine ziemlich unregelmässige Linie von Schörfling 
bis gegen Preinsdorf im Aurachthal, im Westen ist der Attersee, 
im Osten die Mulde der Vichtau am Traunsee die Grenze. Die 
einzelnen Gipfelpunkte dieses Voralpenstockes sind im Allgemeinen 
im Süden höher ais im Norden, so der Bramhosenberg (1043 m), 


a = Moräne, — b = Conglomerat. — c = Feine Schotter. 
d — Geschichteter Sand. 


Kraberg (1106 mn), Miesenberg (1007 m), Kollmannsberg 
(963 m), Schmausinggupf (946 m), Richtberg (1047 m) in der 
südlichen Hälfte, der Windhagberg (907 m), Gaberg (863 m), 
Schlossberg (WI m), Siedlerberg (883 m), Häfelberg 
(715 m), Alpenberg (967 nm), Hangar (943 m), Schirfgrubberg 
(780 m), die Hohe Luft (917 m), der Kronberg (806 ın) im nörd- 
lichen Theile. Aus diesem Gebiete fliessen mehrere Bäche in den 
Attersee, von denen der Kienbach und der Weyereggbach die 
bedeutendsten sind. 

Der Kienbach entspringt beim Krabergtafer| im Kraberg- 
walde und mündet bei Seefeld in den See. Schon südlich von 
Seefeld, im Bache nahe unterhalb der Kirche Steinbach, trifft man 
anstehenden Flysch, und zwar in horizontalen Bänken von 15—30 cm 
Mächtigkeit einen stellenweise ziemlich harten Mergel mit Helminthoida 
labyrinthica Heer. Wenige Meter höher, unmittelbar unter der Brücke 
beim Wirthshaus, stehen die Schichten in h 4, 5° mit 60° Neigung 
gegen Südsüdost; dieselbe Lagerung beobachtet man bei der Kirche 
und auch weiterhin am Wege, der in den Kienbachgraben führt. 


[25] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee, 319 


Bei der Brücke unterhalb der Kienbachklause hat sich das 
Streichen ein wenig gedreht, in h 3, 10° mit 40% südöstlichem Fallen. 
Etwa hundert Schritte weiterhin lagert an der Strasse am rechten 
Bachufer eine Moräne mit gekritzten Steinen: Kalken, Dolomiten 
und Fiyschbrocken in 620 m Meereshöhe. Es ist dies der einzige 
Punkt im Kienbachthale, wo ich eine Moräne angetroffen habe, 
Nach weiteren hundert Schritten ist, ebenfalls an der Strasse, am 
rechten Bachufer eine lange Wand von Flyschmergel blossgelegt 
mit dem Streichen in h 6, 7° und Fallen unter 45° nach Süd. 
Bei der Kienbachklause und von hier bis hinauf zum Kraberg- 
taferl (833 m), dem Uebergang ins Aurachthal, ist der Boden zwar 
Flysch, aber reichlich mit Gebirgsschutt (Kalk und Dolomit) über- 
deckt. 

Der Weyereggbach entspringt auf dem Sattel, der sich vom 
Riehtkopf zum Miesenberg hinzieht, in beiläufig 770 m Meeres- 
höhe, erhält mehrere Zuflüsse, von denen der Weidenbach, den 
er bei der Klause am linken Ufer aufnimmt, der bedeutendste ist, 
und mündet nach einem Laufe von etwa 9km Länge bei Weyeregg, 
wo er ein ziemlich grosses Delta angeschüttet hat, in den See. 

Wandert man von Weyeregg am Bache aufwärts, so trifft man 
bei der ersten Sägemühle am linken Ufer im Bachbette selbst Flysch 
anstehend in h 1, 10° mit Einfallen unter 50° nach Westnordwest, 
Darüber lagert eine Moräne von eirca 10 m Mächtigkeit mit gekritzten 
Kalken, dann Quarz- und Flyschstücken. Weiter in den Graben hinein 
scheinen die Moränen nicht zu reichen, ich sah wenigstens nirgends 
die Spur einer solchen. Ungefähr bei der Isohypse 500 m ist die 
Lagerung des Flysch im Bache h 1 mit sehr steilem Einfallen nach 
Ost. Das östliche Einfallen lässt sich an der neben dem Bache hin- 
führenden Strasse noch etwa 370 m weit verfolgen, dann aber beob- 
achtet man eine Aenderung in der Schichtung, und zwar in h 2, 5° 
mit 50° Nordwestfallen. Nach weiteren 50 Schritten ist die Lagerung 
h 5, 5° mit steilem südlichen Einfallen; nach abermals 50 Schritten, 
bei der zweiten Sägemühle, ist zwar das Streichen unverändert, die 
Schichten stehen aber senkrecht, während sie 20 Schritte weiter 
bachaufwärts wieder steil nach Süden fallen. Nicht sehr weit davon, 
bei Punkt 526 m der Generalstabskarte 1: 25.000, liegen die Schichten 
fast parallel dem Bachlaufe in h 2, 5° mit 60° südöstlichem Einfallen 
und bilden gewissermassen die Uferwände. Bei der Brücke, welche 
die Tafel mit der Aufschrift „Ortschaft Bach“ trägt (533 m), ist die 
Lagerung in h 4, 5° mit 300 Neigung gegen Südsüdost. In 563 m 
Meereshöhe macht der Bach eine nahezu rechtwinkelige Biegung; 
bis hierher war das Einfallen stets ein südliches oder südöstliches, 
hier aber fallen die Schichten bei einem Streichen in h 5, 5° unter 
60° nach Nord. Nach etwa 670 m Weges in eirca 595 m Höhe ist 
das Streichen zwar unverändert in h 5, 5° geblieben, das Fallen 
dagegen wieder steil Süd. Zweihundert Schritte weiterhin fallen die 
Schichten wieder nach Nord, dann folgt eine Schichtenbiegung nach 
h 1, 5° mit 70° ostsüdöstlichem Einfallen, In 615 m Höhe beob- 
achtet man am Bachufer abermals eine Schicehtenbiegung, bei 645 m 
die Lagerung in h 6 mit 45° Neigung nach Süd mit Wülsten an der 


320 Eberhard Fugger. [26] 


I 


Nordseite — der einzige Punkt im Graben, wo ich deutliche Wülste 
sah — bei 650 m die gleiche Lagerung und bei der Klause (654 m) 


h 6, 10° mit 60° südlichem Einfallen, ein Sandstein mit Thongallen. 

Bei 660 m Höhe war die Schichtung in h6 © 45, bei 670 m 
in h 5, 5° 70 S, wobei die Platte am rechten Ufer eine Wand 
bildet, in 690 m Höhe endlich in h 6, 5° mit steilem Einfallen nach 
Süd. Weiter aufwärts ist alles wild verwachsen und das hie und da 
sichtbare Flyschgestein in Bezug auf seine Lagerung nicht messbar. 
Die Wasserscheide liegt in 780 m Meereshöhe. 

Während am westlichen Ufer des Attersees der Flyschboden 
nur an wenigen Stellen zu Tage tritt und fast überall von Moräne 
bedeckt ist, zeigt das südliche Ufer und die südwestliche Ecke das 
anstehende Kalkgebirge und Gebirgsschutt; das östliche Ufer vom 
Forstamt Weissenbach bis zum Häfelberg in der Nähe von 
Kammer lässt überall entweder den anstehenden Flysch oder wenigstens 
Flyschschutt beobachten; auch die im See an dessen seichten Ufern 
sichtbaren Steine sind durchaus Flyschstücke. Nur bei Weyeregg 
lagert, allerdings in ziemlich bedeutender Entfernung vom Ufer, ein 
Moränenrest. Am Nordabhang des Häfelberges, dessen höchster 
Punkt 715 m ü. d. M. liegt, reicht die Moräne bis 560 oder 580 m 
hinauf. Das Material derselben sind gekritzte Kalke, dann Dolomite 
und sehr viel Flyschbrocken. Zwischen dem Häfelberg und den 
Orten Kammer und Schörfling ist die Moräne an mehreren 
Punkten blossgelegt und zeigt überall dieselbe Zusammensetzung wie 
am Häfelberg. Der Boden von Kammer und Schörfling gehört eben- 
falls der Moräne an und sind hier die Moränenwälle theilweise sehr 
deutlich im Terrain erhalten. 

Bei Kammer, dem Endpunkte der von Vöcklabruck zum Atter- 
see führenden Eisenbahn, hat der See seinen Abfluss als Ager. 
Diese fliesst etwa über 1 km noch durch die Moräne, dann lagern 
zu beiden Seiten des Flusses glaciale Schotter. 

Zwischen den Ortschaften Ober- und Unterachmann mündet an 
ihrem rechten Ufer der Sickinger Bach. Dieser entspringt an 
der Ostseite des Kammes, der den Häfelberg mit dem Gaberg 
verbindet, nimmt in der Meereshöhe zwischen 530 und 520 m von 
Süd und Südost mehrere Nebenbäche auf und bildet mit diesen eine 
Mulde, die gegen Nordwest durch den Mitterleitner Hügel ab- 
geschlossen ist. Dieser isolirte Hügel sowie die übrige Umrahmung 
der Mulde gehören dem Flysch an, in der Einsenkung zwischen 
diesem Hügel und dem Häfelberge — 548 m — liegt noch Moräne; 
von diesem Punkte südöstlich dagegen in der Mulde selbst beobachtet 
man nur Flyschschutt, ebenso in den Bächen, solange sie sich in der 
Mulde befinden. So wie man dagegen gegen Norden hin die Mulde 
verlässt, trifft man wieder auf die Moräne, und zwar enthält sie 
östlich von Oberhechenfeld sehr viele Flyschstücke und wenig 
anderes Material; von Wörzing über Moos gegen Hainbach zu 
nehmen die Flyschstücke an Menge ab, während die Kalke allmälig 
in grösserer Zahl auftreten. Von Steinbach ab beobachtet man 
am linken Ufer des Baches nur Schotter, am rechten dagegen 
Moräne bis zur Mündung. 


[27] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee, 321 


Die Uferterrassen der Ager von Kammer bis Vöcklabruck be- 
stehen theils aus Schottern, theils aus Moräne, unter denen beiden 
häufig Conglomerat zu Tage tritt. Direct bei Kammer ist, wie er- 
wähnt, die Moräne an beiden Ufern sichtbar; bei den Ortschaften 
Zackberg, Oberachmann, Siebenmühlen, Haidach und 
Unterachmann treten Schotter auf, unter denen an vielen Stellen 
das Conglomerat sichtbar wird. Von Haidach abwärts bilden die 
Schotter nur mehr die niedere Thalterrasse des linken Ufers, während 
sich westlich davon die Hochfläche von Steindorf und Gampern 
bis zur Dürren Ager hin ausbreitet, bedeckt von Moräne, welche 
ein Conglomerat überlagert. Am rechten Agerufer lagert zwischen 
Unterachmann einerseits und Lenzing und der Starlinger Mühle 
andererseits ein Moränengürtel, der sich bis Wörzing und Hain- 
bach gegen Südosten ausdehnt. Der Boden nördlich und östlich davon 
bis zur Dürren Aurach besteht aus Schottern und Conglomeraten. 
Oberhalb der Brücke von Pichlwang ist unmittelbar am linken 
Flussufer eine Moräne mit gekritzten Steinen blossgelegt, ebenso bei 
OÖberthalham am rechten Ufer. Von Pichlwang ostwärts über 
Öberegg nach Kallenberg beobachtet man anfangs Moräne, 
weiterhin Conglomerat und in der Nähe von Oberregau trifft man 
auf einen Steinbruch, der auf sehr festes Conglomerat angelegt ist. 

Die untere Terrasse an der Vöckla vom Bahnhofe Vöckla- 
bruck bis zur Mündung in die Ager, dann weiterhin an der Ager 
selbst ist durchaus Schlier, ebenso der Fuss des Buchenwaldes 
am linken Ufer der Ager; über dem Schlier lagert am Buchenwalde 
ein Conglomerat und Schotter, welche fast nur aus Quarzen bestehen 
und welche ich aus diesem Grunde und wegen der unmittelbaren 
Ueberlagerung des Schliers für tertiär halte. Aber auch die untere 
Uferterrasse am rechten Agerufer besteht aus Schlier, während die 
Ebene von Regau sicher glacialer Schotter ist. Von hier ab fliesst 
die Ager zwischen glacialen Schottern bis zu ihrer Mündung in die 
Traun bei Lambach; nur in der Nähe von Attnang, etwas 
unterhalb Siecking oder Wankham, und unterhalb der Mündung 
der Aurach tritt am linken Ufer noch einmal der Schlier auf kurze 
Strecke als Unterlage zu Tage. Nahezu gegenüber am rechten Ufer 
lagert ein Conglomerat, welches in seinen oberen Partien von tiefen 
geologischen Orgeln durchsetzt wird !). 


Die Dürre Aurach. 


Die Quellflüsse, welche die Dürre Aurach zusammensetzen, 
entspringen in dem Halbkreise, welchen die Flyschberge Schirfgrub- 
berg, Alpenberg, Hangar, Hohe Luft und Ackersberg 
bilden. Im Thale unten lagern glaciale Schotter und Conglomerate, 
welche etwa bis 550 oder 560 m an das Nordgehänge der Flysch- 
berge hinaufreichen, wo dann allerdings die Grenze zwischen an- 
stehendem Fiysch und den Schottern meist durch Flyschschutt oder 
Vegetation verdeckt ist. 


1) Penck und Brückner. Die Alpen im Eiszeitalter. Seite 84. 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 58. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 43 


322 Eberhard Fugger. [28] 


Oberhalb, d. h. südlich des Dorfes Aurach, steht, am rechten 
Ufer ein Conglomerat an, welches in seinen oberen Partien gröber, 
in den unteren feiner und bedeutend quarzreicher ist. Auch bei 
Aurach selbst und auf weite Strecken flussabwärts ist dieses Con- 
glomerat sichtbar. Oberhalb der Kirche zeigen sich auch verschiedene 
Sandsteineinlagen in demselben, ebenso eine Reihe künstlicher Höhlen. 
Weiter abwärts beobachtet man sehr häufig dieses Conglomerat über- 
lagert von quarzreichem Schotter. Bei Pirstling, an dem Punkte, 
wo die Strasse von Schörfling und jene von Gmunden sich schneiden, 
ist am Regauberg am linken Ufer der Dürren Aurach wieder ein 
Conglomerat, reich an Quarzgeschieben, sehr ähnlich den tertiären 
Conglomeraten des Hausruck, aufgeschlossen. Hier mündet am rechten 
Ufer ein Bach, der auch in den Flyschbergen seinen Ursprung hat 
und in den letzten zwei Kilometern seines Laufes der Dürren Aurach 
vollkommen parallel fliesst: der Weidingbach. Dieser entblösst 
ebenfalls nur Conglomerat und Schotter. In manchen Lagen dieses 
Conglomerats findet man ausschliesslich Quarze, ihr Bindemittel ist 
ein Kalksinter. Von Pirstling abwärts hat die Dürre Aurach an 
ihrem linken Ufer die Ebene des Regaus, eine glaciale Schotter- 
fläche, am rechten Ufer bis Preising Wände von Conglomerat, 
welches Quarze, Centralalpengesteine, Kalke und einige Flyschplatten 
enthält. Man gewinnt beim Betrachten der Conglomerate des Thales 
der Dürren Aurach den Eindruck, den auch Penck!) erhalten hat, 
dass hier die Schotter der Eiszeit mit dem tertiären Untergrunde 
eine Mischung eingegangen seien. Etwas unterhalb der Brücke bei 
Preising enthält das Conglomerat viel Kalke, etwas Flysch und wenig 
Quarz. Je weiter man sich von den Bergen entfernt, desto weniger 
scheint naturgemäss der ursprüngliche tertiäre Boden von den Ab- 
lagerungen der Eiszeit affıcirt worden zu sein. 

Bei Neudörfl liegt an beiden Ufern Schotter. Dort, wo die 
Strasse in der Nähe der Ager die Dürre Aurach übersetzt, nahe 
an der Mündung der letzteren in die erstere, steht am rechten Ufer 
wieder das Conglomerat an, hier hauptsächlich aus Kalken, etwas 
Flysch und nur einem Minimum von Quarzen bestehend. 


Die Aurach. 


An der Grenze zwischen dem Kalkgebirge und den Flyschbergen 
zwischen Atter- und Traunsee am Fusse des Hochleckenberges 
befindet sich ein kleiner See, welcher theils durch den vom Höllen- 
gebirge herabkommenden Kailkschutt, theils durch Versumpfung seinem 
baldigen Ende entgegensieht. Dieser See, dessen Meereshöhe 762 m 
beträgt, ist der Ursprung der Aurach. Sie fliesst anfangs in fast 
östlicher Richtung, die allmälig in eine nordöstliche, von Neu- 
kirchen ab in eine nördliche übergeht, wendet sich dann vom 
Ebenberg an wieder nach Nordost, um von der Diehtlmühle 
ab eine fast nördliche Richtung bis zu ihrer Mündung in die Ager 


!) Die Alpen im Eiszeitalter. Seite 80. 


[29] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 323 


unterhalb Sieking beizubehalten. Auf ihrem langen Wege von 
mehr als 25 km nimmt sie zwar eine ziemlich grosse Anzahl von 
Zuflüssen auf, von denen jedoch nur die Wessenaurach von 
Bedeutung ist. 

Die oberste Aurach zeigt an ihren Ufern und im Bachbette 
blos Dolomit- und Kalkschutt, nur an einzelnen Stellen des linken 
Ufers beobachtet man die Flyschunterlage; an einer Stelle, 668 m 
ü. d. M., ist die Schichtung derselben messbar, und zwar ist die 
Lagerung in h 6, 5° mit 12° nördlichem Verflächen. Das Gestein 
ist ein Kalkmergel. In 648 m Höhe befindet sich das Wirthshaus 
Grossalpe am linken Bachufer. Im Westen desselben liegt in 
einem schwachen Bogen eine Moräne mit deutlich gekritzten Steinen. 

Gegenüber der Grossalpe mündet am rechten Ufer am Wege, 
der von hier zum hinteren Langbathsee führt, der Lueggraben, 
welcher nur Kalkschutt enthält. 

Der Mühlgraben, der zwischen Grossalpe und Scheer- 
haufenwies am linken Aurachufer mündet, zeigt ebenfalls kein 
anstehendes Gestein, sondern nur Kalk- und Flyschschutt. 

Im Steinbachgraben, dem Graben, welcher am rechten 
Aurachufer unmittelbar unterhalb des Lueggrabens herabkommt, 
findet man rothe Mergel und andere Flyschgesteine, jedoch in ver- 
schwindender Menge gegenüber den Unmassen von Kalk- und Dolomit- 
schutt, welche das Bachbett erfüllen. 

Der nächstfolgende Graben am rechten Aurachufer, der Klaus- 
sraben, nahe oberhalb der Klause, bietet ähnliche Verhältnisse 
wie der Steinbachgraben und zeigt ebenfalls bis hinauf an die Steil- 
wände des Kalkgebirges nirgends anstehendes Gestein. 

Von weitaus grösserem Interesse sind die beiden folgenden 
Gräben der rechten Thalseite, die zwei Rothensteingräben. 

-Ueber diese Gräben schreibt Hauer in den Sitzungsberichten 
der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien 1857, XXV, S. 289: 
„An der Südgrenze des Flysches tritt ein mächtiger Zug von eigen- 
thümlichen Gesteinen auf, wie sie die hydraulischen oder Aptychen- 
mergel zu begleiten pflegen. Am Aurachbache südlich, dicht beim 
Meuerteufel, fand Herr Lipold röthliche Mergelkalke, hinter ihnen 
weisse Kalksteine und dann dunkle Mergel. alle sehr dünnschiefrig, 
stark gewunden, brüchig. Noch weiter südlich im Graben, der vom 
Rothenstein herabkommt, fand er weisse Mergel, hinter ihnen auf 
längere Strecken rothe Mergelschiefer mit rothen, von thonigem 
Mergel durchzogenen Kalksteinen; noch höher endlich, dicht an der 
Grenze gegen den Alpenkalk, ganz saiger stehende Schichten von 
Kieselkalken und Mergeln.“ 

Diese Notiz veranlasste mich selbstverständlich, die beiden 
Gräben genau zu untersuchen. Ein „Meuerteufel“ ist im Aurachthale 
nicht bekannt, wohl aber stehen am linken Ufer, nordöstlich vom 
Hause Herbstau, welches in der Generalstabskarte (1:75.000) an- 
gegeben ist, zwei Häuser, von denen das südlichere Taufel, das 
andere Taufelmaurer heisst. Etwas oberhalb Taufel führt eine 
Brücke über die Aurach an den Fuss des Riedels zwischen den 
beiden Rothensteingräben; auf dem Riedel selbst liegt 629 m ü. d.M. 

43* 


394 Eberhard Fugger. [30] 


das Bauerngut Rothenstein — ebenfalls in der Generalstabskarte 
verzeichnet. 

Im hinteren (südlichen) Rothensteingraben steht schon 
wenig hoch über der Thalsohle — in 605 m — gewöhnlicher bläulich- 
grauer Flyschmergel an in h 6, 10° mit 60° Einfallen nach Süd 
durch 10 Schritte. 54 Schritte weiter oben im Bache treten un- 
gefähr 1 m rothe Mergel in h 4 mit 30° südöstlichem Fallen auf. 
Dann folgt Schutt durch 45 Schritte, hierauf hellgraue, fast weisse 
Mergel (12 Schritte), dann 14 Schritte Schutt. Hierauf zeigt sich 
wieder eine Bank hellgrauer Mergel von 1'2 m Mächtigkeit, dann 
wieder auf 6 Schritte Schutt. Und nun wandert man 203 Schritte 
lang fast ununterbrochen über diese Mergel, welche unverändert in 
h 6 mit 60° Einfallen nach Süd anstehen. Sie sind, besonders in den 
unteren Partien, vorherrschend roth, manchmal hellgrau gefleckt und 
nur hie und da mit wenig mächtigen hellgrauen Schichten wechsel- 
lagernd; erst in den obersten 40 Schritten herrschen die hellgrauen 
Mergel vor. 

In der unteren Partie der rothen Mergel mündet in 618 m 
Meereshöhe ein Seitenbach am linken Ufer des Grabens. 

In der Höhe von 632 m, zehn Schritte oberhalb der zuletzt 
genannten hellgrauen Mergel, liegen grosse Blöcke eines sehr dunklen 
harten Glauconitsandsteines. Fünf Schritte weiter oben stehen schwarze 
Mergelkalke an, knollig und stark verwittert, durch 4 Schritte, dann 
folgt durch 4 Schritte Schutt, hierauf wieder rothe und hellgraue 
Mergel, wechselnd auf 16 Schritte. Nun ist der Boden durch 
25 Schritte mit Schutt bedeckt, dann zeigen sich die hellgrauen 
Mergel auf eine kurze Strecke von 30 cm anstehend, hierauf wandert 
man wieder 100 Schritte weit über Schutt, um noch einmal auf 
6 Schritte die hellgrauen und rothen Mergel anstehend zu sehen. 
Sechs Schritte oberhalb derselben führt — in 645 m Höhe — ein 
Steg über den Bach. Oberhalb des Steges ist von diesen rothen 
und hellgrauen Mergeln »ichts mehr zu sehen. Da sie unten im 
Graben in beiläufig 610 m beginnen und bei etwa 645 m enden und 
ihr Einfallen meist 60° beträgt, so kann man ihre Gesammtmächtig- 
keit auf etwa 25 m schätzen. 

Zwanzig Schritte oberhalb des Steges beobachtet man einen 
sehr harten Kalksandstein, knollig, mit weissen Adern, wie er im 
oberen Kreideflysch ziemlich häufig vorkommt, in h 4, 5° bis h 5, 10° 
mit 25—50° südlichem Verflächen. Unmittelbar darauf — 649 m — 
folgen zwei Bänke von je 60 cm Mächtigkeit eines sehr harten, fast 
schwarzen Sandsteines in h 5, 5° mit 45° südlichem Einfallen, darüber 
gewöhnlicher Kreideflyschmergel und über diesem der harte Kalk- 
sandstein mit weissen Adern. Und nun folgt eine Wechsellagerung 
von gewöhnlichem Flyschsandstein und Mergel bis fast an die Fels- 
wände. Die oberste Partie ist mit dichtem Kalk- und Dolomitschutt 
bedeckt. : 

Der Flysch reicht hier sohin bis in die Meereshöhe von etwa 
700 m. 

Der vordere Rothensteingraben, unterhalb Rothenstein, 
zeigt in 590 m Meereshöhe bereits die hellgrauen und rothen Mergel 


[31] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 325 


in h 7, 10° mit 40° südsüdwestlichem Einfallen anstehend;; die Mergel 
sind theilweise mit weissen Kalkadern durchzogen und bilden unregel- 
mässige, unebene Platten von 5—10, seltener bis zu 25 cm Dicke. 
Sie sind ‘durch 10 Schritte im Bache sichtbar. Nach 18 Schritten, 
die man über Schutt wandert, treten wieder die hellgrauen Mergel 
durch 8 Schritte auf; die Platten sind hier ebenflächig. Nun folgt 
20 Schritte Schutt, dann 1 m hellgrauer Mergel und hierauf geht man 
längs den Schichtflächen 45 Schritte auf rothen Mergeln, welche in 
h 6 streichen und mit 60° nach Süden einfallen. Nur selten ist eine 
hellgraue Platte den rothen eingelagert. An der Isohypse 600 m 
tauchen die rothen Mergel wieder unter den Bachschutt ein; erst 
nach 77 Schritten sind sie wieder sichtbar, und zwar in h 5, 5° mit 
40° südlichem Einfallen. Auf weitere 233 Schritte treten unten noch 
wechselnde Schichten von rothen und hellgrauen Mergeln, in dem 
oberen Theile, sehr häufig durch Schutt bedeckt, nur mehr hellgraue 
Mergel auf. In etwa 630 m Meereshöhe beobachtet man die. letzten 
anstehenden Mergel. Weiter aufwärts im Bache sieht man nur mehr 
Kalk- und Dolomitschutt mit einzelnen eingestreuten Trümmern des 
harten, mit weissen Kalkadern durchzogenen Kalksandsteines. Der 
Flysch scheint hier, allerdings bedeckt von Dolomitschutt, bis zum 
Beginne der Wände, etwa 800 m ü. d. M., hinaufzugehen. 

Die von Lipold angeführten Kalke, Mergelkalke, Mergel und 
Mergelschiefer von rother und weisser Farbe sind sohin offenbar die 
rothen und hellgrauen Mergel, welche ich beobachtete, und die Kiesel- 
kalke, von denen er spricht, sind die Kalksandsteine mit weissen 
Adern. Alle diese Gebilde aber gehören zweifellos dem Muntigler 
Flysch an. 

Die weissen, d. h. hellgrauen und rothen Mergel besitzen auch 
im vorderen Rothensteingraben eine Mächtigkeit von etwa 25 m. 

Gegenüber von Taufel beobachtet man direct an dem steilen 
rechtseitigen grasigen Gehänge an der Aurach an einzelnen Abriss- 
stellen die rothen Mergel blossgelest. 

In den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften 
in Wien (1857, XXV, Seite 289) schreibt Hauer von „Nummuliten- 
schichten, die als unter den Tertiärgebilden verdeckt in der Gegend 
von Aurach angegeben sind“, und Koch in Krakowitzer's „Ge- 
schichte der Stadt Gmunden“ (1900, I, S. 42) spricht von „Nummuliten- 
funden im Gebiete des hinteren Aurachthales“. Ich habe mich ver- 
gebens bemüht, Nummuliten oder Nummulitengesteine in den ver- 
schiedenen Gräben zu finden; doch erzählte mir der Wirth der 
Grossalpe, dass seine Tochter vor etwa 15 Jahren, damals ein kleines 
Mädchen, im Schutte der Aurach einen Nummuliten (einen so- 
genannten Kreuzerstein) gefunden habe, welcher schliesslich ins 
Linzer Museum kam. Mehr konnte ich vorderhand über das fragliche 
Vorkommen von Nummulitenschichten im Aurachthale nicht in Er- 
fahrung bringen. 

Von Rothenstein an der Aurach abwärts beobachtet man 
am rechten Ufer fast nur Kalkschutt, den die Wände, welche über 
dem Flysch emporsteigen, massenhaft zu Thal senden, bis man an 
den Fuss des Kollmannsberges kommt, wo auch am rechten 


326 Eberhard Fugger. [32] 


Ufer der Flysch an vielen Stellen zu Tage tritt. Schon nahe bei 
Neukirchen, unterhalb des Weilers Winterleiten, steht am 
linken Ufer horizontales Conglomerat an, welches sich von hier ab 
noch etwa 350 Schritte weit am Ufer hinzieht und zu den Ufer- 
schutzbauten im Aurachthale verwendet wird. Gegenüber am rechten 
Ufer steht, wie schon vorher erwähnt, Flysch an. Das Plateau südlich 
von Neukirchen ist ebenfalls Flysch, der Ort Neukirchen‘; selbst 
aber stelıt etwa 15—20 m über dem Bachbette auf einer Moräne, 
die an der Strasse, welche von der Aurach heraufführt, sichtbar wird. 
Unten an der Brücke über den Bach stehen die Flyschplatten senk- 
recht mit dem Streichen in h 5 bis 6. Die Moräne von Neukirchen 
reicht im Aurachthale etwa bis zur Aurachmühle. Hier ist das 
Thal stark eingeengt und lagert das Flyschgestein in h 3, 5°, steil 
nach Nordwest fallend. Etwa 14 km nördlich von diesem Punkte 
macht die Aurach eine Krümmung nach Ost und hier steht der Fiysch 
am linken Ufer normal in h 6, 5° mit 35° südlichem Verflächen. 
In nächster Nähe der Reindlmühle ist dasselbe Streichen, nur 
mit steilerem Einfallen, nämlich 60° zu beobachten. 

Bei der Reindlmühle münden zwei Bäche, einer von Osten, 
vom Grasberge herabkommend, der andere, der Dambach, von 
Südwesten kommend. Ueber die Einsattelung zwischen Siedlerberg 
im Norden und Grasberg im Süden führt eine Strasse von Eben- 
zweier am Traunsee herüber zur Reindlmühle. Der tiefste Punkt 
der Einsattelung und zugleich höchste dieser Strasse liegt 630 m 
ü. d.M. Auf dieser Höhe findet man noch zerstreut Moränenmaterial, 
auch beim Abwärtssteigen auf der Auracher Seite beobachtet man, 
10 m unter der Wasserscheide, einzelne Kalke im Bache, wenige 
Schritte abwärts dagegen steht bereits Flysch an in h 6 mit 40° 
Verflächen gegen Süden auf eine Strecke von etwa 100 m. Nach 
Aussage des Wirthes in der Reindlmühle ist von hier ab im Aurach- 
thale auswärts weithin weder am Gehänge des Siedler- noch des 
Grasberges Schotter oder Moränenmaterial zu finden, eine Aussage, 
die ich, soweit ich das Terrain kennen lernte, bestätigen muss, denn 
wo überhaupt ein Aufschluss sichtbar ist, zeigt sich nur Flysch. 

Auch im Dambachgraben ist nur Flysch zu sehen. 

Etwa 250 m unterhalb der Mündung des Dambaches ergiesst 
sich die Wessenaurach in die Aurach. Die Wessenaurach ent- 
springt an dem Kamme zwischen Schlossberg und Windhag- 
berg, fliesst anfangs östlich, windet sich dann um den Ebenberg 
herum, nimmt hier noch den Schwarzenbach auf und mündet 
in die Aurach am Südostfusse des Ebenberges. Die Wessenaurach 
sowie der Schwarzenbach fliessen nur durch Flyschterrain. 

Die Wessenaurach durchfliesst in ihren Anfängen ziemlich 
bedeckten Boden; erst kurz vor der Vereinigung des linken und 
rechten Armes tritt die Flyschschiehtung deutlich zu Tage. So fand 
ich etwa 600 Schritte oberhalb des Zusammenflusses im linkseitigen 
Arme im Bachbette die Schichtung in h 5, 5° mit sehr steilem süd- 
lichen Einfallen. Der Zusammenfluss geschieht in 635 m Meereshöhe. 

Nicht weit unterhalb dieses Punktes mündet am rechten Ufer 
der Höllthalgraben (630 m). In demselben ist bis gegen die Iso- 


[33] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 327 


hypse 700 m hin die Gesteinsfolge fast ununterbrochen aufgeschlossen. 
Es finden sich ausser den wechsellagernden gewöhnlichen Sandsteinen 
und Mergeln in 665 m Höhe grobkörnige Sandsteine, vollkommen 
von dem Aussehen der grobkörnigen Nummulitensandsteine, wie sie 
bei Welfschwang am Fusse des Untersberges anstehen, jedoch gänz- 
lich petrefactenleer; dann folgt ein Complex von 80 cm Mächtigkeit 
von schwarzen und rothbraun gefärbten dünnschichtigen Thonschiefern. 
Diese Thonschiefer bilden von hier an bachaufwärts überhaupt ziem- 
lich mächtige Zwischenlagen. Auch schwarze Kalkmergel und Mergel- 
kalke mit weissen Kalkadern treten hier auf. Weiters fand ich Sand- 
steine mit Kegelwülsten an der Nordseite, während die Schichten 
selbst sehr steil nach Süden fallen. Ferner sah ich tiefe Thongallen 
und Kohlensplitter im Sandsteine und verschiedene Wellsandbildungen 
auf demselben, im Mergel Chondrites Targionsi Brongn. und Ch. in- 
tricatus Brongn., dann Chondrites affinis Sternb. in der Form von 


Fig. 4. 


?/, der natürlichen Grösse. 


Hormosira, endlich eine grosse chondritenartige Pflanze: einen 
Stamm von 15cm Länge und 1 cm Breite mit einem Seitenast von 
der halben Länge des Stammes und der Breite von ebenfalls 1 cm 
(Fig.4). Als Findling am Ufer fand ich Bruchstücke von Inoceramen- 
schalen auf Flyschsandstein. 

Bei der Mündung des Höllthalgrabens übersetzt die Strasse 
die Wessenaurach und geht auf das linke Ufer hinüber. Hier 
ist die Lagerung der Flyschschichten etwas geändert, nämlich in h 4, 
30 mit 50° südsüdöstlichem Fallen. Aber schon bei 628 m. ist das 
Streichen wieder in h 5, 5°. Wenig weiter auswärts steht ein Sand- 
stein an mit Zwischenlagen von Thonschiefer, und zwar hier aus- 
nahmsweise mit Einfallen nach Nord. Eine kurze Strecke weiterhin 
— 625 m — mündet am linken Ufer der Schnaidgraben; die 
Schichtung ist in h5 mit ziemlich steilem Einfallen nach Süd. 
Bei 622 m Höhe beobachtet man im Bache h 6, 10° mit steilem 


328 Eberhard Fugger. [34] 


südlichen Fallen; bei 620 m steht an der Strasse wieder der grob- 
körnige Sandstein an, wie ich ihn im Höllthalgraben gefunden hatte, 
In der Höhe von 605 m beobachtet man gewöhnlichen Flyschsandstein 
mit zahlreichen Thongallen in h 5, 110 mit 40° Verflächen in Süd. 
Ungefähr der Mündung des Knittelgrabens gegenüber trifft man 
an der Strasse Flyschbreccien, deren Korn vom groben Sandstein- 
korn bis zu l cm im Durchmesser wechselt. 

Bei der Isohypse 600 m mündet am linken Ufer der Pfanners- 
berggraben. In diesem Graben, 10 m von der Strasse, ist die 
Lagerung in h 6, 5° mit 55° sudlichem Einfallen, und 30 m über der 
Strasse — also 680m — in h 5, 10° mit 75° südlichem Fallen. 
Die Schichten sind auch in diesem Graben ununterbrochen blossgelegt; 
ich sah ausser den Mergeln und dichten Sandsteinen grobkörnige 
Sandsteine, dichte, harte Kalke wie beim Hubergute nächst Henndorf, 
dann sehr dünne grüne und rothbraune Schichtauflagerungen; jene 
eigenthümlichen muschelförmigen Vertiefungen im Sandsteine mit und 
ohne Thongallen, dann Mergel mit Chondrites affinis Sternb., Ch. in- 
clinatus Brongn. und Ch. intricatus Brongn. 

Von der Mündung des Pfannersberggrabens bis hinaus zu der 
Stelle, wo die Wessenaurach nach Süden umbiegt, beobachtet 
man sowohl an der Strasse als auch im Bachbette wiederholt die- 
selbe Schichtung in h 5 bis 6 mit steilem oder auch sehr steilem 
Einfallen nach Süd. 

An der lsiegung des Flusses gegen Süd steht das Wirthshaus 
Wessenau. Von hier bis zur Mündung des Schwarzenbaches 
zeigen sich im DBachbette mannigfache Schichtenstörungen und 
-Biegungen (Fig. 5): anfangs ist das Streichen in h 9 mit sehr 
steilem Fallen nach Südwest, dann biegt es in h5 mit 53° Einfallen 
nach Nord, um weiterhin in h 7 ziemlich steil nach Süd zu fallen. 
Von diesem letzteren Punkte etwa 80 Schritte auswärts streichen 
die Schichten in h 8 mit steilem Fallen nach Südsüdwest und nach 
weiteren 40 Schritten mit ebenfalls steilem Fallen nach Nordnordost. 
An der Strasse liegt in 538 m Meereshöhe ein Steinbruch, in welchem 
die Schichtung in h 4 mit 43° südöstlichem Einfallen aufgeschlossen 
ist. Daselbst finden sich Sandsteine mit Kohlensplittern sowie Mergel 
mit grossen Chondriten, letztere auch in Form von Hormosira. 

In 552m Höhe mündet der Schwarzenbach in die Wessen- 
aurach und nun verfolgt die letztere eine nahezu östliche Richtung. 
An der Brücke vor dem Eintritte der Wessenaurach in das Haupt- 
thal der Aurach steht noch einmal Flysch an.am rechten Ufer, und 
zwar wieder normal in h 5 bis 6 mit etwa 50° südlichem Einfallen. 

In den oberen Partien des Schwarzenbachgrabens ist 
der Boden vollkommen überwachsen. Erst in der Meereshöhe von 
655 m treten die Flyschschichten zu Tage, und zwar in h 5, 10° 
mit sehr steilem südlichen Einfallen, weiterhin stehen die Schichten 
senkrecht und nach 30 Schritten fallen sie mit 450° nach Süden. 
Hier fand ich mehrere Exemplare von Chondrites affinis Sternb. 
In 640 m Höhe beobachtet man am rechten Ufer die Schichtung in 
h 5, 5° mit 15° südlichem Verflächen, bei 610 m in h 5 mit 50° 
Fallen nach Süd mit Chondrites Targionii Brongn. und Ch. intricatus 


[35] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee, 329 


Brongn. Von hier zeigt sich dieselbe Lagerung ununterbrochen bis 
zur Isohypse 600 m. In 590 m Höhe, wo eine Brücke ans rechte Ufer 
führt, ist die Schichtung h 5, 5° mit 25° Verflächen in Süd. Unter- 
halb der Schwarzenbachholzstube, bei 565 m, steht am rechten 


Fig. 5. 


Maßstab: 1:25.000. 


Ufer der Flysch in h 2, 10° senkrecht, am linken Ufer sind die Schichten 
vollkommen verdrückt; 200 Schritte weiter abwärts aber stehen die 
Platten wieder in h 5, 5° theils senkrecht, theils sehr steil gegen Süd; 
bei 550 m lagern sie in hı 6, 5° ebenfalls sehr steil nach Süden fallend 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 44 


330 Eberhard Fugger. [36] 


und unterhalb Tramweg an dem Kamme zwischen Schwarzenbach 
und Dambach, in derselben Höhe von 550 m, in h 3, 5° mit 55° Ein- 
fallen nach Nordwest. 

Die Aurach macht nach der Mündung der Wessenaurach eine 
srosse Krümmung gegen Ost um den Fuss des Ebenberges herum 
zwischen km 6'5 und 6'1 der neuen Strasse. Von km 6'1 abwärts 
bis km 6°0 steht am linken Ufer Flysch an in h 3, 5° mit 30° süd- 
östlichem Verflächen; nur etwa 20 m oberhalb km 6'0 tritt eine 
Schiehtenbiegung auf von wenigen Metern Ausdehnung, und dann 
folgt wieder die frühere Lagerung in h 3, 5° mit der gleichen Neigung 
von 30% gegen Südost. Bei km 5'3 bilden die Flyschplatten im Bache 
Schwellen in h 5, 10° mit 300 südlichem Verflächen, weiter hinaus 
bis gegen km 5'2 sieht man am rechten Ufer senkrechte oder fast 
senkrechte Schichten mit dem Streichen nach h 6, 5°; bei km 45, 
dann 43 und 40 beobachtet man an der Strasse das anstehende 
Flyschgestein, bei km 2°6 zeigt es die Lagerung in h 2, 5° mit 60° 
Fallen nach Südost. Weiter hinaus, in der Nähe von Valchau, 
liegt eine Moräne mit grossen Rollsteinen und undeutlichen Kritzen, 
welche in ihren unteren Partien theilweise schon in Conglomerat 
übergegangen ist. Am linken Bachufer, etwa 100m oberhalb der 
Brücke südlich vom Kufhäusl, bildet der Flysch an der Strasse 
eine Wand in h 5, 8° mit steilem südlichen Einfallen mit kleinen 
und grossen Chondriten, letztere theilweise in der Form von Hor- 
MmMOoSırda. 

Beim Weiterschreiten auf der neuen Strasse ist oben an der 
Zugleiten folgende Lagerung aufgedeckt: in circa 470 m Höhe 
steht Flysch an in h 3, 10° mit 40° Einfallen nach Südost; weiterhin 
lagert darüber Flyschschutt in der Mächtigkeit von mehreren Metern 
mit der Neigung gegen Nord und über demselben die Moräne. 
Dagegen steht unten bei der Dichtlmühle, etwa 5m über der 
Aurach, der Flysch wieder in h 6, 5° mit 70° Einfallen nach Süd. 
Am linken Ufer der Aurach zieht sich der Fiysch noch eine Strecke 
von fast 2:5 km fort bis in die Nähe von Sternberg gegenüber 
Preinsdorf und bildet hier den Tropberg und westlich von 
diesem den Kropfberg, an dessen Nordfusse nach Prinzinger!) 
dem Flysch hydraulische Kalke eingelagert sind. Am rechten Ufer 
der Aurach tritt der Flysch nur mehr an einzelnen Stellen als Unter- 
lage eines glacialen Conglomerats zu Tage; so an der Brücke unter- 
halb der Aumühle in h 6 mit 80° Einfallen nach Süd und deut- 
lichen Kegelwülsten an der Südseite. Etwa 20 m über dem Bache 
tritt das Conglomerat auf, welches man auch oben auf der Hochfläche 
an Strasseneinschnitten beobachten kann. Am linken Ufer, fast un- 
mittelbar östlich vom Gipfel des Tropberges, steht bei Roith Flysch 
an in h 4 mit 60° nördlichem Einfallen. 

Bei Sternberg zieht sich das glaciale Conglomerat auch am 
linken Ufer auf die Hochfläche hinauf, umlagert den Fuss der Flysch- 
hügel etwa bis in die Meereshöhe von 550 m und reicht hinüber ins 
Thal der Dürren Aurach. Bis in die Nähe der Eisenbahnstation 


‘) Hauer. Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. Wien 1857, XXV, Seite 290. 


” 


Ey. 


[37] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 531 


Aurachkirchen beobachtet man an beiden Ufern das Con- 
slomerat; bei letzterer dagegen liegt an ihrem Südende eine Moräne 
mit Kalken, Flyschstücken und anderen Gesteinen, von denen einige 
auch Kritzen zeigen. Von hier abwärts beobachtet man wieder an 
beiden Seiten des Thales die Conglomerate bis zur Scheidemühle. 
Gegenüber von Purndorf sind die tieferen Conglomeratbänke, welche 
schon fast in der Thalsohle liegen, kleinkörnig und sehr quarzreich 
und besitzen bereits viel Aehnlichkeit mit den echten tertiären Con- 
slomeraten. Auf der Höhe von Haffenberg treten glaciale Con- 
glomerate und Schotter auf, in den letzteren insbesondere zahlreiche 
Fiyschstückchen. Unten an der Aurach tritt unter dem Oonglomerat 
Schlier zu Tage !). Dieses Vorkommen lässt sich von dem Eisenbahn- 
wagen aus recht gut beobachten. Zwischen der Station Aurach- 
kirchen und der Haltestelle Wankham biegt die Aurach von der 
rechten Thalseite in einem grossen Bogen nach der linken Thalseite 
und fliesst dann eine längere Strecke am linkseitigen Gehänge hin, 
um sich wieder nach rechts zu wenden. Bald nach dieser Wendung 
übersetzt die Bahn vom rechten auf das linke Aurachufer und an 
dieser Stelle ist am linken Thalgehänge zwischen Haffenberg und 
Rieding der Schlier unter dem Conglomerat blossgelegt. 

Im Graben am Ostabhange des Geidenberges enthalten die 
Conglomerate viel Flyschbrocken, in seinen nördlichen Partien findet 
man nur glaciale Schotter. Beim Dorfe Wankham liegt auf den 
Schottern und in den Mulden desselben ein ausgebreitetes Lehm- 
lager; am rechten Aurachufer aber, an der Strasse zwischen Sicking, 
welches auf der Hochfläche, und der Haltestelle Wankham, 
welche unten im Thale liest, beobachtet man oben Schotter, dann 
Conglomerat und unter demselben, gerade an einer Biegung der 
Strasse, etwa 15—20 m über der Thalsohle, also eirea 425 m ü.d.M., 
eine cementirte Moräne, in welcher grosse und kleine Steine regel- 
los durcheinander liegen und welche unter einem Winkel von 15 bis 
20% gegen Norden geneigt ist. Gegenüber am linken Ufer der Aurach 
ist wieder auf eine kurze Strecke der Schlier als Liegendes auf- 
geschlossen. 

Von Wankham nordwärts erweitert sich das Thal und nach 
einem Laufe von 600— 700 m ergiesst sich die Aurach in die Ager. 


Die Traun. 


Die Traun, welche aus dem Kalkgebirge kommt, fliesst bei 
Ebensee in den Gmundener oder Traunsee, der von seinem 
Südende bis Traunkirchen eine mittlere Breite von etwa 1'5 km, 
von da bis gegen sein unteres (Nord-) Ende eine solche von 5 km 
besitzt. Seine Oberfläche liegt in 422 m Meereshöhe, sein Areal be- 
trägt nach J. Müllner?) 25:65 km?, die mittlere Tiefe 8975 m und 
die grösste Tiefe 191 m. Bis etwas unterhalb Traunkirchen ge- 


!) Penck und Brückner. Die Alpen im Eiszeitalter. Seite 207. , 
2) Penck u. Richter, Atlas der österr. Alpenseen. 1895. Lief. 1, Taf. I. 
44* 


332 Eberhard Fugger. [38] 


hört sein westliches Ufer dem Kalkgebirge an, während dieses am 
Ostufer noch 45 km weiter nach Norden vorgeschoben ist. Ausser 
den beiden Bächen, welche am Südende des Sees diesem ihre Wasser 
zuführen, mündet kein Gerinne von grösserer Bedeutung in den See, 

Von Winkel nächst der Eisenbahnhaltestelle Traunkirchen 
zieht sich eine weite Mulde bis an den Fuss des Kollmanns- 
berges nach Neukirchen im Aurachthale und an den Fuss des 
Grasberges. Die Mulde wird im Süden von den Gehängen des 
Kalkgebirges, dem Fusse des Fahrnaugupf und des Rabenstein 
begrenzt. Diese Gehänge sind etwa bis zur Meereshöhe 600 m mit 
Moräne bedeckt, nur in der Nähe von Winkel zieht sich am 
Wiesenbühl zwischen Kalk und Moräne ein schmaler Flyschzug 
von West nach Ost. Geht man im Graben des Mühlbaches, der 
sich ebenfalls von West nach Ost zieht, aufwärts, so trifft man 
überall blossliegende Moräne, bei Mitterndorf, bei der Kapelle 
(518 m), bei der Lindenmühle und Hoisenmühle — hier sah 
ich besonders schön gekritzte Geschiebe; innerhalb, d. h. westlich 
der Hoisenmühle sieht man bereits Flyschtrümmer im Bachbette. 
Innerhalb Holzer steht am Bache, etwa in 550 m Meereshöhe, auch 
am linken Ufer auf kurze Strecke Kalk an und weiterhin bei Neu- 
haus unterhalb Schindelmais befindet man sich in anstehendem 
Flysch und kaum 500 »m weiter aufwärts am Bache beginnt das 
Kalkgebirge. Dieser Flyschstreifen ist in directem Zusammenhange 
mit dem Kollmannsberge, einem kleinen Flyschstocke, dessen 
Gipfel die Meereshöhe 963 m besitzt und an dessen Ost- und Nord- 
fusse die Moränen bis nahe zur Isohypse 700 m reichen. Im Flysch- 
gebiete des Mühlbachthales tritt Kalktuff auf. 

Oberhalb Neuhaus an der Brandleiten-Ueberländ beob- 
achtet man eine Flyschbreccie mit Einschlüssen von scharfkantigen, 
bis zu 1000 cm? grossen Stücken Glimmerschiefer mit und ohne 
Granaten; ich habe diese Breceie in den Verhandlungen der k. k. 
geol. Reichsanstalt 1891, Seite 263, beschrieben. Sie scheint nicht 
bloss am Kollmannsberge, sondern auch an anderen Orten unseres 
Gebietes vorzukommen, denn sie ist in den Schottern, welche den 
Traunsee im Norden umschliessen, nicht gerade selten, wenn auch 
die darin enthaltenen Bestandtheile von bescheidenerem Umfange 
sind. Auch in der Gartenmauer des Schlosses Kammer am Atter- 
see ist ein grosses Stück Flyschbreccie eingemauert. Flyschbreccien 
mit kleinem Korne treten — wie schon erwähnt — bei der Oel- 
mühle im Irrseethale und im Thale der Wessenaurach auf. In 
der Nähe der Breccie des Kollmannsberges findet man auch eine 
mächtige Einlagerung von schwarzem Thonschiefer im Flysch. 

Bei Unterberg, Oerach, Weiberdorf und vielen anderen 
Punkten ist die Moräne aufgeschlossen. Ein wohlerhaltener Moränen- 
wall zieht sich in einem schwachen Bogen südlich der Ortschaft 
Viehtau hin und zeigt in einer grossen Schottergrube eine reiche 
Menge ausserordentlich schön gekritzter Kalke. 

Am Fusse des Grasberges, dort, wo die Strasse Neu- 
kirehen— Gmunden die Eisenbahnlinie überschreitet, ist eben- 
falls die Moräne blossgelegt; diese zieht sich am Westufer des Sees 


[39] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 333 


hin bis Gmunden. Wie schon früher erwähnt, steht auch Neu- 
kirchen, der westlichste Ort der grossen Mulde, auf einer Moräne, 
Wandert man von Neukirchen auf den Grasberg, so beobachtet 
man am Südgehänge überall Moränenmaterial; in 670 m Höhe ist 
eine Moräne aufgeschlossen, bei Pautner (727 m) ist die Moräne, 
in der man viele gekritzte Steine sieht, theilweise conglomerirt, bei 
Oelberg (7153 m) und Miedlhag (674 m) sind Moränen, bei 
letzterem Hause steht auch ein Conglomerat an. Von hier abwärts 
gegen Ebenzweier hin ist in 580 m Höhe eine Moräne offen. 


Fig. 6. 


Der Steinbruch des Herrn Leopold Nussbaumer in Pinsdorf. 


Der Grasberg ist also bis auf seine Hochfläche hinauf mit Moränen- 
material bedeckt, dasselbe reicht aber nicht hinab ins Aurachthal. 
An der Strasse von Ebenzweier zur Reindlmühle beobachtet man 
ebenfalls seeseits bis zur Wasserscheide (630 m) hinauf überall 
Moräne, nur an einer Stelle, in 575 m Höhe, sah ich den Flysch 
aus der Moräne hervorragen. 

Weiter gegen Norden hin zeigt das steile Gehänge des 
Gmundner Berges wiederholt den Flysch entblösst; die Moräne 
reicht am östlichen Gehänge des Berges beim Oalvarienberge 


334 Eberhard Fugger. [40] 


von Altmünster kaum noch bis 600 m, der Calvarienberg selbst be- 
steht aus Flysch, welcher beim Bau der Kronprinz Rudolf-Bahn an- 
geschnitten wurde und eine reiche Ausbeute an verschiedenen Arten 
von Chondriten und anderen Petrefacten gewährte. Die Moräne 
senkt sich immer tiefer, je weiter wir nordwärts vorschreiten, und 
geht beim Steinbichlin der Nähe des Staatsbahnhofes von Gmunden 
nur wenig über 5lO m am Gehänge hinauf. Beim Mayr im Berg 
am Gmundner Berge fand ich die Schichtung der Flyschgesteine in 
h 6 mit sehr steilem Einfallen nach Nord, im Steinbruche am Pins- 
dorfer Berge in h 6, 10° mit 55° südlichem Verflächen. 


Fig. 7. 


In diesem eben genannten Pinsdorfer Steinbruche (Fig. 6), dessen 
Abbildung der Nr. 48 der „Salzkammergut-Zeitung* von 1903 ent- 
nommen ist, findet man in den Mergeln Chondrites Targionii Drongn., 
Ch. intricatus Brongn. und Ch. affinis Sternb., letzteren häufig in der 
Form von Hormosira moniliformis Heer; in den Sandsteinen, welche 
dermalen (September 1903) in besonderer Mächtigkeit aufgeschlossen 
sind, finden sich Thongallen und Kohlensplitter, auf der Unterseite der 
Sehichttlächen zeigen sich die verschiedenartigsten Bildungen von der 
Art, welche Th. Fuchs als Fliesswülste bezeichnet und in seinen 


Fig. 8. 


„Studien über Fucoiden und Hieroglyphen“* (Denkschr. der kais. Akad. 
der Wiss., Wien 1895) auf Tafel I und II abbildet. Die Bildungen zeigen 
sich bier in den abenteuerlichsten Formen und werden von den Be- 
suchern des Steinbruches auch auf das Abenteuerlichste gedeutet. 
Hierher gehören auch die grossen parallelen Erhabenheiten von der 
Form dicker Stäbe, welche die Franzosen als Laminarites bezeichnen. 
Ferner finden sich Formen, welche Aehnlichkeit mit einem sich 
windenden Wurme besitzen (Fig. 7) und an die Münsteria bicornis 
erinnern, welche Heer in seiner „Flora fossilis Helvetiae* auf 
Tafel LXVI, Fig. 2, abgebildet hat, nur mit dem Unterschiede, dass 


[41] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 335 


die Form nicht an den Enden aufgerollt und in der Mitte nicht so 
scharf gebogen ist. Diese wurmförmigen Dinge sind körperlich er- 
haben, besitzen eine Länge von 30—40 cm, eine Breite von bei- 
läufig 2 und eine Dicke von etwa l cm. Auf einzelnen Platten er- 
scheinen diese wurmförmigen Körper (Fig. 5) sogar dreitheilig. 

Geradezu zu einer gewissen Berühmtheit gelangte aber dieser 
Steinbruch, als irn Sommer 1903 Platten mit Erhabenheiten aufgedeckt 
wurden, deren Formen auf Tafel XIV abgebildet sind, theils nach 
Photographien, welche mir der Besitzer des Steinbruches, Herr 
Leopold Nussbaumer, zur Verfügung gestellt hat, theils nach einer 
Abbildung in Nr. 34 der „Salzkammergut-Zeitung“ von 1903. Das 
Ganze würde den Eindruck einer Wirbelsäule machen, wenn die 
scheinbaren Wirbelfortsätze gegenständig und nicht wie hier wechsel- 
ständig wären. Bis Ende August 1903 wurden vier grosse Platten auf- 
gedeckt, auf welchen die fragliche Figur in der Länge von je Im zu 
sehen ist; mehrere Platten mit Bruchstücken dieser Bildung waren 
schon früher gefunden worden. Jeder Wirbelfortsatz -— wenn ich die 
seitlichen Wülste vorläufig so nennen darf — ist etwa 7 cm lang und 
tritt einige (2—4) Centimeter aus der Platte heraus; die Breite beträgt 
2—3 cm. Auf einer Platte zeigt diese Wirbelsäule sogar einen Fort- 
satz von ungefähr 15 cm Länge, der als Schwanz gedeutet werden 
könnte. Diese eigenthümlichen Figuren wurden von mehreren Theil- 
nehmern der Penck’schen Excursion, welche nach dem Wiener 
Geologen-Congresse Gmunden berührte, besichtigt und Prof. Deperet 
von Lyon erkannte in ihnen eine Form, die auch im südlichen Frank- 
reich, allerdings in einer älteren Formation, vorkommt und welche er 
Bilobites nannte. Er erklärte die Figur als die Spur, beziehungsweise 
den Abdruck der Unterseite einer grossen Ürustacee, die scheinbaren 
Wirbelfortsätze längs der gemeinsamen Mittellinie seien die Spuren 
der zahlreichen kleinen Füsse eines Krebsthieres. 

Wie schon erwähnt, befinden sich die Erhabenheiten auf der 
Unterseite der Sandsteinschicht, und zwar derjenigen Schicht, welche 
in der Abbildung des Steinbruches (Fig. 6) mit einem Kreuze be- 
zeichnet ist, das unmittelbare Liegende ist eine dünne Schicht eines 
glimmerhaltigen Mergels. Als der letztere noch weicher Schlamm war, 
lag das Krebsthier auf demselben und erzeugte den vertieften Ab- 
druck; das Thier ging zu Grunde, der Schlamm wurde zu festem 
Mergel und in die vorhandene, allerdings undeutlich gewordene Ver- 
tiefung setzte sich nach und nach die sandige Masse ab, die allmälig 
in Sandstein überging und nun die Ausfüllung des negativen Ab- 
druckes zeigt. 

Die eben gegebene Erklärung der Figur als Krebsspur scheint 
mir von all den zahlreichen Ansichten, die über das Wesen derselben 
von den verschiedensten Seiten aufgestellt wurden, die weitaus 
plausibelste zu sein. 

Ich möchte hier daran erinnern. dass ich in meiner Abhandlung 
über „das Salzburger Vorland“ auf Seite 321 und 322 „eine Anein- 
anderreihung von erhabenen Knollen derart, dass das Ganze einem 
Stück einer Wirbelsäule nicht unähnlich sieht“, aus dem Steinbruche 


336 Eberhard Fugger. [42] 


von Muntigl erwähnte. Dieses Stück gleicht vollkommen dem Bilobites 
von Pinsdorf, nur ist es bloss ein Bruchstück eines solchen. 

Am östlichen Ufer des Traunsees reicht das Kalkgebirge bedeutend 
weiter gegen Norden als am westlichen; dabei sind die Kalkwände 
sehr steil und fallen ebenso steil in den See ab, dass an dieser Seite 
kein Weg vom Nord- bis zum Südende des Sees führt. Im sogenannten 
Gschliefgraben, nahe der Dampfschifflandungsstelle Hoisen, 
liegt die Grenze zwischen Kalk- und Flyschgebirge. Dieser Graben, 
der sich beiläufig von Ost nach West zieht, hat eine Länge von etwas 


ur Fig. 9, 
en 
1004 
Grünberg c 
- 937 } 
500 Hochgschilrr Bo H 


ni Radrmoos 
E 89867 
kirche 2 
E \ 


un ons 


MS RE 


Der Gschliefgraden 
Maßstab: 1:25.000. 
F = Flysch. — N = Nierenthaler Mergel. — E —= Nummulitenschichten. 


mehr als 2 km; er beginnt (Fig. 9) beim Radmoos (867 m) und 
mündet in den See, dessen Oberfläche in 422 m Meereshöhe liegt; 
das Gefälle ist sohin 445 m gleich eirca 20 Procent. Die Weite des 
Grabens beträgt in dessen oberen Partien mehr als 1 km, in den 
unteren immerhin noch 500 m. Die nördliche Begrenzung desselben 
bildet das Hochgsehirr mit dem Dürnberg, Berge, die dem 
Flysch angehören, die südliche Begrenzung eine steile Wand des 
Traunstein, bestehend aus einem grauen, fast schwarzen plattigen 
Kalk mit steil aufgerichteten Schichten. 


[43] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee, 337 


Am östlichen Gehänge des Hocheschirr, an der Strasse, die 
von Gmunden her über Radmoos gegen den Laudachsee hinführt, 
in 885 m Meereshöhe, lässt sich die Lagerung der Flyschschichten 
deutlich bestimmen; sie ist in h 7, 5° mit 35° Einfallen nach Süd- 
südwest. Steigt man vom Jagdhaus am Hochgschirr in den Graben 
ein, so sieht man, dass dieser in seinen obersten Partien aus drei 
zum Theil parallelen Hauptgräben besteht, einem nördlichen (D), 
mittleren (II) und südlichen (III). Am Hochgschirr steht nicht blos 
am Ost-, sondern auch noch am Südgehänge Flysch an; im nörd- 
lichen Arın des Gschliefgrabens beobachtet man überall die Nieren- 
thaler Mergel theils roth, theils grau gefärbt. Im mittleren Graben 
in etwa 850 m Höhe befindet sich die sogenannte Rothe Kirche. 
Es ist dies ein Fels, welcher ungefähr 14 m hoch aus dem Schutt- 
boden des Grabens hervorragt (Fig. 10). In seinem oberen Theile «a 
besteht er aus meist rostbraun oder rostroth verwittertem Nummu- 
litenkalk, welcher reich an Petrefacten und ungeschichtet ist; der 


Fig. 10. 


untere Theil c ist ein grauer, leicht verwitternder Sandstein, welcher 
ebenfalls Versteinerungen der Nummulitenformation, wenn auch in 
geringerer Menge führt und etwa 5 m hoch aufgeschlossen ist. Die 
Zwischenlagen 5b, welche deutlich geschichtet sind und eine Gesammt- 
mächtigkeit von 5 m besitzen, werden aus Wechsellagerungen der 
Gesteine «a und ce gebildet. Die Lagerung ist in h 7, 5° mit einem 
mittleren Einfallen von etwa 50° gegen Südsüdwest. Der Fuss der 
Rothen Kirche ist allenthalben von Schutt umgeben. Der südliche 
Graben zeigt nur Schutt in der Höhe über 800 m, und zwar von 
Nummulitenkalk und - Sandstein, alten Kalken, Conglomeraten und 
Breccien. In 805 m Höhe ist am linken Ufer des mittleren Grabens 
ein glaciales Conglomerat anstehend. 


Auf dem Kamme zwischen dem mittleren und südlichen Graben 
lagert wieder der graue Nummulitensandstein, und zwar eine Bank 
von etwa 8 m Höhe, welche sich auf eine Länge von 40 m zwischen 
beiden Gräben von Nordost nach Südwest abwärts zieht; ihr oberes 


‚Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt. 1903, 53. Band, 2. Ileft (E. Fugger.) 45 


338 Eberhard Fugger. [44] 


Ende liegt in 760 m Meereshöhe, in 720 m Höhe etwa vereinigen 
sich die beiden Gräben. Tiefer herab ins Thal scheinen die an- 
stehenden Nummulitenschichten nicht zu gehen. 


In 695 m Höhe) stehen am Riedel zwischen dem nördlicheu 
und dem nunmehr mit dem mittleren vereinigten südlichen Graben 
nur Nierenthaler Mergel an in h 6, 5° mit 350 südlichem Verflächen; 
diese reichen an dem Riedel bis 600 m herab; von da an beobachtet 
man auf demselben nur mehr Flyschgestein anstehend. Im südlichen 
Bache selber, etwa 555 m ü. d. M., lagert Flysch in h 6 mit 40° süd- 
lichem Einfallen, darüber rothe und graue Nierenthaler Mergel, 
welche direct an den Kalk der das linke Ufer begrenzenden Steil- 
wand des Traunstein anstossen. An der Isohypse 500 m vereinigen 
sich auch der nördliche und südliche Bach und ist im Graben nur 
Schutt, und zwar vorzugsweise Flysch- und Kalkschutt, zu sehen. 


Fig. 11. 


Y 
OH 
KL 
L s | 
SL NS 
SSSIH 


Nord. " Süd. 


D = Diluvium und Alluvium. — E — Nummulitenschichten. — N = Nieren- 


thaler Schichten. — F = Filysch. — K = Alte Kalke. 


Aus den hier angeführten Beobachtungen ergibt sich das Profil 
für den Gschliefgraben (Fig. 11) als Vorlagerung oder Anlagerung 
an die Kalkwand K des Traunstein: Flyschgestein # als Liegendes, 
darüber Nierenthaler Mergel N und Nummulitenschichten # als Han- 
gendes, alle diese Schichten ganz oder theilweise bedeckt von glacialem 
Schutt, Gebirgsschutt und Breceien D. Durch dieses Profil ist aber 
gleichzeitig wieder bewiesen, dass der Flysch dieses Gebietes der 
Kreideformation angehört und auch hier so wie im Salzburger Vor- 
lande von Nierenthaler Kreidemergel und erst dieser wieder von 
Nummulitenschichten überlagert wird. Es ist dies allerdings nichts 
Neues mehr; G. A. Koch hat schon vor Jahren diese Thatsache für 
den Gschliefgraben festgestellt, aber da der Glaube an den eocänen 
Salzburger und Salzkammergut-Flysch noch immer nicht ganz erloschen 
ist, kann man diese Verhältnisse nicht oft genug hervorheben. 


[45] Die oberösterreichischen Veralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 339 


In den Nummulitenschichten des Gschliefgrabens wurden 


bisher nachbenannte Petrefacten gefunden ?): 


Opereulina Roysü d’Arch (C) und verschiedene 
andere Nummuliten. 
” Linthia irregularis (H). 
® spec. (H). 
Eupatagus spec. (H). 
Prenaster alpinus Desor (H). 
Conoclypus conoideus Ag. (C) und andere Seeigel. 
Serpula spirulaea Lam. (C). 
Terebratula Delbosi Leym. (C). 
5 spec. (C) 
Ichynchonella Bollensis Menegh. (C). 
Ostrea praerupta Schafh. (C). 
SB KON. 
Gastrochaena spec. (C). 
Spondylus spec. (C). 
Pecten spec. (Ö). 
Ranina Aldrovandi Münst. (H) 
Cancer spec. (H). 
Nautilus lingulatus Buch (H. C). 
2 spec. (H. C). 
Myliobates toliapieus Ag. (H). 
Fischwirbel, Lamna- und andere Fischzähne (CO). 
Ferner Glauconitkörner und Bohnerze (H). 


Aus den Nierenthaler Schichten desselben Grabens kennt 


man bisher die folgenden Versteinerungen: 


Ananchytes ovatus Leske (H. M). 
Pyrina carinata Ag. (%) (H). 
Mieraster gibbus (?) (H). 
* testudinarum (M). 
. cor anguinum Lam. (Ö). 
Holaster spec. (M). 
Infulaster excentrieus (M). 
Cidaris coronata Goldf. (C). 
Spatangus spec. (C). 
Diplopodea (H). 
Gryphaea spec. (CO). 
Inoceramus Cripsi Mant. (M). 
; cf. Cwvieri Zitt. (M). 
” spec. (Ö). 
Pecten spec. (C). 


!) Die in Klammern beigefügten Buchstaben beziehen sich auf die ersten 


Angaben über das Vorkommen, und zwar: 


C —= Exemplare im Linzer Museum vorhanden und Commenda, Materi- 


alien zur Gceognosie Oberösterreichs. Linz 1900. 


H — Hauer, Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt. Wien 1858. - 
M = Mojsisovies. Verhandl. der k. k. geol. Reichsanstalt. Wien 1868. 


45* 


340 Eberhard Fugger. [46] 


Panopaea spec. (CO). 

Omphalia conica Zek. (C). 
Nerinea spec. (C). 

Cerithium Haidingeri Zek. (C). 
Belemnitella mucronata Orb. (©). 
Baculites spec. (M). 

Hamites spec. (M). 

Scaphites spec. (M) und 

einige Ammoniten (M. O). 


Die Nierenthaler und Nummulitenschichten des Gschliefgrabens 
werden zuerst von Lill v. Lilienbach im I. Bande von Leon- 
hard und Bronn, Jahrb. f. Min., Geogn., Geologie und Petrefacten- 
kunde 1830 auf Seite 195, dann Seite 198—199 besprochen. Später 
wurde der Graben von Simony und von Lipold wieder untersucht, 
1854 waren Ehrlich und Hauer an der Stelle (Jahrbuch der 
k. k. geol. Reichsanstalt 1854, Sitzungsber. S. 879, und 1858, S. 116; 
Ehrlich, Nordöstliche Alpen, 1850, S. 24). In den Verhandlungen 
der k. k. geol. Reichsanstalt 1868, Seite 212—216, publicirten 
Mojsisovies und Schloenbach, in den Verhandlungen 1891, 
S. 38, Mojsisovics allein die Beobachtungsresultate über diese 
Localität. G. A. Koch gibt in dem Werke F. Krakowitzer's 
„Geschichte von Gmunden“ 1898, Bd. I, S. 44 ff., nach seinen ein- 
gehenden Studien eine vorzügliche zusammenfassende Darstellung 
über diesen Graben; und zwei Jahre später veröffentlichte Hans 
Commenda seine „Materialien zur Geognosie Oberösterreichs“, 
Linz 1900, in welcher er Alles zusammenstellte, was bis dahin in 
seologischer Beziehung über Oberösterreich und somit auch über den 
Gschliefgraben geschrieben wurde. 


Nordwärts vom Gschliefgraben steht der dem Flysch angehörige 
Grünberg, dessen höchster Punkt 1004 m ü. d. M. liegt; ein von 
dieser Spitze gegen Osten abzweigender Kamm trägt das Hoch- 
gschirr (99% m) und gegen den unteren Theil des Gschliefgrabens 
ist die Kuppe des Dürnberges (700 m) vorgelagert. Der Abhang 
des Grünberges gegen den See zeigt nur Flysch und Flyschschutt, 
am Nordwest- und Nordgehänge reicht Moräne und Schottermaterial 
bis ungefähr zur Isohypse 500 m. Im Wenibach, einem link- 
seitigen Zuflusse des Wasserlosen Baches, beobachtet man in 
555 m Höhe die Lagerung des Flysch in h 8, 5° mit 30° Verflächen 
nach Südwest. Weiterhin im Wasserlosen Bache selbst steht Flysch 
in 525 m Höhe in h 6, 5° mit sehr steilem südlichen Einfallen, bei 
540 m in h 6 mit 70° Fallen nach Nord und bei 560 m in h 6, 5° 
mit 50° südlichem Einfallen. Im Tuffgraben am westlichen Ab- 
hange des Grünberges gegen den Höllgraben hin tritt Kalktuff auf). 

Das westliche Ufer des Traunsees von der Eisenbahnhaltestelle 
Traunkirchen abwärts sowie das Nordufer des Sees ist von Moränen 
der letzten Eiszeit bedeckt, welche noch deutlich die Moränenober- 


1) Koch, 1.0. 8.53 


[47] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee, 311 


ftlächenform zeigen !). In und bei Gmunden selbst lassen sich zwei 
Reihen von Erdmoränen verfolgen; der inneren gehört der Kogl 
und der Gmundner Calvarienberg sowie der Hügel an, auf welchem 
das Schloss der Königin von Hannover erbaut ist. Alle diese Hügel 
erreichen eine Höhe von. ungefähr 500 m ü. d. M. oder circa 80 m 
über dem heutigen Seespiegel. Am Südabhange des Kogl tritt eine 
Flyschbank zu Tage. Diese Bank, welche geschichtet ist und südliche 
Fallrichtung besitzt, war nach den Mittheilungen des Herrn Prof. 
G. A. Koch vor Herstellung der dort befindlichen Strasse auf eine 
Strecke von mehr als 30 m blossgelegt; der grösste Theil derselben 
wurde wegen des Strassenbaues weggesprengt, der übrig gebliebene 
Rest von einigen Kubikmetern bleibt aber erhalten und wurde von 
der Stadtgemeinde Gmunden mit einem Zaun umgeben, 

Die äussere Reihe der Endmoränen bildet der langgestreckte 
Hügel, an dessen nordwestlichem Fusse der Staatsbahnhotf liegt, dann 
in dessen Fortsetzung die einzelnen Erhebungen, welche in einem 
weiten Bogen bis zum Tastlberg am rechten Traunufer hinziehen. 
Diese Moränenwälle sind von aussen von einem mächtigen Schotter- 
sebiete umgeben, welches sich ebenfalls in einem Bogen von Pins- 
dorf bis an den Fuss des Grünberges südöstlich der Haltestelle 
Engelhof der Eisenbahnlinie Lambach— Gmunden erstreckt. Die 
Schotter dieses Gebietes sind häufig in Conglomerat umgewandelt. 
So tritt südlich von Buchen unter dem Lehm stellenweise festes 
Conglomerat in Bänken mit viel Quarzstücken und hornblendereichen 
Gesteinen hervor. Hinter und über der kleinen Ortschaft Buchen 
aber tritt wieder Flysch zu Tage, welcher einen kleinen Hügel bildet 
und meist verwittert und in Lehm umgewandelt erscheint ?). 

Durch das Moränen- und Schotterterrain ziehen sich ausser der 
heutigen Traun vier Thalrinnen, deren Ränder durch fluviale Ab- 
lagerungen charakterisirt sind und welche alle von einem bestimmten 
Höhenpunkte an ein Gefälle gegen die heutige Traun zeigen. Link- 
seitig der Traun lassen sich drei solcher Rinnen unterscheiden mit 
der Richtung von Südwest nach Nordost; auf dem rechten Traunufer 
eine mit der Richtung von Süd nach Nord, also parallel der Traun. 
Die westlichste beginnt 64 m über dem See bei Pinsdorf und 
mündet unterhalb Kleinreith in die Traun; die zweite, zur ersten 
parallel, beginnt 52 m über dem See beim Staatsbahnhof und 
mündet bei Altmühl; am rechten Traunufer senkt sich eine Rinne 
von der Bahnstation Engelhof, welche ebenfalls 52 m über dem See 


!) E. v. Mojsisovics. Bemerkungen über den alten Gletscher des Traun- 
thales. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1868, 5. 307—310. 

Koch. Die geol. Verhältnisse der Umgebung von Gmunden. In Krako- 
witzer’s Geschichte der Stadt Gmunden. 1898. Bd. I, S. 31-56. 

Commenda. Materialien zur Geognosie Oberösterreichs. Linz 1900. 

Lorenz- Liburnau. Materialien za einer Morphogenie der Schotterhügel 
und Terrassen am Nordende des Gmundner Sees. Mitth. der geogr. Gesellschaft. 
Wien 1902, S. 54—109. 

Peuck und Brückner. Die Alpen im Eiszeitalter. S. 205 ft. 
5 art und Richter. Führer zur Glacialexcursion in die Ostalpen. 1903. 
8. 33 1. 

2) Lorenz-Liburnau, |. c. S. 63. 


349 Eberhard Fugger. [48] 


liegt, nordwärts, und endlich die vierte Rinne zieht sich zwischen 
dem äusseren und inneren Moränengürtel den Nordwestfuss des Kogl 
und Gmundner Calvarienberges entlang von einem Punkte 38 ın 
über dem See mit einem Gefälle von 0'8 Procent gegen die Traun 
hinab. Gerade in dieser Rinne sind, beim Friedhofe, die fluvialen 
Ablagerungen, theils die Moränen überlagernd, theils in dieselben 
hineingepresst, deutlich aufgeschlossen. 

Diese vier Rinnen bezeichnen die alten Wege des Seeabflusses, 
welche bestanden, bevor sich die Traun ihr heutiges Bett ausge- 
waschen hatte }). 

Nachdem die Moränen, welche den Nordrand des Traunsees um- 
spannen, in eine Höhe bis zu 80 m über den See reichen, ergibt sich 
von selbst, dass der heutige Abfluss desselben tief in die vorliegenden 
(Gesteinsmassen eingeschnitten sein muss; und in der That bildet das 
Traunthal eine Furche von bedeutender Tiefe. Die Ufer des Flusses 
zeigen, wo sie nicht mit Vegetation bedeckt sind, meist glaciale Ab- 
lagerungen. Schon 400 m nördlich der Gmundener Traunbrücke, 
unterhalb der Actienbrauerei, sieht man Conglomerate anstehen, An- 
fangs undeutlich geschichtet, mit flachem Einfallen, welches zwischen 
Nordwest und Nordost wechselt, weiter stromabwärts meist horizontal. 
Ueber dem Conglomerat lagert die Moräne. Bei Theresienthal 
findet man in dieser auf der Höhe meist undeutlich gekritzte Kalke 
mit wenig Flyschstücken. 

Etwas unterhalb Theresienthal mündet am rechten Traunufer 
der Wasserlose Bach. Dieser entspringt im Flyschgebirge zwischen 
Flohberg und Grünberg etwas unterhalb der kleinen moränen- 
bedeckten Hochfläche von Stockhammer (in der Generalstabskarte 
steht irrthümlich Stockmauer), tritt, nachdem er den Wenibach 
aufgenommen, ins Schotterterrain und hat sich in diesem eine Furche 
ausgewaschen, welche stellenweise bis auf den liegenden Flysch hinab- 
reicht. Am rechten Ufer dieses Baches befinden sich dort, wo die 
Strasse, die von Gmunden nach Lambach führt, denselben übersetzt, 
eine sehr grosse und einige kleine Schottergruben, auf deren Roll- 
steinen ich trotz langen und intensiven Suchens keine Spur von 
Kritzen fand. 

Gegenüber der Mündung des Wasserlosen Baches streicht eine 
Flyschbank in h 5, 7° durch die Traun, ihr Fallen war wegen zu hohen 
Wasserstandes unbestimmbar. Dieser Punkt befindet sich 175 Schritte 
oberhalb der am Ufer aufgestellten Kilometersäule 47°4. Weiter strom- 
abwärts, und zwar 180 Schritte unterhalb km 474, steht am linken 
Ufer Flyschsandstein an in h 7, 8° mit 50° südlichem Einfallen, 
weiterhin treten Mergel auf, welche mit Sandsteinen wechseln; die 
Sandsteine sieht man theilweise auch im Flusse selbst anstehend. 
Auch am rechten Ufer trifft man anstehenden Flysch, welcher fast 
bis auf die Höhe des Thalgehänges hinaufreicht. Dieses Flyschvor- 
kommen erstreckt sich bis 185 Schritte unterhalb km 47°6, ist sohin 
hier mit geringen Unterbrechungen auf eine Strecke von 200 m auf- 
geschlossen. 


) Lorenz-Liburnau, |. c. 


[49] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 343 


Weiterhin ist wieder nur Schotter zu sehen. Bei der Ham- 
stockmühle in der Nähe von Kagerbauer am rechten Traun- 
ufer beobachtet man oben an der Strasse eine Moräne mit gekritzten 
Steinen, darunter geschichteten, theilweise cementirten Schotter; der- 
selbe Aufschluss zeigt sich gegenüber am linken Ufer. Oberhalb der 
Kainzmühle lagert ebenfalls oben Meräne mit Kalken und wenig 
Flyschtrümmern, während darunter geschichtete Schotter auftreten. 
Unterhalb der genannten Mühle, gegenüber der Radlmühle, steht 
Flysch an, wie es scheint, wieder auf eine Strecke von etwa 200 m. 
Ebenso findet man anstehenden Flysch in dem Graben, welcher von 
Unterthalhaın herabführt und unterhalb der Kainzmühle in die 
Traun mündet. Oben im Graben stehen die Schichten senkrecht in 
h 6, der Flysch reicht hier etwa 40 m über das Niveau des Flusses 
empor; weiter abwärts fallen die Schichten steil nach Süd und nahe 
am unteren Ende des Grabens flach gegen Südost und Nordwest. 

Westsüdwestlich von diesem Graben erhebt sich zwischen Ohls- 
dorf im Norden und Ehrendorf im Süden ein bewaldeter Hügel 
bis zu 558 m Nleereshöhe; dieser zeigt am oberen Theile seines 
Südgehänges bankförmige Conglomerate und nahe dem Gipfel kalk- 
mergelige, ziemlich feste Schichten von Flysch, welche nach Süden 
fallen und offenbar mit den Flyschschichten des vorhergenannten Thal- 
hamer Grabens in Verbindung stehen. An seinem Nordwestgehänge 
liegt Moräne; auf dem Hügel sowie nahe der Mündung des Thal- 
hamer Grabens tritt Kalktuff auf. 

Etwa zwei- bis dreihundert Schritte unterhalb der Mündung 
des Thalhamer Grabens ergiesst sich der Ohlsdorfer Bach in 
die Traun. In der Sohle dieses Grabens trifft man, kaum 10 ın über 
der Traun, anstehende Flyschmergel und -Sandsteine, deren Schichtung 
hier jedoch nicht messbar ist. Wenige Meter höher liegt — eben- 
falls im Bachbette — ein loser Block von 4—5 m? Grösse des gelb- 
lich weissen petrefactenreichen Kalkes, den schon Prinzinger bei 
seinen Aufnahmen im Jahre 1852, und zwar anstehend, sah und den 
er als reich an Quarzkörnern und als nummulitenführend bezeichnet. 
„Schichtung war nicht mit Bestimmtheit zu erkennen, doch schien 
das Gebilde nach Süden zu fallen.*!) Etwa 25 m über der Traun 
steht an beiden Ufern Flyschsandstein, noch 20 ın weiter oben lässt 
sich seine Streichrichtung bestimmen, sie wendet sich hier von h 12 
mit 30° östlichem Einfallen in h 3 mit gleich grosser Neigung nach 
Südost. Weiter hinauf im Graben lagert Conglomerat und darüber 
Moräne in einer Gesammtmächtigkeit von etwa 25—30 m. 

Sowohl von Koch (Die geol. Verhältnisse der Umgebung ven 
Gmunden, 1898, Sep.-Abdr. S. 6) als auch von Penck (Die Alpen 
im. Eiszeitalter, 1902, S. 208) wird das Vorhandensein der eocänen 
Schichten am linken Traunufer bei Ohlsdorf noch in jüngster Zeit 
angeführt, wobei speciell Penck von den Moränen östlich von Ohls- 
dorf schreibt: „Sie bilden eine bedeutende Plaike, darunter erheben 
sich Nummulitenschichten 40-50 n über die Traun.“ Da ich im 
Bachbette selbst das anstehende Eocän nicht fand, beging ich den 


‘) llauer. Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt, Bd. IX, 1858, S. 116. 


344 Eberhard Fugger. [50] 


Graben etwa in halber Uferhöhe am Fusse der Plaiken, zuerst an 
seiner linken, dann an der rechten Seite. Ich stieg am Gehänge 
bald auf-, bald abwärts, aber ich konnte nichts finden, als entweder 
dieht verwachsenes Gebüsch oder Plaiken. Letztere stammen von 
den Moränen, welche die Höhen bedecken — sie enthalten gekritzte 
Kalke und Flyschstücke; unter der Moräne beobachtet man hie und 
da ziemlich kleinkörniges Conglomerat. Die Plaiken enthalten ausser 
dem Moränenmaterial auch Conglomeratstücke und Flyschblöcke. 
Am rechtseitigen Gehänge führte in früheren Jahren etwa in halber 
Höhe über der Bachsohle ein Fahrweg nach Ohlsdorf hinauf; der- 
selbe ist in seinen unteren Partien auch heute (Herbst 1903) noch 
zu sehen; weiterhin geht er in einen schmalen Fusssteig über und 
endet schliesslich in der Plaike. Von anstehenden Nummuliten- 
schichten konnte ich nichts entdecken; entweder fand ich die richtige 
Stelle nicht oder dieselbe ist bereits von den fortwährend abgehen- 
den Plaiken überdeckt. Dass sie seinerzeit sichtbar waren, beweisen 
nicht blos die Angaben von Prinzinger, Koch und Penck, 
sondern auch der von mir aufgefundene lose Kalkblock. 

Bei km 50'8, 70 Schritte unterhalb der Mündung des Ohlsdorfer 
Grabens, steht in der Traun bereits wieder Conglomerat an und 
wenig weiterhin tritt auf kurze Strecke unter dem Conglomerat der 
Schlier zu Tage. 

Nördlich von Ohlsdorf, zwischen diesem und der Ortschaft 
Peiskam, zieht sich der Teufelgraben zur Traun hinab; auch 
dieser zeigt in seiner oberen Hälfte Moränen mit zahlreichen grossen 
Findlingsblöcken, dann unten Conglomeratwände; das Liegende der- 
selben ist nicht aufgeschlossen. 

Gegenüber der Mündung des Ohlsdorfer Grabens liegt am 
rechten Traunufer der eocäne Fundort beim Gütlbauer nächst 
Oberweis. Die erste Nachricht über dieses Vorkommen findet sich 
von Morlot 1847 in Haidinger’s Berichten Bd. II, S. 225, 
weitere dann von Zeuschner ibid. Bd. III, S. 64 u. 65, Ehrlich 
1849 ibid. Bd. V, S. 80 u. 81, ferner 1850 in seinen „Nordöstlichen 
Alpen“ S. 21 und 1852 in den „Geognostischen Wanderungen“ S. 68, 
von Hauer 1858 im Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt Bd. IX, 
S. 116, von Koch 1898 (Geolog. Verhältnisse der Umgebung von 
Gmunden. Sep.-Abdr. 8. 6) und von Commenda 1900 in seinen 
„Materialien zur Geognosie Oberösterreichs“ S. 142, 235 und 236. 
Schon im Jahre 1849 sprieht Ehrlich nur mehr von einem „an- 
stehenden Block“ eines grauen mergeligen Sandsteines, der voll von 
Nummuliten und anderen eocänen Versteinerungen war, „aber in jüngster 
Zeit weggesprengt wurde“. Der Sandstein war horizontal geschichtet, 
trat unter dem älteren Diluvialconglomerat zu Tage und stiess gegen 
den Flysch ab, der einen steilen Einfallswinkel nach Süd zeigte. 

Als ich den Punkt im September 1901 besuchte, konnte ich 
nach längerem Suchen an einer halbverwachsenen Stelle am Traun- 
ufer unterhalb des Gütlbauers noch einzelne Reste dieses Nummuliten- 
sandsteines auffinden; es war gerade noch zu erkennen, dass hier 
vor Jahren Steine gebrochen wurden. 

Nachstehend die Liste der Petrefacten, welche an dieser Stelle 


u Gr ren an u, 


[51] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 345 


seinerzeit gefunden wurden. Der eingeklammerte Buchstabe bezieht 
sich auf die Angabe von (H) Hauer, Jahrb. der K. k. geol. Reichs- 
anstalt IX, S. 116, und (C) auf die freundlichen Mittheilungen des Herrn 
Directors Commenda über die Fundstücke, die im Linzer Museum 
aufbewahrt werden. 


Nummuliten (C). 
Hemiaster verticalis Ag. (H). 
Echinolampas subsimilis (H). 
Macropneustes pulvinatus Ag. (H. C). 
Conoclypus conoideus Ag. (CO). 
Spatangus spec. (C) 
Olypeaster spec. (C). 
Serpuia spirulaea Lam. (H). 
»„ . nummularia (C). 
h quadricarinata Leym. (C). 
Terebratula spec. (H. C). 
Ostrea rarilamella Desh. (C). 
Bee. (1,0): 
Teredo Tournali Leym. (C). 
Marginella spec. (C). 
Cancer hispidiformis H. v. Mey. (H. C). 
„  pwunctatus (Haidinger, Ber. üb. Mitth. 
der Freunde des Naturw. Ver., S. 84). 
Fischzähne (H). 


Neben dem Nummulitenblocke fand Morlot seinerzeit in einer 
Lage „feiner Pfeifenerde“ einen Granitblock. 

Von Aurachkirchen ostwärts bis Hafenberg zieht sich 
eine ebene Schotterfläche hin, östlich von letzterem Orte beginnt die 
Moräne und reicht bis an die Traun. In nächster Nähe von Hafen- 
berg, am Wege nach Ohlsdorf, ist sie bei dem Punkte 502 der 
Generalstabskarte im Maßstabe 1:25.000 in einer Grube aufgeschlossen. 
Ich sah daselbst ausser gekritzten Kalken junge Conglomerate, Flysch- 
sandsteine und Flyschbrecceien, Glimmerschiefer, besonders quarzreiche 
Glimmerschiefer, Gneiss und Quarze. Am linken Ufer der Traun reicht 
die Moräne nur mehr bis nach Ruhsam, einem Orte, 1 km nördlich 
von Öhlsdorf. 

Die Ebene von Oberweis bis über Laakirchen hinab am 
rechten Ufer und der grösste Theil des ziemlich ebenen Terrains 
am linken Traunufer westlich von Laakirchen und Steyrermühl 
bis hinüber zum Aurachthale zeigt durchaus Schotter, unter welchem 
an einzelnen Stellen Conglomerat zu Tage tritt. Diesen Schotter 
trifft man überall in dem genannten Gebiete, bei Brückl, Unter- 
und Obertraunfeld, Matzingthal; bei Laakirchen ist der- 
selbe 20—25 m tief und darunter beginnt das Conglomerat. Bei 
Ehrenfeld am linken Ufer, im Friedholz, bei Aichlham, 
OÖberhaidach und Sicking tritt überall der Schotter auf; im 
Haselholz kommt an mehreren Stellen unter demselben das Üon- 
glomerat an die Oberfläche. Bei Steyrermühl an der Brücke 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. (E. Fugger.) 46 


346 Eberhard Fugger. [52] 


beobachtet man am linken Ufer horizontal geschichtetes Conglomerat 
mit Zwischenlagen von Sand und lockerem Sandstein, darüber den 
Schotter, ebenfalls meist geschichtet. Koch fand in einem Schotter- 
abbau unweit Steyrermühl bis zu 20 Procent exotische, d. h. Urgebirgs- 
gesteine, während Lorenz bei Gmunden kaum 1 pro mille davon 
nachweisen konnte !). Im Schotter von Ehrenfeld sah ich vereinzelte 
Flyschstücke, in der Gegend vor ÖOberhaidach hie und da Quarz- 
rollsteine. 

Zwischen den Schottern, welche die Moränen von Gmunden 
an deren Nordseite umfassen, und den eben genannten Schottern der 
Ebene Laakirchen—Steyrermühl—Sicking erheben sich 
einzelne Hügel mit deutlichen Moränen, und auch an mehreren in 
der Ebene gelegenen Stellen zeigen sich Moränenreste. Diese Mo- 
ränen, welche sich ungefähr parallel zu den Endmoränen der Stadt 
Gmunden am linken Traunufer verfolgen lassen, an der Traun selbst 
eine Unterbrechung erleiden, sich aber nach Penck am rechten Ufer 
in einem weiten Bogen bis Gschwandt und an den Fuss des 
Flohberges fortsetzen, bilden zusammen den Rest einer älteren 
Endmoräne. 

Während am linken Traunufer zwischen Traun und Aurach 
gegen Norden hin nur mehr Schotter auftreten, zeigen sich am 
rechten Ufer, 400—800 m von der Traun entfernt, zwischen Eich- 
berg und Laakirchen Conglomeratwände, die in einigen Stein- 
brüchen ihre Zusammensetzung deutlich erkennen lassen. Zu unterst 
liegt ein hartes Conglomerat mit einzelnen Flyschbrocken, aber ohne 
Quarze, in eirca S—10 m Höhe über dem Boden ist eine Bank von 
0-5 m Mächtiekeit, welche Penck?) als eine Moräne bezeichnet, 
dann folgt wieder festes und zu oberst grobes und lockeres Conglo- 
merat, welches jedenfalls eine cementirte Moräne ist. Diese Moräne 
setzt sich nach Penck in einem Bogen gegen Südost bis Kirchham 
an der Laudach fort und ist ein Arm des äussersten und bisher 
ältesten Moränenwalles des Traungletschers. Die Fortsetzung des 
Walles am linken Traunufer ist durch die dort liegenden Schotter 
unterbrochen, doch glaubt Penck aus einzelnen erratischen Blöcken, 
welche er am Nordfusse des Kropf- und Tropberges aufgefunden 
hat, annehmen zu dürfen, dass diese zu dem äussersten Moränenwalle 
von Eiehberg gehören, eine Ansicht, die mit der geographischen 
Lage allerdings völlig übereinstimmt. 

Wir haben unter der Voraussetzung der Richtigkeit des eben 
Gesagten sohin als Umwallung 'des Traunsees eine innere Reihe von 
Endmoränen, welche der letzten Eiszeit angehören, dann einen Kranz 
von interglacialen Schottern; weiterhin den Endmoränenwall von 
Ohlsdorf aus der vorletzten Eiszeit, von aussen umschlossen von 
Schottern der vorletzten Interglacialzeit, und endlich die Reste eines 
äussersten Endmoränenwalles aus der drittletzten und vorläufig ältesten 
Eiszeit. 


') Lorenz-Liburnau, |. c. S. 73. 
21 03208: 


[53] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 347 


Schluss. 


Die geologischen Verhältnisse des besprochenen Gebietes sind 
ausserordentlich einfach; die älteste Ablagerung bildet der Flysch, 
der seinerseits im Süden an die Kalke und Dolomite des Kalkhoch- 
gebirges anstösst. Ueber dem Flysch folgen an einem Punkte die 
Nierenthaler Schichten, dann kommen eocäne Nummulitenablagerungen, 
an einigen Punkten treten der obertertiäre Schlier und obertertiäre 
Conglomerate und Schotter zu Tage. Ueber diesen Schichten lagern 
diluviale und alluviale Bildungen. Flysch und Diluvialablagerungen 
bilden die Hauptmasse der Oberfläche. 


Der Flysch. 


Alle Hügel und Berge unseres Gebietes, welche über 550 bis 
600 m Meereshöhe emporragen, gehören dem Flysch an; es sind abge- 
rundete Kuppen, die niedrigeren mit einzelnen Häusern oder kleinen 
Häusergruppen und Aeckern bedeckt, die höheren mit schönen Wald- 
beständen geschmückt, welche bis in Höhen von 1000 und 1100 m 
emporreichen. Zahlreiche Gräben sind in die Höhen eingerissen. 
Lorenz von Liburnau!) schildert ihren Typus sehr wahr: Tiefe 
Einfurchung, sehr wechselndes Gefälle, steile, fortwährend zerfallende 
Gehänge, grosse Mengen von Schutt an den Ufern und im Bachbette, 
oftmalige verheerende Ueberschwemmungen charakterisiren die Gräben; 
Gehängeschutt von Flysch und verschiedene Detritusabstufungen des- 
selben bekleiden den Fuss der Thalböschungen und den Thalboden, 
auch der Bach führt meist nur solchen Schutt. 

Die Gesteinsarten, welche die Flyschberge zusammensetzen, 
sind vorzüglich graue Mergel und Sandsteine; Kalkmergel und Sand- 
mergel sind häufige Einlagerungen. Die Zwischenräume zwischen den 
einzelnen Bänken werden sehr oft von dünnschichtigen dunklen 
Thonschiefern und Schieferthonen gebildet. Rothe. rothbraune und 
fast weisse Mergel treten selten auf, ebenso selten sind harte Mergel- 
kalke. Dagegen findet man hie und da grobkörnige Sandsteine mit 
bis zu l cm Korngrösse und endlich Breccien mit exotischen Ein- 
schlüssen. Die Grösse der Bestandtheile dieser Breccien wechselt von 
Erbsengrösse bis zu 100 cm? und darüber. 

Die Flyschschichten streichen im allgemeinen von Ost nach 
West und fallen nach Süd. Es ist das Flyschterrain allerdings grossen- 
theils vollständig mit Vegetation bedeckt und, wo das Gestein selbst 
zu Tage tritt, befindet es sich meist in einem mehr oder weniger 
verwitterten Zustande; eine verlässliche Beobachtung der Schichtung 
des anstehenden Gesteines lässt sich an verhältnismässig wenigen 
Punkten vornehmen. Von den Messungen, welche in unserem Gebiete 
gemacht werden konnten und deren Zahl sich etwas über 120 beläuft, 
ergaben etwa 48 Proc. ein rein südliches Einfallen und 23 Proc. ein 
solches gegen Südwest oder Südost, ein rein nördliches dagegen 10 


1). c. 8. 66. 
46* 


348 Eberhard Fugger. 154] 


Rest der Beobachtungen theils gegen Ost fallende (4 Proc.), theils 
senkrecht stehende (7 Proc.), theils horizontale Schichten Proc) 
betrifft. Die Zahl der Beobachtungen von Punkten, an denen das 
Einfallen gegen Süd, Südwest oder Südost gerichtet ist, verhält sich 
sohin zu jenen mit Einfallen gegen Nord, Nordwest oder Nordost wie 
71:17. Die Punkte mit nördlichem Verflächen sind jedoch so unregel- 
mässig über das Gebiet zerstreut und die Stellen, wo man solche 
Beobachtungen anstellen kann, so wenig zahlreich, dass es nicht 
möglich ist, irgendeine Bruchlinie oder eine Syn- oder Antiklinale 
von einiger Ausdehnung nachzuweisen. 

Ebenso liegen die Stellen, an denen Breceien oder Inoceramen 
gefunden wurden, zu vereinzelt, als dass es thunlich wäre, einen 
bestimmten Horizont für dieselben anzunehmen. 

Nur das eine ist sicher, dass die in unserem Gebiete auftretenden 
Flyschgesteine nicht die geringste Veranlassung bieten, sie von den 
Gesteinen des Salzburger Vorlandes zu trennen; sie sind ihnen voll- 
kommen gleich und gehören sohin wie der Muntigler Flysch sammt 
und sonders der oberen Kreide an — eine Ansicht, welcher auch 
Mojsisovics!) schon im Jahre 1891 Ausdruck verliehen hat. 


Die Nierenthaler Schichten 


sind bisher nur an einer Stelle nachgewiesen worden, nämlich im 
Gschliefgraben bei Gmunden, wo sie zwischen den Flysch und die 
Nummulitenschichten eingebettet sind. Es sind hier meist graue, 
seltener röthliche Mergel mit einem gewissen Reichthum an Petrefacten. 


Die Nummulitenschichten 


existiren nur mehr als einzelne unbedeutende Reste der grossen 
Nummulitenablagerung, welche sich vom Kressenberg in Bayern über 
St. Pankraz am Haunsberg, Mattsee und den Nordfuss des Tannberges 
gegen Osten ausbreitete. Sie gehören dem Parisien an und sind reich 
an Versteinerungen. Die Punkte, wo sie auftreten, sind der Ohlsdorfer 
Graben, Oberweis und der Gschliefgraben, alle drei Orte in der Nähe 
von Gmunden. 

Aber auch jüngere Nummulitenschichten, welche dem Bartonien 
angehören, finden wir in unserem Gebiete, wenn auch nur in sehr 
unscheinbaren Aufschlüssen als harte Sandsteine bei Palting in der 
Nähe von Pöndorf. 


Die miocänen Ablagerungen 


sind im Liegenden der sogenannte Schlier, darüber folgen quarzreiche 
Conglomerate und lose Schotter. Schlier ist ein specifisch oberöster- 
reichischer Ausdruck für einen Mergelschiefer, welcher bald mehr, 
bald weniger sandig oder thonig ist, bald wieder grössere Mengen von 
kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia enthält und meist 


1) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1891, S. 3. 


[55] Die oberösterreichischen Voralpen zwischen Irrsee und Traunsee. 349 


Quarzkörner und Glimmerblättchen führt. Schlier ist an der Vöckla 
aufgeschlossen an beiden Ufern bei Wartenburg, dann am linken Ufer 
bei Vöcklabruck und bildet die untere Terrasse zu beiden Seiten der 
Vöckla vom Bahnhof Vöcklabruck bis zur Mündung in die Ager; er 
lagert an der Aurach oberhalb Wankham und bei Attnang sowie in 
der Traun unterhalb der Mündung des Ohlsdorfer Grabens und unter- 
halb des Traunfalles. Auch. soll sich von Altmünster bis zur Villa 
Toscana am Gmundner See unter den Schottern eine schmale Zone 
von Schlier hinziehen )). 

Die miocänen Schotter sind hauptsächlich aus Quarzen bestehend 
und enthalten nur geringe Mengen von anderen Gesteinen, die den 
Centralalpen entstammen, beigemengt. Sie sind entweder durch ein 
kalkiges Bindemittel zu Conglomeraten verbunden oder bilden lose 
Massen. Die Schotter und.Conglomerate von Wartenburg und dem 
Buchenwalde halte ich wegen ihrer unmittelbaren Auflagerung auf dem 
Schlier einerseits und wegen ihres Reichthums an Quarzen anderer- 
seits für miocän. Hierher möchte ich auch die Schotter des Krenwaldes 
und ebenso die Frankenmarkter Conglomerate rechnen. Uebrigens ist 
die Entfernung zwischen meiner Ansicht und derjenigen Penck’s 
eine sehr geringe, denn Penck setzt diese Schotter und Conglomerate 
als sogenannte Deckenschotter ins älteste Diluvium, während ich sie 
lieber als dem obersten Tertiär angehörig betrachten möchte. 


Diluvium. 


Viele Thäler sowie die den Vorbergen vorgelagerte Hügel- 
landschaft und Ebene gehören dem Diluvium an und sind mit glacialen 
Bildungen, Moränen, umgeschwemmten Schottern und Conglomeraten 
bedeckt. Einzelne Moränen sind in ihrer Form noch deutlich erhalten, 
so insbesondere die Moränen um den Nordrand des Attersees und 
des Traunsees sowie jene in der westlichen Bucht am Attersee beim 
Dorfe Attersee und jene in der Vichtau am Traunsee. Auch die 
Trennung einer älteren und einer jüngeren Moräne durch ein da- 
zwischen gelagertes Conglomerat oder zweier verschieden alter Con- 
gloınerate durch die Zwischenlagerung einer Moräne sind an manchen 
Stellen zu beobachten; die Ueberlagerung zweier verschiedenen Con- 
slomerate ohne Zwischenglied ist an einigen Punkten sichtbar. 

Das glaciale Gebiet ist meist fruchtbares Land, dicht besiedelt 
und bewirthschaftet und trägt nur einzelne grössere Waldcomplexe. 


Alluvium. 


Einige Flussläufe sind in ein verhältnismässig weites Thal ein- 
geschnitten, das dann mit Alluvium bedeckt ist; Moore und Sümpfe 
sind von keiner Bedeutung. Dagegen sind von grossem Interesse die 
Pfahlbauten, deren Reste an den Ufern der meisten Seen des Gebietes 
aufgefunden wurden, so im Mondsee beim Ausfluss des Sees nächst 
der Ortschaft See und bei Scharfling am südlichen Ufer; im 


I) Koch, .L: «8: 34. 


350 Eberhard Fugger. [56] 


Attersee bei Puschacher, dem Dorfe Attersee und bei 
Litzelberg am westlichen Ufer, bei Seewalchen undKammer 
nahe dem Ausflusse des Sees im Norden und bei Weyeregg am 
östlichen Ufer; im Traunsee endlich bei dem Schlosse Ort am 
Westufer und in Gmunden wieder beim Ausflusse. Im Fuschlsee 
traf man zwar nirgends auf einen Pfahlbau, dagegen entdeckte man 
in der Nähe des Jagdschlosses einen Packwerkbau, welcher möglicher- 
weise der prähistorischen Zeit angehören könnte. 


12.5318. 


Seite 

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Der. Inrseo at. le lt Bern: ee 
Der: Mondsee. .. sen ea are & 299 
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Diluxiam ı.- N see Nee 2 AREA 
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Gesellschatts-Buchdruckerei Brüder Hollinek, Wien, IIl., Erdbergstrasse 3. 


Tafel X1 (I). 


Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


soupnmwmwH 


— 


Erklärung zu Tafel XI (I). 


Lima haeringensis n. sp. 

Lima Guembeli Mayer. 

Lima tirolensis Mayer et Guembel. 
Pecten Bronni Mayer. - 

Pecten semiradiatus Mayer. 
Cyclostrreon parvulum Gwembel. 
Pecten Hoernesi Mayer et Gwembel. 
Lima tirolensis Mayer et Guembel. 
Ostrea cf. Quenteleti Nyst. 


Die Figuren sind in natürlicher Grösse. 


Die Originale liegen im Ferdinandeum zu Innsbruck. 


u 


u A 


A.Swoboda n.d.Nat.gez.a.lith. Lith.Anst.v. ATb.Berger Wien VII, 


Jahrbuch der k.k.Geologischen Reichsanstait, BandLIIl1903 . 
VerlagderkkSeologischen Reichsanstalt Wien IllRasumoffskygasse 23. 


Tafel XII (Il). 


Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirehbichl in Tirol. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 2. Heft. 47 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Pig. 


Die Figuren sind natürlicher Grösse, nur Fig. 95 zeigt die vergrösserte Schalen- 


Die Originale sind bis auf jene zu Fig. 2, 5 und 8, die im Ferdinandeum zu Inns- 
bruck liegen, in der Sammlung des k. Oberbergamtes in München. 


ou PpoarmMN- 


. Arca tirolensis Mayer et Gwuembel. 

. Pecten corneus Sow. 

. ? Trigonia Deshayesana Mayer et Guembel. 
. Solenomya haeringensis n. Sp. 


. Lima Mittereri n. sp. (iuv.) 

. Avicula monopteron Gwuembel. 

. Lima Mittereri n. sp. 

Fig. 9a, b. Orenella (?) Deshayesana Mayer ei Guembel. 
Fig. 10. Pectuncules glycimeroides Mayer et Guembel. 


Erklärung zu Tafel XII (ID). 


Lucina raricostata Hofm. 


zeichnung. 


ir 
B 
: 


Be 


A.Swoboda n.d.Nat.gez.u.lith, 


Lith .Anst.v. ATb.Berger Wien VII. 


Jahrbuch der k.k.Geologischen Reichsanstalt, BandLLIII.1903 . 
Verlagderkk6eologischen Reichsanstalt Wien IlRasumoffskygasse 23, 


Tafel XIII (Ill). 


Die Lamellibranchiaten von Häring bei Kirchbichl in Tirol. 


47* 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Erklärung zu Tafel XIII (IID. 


1 und 2. Oryptodon Rollei Mayer et Gwembel. 
3a, b. Cardium tirolense Mayer et Guembel. 


4. 


Cryptodon cf. subangulatus R. Hoern. 


5a, b. Cardium haeringense n. sp. 


6. 


Laeina Mittereri Mayer et G@wembel. 


7a, b. Lueina rostralis Mayer et G@wembel. 
8a. b. Neaera scalarina Mayer et Gwembel. 


9. 
10. 
11: 
12. 
13. 
14. 


Pholadomya cf. rugo:a Hantken. 
Pholadomya cf. rugosa Hantken. 
Neaera scalarina Mayer et G@wembel. 
? Nucula haeringensis n. sp. 

Tellina Guembeli n. sp. 

Glycimeris haeringensis n. sp. 


Die Figuren sind in natürlicher Grösse, nur Fig. 35, 55, 7b und 85 zeigen die 


vergrösserte Schalenzeichnung. 


Das Original zu Fig. 12 besitzt die geol. Reichsanstalt, jenes zu Fig. 9 die 
Sammlung des k. Oberbergamtes in München. Die übrigen Originale liegen im 


Ferdinandeum zu Innsbruck. 


A.Swoboda n.d.Nat.gez.u.lith. Lith.Anst.v. Alb.Berger Wien VIT, 


Jahrbuch der k.k.Geologischen Reichsanstalt, BandLIIl.1903.. 
Verlagderkk6eologischen Reichsanstalt Wien IllRasumoffskygasse 23. 


Tafel XIV. 


Die oberösterreichischen ‚Voralpen zwischen Irrsee 
und Traunsee. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt. 1903. 53. Band, 2. Heft. 48 


Erklärung zu Tafel XIV. 


Fig. 1. Laminarites von Pinsdorf bei Gmunden. Natürliche. Grösse 1:30 m 


“ og - en Tg 


Fig. 2. Dasselbe. Natürliche Grösse 1 m. #1 erhgai ArR 


Fig. 3. Links ein Laminarites (natürliche Grösse 75 Ei, in der Mitte des | 
und rechts ne eines solchen. | 


E. Fugger: Oberösterreichische Voralpen etc. Tafel XIV. 


Fig. 3. 
Jahrbuch der k. k. Geologischen Reichsanstalt, BandaLIIl, 1903. 
Verlag der k. k. Geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumofskygasse 23. 


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u Heft. 


Geologische Beschreibung des nördlivhen Theiles des‘ Kurwenötgehingen. 
Von Dr. 0. Ampferer. Mit'50 Profilen im Text, Veiner Profil- S 
karte (Tafel Nr, IX) und einem tektonischen Schema AR: Fa 
baues (Tafel Nr. X)... .... RR AR URN EN. 2 
Die Lamellibranchjaten von Häring bei Kirähbich in Re Von Der 
Julius Dreger. Mit 3 lithographirten Tafeln IR u mut ku 
.... und. einer. Zinkotypie im Text .... . eg | 
Ueber das Alter und die Entstehung einiger ie = Magnesilhger- 
stätten der steirischen Alpen. . Von .Dr.: Karl A. Redlich, Mit.) 
4 Zinkotypien im Text... REN LE TE ger 
Die oberösterreichischen Voralpen ln RT und. Traunsee, "Von 
Eberhard Fugger.‘ Mit einer Tafel at ur ‚und. 11, ng 
typien im Text‘. .. . 0. EEE END 


; A nn 


ihrer Aufsätze verantwortlich. | VRRREPNE 


en set TREND RER ET RR ee rn na 


SHesblischafik, Buchäruekuret Brüder Hollinek, Wien, IH., Erdbergstrasse 8. : 


NB. Die Autoren allein sind für den Inhalt. und die Form ei 23 


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r Änsgegeben am 1. Juni 1904, 


© Aanrsuch 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


JAURGANG 1903. LI. BAND. 


3.. Heft. 


N, Wien, 1904. 
Be "Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt. 


1., Graben 31, 


EOLOBISCHEN REICHSANSTALT 


Ein Commission bei R, Lecuner (With. Müller), k. u, k. Hofbuchhandlung, 


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Nr BR, 
: 1773 


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Beitrag zur Kenntnis des Gannelkohlenflötzes 
bei Nyran. 
Von Doc. Dr. F. Ryba. 
Mit 3 Lichtdrucktafeln (Nr. XV [I]—XVII [III)). 


Die vorliegende Arbeit bildet einen Beitrag zur Kenntnis der 
floristisch-stratigraphischen Verhältnisse des Cannelkohlenflötzes bei 
Nyran, indem sie nur die in dieser Kohle neu aufgefundenen oder 
bis jetzt schlecht bekannten Species beschreibt und abbildet. 
Eine Revision der älteren Bestimmungen unter Zugrundelegung der 
Originalexemplare, soweit diese aufzufinden waren, hat der Verfasser 
blos in einer tabellarischen Uebersicht vorgenommen; hierbei ist in 
einer Reihe besonderer Rubriken das Vorkommen aller bis jetzt 
bekannten Arten in Nyran und in einigen anderen Kohlenrevieren 
Mitteleuropas gekennzeichnet. 

Die Materialien zu meiner Abhandlung entstammen zunächst 
dem Museum regni Bohemiae (Oustos Prof. Dr. A. Frit), dem Pilsner 
Museum (Custos Prof. C. Ritt. v. Purkyn£) und ausserdem stand mir 
zur Verfügung die reiche Sammlung Nyraner Pflanzenreste an der 
k. k. Bergakademie in Pfibram (Vorstand Prof. A. Hofmann). 

Allen den genannten Herren, die mich durch Ueberlassung von 
Materialien unterstützt haben, und speciell dem Herrn Prof. A. Hof- 
mann für die Herstellung der photographischen Tafeln, sage ich 
meinen tiefstgefühlten Dank. 


Bemerkungen zu einigen neu aufgefundenen oder wenig 
bekannten Pflanzenresten aus der Cannelkohle von Nyran. 
A. Kryptogamae. 

I. Algae. 

Haliserites Purkynei Ryba spec. 

Taf. XVII [III], Fig. 4. 


Ein einziges Stück, welches im Pilsner Museum aufbewahrt ist. 

Der dichotom-bandförmige und Chondrus-ähnliche, ungefähr 4 mm breite 

Thallus ist von einem überall gleich vom Rande abstehenden und 

ebenfalls dichotomirenden Leitbündel durchzogen. Unsere Art zeigt 

eine grosse Verwandtschaft mit dem unterdevonischen Haliserites 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (F. Ryba.) 49 


352 Dr. F. Ryba. [2] 


Dechenianus Goepp. (Vergl. über die letztere Species: Goeppert, 
Fossile Flora des Uebergangsgebirges. Breslau und Bonn 1858, 
S. 88—90, Taf. I u. I, und Potonie, Lehrbuch der Pflanzenpaläon- 
tologie. Berlin 1899, S. 61, Fig. 26!) 


Anthracochondrus nyranensis Kusta. 
Tat. XVII IM], Bio’ 2; 


1898. J. Ku$ta, Kamenouhelnd fasa Anthracochondrus Nyranensis in Ziva 
pag. 220. 


1900. Derselbe. Dal$i prispövky k seznäni stfedodesk&ho carbonu a permu (Rozpravy, 
&es. Akademie cis. Frant. Josefa pro v&dy, slovesnost a umene. Tiida II, 
Ro£önik IX, eis, 39, 19. iljen 1900), pag. 13. 

Thallus mehrfach dichotomirend, bis 1 dm lang, die unteren 
Aeste bis 3 mm, die oberen kaum 1 mm breit. Manche Exemplare 
dem jetzt lebenden Ohondrus cerispus (Sphaerococeus) ähnlich. Fructi- 
fication unbekannt. 


Häufig. Die Diagnose rührt von Prof. J. KuSta her, unsere 
Taf. III bietet die erste Reproduction dieser eigenthümlichen und 
unserer Ansicht nach bis jetzt unsicheren Art. 


II. Pteridophyta. 
1. Filices (Wedelreste). 
Archaeopterideae. 
Adiantites Goepp. (zum Theil). 


Adiantites Heinricht (Ryba) Goepp. zum Theil. 
Dar. xy 11], Be 7 u. 8: 


1870. Cyclopteris oblongifolia Goepp. in O. Feistmantel, Ueber die Pflanzen- 
reste aus dem Nyrfaner Gasschiefer etc. (Sitzungsber. d. k. böhm. Gesellsch. 
d. Wissensch.) 


1872. Derselbe, Beitrag zur Kenntnis der Ausdehnung des sogen. Nyraner Gas- 
schiefers etc. im Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., pag. 292. 


1873. Derselbe. Ueber den Nürschaner Gasschiefer, dessen geologische Stellung 
und organische Einschlüsse in Zeitschr. d. Deut. geol. Gesellsch., pag. 595. 
Die Fiederchen unserer Species sind nicht gestielt, wodurch sie 
sich markant vom Adiantites oblongıfolius Goepp. unterscheiden; Adian- 
tites sessilis (v. Roehl pro var.) Pot. hat zwar auch ungestielte Fiederchen, 
aber von rhombischer Gestalt, wogegen die letzten Wedelabschnitte 
bei A. Heinrichi nov. sp. oben abgerundet und breiter, also mehr 
spatelförmig, und an der Basis etwas herablaufend erscheinen. Ihre 
Länge beträgt fast 1'’5 cm, ihre Breite in der oberen Hälfte bis 0'6 cm. 
Die Art der Anheftung sowie die Spindel sind nur schlecht zu sehen. 
Die fächerförmigen Nerven sind dreifach bis vierfach dichotomirend. 
Drei Exemplare im böhmischen Museum in Prag. 


se 


[3] Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nfran. 353 


Sphenopterideae. 
Alloiopteris Pot. (— Heteropteris Pot. non Brongn.-Zeiller). 


cf. Alloiopteris dentata (Sterzel) Pot. 


Taf. XV [1], Fig, 5.:ude, 
1855. Sphenopteris cristata. H. B. Geinitz, Steinkohlen Sachsens. Taf. XXIV, 

Fig. 2. 

1901. Sterzel, Paläontologischer Charakter der Steinkohlenformation und des 

Rothliegenden von Zwickau, pag. 97. 

Von dieser Art liegen mir zwei in Limonit umgewandelte Wedel- 
stücke vor, die zweifach gefiedert sind; Fiederchen stark unsymmetrisch, 
mehr sphenopteridisch ansitzend, 5 bis 8 mm lang, senkrecht oder 
wenig schief abstehend mit doppelt gezähnten Lappen; die Aderung 
ist unsymmetrisch, der Verlauf der Nervchen entweder wie bei der 
Geinitz’schen Figur 2 B, Taf. XXIV, oder anomal, das heisst wie bei 
unserer Vergrösserung Da. In normaler Entwicklung ist die Mittel- 
ader mehr gerade oder wenigstens nicht so auffallend ziekzackförmig, 
wie es Fig. 5a zeigt, welche an den Typ. quercifolia erinnert. Das 
untere Seitennervchen ist gewöhnlich dem Hinterrande des Fiederchens 
genähert, die folgenden einmal bis zweimal gegabelt und in die kurzen 
Zahnspitzen verlaufend. 


Alloiopteris flabelliformis (Sterzel) Pot. 
Taf. XV [I], Fig. 6. 


1843. Pecopteris (Diplazites) eristata v. Gutbier in Gaca von Sachsen, pag. 80. 


1855. Alethopteris eristata. H. B. Geinitz, Die Versteinerungen der Steinkohlen- 
formation in Sachsen, pag. 29, Taf. XXXII, Fig. 6. 


1901. 8ter zel, Paläontologischer Charakter der Steinkohlenformation und des Roth- 

liegenden von Zwickau, pag. 97. 

Einige Wedelfetzchen mit 25 bis 30 mm langen und 8 mm breiten 
linealen Fiedern; Fiederchen ungefähr 4 mm lang und 21/, mm breit, 
abgestumpft und spitz gezähnt. Obzwar die Nervatur an allen mir 
zugänglichen Exemplaren dieser Species höchst ungünstig erhalten ist, 
glaube ich trotzdem die Identificirung unserer Reste mit All. flabelli- 
formis (Sterzel) Pot. mit Recht vornehmen zu können. 


Pecopterideae. 
Pecopteris Brongn. (zum Theil). 


Pecopteris (Crossotheca?) pinnatifida (Gutbier) Schimper 
ex parte et emend. 
Taf. XVI [II], Fig. 9. 
1835. Neuropteris pinnatifida. v. Gutbier, Zwickauer Schwarzkohlengebirge, 
pag. 61, Taf. VIII, Fig. 1—3. | 
1849. Neuropteris pinnatifida, v. Gutbier, Die Versteinerungen des Rothliegenden 
in Sachsen, pag. 13, Taf. V, Fig. 1—4. 
49* 


954 nid Byba Hera su ot [ 


1849. Sphenopteris integra Andrae in Germar. Die Versteinerungen des Stein- 
kohlengebirges von Wettin und Löbejün im‘ Saalkreise, Heft 6, pag. 67, 
Taf. XXVIII, Fig. 1—4. 

1869. Pecopteris integra (Andrae). Schimper, Traite de ee - vegetal etc. 
I, pag. 530. 

1879— 1880? ?Callipteridium Aldrichü. L. NN Coal-Flora, pag. 171, 
Taf. XXXIX, Fig. 1—3. 

1890 [1892]. ef. Crossotheca aequabilis. Grand’Eury, Bassin houiller du Gard, 
pag. 271, Taf. VI, Fig. 21, 214A, 22 und 222. . 

1892. Pecopteris pinnatifida Gutb. sp. in Zeiller, Bassin houiller et permien. de 
Brive, pag. 22, Taf. VI, Fig. 1 und 2. 

1893. Potoni&, Die Flora des Rothliegenden von Thüringen, pag. 89—96, Taf. IV, 
Fig. 8?; Taf. X, Fig. 1; Taf. X1, Fig. 2«; Taf. XVII, Fig. 9 und 10. 


Das vorliegende Stück weist eine grosse Aehnlichkeit mit den 
Abbildungen von Pecopteris (Crossotheca?) pinnatifida in der oben 
angeführten Abhandlung von Potonie auf, wo auch eine kritische 
Besprechung dieser Species enthalten ist. Die Fiederchen letzter 
Ordnung sind im Ganzen dreieckig bis länglich-schief-eiförmig, stumpf, 
auf der katadromen Seite herablaufend, hie und da schwach einge- 
schnürt und dadurch der Gattung Sphenopteris oder Neuropteris sich 
nähernd. Die Nervatur sowie die Fruetification nicht erkennbar. 


Pecopteris (Ptychocarpus) unita Brongn. 
TafsRyV [IR 

1832 oder 1833. Pecopteris longifolia. Brongniart, Histoire des vegetaux fossiles 
I, pag. 273, Taf. 82, Fig.‘2. 

1836. Diplazites emarginatus. Goeppert, Syst. filic. foss., pag. 274, Taf. XVI, 
Fig. 1 u. 2. 

1838. Pecopteris longifolia. Sternberg, Versuch einer geognostisch-botanischen 
Darstellung der Flora der Vorwelt II., Fasc. 7—8, pag. 158. 


1845. Pecopteris longifolia. Germar, Die Versteinerungen des Steinkohlengebirges 
von Wettin und Löbejün im Saalkreise, pag. 35, Taf. XIII, Fig. 1—5. 


1849. Pecopteris Geinitzi. Gutbier ex parte et „Neuropteris ...“ v. Gutbier, 
Die Versteinerungen des Rothliegenden in Sachsen, pag. 16, Taf. IX, Fig. 1, 
IB a,by ’e: 


1869. Ptychocarpus hexastichus. Weiss, Die fossile Flora der jüngsten Stein- 
kohlenformation und des Rothliegenden im Saal—Rhein-Gebiete, pag. 95, 
Taf. XI, Fig. 2. 


1850. Goniopteris oblonga. Fontaineet White, Permian Flora, pag. &3, Taf XXX, 
Fig. 3—5. 


1888. Zeiller, Etudes sur le terrain houiller ei Commentry. Flore fossile, 1re partie, 
pag. 162° ff., Taf. XVIII, Fig. I—5. 


1890. Zeiller, ara fossile du bassin houiller et permien d’Autun et d’ Kpinac, 

1xe partie, pag. 63 E., Tak MI, Riesa 

Von dieser Species, deren Charakter, Beziehungen zu anderen 
Arten und Synonyme in den oben citirten Werken von Zeiller 
detaillirtt beschrieben sind, besitzt unsere Sammlung in Pribram 
primäre und secundäre Fiedern, getrennte Fiederchen letzter Ordnung, 
Diplazites-(Goniopteris-)Formen und auch fructifieirende Fetzen, welche 
zwar vitriolisirt sind, aber trotzdem den Piychocarpus-Habitus erkennen 
lassen. 


7 


[5] Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nyran. 355 


Alethopteris Sternb. (zum Theil). 


Alethopteris (Asterotheca) sub-Davreuxii Sterzel sp. 
Taf. XV [I], Fig. 2. 


1855. cf. Alethopteris pteroides. H. B. Geinitz (nec [Brongn.] Gümbel!), Die 
Versteinerungen der Steinkohlenformation in Sachsen, pag. 28, Taf. XXXI, 
Fig. 2. 


1888. cf. Alethopteris Davreuxi exp. Zeiller, Flore fossile du bassin houiller 

Valenciennes, pag. 228, Taf. XXXII. 

1901. Sterzel, Paläontologischer Charakter der Steinkohlenformation und des 

Rothliegenden von Zwickau, pag. 97 u. 111. 

Der ganze Habitus dieses Wedelfragments entspricht am besten 
demjenigen von Alethopteris pteroides in Geinitz, Steinkohlen Sachsens 
und ex parte der Alethopteris Davreuxi in Valenciennes, zu welcher 
Art Zeiller auch Pecopteris Dournaisii Brongn. einbezieht. Da aber 
Sterzel für solche Formen, welche mit den oben genannten nahe 
verwandt, aber mit ihnen doch nicht identisch sind, den Namen Ale- 
thopteris sub Davreuxii vorschlägt, und da weiter unbedeutende Farn- 
stückchen zur Aufstellung einer neuen Artdiagnose absolut unge- 
nügend sind, scheint es uns am zweckmässigsten, auf eine eingehende 
Betrachtung dieses fossilen Farnblattes zur Zeit zu verzichten und 
abzuwarten, bis dasselbe vom Autor selbst durchgeführt wird. 


Neuropterideae. 
Neuropteris Brongn. 


Neuropteris obliqua Brongn. 
Taf. XVI [II], Fig. 2. 
1832 oder 1833. Pecopteris obliqua. Brongniart, Histoire des vegetaux fossiles TI, 
Taf. 96, Fig. 1—4. pag. 320. 
1838. Alethopteris obliqua. Presl in Sternberg, Versuch einer geognostisch- 
botanischen Daıstellung der Flora der Vorwelt II, Fasc. 7—8, pag. 144. 


1874. Odontopteris obliqua. Stur in Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. Wien Nr. 4, 
pag. 80, Zeiller, Bull. Soc. geol., 3® eer., XII, pag. 198. 


1835. ? Odontopteris .britannica. Gutbier, Abdrücke und Versteinerungen des 

Zwickauer Schwarzkohlengebirges, pag. 68, Taf. IX, Fig. 8-11?; Geinitz, 

Die Versteinerungen der Steinkohleuformation in Sachsen, pag. 21, Taf. XXVI, 

Fig. 8 u. 9 (non Fig. 10 u. 11°); Roehl, Palaeontogr. XVIII, pag. 41 (pars), 

Taf. XX, Fig. 12. 

1883. Odontopteris binervosa. Achepohl, Das niederrheinisch-westphälische Stein- 

kohlengebirge, pag. 118, Taf. XXXVI, Fig. 5. 

Fragment einer secundären Fieder; das Original zeigt eine 
sehr schön erhaltene Nervatur und auch die Gestalt der Fiederchen 
tritt ziemlich deutlich hervor. Die Fiederchen sind abwechselnd, 
markant gebogen, hie und da gekerbt, ungefähr 10 mm lang und 
3—4 mm breit, an der Spindel herablaufend und an der Basis zu- 
sSammengezogen; ihre Form ist lineal-lanzettlich, am oberen Ende 
rundlich oder abgestumpft. Mittelnerv bis über zwei Drittel der Höhe 
der Fiederchen deutlich durch eine schwache Rinne markirt, an der 


356 Dr. F. Ryba. [6] 


Basis mehr oder minder herablaufend. Nervchen unter einem spitzen 
Winkel der Mittelader entspringend, gebogen, gewöhnlich zwei- bis 
dreimal dichotomirend; Anzahl der Nervchen auf 1 Centimeter Länge 
des Randes gezählt 20. 


Neuropteris Planchardii (Zeiller) Brongn. 
Taf. XV [I], Big, >, 
1888. Zeiller, Etudes sur le terrain houiller de Commentry. Flore fossile, 1re partie, 


pag. 246 ff., Taf. XXVIII, Fig. 8 u. 9. 

1890. Zeiller, a fossile du bassin houiller et permien d’Autun et d’Epinae, 

fasc. II. Flore fossile, Ire partie, pag. 149 ff., Taf. XI, Fig. 1—4. 

1893. Potonie, Ueber einige Carbonfarne III. Theil im Jahrbuch d. königl. Preus- 

sischen geolog. Landesanstalt und Bergakademie zu Berlin für das Jahr 1901. 

Bd. XII, pag. 36. 

1893. ne Die Flora des Rothliegenden von Thüringen, pag. 135 ff,, Taf. XVIII, 

ie. 1; 

Das einzige mir vorliegende Exemplar v. Prof. Purkyn& ist 
ein einfach gefiedertes Wedelbruchstück, welches höchst vollkommen 
alle von Prof. Potonie aufgestellten Merkimale dieser Species zur 
Schau trägt. Die Fiederchen sind besonders auf der einen Seite der 
Spindel gerade, von zungenförmiger Gestalt, mit sehr abgerundeter 
Spitze; an einigen Stellen, links von der Spindel, sind sie wie bei 
Neuropteris gigantea (Sternb.) Brongn. sichelförmig gekrümmt. Der 
deutliche Mittelnerv lässt sich bis zu Dreiviertel der Fiederchenlänge 
verfolgen; die Seitennervchen im Ganzen mehr rechtwinkelig auf den 
Rand treffend. 


Aphlebien. 


Aphlebia acanthoides Zeiller. 
Taf. XVI [II], Fig. 6. 
1888. Zeiller, Etudes sur le terrain houiller de Commentry. Livre deuxieme. Flore 
fossile, Ire partie, pag. 293 ff., Taf. XXXIII, Fig. 1 u. 2. 
Ein zweifach fiederspaltiges, lanzettförmiges Blatt, 3 cm lang und 
4 cm in der Mitte breit. Die mittlere Achse 4 mm breit; ihre Ver- 
jJüngung gegen den Gipfel zu sowie die Stellung der primären Ab- 
schnitte kommen an unserem Stücke nicht zum Vorschein. Die ein- 
zelnen Fiedern sind auch deutlich lanzettlich ausgebildet, 4 bis 6 cm 
lang, bis 20 mm breit, ihre Lappen sind aufrecht stehend, abgestumpft, 
durch mehr oder minder spitzige Sinus getrennt. 
Die Mittelader stark entwickelt, oberflächlich fein gestreift, die 
Seitennerven von der Hauptader wellenförmig abzweigend, in einzelne 
Lappen mündend und hie und da dichotomirend. 


Die Behaarung des Wedels tritt nur undeutlich hervor, weil die 
Oberfläche des Blattes in Pyrit umgewandelt ist. 

Ein einziges Stück in der Sammlung der k. k. Bergakademie 
in Pribram. 


[7] Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nfran. 357 


cf. Aphlebia filieiformis (v. Gutb.) Sterzel. 
Taf. XV [I], Fig. 4. 

Diese im Museum regni Bohemiae, im Pilsner Museum sowie 
in der Carbonsammlung der k. k. Bergakademie in Pfibram befind- 
lichen Reste wurden seinerzeit v. Ot. Feistmantel als Schizopteris 
Gutbieriana Gein. bestimmt und sollen mit den in Geinitz, Ver- 
steinerungen der Steinkohlenformation in Sachsen, Taf. XXV, Fig. 11 
und 12, abgebildeten Exemplaren, die der Species Pecopteris (Dacty- 
lotheca) plumosa (Artis) Brongn. em. Kidston ausitzen, übereinstimmen. 
Da aber die Schizopteris Gutbieriana vom Sterzel, Paläontologischer 
Charakter der Steinkohlenformation und des Rothliegenden von Zwickau, 
pag. 101, als Aphlebia filieiformis umgetauft wurde, so musste auch 
die Feistmantel’sche Benennung umgeändert werden. 

Nur das nicht seltene Vorkommen der Pecopteris (Dactylotheca 
plumosa) in der Flora von Nyfan, zu der diese aphleboide an Aphl. 
‚filieiformis erinnernde Bildung angehören soll, hat uns bewogen, dem 
höchst ungünstig erhaltenen Fossil diesen Namen beizugeben und 
dasselbe auch zur Orientation für die Sammler im Nyraner Terrain 
abzubilden. 


Aphlebia Grossowvrei Zeill. 
Taf. XV [I], Fie. 7. 


1888. Zeiller, Etudes sur le terrain houiller de Commentry. Livre deuxieme. Flore 

fossile, 1re partie, pag. 296—298, Taf. XXXIII, Fig. 4. 

Das lanzettförmige Blatt ist zweifach fiederspaltig, nur frag- 
mentarisch erhalten, was schon daraus zu ersehen ist, dass seine 
Länge 35 cm, während seine Breite fast 5 cm beträgt. Die mittlere 
Achse ist 7 mm breit und wird wie an dem Exemplar von Commentry 
gegen den Gipfel allmälig enger. Die primären Abschnitte sind 
abwechselnd oder gegenüberstehend, abstehend gestreckt, schwach 
gebogen, 6 bis 10 mm voneinander entfernt, linear-lanzettlich, herab- 
laufend, am freien Ende abgestumpft, 18 bis 30 mm breit; ihre Loben 
sind abwechselnd, gestreckt, von dreieckiger Form, oben abgerundet 
bis zugespitzt, herablaufend wie die primären Abschnitte. 

Die Nervatur ist sehr schlecht erhalten und weist neben vielen 
sehr feinen parallelen Nerven besonders in der medianen Partie 
einen stärkeren Mittelnerven auf, welcher seine Entstehung auch dem 
Zusammenfliessen mehrerer dünner Nerven verdanken kann. 

Aufbewahrungsort: Carbonsammlung der k. k. Bergakademie in 
Pribram. 


2. Cycadofilices (?). 
Noeggerathia Sternb. 
Noeggerathia odontopteroides (Ryba) Sternb. 
Taf. XVI [11], Fig. 5. 


Unser Bruchstück verbindet in seiner Gestalt Merkmale der 
Gattung Noeggerathia Sternb. und Odontopteris Brongn. und dadurch 
erklärt sich auch sein bis auf weitere Funde provisorischer Name, 


358 Dr. F. Ryba. [8] 


Die Fiedern sind ziemlich gross, am Gipfel fein gezähnelt und abge- 
rundet, keilförmig. Eine Mittelader fehlt; die Adern sind fein, aber 
doch nicht so engstehend wie bei Noeggerathia, sehr spitzwinkelig 
abgehend, meistens vierfach gegabelt, am Grunde stark herablaufend, 
aus der Rhachis entspringend. Die Insertion der Fiederchen entspricht 
derjenigen von Odontopteris. | 


Calamariaceae. 
Calamites Suckow. !) 


Calamites (Stylocalamites) Cistii Brongn. 
Tat: XVI TI]; Be>T Tat. RVo Tore: 

1828. Brongniart, Histoire des veg6taux fossiles I, pag. 129, Taf. 20. 

1855. Geinitz, Die Versteinerungen der Steinkohlenformation in Sachsen, pag. 7, 
Taf. XT, .Kıg.'7 u 82 Tat XI, Pie 2; Tan SU aTeer 

1875— 1876. O. Feistmantel, Versteinerungen der böhmischen Kohlenablagernngen 
in Palaeontogr. XXIII, pag. 112 zum Theil. 

1877. Grand’ Eury, Flore carbonifere du departement de la Loire.et du Centre 
de la France, pag. 19, Taf. II, Fig. 1—3. 

1886. Sterzel, Die Flora des Rothliegenden im nordwestlichen Sachsen, pag. 12 ff., 
Taf. I, Fig. 8; Taf. II, Fig. 1—3; Taf. III, Fig. 1; pag. 58, Taf. VIII, Fig. 2. 

1887. Stur, Die Carbonflora der Schatzlarer Schichten II, pag. 145 ff. zum Theil; 


Tat. XIV, Fig, 1? . 
1888. Zeiller, Flore fossile du bassin houiller de Valenciennes, pag. 342, Taf. LVI, 
Big: 1.0.2. 


1893. Sterzel, Flora des Rothliegenden im Plauenschen Grunde bei Dresden, 
pag. 94, Taf. IX, Fig. 5 u. 6. 


1897. Grand’ Eury, Fort foss. de Calamites Suckowii etc. Comptes rendus de 
l’Acad. 124. seance du 14 juiu. 
i898. Geinitz, Die Calamarien der Steinkohlenformation und des Rothliegenden 

im Dresdener Museum, pag. 7 u. 8. 

Taf. XVI [II], Fig. 1, und Taf. XVII [III], Fig. 8, stellen zwei 
auf eine ganz dünne Schicht zusammengedrückte Stämme von ungefähr 
18 cm Länge in !/, der natürlichen Grösse dar. Der eine Calamit ist 
15 mm, der andere 1lO mm breit. Beide Exemplare sind langgliederig, 
die Länge der Glieder beträgt (Taf. XVII [III], Fig. 8) 27 mm, 
(Taf. XVI [II], Fig. 1) 38 mm. Bei diesem Erhaltungszustande sind 
natürlich die Einschnürungen an den Internodien gar nicht zu sehen. 
Die ca. 08—1'0 mm breiten, hie und da gekielten Rippen sind durch 
schmale, seichte und ausgerundete Furchen getrennt und alternirend. 
Knötchen an den Rippenenden sind nieht vorhanden. 

Schon Stur und andere Autoren heben hervor, dass Cal. Cistü 
Brongn. einer Revision bedürfe und entweder mit Cal. Suckowi Brongn. 
oder mit Cal. Schatzlarensis Stur identificirt werden muss. Dem Phyto- 
paläontologen Grand’ Eury gestattete ein fossiler Calamitenwald bei 
Trenil die Zusammengehörigkeit dieser drei und noch einiger anderer 
Arten festzustellen. Da aber trotzdem viele berühmte Carbonphytologen 


!) Hier sei erwähnt, dass mir die Arbeit von H. Potonie, Calamariaceae 
in Engler’s natürlichen Pflanzenfamilien pag. 551— 558 nicht zugänglich war! 


[9] Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nffan. 359 


an der Selbständigkeit dieser Species weiter festhalten, habe auch ich 
dieselbe als für den Nyfaner Gasschiefer neue Form beschrieben und 
abgebildet. Nicht selten. 


- Calamites (Eucalamites) ramosus Artis. 


1825. Artis, Antediluvian Phytology etc. Taf. II. 

1828. Brongniart, Histoire des vegetaux tossils I, pag. 127, Taf. XVII, Fig. 5 
(Fig. 6?). 

1848. Sauveur, Ve£getaux fossiles des terrains houillers de la Belgique, Taf. IX, 
Fig. 2 u. 3. 

1877. Calamites ramifer. Stur, Culmflora der Ostrauer und Waldenburger Schichten, 
pag. 82, Taf. III, Fig. 3 u. 4; Taf. IV, Fig. 2—4 u. Fig. 18 auf pag. &6; 
ibid. pag. 107 = Calamites ramosus Artis. 


1881. Weiss, Aus der Flora der Steinkohlenformation, pag. 9, Taf. VIII, Fig. 44. 


1884. Weiss, Steinkohlen-Calamarien II, pag. 93, Taf. II, Fig. 3; Taf. V, Fig. 1 u.2; 
BEINE Be. Lu. 2:78 VI, Fig. 1, 2, 2: Taf. IX, Fig. 1 u.2; Taf, X, 
Fig. 1. 

1898. Geinitz, Die Calamarien der Steinkohlenformation und des Rothliegenden 
im Dresdener Museum, pag. 5. 


1899. Zeiller, Etude sur la flore fossile du bassin houiller d’Heraclee, pag. 60. 

1823. ? Calamites nodosus. Sternberg (von Schlotheim), Ess. fl. monde prim. ], 
fasc. Bu pet- 30, 36; Taf. XVII, Fig. 2; fasc. 4, pag. XXVII; II, fase. 56, 
ag. 4 

1824. E lamiies carinatus. Sternberg, Ibid. I, fasc. 3, pag. 40, 44; Taf. XXXII, 

Fig. 1; fasc. 4, pag. XXVII; fasc. 5-6, pag. 48? 

Ein Stamm mit Zweigen von kleinen Dimensionen; die Glieder 
haben einige Drehungen erlitten, von unten an 13, 12, 11 nm lang. 
Nodiallinie sehr flach, auf ihren beiden Seiten Knötchen. Internodien 
länger als breit, Rippen ungefähr 1 mm breit, Furchen scharf. Astspur 
schwach, nur durch das Zusammentreten der Rillen an der Gliederung 
rechts angedeutet. Zweige bedeutend schmäler und — soweit es sich an 
unserem Exemplare censtatiren lässt — gegenständig, aufrecht gestellt. 

Die beblätterten Zweige mit kleinen und weniger als bei Annularia 
stellata (Schloth.) Wood. jr. gedrängten Blättern führen den Namen: 


Annularia radiata (Brongn.) Sternb. = Annularia ramosa Weiss. 


232 Xyı 10], Eie. 10 u: Taf. XYIL [III], Fig..9 u. 10? 
Ueber die wichtigsten Synonyme dieser Beblätterung vergleiche: 
1888. Zeiller, Flore fossile du bassin houiller de Valenciennes, pag. 394 und 


1898. Geinitz, Die Calamarien der Steinkohlenformation und des Rothliegenden 
im Dresdener Museum, pag. 5 u. 6! 


Calamites (Calamophyllites Grand’ Eury 1869, Calamitina Weiss 
1876) cf. varians semicircularis Weiss sp. 
i Taf. XVI [II], Fig. 3. 


1855. Calamites communis. Ettingshausen, Die Steinkohlenflora von Radnitz 
in Böhmen. Abhandl. d.k. k geol. R.-A. in Wien, II. Bd., Taf. I, Fig. 1 u. 2. 

1868. Cyelocladia major L, et H. in K. Feistmantel, Abhandl. d. k. böhm, 
Gesellsch d. Wissensch., II. Bd., Fig. A—D. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Ueft. (F. Ryba.) 50 


360 Di;.#, Bybai [10] 


1874. Cyelocladia major. OÖ. Feistmantel, Versteinerungen der Hahnischen Ab- 
lagerungen, Taf. II, Fig. 1 u. 2. 


1874. Cyelocladia major. OÖ. Feistmantel, Studien im Gebiete des Kohlengebirges 
von Böhmen in Abhandl. d. k. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. VI. Folge, 
7: Bd, ae; 


1884. Calamites (Calamitina) varians semicircularis. Weiss, Steinkohlen-Cala- 
marien II, pag. 75—77, Taf. XVI, Fig. 6. 


Das einzige mir vorliegende Exemplar aus dem Krimichschachte 
von Nyran stimmt, so weit es sein Erhaltungszustand zulässt, derart 
besonders mit der von Weiss gegebenen Abbildung überein, dass 
ich es mit keiner anderen Varietät von Calamites (Calamophyllites) 
varians besser vergleichen konnte. 


Annularia stellata (Schloth.) Wood. 
Taf. XVII [III], Fig. 5 u. 6. 


1890. Renault, Etudes sar leterrain houiller de Commentry. Flore fossile, 2e Pat 

pag. 399 ff, Taf. XLV, Fig.:5 u. 6. 

Ausser den zahlreichen Blattgebilden dieser Art sind wir im 
Besitz einiger kreis- bis elliptischförmiger Abdrücke, die man als 
Diaphragmen, das heisst verdickte Ränder, der die Stengelhöhlen 
durchquerenden Wände auffassen muss. 


Psilotaceae ? 


cf. Gomphostrobus bifidus (E. Geinitz) Zeiller et Pot. 
Taf. XVII [III], Fig. 3. 


1873. Sigillariostrobus bifidus. E. Geinitz, Versteinerungen aus dem Brandschiefer 
des unteren Dyas von Weissig bei Pillnitz in Sachsen (Neues Jahrb. f. Min., 
Geo]. u. Paläontol., pag. 700, Taf. III, Fig. 5—7). 


1883. ? Dieranophyllum bifidum (E. Geinitz). Sterzel, Die Flora des Rothliegenden 
im nordwestlichen Sachsen, pag. 62 u. 63. Taf. VIII [XXVIII], Fig. 6 a—ec, 


1890. Gomphostrobus heterophylla Marion in Extrait d. Comptes rendus des seances 
de l’Academie des Sciences, Taf. CX; seance du 23. Avril, pag. 1—3. 


1891. Psilotiphyllum bifidum (E. Geinitz). Potoni&@in Ber.d. Deutsch. bot. Gesellsch., 
pag. 256. 

1893. Potonie, Die Flora des Rothliegender von Thüringen, pag. 197—210, 
Taf. XX VII, Fig. 70.8; Taf, ARVEIBERE 1 Wu. 87); Tal XI 
Fig. 6. 


1899. Potonie, Lehrbuch der Pflanzenpaläontologie, pag. 261--263 u. 299. 


Ein Laubsprossstück, welches durchaus an Gomphostrobus bifidus 
erinnert, weil die Laubblätter etwas steiler abstehen und lockerer 
gestellt sind „als bei der Walchia piniformis, in diesen Beziehungen 
zu Walchia filieiformis hinneigend*“. Zur Unterstützung unserer Be- 
stimmung vergleiche auch den unteren Theil der Potonie’schen 
Abbildung. Op. eit. T. XXVII, Fig. 13. 


+2 


11] Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nyran. 361 


Incertae sedis. 


Schützia anomala Geinitz. 
Taf. XVI [II], Fig. 4. 
1863. Geinitz, Ueber zwei neue dyadische Pflanzen im Jahrb. f. Min., Geol. u. 
Paläontol.. pag. 525 ff., Taf. VI. 
1864— 1865. Schützia anomala, auf den Tafeln Anthodiopsis Beinertiana. Goeppert, 


Fossile Flora der permischen Formation, Palaeontogr., Vol. 12, pag. 161—164, 
Taf. XXIII u. XXIV. 


1870-1872. Schimper, Traite de pal&ontologie vegetal etc., Vol. 2, pag. 357. 

1880. Roemer, Lethaea palaeozoica, 1 Lief., pag. 250 u. 251, Taf. LIX, Fig. 1au.1b, 

1887. Solms-Laubach, Einleitung in die Paläophytologie etc., pag. 133. 

1890. Schimper-Schenk,Paläophytologie in Zittel’sHandbuch d. Paläontologie, 
pag. 251. 

1899. Potonie@. Lehrbuch der Pflanzenpaläontologie, pag. 379. 


Diese fraglichen, im Nyraner Gasschiefer nicht seltenen Reste 
sind traubige Inflorescenzen mit grossen, kugel-herzförmigen Knospen (?). 
Die Exemplare von Nyran sind vitriolisirt und daher zum botanischen 
Studium nicht geeignet. 


In der auf den folgenden Seiten gegebenen tabellarischen 
Uebersicht über die Flora der Cannelkohle von Nyran bedeuten: 

+ Das Vorkommen überhaupt. 

-- Häufiges Vorkommen. 

u. m. 0. = untere, mittlere, obere Schichten. 

SJ ZA V= floristische Angaben von O. Feistmantel in den 
Publicationen: 

S — „Ueber die Pflanzenpetrefacte aus dem Nyraner Gasschiefer sowie seine 


Lagerung und sein Verhältniss za den übrigen Schichten.* Sitzungsber. d. königl. 
böhm. Gesellsch. d. Wissensch. 1870. 15. April und 15. Juni. 


J, = „Beitrag zur Kenntniss der Ausdehnung des sogenannten NYrfaner Gas- 
schiefers und seiner Flora.“ Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. in Wien 1872. 22. Bd., 
3. Heft, S. 289 ff. 

J, = „Ueber das Verhältniss der böhmischen Steinkohlen zur Permformation.“ 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1873. 23 Bd., 3. Heft, S. 249 ft. 

Z=„Ueber den Nürschaner Gasschiefer, dessen geologische Stellung und 
organische Einschlüsse.“* Zeitschr. d. Deutschen geol. Gesellsch. 1873. XXV. 4. 
8.579 fi. 

— „Studien im Gebiete des Kohlengebirges von Böhmen.“ Abhandl. d. 
königl. böhm. Gesellsch. d. Wissensch. 1874. VI. Folge. 7. Bd, 

V— „Die Versteinerungen der böhmischen Kohlenablagerungen.“ Kassel 
1874— 1876. 


Die Bedeutung der Abkürzungen in der Rubrik: „Anderweites Vorkommen“ 
ist folgende: 

W = Westphalen. 

V = Valenciennes. 

B = Brive. 

T —= Thüringen, und zwar I. Gehrener Schichten, II. Manebacher Schichten, 
Ill. Goldlauterer Schichten, IV. Oberhöfer Schichten. 


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[21] Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nfran. 371 


Aus dieser tabellarischen Uebersicht ergibt sich, dass die 
Cannelkohle von Nyfan eine verbältnismässig arme, aber interessante 
Flora beherbergt. Sie setzt sich aus 79 Arten zusammen, die sich 
in folgender Anzahl und Procenten auf die einzelnen Gruppen ver- 
theilen: 


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Imeopodiales ... .,. 12 191 
Gymnospermae . . . 4 5.0 
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Wenn wir diese Procentzahlen der Nyraner Arten mit denjenigen 
im Saar-Rheingebiete vergleichen (siehe Tabelle in Sterzel, Palä- 
ontologischer Charakter der oberen Steinkohlenformation und des 
Rothliegenden im erzgebirgischen Becken 1881, pag. 63!), so sehen 
wir, dass die Hauptgruppen des paläozoischen Pflanzenreiches, das 
heisst Filicaceae, Calamariaceae und Lycopodiales, des Nyfaner Cannel- 
kohlenhorizonts eine Uebergangsstelle zwischen den Ottweiler und 
Cuseler Schichten einnehmen, wobei sich die Filices den Ouseler, die 
Lycopodiales dagegen den Ottweiler Schichten nähern und die Cala- 
mariaceae ungefähr in der Mitte stehen; die Gymnospermen aber, 
welche im Paläolithicum erst am Ende dominiren, sind ziemlich 
schwach, das heisst procentuell wie in den Ottweiler Schichten ver- 
treten. 

Aus dem Vergleiche der einzelnen Species der Nyraner 
Cannelkohle mit den Floren anderer in der Tabelle angegebenen 
Carbon- und Rothliegendgebiete ergibt sich dann folgendes: 

1. Dass die Mehrzahl der im Cannel häufigen Arten solchen 
Formen angehört, die vom oberen, respective mittleren oder aus- 
nahmsweise auch unteren Carbon in das Unterrothliegende übergehen 
und dabei mit Ausschluss von Odondopteris suberenulata (Rost) Zeiller 
em. besonders das obere productive Carbon charakterisiren; so findet 
man 2. B.: 


Pecopteris (Ptychocarpus) unita Brongn. im O. Carbon und Rothliegenden, 

Pecopteris (Asterotheca) arborescens (v. Schloth.) Brongn. im O. Carbon 
und Rothliegenden, 

Desmopteris elongata (Presl) Stwr im M. und 0. Carbon. ..? 

Odontopteris suberenulata (Rost) Zeiller em. im O. Carbon und Roth- 
liegenden, 

Sphenophyllum verticillatum (Schloth.) Brongn. im M. und OÖ. Carbon 
bis im Rothliegenden, 

Calamites (Stylocalamites) Cistii Brongn. im M., O0. Carbon und Roth- 
liegenden, 


372 Dr. F. Ryba. [22] 


Annularia stellata (Schloth.) Wood. jr. geht vom M. Carbon ins Roth- 


liegende, \ 
Asterophyllites equisetiformis (Schloth.) Brongn. vom O. Carbon ins Roth- 
liegende, 


Stigmaria ficoides Brongn. vom unteren Carbon ins Rothliegende. 


2. Dass unter den Nyfaner Arten sehr viele echt carbone 
Typen auftreten wie: Bhacopteris asplenites (v. Gutb.) Schimper exp., 
Sphenopteris (Calymmotheca) Hoeninghausi Brongn.?, Sphenopteris obtu- 
siloba Brongn., Alloiopteris (Corynepteris) coralloides (v. Gutb.) 
Pot., ? Alloiopteris vom Typus Sternbergü (v. Ett.) Pot, Alloiopteris 
flabelliformis (Sterzel) Pot., Mariopteris macilenta (L. u. H.) Zeill,, 
Ovopteris Gravenhorsti (Brongn.) Pot., Alethopteris sub-Davreuxiü 
(Sterzel) Sternb. zum Theil, Aphlebia filiciformis (v. Gutb.) Sterzel, 
Sphenophyllum cuneifolium (Sternb.) Zeill. — besonders häufig im mitt- 
leren productiven Carbon, aber bis ins Rothliegende übergreifend! — 
Calamites (Eucalamites) ramosus Artis, Calamites (Calamophyllites) ap- 
proximatus Brongn.?, Palarostachya elongata Weiss, Cingularia typica 
Weiss, Volkmannia gracılis Sternb. 


3. Dass die Artenzahl von Lepidodendren keine geringe ist und 
einige exclusive Carbontypen aufweist; solche sind: Lepidodendron 
dichotomum Sternb., Lepidodendron lycopodioides Sternb. und die Fructi- 
ficationen : Lepidostrobus variabilis L.u. H., Lepidophyllum majus Brongn. 


4. Dass die rein permischen Pflanzen des Nyfaner Gas- 
schiefers stark reducirt erscheinen, indem sie nach dem jetzigen 
Stande der Untersuchung nur auf eine Art incertae sedis: Schützia 
anomala Gein. und auf ein schlechterhaltenes Wedelfetzchen: Pecop- 
teris (Crossotheca?) pinnatifida (v. Gutb.) Schimp. exp. beschränkt sind; 
Gomphostrobus bifidus (E. Geinitz) Zeiller, „der bisher fast nur aus 
dem Rothliegenden angegeben wird“, kommt nach Zeiller (Bassin 
de Brive, pag. 102 u. 125 ff.) auch im Carbon oder in den Grenz- 
schichten zwischen Carbon und Permocarbon vor (vergl. auch Potonie, 
Die Flora des Rotlıliegenden von Thüringen, Berlin 1893, pag. 2021). 

Nach allen diesen oben mitgetheilten Resultaten könnte man 
also geneigt sein, das Cannelkohlenflötz von Nyran floristisch dem 
oberen productiven Carbon zuzurechnen und dasselbe an die Seite 
der obersten Ottweiler Schichten zu stellen; selbstredend müssen 
noch die Stratigraphie, Petrographie und Zoopaläontologie für eine 
definitive Altersbestimmung in Betracht kommen. 


Der Schwazer Augengneiss. 
Von Th. Ohnesorge. 


(Aus dem mineralog.-petrogr. Institut der Universität Innsbruck.) 
Mit einem Uebersichtskärtchen und 3 schematischen Durchschnitten (Tafel XVIII). 


Zu denjenigen Gesteinskörpern, über welche die Ansichten der 
Geologen und Petrographen noch ziemlich weit auseinandergehen, 
gehört auch der Augengneiss von Schwaz. 

A. Pichler reiht ihn dem Thonglimmerschiefer ein und grenzt 
ihn deshalb von diesem auf dem Kärtchen zu seiner Abhandlung „Am 
Schwazer Bergbau“ nicht ab!). „Dieser Gneiss*, sagt er einmal ?), 
„liesse sich am besten als Thonglimmerschiefer mit Orthoklas be- 
zeichnen.“ 

G. Stache?) hält den Augengneiss für älter als seine Hülle 
und reiht ersteren seiner Gmeissphyllitgruppe, letztere zum Theil 
seiner Quarzphyllitgruppe, zum Theil „den älteren Grauwacken- 
gesteinen“* ein. Er vermuthet, dass der Gneissphyllit durch eine 
Auffaltung zum Vorschein gekommen, dass also im Kellerjochgebiet 
bei Schwaz vielleicht eine Parallelfalte zum Zillerthaler Hauptgneiss- 
zug vorliege. 

F. E. Suess#) erblickt im Augengneiss von Schwaz ein merk- 
würdiges Sediment und hält die Orthoklas- und Quarzindividuen des- 
selben für klastisch. 

Rothpletz?°) ist derselben Ansicht wie Suess. 

Zu einer ganz anderen Auffassung kam Fr. Becke®). Er sagt: 
„Wo westlich von Schwaz das Grundgebirge unter der mächtigen 
Glacialbedeckung des Innthales zu Tage tritt, besteht es aus steil 
gestellten, stark gefalteten und gequetschten Phylliten. Diese um- 
hüllen einen Kern von ebenso stark gequetschtem Phyllitgneiss, 
welcher durch Reichthum an Serieit, die Häufigkeit mechanischer 


1) Zeitschrift des „Ferdinandeums“. Innsbruck 1860. 

2) A. Pichler, Beiträge zur Geognosie Tirols. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 
1868, pag. 46. 

3) G. Stache, Die palaeozoischen Gebiete der Ostalpen. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1574 und: Aus der nördlichen Schieferzone des Centralstockes der 
Zillerthaler Alpen. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1871, pag. 217. 

#) F. E. Suess, Das Gebiet der Triasfalten im Nordosten der Brennerlinie. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1894, pag. 629 

5) Rothpletz, Ein geologischer Querschnitt durch die Ostalpen. 

®) Becke Fr., Bericht über die Aufnahmen in den Centralalpen. Akademi- 
scher Anzeiger 1898, Nr. I. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (Th. Ohnesorge.) 


374 Th. Obnesorge. [2] 


Zerreissung und Zerbrechungserscheinungen auffällt, so dass das Ge- 
stein oft ganz klastisch aussieht. Die Art des Auftretens als Kern 
in einer steilstehenden Antiklinale, das Vorkommen besser erhaltener 
Varietäten, die deutlicher den Granitgneisscharakter zur Schau tragen, 
in den centralen Partien der Masse, das Vorkommen von Dingen, 
die kaum anders denn als Schiefereinschlüsse gedeutet werden können, 
machen es währscheinlich, dass ein stark dynamometamorphes Eruptiv- 
gestein vorliegt.“ 

Und so erhalten die drei Intrusivmassen: die Antholzer Masse, 
die Tonalitgneissmasse des Zillertlialer Hauptkammes und die Granit- 
gneissmasse des Tuxerkammes, eine vierte im Bunde: die Masse des 
Kellerjoches. 

C. Diener (Bau und Bild der Ostalpen und des Karstgebietes) 
schliesst sich der Ansicht Becke’s an. 

Nach meinen Beobachtungen ist das Lagerungsverhältnis des 
Schwazer Augengneisses zu seiner Plyllit- Wildschönauerschieferhülle 
ein derartiges, dass von einer concordanten Einlagerung desselben 
in letztere nicht die Rede sein kann; der Augengneiss bildet viel- 
mehr ein Relief in der Schieferhülle. 

Und zwar kann man zwei solcher Gneissinseln in der Schiefer- 
hülle unterscheiden, die nach ihren höchsten Erhebungen als Keller- 
jochmasse (westlich des Zillers) und Hambergmasse (östlich des Zillers) 
bezeichnet seien. 

Die im Folgenden gegebenen allgemeineren Daten über den 
Augengneiss sind zum grössten Theil der Kellerjochmasse ent- 
nommen, weil dieselbe weit besser aufgeschlossen ist als die Ham- 
bergmasse. 


Die Kellerjoch-Gneissmasse. 


Die Form der Kellerjoch-Gneissinsel ist eine ganz unregelrnässige, 
Ihre Ausdehnung ist in NW-—-SO-Richtung grösser oder wenigstens 
ebenso gross wie in der NO—SW-Richtung. Letztere ist aber das 
Streichen in dem nördlich und östlich an den Gmneiss grenzenden 
Schiefergebirge, dessen Grenzen beiläufig durch den Inn, den Ziller 
und die Linie Uderns (im Zillerthal) bis Schwaz gegeben sind. 

Würde der Gneiss eine „Einlagerung“ sein, so wäre, zumal 
bei der fast seigeren Schichtenstellung des Gneisses und der ihn um- 
gebenden Schiefer, wohl eine grössere Ausdehnung desselben in nord- 
östlicher als in der dazu senkrechten Richtung zu erwarten. 

Die brauchbarsten und überzeugendsten Aufschlüsse für die 
Bestimmung des gegenseitigen Lagerungsverhältnisses zwischen Gneiss 
und Phyllit finden sich am Rücken Kreuzjoch (südwestlich Kellerjoch) 
— Arbeser— Arzbereg. 

Der Phyllit, der den halben Südabhang dieses Rückens zu- 
sammensetzt — wobei er sich in seiner Gesammtmasse genommen 
scheinbar mantelförmig um den Gneisskern legt — und ausserdem 
noch als ein circa 400 m breiter Streifen die ganze Gneissmasse 
nördlich der Kellerjochspitze in nordöstlicher Richtung durchzieht, 
stösst daselbst an verschiedenen Punkten mit schr scharfer Grenze 


[3] Der Schwazer Augengneiss. 375 


an grobflasrigem, sehr typischem Augengneiss ab. An einer Stelle bildet 
die Schieferungsebene des Gneisses die directe Fortsetzung der des 
Phyllites; im Allgemeinen aber schneiden sich die Schieferungsebenen 
unter spitzem Winkel. Der Mangel an jeglichen Dislocationsandeutungen 
an den Contactstellen lässt keinen Zweifel an der Primärheit des Con- 
tactes zu. Als die besten Contactaufschlüsse seien hier speciell erwähnt: 
die Steilabstürze des Arbeserkoglrückens gegen den Nautzer Wald und 
das nördliche Gehänge beim „e* von Kreutzjöchl (1: 75.000. 1893). 

Geht aus diesen beiden, wie aus anderen, später berührten 
Thatsachen hervor, dass, wie schon erwähnt, der Gneiss eine unregel- 
mässig gestaltete Masse innerhalb einer Schieferhülle bildet, so frägt 
es sich weiter: ist der Gneiss älter als die Schiefer oder ist er viel- 
leicht, wie Becke vermuthet, intrusiv ? 

Letztere Ansicht findet scheinbar eine Stütze in der rings um 
den Gneiss auftretenden sehr steilen und dem Gneiss häufig conformen 
Schichtenlage der Phyllite und Wildschönauer Schiefer. Doch beweist 
dieser Umstand wie der granitische Charakter des Gneisses noch 
lange nicht dessen intrusive Natur. 

Im Gegentheil spricht eine Anzahl wichtiger Momente dafür, 
dass der Gneiss nicht intrusiv ist, und zwar: 

1. Der Mangel an Contacterscheinungen — 2 cm vom Gneiss 
entfernt trägt der Schiefer ganz denselben petrographischen Charakter 
wie kilumeterweit vom Gneiss entfernt; 

2. der Mangel an jeglichen Apophysen; 

3. das Fehlen der Randfacies: am Contact am Kreuzjoch— 
Arbeser Rücken ist der Gneiss wie in den centralen Partien der 
Gneissinsel entwickelt. 

i Die zu Gunsten des höheren Alters des Gneisses gegenüber den 
ihn umhüllenden Schiefern sprechenden Factoren mögen sich aus 
folgenden Auseinandersetzungen ergeben. 

Wie im petrographischen Theil gezeigt werden wird, liegt im 
Augengneiss von Schwaz eine stark hydrochemisch und dynamisch 
veränderte Granitmasse mit einer secundär gebildeten Schieferung 
vor. Die Lage der Schieferungsebene des Gneisses oder des Granits 
(NOO-Streichen bei fast seigerer Stellung) stimmt ganz auffällig mit 
derjenigen der Schichtflächen des sich nordöstlich an die Gneissmasse 
anlehnenden Schiefergebirges, dessen Grenzen schon oben beiläufig 
angegeben, überein Und dieser Umstand, dass die Schieferungsebene 
des Gneisses die Fortsetzung der Schichtflächen jenes Schiefergebirges 
bildet, ist insofern von Bedeutung, als er uns für beide Theile gleiche 
Orogenese mehr als wahrscheinlich macht. 

Da das erwähnte Schiefergebirge, wie schon Rothpletz) und 
Pichler) gezeigt, gefaltet und auf den Kopf gestellt ?), ist von 


DiElS c: 

land, 

3) Die beste Orientierung über die Lagerungsverhältnisse der sogenannten 
Wildschönauer Schisfer gibt der Schwazer Dolomit, der eine sehr markante con- 
cordante Einlagerung in denselben bildet. 

Die Schieferung der sogenannten Wildschönauer Schiefer ist der Schwazer 
Dolomit-Schiefergrenze parallel, also eine primäre und keine transversale. 


Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft (Th. Ohnesorge.) 52 


976 Th. Ohnesorge. 4] 


vornherein zu erwarten, dass auch die Unterlage jenes Schiefer- 
gebirges und dessen heutige südwestliche Fortsetzung, also der Granit, 
von denselben tektonischen Störungen betroffen wurde, dass er also 
gefaltet und schiefrig gepresst wurde. 

Der Versuch, die seigere Schichtenstellung um den Gneiss und 
die theilweise perikline Umhüllung desselben durch die Schiefer mit 
einer Intrusion des Granits in Zusammenhang zu bringen, erscheint 
schon deshalb etwas bedenklich, weil gerade nicht zu erwarten ist, 
dass die secundäre Schieferung des Granits parallel der schon vor- 
handenen des bei der Intrusion aufgestellten Schiefers erfolgte, und 
weil in jener Schiefergebirgsecke zwischen Inn und Ziller, die ver- 
muthlich das Dach des Gneisses bildet, für den Fall einer Intrusion 
keine durchwegs fast seigere Schichtenstellung, sondern eine mehr 
flache Lagerung der Schiefer zu erwarten wäre. 

Auch schon die die ganze Gneissmasse beherrschende Druck- 
schieferung weist auf so gewaltige Pressungen und tektonische 
Störungen, dass es weit näher liegt, dem Gneiss eine passive als 
active Rolle zuzuschreiben. 

Es ist weiters sehr auffällig, dass sich an vielen Punkten 
zwischen Gneiss mit noch granitischem Charakter und den sogenannten 
Wildschönauer Schiefern oder den Phylliten ein petrographisches 
Zwischenglied, das man am besten als Sericitschiefer (vergl. petrogr. 
Theil) bezeichnet, vorfindet. Diese Sericitschiefer mit makro- und 
mikroskopisch unzweifelhaft klastischem Charakter kann man wohl 
nur als feinen granitischen Detritus, als metamorphen Granitgrus auf- 
fassen. Gute Aufschlüsse dieser Sericitschiefer finden sich fast in allen 
Spatheisensteingruben am Nordrande der Gneissmasse;; so bei Heiligen- 
kreuz, am Bertha, am Arzberg und am Schwader Eisensteinbergbau. 

Auch in den Wildschönauer Schiefern selbst finden sich sehr 
häufig Elemente, die man wohl am besten als aus dem Augengneiss 
stammend erklärt. So führen die den Schwazer Dolomit unmittelbar 
unterlagernden Wildschönauer Schiefer durchwegs opalartig glänzende 
Quarzkörner — ganz wie sie sich im Augengneiss finden. Auch die 
klastischen Orthoklaskörner der Porphyroide (gut gebankte, feste, 
meist hellfarbige Einlagerungen mit klastischen, einsprenglingsartig 
hervortretenden Elementen) in den Wildschönauer Schiefern dürften 
aus dem Augengneiss stammen. 

Aehnliches findet sich auch an anderen Orten unter gleichen 
Verhältnissen. So werden durch den Graphitbergbau bei Schloss 
Kaiserberg a. d. Mur an blauen Quarzkörnern (meist von Pfefferkorn- 
grösse) reiche Graphitschiefer zu Tage geschafft. Dieselben blauen 
Quarze trifft man auch am Ausgange des Pressnitzgrabens am Kaiser- 
berg in dem die Graphitschiefer unterlagernden Gneiss, dem nach 
Hoernes!) sicher ein höheres Alter als den Graphitschiefern zu- 
kommt. 

Am Holenzberg bei Mayrhofen im Zillerthal findet man über 
den dem Centralgneiss auflagernden Hochstegenkalk Becke’s zahl- 


!) Hoernes R., Der Metamorphismus der obersteirischen Graphitlager. 
Graz 1900 


[5] Der Schwazer Augengneiss. 377 


reiche an klastischen, einsprenglingsartigen Orthoklaskörnern reiche 
Porphyroide (klastische Gneisse ; vergl. oben). 

Die klastischen Feldspathe dieser Porphyroide wie auch die 
der mächtigen, den Kalkphylliten eingelagerten Sericitgneisse stammen 
wohl sicher aus dem Zillerthaler Centralmassiv }). 

Nach. dem Gesagten kann man die Herausbildung der heutigen 
tektonischen Verhältnisse, wie Fig. I, 2 und 3, Tafel XVIII, zeigen, 
skizziren. In dem Profil durch das Kellerjochgebiet (Fig. 3) sind Ver- 
werfungen weggelassen. Der Profiltheil (Fig. 3) nördlich des Mehrer 
Kopfes ist sehr stark schematisirt, der Profiltheil südlich desselben 
entspricht genau den thatsächlichen Verhältnissen. 

An der Hülle des Schwazer Augengneisses betheiligen sich, wie 
schon erwähnt, die sogenannten Wildschönauer Schiefer und Quarz- 
phyllite. Die Grenze beider im Kärtchen ist nur eine muthmassliche, 
einerseits in Folge nicht besonders günstiger Aufschlüsse, andererseits 
in Folge ihrer schwierigen petrographischen Trennung. Ohne grosser 
Ungenauigkeiten Gefahr zu laufen, kann man sagen: die beiden 
Augengneissinseln bilden die Grenze zwischen den Wildschönauer 
Schiefern (nördlich) und dem Quarzphyllit (südlich). 

Jene Sericitschieferzone zwischen Gneiss und sogenannten Wild- 
schönauer Schiefern wie der Gmeiss selbst werden von zahlreichen 
Spatheisensteingängen, die zum Theil auch Erzmittel (Bleiglanz, 
Fahlerz, Kupferkies) führen, durchbrochen. 

Hier eine kurze Betrachtung über dieses und andere angrenzende 
Erzvorkommen. 

Unsere heute noch ergiebigen Erzvorkommen von Schwaz, Kitz- 
bühel, Mitterberg liegen auffällig ungefähr auf einer geraden Linie, 
die wiederum ungefähr der Grenze zwischen den mesozoischen Sedi- 
menten der nördlichen Kalkalpen und den paläozoischen Schiefern 
folgt. Jedes einzelne dieser Erzvorkommen besteht aus einer Gruppe 
von Erzgängen, die im Allgemeinen keine Verwerfungen bezeichnen, 
sondern als einfache Kluft- oder Spaltenausfüllungen zu betrachten 
sind. Beziehungen zwischen diesen einzelnen Gruppen oder Scharen 
von Erzgängen zueinander bestehen nun darin, dass alle einer und 
derselben Erz- oder Gangformation angehören und dass diese Gruppen 
auf einer gemeinsamen grossen Dislocationslinie oder, vielleicht besser 
gesagt, in einer grossen Dislocationszone, als welche man die Grenze 
zwischen den mesozoischen Sedimenten und dem Paläozoicum in den 
hier in Betracht kommenden Gebieten wohl aufzufassen hat auftreten. 


2) Ich halte den Centralgneiss für ganz entschieden älter als den Kalk- 
phyllit. Becke und Berwerth schliessen wohl rein aus dem Mangel an Contact- 
erscheinungen in den dem Centralgneiss (im Zillerthale und Gasteinerthale) auf- 
liegenden Kalkphyllit auf eine Verwerfung zwischen letzterem und dem Centralgneiss. 

Die gleiche Schichtenstellung im Gneiss und in dem diesem aufgelagerten 
Kalkphyllit lässt sich wohl am besten mit der Anschauung vereinigen, dass der 
über einem durch Abtragung und Anschwemmung ziemlich geebneten Gneissgebiete 
zur Ablagerung gekommene Kalkphyllit gleichzeitig mit dem Gneiss aufgestellt 
wurde. Es sei hier auch bemerkt, dass der Gneiss im Liegenden des Hochstegen- 
kalkes am Holenzberg (bei Mayrhofen) lagenweise petrographische Verschiedenheit 
zeigt und zum Theil wenigstens unmittelbar unter dem Hochstegenkalk als klasti- 
scher Gneiss anzusehen ist. 

52* 


378 Th. Ohnesorge. [6] 


Es liegt weiters auch nicht fern, die Erzvorkommen von Schwaz, 
Kitzbühel und Mitterberg inclusive der dazwischen liegenden in Be- 
ziehung zu Eruptivgesteinen zu bringen. Cathreint) fand Gabbro 
in der Wildschönau, ich entdeckte solchen im Sintersbachthale in der 
Nähe des Bergbaues „Kelchalpe* bei Kitzbühel und anderen Orten. 
Nachdem in Begleitung dioritischer oder dioritverwandter Gesteine 
mit Vorliebe Erzgänge auftreten, wird man sich wohl auch hier am 
besten der Ansicht Canaval’s anschliessen und die Erzgänge als 
durch Thermalwasser, die im Gefolge von Durchbruchsgesteinen auf- 
treten, bedingte Spaltenausfüllungen ansehen ?2). Dabei sei aber hier 
nicht behauptet, dass Erzgänge und Fruptivmassen gleichzeitige 
Bildungen seien, sondern nur, dass sie auf einen und denselben 
Herd zurückzuführen sind. 

Wie die Sulfide dürfte auch die CO, des als Gangart der Erze 
und als selbständige Gänge in der Serieitschieferzone und im Gneiss 
auftretenden Spatheisensteines aus der Tiefe gekommen sein; hingegen 
stammt das Fe des Spathes wohl sicher aus dem Gneiss (vergl. 
petrogr. Theil). 


Petrographischer Theil. Die mikroskopischen Bilder des 
Augengneisses bleiben sich aus den verschiedensten Aufschlüssen 
ihrem Hauptcharakter nach gleich; die Abweichungen betreffen eigent- 
lich nur den Grad chemischer Veränderung und in geringem Masse 
auch die Stärke der mechanischen Deformation des primären Granits. 

Als wesentliche den Gneiss constituirende Gemengtheile ergeben 
sich ungefähr um 1 cm im Durchmesser führende Orthoklasindividuen, 
Quarzkörner bis zu Erbsengrösse, unregelmässige Sericitpartien und 
seltener dunkelbraune oder grüne Biotitblättchen als unregelmässig 
oder anscheinend idiomorph begrenzte Muscovitblättchen mit einem 
Sagenitgewebe. 

Carbonat in geringeren oder grösseren Mengen findet sich nicht 
serade beständig, aber doch sozusagen regelmässig. 

Die primäre gegenseitige Begrenzung jener wesentlichen Gemeng- 
theile ist nur noch in seltenen Fällen vorhanden; so findet man 
rechteckige oder leistenförmige Schnitte von Muscovit in Serieit oder 
Quarz oder fast geradlinig begrenzte Sericitpartien (Pseudomorphosen 
nach Plagioklas) in Orthoklas ete. — Fälle, die uns noch überdies 
durch die Idiomorphie der betreffenden Gemengtheile vom Massen- 
gesteinscharakter des Gneisses überzeugen. Meist ist jene Grenze 
secundär: die Quarzindividuen sind randlich zertrümmert und das 
feinkataklastische Gemenge erscheint zwischen Bruchstücke der 
gleichfalls zertrümmerten Orthoklase oder zwischen beliebig andere 
Elemente gepresst; ebenso drängen sich Serieitflasern zwischen Ortho- 
klas und Quarzfragmenten und vermischen sich nicht selten mit dem 


!) A. Cathrein, Die geognostischen Verhältnisse der Wildschönau. Zeit- 
schrift des Ferdinandeums. 1877. 


?) Canaval, Das Erzvorkommen in Plattach und auf der Assam-Alm bei 


Greifenburg in Kärnten und die sie begleitenden Porphyrgesteine. Jahrb. der k. k. 
geol. R.-A. 1895. 


[7] Der Schwazer Augengneiss. 379 


feinkörnigen Quarzgereibsel — so kommen grössere Ortlioklas- und 
Quarzindividuen gleichsam in einer Grundmasse (Quarzgereibsel, fein- 
schuppiger Serieit oder Gemenge beider) zu liegen. 

Orthoklas zeigt fast regelmässig Mikroklingitterung; schrift- 
granitische Verwachsung von Orthoklas und Quarz besitzen Gneiss- 
proben aus dem Berthastollen bei Schwaz. Nicht selten kann man 
ferner in dem stets an winzigen Flüssigkeitseinschlüssen und schwer 
bestimmbaren Mineralpartikeln (zum Theil wohl Kaolin und Glimmer) 
reichen Orthoklas neben unregelmässigen Carbonatpartien auch secun- 
däre, ideal ausgebildete Carbonat A beobachten. 

Einzelne oder combinirte Lamellen eines einschlussarmen, nach 
Lichtbrechung sauren Oligoklases (wahrscheinlich Albit) in Orthoklas 
sind wohl sicher als secundäre Bildungen aus letzterem anzusehen. 

Von einem alten basischen Plagioklas findet sich keine Spur. 
Es liegt aber auf der Hand, die in und besonders ausserhalb des 
Orthoklases auftretenden homogenen, fast diehten, aus durchschnittlich 
02 mm im Durchmesser führenden Glimmerblättehen bestehenden 
Massen (Serieit) in einer nach dem Lichtbrechungsverhältnis zu Quarz 
und ÖOrthoklas als Albit charakterisirten Grundmasse als Umwand- 
lungsproduct primärer Plagioklase aufzufassen. Treten diese Sericit- 
partien in Orthoklas auf, so zeigt sich öfters eine schmale, fast 
einschlussfreie Albitzone zwischen Serieit und Orthoklas, sozusagen 
ein Albitrahmen um die Serieitpartien. Da Albit oder saurer Oligoklas 
sicher als Umwandlungsproduet von Orthoklas nachweisbar ist und 
diese Albitzonen um Serieit oft eine nierenförmige Grenzfläche gegen 
Orthoklas zu besitzen scheinen, dürften diese Albitrandzonen in vielen 
Fällen mit den sich secundär in Orthoklas bildenden Mikropegmatit- 
zapfen zu vergleichen und als eine von der Oberfläche des in Serieit 
und Albit umgewandelten Plagioklases ausgehende Albitbildung nach 
ÖOrthoklas aufzufassen sein. 

Wie in Orthoklas findet sich auch innerhalb von Sericitpartien 
häufig Carbonat; in den Gneissproben mit noch erhaltenem Biotit trifft 
man in denselben auch Epidot. 

Alle noch vorhandenen Biotitindividuen sind erfüllt von regel- 
mässig eingelagerten, ein sogenanntes Sagenitgewebe darstellenden 
Rutilmikrolithen. In den biotitfreien Gneissproben trifft man Muscovit- 
täfelchen (X Reaction mit FH), ebenfalls mit einem System sich unter 
60° schneidender Leukoxennadeln. (Im Schliff senkrecht zur Basis natür- 
lich ein Parallelleistensystem von Leukoxennadeln.) Auch Suess!) 
erwähnt, dass sich in manchen Schliffen Pakete grösserer Glimmer- 
leisten deutlich vom Serieit abheben und er gedenkt auch des Sagenit- 
gewebes. „Man kann wohl“, sagt er, „in diesen Gruppen (Glimmer 
mit Sagenit) die Reste gleichsam aufgelöster, ursprünglich klastischer 
Muscovitpakete erkennen, welche aus einem älteren, reichlich Sagenit 
führenden Phyllit stammen.“ 

Der Reichthum des Biotits, wenn solcher überhaupt noch vor- 
handen, an Titansäure, der Mangel solcher Muscovit mit Leukoxen 
führender Gneissvarietäten an /e und Mg führenden Gesteinselementen 


ı) Lre. pag. 629: 


380 Th. Ohnesorge. [8] 


— wohl auch das Fehlen von Chloritpseudomorphosen nach Biotit — 
legen es wohl sehr nahe, in jenen Muscovitpaketen «mit Leukoxen 
Pseudomorphosen nach Biotit zu erblicken. Manchmal fällt dieser 
Leukoxen führende Muscovit schon makroskopisch als schmutzig- stroh- 
selbe, 3-4 mm im Durchmesser führende Blättchen auf. 


Als primärer Granitgemengtheil dürfte Muscovit nur sehr spär- 
lich vorhanden gewesen sein. 

Als Accessorien wären noch Zirkon, wenig Apatit, spärlich Titan- 
eisen, weiter secundärer Pyrit zu erwähnen. Letzterer erwies sich im 
Kreuzkirchlstollen bei Schwaz etwas goldhaltig. 


In jenem feinkataklastischen Gemenge, das sich grösseren Ortho- 
klas- und Quarzindividuen gegenüber wie eine Art Grundmasse ver- 
hält, findet man neben den primären Elementen untergeordnet auch 
secundäre, so: Quarz, sauren Oligoklas (wahrscheinlich Albit) und 
meist idiomorph ausgebildetes Carbonat. 

Wenn auch dieses Gemenge mit seinen Sericitflasern makro- 
skopisch phyllitischen Habitus besitzt, wo weicht doch sein mikro- 
skopisches Bild von dem eines Phyllits sehr beträchtlich ab. 


Denn dasselbe besteht, wie schon erwähnt, aus alle Phänomene 
starker Zertrümmerung zeigenden Orthoklas- und Quarzmassen, durch 
die sich ganz unregelmässig die verschiedenst geformten und für sich 
— als Vertreter ausgequetschter Plagioklase — gleichsam Individuen 
darstellende Sericitpartien winden. 


Unsere Phyllite dagegen zeigen in der Regel entweder flache Linsen 
oder Lamellen zellig aggregirter, sehr wenig kataklastischer Quarz- 
körner, zwischen welchen der Glimmer ein Netz von Flasern bildet, 
oder sie zeigen eine mauerziegelartige Gruppirung der Quarzindividuen, 
wobei sich einzelne Glimmerblättehen, den horizontalen Begrenzungs- 
flächen der Ziegel entsprechend, den Quarzindividuen zwischenlagern, 
oder sie zeigen bei gleichmässiger Vertheilung der Gemengtheile 
(Quarz, Glimmer, Feldspath) beliebige Orientirung der einzelnen 
Glimmerblättchen, also mehr eine richtungslose Structur. Der Sericit 
unterscheidet sich noch überdies dadurch von den Glimmeraggregaten 
der Phyllite, dass ihm die von letzteren so häufig eingeschlossenen 
Erze, Rutil und Turmalinmikrolithen ete., fehlen. 


Es wäre vielleicht ganz zweckmässig, nur jene Schiefer als 
Serieitschiefer zu bezeichnen, deren Glimmer nachweisbar aus Feld- 
spathen hervorgegangen. Die Art der Einschlüsse oder ihr Vorhanden- 
sein überhaupt kann dabei unter Umständen für die Entscheidung 
von Belang sein. 

Auch andere Erscheinungen sprechen ebensowenig wie jenes 
feinkataklastische Gemenge mit Serieit für den Phyllitcharakter des 
Gneisses. Das sind die allerdings spärlich auftretenden basischen 
Coneretionen und die Aplitgänge. 

Die Coneretionen erscheinen als mittel- bis feinkrystalline, 
sehr biotitreiche, langgezogene Gmneisseinschlüsse ohne Orthoklas- 
einsprenglinge. 

Die höchstens 2 dm mächtigen Aplitgänge setzen sich nur aus 
Orthoklas, Quarz und sehr wenig Plagioklas zusammen. 


a 


[9] Der Schwazer Augengneiss. 381 


Berücksichtigt man noch das massige Auftreten des Gneisses im 
Allgemeinen, weiters die homogene Vertheilung der Gemengtheile durch 
die ganze Gneissmasse, besonders die der schon makroskopisch gut 
diagnostieirbaren Gemengtheile Quarz und Orthoklas, so kann über 
die Granitnatur oder — wenn man auf das Auftreten des Orthoklases 
als Einsprengling besonderes Gewicht legen will — über die Granit- 
porphyrnatur des Gneisses wenig Zweifel mehr bestehen. 

Noch möge die Structur des Gmeisses eine gesonderte, mehr 
genetische Behandlung finden. 

Die heutige Gneisstructur entstand bei der Aufpressung, resp. 
Auffaltung des Granits. Und Hand in Hand mit der mechanischen 
Deformation erfolgte die chemische Veränderung des Granits, denn 
durch dieselbe wurde seine Durchtränkung mit CO,-haltigem Wasser 
möglich. Während Orthoklas bei der entschieden beträchtlichen gegen- 
seitigen Verschiebung kleiner Gesteinspartien in noch fast nussgrosse 
Bruchstücke zerlegt oder zu Körnerlamellen ausgequetscht wurde, 
gab der nicht so Spannungen in Verschiebung nach Gleitflächen aus- 
lösende Quarz häufig ein feinkörniges Gereibsel. 

Gleichzeitig erfolgte die Ausquetschung der aus Plagioklas sich 
bildenden Sericitpartien. 
| Und diese Sericithäute bestimmen die Spaltbarkeit des Gesteines 
oder die Schieferung. Ausgequetschte und gerichtete Glimmerindividuen 
des primären Granits kommen bei der Spaltbarkeit des Gneisses nur 
ganz untergeordnet in Betracht. 

Die jetzige Schieferung ist also ein Product von Gesteins- 
pressung und chemischer Gesteinsveränderung. 

Ob der Granit vor seiner Auffaltung mit dem Schiefergebirge 
eine Schieferung besass, lässt sich heute nicht mehr ermitteln. 

Lineare Streckung ist beim Gneiss sehr häufig zu beobachten. 
Makroskopisch zeigt sich dann im Bruche senkrecht zur linearen 
Streckungsrichtung der Granitcharakter des Gneisses am deutlichsten: 
ÖOrthoklaseinsprenglinge liegen in einer grauen Grundmasse, in der 
man mit unbewaffnetem Auge kleine Feldspathpartikel, opalartig 
glänzende Quarzkörner und bei wenig metamorphem Gestein noch 
kleine Biotitblättchen erkennen kann. 

Im Querbruch parallel zur linearen Streckungsrichtung gewahrt 
man zwischen flach linsenförmigen oder zu Lamellen ausgequetschten, 
oft sehr langgeschweiften Orthoklasen feinere und dickere Quarz- 
lamellen meist mit den feinen grauen Sericitlamellen wechselnd. 

Von der Schieferungsfläche gesehen, ähnelt der Gueiss Thon- 
schiefern oder Phylliten, ja er erscheint noch weniger krystallin als 
diese, da ihm die grösseren abhebbaren Glimmerhäute der Phyllite 
mangeln. 

Es mag vielleicht auffällig erscheinen, dass der Granit in allen 
Aufschlüssen fast gleiche mechanische Deformation oder gleiche 
secundäre structurelle Veränderung ‚aufweist. Man ziehe aber die an 
den Gneiss westlich angrenzenden colossal mächtigen und dabei 
materiell und structurell durch und durch homogenen Phyllitmassen 
heran! In diesen verratlien uns unstreitig die gleichmässig vertheilten 
mikro- und makroskopischen Quarzlamellen (wie Quarzknauern und 


382 Th. Ohnesorge. [10] 


Linsen) an allen Punkten des primären Sedimenteomplexes gleichmässig 
vor sich gegangene intensive Gleitungen und Verschiebungen !). Und 
diese Erfahrungsthatsache, die wir aus den Phylliten schöpfen, dass 
Hand in Hand mit Dislocationen en masse auch eine gegenseitige, sich 
an allen Punkten der Masse in gleichem Masse äussernde Verschiebung 
der kleinsten Theile jener grossen dislocirten Massen erfolgte, hat 
wohl auch für den Granit Geltung. 

Die wesentlichen chemischen Veränderungen des primären 
Granits zusammengestellt: 

Aus Plagioklas (angenommen Ab, An, = Na Al Si, O,. Ca Al, Si, O5) 
bildete sich Serieit und Albit (Na Al Sitz 0, + (HK), Al, Sig O5). 

Aus Biotit entstand unter Abscheidung der Titansäure Muscovit, 
Dieser Process erfordert eine Zufuhr von ungefähr 5 Gewichtstheilen 
SiOs, 23 Gewichtstheilen Al, O, und 4 Gewichtstheilen K,O. 

Orthoklassubstanz geht zum Theil in Lösung (so überall dort, 
wo sich Carbonat als secundärer Einschluss in Orthoklas findet) und 
liefert sowohl das K zur Bildung von Sericit aus Plagioklas wie die 
nöthigen Elemente zur Bildung von Muscovit aus Biotit. 

Das beim ersteren Process weggeführte Ca und beim letzteren 
Process weggeführte Mg und Fe findet sich als Carbonat zum Theil 
im Gestein (Carbonateinschlüsse in Orthoklas), zum Theil auf Gängen. 

Diese auf eine Zerstörung der primären, zweiweitige Elemente 
führenden Granitgemengtheile hinarbeitenden chemischen Vorgänge 
erfordern nur die Zufuhr CO,-haltigen Wassers. 

Unter den mir bekannten Gneissen zeigt der Schwazer Augen- 
gneiss am meisten Aehnlichkeit mit der Ausbildung des Zinkengneisses 
bei Kaiserberg an der Mur (an der Grenze gegen die Schatzlarer 
Schichten). 

Der Beschreibung nach dürfte der Schwazer Gneiss dem von 
C. Schmidt?) geschilderten Rofnagneiss petrographisch ziemlich 
nahe kommen. 


Sericitschieferzone. 


Den zwischen normalen Augengneiss und den sogenannten Wild- 
schönauer Schiefern und Phylliten häufig oder regelmässig vorhandenen 
Schiefereomplex habe ich als „Sericitschieferzone* bezeichnet, 
weil in ihm serieitische Schiefer vorwalten. 

Allgemein bildet diese Sericitschieferzone ein petrographisches 
Uebergangsglied einerseits zu den sogenannten Wildschönauer Schiefern, 


!) Dass die grösseren Quarzknauern und Linsen als Secretionen zwischen 
gleitenden Gesteinspartien aufzufassen sind, steht ausser Zweifel. Die gleiche Genese 
der mikroskopischen Quarzlamellen ergibt sich aus den zwischen ihnen und den 
Quarzknauern vorhandenen Uebergängen und dem Umstande, dass sowohl die 
mikroskopischen Lamellen wie die Knauern häufig idiomorph ausgebildete Carbonat- 
einschlüsse führen, 

?) C. Schmidt, Beiträge zur Kenntnis der im Gebiete von Blatt XIV der 
geolog. Karte der Schweiz (1:100.000) auftretenden Gesteine. Die Bilder Fig. 14 
und Fig. 15 der Mikrophotographientafel dieser Ar trifft man auch beim 
Schwazer Gneiss häufig. 


1 1] Der Schwazer Augengneiss. 383 


andererseits zum Gneiss, zeigt also — wenn auch in engen Grenzen — 
Variabilität. Als „typische“ Serieitschiefer könnte man lamellärflasrig 
spaltende, auf den Spaltflächen nur schmutzig graugrünen oder gelblich- 
grünen sericitischen, talkig anzufühlenden Beleg zeigende Schiefer 
bezeichnen, bei denen ausserdem noch der Serieit den makroskopisch 
am leichtesten diagnostieirbaren Gemengtheil bildet. 


Mikroskopisch zeigen sie regelmässig dieselbe elementare Zu- 
sammensetzung wie der Gneiss: Sericit, Quarz, Orthoklas, Apatit, wenig 
Zirkon und Carbonat — könnten daher als sehr stark geschieferter 
Gneiss aufgefasst werden, wenn nicht der klastische Charakter ein- 
sprenglingsartiger Quarz- und Orthoklaskörner, das Vorkommen aus- 
gesprochen klastischer Partien wie der allmälige Uebergang in phyllit- 
artige Schiefer!) u. dgl. für ihre sedimentäre Natur sprechen würden. 
Die Serieithäute sind ebenso wie beim Gneiss dichte Aggregate winziger 
‘ Blättehen und lassen noch zum Theil ihr Hervorgehen aus Plagioklas 
erkennen. 


Aber auch ÖOrthoklas verglimmert häufig. Ebenso führen die 
Sericitschiefer Pseudomorphosen von Muscovit mit Leukoxen nach 
Biotit. Am Ostabhang des Kellerjoches findet sich in dieser Ueber- 
gangszone auch Graphit zum Theil als Beleg der Schieferungsflächen, 
zum Theil als Einschluss in authigenem Glimmer und Quarz. Isolirte, 
mehr selbständige Glimmerblättehen stellen sich erst bei den Ueber- 
gängen zu den Phylliten ein. 


Am Ostabhang des Metzenjoches bilden jene Uebergangszonen 
mehr dünnlagig struirte Schiefer, bestehend aus weissen Feldspath- 
lamellen mit eingestreuten Quarzkörnern und diesen zwischengelagerten 
Serieitlamellen. 


Von den mit den Serieitschiefern oder mit dem Gmneiss direct in 
Verbindung tretenden Schiefern lässt sich sehr schwer eine kurze 
allgemeine Charakteristik geben. Sie setzen sich vorwiegend aus authi- 
genem Quarz und Muscovit zusammen. In der Regel findet sich noch 
Chlorit, der unter dem Mikroskop in der Aufsicht ebenso wie Mus- 
covit in unregelmässigen büchtig-lappigen Blättchen erscheint. Selten 
ist authigener Biotit und Chloritoid. Oefters stellt sich auch Plagioklas 
ein, klastischer und authigener (Albit). Im Gegensatz zum Gmeiss und 
den Sericitschiefern trifft man noch neben Apatit, Zirkon und Erz- 
partikeln Turmalin und Rutil. 


Die Art der authigenen Gesteinselemente ist im Gneiss, in den 
Serieitschiefern, den Phylliten und Wildschönauer Schiefern wesentlich 
dieselbe: Quarz, Muscovit (resp. Serieit), saurer Oligoklas. Da die Art 
der Gesteinselemente die Art der Metamorphose bezeichnet, ergibt 
sich, dass Gneiss und Schieferhülle dieselbe Metamorphose erfahren 
— wie es auch a priori das geologische Verhältnis beider fordert. 


!) Auf diesen Umstand, dass in der Randzone mehr phyllitartige Schiefer 
mit Serieitschiefern und gneissartigen Schiefern wechseln, bezieht sich die Bemerkung 
von J. Blaas: „Auch innerhalb des Augengneisses kommen rein schiefrige Lagen 
vor.“ J. Blaas, Geologischer Führer durch die Tiroler und Vorarlberger Alpen. 
Innsbruck. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (Th. Ohnesorge.) 53 


354 Th, Ohnesorge. [12] 


Die Hambergmasse. 


Ueber diese zweite O—W gestreckte und vom Zillerthal unter- 
brochene Gneissinsel lässt sich in tektonischer und petrographischer 
Beziehung weit weniger Sicheres feststellen als über die Keller- 
jochmasse. 

Die centrale Partie dieser Gneissinsel, die durchschnittlich eine 
O—W streichende, sehr steil gestellte Schieferungsebene zeigt, macht 
sehr wenig den Eindruck eines Granits. Theilweise ist dies wohl darauf 
zurückzuführen, dass diese Gneissinsel besonders in der östlich des 
Zillers liegenden Partie weitaus intensivere mechanische Beeinflussung 
zeigt als die Kellerjochmasse; dies steht wieder mit der Thatsache 
im Einklang, dass das Gebirge zwischen dem Ziller und der Alpbacher 
Ache eine so durcheinander geknetete Masse darstellt, dass es kaum 
möglich ist, in ihr ein verlässliches durchschnittliches Streichen an- 
zugeben. Der noch als Gneiss bezeichenbaren Centralpartie der Ham- 
bergmasse schliessen sich nördlich und südlich allmälig aus dem 
Gneiss hervorgehende mächtige Serieitschiefermassen an, die wieder 
seradezu ohne Uebergänge an mit ihnen concordanten Phylliten und 
sogenannten Wildschönauer Schiefern grenzen. 

Die Concordanz von Serieitschiefer und Phyllit wie die gleiche 
intensive Fältelung in beiden leitet bei Berücksichtigung der fast 
seigeren Schichtenstellung dahin, der Hamberg-Gneissinsel ebenso eine 
Aufpressung, wie sie in Fig. 1—3 für die Kellerjochinsel schematisch 
dargestellt, zu vindieiren. An der Hambergspitze fehlt wie am Rücken 
Kellerjoch—Arbeser die Serieitschieferzone. 

In petrographischer Bezienung deckt sich die Hambergmasse 
vollständig mit der des Kellerjoches. 


Die Ergebnisse der mikroskopischen Unter- 
suchung der bei der ärarischen Tiefbohrung 
zu Wels durchteuften Schichten. 


Von Dr. Richard Joh. Schubert. 
Mit einer lithographirten Tafel (Nr. XIX). 


I. Einleitung. 


Von der im October 1902 begonnenen ärarischen Tiefbohrung 
bei Wels, die am 16. Juli 1903 in einer Tiefe von 10445 m anlangte '), 
wurde mir vom hohen k. k. Ackerbauministerium ein reiches Proben- 
material zur mikroskopischen Untersuchung übergeben. „Für die Tief- 
bohrung?) wurde das Terrain nördlich der Stationsanlage Wels der 
k. k. Staatsbahnen, bezw. der von Wels zum städtischen Friedhofe 
führenden Strasse gewählt, weil in diesem Terrain durch die be- 
stehenden Gasbrunnen die stärksten Gasansammlungen constatirt sind 
und daselbst am ehesten ein günstiges Resultat der Bohrung zu ge- 
wärtigen war.“ „Der Bohrpunkt liegt auf einer vom Aerar käuflich 
erworbenen Grundparcelle ca. 330 m nordöstlich von der nordöst- 
lichsten Ecke des erwähnten Eisenbahnstationsgebäudes in 314968 m 
Meereshöhe.“ 

Aus den ersten 400 m waren nur kleine Proben aufbewahrt 
worden, was bei der faciellen Gleichartigkeit dieses oberen Schliers 
von geringer Bedeutung ist, von dieser Tiefe an jedoch beträchtliche 
Mensen aus den im Folgenden ersichtlichen Tiefen. Die meisten 
Mergel-Schlier-Proben waren mehr oder weniger leicht und gut schlämm- 
bar, manche erst nach wiederholtem Kochen und Kneten und oft auch 
dann nur unvollkommen. Von den harten, nicht schlämmbaren Mergel- 
lagen liess ich Dünnschliffe anfertigen. 

Im Nachstehenden theile ich zunächst in Kürze die bei den 
einzelnen Proben gemachten petrographischen und faunistischen Be- 
merkungen mit, um sodann die stratigraphisch-geologischen und 
paläontologischen Ergebnisse zusammenzufassen. 


1) Von der Bohrunternehmung Albert Fauck & Comp. in Wien wurde die 
Bohrung zum Zwecke der Vorweisung der zur Anwendung gekommenen Bohrmethode 
bis 1048 m fortgeführt. 

2) Nr. 34, 1903 der österreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen 
aus dem von der Redaction gezeichneten Artikel „Die Tiefbohrung des Aerars bei 
Wels in Oberösterreich“. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 3. Heft. (R. J. Schubert.) 53* 


386 Dr. Richard Joh. Schubert. [2] 


Vorerst sei es mir jedoch gestattet, den Herren Ministerialrath 
W.Göbl, Oberbergrath A. Gstöttner, Bergrath A. von Posch und 
Oberbergverwalter A. Pfeffer für die mannigfachen Informationen, die 
sie mir zu Theil werden liessen, meinen wärmsten Dank auszusprechen. 


II. Das Bohrproben-Materiale. 


1—10 m: Schotter (laut Bohrprofil). 
10—384 m: graugrüner Schlier (laut Bohrprofil). 


15 m: schlecht schlämmbar, der Schlämmrückstand besteht aus 
lauter sehr kleinen Quarzkörnern, die zuweilen zu Klümpchen zu- 
sammengeballt sind, so dass scheinbar Gehäuse agglutinirter Fora- 
miniferen vorliegen; doch konnte ich mit Sicherheit in dieser Probe 
keine organischen Reste nachweisen. 


40 m: schlecht schlämmbar, der Rückstand ähnlich wie bei der 
vorigen Probe. Von Fossilien fand ich jedoch darin vereinzelte Exem- 
plare von Globigerina bulloides Orb. 


70 m: leicht schlämmbar, die Hauptmasse des Rückstandes ist 
ebenfalls sehr feiner Quarzsand, doch sind Organismenreste häufiger, 
wenngleich auch nur spärlich. Nebst dünnen Seeigelstacheln bestimmte 
ich von Foraminiferen: 


Bolivina dilatata Reuss 

»„... Punctata Orb. 
Discorbina vilardeboana Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 


140 m: leicht schlämmbar, der Rückstand ist wie bei den obigen 
Proben, nebst Globigerina bulloides Orb. fand ich vereinzelte Bruch- 
stücke kleiner Reophax-ähnlicher agglutinirter Formen. 


200 m: gut schlämmbar, wie bei 140 m. Von Foraminiferen 
bestimmte ich: 


Bathysiphon 
Oristellaria cerepidula Fichtel und Moll 
Globigerina bulloides Orb. 

h bulloides Orb. var. triloba Reuss. 


250 m: gut schlämmbar; auch hier bildet die Hauptmasse des 
Schlämmrückstandes feiner Quarzsand, doch kommen organische Reste 
etwas häufiger vor, darunter vornehmlich: 


Globigerina bulloides Orb. und triloba Reuss, 
während Bolivina dilatata Reuss, 

Oristellaria af. inornata Orb. und 

Reophax-Bruchstücke vereinzelt vorkommen. 


270 m: unvollkommen schlämmbar; der Rückstand besteht aus 
feinem Quarzsande und ungelösten Schlierklümpchen. Von Organismen 
fand ich: 


[3] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 387 


dünne Seeigelstacheln 
Bathysiphon filiformis Sars 
Bolivina dilatata Reuss 
Nonionina umbilicatula Montf. 
Globigerina bulloides Orb. 


300 m: gut schlämmbar; der Rückstand ist gleich dem der obigen 
Proben. Die kieselig agglutinirten Foraminiferen überwiegen über die 
Globigerinen und anderen perforirten Arten, sind aber stark ver- 
drückt; ich bestimmte: 


Ammodiseus incertus Orb. 
Bathysiphon filiformis Sars 
Trochammina sp. 
Reophax-Bruchstücke 
Gaudryina abbreviata Orb. 
Bolivina punctata Orb. 
Oristellaria wetherellii Jones 

(= fragaria Gümbel) 
Rhabdogonium tricarinatum Orb. 
Truncatulina lobatula Walker und Jac. 
Pullenia sphaeroides Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 
Nonionina pompilioides Fichtel und Moll. 


330 m: gut schlämmbar; die Globigerinen sind häufiger als in 
den bisherigen Proben, aber noch immer bildet die Hauptmasse des 
Schlämmrückstandes sehr feiner Quarzsand, dem spärlich auch Glimmer- 
schüppchen beigemengt sind. Nebst dünnen Seeigelstacheln und kleinen 
(Fisch-) Zähnchen fand ich häufiger Foraminiferen, und zwar: 


Trochammina sp. 
Textularia (Gaudryina) abbreviata Orb. 
Bolivina punctata Orb. 
Nodosaria cf. venusta keuss 

E (Dentalina) cf. consobrina Orb. 
Ichabdogonium tricarinatum Orb. 
Discorbina af. eryptomphala Reuss 
Truncatulina lobatula Walker und Jae. 

: refulgens Montf. 
Globigerina bulloides Orb. 

$ triloba Reuss 
Pullenia sphaeroides Orb. 
Nonionina pompilioides Jichtel und Moll. 


360 m: schlecht schlämmbar, die Hauptmasse des Rückstandes 
besteht aus feinem Quarzsande. Auch Foraminiferen sind relativ häufig, 
und zwar: 

Ammodiscus ef. incertus Orb. 
Bathysiphon filiformis Sars 
Textularia sp. 

Bolivina dilatata Keuss 


388 Dr. Richard Joh. Schubert. [4] ! 


Bolivina punctata Orb. 
Nodosaria-Bruchstücke 
Lagen«a globosa Montf. 
Globigerina, bulloides Orb. 
Y triloba Reuss 
Pullenia sphaeroides Orb. 
Rotalia Soldanii Orb. 


380 m: schlecht schlämmbar; der Schlämmrückstand ist feiner 
Quarzsand, Organismenreste sind spärlich. Planktonformen sind dar- 
unter häufig. Im Ganzen fand ich nebst Seeigelstacheln folgende Fora- 
miniferen: 

Bathysiphon filiformis Sars 

Bolivina punctata Orb. 

Globigerina bulloides Orb. 

Pullenia quwinqueloba Beuss 
4 sphaeroides Orb. 

Nonionina umbilicatula Mont. . 
ii pompilioides Fichtel und Moll 
N scapha Fichtel und Moll. 


384—710 m: graubrauner Schlier (laut Bohrprofil) mitreicher 
Mikrofauna, ab 525 m an etwas dunkler, zwischen 552 und 570 m 
vier (0'1—08 m starke) harte dolomitische Mergellagen, zwischen 
denen „brauner“ Schlier gefunden wurde. Bei 584, 595 und 678 m 
wurden abermals harte dolomitische Mergellagen angetroffen. 


394 ım: gut schlämmbar; der Rückstand besteht aus Quarz, Pyrit- 
sowie Glauconitkernen von Foraminiferen, besonders von Rhabdam- 
mina-ähnlichen, kleinen Buliminiden und Limonitstückchen. Von Fora- 
miniferen sind häufig Globigerinen, die übrigen mehr vereinzelt: 


Bulimina elegans Orb. var. 
Nodosaria (Dentalina) cf. globularis Schub. 
Oristellaria sp. 
Rhabdogonium tricarinatum Orb. 
Chilostomella ovoidea Beuss 
Globigerina bulloides Orb. 

x trilobz Reuss 
Pullenia sphaeroides Orb, 
Nonionina umbilicatula Montf. 

\ pompilioides Fiichtel und Moll 
Truncatulina lobatula Walker und Jac. 


400—410 m: schwer schlämmbar, erst nach wiederholtem Kochen 
und Kneten. Der Rückstand besteht aus Quarzkörnern, ungelösten 
Mergelbrocken, Limonitstückchen. Makroskopisch waren erkennbar 
Schuppen von Meletta cf. sardinites, bei der mikroskopischen Unter- 
suchung vereinzelte Foraminiferen, und zwar: 


Haplophragmium inflatum Karrer 
Glomospira charoides Jones und Parker 
Bolivina melettica Andreae var. 


[5] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 389 


Nodosaria (Dentalina) seripta Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 
Nonionina umbilicatula Mont. 


4235 m: harter, nicht schlämmbarer, mit Salzsäure schwach 
brausender dolomitischer Mergel. 


430 und 440 m: wie 400-410 m, gleichfalls mit Meletta-Schuppen. 


455 m: gut und relativ leicht schlämmbar, mit Meletta-Schuppen ; 
im Rückstande sind jedoch Organismen, und zwar lediglich Fora- 
miniferen, selten: 


Oyclammina gracilis Grzybowski 
Glomospira charoides Jones und Parker 
Bolivina melettica Andr. 

Virgulina cf. Schreibersiana C2j2. 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Globigerina bulloides Orb. 


491 m: nicht schlämmbarer, harter dolomitischer Mergel. Im 
Dünnschliffe sieht man, dass die Hauptmasse des Gesteines aus zahl- 
losen winzigen Carbonatkryställchen besteht, und zwar vermuthlich 
Caleit und Dolomit. Denn der Umstand, dass das Gestein, mit Salzsäure 
betupft, bedeutend schwächer braust als die schlämmbaren Proben, 
veranlasste, es auf einen. Mg-Gehalt zu untersuchen, und ich fand in 
der That, dass diese Mergel als dolomitische Mergel bezeichnet werden 
müssen. Die Quarzkörner sind nur in untergeordnetem Masse vorhanden. 


563 und 583 m: nur zum geringsten Theile schlämmbar; harte, 
mit Salzsäure nur schwach brausende Brocken liessen im Dünn- 
schliffe dieselben Verhältnisse erkennen wie die aus der Tiefe von 
491 m stammenden Gesteinsproben. Nach einer Behandlung des Dünn- 
schliffes mit Salzsäure lösten sich die Carbonate (sowohl Caleit als 
auch die sehr dünnen Dolomitpartien) und es blieben vereinzelte eckige 
Quarzkörner zurück. Da auch bei den weichen schlämmbaren Proben 
der Rückstand, welcher nebst Organismenresten im Wesentlichen aus 
solchen Quarzkörnern besteht, nur einen geringen Volumtheil der 
Schlämmprobe ausmacht, so liegt die Vermuthung nahe, dass diese 
auskrystallisirten Carbonate der härteren Bänke dem Kalkschlamm 
der schlämmbaren Proben entsprechen, dass also die Verfestigung durch 
das Auskrystallisiren der Carbonate erfolgt sei. 


580 m: mit Meletta-Schuppen. 


590 m: gut schlämmbar. Nebst ungelösten Mergelstückchen, 
Quarzkörnern kommen im Schlämmrückstande vereinzelte Globigerinen 
(@. bulloides und triloba Reuss.), kleine Rotalinen, Bolivina. melettica 
Andr. und Lagena emaciata Reuss vor. 


600 m: gut schlämmbar. Den Rückstand bilden Quarzkörner, 
ungelöste Mergelklümpchen, Seeigelstacheln und Foraminiferen. Nur 
Cyelamminen und Globigerinen sind häufiger, die übrigen vereinzelt: 


390 Dr. Richard Joh. Schubert. 16] 


Cyclammina gracilis Grzybowski 
Bathysiphon taurinensis Sacco 
Ammodiscus incertus Orb. 
Glomospira charoides Jones und Parker 
Dentalina scripta Orb. 
Marginulina glabra Orb. 
Oristellaria cultrata Montf. 

2 mamilligere Karrer 
Bolivina punctata Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 

2 triloba Reuss 
Truncatulina af. praecineta Karr. 


613 m: gut schlämmbar; im Rückstande finden sich Quarz, 
Glimmerschüppchen, unlösbare Mergelklümpchen, auch Pyrit und 
Limonit und ziemlich häufig Foraminiferen: 


Rthabdammina abyssorum Sars 
Ammodiscus incertus Orb. 
Haplophragmium latidorsatum Born. 
Oyclammina gracilis @rzyb. 
Bathysiphon taurinensis Sacco 


cf. appenninicus Sacco 
Nodosaria cf. tympaniplectiformis Schwag. 
x exilis Neug. 


Dentalina cf. consobrina Orb. 

& ‚Rliformis var. elegans Orb. 
Cristellaria erassa Orb, 

bi rotulata Lam. 
Globigerina bulloides Orb. häufig 

n triloba Reuss häufig 
Rotalia Soldanii Orb, 
Truncatulina granosa Heuss. 


649 m: gut schlämmbar. Die Hauptmasse des Schlämmrückstandes 
bildet feiner Quarzsand sowie Glauconit und Pyritkerne von Fora- 
miniferen. Mit Schalen versehene Foraminiferen sind mehr vereinzelt: 


Trochammina sp. 
Uyclammina gracilis Grzyb. 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Bulimina rotula nov. spec. 
Oristellaria arcuatostriata Hantken 
Globigerina bulloides Orb. 

5 triloba Reuss. 


657 m: gut schlämmbar, dunkler als die vorhergehenden Proben, 
theilweise mit Salzsäure nur schwach brausend. Der Rückstand besteht 
aus ungelösten Mergelklümpehen, Quarz und Pyritkernen. Nebst dünnen 
Seeigelstacheln und (Fisch-) Zähnchen fand ich eine Anzahl von Fora- 
miniferen, und zwar: 


' 
{ 
| 
| 
v 
F 


a 
Pe 


[7] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 39] 


Rhabdammina abyssorum Sars 
Cyelammina gracilis Grzyb. 

N Bulimina elegans Orb. var. gibba m. 

n pyrula Orb. 

Chilostomella ovoidea Reuss 
Allomorphina macrostoma Karrer 
Dentalina sp. 
Oristellaria af. arcuata Karrer. 


h articulata Reuss 

A macrodisca Reuss 
Globigerina bulloides Orb. 

« triloba Reuss. 


678 m (30 cm): zum grössten Teile nicht schlämmbar; einzelne 
weichere Partien, die sich im Glase befanden, dürften aus anderen 
Tiefen stammen. 


698 m: weicher plastischer grauer (trocken hell — feucht dunkler), 
fast als Tegel zu bezeichnender Schlier, der leicht schlämmbar ist. 
Die Hauptmasse des Schlämmrückstandes bilden Gypskryställchen, 
daneben kommt Quarz vor, auch Limonit, Glimmer und schwarze 
Partikel. Foraminiferen sind darin seltener, als ich nach der leichten 
Schlämmbarkeit erwartet hätte, und zwar: 


Rhabdammina oder Reophax-Fragmente 
Bathysiphon taurinensis Sacco 
Trochammina sp. nov. indet. 
Bulimina affinis Orb. 
Ohilostomella ovoidea Reuss 
Dentalina-Bruchstücke 
Oristellaria articulata Beuss 

s cf. macrodisca Reuss 
Uvigerina pygmaea Orb. 

af. Schwageri Brady 
Globigerina bulloides Orb. 

ä triloba RBeuss 
‘Discorbina allomorphinoides Keuss. 


710—795 m: grauer Schlier (laut Bohrprofil) mit reicher Mikro- 
fauna; dunklere Lagen bei 714, 723 und 795 m (etwa 2 m mächtig), 
weiche, fast plastische Lagen bei 745 und 764 m, harte, zum Theil 
dolomitische Mergellagen (0'1— 0°8 m mächtig) etwa bei 715'8, 722, 
123, 1733-2—733'5, 760, 765, 769, 775 m. 

714m: Beim Herausnehmen aus dem Glase noch zum Theil 
knetbar, dunkel, gut schlämmbar. Im Rückstande fand ich nebst un- 
gelösten Mergelklümpchen Quarz, Glimmerschüppchen, Steinkerne von 

Rhabdamminen uud Buliminiden ausserdem 


Bathysiphon % 
Oyclammina gracilis Grzyb. 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Oristellaria cf. inornata Orb. 
Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (R. J. Schubert.) 54 


392 Dr. Richard Joh. Schubert. [8] 


Oristellaria af. elypeiformis Orb. 
Uvigerina pygmaea Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 


715'8 m: harter, nicht schlämmbarer dolomitischer Mergel. Im 
Dünnschliffe sieht man, dass die Hauptmasse aus Kalkschlamm besteht, 
der nur zum Theil etwas krystallinisches Gefüge erkennen lässt. Quarz 
ist nur untergeordnet vorhanden. Ausserdem kommen ganze Nester 
von Carbonaten vor. Mikroorganismen sind darin verhältnismöässig reich 
vertreten, aber nicht näher bestimmbar. 


723’5 m: gut schlämmbar, dunkel. Der Rückstand besteht aus 
Quarzkörnern und einer Unzahl kleiner Glauconitkerne von kleinen 
Buliminiden (Bulimina, Pleurostomella, Virgulina, Dolivina). Von grossen 
Formen bestimmte ich: 


Bathysiphon taurinensis Sacco 
Oyelammina gracilis Grzyb. 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Oristellaria cf. Erato Rzehak. 


732 m: gut schlämmbar, dunkel, mit Meletta-Schuppen. Der Rück- 
stand besteht ans ungelösten Mergelklümpchen, Quarz, Glimmer und 
Steinkernen von Buliminiden wie in der vorhergehenden Probe. 
Grössere Foraminiferen sind jedoch hier etwas häufiger, und zwar: 


Oycelammina gracilis Grzyb. 
Bathysiphon taurinensis Sacco 
Bulimin«a rotula sp. nov. 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Nodosaria tosta Schwager 
Dentalina cf. consobrina Orb. 
Oristellaria cf. macrodisca keuss 
Josephina Orb. var. umbonata m. 


Globigerina bulloides Orb. 


7332— 1535 m: harter, mit Salzsäure nur schwach brausender 
Mergel. 


1745°6—746°8 m: fast plastisch, gut schlämmbar. Die Hauptmasse 
des Rückstandes besteht aus unlösbaren grauen Mergel- und schwarzen 
Schieferstückchen (nieht Kohle) sowie Pyritklümpchen. Häufig sind 
unter den organischen Resten nur COyclammina graecilis Grzyb. und 
Steinkerne von Buliminiden. Die übrigen Formen sind mehr ver- 
einzelt, wie: 
Bulimina affinis Orb. 
Chilostomella ovoidea BReuss 
Allomorphina macrostoma Karrer 
Dentalina cf. Scharbergana Neugeb. 
Oristellaria cf. macrodisca euss 
Dvigerina af. Schwageri Br. 


751 m: gut schlämmbar; im Rückstande kommen neben Mergel- 
klümpchen und Quarz auch vereinzelte Zähnchen vor sowie Fora- 
miniferen. Häufig sind: 


[9] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 395 


Oyelammina gracilis und 
Ohilostomella ovoidea 


sowie die kleinen Buliminen (elongata) und Pleurostomellen (alternans) 
vereinzelt: 

Cyclammina pusilla Brady 

Allomorphina macrostoma Karrer 

Bulimina affinis Orb. 

Lagena marginata Walker und Boys 

Oristellaria Josephina Orb. var. umbonata m. 

Globigerina bulloides Orb. 


758 m: leicht schlämmbar und gleichwohl fand ich im Rückstande 
nur wenige Foraminiferen, nämlich: 


Uyclammina graeilis Grzyb. 
Bulimina. affinis Orb. 
Chilostomella ovoidea KReuss 
Oristellaria cf. macrodisca Reuss 
Globigerina bulloides Orb. 


758-5—758°9 m: nicht schlämmbarer, harter dolomitischer Mergel. 
1644— 7647 m: harter, nicht schlämmbarer dolomitischer Mergel. 


7647 m: gut schlämmbar. Der Schlämmrückstand besteht nebst 
ungelösten grauen und hellbraunen Mergelstückchen in feinem Quarz- 
sand, Limonit- und Pyritkernen von Rhabdamminen, schwarzen Partikeln 
und einer spärlichen Foraminiferenfauna: 


Haplophragmium cf. canariense Orb. 
Oyelammina gracilis Grzyb. 
Allomorphina cf. macrostoma Karrer 
Cristellaria sp. 


7674—768 m: sehr leicht schlämmbar; trotzdem sind im Rück- 
stande viel unlösbare Mergelstückchen vorhanden, ausserdem Pyrit- 
kerne von Rhabdamminen. Von anderen Foraminiferen bestimmte ich: 


Bathysiphon taurinensis Sacco 
Oyelammina gracilis Grzyb 
Ohilostomella ovoideu Reuss 
Allomorphina macrostoma Karrer 
Bulimina affinis Orb. 
Cristellaria sp. 

Globigerma bulloides Orb. 
Pulvinulina Haueri Orb. 


768—768'15 m: harter dolomitischer Mergel. 

7735—773°75 m: harter dolomitischer Mergel. 

778 m: gut schlämmbar. Der Schlämmrückstand besteht nebst 
ungelösten Mergelklümpchen vorwiegend aus Quarz und Foraminiferen. 
Limonit- und Pyritstückchen sind selten, Steinkerne von Buliminiden 
und Rhabdamminen häufiger. Von Foraminiferen bestimmte ich: 

b4r 


394 


Dr. Richard Joh. Schubert. . [10] 


Oyclammina gracilis Grzyb. häufig 
Chilostomella ovoidea Reuss häufig 
Allomorphina macrostoma Karrer 
Bulimina affinis Orb. 

P ovata Orb. 
Pleurostomella alternans Schwager 
Bolivina Beyrichi Reuss 
Cassidulina crassa Orb. 

Dentalina Römeri Neugeb. 
Frondicularia cf. inversa Reuss 
Oristellaria arcuatostriata Hantken 

. Kubinyi Hantken 

2 cf. macrodisca Reuss 

: aff. celypeiformis Orb. 
Marginulina subbullata Hantken 
Globigerina bulloides Orb. 

x triloba Reuss 
Discorbina allomorphinoides BReuss 
Pulvinulina Haueri Orb. 


782 m: gut schlämmbar. Enthält gleich der vorigen Probe eine 


verhältnismässig 


reiche Foraminiferenfauna: 


Cyclammina gracilis Grzyb. 
Trochammina cf. proteus Karrer 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Allomorphina macrostoma Karrer 
Dulimina aculeata Orb. var. 

% affinis Orb. 
Virgulina Schreibersiana (Ü2j2. 
Pleurostomella alternans Schwag. 
Bolivina Beyrichi Reuss 
Oristellaria articulata Reuss 

5 macrodisca carinata L. und Sch. 
Dvigerina Schwageri Br. 
Globigerina bulloides Orb. 
Discorbina allomorphinoides Reuss 
Pulvinulina Haueri Orb. 


792 m: leicht schlämmbar, gleichwohl sind einige Klümpchen 
nicht löslich. Nebst Fischzähnchen sind nur spärliche Foraminiferen 


darin enthalten: 


Cyclammina gracilis Grzyb. 
Bolivina melettica Andr. var. 
Cristellaria sp. 

Üvigerina urnula Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 


796°7 — 797 m: harter, nicht schlämmbarer dolomitischer Mergel. 


| 
| 
| 


[11] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 395 


797—921 m: graubrauner Schlier (laut Bohrprofil) mit reicher 
Mikrofauna. Eine fast plastische Lage war in diesem eingeschaltet 
bei-864 m, harte (0'1—0'8 m mächtige), offenbar dolomitische Lagen 
ungefähr bei 8056-8058, 810, 816481655, 827:8—828- 2, 
8342 — 8345, 865, 868, 882° 4 — 882- 8,. 885, 892:7— 892 8, 
895 —895°3, 913 Mm. 


805:6—805°8 m: harter, nicht schlämmbarer dolomitischer Mergel. 


8105 m: gut schlämmbar; der Rückstand besteht aus harten 
Mersgelstückcehen, Pyrit, Quarz und Glauconitkernen. Unter den Fora- 
miniferen ist häufig Oyclammina gracilis Grzyb., ausserdem fand ich: 


Bathysiphon taurinensis Sacco 
Bulimina affinis Orb. 
Bolivina Beyrichi Reuss 

a melettica Andr. 
Pleurostomella alternans Schwag. 
Marginulina glabra Orb. 
Oristellaria Josephina Orb. 
Uvigerina pygmaea Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 
Pulvinulina Haueri Orb. 


816°4—81655 m: harter dolomitischer Mergel. 


822 m: gut schlämmbar. Der Schlämmrückstand besteht vorzugs- 
weise aus ungelöstem Mergel, Quarz und Pyritkernen von Rhabdamminen. 
Von sonstigen Foraminiferen fand ich: 


Öyclammina gracilis Grzyb. 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Bathysiphon sp. 
Globigerina bulloides Orb. 
8 triloba Reuss 
Pulvinulina Haueri Orb. 


827-85—828'2 m: harter dolomitischer Merge] wie aus der Tiefe 
491 m; im Dünnschliffe sieht man, wie er von in Schlieren angeordneten 
Pyrit(?)partikelchen durchsetzt ist, die theilweise in Zersetzung über- 
singen und durch erdigen Limonit gelblich gefärbte Zonen bilden. 
Fossilien sind darin nur sehr selten. 


8305 m: gut schlämmbar. Die Foraminiferenfauna ist ziemlich 
reichhaltig; ich fand: 


Reophax cylindrica Br. 
Oyclammina gracilis Grzyb. 
Bigenerina robusta Brady häufig 
Bulimina elegans Orb. 

- affinis Orb. 
Chilostomella ovoidea Reuss häufig 
Pleetofrondicularia concava Lieb. 
Nodosaria ambigua Neug. 


396 Dr. Richard Joh. Schubert. [12] 


Cristellaria articulata Reuss 
cf. arcuala Karrer 

2 cf. nitida Reuss 
Globigerina bulloides Orb. 

e af. aequilateralis Orb. 
Pulvinulina Haueri Orb. 


8342—8345 m: harter dolomitischer Mergel, von Calecitadern 
durchzogen. 

841 m: gut schlämmbar. Der Rückstand besteht eo aus 
Quarzsand und ungelöstem Mergel. Von Foraminiferen fand ich: 


” 


Reophax eylindrica Br. 
Rhabdammina abyssorum Sars 
Öyclammina gracilis Grzyb. 
Bigenerina robusta Brady 
Bulimina elegans Orb. 
Bolivina af. textilarioides Reuss 
Cassidulina crassa Orb. 
Globigerina bulloides Orb. 

„... ‚triüoba Beuss 
Discorbina allomorphinoides Reuss 
Pulvinulina Haueri Orb. 


852 m: gut schlämmbar. Foraminiferen sind in dem aus Quarz 
und Limonit bestehenden Rückstande selten, und zwar: 


Oyclammina gracilis Grzyb. 
Bulimina affinis var. tenuissimestriata m. 
Pulvinulina Haueri Orb. 


860 m: gut schlämmbar. Nebst mehr vereinzelten Quarzkörnern 
sind Limonitscherben massenhaft, die offenbar von Concretionen 
stammen. Von organischen Resten ist die erste der in folgenden 
Arten am häufigsten: 


Oyclammina gracilis Grzyb. 
Bathysiphon taurinensis Sacco 
Bulimina cf. elongata Orb. 
Nodosaria cf. perversa Schwag. 
cf. Bigenerina robusta Brady 
Cristellaria articulata Reuss 

cf. rotulata Lam. 
Pulvinulina repanda F. und M. 

e Haweri Orb. 


872 m: gut schlämmbar. Nebst ungelösten Mergelklümpchen sind 
Glimmer, Quarz und Limonit im Rückstande vorhanden, Foraminiferen 
nur spärlich: 

Bulimina sp. 

Nodosaria cf. bacillum Defr. 
Sagrina dimorpha var. ornata m. 
Pulvinulina Haueri Orb. 


[13] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 397 


875 m: gut schlämmbar. Im Rückstande sind nebst Quarzkörnern 
und Glimmerschüppchen Kohlenstückchen vorhanden. Die Organismen- 
reste sind spärlich, denn nebst vereinzelten (Fisch-) Zähnchen fand 
ich nur wenige Foraminiferen, und zwar: 


Uyclammina graecilis Grzyb. 
_ Oristellaria inornata Orb. 
Globigerina triloba Reuss 
Orbulina universa Orb. 


881 m: gut schlämmbar, trotzdem blieben unlösbare Mergel- 
klümpchen übrig, ausserdem Quarz und vereinzelte Oyclammina gracilis 
nebst unbestimmbaren anderen Formen. 


882:4—882'8 m: harter dolomitischer Mergel, von Caleitadern 
durchzogen. 


8832 m: gut schlämmbar, jedoch mit viel Rückstand, darunter 
harten Mergelstückchen, schwarzen Partikeln, Limonit, Pyrit, Quarz 
und dünnen Seeigelstacheln, Zähnchen sowie eine ziemlich reiche 
Mikrofauna: 

Bathysiphon taurinensis Sacco 
Oyclammina gracilis Grzyb. 
Bigenerina robusta Br. 
Bulimina affinis Orb. var. tenuissimestriata m. 

„ elegans var. gibba m. 
Ohilostomella ovoidea Reuss 
Cristellaria articulata Reuss 

” cy. inornata Orb. 

£ austriaca Orb. 
Marginulina pediformis Born. 
Üvigerina pygmaea Orb. 

2 Schwageri Dr. 
Sagrina dimorpha var. ornata m. 
Globigerina bulloides Orb. 

aequilateralis Br. 

x triloba Reuss 
Discorbina allomorphinoides Reuss 

a aff. alata Marsson 
Pulvinulina Haueri Orb. 


» 


885°4—885°6 m: harter, nicht schlämmbarer dolomitischer Mergel. 


891-5 m: gut schlämmbar. Der Schlämmrückstand besteht aus 
ungelösten Mergelklümpchen, Quarz, Glimmer und anderen minera- 
lischen Partikeln. Foraminiferen sind spärlich vorhanden, die kieseligen 
überwiegen: 

Cyclammina gracilis Grzyb. 

N pusilla Brady var. 
Bathysiphon taurinensis Sacco 
Trochammina sp. 

Bigenerina robusta Br. 


398 Dr. Richard Joh. Schubert. [14] 


Ohtlostomella ovoidea Reuss 
Uvigerina Schwageri Br. 
Anomalina rotula Orb. 
Pulvinulina Haueri Orb. 


892:7— 8928 m und 
895—895°3 m: harter dolomitischer Mergel. 


9005 m: zum Theil schlämmbar, meist jedoch hart, unlöslich. Im 
Rückstande fand ich Foraminiferen, die offenbar aus den weicheren 
Partien stammen, und zwar: 


Haplophragmium rotulatum Br. 
canariense Orb. 
Bathysiphon taurinensis Dacco 
Uyclammina gracılis Grzyb. 
Bulimina elongata Orb. 
Nodosaria cf. consobrina Orb. 
Vvigerina urnula Orb. | 
Discorbina rugosa Orb. minuta 
Globigerina bulloides Orb. 


911 m: grösstentheils hart, aus einigen weicheren Partien 
schlämmte ich jedoch folgende Arten: 


Uyclammina gracilis Grzyb. 
Bulimina af. subornata Br. 

af. aculeata Orb. 
Dentalina af. Adolfina Orb. 
Truncatulina granosa Reuss. 


9215 m: gut schlämmbar. Die Hauptmasse des Schlämmrück- 
standes besteht aus Steinkernen (Pyrit, Glauconit) von kleinen Buli- 
miniden und Rhabdamminen; Quarzkörner sind seltener. Nebst dünnen 
Seeigelstachelfragmenten fand ich folgende Foraminiferen: 


Rhabdammina abyssorum Sars 

’ cf. linearis Brady 
Oyclammina gracilis Grzyb. 
cf. Digenerina robusta Brady 
Bulimina af. elongata Orb. 
Chilostomella ovoidea Reuss 
Glandulina rotundata Reuss 
Nodosaria cf. scalaris Batsch 

3 cf. badenensis Orb. 
Oristellaria af. mamilligera Karrer 
Üvigerina pygmaea Orb. 
Ramulina levis Jones 
Discorbina allomorphinoides Reuss 

= rugosa Orb. var. minuta 
Truncatulina granosa Reuss 

a Römeri Reuss. 


[15] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 399 


922--980 m: Schlierähnlicher Mergel (937—962 m mit viel 
Bitumen laut Bohrprofil) mit spärlicher Bodenfauna und 
verhältnismässig zahlreichen Meletia-Schuppen. 


925:1—925°6 m: meist hart, nicht schlämmbar. 


931 m: sehr gut schlämmbar; der Rückstand besteht vorwiegend 
aus Quarzsand und Glimmer. Organismenreste sind nur vereinzelt. Ich 
fand nebst Meletta-Schuppen und Truncatulina af, badenensis Orb. auch 
andere unbestimmbare Reste. 


940 m: Die Probe brauste nur schwach mit Salzsäure, liess sich 
gut schlämmen, so dass der Rückstand fast aus lauter feinen Quarz- 
körnern besteht, dem Glimmer und Pyrit nur in untergeordnetem 
Masse beigemengt sind. Von Mikroorganismen fand ich nur Bruch- 
stücke von Bathysiphon cf. tawrinensis. Meletta-Schuppen sind vorhanden. 


950 m: schlecht schlämmbar, fast kalkfrei. Organismenreste nur 
fragmentarisch. 


In der Tiefe von 950—960 m wurden Reste eines grösseren 
Fisches gefunden (Fragmente von Flossenstacheln), die mich an den 
von OÖ. Reis aus der bayrischen brackischen Molasse angeführten 
Palaeorhynchus giganteum Wagn. erinnerten. Ich sandte sie zum Ver- 
gleich mit den bayrischen Originalien an Herrn Dr. Reis nach München. 
Ueber die Ergebnisse der Untersuchung wird in einer nachträglichen 
Notiz berichtet werden. 


958—961 m: DBändermergel, dünne weisse Lagen mit grau- 
braunen wechselnd. Der Rückstand besteht aus ungelösten weissen 
und dunkeln Mergelbrocken; die weissen brausen in Salzsäure viel 
lebhafter als die dunkeln. Von Organismen fand ich nur vereinzelte 
Meletta-Schuppen. 


962 m: anscheinend kalkfreier dunkelblaugrauer Schieferthon, 
der geschlämmt im Schlämmrückstand vereinzelte kleine Foraminiferen 
enthielt, wie: 

Globigerina bulloides Orb. 


’ a var. triloba Reuss 
Pullenia sphaeroides Orb. 
Truncatulina lobatula W. und J. 


h sp. ind. 


also nebst vereinzelten Bodenformen auch marine Planktonarten. 


Aus der Tiefe 961—962 m liegen mir zahlreiche Pyritkrystalle 
und Knollen vor. 

9625 m: nur unvollkommen schlämmbar. Rückstand aus unge- 
löstem Mergel, Pyrit und Quarz bestehend, mit F/0l schwach brausend. 
Meletta-Schuppen sind die einzigen Organismenreste, die ich fand. 

962:5—963 m: Sandstein laut Bohrprofil. 

9635 m: grobkörniger Quarzsandstein mit Limonit, Pyrit, 
kohligen Pigmenten, z. Th. aus kalkigem Cement. 

Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (R. J. Schubert.) 55 


400 Dr. Richard Joh. Schubert. l [16] 


965:4—966°4 m: graubraune weiche Mergel, in welche harte 
Mergelstückchen eingeschlossen sind. Als Rückstand der weicheren 
Partien. fand ich wie beim Schlier Quarz, Glimmer und Pyrit, ‘auch 
vereinzelte Ostracodenschälchen. 


966°4—967'8 m: braune Mergel. 


967:8—969 m: harter, sandiger, nicht schlämmbarer, kalkreicher 
Mergel mit Pyrit, Limonit, auch kleinen Kohlenbrocken. 


969—970°2 m: gebänderte Mergel. 


9702—973°1 m: mehr oder weniger kalkreicher, sandiger, harter 
Mergel mit zahlreichen Meletta-Schuppen. 


974—975 m: kalkhaltiger, glimmeriger Mergel, der dem typischen 
Schlier sehr ähnlich sieht, mit Meletta-Schuppen. 


979°4—980 m: laut Etiquette „lichtgrauer Lehm mit Sand aus 
den Zwischenmitteln“, brauste mit Salzsäure nicht; im Schlämmrück- 
stande überwiegt der Quarz. 

Eine zweite Probe mit der gleichen Tiefenangabe enthält einen 
schlieräbnlichen glimmerig-sandigen, mit Salzsäure gleichfalls nicht 
brausenden harten Mergel, der „viel Bitumen“ enthalten soll. Von 
Organismen konnte ich nur Meletta-Schuppen finden. 


982—988 m: grober Quarzsand (laut Bohrprofil). 


982—984 m: durch Nachfall von bituminösem Schiefer ver- 
unreinigter grober Quarzsand, der völlig kalkfrei zu sein scheint. 


9885—9896 m: hellbläulichgrauer Letten, kalkfrei, plastisch, 
doch im Verlaufe des Schlämmens nahm die leichte Knetbarkeit 
rasch ab und nach relativ kurzer Zeit blieb ein Haufwerk von 
Quarzsand (aus eckigen bis wenig gerollten Körnern bestehend) 
und Pyritstückchen zurück, nachdem der feine bläulichgraue Schlick, 
der sie einhüllte und die Plastieität bedingte, fortgeschlämmt war. 
Auch erdige Limonitstückchen und Mergelklümpchen, die jedoch 
aus geringeren Tiefen stammen dürften, beobachtete ich, von 
Foraminiferen oder anderen Organismen dagegen keine Spur. 


9896 —991°6 m: grober Quarzsandstein mit thonigem, durch 
erdigen Limonit braungefärbtem Cement, auch Pyrit- und Limonit- 
partikelchen. 


991-6—996°5 m: bunte Thone. 


991:6—992°6 m: sandige, bläuliche bis braune Letten mit ebenso 
gefärbten Sandsteinzwischenlagen. 


993—995 m: sandige, bläuliche bis rothe, kalkfreie Schieferthone. 


9965—999 m: grauer Sandstein, an der Basis auch „Trümmer- 
gestein“ (laut Bohrprofil). 


399—9996 m: grüne Letten, sandig, mit Pyrit, kalkfrei. 


j 
E 


17 Mikrosk. Untersuchung: amlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 401 


999. 6— 10109 m: Glauconitsandsteine mit: Lehmzwischen- 
lagen. 
3000 — 1001.m: feiner grünlichweisser Glauconitsandstein mit Pyrit. 
1002:4— 10028 m: dunklerer Glauconitsandstein mit Pyrit. 
1002:8— 1003 m: grünlichgrauer sandiger Lehm. 
1003— 1004 m: Glauconitsandstein. 
1005 m: grauer Lehm. 
1008 m: dunkler glauconitischer Lehm. 
1008-8 — 1009-1 m: glimmeriger, sandiger, schlierähnlicher 
Schieferthon. 
1009-1 - 10097 m: glauconitischer Lehm. 
1009:7— 1009-9: grauer, sandiger, glauconitischer Lehm. 
1009:9—1010°2 »n: glauconitischer Sandstein. Quarz spärlicher 


“ als Glauconit, der in relativ grossen Körnern vorhanden ist. 


10106 m: schlierähnlicher, stellenweise glaueonitischer, sandiger 
Schieferthon. 
1010'9 m: dunkler Glauconitsandstein. 


10125—1015 m: schlierähnlicher, glimmerig-sandiger 
Schieferthon. 
10125 m: mit eingestreuten Brocken eines groben Quarzcon- 
glomerats. 
1015 m: mit gerundeten Quarzkörnern gemischt. 


1015—10228 m: graue kalkfreie Sandsteine, 
1018 und 10184 m: weisslichgrauer Quarzsandstein, z. Th. mit 
ziemlich groben Quarzgeröllen. 
10194 m: grauschwarzer Quarzsandstein. 
101965 m: grauschwarzer Quarzsandstein. 
10224 ın: grobkörniger Quarzsandstein mit magnetitischem Cement. 
1022-8 m: hellgrauer sandiger, z. Th. kaolinischer. Thon. 


1022:5—1024 m: braune und graue Schieferthone mit Kohlen- 
häutchen und -Brocken, kalkfrei; im Dünnschliffe sieht man, dass 
die psammitischen Gemenetheile stark den pelitischen gegenüber 
zurücktreten. Auch Erzpartikelehen, Quarz und Glimmer sind unter- 
scheidbar. 


1024—1029 5 m:. weisser grobkörniger Quarzsandstein, 

10247 m: grobkörniger Quarzsandstein mit Pyrit, Limonit und 
einer serieitähnlichen Substanz. 

1025 m und 10278 m: weisser Quarzsandstein mit eingestreuten 
Maanetitstückchen. 

10282— 10284 m: kaolinisch. 

1028-9—1029°5 m: weisser, stellenweise röthlich gefärbter Quarz- 
sandstein. 


1029 5—1036°8 m: bunte und rothe eissenschüssige Sand- 
steine, 


10302 »n: rothe Sandsteine, ebenso aus der Tiefe von 1031 m. 
59° 


402 Dr. Richard Joh. Schubert. [18] 

10345 m: weiss- und rothgefleckte Sandsteine; im Dünnschliffe 
erweisen sie sich als grobkörnige Quarzsandsteine mit erdigem, roth- 
braunem bis rothem Limonit (Hämatit?) als Cement. 


1035°4 m: roth- und grüngefleckter Sandstein; im Dünnschliffe 
erkennt man, dass der Quarz stark kataklastisch ist, der von dem 
tiefer anstehenden Gneiss stammen dürfte. Auch der häufige Serieit 
dürfte vom Grundgebirge herstammen. 


1036°5 m: gleichfalls roth- und grüngefleckte Sandsteine. 
1036°8—1048 m: Cordieritgranitgneiss. 


III. Faunistische Zusammenfassung. 


Die Proben aus den zwischen 982 m und 1048 »n durchteuften 
Schichten erwiesen sich als fossilleer und so gut wie völlig kalkfrei, 
so dass sie bei dem groben Rückstande, den die lettenartigen Gebilde 
ergaben, nur als Süsswassergebilde angesprochen werden können. Die 
Mergel zwischen 982 m und 10 m dagegen sind zum grössten Theile 
fossilführend. Nach den eingeschlossenen Fossilresten lassen sie sich 
in drei Gruppen gliedern. 

Die unterste versteinerungsführende Schichtgruppe (982—922 ın) 
unterscheidet sich von den beiden oberen durch die sehr ärmliche 
Mikrofauna, welche in den damaligen Gewässern die Bodenfauna 
bildete. Es sind nur spärliche Foraminiferen, die für die wenigstens 
zum Theil gesalzene Beschaffenheit der Gewässer, in denen sie lebten, 
sprechen. Häufiger als in den Mergeln von 922 m aufwärts sind 
dagegen Meletta-Schuppen vorhanden, und zwar wahrscheinlich von 
M. sardinites. Von sonstigen Organismen beobachtete ich auch noch 
meist undeutliche Reste von Radiolarien, Ostracoden und Flossenstachel- 
fragmente von Fischen. Das relativ reichliche Vorkommen von Meletta 
scheint darauf hinzudeuten, dass: in diesen 60 m mächtigen Mergeln 
(und untergeordnet Thonen und Sandsteinen) marine Bildungen vor- 
liegen. Dagegen ist es auffallend, dass die am Meeresgrund lebenden 
Organismen an Häufigkeit so sehr gegenüber denen der oberen 900 m 
zurückstehen. Es müssen also physikalische Verhältnisse in den Ge- 
wässern geherrscht haben, welche günstigere Existenzbedingungen für 
Fische aus der Gattung Meletta — also für Clupeiden — boten als für am 
Meeresgrunde lebende oder überhaupt für schalentragende Organismen. 
Ich glaube, dass ein wechselnder, zum Theil sehr geringer Salzgehalt 
in ungezwungener Weise als Ursache dieser Erscheinung angesehen 
werden kann, da ja schon die vertikale Steilung dieser Absätze zwischen 
einer offenbaren Süsswasserbildung und einer ausgesprochen marinen 
Sedimentfolge annehmen lässt, dass ein (vielleicht von Osten) vor- 
dringendes Meer die Süsswasserseen, deren Absätze die Letten, Lehme 
und Sandsteine zwischen 1036°8 m und 982 m darstellen, zunächst in 
brackische Gewässer verwandelte. Mit dieser Deutung der Absätze aus 
den Tiefen 982—922 m als Brackwasserabsätze lässt sich auch das 


[19] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 403 


Vorkommen der ziemlich häufigen Meletta-Schuppen vereinbaren, da 
ja die Clupeiden überhaupt zwar hauptsächlich Küstenfische sind, 
viele von ihnen jedoch süsse, mit dem Meere communicirende Gewässer 
besuchen oder in solchen leben !). Auffallend ist die Thatsache, dass 
gerade diese Mergel bituminöser sind als diejenigen der oberen 900 m, 
die sich wohl auf eine reichere Fischfauna, vielleicht auch auf schalen- 
lose Planktonthiere zurückführen lässt. 

Die Mergel aus der Tiefe 921'’5 m sind die tiefsten, aus denen 
mir eine reichere Mikrofauna vorliegt. Auf Seite 398 führte ich 16 Arten 
an, doch würde die Untersuchung eines grösseren Mergelquantums 
zweifellos eine reiche Artenliste ergeben. Hier sind bereits einige 
jener Typen vorhanden, die für den Schlier zwischen 384 m und 
9215 m bezeichnend sind, wie Cyclammina gracilis, Chilostomella ovoidea, 
Discorbina allomorphinoides, während ich andere, wie Bathysiphon 
taurinensis, Pulvinulina Haueri, erst von 900 m an kenne. Nebst 
diesen bezeichnenderen Typen sind zahlreiche andere Foraminiferen 
in diesen tieferen Schliermergeln vorhanden; Fragmente dünner 
Seeigelstacheln und sehr spärliche Molluskenreste sowie Fischzähnchen 
und Schuppen von Meletta af. sardinites, auch anderen nicht näher 
bestimmbaren Fischen deuten darauf hin, dass diese Meere auch von 
höheren Thieren, wenngleich mehr vereinzelt, bewohnt wurden. Meletta- 
Schuppen liegen mir aus den Tiefen von 7332—733 5 m und von 
400—410 m, 430—440 m und 455 m vor. Daraus lässt sich schliessen, 
dass Meletta nicht ständig die Gewässer, deren Absätze der marine 
Welser Schlier darstellt, bewohnte, sondern lediglich zeitweilig aus 
Küstengegenden in die tieferen Meerestheile zog. Unter der Mikrofauna 
— den Foraminiferen — sind die benthonisch lebenden Formen viel 
reichlicher vertreten als die Oberflächenformen, obwohl ich Globi- 
gerinen fast in jeder untersuchten Probe -fand. Wenn die Faunen 
der einzelnen Bohrproben nicht gerade artenreich zu nennen sind, 
so ist dies gewiss zum Theil auf geringe Mengen des untersuchten 
Materials zurückzuführen. Andererseits lässt der geringere Schlämm- 
rückstand der Mergelproben und der oft sehr geringe Procentsatz 
der in diesem enthaltenen organischen Reste erkennen, dass in den 
Meeren, deren Absatz der Welser Schlier ist, nicht nur die Makro-, 
sondern auch die Mikrofauna eine weit weniger reichhaltige war als in 
denen, deren Sedimente zum Beispiel im Badener Tegel vorliegen, Die 
Unterschiede zwischen Schlier und Badener Tegel können nicht in erster 
Linie in einer grösseren Absatztiefe des ersteren gesucht werden, da 
im Rückstande des ersteren durchwegs Quarzkörner reichlich vorhanden 
sind und die organischen Reste hinter den Quarzkörnern an Menge 
meist zurückstehen, während der Badener Tegel oft ausschliesslich 
aus Mikroorganismen und Bruchstücken höherer Thiere besteht. 
Andererseits kann der Schlier keineswegs seiner Foraminiferenfauna 
nach als Seichtwassergebilde bezeichnet werden, wenngleich, wie im 
folgenden Abschnitte näher ausgeführt werden soll, in Schlierproben, 
welche aus küstennäheren Gebieten stammten, wie von Linz und 


1) Günther, Handbuch der Ichthyologie, übersetzt von Hayek, Wien 1886, 
pag. 472. 


404 Dr. Richard Joh. Schubert. : [20] 


Ottnang, auch Seichtwassertypen gefunden wurden. Gypskryställchen 
fand ich nur in wenigen Proben, häufig nur in der Tiefe von 698 m 
als Schlämmrückstand eines weichen, fast plastischen, grauen Mergels. 
Häufiger konnte ich dagegen besonders in den harten, nicht schlämm- 
baren Mergeln einen grösseren Magnesiagehalt nachweisen und diesen 
möchte ich als eine der Hauptursachen der eigenartigen ärmlichen 
Faunen annehmen. 

Aus den obersten 400 m lagen mir weniger zahlreiche und 
auch kleinere Proben von derselben Tiefbohrung vor als aus den 
tieferen Schichten. Gleichwohl liess sich mit Sicherheit erkennen, 
dass etwa von 400 m an allmälig eine Faunenänderung stattfand. 
Die im unteren Schlier häufigen Cyelamminen, Chilostomellen, Allo- 
mörphinen, Haplophragmien, Nodosarien, Cristellarien, Buliminen, 
Uvigerinen verschwinden zum Theil ganz, zum Theil werden sie 
durch andere Arten ersetzt. Ausserdem ist wahrzunehmen, dass die 
benthonischen Formen spärlicher werden und dadurch die Plankton- 
formen — hier vorwiegend Globigerinen — relativ häufiger sind. Ja 
in der Probe aus 40 m Tiefe fand ich nur vereinzelte Globigerina 
bulloides. Hieraus ergibt sich, dass in den Meeren, aus dem die 
sandigen Mergel der obersten 400 m stammen, auch die in den 
Meerestiefen lebenden Mikroorganismen allmälig arten- und individuen- 
ärmer wurden und schliesslich, wenigstens local, ganz ausstarben, so 
dass dann diese Meere vorzugsweise von Planktonformen bewohnt 
wurden, und zwar vielleicht nicht nur von Foraminiferen, sondern wohl 
überwiegend von schalenlosen Organismen wie Quallen, Polychaeten, 
verschiedenen Larvenstadien ete. Gasausströmungen wurden bei der 
ärarischen Tiefbohrung vornehmlich bei 133 m 192'6 m, 329 m und 
370 m), auch zwischen 160 und 180 m beobachtet. Nun enthielten 
die Schlämmrückstände besonders aus den obersten 200 ın, soweit 
mir davon Proben vorlagen, nur sehr kärgliche Reste von schalen- 
tragenden Organismen, so dass in Anbetracht der gerade in diesen 
Schichten reichlicheren Gasmengen das ehemalige Vorhandensein von 
schalenlosen Organismen angenommen werden muss. Denn dass die 
brennbaren Welser Gase organischen Ursprunges sind, kann wohl als 
sicher angenommen werden. Ferner glaube ich, dass das Gas im oberen 
Schlier sich bildete und nicht etwa aus tieferen Schichten stammt. 
Denn, wie Prof. G. A. Koch in einigen seiner zahlreichen Aufsätze 
über die Welser Gasvorkommen?) betont, sind ja tiefer reichende 
Spalten im Schlier nicht bekannt und auch abgesehen von den harten 
dolomitischen, oft bis 12 m mächtigen Einlagerungen, über deren 
horizontale Ausdehnung mir keine näheren Angaben vorliegen, ist der 
grösste Theil des Schliers undurchlässig. Der in vielen Gasbrunnen 
beobachtete missliche Umstand, dass die Ergiebigkeit an Gas im 
Laufe relativ geringer Zeit bedeutend sich verminderte, spricht gleich- 
falls dafür, dass die Gasvorkommnisse des Welser Schliers autigen sind. 

Die Art des Gasvorkommens lässt mit ziemlicher Sicherheit 
darauf schliessen, dass innerhalb des im Ganzen und Grossen undurch- 


‘) Oesterr. Zeitschr. für Berg- und Hüttenwesen 1903, pag. 462. 
°) Vergl. das Literaturverzeichnis am Schlusse dieser Arbeit. 


[21] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 405 


lässigen Schliers einige mehr sandige Lagen etwa in Form lang- 
gestreckter Linsen vorhanden sind, in denen sich die Naturgase vor- 
nehmlich anreicherten, wie dies ja auch allgemein angenommen wurde. 
Von grosser Bedeutung war jedoch, dass durch die bis ins Grund- 
gebirge reichende Bohrung erwiesen wurde, dass die unteren mehr 
‘minder bituminösen Mergelschiefer nicht gasführend sind und dass 
ein Ersatz der dem oberen Schlier entnommenen Gasmengen nicht 
zu erwarten ist. 


IV. Faunistische Vergleiche. 


Mit der von Reuss beschriebenen Foraminiferenfauna von 
Wielieczka!) hat der Welser Schlier eine verhältnismässig kleine 
Anzahl von Arten gemeinsam (etwa der vierte Theil der von mir in Wels 
gefundenen Arten wird auch von Reuss aus Wieliczka eitirt), was 
durch die verschiedene Facies erklärlich ist. Denn die zahlreichen (38) 
Milioliden fehlen dem Welser Schlier völlig, ebenso die Gattungen 
Alveglina, Peneroplis, die Polystomellen, Heterosteginen, Amphisteginen 
und anderen Typen, wie sie in Absätzen seichter Meere vorkommen. 
In Wieliczka fehlen wiederum, wenigstens nach den bisherigen Unter- 
suchungen (Reuss kannte 154 Arten), die Öyelamminen, Rhabdamminen, 
Bathysiphon, Haplophragmien und anderen Tiefseetypen. Ob Wieliezka 
und Wels gleichaltrig sind, lässt sich auf Grund der Foraminiferen- 
fauna (und vorzugsweise diese liegt mir aus Wels vor) unmöglich ent- 
scheiden, faciell sind beide Gebilde zweifellos verschieden. 

Zu der Fauna der naphthaführenden Schichten der Umgebung 
von Krosno, die Grzybowski 1898 beschrieb 2), hat die Fauna 
des Welser Schliers gleichfalls nur geringe Beziehungen; denn bei 
Krosno überwiegen die agglutinirten Formen und Reophax, Ammodiscus, 
Trochammina weisen die grösste Artenzahl auf. Uebrigens ist diese 
Fauna wohl zweifellos älter, liegt unter dem Menilitschiefer und wird 
von Grzybowski als oberstes Focän aufgefasst (Anzeigen d. Krakauer 
Akademie, Mai 1897). 

Aus dem Schlier sind Foraminiferenfaunen aus Oberösterreich, 
Niederösterreich und Mähren bisher beschrieben worden. Was nun die 
des oberösterreichischen Schliers betrifft, so gab Reuss 1854 eine 
Liste aus der Gegend von Lin z°) (am Wege gegen Kirnberg, Hauserer 
Bauernhaus), und zwar führt er auf Seite 71 24 Formen an, darunter 
neun neue, jedoch zum Theil bis heute noch nicht von ihm beschriebene. 
Die formenreichste Gattung ist Polystomella (mit fünf Arten), im Ganzen 
ein Seichtwassertypus, speciell i in der Art P. erispa, während der Formen- 
kreis der striatopunctata, zu welcher Brady P. Antonina Orb. und 
P. Listeri Orb. zieht, auch in grössere Tiefen hinabgeht. Andere bei 
Linz gefundene Arten wie nude Haueri Orb., Cristellaria elypei- 
formis Orb., Uvigerina pygmea Orb. fand ich auch in Wels. 


1) Sitzungsberichte d. Wiener Akad. d. Wissensch. LV. Bd., 1867. 
2) Krakau, Rozpr. ak. um, mat. przyr. Ser. II, Tom. XII, 1898, pag. 257 u. fl. 
3) ©. Ehrlich, Geogn. Wanderungen in den nordöstl. Alpen. Linz 1854. 


406 Dr. Richard Joh. Schubert. . 122] 


Aus dem Schlier von Ottnang gab Reuss 18641) eine Fora- 
miniferenliste. Von diesem Schlier sagt er, er lasse sich nur schwer 
schlämmen und sei im Allgemeinen arm an Foraminiferen, welche 
schon bei flüchtigem Anblicke durch ihre ungemeine Kleinheit auf- 
fallen. Im Ganzen führt er 21 Arten an (von denen drei wegen des 
schlechten Erhaltungszustandes nicht näher bestimmt wurden), unter 
denen am reichlichsten Cristellariden, dann Milioliden und Nodo- 
sariden sind. KRotaliden, Cassiduliniden, Textulariden und Uvelli- 
den (non Ucelliden) seien nur durch vereinzelte Arten vertreten, 
die übrigen Familien fehlen ganz. Als auffallend hebt Reuss (ibid. 
pag. 21) „das gänzliche Fehlen aller Globigerinen und Polystomiden“ 
(wohl Polystomelliden) hervor. Zwar fehlte nun in den von Reuss 
untersuchten Proben Polystomella, die artenreichste Küstenform von 
Linz, doch spricht die relativ reichliche Vertretung anderer Seicht- 
wassertypen, nämlich Quingqueloculina und Triloculina (also von Milio- 
linen nach der gegenwärtigen Terminologie), fünf unter 21 Arten, 
und das von Reuss betonte völlige Fehlen von Globigerinen (Plankton) 
dafür, dass auch der Schlier von Ottnang, wenigstens der von Reuss 
untersuchte, in geringerer Tiefe abgesetzt wurde als der von Wels. 
Denn wenn die Planktonformen auch jenem Meeresteile sicherlich 
nicht fehlen, so traten sie doch so auffallend gegenüber der Tiefen- 
fauna zurück, dass sie bei der Untersuchung nur einzelner Proben 
ganz zu fehlen schienen. 

Ein Blick auf die geologische Karte ergibt, dass Linz dem 
Nordrande des oberösterreichischen Tertiärbeckens ganz nahe liegt, 
Öttnang dagegen dem Flyschrande, wenn auch nicht so wie Linz dem 
Urgebirgsrande genähert ist. Wels liegt zwischen beiden ungefähr 
in der Mitte, also auch gegen die Mitte des Beckens zu. Es ist daher 
das im Vorstehenden ausgeführte Faunenverhältnis, Ueberwiegen der 
Tiefenformen in den unteren 500 m des marinen Schliers und Abnahme 
der Tiefenformen sowie relative Zunahme der Öberflächenformen in 
den oberen 400 ın, im Vergleich mit den Mikrofaunen von Linz und 
Öttnang gewiss nicht uninteressant. Wenn auch von Reuss und Karrer 
für die Faunen von Linz und Ottnang bedeutende Ablagerungstiefen 
angenommen wurden, so ist doch erkennbar, dass in der Tiefe des 
oberösterreichischen „Schliermeeres“ gegen die Beckenränder zu 
andere physikalische Verhältnisse herrschten als gegen die Mitte des 
Beckens zu. 

Aus dem niederösterreichisch - mährischen Schlier beschrieb 
Felix Karrer?) 1867 von den Localitäten Grübern, Platt, Gruss- 
bach, Laa, Enzersdorf bei Staats, Orlau, Ostrau?), Jaklo- 
wetz Foraminiferenfaunen, die einige Beziehungen zu der Welser 
Schlierfauna aufweisen. Von den kieselschaligen Foraminiferen ist 
nur die Gattung Clavulina, und zwar Cl. communis häufiger, alle 
übrigen Formen sind selten, während bei Wels kieselige Typen überall 


!) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1864, pag. 20 
?) LV. (I.) Bd. der Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch. Wien, pag. 331. 


®) cf. Rzehak (Verhandl. d. nat. Ver. Brünn 1885) und R. J. Schubert 
(Sitzungsber. „Lotos“, Prag 1899, Nr. 6). 


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[23] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 407 


vorhanden sind, Clavulina dagegen ganz fehlt. Die Cristellariden sind 
der vorherrschende Typus, was man von Wels nicht gerade sagen kann 
wenngleich ich eine ganz nette Anzahl feststellen konnte. Globigerinen 
sind durchwegs sehr zahlreich vertreten, damit in Gesellschaft stets 
Orbulina universa, was gleichfalls von Wels abweicht. Dagegen stimmen 
die untersuchten niederösterreichischen und mährischen Schlieryvor- 
kommen mit dem Welser darin überein, dass die Milioliden durchwegs 
selten sind, ebenso die Rotaliden, Polystomelliden und Polymorphinen ; 
die Nodosariden sind beiderseits an Arten reicher als an Individuen. 

Vor Kurzem gelang es mir, durch freundliche Ueberlassung von 
„Schlier“ von Dolnja Tuzla (Bosnien) von Seite des Herrn Dr. J. 
Dreger, den Schlämmrückstand dieser miocänen Absätze zu prüfen. 
Ich stellte fest (Verhandl. 1904, pag. 11i), dass die als Schlier von 
Dolnja Tuzla bezeichneten Gebilde weder in ihrer Mikrofauna, noch in 
der Beschaffenheit des Schlämmrückstandes mit dem oberösterrei- 
chischen Schlier übereinstimmen. Auch ist der Gehalt des bosnischen 
„Schliers“ an Magnesia sehr gering. 


V. Geologische Stellung der durchteuften Schichten. 


Dass die Schichten zwischen 10 »n und 9215 mn als Schlier be- 
zeichnet werden müssen, darüber kann wohl kein Zweifel obwalten. 
Weniger sicher ist die geologische Position der zwischen 921’5 m und 
dem Grundgebirge durchteuften Gesteine. 

Ueber das nähere Alter des über 900 m mächtigen Schlier- 
complexes geben die einzigen vollständig erhaltenen Thierreste leider, 
wie es in der Natur dieser niedrig organisirten Formen — der Fora- 
miniferen — liegt, keine befriedigenden Aufschlüsse. So viel steht 
sicher, dass die Fauna der unteren 500 m eine einheitliche ist und 
dass die oberen 400 m etwa eine davon verhältnismässig scharf ge- 
schiedene Fauna einschliessen. Dieser Umstand, dass mit der Tiefe 
von 384 m ein Faunenwechsel ersichtlich ist, lässt indes keinesfalls 
den Schluss ziehen, dass die Absätze der unteren 500 m etwa der 
ersten, die der oberen 400 m etwa der zweiten Mediterranstufe an- 
sehören, sondern deutet lediglich auf eine Veränderung der physi- 
kalischen Verhältnisse. Ist schon die miocäne Foraminiferenfauna von 
derjenigen der jüngeren und älteren Tertiärstufen nur wenig ver- 
schieden, so ist eine Unterscheidung einzelner Stufen innerhalb des 
Miocäns auf Grund der Foraminiferen geradezu unmöglich. Im unteren 
Schlier fand ich zwar einzelne Typen, die bisher vorwiegend oder 
nur aus älteren Schichten bekannt waren, doch zeigt fast jede neue 
Arbeit über Foraminiferen, dass Arten, die beim ersten Auffinden ver- 
tikal eng begrenzt schienen, an verschiedenen Orten in verschiedenen 
Niveaux wiederkehren, so dass auch solchen Typen kein Gewicht 
beigelegt werden kann. Dazu handelt es sich beim Welser Schlier, 
namentlich beim unteren, um Tiefenabsätze, in denen ja bekanntlich 
regelmässig Formen enthalten sind, die in älteren Formationen in 
Absätzen seichterer Gewässer vorzukommen pflegen. Wie also bereits 

Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (R. J. Schubert.) 56 


408 Dr. Richard Joh. Schubert. [24] 


betont wurde, ist auf Grund der einzigen vollständig erhaltenen und in 
fast allen Proben vorgefundenen Formen eine nähere Gliederung und 
Parallelisirung des über 900 m» mächtigen Schliercomplexes mit einzelnen 
Tertiärstufen nieht möglich. Die Foraminiferenfauna besitzt im Ganzen 
einen recht ausgesprochenen miocänen Charakter, und da, wie im Fol- 
senden erörtert werden soll, die Schichten zwischen 931 und 982 m der 
bayrischen oberoligocänen brackischen Molasse entsprechen dürften, 
kann der marine Schlier im Wesentlichen als miocän bezeichnet werden. 

Auch die anderen Fossilreste des Schliers — Seeigelstachel- 
fragmente, Zähnchen und Schuppen von Fischen — bieten keine 
sicheren Anhaltspunkte für eine nähere Altersbestimmung und 
Gliederung. Von den Meletta-Schuppen nimmt man zwar häufig an, 
dass sie einen grossen stratigraphischen Wertli besitzen, doch sind 
die bei der Welser Tiefbohrung gefundenen so wenig bezeichnend, 
meist vereinzelt und verdrückt, so dass dann eine sichere Art- 
bestimmung unmöglich wird. Sie stehen der Meletta sardinites, der für 
den miocänen Schlier als bezeichnend geltenden Art, nahe, soweit es 
sich bei Berücksichtigung des Formenreichthums bei ein und derselben 
Art, ja bei ein und demselben Individuum feststellen lässt. 

Ich habe bereits oben auseinandergesetzt, dass die ärmliche 
Bodenfauna und der relative Reichthum an Meietta-Schuppen mich 
bewogen, die glimmerigen zum Theil stark bituminösen Mergelschiefer 
zwischen 931 und 982 m, die grossentheils sehr schlierähnlich sind, 
als Brackwassergebilde aufzufassen. 

Der zwischen 982 und 1036°6 m lagernde, oft pyritreiche Complex 
von stark eisenschüssigen bis eisenfreien, stets kalk- und fossilfreien 
Sandsteinen, bunten Schieferthonen und sandigen Letten kann meines 
Erachtens nur als Süsswasserbildung aufgefasst werden. Die untersten 
Sandsteine bestehen noch aus zusammengeschwemmten Gneissbestand- 
theilen, wie die kataklastischen Quarze der Sandsteine aus der Tiefe 
von 10554 m darthun. Die Sandsteine wechseln nach oben mit thonigen 
Lagen und zwischen 1000 m und 10109 m sind Glauconitkörner 
reichlich sowohl in den Sandsteinen wie in den (auch kalkfreien) 
Lehmen enthalten. Der Glauconit ist hier höchstwahrscheinlich auf 
secundärer Lagerstätte, da weder in den psammitischen noch in 
den pelitischen Gesteinen die Organismen vorkommen, in denen 
der Glauconit aus dem Meerwasser sich niederschlug, und diese 
Bildungsweise dürfte wohl mit Recht dem in Wels gefundenen Glau- 
conit zugesprochen werden. Was nun die zum Teil fast plastischen 
grünen und bläulichen Letten z. B. von 999:1—999'6 m und 988°4 bis 
9896 m betrifft, so könnte man vielleicht meinen, es liege hier ein 
Analogon der galizischen bunten Thone vor. Doch unterscheiden sich 
diese Gebilde von dem Welser Vorkommen durch ihren ausgesprochenen 
Tiefseecharakter, der auf den ersten Blick durch die eingeschlossene 
Foraminiferenfauna erhellt. Dass diese fast plastischen Letten von 
Wels nicht etwa fossilfreie Tiefseeabsätze sind, ergibt der aus grobem 
Quarzsande bestehende Schlämmrückstand. 

Es ist leicht begreiflich, dass ich bei einem Versuche, das relative 
Alter der unteren 100 m der Gesteinsfolge zu bestimmen, vor Allem 
mein Augenmerk auf die geologischen Verhältnisse im benachbarten 


[25] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 409 


bayrischen Alpenvorlande richtete, da ja das bayrische Tertiär mit 
dem oberösterreichischen in breitem Zusammenhange steht und seine 
Schichtfolge besonders durch Gümbel’s und in neuerer Zeit durch 
Weithofe r’s, und W. Wolff’s Arbeiten klargelegt wurde. Von den 
beiden Süsswassermolassen des bayrischen Alpenvorlandes kann da 
infolge ihrer Lagerung unter dem Schlier wohl nur die „brackische 
und untere Süsswassermolasse“ (graue Molasse zum Theil) in Betracht 
kommen. In seiner Geologie von Bayern, II. Bd., 1894 sagt Gümbel 
pag. 279 Folgendes: Auf die untere Meeresmolasse folge zunächst eine 
Reihe fester Sandsteine, Conglomerate und untergeordneter Mergel, 
welche ein erstes Pechkohlenflötz beherbergen. Ihnen schliesse sich 
dann in rascher Aufeinanderfolge ein ungemein mächtiger Complex 
von meist weichen, in zahllosen Einzellagen miteinander wechselnden 
Mergelschichten und Sandsteinbänken an, welch letztere seltener von 
Conglomeraten ersetzt seien. Im Allgemeinen erreiche die Stufe eine 
Mächtigkeit von über 1000 m. 

„Die Farbe aller Gesteinsschichten ist im unzersetzten Zustande 
eine grünlichgraue, in Folge von Verwitterung eine gelblichgraue. In 
der mittleren Gegend von der Ammer gegen Westen nehmen auch 
rötlich gefärbte Lagen an dem Schichtenbau grösseren Antheil (bunte 
Molasse). Zwischen Miesbach, Penzberg und Peissenberg treten gegen 
das Hangende noch Pechkohlenflötze und bituminöse -Stinkkalke auf. 
Mit ihnen vergesellschaftet und fast nur auf das gleiche Verbreitungs- 
gebiet beschränkt, stellt sich zugleich eine Fülle brackischer Thier- 
versteinerungen und Pflanzenreste ein, durch welche dieser Gesteinsreihe 
der Stempel oberoligocäner Gebilde aufgedrückt wird“ (pag. 280). 

„Es ist bemerkenswert, dass von diesem Centrum der bracki- 
schen Molasse aus nur schwache Ausläufer nach beiden Streich- 
richtungen hin aufzufinden sind, und zwar nach Osten hin in dem 
Hügellande südlich vom Chiemsee bis zu den letzten Spuren am 
Traunthalgehänge des Hochberges und westwärts in einzelnen Strichen 
der Wertach- und Auerberggegend, von wo an noch weiter ost- und 
westwärts nahezu versteinerungsleere Schichten durchwegs an ihre 
Stelle treten“ (pag. 280). 

Da nun die untersten 100 m mächtigen Gesteine des Welser 
Bohrloches nach Vorstehendem wohl mit ziemlicher Sicherheit als 
Aequivalent der bayrischen unteren Brack- und Süsswassermolasse 
angesehen werden können, ist es interessant, dass diese den Flysch 
nordwärts begleitenden Gebilde, die östlich des Chiemsees noch ober- 
tags ersichtlich sind, bei Wels von einer 900 m mächtigen Schlier- 
masse bedeckt festgestellt wurden. 

Ein Aequivalent der unteren Meeresmolasse fehlt bei 
Wels demnach anscheinend gänzlich. Wenn daher während des älteren 
Oligocäns eine Meeresverbindung zwischen Bayern und Mähren bestand, 
wie unter anderem aus den neuen Untersuchungen von Abel!) ge- 
folgert werden kann, scheint es ausgeschlossen, dass diese Verbindung 
über Wels statt hatte. 


1) Studien in den Tertiärablagerungen des Tullner Beckens. (Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1903, pag. 91 u. ff.) 


56* 


410 Dr, Richard Joh. Schubert. h [26] 


VI. Zusammenstellung der gefundenen ne 


arten. 

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Ef. Nanearis ‚Drops ae. —ı + | —ı|— 
Bathysiphon Ffiformis Sars . ae i +1-|1—-|— 
5 taurinnsis Sacco FRI AP PET HS 
e cf: appenninicus Saeco nun az ans nn il ee 
Reophax 7 eylindrica Brady . IE Eee tan ea red Are ee 
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Haplophr rum latidorsatum Born . u er a = a Pa 
3 canariense "Or AT TE SE NET 
= rotulatum Brady -— |+|—- | — 
inflatum Karr. —  +|1-|— 
Cyelammina pusilla Brady —l ul 
” var. --+| — 1 — 
A gracilis Grzybowski — | + | | — 
4 sp. nov, ind, = Nee 
Ammodiscus incertus Orb. .. . - ER +|+|1|- | — 
Glomospira charoides Jones und Parker . . . DE 
Trochammina sp. nov. ind. a a Ale le 
14 39. Inden) PRATER ER TRIEE +|+|-|1— 
- ch. Proteus Karneraniae lan 154 Zi — 
Bigenerina robusta Bvady .. sb hr Re 
Textularia (Gaudryina) are 2, ee DOREEN In ie = 
sp. indet . een: Se ee 
Bulimina affinis Orb. u a a a 
s affinis var. tenuissimestriata Schub. } -— | +1 | — 
= DEU, Orb... ee —-|+|—- | + 
DYRUla OD, ae ü — |+|—-|+ 
5 elegans Orb. . . B le 
5 elegans var, RN Schub. > N LH NA 
z elongata Orb... ia ee A ee re 
3 aculeata Orb. - DAN Se 2 ee le ee 
n subornata. Brady”. 2 u En = 0 we ne el le 
sp. nop. (route) 2 ee 29, ls nmel Sr ee 
Plew .ostomella alternans Schwager 2... mn. a ee 
Virgulina Schreibersiana OBjäek. . .» » 2... 2 
Bolivina Beyrichi Reuss » . 2 20 e: 2 ee | | — 
. KONNTE 2.0, ee A el a 
2 aff. textilarioides Reuss —-—+|1—- | — 
F punctata Orb. » 2 00 WEITERER DISRRSEN ee 
e dilatata ' Reuss , ; NM. Ykasık m innen 
Cassidulina crassa Orb. s Fa u Re EL | 05 0 | |: = 
Chilostomella ovoidea Reus . . » .-» 2» zes cl + I - | + 
Allomorphina macrostoma Karr, a Al | eh, 
Lagena :globosa Monti „1. 1. REED En re 
Rn emaciata. Reuss 1.2. an ne ee ee le 
> marginata W. und B.. . un ee ee 
Nodosaria (Glandulina) rotundata Reuss a ist. a A ee 7 ze 
> cf. exilis Neugeb.. . . | 
5 cf. tympaniplectiformis Schwag. 5 ae Non er I m I a 


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S ambigua Neugeb. , . . 
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5 cf. Scharbergana Neug. a 
a7. Adolima Orb, 2 2... 
Marginulina pediformis Born . er 
= subbüllate®. Hantik. ,„ . har seine 
glabra Orb. . en ar 
Frondicularia cf. inversa a ne 
Plectofrondicularia concava Lieb. . 2... . : 
Rhabdogonium tricarinatum Orb. » . 2: 2.2.0. 
Cristellaria crassa Orb. a 
n ROBIN VOL Dans 16, a ee Care MR 
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5 Gusklaen Orb, FEED 3 
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Pseudotextularia striata "Ehbg I. ? £ 
Pullenia sphaeroides Orb. . 

” quwinqueloba Reuss 
Discorbind vilardeboana Orb. 

Fr cf. eryptomphala leuss . 

n rugosa Orb. var. minuta Brady . 

R allomorphinoides Reuss , 


filiformis var. elegans Orb, ken 


384—931 m 


Er HH HH 


l 
j 


| 


| 


931— 982 m 


Wieliezka 


+41 1 +8 EIS TEE OT Erna 


1S21=# 


412 Dr. Richard Joh. Schubert. ’ [28] 


S N S 1 

EN - eu = 

2318| 8 5 

ER 

= 4 E 

Discorbina af. alata Marsson . | +|1- | —- 

Anomalina rotula Orb. R le — 

Truncatulina lobatula W. und Jae. +/+1|I+!+ 
= af. badenensis- Orb. —-—I|-|+|-, 

5 Römeri Reuss . Ä Fr —-|+1- | — 

= granosa Beust mon. -—ı 41-1 

“ ungeriana . . Bi a en NE 

F aff. praecincta Karr. —|+|1-|— 

. refulgens Bo +1 - 1-1 

sp. ; IERr: —-—|—- | +4+|— 

Pulvinulina Haueri. Orb. a BET. —- | +1 - | + 

repanda Fichtel und Moll . ; —-|+|1|-|- 

Rotalia Soldanii Orb. Se ; 2 EI 

Nonionina umbilicatula Mont... . : Eu nk lin 

5 pompilioides Fichtel.und Mol . +! +|1-| — 

R scapha Fichtel und Moll +I1-|-|— 


VII. Paläontologischer Theil. 
(Foraminiferen.) 


Bathysiphon Sars. 


Diese Gattung ist im Schlier, wenngleich artenarm, so doch, 
besonders in den tieferen Lagen in Bruchstücken nicht selten vor- 
handen. Dass bei der speeifischen Abgrenzung auch der fossilen 
Formen gerade bei dieser Gattung die Farbe des Gehäuses nicht 
belanglos ist, betonte ich bereits anlässlich meiner Untersuchungen 
über südtiroler Oligocänforaminiferen (Beiträge z. Paläont. Oesterr.- 
Ung. u. d. Orients XIV, pag. 18 |10]). Auch bei den Studien über 
die Weiser Tiefbohrung konnte ich mich davon überzeugen, dass dem 
so sei, Ich fand drei Arten, wovon B. filiformis lediglich im oberen, 
B. taurinensis dagegen im unteren Schlier vorzukommen scheint. 


# 
Bathysiphon filiformis M. Sars. (Taf. XIX, Fig. 13.) 
1884. Brady, Challenger-Report, pag. 218, XXVI, 15—20. 
1886. Folin, Actes soc. linneene Bordeaux, XI. Bd., pag. 279, VI, 4. 
Aus den Tiefen von 270, 300, 360, 380 m liegen mir Bruch- 
stücke einer schneeweissen Art vor, die sich von faurinensis auch durch 
grössere Gehäusedicke unterscheidet. 


Bathysiphon taurinensis Sacco. (Taf. XIX, Fig. 10—12.) 


1893. Sacco, Bul. soe. geol. France, 168/9, Fig. 2. 

1893. BD. filiformis. Andreae, Verh. d. nat. Ver. Heidelberg, N. F. V. Bü., 2. Heft. 

1901. B. taurinensis. Schubert, Beitr. z. Pal. Oest.-Ung, XIV. Bd., pag. 18, Taf. I, 
14, 15. 

| Meist stark zusammengedrückt, oft ganz dünn und ein derartiges 

Stück lässt bei Aufhellung in Glycerin in der ganzen Gehäusemasse 


[29] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels, 413 


vorhandene Spongiennadeln erkennen, was aber bei Fig. 12 durch 
Versehen leider nicht zum Ausdruck gebracht ist. Der fest anhaftende 
schwarze Ueberzug ist bei den meisten Fragmenten durchwegs, bei 
einzelnen jedoch lediglich in den vertieften Partien der oft seltsam 
verdrückten Schälchen vorhanden. Ich fand diese Art in den Tiefen 
von 600, 613, 698, 723°5, 732, 767:4—768, 810:5, 860, 8832, 891°, 
900-5, 940 IM. 


Bathysiphon appenninicus Sacco ? 


1893. Sacco, Bull. soc. geol. France 166/7. Fig. 1. 
? 1899. B. filiformis Egger, Abh.d. bayer. Akad., math.-phys. Cl, XXI, Bd., 1. Heft, 
pag. i6. 


Ein Bruchstück aus der Tiefe von 613 m könnte dieser Art 
angehören, denn obgleich es mit zahlreichen Stücken von B. taurinensis 
vorkommt, ist es plumper und von bräunlichgrauer Gehäusesubstanz. 


Rhabdammina M. Sars. 


In den unteren Schlierlagen stellenweise häufig, und zwar meist 
durch Bruchstücke von Rh. abyssorum vertreten. Zuweilen sind auch 
Steinkerne, die sich am besten auf diese Art beziehen lassen, häufig. 


Reophaz Montf. 


Sehr spärlich vertreten, und zwar in meist nicht näher bestimm- 
baren Fragmenten. 


Haplophragmium Reuss. 


Durchwegs selten; die vier bisher gefundenen Arten stammen 
aus dem grauen Schlier. Verdrückte Exemplare kommen jedoch auch 
in graugrünem (oberen) Schlier vor. 


Ammodiscus Reuss. 


Im ganzen Schlier vereinzelt und stets mehr oder weniger ver- 
drückt. Am besten können diese Formen auf A. incertus Orb. be- 
zogen werden. 


Glomospira Rzeh. 


Sehr selten, im unteren Schlier. 


Trochammina Parker und Jones. 


Nicht selten, aber meist in einem Erhaltungszustande, der eine 
sichere Bestimmung sehr schwer oder unmöglich macht. 


Oyclammina Brady. 


Diese Gattung ist im Welser Schlier zwar nicht artenreich, eine 
Art (graeilis) ist jedoch durch zahlreiche Exemplare vertreten und 
für die tieferen Schlierlagen geradezu bezeichnend. Von länger 


414 Dr. Richard Joh. Schubert. [30] 


bekannten Formen fand ich vereinzelt CO. pusilla Brady (= amplectens 
Grzyb.), z. Th. recht typisch, z. Th. jedoch mit äusserlich kaum wahr- 
nehmbaren Nähten (891'5 m). Da die kieseligen Formen meist arg 
verdrückt sind, ist es oft unmöglich, die vereinzelt vorkommenden 
Exemplare von Oyclammina- oder Trochammina-ähnlichen Formen auf 
bekannte Arten mit Sicherheit zu beziehen, zumal gar manche der 
von Grzybowski aus dem galizischen Tertiär beschriebenen Arten 
(besonders von den aus den naphthaführenden Schichten von Krosno) 
zu wenig deutlich abgebildet wurden. Ich sehe daher davon ab, die 
vereinzelt gefundenen verdrückten Exemplare mit Namen, die ja 
doch nur auf eine geringe Aehnlichkeit hinweisen könnten, zu versehen, 
es genügt meines Erachtens wohl, auf das Vorkommen auch anderer 
als der specifisch namhaft gemachten Formen hinzuweisen, Mit Sicher- 
heit glaube ich jedoch die in Folgendem beschriebene Art mit einer 
salizischen identificiren zu können. 


Oyelammina gracilis Gryb. (Taf. XIX, Fig. 1—3.) 
(Krakau, Rozp. akad. um. mat. przyr. 1901. 282, VIII, 16.) 


Bei den durch Glycerin aufgehellten Objecten sieht man, dass 
nicht einfache Kammern vorhanden sind, sondern dass die Gehäuse- 
wandungen von unregelmässigen Canälen und Auszackungen durch- 
zogen waren, dass hier also eine CUyclammina vorliegt. Es sind drei 
Umgänge vorhanden, deren letzter durchschnittlich 14 Kammern zählt. 
Den älteren Umgängen entspricht eine seichte Einsenkung der 
Gehäuseoberfläche, so dass dasselbe weitgenabelt aussieht. Alle Merk- 
male stimmen mit der 1901 von Grzybowski aus den cretacischen 
oder tertiären Inoceramen führenden Schichten der Umgebung von 
Gorlie beschriebenen Oyelammina gracilis. Diese besitzt jedoch, trotz- 
dem die Vorderansicht den ziemlich scharf gekielten Gehäuserand 
erkennen lässt, etwas ausgebauchte Kammern und vertiefte Nähte, 
während die meisten Schlierexemplare die Kammertheile vertieft, offen- 
bar, weil comprimirt, und zwischen denselben dem Verlaufe der Naht- 
linien ungefähr entsprechende Wülste zeigen. Diese letztere Eigenschaft 
scheint gegen eine specifische Identität der galizischen und Welser 
Exemplare zu sprechen, doch waren bei den lebenden Formen die 
Nähte höchstwahrscheinlich auch bei der Schlierform vertieft, wie 
aus den Einkerbungen am Gehäuseumriss zwischen den Kammern 
ersichtlich ist. Uebrigens sind auch einzelne Theile bei einigen Exem- 
plaren noch weniger comprimirt und lassen dann leichter die specifische 
Gleichheit erkennen. Die Form wechselt etwas, da besonders die letzten 
Kammern zuweilen an Grösse beträchtlich die anderen übertreffen 
(Taf. XIX, Fig. 3), was möglicher Weise mit der labyrinthischen Kammer- 
eigenschaft zusammenhängt. 

Da die Grzybowsky’sche Diagnose polnisch und daher nicht 
für alle Fachgenossen leicht verständlich ist, gebe ich in folgendem 
eine deutsche Uebersetzung derselben: 

Schale rund, aus feinkörnigem Sande bestehend, Oberfläche fast 
glatt, flachspiralig eingerollt. Der letzte Umgang umfasst den vor- 
letzten und lässt in der Mitte eine breite Nabelvertiefung. Die Kammern 


[31] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 415 


sind (meist) breit, kurz, fast dreieckig mit vertieften Nähten. Rand 
gekerbt, scharf. Das Innere der Kammern ist dendritisch verzweigt 
ohne "dass man an der Oberfäche etwas merkt. Sie steht sehr nahe 
der ©. amplectens = pusilla Brady), unterscheidet sich jedoch von ihr 
durch die weitere Nabelvertiefung, ist auch bedeutend flacher. Im 
äusseren Umgange sind 12—14 Kammern vorhanden. Durchmesser 
0.8—1'2 mm. 

In Wels ist diese Form in den unteren 500 m des marinen 
Schliers fast in allen Proben vorhanden, ist eine der bezeichnendsten 
Formen des unteren Schliers. Den oberen 400 m scheint sie ganz 
zu fehlen. 


Bigenerina robusta Brady. 


(Taf. XIX, Fig. 9.) 
Challenger-Report 1884, pag. 371—372, XLV, 9—16. 


In den unteren Partien des Schliers (8305, S41, 860, 8832, 
8915, 9215 m) kommen verdrückte, agglutinirte Textularia ähnliche 
Formen vor, wie ich deren eine abbildete. Zweireihig angeordnete 
Kammern setzen das Gehäuse der meisten zusammen, bei besonders 
Jangen sieht man, dass jedoch die Endkammern nur einreihig ange- 
ordnet sind. Wie die Gehäuse jetzt vorliegen, haben sie wohl nicht 
gerade grosse Aehnlichkeit mit der von Brady als B. robusta be- 
schriebenen Form, dech muss man berücksichtigen, dass in den 
tieferen Schlierlagen, offenbar in Folge des herrschenden Druckes, die 
agglutinirten Formen überhaupt stark verdrückt wurden und dass die 
jetzt ganz flach und unregelmässig verquetscht erscheinenden Exemplare 
aus gerundeten Kammern aufgebaut waren, und dann wird die speci- 
fische Identität beider Typen wohl wahrscheinlich. Die Mündung ist bei 
den im Tezxtularia-Stadium befindlichen ein typischer Textularia- 
Querspalt, bei den einreihigen Kammern glaube ich jedoch mehrere 
Porenmündungen bemerkt zu haben, wie sie Brady auch bei seiner 
B. robusta fand. 

Mein Material ist in einem zu kläglichen Zustande, auch zu 
spärlich, um daraus weitere Schlüsse zu ziehen. Ob jedoch der 
siebförmigen Art der Mündung, die Eimer und Fickert (Artbildung 
und Verwandtschaft bei den Foraminiferen, Tübinger zoologische 
Arbeiten, Leipzig 1899, pag. 677 [605]) zur Aufstellung einer Gattung 
Moellerina veranlassten !), wozu auch Digenerina robusta Brady gestellt 
wurde, grössere Bedeutung beizulegen ist, scheint mir noch unsicher. 
Denn G oes bildete 1881 Textularia gibbosa (wahrscheinlich Digenerina 
nodosaria Orb.) (K. vet. Akad. Handl. Bd. 19, Nr. 4, V, 163) mit sieb- 
förmiger Endkammer ab. Weiteren Untersuchungen muss vorbehalten 
bleiben, zu entscheiden, welche Bedeutung den siebförmigen End- 
kammern, die auf einen labyrinthischen Bau der Endkammern 
schliessen lassen, zukommt. 


ı) Vebrigens ist Bigenerina robusta keineswegs kalkig, wie die Autoren 
anscheinend annahmen, und überhaupt die völlige Trennung der cribrosen Opistho- 
Dischistidae von der cribrosen Dischistidae ganz widernatürlich. 


Jahrbuch d.k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (R. J. Schubert.) 5 


7 


416 Dr. Richard Joh. Schubert. | [32] 


Bulimina Orbigny. 


Im Schlier von 400 m abwärts in den meisten Proben vertreten; 
häufiger sind nur Exemplare aus dem Formenkreise der B. affinis 
und elongata. Die letzteren sind klein und kommen mit ebenso kleinen 
Pleurostomellen und Virgulinen in untersten marinen Schlierlagen 
stellenweise häufig vor. Die übrigen Arten fand ich mehr vereinzelt, 
in den obersten 400 m (im graugrünen Schlier) glückte es mir nicht, 
diese Gattung zu finden. 

Bemerkenswert ist die sehr feine Strichelung einiger Formen, 
womit auch andere Unterschiede von den bisher bekannten Typen 
zusammenhängen, so dass ich einige Formen als neue Abarten ab- 
grenzen möchte. Es sind dies: 


Bulimina elegans Orb. var. gibba nov. (Taf. XIX, Fig. 6 a—c.) 


Die stumpf dreikantige Form und die fast triseriale Kammer- 
anordnung spricht für die Zugehörigkeit zu D. elegans. Var. gibba 
unterscheidet sich von den bisher bekannten Typen. durch die ge- 
drungene Gestalt und feine Strichelung, welche die Kammern bedeckt. 


Bulimina affinis Orb. var. tenuissimestriata nov. (Taf. XIX, Fig. 5 a—e.) 


Auch diese Abart unterscheidet sich durch die feine Streifung 
sowie auch durch die Anordnung der Kammern, die mehr an die 
eretacischen von Reuss als B. ovulum beschriebenen als an die 
recenten typischen Exemplare erinnert. 

Eine Art konnte ich auf keine der mir bekannten Formen mit 
Sicherheit beziehen und ich führe sie daher als Bulimina rotula 
nov. spec. an (Taf. XIX, Fig. 7 a, b). Bezeichnend ist für diese Art 
die walzige Gestalt und dichte Kammeranordnung, wodurch sie sich 
auch von den anderen Buliminen unterscheidet. Am nächsten scheint 
sie der Dulimina subornata Brady (Challenger-Report, pag. 402, 
Taf. LI, 6) zu stehen, doch ist die Form und Lage der Mündung 
wie auch die Sculptur (sehr feine Strichelung an der ganzen Ober- 
fläche, statt der gröberen Sculptur der Anfangskammern bei subornata) 
und vor Allem die dichtere Kammeranordnung zu verschieden, um 
sie mit dieser Art vereinen zu können. Allerdings bildete Millett 
kürzlich (Journ. r. mier. soc. 1900, H, 3, pag. 276) als B. subornata 
eine Form ab, die für eine beträchtliche Variabilität der B. subornata 
zu sprechen scheint; gleichwohl möchte ich bei der ziemlichen Constanz 
der Merkmale bei den Welser Exemplaren die Schlierform nicht 
lediglich als Abart der bisher nur recent bekannten B. subornata 
auffassen, wenngleich mir ein Verwandtschaftsverhältnis nicht unwahr- 
scheinlich dünkt. 

Was die äussere Gestalt anbelangt, ähnelt unsere Form einigen 
cretacischen Buliminen (Puschi und imbricata Reuss), doch unterscheidet 
sie der ganze Kammerbau. 


Pleurostomella Beuss. 


In den unteren Lagen als Steinkern und in sehr kleinen Exem- 
plaren bisweilen häufig, doch äusserst artenarm. 


[33] Mikrosk. Untersuchung Anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 417 


Virgulina Orb, 


- Wie die vorige Gattung, mit der sie sowie mit anderen Buli- 
miniden an einzelnen Localitäten häufig ist. 


Bolivina Orb. 


Wenngleich nicht artenreich, so doch fast überall vorhanden. 
Während B. Beyrichi nur in einzelnen Tiefen, dann aber reichlich 
vorkommt (z. B. in 782 m Tiefe). ist die kleine, von mir als Ahart 
von B. melettica Andr. aufgefasste Form, wie sie auch Liebus!) 
aus der bayrischen Molasse abbildet, mir aus verschiedenen Tiefen, 
besonders des unteren Schliers bekannt. Bolivina punctata und dilatata 
fand ich vorzugsweise im oberen Schlier. 


Cassidulina Orb. 


Ganz vereinzelt; ich fand sie in den Proben aus 778 m und 841 m. 


Chilostomella Reuss. 


Eine der bezeichnendsten Formen des unteren Schliers, wo ich 
sie in vielen Proben fand. Alle gefundenen Exemplare konnte ich 
ganz gut in die durch Brady erweiterte Art Ch. ovoidea Reuss stellen, 
obgleich die äussere Gestalt ziemlich veränderlich ist. 


Allomorphina Reuss. 


Diese sonst seltene Gattung fand ich im unteren Schlier ver- 
hältnismässig häufig. Die untersuchten Exemplare stimmen gut mit 
der von Karrer als A. macrostoma beschriebenen Art überein, die 
sich meines Erachtens gut von A. frigona Reuss abgrenzen lässt. 


Lagena W. u. B. 


An Arten und Individuen sehr arm. 


Nodosaria Lam. 


Meist nur in Bruchstücken von mir aufgefunden, wodurch sich die 
grosse Anzahl von lediglich annähernden Bestimmungen erklären lässt. 


Marginulina Orb. 


An Arten und Individuen sehr arm. 


Frondicularia Defr. 


Sehr spärlich vertreten. Von grösserem Interesse ist jedoch die 
Auffindung folgender Form: 


!) Dieses Jahrbuch 1902, pag. 81, Fir. 3. 


418 Dr. Richard Joh. Schubert. . [34] 


Plectofrondicularia concava Lieb. 
(Dieses Jahrbuch 1902, pag. 94, Taf. V, 6 a—d.) 


Etwas schmäler, aber sonst völlig übereinstimmend mit dieser 
so charakteristischen, von Liebus aus den bayrischen Promberger 
Schichten beschriebenen Form. Ohne Aufhellung in Glycerin sieht 
man eine schmale Frondicularia, deren Breitseite jedoch durch die 
lateralen Rippen concav erscheint. Der Querschnitt ist länglich sechs- 
eckig, indem längs der Schmalseiten je eine Rippe verläuft. An dem 
durch Glycerin aufgehellten Exemplar sieht man, dass die ältesten 
Kammern alternirend angeordnet sind und daher nur die letzten 
Kammern einen frondieularienartigen Kammeraufbau besitzen. Es 
liegt also jene Uebergangsform vor, für welche Liebus den Namen 
Plectofrondicularia gebrauchte (l. ce. pag. 76). 


Ich fand ein einziges Exemplar in der Tiefe von 830°5 m. 


Oristellaria Lam. 


Namentlich in den unteren Schlierlagen gut vertreten, obgleich 
meist in kleinen Exemplaren, die sich nicht leicht auf die bisher 
bekannten Arten beziehen liessen. Am häufigsten sind kleine Formen 
aus der Verwandtschaft der Cr. rotulata Lam., macrodisca Reuss und 
articulata Reuss, die übrigen sind mehr vereinzelt. Von Interesse ist 
das Vorkommen einer allerdings nur in einem Fragment constatirten 
Art, die sonst vornehmlich aus dem Ofener Mergel bekannt war, nämlich 
von Or. Kubinyi Hantken. Als neue Abart möchte ich nur folgende 
Form beschreiben: 


Oristellaria Josephina Orb. var. umbonata nov. (Taf. XIX, Fig. 4.) 
1846. Foram. foss. de Vienne, pag. 88, III, 27, 38. 


Nebst vereinzelten Stücken, die recht gut dem Typus entsprechen 
(510°5 m), fand ich in Tiefen von 732 und 751 m kleine Formen, die 
sich dadurch von der typischen Form unterscheiden, dass die älteren 
Umgänge von einem breiten Kalkknopf überdeckt sind. Auch sind 
die Nähte des letzten Umganges nicht durchwegs eingesenkt und ein 
dünner Kielsaum ist bisweilen angedeutet. Ob dem Kalkknopfe etwa 
eine megalosphäre Kammer zu Grunde liegt, konnte ich bisher, trotz- 
dem ich die Objecte in Glycerin aufzuhellen suchte, nicht entscheiden. 


Von Or. Josephna wurde bereits 1868 von Karrer eine var. 
tubereulata aus dem Miocän von Kostej in Banat beschrieben, die 
auch einigermassen an unsere Abart dadurch erinnert, dass um den 
Nabel mehr oder weniger zusammenhängende schneckenförmig ge- 
wundene Kalktuberkeln auf beiden Seiten gelagert sind. Doch it 
eben dieser Eigenschaft liegt auch zugleich der Unterschied von unserer 
Abart, bei der nicht einzelne Kalktuberkeln, sondern Feine breite 
Schwiele, welche die älteren Kammern ganz überdeckt, vorhanden ist. 


[35] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 419 


Ramnulinu levis Jones. 
Ramulina levis Jones. Wright, Rep. and Proc. Belfast nat. Field Club. 1873/4, 


App. III, pag. 88, III, 19. 

Ramulina brachiata Jones. Wright, Rep. and Proc. Belfast nat. Field Clab 1873/4 
App. III, pag. 88, III, 20. : 

Ramulina exigua Rzehak. Annalen des k. k. naturhist. Hofmuseums, Wien 1895, 
pag. 221, VI, A. 

Ramulina levis Schubert. Zeitschr. d. Deutsch. geol. Gesellsch. Berlin 1901. Briefl. 
Mitth., pag. 19, Fig. 1. 


Bezüglich der von Millett (Journ. roy. mier. soc. 1903, pag. 274) 
gegebenen Synonymieliste glaube ich, dass Ramulina Bradyi Rzehal, 
soweit sie „mit wulstigen Erhabenheiten“ versehen sind, nicht mit 
R. levis vereint werden sollten. Deun sowie die verschiedenen mehr 
minder langgestreckten oder aufgeblasenen Formen und zwei- bis 
mehrästigen Bruchstücke auf eine ähnliche Formenvariabilität deuten, 
wie sie bei der recenten R. globulifera Brady beobachtet wurde, so 
scheint doch die Oberflächensculptur eine grössere Constanz zu besitzen. 
Denn jene wulstige Erhabenheit an der R. Bradyi fand auch Liebus 
an Priabona-Exemplaren (cf. Neues Jahrb. f. Min. ete. 1901, pag. 113) 
— schiffkielartige Auftreibungen nennt er sie. Auch an der von ihm 
(ibidem pag. 113, V, 1) geschilderten R. Fornasinii fand Liebus, und 
zwar an etwa 40 Exemplaren eigenthümliche, aber constante Ver- 
zierungen, nämlich 2 Reihen von 6—1Öröhrigen Fortsätzen, so dass 
die Schalensceulpturen bei Aamulina wohl mit Recht als zur specifischen 
Abgrenzung brauchbar erscheinen. 


Sagrina dimorpha J. u. P. var. ornata m. 
(Taf. XIX, Fig. 8a-—ec.) 


Jones und Parker, Trans. phil. soc. London 1865, XVIII, 18, pag. 363/4. 
Brady, Challenger-Report 1834, LXXVI, 1—3, pag. 582. 

Aus den Tiefen 872 und 8832 m liegen mir einige Exemplare 
vor, die wohl zweifellos in den Formenkreis der eitirten Art gehören. 
An ältere mehrzeilig spiral offenbar angeordnete, jedoch wenig gut 
unterscheidbare Kammern reihen sich nodosarienartige Kammern, deren 
letzte jedoch eine ziemlich weite Mündung besitzt. Diese Art der 
Mündung liess mich auch bei den ersten gefundenen Bruchstücken 
vermuthen, dass keine echten Nodosarien vorliegen. Während der 
ältere Gehäusetheil fast glatt ist, sind die jüngeren Kammern an 
den Nähten eigenthümlich eingekerbt, schiessschartenartig verziert 
(erenellated bei Brady), wie es auf Fig. 8a, b und auch bei Brady 
(l. ec.) dargestellt ist. Da nun diese Art der Verzierung bei den Fora- 
miniferen nicht so häufig ist, schien es mir zweckmässig, diese Abart, 
wie sie auch Brady kannte, als var. ornata abzugrenzen, umsomehr, 
als Jones und Parker ihre 1865 beschriebene Art als völlig glatt 
bezeichneten. 

Die Welser Formen besitzen zwar ziemlich niedere Kammern, 
auch fehlt ein Mündungswulst, wie er meist den Sagrinen und Uvi- 
gerinen eigen zu sein pflegt, doch sind ja Mischformen im Ganzen 
stets variabler. Was jedoch A. Goes (k. svensk. vet. ak. Handlingar 


420 Dr. Richard Joh. Schubert. [36] 


1881, XIX. Ba., IV, 77, 78) als S. dimorpha abbildet, stimmt besser 
als Fig. 79—81, obgleich mir diese Formen eher zu Clavulina als zu 
Sagyrina zu gehören scheinen. 


Üvigerina Orb. 


Im unteren Schlier häufig, und zwar meist durch gerippte Formen 
vertreten, die z. Th. gut in den Formenkreis der U. yygmaea Orb. 
passen, z. Th. jedoch so stark und breit gerippt sind, wie es Brady 
von der von ihm als DO, Schwageri bezeichneten Art beschrieb. Bis- 
weilen ist es schwer, sich zu entscheiden, zu welcher der beiden Arten 
man das Object stellen soll, da beide Arten nicht scharf voneinander 
getrennt sind. 


Globigerina Orb. 


Als typische und „trilobe“ Form der bulloides im ganzen Schlier 
vorhanden. Nur vereinzelt sind Formen aus der Verwandtschaft der 
G. cretacea und aequilateralis sowie Orbulina-Stadien wahrscheinlich 
von bulloides. In dem von Reuss untersuchten Schlier von Ottnang 
(ef. diese Verhandl. 1864, pag. 20, 21) fehlen die Globigerinen ganz, 
wie bereits Reuss als auffallend hervorhebt. Es ist dies in der That 
sonderbar, da bei Wels in den obersten Lagen des (graugrünen) 
Schliers Globigerinen stellenweise die hauptsächlichsten Formen zu 
sein scheinen, denn in der Probe von 40 »n fand ich nur einzelne 
Globigerinen und auch in den übrigen mir vorliegenden Proben des 
graugrünen Schliers (10—384 ın) fand ich sie stets. 


Pseudotextularia : Rzehak. 


Die Anwesenheit dieser Gattung, und zwar im tieferen Schlier, 
stellte ich lediglich auf Grund eines Mikrophotogramms des Herrn 
Ingenieurs Muck von verschiedenen Welser Schlierformen fest. 
Wahrscheinlich gehören die Exemplare zu P. striata Ehrenbg. 


Pullenia P. u. J. 


Von dieser Gattung kommt P. splaeroides Orb. nicht selten, 
besonders im oberen Schlier vor. P. quingueloba Reuss ist dagegen nur 
vereinzelt. 


Discorbina P. u. J. 


Als D. rugosa Orb. var. minuta bezeichne ich jene kleinen Typen 
wie sie auch Brady bereits kannte und im Challenger-Report auf 
Taf. XCI, Fig. 4 abbildete. Im Welser Schlier fand ich diese Form 
in der Probe aus der Tiefe von 921°5 ın. 

Die Discorbinen sind im Schlier meist vereinzelt, nur allomor- 
phinoides Reuss ist im unteren Schlier etwas häufiger. 


[37] Mikrosk. Untersuchung anlässlich der ärarischen Tiefbohrung zu Wels. 42] 


Truncatulina Orb. 


Anomalinen und echte Truncatulinen gehören im Schlier nur 
in einzelnen Proben zu den häufigeren Formen, und zwar fand ich 
eigentlich nur T. granosa Reuss in einigen Proben in grösserer Indi- 
viduenanzahl (z. B. 613, 911, 9215 m). 


Truncatulina af. badensis Orb. 


Zwar kleiner und etwas weniger „bombirt“ als die Badener Form, 
was mit der verschiedenen Beschaffenheit des Wassers zusammen- 
hängen dürfte. Denn die geringe Kammeranzahl und Art ihrer An-. 
ordnung entspricht unter den mir bekannten Arten am besten der 
eitirten Art. Uebrigens wurde auch für die in der brackischen Molasse 
Bayerns von Liebus gefundene Truncatulina Haidingeri Orb. eine 
von der sonstigen Ausbildung im Wiener Miocän etwas abweichende 
Gestalt betont (dieses Jahrb. 1902, pag. 90). 


Die oben beschriebene Form ist sehr selten in der Tiefe von 931 m. 


Pulvinulina Parker u. Jones. 


s 
Ausser einigen vereinzelten Formen ist P. Haueri Orb. im 
unteren, Schlier (zwischen 760 und 900 m) ziemlich häufig. 


Rotalia Lam. 


Von dieser Gattung fand ich nur vereinzelte Exemplare von 
R. Soldanii Orb. 


Nonionina Orb. 


Mehr im oberen als im unteren Schlier verbreitet; ich fand 
lediglich N. pompilioides, scapha und umbilicatula, und zwar in kleinen 
Exemplaren. 


VIII. Verzeichnis von in Fachzeitschriften und selb- 
ständig über Welser Tiefbohrungen veröffentlichten 


Aufsätzen, 
in denen genügend Hinweise auf diesbezügliche Zeitungsartikel sowie auf Arbeiten 
über das oberösterreichische Tertiär enthalten sind. 


1892 G. A. Koch: Die im Schlier der Stadt Wels erbohrten Gasquellen etc. 
Verhaudl. d. k. k geol. R.-A. Nr. 7, pag. 183—192. 

1892. A. Fellner: Nochmals ‚die Welser Gasbrunnen. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. Nr. 10, pag. 266 ff. 

1893. G. A. Koch: Neue Tiefbohrungen auf brennbare Gase im Schlier von Wels, 
Grieskirchen und Eferding in Oberösterreich. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
Nr. 5, pag. 101 ff. 


422 


1893. 


1895. 


1902. 


1903. 


1903. 


Dr. Richard Joh. Schubert. . [38] 


G. A. Koch: Die Naturgase der Erde und die Tiefbohrungen im Schlier 
von Oberösterreich. Monatsblätter des Wissenschaftl. Club, Wien, XIV. 
Jahrg. 1893. 

— Geologisches Gutachten über die anlässlich der commissionellen Erhebungen 
am 28. Jänner 1895 beobachteten und auch schon früher wahrgenommenen 
Gasausströmungen in der Schottergrube der k. k. Staatsbahnen zu Wels. 
Wels, Selbstverlag der Stadtgemeindevorstehung. 

— Geologisches Gutachten über das Vorkommen von brennbaren Natur- 
oder Erdgasen, jod- und bromhaltigen Salzwässern sowie Petroleum und 
verwandten Mineralproducten im Gebiete von Wels und in Oberösterreich. 
Wien, Verlag von G. Gistel & Co. 

OÖ. Stephani: Ueber das Welser Erdgas. Zeitschr. für angewandte Chemie, 
pag. 27—32. 

Die Tiefbohrung des Aerars bei Wels in Oberösterreich (von der Redaction 
der Oesterr, Zeitschr. für Berg- und Hüttenwesen, Wien, LI. Jahrg., Nr. 34, 
pag. 461—-493.) 


re 


Aus der Umgebung von Hollenstein in 
Niederösterreich. 


Von G. Geyer. 


Mit einer Tafel (Nr. XX). 


Einleitung. 


Mit der Weiterführung der durch das Hinscheiden unseres 
Collegen Dr. A. Bittner in so bedauerlicher Weise unterbrochenen 
Aufnahmen in den nieder- und oberösterreichischen Kalkalpen be- 
traut, hielt es der Verfasser für geboten, seine Studien in einem 
Gebiete des ihm zugewiesenen Blattes Weyer (Zone 14, Col. XI) zu 
beginnen, wo er einestheils an das von A. Bittner schon fertig- 
gestellte östliche Nachbarblatt Gaming und Mariazell anknüpfen, 
andererseits aber auf schon veröffentlichten oder nur in den Tage- 
büchern vermerkten Anschauungen seines Vorgängers fussen konnte. 

Diesen Bedingungen entsprach die weitere Umgebung von Hollen- 
stein, welche in orographischer und tektonischer Hinsicht als die süd- 
westliche Fortsetzung des Lunzer Terrains angesehen werden kann. 

Während nämlich im Westen des Ennsdurchbruches unterhalb 
Hieflau in den „Laussazügen“ das Hauptstreichen von Nordwest nach 
Südost gerichtet ist, sehen wir bei Hollenstein in den von A. Bittner 
als „Voralpen- und Gamssteinzüge“ zusammengefassten Kämmen ein von 
Nordost nach Südwest gerichtetes Streichen den gesammten Aufbau 
beherrschen, so dass die das Lunzer Profil aufbauenden Schichtmassen 
bei und südlich von Hollenstein vorüberstreichen müssen. 

Es soll hier nun untersucht werden, wie sich die einzelnen 
Faltenelemente der für alpine Verhältnisse relativ einfach gebauten 
Gegend von Lunz nach Südwesten über Hollenstein hinaus fortsetzen, 
um durch eine schrittweise Verfolgung zur Erklärung ziemlich compli- 
eirter tektonischer Verhältnisse zu gelangen. 

Dieser Versuch wurde schon durch A. Bittner’s Darstellung 
vom Aufbau des Königsberges angebahnt, eines Profils, das, oro- 
graphisch etwa in der Mitte gelegen, in tektonischer Beziehung den 
Uebergang des einfachen Lunzer Durchschnittes in die im Süden und 
Westen von Hollenstein herrschenden verwickeltenVerhältnisse darstellt. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (G. Geyer.) 58 


424 G. Geyer. [2] 


1. Lunzer Profil‘). 


In seinen Grundzügen betrachtet, setzt sich dasselbe, an- 
schliessend an die Brühl-Altenmarkter Störung, welche den flach- 
liegenden Dachsteinkalk der Dürrensteinplatte im Norden abschneidet 
und von den schuppenförmig nach Süd neigenden Parallelketten 
der Voralpen trennt, aus einer Synklinale und einer Anti- 
klinale zusammen, wovon die erstere durch die Lage des Ortes 
Lunz selbst, die zweite jedoch durch den Einschnitt des Sulzbaches 
bezeichnet wird. Während sich die Antiklinale durch einen sehr regel- 
mässigen Bau auszeichnet, zeigt die an das Dachsteinkalkmassiv des 
Dürrenstein (Grosskopf) angepresste Synklinale einen fast senkrecht 
aufgestellten Südflügel. 


2. Profil des Königsberges. 


Wie schon Bittner nachgewiesen hat (Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A. 1892, pag. 272 u. 303; 1893, pag. 77), erkennen wir in dem von 
den Lunzer Höhen durch die Querstörung von Göstling getrennten, 
immerhin aber noch als Fortsetzung des Lunzer Durchschnittes 
charakterisierten Profil des Königsberges sehr deutlich noch den 
steilstehenden Südflügel der Synklinale. Allein an dieselbe schliesst 
sich nun nach Norden die steil aufgestellte, ja theilweise überkippte, 
überaus mächtige Hauptdolomitmasse des Königsberges an. 

Der Kamm des letzteren besteht aus hellen, kleine Megalodonten- 
durchschnitte aufweisenden, „Lithodendronbänke* führenden Rhät- 
kalken, die, sehr steil nach Süden einschiessend, an mehreren Stellen 
durch Zwischenlagerungen von Kössener Mergeln mit den charakteristi- 
schen Bivalvenscherben ausgezeichnet sind. 

Steigt man von diesem Kamme etwa bei den „Vier Hütten“ 
längs des markierten Steiges nordwärts gegen Thomasberg hinab, so 
verquert man eine überkippte Schichtfolge, und zwar zunächst an den 
Rhätkalk anschliessend lichtröthlichgraue plattige Kalke mit Knollen 
und unregelmässigen Ausscheidungen von Hornstein. A. Bittner fasst 
diese Schichten mit den noch tiefer am Abhang liegenden als Oberjura 
zusammen. Ihre Position zwischen dem Rhätkalke und den tiefer fol- 
senden, nachstehend erwähnten Gliedern legt den Gedanken nahe, 
daß sie etwa der Spongienfacies des Lias entsprechen könnten; im 
Schliffe zeigen sie in der That auch deutliche Spongiennadeln. Ihre 
Aehnlichkeit mit analog gelagerten röthlichen Hornsteinkalken der 
Voralpe (unterhalb der Esslingalpe) ist in die Augen springend. 

Tiefer als diese Kalke folgen am Nordhang des Königsberges 
intensiv braunrothe oder indischrothe hornsteinführende Kiesel- 
kalke und -Mergel sowie ein brauner, an Klausschichten er- 
innernder Crinoidenkalk, endlich überaus kieselreiche, bunte, rothe 
und grüne, dünnplattige Kalke mit oft handbreiten Hornsteinbänken. 
Obzwar letztere bisher noch keine Fossilien geliefert haben, wird 
man diese bunten Hornsteinkalke unbedenklich mit den analog aus- 


‘) A. Bittner: Aus der Umgebung von Wildalpe in Steiermark und Lunz 
in Niederösterreich. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1888, pag. 71. 


13] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 425 


sehenden oberjurassischen ‘Gebilden der nordöstlichen Alpen paral- 
lelisieren können. 

"Noch tiefer folgt eine flachere Gehängstufe, gebildet durch 
lichte, gelblichgraue, dichte Kalkschiefer (Neocom - Aptychenkalk- 
 schiefer) und dunkle thonige Mergelschiefer (Rossfeldschichten), in 
denen A. Bittner etwas weiter östlich Aptychen gefunden. 

Diese ganze aus Hauptdolomit, rhätischem Korallenkalk, Jura 
und Neocom bestehende, in ihren nördlichen Partien inverse Schicht- 
folge kann als die Südhälfte der bei Lunz nur in Form eines kleinen 
Kernes erhalten gebliebenen, hier jedoch schon in grösserer Breite 
entfalteten Lunzer Synklinale aufgefasst werden, die zum Theil über- 
kippt und an einer Längsstörung in nördlicher Richtung überschoben 
worden ist. In dem auf Taf. XX zur Darstellung gebrachten, nach 
A. Bittner?) entworfenen Profil folgt nämlich scheinbar unter dem 
Neocom eine wandbildende Stufe von lichtgrauem, ziemlich dichtem, 
spärlich hornsteinführendem, deutlich gebanktem Kalk, aus dem der 
Genannte (]l. ec. pag. 81) das Vorkommen von 


Aulacothyris angusta Schl. sp. 
Rhynchonella decurtata Gir. sp. 
Spiriferina sp. (Sp. fragilis Schl. ?) 


namhaft macht. In seinem Tagebuche notirte derselbe von den Wänden 
südlich Pramreith (Hausberg südlich bei Moosau) ausserdem: 


Ichynchonella trinodosi Bittn. 
Halobienbrut. 


Die südlich von St. Georgen am Reith einige hundert Meter 
mächtig anstehenden, in Wänden entblössten Kalkmassen am Nordfusse 
des Königsberges gehören somit der Muschelkalkgruppe an und 
bilden offenbar die Fortsetzung der im Kern der Lunzer Antiklinale 
bei Kogelsbach vom Ybbsthal angeschnittenen untertriadischen Kalke. 

Zwischen dem hoch aufragenden Rücken des Königsberges und 
einer dem Ybbsthale südlich vorgelagerten Kuppenreihe zieht sich eine 
breite, mit Wiesen und Feldern bedeckte, reich besiedelte mulden- 
förmige Thalsenke (Grundelsberg auf Profil 2) hin, entlang deren vielfach 
die dunklen Schiefer und Sandsteine der Lunzer Schichten meist 
steil stehend entblösst sind. Der eigentliche Lunzer Sandstein nimmt 
dort, wo er unter dem Schutte oder den stellenweise vorhandenen 
Schottermassen sichtbar wird, stets eine nördliche Zone entlang dem 
das Ybbsthal begrenzenden Riegel des Dörrkogels, Bergerkogels u. s. w. 
ein, während die südlicher am Fusse des Königsberges liegenden 
Partien vorherrschend durch unter 30—40° nach Süden fallende, 
wohl dem Reingrabener Niveau zufallende dunkle Schiefer gebildet 
werden. An der oberen Grenze des Lunzer Sandsteines gegen den 
Opponitzer Kalk beobachtete ich an der Strasse westlich unter Thomas- 
berg linsenförmige Einlagerungen eines blauen, rostig gelbbraun ver- 
witternden Oolithkalkes mit 

Cardita ef. erenata Goldf. 


1) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1893, pag. 78. 


426 G. Geyer. [4] 


Der breite antiklinale, nach Norden knieförmig steiler abfallende 
Zug von Lunzer Schichten entlang der Hochmulde der Königsberg- 
bauern führt im hangenden Sandstein mehrere geringmächtige Stein- 
kohlenflötze, welche um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zu 
Schürfungen und auch zum Bergbau Veranlassung gaben. 


J. Rachoj beschreibt diese Vorkommnisse in der bekannten 
Arbeit von M. V. Lipold!): „Das Kohlengebiet in den nordöstlichen 
Alpen“ und führt insbesondere nachfolgende Localitäten an: 1. Die 
Kohlenbaue am Allersberg und 2. in Pramreith, 3. die Schür- 
fungen in Vorderraingrub, 4. in Guggerlueg, 5. am Thomasberg, 6. in 
Klein-Koth und 7. in Gross-Koth. Der Bergbau in der 8. Schneibb 
und der 9. Schurf am Wentstein liegen schon am linken Ufer des 
Lassingbaches, gehören aber demselben Zuge an. 


In Pramreith ?) (südlich bei Moosau) werden drei Kohlenflötze und 
eine fächerförmige Stellung der sie einschliessenden Sandsteine und 
pflanzenführenden Schiefer angegeben, in Klein- und Gross-Koth be- 
obachtete man südliches Einfallen. Die Mächtigkeit der erschürften, 
zum Theil auch abgebauten Flötze von Lunzer Kohle betrug 1—3 Fuss. 


Vom Neu-Leopoldistollen in Pramreith liegen in unserem Museum 
aus den Aufsammiungen J. Rachoj’s folgende Fossilien des Oppo- 
nitzer Kalkes: 

Corbis Mellingi v. Hau. 
Perna Bouei v. Hau. 

Hinnites cf. obliquus Mstr. 
Myophoria inaequicostata Mstr. 
Pecten diseites Schl. 

Ostrea montis caprilis Klip. 


Vom Klein-Koth-Graben: 


Myophoria chenopus Laube. 
Ostrea montis caprilis Klip. 
Hoernesia Joannis- Austriae Klip. 
Nucula cf. strigilata Mstr. 


Die Lunzer Schichten der Königsbergmulde werden im Nordwesten 
begrenzt durch eine meist steil nach SO einfallende und somit über- 
kippte Zone von Opponitzer Kalk, welche in dem durch zahl- 
reiche Quergräben unterbrochenen, aber trotzdem in seiner Einheit- 
lichkeit deutlich zum Ausdruck kommenden Höhenzuge: Sattelberg— 
Stegerkogel—Dörrkogel—Bergerkogel das Ybbsthal auf seiner Südseite 
begleiten. 


t) Jahrb. d.k. k. geol. R.-A. Bd. XV, Wien 1865, pp. 1— 164 (speciell 114—150). 

?) In einem 1902 bei Rud. Radinger (Scheibbs) unter dem Titel: „Die Trias 
in den Alpen mit ihren kohlenführenden Lunzer Schichten und deren bergmännische 
Bedeutung“ in Druck gelegten Gutachten von Bergverwalter Jos. Haberfelner 
und Bergingenieur H. Haberfelner wird dieser kohlenführende Zug der Königs- 
bergmulde auf Seite 10 besprochen. Die daselbst angeführte, im Bodinggraben 
nordwestlich von Lunz gelegene Localität Pramelsreith darf aber nicht mit der 
oben genannten ähnlich lautenden Oertlichkeit am Nordfusse des Königsberges 
verwechselt werden. 


Ten FR ds We 


[5] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 497 


Jene die Entwässerung der Königsbergmulde besorgenden kurzen 
Querthäler liefern treffliche Aufschlüsse in den Opponitzer Kalken und 
lassen uns an mehreren Orten, ähnlich wie in Lunz, ein den Kalken 
zwischengelagertes Mergelniveau erkennen. Wir treffen diese 
Mergelschiefer schon in dem bei Grub in das Ybbsthal mündenden 
ersten Seitengraben östlich von Hollenstein, dort, wo der Fahrweg in 
die waldige Grabenenge einlenkt, am linken Ufer des Baches. 


Noch besser sind die Aufschlüsse im Dörrgraben hinter der 
dortigen Sägemühle. Die dunklen Mergelplatten, aus denen A. Bittner 
in seinem Tagebuche das Vorkommen von Hoernesia Sturi erwähnt, 
werden hier zunächst von einer mächtigen Rauchwackenbank überlagert. 


Weiter abwärts im Graben, also in ihren hangenden Partien 
führen die Opponitzer Kalke nach Bittner kleine Megalodonten. 


J. Rachoj sammelte im Dörrgraben: 


Corbis Mellingi v. Hau. 
Perna Bouei v. Hau. 
Cardinia problematica Klip. 
Macrocheilus variabilis Klip. 


Dieser Kalkzug streicht bei Kalchau südlich von Hollenstein im 
Thal des Lassing- oder Hammerbaches aus, um dann jenseits in der 
Dornleithen fortzusetzen. Bei Kalchau ist in der östlichen Lehne darin 
ein Steinbruch eröffnet, wo dünnschichtige, blaue oder grünlichgraue, 
thonige, glattflächige, häufig Mergelschieferlagen führende Opponitzer 
Kalke in sehr steiler Stellung aufgeschlossen sind. Manche Lagen 
derselben zeigen auf den Schichtflächen zapfenförmige Erhabenheiten. 
Sämmtliche Gesteinsvarietäten wittern in Folge ihres Thon- und Eisen- 
gehaltes bis zu einer gewissen Tiefe gelbgrau an. 


Am Hollensteiner Kirchenberge zeigt sich die Auflagerung des 
Hauptdolomits, aus dem dann die Synklinale des zwischen Hollenstein 
und Opponitz aufragenden Oisberges besteht. Rauchwacken pflegen sich 
als Grenznjveau einzustellen ; man trifft sie am Fusse des Sattelberges 
bei Walchen südlich und gegen Grub östlich von Hollenstein sowie 
auch im Schelchengraben am SO-Fuss des Wasserkopfes an. 


Verfolgt man die eben geschilderten Verhältnisse auf der Karte 
nach Nordost, so zeigt sich unmittelbar der enge Zusammenhang mit 
dem Lunzer Profil. Wir haben hier einfach wieder die Antiklinale des 
Sulzbaches vor uns, welche in eine gegen Norden erst senkrecht und 
dann überkippt abfallende Kniefalte übergeht. Das Ybbsthal bei 
Kogelsbach schneidet so tief ein, dass dort der Muschelkalk unter den 
Lunzer Schichten blossgelegt ist. Nicht so regelmässig allerdings tritt 
dieses tiefste Glied am Königsberge an die Oberfläche. Es scheint 
hier als eine schiefe Platte keilförmig durch die weichen Schiefer im 
Sattel der Kniefalte (vergl. Profil 2) herausgepresst worden zu sein. 

Nach Südwesten hin werden diese Verhältnisse immer compli- 
eirter. Immerhin lässt sich aber jener Bauplan auch noch in dem 
lehrreichen, von A. Bittner (Verhandl. d. k k. geol. R.-A. 1892, 


498 G. Geyer. [6] 


pag. 304) beschriebenen Durchbruch des Lassingbaches!) erkennen, 
welcher südlich von Hollenstein zwischen dem Königsberge und der 
Voralpe einschneidet. 

Hier zeigt sich nämlich der in der Enge von Wenten gut 
aufgeschlossene, zu unterst fast massige, nach oben aber immer dünn- 
bankiger werdende, dabei dort dünkler gefärbte und hornsteinführende 
Muschelkalk auch im Süden noch von petrefactenführenden Lunzer 
Schichten überlagert, die das Thal bei der lläuserrotte Wentstein 
übersetzen und am Wehr des Pichlhammers unvermittelt an Neocom 
und Juragesteinen abstossen. Die höheren hornsteinreichen Lagen des 
Muschelkalkes oder Reiflinger Kalkes führen hier selten ausgewitterte 
kieselige Brachiopodenschalen. 

Die dunklen Schiefer und Sandsteine der Lunzer Schichten sind 
hier. auf beiden Ufern aufgeschlossen. Am linken, namentlich in dem 
bei Wentstein (unterhalb Pichlhammer) von Westen herabkommenden 
Waldgraben, am rechten oder östlichen Ufer, wo sie zu Rutschungen 
Anlass geben, ziehen sie sich steil zur Höhe und stehen einige hundert 
Meter oberhalb auf den Wiesen hinter dem Gehöfte Hochau zu Tage. 
Offenbar entspricht ihnen die ganze, von Hochau nach Hoch- 
scheuch hinziehende Terrasse, welche, zwischen beiden Gehöften 
durch einen den Reiflinger Kalk entblössenden Graben unterbrochen, 
weiter östlich ober Hochschlag zu Ende geht. 

Unterhalb Hochscheuch tritt der Reiflinger Kalk, wohlin Folge einer 
secundären Störung, am Osthang des Kothgrabens noch einmal zu 
Tage und bildet sonach an dieser Stelle des Abhanges local zwei 
Züge statt einen. 

Oberhalb Hochscheuch stehen im Walde lichte, sehr spärlich 
hornsteinführende Kalke an mit flach südlichem Einfallen. Sie sind 
zum Theil oolithisch ausgebildet und scheinen mit brecceiösen Dolomit- 
lagen verknüpft zu sein, wie solche im Liegenden des Opponitzer Zuges 
bei Sattel (SO Hollenstein) beobachtet wurden. Gelbgraue flaserige 
'Plattenkalke vom Aussehen typischer Opponitzer Platten scheinen etwas 
höher zu liegen und den gegen Punkt 1044 des Orig. Sect.-Blattes 
ansteigenden Waldrücken zu bilden. Diese Kalke wurden als Opponitzer 
Kalke kartiert, die hier die Lunzer Schichten von Hochscheuch über- 
lagern und etwa bei Punkt 1044 m von Neocom überschoben werden. 
Um diese Kalke ist also an jener Stelle das Königsbergprofil voll- 
ständiger. Sie ziehen sich östlich bis an den gegen Hochschlag 
absinkenden Bergsturz hin. Nach SW hin reicht der Muschelkalk nur 
wenig über den Lassingbach hinaus und taucht hier unter den Lunzer 
Schichten in die Tiefe. 

Bei dem Wehr des Pichlhammers in Wentstein schneidet die für 
den Königsberg so bezeichnende, von einer Ueberschiebung des Neocoms 
über älterer oder mittlerer Trias begleitete Längsverwurf quer über 
die Thalschlucht des Lassingbaches. Unmittelbar anstossend an die 
Lunzer Schichten treffen wir Aufschlüsse der überkippten, den rhätischen 


!) Dieser in jenen Gegenden häufig wiederkehrende Name ist der Special- 
karte entnommen worden, da die ortsübliche Bezeichnung jenes Baches von Strecke 
zu Strecke wechselt und daher in der Literatur besser vermieden wird. 


[7] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 429 


Dachsteinkalk des Königsberges mit südlichem Einfallen scheinbar 
unterteufenden, Neocom und Jura umfassenden Schichtfolge. 

Zunächst das Neocom erscheint in Form hell gelbgrauer, dichter 
muschelig brechender Kalkschiefer. Dann folgen dünnschichtige, horn- 
steinführende, jurassische Aptychenkalke. Scheinbar darüber beobachten 
wir rothe, hornsteinführende, kieselige Plattenkalke, braunrothe, weiss- 
geäderte flaserige Wulstkalke und einen braunen Crinoidenkalk (Klaus- 
kalk?). Endlich folgen von Hornstein durchwachsene graue oder röth- 
liche, kieselreiche Plattenkalke, die vielleicht hier den Lias repräsen- 
tieren, denn unmittelbar südlich schliessen sich bereits dickbankige 
rhätische Dachsteinkalke an, in der Schlucht sehr steil nach S ein- 
fallend unter den Hauptdolomit. 

In senkrecht aufgerichteten, mächtigen, freistehenden Platten 
aus den Steilhängen herausgewittert, bildet der letztere weiterhin jene 
pittoreske Schlucht, durch welche die Strasse in die Seeau führt. 

Dort aber beobachtet man schon nördliches Einfallen des die 
Gamssteinkalke überlagernden Hauptdolomits, so dass in jenem engen 
Thaleinschnitt die fächerförmige Schichtenstellung des Königsberges 
deutlich zum Ausdruck gelangt. 


3. Voralpe. 


Das steilstehende Schichtsystem des Königsberges setzt quer 
über die enge Lassingschlucht südlich von Hollenstein in das Massiv 
der Voralpe hinüber. Trotzdem erweist sich das letztere in seinem 
tektonischen Aufbau vom Profil des Königsberges insofern ver- 
schieden, als einzelne am Königsberge an Längsverwürfen abgesunkene 
Faltenteile in der Voralpe wieder nach und nach an die Oberfläche 
heraustreten, so dass sich hier gradatim wieder eine Vervollständigung 
des tektonischen Bildes von Lunz mit seiner südlichen Synklinale 
und der nördlichen Antiklinale einstellt. 

Wir verfolgen diesen Durchschnitt wieder von Süden nach Norden 
und sehen zunächst den an die Brühl—Altenmarkter Linie anschließenden 
steilstehenden Südflügel der Lunzer Synklinale durch den Gamsstein- 
kamm zwischen Palfau und der Hollensteiner Seeau repräsentiert. 
Die Muschelkalkstufe wird, wie Bittner nachgewiesen hat, nur auf 
der Südseite dieses Gebirgsrückens durch dunklere, dünngeschichtete, 
den Reiflinger Kalken entsprechende Gesteine aufgebaut, der Rücken 
und die Hauptmasse des Gamssteines selbst jedoch bestehen aus fast 
senkrecht aufgerichteten hellen Plattenkalken, welche ihrer Position 
und Beschaffenheit nach als Wettersteinkalk!) bezeichnet werden 
können. 

Ueber ihnen folgt, steil nach Norden einfallend, ein Band von 
Lunzer Sandstein und Opponitzer Kalk, das etwa auf halber Höhe des 
Gamssteines durch dessen Nordflanke streicht. Es bildet das Liegende 
der breiten, im Ganzen steil aufgerichteten Hauptdolomitzone der Vor- 


1) A. Bittner: Aus der Umgebung von Windischgarsten in Oberösterreich 
und Palfau in Obersteiermark. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886, pag. 242. 


430 G. Geyer. [8] 


alpe, in welcher sowohl die Seeau als auch der von dort abfliessende 
Lassingbach eingeschnitten sind. 

Dieser Hauptdolomitzug stellt die unmittelbare Fortsetzung des 
Fächers auf dem Königsberge dar. Während in dem letzteren jedoch nach 
der Lage der überkippten Jura und Neocomgesteine am Nordrande 
des Zuges nur die Südhälfte der Lunzer Synklinale vertreten sein 
dürfte, sehen wir auf der Voralpe auch den Nordflügel ent- 
wickelt. Die Opponitzer Kalke und der Lunzer Sandstein treten nämlich 
im Nordabsturz der Voralpe in normaler Weise wieder zu Tage und 
bilden so den nördlichen Gegenflügel der Lunzer Schichten am 
Gamsstein. 

Dieses Verhältnis ist in den kurzen Seitenschluchten des Schelchen- 
grabens auf der Nordseite der Voralpe (siehe Profil 3 auf Taf. XX) 
gut zu erkennen, zumal hier einige bergbauliche Aufschliessungen in 
die Lagerung Einblick gewähren. 

Insbesondere ist es der sogenannte Weidengraben, in welchem 
der Johannisstollen in südsüdöstlicher Richtung gegen die Vor- 
alpe getrieben wurde, sowie eine unter dem Namen Dürrecker Gschlief 
bekannte Abrutschung und Entblössung hart am Fusse der Steilhänge, 
wo die Lagerungsverhältnisse verfolgt werden können. Der untere 
Theil des in die Schelehen mündenden Weidengrabens ist annähernd 
im Streichen eines sehr steil nach SSO einfallenden, dem Kohlen- 
gruben-Waldberg (im Lunzer Profil) und dem Berger-, Steger- und 
Dörrkogel (im Königsbergprofil) entsprechenden Zuges von Opponitzer 
Kalk eingeschnitten, unter dem eine überkippte Zone von Lunzer 
Sandstein folgt. Es ist der breite Lunzer Zug der Königsbergbauern, 
welcher südlich von Hollenstein das Lassingthal verquert und, nach 
Südwesten rasch an Breite abnehmend, endlich unter dem Verbindungs- 
kamm der Voralpe mit dem Högerbergzuge in die Tiefe hinabtaucht. 

Unweit der Ausmündung des Weidengrabens in die Schelchen 
ist der Johannisstollen angeschlagen. Derselbe verquert zunächst sehr 
steil aufgestellte Opponitzer Kalke und Rauchwacken, dann einen 
breiten Zug von Lunzer Sandstein und stark zerknitterten Reingrabener 
Schiefern. Weiter folgt, wie A. Bittner in seinem Tagebuche notirt, 
„eine scharfe Ueberschiebungsfläche und dann wieder Kalk, dem 
Anscheine nach Opponitzer, flacher oder steiler in Süd fallend. Er ist 
noch nicht durchfahren, hat viele N—S streichende, steil westlich fallende 
Klüfte und führt sehr viel Wasser. Hie und da heller Hornstein*. — 
Der Stollen ist mittlerweile weiter vorgetrieben worden, durchörtert 
hinter dem Kalke wieder Lunzer Sandstein und steht dermalen in 
schwarzen Thonschiefern (Reingrabener Schiefer) bei ca. 700 m Länge 
vor Ort. Obertags entspricht dies etwa einer Stelle nahe dem Dürrecker 
Gehöft, und zwar schon südlich vom Steige über den Frenzsattel. 

In einer nach Westen dem Streichen nach getriebenen Seiten- 
strecke konnte eine antiklinale Wölbung im Reingrabener Schiefer 
und mithin die Achse dieses ganzen Sattels von Lunzer Schichten be- 
obachtet werden. 

Durch den Johannisstollen wurde ein wechselnd, im Mittel 
40—50 cm, mächtiges Kohlenflötz, das einer dem Opponitzer Kalke 
genäherten höheren Lage im Lunzer Sandstein eingeschaltet ist, sowohl 


[9] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 431 


in dem vorderen als auch in dem Hauptzuge erschürft. Zunächst wurde 
im Stollen nur der überkippte Nordflügel des Hauptzuges verquert 
der Südflügel ist noch nicht angefahren, da der Stollenvortrieb mitten 
im Reingrabener Schiefer eingestellt wurde. Obertags soll dieser Süd- 
flügel im sogenannten „Dürrecker Gschlief* durch eine heute schon 
wieder verfallene Rösche nachgewiesen worden sein. 

Unter dem Namen Dürrecker Gschlief bezeichnet man eine 
hart unter den Steilhängen der Stumpfmauer (Hüttfeld) liegende Ab- 
rutschung, woselbst Reingrabener Schiefer und Lunzer Sandstein unter 
den mit Rauchwacken beginnenden Opponitzer Kalken der Voralpe 
aufgeschlossen sind. Man erreicht diese Blösse vom Dürrecker durch 
den Wald südlich aufsteigend etwa in einer halben Stunde über dem 
Frenzsattelwege. An dieser zu Rutschungen neigenden Stelle ist die 
Lagerung oft undeutlich, näher den Rauchwacken kann man jedoch 
immerhin das Vorherrschen einer flachen südlichen Neigung unter 
die Kalke der Voralpe constatieren. 

In dem vom Kaltenbüchl nordöstlich gegen das Weidenthal ab- 
fallenden Graben wurde etwa 700 m westlich vom Johannisstollen eine 
Strecke dem Streichen nach getrieben und hier nach Angabe des Hut- 
mannes Johann Ilinteramtskogler ein 20 cm starkes Flötz nachgewiesen. 
Darüber südlich am Gehänge ist eine mächtige Lage von Lunzer Sand- 
stein, worin durch Röschenziehen ebenfalls ein kleines Flötz erschürft 
worden sein soll. Die durch den Johannisstollen erschlossene Grube 
steht durch einen Schacht und einen Stollenaufbruch mit dem vom 
Dürrecker Bauer nach Schneibb absinkenden Graben in Verbindung. 
An der Mündung dieses Stollens (südlich „r“ von „Haberfeld“ der 
Specialkarte) fand ich Blöcke des blauen Oolithkalkes der Cardita- 
schichten. 

Der bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Betrieb 
sestandene Hollensteiner Steinkohlenbergbau bewegte sich aber zum 
erössten Theil in der Schneibb, wo heute noch grosse Halden von 
dessen Umfang Zeugnis geben. 

In der bereits eitierten Arbeit (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XV, 
1865, pag. 147) erwähnt J. Rachoj von der Schneibb 6 Flötze in 
einer Mächtigkeit von je 2 bis 6 (!) Fuss. Aus den die kohlenführenden 
Sandsteine überlagernden !) Schiefern führt der Genannte nachstehende 
Pflanzenreste an: 

Pterophyllum Haidingeri Goepp. 

longifolium Brong. 

» Sp. 

Pecopteris Stuttgardiensis Brong. 
Equisetites columnarts Sternb. 


” 


Der südlich der Goldmauer (Dürreck) vorüberstreichende 
viel breitere Zug von Lunzer Sandstein (siehe Profil 5) keilt nahe 
westlich vom Dürrecker zwischen Opponitzer Kalken aus. Die letzteren 
streichen weiterhin über die am Frenzsattel bis zu 1038 m einge- 


t) Da die Schichtfolge hier eine überkippte ist, sind dies eigentlich die Liegend- 
schiefer des kohlenführenden Sandsteines. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (G. Geyer.) 59 


432 @. Geyer. [10] 


schnittene Wasserscheide zwischen der Voralpe und dem Högerberg- 
zuge in erheblicher Breite gegen den jenseits zur Enns abdachenden 
Frenzgraben hinüber. Sie werden hier nur durch die schmale, den 
Weidengraben bei der Schneibber Alpe verquerende, nördlich der 
Goldmauer vorbeistreichende Lunzer Sandsteinzone unterbrochen, 
die sich aus dem Weidengraben bis auf die Höhe des Frenzberges 
verfolgen lässt. 

Ueber der Walchbrunner Alpe stehen nämlich am Frenzberg 
südlich fallende Opponitzer Kalke an; gegen das Liegende derselben 
trifft man nun auf dem zum Silberriegel führenden Steig am Ostabhang 
des Frenzbergkogels eine Zone von dunklen, zur Quellenbildung und 
Terrainversumpfung Anlass bietenden Mergelschiefern, die offenbar 
jenem den Weidengraben querenden schmalen Zug von Lunzer Sand- 
stein entsprechen. Der letztere reicht somit bis auf die Wasserscheide 
segen das Ennsthal hinauf und bildet den Kern einer Antiklinale 
zwischen Voralpe und Högerbergzug. Es ist dies noch immer die im 
Lunzer Profil so deutlich ausgesprochene nördliche Antiklinale des 
Sulzbaches, welche südwestlich vom Frenzsattel gegen das Ennsthal 
zu endlich in die Tiefe taucht. Allerdings tritt uns hier eine Compli- 
cation entgegen in dem, aus ÖOpponitzer Kalk bestehenden, vom 
Johannisstollen durchfahrenen Riegel des Dürreck (Profil 3). Ein Blick 
auf die Karte lässt jedoch sofort erkennen, dass dies nur eine aus 
dem Hauptzuge des Opponitzer Kalkes absplitternde Verwurfsmasse 
ist, welche alsbald (schon in der Schneibb) wieder auskeilt und somit 
nur eine locale tektonische Wiederholung bedeutet. 

Diese Verhältnisse lassen sich mit Sicherheit feststellen, da die 
liegenden Partien der Opponitzer Kalke hier durch ihre Fossilführung 
stets die Orientirung gestatten. 

A. Bittner führt in seinem Tagebuche an Fossilresten aus 
losen Platten von Opponitzer Kalk des Weidengrabens folgende 
Arten an: 

Gervillia Bouei v. Hau. 

Corbis Mellingi v. Hau. 

Oardita crenata Goldf. 
Myophoria fissidentata v. Wöhrm. 


Er vermuthet, dass die in unseren Sammlungen durch Opponitzer- 
kalkfossilien vertretene Localität Schelchenthal damit identisch sei und 
erwähnt dort ausserdem noch nachstehende eigene Funde: Halobia sp. aus 
dem schwarzen Reingrabener Schiefer vom Dürrecker Gschlief, 
Gervillia Bouei v. Hau. in Lunzer Sandstein aus dem Zubaustollen 
NO unterhalb des Dürreckers, Peeten filosus v. Hau. auf Platten von 
der Schneibber Alm (heuzutage verfallene Alpe). Ich selbst 
sammelte Corbis Mellingi v. Hau. in Blöcken des Opponitzer Kalkes, 
weleher den schmalen Lunzer Sandsteinzug des Weidengrabens 
südlich überlagert (Dürreckerzug). 

Die solcher Art unter den Nordwänden des Gamssteines und dann 
wieder am Nordfusse der Voralpe von den Lunzer Schichten unter- 
teufte Hauptdolomitsynklinale der Voralpe ist in sich 
mehrfach zusammengefaltet. Sie zeigt nur an ihrer unteren Grenze, 


[11] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 433 


dach, ‚In der Nachbarschaft der beiden unterlagernden Züge von 
Opponitzer Kalk ein nördliches, bezw. südliches Einfallen, während 
die mittleren Partien durchwegs senkrechte oder mindestens steile 
Schichtstellungen aufweisen. In den aufgerichteten Massen beobachtet 
man dabei häufig eine den Specialsynklinalen entsprechende Fächer- 
stellung der Hauptdolomitbänke. Nur in der Mitte dieser synklinalen 
Region, nämlich in der durch die Gipfelpunkte Hüttfeld, Stumpfmauer 
und Tanzboden bezeichneten obersten Partie des Stockes begegnen uns 
rhätische und noch jüngere Deckgebilde, zumeist eingefaltet in engen 
steilstehenden Syklinalen. 

Man trifft sie schon auf dem von Went zur Wenteralpe 
führenden Wege im Walde unterhalb der Alpenhütte, wo dunkle Rhät- 
mergel anstehen. Die Aufschlüsse sind bier jedoch dürftig und unklar. 
Umso deutlicher erweisen sich die Verhältnisse oberhalb der Wenter- 
alpe am Rücken gegen das Hüttfeld (Punkt 1642 m Specialkarte). 

Ueber dem südlich einfallenden Hauptdolomit liegen hier 
abwechselnd mächtigere und dünnere Tafeln von dolomitischem Kalk, 
der Plattenkalk Gümbel’s, nach oben durch Wechsellagerung 
übergehend in einen dickbankigen, weissgrauen, klotzigen, reinen Kalk, 
welcher die Gipfel dieses Stockes zusammensetzt. Dieser in seinem 
Aussehen dem typischen Dachsteinkalke nahestehende, stellen- 
weise von prächtigen Korallenstöcken (Lithodendron) durchwachsene, 
aber nur selten, und zwar bloss kleine Megalodonten einschliessende, 
mitunter wulstig-knollig ausgebildete lichte Kalkstein wechselt mit 
grauen, oft mehrere Meter mächtigen Thonmergeln, in denen an 
einigen Orten reichlich rhätische Fossilien gefunden wurden. Da die 
Mergel leichter zerstörbar sind als die dazwischenliegenden Kalktafeln, 
bildet sich durch die Erosion in den Hochlagen dieses Gebietes ein 
eigenthümlicher Landschaftstypus heraus. Den senkrecht stehenden 
Kalkplatten entsprechen nämlich an den Felswänden ebensoviele 
coulissenförmig vorspringende Pfeiler, während die Mergelschichten in 
tiefen kaminartigen Schlünden ausgewaschen wurden. Auf den Ab- 
hängen dagegen ziehen sich die Mergelbänder als sanfter geböschte 
Wiesenstreifen zwischen den klippigen Kalkstufen hin. 

Dunkelblaugraue, rostgelb anwitternde, knollige Kalke, welche 
im Gefolge der oben bezeichneten Wechsellagerung auftreten, dürften 
ein noch höheres rhätisches Niveau einnehmen. 

Im Allgemeinen ist diese Schichtfolge nicht besonders fossilreich ; 
ausser den häufigen, wohl der Gattung T’hecosmilia angehörigen Korallen- 
stöcken, die z. B. auf dem Südrücken der Stumpfmauer gegen den 
breiten Sattel Schwagleithen in prächtigen Auswitterungen hervor- 
treten, begegnet man zumeist nur grossen Schalen von Pecten acute- 
auritus Schafh. und auf den rostgelb anwitternden Wulstkalken die 
langen Klappen von @ervillia inflata Schafh. Am häufigsten treten 
Fossilien noch in der Umgebung des steirischen, unter dem Namen 
Tanzboden bekannten Gipfels der Voralpe auf, insbesondere im 
Südosten der Spitze und in den nach jener Richtung gegen die 
Seeau abfallenden Karen. D. Stur führt in seiner Geologie der 
Steiermark von hier pag. 425 eine lauge Petrefactenliste an und gibt 
dort auch eine Specialgliederung der Rhätschichten auf der Voralpe an. 


59* 


434 G. Geyer. i [12] 


Es ist eine typische, Korallen, Brachiopoden und Acephalen um- 
schliessende Rhätfauna, die auch einen Fischzahn des Bonebed, 
Saurichthys accuminatus Qu., geliefert hat. 

Man wird jene mit den Rhätmergeln wechsellagernden licht- 
grauen Korallen- und Megalodontenkalke am passendsten als rhä- 
tische Korallenkalke bezeichnen und die Region der Voralpe 
als Grenzgebiet auffassen zwischen der südlichen Entwicklung heller 
Megalodontenkalke mit rhätischen (Starhemberger) Fossileinschlüssen 
und jener nördlichen Zone, wo das Rhät, bloss durch mergelige Ge- 
bilde vertreten, zumeist unmittelbar auf dem Hauptdolomit gelagert ist. 

Die mergeligen Zwischenlagen der Voralpe ordnen sich haupt- 
sächlich in drei Faltenzügen an. 

Ein nördlicher Zug streicht aus dem Thale der Wenter Alpe 
über die Nordflanke des Hüttfeldes in den zur Enns abdachenden 
Frenzgraben hinüber, den er bei der sogenannten „Langen Wand“ 
unterhalb der „Schneegruben“ trifft. Ein mittlerer Zug verquert den 
flachen Sattel des Hüttfeldes (Punkt 1642 Specialkarte) und streicht 
südwestlich gegen die Schneegruben hinab, um dann weiterhin am 
Nordabhang des Tanzbodens gegen den Sattel der Altenmarkter Hinter- 
alpe hinzuziehen. An dieser nicht ganz regelmässigen Synklinale be- 
teiligen sich auch jüngere Gebilde, nämlich zunächst ein röthlichgrauer, 
wahrscheinlich liasischer Hornsteinkalk, der den Nordabhang der 
Stumpfmauer (1769 m) gegen das ebene Hüttfeld bildet. Er tritt 
auch in den „Schneegruben* nördlich unter dem Tanzboden zu Tage 
und streicht ebenfalls zur Hinteralpe weiter. Ausserdem trifft man 
entlang dem aus den Schneegruben auf die Hinteralpe führenden 
Steige auch Mergel und helle schiefrige Aptychenkalke des Neocoms, 
die hier discordant über dem Hornsteinkalke folgen dürften. 

Diese ganze, im Allgemeinen wohl synklinal gebaute Einfaltung 
srenzt im Süden überall an eine Steilwand von rhätischem Korallen- 
kailk an; wahrscheinlich baut sich das Rhät von Norden her südfallend 
auf und wird schliesslich noch von Lias überlagert, dann zieht aber 
eine Längsstörung durch und bringt wieder die tieferen Rhätbänke 
an die Oberfläche. 

Ein dritter südlicher Zug endlich streicht über den Gipfel des 
Tanzbodens zur Esslingalpe hinab und zeigt unter der Alpe auf 
dem Steige zur Hinteralpe wieder den röthlichgelben Hornsteinkalk 
im Hangenden der Kössener Mergel. An dieser schon auf dem süd- 
lichen Nachbarblatte gelegenen Stelle wird der Hornsteinkalk von 
A. Bittner als Lias eingetragen. Es ist sicher dasselbe wie die 
hornsteinführenden Kalkschichten des Hüttfeldes und entspricht 
vielleicht auch den kieseligen Hornsteinkalken an der Nordfront des 
Königsberges. 

Der Südabhang der Voralpe gegen den Seeaubach wird von 
Rhätkalken und Hauptdolomit gebildet, die in den oberen Partien ein 
südliches, unterhalb einer mittleren Terrasse aber wieder nördliches 
Einfallen aufweisen. 

So zeigt sich im Durchschnitt der Voralpe im Allgemeinen ein 
synklinaler Aufbau, wobei der Muldenkern in wiederholten, von Längs- 
verwürfen betroffenen Knickungen eng zusammengepresst erscheint. 


[13] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 435 


Wir wollen nun die Beziehungen der Voralpe zum 
Königsberg näher untersuchen, um über die allmälige Complication 
des Eunzer Profils ein Bild zu gewinnen. Im Profil des Königsberges 
sahen wir die überkippte Südhälfte der Lunzer Synklinale über einem 
Zuge von Muschelkalk aufgeschoben, so dass der aus Neocom und 
Jura bestehende Muldenkern jener Synklinale unmittelbar an die aus 
viel älteren Gesteinen bestehende nächste Antiklinalzone angrenzt. 

Im Profil der Voralpe dagegen erscheint jene Lunzer Synkli- 
nale wieder vollständig; sie ist hier ausserdem höher herausgehoben, 
weit geöffnet und in sich mehrfach geknickt und zusammengefaltet. 

Es drängt sich nun die Frage auf, in welcher Art sich der 
Uebergang zwischen diesen beiden tektonischen Grundformen vollzieht. 
Der für die Lösung geeignetste Durchschnitt scheint auf den ersten 
Blick die zwischen jenen beiden Profilen durchziehende Schlucht des 
Lassingbaches südlich von Hollenstein zu sein. Wir konnten uns jedoch 
bereits überzeugen, dass in der tiefen Thalrinne bei Wentstein noch 
genau dieselben Verhältnisse herrschen wie auf dem Königsberge selbst. 

Die Region, wo sich dieser Uebergang vollzieht, muss also noch 
weiter im Westen, d.h. schon im Massiv der Voralpe gesucht werden. 
Es wäre nun naheliegend, hier einen Querbruch zwischen der 
höher herausragenden vollen Synklinale der Voralpe und der einge- 
sunkenen, nur zum Theil sichtbaren Synklinale des Königsberges anzu- 
nehmen. Dies widerspricht aber den in der Natur zu beobachtenden 
Verhältnissen. Wir sehen nämlich auf dem Gehänge westlich von 
Wentstein, wie sich der am Nordhang der Voralpe durchstreichende 
Opponitzer Kalk im Hangenden der Lunzer Schichten bis an den Lassing- 
bach hinabsenkt und sehen andererseits die Jura- und Neocomgesteine 
des Wehres nächst dem Pichlhammer südlich von jenem Opponitzer 
Zuge über den Abhang der Voralpe hoch hinaufreichen, bis dort wo 
der Steig von Went zur Wenter Alpe den Rücken überschreitet. Die 
beiden Gebilde übergreifen einander somit im Streichen, was bei 
dem Vorhandensein einer Querstörung ausgeschlossen wäre (siehe das 
Kärtchen). Es kann somit nur eine Längsverwerfung sein, an der 
Neocom und Jura verschwinden, eine Längsverwerfung, welche die 
directe Fortsetzung der auf unserem Profil 2 mit II bezeichneten 
Störung darstellt und weiterhin nach Westen mitten im Hauptdolomit 
der Voralpe einschneidet, wodurch sie der Beobachtung entzogen wird. 
Wäre es ein Querbruch, der die beiden scheinbar sehr abweichenden 
tektonischen Typen trennte, so müsste sich derselbe auch in den 
Lunzer Schichten und dem Opponitzer Kalke von Went am Nordfuss 
der Voralpe durch plötzliches, d. h. stufenförmiges Absinken der öst- 
lichen Partien jener Züge vor ihrer höher stehenden westlichen Fort- 
setzung in auffälliger Weise geltend machen. So aber sieht man, wie 
sich die Grenze zwischen dem Lunzer Sandsteine und dem Opponitzer 
Kalke vom Ufer des Lassingbaches in Wentstein (ca. 500 m ü. d. M.) 
allmälig bis zu ca. 950 m südlich vom Dürrecker Gehöfte erhebt. 

Die Erklärung dieser complicierten Lagerungsverhältnisse scheint 
mir nun darin gegeben, dass jener Opponitzer Zug des Dürrecker 
Gschlief einfach die westliche Fortsetzung der zwischen den Längs- 
brüchen I und II eingeschlossenen keilförmigen Scholle darstellt, 


436 G. Geyer. [14] 


welche sich hier derart aus der Tiefe heraushebt, dass allmälig auch 
der Hauptdolomit wieder an den Tag kommt. 

Wie sich schon am Königsberge (Profil 2) über dem Muschel- 
kalke jener Scholle eine Ueberlagerung des letzteren durch Lunzer 
Sandstein und Opponitzer Kalk einstellt, so treten weiter westlich im 
Massiv der Voralpe nochmals Opponitzer Kalk und dann schliesslich 
auch Hauptdolomit als Hangendglieder dazu und füllen so nach und 
nach die Lücke aus, welche durch das Fehlen des Nordflügels in der 
Königsbergmulde gebildet wird. 

Der Muschelkalk, der im Lunzer Profil noch in der Tiefe 
verborgen, im Göstlinger Ybbsdurchbruch bei Kogelsbach an die 
Oberfläche heraustritt, um weiterhin am Königsberg die von den Ver- 
würfen I und II begrenzte, abnorm hoch herausgehobene Scholle zu 
bilden, sinkt allmälig wieder untertags hinab, indem er der Reihe 
nach von Lunzer Sandstein, Opponitzer Kalk und endlich Hauptdolomit 
bedeckt wird, wodurch dem Südflügel der Mulde (Gamsstein) wieder 
ein normaler Nordflügel (Nordwand der Voralpe) erwächst. 

Die mehrfach besprochene keilförmige Scholle am Nordhang des 
Königsberges wird also von zwei Längsstörungen mit südlich neigender 
Verwurfsfläche begrenzt. Die den Nordsaum der Scholle bildende 
Störung I (siehe Profiltafel) grenzt bei Went den Muschelkalk vom 
Lunzer Sandstein ab und läuft nach dem Untertauchen des Muschel- 
kalkes im Lunzersandstein-Terrain aus, wo sie nicht weiter verfolgt 
werden kann. Vielleicht setzt sie sich in dem das Dürreck (Gold- 
mauer) im Norden begrenzenden Bruche (Profil 3) fort. 

Die Störung II dagegen am Südrand unserer Scholle trennt die 
letztere von dem überkippten Neocom des Königsberges und dürfte 
sich nach Westen hin innerhalb des Hauptdolomits am Nordhang der 
Voralpe ausgleichen. Nach dieser Auffassung wäre jener von A. Bittner 
in seinem Profil des Königsberges dargestellte keilföürmig heraus- 
geschobene Platte von Muschelkalk und Lunzer Schichten nichts 
anderes als ein Basalrest der Synklinale, nämlich ein Theil ibrer 
Nordhälfte, die wir im Königsbergprofil vermissen, da sie grossen- 
theils in der Tiefe verborgen liegt. 

Nachdem aber dieser Nordflügel der Synklinale identisch ist mit 
den Südschenkel des Sulzbacher Sattels (siehe Fig. 1), so können 
wir uns diese ganze Erscheinung als einelocale Herauspressung 
des relativ starren Muschelkalkkernes durch die plasti- 
schen Lunzer Schichten der hier knieförmig überkippten, nach Nord- 
west blickenden Sulzbacher Antiklinale deuten, ein Vorgang, der als 
locale Auslösung der hier nordwestlich drängenden Faltung anzu- 
sehen wäre. 

Dass die Faltungsrichtung hier thatsächlich nach Nordwest, 
bezw. nach Nordnordwest gerichtet ist, erweist der Aufbau der zunächst 
nördlich anschliessenden, durch den Weyerer Högerberg (Wasserkopf) 
und Oisberg repräsentirten Zone. 

Högerberg und Oisberg, welche nur durch den Einschnitt 
des Ybbsthales unterhalb Hollenstein getrennt werden, zeigen nämlich 
eine grosse Analogie ihres tektonischen Baues und erweisen sich als 
Ueberreste einer und derselben Synklinale. 


Bl ı 


[115] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 437 


4. Oisberg. 


"Der zwischen St. Georgen a. Reith und Opponitz im Hollensteiner 
Ybbsknie aufragende Oisberg mit dem Schneekogel (1372 m) 
besteht aus einer liegenden Synklinale von Hauptdolomit mit nach 
Süden geneigter Mittelebene. Die Höhe des lang hinziehenden Rückens 
wird durch einen aus Jura- und Neocomgesteinen zusammengesetzten 
synklinalen Kern gebildet, in welchem die Neocom-Aptychenkalke und 
-Mergel die Mitte einnehmen, während oberer Jura und Lias zu beiden 
Seiten, und zwar im Norden in normaler, im Süden in verkehrter 
Folge an den Rhätkalk grenzen. 


Kren- x Ybbsthal oberh. Steger- 
graben. Oisberg. Hollenstein. kogel. 


1. Lunzer Sandstein. — 2. Opponitzer Kalk. — 3. Hauptdolomit. — 4. Rhätischer 
Kalk. — 5. Rother Lias? Marmor. -- 6. Braunrothe Radirlarien führende Kiesel- 
mergel. — 7. Jurassischer Hornsteinkalk. — 8. Neocommergel und Aptychenkalk. 


Der nahe dem Hollensteiner Bahnhofe bei Füstelwag über die 
westliche Schmalseite des Oisberges zur Höhe führende Jagdsteig 
schliesst die Gesteine jenes synklinalen Kernes und deren Lagerung 
in unzweideutiger Weise auf. 

Ueber dem hier flach nördlich fallenden Hauptdolomit liegen 
etwa 400 m über der Thalsohle erst dolomitische, verhältnismässig 
dünnbankige Kalke, der Plattenkalk, sodann ein diekbankiger 
grauer Kalk in mächtigen Bänken, der mit Berücksichtigung der in 
der südwestlichen Fortsetzung am Wasserkopf herrschenden Verhält- 
nisse nur als ein oberer, d. h. rhätischer Dachsteinkalk aufgefasst 
werden kann. Darüber folgt, die kanzelförmig aus dem Abhange vor- 
springende Stufe der aufgelassenen Füstelwagalpe bildend, eine 
ca. 15 m mächtige Bank von oft etwas brecciösem oder knolligem 
rothen Kalk mit Schalentrümmern von Ammoniten, die von schwarzen 
Mangankrusten umrindet werden. Die Fossilarmuth dieser ganzen 
Region erstreckt sich auch auf jene rothen Kalke, in denen wir im Hin- 
blick auf anderweitige nordalpine Verhältnisse, z. B. auf dem Todten- 
gebirge !) im nahen Salzkammergut zunächst wohl eine Vertretung des 


‘) Ueber jurassische Ablagerungen auf dem Hochplateau des Todtengebirges 
in Steiermark. Jahrb. d. k. k. geol. R-A., 34. Bd., Wien 1834, pag. 342 ff. 


438 G. Geyer. [16] 


Lias erblicken dürfen, bis etwa spätere Funde eine andere Deutung 
bedingen werden. 


Ueber jener vorspringenden Bank von Dachsteinkalk und Lias 
zieht ein durch üppiges Wachsthum der Vegetation ausgezeichnetes 
Band von dünnschichtig-plattigen, indischroth gefärbten, hie und da 
kirschrothe Hornsteinlagen einschliessenden Kieselkalken und -Mergeln 
durch, in deren Bereich zumeist zahlreiche Quellen auftreten. Im 
Steilabfall der aufgelassenen Füstelwagalpe beobachtet man eine 
annähernd horizontale Lagerung dieser bunten Kieselgesteine, Dünn- 
schliffe der letzteren zeigen die zierlichen, kreisrunden, gitterförmig 
durchbrochenen Kieselskelette vonRadiolarien in ähnlichen Formen 
wie die aus dem rothen Tiefseethone bekannten. In den Nordalpen 
kehrt diese rothe kieselreiche Schichte öfters wieder, und zwar stets 
zwischen rothen Liaskalken und den oberjurassischen Hornstein- und 
Aptychenkalken; wohl nur in Folge dieser intermediären Stellung 
wurde sie vielfach als Dogger bezeichnet. 


Im Hangenden folgen dichte muschlig brechende, gelbgraue und 
oberflächlich stark bleichende, etwas flaserige, thonige Kalke, die mit 
den jurassischen Aptychenkalken der Gegend petrographisch über- 
einstimmen. Das Einfallen ist steil nach Norden. 


Der Weg wendet sich nun immer weiter südlich der Südkante 
des Oisberges zu und übersetzt auf halber Flanke einen Bachgraben, 
wo mergelige Neocom Aptychenkalke aufgeschlossen sind. Das ganze 
Schichtsystem richtet sich nun steil auf bis zur überkippten Lagerung, 
wir passiren hier der Reihe nach noch einmal alle Glieder 
in verkehrter Folge und gelangen schliesslich zum zweiten Mal 
in diekbankigen, weissgrauen, hier steil nach Süden einfallenden Rhät- 
kalk, über dessen Schichtköpfe wir der Kante folgend zur Höhe des 
Oisberges aufsteigen. 


Die angedeutete Schichtfolge nimmt von da an ostwärts in Form 
einer liegenden, gegen Mittag geneigten Mulde den ganzen langen 
Rücken ein bis über den Schneekogel hinaus. 


Die festen, aus überkipptem Rhätkalk und rotem Lias? Marmor 
bestehenden Liegendbänke des Südflügels der Mulde folgen so ziemlich 
der Höhenkante und bilden die einzelnen Kuppen der letzteren. 
Dagegen breiten sich die weicheren, rothen Kieselmergel, Jurakalke 
und Neocomgesteine auf einer den Kamm auf seiner Nordflanke be- 
gleitenden Abflachung aus. Da erstere überkippt nach Südosten fallen, 
ziehen sie sich auch gelegentlich von den Sätteln in den südlich 
eingeschnittenen Gräben eine Strecke weit hinab. Die den Kamm 
nördlich begleitende Abflachung bricht in mehreren vorgeschobenen 
Köpfen steiler zum Krengraben ab. Man sieht nun, wie die solcher- 
art ausgeprägte Nordkante der Abflachung wieder durch die feste 
Platte aus dem weissen Kalke und dem rothen Liasmarmor ge- 
bildet wird, welche hier dem Schichtkopfe des Nordflügels unserer 
Mulde entsprechen. Nächst dem Almbauer überquert jener Schicht- 
kopf den Krengraben und streicht auf den Karlsberg hinüber, der 
ungefähr den Gegenflügel des Schneekogels bildet, während der 
zwischen beiden Gipfeln liegende Sattel mit dem Jagdhause „auf der 


117] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 439 


Hilm“ von einem Kern von Neocommergeln und hellen Aptychenkalken 
eingenommen wird. 

Deutlich zeigt sich auch der synklinale Bau des Oisberges in 
den Lagerungsverhältnissen des Hauptdolomits an seinem Fusse. So 
sehen wir den letzteren nächst Hollenstein am rechten Ybbsufer sehr 
steil nach Nordnordwesten einfallen. Je weiter nach Norden, desto 
flacher wird jedoch der Einfallswinkel, bis in der Gegend nördlich von 
Füstelwag (gegenüber der am linken Ufer liegenden Häusergruppe 
Wieden) eine völlig horizontale Lagerung der Hauptdolomitbänke sich 
einstellt. Diese herrscht bis gegen Seimannslehen vor, dann aber biegt 
der Dolomit wieder auf und wir beobachten gegen die Mündung des 
Krengrabens an der Lehne schon südliches Einfallen. An der tiefsten 
Stelle der Mulde gegenüber Wieden bricht aus einer Felsnische des 
hier horizontal liegenden Hauptdolomits eine gewaltige Quelle, ja in 
wasserreichen Zeitläuften geradezu ein mächtiger Bach zu Tage. 
Genau dieselbe Erscheinung zeigt sich auch am linken Ufer der 
Ybbs in Doberau, wo aus dem Högerbergzuge bedeutende Wasser- 
massen hervorbrechen und sofort zum Betriebe einer Mühle ver- 
wendet werden. Auch hier haben wir die Basis einer Synklinale vor 
uns und können somit analoge Verhältnisse constatiren wie auf der 
Höhe des Oisberges. 


5. Weyerer Högerbergzug '). 


Wie der Oisberg, so entspricht auch der im Wasserkopf, der 
Lärmstange (1475 m) und dem Dreispitz gipfelnde Rücken des Höger- 
berges einer in ihrem Kerne Jura- und zum Theil auch Neocomgesteine 
einschliessenden Synklinale. Diese letztere ist jedoch nicht überall so 
eng zusammengepresst wie am Oisberg und trägt nur zum Theil den 
Charakter einer nach Süden neigenden Falte zur Schau. 

Der die Hauptmasse des Berges aufbauende Hauptdolomit 
ist auf dem zum Schelchengraben abdachenden Südabhange in seiner 
ganzen Mächtigkeit aufgeschlossen. Ueber dem steilstehenden, die 
Fortsetzung des Nordflügels der Lunzer Antiklinale repräsentirenden, 
entlang der Kuppe 778 m (Specialkarte) streichenden Oppponitzer 
Kalke baut er sich in zahllosen mächtigen Bänken auf. Es ist ein 
grauer, bituminöser, grobklüftiger Dolomit, in welchem ein vom Was»er- 
kopf gegen die Schelchen herabkommender Bergbach sein felsiges 
Bett eingeschnitten und dadurch einen continuirlichen Aufschluss 
erzeugt hat. Alles fällt steil nach Nordnordwesten ein. Höher oben 
folgen etwa 30—40 cm starke ebenflächige Bänke von dolomitischem 
Kalk mit ausgewitterten kleinen Gastropoden (Rissoen), der Platten- 
kalk. Endlich lagern an der Kante des Gebirges in einer Mächtigkeit 
von 20—30 m hellgraue, dichte, deutlich gebankte, dem oberen rhä- 
tischen Dachsteinkalk entsprechende Megalodontenkalke. 
Etwas weiter im Südwesten ist die Schichtfolge senkrecht aufgestellt 


1) A. Bittner: Geologisches aus der Gegend von Altenmarkt an der Enns 
Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1900, pag. 322. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 3. Heft. (@. Geyer.) 60 


440 G. Geyer. \ [18] 


oder gar überkippt, wodurch sich wie am Oisberg die Erscheinung 
einer liegenden Falte entwickelt. 

Auch dieser Kamm wird auf seiner Nordseite zunächst von einer 
muldenförmigen Abflachung begleitet, auf der die jurassischen Gebilde 
des Muldenkernes erhalten blieben. 

Rothe Liaskalke mit Ammonitenresten, braunrothe, hornstein- 
führende Kieselmergel und dichte, gelbgraue Jurakalke mit Hornstein- 
ausscheidungen bilden auch hier wieder den Kern der Synklinale. Die 
von zwei Seitenrücken getrennten Gräben des Weyerer Dürrenbaches 
schliessen jene Einfaltung trefflich auf. Letztere reicht noch durch 
den Sattel nördlich vom Wasserkopf bis in den gegen Hollenstein 
abdachenden Wiedener Graben, wo die Umkehr der Schichten an der 
Basis der Synklinale unterhalb der verlassenen Wiedener Alpe be- 
obachtet werden kann. Der Jagdsteig von Staudach in den Wiedener 
Graben passirt wieder eine hier flach liegende Barre von hellem 
Rhätkalk und rothem Liaskalk und führt dann durch ein aus den 
rothen kieseligen Radiolarienkalken bestehendes Terrain gegen den 
Almboden empor. Inmitten dieser Thalmulde erhebt sich endlich ein 
aus jurassischen Aptychenkalken bestehender secundärer Riegel über 
dem Wiesenboden der aufgelassenen Wiedener Alpe. 

Oisberg und Weyerer Högerbergals Reste einer in ihrem 
Kern Jura und Neocom einschliessenden Synklinale finden ihre nord- 
östliche Fortsetzung in der Kuppe des Alpels (1401 m) und jenseits 
der Einsattlung von Gross-Kripp im Frieslingberg. Nach Südwesten 
aber streichen ihre Massen in den bereits dem Ennsgebiete zufallenden 
Rabischbachgraben hinüber. 


6. Diluviale Schotter bei Hollenstein. 


In der näheren Umgebung von Hollenstein, und zwar insbesondere 
in dem von Süden her mündenden Lassingthale, treten diluviale Schotter- 
massen in grösserer Mächtigkeit und Ausdehnung zu Tage, ais dies 
in jenem mittleren Abschnitt des Ybbsthales die Regel zu sein scheint. 
So bilden am unteren Ausgang der Thalenge von Went südlich von 
Hollenstein mächtige Schottermassen auf beiden Bachseiten je eine 
niedere Vorstufe. Am linken Ufer unterhalb des Wentbauers sind sie 
in einigen Gruben gut aufgeschlossen. Das durchaus aus localen Kalk- 
geröllen bestehende Material ist bezüglich der Grösse seiner Elemente 
ziemlich gleichförmig und zeigt ein lehmigsandiges Bindemittel. 
Schiebtung ist kaum zu bemerken. Das Fehlen einzelner grösserer 
Blöcke und die Abwesenheit von gekritzten Rundkantern deutet auf eine 
fluviatile Bildung hin. Dagegen können die auf der Höhe des Went- 
bauers und Haberfelders liegenden rutschigen Massen lehmiger Schotter, 
wie R. Michael!) annimmt, wohl als Grundmoräne gedeutet werden. 
Der Genannte konnte südlich von Hollenstein an verschiedenen Stellen 
gekritzte Geschiebe und erratische Blöcke nachweisen, so dass für 


') R. Michael: Die Vergletscherung der Lassingalpen. XVI. Jahresb. d. 
Vereines d. Geographen an der Universität Wien 1891, pag. (12). 


[19] Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. 441 


den Stock der Voralpe eine beträchtliche Entwicklung des Glaeial- 
phänomens angenommen werden darf. 

"Die südwestlich von Hollenstein aufragende, das Gehöft Zieselauer 
tragende Hochterrasse der Schaumauer wird durch geschichtete 
Schotter aus kleinen Kalkgeröllen gebildet. Die Hangendpartien sind 
conglomerirt und bilden mit ihren höhlenförmigen Auswaschungen 
sroteske Nagelfluhpartien, die dem Orte vielleicht zu seinem Namen 
„Hohlenstein* verholfen haben. Die offenbare östliche Fortsetzune 
dieser ca. 550 m Meereshöhe erreichenden Hochterrasse zieht sieh 
über den Sattel zwischen dem Sattelberge und der Kirche gegen das 
obere Ybbsthal hinüber und setzt nördlich mit einer Steilrampe auf 
die Niederterrassenschotter um Hollenstein ab. 

In noch grösserer Höhe, nämlich zwischen 650 und 700 m, wurden 
vielfach unterbrochene Schotterreste in der Hochmulde der Königs- 
bergbauern am Nordfusse des Königsberges beobachtet. Diese Mulde 
wird wie bereits erwähnt heute durch viele kurze, den Opponitzer 
Kalkriegel des Dörr- und Stegerkogels durchschneidende Seitengräben 
zur Ybbs entwässert, welche hier um ca. 200 m tiefer fliesst. Von 
entfernten Anhöhen betrachtet, verschwimmen die flachen Sättel jener 
Seitengräben in eine einzige Längsmulde und scheinen so einen 
alten Ybbsthalboden zu markiren. Südlich von dem Gehöfte Sattel 
(SO Hollenstein) steht am Fahrweg nach Hochschlag, dort, wo letzterer 
in den Wald eintritt, eine Partie von conglomerirtem Schotter noch 
bei ca. 720 m an. 

Vergleicht man diese Höhe mit der Cöte des Saurüsselsattels 
zwischen dem Ybbsthale und Weyer, so wird man zu der Annahme 
geneigt, dass die Entwässerung des Ybbsgebietes einstmals über jenen 
Sattel in die gleichfalls nach Nordwest gerichtete Ennsthalstrecke 
Kasten—Losenstein erfolgte. 

Zwar wird die Höhe des mit 553 m cotirten Saurüsselsattels 
nach A. Penek!) von Endmoränenwällen des alten Ennsgletschers 
mit einzelnen centralalpinen Geschieben gebildet, darunter aber 
streichen nach demselben in etwa 500 m Höhe Schotter aus, welche 
in das Niveau der dann und wann, z. B. bei Hollenstein, auftretenden 
Hochterrasse des Ybbsthales gehören. Diese durchaus aus Ybbsgeröllen 
bestehenden fluvoglacialen Schotter könnten wohl als Zeugen eines 
vor dem Hochstande der Vereisung in der angedeuteten Richtung er- 
folgten Abflusses der Ybbsthalwasser angesehen werden. 


7. Bergsturzgebiet von Hochschlag. 


Die mehrfach besprochene, einem Zuge von Lunzer Sandstein 
entsprechende Hochmulde am nördlichen Fusse des Königsberges wird 
südöstlich von Hollenstein in der Gegend der Bauernhöfe Sattel, 
Kreuzberg, Rain und Hochschlag durch eine mächtige Aufschüttung 
bedeckt, welche das Grundgebirge auf grössere Strecken hin verhüllt. 


1) A, Penck u. E. Brückner: Die Alpen im Eiszeitalter. Leipzig 1902. 
Liefg. 3, pag. 225. 
60* 


442 G. Geyer. [20] 


Es sind fast ausschliesslich jurassische Gesteine, und zwar meist 
die an Hornstein reichen oberjurassischen, sowie auch neocome 
Aptychenkalke, die sich an der Zusammensetzung jener Schuttmasse 
betheiligen; ausserdem finden sich unter den Trümmern auch rother 
Liaskalk und die dunkelrothen Kieselkalke vor. Offenbar hat man es 
hier mit den Resten eines von der Nordkante des Königsberges 
niedergegangenen Bergsturzes zu thun, der sich in der Tiefe kegel- 
förmig ausbreitete und durch die enge Schlucht von Rain bis Grub, 
ja bis an das gegenüberliegende Ufer der Ybbs hinüberreichte. 

Man findet das Trümmermaterial in einigen Schottergruben, z. B. 
nahe dem Forellenteiche in der Mulde zwischen Sattel und Rain, aufge- 
schlossen. Es ist ein ockergelbes, lehmiges, zumeist aus zersetzten 
Hornsteintrümmern bestehendes Haufwerk, dessen Fragmente im Dünn- 
schliffe betrachtet öfters noch deutliche Einschlüsse von kieseligen 
Spongiennadeln erkennen lassen. Aufschlüsse, die geeignet wären, ein 
Licht auf das Alter dieses Bergsturzes zu werfen, scheinen nicht 
vorhanden zu sein, doch deuten der hohe Grad der Zersetzung des 
Materials und die verwaschenen Oberflächenformen des Schuttgebietes 
immerhin auf ein grösseres, vielleicht diluviales Alter dieser Sturz- 
masse hin. 


; 
B 


Brachiopoden aus den Pachycardientuffen der 
Seiser Alpe. 


Von Dr. Lukas Waagen. 
Mit 6 Zinkotypien im Text. 


Aus den Pachycardientuffen der Seiser Alpe sind bisher Brachio- 
poden nur in verhältnismässig geringer Anzahl bekannt geworden. 
Deshalb lag es nahe, auch die wenigen Brachiopoden, welche neu 
aufgefunden wurden, einer Bearbeitung zu unterziehen, um das Bild 
der Faunula zu ergänzen, umsomehr, als sich bei der Durchsicht ergab, 
dass sich einige neue und nicht uninteressante Arten oder Varietäten 
darunter befinden. 

Das Material stammte zum Theil aus den Sammlungen des 
k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien, zum Theil aus den 
Suiten des paläontologischen Instituts der Universität Wien. Deshalb 
sei auch den beiden Herren, Custos E. Kittl und Professor Dr. 
C. Diener, welchen diese Sammlungen unterstehen, für die Ueber- 
lassung des Materials an dieser Stelle der verbindlichste Dank aus- 
gesprochen. 


Thecospira tyrolensis Loretz. 
Kie- 1. 


Theeidium tyrolense bei Loretz in Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. 1875, S. 820. 

Taf. XXI, Fig. 6-8. 

Thecospira tyrolensis Lor. bei Bittner in Abhandl. der k. k. geol. R.-A. Bd. XIV, 

1890, S. 114, Taf. XXXVIII, Fig. 14—18. 

Thecospira tyrolensis Lor. bei Bittner in Brachiopoden aus der Trias des 

Bakonyerwaldes 1900, S. 40, Taf. IV, Fig 24—39. 

Es liegt eine wohlerhaltene Deckelklappe vor, welche in allen 
wesentlichen Merkmalen mit T'hecospira tyrolensis Loretz übereinstimmt 
und nur durch etwas grössere Dimensionen sich auszeichnet (Breite 
14 mm, Höhe 11 mm), was jedoch bei der bekannten Variabilität 
dieser Art kaum ins Gewicht fällt. Die sehr niedrige, jedoch scharf 
begrenzte Area ist um ein Geringes schmäler als die grösste Breite 
der Schale (10 mm). Die äusseren Merkmale der Schale, Anwachs- 
streifung und Radiallinien, sind nur unvollkommen zu beobachten, doch 
sei hervorgehoben, dass die vorliegende Schale aussen nicht etwa eben 
ist, sondern dass die Kapsel für die Eingeweide nach aussen hügelartig 
hervorragt und durch eine scharf markirte ringförmige Furche von 
der übrigen, etwas welligen Schale abgesondert wird. 

Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (Dr. L. Waagen.) 


444 Dr. Lukas Waagen. ’ [2] 


Die Innenseite der etwa 2 mm dicken Schale konnte vollkommen 
blossgelegt werden. Der kräftige Schlossfortsatz ragt um ein Be- 
trächtliches hervor und wird jederseits von einer tiefen Zahngrube 
flankirt, durch welche die schmale Area in drei ungleiche Theile, 
Mittel- und Seitenstücke, zerlegt wird. Der Schlossfortsatz ist aussen 
glatt und zeigt auf der Innenseite drei Wülste, wobei das Verhältnis 
derselben zueinander jedoch dem gewöhnlichen entgegengesetzt scheint, 
das heisst die Seiten- oder Randwülste sind schmal, aber kräftig, 
während der Mittelwulst nur schwach zur Entwicklung kommt. Das 
Ende des Fortsatzes läuft in fünf kleine Spitzen aus, von welchen je 
zwei den Seitenwülsten und die fünfte, etwas deutlichere, dem Mittel- 
wulste angehört. Andererseits setzen sich die seitlichen Wülste auch 
gegen das Innere der Schale fort und lassen die Ansatzstellen der 
Crura, welche sich aus ihnen entwickeln, sehr deutlich erkennen. 

Die Innenseite lässt alle Einzelnheiten der Ausbildung sehr gut 
sehen und ist durch die bekannte Theilung in drei concentrische 
Räume charakterisirt. In die tief ausgehöhlte Eingeweidegrube setzt 
sich der Mittelwulst des Schlossfortsatzes als Medianseptum fort, 
während die beiden Seitenwülste im oberen Theile die Grube flankiren, 
auf deren Grund verschiedene Muskel- und Gefässeindrücke sichtbar 
werden, die jedoch eine nähere Deutung nicht zulassen. Die zweite 


Fig. 1. 


concentrische Region, der übrige Wohnraum des Thieres, wird durch 
zahlreiche bald weiter, bald enger stehende Grübchen („eingestochene 
Punkte“) verziert, und endlich hat die Randsaumpartie ein chagrin- 
ähnliches Aussehen. 

Nach Zugmayer’s!) Untersuchungen besitzt T’hecospira Spiral- 
kegel, die, an die Seitenwülste des Schlossfortsatzes angeheftet, die 
Spiralen zuerst nach aussen abbiegen. „Die Achsen der beiden Spiral- 
kegel divergiren nach der grossen Klappe hin, ihre Grundflächen 
stehen dachförmig über der kleineren Klappe.“ Sonach ist es be- 
sreiflich, dass sich der äusserste Spiralumgang am leichtesten in die 
Schale eindrücken muss, und in der That sehen wir beiderseits etwas 
unterhalb der Anheftungsstelle für die Crura eine Furche ansetzen, 
sich nach aussen wendend bis nahe der Mitte parallel zum Schalenrande 
annähernd halbkreisförmig verlaufen und dann gegen die Eingeweide- 
gsrube emporziehen. Dadurch bleibt gerade unter dem Grübchen und 
dieses mit der Spitze berührend ein etwas erhabener dreieckiger 
Raum, der eben von den Spiralkegeln nicht bedeckt war. 


Fundort: Pachycardientuffe von Romerlo. 


!)H. Zugmayer: Ueber rhätische Brachiopoden, Jahrb. d. k. k. geol. R.A. 
XXX. Bd. 1880, S. 152. 


[3]  Brachiopoden aus den Pachycardientuffen der Seiser Alpe. 445 


Amphiclina Laubei Bittn. 
2 - Fig. 2. 
hielina Laubei bei Bi i 
Amp ee a in Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., Bd. XIV, 1890, 

Das vorliegende Exemplar gehört in die Gruppe der geflügelten 
Amphiclinen vom Typus der Amphiclina amoena; immerhin besitzt 
es aber eine Reihe von Merkmalen, welche auf eine nähere Verwandt- 
schaft mit A. Laubei hinweisen. 

Vorliegendes Exemplar ist breiter als lang; es misst bei 10 mm 
Länge 12 mm in der Breite. Vom Schnabel zieht sich ein aufgewölbter 
Schalentheil in der Mittellinie gegen die Stirne, und in denselben 
senkt sich später eine flache Furche ein, die den Schalenrand an der 
Stirne ein wenig einbuchtet. Beiderseits dieses aufgeblähten Mittel- 
theiles folgen wieder ähnliche Furchen, die seitlich eine noch seichtere 
Ausrandung hervorrufen und so die Mitte von den Flügeln trennen. 

Von Amphielina amoena unterscheidet sich somit vorliegende 
A. Laubei hauptsächlich dadurch, dass sie die steil umgebogene Stirne 
vermissen lässt; ebenso ist das Hervortreten der gewölbten Theile 
zwischen den Furchen kein so kräftiges. Bei A. amoena bilden die 


vom Schnabel ausgehenden Randpartien einen Winkel, der meist 
nahezu zwei rechte beträgt. Jene von Bittner Il. c. abgebildete und 
beschriebene A. Laubei weist dagegen einen Winkel von 125° auf und 
bei dem vorliegenden Exemplar beträgt er nur 110%, Die Winkel- 
grösse scheint übrigens auch blos individuellen Verschiedenheiten 
unterworfen zu sein, wie die verschiedenen Exemplare von A. amoena 
im Material Bittner’s zeigen. 

Sehr grosse Uebereinstimmung mit unserer A. Laubei zeigt die 
von Bittner abgebildete und beschriebene Amphiclina cf. amoena !) 
vom Reudelsteinkamm bei Buchberg, Hochschwab, deren Original zum 
Vergleiche herangezogen werden konnte. Auch diese ist durch das 
Fehlen der charakteristischen Stirnwölbung ausgezeichnet und der 
Winkel des Schnabelrandes erreicht nur etwa 115°, so dass diese 
A. cf. amcena besser zu A. Laubei gestellt werden dürfte. 

Von dem spitzen, durch eine endständige Oefinung’ abgestutzten 
Schnabel verlaufen die Ränder erst nach rückwärts und auswärts, um, 
in flachem Bogen sich mehr nach auswärts kehrend, bei den Flügeln 
die grösste Schalenbreite zu erreichen. Unter dem Schnabel liegt die 
sehr schmale Area, deren Basis nur ein Geringes mehr als 2 mm 
misst und die sehr deutlich ein Pseudodeltidium erkennen lässt, das, 
etwa 1 nm breit, derart eingesenkt ist, dass beiderseits noch ganz 
schmale Arealstreifehen sichtbar bleiben. Die Schnabelkanten sind 


} 1) Bittner ]. ce. pag. 148, Taf. XL, Fig. 3. 


446 Dr. Lukas Waagen. j [4 


scharf, verlaufen bis zu jener Stelle, wo die Biegung des Randes um 
die Flügel erfolgt, und fallen senkrecht gegen die Commissur ab. In 
die Ausrandung des Pseudodeltidiums spielt der kleine knötchenartig 
vorragende Wirbel der kleinen Klappe. Der Breite der Arealbasis 
entsprechend, sehen wir, ähnlich wie bei A. amoena, beiderseits des 
Wirbels ganz deutlich kleine flache Oehrchen sich entwickeln. Von 
denselben geht ein schmales (etwa !/, mm breites) erhabenes Band 
aus, das dem Rande der kleinen Klappe bis in die Stirnregion folgt 
und unbedingt der charakteristischen Raudverdickung entspricht. Die 
beiden letzterwähnten Eigenschaften, die Entwicklung von Oehrchen 
sowie eines erhabenen Randsaumes, weisen vielleicht auf eine Ver- 
wandtschaft mit A. speciosa Bittn. hin. 

Die Spiren konnten bei dem vorliegenden Exemplar nicht nach- 
gewiesen werden, jedoch ist der oben beschriebene Schnabelbau ein 
so typischer, dass die Zugehörigkeit zu der Gattung FEORISAUR kaum 
bezweifelt werden kann. 

Fundort: Pachycardientuffe von Romerlo. 


Amphiclinodonta Bittneri n. sp. 
Fig. 3. 


Unter diesem Namen sei dem Forscher zu Ehren, der das 
Charakteristische der Gattung Amphiclinodonta zuerst erkannte und 
festlegte, ein neuer Typus dieser Gattung beschrieben. Derselbe 
dürfte am besten an Amphiclinodonta Katzerit) oder auch an deren 
Varietät sinuosa angeknüpft werden, da dessen Gestalt sofort auf die 
Gruppe der Amphiclina amoena hinweist. Der Parallelismus in der 
Gestalt mit einer Amphiclina aus der Gruppe A. amoena ist noch ein 
viel grösserer als bei Amphiclinodonta Katzeri, da wir es hier mit einer 
ausgesprochen „geflügelten“ Form zu thun haben, so dass dieselbe auch 
als eine Amphiclina dieses Kreises aufgefasst wurde, bis es gelang, 
einige Zähnchen auf der verdickten Randleiste sichtbar zu machen. 

Der Gestalt nach wird die Form am besten dadurch charakterisirt, 
wenn man sie als Amphiclhina Laube: mit sehr verlängerten Schnabel- 
rändern bezeichnet. Die Länge des vorliegenden Exemplars beträgt 
10 mm und ebensoviel die Breite. Denkt man sich nun die Median- 
linie gezogen und ebenso die Punkte grösster Breite miteinander ver- 
bunden, so wird die Längenlinie in zwei Theile getheilt. Während nun 
bei den Amphiclinen der ZLaubei-Gruppe diese beiden Theile eine 
ziemlich gleiche Grösse aufweisen oder der Abschnitt gegen den 
Schnabel hin der kleinere ist, finden wir bei Amphiclinodonta Bittneri 
die umgekehrten Verhältnisse: der Abschnitt der Medianlinie gegen 
die Stirne beträgt blos 31/;, mm, während man gegen den Schnabel 
mehr als 6 mm misst. Durch dieses Verhältnis erklärt sich die 
Verlängerung der Schnabelkanten von selbst. Uebrigens sei hinzu- 
gefügt, dass bei den Amphiclinodonten das Verhältnis der Abschnitte 
der Medianlinie zumeist in der eben besprochenen Weise beobachtet 


!) Bittner. Brachiopoden und Lamellibranchiaten aus der Trias von Bosnien, 
Dalmatien und Venetien. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1902, Bd. LII, S. 622. Wien 1903. 


u Zu. 2 


[5] Brachiopoden aus den Pachycardientuffen der Seiser Alpe. 447 


wird und dass dies mit als äusseres Unterscheidungsmerkmal zwischen 
den beiden nahestehenden Gattungen Amphiclina und Amphiclinodonta 
Verwendung finden könnte. 

Das vorliegende Exemplar zeigt eine schwache Aufwölbung in 
der Mittellinie und eine wohlentwickelte Mittelrinne, welche sich bald 
unterhalb des Schnabels einzusenken beginnt und eine deutliche Aus- 
randung der Stirne verursacht. Nur schwach und flach sind dagegen 
die Seitenrinnen eingetieft, doch lassen auch sie eine Ausrandung an 
ihren Enden erkennen. Die Schnabellinien verlaufen geradlinig und 
die grösste Schalenbreite wird durch die Rundung der Flügel erreicht, 


Fig. 3. 


® - A 
während die Stirne wieder viel schmäler erscheint. Der spitze Schnabel 
wird durch eine kleine endständige Oeffnung nur wenig abgestutzt 
und unter dieser befindet sich die winzige Area (etwa 1 mm breit 
und ebenso hoch), welche ein etwas vorstehendes Pseudodeltidium 
einschliesst, das, höher als breit, beiderseits nur noch ganz schmale 
Streifchen der Area erkennen lässt. Diese Streifchen der Area ver- 
breitern sich etwas und bilden dann die Verschlussleisten, auf welchen 
die Zähnchen aufsitzen. Die Schale ist deutlich faserig und ver- 
hältnismässig dick. Die kleine Klappe ist nicht vorhanden. 
Fundort: Pachycardientuffe von Romerlo. 


Spirigera (Anisactinella) quadriplecta Münst. sp., var. tenut- 
costata Salomon. 
Fig. 4. 
Salomon: Geologische und paläontologische Studien über die Marmolata. Palae- 

ontographica, Bd. LII, S. 91. Taf. II, Fig. 25—28, 

Die grösste Aehnlichkeit besitzt unsere Form mit jener, welche 
als Figur 26 bei Salomon abgebildet erscheint und aus dem Marmo- 
latakalke des Val di Rosalia stammt. Sie besitzt auf der grossen Klappe 
vier, auf der kleinen fünf Rippen, welche jedoch nicht so kräftig sind 
als bei den Münster’schen Originalexemplaren, aber auch schwächer 
entwickelt sind als bei den Varietäten euplecta, confluens, subconfluens 
und costosa. Die Stirneommissur zeigt zwar deutlich das Alterniren 
der Rippen, deren weniger starke Ausbildung es aber mit sich bringt, 
dass der Verlauf der Commissur viel weniger zickzackförmig gebogen 
erscheint. Auf der grossen Klappe ziehen die beiden Mittelfalten kaum 
divergirend und nur durch eine ganz schmale Furche getrennt aus 
der Schnabelregion gegen die Stirn. Beiderseits folgt sodann ein 
schwach concaves, unberipptes, dreieckiges Feld, das sich langsam zur 
Aussenrippe aufwölbt und hierauf scharf zur Seitencommissur abfällt. 

Bei den Münster’schen Exemplaren sowie bei den übrigen 
Varietäten (mit Ausnahme der stark abweichenden var. obliterans) 
ist die Seitenrippe sehr charakteristisch und kräftig entwickelt; bei 

Jahrbuch der k. k. geol. Reiclısanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft (Dr. L. Waagen.), 61 


448 Dr. Lukas Waagen. [6] 


der vorliegenden Form dagegen ist es mehr eine Schalenauftreibung 
denn eine Rippe zu nennen. Dieselben erreichen auch nicht die Stirn- 
commissur, sondern sind bereits etwa im letzten Drittheil der Seiten- 
commissur verflacht. Zwischen dieser aber und den Aussenrippen 
liegen flachconcave Felder. 

Auf der kleinen Klappe umschliessen zwei wohlausgebildete 
Rippen eine etwas zartere Mittelrippe, und beiderseits schliessen sich 
wieder breite, gegen die Seiten abfallende unberippte Schalentheile 
an. Die Seitenrippen oder besser seitlichen Schalenauftreibungen sind 
derart reducirt, dass sie leicht übersehen werden können, doch werden 
sie bei genauerer Betrachtung als verdickte Kanten immerhin wahr- 


nehmbar. 
Fig. 4. 


o*% 


Die Area konnte bei dem vorliegenden Stücke recht gut bloss- 
gelegt werden und erwies sich vollkommen der Beschreibung Bittner’s?) 
entsprechend, welche er für Spirigera quadriplecta gab. Die auffallend 
kleine Area besitzt seitlich etwas erhabene Randkanten und schliesst 
ein deutliches Pseudodeltidium ein. 

Die Dimensionen des Stückes sind folgende: Länge 10°5 mm, 
Breite 10 mm, Dicke 5 mm. Diese Zahlen fügen sich sonach voll- 
kommen in jene ein, welche von Salomon für die Exemplare aus 
dem Marmolatakalke gegeben wurden. Die grösste Breite des Stückes 
liegt ein Geringes unterhalb der Mitte. 

Fundort: Pachycardientuffe des Frombaches. 


Spirigera (Anisactinella) quadriplecta Münst. sp., 
var. bicostosa n. var. 
Fig. 5. 

Die Anzahl der Varietäten, welche zu Sp. quadriplecta gestellt 
werden müssen, mehren sich stetig. Auch in dem vorliegenden Material 
der Frombachtuffe wurde eine solche gefunden, und wenn auch nur 
eine kleine Klappe vorliegt, so ist deren Ausbildung eine so charakte- 
ristische, dass sie mit keiner der bekannten Varietäten vereinigt 
werden kann, andererseits aber ihre Zugehörigkeit zu dem Formen- 
kreise der Sp. quadriplecta ausser allem Zweifel steht. 

Als kleine Klappe weist das vorliegende Stück fünf deutliche 
Rippen auf. Das Charakteristische für diese Varietät ist dabei die 
äusserst kräftige Entwicklung der paarigen Mittelrippen, zwischen 
welchen die auffallend zarte unpaarige Mittelrippe in dem sehr tiefen 
Intercostalraume fast vollständig verschwindet. Es übertreffen nämlich 
die paarigen Mittelrippen die unpaarige sowohl an Höhe als an Breite 
etwa um das 3!/, fache. Auch die Seitenrippen sind im Vergleiche zu 


!) Brachiopoden der alpinen Trias. S. 84, Taf. XXVII, Fig. 24 und Taf. 
XXVII, Fig. 5. 


[7] Brachiopoden aus den Pachycardientuffen der Seiser Alpe, 449 


den eben besprochenen nur in geringem Maße entwickelt und erinnern 
dadurch, dass ihre Aussenseite direct gegen die Seiteneommissur ab- 
fällt, an die analogen Erscheinungen bei der var. tenuicostata. Bei 
dieser Varietät jedoch fanden wir ein breites Zwischenfeld zwischen 
Mittel- und Seitenrippen eingeschaltet, welches hier ganz fehlt, denn 
die kräftigen Mittelrippen senken sich bis zu einer scharfen Furche 
jenseits welcher bereits die Seitenrippen wieder ansteigen. 


Fig. 5. 


Date» 


Schliesslich sei noch bemerkt, dass die vorliegende kleine Klappe 
ebenso breit als lang ist und dass beide Dimensionen 8 mm betragen. 
Eine Form, welche der unserigen ebenfalls sehr nahe steht, aber 
aus einem älteren Niveau stammt, möge noch erwähnt werden. Es 
ist die von Bittner!) abgebildete und beschriebene Spirigera matutina 
var. euplecta, die sich jedoch vor Allem durch das starke Divergiren 
der paarigen Mittelrippen auf der kleinen Klappe unterscheidet. 
Fundort: Pachycardientuffe des Frombaches. 


Spirigera (Anisactinella) Venetiana Bittner. 
Fig. 6. 
Bittner: Brachiopoden der alpinen Trias. S. 49, Taf, XXXIII, Fig. 22, 23. 
Salomon |. c. S. 94, Taf. III, Fig. 4, 5. 

Auch diese Form gehört zu den Anisactinellen, d. h. zu jenen 
Formen, welche sich durch das Alterniren der Rippen beider Klappen 
vor allen übrigen Angehörigen der Gattung Spirigera auszeichnen. 

Nach Bittner ist es vor Allem die schlanke Gestalt, welche 
diese Art kennzeichnet und von den verschiedenen Varietäten der 
Sp. quadriplecta unterscheidet, ebenso wie von den Formen der Sp. 
matutina. Diese Schlankheit ist es auch besonders, welche mich bewog, 
die beiden vorliegenden Bruchstücke der Sp. Venetiana zuzurechnen. 
Ausserdem scheint es mir noch charakteristisch, dass die Wölbung 
der Klappen auf die obere Schalenhälfte beschränkt ist, während sie 
gegen die Stirne allmälig convergiren. 

Bittner sieht nun in Sp. Venetiana eine Vorläuferin der Sp. 
quadriplecta forma typica, und so wäre es auffällig, dass in den From- 
bachtuffen der Seiser Alpe Vertreterinnen beider Formen gefunden 
werden. Immerhin mag darauf hingewiesen werden, dass deren Zu- 
sammenvorkommen auch von Salomon aus den Marmolatakalken 
beschrieben wurde, doch scheinen die Angehörigen der Sp. Venetiana 
bei Salomon doch gewisse Merkmale zu besitzen, auf die der 
Autor auch hinweist, welche deren Abtrennung als Varietäten nicht 
ganz ausschliessen. Ebenso lassen auch unsere Exemplare einige 
Abweichungen von dem Typus erkennen. 


1) Brachiopoden und Lamellibranchiaten aus der Trias von Bosnien etc. 


S. 523, Taf. XXIV, Fig. 20. 
61* 


450 Dr. Lukas Waagen. [8] 


Auf der grossen Klappe laufen die beiden Mittelrippen, die 
nicht besonders kräftig entwickelt sind, fast vollständig parallel vom 
Schnabel zur Stirne, nur für eine ganz schmale Furche Zwischenraum 
lassend. Beiderseits folgt ein tiefer und ziemlich breiter Intercostal- 
raum, dem sich die sehr kräftige Seitenrippe anschliesst, welche 
mit einem senkrechten oder schwach concaven Felde zur Seiten- 
commissur abfällt. Der schmalen Mittelfurche der grossen Klappe 
entsprechend, sehen wir auf der kleinen Klappe eine äusserst zarte, 
auf ihrer ganzen Erstreckung gleichbleibende Mittelrippe in dem sehr 
tiefen Intercostalraume des stark vortretenden Mittelrippenpaares 
eingebettet. Die Seitenrippen scheinen nur geringen Umfanges zu 
sein. Der Schnabel ist nicht genügend erhalten. Schale faserig und 
äusserst zart. 

Von der typischen Sp. Venetiana unterscheidet sich sonach unsere 
Form in manchen Stücken, und zwar besonders darin, dass bei Bittner’s 
Exemplaren so ziemlich alle Rippen gleich kräftig entwickelt sind, 


Fig. 6. 


Mo A 


während wir hier eine grosse Variabilität der Rippenstärke beobachten 
können. Sollten die angegebenen Merkmale sich bei späteren Unter- 
suchungen als durchgreifend erweisen und somit eine Abtrennung 
dieser Form als neue Varietät als nöthig erscheinen, so schlage ich 
den Namen var. Broilü nov. var. vor. 

Zu bemerken ist noch, dass die Art der Sculptur bei dieser 
Form in mancher Beziehung an die oben beschriebene Sp. quadri- 
plecta var. bicostosa erinnert, doch lassen sich beide Arten unschwer 
schon durch ihre verschiedene schlanke, respective breitere Gestalt 
unterscheiden. Aber auch im Verlaufe der Rippen finden sich hin- 
reichend Unterschiede. So der gerade, wenig divergirende Verlauf 
des Mittelrippenpaares auf der kleinen Klappe der var. Broilii im 
Gegensatz zu den gekrümmten, stark divergirenden Rippen der var. 
bicostosa, bei der übrigens diese Rippen auch viel weniger ausge- 
bildet sind. 


Fundort: Pachycardientuffe des Frombaches. 


Spirigera indistincta Beyr. sp. 
Terebratula indistinecta Beyrich. Monatsschriften d. k. Akadenie 1862, S. 34. 
Spirigera indistineta Beyrich bei Bittner, Brachiopoden der alpinen Trias. 
S. 58 u. 59. Ibidem synonyma! 


Spirigera indistineta Beyrich bei Broili, Die Fauna der Pachycardientuffe der 
Seiser Alpe. S. 159, Taf. XVIII, Fig. 1. 


Von dieser in den Cassianer sowohl als auch Raibler Schichten 
häufigen Art findet sich ein Exemplar auch in dem vorliegenden 
Material. 

Fundort: Pachycardientuffe des Frombaches. 


[9] Brachiopoden aus den Pachycardientuffen der Seiser Alpe. 451 


Rhynchonella semicostata Münster. 
Terebzatula semicostata Münster. Beiträge zur Petrefactenkunde. IV. Heft. 8. 56 
Taf. 6, Fig. 3. j 
Ithynchonella semicostata Münster bei Laube, Fauna der Schichten von St. Cass;j 
S. 26, Taf. XIV, Fig. 3. ge 
Ehynchonella semicostata Münster cum var, bei Bittner, Brachiopoden der alpinen 
Trias 8.101, Tat, II. Eig. 14—16 und 8, 113. 
Rhynchonella semicostata Münster bei Broili, Die Fauna der Pachycardientuffe 
der Seiser Alpe. S. 162, Taf. XVIII, Fig. 6. 
Ehynchonella cynodon Laube pars. l. c. S. 27, Taf. XII, Fig. 5. 


In dem zur Bearbeitung vorhandenen Material wurde nur eine 
kleine Klappe dieser Art gefunden. Dennoch soll dieselbe hier 
Erwähnung finden, da sie mit jenem Exemplar, das Bittner aus den 
Frombachtuffen der Seiser Alpe als „Ahynchonella semicostata Münster 
sp. var. angustior mit Hinneigung zu var. discrepans“ anführt und auf 
Taf. III, Fig. 14 abbildet, auf das Vollkommenste übereinstimmt. 


Fundort: Pachycardientuffe des Frombaches. 


Rhynchonella cynodon Laube. 


Rhynchonella cynodon Laube pars. l. c. 8. 27, Taf. XIV, Fig. 5a und 5b. 
Ichynchonella eynodon Laube bei Bittner ]. c. S. 102. Taf. III, Fig. 19. 
Khynchonella cynodon Laube bei Broili |. c. S. 162, Taf. XVIII, Fig. 13. 

Das einzige vorliegende Exemplar stimmt sehr gut mit jener 
von Bittner als typisch angenommenen Form überein. 


Fundort: Pachycardientuffe des Frombaches. 


Die Pachycardientuffe der Seiser Alpe sind auffallend arm an 
Brachiopoden. Hat ja sogar Broili in seinem reichen Material blos 
18 bestimmbare Arten gefunden. So war es denn immerhin erfreulich, 
unter den in Wien vorhandenen Aufsammlungen von diesem Orte 
eine kleine, aber recht hübsche Brachiopodenfaunula zu entdecken, 
welche die Liste Broili’s zu ergänzen geeignet ist. Unter den 
gefundenen Formen sind Amphiclinodonta Bittneri, Spirigera (Anisac- 
tinella) quadriplecta Münster sp. var. bicostosa und Spirigera ( Anisac- 
tinella) Venetiana Bittner var. Broilii überhaupt neu, ferner T'hecospira 
Tyrolensis Loretz sp., Amphiclina Laubei Bittner und Spirigera 
(Anisactinella) quadriplecta Münster sp. var. tenwicostata Salomon für 
die Pachycardientuffe neu und die restlichen drei Arten: Spirigera 
indistineta Beyrich, Rhynchonella semicostata Münster und Rhynchonella 
cynodon Laube gehören zu den häufigsten Cassianer Arten, die in Folge 
ihrer Widerstandsfähigkeit die geänderten Lebensbedingungen über- 
dauerten. Diese letzten drei Arten wurden auch schon von Broili 
aus den Pachycardientuffen erwähnt und können daher bei der weiteren 
Besprechung unberücksichtigt bleiben. 

Fassen wir die übrigen sechs Arten und Varietäten ins Auge, 
so fällt zunächst das Auftreten der Koninckiniden und Thecospiriden 
ins Auge, zweier Familien, deren gänzliches Fehlen in den Pachy- 
cardientuffen der Seiser Alpe bisher sehr auffällig war. Es wurde also 
durch deren Auffindung eine Lücke ausgefüllt. Amphielina Laubei 


452 Dr. Lukas Waagen. [10] 


Bittner war bisher nur aus den Cassianer Schichten von St. Cassian 
bekannt oder, wenn wir auch Bittner’s Amphiclina cfr. amoena hinzu- 
zählen wollen, auch aus den „röthlich- und grünlichgrauen zähen Mergel- 
kalken der Carditaschichten des Reudelsteinkammes oberhalb Buch- 
berg bei St. Ilgen, Obersteiermark*. Es würde sich somit dies neue 
Vorkommen der Art sehr gut zwischen die beiden bekannten ein- 
schieben. Amphiclinodonta Bittneri besitzt ihre nächste Verwandte 
in Amphiclinodonta Katzeri, welche jedenfalls als eine, wenn auch 
nicht directe Vorläuferin zu betrachten ist. T’hecospira tyrolensis wurde 
schon ziemlich häufig gefunden, wenn sie auch aus den Pachycardien- 
tuffen noch nicht bekannt ist. Das Vorkommen dieser Art wird von 
Bittner in „Brachiopoden der alpinen Trias“ folgendermassen an- 
gegeben: ‚An den drei einander benachbarten Localitäten: Seeland- 
alpe, der Alpe Rimbianco (gegen den Misurinasee) und an der Falza- 
regostrasse bei Cortina d’Ampezzo. Ausserdem kommt die Art im 
Isonzogebiete am Fundorte Sella bei Podmeuz vor; auch scheint sich 
dieselbe in den Nordalpen, und zwar in den Carditaschichten des 
Lieglergrabens südöstlich von Maria-Zell zu finden.“ Ferner lesen wir 
in den „Brachiopoden aus der Trias des Bakonyerwaldes“ als Fund- 
ortangabe für diese Art: „Sie ist zu Veszprem an zahlreichen Fund- 
orten vertreten.“ Alle diese genannten Schichten aber entsprechen 
ungefähr dem St. Cassianer Niveau. 

Eine Arten-Vergesellschaftung, welche nach den Arbeiten Bittner’s 
sich häufig findet, wird durch das Zusammenvorkommen von Thecospira 
tyrolensis, einer Form aus der Gruppe der Amphiclina amoena, und 
einer Varietät der Spirigera quadriplecta charakterisirt. Diese letztere 
wird nun auch in den Pachycardientuffen angetroffen und wurde bereits 
von Broili als forma typica, var. euplecta und var. costosa (costata 
ist irrthümlich) eitirt. Das vorliegende Material gestattet nun den 
genannten zwei weitere Varietäten hinzuzufügen. Var. tenwicostata 
wurde von Salomon auf Stücke gegründet, welche den Marmolata- 
kalken entstammten, die jedoch unserer Form so sehr gleichen, dass 
eine Abtrennung nicht recht möglich erscheint. Die neue Varietät 
var. bicostosa könnte in Spirigera matutina, var. euplecta oder einer 
nahestehenden Form ihre Vorläuferin besitzen, ebenso wie Bittner 
in Spirigera Venetiana eine Vorläuferin der forma typica sehen möchte. 
Sp. Venetiana scheint jedoch auch noch andere Nachkommen in den 
höheren Schichten zu besitzen ; wenigstens kann die var. Broilü kaum 
anders gedeutet werden. 

Fassen wir zusammen, so müssen wir sagen, dass die Brachio- 
podenfaunula der Pachycardientuffe durch die Hinzufügung der oben 
beschriebenen Arten, besonders jener aus den Familien Koninckinidae 
und T'hecospiridae, ein gerundeteres und weniger fremdartiges Gepräge 
erhalten hat. 


Der Klinocompass. 


Von J. Blaas, Innsbruck. 
Mit drei Zinkotypien im Text. 


Faltungen und Brüche sind Zeugnisse der Krustenbewegungen 
der Erde. Aus Lage und Form der Falten lassen sich Natur und 
Wesenheit der Bewegungsvorgänge mit geringerer und grösserer 
Sicherheit errathen; Verwerfungen an Bruchspalten geben ähnliche 
Fingerzeige. Zumeist ist man bei der Abschätzung dieser Vorgänge 
sozusagen auf das jeweilig vorhandene mechanische Feingefühl des 
Beobachters angewiesen. Mathematisch fassbare Daten bieten die 
Erscheinungen in den seltensten Fällen und böte uns die Natur da 
und dort messbare Grössen, so fehlen uns geeignete Instrumente zur 
Messung. 

Der bergmännische Compass ermöglicht nur die Feststellung der 
Lage geologischer Ebenen. Sollte es nicht Erscheinungen geben, 
welche, wenn auch nicht Bewegungsgrössen, so doch Bewegungs- 
richtungen anzeigen ? 

Ich glaube, dass Rutschflächen und die darauf verzeichneten 
Rutschstreifen solche Erscheinungen sind. Rutschflächen sind 
Flächen geringer Cohäsion, die Rutschstreifen geben Bewegungs- 
richtungen an. Bestimmt mau in einem stark gestörten Gebiete, das 
- eine grössere Zahl von Rutschflächen aufweist, die Lage der Flächen 
und die Richtung der Streifen und stellt diese Grössen in Tabellen 
oder graphisch übersichtlich dar, so erhält man überraschend klare 
Bilder der Bewegungserscheinungen, die das Gebiet betroffen haben. 

Ich habe in unseren Alpen versuchsweise mehrere solche Messungen 
durchgeführt und daraus von der Art der Bewegungen Vorstellungen 
gewonnen, die blos aus der Lagerung nicht abzuleiten waren. 

Recht unangenehm machte sich bei solchen Messungen einerseits 
der Mangel eines geeigneten Instruments, andererseits — bei der 
bisher üblichen Bezeichnungsweise der Lage geologischer Ebenen — 
die Umständlichkeit und geringe Uebersichtlichkeit der Darstellung 
der gefundenen Werthe bemerklich. Zur mehr übersichtlichen Dar- 
stellung der Lage geologischer Ebenen habe ich schon früher!) einen 
Versuch gemacht, von dem ich glaube, dass er sowohl eine einfache 
und plastische graphische Darstellung als auch eine in der Rechnung 
verwendbare mathematische Form angibt. Für eine ähnliche Darstellung 


1) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., Wien 1896, pag. 269. 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (J. Blaas.) 


454 J. Blaas. [2] 


der Ritzen- oder Streifenrichtung auf Rutschflächen haben wir bisher 
keine Mittel und doch ist eine solche einfache und übersichtliche 
Darstellung der beobachteten Grössen unumgänglich nothwendig, wenn 
der Zweck, nämlich eine möglichst klare Vorstellung von der Natur 
und Wesenheit der Bewegung in einem Gebiete zu gewinnen, auf 
kürzestem Wege erreicht werden soll. 

Ich habe nun versucht, sowohl ein solches Darstellungsmittel zu 
finden als auch ein Instrument zu construiren, das die Messung der 
gegebenen Grössen in möglichst einfacher Weise gestattet. 


Ueber die graphische und mathematische Darstellung der 
Lage der Rutschflächen und der Rutschstreifen. 


Die Rutschflächen — zunächst als Rutschebenen gedacht — 
werden in derselben Weise dargestellt wie andere geologische Ebenen. 
Bezüglich dieser Darsteltung habe ich hier nur in Kürze das zu wieder- 
holen, was in meiner früheren Arbeit bereits ausgeführt ist. 


Die Darstellung erfolgt mit Hilfe der stereographischen 
Kugelprojection (Fie. ]). 

Die Lage der Ebenen wird durch die Lage ihrer Pole bestimmt, 
die als Punkte in der Projeetion erscheinen, die Ebenen selbst proji- 
eiren sich in Form von Kreisen oder Kreissegmenten als Zonen. Ebene 
der Projection ist die horizontale Ebene des Beobachtungspunktes, 


[3] Der Klinocompass. 455 
auf welcher sich die Sphäre, deren Mittelpunkt in der Horizontalen 
liegt, als „Grundkreis“ projieirt. Der Meridian des Beobachtunes- 
ortes -projieirt sich als NS-Linie (NS) auf den Grundkreis. Die OW- 
Linie (OW) im Grundkreis steht im Mittelpunkte desselben normal 
auf der NS-Linie. Der Kreismittelpunkt Z ist die Projeetion des 
Zenithpunktes des Beobachtungsortes, das ist also des Durchschnitt- 
punktes der Verticalen im Beobachtungspunkte mit der Sphäre der 
Projection. 

Unter Streichen versteht man den Winkel, welchen die 
Schnittlinie (p q) der geologischen Ebene und der horizontalen Ebene 
mit der NS-Linie bildet; unter Fallen die Neigung der Ebene gegen 
die horizontale Ebene. Die Fallinie ist die in der geologischen 
Ebene liegende Normale auf der Streichungsrichtung, ihre Projeetion 
auf die horizontale Ebene heisst Fallrichtung (a a‘), der Winkel 
zwischen Fallinie und Fallrichtung ist der Fallwinkel. Die Fall- 
richtung wird durch den Winkel x, der Fallwinkel durch den Winkel £ 
angegeben. 

Zieht man in der Projection die Fallrichtung als Durchmesser 
durch den Mittelpunkt des Grundkreises, so schneidet sie im Grund- 
kreis die Winkel m als Bogensegment aus. Um die Werthe vom r ein- 
deutig zu machen, werden sie mit + bezeichnet. Die Winkel werden 
vom Nord- oder Südpunkte aus gezählt und erhalten bei Zählung im 
Sinne der Bewegung des Urzeigers ein + Vorzeichen, im entgegen- 
gesetzten Sinne ein — Vorzeichen. 

Die Fallrichtung kann als Projection (Za) eines durch den 
Zenithpunkt gehenden, auf dem Grundkreise vertical stehenden grössten 
Kreises der Projectionssphäre angesehen werden. Denkt man sich 
vom Kugelmittelpunkt aus in diesem Kreise eine Normale auf die 
geologische Ebene gezogen, so schließt diese mit der Zenithverticalen 
den Fallwinkel £ ein. Der Bogen der Sphäre zwischen dem Durch- 
stichpunkte (g) der Normalen und dem Zenithpunkte (Z) ist ein Mass 
des Winkels C. Er projieirt sich im Grundkreis als Gerade (Z g). £ wird 
positiv gezählt, wenn Z g in Z O oder im nördlichen (+) Halbkreis, 
negativ, wenn Zg in Z W oder im südlichen (—) Halbkreis liegt. 
g ist die Projection des Poles der geologischen Ebene, welch letztere 
selbst die Sphäre in einem grössten Kreise schneidet, der sich in der 
Projection als Bogen p mg darstellt. Durch das Symbol + r / + £ ist 
die Lage des Poles y und somit die Lage der geologischen Ebene 
eindeutig bestimmt. 

Wie ich in meiner oben eitirten Arbeit gezeigt habe, kann das 
Symbol #r /=+{ und dessen Werth unmittelbar in gewisse Formeln 
der Rechnung eingeführt werden. 

Die Bezeichnung und Darstellung der Lage von Rutsch- 
flächen erfolgt in gleicher Weise, wie jene anderer geologischer 
Ebenen. 

Die nächste Aufgabe ist nun, die Richtung der Ritzen oder 
Streifen auf den Rutschflächen in der Projection und 
im Lagesymbol zum Ausdrucke zu bringen. 

Die Streifen schliessen mit der Fallinie (und deren Projection 
mit der Fallrichtung) gewisse Winkel p ein. Auch diese werden durch 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 3. Heit. (J. Blaas.) 62 


456 J. Blaas. [4] 


Bogen der Projection gemessen. Ist Z r die Projection einer Streifen- 
richtung auf der Rutschfläche p m q oder (da deren Pol g ist), kurz 
ausgedrückt, auf 9, so ist mr —o. Das Vorzeichen von p kann man 
in folgender Weise bestimmen. Man denke g als den Drehungs- 
punkt eines Zeigers, dessen Spitze über dem Bogen 
pm q (der Zone der Rutschfläche), und zwar von gZ aus nach 
links die +p, nach rechts die — p aufträgt. Für verticale 
Rutschflächen liegt y und sein Gegenpol 9° im Grundkreis und pmgq 
wird ein Durchmesser. Als Drehungspunkt des Zeigers wählt man in 
diesem Falle jenen Pol, welcher im O-Punkt oder in der südlichen 
Hälfte des Grundkreises liegt. Für horizontale Flächen liegt der Pol 
im Z-Punkt und als Ausgang für die Zählung wird die NS-Linie im 
oben angegebenen Sinne (vom N-Punkte aus + nach links, — nach 
rechts) benützt. Das Symbol einer mit Streifen versehenen Rutsch- 
fläche ist somit 
ER wie bla: 


Ueber die Bestimmung der Lage der Rutschflächen und 
Rutschstreifen. 


Zur Bestimmung von r, Z und p benützt man den Klinocompass }). 
Der Klinocompass ist ein bergmännischer Compass, dessen Kreis- 
theilung in der in meiner oben eitirten Arbeit angegebenen Weise 
eingerichtet ist. Sie möge hier kurz beschrieben werden (Fig. 2 und 5). 
Der Klinocompasskreis (KK) ist in 4X 90 Grade getheilt. Die 
o-Punkte liegen im Nord- und Südpunkte, 90° je im Ost- und West- 
punkte. Der NO- und SW-Quadrant ist mit +, der SO- und NW-Quadrant 
mit — bezeichnet. Ueber dem N- und O-Punkte steht ein + und über 
dem S- und W-Punkte ein —-Zeichen. 

Auf dem Deckglas des Compasses steht eine kleine Libelle (1), 
mittelst welcher der Compass horizontal gestellt werden kann. Der 
Compass ist von einem Kreisringe in der Weise umschlossen (Fig. 3), 
dass die NS-Linie des Compasses in einem Durchmesser dieses Kreis- 
ringes liegt uud die Ebene des Kreisringes normal auf der Ebene 
des Compasskreises steht. Der Kreisring heisst Zenithkreis (ZK). 
Die NS-Linie des Compasses theilt den Zenithkreis in eine obere und 
untere Hälfte, eine Normale im Mittelpunkt des Compasskreises (deren 
über dem Compasskreise liegende Hälfte als Zenithnormale, deren 
unter dem Compasskreise liegende Hälfte als Nadirnormale bezeichnet 
werden kann), theilt ihn in eine nördliche und südliche Hälfte. Die 
durch die genannten beiden aufeinander senkrechten Geraden ent- 
stehenden vier Quadranten des Zenithkreises werden als positiv und 
negativ unterschieden, und zwar erhält der Quadrant zwischen der 
Zenithnormalen und der Nordseite des Compasses sowie jener zwischen 
der Nadirnormalen und der Südseite des Compasses das +, die beiden 


‘) Der Name wurde gewählt, weil das Instrument eine Vereinigung cines 
bergmännischen Compasses (ohne Senkel) mit einer Klinometervorrichtung zum 
Messen der Neigung der geologischen Ebenen und der Neigung der Streifen auf 
den Rutschflächen ist. Das im Folgenden beschriebene Instrument liefert die Firma 
R. Fuess in Berlin um circa 50 Mk. 


Der Klinocompass. 457 


anderen das — Zeichen. Die vier Quadranten sind in je 90° getheilt 
die o-Punkte liegen in der Zenithnadirnormalen. 

Längs der Peripherie des Zenithkreises kann mittelst eines 
Schlittens eine kreisförmige Scheibe, der g-Kreis (p K), leicht ver- 
schoben werden. Der p K steht normal auf dem Zenithkreise. Seine 
jeweilige Stellung im ZK kann mittelst eines Nonius am Schlitten 
abgelesen werden. Auch der og K ist in 4 X 90° getheilt; die o-Punkte 
liegen an den Enden des dem ZK parallelen Durchmessers. 


Der Gebrauch des Klinocompasses wird durch 
folgende Regeln bestimmt: 


— 
Fig. 2. 


Auf die zu messende geologische Ebene (Schichtfläche, Bruch- 
fläche, Rutschfläche) wird der g-Kreis platt aufgelegt, und zwar So, 
dass der Z K möglichst vertical und die Libelle des KK nach oben 
gekehrt ist. Durch vorsichtiges Verschieben wird man an der Libelle 
bald die genaue Horizontalstellung des KK und somit die genaue 
Verticalstellung des Z K ersehen können. Stets muss dafür gesorgt 
werden, dass die nördliche Hälfte der Nadel über dem 
nördlichen Halbkreise und beim Zusammenfallen mit 
der OW-Richtung über dem Ostpunkte spielt. Handelt es 
sich blos um die Lagebestimmung der geologischen Ebene, so hat 
man nur mehr folgende Ablesungen zu machen: Der Stand der Nadel 
oibt x und sein Zeichen, der Nonius am Schlitten gibt { und sein 


Zeichen. 
62* 


458 J. Blaas. [6] 


Ist die geologische Ebene eine Rutschfläche mit Streifen, so 
bestimmt man die Lage der Streifen mit Hilfe des p-Kreises. 
Man hat nur durch entsprechende Parallelverschiebung des p K auf 
der Rutschfläche dafür zu sorgen, dass der zu messende Rutsch- 
streifen durch den Mittelpunkt des og X geht, was man daraus erkennen 
kann, dass die Winkelablesungen in zwei diametral entgegengesetzten 


It 


Quadranten gleich sind. Diese Ablesungen ergeben p. Das Zeichen für 
o zeigt jener Quadrant des K K an, in dem die Streifen liegen (bei 
horizontalen Rutschflächen) oder gegen den sie geneigt sind (bei 
geneigten Rutschflächen). Bei verticalen Rutschflächen gilt die Neigung 
der Streifen vom Zenithkreise nach der O-Seite des Compasses als 
positiv. 


ur 


EEE 


Die Mineralquellen der Gegend von Nachod 
und Cudowa. 


Von Dr. W. Petrascheck. 
(Vortrag, gehalten in der Sitzung vom 29. März 1904.) 
Mit 4 Zinkotypien im Text. 


Das Gebiet der Glatzer Neissesenke sowie der westlich an das- 
selbe grenzende Abschnitt der Sudeten sind auffallend reich an 
Säuerlingen. Mehrere bedeutendere oder unbedeutendere Badeorte 
sind an ihnen erstanden. Im Niederschlagsgebiete der Glatzer Neisse 
beobachtete Leppla!) im Glatzer Kessel an zehn Quellen das Aus- 
treten von Gas, wobei es sich wohl immer um © 0, handelt. In dem 
westlich an den Glatzer Kessel angrenzenden Teile der Sudeten treten 
Säuerlinge noch auf in Cudowa, Schlanei, Hronov, B&lowes und Tititz, 
wovon die drei letztgenannten Orte bereits in Böhmen liegen. An 
manchen dieser Orte ist das Ausströmen von © O0,-Gas sehr reichlich. 
So besitzt Reinerz 9, Cudowa 3, Belowes 8 Säuerlinge. Betrachtet 
man die Verbreitung der Sauerbrunnen, so fällt ihre Abhängigkeit 
von denVerwerfungen, die das Gebiet in Menge durchschneiden, 
auf. Alle liegen in der Nähe, oft sogar unmittelbar auf Brüchen, und 
zwar namentlich den postceretacischen Störungen. In der Regel sind 
die Kohlensäureexhalationen dort am stärksten, wo Querthäler die 
Verwerfungen durchbrechen. In einem Falle wurde das Gas sogar 
dicht an der Sprungkluft selbst erschroten. Gelegentlich einer bei 
Hronov auf Kohle erfolgten Bohrung traf man unter dem Carbon in 
einer Tiefe von 5l m die Kreide an, in der 8'5 m unter ihrer Ober- 
kante heftige Gasausströmungen stattfanden. Es handelte sich, wie 
Weithofer2) berichtet, hauptsächlich um Kohlensäure. Einige Meilen 
nördlich von dieser Gegend, nahe am Sudetenrande, liegt ein anderes 
Mineralquellengebiet, das von Salzbrunn, in dem ebenfalls eine grössere 
Anzahl Säuerlinge zu Tage treten. Dathe?°) hat eine ungemein genaue 
geologische Beschreibung dieses Quellgebietes veröffentlicht, in der er 
zeigt, dass auch dort die Quellen auf Verwerfungen und Spalten, die den 
Gulm durchsetzen, eireuliren. Es hat somit der hier in Frage kommende 


1) Geologisch-hydrographische Beschreibung des Niederschlaggebietes der 
Glatzer Neisse. Abhandl. d. k. preuss. geol. Landesanstalt. N. F. 32 (1900). 

2) Der Schatzlar-Schwadowitzer Muldenflügel des niederschlesisch-böhmischen 
Steinkohlenbeckens. Jahr). d. k. k. geol. R.-A. 47 (1897), pag. 469. 

3) Geologische Beschreibung der Umgebung von Salzbrunn, Abhandl. d. k. 
preuss. geol. Landesanst. N. F. 13 (1892). 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (W. Petrascheck.) 


460 Dr. W. Petrascheck. [2] 


Theil der Sudeten einen auffallenden Reichthum an © O,-Exhalationen 
aufzuweisen, ein Reichthum, der einigermassen an die Verhältnisse am 
Südrande des Erzgebirges, an der böhmischen Thermalspalte, erinnert. 

Dort kann man die Kohlensäure-Exhalationen mit den reichlich 
aufsetzenden Basalten in Beziehung bringen und sie als eine Nach- 
wirkung dieser jungen Eruptionen auffassen. Solches ist bei unserem 
Mineralquellengebiete nicht der Fall, denn Basalte fehlen der in Frage 
kommenden Gegend fast völlig. Die wenigen Basaltberge des Iser- 
sebirges, vereinzelte Vorkommnisse bei Eisenbrod, dasjenige der kleinen 
Schneegrube, die Basaltberge bei Landeck und diejenigen in der Gegend 
von Freudenthal sind alles, was an Basalten in dem langen Zuge der 
Sudeten vorkommt. Gerade dort, wo die Säuerlinge am reichlichsten 
austreten, fehlen aber Basalte völlig. 

Die Temperatur der Quellen erhebt sich nur bei der Lauen 
Quelle von Reinerz über die mittlere Jahrestemperatur '). Sie ist auch 
die concentrirteste aller der Quellen, deren Analysen hier zur graphischen 
Darstellung kamen. 

Um den durch verschiedene Chemiker an verschiedenen Quellen 
festgestellten Gehalt an gelösten Bestandtheilen vergleichbar zu machen, 
wurden aus den Salzen, in die man in der Regel die gefundenen Basen 
und Säuren verrechnet, die Jonen herausgerechnet, was umsomehr 
berechtigt ist, als nach dem heutigen Stande der Chemie kein 
Zweifel bestehen kann, dass in so verdünnten Lösungen, wie sie in 
diesen Mineralwässern vorliegen, völlige Dissociation eingetreten ist, 
eine Metlıode, die übrigens schon längst durch C. v. Than?) empfohlen 
worden ist. Demselben Zwecke, der Vergleichbarkeit. genügt es auch, 
wenn man, was unten geschehen ist, wie bei den Gesteinsanalysen die 
Basen und Säureanhydride verwendet. 


Fig. 1. Metall Jonen. 


=) 


ze 


I] 
ii — 

| BEN ll: 

TE „ DEE. 
Laue Ullriken- Kalte Eugen- Gotthold- Ida- Trtitzer 
Quelle. quelle, Quelle. quelle. quelle. quelle. Quelle. 
mm mn un — — -_— — _ 

Reinerz. Cudowa. Belowes. 


!) Der Badeprospeet gibt sie mit 18°5° C an. 
”) Tschermak’s Mittheil. Bd. 9 (1890), pag. 487. 


Die Mineralquellen der Gegend von Nachod und Cudowa. 461 


Fig. 2. Säure Jonen. 


‘ 


+1.558 (02 


+1.075 00: 


+1706 (02 


+1.8668 002 


+0.715 freie (02 


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1 Dal 


+2.061 602 


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u. Cl [1% 4 
Trtitzer Ida- Gotthold- Eugen- Kalte Ullriken- Laue 
Quelle. quelle. quelle. quelle. Quelle, quelle. Quelle. 
3 — —— — {-. Lt 


B&lowes. Cudowa. Reinerz. 


462 Dr. W. Petrascheck. [4] 
Betrachtet man die chemische Zusammensetzung der drei 
Reinerzer Hauptquellen in der graphischen Darstellung !), so fällt 
auf, dass die Gehalte an den verschiedenen Stoffen in den drei Quellen 
völlig proportional sind. In ganz gleicher Weise nehmen die Mengen- 
verhältnisse in der Ullriken- und der Kalten Quelle im Vergleiche 
zur Lauen Quelle ab, so dass die beiden ersteren nur als 
Verdünnungen der letzteren zu betrachten sind. 

Der Eisengehalt allein macht eine bedeutsamere Ausnahme. Es 
dürften, wenn nicht besondere Verhältnisse bei der Ullrikenquelle 
zu einer Ausfällung des Eisens führen, Oberflächenwässer bei der 
Kalten Quelle Eisen zuführen. Hierbei sei auf Verhältnisse, die später 
bei Bölowes erörtert werden sollen, verwiesen. Das Reinerzer Quell- 
gebiet ist eines von denen, die nicht unmittelbar auf einer Bruch- 
linie liegen. Doch nur wenig nördlich davon streicht die von Leppla 


Analysen der Mineralwässer von 


Reinerz l Cudowa Belowes 
; lei I Zalt Eat „|| Idaquelle Trtitzer 
alle a | ee || (Gawa- || Quelle 
lowski) 

K 00850 | 0.0501 | 00270 | 0.0578 , 0-0268 | 00014 | 00063 
Na 0,2041 | 0.1077 | 00717. | 0.4210 | 02376 | c-0110 || 0.0334 
7: 0°00004 | 0000004 | 0-0001 || 0-0008 | 0:00 9 || vorhanden || 0-00001 
Ca 0-3101 , 01850 | 0:1404 || 01433 | 01615 || 0:0297 | 0-1439 
Mg 0-0802 \ 00531 | 00371 || 0-0084 | 0:0343 || 0-0060 | 0-0180 

AL. 0:00003 | 0:00003 | 0-00001 | 00157 | — || 00156 = 
Fe. 00115 | 00014 | 0.0055 | 0:0207 | 0-0124 \| vorhanden || 0-0011 
Mn 0:0012 | 0:0005 | 0.0007 || 0.0020 | — ia 00012 
PO, . .|| ®0002 | 00002 | 00002 | 0.0005 | — he 0-00002 
CL. 0°0076 | 0:0052 | 00061 || 0-0802 | 0 504 || 0.0178 || 0.0072 
so, 0:0852 | 0-0574 | 0.0499 || 02530 | 01365 || 0-1296 || 0-0349 

480, 0°0001 | 000006 | 000004 || 0:0017 | 0-0002 = = 
Si 0, 0:0791 | 00516 | 0.0887 || 0-0555 | — 0-0310 || 0.0349 
HCO 19944 | 11614 | 0-8253 | 1.4718 | 1-3284 || 02196 || 0.6720 
c0,..| 1.6584 | 17063 | 1-8668 — | 1:0754 || 20610 || 07150 
organisch = #= | 2 Fl = 0.0062 


als Reinerz-Grafenorter Bruch bezeichnete Dislocation vorbei. Schräg 
dazu, in der Richtung auf das Bad, verläuft, wie Leppla’s Karte 
darstellt, ein anderer Bruch, der einen Kreidestreifen randlich 
begrenzt. 

In strenger Abhängigkeit von den Dislocationen stehen die 
Mineralquellen, die in der Gegend von Nachod und in Cudowa hervor- 
brechen. Die tektonischen Verhältnisse dieser Gegend werden später 
nach Abschluss der Aufnahmen ausführlicher behandelt werden. Für 
das Auftreten von Säuerlingen ist die breite grabenartige Kreide- 
mulde von Cudowa von besonderer Wichtigkeit. Ihre Ränder werden 
zum grossen Theile von Brüchen, theilweise auch von Flexuren gebildet. 
Dass auf der die Kreidescholle im Norden abschneidenden Dislocation 


!) Die Analysen sind dem Badeprospect entnommen worden. Ihre Richtig- 
keit wurde uns von dem Analytiker, Herrn Prof. Dr. Fischer, Breslau, bestätigt. 


Die Mineralquellen der Gegend von Nachod und Cudowa. 4653 


_ Kohlensäure-Exhalationen erbohrt wurden, wurde schon oben erwähnt. 
Im Orte Hronov existirt noch ein Säuerling, und zwar unmittelbar 
dort, "wo die Ueberschiebung vom Mettauthale durchquert wird. Ein 
sich anfangs an der Mettau entlang ziehendes Steilgehänge, das aber 
später von der Mettau mit breiter Thalfurche durchbrochen wird, be- 
grenzt die Kreidescholle im Westen. Die Höhen im Westen bestehen 
aus Rothliegendem, von dem die Kreide längs eines Bruches abge- 
sunken ist. In der Gegend, wo der Bruch die flachen Niederungen 
des von Sackisch herkommenden Schnellebaches durchsetzt, befindet 
sich wieder ein Sauerbrunnen. Er liegt zuSchlaneiin dem grossen 
der Stadt Nachod gehörenden Gehöft. ö 

Nahe dem Östrande der Kreidescholle liegen die Quellen von 
Cudowa. Den genauen Untersuchungen R. Michael’s!) verdanken 
wir eine von Lewin bis Hronov reichende geologische Karte der 
Kreideablagerungen dieses Gebietes. In Folge einer Flexur fallen die 
Kreideschiehten von dem im Östen herrschenden Granit ab. Die 
tieferen Schichten unter steilerem, die jüngeren unter flacherem 
Winkel. Wenig weiter südlich grenzt in Folge eines voreretacischen 
Bruches Rothliegendes an den Granit. In nordnordwestlicher Richtung 
verläuft, aus der Gegend von Lewin kommend, in der Richtung auf 
Cudowa zu ein Randbruch der Kreide. Er scheint im Pläner auszu- 
klingen. In seiner Verlängerung setzen die Quellen Cudowas auf. Sie 
dürften mit ihm wohl in ursächlichem Zusammenhange stehen, so dass 
sich die Verhältnisse durch folgendes, nur in allgemeinen Zügen 
gehaltenes Profil veranschaulichen lassen. 


Fig. 3. 


oO 
Cudowa 


Gt — Granit. — S— Cenomaner Quadersandstein. — P = Plänersandstein und 
Pläner. — R = Rothliegendes. 


Ein Streifen entkalkten Pläners, der in Folge Auslaugung durch 
die CO, reichen Wässer entstanden ist, läuft, wie Michael gezeigt 
hat, durch Cudowa hindurch und besitzt die Richtung des Randbruches. 

Die chemische Zusammensetzung veranschaulicht unsere graphische 
Darstellung. Die Analysen wurden dem Badeprospect entnommen. Sie 
konnten nicht auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Aeltere, von Du flos 
herrührende Analysen 2) weichen in manchen Stoffen wesentlich ab, 
was vielleicht nur durch veränderte Fassung zu erklären ist). Die 


1) Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. 1893, pag. 195. 

2, Vergl. Raspe, Heilquellenanalysen. Dresden 1835. 

3) Wie solche nach einer gütigen Mittheilung des Herrn Geh. Sanitätsrathes 
Dr. Jacob seitdem (Anfang der sechziger Jahre) vorgenommen worden sind. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (W. Petrascheck.) 63 


464 Dr. W. Petrascheck. [6] 


beiden hier angeführten Quellen sind durch einen sehr hohen Gehalt 
an Alkalien ausgezeichnet, auch Schwefelsäure ist in beträchtlicher 
Menge vorhanden. Es deutet dies auf ein granitisches Ursprungs- 
gebiet der Quellsalze hin. Es müsste dann wohl der im Osten an die 
Kreide grenzende Granit auch unterhalb derselben in einer gewissen 
Tiefe noch Verbreitung besitzen. Die Menge des Natriums übertrifft 
diejenige des Kaliums um das 8—9fache, doch ist das Ueberwiegen 
von Na über K eine trotz des oft umgekehrten Verhältnisses dieser 
Elemente im Granit eine leicht einzusehende Eigenthümlichkeit 
granitischer Wässer ). 

Der verhältnismässig nicht unbedeutende Lithiumgehalt könnte 
auf den Glimmer des Granits zurückgeführt werden, wie ja auch in 
der Gegend von Salzbrunn Lithium jn den Glimmern der Gneis- 
formation verbreitet ist?). Ein geringer Phosphorsäuregehalt der 
Eugenquelle, den die Analyse als an Kalk gebunden darstellt, mag 
ebenfalls aus dem Granit herrühren, löst sich doch der in Graniten 
weitverbreitete Apatit unverändert in C60, haltigem Wasser auf. 
Schwieriger ist die Frage nach der Herkunft der geringen Mengen 
von Arsensäure, der man einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die 
Heilkraft der Quellen Cudowas zuschreibt. Wohl sind Graniteruptionen 
zuweilen die Bringer von Arsenverbindungen gewesen, wie das Vor- 
kommen von Arsen in gewissen Zinnerzlagerstätten zeigt, doch wäre 
es auch möglich, dass das leicht flüchtige Arsen zu den juvenilen 
Stoffen der Quelle gehört. 


Die Eugenquelle und die-Gottholdquelle weisen inihrer chemischen 
Zusammensetzung so weitgehende Unterschiede auf, dass es nicht ohne 
weiters möglich ist, beide Wässer auf denselben Ursprung zurück- 
zuführen. 


Der bedeutende Gehalt von 0'216 g organischer Substanz 
(„Huminsubstanzen der Analyse“) im Liter der Eugenquelle deutet 
auf Zufluss von Oberflächenwasser, welches auch noch andere Stoffe 
enthalten und dadurch die Zusammensetzung ändern kann?). 


!) Ueber die chemischen Beziehungen zwischen den Quellwässern und ihren 
Ursprungsgesteinen. Mittheil. d. Grossherz. Bad. Geol. Landesanst. IV. 2. (1901), 
pag. 199. 

?) Vergl. Dathe, ]. c. pag. 15. 

®) Es ist hier auch noch der Frage näher zu treten, ob die Quellwässer 
unter der Kreide auch noch mit flötzführendem Carbon in Berührung kommen 
können. Dieses könnte nicht nur die Quelle von organischer Substanz sein, es 
könnte sogar einen Theil der C O, liefern. Da oberflächlich das Carbon an einer 
Dislocation gegen die Kreide abschneidet, wäre es schr wohl denkbar, dass es sich 
unter der Kreide bezüglich dem Rothliegenden noch weiter fort erstreckt, was 
weiter im Westen, wie unsere Aufnahmen gezeigt haben, auf ziemliche Entfernung 
thatsächlich der Fall sein muss. Die Verhältnisse in der Gegend von Straussenei 
sprechen aber dafür, dass wir dort, wo das Carbon gegen Glimmerschiefer grenzt, 
thatsächlich am Rande der heutigen Carbonmulde stehen, dass sich ihre Schichten 
also nicht noch bis in die Gegend von Cudowa fortsetzen. Dahingegen ist die 
Basis der Kreideschichten oft kohleführend und wurde dies auch bei einer 
Brunnengrabung in dem nahen Zdarek bemerkt. Freilich handelt es sich hierbei 
immer nur um höchst unbedeutende Kohlenschmitzen, die nicht abbauwürdig sind. 
Ihnen wird man kaum einen wesentlichen Einfluss auf die Zusammensetzung der 
Quellen zuschreiben dürfen. 


[7] Die Mineralquellen der Gegend von Nachod und Cudowa. 465 


Auch müssen die Quellen, wie unser obiges Profil lehrt, inner- 
halb der Kreide einen Zufluss von Wasser erhalten welches nicht 
als Mineralwasser ‚zu gelten hat. Die Sandsteine an der Basis der 
Kreideformation sind in der Regel wasserführend, sie sind es auch 
auf Blatt Josefstadt— Nachod, wie starke Quellen dort, wo tiefe Thäler 
den Untergrund der Kreide aufreissen, zeigen, wie aber auch einige 
wasserreiche artesische Brunnen oder artesische Quellen, die an 
gewissen Verwürfen hervortreten, lehren. Dieses Kreidewasser ist 


Fig. 4. 


g Rerßlisgend 
N Conglomezat 


Maßstab: 1:25.000. 


oft sehr kalkreich, wie mächtige Tuffabsätze an seinem Austritte 
zeigen, es kann aber auch sehr weich und kalkarm sein, wenn sich 
die überlagernden Gesteine ändern. In der Regel zeigt schon der 
Geschmack einen geringen Fisengehalt an, der wohl auf Zersetzung 
des im Cenoman verbreiteten Glaukonits zurückzuführen ist. Der 
Cenomängquader bei Cudowa ist aber kalkig und glaukonithaltig und 
glaukonitführende und kalkige Gesteine liegen auch über ihm. Das 
in ihm eirculirende Wasser muss also kalkhaltig sein und dürfte ver- 
muthlich auch etwas Eisen besitzen. Es hat Zutritt zu den Quell- 
63* 


466 Dr. W. Petrascheck. \ [8] 


spalten und kann deren Wasser wohl in verschiedenem Maße beein- 
flussen. 

Während also die Quellen von Cudowa innerhalb der Kreide- 
mulde zutage treten, entspringen die in unserem engeren Arbeits- 
felde gelegenen Quellen von Bölowes ausserhalb derselben. Der 
Kreiderand streicht eirca 2 km östlich in nordwestlicher und dann 
mehr nördlicher Richtung vorbei. Die geologischen Verhältnisse der 
Umgebung von Be&lowes illustrirt unsere vorstehende Kartenskizze Fig. 4. 
Das Rothliegendeonglomerat ist dem Phyllite des Adlergebirges über- 
sreifend an- und aufgelagert. Ein Horst von Phyllit durchsetzt bei 
Belowes seinen Rand. Durch den westlichen Randbruch desselben werden 
auch die im Phyllit aufsetzenden Gänge von Granitporphyr abgeschnitten. 

Die Gehänge des Mettauthales sind im Süden höher und steiler, 
im Norden flacher und niedriger. Die Tiefenlinie der Thalfurche liegt 
somit an der Aussenseite des grossen Bogens, den die Mettau bei 
Bölowes macht, dem Steilgehänge näher. Dort, wo nun die Bruch- 
zone von der Mettau durchquert wird, liegen die Säuerlinge, sie sind 
in der Kartenskizze durch einen Ring, die Gasausströmungen im Fluss- 
bette durch ein Kreuz bezeichnet. 

Genauere chemische Analysen liegen nur von der Idaquelle 
vor. Die neueste wurde von Gawalowsky!) ausgeführt, auf Jonen 
umgerechnet ist sie oben dargestellt. Es fällt die geringe Menge von 
Fixbestandtheilen bei dem bedeutenden Kohlensäuregehalt, also der 
grossen Lösungsfähigkeit des Wassers auf. Dies liegt offenbar an dem 
Gestein, aus dem das Wasser hervorkommt. Die Quelle ist zwar noch 
in den Alluvionen der Mettau, und zwar in einem von Moor über- 
lagerten Sand gefasst, nur wenige Meter südlich von ihr erhebt sich 
aber der aus Quarzphyllit gebildete Steilhang. Der Quarz, Chlorit und 
Serieit des Phyllits sind aber durch Wasser so wenig angreifbar, dass 
die geringe Concentration nicht verwunderlich ist. Von zwei in dem- 
selben Phyllit südlich von Nachod entspringenden Süsswasserquellen 
liegen (offenbar nur partielle) chemische Untersuchungen von B&lo- 
houbek?) vor. Darnach enthält ein Liter Wasser 


„ Rozkose u e 
Verdampfungsrückstand . . . 00850 0:0900 
Glühverlust desselben . . . .  0:0200 00150 
GaO 0 a ae en 0:0322 
MO... Var Ra ER 00023 
CH; 2,3%, 26, SREGRDE DEAN IF 0:0056 
80, 1 Pk BREUER 


!) Pharmaceutische Post. Bd. 36, pag. 741 (1903). 


?) Ueber den Einfluss der geologischen Verhältnisse auf die chemische 
Beschaffenheit des Quell- und Brunnenwassers. Sitzungsber. d. böhm. Gesellsch. 
d. Wissensch. 1880, pag. 85. Irrthümlich verlegt der Verfasser den Ursprung 
beider Quellen in das Rothliegende. Auch die dritte von ihm aus dem Roth- 
liegenden von Nachod analysirte Quelle dürfte im Phyllit entspringen, doch kenne 
ich ihren Ursprung nicht aus eigener Anschauung. 


Li 


[9] Die Mineralquellen der Gegend von Nachod und Cudowa. 467 


Die Salzmenge in diesem Wasser ist in Folge des Mangels so 
grosser Mengen lösender Kohlensäure wie sie die Idaquelle enthält, 
noch geringer. 

Dass im Phyllit selbst noch kohlensäurehaltige Wasser eireuliren, 
zeigt ein Hausbrunnen, der in der Nähe der Idaquelle steht. 


Es liegen drei Analysen der Idaquelle vor, ausser der bereits 
erwähnten von Gawalowsky, eine von Stolba!) und eine von 
Müller?) im Redtenbacher’schen Laboratorium ausgeführt. Ihre 
Ergebnisse weichen, wie die nachstehende Zusammenstellung zeigt, 
von einander erheblich ab. 


Müller Stolba Gawalowsky 
April 1868 März 1895 Juli 1903 


9 pro Liter Wasser 


nenn OL 0.015 0003 
nn 2,0018 0013 0:029 
Baer. NH anafulspur Spur Spur 
De elle Ban st. 1.011. 2 07085 0:196 0.033 
a E22 5 ODE Spur En 
nennen $ 53, 0002 0016 0010 
BB NIEREN; AUNE 952,1, 70-004 0:002 Spur 
BERG FISERBR Ber ic. 3 0008 0.001 —_ 
ASUEEERBan. 0. . 0. . Spur — 0:060 
Ben a, ur. 0027 0'187 0.031 
BO er ae ara > 0010 0:027 0'131 
DIE 8 ZEN ET, 1,0160 0011 0.018 
02018. 1823 2140 
CO, halbgebunden. . . . . 0'032 0'316 2:140 
ep, gebmuden:. .. : ... .. 0'032 0:158 0.079 
a en an N 
ee ir... 0412 — - 
reach =... 0:0: 0900i 0.002 0 


Summe der Fixbestandtheile . 0'145 0 477 0'357 


Diese Abweichungen der Analysen sind wohl eine Folge der 
inzwischen eingetretenen Aenderungen der Fassung der Quellen, 
welche einen veränderten Zufluss von Grundwasser bewirkten, auch 
mag die Jahreszeit der Probenentnahme von Einfluss sein, da sich 


1) Ich verdanke dieselbe der Güte des Verwalters Herrn Dr. Klenka. 
?) Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Wien, Bd. 58 (1868). 


468 Dr. W. Petrascheck. [10] 


ja mit ihr der Stand des Grundwassers ändert. Die chemische Be- 
schaffenheit des letzteren ist nicht bekannt, wohl aber diejenige des 
Mettauwassers, das als Seihwasser bei den dicht am Flusse gelegenen 
Quellen sehr in Frage kommt. Es enthält im Liter nach B&lhoubek!): 


CO Er. NENEHE 
MO zu) 520000 
805 nn a 00092 
GO. ee ODE 
Fixbestandtele . . 01425 
Glühverlust .' . .209100 


Es ist somit wohl im Stande die Mineralwässer zu verdünnen, 
könnte aber doch bei den heutigen Verhältnissen den Kalkgehalt der 
Idaquelle um ein geringes erhöhen. 


Die Mehrzahl der Quellen liegt dem Flusse nahe in den Allu- 
vionen, also vom Phyllitgehänge weiter entfernt. Schon ihr Geschmack 
zeigt durchwegs einen höheren, zum Teil sogar hohen Eisengehalt an. 
Chemische Daten liegen nach den Untersuchungen von Schneider 
nur noch von der ebenso wie die Idaquelle zum Versandt gelangenden 
Franzensquelle vor). Sie enthält im Liter 


EU en a 
NO er ie tea ne NZ 
HUNDE u 7?) EOS 
MaO ee. ea 0082 
Ri 0; +. Al, O2 2270002 
Pol ee TR en 0, 
U 5, N rn. "YOERRRUPN 
NO EEE ee P 
NR, 2.00... 0% Per Snauren 


Verdampfungsrückstand . . 0'486 


Man ersieht, daß das Wasser reicher an Alkalien, besonders an 
Natron ist. Die Erhöhung des Eisengehaltes der übrigen Quellen 
dürfte zum Theile auch auf Zutritt von Moorwässern beruhen, deren 
Vorhandensein im Quellwasser sich zuweilen schon an der Farbe 


!) ]l. c. p. 84, Probeentnahme, August 1871. 


2) Den Acten der der k. k. Bezirkshauptmannschaft Nachod entnommen. 
Die Publication erfolgt mit Genehmigung des Besitzers. 


7.2 


[11] Die Mineralquellen der Gegend von Nachod und Cndowa. 469 


bemerkbar macht 1). Die chemisch noch so wenig bekannten Humus- 
säuren müssen ein großes Lösungsvermögen für Eisen haben, wie das 
so häufig zu beobachtende Gebleichtwerden von Gesteinen, die im 
Moore zu liegen kommen, zeigt. Die schimmernde Haut von Eisen- 
verbindungen, die namentlich bei Mangel an Kalk aus den Moorwässern 
abgeschieden wird, deutet ebenfalls an, dass Fisen durch die humus- 
säurehaltigen Wasser gelöst worden ist. Moorbildungen erfüllen aber 
die Wiesen bei Belowes und so mag ein Theil des Eisens der dortigen 
Mineralquellen sicher auf diese Weise hereingekommen sein. Endlich 
ist noch daran zu denken, dass unter den Alluvionen des Mettauthales 
sich auch auf dem die Quellenspalten führenden Horst die eisen- 
haltigen braunrothen Conglomerate des Rothliegenden legen, denn 
am nördlichen Ufer taucht kein Phyllit mehr hervor. Liegen diese 
bereits unter dem Quellgebiete, so müssen sie von den aufsteigenden 
Wässern passirt werden und konnten daher einen, wenn auch nur 
geringen Einfluss auf die Zusammensetzung der Mineralwässer ausüben. 


Wie schon Müller hervorhebt, steigen in der Nähe des großen 
Bades von Belowes aus der Mettau auf einer eirca 20 Klafter langen 
Strecke ununterbrochen große Gasblasen empor. Eine zweite solche 
Stelle befindet sich in der Nähe des neuen Bades in einem vom 
Flusse abzweigenden, mit stagnirendem Wasser erfüllten Arm. Beide 
Stellen sind in dem Kärtchen ersichtlich gemacht. Es konnte während 
unseres kurzen (3 wöchentlichen) Aufenthaltes bei den bedeutenden 
barometrischen Schwankungen auf das deutlichste beobachtet werden, 
dass die Intensität der Gasausströmung vom Luftdrucke beeinflusst 
wird. Sie steigt bei fallendem Luftdrucke, wie nicht anders zu 
erwarten ist. 


Es verdient noch einmal auf die große chemische Verschiedenheit 
zwischen dem Wasser der Idaquelle von Belowes und demjenigen 
der Quellen Cudowas zurückzublicken, eine Verschiedenheit, die 
unbegreiflich wäre, wenn man nicht nur die Kohlensäure, die man ja 
schon längst als ein Entgasungsproduct des Erdkörpers zu betrachten 
gewohnt ist, sondern auch das Wasser und alle seine Salze als juvenil 
betrachten wollte. Die so sehr verschiedenen Quellen liegen kaum 
5 km von einander entfernt und sind auf dieselben tectonischen Ur- 
sachen zurückzuführen. Unter solchen Verhältnissen kann man nicht 
verschiedene Entgasungsproducte suchen, zumal circa 8 km weiter 
westlich bei Trtitz sowie weiter östlich bei Reinerz wiederum andere 
Wässer zu Tage treten. Unsere Quellen lassen sich nur 
verstehen, wenn manihre Constitutionalseine Funktion 
der durehströmten Gesteine betrachtet. 


Die soeben erwähnte Mineralquelle von Trtitz liegt in den 
Thalwiesen des Spinkabaches, dort wo dicht westlich von dem ge- 


1) Die des öfteren zu beobachtende Gegenwart von Moorbildung an den 
Austrittspunkten von CO, reichen Quellen mag mit diesem in ursächlichem Zu- 
sammenhange stehen, indem nicht nur die reichliche Durchfeuchtung des Bodens 
luftabschliessend wirkt, sondern auch die schwere, die Poren des Bodens erfüllende 
Kohlensäure dem oxidirenden Sauerstoff der Luft den Zutritt erschwert. 


470 Dr. W. Petrascheck. [12] 


nannten Orte der Bach sich aus seiner westlichen Richtung wieder 
in die südliche wendet. Die dort flach liegende Kreideformation wird 
von einer nordwestlich streichenden, sich im Terrain nicht weiter 
heraushebenden und auch kartographisch schwer festzulegenden Bruch- 
linie durchschnitten. Dieselbe streicht von Tititz über Zernov auf 
tiesenburg zu, woselbst sie sich verliert. Sie fällt in die nordwestliche 
Verlängerung der das Rothliegende des Mettauthales unterhalb Nachod 
verquerenden Brüche, von denen einer noch in die Kreide hinein 
fortsetzt. In der Gegend von Tititz steht im Süden des Bruches 
der Labiatus -Pläner (Weissenberger Schichten = Unter Turon) an, 
im Norden derselben hat auch noch das Cenoman weite Verbreitung, 
Es liegen hier der Plänersandstein und die Glaukonitbänke der Zone 
des Aetinocamax plenus, darunter der cenomane Quadersandstein, 
unter dem in den Thaleinschnitten und Wasserrissen auch noch das 
Rothliegende-Conglomerat hervorkommt. Unter diesem können noch 
Kaolinsandsteine des Carbon vermutet werden, die ihrerseits von dem 
unter der ganzen Kreidedecke von Nachod bis Josefstadt und Königinhof 
verbreiteten Quarzphyllit unterteuft werden. 


Eine von Erich, dem Chemiker der prinzlich Schaumburg- 
Lippe’schen Herrschaft ausgeführte Analyse der Quelle von Tftitz 
wurde mir von Herrn Baron Ulmenstein in dankenswerter Weise 
zur Verfügung gestellt. Der oben auf Jonen umgerechnete Original- 
befund sei hier nochmals vollständig wiederholt. 


RO! =: 0:01522 
N0, er . 009000 
RO er; 000003 
080 Ta. Bi0 20141 
SPON ;:9.07900123 
Ba0..: me . "SDUur 

Mo: : Fu „role 
AlSOB ale +. SSPME 

Fe O0, könzhti>.. 1500310 
Mn Or 7 EORLCO 
VAL VS ii: 16; 
MUO ur 3.125, 
Pb.0 ey 2 Y000048 
Co (Ni):0! : #1 12 2000010 
As, O, Spur 

SO; 002854 
8.0, .. 0:00957 
Gi 0:00722 
P,08 0.000053 
CO 120300 


organisch 


000621 


K 
. 


Nur 7 Ze 


[13] Die Mineralquellen der Gegend von Nachod und Cudowa, 471 


Die Trtitzer Quelle würde also ebenso wie die Idaquelle nach 
der üblichen chemischen Systematik!) zu den erdigen Säuerlingen 
gehören, während die Quellen von Cudova und Reinerz alkalische 
Säuerlinge sind. Doch ist bei den beiden ersteren der Überschuss an 
Erdalkaliäquivalenten über die Alkaliäquivalente gering, sodaß sie 
immer noch der Grenze gegen die alkalischen Säuerlinge nahe stehen. 
Im übrigen ist die Concentration auch dieses Wassers eine sehr 
geringe, der Abdampfrückstand betrug 06404 9. Quarzphyllit und 
Kaolinsandstein bieten wohl auch nur wenig lösliches. Doch kommt 
bei der primitiven Holzfassung des Quells auch noch sehr die Ver- 
dünnung durch Oberflächenwasser in Frage. Ein Umstand, der wohl 
auch den Gehalt an freier Kohlensäure herabdrückt. Außer durch 
reicheren Kalkgehalt ist der Tititzer Säuerling im Vergleiche zu 
denen von Bölowes durch einen sehr geringen Sulfatgehalt ausge- 
zeichnet. Besonders bemerkenswert aber ist, wenn die Analyse in 
allen Punkten zuverlässig ist, das Vorhandensein von Schwer- 
metallen. Es ist ungemein schwierig, etwas über die muthmaßliche 
Provenienz derselben zu sagen. Wir haben oben die Gründe hervor- 
gehoben, die dafür sprechen, dass der Salzgehalt der Quellen von 
den durchflossenen Gesteinen abhängig ist. Gerade Kupfererze sind 
in dieser Gegend namentlich im Rothliegenden weit verbreitet. Der 
Säuerling kommt aber aus dem Rothliegend-Conglomerat hervor, es 
wäre daher wohl denkbar, dass sein Kupfergehalt von diesem ab- 
zuleiten wäre. Andererseits sprechen verschiedene Gründe dafür, 
dass diese Kupfererze erst durch nachträgliche Infiltration in die 
Gesteine gelangt sind, in denen wir sie heute vorfinden. Einer ein- 
gehenderen Behandlung dieses Themas vorgreifend, sei hier nur 
hervorgehoben, dass das Kupfer nichts weniger als niveaubeständig 
ist, was allein schon gegen die sedimentäre Natur seiner Vorkommnisse 
spricht. Bei Schwadowitz imprägniren Kupfererze von Klüften aus 
die Arkosen der Schatzlarer Schichten. Auch eins der dortigen Flötze 
war kupfer- und silberhaltig. Bei Radowenz imprägnirten?) sie ein 
schwaches Conglomeratflötz des Unterrothliegenden und reichern sich 
infolge Absorption an den Grenzen gegen die das Hangende und 
Liegende desselben bildenden Letten an. In Rothkosteletz setzen 
sie in der Sandsteinstufe des Oberrothliegenden auf, in einem tieferen 
Niveau desselben Schichtenkomplexes liegen sie bei Eipel. Endlich 
auch fand sich Kupfererz in dem Granitporphyr von Belowes, einem 
Gestein, das älter ist als das dortige Oberrothliegend-Conglomerat. 
In diesem Granitporphyr (es handelt sich um den mittleren der drei 
dortigen Gänge) setzen Klüfte vom Streichen der dortigen Verwerfungen 
auf. Braunspath und späthiger Caleit bricht auf den einen ein, während 
andere, die zum Teile mit Rutschflächen bedeckt sind, von rotem 
Letten erfüllt werden. In ihnen liegen dünne Trümer derben Kupfer- 
glanzes. Oxydische Kupfererze und Eisenocker sind Minerale, die hier 
am Ausgehenden als secundären Ursprungs anzusehen sind. Es liegt 


1) Vergl. v. Than, 1. c. p. 509. 
2) Vergl. dagegen Gürich, Zeitschr. f. prakt. Geologie, 1893, p-. 370, der 
eine sedimentäre Entstehung dieser Lagerstätte anzunehmen geneigt ı8t. 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (W. Petrascheck.) 64 


472 Dr. W. Petrascheck. [14] 


nahe, die Bildung des eisenreichen Dolomits und Caleits mit den 
Quellen in Verbindung zu bringen, die auf gleichgerichteten Verwer- 
fungsklüften heute noch unten im Thale hervorbrechen. 

Eine Prüfung der Idaquelle auf Kupfer, die Herr Regierungsrath 
von John auf meine Bitten vorzunehmen die Güte hatte, war von 
negativem Erfolg. Es ist daher noch nicht möglich, die Kupfervor- 
kommnisse dieser Gegend etwa auf Thermalwässer zurückzuführen, 
als deren Nachwirkung wir die heutigen Säuerlinge zu betrachten 
hätten. Hierzu fehlen vor allem Beweise für ein so jugendliches 
Alter der Kupferimprägnationen. Sollten aber Umstände doch noch 
auf eine solche Erklärung zurückführen, so müsste man wohl für die 
Provenienz der Schwermetalle andere Annahmen machen als diejenigen 
sind, zu denen wir für die Herkunft der übrigen Salze der Säuerlinge 
seführt wurden. 


| 


Lias bei Vares in Bosnien. 
Von Dr. Heinrich Beck. 


Mit vier Textfiguren. 


Das in Rede stehende Gebiet liegt hart an der Grenze der 
nordbosnischen Flyschzone und des älteren dinarischen Gebirges. 
Scharf sind diese beiden Gebirgsglieder von einander geschieden. Mit 
einer mächtigen Serie hauptsächlich untertriadischer Kalke, Sandsteine 
und Schiefer (Werfener Schichten), verbunden mit Aufbrüchen eruptiver 
Gesteine, grenzt das alte Gebirge an die Flyschzone. Dieser unter- 
triadische Zug enthält nach Katzer!) die grossen Eisenerzlager von 
VareS. Es misst in der nächsten Umgebung dieses Ortes 2—3 km in 
der Breite. Das Streichen sowohl der Flyschbildungen als auch des 
älteren Gebirges ist hier beiläufig WNW nach OSO. Die südliche 
Grenze des Triaszuges wird nach Katzer?) durch mächtige Ver- 
werfungsklüfte gebildet, an denen der südlich anstossende Gebirgs- 
theil um ein Beträchtliches zur Tiefe abgesunken ist. 

Die Zusammensetzung dieses abgesunkenen Zuges ist sehr mannig- 
faltig. Die Hauptmasse bilden Mergelkalke und -Schiefer, die mit Kalk- 
sandsteinen sowie Quarz- und tuffogenen Sandsteinen verbunden sind. 
Nach Katzer ist der ganze Zug ausserordentlich gestört und nach 
den verschiedensten Richtungen von Sprüngen und Verwerfungen 
durchzogen. 

Die genannten Mergelgesteine von Kralupi-Vares besitzen nach 
den geologischen Uebersichtskarten von Bosnien ?) eine ziemlich grosse 
Ausdehnung in der Richtung des Streichens. Da sie an verschiedenen 
Stellen nach Angabe der betreffenden Autoren das Liegende der 
Werfener Schiefer von Vares bilden, wurden sie bis in die Jüngste 
Zeit für paläozoisch gehalten #) und als die Träger der Eisenerzlager 
angesehen. Katzer pflichtet dieser Auffassung nicht bei®). Er erkannte 
die grosse Kluft zwischen den Mergelschiefern und den eisenerzführenden 
Schichten, welch letztere mit den Werfener Schiehten in unmittel- 


1) Katzer: Das Eisenerzgebiet von Vare$ in Bosnien. Berg- und Hütten- 
männisches Jahrbuch. Bd. XLVIII, pag. 9. 

2,1. & pag, 103. 

3) Geologische Uebersichtskarte von Bosnien von Mojsisovies, Tietze 
und Bittner. Geologische Erzlagerstättenkarte von Bosnien von Bruno Walter. 

*#) Grundlinien der Geologie von Bosnien und der Ilerzegowina. Tietze: 


Das östliche Bosnien. — Walter: Erzlagerstätten Bosniens. 
°, Das Eisenerzgebiet von Vares. 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Dand. 8. Ileft. (H. Beck.) 64* 


474 Dr. Heinrich Beck. [2] 


barem Zusammenhange stehen sollen, wonach die Erzlager gleichfalls 
der Untertrias einzureihen wären. 

Aus dem Profil Katzer’s im Stavnjathale zwischen Vare$ und 
Kralupi !) geht deutlich hervor, wie sehr die Mergelkalke an der 
erossen Dislocationskluft von tektonischen Störungen betroffen wurden, 
was auch sehr auffällig in den Profilen durch den Breziker Brems- 
berg?) und das Gebiet bei Zizei und Visnjiöi ?) hervortritt. 

Aus dieser Stauung des Zuges von Kralupi-Vares gegen das 
nördlich vorgelagerte Triasgebirge sowie hauptsächlich in Folge petro- 
sraphischer Analogien mit den Gesteinen der nordbosnischen Flysch- 
zone, die, wie eingangs gesagt, in einer Entfernung von 2—3 km 
jenseits des Triaszuges vorbeiziehen, schloss Katzer, dass man es 
auch südlich vom Vareser Triaszug mit Flyschbildungen zu thun habe 
und alle die vorher genannten Schichtglieder miteinander in engster 
Verbindung ständen. 

In jüngster Zeit wurden nun in der nächsten Nähe des Eisen- 
werkes von Kralupi in den Mergelschiefern am SSW-Ende des im 
geologischen Führer, pag. 140, Fig. 33 dargestellten Profils im Stavnja- 
thal Ammoniten gefunden ?), deren Bestimmung es ermöglichte, das 
Alter der betreffenden Schichten genau zu fixiren. Diese Fossilien 
sehören den Grenzschichten zwischen Lias und Dogger an. Sie sind 
Eigenthum der bosnischen geologischen Landesanstalt und befinden 
sich in der dortigen Sammlung. 

Es ist dies der zweite Fund jurassischer Versteinerungen in der 
Umgebung von Vare$. Der erste Fund glückte Bittner?°), und zwar 
fand er einen Arietiten, der dem A. Seebachi Neum. vergleichbar ist, 
sowie ein Aegoceras, welches dem Aeg. calüphyllum mut. polyeyclum 
Wähn. nahesteht. Diese beiden Ammoniten verweisen auf die Zone 
des Psiloceras megastoma Gümb. des alpinen Unterlias. Leider ist, wie 
Katzer ausdrücklich erwähnt, die Herkunftsangabe der Bittner’schen 
Ammoniten nicht sicher. Sie wurden auf der von Var es nach N führenden 
Strasse, und zwar noch im Bereiche des Triaszuges gefunden. 

Der zweite Fund betrifft die mir zur Bestimmung vorgelegenen 
Ammoniten aus den Mergelschiefern von Kralupi. Sie verweisen, wie 
gesagt, auf die obere Liasgrenze und damit fällt die Annahme eines 
eretacischen Alters und der Flyschnatur des ganzen Zuges. Wir haben 
es vielmehr mit einem Theile des alten Gebirges von VareS zu thun, 
welcher durch Vorgänge rein tektonischer Natur (nach Katzer) eine 
mehr isolirte Stellung gegenüber dem hauptsächlich aus untertriadischen 
(resteinen gebildeten VareSer Gebirgszuge erhalten hat. 

Eine wichtige Frage ist jedoch die, inwiefern die Mergelschiefer 
und -Kalke mit den Sandsteinen und Tuffbildungen zusammenhängen, 
ob sie thatsächlich, wie Katzer angibt (siehe: Das Eisenerzgebiet 


') Geologischer Führer durch Bosnien und die Herzegowina, pag. 140. 
Serajewo 1903. 

?) Eisenerzgebiet von Vares, pag. 105. 

») Ebenda pag. 108. 

*) Es sind dies jene Fossilien, die Dr. Katzer in seinem „Führer“ in einer 
Fussnote auf pag. 23 und 24 erwähnt. 

°) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1885, pag. 141. 


Lias bei Vares in Bosnien. 475 


von Vares, pag. 107 ff. und pag. 119 ff.), nur faciell voneinander 
verschiedene Bildungen darstellen, die durch Wechsellagerung und 
Uebergänge ihre Zusammengehörigkeit erweisen, oder ob nur die 
kalkigen und mergeligen Sedimente dem alten Gebirge angehören, 
während die Sandsteine und Tuffe wirklich eine Flyschbildung sind. 

Die Antwort auf diese Frage zu geben, ist selbstverständlich 
nur auf Grund detaillirter geologischer Aufnahmen möglich. Ich muss 
mich hier damit begnügen, sie gestellt zu haben, und gehe nunmehr 
auf die Beschreibung der bei Kralupi gefundenen Ammoniten über. 


T'metoceras Katzeri n. sp. 
Textfigur 1 und 2. 


Gehäuse flach, scheibenförmig, weit genabelt, die Umgänge ziemlich 
hoch, auf den Flanken mit dicht gestellten, fast durchwegs einfachen, 
mässig nach vorn verlaufenden Rippen versehen, die am Rücken durch 


Fig. 2. 


Tmetoceras Katzeri n. sp. Natürliche (Grösse. 
Fig. 1. Ansicht von oben. 
Mit Einschnürungen, unregelmässigem Verlauf und Spaltung der Rippen. 


Fig. 2. Rückenansicht. 


eine die ganze Breite desselben einnehmende glatte Furche unter- 
brochen werden und mit scharfen, verhältnismässig langen Dornen 
endigen. Umgänge fast evolut und nach vorn nur langsam an Höhe 


476 Dr. Heinrich Beck. [#4] 


zunehmend. Einschnürungen vorhanden, aber undeutlich. Länge der 
Wohnkammer unbestimmt, aber sicherlich nicht geringer als 3/, des 
letzten Umganges. Lobenlinie einfach: Der erste Laterallobus stark 
entwickelt, daneben stark zurücktretend der zweite Lateral- und ein 
Auxiliarlobus. Rücken- und Nahtlobus unbekannt. 

Maße: 82:5 mm grösster, T1'l mm kleinster Durchmesser des 
der Höhe nach comprimirten Steinkernes. 

Höhe des letzten Umganges knapp vor dem Ende 176 mm. 

Verhältnis zur Nabelweite 17°6:38°3 mm. 

Dicke des letzten Umganges 8'2 mm. 


Vergleiche und Bemerkungen: Die äusseren Merkmale unseres 
Ammoniten, so charakteristisch sie auch sind, würden doch manchen 
Zweifel über seine näheren Verwandtschaftsverhältnisse aufkommen 
lassen, wenn es nicht, allerdings auf etwas gewaltsame Weise, gelungen 
wäre, die wichtigsten Umrisse der Lobenlinie festzustellen. Da sie 
oberflächlich nur in ganz und gar undeutlichen und unzusammen- 
hängenden Spuren zu erkennen war, mussten an einer Stelle des 
vorletzten Umganges die Rippen abgeschliffen und die dadurch ent- 
standene Fläche angeätzt werden, wodurch es endlich gelang, mit 
Ausnahme der Rücken- und Nahtpartie die Lobenlinie deutlich zu 
verfolgen. Durch diese Behandlungsweise gingen allerdings die feinsten 
Verzweigungen derselben verloren, nichtsdestoweniger aber bieten 
selbst diese etwas rohen Umrisse sichere Gewähr für die richtige 
Bestimmung des Thieres. 

Wie Eingangs erwähnt, finden wir einen mächtigen ersten Lateral- 
lobus, an den sich, stark an Grösse zurücktretend, der zweite Lateral- 
und ein Auxiliarlobus anschliessen. Alle Loben sind einspitzig und 
stehen auf gleicher Höhe. Der erste Lateralsattel ist durch einen 
kleinen Secundärlobus getheilt. 

Diese Verhältnisse verweisen unzweifelhaft auf die Familie der 
Polymorphidae Haug!) und im Vereine mit den äusseren Merkmalen 
insbesondere auf die Gattung Tinetoceras Buckm.?), die Gruppe des 
A. seissus ben. Bisher sind nur drei Arten dieses Genus bekannt 
geworden. Benecke beschrieb 1868?) eine neue Form aus den 
Oolithen von Cap S. Vigilio als A. seissus; später (1874) fand 
Dumortier*) im Bassin du Rhone zwei Formen desselben Genus, 
eine, die er als A. scissus (pag. 268, pl. LVL, fig. 1 et 2) beschrieb, 
die sich Jedoch durch die diehotome Spaltung der Mehrzahl ihrer 
Rippen deutlich von der Benecke’schen Art unterscheidet, während 
die zweite, die er als A. Regleyi v. Thiolliere (pag. 119, pl. XXXI, 
fig. 8 et 9) bezeichnete, zweifellos der Art seissus angehört. S. Buck- 
mann?) beschrieb noch eine weitere, dem A. scissus nahe verwandte 


!) E. Haug: Ueber Polymorphiden. Neues Jahrb. f. Min. II, 1887. 
?) S.S. Buekmann: The inferior Oolite Ammonites. Palaeontogr. Society 
1887—1899, pag. 269. 

?) Benecke: Ueber Trias und Jura in den Südalpen. Benecke’s Beiträge. 
Bd. I, pag. 170, Taf. VI, Fig. 4. 

*) Dumortier: Etudes Pal&ontologiques sur les depots jurassiques du Bassin 
du Rhone. IV. Partie. Paris 1874. 

°) New species of Ammonites. Proc. Dorset Field Club, vol. IV, pl. II, fig. 2. 


[5] Lias bei Vare$ in Bosnien. 477 


Form als A. Hollandae, die sich durch feinere und dichter gestellte 
sowie leicht nach hinten gebeugte Rippen von scissus unterscheidet. 
Auch ist diese Form stärker involut. Die von Dumortier als A. seissus 
beschriebene Art stellte Buckmann als neue Art (A. Sutneri) 1) den 
beiden genannten gegenüber und vereinigte alle diese drei Arten unter 
dem Gattungsnamen T’imetoceras. Dieses neue Genus leitet Buck- 
mann im Gegensatze zu seinen Vorgängern Benecke?2), Gott- 
sche), Neumayr®, S.Buckmann?), Vacek®), Zittel”), 
Haug?°) sowie seiner eigenen Arbeit (New. spec. of A.) direct von 
dem Sutner’schen Genus Polymorphites ab. Von grösster Wichtigkeit 
gerade in Bezug auf diese Frage ist die enge Verwandtschaft von 
Tmetoceras mit Dumortieria und Catulloceras, die noch von keinem 
Beobachter angezweifelt wurde. 


Die vorliegende Art schliesst sich nun, wie bemerkt, eng an die 
Vertreter der Gattung Tmetoceras an. Die Lobenlinie entspricht voll- 
kommen der von A. scissus. Ebenso bestehen weitgehende Analogien 
in Bezug auf die äusseren Merkmale. Zu den wichtigsten derselben 
gehören vor allem die glatte Rückenfurche, der einfache Verlauf der 
Rippen und Einschnürungen, wenngleich letztere bei der vorliegenden 
Form weniger scharf ausgeprägt sind. Auch betreffs der Involution 
herrscht grosse Uebereinstimmung, ebenso in der Länge der Wohn- 
kammer, dagegen aber besitzt das bosnische Fossil flachere Umgänge, 
und während bei A. scissus Den. die Rippen kräftig sind und fast durch- 
wegs gerade verlaufen, ist unsere Form fein berippt und die Rippen sind 
von der Nabelkante an leicht nach vorn gerichtet. Auch ist die Rücken- 
furche hier etwas breiter und die Rippen endigen mit Dornen, welche 
die Furche einsäumen, während bei scissus und den übrigen bisher be- 
kannten Timetoceras-Arten die Rippen an der Rückenfurche wohl etwas 
zugeschärft und zugespitzt erscheinen und stark über den Rücken hinaus- 
ragen, aber keine Dornen bilden. Die Entstehung der Dornen bei unserer 
Form hängt wohl auch mit der grösseren Feinheit der Rippen zusammen. 

Von den drei Timetoceras-Arten fällt beim Vergleiche mit unserem 
Ammoniten Tinetoc. Sutneri Buckm. von vornherein weg, da diese Art 
auf Dumortiers A. scissus gegründet ist, welcher sich durch die 
gegabelten Rippen auszeichnet. Tin. Hollandae Buckm. kommt durch 
die Art der Berippung ziemlich nahe. Er ist ebenfalls fein berippt, 
aber die Rippen sind leicht nach hinten geschwungen, auch ist er 
bedeutend stärker involut. 

Die Formen der beiden Schwestergattungen von T’imetoceras, der 
Gattungen Dumortieria und Catulloceras, entfernen sich von unserem 


!) The inf. Ool. Amm, pag. 270. 

2) Benecke, |. c. . 

3) Gottsche: Jurassische Versteinerungen der Cordillere. Palaeontographica. 
Suppl. III, Lief. II, Heft 2, pag. 16, Taf. IT, Fig. 3, 

*) Neumayr: Ueber: unvermittelt auftretende Cephalopoden. Jahrb. d. 
k. k. geol. R.-A. Bd. XXVIIL, 1878, pag. 71. 

5) $. Buckmann: New species of A. 

6) Vacek: Oolithe von Cap 8. Vigilio. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1886. 
Bd. XII, Pag. 108, Taf. XVI, Fig. 15—17. 

?) Zittel: Paläontologie, pag. 472. 

®) Haug: Ueber Polymorphiden, 1, c. pag. 151. 


478 Dr. Heinrich Beck. [6] 


bosnischen Fossil auffallend sowohl durch die reichere Gliederung 
der Lobenlinie als insbesondere durch den Besitz eines Kieles. Doch 
herrscht in den übrigen Verhältnissen eine Reihe durch die nahe Ver- 
wandtschaft bedingter Analogien. 

Die glatte Rückenfurche hat bei den bisher bekannt gewordenen 
Timetoceras-Formen zu wiederholten Malen den Anlass gegeben, sie in 
die Reihe der Cosmoceratiden zu stellen, bald in das Genus Cosmoceras 
Zitt., bald zu Parkinsonia Dayle. (Siehe die Citate S. 476 u. 477.) Die 
vorliegende Art berechtigt jedoch nicht zu einer derartigen Annahme. 
Dem gemeinsamen Merkmale einer glatten Rückenfurche stehen die 
auffallenden Unterschiede im Lobenbau ‘und in der Berippung sowie 
das Vorhandensein von Einschnürungen bei unserer Form gegenüber. 
An einer Stelle des letzten Umganges bei Tmet. Katzeri kommt es 
allerdings zu einer Spaltung oder Verschmelzung einzelner Rippen, 
doch ist dies lediglich auf unregelmässiges Wachsthum an dieser 
Stelle zurückzuführen, auf die Bildung eines Mundrandes oder eine 
Verletzung des Gehäuses. 

Auf die Frage nach der stratigraphischen Position von Tinet. 
Katzeri kann man vorläufig wohl keine ganz genaue Antwort geben. 
Von den drei übrigen T'metoceras-Arten kommt Tim. seissum in den 
Zonen des Lytoc. jurense, des Harp. opalinum und der Ludw. Mur- 
chisonae vor, Imet. Sutneri ist auf die Opalinum- und Tmet. Hollandae 
auf die Murchisonae-Zone beschränkt. Am natürlichsten ist es wohl 
zweifellos, wenn man annimmt, Tmet. Katzeri stamme ebenfalls aus 
einer der genannten Zonen. Das von derselben Localität stammende 
zweite Fossil G@rammoceras sp. ind. verweist eher auf Lias als Dogger, 
wenngleich es sonst zur Lösung der stratigraphischen Frage nicht 
verwendet werden kann (s. u.). Das eine aber sagt uns das Tinet. 
Katzeri sicher: wir haben es bei Kralupi mit Schichten zu thun, 
welche hart an der Lias-Doggergrenze liegen. 


Grammoceras Hyatt sp. ind. 
Textfigur 3 und 4. 


Gehäuse flach, scheibenförmig, mit hohem scharfen Kiel versehen, 
der beiderseits von einer tiefen glatten Furche begleitet wird. Um- 


Fig. 3. Fig. 4. 


Grammoceras Hyatt sp. ind. Natürliche Grösse. 
Fig. 4. Querschnitt des letzten Umganges. 


gänge stark, fast bis zur Hälfte involut und nach vorn sehr rasch 
an Höhe zunehmend. Rippen einzeln, dicht gestellt, an den Flanken 


Lias bei Vares in Bosnien. 479 


schwach sichelförmig geschwungen, am Rücken jedoch plötzlich sehr 
scharf nach vorn gerichtet. 


"Maße: Durchmesser 174 mn. 
Höhe des letzten Umganges 7'6 ınm. 
Nabelweite 5 mm. 


Die Zugehörigkeit des vorliegenden, ziemlich mangelhaft er- 
haltenen Exemplars zur Hyatt’schen Gattung Grammoceras ist trotz 
der wenigen vorhandenen Merkmale als gesichert zu betrachten, und 
zwar verweisen diese auf die Formenreihe des Harpoceras radians 
Rein. Da es sich bei unserem Fossil zweifellos um eine Jugendform 
handelt, fällt es keineswegs leicht, aus der so artenreichen Gruppe 
bekannte Formen zum Vergleiche heranzuziehen und die näheren 
Verwandtschaftsverhältnisse festzustellen, zumal von der Lobenlinie 
keine Spur aufzufinden ist. 

Nur durch die etwas schärfere Krümmung und etwas geringere 
Zahl der Rippen unterscheidet sich das von Gemmellarot) als 
Harpoceras n. sp. indet. beschriebene siecilianische Exemplar aus der 
Zone der Terebratula Aspasia von dem unserigen. Während ersteres 
auf dem letzten Umgange 29 Rippen enthält, die sich schon in ?/, der 
Höhe des Umganges nach vorn wenden, zeigt letzteres 37—39 Rippen, 
welche erst knapp vor dem Kiel nach vorn schwenken. Doch stimmen 
die übrigen Merkmale, Involution, der scharfe, von seitlichen Furchen 
begleitete Kiel sowie der Querschnitt vollkommen bei beiden Formen 
überein. In beiden Fällen aber handelt es sich um Jugendformen, 
wodurch die sonst nicht allzusehr ins Gewicht fallenden Unterschiede 
in der Berippung sicherlich eine grössere Bedeutung erlangen müssen. 
Die von Gemellaro' zum Vergleiche mit seiner Art herangezogenen 
Formen unterscheiden sich leicht von dem bosnischen Fossil, indem 
Harp. Affricense Reynes?) bedeutend gröbere und daher spärlichere 
Rippen aufweist, während bei A. elegans Young and Bird (non Sow.)?) 
wie bei Harp. ovatum Young and Bird*) die Spaltung der Rippen 
ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal bildet. 

Als besonders nahe verwandte Formen erscheinen aus der Gruppe 
des G@rammoceras radians Harpoceras striatulum Sow.°), Harp. antiguum 
Wrigth®) und Harp. Normannianum d’Orb.?). 


1) Gemmellaro: Sui fossili degli strati a Terebratula Aspasia della con- 
trada rocche rosse presso Galati. Giornale di scienze naturali ed economiche. 
Palermo. Vol. XVI (1883—84), pag. 198, tav. V, fig. 17 et 18. 

2) Reynes: Essai de g&ologie et de Palaeontologie aveyronnaises. Pl. III, fig. 4. 

®) Reynäs: Monographie des Ammonites, Lias. Atlas, pl. LV, fig. 1—17. 
— Wrigth: The Lias, Ammonites, pag. 447, pl. LXUI, fig. 1-3. — Young and 
Bird: Geol. Survey of Yorksh. Coast., pag. 267, pl. XII], fig. 11, 1828. — Zieten: 
Verst. Württembergs, pag. 22, Taf. XVI, Fig. 5 und 6. 

# Young and Bird; Geol. Survey, pag. 251, pl. XIII, fig. 4, 1822. — 
Wrigth: The Lias Ammonites, pag. 446, pl. LXII, fig. 4—7. a 

5) Sowerby: Mineral Conch. Vol. IV, pag. 23, tab. CDXXTI, fig. 1. 
Wrigth: The Lias Ammonites, pag. 451, tab. LXXXIV, fig. 4—6. 

6) Wrigth: The Lias Ammonites, pag. 431, tab, LVII fig. 1-4. 

) @Orbigny: Ceph. jurassiques, pag. 291, tab. LXXXVIII. — Wrigth: 
The Lias Ammonites, pag. 470, tab. LXXXIII, fig. 1 u. 2. 

Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 3. Heft. (H. Beck.) 65 


er er A ED. 


480 Dr. Heinrich Beck. [8] 


Leider ist es bei dem Erhaltungszustande nicht möglich, bestimmte 
Angaben zu machen, und wir müssen uns damit zufriedenstellen, dass 
das Thier seiner Form und Berippung nach in die Radians-Gruppe 
gehört und die drei letztgenannten Arten aus dieser Gruppe in Bezug 
auf äussere Merkmale der vorliegenden unter allen anderen am 
nächsten kommen. Harp. striatulum, antigquum und Normannianum 
sehören der Jamesoni-, resp. jurense-Zone an. Danach dürfte wohl 
auch unser Grammoceras kaum über den Lias hinausgehen. 


8 
4 


Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium 
der k.k. geologischen Reichsanstalt, ausgeführt 
in den Jahren 1901-1903 


von C. v. John und €. F. Eichleiter. 


In Folgendem geben wir eine Zusammenstellung der seit der 
letzten Veröffentlichung der Arbeiten des chemischen Laboratoriums 
der k. k. geologischen Reichsanstalt in dem Jahrbuche der k. k. 
geologischen Reichsanstalt 1900, Bd. 50, Heft 4, also in den Jahren 
1901, 1902 und 1903 durchgeführten Analysen. 


Die hier angegebenen Analysen bilden natürlich nur einen kleinen 
Theil der zahlreichen, in unserem Laboratorium für technische Zwecke 
ausgeführten Untersuchungen, da hier nur solche Analysen oder partielle 
Untersuchungen Aufnahme fanden, die sich auf Materialien beziehen, 
deren Fundort oder Erzeugungsstätte uns bekannt gegeben wurde 
oder die in anderer Hinsicht ein gewisses Interesse für den Praktiker 
bieten dürften, während ein anderer Theil von Analysen, fast durchwegs 
Gesteine und Mineralien betreffend, zu wissenschaftlichen Zwecken 
ausgeführt wurde und entweder bereits an anderer Stelle veröffentlicht 
worden ist oder in der nächsten Zeit dazu gelangen wird. 

Bei den Namen der Fundorte mussten wir uns in manchen 
Fällen ganz auf die Angaben der Einsender verlassen, welche oft 
Localitäten nennen, die in keinem Ortslexikon zu finden sind, da es 
sich da meist um einzelne Gehöfte, Berglehnen, Gräben etc. handelt, 
weshalb wir solche Angaben nicht zu controliren im Stande sind und 
somit auch keine Verantwortung für die Schreibweise solcher Fund- 
orte übernehmen können. 

Der Umstand, dass nicht immer vollständige Analysen vorliegen, 
erklärt sich dadurch, dass diese Untersuchungen für Parteien vor- 
senommen wurden und also der Umfang der Untersuchungen von den 


Wünschen dieser Parteien abhängig war. 
Wie schon in früheren derartigen Zusammenstellungen wurden 


auch diesmal die einzelnen Analysen und Untersuchungen in ent- 
sprechende Gruppen eingereiht, und zwar folgende Gruppen unter- 
schieden : 


‚Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Bd., 3. Hft. (v. John u. Eichleiter.) 65* 


482 C. v. John und C. F. Eichleiter. [2] 


I. Elementaranalysen von Kohlen. 


Die elementaranalytisch untersuchten Kohlen wurden nach Ländern 
und nach den geologischen Formationen, in welchen sie vorkommen, 
geordnet. Ueber die Elementaranalyse wäre Folgendes zu bemerken: 

Bei der Schwefelbestimmung wurde immer der Gesammtschwefel 
nach der Methode von Eschka und ausserdem der Schwefelgehalt 
in der Asche bestimmt. Die Differenz der bei diesen beiden Be- 
stimmungen erhaltenen Resultate, welche die Zahl für den beim Ver- 
brennen der Kohle entweichenden, sogenannten schädlichen Schwefel 
angibt, wurde immer in die Elementaranalyse eingestellt. 

Es möge hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass C.v. John 
demnächst einen Aufsatz über die Rolle, welche der Schwefel bei der 
Berechnung der Elementaranalyse, als auch bei der Calorienberechnung 
spielt, in den Verhandlungen unserer Anstalt erscheinen lassen wird. 

Der Berechnung des Brennwerthes (Calorien) lag durchgehends 
die nachfolgende Formel zu Grunde: 


8080 0+34500(1- 0) 2500 s-(M,0+ 00) 637, 
Wärmeeinheiten = — — eve % l 


100 


wobei €, IZ, 0, S und H,O die Procente von Kohlenstoff, Wasserstoff, 
Sauerstoff, Schwefel und Wasser bedeuten. 


Bei der Bestimmung der geologischen Formationen der in Ungarn 
vorkommenden, hier angeführten Kohlen hat uns das im vergangenen 
Jahre erschienene, ausgezeichnete Werk von A.v. Kalecsinszky!?) 
oft sehr gute Dienste geleistet. Die Formationen einiger weniger 
Kohlenfundorte, die indem genannten Werke nicht aufgefunden werden 
konnten und welche sich vermuthlich auf ganz neue Schürfungen be- 
ziehen, hat uns die Direction der kgl. ungarischen geologischen Anstalt 
in freundlichster Weise mitgetheilt, wofür wir derselben unseren besten 
Dank aussprechen. 


II. Kohlenuntersuchungen nach Berthier. 


Die in dieser Gruppe angeführten Kohlen sind ebenfalls nach 
Ländern und geologischen Formationen geordnet, wobei wir ebenfalls 
bei Kohlen ungarischer Herkunft in manchen Fällen . das früher 
erwähnte Werk von Kaleesinszky benützten und auch einige 
Formationsangaben der Liebenswürdigkeit der kgl. ungarischen geo- 
logischen Anstalt verdanken. 

Bei einigen Kohlen dieser Gruppe ist auch der Schwefelgehalt 
der Kohle angeführt, worunter natürlich der Gesammtschwefelgehalt 
der Kohle zu verstehen ist. 

Es soll hier nieht unterlassen werden, unseren Standpunkt be- 
züglich der Berthier’schen Probe abermals ausdrücklichst fest- 
zustellen. Wir sind uns über den Werth derselben vollständig im 


‘) Alexander v. Kaleesinszky: Die Mineralkohlen der Länder der unga- 
schen Krone. Budapest 1903, 324 S. Buchdruckerei des Franklin-Vereines. 


[3] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k.k. geol. R-A. 483 


Klaren und wissen selbstverständlich, dass die Bestimmung der Wärme- 
einheiten nach dieser Methode mit prineipiellen Fehlern behaftet ist, 
weshalb die auf diesem Wege gefundenen Brennwerthe im Allgemeinen 
und insbesondere bei wasserstoffreichen Kohlen zu nieder ausfallen. 

Wenn wir nun trotzdem immer wieder die von uns nach der 
Berthier’schen Probe gefundenen Brennwerthe bringen, so geschieht 
dies aus dem Grunde, weil dieselben immer noch in der Praxis vielfach 
benützt werden und weil sie von Interessenten, denen es nicht auf 
eine genaue wissenschaftliche Ermittlung des Brennwerthes ankommt, 
auch der geringeren Kosten wegen noch sehr häufig verlangt wird. 
Speciell die Militärbehörden sind es, welche in Folge ihrer alther- 
gebrachten Vorschriften bei der Versorgung der Truppen mit Brenn- 
material die Berechnung des Aequivalents für Holz ausgedrückt in 
Kilogramm Kohle auf Grund der Wärmeeinheiten nach Berthier 
fordern, weshalb auch viele Kohlenlieferanten, die mit dem Militärärar 
in Geschäftsbeziehungen treten wollen, gezwungen sind, bei uns Kohlen- 
untersuchungen nach Berthier vornehmen zu lassen. Wir betonen 
nochmals, dass wir der Methode von Berthier absolut keinen 
wissenschaftlichen Werth beimessen und dieselbe nur als Noth- 
behelf in gewissen Fällen ansehen. Wir empfehlen den Interessenten, 
wo es nur möglich ist, stets die Elementaranalyse und bringen offen 
neben den aus der Analyse berechneten Calorien die Wärmeeinheiten 
nach Berthier, einerseits um die Interessenten auf das Missver- 
hältnis der beiden Resultate aufmerksam zu machen, andererseits um 
einen Vergleich mit Analysen älteren Datums, die nur nach der 
Methode von Berthier untersucht worden sind, zu ermöglichen. Aus 
den oben angeführten Gründen können wir also vorläufig die Aus- 
führung dieser Methode nicht verweigern, aber wir sehnen uns sehr 
nach dem Zeitpunkte, wo wir die Berthier’sche Probe für sich als 
abgethan betrachten können. 


II. Elementaranalysen von Kohlenbriquetts. 


In Folge des Umstandes, dass in der Kohlenindustrie die Ver- 
werthung des Kohlenklein zu Presskohle oder Briquetts fortwährend 
um sich greift und auch der Handel mit Briquetts stets an Ausdehnung 
gewinnt, haben wir uns veraulasst gefühlt, für diese Art von Brenn- 
material eine gesonderte Gruppe aufzustellen, umsomehr, als die 
Briquetts fast durchgehends mit Hilfe eines künstlichen Bindemittels 
hergestellt werden, also nicht als reine Naturproducte anzusehen sind. 
Aus dem letzteren Grunde haben wir auch in der Tabelle dieser Gruppe 
von der Angabe der geologischen Formation Abstand genommen. 

Im Uebrigen gilt für diese Gruppe dasselbe, was wir bei der 
Gruppe I Elementaranalysen von Kohlen, gesagt haben. 


IV. Kohlenbriquetts-Untersuchungen nach Berthier. 


Unsere Beweggründe, auch für die Kohlenbriquetts - Unter- 
suchungen nach Berthier eine gesonderte Gruppe aufzustellen, 
sind selbstverständlich die gleichen wie bei den elementaranalytisch 
untersuchten Briquetts. 


484 C. v. John und C. F. Eichleiter. [4] 


Bezüglich unserer Anschauungen über die Berthier’sche 
Probe selbst verweisen wir auf unsere in der Gruppe II Kohlen- 
untersuchungen nach Berthier gebrachten Auseinandersetzungen. 


V.Graphbite, 


VI. Erze. 

. Silber- und goldhaltige Erze. 
. Kupfererze. 

. Bleierze. 

Quecksilbererze. 

. Zinkerze. 

. Eisenerze. 

. Manganerze. 

. Chromerze. 

. Schwefelerze. 


SS SQ 


= 
SL 


2.IOQU So 


VII. Metalle und Legirungen. 
VOII. Kalke, Dolomite und Mergel. 
IX. Thone. 
X. Wässer. 
XI. Gesteine und Mineralien. 
XI. Erdöle. 
X. Diverse Materialien. 


1899 
G8$8G 
1938 
gorg 
s1$8T 


2989 
1609 
6884 
0939 
6619 


485 


EKIRIBIRIE 


5 SsgıE 
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J311314913 || 090% 
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anal] | 898% 
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0989 
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» |izeıe 
Janallal || 698% 

io 6209 
Janıalyal] || SFSE 


8609 
6099 
1968 
G814 
1499 
0694 
1089 
7789 


9819 
3989 
4109 
998% 


9669 
1169 


061% 
Ig94 
GgLg 
968% 
9079 
1679 


Ja1lal113 


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Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 


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04-01 
06-01 
01.01 
46-81 
06-81 
IL 

60-6 

08-01 
09-81 
08-01 
09-01 
OF-IL 
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Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 


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[15] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-.\. 495 


V. Graphite. 


Graphitmehl von Marbach an der Donau, Niederöster- 
reich, aus E. Weber’s Graphitbergbau, eingesendet von dem genannten 
Bergbaubesitzer: 


r Procente 
Ballen en nase nr A907 
Asche . . ASS Ann 14) 
Wasser bis 1009 0 . 2 tee el ab 
Wasser über 100° C (Differenz) ra 5) 
Summe . „» . 10.00 


BEriehleiter. 


Eine zweite Probe von obiger Localität und demselben Einsender, 
welche sehr schön schuppig und sehr schwer verbrennlieh war, ergab 
bei der Untersuchung: 


Procente 

Hohlenerer 2 ne u. ler 

Asche, u. a ee DLR 

Wasser bis 1009 © A a ln 

Wasser über 100° C (Oiferenz) ee, 
SUMME . - +.» UV VOTohn, 


Graphite von Rastbach bei Gföhl in Niederöster- 
reich, eingesendet von A. Genthe in Wien: 
Pırio &e n#le 


Nr. I INT Nr. III 

REEL SIT I, ie Pie Su RE IRRE ©) 1 0 73) 70-85 60:20 
Asche?» . . Er RRBRRIV 2-06, WIGLIO 23:80 3380 
Wasser bei 1000 C. : a 0) 2-15 325 
Wasser über 100° C (Differenz) ‚4721933645 3:20 2-75 
Summe . . . 10000 100 UV LVO OU 


John und Eichleiter. 


Graphit von St. Michael bei Leoben in Steiermark, ein- 
gesendet von F. Jenull in St. Michael: 
Procente 


I ee 270 

Asche, . . OR Aa rg =: 

Wasser bis 100€... 2.....°.2 21% 

Wasser über 1000C (Differenz) . . . 2:68 
Summe . . .„ 100 u0 John. 


Graphit von Brloch-bei Pisek in Böhmen, eingesendet 
von F. Fieth in Dobev bei Pisek: 
Procente 


Betr. 2,1008 22er 
Asche . Baunatal .0 85.80 
Wasser bis 1000 ‚Ars aha 72 1:10 
Wasser über 100° C (Differenz) .-. . 248 

Summe 2:4 10000 Tohn: 


Jahrbuch d. k. k. geol. lteichsanstalt, 1903, 63. Rd., 3. ft. ıv. John u. Eichleiter.) 67 


496 C. v. John und ©. F. Eichleiter. [16] 


Rohgraphit von Marbach an der Donau, Niederöster- 
reich, eingesendet von E. Weber, dortselbst: 


Procente 
Kohlenstof- . .. 722 2 AR 
Asche 1: Be John. 


Graphitproben (geschlämmt) von Schweine bei 
Müglitz in Mähren, eingesendet von Gessner, Pohl & Co. in 
Müglitz: 

Prozente 


Nr. I Nr. II 
KohlenstAff., a Brass Teer ine BBRIIZ 32:46 
Asche „5 A. 17: Ss nr a, en 62:00 
Wasser Dis 00 CR Tan Re oe) 2.30 
Wasser über 100° C (Differenz) . . . 076 3:24 
Summe '. . +. 100-080 100.00 

John. 


VI. Erze. 
a) Silber- und goldhältige. 


Schwefelkies mit Quarz aus den chloritischen Schiefern 
von Bersova im Arader Comitat, Ungarn, eingesendet von R. ©. von 
Heller in Wien: 


Procente 


Gold = ., 000005 John. 


QuarzmitSchwefelkies von Cladova im Arader Comitat, 
Ungarn, eingesendet von R. C. v. Heller in‘ Wien: 


P--r..07 6 Teen. 6 
Nr. I Nr. II Nr. III 
Göldisch Silber . . . 000104 0.0010 0 0019 


Gold ist in den Erzen nur in unwägbaren Spuren vorhanden. 
John und Eichleiter. 


Bleiglanz mit viel Gangart von Mies in Böhmen, 


eingesendet von der Bergdirection der Allerheiligen - Gewerkschaft 
in Mies: 


Procente 
Silber. =. Sıesr O4 
Blei #7°73.7.'32972628 Eichleiter. 


3 
Quarz von Maria-Radna im Arader Comitat, Ungarn, ein- 
gesendet von R. C. v. Heller in Wien: 
Procente 


Göldisch "Siber#=7 =. 22.20:00198 John. 


i 
j 
# 
! 


[17] Arbeiten aus dem chemischen T,aboratorium der k. k, geol. R.-A. 497 


Erz vom Elenapass im Balkan, eingesendet von Gebrüder 
Slafzeff in Tirnova in Bulgarien: 


Procente 
Blewil:!n 0.1.1092:59:62 
Stimer '.... .„ 00196 


Das vorliegende Erz enthält ausserdem noch Zink und geringe 
Mengen von Kupfer und ist ein Gemenge von Bleiglanz, Zinkblende 
und etwas kupferhältigem Schwefelkies. John. 


Erze von Sestroun in Böhmen, eingesendet von Albert 


Ömuchälek in Prag: 
Pröooeente 


Gold Silber 
Arsenliaes 5.02... - - 000087 000148 
Grunustein. .%. - "= :- „ .0:00005 000181 
Onarzsand warnt 2,0:00002 000148 John. 


Erze von Maria-Radna im Arader Comitat, Ungarn, ein- 
gesendet von R. C. v. Heller in Wien: 


Procente 

Silber 

i ; Nry 2,24 2.4 .0:0023 

Quarz mit Schwefelkies . . . Ne II "2,0600 

Quarz mit kupferhältigem Schwefelkies . . . . 00016 
John. 


b) Kupfererze. 


Erz aus der Umgebung von Burgas in Bulgarien, 
eingesendet von Mario Jona in Wien: 
Procente 


BaDIOE I MEETS Eichleiter. 


c) Bleierze. 


Erz von Jenbach in Tirol, eingesendet von J. F. Mair 
in Jenbach: 


Procente Procente 
Bleisssd . . „Nr ... , 8605.entsprechendes Blei 3347 
kosrd . = 203... .0,0 2354 R Zink 18:89 
Bender... .°% 1050 i Eisen 735 
Bere. N nal ehrt 160 
EEE EDV Benz ln, 0,0 7,1046 
Ele ee a ) >| 
Bat, ,„ 008 
Kieselsäure BE UrNG. 12:26 
Phosphorsäure a 3; 2 


Glühverlust (Wasser mit Spuren 
von Kohlensäure) 3 


Summe . . .. 9897 


67° 


498 C. v. Jolın und C. F. Eichleiter. [18] 


Das vorliegende Erz ist jedenfalls entstanden durch Zersetzung 
eines Gemisches von Bleiglanz, Zinkblende und Schwefelkies. John. 


Eine zweite Probe von obiger Localität und demselben Einsender 
enthielt: 


Procente Procente 

Bleioxyd . . . 47:60 entsprechendes Blei 4419 

Zinkoxyd = 9% TTS r Zink 13:80 
John. 


Erz vom Elenapass im Balkan, eingesendet von Gebrüder 
Slafzeff in Tirnova in Bulgarien: 


Procente 
Blei a. 10% 279.7 20:50 
A I A 


Das vorliegende Erz enthält ausserdem noch geringe Mengen 
von Kupfer und ist ein Gemenge von Enz ‚Zinkblende und 
kupferhältigem Schwefelkies. John. 


d) Quecksilbererze. 


Zinnobererz von Sagron bei Avanza im Valaltain 
Südtirol, eingeseudet von Dr. H. Bloch in Wien: 


Procente 
Quecksilber zur. ...-.. 670 
Schwelel.. gar... 2762550 
Einenoxyd wur NH RAN364 
Thonerde ? ap TU EI DI 638% 
Kalk Zr ss ER ER 
Magnesia . Se 12T John. 


e) Zinkerze. 


Erze von Jenbach in Tirol, eingesendet von J. F. Mair 
in Jenbach: 
Perf, n te 


Zinkoxyd Den 
Nr ar BER 908 4-37 
Nr+ TI Years aa 1223 098 John. 


Erz vom Elenapass im Balkan, eingesendet von Gebrüder 
Slafzeff in Tirnova in Bulgarien: 


Procente 
Zink.» NH 12277 3819 
Kupfer) EU 7312231 


Das vorliegende Erz enthält ausserdem noch etwas Blei und 
ist ein Gemisch von Zinkblende mit kupferhältigem Schwefelkies und 
etwas Bleiglanz. John. 


ns] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 499 


Erz aus der Umgebung von Burgas in Bulgarien, 
eingesendet von Mario Jona in Wien: 


Procente 
Zink.) ... .. . 1246 
Bier. 2... :..,.348 
Zunleri + .„...040 Eichleiter. 


f) Eisenerze. 


Rotheisenstein von Buki in Bosnien, eingesendet von 
J. B. Schmarda, Rotter & Perschitz in Wien: 


Procente 
Erenosydı, ls Au +62.08:90 
Mansanosyul . Ze. 01 
Bhonerde- . 2 +... 631250:22 
2 ee ee ie 
Demo sh a 1 EERU2O 
Krselsäure .'. ."Tmun.. . 2824 
Senmetebatzrius, VERS, .. Spur 
Enosphor. .2....ME DR... 0084 
Kluhverlustn Wu... Doel, ; 1:30 

Summe . . .. 99644 John. 


Rotheisenstein aus der Umgebung von Iglau, ein- 
gesendet von J. Goth in Wien: 


Procente Procente 
Eisenoxyd . . . 7070 entsprechend 4950 Eisen 
Eichleiter. 


Brauneisenstein aus der Umgebung von Kleinzell 
in Niederösterreich, eingesendet von H. Schedl in Kleinzell: 


Procente Procente 

Eisenoxyd. . . . . .,... ...62-30. entsprechend 43°62 Eisen 
ONE IE ana 020 
Eamateldstil. 0... „ISCH . 1372 
RN el 
SCH NE) ON AR REN 0 1013): 
Ne ee. 51.0138 
RR ee de |. >| 0 
Glühverlust (Wasser und Kohlen- 

Bene. ..  . .. 19:50 

Summe . . . 99'846 John. 


Eine zweite Probe von obiger Localität von demselben Ein- 
sender enthielt: 
Procente Procente 
Eisenoxyd . . . 51:20 entsprechend 35'855 Eisen 
John. 


500 C. v. John und C. F. Eichleiter, [20] 


Rotheisenstein von obiger Localität und demselben Einsender: 
Procente Procente 
Eisenoxyd . . . 63'30 entsprechend 44'32 Eisen 
John. 


Eisenglanz mit Quarz. Durchschnittsprobe von verschiedenen 
Vorkommen im Stubaithale in Tirol, eingesendet von der Handels- 
und Gewerbekammer in Innsbruck: 

Procente Procente 


Eisenoxyd . . . 4292 entsprechend 30'04 Eisen 
Ausser der quarzigen Gangart sind in dieser Durchschnittsprobe 
nur Spuren von Phosphor und Schwefel vorhanden. John. 


Rotheisenstein vonRudo in Kroatien, eingesendet von 
Dr. C. Faber ins Wien: 


Procente Procente 
Eisenoxyd . . .  96'10 entsprechend 67:28 Eisen 
Schwefel. . . . 0'354 
Ausserdem sind noch Spuren von Phosphor, Mangan und Kupfer 
vorhanden. John. 


Eine zweite Probe von obiger Localität und demselben Einsender 
enthielt: 


Procente Procente 
Eisenoxyd . . . ........89'20 entsprechend 62°44 Eisen 
Dhonerder 0, ae 046 
Kalk... re 0 
Magnesia’ ’ 2A Irene 20:05 
Schwefel " Hd7#& ‚u as edit 
Phosphor Vz: 177008 
Kieselsäure. 2, 0 ware 8:60 
Glühverlust.. . ’. am. 1:08 
Summe . . .. 9987 Eichleiter. 


Spatheisenstein von Rudo in Kroatien, eingesendet 
von Dr. C.M. Faber in Wien: 


Procente 
4315 Ei dul 
Kohlensaures Eisenoxydul . . . . ... 6952 | 26-37 ER 
0'94 Kalk 
Kohlensaurer Kalk 2 Fr FE 1:68 | 0:74 En ER 
\ 8:90 Magnesia 
Kohlensaure Magnesia . "mn 7 7863 9-79 Kohlensäure 
In Säure unlösliche Bestandtheille. . . 10:84 


Sımme . . 10073 Eichleiter. 


> 


4 


[21] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 501 


Limonit (Sumpferz) von Trebitsch in Mähren, einge- 
sendet von Dr. F. Dworsky. 


Proceute Procente 

Eisenoxyd . . . . 68:16 entsprechend 4771 Eisen 
Dass reen.e. 035 
Phosphorsäure . . . 37 R 1:62 Phosphor 
In Salzsäure unlösliche 

Bestandtheile. . . 920 
Glühverlust (Wasser) . 19:06 

Summe . . . 100.48 John. 


Brauneisenstein von Thal bei Graz, eingesendet von 
Dr. J. Pfaff in Wien: 


Procente . Procente 
Eisenoxyd . . . 2 .......6964 entsprechend 48:75 Eisen 
Thonerde m... 0.280 
Katar lrsh 054 
Mana N. Eu al 7039. /SBUur 
Kiesekänte. ’. ».. - «.. „71004 
Demeter 06 
Ehesphor) » . „u. ...7.047 
Glühverlust (Wasser) . . . 1490 
Summe .'.'. 9985 John. 


Eine zweite Probe desselben Erzvorkommens und demselben 


Einsender enthielt: 
Procente Procente 


Eisenoxyd . . . 4470 entsprechend 31'29 Eisen 
John. 


g) Manganerze. 


Braunsteine von Malaczka bei Bösing im Pressburger 
Comitat, Ungarn, eingesendet von L. Klima in Wien: 


Parso@czernetze 


Mangan- Entsprechendes 
hyperoxyd Mangan 

Neal .. ...-01 40 33:77 

Selen, 3625 25:01 John. 


Manganerz von Malaczka bei Bösing im Pressburger 
Comitat, Ungarn, eingesendet von L. Klima in Wien: 


Pıocente 
Kieselsäute  . . ..- 758 
Manganinoi 4770! 3124, 30:86 


Ehosjihore.. . . : «019 John. 


502 C. v. Jobn und C. F. Eichleiter. [22] 


Manganerz von Bösing, eingesendet von Frischauer& Co. 


in Wien: 


Procente Procente 


Manganoxyde (als MANSRUNTDER: 


oxyd berechnet) . 40:00 entsprechend 25°26 Mangan 


Eisenoxyd . 2180 e 1526 Eisen 
Kalk 4-64 

Magnesia 2.52 

Kieselsäure 13:94 

Phosphorsäure 134 S 058 Phosphor 
Wasser. 13:90 

Kohlensäure (Differenz) . 1:86 

Summe . 100:00 John. 


h) Chromerze. 


Chromeisensteinvon der Jelica-Planina beiÜCacak 
in Serbien, eingesendet von V. Estermann in Wien: 


Procente 
Chromoxyd 52-46 
Eisenoxydul 15:26 
Thonerde . 1401 
Kalk 0:98 
Magnesia 7:62 
Kieselsäure 10-1 > 

Summe . 10048 John. 


i) Schwefelerze. 


Schwefelkies- 


Ledenitz bei Forbes in Böhmen, 


in Wien: 


# 


Schwefel 


Schwefelkies vonParaüainBrasilien, 


Coneretionen aus dem feuerfesten Thon von 


eingesendet von J. Kreibich 


Procente 


5198 John. 


eingesendet von 


Sonnenschein & Landesmann in Prag: 


Schwefel . 
Eisen 


In Säure unloetee Bes 
Summe 


Procente 
51:97 
46:84 

0:52 
99 53 


Der Schwefelkies enthält ferner noch Spuren von Kupfer. 


John. 


[ 23] Arbeiten aus dem chemischen Laborato:ium der k. k. geol. R.-A. 503 


BR lomeähen von verschiedenen Fundorten 
und Einsendern: 


3 Procente 
Schwefel 

I Bam er 

IE. >... 8 20 95 

Eon Bosmene er . . . „SUMI. . . „UK 42-72 
LU are 274, 4230 

Vera 0 A540 

NS Po 2 1 Serra er r Y. 67. 
I a ET 

U A 

EUIRSRRERIY. 16145599 

EV an, 

Nena 0. ‚A038 

s mn en 2508 

Schmöllnitz, Ungam . . . . Es a Be 
| IXyjauny. "7, A720 

Rearapıda. .. Arab 

Riem... 44 

Na 2 5.55 4275 

RI Em N PAR 

DEE I 

ee 3 

Kazanest, Siebenbürgen | Im. sera, In A919 
TIER 7 92,9 7, 2550718 

1..Querung. : . auur4 33:98 

Bösing, Röschenstollen 2. = SIE 
Pressburger 4. = ae 1 RD 
Com., Ungarn | Augustinerstollen, Hauptlager . . . . 22:27 
“ zweites Kiesstreichen . 43:72 


John und Eichleiter. 


VII. Metalle und Legirungen. 


Gusseisen-Bohrspäne aus den fürsterzbischöflichen 
Hüttenwerken in Friedland bei Mistek in Mähren, ein- 


gesendet von der dortigen Werksdirection: 
Procente 


Nr 7 Nr. II 
Gesammtköhlnstofft . - . .. ......7 3254 3900 
Graph... : rer 3:382 
Chemisch gebundener Kohlenstoff SE 0518 
en NEE, 095 1103 
Silicium a 9 29-134 
Er eilsardeioa ua), -0:168 — 
Bee Beine Hahn u r0r072 — 

Eichleiter. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Bd., 3. Ilft. (v. Jobn u. Eichleiter.) 68 


504 C. v. John und C. F. Eichleiter. [24] 


Messing aus den Messingwerken inKramsach-Achenrain 
in Tirol, eingesendet von ©. Kulmiz dortselbst: 


Procente 


Nr. I Nr. I 
Kupfer -,: "= SIE Er EI. 84 39 
Zink. 2.5 2, ee, 285 
Blei. & 23 &: u DEI 7.2027 
Eisen re ee 005 
Summe ..+.., 9993 John. 


Kupfer, eingesendet von C. Kulmiz in Achenrain in Tirol: 


Procente 
Nickel a a ve 
BISEn. rn re RO 
ZI. NS EIS FO REED 
Schwetlekt. zer 1.27 RES 
Phosphor .. IB. 7 202 John. 


Zinkbohrspäne, eingesendet von der Direktion der fürst- 
erzbischöflichen Hüttenwerke in Friedland bei Mistek in 
Mähren: 

Procente 


Nr. I Nies 
Blei:t + "ae =... .. 8088 1'420 
Bisen 2%. Br ur}. 0133 
Arsen! 8.720. BEER) 2 ED 


John und Eichleiter. 


V11I. Kalke, Dolomite und Mergel. 


Kalkstein von Pustomyty bei Lemberg, eingesendet 
von H. Hellin in Wien: 
Procente 


Kohlensaurer Kalk. 2 2.2.2... 9821 Ei Ne 


’ 0:57 enesi 
Kohlensaure Masnesia. . . . .. 120) 0:63 nz 
Eisenoxyd und Thonerde. . .2 7020 
In Säuren unlösliche Bestandtheile . 022 
Summe . . . 99'835 Eichleiter. 


Kalkstein aus den Steinbrüchen von Erlach bei Pitten, 
Niederösterreich, eingesendet von der Verwaltung der Domäne 
„Reichenau“ in Niederösterreich: 


[25] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 505 


Procente 


[53'87 Kalk 
\42°33 Kohlensäure 
[ 1'44 Magnesia 


Kohlensaurer Kalk . : : 2 2 ..2..96-20 


Kohlensaure Magnesia. . . . . . 3:02 | 159» Kohlensäure 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 0:06 
In Säuren unlösliche Bestandtheile . 052 

Summe . . . 9980 John. 


Krystallinischer Kalk von Sadek bei Kojetitz in 
Mähren, eingesendet von der Gutsverwaltung Sadek: 


Procente 
Ay 
Kohlensäuter Ralk . -. : . 2 2.970 bi ae 
Kohlensaure Magnesia. . . . ... 0:82 | ne 
Bm . - = 2. ld 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . .. 0:25 
In Säuren unlösliche Bestandtheile . 0:25 
Summe ».2 2... 10045 John. 


Kalkstein aus der Umgebung von Prerau in Mähren, 
eingesendet von W. Zäk in Prerau: 


Procente 

4-5 
Koblensaurer Kalk . . . ... 2.9021 ı de 
Kohlensaure Magnesia . . . . . .» 1:53) a a 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 047 
Organische Substanz . . . 2... ...004 
In Salzsäure unlösliche Bestandtheile . 052 

Bumme ... ..99%7 John. 


Nummuliten-Kalkstein von Podrinsky Okrug bei 
Loznica in Serbien von N. Riga in Wien: 


Procente 

55:22 Kalk 
Koblensaurer Kalk . . . =: .. ...9860 113.38 entlöhdhtre 

0:14 Maenesi: 
Kohlensaure Magnesia. . » . . .- 030 0-16 ee 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 034 
In Säuren unlösliche Bestandtheile . 0-56 

Summe . . .9980 Eichleiter. 


68* 


506 . C. v. John und C. F. Eichleiter. [26] 


Kalkstein von Bruck an der Mur in Steiermark, 
eingesendet von Vincenz Till, dortselbst. 


Procente 
Kohlensaurer Kalk . . . .  . : 9890[93:55 Kohlensäure 
Kohlensaure Magnesia ı:brans. 029 | ae 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 0:08 
In Salzsäure unlösliche Bestandtheile 051 
Summe +12. .199:178 John. 


Dolomit aus dem Steinbruche Ried Goldberg bei Manners- 
dorf am Leithagebirge, Niederösterreich, eingesendet von A. Baxa 
in Wien: 


Procente 
KohlensanrertKkealkt.- / 2.2021: 9625 En ein 3 
19- ke R 1 
Kohlensaure Magnesia . „2 ENTSERTEND 191.7 Dan 
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 054 
In Säuren unlösliche Bestandtheile 3. 
Summer. : .. 100- 08 Eichleiter. 


Kalkstein aus den Vilser Schichten von Losenstein in 
Oberösterreich, eingesendet von H. Hilke in Wien: 


Procente 


Besen. er Rn n a. 


John. 


Kalkmergel von Waidhofen an der Ybbs, eingesendet 
von F. Leithe, dortselbst. 


Hangendmergel: Procente 
K 
Kohlensaurer Kalk?" m RN EEE 0 (59. es ne; | 
Kohlensaure Magnesia. . . . . . 1:60 | 4 er: 
Eisenoxyd EM ETT RETNN a 
Thonerdee ” auge Au SR 
In Salzsäure unlösliche Bestandtheile 26°66 
Wasser (Differbna) La real 


Summe . ......100.00 


[27] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 507 


Die oben angeführten, in Salzsäure unlöslichen Bestandtheile 
(26°66°/,) bestehen aus: 


Procente 

Kieselsante.:: +. ..31.:5 . 29.46 
Mhanesle - uycı nertamem)a') 302 
Eisenoxyd . . BET HIEN 23 
Alkalien kenn). ar 0:19 
Summe . . . 26:66 


Der Liegendmergel derselben Localität enthielt 
25'800), in Salzsäure unlösliche Bestandtheile. John. 


Kalkmergel von Mannersdorf am Leithagebirge, Nieder- 
österreich, eingesendet von der fürstlich Batthyäny-Stratmann’schen 
Centralkanzlei in Wien: 


Procente 

a 8:18 Kalk 
2 „[Kohlensaurer Kalk . 3 $ E 2 P 88: 18 130- -00 Kohlensäure 
= 2) Kohlensaure Macnesla 2-2 RA, 2:92 | u 
ler} 
es | Thonerde N ee eo ., e 
55 I ON. . 4:04 
=; ‚AKieselsäure ı .. . HET 0 

In Salzsäure köslithe Besbndihslie 22:15 

Eee ee iR 16 

SONNE | 40 ner, J0125 


| Die oben angeführten, in Salzsäure unlöslichen Bestandtheile 
(22:750/,) bestehen aus: 


Procente 

Kıeselsäaure- LY u. .0.. 168 
Shonerdew tn . ...:2°% . 429 
Eisenozydei.ll Zn »1.57#93) „050 
ET rd 
Alkalien Diaanzy ; Islas di89 
Summe‘... .. „22 


Eine praktische Brennprobe ergab ein günstiges Resultat in 
Bezug auf die Verwendbarkeit des Gesteines zur Cementfabrikation. 
John. 


IX. Thone. 


Thon von Ledenitz bei Forbes in Böhmen, eingesendet 
von J. Kreibich in Wien. Derselbe erwies sich im Sefström’schen 
Ofen geprüft als feuerfest. 


508 C v. John und C. F. Eichleiter. [28] 


X. Wässer. 


Wasser aus dem Hause Nr. 24 (Aufbereitungshaus) in Obritz- 
berg, gemeindeämtlich entnommen, eingesendet von der N. ©. Kolhlen- 
gewerkschaft in Schloss Wolfsberg, Niederösterreich. 

Die qualitative Untersuchung ergab: Viel Schwefelsäure, Kalk, 
Magnesia und Kohlensäure, etwas Chlor, Eisenoxydul, Aluminiumoxyd 
und Alkalien. 

Quantitativ wurde bestimmt: 


Milligramme 
im Liter 
Kalk: en Se 
Magnesian = m +. 2. 
Schwefelsäure... 1.2.2... 159 
Trockenrücksiand. .ı-...: „..io0- 
Daraus berechnet: 
Milligramme 
im Liter 
Schwefelsaurer Kalk. . . . 270 
Kohlensaurer Kalk . . . . 223 
Kohlensaure Magnesia . . . 147 
Summe . . . 640 
Das Wasser ist somit als ein sogenanntes „Gypswasser“ zu be- 
zeichnen. John. 


Wasser von Strebomilitz bei Sokolnie in Mähren, 
eingesendet von Bruno Lauterbach in Strebomilitz. 

Das Wasser enthält sehr viel Schwefelsäure, viel Kalk und 
Magnesia, ferner etwas Kohlensäure und Chlor. Der Trockenrückstand 
beträgt 7176 Milligramm im Liter. Das vorliegende Wasser ist also 
ein Bitterwasser, welches stark mit Gyps verunreinigt ist. John. 


XI. Gesteine und Mineralien. 


Bronzitfels von St. Lorenzen bei Knittelfeld in 
Steiermark, eingesendet von A. Beck & Co. in Wien: 


Procente 
Kieselsäure ”. . 0%. 2250 
Eisenoxydal' " 711 PVP 7-74 
Rulke em We 1:08 
Magnesia °. . .2. wasazt 
Glühverlust, ep ta" 182 
Sunme, 7 .1,.99:98 


Ausserdem sind in dem Gesteine vorhanden Spuren von Aluminium, 
Mangan und Nickel. John. 


[29] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium. der k. k. geol. R.-A. 509 


X1I. Erdöle. 


Rohpetroleumproben von Strzelbica auf der gräflich 
Wodzicki’schen Herrschaft Spas bei Staremiasto in Galizien, ein- 
gesendet von der Verwaltung der genannten Herrschaft. Das Rohöl 
hatte ein specifisches Gewicht von 0'841 und gab bei der fraetionirten 
Destillation folgende Bestandtheile: 


Nr: (l: 
Procente ne 
Benzme HF WO! CE . -.-: 2.2... :..1502 0:732 
Leichte Oele von 100—150°0C . . . 1472 0790 
Leuchtöle von 150—2000C . . . ...1027 0.839 
h 2 25 2,5. :. 10:86 0850 
$ A SWILCH rer 0'862 
Schwere Oele über 3000C . . . .....28:02 0.871 
Cosksriekstand.. 2: =»... 2... .%06 
Gase undererlust van nen. A95 
Summe . . . 10000 


Die Destillate von 150—300° C, die sogenannten Leucht- oder 
Brennöle, betrugen 30 25°/,. Die schweren Oele über 300° © waren 
sehr paraffinreich. John. 


Nr. II Rohöl vom specifischen Gewichte 0'850. 


Procente urn Er 

Bezme ba; MIET nr, 0.742 

Leichte Oele von 100—1500C . . . 1245 0.778 

Leuchtöle von 150—2000C .. . .. 718 0850 

200 lysan 0 97588 0854 

n 30-3000, : 2 . . -16 0.862 

Schwere Oele über 3000C. . . . .. 4310 0'870 
POoRsruekidd.. .- ..:., u... 196 
Baserundserlust-. 11%. 13 Mine. (ae 0.48 
Summe . ... 200 00 


Die Destillate von 150—300°, die sogenannten Leucht- oder 

s Brennöle, betrugen 21:03°]),. 

| Die Fractionen von 250° aufwärts (51'06°/,) ergaben bei —20° C 
10 20%, Paraffin, was, auf das Rohöl selbst bezogen, 5'21°/, Paraffın 

j ausmacht. John. 


BE de 


510 °C. v. John und C. F. Eichleiter. ' [30] 
Nr. III. Rohöl vom speecifischen Gewichte 0'855. 
Procente Pe 
Benzine bis 1000C . PrPRFE EBD 0739 
Leichte Oele von 100 — 1500 G ! et 0.764 
Leuchtöle von 150-2008... 2.24%? 29195: 0804 
5 „200-2500. MEN HET BD 0 830° 
250 IE el 0'842 
Schwere Oele von 300—-350°C . . . 1280 0'848 
.„ über 350%C.. . .. : MiS0:6b 0883 
Coaksrückstand . FR: a 767 
Wasser. . . Mr ar ur Zr 
Gase und Verlust her. ar vo 
SHMME; eu + . 100:00 Eichleiter. 


Rohpetroleumproben von Strzelbica auf der gräflich 
Wodzicki’schen Herrschaft Spas bei Staremiasto in Galizien, ein- 


gesendet von der Kraluper Mineralöl-Raffinerie, 


Lederer & Co. 


in Prag. 
Nr. I. Rohöl vom specifischen Gewichte 0860. 
Procente ee, 
Benzine bis 100° C 2 1:46 0:742 
Leichte Oele von 100 — 1500 C Ste 0769 
Leuchtöle, von 150-2008 .» sr: re nr 9:62 0823 
e „OT 0 1 0.840 
„ 250-308 ER, 1s-:. 25 K1051 0:866 
Schwere Oele von 300—3500C .. . . 1000 0 881 
n > DER SSDUS N. 2... 2228 0871 
Coaksrückstand . Ben. CO 
Wasser . ee 
Gase und Verlust Sn 08 EN So nen + Sopran 
Summe . . .. 10000 Eichleiter. 
Nr. II. Rohöl vom specifischen Gewichte 0'860. 
 ente Speeifisches 
Gewicht 
Benzine bis 1000C . Ir, EEZ 0'751 
Leichte Oele von 100 1500 6 a NER 0.804 
Leuchtöle von 1502000967 1.7.7, ru 6L 0.835 
x MINE 1.275 RE 0 846 
20300 ir IE 0'848 
Schwere Oele; von 3003500... 7 ae372001 0'859 
„über 390€, 4 082 | 
Coaksruckst nd 9-03 
Wasser. 2 40 
Gase und Verlust. 2 48 


Summe . . .1WUOV  KEichleiter. 


en 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Bd., 3. 


Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 51ll 


Nr. HI. Rohöl vom specifischen Gewichte 0 858. 


i Procente 
Benzine bis 100°C . _. 2. ADS 
Leichte Oele von 1001500 C u A]. 
Leuchtöle von 150—200°C . . . ..1194 
! 200 -250°C 2) WEHR 
50 3000. v,Hire. nad 

Schwere Delervyon 300-—-350%C . .- . 11:34 
B# EINER: 390%G-,: Ye 1N23-76 
Coaksrückstand . Me ie ur 
Wasser. „.: BESSERE. 4 5 en 
Gase und Verlust ee FE 
Summe. ". .". 1:x100-00 


Specifisches 
Gewicht 


0762 
0818 
0847 
0850 
0853 
0850 
0908 


Eichleiter. 


Nr. IV. Rohöl vom specifischen Gewichte 0'860. 


Procente 

BSREINEMNSONNG. Kama Ei.) -uozgure in 16) 96 
Leichte Oele von 100-150°0C . . . 1083 
Leuchtöle von 150—2000C , . ... 1828 
E NINE . . . »..78 

y 2303005. ren 37 
Schwere Deles über 3S00%C . .".". %, "3980 
Goskeruckstand - =. . Kara ce. © 
Wasser,” . EN RB, MYAIERIIZZO 
Gase und Were RAR RRTER DTEUENEN 47] 
Summe”. ... :) 1:00:00 


Speeifisches 
Gewicht 


0.745 
0.777 
0'826 
0'845 
0866 
0877 


Eichleiter. 


Nr. V. Rohöl vom specifischen Gewichte 0'858. 


Procente 
Benzine bis 1000C °. . . A IV ORBNT 
Leichte Oele von 100—150° ) ee 
Benehtöle X0n°150 -2000€ .'.:.°.+1230 
. 2200 250.0 +... 2.*1922 
n 03000 Bil... 11:23 
Schwere Oele über 30000 . . . . . 2274 
Soskstückstand : . 2 . 2 „ern. 676 
Wasser. | ., Kane su 1102270 
Gase und lust EL ER re 
Summe . . . 100.00 


Speecifisches 
Gewicht 


0.758 
0.809 
0'833 
0854 
0'873 
0.884 


Eichleiter. 


Hft. (v. John u. Eichleiter.) 69 


512 C. v. John und C. F. Eichleiter. [32] 


Nr. VI. Rohöl vom specifischen Gewichte 0'859. 


Procente 

Benzine bis 18V BT 4 A me BE 0.759 
Leichte Oele von 100—150°0C . . ...3'85 0:808 
Leuchtöle von 150—200°0C . . .....1661 0'839 

x . 2 D nur: un A169 0 857 

f AO 110055 ae 0'872 
Schwere Oele über 500°C. . a: 1 5 | 0 858 
Goaksrückstand. -; -." Erz... 0 2a 
Wasser. 4.9 0 An nn 
Gase amdtVerlust 2. Mer 2.2 VE 

Summe . . . 100:00° a 


Die vorliegende Rohölprobe wurde laut beigebrachter notarieller 
Beglaubigung aus einem mit unversehrten, bahnämtlichen Plomben 
vorgefundenen Petroleumwaggon (Cisterne), welcher von der Güter- 
direction Spas an die obgenannte Mineralöl-Raffınerie abgesendet 
worden war, entnommen und traf mit unverletzten Siegeln des be- 
treffenden Notariats zur Untersuchung ein. Eichleiter. 


Rohpetroleum von Strzelbica auf der Herrschaft Spas 
in Galizien, eingesendet von Löwy & Winterberg in Prag: 


Rohöl vom speecifischen Gewichte 0'860. 


Procente ee 
Benzine DIE IBDNG .. ann 1278 0750 
Leichte Oele von 100-1500C . . . 1154 0793 
Leuchtöle von 150—200°0C . . . ...1108 0'827 
a 200 2809.0 27. 2... 212806 0'349 
5 20 ZINTBEE in 0 _ 
Schwere Oele über 300%.C. . . ... 30:50 0867 
Ooaksrückstand: . .. ,: „2 8 Ins BEBEE 22 
Wasser. uud. 0000202 .2) VOOEE EN BEE 
Gase: und Verlust - + en He ae 
Summe . . ..100:00 
Eichleiter. 


XIll. Diverse Materialien. 


Asche der Briquetts aus der Kohle von Kreka in 
Bosnien, eingesendet vom bosnisch-hercegovinischen Montanbureau 
in Wien: 


[33] Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der k. k. geol. R.-A. 513 


Procente 

RE Kieselsäure . . . . 3650 
Ihenerdee . . .ı . 14 
Eiseuoxyd . . . #..122:60 
Maneanoxyd „. .; . Ir &86 
Dame. 03. 01202084 
Magnesia . . . 2... 404 
Bean 
SE (7; 
Schwefelsäure . . . 141 
Phosphorsäure . . . 618 

Summe Manur 10054 - Eichleiter. 


Holzkohle aus Bosnien, Mischung von Holzkohlen von 
Busovac und KruScica, eingesendet vom bosnisch-hercegovinischen 
Montanbureau in Wien: 


Procente 
Konlenstolt. . te N. 85:06 
ser end 
Sauerstofl 1 Stickstoff - . . .:0u.,.10"45 
Massen eure. neue‘ 
Vo EEE 
Summe . . . 100.00 

Calorien aus der Analyse berechnet. . 7393 

Wärmeeinheiten nach Berthier . . . 6141 

Eichleiter. 


Steinkohlentheerpechproben ausder Theerproducten- 
fabrik in Angern, Niederösterreich, eingesendet von der 
k. k. priv. Donaudampfschiffahrts-Gesellschaft in Wien: 


Procente Procente 

Nr. I Nr: IT 

Biumen 2. 2 ...2...» 4820 62:10 
BO a BL’8O 37:90 
Bee. 1480 0:30 


Grade Celsius Grade Celsius 


Schmelzpunkt. . . . . 820 68:5 
Flüssigkeitspunkt . . . 880 74:0 
Eichleiter. 


69* 


514 


C. v. John und C. F. Eichleiter. [34] 


Asche derKohle vonRasinja in Kroatien, eingesendet 


von der Direction der nordkroatischen Kohlengewerkschaft in Wien: 


Procente 
Kieselsäure 1681 
Thonerde . 9-15 
Eisenoxyd . . , 32:28 
Kalk. 18:96 
Magnesia 384 
Kali. 1:08 
Natron . 43 
Schwefel 10:31 
Phosphor 629 

Summe 8. 99857 Bichleiter 


Asche der Kohle von Kakanj-Doboj (Durchschnittsprobe 
aller Stollen), eingesendet vom Gemeinsamen Ministerium in Angelegen- 
heiten Bosniens und der Hercegovina: 


Procente 

Kieselsäure 33'36 
Thonerde . 1814 
Eisenoxyd . 23:00 
Kalk 11:60 
Magnesia 1-78 
Kohlensäure . 6:09 
Schwefel 4-56 
Phosphor "7 Aa. 0-08 
Alkalien (Differenz) om  AledA 
Summe RO 

Eichleiter. 


Gesellschafts-Buchdruckerei Brüder Hollinek, Wien III., Erdbergstraße 3. 


Beitr 


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Tafel XV). 


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Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1903, 53. Band, 3. Heft. 


70 


zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nyran. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


oO 


Fig. 


Die 


Die 


Erklärung zu Tafel XV [I]. 


Pecopteris (Ptychocarpus) unita Brongn. 
Alethopteris (Asterotheca) sub-Davreuxii Sterzel sp, 
Neuropteris Planchardü (Zeiller) Brongn, 

cf. Aphlebia filiciformis (v. Gutb.) Sterzel, 

ba. cf. Alloiopteris dentata (Sterzel) Pot. 
Alloiopteris flabelliformis (Sterzel) Pot. 

Aphlebia Grossouwvrei Zeil, 


nonpov- 


Figuren sind natürlicher Grösse, nur Fig. 5a zeigt die Vergrösserung einer 
Fieder letzter Ordnung, 


Originale sind bis auf jenes zu Fig. 3, das im Pilsner Museum liegt, und dann 


jenes zu Fig. 6, das im Museum regni Bohemiae in Prag aufbewahrt wird, in der 


Carbonsammlung der k, k. Bergakademie in Pfibram. 


Tafel XV I. 


Phot. v. Prof. A Hofmann. Kunstanstalt Max Jaffe, Wien. 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIll, 1903. 


Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoflskygasse 23. 


Tafel XVi (II). 


Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nyran. 


70* 


Erklärung zu Tafel XVI [II]. 


Fig. 1. Calamites (Stylocalamites) Cistii Brongn. 

Fig. 2. Neuropteris obliqua Brongn. 

Fig. Calamites (Calamophyllites Grand’ Eury 1869, Calamitina Weiss 1876) cf. 

varians semicircularis Weiss sp. 

Fig. 4. Schützia anomala Geinitz, 

Fig. 5. Noeggerathia odontopteroides (Ryba) Sternb. 

Fig. 6. Aphlebia acanthoides Zeiller. 
7 
9 


5 


Fig. 7 und &. „tdiantites Heinrichi (Ryba) Goepp. zum Theil. 
Fig. Pecopteris (Crossotheca?) pinnatifida (Gutbier) Schimper ex parte et emena. 
Fig. 19. Annularia radiata (Brongn.) Sternb. = Annularia ramosa Weiss. 


Die Figuren sind natürlicher Grösse. 


Die Originale zu Fig. 1, 3, 5, 6 und 10 sind aus der Carbonsammlung der k., k. 
Bergakademie in Pfibram, diejenigen zu Fig. 2, 7, 8 und 9 liegen im Museum 
regni Bohemiae in Prag, Original zu Fig. 4 im Pilsner Museum. 


Dr. F. Ryba: Cannelkohlenflötz bei Nyran. Tafel XVI [II). 


Phot. v. Prof. A. Hofmann Kunstanstalt Max fafle, Wien. 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIII, 1903. 


Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 29. 


Tafel XVII (ID. 


Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei Nyran. 


Erklärung zu Tafel XVII [III]. 


Fig. 1 und 2. Anthracochondrus nyFanensis Kusta. 

Fig. 3. cf. Gomphostrobus bifidus (E. Geinitz) Zeiller et Pot. 

Fig. 4. Haliserites Purkyn&i Ryba sp. 

Fig. 5 und 6. Annularia stellata (Schloth.) Wood. 

Fig. 7. Calamites (Eucalamites) ramosus Artis. 

Fig. 8. Calamites (Stylocalamites) Cistii Brongn. 

Fig. 9 und 102 Annularia vadiata (Brongn.) Sternb. — Annularia ramosa.WVeiss. 


Die Figuren sind natürlicher Grösse. 


Die Originale zu Fig. 1, 7, 8, 9 und 10 liegen in der Carbonsammlung der k. k. 
Bergakademie in Pfibram, diejenigen zu Fig. 2, 3, 4, 5 und 6 im Pilsner Museum. 


Cannelkohlenflötz bei Nyran. Tafel XVII [IT 


Kunstanstalt Max Jafle, Wien, 


Phot. v. Prof. A. Hofıinann., 


Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt Bd. LIII, 1903. 


Verlag der k. k. geologischen Reichsanstalt, Wien, III., Rasumoffskygasse 23. 


Th. Ohnesorge: Der Schwazer Augengneiss. 


Geologische Karte des Kellerjoch-Gebietes bei Schr 


Maßstab: 1:100.000. 


94 


Be | 
all) 
5 £ 


2 
28 


Jahrbuch der k. k. geol 


Verlag der k. k. geologischen 


Ärung: 
jeit- 


unt. Trias. 
ler in Han- 
olomits sind 


‚Manstalt, Band LIll, 1903. 


Tafel XVII. 


Schematische Darstellung 


der Entwicklung der heutigen tektonischen Verhältnisse 
der Kellerjoch-Gneissinsel. 


el 


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EIGEN 


Mehreräh. 


S 
nn Ihal 


Se EEE 
mn 


u — 059 »0°% 
seele 20093% 


Granit, Serieit- Phyllit. Sogenannte Schwazer Trias. 
resp. Gneiss. schieferzone. Wildschönauer Dolomit. 
Schiefer. 


„Wien, III, Rasumotskygasse 23. 


Tafel XIX. 


Die Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung der bei 
der ärarischen Tiefbohrung zu Wels durchteuften Schichten. 


Fig. 
Fig. 


Fig. 
Fig. 


Fig. 


Kig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 


„ 


u N 


9. 


Erklärung zu Tafel XIX. 


Cyclammina gracilis Grzyb. a) von der Seite, b) von vorn. 

Oyclammina gracilis Grzyb. Im Glycerin aufgehellt, um den labyrinthischen 
Kammerbau zu zeigen. 

Cyclammina gracilis Grzyb. var. 

Cristellaria Josephina Orb. var. umbonata nov. a) Von der Seite 
b) von vorn. 

Bulimina affinis Orb. var. tenuwissimestriata nov. 

Bulimina elegans Orb, var. gibba nov, 

Bulimina »otula nov, spec. 

Sagrina dimorpha J. und P. var. ornata nov. 

Bigenerina robusta Brady. 


Fig. 10—12. Bathysiphon taurinensis Sacco. Fig, 12 in Glycerin aufgehellt. 


Fig. 13. 


Bathysiphon ARliformis M. Sars. 


R.J. Schubert: Welser Tiefbohrung. TatkıX. 


Lith Anst v Th Baunwarth,Wien 


Reichsanstalt.Band LII,1903. 
altWien Ill. Rasumoffskygasse £ . 


ASwoboda nd. Nat gez.u lıth 


Jahrbuch der k.k.Geologischen 
Verlaß,der kk Geologischen Reichsanst 


> 
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G. Geyer: Umgebung von Hollenstein. 


Er IT 
I. 25 SE 


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\Verfener Schichten Reiflinger Wetterstein- Lunzer Sandstein und m 
mit Gyps. Kalk. Kalk. Reingrabener Schiefer. \ 
NW 
+ttttttrt+r+t 
tttttttrtrt+t+ + 
Hrttttttrtrtrt 
Opponitzer Haupt- Rhätkalk. Kössener 
Kalk. dolomit. Mergel. 


Lias und Jura. Neocom. Gosau- Glaeialschotter 
kreide. und Moräne. 


Jahrbuch der k. k. Get 
Verlag der k. k. Geologischen 


Sulzbach. 


DI 


NUN 


| 1 -  Grundels- 


berg. 


ZILLL 
— 

I 

Ge Eee 
—e 


;. Profil durch den Stock der Voralpe nach den Aufnahmen von 6. Geyer. 


Tal. IX: 


Ybbsthal 


Schauerreith. unter Lunz. Grosskopf. 


Scehwölleck. 
Eisenwies, 


ım 
m j 
1 


. ii | un | | 


Gamsstein. 


su 


Zeichen-Erklärung: 


F We. — Werfener Schichten. 
 _MK. — Gutensteiner und Reif- 
14 linger Kalk. 
Wer. K. —= Wettersteinkalk. 
LS. — Lunzer Sandstein und 
Reingrabener Schiefer. 
OR. —= Opponitzer Kalk. 


Öhnstalt, Band LIIT, 1903. 
‚ien, III., Rasumofskygasse 23. 


HD — Hauptdolomit. 

RK. — Rhätische Kalke. 

KÖ. — Kössener Mergel. 
J. = Lias und Jura. 
Ne. — Neocom. 

60. — Gosaukreide. 


nn nn ns Ve nn nn nn Ru mm nn 


Inhalt. 


3. Heft. 


Beitrag zur Kenntnis des Cannelkohlenflötzes bei IRgkin. Yon Doc. Dr. En ES . 
BER 


F..Ryba. Mit 3 Lichtdrucktafeln (Nr. XV [I XVII [II]... 

Der Schwazer Augengneiss. Von. Th. Ohnesorge. (Aus dem ee 
petrogr,; Institut: der. Universität Innsbruck.) Mit einer Tafel 
(Nr. XVII) (und 3 Zinkotypien im Text u... 7. 2. 

Die Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung der bei der ärarischen 
Tiefbohrung zu Wels durchteuften ‘Schichten. Von.Dr, Richard 
Joh. Schubert. Mit einer lithögraphirten Tafel Nr. Xi 

Aus der Umgebung von Hollenstein in Niederösterreich. an G. Ge ver. 
Mit einer. Tafel {Nr AX] 7. ER er 

Brachiopoden aus .den Pächycardientuffen der Seiser Alpe. Vor Dr. Lukas 
Waagen. Mit 6 Zinkotypien im Te TER VSPRa 

Der Klinocompass. Von J. Blaas, Innsbruck. Mit 3 Zinkotypien im Text 

Die Mineralquellen der-Gegend ‘von Nachod und Cudowa. Von Dr. W, 


Petrascheck. (Vortrag, gehalten in der ai vom 29. März 


1904.) Mit 4 Zinkotypien im Text. ..;., ; 
Lias: bei Vareö in Bosnien.. Von Dr. Heinrich. Beck. Mit 4 Werden 
Arbeiten aus dem chemischen Laboratorium der ’k. k. geologischen Reichs- 


anstalt, ausgeführt in’den Jahren 1901-1903 von ©. v. John und : 


BP Bichleht er. Re RE 


ee — 


NB. Die Autoren: allein sind für den Inhalt und die Form ' 


ihrer: Aufsätze verantwortlich. 


_Gesellschafts-Bnchdruekerei Brüder Hollinek, Wien, IIE., PETE AN? B. 


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443 6 
453 


459 
473 


481 


zyauksucn 


DER 


- KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 


" JAHRGANG 1905. LIIL. BAND. 


4. Heft. 


Wien, 1904. 
OR Verlag der.k..k, geologischen Reichsanstalt, 


m. 
E ‚In, Kommission ber R. Lechner (Wilh. Müller), k.. u, k. Hofbuchhandlung, 


rn 


a < T,,. @raben st. 


eigen 
wege 


ERS 


Geologie der Umgebung von Sarajevo. 
Von Ernst Kittl. 


Mit einer geologischen Karte in Farbendruck, 3 lithographierten Tafeln 
(Nr. XXI [TJ—XXIIl [IlI]) und 47 Zinkotypien im Text. 


I. Einleitung. 


Schon Ami Bou& hatte auf seinen Reisen durch die europäische 
Türkei in den Jahren 1836—1838 auch die Umgebung von Sarajevo 
besucht und die dortigen Kalke als Kreidebildungen angesprochen; 
nachher!) erkannte er aber, daß es Triasbildungen seieu, welche dort 
vorherrschen. ® 

Bald nach der Okkupation Bosniens durch Österreich - Ungarn 
erfolgte im Jahre 1879 die geologische Ubersicentsaufnahme 
des Landes durch österreichische Geologen ?), welche nicht nur Bou6s 
Anschauungen bestätigte, sondern auch zu weiteren geologischen Unter- 
suchungen Anregung gab. Schon Fr. Herbich berichtete?) über 
Ammonitenfunde, die er in der Nähe von Pale und an anderen Orten 
gemacht hatte; von der erstgenannten Fundstelle darf man vermuten, 
daß sie die seither so berühmt gewordene Lokalität beiHan Bulog 
gewesen sei. Herbichs dort gemachte Funde scheinen jedoch 
damals keiner wissenschaftlichen Untersuchung zugeführt worden zu 
sein *). Jedenfalls war es erst der damalige Ingenieur J. Kellner, 
welcher diese wichtige Lokalität für die Wissenschaft wieder entdeckte 
und reichliche dort gemachte Aufsammlungen an F. v. Hauer (zu 
jener Zeit Direktor der k. k. geologischen Reichsanstalt) einsandte, 
der darüber mehrere Veröffentlichungen machte und dann aus Anlab 
dieser Funde auch selbst eine Reise nach Bosnien unternahm. 

Im Jahre 1892 wurde ich von Hofrat F. v. Hauer, der damals 
als Intendant des k. k. naturhistorischen Hofmuseums wirkte, das 
erstemal nach Bosnien entsendet, um jene durch Fr. Herbich 
entdeckten und durch J. Kellner (heute Oberbaurat und Dr. techn.) 


1) A. Bou6, Min.-geogn. Details über die Reiserouten etc. Sitzungsb. d. 
Wiener Akad. d. Wissensch., LVI. Bd., pag. 203 f. 

2) E. v. Mojsisovics, E. Tietze, A. Bittner etc. „Grundlinien“ der 
Geologie von Bosnien—Hercegovina. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XXX. Bd., 1880. 

3) Neues Jahrb. für Min. etc. 1880, pag. 94. 

4) Herr Bezirksvorsteher Baron Mollinary zeigte mir später Fossilien von 
Han Bulog, die er mit F. Herbich dort gesammelt hatte. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 71 


516 Ernst Kittl. [2] 


ausgebeuteten und weiter verfolgten fossilreichen Muschelkalkvor- 
kommnisse nächst Sarajevo !), deren Kellner immer mehr ausfindig 
machte, in ihrer Lagerung und Verbreitung genauer zu studieren sowie 
ihr Verhältnis zu einer ebenfalls von J. Kellner entdeckten Lokalität 
mit Fossilien der karnischen Stufe am Dragulac zu ermitteln. 

Unter der liebenswürdigen Führung J. Kellners besichtigte 
ich damals zunächst die einzelnen durch denselben bis dahin sorgsam 
ermittelten Fundstellen und suchte sodann durch weitergreifende 
Exkursionen die Verbreitung der roten Ptychitenkalke festzustellen, 
woran sich weitere Beobachtungen über die allgemeinen geologischen 
Verhältnisse schlossen. Schon damals begann ich mit Hilfe der ge- 
wonnenen Erkenntnisse die Umgebung von Bulog zu kartieren. Im 
Jahre 1893 (Juni und Juli) setzte ich meine Studien in der Umgebung 
von Sarajevo fort und kartierte den größeren Teil des Generalstabs- 
kartenblattes Sarajevo abermals auf Kosten des Reisefonds des 
k. k. naturhistorischen Hofmuseums. Im Jahre 1895 besuchte ich Nord- 
dalmatien und die Gegend von Grahovo, hauptsächlich um die dortige 
Entwicklung der Trias kennen zu lernen. 

Im folgenden Jahre (1896) bereiste ich in Gesellschaft des 
Professors J. Mali& aus Sinj, der zu diesem Zwecke eine Subvention 
von der Gesellschaft zur Förderung der naturhistorischen Erforschung 
des Orients erhalten hatte, abermals die Gegend bei Grahovo, ferner 
Zentralbosnien, insbesondere das Terrain zwischen Cevljanovic und 
Sarajevo sowie die Bjelasnica. 

Meine im Jahre 1898 mit einer Subvention der kais. Akademie 
der Wissenschaften ausgeführte geologische Bereisung des westlichen 
Bosnien von Novi bis Jablanica galt außer einer allgemeinen geo- 
logischen Orientierung besonders dem Studium der Triasbildungen; 
die Resultate dieser Bereisung habe ich in einem vorläufigen Berichte 
an die Wiener Akademie der Wissenschaften ?2) kurz zusammengefaßt 
und werden ausführlichere Darlegungen darüber später folgen. Für 
die Zwecke der vorliegenden Arbeit dienten die Erfahrungen des 
Jahres 1898 nur als Vergleichungsmaterial. 

Im Jahre 1899 endlich führten mich zwei Reisen nach Bosnien 
behufs Ergänzung der Kartierung desGeneralstabs-KartenblattesSarajevo, 
und zwar eine im Juni in das östliche Kartengebiet (Gegend von Praca 
und Sokolac bis Knezina), eine zweite im September in den nördlichen Teil 
des Gebietes und in die weitere Umgebung von Cevljanovid, welches 
Anschlußgebiet genauer begangen wurde. Diese Arbeiten ergänzender 
Natur wurden mit Unterstützung der bosnischen Landesregierung 
ausgeführt, wogegen ich mich bereit erklärt hatte, die Resultate der 
ersteren behufs Publikation zur Verfügung zu stellen. 

Hierdurch waren meine Arbeiten in der Umgebung von Sarajevo 
zu einem gewissen Abschlusse gelangt und die durch diese mehr- 
jährigen Aufnahmen gewonnene geologische Karte der Umgebung von 


‘) Diese Aufsammlungen J. Kellners lieferten F. v. Hauer die Materialien 
zu seinen wertvollen paläontologischen Arbeiten über die Cephalopodenfauna der 
Muschelkalke von Han Bulog und Haliluei. Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss. 
LIV. Bd. (1887), LIX. Bd. (1892), LXIII. Bd. (1896). 

?) Anzeiger der kais, Akad. d. Wiss. Wien 1879, pag. 14. 


[3] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Einleitung. 517 


Sarajevo hatte ich fertiggestellt, um sie dem in Aussicht genommenen 
geologischen Kartenwerke einzuverleiben, welches die bosnische 
Regierung geplant hatte ). Nachdem jedoch die Herausgabe desselben 
auf unbestimmte Zeit verschoben wurde und die k. k. geologische 
Reichsanstalt bereit war, die baldige Publikation der von mir aus- 
gearbeiteten Karte zu übernehmen, so war es wohl selbstverständlich, 
daß ich die auf diese Weise ermöglichte Veröffentlichung meiner 
Arbeiten der zuletzt beabsichtigten Einverleibung derselben in irgend- 
ein Archiv der bosnischen Landesregierung vorzog, ja vorziehen 
mußte, da diese Arbeit zum größten Teil auf Kosten des k. k. natur- 
historischen Hofmuseums ausgeführt wurde und der Allgemeinheit nicht 
vorenthalten werden konnte. 

Entsprechend dem von dem verewigten Hofrate F. v. Hauer 
erhaltenen Auftrage hatte ich nicht nur anfänglich auf die Unter- 
suchung der Triaskalke das Hauptgewicht gelegt, sondern es auch 
später zumeist so gehalten. Diesem Umstande ist es wohl zuzu- 
schreiben, daß ich nicht auch aus anderen Formationen zahlreichere 
Fossilfunde anzuführen in der Lage bin. Es muß glücklichen Zufällen 
und künftigem Forschungsdrange überlassen bleiben, die bisherigen 
Erkenntnisse über die geologische Beschaffenheit der Umgebung von 
Sarajevo zu erweitern und zu vertiefen. 

Weitaus das größte Verdienst an dem Zustandekommen dieser 
Arbeit hatte -—— wie aus den vorhergehenden Darlegungen zu ersehen — 
Franz Ritter von Hauer, der einstige Direktor der k. k. geologischen 
Reichsanstalt und nachherige Intendant des k. k. naturhistorischen 
Hofmuseums. Er war es, welcher diese Studien eingeleitet und nachher 
in wohlwollendster Weise gefördert hat, als deren Umfang die 
ursprünglichen engeren Grenzen überschritt. Seinem Andenken möchte 
ich daher diese Arbeit widmen. Es wird dementsprechend der Separat- 
ausgabe dieser Arbeit ein diesbezügliches Widmungsblatt beigegeben 
werden. 

Alle anderen Personen hier anzuführen, welchen ein Dank 
für ihre Bemühungen um die Ziele dieser Arbeit gebührt, muß ich 
mir wohl versagen und nenne ich hier nur die Namen derjenigen, 
welchen ich ganz besonderen Dank schulde, wobei ich eine chrono- 
logische Aufeinanderfolge einhalten will: Direktor Prof. Th. Fuchs 
in Wien, Se. Exzellenz Ziviladlatus Hugo Freih. v. Kutschera, Ober- 
baurat Dr. J. Kellner, Sektionschef F. Stix, Sektionschef Fritz 
Passini, Berghauptmann W. Radimsky, Kustos Otmar Reiser in 
Sarajevo, Oberbergrat Fr. Poech in Wien, Berghauptmann J.Grimmer 
und Oberbergkommissär Sch warz in Sarajevo, Bergrat Dr. F. Teller 
in Wien. 

Von denjenigen Behörden, welchen eine Förderung der vor- 
liegenden Arbeit zu verdanken ist, habe ich zu nennen insbesondere: die 
Intendanz des k.k. naturhistorischen Hofmuseums, das 
k. u. k. gemeinsame Finanzministerium, die bosnische 
Landesregierung unddieDirektionderk.k.geologischen 


1) Ein zu diesem Zwecke ausgearbeitetes Farbenschema wurde mir zur 


Begutachtung übersendet. 
71* 


518 Ernst Kittl. . [4] 


Reichsanstalt. Wie jeder andere Forschungsreisende hatte auch 
ich mich des größten Entgegenkommens und der ausgiebigsten Unter- 
stützung von seiten der bosnischen Landesregierung und aller 
ihrer Organe zu erfreuen. 

Die reichliche Ausstattung der vorliegenden Arbeit mit Karten, 
Tafeln und Textabbildungen verdanke ich der Direktion der k. k. 
geologischen Reichsanstalt. 


Die sämtlichen beigegebenen Profile sind alle ohne Überhöhung 
eigens construiert, wodurch sie zwar an Charakteristik verlieren, aber 
an Richtigkeit gewinnen. 

In der Karte sind die Grenzen zwischen unteren und oberen 
Triaskalken keine in der Natur zu beobachtenden Linien, sondern 
nur schematisch eingezeichnet; die übrigen Grenzen beruhen aber fast 
durchwegs auf wirklichen Beobachtungen. Das Begehungsnetz ist 
überall mit Ausnahme der ausgedehnten Kalkplateaus ein sehr eng- 
maschiges. | N 

Indem ich hiermit die Resultate meiner Studien der Offent- 
lichkeit übergebe, bin ich mir wohlbewußt, daß vielfache auf neue 
Beobachtungen gegründete Verbesserungen daran zü erwarten sind. 
Gleichwohl hoffe ich aber, durch tunlichst wahrheitsgetreue und 
ungeschminkte Darstellung der erhobenen Tatsachen den weiter fol- 
genden Arbeiten nach Möglichkeit die Wege geebnet zu haben. 


II. Orographische Übersicht. 


‘Wenn man von irgendeinem höheren Punkte in der Nähe der 
Hauptstadt Bosniens, etwa vom Trebevi€ oder schon von der Kapa 
aus, eine Umschau über die Landschaft hält, gewahrt man leicht die 
wichtigsten Züge der Terraingestaltung. Das ganz flache „Polje* 
bei Sarajevo ist westlich von meist gerundetem niedrigen Hügel- 
lande begrenzt, welches in nördlicher Richtung in annähernd ähn- 
lichen, jedoch etwas höheren, zum Teil in parallelen Rücken 
angeordneten Bergformen fortzusetzen scheint. 

In auffallendstem Gegensatze dazu erheben sich südlich und 
östlich, zum Teil auch nördlich, hoch aufstrebende Kalkberge mit 
meisthellgrauen, selten roten Felswänden, vielfach 
srüne Wiesenstreifen oder unregelmäßige Matten einschließend. 

Von der Spitze des Trebevic aus sieht man, wie dieses höhere 
felsige Gebirgsland wesentlich von SO. nach NW. verlaufende parallele 
Kämme zeigt, welche längs einer nordsüdlich verlaufenden Linie, die 
etwa von Ilidze ausgeht, jäh abbrechen und im Süden dem Polje, 
von Sarajevo an nördlich hinauf dem Hügellande Platz machen. Von 
der Südgrenze der beigegebenen Karte an bis zu dem Nordabsturze 
des Bukovik zeigen sich überall die hellgrauen Kalkmauern (vgl. die 
Figuren 5, 9, 16, 23 und 26), in der Südhälfte überall sehr deutlich 
zu parallelen Kämmen geordnet, gegen Norden zu nur hie und da 


TR EN 


[5] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Orographische Übersicht.) 519 


dasselbe dinarische „Gebirgsstreichen“ erkennen lassend. 
Selbst nordöstlich vom Bukovik zeigen sich noch einige niedrigere 
Felskämme derselben Richtung (Vranj stiena), die aus dem flacheren 
Terrain auffälliger hervortreten. 

Die hohen, regelmäßig SO.—NW. streichenden felsigen Gebires- 
kämme unseres Gebietes finden im Trebevid (1629 m) ihre höchste 
Erhebung und sind durch das gleichgerichtete Miljaökatal gegen 
Norden begrenzt; gegen Südosten zu werden die Kämme etwas 
niedriger und schließlich von der dicht bewaldeten, von Felsmauern 
umgürteten plateauartigen Ravna planina abgelöst (1300-1500 m). 
Dieser Bau wurde beiläufig schon von A. Bittner erkannt !). 


Nördlich von der Ravna planina liegt eine meist hügelige 
Landschaft aus leicht verwitterbaren, meist schiefrigen Gesteinen ge- 
bildet, das Quellgebiet der Paljanska Miljacka, in deren Mitte die 
Niederung von Pale liegt. Der vorwaltend aus Kalk gebildeten Gebirgs- 
gruppe des Trebevi© mit dem Plateauanhange der Ravna schließt sich 
nördlich die unregelmäßiger gebaute Gebirgslandschaft an, die ebenfalls 
im westlichen Teile ihre höchsten Erhebungen hat (Bukovik 1532 m, 
Crepolsko 1524 m, Crni vrh 1503 m); sie ist von seichten Quertälern 
durchfurcht und so in kürzere Rücken und Berge gegliedert. Östlich 
grenzt die Gebirgsgruppe an die Niederungen von Pale und von Mokro 
und das diese beiden einschließende Schiefer- und Sandsteingebiet. 
Das letztere umfaßt die unmittelbar aneinander stoßenden Quellgebiete 
der Mokranska und der Paljanska Milja@ka sowie im SO. dasjenige des 
Pracabaches. Dieses eine gewundene Depression darstellende Gebiet 
kommt von SO. in geschlossener Begrenzung, zerteilt sich aber gegen 
NW.; es durchzieht so das Gebiet des ganzen Kartenblattes, indem es 
die Kalkgebirge der Trebevicgruppenebst Dependenzen einerseits 
von der ebenfalls aus Kalk gebildeten Tafellandschaft der 
Romanja und deren Ausläufern trennt. Hier ist die Romanja planina 
selbst der höchstgelegene Teil, welcher mit der Orlovina stiena (1629 m) 
und der Djeva (1546 m) die ganze Gegend beherrschend in das 
Schiefergebiet weit vorspringt. Hinter der Romanja zeigen sich im 
Kalkgebiete mehrfach wieder SO.—NW. streichende Kämme und 
Depressionen. Die bedeutendste der letzteren ist die Mulde Glasinac 
830—900 m). Der westliche Theil des Nordrandes des Kartengebietes 
ist ein meist gut bewaldetes Gebirgsland, welches im Ozren immerhin 
1452 m Höhe erreicht; es zeigt einen weder dominierenden noch 
einfachen Bau und stellt mehr einen Ubergang der besprochenen 
Gebirgsgebiete dar, wie noch gezeigt werden soll. Außer dem gabel- 
förmigen Ozren ist als besonders auffallend die Brezova glava zu 
nennen, welche dem Ljubinatale imposante Steilwände zukehrt. Auch 
deren Bedeutung in tektonischer Hinsicht wird unten darzulegen sein, 

Südlich von dem Sarajevsko polje erheben sich unvermittelt die 
kalkigen Vorberge der Bjelasnica, welche als Igman planina 
bezeichnet werden, deren Kammlinie sowie auch der Hauptkamm der 
BjelaSnica und die dazwischen liegende Einsenkung Radava—Malo 
polje—Veliko polje das dinarische Streichen (NW.—SO.) besitzen. 


!) Vgl. Jahrb. d. k. k. geol. R-A. 1880, pag. 376. 


520 Ernst Kittl. [6] 


Auch ihr Abbruch gegen das Sarajsko polje hat diese Richtung. 
Der Hauptkamm der BjelaSnica, welcher nur zum kleinsten Teil in 
das Gebiet der Karte hineinreicht, erhebt sich bis zu einer Höhe 
von 2067 m, also weit höher als alle Berggipfel der Umgebung von 
Sarajevo. Die Gebirgsgruppe der Bjelaänica ist nordöstlich durch das 
Sarajevsko polje, im NW. und SO. aber durch zwei quer auf das 
Streichen verlaufende Terrainsenken begrenzt, von welchen nur die 
nordwestliche, das ist die von Pazarie, sich in deutlicher Weise mit 
dem Sarajsko polje verbindet, aber schon vorherrschend Hügelland 
ist, während die andere, jene von Krupac nach Dej£idi ziehende, sich 
wohl an das Sarajsko polje anschließt, jedoch morphologisch davon 
ganz unabhängig zu sein scheint. 

Es sind demnach folgende Gebirgselemente zu finden: 

Die drei Kalkgebirge der Bjelasnica, der Trebevic—Ravna planina 
und der Romanja planina als Ketten- oder Tafellandschaften ausgebildet, 
zwischen den letztgenannten zweien das unregelmäßig gewundene 
Schiefergebiet von Prata—Pale—Mokro. Dieses zum Teil als Hoch- 
gebirge ausgebildete Gebirgsland wird westlich von einem hügeligen 
Gebiete abgeschnitten, das vorwaltend aus Sandsteinen und Mergeln 
(Flysch) aufgebaut ist und mit dem älteren Sandstein- und Schiefer- 
gebiete in recht unregelmäßiger Weise in Berührung und Verbindung 
tritt, Im Südwesten zeigt sich eine kleine Tiefebene, das Sarajevsko 
polje, erfüllt von ganz jungen Ablagerungen und zum größeren Teil 
umrandet von tertiären Gebilden. 


IH. Hydrographische Übersicht. 


Der größte Teil der atmosphärischen Niederschläge unseres Ge- 
bietes wird durch eine Anzahl von Flüssen und Bächen der Bosna 
zugeführt. Die Südostecke des Gebietes dagegen, das Quellgebiet des 
Pratabaches und einiger seiner Zuflüsse, sendet ihre Wässer der 
Drina zu. 

Nördlich hiervon liegt das aus der Romanja planina, Bogovicka 
planina und dem Glasinae bestehende Gebiet ohne ober- 
irdische Entwässerung; einige kleinere Gebiete von Schlund- 
bächen schließen sich weiter nördlich unmittelbar an. Sie gehören 
zweifellos zum Gebiete der Krivaja. 

Dieses zusammenhängende, scheinbar abflußlose Gebiet gibt 
sicherlich sein Wasser zum Teil nördlich durch die BioScica an 
die Krivaja und dadurch an die Bosna, teils südlich durch die 
Pracöa an die Drina ab. Streng genommen findet man also hier 
nur die zwei Flußgebiete der Bosna und Drina vertreten, 


a) Das Gebiet der Bosna. 


Die Bosna entspringt am Südwestrande des Sarajevsko polje 
als mächtige Quelle am Fusse des Kalkgebirges der Igman planina an 
jener Einfurchung, welche die zwei Kuppen Igman und Polom 


[7] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Hydrographische Übersicht.) 52] 


scheidet. Zweifellos sind es tektonische Verhältnisse, welche das 
Zutagetreten der so mächtigen Bosnaquellen an dem bezeichneten 
Punkte bedingen. Die angeführte Einfurchung der Planina zwischen 
Igman und Polom würde schon eine dort durchziehende Dislokation 
andeuten; dazu kommt aber das Einfallen der Triaskalke, welche von 
beiden Seiten her eine Konzentration der Wässer gegen die schon 
äußerlich zu vermutende Dislokation bedingen müssen. Das Hochtal 
Malo polje—Veliko polje zwischen dem Igman-Rücken und 
der BjelaSnica, welches einer tektonischen Mulde entspricht, ist 
ohne sichtbare Abflüsse und ohne Quellen, welche erst bei Radava 
erscheinen. Es dürfte daher der größte Teil der Niederschläge der 
Bjelasnica und des Igman die Bosnaquellen nähren. 

Von den linkseitigen Zuflüssen der Bosna fallen in das 
Gebiet der Karte nur der von Westen her über Taräin und Hadiici 
kommende Zujevina potok mit den zwei Zuflüssen: Rakovica und 
Majdani potok, dann einige kleine Bäche, welche im Hügelterrain 
entspringen. 

Viel bedeutender sind die rechtseitigen Zuflüsse der 
Bosna im Gebiete der Karte. Die obersten derselben: die Zeljesnica, 
der Kasidolski potok, die Dobrinje mit der Lukavica und die 
Miljaöka, sind durch ihren größtenteils dem Hauptgebirgsstreichen 
parallelen Lauf ausgezeichnet. Diese Richtung zeigt der bedeutende 
Zeljesnica potok durchweg etwa. von Trnovo abwärts; nur seine 
oberen Quellbäche kommen aus verschiedenen Richtungen, die Haupt- 
quelle liegt südlich von Trnovo am Fuße der Treskavica planina. 
Die Zeljesnica liegt nur in ihrem Unterlaufe im Gebiete der Karte. 
Der am Nordfuße der Gola Jahorina bei Kasidol entspringende Kasi- 
doler Bach hat mit Ausnahme des das Gebirge unregelmäßig quer 
durchsetzenden Stückes zwischen Kasidol und Ulobici den obenbezeich- 
neten Verlauf und liegt fast ganz im Gebiete der Karte. Bei IlidZe 
vereinigt er sich mit der Zeljesnica. Der Dobrinje potok, trotz- 
dem er sowie sein Zufluß Lukavica fast ganz im Polje liegt, zeigt 
ebenfalls jene Hauptrichtung. Weitaus der wichtigste und interessan- 
teste dieser Zuflüsse ist aber die Milja&ka, welche dem dinarischen 
Gebirgsstreichen zwischen Pale (Palanska Milja&ka) und Sarajevo folgt, 
im übrigen aber einen davon abweichend gerichteten Lauf besitzt. 

Von Sarajevo aus wendet sich die Miljacka in westlicher Richtung 
durch das Polje der Bosna zu. Bekanntlich wird die Miljacka bei 
Starygrad unterhalb des Dorfes Bulog aus der Vereinigung der Pal- 
janska und der Mokranska Miljaöka gebildet. Beide Quell- 
flüsse kommen aus dem zwischen der Trebevic—Ravna-Gruppe und 
der Romanja liegenden Sandstein- und Schieferterrain und durch- 
brechen bis zu ihrer Vereinigung in tiefen Schluchten das südliche 
der genannten Kalkgebirge: die Paljanska Miljaöka, in einem Längs- 
tale, die Mokranska Milja@ka in einem Quertale; durch solche kurze 
Quertäler kommen auch die LapiSnica und die MosScanica in die 
Miljacka. Der größte Teil der Gebirgsgruppe zwischen Bukovik und 
Tovarnica ist ohne konstante Wasserläufe. Für gewöhnlich trocken 
liegende Wildbachschluchten führen die Niederschläge der weit aus- 
gedehnten südlichen Abdachungen der Miljacka zu, während die West- 


522 Ernst Kitt). [8] 


hälfte der schmäleren und steileren Nordhänge durch den Vogosda- 
bach entwässert werden. Es gehört daher die ganze Gebirgsgruppe 
Bukovik — Crni vrh noch vollständig zum Niederschlagsgebiete der 
Bosna. Von deren Zuflüssen folgen der Miljacka im Nordwesten die 
im hügeligen Mittelgebirgslande gelegenen, vorherrschend von Nord- 
osten nach Südwest, also quer auf das Streichen der Hochgebirge, 
aber konform dem Streichen des von ihnen durchzogenen Terrains 
fließenden Bäche: VogoSca, Ljubina und Stavnia. Nur der 
VogoSda potok liegt mit seinem Niederschlagsgebiete ganz auf 
unserem Kartenterrain, während die Ljubina nur zum Teil, die Stavnia 
nur mit ihrem tiefsten Abschnitte noch in das auf der Karte dar- 
gestellte Terrain fallen. 

Die orographisch nicht einheitliche und durch ihre geringere 
Höhe nicht sehr bedeutende Ozren planina scheidet das Nieder- 
schlagsgebiet der zuletzt angeführten Zuflüsse der Bosna von dem 
hydrographischen Gebiete der Krivaja, welchem die ‚östliche Hälfte 
des Nordrandes unseres Gebietes zufällt. Die sichtbare Südgrenze 
dieses Niederschlagsgebietes wird durch folgende Höhenpunkte mar- 
kiert: Ozren, Stublinski krs am Crni vrh, -Vihor, Borovaec und Krate]j. 
Tatsächlich dürfte die Krivaja einen weiteren — freilich sehr kleinen 
— Zuwachs an Niederschlagswässern aus dem scheinbar abflußlosen 
Gebiete erhalten, in dessen Mitte die Mulde Glasinac liegt, welche 
infolge ihrer allgemeinen flachen Neigung gegen SO. den Hauptteil 
der unter ihr gesammelten Wässer der Praca zuleitet. Zu dem Gebiete 
der Krivaja gehört auch der Kalina potok, welcher unterhalb 
Tulinici versiegt, um bald darauf wieder in mächtigen Quellen zutage 
zu treten. Bei Hochwässern dürfte dort nach der Terrainbeschaffen- 
heit ein Teil der Wässer oberirdisch weiterfließen. 


Die Mulde von Sokolac—Glasinace ohne oberirdische Abflüsse 
hat in den tieferen, mit undurchlässigen tonigen Materialien ausge- 
füllten Poljen (Sokolacko polje und Glasinac) einige Bachgerinne von 
kurzem Laufe, deren Wässer in recht auffälligen Sauglöchern (Ponoren) 
verschwinden. Bei Dubrava nimmt ein Saugloch den Zusammenfluß 
mehrerer kleiner Bäche auf, welche Wässer vielleicht der Krivaja 
zueilen mögen, Der im Sokolacko polje entspringende Resetnicabach 
durchfließt die ganze Mulde Glasinae der Länge nach, um in einem 
tiefen Ponor bei Han Bielosalici zu verschwinden. Solcher Ponore, 
die nichts sind als Dolinen, steht auf der SW.-Seite und mitten im 
Glasinae eine nicht unbedeutende Anzahl. Zahllos sind aber. die 
Dolinen, welche das ganze Kalkplateau durchbohren und so für 
raschen Ablauf der Niederschläge sorgen. 


b) Das Gebiet der Drina. 


Das sichtbare hydrographische Gebiet des Pra@abaches, respektive 
der Drina reicht von den östlichen Teilen der Ravna planina bis 
zum Karolinensattel, dann auf den Vitez, von hier bis zum Felsen 
Djeva; die Grenze desselben läuft dann etwa oberhalb der Felswände 
der Romanja-Abstürze und Bogovicke stiene bis zur Tiljava glava, 


9] | Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Hydrographische Übersicht.) 523 


umrandet die mit Wiesen bedachte Mulde „Barice“ sowie eine kleinere 
bei Ponori und geht dann zur Crvena stiena. 

Die Niederschläge des scheinbar abflußlosen Gebietes nördlich 
hiervon und südlich der Linie Orlova—Sokolace mögen wohl alle in 
Form von Quellen dem Pracabache, respektive der Drina zukommen. 

Ein sehr auffälliger Umstand ist folgender: Während sonst alle 
Niederschläge des Schiefergebietes um Praca direkt dem Pracabache 
zufließen, bildet die Mulde „Barice“ nördlich von Ponori eine 
Ausnahme, indem sie ihre Wässer an das Kalkgebiet abgibt, wo sie 
im Jaksin dol in einem Ponor verschwinden. In kleinerem Maßstabe 
wiederholt sich diese Erscheinung bei dem Dorfe Ponori selbst. So 
wird hier ausnahmsweise ein Teil des tieferen Schiefergebietes durch 
die normal dem Schiefer auflagernden Kalke entwässert. JakSin dol 
ist wohl ein altes Erosionstal, welches früher, bevor der erwähnte 
Ponor geöffnet war, sein Wasser direkt dem Praöabache zugesandt 
haben mag, während jetzt die Wässer unterirdisch in entgegengesetzter 
Richtung wohl ebenfalls in den Praöabach fließen. Eine Erklärung 
der gegenwärtigen Verhältnisse scheint das hier allgemein nordöstliche 
Einfallen der Schichten zu bieten. 


c) Die Quellen. 


Entsprechend der petrographischen Beschaffenheit der Ober- 
flächendecke und den lokalen tektonischen Verhältnissen sind die 
Quellen der Umgebung von Sarajevo von verschiedener Ergiebigkeit, 
Nachhaltigkeit, Temperatur und Verteilung. 

Indem zunächst die Thermen und Mineralquellen ausgeschieden 
werden, die eine gesonderte Betrachtung verlangen, seien zunächst 
die gewöhnlichen Quellen erörtert. In bezug auf die Quellen lassen 
sich im allgemeinen unterscheiden: 


1. Die Gebiete mit vorherrschenden oder ausschließlich wasser- 
undurchlässigen Schichten, welchen auch undurchlässige 
Verwitterungsprodukte zukommen. Das sind die später genauer zu be- 
sprechenden Gebiete der paläozoischen und untertriadischen Schichten 
mit Ausnahme der Quarzsandsteine der Werfener Schichten, die eine 
sanz besondere Rolle spielen. In den erstgenannten Terrains findet 
man infolge der vorherrschenden Wasserundurchlässigkeit zahlreiche 
kleine Quellen von mit den jeweiligen Niederschlagsmengen wechselnder 
Ergiebigkeit. Typische größere Gebiete dieser Art sind das Flysch- 
gebiet der Ljubina und VogoSca sowie die weitere Umgebung von 
Praca. Wenn in diesen nur Quellen aus den undurchlässigen Forma- 
tionen die größeren Wasserläufe nähren würden, so käme in der 
Wassermenge der letzteren der Wechsel in den Niederschlagsmengen 
zu viel schärferem Ausdrucke. 

2. Die Gebiete wasserdurchlässiger Gesteine wie Kalk, 
Dolomit, Quarzsandstein. In ihnen findet man nur selten Quellen, da die 
Wasser zumeist versiegen, um an tieferen Punkten, in der Regel an 
der Grenze gegen die sie unterteufenden wasserundurchlässigen 


Schichten, zum Vorscheine zu kommen. 
Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsaustalt, 1903, 53. Band, 4. Heit. (E. Kittl.) 


-ı 
IS 


5924 Ernst Kittl. : [10] 


Die Wasserdurehlässigkeit der eben genannten Gesteine ist keine 
dem geschlossenen Gesteine anhaftende Eigenschaft; sie entsteht erst 
durch die Zerklüftung infolge tektonischer oder oberflächlicher Ver- 
witterung, bleibt aber dann erhalten. Es sind also die das Gestein 
durchsetzenden Klüfte, welche die Wasserdurchlässigkeit bedingen 
oder deren Zerfallen zu Gries und Sand. Eine Ausfüllung der Klüfte 
durch die Verwitterungsprodukte dieser Gesteine selbst kann nicht 
zum völligen Verschlusse führen, weshalb die einmal lokal erreichte 
Durchlässigkeit ohne einen anderen Verschluß dauernd erhalten bleibt. 
Daher rührt also die Durchlässigkeit, während bei tonhaltigen Ge- 
steinen das Verwitterungsprodukt einen sofortigen Verschluß aller 
gebildeten Klüfte bewirkt. Nur in diesem Sinne können Kalk, Dolomit 
und Quarzit als wasserdurchlässig bezeichnet werden. Dazu kommt 
insbesondere bei reinem Kalksteine häufig die fortschreitende Er- 
weiterung der schon vorhandenen Abzugsklüfte durch Lösungsvorgänge. 

So sind also insbesondere die Plateaus und Kämme aus Trias- 
kalk in der Regel wasserdurchlässig, da sie eben auch hinreichend 
zerklüftet sind. Bei den Quarziten der Werfener Schichten findet 
durch deren Verwitterungsprodukte — reine Quarzsande — nur ein 
unvollkommener Verschluß der Klüfte statt, welche letzteren durch 
die Quellwässer selbst nicht wesentlich erweitert werden können, da 
in diesem Falle die Lösungsvorgänge viel zu gering sind. Vielfach 
werden daher die Quarzite größeren oder geringeren Wassermengen 
gegenüber sich als wenig durchlässig erweisen. 

3. Besonders mächtige Quellen, welche am Fuße durch- 
lässiger Kalkgebirge erscheinen. Nur tektonische Verhältnisse können 
als Veranlassung sowohl der Ansammlung wie auch des Zutagetretens 
in befriedigender Weise die Bildung dieser Quellen erklären. Der 
wichtigste Repräsentant der Quellen dieser Art ist die Bosnaquelle 
am Fuße des Igman. _ 

Schon bei einer Übersichtsaufnahme ist zu erkennen, daß in 
unserem wie in ähnlichen Triasgebieten die meisten Quellen 'an die 
Grenze zwischen Werfener Schiefer und Triaskalk 
gebunden sind. Diese Beobachtung ist auch für unser Gebiet der 
Hauptsache nach richtig. Tatsächlich findet sich häufig ein Mergel- 
kalkniveau über den’: obersten Werfener Schichten an der Basis der 
Kalkmassen, welches dann als undurchlässige Schicht wirkt. Darunter 
liegt der "Quarzit-Sandstein der Werfener Schichten, welcher, wenn 
ungestört und unverwittert, ebenfalls kein Wasser durchdringen läßt. 
Erst das tiefere schiefrige Glied der Werfener Schichten aber, welches 
zugleich etwas tonig ist, kann in den meisten anderen Fällen als 
das wichtigste wasserzurückhaltende Gestein angesehen werden. 

Etwas höher wieder, den weißen Kalkmassen eingeschaltet, liegt 
häufig ein Niveau mergeliger Knollenkalke und darüber tonige Schichten 
mit Hornsteinschichten. Sehr häufig bringen auch diese Schichten im 
Hangenden ihrer Ausbisse schwache Quellen zutage. 

So sindin den Triasgebieten die Quellen an bestimmte Schichten 
oder Schichtgrenzen, zumeist an die Unterlage der Kalkmassen, 
seltener an Zwischenlagen derselben gebunden, Wenn nun das auch 
im allgemeinen Regel ist, so müssen doch überdies die tektonischen 


[11] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Hydrographische Übersicht.) 595 


Verhältnisse das Auftreten der Quellen gestatten. Ein lehrreiches 
Beispiel, an dem diese Bedingung klar ersehen werden kann, bietet 
die Vergleichung der Quellenverhältnisse am Fuße der 
Südostwände der Romanja planina und der Kalkwände der 
Bogovicka planina. In beiden Fällen ist die Grenze zwischen 
den Werfener Schichten und den aufliegenden Kalkmassen gut aufge- 
schlossen. Im ersten Falle — bei der Romanja — erweist sich dieselbe 
überreich an Quellen, die in SW. mit den Careve vode beginnen, 
während bei der Bogovicka planina am Fuße derselben Quellen 
durchweg fehlen, ja im Gegenteile das Kalkplateau das anstoßende 
Terrain der Werfener und paläozoischen Schichten noch teilweise ent- 
wässert. Der Grund für diese Differenz im Auftreten der Quellen liegt 
in dem verschiedenen Einfallen der Schichten. Am Südfuße der Romanja 
findet man eine leichte rechtsinnige Neigung der Schichten, am SW.- 
Fuße der Bogovicka planina aber eine widersinnige. Im letzteren Falle 
leiten also die unter die Kalke einfallenden Werfener Schichten die 
Niederschlagswässer unter das Kalkplateau hinein. Detailangaben 
über diese Gegend folgen weiter unten. 


Die Trinkwasser-Wasserleitung für Sarajevo wird 
nach freundlicher Mitteilung des Erbauers, Sektionschef F. Passini 
aus dem Quellgebiete des MoSCanicabaches gespeist. Die zwei Quellen 
der MoStanica bei Faleti€E und die Aalquelle (Jegujac) liefern nach 
Passini zusammen 7 S. L., bei Hochwasser 20 S. L.; dazu kommt 
noch die Crnilquelle. 

Die Trübung des Wassers bei ergiebigen Niederschlägen rührt 
offenbar daher, daß die Quellen in diesem Falle viel unfiltrierte Tag- 
wässer erhalten. Das ganze kalkreiche Gehänge besitzt eine Unter- 
lage von Werfener Schichten, welche häufig südwestlich geneigt aber 
vielfach von Dislokationen verschiedener Richtung durchsetzt ist. Die 
relativ geringe Mächtigkeit der über den Werfener Schichten liegenden 
Kalkdecke zieht wohl die obengenannte Art der Quellenspeisung nach 
sich. Die das Terrain durchsetzenden Dislokationen beeinflussen eben- 
falls die Quellenspeisung;; erstere sind zum Teil Längsspalten, zum Teil 
Querspalten; die bedeutendste der letzteren dürfte die südlich des 
Glog durchziehende sein. (Flyschmergel stoßen hier direkt an den 
Riffkalk des Muschelkalkniveaus an.) Doch nicht. die geologische 
Beschaffenheit des Terrains allein erzeugt den Charakter der MosSca- 
nicaquellen; es spielt da wohl auch der Mangel an dichten Wald- 
beständen auf den Gehängen mit, welcher Umstand. ebenfalls viel 
unfiltriertes Wasser in die Quellen gelangen lässt. 


Verursachen so große Regengüsse mitunter eine Trübung von 
milchiger Färbung bei den Quellen, welche aus Kalk- oder Dolomit- 
gebieten kommen, so zeigt die Miljacka bei Hochwasser eine sehr 
charakteristische rotbraune Farbe, welche durch die eisenhaltigen 
tonigen Verwitterungsprodukte der paläozoischen und untertriadischen 
Schiefer des Gebietes von Pale-Mokro sowie durch die im Kalkterrain 
häufigen Ansammlungen von Terra rossa erzeugt wird. Vielfach hat 
die Miljacka die festen Teile, welche Trübung veranlassen, im Sarajskoö 
polje als rote Tone abgelagert, so zum Beispiel nächst Briesce. 

72 


5926 Ernst Kittl. [12] 


d) Die Thermen und Mineralwässer. 


Von Thermen liegt in unserem Gebiete nur diejenige von IlidZe, 
deren Gebiet nach E. Ludwig unter Berufung auf eine Mitteilung 
des Ingenieurs Ribarich eine ungefähre Ausdehnung von 20 ha hat !}). 
Wie alle Thermen, so tritt auch die von IlidZe an einer tektonischen 
Bruchlinie oder wie unten für die Therme von llidZe gezeigt wird, 
an einer Kreuzung mehrerer solcher zutage. Wahrscheinlich in ursäch- 
lichem Zusammenhange mit dieser Therme steht die von E. v. Mojsi- 
sovies angegebene?) geradlinige Reihe von Säuerlingen bei Kiseljak, 
Han Jezero, Bjelalovac, Busovala u. s. w., welche jedoch fast ganz außer- 
halb unseres Kartengebietes fällt. Nur die Quellengruppe, welche öst- 
lich von BlaZuj noch im Sarajsko polje liegt, kann als eine noch auf 
dem Kartengebiete liegende zu jener Reihe gehörige angesehen werden. 

Außerdem nennt A. Bittner?) einen Säuerling bei Prada und 
ist mir nur noch eine recht unbedeutende Schwefelquelle bei JoSanica 
bekannt geworden. 

Im topographischen Abschnitte folgen ausführlichere Angaben 
über die Therme sowohl wie über die einzelnen Mineralquellen. 


IV. Geologische Formationen und ihre Verbreitung. 


Die auf dem Gebiete des Kartenblattes in der weiteren Um- 
gebung von Sarajevo vertretenen Formationen sind in der auf der 
nachfolgenden Seite befindlichen Tabelle zusammengestellt. 


A. Paläozoische Bildungen. 


Im Liegenden der überall gut charakterisierten und daher leicht 
wieder erkennbaren Werfener Schichten findet man — auf unserem 
Gebiete durch die Einfurchungen des Pracabaches und seiner Zuflüsse 
aufgeschlossen — Tonschiefer in Verbindung mit Sandsteinen, Kalk- 
steinen und untergeordneten Hornsteinbänken sowie Konglomerate und 
Breccien, gelegentlich auch Mergelkalke, Rauchwacken und Gips, 
welche Gesteine nach den bisherigen Fossilfunden hauptsächlich dem 
Perm und Karbon zufallen, wahrscheinlich diesen beiden Forma- 
tionen ausschliesslich angehören. 

Die Möglichkeit einer Vertretung noch älterer Schichten, also 
insbesondere des Devon in der Gegend von Prada kann heute noch 
nicht ganz ausgeschlossen werden; namentlich betrifft das die Ortho- 
cerenkalke und Lydite; der ersteren Fossilführung ist zur Alters- 
bestimmung ungenügend, die anderen haben organische Reste bisher 
überhaupt nicht geliefert. Das Auftreten dieser Schichten ist zudem 
mit tektonischen Störungen verknüpft, so daB auch ihre Lagerungs- 
verhältnisse noch nicht als ganz sicher festgestellt erscheinen. 


!) E. Ludwig, Die Mineralquellen Bosniens. Tschermaks Min.-petr. Mitt. X 
(1888), pag. 406. 

?) E. Ludwig l. c, pag. 405. 

?) Grundlinien, pag. 218. 


[13] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 527 


Tabelle der bei Sarajevo vertretenen Formationen. 


-_ 
S 10. Alluvium und Eluvium: Schwemmland, Moore, Gehänge- 
2 I schutt, Bergstürze, Humus. 

9. Diluvium, Löß, Lehm (Terrarossa, Schutt z. T.). {er 
2 8. Neogen und Öberoligozän: Limnische Ablagerungen, und 
S zwar Konglomerat, Sandstein, Sand, Mergel, Ton, Süb- 
= wasserkalk, Braunkohlen. 

“ |7.Eozän? (Flysch). | 
B=| 
[ Obere Actaeonellen- enyı Kalk- = 
Kreide schichten breecien, Sandsteine | z 
6. Flysch \ und Mergel \: 
Untere E 
eo | Fiyschähntiche rote und graue Mergel 3 
oO 
5. Jura? Aanpia E 
i z 
4. Lias ap: 
2 | Rhätische Stufe: a 
= 
= Obere } Norische Stufe: helle Kalke Ze 
N . „ 
2 | Trias | Karnische Stufe: Hallstätter Kalke| = 
A | mit der Aonoides-Fauna \2 
Ladinische Stufe: Knollenkalke, Jaspis = 
8. Trias Schreyeralmstufe: Buloger Kalke 6 
Recoarostufe: Trebevickalke 
Untere l er Vs 
er Naticellenbänke 
| fe DRAN 
| Sandsteinschiefer ° 
| und Mergel 
S 3. Perm: Sandsteine, Sandsteinschiefer, Mergel, Konglo- 
R merate; untergeordnet dunkle Kalke, Rauchwacke, Gips. 
= | 1. Karbon: Tonschiefer; untergeordnet: Kalke, Sandstein, 
‘& Kieselschiefer. 


Schon A. Bittner hat die Gliederung dieser paläozoischen 
Schiehten annäherungsweise festgestellt und ihr Alter aus einigen 
Fossilfunden erschlossen ). 

Aus der Umgebung von Prada nennt Bittner schwarze Ton- 
schiefer, die Phillipsia enthielten (Karbon) mit Einlagerungen von 


!) Grundlinien der Gegend von ee aan Jahrb. d. k, k. geolog. 
R.-A. 1880, pag. 363 u. f. 


598 Ernst Kittl. 3 Eur [14] 


Crinoidenkalken, welche eine karbonische Brachiopodenfauna führen. 
Auch massig geschichtete Sandsteine und Quarzite erwähnt derselbe 
Autor. Veruccanoartige Konglomerate sah er nur zwischen Han Ora- 
hoviea und Praca im Tale eines Seitenbaches der Prata, also wahr- 
scheinlich schon außerhalb des hier behandelten Gebietes. Die schwarzen 
Hornsteine (Lydite), welche etwa im Meridian von Praca durchziehen, 
sonst nur noch am Karolinensattel aufbrechen, scheinen ihm nirgends 
aufgefallen zu sein, da er sie nicht erwähnt. 

Das Vorkommen von Bellerophonschichten (Per m) nahe A. Bittner 
an der unserem Gebiete benachbarten Lokalität Han Orahovica bereits 
festgestellt, wo sie als dunkelgraue Kalke auftreten. 

Später ‚hat Herr Berghauptmann J. Grimmer an der Straße 
nördlich von Praca in den dunklen Tonschiefern eine goniatiten- 
führende Fauna entdeckt. Mir selbst gelang es dann, noch weitere, 
ähnliche Stellen aufzufinden und auszubeuten. Der hierdurch fest- 
gestellte Horizont entspricht dem Unterkarbon oder Kulm. 


Nach meinen bisherigen Erfahrungen gliedern sich die paläo- 
zoischen Schichten bei Prata in folgender Weise: 


Sandige Mergel und Mergelkalke der Bellerophon- 
schichten. 

. Rote Sandsteinschiefer. 

Hellbraune, dickbankige, fossilfreie Sandsteine. 


P°: 
| 
Perm Pe 
a (Grödener Sandstein ?). 
Bi 
Si 
\ 


an 


Hornsteinbrececien und Konglomerate. 


Schwarze Hornsteine (Lydite). 

. Graue fossilleere Schiefer mit Sandsteinzwischen- 
lagen (sehr mächtig). 

Schwarze Schiefer mit eingelagerten Kalkbänken 
(Goniatiten, Brachiopoden etec.). 

Hellgraue Kalke mit Orthoceren etc. 


DD am Dot 


Karbon 


Ob die flyschähnlichen Gesteine im Zujevinatale und bei Jasen 
nicht etwa dem Paläozoicum zufallen, wäre noch genauer zu unter- 
suchen ). | 


Die einzelnen Glieder, von welchen insbesondere die Orthoceren- 
kalke nur als wahrscheinlich karbonisch anzusehen sind, sollen nun 
besonders besprochen werden. 


1. Die ÖOrthocerenkalke bilden sehr auffällige Felsenpartien 
wie die Vlaska stiena, vielleicht auch Einlagerungen im Schiefer oder 
unterteufen denselben (vgl. darüber unten). Sie sind entweder fossilfrei 
oder führen neben anderen ganz unbestimmbaren Fossilien glatte und 
quergeriefte Orthoceren, Formen, wie man ähnliche im Karbon eben- 
sogut wie in den tieferen und höheren Schichten wiederfindet, ‘daher 


!) Bei der Begehung im Jabre 1896 war mir das Vorkommen ähnlicher 
Gesteine im paläozoischen Aufbrache bei Prata noch nicht bekannt, wo ein Wechsel 
von mergeligen Schiefern und Sandsteinen ungemein an Flysch erinnert. 


[15] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 529 


die bisherigen Fossilfunde also nicht geeignet sind, diese Kalke ihrem 
Alter nach zu fixieren. 

Diese Kalke sind hellgrau gefärbt, der Erhaltungszustand der 
Fossilien ist nicht der beste. 

Außer auf der Vlaska stiena fand ich dieselben Kalke in einer 
kleinen, vielleicht nur abgebrochenen Scholle nächst der Gendarmerie- 
kaserne von Praca. 


2. Dieunteren schwarzen Schiefer zeigen Einlagerungen 
von dunkelgrauen bituminösen Kalkbänken von geringer Dicke, 
während die Mächtigkeit des Schiefercomplexes gewiß eine sehr be- 
deutende ist. Mitunter finden sich auch Hornsteineinlagerungen in 
dünnen Bänken. Aus diesen Schiefern dürfte wohl die von A. Bittner 
gefundene Phillipsia!) stammen, während die Brachiopoden und Crino- 
idenfunde desselben Autors aus einer dem Schiefer eingelagerten 
Kalkbank abzuleiten sind, wie man eine solche zum Beispiel nördlich 
von Praca in einem kleinen Steinbruche aufgeschlossen findet, die 
mir wohl ebenfalls Crinoidenstielglieder, aber keine anderen Fossilien 
geliefert hat. In ähnlicher Weise ist es seit Bittner nicht ge- 
lungen, eine weitere Phillipsia in den Schiefern aufzufinden, wohl aber 
glückte es zuerst im Jahre 1898 J. Grimmer, an der Strasse, und 
dann mir,. an anderen Stellen, und zwar durchweg in der Nähe von 
Praöa in den Schiefern Cephalopoden und Lamellibranchiaten neben 
spärlichen Crinoidenresten aufzufinden. Diese Fossilien sind in einem 
nicht sehr günstigen Erhaltungszustande: stark zerdrückt, zumeist ohne 
Schale, nur als Steinkerne erhalten. 


Wohl hat Bittner auf Grund seiner Funde die Vertretung 
des Karbons bei Praöa angenommen, ohne jedoch dieser Annahme 
völlig sicher zu sein. Die genannten späteren Funde haben jedoch 
seine Annahme als völlig zutreffend erwiesen, die meisten fossil- 
führenden Schichten von Pra&@a gehören demnach dem unteren marinen 
Karbon (Kulm) an. 
| Wenn man schon von jenen ersten Funden absehen und auch 
die anderwärts im Kulm so häufig vorkommenden Dictyodora Liebeana 
sowie die Reste der niedriger organisierten Organismen einschließlich 
der Lamellibranchiaten außer acht lassen wollte, so würden doch 
die Cephalopoden allein den Horizont mit unzweifelhafter Sicherheit 
als Unterkarbon charakterisieren. 

Goniatites erenistria Phill., Gastrioceras Beyrichi Kon., Pronorites 
sp., Prolecanites cf. Henslowi Sow. sind die wichtigsten der hier con- 
statierten Arten, welche durch eine ganz neue, sehr wahrscheinlich 
ebenfalls den Cephalopoden zugehörige Form: Tetragonites Grimmeri 
Ki. an Häufigkeit übertroffen werden. Vollständige Fossillisten sind 
weiter unten angeführt ?). 

Diese Schiefer, welche augenscheinlich in zahlreiche Falten 
gelegt sind und stellenweise gewiß einer starken Pressung unterworfen 
waren, haben ihr Hauptverbreitungsgebiet im Pratatale zwischen Han 


1) Unten als Phillipsia Bittneri beschrieben. 
?2) Siehe Paläontologischer Anhang, 


530 | Ernst Kittl. [16] 


pod grabom und Praa, ziehen sich von da etwas nördlich, namentlich 
in den linkseitigen Seitentälern noch Aufschlüsse zeigend, und gehen 
anderseits über die Südgrenze des Kartengebietes hinaus. Fossilfunde 
sind aber bisher nur in der näheren Umgebung von Prata gemacht 
worden. 

Die Verwitterung dieser zumeist griffelförmig zerfallenden Schiefer 
liefert als Endprodukt eine graubräunliche tonige Erde; halbverwittert 
sind diese Kulmschiefer grau gefärbt. 


3. Graue Schiefer mit Sandsteinzwischenlagen 
bilden überall das Hangende der dunklen Kulmschiefer. Jene sind 
diesen petrographisch ähnlich, jedoch etwas heller gefärbt und an- 
scheinend nicht so stark komprimiert und stets mit meist dünnen 
Zwischenlagen von grauem Sandstein versehen. Fossilien haben diese 
Schiefer bisher nicht geliefert. Ein vereinzelter Fund unbestimmbarer 
Pflanzenreste in einer solchen Sandsteinbank durch Berghauptmann 
J. Grimmer deutet darauf hin, daß diese oberen Schiefer nicht 
mehr rein marine Sedimente sind und ihrer Fazies. nach mit den 
Schichten der produktiven Steinkohlenformation übereinstimmen, 
welchen sie vielleicht auch dem Alter nach genau entsprechen. Dies- 
bezügliche genauere Nachweise fehlen jedoch bisher. 


Diese grauen, stellenweise flyschähnlichen Schiefer und Sand- 
steine haben ein etwas größeres Verbreitungsgebiet als die Kulm- 
schiefer, es deckt sich ungefähr mit dem hydrographischen Gebiete 
des Pratabaches, ist jedoch an den Grenzen von jüngeren Gliedern 
überlagert, namentlich von diekbankigen Sandsteinen. 


4. Schwarze Kieselschiefer (Lydite). Sie treten als Ein- 
lagerung in höheren oder tieferen Schichten auf. Häufig findet man 
sie in den Kulmschiefern, aber auch mitunter in permischen Schichten 
eingeschaltet. Diese wechselnde Position der Hornsteine wird unten 
an mehreren Beispielen erläutert werden. Als ein bestimmter strati- 
graphischer Komplex sind dieselben vorläufig daher nicht aufzufassen. 


5 Lyditbreceien und Konglomerate. Sie gehören jenem 
Komplex an, welchen ich in Ubereinstimmung mit Bittner und 
analog den ähnlichen alpinen Vorkommnissen dem Perm zurechne. 

In ihrer typischen Ausbildung sind sie entweder mit den Sand- 
steinen oder mit den noch zum Perm gehörigen roten Sandstein- 
schiefern verknüpft, ihre Färbung daher dementsprechend verschieden, 
von hellgelblich bis dunkelrot und schwärzlich ist. Fast ausnahmslos 
sind sie aber durch häufiger oder seltener erscheinende Trümmer 
der Lydite ausgezeichnet. Wenn nun auch die Bildung dieser grob- 
klastischen Massen wahrscheinlich nur eine lokale war, so beeinflußt 
ihr Auftreten die Oberflächenform des Terrains doch so erheblich, 
daß ich mich dadurch veranlaßt sah, diese Gesteine auf der Karte 
auszuscheiden. Sie umranden den ganzen Aufbruch der älteren paläo- 
zoischen Gesteine bei Pra@a, sind dem ersteren aber nicht selten 
auch in einzelnen Schollen aufgelagert. 

Wenn diese Breceien und Konglomerate auch nicht streng mit 
der Grenze zwischen Perm und Trias zusammenfallen, vielmehr noch 


[17] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 531 


einem tieferen Horizonte des ersteren zufallen dürften, so stehen sie 
doch dieser Formationsgrenze wenigstens räumlich oft recht nahe. 
Sie bilden häufig landschaftlich auffällig hervortretende Felspartien 
er Jang hinstreichende Steilabstürze inmitten des weicheren Schiefer- 
errains. 


6. Als Überlagerung der grauen Schiefer mit Sand- 
steinplatten erscheinen in der weiteren Umgebung von Prada dick- 
bankige Sandsteine, welche man als Vertreter der Grödener 
Sandsteine auffassen kann. Solche Sandsteine finden sich zum Bei- 
spiel bei Prutine in typischer Ausbildung und beherrschen räumlich 
die Gegend südlich von den Südwänden der Romanja planina. Wo 
sie mit den gelblichen Sandsteinen der Werfener Stufe in Berührung 
treten, ist es nicht leicht, sie von den letzteren zu scheiden. 


7. Rote Sandsteinschiefer finden sich gewöhnlich im 
Liegenden der Bellerophonschichten. Häufig sind sie verknüpft mit den 
schon erwähnten Breccien und Konglomeraten. 

Es konnte nicht sichergestellt werden, daß diese roten Schiefer 
in allen Fällen dem Perm angehören, vielmehr treten solche auch in 
den Werfener Schiefern auf, wie Aufschlüsse in denselben insbesondere 
bei Sarajevo und bei Pale lehren. 


8. Die Bellerophonschichten sind in unserem Gebiete 
sandige Mergel mit dunklen Kalkbänken. Ich traf dieselben fossil- 
führend nur an zwei benachbarten Stellen unseres Gebietes an, wo sie 
in Gesteinen vom Aussehen der typischen unteren Werfener Schiefer 
eingelagert waren. Es muß daher angenommen werden, daß hier die 
obersten Bänke des Perm schon zum Teil in der Fazies der Werfener 
Schichten entwickelt sind oder an den Fundstellen der Bellerophon- 
schichten lokale Uberkippungen stattgefunden haben. Ich glaube das 
erstere annehmen zu sollen. 

Die genannten zwei Punkte, wo ich die Bellerophonkalke an- 
stehend fand, sind Suha Cesma und PrekacaNO. von Praöa. Das 
viel ausgedehntere Vorkommen von Han Orahovica, welches 
Bittner seinerzeit etwas südlicher hiervon entdeckt hat, gehört 
wohl demselben Zuge nicht an. Ich zweifle nicht, daß man noch 
weitere Stellen finden kann, wo die Bellerophonschichten fossilführend 
anstehen; auf der Karte aber habe ich es vermieden, sie nach bloßen 
Vermutungen einzuzeichnen und sind nur die durch Fossilfunde sicher- 
gestellten Vorkommnisse angegeben. 

Was die Fossilführung betrifft, so hat sich die Fauna als ziemlich 
mannigfaltig ergeben, wenn auch nicht so reich wie jene von Han 
Orahovica, die wiederholt ausgebeutet wurde, von wo mir daher ein 
ziemlich erschöpfendes Material vorlag. Einige wenige Förmen (etwa 5) 
haben die zwei Lokalitäten mit Han Orahovica gemeinsam, darunter 
die Bellerophonten, die ich als Bucania suhaönsis bezeichne. 


Der Fauna der bosnischen Bellerophonschichten ist im paläonto- 
logischen Anhange eine ausführliche Darstellung gewidmet. 


Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Ileft. (E. Kittl.) ib! 


Untere Abt. 


Rote und grüne, auch 

bräunliche Sandstein- 

schiefer und Mergel 
(alpiner Typus) 


32 Ernst Kittl. [18] 
Zusammenfassung der Gliederung der Trias bei Sarajevo. 
Stufe | 
2% 
Mr Megalodontenkalke von Pustoselo und S58 
Rhätisch der Bjelasnica. >35 
00% 
2an 
ER 
Norisch Helle Kalke von Hraftiste und Gazivoda < =2 
Ste 
Cephalopodenkalke am Dragulac, bei 
rec, Udes und Odevlje. L, 
arnisc 
” h Halobienbänke am Dragulac und bei 2 
_ Ocev]je. | o 
Ss > = 
e lo 
= [Cassianer Schichten Roter Kalk am Vaganj. ER = 
R Er = 
old | Hornsteinschichten von Han Vidovic | „| 8 
„a 2) ag (Graboviker Schichten) alle 
© 8% Wengener Schichten | © Glaukonitführende Tuffsandsteine =| 5 
a Rote Knollenkalke (Starygrader S; |) AM 
„|A Schichten) M| = 
E Hor. d. Marmolata Kalke am Siljansko polje a| 3 
- © = 
{=} 5 = - 
S 
7 = Rote Cephalopodenkalke mit 2 | 
q * .. — > 
Oberer Muschelkaikn = us Bl 
Schreyeralm-Stufe & Cephalopodenkalke mit Proteusites = ;: 
=| von Han Vidovice und Blizanae |5| 2 
a ar 
A 
Unterer Muschelkalk Brachiopodenkalke des Trebevie 
Recoarv-Stufe Weiße oder gelbe Riffkalke 
5 Graue Knollenkalke vom | « : : R 
ss Unterster Müschelkalk | Bistrik (Serajevo), von une en 
2:3  Gutensteiner Stufe || Dolovi, vom LapiSnicatal U h J 
3 und von Bakije mgebung von Spile) 
| 
Graue Mergelkalke es i ; 
4a, : 5 Bänke mit Naticella auf 
Baht (Muder ‚Schichten) a der Brezova glava 
Zeljesnicatale 
| 
© [3 s A 
7 A Mitt “h Gelbliche Sandsteine, 
513 Luger ZBL Sarajevoer Sandsteine 
Ale 
= = ! Bistrik potok, Castell- 
a = berg, Potoci, Dovlidi, 


Brezova glava etc. etc. 


[19] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen) 533 


B. Mesozoische Bildungen. 
a) Trias. 


Die älteste der mesozoischen Formationen, die Trias, ist in der 
Umgebung von Sarajevo sehr verbreitet und im allgemeinen in der 
typisch alpinen Ausbildung vorhanden. Sie nimmt auf dem Gebiete 
der Karte mehr als die Hälfte des Flächenraumes ein. Die Trias- 
bildungen zerfallen hier wie in den Alpen in die untersten, vorherr- 
schend als Sandstein und Sandsteinschiefer ausgebildeten Werfener 
Schichten und in die fast ausschließlich aus Kalk bestehenden jüngeren 
Bildungen, welche in ihrer Gesamtheit viel mächtiger sind als die 
unteren Sandsteine und wohl auch einem viel längeren Zeitraume ent- 
sprechen als jene. 

Nur sehr untergeordnet erscheinen innerhalb der mächtigen !) 
Kalkmassen Hornstein-, Mergel- oder Tuffsandsteinbänke, welche dann 
sanz lokal weitergehende Gliederungen gestatten. 


Unzweifelhaft war es A. Boue&, der die reiche Vertretung der 
Trias bei Sarajevo zuerst geahnt?), aber auch bestimmter ausge- 
sprochen hat. Paläontologische Belege dafür ergaben sich erst durch 
die Funde A. Bittners?°) und J. Kellners, über welche letztere 
F. v. Hauer berichtete. Auch Fr. Herbich führt Fossilfunde 
an, die jedoch keiner Bearbeitung unterzogen wurden. War durch 
die Funde Bittners das Vorkommen des Werfener Schiefers und 
darüberliegender Triaskalke festgestellt, so erwiesen diejenigen 
Kellners die faunistische und fazielle Vertretung der Schreyeralm- 
schichten, der später so berühmt gewordenen Kalke von Han Bulog. 
Es ist das ein Vorkommen roten Kalkes mit einer Fauna, die fast 
vollkommen derjenigen der Schreyeralpe bei Hallstatt entspricht. 
Andere, namentlich spätere vereinzelte Funde ließen Bittner auch 
eine Vertretung der oberen '['rias annehmen. 

Die Aufsammlungen J. Kellners brachten sodann eine karnische 
Fauna zum Vorscheine, die, wie ich unten zeige, vollständig den 
Aonoides-Schichten des Salzkammergutes entspricht). 

Meine Aufnahmen ergaben weitere Horizonte in den Triaskalken. 
Namentlich konnte ich Vertreter ladinischer, karnischer und wahr- 
scheinlich auch norischer Schichten wahrnehmen, endlich an den 
Grenzen des Aufnahmsterrains noch Megalodontenkalke, die man als 
Thätisch bezeichnen darf. 

Die verschiedenen Variationen der Fazies der einzelnen Glieder 
zeigt übersichtlich zusammengefaßt die Tabelle auf der vorhergehenden 


1) Die Mächtigkeit der Triaskalke dürfte durchschnittlich 400 bis 800 m 
betragen. 


2) A. Bong, Min.-geogn. Details über einige meiner Reiserouten in der 
europäischen Türkei. Sitzungsb. d. Wiener Akad. d. Wissensch., LXI. Bd. 1870, 
pag. 216, 219, 220, 229 u. s. w. 

3) Grundlinien der Geologie von Bosnien ete. pag: 219 u. f. 

*) Verhandl. d. k. k. geol. R-A. 1884, pag. 217. 

5) Vgl. Annalen d. Hofmus. Jahresber. 1893, pag. 71. 

a8 


534 Ernst Kittl. b’ aixk [20] 


Seite. Die Dolomite scheinen insbesondere tiefere Horizonte der 
Kalke zu ersetzen, in denen meist nur stellenweise fossilführende 
Nester auftreten, in welcher Beziehung die sehr weitverbreiteten roten 
Cephalopodenkalke des oberen Muschelkalkes (Buloger Kalke) eine 
Ausnahme machen. 


Im folgenden seien die einzelnen Schichtgruppen näher be- 
sprochen: 


Il. Werfener Schichten !). 


Die unterste Trias ist in dem behandelten Gebiete im allge- 
meinen ähnlich ausgebildet wie im germanischen Triasbecken, wo 
sie als „Buntsandstein* bezeichnet wird, und wie in den Alpen, wo 
sie „Werfener Schiefer“ genannt wird. Die untere Abteilung bei 
Sarajevo stimmt fast genau mit der alpinen Ausbildung überein, 
während die obere Hälfte hier nur selten in dieser Ausbildung vor- 
kommt, dagegen viel mehr dem „Buntsandstein“ BleuE: ohne aber 
dessen bunte Färbung zu besitzen. 


Beide genannte Vergleichungen passen daher nicht vollständig 
auf die Ausbildung bei Sarajevo, wo sich in der mittleren, häufig auch 
in der oberen Abteilung eine Schichtserie dickbankiger, gelblicher 
Quarzsandsteine einstellt, die nur selten Fossilien führt. Es hat nun 
allerdings den Anschein, als wenn die Altersgrenze dieser Sandsteine 
nach oben und unten veränderlich wäre; die stratigraphische Position 
wie auch die petrographische Ausbildung derselben sind aber genügend 
beständig, so daß man zur Bezeichnung der diekbankigen bis unge- 
schiehteten mürben gelblichen Sandsteine der Werfener Schichten 
Bosniens wohl einen besonderen Namen: „Sarajevoer Sandstein“ 
anwenden darf. 


In unserem Kartengebiete ist die oberste Abteilung der Werfener 
Schichten, die in den Alpen wie auch in Dalmatien und in anderen 
Teilen von Bosnien-Herzegowina (zum Teil als Campiler Schichten) 
als eine mehr oder weniger mächtige Schichtfolge dünnplattiger 
Mergelkalke und Kalkmergel entwickelt ist, entweder sehr reduziert 
oder ganz fehlend. Als normale Schichtfolge der Werfener Schichten 
kann daher hier gelten: unten bunte Sandsteinschiefer und Mergel, 
oben sehr dickbankige, gelbliche Quarzsandsteine, denen mitunter als 
Abschluß einige Bänke von Mergelkalken aufliegen, die dann in die 
untersten Muschelkalke übergehen. 


Im Gebiete von Pra@a liegen die Werfener Schichten meist in 
derselben Ausbildungsweise direkt auf den paläozoischen Schichten, 
deren oberste Glieder häufig den petrographischen Typus der unteren 
Werfener Schichten besitzen. Wenn dazu noch — wie es öfters der 
Fall ist — letztere beide fossilfrei sind, können sie nicht von einander 
geschieden werden. Besonders auffällig ist dieses Verhältnis im ganzen 


!) In den Alpen, wo diese Schichten immer mehr oder weniger schiefrig 
ausgebildet sind, sagt man mit Vorliebe Werfener Schiefer; hier, wo das 
mächtigste Glied derselben nicht schiefrig‘ erscheint, mag es sich empfehlen, 
Werfener Schichten zu sagen. 


[21] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen) 535 


Quellgebiete der Miljacka (mit den beiden Quellflüßen der Paljanska 
und Mokranska Miljaöka). Die angeführten Gebiete zeigen die ausge- 
breitetsten Aufschlüsse in den Werfener Schichten; da die letzteren 
aber überall die Unterlage der Triaskalkmassen bilden, so kommen 
sie auch anderwärts, besonders in Taleinrissen unter denselben zum 
Vorscheine. 

Die Fossilführung der Werfener Schichten unseres Gebietes ist 
im allgemeinen eine spärliche; jedoch hat sich eine Anzahl von 
Fossilfundstellen ergeben, denen die Lokalforschung zweifellos noch 
weitere beizufügen imstande sein wird. Schon A. Bittner nannte deren 
einige. Zu diesen gehört der Aufschluß im Bistrikbach in Sarajevo, 
wo in grauweißen, etwas glimmerigen Sandsteinschiefern 


Pseudomonotis cf. aurita Hau. 
Anodontophora fassaensis ( Wissm.) 
& cf. canalensis (Cat.) 


vorkommen, welche Arten eher auf die untere als auf die obere 
Abteilung der Werfener Schichten hinweisen. Ganz außerhalb Sarajevo, 
in demselben Tale, aber südlich vom Dragulac, fand ich in dem Sara- 
jevoer Sandstein. 

Pseudomonotis cf. aurita Hau., 

Anodontophora sp. 

und verkohlte Pflanzenspreu. 


In ebendemselben Zuge bei Dovlici, und zwar an dem Hange 
gegen die Curvina stiena zu, unterhalb der westlichen Häuser sammelte 
ich in gelblichem, Glimmerschüppchen führendem Sandsteine: 


Anodontophora (Myacites) fassaensis Wissm. 


Zu den von A. Bittner schon erwähnten fossilführenden Punkten 
gehört auch die alte von Sarajevo nach Mokro führende Straße, wo 
er undeutlich erhaltene Fossilien in den Werfener Schichten auffand. 

Von weiteren mir bekannt gewordenen Aufschlüssen der Werfener 
Schichten mit Fossilien nenne ich folgende: 


1. Unterhalb Han Potocian der Straße nach Pale entdeckte 
Oberbaurat J. Kellner in graubraunen, aber auch rötlichen und grün- 
lichen glimmerigen Sandsteinschiefern Fossilien, und zwar in einem 
unmittelbar an der Straße östlich liegenden Steinbruche. Die Erhaltung 
ist die gewöhnliche ungünstige. An dieser Stelle trifft man: 


Anodontophora (Myaecites) fassaensis Wissm. (zahlreich) 
Myophoria laevigata Alb. (seltener) 
Pseudomonotis (?) sp. (stark zerdrückt) 


dann wulstförmige, ringförmige und andere Hieroglyphen, welche eine 
besondere Deutung nicht zulassen. 

2. Im Tale der Zujevina am Südwestende der Karte finden 
sich in den Gesteinen vom Typus der unteren Werfener Schiefer nament- 
lich bei Tar&in unbestimmbare Zweischaler. 


536 Ernst Kittl. +21 


3. Die Aufbrüche des Werfener Schiefers auf der Brezova 
glava im nordwestlichen Teile der Karte führen an mehreren Punkten 
(Westseite des Gipfels, Hochmulde östlich davon) charakteristische 
Fossilien der Werfener Schichten, und zwar im Quarzit insbesondere 
Lamellibranchiatenreste, in mergelig- kalkigen Bänken vorwaltend 
Gastropoden wie Naticella costata Mstr. und Turbo rectecostatus Hau., 
so daß also hier untere und obere Werfener Schichten petrographisch 
und faunistisch gut charakterisiert sind. 


4, Bei Han Bulog ($S.) nahe der Miljacka ist ein Aufschluß 
der Werfener Schichten, welcher in den hangenden Schichten unmittel- 
bar unter dem Muschelkalke auch Pflanzenreste führt !), die man als 
Iiquisetites sp. bezeichnen kann. Dergleichen Reste erscheinen auch 
im Werfener Schiefer bei den obersten Häusern am Bistrik potok 
in Sarajevo. Bei Han Bulog aber, und zwar in den nördlich auf- 
wärts ziehenden Wasserrissen kommen sogar ganz schwache Kohlen- 
schmitzchen vor. 


5. Aus dem Vorkommen der Werfener Schichten in der Gemeinde 
Kievo im Zeljesnicatal, wozu die Dörfer Klanac und Spile ge- 
hören, führte schon Bittner?) nachfolgende Fossilfunde an: 


Myaeites sp. Pecten sp. 
Pecten discites Schloth. Lingula sp. 
Pseudomonotis (2) sp. Naticella costata Mstr. 


Von der letztgenannten Art wird gesagt, daß sie dem obersten 
mergeligen Niveau entstamme, welches hier mit Rauchwacken in Ver- 
bindung steht. Aus demselben Niveau bei dem weiter südlich — schon 
außerhalb des Bereiches meiner Karte — liegenden Dorfe Jablanica 
gewann Bittner Naticella costata Mstr., Myophoria fallax Seeb., Ger- 
villeia sp., aus dem tieferen Sandsteinschiefer dieses Punktes dagegen 
Pseudomonotis Clarai Buch. und Anodontophora fassaensis Wiss. 

In dem Gebiete von Kievo fand auch ich mehrfach die von 
Bittner angeführten fossilführenden Schichten, welche sich auch auf 
das linke Zeljesnicaufer hinüberziehen. 

Wie schon oben bemerkt wurde, sind die Grenzen zwischen 
den Werfener Schichten und dem Muschelkalke fast immer durch 
das reichliche Auftreten von Quellen gekennzeichnet. Hierüber ver- 
gleiche man die betreffenden Angaben in der hydrographischen 
Übersicht und in dem topographischen Abschnitte, wo auch Ausnahmen 
von dieser Regel und deren Ursachen angeführt werden. 


!) Aus einem hellgrauen, hie und da mit ockerigen Anflügen versehenen feinen 
Quarzkonglomerat, das angeblich zwischen Han Bulog und Pale im 
Milja&katale gefunden wurde, stammt der schon von F. v. Hauer erwähnte 
Pflanzenrest, der selbstverständlich sehr ungünstig erhalten ist, einem Pterophyllum- 
Wedel ähnlich sieht und von D. Stur als cf. Anomopteris Mugeoti A. Brong. be- 
stimmt wurde. Da ein genau gleiches Gestein anstehend in der Strecke des Tales, 
welche hier in Betracht kommen kann, nicht bekannt ist, so ist möglicherweise 
das betreffende Stück zugeschwemmt. (Vgl. Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss, 
LIV. Bd., pag. 2.) 

?) Grundlinien etc. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1880, pag. 376. 


[23] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 537 


2. Die Triaskalke im allgemeinen. 


Die über den Werfener Schichten liegenden Triasgebilde bestehen 
aus mächtigen Kalkmassen, welche zumeist fossilarm sind und denen 
nur ab und zu Hornsteine, Mergel und Tuffsandsteine eingeschaltet 
sind, wodurch dann eine Gliederung von lokaler Geltung ermöglicht 
wird. Wichtig erscheinen jedoch immer Fossilvorkommnisse, da sie häufig 
eine mehr oder weniger genaue Altersbestimmung und Parallelisierung 
der betreffenden Schicht gestatten. 

‚Vor der Erörterung der einzelnen paläontologisch erkennbaren 
Stufen seien die petrographischen Ausbildungsweisen 
besprochen. 

Die Kalke, welche den weitaus überwiegenden Teil der Trias 
mit Ausnahme der untersten Abteilung zusammensetzen, sind zumeist 
weiß, hellgrau, dann entweder dicht oder aber an einzelnen Punkten 
feinkörnig, vielleicht durch Metamorphose kristallinisch geworden; 
solche Vorkommen sind am Ozren, am Nordwesthange des Bukovik, 
sanz untergeordnet auch anderwärts wie am Igman u. s. w. Rötliche 
Färbungen. sind nicht selten und die Kalke dann gewöhnlich fossil- 
führend. Intensiv rote Gesteinsfärbung ist in der Regel mit reicher 
Fossilführung verbunden. Die bekannten Fundorte Han Bulog (recte 
Han Vidovie), Haliludi u. s. w. sind in dieser Hinsicht schlagende 
Beispiele. 

Knollige Kalke haben häufig mergelige Zwischenlagen; es 
finden sich solche an der Basis des Muschelkalkes von grauer Färbung 
und in der ladinischen Stufe von roter Farbe. In beiden Fällen sind 
Fossilien zumeist nur als unbestimmbare verdrückte Steinkerne vor- 
handen. 

Schwarze bituminöse Kalke erscheinen insbesondere in 
der Südwestecke des Kartengebietes direkt über den Werfener Schichten, 
hier also den unteren Muschelkalk vertretend. 

Hie und da werden die Kalke dolomitisch, wie am Paprenik; 
an einigen Stellen, so bei Spile, Podivici, Tvrdinici erscheinen wahre 
Dolomitbreccien vom petrographischen Typus des Hauptdolomits, 
wobei auch gewöhnlich der landschaftliche Charakter des letzteren 
auftritt. Es scheinen jedoch diese Dolomite unseres Gebietes durchweg 
tiefere Horizonte der Trias zu vertreten, wie in der obigen Tabelle 
angedeutet ist. Nur im äußersten Nordosten dürfte wahrer Haupt- 
dolomit vorhanden sein. 

Hornsteine und rote oder grüne Jaspise finden sich im Niveau 
der ladinischen Stufe in dünnen Einschaltungen im Kalke bis zu 
Komplexen von mehreren Metern Stärke; gute Aufschlüsse in solchen 
sind bei Han Bulog, bei Medjuse u. s. w. Die meisten der in der Karte 
eingezeichneten Hornsteinvorkommnisse dürften diesem Niveau zu- 
fallen. Hornsteinknollen finden sich jedoch auch in manchen Kalken 
der unteren Niveaus (oberer Muschelkalk) oft sehr reichlich einge- 
schaltet und kann durch ihre Anhäufung lokal der Eindruck wahrer 
Hornsteinschichten erzeugt werden, was zum Beispiel im Mosca- 
nicatale sowie an der Straße von Sarajevo nach Pale gut studiert 
werden kann. 


538 Ernst Kitt). [24] 


Den Triaskalken eingeschaltete, etwa dem Horizonte der Lunzer 
Schichten angehörige Sandsteine!), konnten mit Sicherheit im Gebiete 
des Kartenblattes nicht nachgewiesen werden. Nur in der ladinischen 
Stufe findet sich ab und zu eine gering mächtige Lage von glaukonit- 
führendem rötlichem oder bräunlichem Tuffsandsteine (Han Vidovie, 
Dragulac), der mit Pietraverde verknüpft oder durch solche ganz ersetzt 
wird. Petrographische Beschaffenheit wie Lagerung weisen auf deren 
oben schon angeführte Zugehörigkeit zur ladinischen Stufe hin. 

Bezüglich der Fossilführung ergibt sich bei der nun folgenden 
Erörterung der einzelnen Glieder die beste Gelegenheit, erstere 
darzulegen. 


3. Unterer Muschelkalk ?). 


Derselbe gliedert sich von unten nach oben meist in folgender 
Weise: 

a) Graue Knollenkalke mit Dadocrinus. 

b) Hellgefärbte Riffkalke mit Diploporen, Spongien etc. 

c) Rötliche hornsteinführende Kalke. 

d) Brachiopodenkalke, welche zum Teil schon mit den oberen 
Muschelkalkschichten in Verbindung stehen. 


Im SW. des Kartengebietes erscheint als tiefstesGlied schwarzer 
bituminöser Kalk mit gelben oder roten Anflügen auf den Schicht- 
flächen, also vom Typus der niederösterreichischen Gutensteiner 
und Reiflinger oder Reichenhaller Kalke (nicht der echten 
Reiflinger Kalke); sie sind bisher nur fossilfrei bekannt und nehmen 
die tiefsten Bänke unmittelbar über den Werfener Schichten ein; 
ihnen sind gewöhnlich Dolomite, seltener Diploporenkalke aufgelagert. 
Aus dem Tale der Zujevina werden die schwarzen Kalke schon von 
A. Bittner erwähnt?). 

a)Graue Knollenkalke als tiefste Bänke des Muschelkalkes 
finden sich fast allenthalben in der näheren und weiteren Umgebung 


!) Da in gewissen Gegenden Bosniens — wie ich später an anderer Stelle 
genauer darlegen werde — den Lunzer Schichten entsprechende Sandsteine wirklich 
vorkommen, so läge es nahe, zum Beispiel auch die Sandsteine, welche am NO-Hange 
des Vihor auftreten, als Lunzer Sandsteine anzusprechen. Damit dort die Analogie mit 
Lunzer Schichten so recht auffällig wird, folgen dort über dem Sandsteine Kalke und 
sodann Dolomite; dann kommen aber wieder Riffkalke und Buloger Kalk. Dieser 
Sandsteinzug könnte nun außerdem noch entweder einem Aufbruche der Werfener 
Stufe oder einer Einfaltung von jüngeren Schichten entsprechen, wofür sich in beider 
Hinsicht Gründe anführen lassen. Ich habe mich entschlossen, diese Sandsteine 
vorläufig als jungmesozoisch auf der Karte auszuscheiden. 

?) In der von Waagen, Diener und Mojsisovics (Entwurf einer Glie- 
derung der pelag. Sedimente des Triassystems. Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. 
Wissensch., CIV. Bd., 1895, pag. 1279) gegebenen Tabelle ist für diese Schichten 
kein passenderer Name, obgleich an der entsprechenden Stelle auch „Balatonisch“ 
und „Zone des Ceratites binodosus‘ steht; die beiden letzteren Bezeichnungen sind 
bezüglich ihres Inhaltes noch ungeklärt. Ebenso ist der obere Muschelkalk dort 
als „bosnisch“ bezeichnet, was gerade für bosnische Vorkommen, weil zu Mißver- 
ständnissen Anlaß bietend, unpassend ist. Auch die Ausdrücke „anisisch“ und „dina- 
risch“ ließen eine einwandfreie Verwendung bei bosnischen Vorkommen nicht zu. 

3) Grundlinien, pag. 201 und 221. 


[25] Geologie der Umgebung von Sarajovo. (Geologische Formationen.) 539 


von Sarajevo, wo ihre direkte Auflagerung auf den Werfener Schichten 
stets mehr oder weniger klar zu beobachten ist, wenn nicht allzu 
reichlicher Gehängeschutt diese Formationsgrenze verdeckt; es war 
dieses Formationsglied von einem Punkte bei Sarajevo und von 
Krblina!) bereits A. Bittner bekannt geworden. 

Die ursprüngliche Färbung des Gesteines ist bläulichgrau, wird 
durch Zersetzung bräunlich, die knolligen Schichtflächen sind grau 
oder häufig gelblich bis rostfarbig, die tonigen oder mergeligen 
Zwischenlagen führen mitunter kleine Glimmerblättchen. In dem 
letzteren Falle erinnern sie sehr an Gesteine der Werfener Schichten. 
Daß sie diesen aber nicht mehr angehören, das zeigt die fossile 
Fauna derselben, welche freilich noch sehr unvollständig bekannt ist, 
aber bisher gar keine Elemente der Werfener Schichten, wohl aber 
solche der Muschelkalkfauna und dieser analoge Formen geliefert hat. 

Am häufigsten sind Stielglieder von Crinoiden, welche wahr- 
scheinlich zu Dadocrinus gehören, dann Lamellibranchiatenreste, 
worunter Fragmente von Lima oder Mysidioptera, besonders charakte- 
ristisch aber eine Myophoria n. f. aus der Gruppe der konzentrisch 
gerippten Formen, endlich Gastropoden, welche, soweit sie bestimmbar 
waren, nahe Beziehungen zu denjenigen der nächstjüngeren Schichten 
(oberer Muschelkalk, ladinische Stufe) zeigen. 

Die Mächtigkeit dieses Schichtgliedes ist gering: 1/; bis mehrere 
Meter. Das ältestbekannte Vorkommen dieser Schichten liegt am 
Bistrikbache in Sarajevo, wo A. Bittner bei den obersten Häusern 
eine Naticopside (Fedaiella sp., von Bittner als Natica cuccensis 
Mojs.?) angeführt) neben Steinkernen einer großen Chemnitzia-artigen 
Schnecke und Terebratula vulgaris (Schloth.) sammelte; etwas höher 
unterhalb der Felswände fand derselbe Dadoerinus gracilis Buch (?) 
in ähnlichem Gesteine. Noch weiter südlich am rechtseitigen Talgehänge 
führen diese Schichten, wie ich erhob, verschiedene unbestimmbare 
Gastropodensteinkerne, dann Lamellibranchiatenreste, die man als 
Myophoria sp.?) und Lima (?) sp. deuten kann. 

Im Weichbilde von Sarajevo, und zwar östlich von Bakije, 
dort, wo die Straße eine Krümmung nach Osten gegen die Militär- 
schießstätte zu macht, sind diese Schichten mit etwas reichlicherer 
Fossilführung aufgeschlossen, doch auch hier gelingt es nur selten, gut 
bestimmbare Fossilreste zu erlangen. Neben Stielgliedern, die von 
Dadocrinus gracilis Buch stammen mögen, fand ich Lamellibranchiaten- 
reste (Lima oder Mysidioptera ?), unbestimmbare Naticopsiden und 
Pleurotomariiden, unter letzteren Worthenia cassiana Ki. und einen 
Steinkern von Euomphalus. 

Viel weiter östlich im oberen LapiSnicatale lieferten mir 
die Knollenkalke: Dadocrinus? sp., Lima? sp., Mysidioptera? sp., Wald- 
heimia angusta Schloth. (breite Varietät) und einen Abdruck einer 
kräftig gerippten Spiriferina; bei Bulog an der Miljacka: Dadoerinus?; 


!) Grundlinien, pag. 220 und 221. 

?) Grundlinien, pag. 220. 3 

3) Kräftige konzentrische Rippen auf dem mittleren und vorderen Schalen- 
teile zeichnen diese wohl neue, auch an anderen Aufbrüchen dieser Schichten 
wieder erscheinende Art aus. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E, Kittl.) 74 


540 Ernst Kitt). u [26] 


bei dem Dorfe Stupan: Dadocrinus? sp., Myophoria sp. und Spiri- 
gera af. contraplecta Mstr.,; an dem Sattelübergange des Reitweges 
von Sarajevo nach Blizanac: Myophoria sp. und Lima? sp. 

Die weite Verbreitung dieser untersten Muschelkalkschichten 
zeigt die beigegebene Karte. 

Der auffallendste Umstand ist wohl die vollständige Verschieden- 
heit der faunistischen Fazies der Knollenkalke von derjenigen der 
Werfener Schichten, während jene petrographisch einen Übergang von 
diesen zu den triadischen Riffkalken darstellen. 


b) Hellgefärbte Riffkalke, meist weiß, grau oder gelblich, 
legen sich unmittelbar über die grauen Knollenkaike. Die Fossil- 
führung ist stellenweise reichlich, doch sind die organischen Reste 
meist nur in Durchschnitten ausgewittert. Am besten erkennbar und 
am öÖftesten erscheinen Diploporen, dann Spongien; seltener sind 
Korallen, Echinodermen (am häufigsten Crinoidenstiele) und Mollusken. 
Da die vorerwähnten Knollenkalke nur geringe Mächtigkeit besitzen, 
über ihnen sich aber oft Wände bildende Riffkalkmassen aufbauen, 
höhere darüberliegende fossilführende Bänke jedoch dem sogenannten 
oberen Muschelkalk zugehören, so darf wohl angenommen werden, daß 
diese tieferen Riffkalke noch dem unteren Muschelkalke zufallen und 
dabei zuweilen größere Mächtigkeit besitzen. So dürften die Kapa und 
der Trebevi@c bei Sarajevo sowie ein sehr bedeutender Anteil der 
hellen Riffkalke der Romanjawände etc. diesem sogenannten unteren 
Muschelkalke angehören. 

Paläontologisch ist dieser untere Muschelkalk heute noch nicht 
in völlig befriedigender Weise eharakterisierbar, da außer den er- 
wähnten Durchschnitten (insbesondere Diploporen) nur äußerst spär- 
liche Funde vorliegen. x 

Ich rechne dazu die von A. Bittner unter den Wänden der 
Kapa bei Sarajevo gefundenen Pectenformen (Pecten cf. Margheritae 
Hau., Pecten? sp. je eine glatte und eine gerippte Art), woselbst 
noch Terebratula cf. venetiana Hau. vorkam, wogegen die meisten 
sonstigen bisherigen Fossilfunde in den Riffkalken wahrscheinlich aus 
höheren paläontologischen Horizonten stammen werden. 

Die tieferen Teile dieser unteren Riffkalkmasse besitzen häufig 
eine gelbliche Färbung oder bilden anscheinend einen rostfarbigen 
Erosionsrückstand, während die in dem Triaskalkgebiete bei Sarajevo 
häufig erscheinende Terrarossa aus Kalken höherer Niveaus hervor- 
gehen dürfte. 

Daß übrigens die Fossilführung im unteren bosnischen Muschel- 
kalke mitunter den Recoarokalken entspricht, das zeigten mir bei 
Otevlje gemachte Funde, die weiter unten noch angeführt werden. 

Es ist vielleicht nicht ganz überflüssig, besonders darauf hinzu- 
weisen, daß an vielen Punkten die hellen Riffkalkmassen bis in die 
obere Trias hinaufreichen mögen, ohne daß es bisher gelungen wäre, 
in ihnen fossilführende Horizonte oder Nester nachzuweisen. 


c) Rötliche Kalke mit Einschlüssen von Hornstein- 
knollen oder ganzen Lagen von Hornstein finden sich besonders in 
der Nähe von Sarajevo, aber auch an ehtfernteren Punkten. Bei 


REED En un N." un. 


er 


[27] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen) 541 


Sarajevo liegen sie anscheinend über den soeben besprochenen hellen 
Diploporenkalken. 


Da solche. Hornsteinknollen und -Fladen auch in fossilführendem 
oberen Muschelkalk auftreten, in dem tieferen Hornsteinkalke meines 
Wissens bisher keine bemerkenswerten Fossilfunde gemacht wurden, 
so bleibt dieses Glied immerhin etwas unsicher. 


d) Brachiopodenkälke. Gewöhnlich findet man sie im un- 
mittelbaren Liegenden der an Cephalopoden reichen Schichten des 
oberen Muschelkalkes in Nestern oder im Gestein verteilt. Für beide 
Arten des Vorkommens bietet der Trebevic Beispiele ; erstere Modalität 
des Auftretens zeigt der Ostgrat, letztere findet sich nahe Studenkovi6 
am Hange; auch bei Blizanac kommen Nester vor, doch treten hier 
einzelne Brachiopoden in die Cephalopodenbänke ein. Umgekehrt 
bilden die Brachiopoden wohl an Individuenzahl die überwiegende 
Masse der Fossilien jener Nester, doch finden sich daneben auch 
Gastropoden, Lamellibranchiaten, seltener Cephalopoden, diese 
letzteren — wie es scheint — nur in den Grenzen gegen die Cephalo- 
podenkalke. 

Diese Brachiopodenkalke scheinen die in gleicher Fazies ent- 
wickelten und so viel genannten alpinen Recoarokalke zu vertreten 
und haben mit letzteren auch eine Anzahl von Arten gemein, ins- 


besondere die so charakteristische Spirigera trigonella. 


Bittner hat auf Grund des von mir gesammelten Materials die 
Fazies der Brachiopodenkalke des Trebevi@ als eine für den alpinen 
Muschelkalk ganz neue bezeichnet, die am genauesten mit den Hier- 
latz-Crinoidenkalken des Lias übereinstimme !). Es ist dem beizufügen, 
daß sich diese in Bänken und Nestern auftretenden Brachiopodenkalke 
stets im Liegenden, sehr oft im unmittelbaren Liegenden der nächst 
höheren roten Cephalopodenschichten vorfinden. In den Grenzschichten 
scheint eine Mischung beider Faunen stattzufinden. 


Dem Vorschlage Bittners, diese Brachiopodenkalke als „rote 
Trebevickalke“ zu bezeichnen, kann ich aus zwei Gründen nicht 
zustimmen: 1. Sind diese Kalke .nicht nur rot und rötlich, sondern 
auch gelblich bis rein weiß gefärbt; 2. sind sie von den roten Öephalo- 
podenkalken nicht nur am Trebevic, sondern überall, wo sie zur 
Beobachtung kamen, überlagert. Es empfiehlt sich daher, diese Kalke 
als „Brachiopodenkalke des Trebevic* oder „Trebevicer 
Brachiopodenkalke“ zu bezeichnen. Aus diesen Schichten hat A. Bittner 
bereits die von mir gesammelten Brachiopoden und einige Lamelli- 
branchiaten ausführlich bearbeitet und daraus folgende 50 Arten von 
Brachiopoden aus den Lokalitäten: Studenkovi£ (S.), Blizanae (B.) und 
Ostgrat (O.) bestimmt und größtenteils neu beschrieben ?): 


Terebratula af. vulgaris Schl. S. B. 
suspecta Bittn. S. B. ©. 


n 
1) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1903, pag. 612. 
2), A. Bittner, Brachiopoden und Lamellibranchiaten aus der Trias von 


Bosnien, Dalmatien und Venetien. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1903. 
74* 


542 


Aulacothyris supina Bittn. S. B. O. 


Rhynchonella Mentzelii Buch sp. S. B. 


Ernst Kittl. [28] 


soror Bittn. B. O. 
Loeffelholzi Bittn. (heller Kalk!) B. 
semiplana Bittn. ef. S. B. ©. 
Wähneri Bittn. B. 
' sparsa Bittn. B 
mira Bittn. B. ©. 
reclinata Bittn. S. 
(Camerothyris) cymbula Bittn. B. O. 
turgidula Bittn. S. B. ©. 
Waageni Bittn. (Han Bulog-Art) S. B. ©. 
var. crassula Bi. S. 
obesula Bittn. BD: 
ineurvata Bittn. B. O. 
gregalis Bittn. B. O. 
»„ var. subgregalis Bittn. B. O. 


decurtata @ir. var. meridiana n. S. B. 
vivida Bittn. B. 
Fuchsit Bittn. S. 
proclivis Bittn. S. 
begum Bittn. S. B. O. 
nissa Bittn. S. B. ©. | 
dinarica Bittn. S. B. ©. | 
Pastrovicchiana Bittn. B. 
iülyrica Bittn. S. B. O. 
„. var. mediosulcata Bittn. S. O. 
Trebevidensis Bittn. 8. 
nitidula Bittn. S. B. O. 
ambitiosa Bittn. B. 
perpusilla Bittn. S. 
pi. sp. indet. 


Spirigera trigonella Schl. sp. 8. B. O. 


cornutula Bittn. S. B. 
biplicatula Bittn. 8. 
hexagonalis Bittn. S. B. O. 
Kittlii Bittn. S. B. 
canaliculata Bittn. 8. 
Sturi Boeckh 8. B. O. 
(efr.) forojulensis Bittn. 8. 


Retzia Schwageri Bittn. S. B. 


” 


af. Taramellii Sal. 


Spiriferina avarica Bittn. S. B. O. 


efr. pia Bitin.! S. B. -O. 

? Canavarica Tomm. 
pectinata Bittn. S. B. 

cfr. fragilis Schl. B. 
solitaria Bittn. B. 
ptychitiphila Bittn. S. B. 
microglossa Bittn. S. B. O. 


[29] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 543 


Spiriferina megarhyncha Bittn. B. 
A Köveskalliensis Boeckh S. B. 


a a: » var. validi- 
rostris Bittn. S. 


Daneben finden sich aber an Fossilien aus anderen Gruppen: 


Enerinus-Stiele Lima sp. 
Aviculopecten-Arten (A. Bosniae Myoconcha sp. 
Bittn., A. Schlosseri Bittn., Pleurotomariiden (6 oder mehr 


A. interruptus Bittn.) neue Arten) 
Pecten cf. amphidoxus Bittn, Euomphalus sp. 
Macrodon sp. Hologyra sp. und andere Gastro- 
Hoferia? sp. poden. 


Diese Fossilien sind jedoch den Brachiopoden gegenüber relativ 
selten. 

Recht nahe Beziehungen scheinen die Brachiopodenkalke 
des Trebevic (Hang gegen Studenkovid, Hang gegen Blizanae, Ost- 
grat) sowie die von Gradiste bei Bulog (vel. darüber Nr. 5 im 
topographischen Abschnitte) zu den Muschelkalkfaunen zu haben, die 
Bittner auf Grund der durch Fr. Katzer bei Cevljanovid ver- 
anlaßten Aufsammlungen schon beschrieben hat!). Es sind das die 
von den Fundorten Grk?), Klade und Sabanke bei Cevljanovie. 


Eine ebenfalls nahe verwandte Fauna fand ich in hellgrauen 
Kalken nordwestlich von Otevja (OGevlje der Karte), woraus ich 
gewann: 


Terebratula vulgaris (Schloth.) Iöhynchonella Mentzelii Buch 


Aulacothyris gregalis Bittn. 3 cf. trinodosi Bittn. 
4 Wähneri Bittn. E ilyrica Bittn. 

Spirigera trigonella (Schloth.) Discina sp. 

5 Sturi Boeckh Pleurotomaria sp. 
Spiriferina Köveskalliensis Suess Loxonema sp. 

5 Mentzelii (Dkr.) Oypridina sp. 

E cf. pia Bittn. Aviculopecten cf. Bosniae Bittn. 
Ichynchonella vivida Bittn. Pecten Mentzeliae Bittn. 


Eine ganz ähnliche Brachiopodenfauna sammelte F. Wähner 
in der Zagorje, von wo A. Bittner 15 Arten derselben bestimmt 
hat). Eine vollständig analoge Fauna sammelte G. v. Bukowski im 
südlichen Pastrovicchio in Süddalmatien #,. Die Trebevider Brachio- 
podenkalke der Recoarostufe scheinen somit geradeso wie sie 


!) l.c. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1903. 

2) Von dieser Lokalität führt Bittner Monophyllites sphaerophyllus Hau. 
an, während mir nur Monophyllites cf. Swessi Mojs. von dort bekannt wurde; ich 
halte jenes in Bittners Nachlaß enthaltene Zitat für eine Verwechslung mit der 
von mir genannten Art, die ab und zu in den Brachiopodenkalken auftritt, während 
M. sphaerophyllus die oberen an Cephalopoden reichen Muschelkalke charakterisiert, 
nach meiner Erfahrung aber in den Brachiopodenkalken fehlt. 

®) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1903, pag. 536. 

*) Ebendort, pag. 497, dann Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1899, pag. 74. 


544 Ernst Kittl. [30] 


auch die Cephalopodenbänke der Schreyeralmstufe im Dinarischen 
Gebirge zeigen, eine ziemlich universelle Verbreitung zu haben. 


4. Oberer Muschelkalk (Schreyeralmstufe), Buloger Kalk, Roter 
Ptychitenkalk. 


Diese in der Regel dunkelrot gefärbten Kalke mit zahlreichen 
Resten von Cephalopoden, unter welchen fast überall Piychites Studeri 
Hau. (Pt. fleeuosus Mojs., Pt. acutus Mojs. und andere Formen) vor- 
herrscht, treten in oft weit durchziehenden Bänken auf. Bei Bulog 
sind in denselben auch Rostra von Atractites recht häufig und charak- 
teristisch. In der Überschrift setze ich neben der ersten zwei andere 
recht charakterisierende Bezeichnungen, welche mehr der lokalen 
Ausbildungsweise entsprechen. Besser scheint mir davon die von mir 
hier häufig gebrauchte Benennung dieser Schichten als „Buloger 
Kalke* zu sein als die früher viel gebrauchte: „Kalke von Han 
Bulog“, da heute im Dorfe Bulog nicht weniger als drei Hans 
bestehen !) und es die ganze Umgebung des Dorfes Bulog ist, die 
sich so reich an Aufschlüssen in diesen Schichten erwiesen hat, welche 
alle mehr oder weniger zahlreiche Fossilien geliefert haben. 

‚Die ersten Funde in diesen Schichten hat wahrscheinlich wohl 
Fr. Herbich gemacht; doch scheinen seine Aufsammlungen in Ver- 
stoß geraten zu sein?). Eine wissenschaftliche Bearbeitung haben sie 
nie gefunden. 

A. Bittner war wohl das Auftreten Cephalopodenführender 
Kalke in der Nähe von Sarajevo bekannt geworden (Funde Herbichs), 
doch kamen ihm diese Funde nicht zu. Vielmehr brachte erst Franz 
von Hauer darüber nach späteren Funden J. Kellners genauere 
Angaben), wonach dieselben ein ausgezeichnetes Muschelkalkvor- 
kommen repräsentieren. Es ist zweifellos ein Verdienst v. Hauers, 
die Bedeutung der Funde J. Kellners erkannt und gewiß ein 
ebensogroßes Verdienst des letzteren, über Anregung F. v. Hauers 
seine ersten Funde durch weitere ausgiebige Aufsammlungen in einer 
Weise vervollständigt zu haben, daß Hauer seine bekannten mono- 
graphischen Bearbeitungen darauf gründen konnte. 

Schon in der ersten Notiz über die Buloger Kalke hob Hauer 
die überraschende Ähnlichkeit der in ihnen enthaltenen Fossilien zu 
jenen der Schreyeralpe bei Hallstatt hervor. Mit den Schreyer- 
almschichten (Zone des Ptychites Studeri*)) stimmen die Buloger Kalke 
nicht nur faunistisch sehr wohl überein, sondern auch die Gesteins- 
fazies ist beiden gemeinsam. Es sind durch Eisenoxyd ziegelrot ge- 
färbte Kalke, die stellenweise durch Hinzutreten von Maganoxyden 


!) Stary Han Bulog, Novi Han Bulog, Han Vidovic. 

®) Nach den mündlichen Mitteilungen des Herrn Kreisvorstehers Baron 
Mollinary, der mit Fr. Herbich einige Bereisungen gemacht hat, befände sich 
ein Teil dieser Funde in seinem Privatbesitze; doch ließ sich eine genaue Lokalitäts- 
angabe für die einzelnen Stücke nicht ermitteln. 

®) Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1884, pag. 217. 

*) Zone des Ceratites trinodosus Mojsisovies. — Dieses letztere Leitfossil der 
Zone kam in Bosnien zwar auch, aber bisher nur sehr selten zum Vorscheine. 


u et eis 


[31] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 545 


dunkler, mitunter sogar schwärzlich gefärbt erscheinen. Doch sind 
diese dunklen, namentlich die schwarzen Färbungen nur ganz lokal 
in Schichtfugen, Konkretionen oder Spalten zu beobachten. 

Bezüglich des Auftretens der Buloger Kalke berichtete Hauer, 
daß sie an der Straße von Sarajevo nach Pale anscheinend stets nur 
„nesterförmige Einlagerungen in den weißen Kalksteinen“ bilden !). 
Diese Ansicht, welche Hauer durch Autopsie gewonnen hatte, mag für 
viele Vorkommnisse richtig sein; nur besitzen diese Nester mitunter 
eine recht bedeutende Ausdehnung, so daß man dann von „Schichten“ 
sprechen muß. Gleich bei Bulog an der rechten Talseite ziehen die 
fossilführenden Schichten von der ersten Fundstelle an der Straßen- 
serpentine bei Han Vidoviec?) bis hinauf zur Spitze des Kr. 
Am linken Miljackaufer liegt die Lokalität Haliluci, wo die Buloger 
Kalke wohlgebankt etwa 1 km weit hinziehend beobachtet werden 
können. Vielleicht das bedeutendste Beispiel für die zuweilen recht 
.große Ausdehnung des Vorkommens der Buloger Kalke ist das Süd- 
westgehänge des Trebevic, welches in einer nur stellen- 
weise unterbrochenen Erstreckung von 45 km die Schichten der 
Buloger Kalke aufgeschlossen zeigt. Solche Vorkommnisse wird niemand 
noch zu den Nestern rechnen. Häufig läßt sich auch erkennen, daß 
das scheinbar nestartige Auftreten der Buloger Kalke mit Dislokationen 
im Zusammenhange steht. Daraus folgt allerdings nicht, daß die Buloger 
Kalke überall durchweg ununterbrochen fortziehende Schichten bilden 
müßten. 

Die Fauna der Buloger Kalke, welcher im Anhange noch 
eine ausführlichere Besprechung gewidmet werden soll, ist durch das 
Vorherrschen von Cephalopodenresten charakterisiert. Neben Resten 
von Atractites sind es Arten der Gattungen Ptychites (besondes häufig 
Pt. flexuosus, acutus, Opmpeli u. Ss. w.), Monophyllites (M. sphaerophyllus), 
Gymnites, Arcestes, die massenhaft auftreten. 

An manchen Stellen mischen sich unter die Cephalopoden bald 
spärlich, bald reichlich Brachiopodenschalen, wovon Spiriferina 
ptychitiphila am größten und auffälligsten ist. Diese Art oder eine 
andere der Fauna bildet wohl auch gelegentlich ganze Bänke wie bei 
Haliludi, am Grabovik und am Krs, welche Brachiopodenbänke in 
der Regel keine Arten der älteren Brachiopodenkalke 
des Trebevic, wohl aber mitunter spärliche Cephalopoden führen. 
Gastropoden und Lamellibranchiaten sind seltene Erscheinungen der 
Buloger Kalke wie auch Echinodermen- und Diploporenreste. Ganz 
vereinzelt kamen vor: ein Cestraciontenzahn und ein amphicöler 
Saurierwirbel. 

Die Zusammensetzung der Faunen der einzelnen Fundstellen 
wechselt lokal bezüglich der Arten wie auch bezüglich der Häufigkeit 
derselben. Es lag daher nahe, zu untersuchen, ob sich die Buloger 
Kalke nicht etwa — wenn auch nur nach Schichten — weiter gliedern 
lassen. 


!) Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wissensch., LIV. Bd., 1888, pag. 2. 


2) Früher wurde sie immer „Han Bulog“ genannt, wo übrigens auch ein 
kleiner Ausbiß der Buloger Kalke an der Straße liegt. 


546 Ernst Kitt. [32] 


Obwohl ich dieser Frage bei meinen Begehungen stete Auf- 
merksamkeit schenkte, so ist es mir doch nicht gelungen, in dieser 
Hinsicht viel mehr als einen steten Wechsel in dem Auftreten der 
selteneren Arten zu erkennen. Indessen glaubte ich doch bemerken 
zu können, daß die Gattungen Proteusites, Balatonites sowie die Ceratiten 
aus der Verwandtschaft des ©. decresceens Hau. und wahrscheinlich 
auch Monophyllites Suwessi Mojs. auf die tiefsten Bänke beschränkt 
seien. 

Herr Dr. J. Kellner hatte bis zum Jahre 1892 im Miljackatale 
nicht weniger als 9—10 verschiedene Punkte entdeckt, an welchen 
die fossilführenden Buloger Kalke zutage treten. Außer dem Gebiete 
von Bulog mit den Fundorten (Vidovic, Grabovik, Krs, Haliluci, Stup 
sornje, Stary grad, Bare, Mathildenquelle, GradiSte) waren es auch 
einige Punkte nahe an Sarajevo, wo die Fossilführung der Schichten 
eine reichere ist. 

Bei weitem am intensivsten wurden die zwei Fundstellen bei 
Han Vidovie und nächst Haliludi, und zwar sogar steinbruchmäßig 
ausgebeutet. 


Die Buloger Kalke haben außer auf dem Gebiete des Karten- 
blattes auch sonst in Bosnien und wohl auch bis Dalmatien !) weite 
Verbreitung. Einer der südlichen Punkte in Bosnien, wo die Buloger 
Kalke bekannt geworden sind, ist Kalinovik; aus dem bosnischen 
Erzgebirge führt F. Katzer neuerdings auch von KoSuh nächst 
Fojnica fossilreiche Buloger Kalke an?). Sie fehlen nicht an der 
Westgrenze Bosniens bei Grahovo, aus der Nähe welches Ortes 
F. v. Hauers Original zu seinem Arcesies Studeri stammen dürfte, 
und treten auch noch bei Cazin sowie bei Pregrada auf der Kuna 
gora in Kroatien auf, von wo sie Gorjanovic-Kramberger beschrieb °). 


5. Äquivalente der ladinischen Stufe. 


Bekanntlich hat A. Bittner den Stufennamen ladinisch für 
diejenigen Schichten vorgeschlagen, welche in Südtirol zwischen dem 
oberen Muschelkalke und den Raibler Schichten liegen, nämlich: 


. Buchensteiner Schichten, 
. Marmolatakalke, 

. Esinokalke, 

. Wengener Schichten, 

. Cassianer Schichten, 

. Pachycardientuffe, 

. Schlerndolomit. 


:I|O9OPOD Hm 


Ob nicht die unter 4 bis 6 angeführten Schichten besser mit 
den Raibler Schichten zu vereinigen wären, bleibt immerhin strittig, 


!) Vgl. G. v. Bukowski in Verhandl. der k. k. geol. R.-A. 1896, pag. 101. 

®) F, Katzer, Zur Verbreitung der Trias in Bosnien. Sitzungsber. d. k. 
böhm. Ges. d. Wiss. in Prag 1901, XXT, pag. 9. 

3) Gorjanovic-Kramberger, Die Fauna des Muschelkalkes der Kuna 
gora bei Pregrada in Kroatien, Verhandl. der k, k. geol. R.-A. 1896, pag. 201, 


un 2 Sie Ze. ed ee 


[33] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen) 547 


da sie sich faunistisch den letzteren gut anschließen, anderseits 
aber stratigraphisch häufig davon trennbar erscheinen. Ebenso könnte 
man die Buchensteiner Schichten und Marmolatakalke — falls man 
sich jenen Autoren anschließen will, welche die Ausscheidung der 
ladinischen Stufe für überflüssig halten — noch als oberste Glieder 
der alpinen Muschelkalke ansprechen. 

Es erscheint mir zweckmäßig, die beiläufig gleichalten bosnischen 
Vorkommnisse, insbesondere jene unseres Kartenblattes mit der obigen 
südalpinen Schichtfolge zu vergleichen. 


1. Als Vertreter der Buchensteiner Knollenkalke 
sind wohl jene ziegelroten Knollen- oder Flaserkalke anzusehen, 
die in der Regel das Hangende der Buloger Kalke bilden; ich werde 
sie nach dem Punkte (siehe Fig. 11), wo ich ihre Lagerung zuerst un- 
zweifelhaft feststellte, als „StarygraderKnollenkalke“ anführen. 
Sie entsprechen möglicherweise auch dem lombardischen Bernoccoluto. 

Zuweilen finden sich in diesen in ihrer Mächtigkeit 1 » selten 
übersteigenden Schichten äußerst schlecht erhaltene Cephalopoden- 
reste, die eine Bestimmung nicht zulassen. Man kann indes nach 
der Gestalt dieser Reste vermuten, daß sie von Atractiten, Orthoceren, 
Arcestiden u. dgl. herrühren. 

Diesem Horizonte pflegt man mitunter die Vorkommnisse von 
Pietra verde zuzuzählen, welche in ähnlicher Weise wie in Südtirol 
auch an verschiedenen Punkten Bosniens vorkommen. F. v. Hauer 
nennt sie von Grab), A. Bittner aus der Zagorje ?), ich fand sie bei 
Nepravdidi anstehend, am Dragulac und anderwärts wenigstens ange- 
deutet, jedoch in einem etwas höheren Niveau. 


2. Beiläufige Äquivalente der Marmolatakalke sind 
die Kalke vom Siljansko polje, welche nach den später zu 
gebenden Daten ihrer Fauna zufolge irgendeinem Horizonte des 
Muschelkalkes oder der tieferen ladinischen Schichten entsprechen. 
Nach den Brachiopoden ist ihre Parallelisierung mit den Marmolata- 
kalken zwar naheliegend, aber es ist wohl eine noch bessere Erhärtung 
dieser Gleichstellung durch weitere Funde recht erwünscht. (Vgl. 
hierüber unten Nr. 10 im topographischen Abschnitte sowie Nr. 4 
im paläontologischen Anhange.) 


3. Äquivalente der Esinokalke sind meines Wissens aus 
Bosnien mit Sicherheit bisher nicht bekannt, wenngleich einzelne 
Funde großer Naticopsiden ein Vorhandensein jener recht wahrscheinlich 
machen. Es gehört dahin das schon von A. Bittner unter den Auf- 
sammlungen des Oberstleutnants Jihn angeführte, mit Natica Lipoldi 
Hoern. verglichene Exemplar ?) von der Krblinaschlucht (Straße Plevlje- 
Gotovu$a), welches ich eher mit Fedaiella cuccensis Mojs. vergleichen 
würde, sowie ein ähnlicher Fund aus der Gegend von Grahovo. 

Solehe Funde beweisen zunächst nur das Vorhandensein einer 
den Esinokalken ähnlichen Fazies in der Trias Bosniens. 


1) Siehe Grundlinien, pag. 29. 
2) Ebendort, pag. 226. 
3) Verhandl. der k. k. geol. R.-A. 1890, pag. 312. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 7 


a 


548 ‚ Ernst Kittl. . [34] 


4. Wengener Schichten aus Bosnien mit Melaphyrtuffen 
führte schon Mojsisovies nach Funden im Skoplje-Gebiete an). 
Auch ich habe mich von dem Vorkommen solcher Schichten bei 
Grahovo und von der richtigen Horizontierung derselben durch die 
Auffindung von ibnen eingeschalteten grünen Schiefern mit Daonella 
Lommeli überzeugen können. Wenn nun bis heute diese Schichten in 
ihrer charakteristischen Ausbildung auch auf dem hier behandelten 
Gebiete noch nicht bekannt sind, so kann man doch die unten als 
Graboviker Schichten noch genauer zu beschreibenden Horn- 
steine, Mergel und Plattenkalke, welche zum Beispiel an der Straßen- 
serpentine nächst Han Vidovie bei Bulog (Lokalität „Han Bulog* 
der älteren Literatur) die Buloger Kalke überlagern, nach deren 
Fossilführung als ziemlich sichere Aquivalente der Wengener Schichten 
ansehen. Sie führen nämlich die in Nordtirol bei Innsbruck mit 
Daonella Lommeli und D. obligua zusammen vorkommende Daonella 
Pichleri Moss. 

Nach mir vorliegenden Stücken fand sich die letztere Art auch 
in den Wengener Schichten Südtirols nebst deren Jugendexemplaren, 
die auch als Daonella obligua Mojs. angeführt werden könnten, welche 
angebliche Art sich auch in Südtirol zusammen mit Daonella Pichleri 
in den Wengener Schichten vorfindet und in der ich nach wieder- 
holten Vergleichen nur jugendliche Exemplare von Daonella Pichleri 
erkennen kann. 

Neben der D. Pichleri traf ich in den Graboviker Schichten 
eine ganz andere neue Daonella, außerdem einen als Atractites anzu- 
sprechenden Rest. 

Zweifellos haben diese Graboviker Schichten eine recht große 
Verbreitung; es wird aber ihre Erkennung durch den Umstand 
erschwert, daß Hornsteinlagen sich auch in anderen — tieferen und 
höheren — Horizonten in. demselben Gebiete vorfinden. Wo indessen 
Hornstein- oder Jaspisgrus als Verwitterungsprodukt ausschließlich 
herrschend ist, da darf im Triasterrain mit großer Wahrscheinlichkeit 
auf Graboviker Schichten geschlossen werden. Solche typische Stellen 
sind bei Bulog (Grabovik, Stary Grad etc.) beiMedjuse am Abhang 
des Trebevid u. S.:w. 

Eine andere Fazies ladinischer Schichten, wahrscheinlich auch 
des Wengener Horizonts, habe ich durch einen einzigen losen Block 
roten Cephalopodenkalkes vom Aussehen der Buloger Kalke, der sich 
zwischen Dovlici und Vaganj vorfand, kennen gelernt. Derselbe um- 
schloß eine Fauna, welche neben einer Reihe indifferenter Formen ?) 
von größerer vertikaler Verbreitung auch sichere Typen der Wengener 
Schichten, nämlich COeltites cf. Buchi Klipst. und Protrachyceras doleri- 
ticum Mojs. enthielt. 

Danach geht die Fazies der roten Cephalopodenkalke zumindest 
an dieser Stelle (sehr nahe liegt der Dragulac mit Buloger Kalken 
und karnischen Hallstätter Kalken) aus dem oberen Muschelkalke 
unverändert bis in die karnische Stufe hinauf. 


!) Grundlinien, pag. 29 u. 59. 
?) Vgl. die in Nr. 3 des topographischen Abschnittes gegebene Liste. 


[35] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen) 549 


So erfreulich einerseits diese Erkenntnis ist, so erschwert sie 
doch anderseits die Aufnahme und Kartierung der einzelnen Trias- 
horizonte und mahnt zu besonderer Vorsicht. 

Wahrscheinlich eine dritte, allem Anscheine nach ebenfalls den 
Wengener Schichten gleichzustellende Fazies der ladinischen Stufe 
fand sich am Vrhovine bei der Quelle „Hvala vrelo“, wo eine kalkige 
Daonellenbank mit 


Daonella cf. tyrolensis Mojs. und 
Posidonomya cf. fasciata Gemm. 


auftritt. Da diese Fossilien mit den ihnen verglichenen Arten nicht 
genau übereinstimmen, so kann vorläufig auch die Horizontierung des 
Vorkommens als nicht ganz sichergestellt betrachtet werden. 
Pietra verde in dünnen Bänken, mitunter auch ganz dünne 
Einlagerungen von glaukonitführenden bunten und dunkelroten Kalk- 
sandsteinen, zum Teil wohl auch kalkfreien Sedimenten (wohl vulka- 
nischen Tuffen?) scheinen ganz lokal in den Graboviker Schichten 
aufzutreten, so am Grabovik, am Dragulaec u. s. w. Reine, scharf durch- 
ziehende Pietra verde-Bänkchen in Gesellschaft von bräunlichen Quarzit- 
bänken fanden sich bei Nepravdici. Sandsteine im Niveau der Wengener 
Schichten gibt schon Mojsisovics von Bosnien an!). Auch Pietra 
verde ist in diesem Horizonte in Bosnien schon bekannt gewesen). 


6. Hallstätter Kalke der karnischen Stufe. 


Bald nach Entdeckung der reichen Fossilfundstelle nächst Han 
Bulog forschte der damalige Ingenieur und heutige Oberbaurat 
Dr. J. Kellner in Sarajevo nach anderen Fossilvorkommnissen, 
wodurch es ihm gelang, außer den unten genauer angegebenen Aus- 
bissen der Buloger Kalke auch Fossilien am Dragulaec nächst dem 
heutigen Fort zu entdecken. Seine ersten Einsendungen von dort 
kamen unter der Fundortsbezeichnung „Trebevic“. Es sind der Haupt- 
sache nach Arten der karnischen Stufe gewesen, und zwar von zwei 
Fundstellen, deren je eine am Nordhange und am Südhange liegt. 
Die letztere hat damals nur Halobien und Daonellen geliefert. Diese 
Fundstellen, welche ich zuerst unter der Führung Joh. Kellners 
kennen lernte, sind unten genauer beschrieben. Hier sei nur angeführt, 
daß ich die zwei Fundorte dann noch selbst ausgebeutet habe. Der 
Nordhang lieferte aus der dortigen Fundstelle unter anderem: 


Pleurotomaria Baucis Dittm. Pinacoceras Layeri Hau. 
Sisenna turbinata Hoern. Megaphyllites Jarbas Mstr. 
Naticopsis sp. applanatum Mojs. 
Eustylus sp. Monophyllites Agenor Mstr. 
Atractites Ausseeanus Mojs. Simonyi Hau. 

» elliptieus Mojs. Lobites delphinocephalus Hau. 
Orthoceras dubium Hau. „.  monilis Laube. 

n sandlingense Mojs. Cladisecites subtornatus Mojs. 


!) Grundlinien, pag. 29. 
2) loc. eit. 
76* 


550 Ernst Kittl. [36] 


Arcestes conjungens Mojs. Sageceras Haidingeri Hau. 
r Gaytani Klipst. Celtites sublaevis Mojs. 

Joannites cymbiformis Mojs. Sirenites betulinus Mojs. 
x Klipsteini Mojs. Trachyceras subaustriacum Mojs. 
} diffissus Hau. 5 austriacum Mojs. 


Aus dieser Liste, in welcher eine große Zahl am Dragulae mit- 
vorkommender neuer Arten nicht enthalten ist, kann ersehen werden, 
daß die betreffenden Schichten genau den Aonoides-Schichten 
des Salzkammergutes entsprechen. Die neuen Arten verändern das Bild 
der Fauna in keiner anderen Weise, als daß sie es reicher gestalten. 
Über die genaue Äquivalenz kann daher kein Zweifel bestehen. 

Auf dem Gebiete des Kartenblattes fand sich noch eine andere 
sicher unterkarnische Lokalität mit cephalopodenführenden Kalken am 
Udes an der Paljanska Miljacka. 


Die zweite Fundstelle am Dragulac, welche auf die Ver- 
tretung der karnischen Hallstätter Kalke hinweist, liegt im Streichen 
der erstgenannten und zeigt eine Folge von Halobienbänken; sie ent- 
halten außer Cephalopodenbrut: 


Daonella styriaca Mojs. 
Halobia cf. insignis Gemm. 
: sicula Gemm. 
R cf. lenticularis Gemm. 
5 subreticulata Gemm., 


also Formen, welche solchen aus den karnischen Schichten Siziliens 
und zum Teil des Salzkammergutes beschriebenen nahestehen. Daneben 
erscheint besonders massenhaft eine wahrscheinlich neue Form von 
Halobia (H. microtis mihi). 

Es gibt noch eine Anzahl anderer Punkte, an welchen karnische 
Halobien und Daonellen vorkommen, so am Vinograd an der Grenze 
des Stadtgebietes von Sarajevo, wo sich in gelblichweißen Plattenkalken 
Daonella styriaca Mojs. findet, am Abhange des Gradina beiMrkoeviei, 
wo massenhafte Halobienbrut zusammen mit Halobia rugosa (rümbel 
auftritt. 

In allen diesen Fällen scheint es sich jedoch nur um unter- 
karnische Schichten zu handeln; die oberkarnischen Subbullatus- 
Schichten sind mir auf dem Gebiete der Karte bisher nicht bekannt 
geworden; gleichwohl werden auch sie kaum fehlen, da sie sich an 
mehreren anderen Punkten Bosniens schon gefunden haben. Möglicher- 
weise gehört dazu auch die in ihrem Alter noch unsichere, von 
A. Bittner angeführte Lokalität Gajine bei Oevljanovic. 


7. Triaskalke der norischen Stufe. 


Mit zweifelloser Sicherheit sind solche auf dem beschriebenen 
Gebiete nicht nachgewiesen. Sehr wahrscheinlich norisch sind 
aber die gelblichen Kalke von HrastiSte, welche neben anderen 
Fossilien (Korallen, Spongien, Lamellibranchiaten u. s. w.) führen: 


[37] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 551 


Spirigera ef. leptorhyncha? Bittn. 
Ithynchonella signifrons Ki. n. f. 


3 Koninckina aff. Leopoldi Austriae Bittn. 
- cf. alata Bittn. 
3 alata Bittn. 


. Amphiclina af. cognata Bittn., 


woraus man mit großer Wahrscheinlickeit auf ein norisches Alter 
schließen darf. Dieser Schluß ist ungefähr ebenso berechtigt, wie die 
Annahme eines norischen Alters für die Lokalität Dragoradi, die ja 
im Streichen von Hrastite liegt. 

Auf dem Gebiete der Karte reihen sich der Lokalität HrastiSte 
noch andere Fundstellen fossilführender Kalke an, die jedoch noch 
nicht in größerem Umfange ausgebeutet worden sind. Sie erfahren 
im topographischen Abschnitte eine ausführlichere Besprechung. 

Wahrscheinlich ist es, daß jene ganze Zone von Triaskalken, in 
welcher die Lokalitäten Dragoradi und HrastiSte liegen, der norischen 
Stufe zufällt. Die Gründe, welche eine solche Annahme befürworten, 
sind nebst der Fossilführung und den Lagerungsverhältnissen die 
anscheinend zonenweise Anordnung der Fossilfundpunkte in den Trias- 
kalken der Romanja und ihres Hinterlandes. In der Nähe der Kalk- 
wände der Romanja finden sich noch Muschelkalkfossilien; weiter 
nordöstlich fehlen bisher alle Fossilfunde, dann kommt die Zone der 
wahrscheinlich norischen Fundstellen, endlich eine durch Fossilführung 
wohlbezeichnete Zone von Megalodus-Kalken. Bei Besprechung des 
Gebietes in Nr. 10 des topographischen Abschnittes sollen auch diese 
Verhältnisse genauer dargelegt werden. 

Die petrographische Beschaffenheit dieser Zone wahrscheinlich 
norischer Triaskalke ist sehr wechselnd, vielfach schieben sich Dolomite 
oder graue Plattenkalke ein, häufiger sind jedoch Kalke, meist von 
schmutziger oder rötlicher Färbung; seltener sind sie rein weiß oder 
hell gefärbt. 

Wenn auch diese Zone hier so wie in dem beigegebenen Karten- 
blatte als die der norischen Kalke angegeben erscheint, so muß 
doch hervorgehoben werden, daß nur durch weitere Fossilfunde und 
detailliertere Untersuchung eine weitere Klärung der Sachlage er- 
reichbar ist. 


8. Rhätische Megalodontenkalke 


bilden, wie schon erwähnt, im äußersten Nordosten, sowie auf dem 
Hauptkamme der BjelaSnica, teilweise noch auf dem Veliko polje 
die obersten Triasbildungen, wie das auch im westlichen Bosnien mehr- 
fach beobachtet werden kann. Die nordöstlichen Vorkommnisse sind bei 
den Lokalitäten Lednica (nördlich von Sokolac), bei Pustoselo 
wie auch an nördlich schon außerhalb des Kartengebietes liegenden 
Punkten. 

Die im bosnischen Megalodontenkalke auftretenden Megalodonten 
stimmen äußerlich sehr gut mit denjenigen der Nordostalpen, insbe- 
sondere mit denjenigen des Echerntales bei Hallstatt überein. Sowohl 
auf dem Gipfel der Bjelasnica wie an den angeführten nordöstlichen 


H52 Ernst Kitt]. [38] 


Lokalitäten kann man lose ausgewitterte Steinkerne von Megalodonten 
leicht sammeln). Welcher Name diesen Vorkommnissen zukommt, 
ist ohne Kenntnis des Schlosses schwer zu entscheiden. Es ist daher 
streng genommen etwas gewagt, hier einen der üblichen Namen (Mega- 
lodus triqueter Wulf., Conchodus infraliasicus Stopp.) anzuwenden, 
bevor nicht alle die rhätischen Megalodonten genauer studiert sind. 


b) Lias. 


Diese Formation ist aus Bosnien bisher nur sehr wenig bekannt. 
Der erste Nachweis wurde durch einen von B. Walter bei Han 
Toplica (1500 m nördlich vom Han an dem Reitwege gegen Ozren) 
gemachten Ammonitenfund aus unserem Gebiete geliefert. Ein Stück 
roten, plattigen, kieseligen Kalkes enthält nach einer Bestimmung 
Fr. Wähners: Arietites Seebachi Neum. aus der zweitältesten Zone 
des alpinen Lias?). Ein zweiter aus derselben Quelle stammender 
Fund?) eines angeblichen Liasammoniten (Aegoceras polyeyelum Wähn.) 
von der Bergwerkstraße zwischen Dubostica und VareS (42 km von 
Vares$) ist nur ein Abdruck, welcher nach den Zuwachsstreifen viel 
eher als eine Muschelkalkart, und zwar als Monophyllites Swessi Mojs. 
anzusehen ist. Danach würde bei Vares wohl Trias, aber nicht Lias 
vorliegen, was mit dem lokalen Befunde vollkommen übereinstimmt, 
da dort helle Triaskalke direkt auf Werfener Schichten liegen ®). 

Andere sichere Liasvorkommnisse sind seither aus der Hercego- 
vina durch Fr. Wähner bekannt geworden, und zwar mittlerer Lias 
mit Amaltheus und oberer Lias mit Harpoceras bifrons Brug. und 
Hammatoceras sp., welche Fossilien in grauen Mergeln und Kalkmergeln 
liegen. Sie stammen von Gacko5). Auch am Cemernosattel ist ein 
Liasvorkommen, das mir durch Herrn Oberbaurat Ballif mitgeteilt 
wurde. Von dort liegt ein Hammatoceras sp. Vor. 

Neuerdings erwähnte Fr. Katzer aus dem Mergelschiefer von 
Kralupi bei Vares Ammoniten ©); es sind wohl dieselben, welche 
H. Beck kürzlich als dem Lias angehörig bestimmt hat. 

In allen diesen gesicherten Liasvorkommnissen ist das Gestein 
mehr oder weniger mergelig, in einem Falle auch mit Hornstein ver- 


') Eine ähnliche Lokalität habe ich von Zrmanja in Kroatien angeführt. (Die 
Cephalopoden der Werfener Schichten von Mu& ete. Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., 
Bd. XX, 1903, pag. 6.) 

2) A. Bittner, Neue Einsendungen von Petrefakten aus Bosnien, Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A. 1885, pag. 141. 

ST. ag. 14]. 

*) F. Katzer versetzte beide obgenannten Funde irrtümlicherweise nach Vares 
und zeichnete in seiner geologischen Karte der Umgebung von VareS an jener Stelle 
auch tatsächlich Lias ein. (Berg- und Hüttenmänn. Jahrb. 1900, S. 118.) Der 
einzige Ammonit, welcher wirklich von jener Stelle stammt, ist wohl — wie oben 
gezeigt — auf eine Muschelkalkforın zurückzuführen. Dieses Liasvorkommen bei 
Vares ist daher ein Irrtum. 

°) Annal. Hofmus. V, 1890, Notizen pag. 89 und Neues Jahrb. f. Min. etc. 
1899, Bd. II, pag. 106, woselbst weitere Arten angeführt sind. 


°) Geolog. Führer durch Bosnien und die Hercegovina 1903, pag. 24, Fußnote. 


[39] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 553 


knüpft. Es ist daher anzunehmen, daß in den auf der Karte ausge- 
schiedenen bunten Mergeln mit Jaspis zunächst auch der Lias ent- 
halten sei, wenn diese Gesteine etwa nicht ausschließlich dem Lias 
zufallen. Mit Ausnahme des obenerwähnten Fundes bei Han Toplica 
liegt kein weiterer paläontologischer Nachweis des Lias aus unserem 
Gebiete vor. 

Provisorisch wurden auf der Karte als mesozoisch (Lias ?) gewisse 
Sandsteine ausgeschieden, die petographisch mit Liassandsteinen Ähnlich- 
keit haben, deren Alter paläontologisch jedoch in keiner Weise sicher- 
gestellt ist. Insbesondere gehört dazu das Vorkommen bei Palike NO. 
vom Vihor. 


c) Jura. 


Dogger ist durch Fossilfunde in Bosnien bisher gar nicht nach- 
gewiesen; für diese Formation mag die Angabe Neumayrs, daß hier 
zu jener Zeit ein Festland gewesen sei, vorläufig annehmbar erscheinen ; 
Bosnien verhält sich in dieser Hinsicht wie Dalmatien. 


OÖberjurassische Kalke und Mergelkalke vom Typus der 
Aptychenmergel, wie sie anderwärts in Bosnien bekannt sind, habe 
ich zwar durch Fossilfunde auf dem hier besprochenen Gebiete nicht 
sicherstellen können, doch glaube ich, daß mindestens die letzteren 
petrographisch daselbst erkannt werden können. 


d) Kreide. 


Bekanntlich haben schon die geologischen Übersichtsaufnahmen 
im Jahre 1879 durch Bittner, Mojsisovies und Tietze ergeben, dab die 
Kreide in Bosnien-Hercegovina einerseits als Kalk vom Typus der 
istrisch - dalmatinischen Karstkreide vorwiegend als Hippuritenkalk 
entwickelt, anderseits aber wohl in den im nordöstlichen Bosnien so 
weitverbreiteten Flyschbildungen in Sandstein- und Mergelfazies mit- 
enthalten anzunehmen ist?). 

Aus dem südlichen Teile dieser nordöstlichen Flyschzone hat 
kürzlich Katzer oberkretazische Bildungen mit Fossilien aus der 
Gegend südlich von Vla$enica und Kladanj angeführt ?). Sie scheinen 
den alpinen Gosaubildungen ähnlich zu sein. Danach ist also hier 
obere Kreide vorhanden, während durch K. M. Paul schon seit 1878 
Neocommergel — allerdings viel weiter nördlich — bei Gratanica 
bekannt sind’). 

Die Kreidevorkommen unseres Gebietes gleichen ungemein den 
von Bittner bei Visegrad entdeckten), von wo er Gesteine anführt, 
die „an die nordalpine Gosaukreide“ mehr als an die Kreidekalke 
der Hercegovina erinnern. 


!) Grundlinien, pag. 36, 116. 

?, Katzer, Geologischer Führer, pag. 25. 

3) K.M. Paul, Beitrag zur Geologie des nördlichen Bosniens. Jahrb. d. k. k, 
geol. R.-A, 1879. 

*#) Grundlinien, pag. 239 u, 240. 


554 Ernst Kitt). ;. [40] 


Flyschbildungen. 

Auf der geologischen Übersichtskarte von Bosnien vom Jahre 
1880 reicht die breite nordöstliche Flyschzone südlich wenig über 
Olovo und Kladanj hinaus. Es geht aber aus E. Tietzes und E. v. 
Mojsisovies’ !) Berichten hervor, daß man durchaus nicht alle Gesteine 
dieser Zone dem „Flysch“ zuschreiben wollte. Vielmehr wird aus- 
drücklich darauf hingewiesen, daß dieses Gebiet noch ungenügend 
bekannt sei und nur das Vorherrschen der Flyschfazies in diesem 
Gebiete dargestellt werden sollte. 

Wenn nun seither durch B. Walter?) manche Veränderungen 
an jener Karte vorgenommen wurden, so waren einige davon nicht 
gerade Verbesserungen; andere, wie die Einzeichnung von Flysch im 
Ljubinatale, sind ebenfalls ungenügend. 

Durch F. Katzer wurden Aufbrüche von jurassischen Mergeln 
inmitten der Flyschzone südlich von Dolnj-Tuzla®) und oberceretazische 
Ablagerungen durch Fossilien wie Nerineen und Actaeonellen ?) charakte- 
risiert am Kraljevo polje nachgewiesen. 

Ein Komplex von Mergeln mit Hornsteinlagen, dann von Sand- 
steinen und Mergeln mit sehr mächtigen Einlagerungen von mehr oder 
weniger sandigen Breceienkalken, endlich von hydraulischen Mergel- 
kalken repräsentieren in unserem Gebiete unzweifelhaft den Flysch. 
Ob derselbe aber Jura, Kreide und Eozän repräsentiert oder nur 
einer dieser Formationen angehört, muß bis auf bessere Fossilfunde 
noch unentschieden bleiben. Doch ist es nach petrographischen Merk- 
malen als wahrscheinlich anzunehmen, daß der obere Flysch unseres 
Gebietes ausschließlich die obere Kreide vertritt. Diese Annahme steht 
auch mit den von Paul, Tietze und Mojsisovies in denjenigen Gebieten 
semachten Annahmen, wo der Flysch dominiert, im Einklange. 

Der Flyschkomplex ruht auf den bunten (roten und grünen, zum 
Teil auch grauen) Mergeln, die ich unten als Oevljanovider Mergel 
bezeichne und welchen oft, wie im oberen Ljubinagebiete, sehr mächtige 
Kalkmergel folgen, die technische Bedeutung besitzen. Darauf erst liegt 
der für den Flysch charakteristische Wechsel von Sandsteinen und Kalk- 
mergeln mit Chondriten ; diesen letzteren Flyschgesteinen sind, besonders 
im Nordwesten, aus dem übrigen Flyschterrain gleichsam ausgewitterte 
Kalkbreecien und Konglomerate eingelagert und teilweise bilden sie 
auch die Unterlage des Flysch. Diese Kalke ziehen vom Nabosie über 
Tisovik zum Hum und erstrecken sich von da zum Öemernaplateau 
und weiter, oft den Kalkmassen der Trias nicht unähnlich. Ja es ist 
zum Beispiel am Hum nicht unmöglich, daß die Kalkbreccien als Hülle 
einen Kern von Triaskalk oder Dolomit umgeben. Es wäre dann das 
Triasgestein als ein Riff aus der Zeit der Flyschablagerungen und 
die Breccie als eine Strandbildung der Flyschzeit zu betrachten. 

Das größte Flyschterrain nimmt die Nordweststrecke des Gebietes 
ein, direkt an die Triasbildungen des Bukovik—Crepolsko anstoßend, 
nördlich von dem letzteren Gebirgsabschnitte eine tiefe Bucht er- 


!) Grundlinien, pag. 36. 

®) B. Walter. Beitrag zur Kenntnis der Erzlagerstätten Bosniens. 
®) Geologischer Führer, pag. 24. 

*) loc. eit. pag. 25. 


<) 


[41] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geo'ogische Formationen.) 555 


füllend. Die übrigen Flyschvorkommen sind isoliert, so die drei am 
Nordosthange des Bukovik, zwischen Bukovik und Crepolsko und am 
Glog, ferner die Vorkommen am Barjak brdo und bei Kulausevic. 
Eine andere Partie zieht hinter der Brezova glava nach Norden. 


Ganz im Süden des Kartenblattgebietes erscheint auf der Stara 
gora, einem Ausläufer der Rosca, ein beschränktes Vorkommen flysch- 
ähnlicher Gesteine, welches sich jedoch weiter nach Süden zu er- 
strecken scheint und das vielleicht zu einem paläozoischen Schiefer- 
komplex gehört. Die petrographischen Merkmale weisen indes zunächst 
auf Kreideflysch hin. Es liegt dieses Vorkommen östlich der Bjelas- 
nica- und Igman planina; ähnliche erscheinen auch westlich von dem 
genannten triadischen Kalkgebirge bei Orepljani und am Rakovica potok. 


Es erübrigt noch, die isolierten Vorkommnisse im Nordosten zu 
erwähnen, welche zwar selten typischen Flysch zeigen, wohl aber 
bunte Mergel und bräunliche Hornsteine und Quarzite, die Unterlage 
des Flysch. Die größten derselben sind das Vorkommen bei Bukovik, 
das bei Pedise und jener von Baltici bei Sokolac. Die erstgenannten 
beiden liegen in je einer grabenartigen Senke und stehen mit kleinen 
Aufbrüchen von Eruptivgesteinen in Verbindung, sind also wohl mit 
dem nördlich vorgelagerten großen Flyschgebiete verknüpft. 


Diesen schließen sich kleinere Züge an, welche sich südlich 
von Berkovac, dann am Brezjak finden. 


Während die drei größeren Schollen neben Quarziten und Horn- 
steinen auch bunte Mergel zeigen, konnten solche Mergel bisher bei 
den zwei kleineren nicht beobachtet werden. 


Schon ältere Beobachter der bosnischen Flyschbildungen, wie 
Tietze und Pilar, zitieren gelegentlich Schiefereinlagerungen im 
Flysch, welche ganz paläozoischen Habitus besitzen'). Der- 
gleichen Flyschschiefer und Mergel von paläozoischem Aussehen fand 
ich wiederholt in fast allen Teilen des von mir begangenen Flysch- 
terrains. Dieses paläozoische Aussehen ist häufig so auffällig gewesen, 
daß ich oft besondere Begehungen für nötig hielt, nur um mich des 
direkten Zusammenhanges dieser Gesteine mit anderen Gesteinen von 
normalem Flyscheharakter zu vergewissern. Als solche Stellen nenne 
ich insbesondere das Pralotal bei Vlainje, dann die Umgebung von 
BlaZui. In letztgenannter Gegend ist die Altersbestimmung dieser Ge- 
steine in jedem einzelnen Falle ganz außerordentlich schwierig, weil 
hier eine ältere Unterlage von untertriadischen Werfener Schiefern (hie 
und da vielleicht auch paläozoischen Schiefern) überlagert wird von 
Fiysch und über beide Systeme sich eine unregelmäbige Decke von 
jüngerem Tertiär legt, das bald Flysch, bald die älteren Schiefer 
darunter hervortreten läßt und bei abnormalem Gesteinscharakter kleine 
Aufschlüsse oft ungeahnte Schwierigkeiten ergeben. 


Ferner kommen in den paläozoischen Gebieten nicht selten fossil- 
leere Mergelschiefer vor, denen Sandsteinschichten eingelagert sind, so 
daß man dort eine Flyschfazies im Paläozoikum vor sich hat. 


1) Grundlinien, pag. 61, 143, 183 etc. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Hett. (E. Kittl.) 76 


556 Ernst Kittl. [42] 


Die dem Lias und Jura zugeteilten Mergel und Jaspisvorkommen 
haben zu alledem ebenfalls petrographisch ganz analoge Schichtenlagen 
wie der obere Flysch, welcher vorläufig zur oberen Kreide gestellt 
wird, da er nicht selten die bekannten Chondriten führt. 

Jenen Schwierigkeiten gegenüber muß ich ausdrücklich hervor- 
heben, daß die Ausscheidungen kretazischer und jurassischer Schichten 
auf der Karte, namentlich der von geringerem Umfange, zumeist nur 
provisorische sein können. Es bleibt eigenen Spezialuntersuchungen 
vorbehalten, die Rätsel dieser Gebilde völlig zu lösen. 


C. Kaenozoische Bildungen. 
l. Eocän. 


Diese Formation ist vielleicht noch im Flysch vertreten, wie das 
sowuhl weiter östlich (Majevica) als auch vielfach in den westlichen 
Teilen des dinarischen Gebirgssystems nachgewiesen ist. Ein solcher 
Nachweis liegt aber bisher für unser Gebiet nicht vor, ist auch nach 
der petrographischen Beschaffenheit der Gesteine kaum zu erwarten, 
aber immerhin nicht ganz ausgeschlossen. 


2. Neogene Süsswasserbildungen. 


Bekanntlich fehlen in den gebirgigeren Teilen Bosniens marine 
Tertiärablagerungen gänzlich, welche auf die flacheren nordöstlichen 
Teile des Landes und das angrenzende Hügelland beschränkt sind. 

Die erste geologische UÜbersichtsaufnahme des Landes hat aber 
im Gebirge eine große Anzahl von jüngeren tertiären Süßwasserbecken 
aus deren Ablagerungen kennen gelehrt, welche stellenweise reich an 
tierischen oder pflanzlichen Überresten sind. 

Der faunistische und floristische Charakter der organischen Reste 
der verschiedenen, gewöhnlich als „neogen“ bezeichneten Binnenbecken 
Bosniens ist aus den Arbeiten von E.v. Mojsisovics, E.Tietze!), 
M. Neumayr?), S. Brusina), A. Bittner‘), N. Andrussow’) 
und Fr. Siebenrock®) über fossile Tierreste und aus denjenigen 
von Fr. Krasser”) und namentlich von H. Engelhardt?) über die 
fossilen Pflanzenreste bekannt. Wenngleich zunächst die Faunen der 
einzelnen Becken untereinander auch keine völlige Übereinstimmung 
zeigen, so weisen sie doch so weitgehende Analogien auf, besitzen so 
viele gemeinsame Gattungen und Arten, daß man mit Rücksicht auf 


'!) E. Tietze, in „Grundlinien“, pag. 149, u. f. 

:2) M.Neumayr, Tertiäre Binnenmollusken in „Grundlinien“. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A. 1880, pag. 297. 

°»), S. Brusina, Fossile Binnenmollusken aus Dalmatien etc. Agram 1874. 
— Faune malacologique neogene. Agram 1896. 

*) A, Bittner, Grundlinien, pag. 250; Verhandl. d. k. k. geol. R-A, 1884, 
pag. 202; ebendort 1888, pag. 97. 

>) N. Andrussow, Fossile und lebende Dreissensidae Eurasiens. 1897. 

%) Fr. Siebenrock, Über einige fossile Fische aus Bosnien. Wissensch. 
Mitt. aus Bosnien VII. (1900), pag. 683. 

”) F. Krasser in Ann. d. k. k. naturh. Hofmuseums. V., Notizen, pag. 90. 

°) Engelhardt in „Glasnik*, XTII und XV. 


[43] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 557 


die fossile Tierwelt mit Recht eine beiläufige Gleichzeitigkeit der 
einzelnen Binnenbecken annahm. Dabei haben aber Mojsisoviecs!) 
sowie insbesondere Tietze°) einen gewissen Spielraum im allge- 
meinen nach oben und unten für nötig befunden, welcher theoretisch 
auch für die gegenseitigen Altersbeziehungen der einzelnen Becken 
in Anspruch genommen werden muß. Bezüglich der Altersstellung in 
stratigraphischer Hinsicht hat sich zuerst durch M. Neumayr die 
Anschauung geltend gemacht, daß die tertiären Binnenbecken Bosniens 
ein Aquivalent der sarmatischen Stufe seien, wogegen es eine durch 
D. Stur vorgenommene Bestimmung von Pflanzenresten aus dem 
Zenicaer Becken als Formen der Sotzkaschichten (also als ober- 
oligocän) E. Tietze ermöglichte, für dieses Becken eine Paralleli- 
sierung mit der neogenen Mediterranstufe bei gleichzeitiger Wahr- 
scheinlichkeit des Herabreichens der Bildungen in das Oligocän vor- 
zunehmen. Es hat Tietze auch darauf hingewiesen, daß nach 
Beobachtungen K. M. Pauls?) bei Dervent unter den mediterranen 
Leithakalken Süßwasserbildungen liegen, sowie daß die Beschaffenheit 
der Kohlen des Zenicaer Beckens im Vergleiche mit den pliocänen 
Kohlen von Dolnji Tuzla für ein höheres Alter der ersteren spreche. 


A. Bittner hat die tertiären Süßwasserbildungen einfach als 
Neogen bezeichnet ®). 


Unter Berufung auf einige von R. Hoernes bei Dervent ge- 
sammelte Materialien kam M. Neumayr°) sodann zu dem Schlusse, 
daß die bosnischen Binnenablagerungen „wahrscheinlich ein Äquivalent 
des Grunder Horizonts, wohl auch noch etwas älterer und namentlich 
jüngerer Maringebilde darstellen“. Neumayr hält es für möglich, 
die Schichten mit Fossarulus pullus als ältere von den jüngeren mit 
Fossarulus tricarinatus zu trennen. Er erklärt die in den Süßwasser- 
ablagerungen bei Dervent vorkommende scharfgekielte Congeria cf. 
banatica für identisch mit einer in den Binnenbecken auftretenden. 


S. Brusina®) und N. Andrussow’) nehmen beide die Süb- 
wasserablagerungen von Bosnien-Hercegovina als miocän an; Brusina 
sagt, „sie können seiner Ansicht nach miocän sein“. Für dieselben 
sind nach ihm die Gattungen Dania®), Marticia?) und Fossarulus 


!) „Grundlinien“* im Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1880, pag. 40 (insbesondere 
vgl. Note 1 auf pag. 305). 

2) Grundlinien, pag. 149. 

>») K. M. Paul, Beiträge zur Geologie des nördlichen Bosnien. Jahrb. d. 
k. k. geol. R.-A. 1879, pag. 760. 

*) Grundlinien, pag. 250. 

5) Grundlinien, pag. 304. 

6) 8. Brusina, Materiaux etc., pag. 2. — Faune malacologique neogene. 
Agram 1897, pag. 15. 

”), N. Andrussow, Fossile und lebende Dreissensidae Kurasiens. St. Peters- 
burg 1897. 

#) Aufgestellt für Stalioia prototypica Brus. und St. valvatoides Brus. (Collec- 
tion neogöne de Hongrie, Croatie,. Slavonie et de Dalmatie, pag. 130.) Die, echten 
Stalioia-Arten sind im Pariser Eocän, wie St. Desmarest Prev., 8. Deschiensi Desh., 
S. limbata Desh. 

%) Für Hydrobia Tietzei Neum. aufgestellt, welche die Mündung von, Proso- 
sthenia, aber eine anders geformte Schale besitzt. 


76* 


558 | Ernst Kittl. | [44] 


charakteristisch und zahlreiche verzierte Melanopsis-Formen finden 
sich dort. A | 

Mit den Pflanzenresten der bosnischen tertiären Binnenbecken 
haben sich außer G. Pilar!) und D. Stur?), welche jedoch selbst 
nichts hierüber veröffentlicht haben, F. Krasser und H. Engel- 
hardt beschäftigt. 


F. Krasser hatte eine vom bosnisch-hercegovinischen Landes- 
museun zur Bestimmung eingesandte Kollektion bearbeitet?) und 
darunter außer sehr jungem, aus Kalktuff stammendem Material ®) auch 
tertiäre Pflanzen gefunden, die er als jungtertiär bezeichnet, 
wobei verschiedene Horizonte vertreten sein mögen. Von diesen 
Lokalitäten sind für uns VogoSca bei Sarajevo (mit Cinnamomum 
polymorphum A. Br.) und Zenica die wichtigsten; von der letzt- 
genannten Lokalität führt Krasser an: ? Zostera Ungeri Eit., Glypto- 
strobus europaeus Brong., ? Alnus nostratum Ung., ? Fagus Feroniae 
Ung., Salix aquitanica Ett. var. c, Persea Heeri Ett., Bombax chori- 
siaefolium Ett., Celastrus Persei Ung., Acer Ruminianum Heer, Acer 
crenatifolium Ett., ? Pterocarya dentieulata O. Web. 


Dureh die ersten phytopaläontologischen Arbeiten H. Engel- 
hardts°’) über bosnische Tertiärfloren hat sich nach F. Katzer 
das Vorkommen oligocäner und darüber. miocäner Floren in den bos- 
nischen Binnenbecken ergeben. 


Im kleinen Brestnica—Oskowabecken zwischen D. Tuzla und 
Kladanj sollen pflanzenführende untermiocäne Schichten über eben- 
solchen oligocänen liegen. Auf Grund dieser und anderer Bestimmungen 
Engelhardts zog F. Katzer den Schluß, daß das sogenannte Süßwasser- 
neogen Bosniens außer pliocänen pflanzenführenden Schichten Oligocän 
und Untermiocän enthält (aquitanische Stufe), wonach also Obermiocän 
fehlen würde®). Aus der Umgebung von Zenica und: von anderen 
Lokalitäten durch Engelhardt beschriebene Pflanzenreste”?) lassen 
wohl kaum eine Entscheidung darüber zu, welches genauere Alter ihrer 
Lagerstätte zukommt, da ja Engelhardt sämtliche Formen der. meisten 
Lokalitäten als im Oligocän so gut wie im Miocän vorkommend angibt °). 
Engelhardt selbst enthält sich bezeichnenderweise auch ganz einer 


1) Vgl. Mojsisovics in „Grundlinien“, pag 43, wo sieben Gattungen Ange 
führt werden. 

2) Vgl. Tietze in „Grundlinien“, pag. 149, wo nach Sturs Bestimmungen 
von Zenica-und andere @/yptostrobus euwropaeus und Sequoi® Sternbergi angeführt 
werden. 
®) Annalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. : V. (1890), Notizen 
pag. 90. 

4) Es werden die Lokalitäten Gora—Janjiei, Popov Han bei Varc$ und 
Kvarac bei Srebrenica genannt. 

») H. Engelhardt, Prilog poznavanju tereijarne flore najsire okoline Dönje 
Tuzle n. Bosni. Glasnik, XIII., 1901, pag. 473. — Vgl. auch Verhandl..d. k. k. 
geol. R.-A., 1900, pag. 188. 

°) Zentralbl. f. Min. Geol. u. Pal. 1901, pag. 227 u. f. 

”) H. Engelhardt, Prilog poz. foss. flore Zenica etc. Glasnik; XV. (1903), 
pag. 115. 

°) Eine Ausnahme scheint die Lokalität Visoko zu bilden, von wo doch 
wenigstens eine ausschließlich oligocäne Art angegeben wird. 


[45] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen) 559 


Präzisierung des Alters der Lagerstätten, wogegen F. Katzer das um 
so ausführlicher: tut. Freilich wäre eine bestimmte Äußerung Engel- 
hardts in diesem Falle von größerem Gewichte. 

Einige'Fischreste des Zenica—Sarajevoer Beckens, welche das 
bosnische Landesmuseum hauptsächlich den Bemühungen (des Berg- 
hauptmannes J.'Grimmer verdankt, hat Fr. Siebenrock!) kürzlich 
nebst einem anderen, im Wiener Hofmuseum befindlichen Reste genau 
beschrieben. 

In den Ziegeleien von Sarajevo wurden wiederholt Fischreste 
gefunden, deren vollständigste Exemplare im bosnischen Landesmuseum 
in Sarajevo aufbewahrt werden. Es sind nach den Untersuchungen 
Friedrich Siebenröcks fast nur Angehörige der marinen Familie 
der Percoiden (Barsche), welche seinerzeit entweder aus dem Meere 
bis in die damaligen Süßwasserseen emporgestiegen waren oder sich 
sogar schon an das beständige Verweilen daselbst angepaßt hatten. 
Wie die Percoiden auch heute noch in manchen Süßwasserseen 
Europas gefunden werden, so hatten sie zur Miocänzeit in Mittel- 
europa schon eine ziemlich allgemeine Verbreitung. Über die genaueren 
geologischen Altersverhältnisse ihrer Lagerstätte lehrten diese Funde 
bisher nichts. Die meisten Exemplare stammen aus der Ziegelei in 
Ko$evo-Sarajevo. Von dort beschrieb Siebenrock: 


Labrax longiceps Siebenr. 2 Exempl. 

„  bosniensis Siebenr. 1 Exempl. 
Serranus gracilispinis Siebenr. 1 Exempl. 
Dentex sp. 1 Exempl. 


Auch in der Ziegelei am linken Miljaökaufer fanden sich Reste 
ähnlicher, vielleicht wohl derselben Arten; indessen wurde bisher nur 
ein unvollständiges Exemplar von dort bekannt, das wenigstens eine 
Gattungsbestimmung zuließ. Siebenrock bezeichnete dasselbe als 
Labrax sp. In Übereinstimmung damit steht der Fund eines Labrax 
in demselben Tertiärbecken bei LaSva2), welchen Fr. Siebenrock 
als Labrax Steindachneri Siebenrv. beschrieb ’°). 

Sehr wichtig für die Altersbestimmung des bosnischen Süßwasser- 
tertiärs erscheinen einige Funde von Säugetierresten .aus zwei 
Braunkohlenbecken, welche im Landesmuseum in Sarajevo aufbewahrt 
werden. Aus den -Kohlenlagern von Repovica bei Konjica finden 
sich dort Zähne von 
Mastodon. angustidens Cuv. 

Rhinoceros sp. 
Dinotherium giganteum Kaup, 


ferner aus dem Braunkohlenbecken bei Banjaluka ein Unterkiefer von 


Antilope sansaniensis Filh., 


1) Über einige fossile Fische aus Bosnien. Wissensch. Mitt. aus Bosnien und 
der Hercegovina. VII., 1990, pag. 683 u. f. 

?) Das Exemplar liegt in einer Platte dunklen, flyschähnlichen Sandsteines,, 
soll beim Bahnbau gefunden worden sein und wird im k. k. naturhistorischen Hof- 
museum zu Wien aufbewahrt. 

2)! e. pag. 689. 


560 Ernst Kittl. | [46] 


welche Reste die Ablagerungen als Äquivalente der Miocänbildungen 
(und zwar der mediterranen Schichten, vielleicht auch der sarmatischen) 
erscheinen lassen, wogegen sie auf ein oligocänes Alter nicht hin- 
weisen. Allerdings stammen die Funde aus den Kohlenflözen selbst 
und mag deren Liegendes immerhin bis in das Oligocän hinabreichen. 

Aus allen diesen Bemühungen, das Alter der tertiären Binnen- 
ablagerungen Bosniens festzustellen, geht wohl hervor, daß diese Ab- 
lagerungen an manchen Stellen bis in das Oligocän hinab- 
reichen, daß ihr Hauptanteildem Miocän angehört, daß aber 
durchaus noch nicht festgestellt erscheint, wie hoch im Miocän 
sie hinaufreichen. 

Als Neogen habe ich auch die blaugrauen Mergeltone ausge- 
schieden, welche auf dem Glasinae an mehreren Stellen unter der 
diluvialen Lehmdecke zum Vorscheine kommen, hier wohl ein zu- 
sammenhängendes Lager größeren Umfanges darstellen, weiter westlich 
aber bei Pedise wohl nur in isolierten Vorkommnissen kleineren Um- 
fanges zutage treten. Fossilfunde haben das neogene Alter dieser 
Mergeltone bisher nicht erhärtet. 

Die Bezeichnung der bosnisch-hercegovinischen Süßwasser- 
bildungen als Neogen halte ich nach alledem nicht nur für zulässig, 
sondern mit Rücksicht darauf, daß früher „Neogen“ für einen ähnlichen 
Komplex gebraucht wurde, gerade für recht bezeichnend. 


3. Diluvium. 


Seitdem G.Beck v. Mannagetta in der Treskavica alte Glazial- 
erscheinungen gefunden !) und J. Cvijic die weite Verbreitung derselben 
in den Hochgebirgen von Bosnien-Hercegovina nachgewiesen hat), 
mußte man solche auch auf den höchstgelegenen Gebirgserhebungen 
der Umgebung von Sarajevo zu finden erwarten. Solche alte Gletscher- 
spuren verzeichnet Cviji6@ auch auf der Bjelasnica.. Obwohl ich 
nun diesen Erscheinungen keine besondere Aufmerksamkeit ge- 
schenkt habe, so darf ich doch sagen, daß sich dort Moränen in aus- 
sedehnterem Maße nicht finden. Selbstverständlich sind daher auch 
in tieferen Regionen sichere Glazialbildungen — wenigstens bisher — 
nicht beobachtet worden. Indessen haben gewisse gelblich bis rötlich 
sefärbte Lehmablagerungen mit mehr oder weniger zahlreichen 
eingestreuten Hornsteinfragmenten verschiedener Färbung, die 
häufig ungeschichtet sind, einige Ähnlichkeit mit Moränenablagerungen, 
als welche sie jedoch nicht bezeichnet werden können. 

Indem ich von der Entscheidung der Frage, ob diese Lehme 
slazialen Ursprunges oder auch nur Alters sind oder nicht, absehe, 
weise ich nur auf deren große Verbreitung hin. Recht auffällig sind sie 
besonders auf Kalkterrain. Eine ausgedehnte Verbreitung haben sie auf 
der Hochebene Glasinac, von wo sie vielfach in Seitenmulden hinein- 
ziehen, so in das Sokolacko polje über Adzak u. s. w. Bei Sahbegovici, 


!) G. Beck v. Mannagetta, Aus den Hochgebirgen Bosniens und der 
Hercegovina; II. Zur Treskavica. „Österr. Touristenzeitung“, 1897, pag. 180. 

2) J. Cvijic, Morphologische und glaziale Studien aus Bosnien ete. I. Abhandl, 
d. k. k. geogr. Gesellsch. in Wien, II, 1900, Nr. 6. 


[47] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Formationen.) 561 


Muratov Han und an anderen Punkten sind solche Vorkommnisse von 
geringerer Ausdehnung. Mit den Lehmablagerungen am Glasinac zu- 
sammen bilden die letztgenannten eine Kette, deren Richtung deutlich 
mit der vielleicht durch tektonische Verhältnisse bedingten mulden- 
förmigen NW.—SO. streichenden Terraindepression zusammenhängt. 
Mehrfach traf ich diesen Lehm auf der Romanja planina an, so in größerer 
Ausdehnung die Mulde nächst Han Obodjas erfüllend. In manchen Fällen 
finden sich" auf kleineren Ansammlungen desselben Lehmes mitten im 
Kalkterrain kleine Quellen, so bei Stranzka voda auf der Romanja 
planina und nächst HraStnicki Stan auf der Igman planina. 

Ähnliches lehmiges Material mit Hornsteintrüämmern erfüllt in 
manchen Fällen die Dolinen des Kalkterrains, so auf dem Plateau des 
Dorfes Dragulja NW. von Pale. 

Verhältnismäßig selten finden sich hier auf den Kalkplateaus die 
Dolinen mit Terra rossa erfüllt, welche wieder an deren Rändern, 
insbesondere in der Umrahmung Sarajevos, eine größere, auffällige 
Verbreitung hat. 

Im Sarajevsko polje sowie auf dem tertiären Hügellande, ja mit- 
unter auch auf dem anstoßenden Flyschterrain gewinnt eine Decke 
gelblichen Lehmes größere Ausbreitung, die vielleicht dem Löß voll- 
ständig entspricht, auch als solcher bezeichnet werden kann). Es ist 
aber vielfach nicht leicht, diese Lehmablagerungen diluvialen Alters von 
den ähnlichen rezenten Gebilden, welche direkt durch die Verwitterung 
der tertiären Gesteine entstehen, zu unterscheiden. Das ist auch der 
Grund, warum auf die kartographische Darstellung des „Löß* auf 
unserem Kartengebiete verzichtet wurde, dessen Mächtigkeit meist nur 
gering ist und dessen Verbreitung sich oft mit dem des Tertiärs deckt. 

Die auf der Westseite der tertiären Hügeln bei Karadiici und 
Railovac im Sarajevsko polje angelagerten roten Lehme sind un- 
bestimmten Alters; auf der Karte erscheinen sie mit der Farbe des 
Diluviums bezeichnet, obgleich ich sie für jünger halte. 


4. Jüngste Bildungen. 


Zu besonderen Erörterungen geben die Alluvien der Talböden 
sowie der Poljen kaum Anlaß; auch über die in der Westhälfte des 
Sarajevsko polje sowie in der Mulde von Pale auftretenden Moor- 
bildusngen habe ich keine ‚besonderen Beobachtungen gemacht. 
Erstere stehen vielleicht mit im Polje empordringenden Quellen in 
ursächlichem Zusammenhange. 

Daß vielfach die dichte Pflanzendecke, wie zum Beispiel 
in den Urwäldern der Ravna planina, zum Teil auch des Ozren und 
der Romanja wie auch der mitunter reichlich vorhandene Gehänge- 
schutt die geologischen Beobachtungen erschwerten, braucht kaum 
hervorgehoben zu werden. Daß dadurch die Karte an solchen Stellen 
eine gewisse Unsicherheit erhielt, war nicht zu vermeiden. Nur zu- 
sammenhängende Gebiete von größerer Ausdehnung mit solchen 


ı) Nach einer mündlichen Mitteilung weil. A. Bittners hat derselbe in 
dem Lehme des Hum bei Sarajevo auch charakteristische Lößschnecken gefunden, 


562 Ernst Kittl. [48] 


Bildungen wurden weiß gelassen. Humus wie Gehängeschutt wurden 
gewöhnlich mit der Farbe ihrer Unterlage bezeichnet. Ein gleicher 
Vorgang wurde auch meist bei Bergstürzen beobachtet!), Solche 
Bergstürze größeren Umfanges finden sich unter der nordöstlichen Steil- 
wand des Trebevic. Der bedeutendste derselben tritt nächst Dovlidi 
als auffälliger Schutt- und Blockkegel, der aus Kalk besteht, über 
das umgebende Werfener Schieferterrain vor. Eine Reihe ähnlicher 
Bergstürze zeigen die Vorlagen der Steilwände der Romanja planina 
und der Bogovicke stiene; insbesondere bei den letzteren ist die 
Bergsturznatur mancher zungenförmiger Blockkegel, die sich von den 
Kalkwänden über die aus Werfener Schiefer bestehenden Abhänge 
herabziehen, sehr deutlich. Neben solchen Bergstürzen finden sich 
namentlich neben den Wänden der Romanja kleinere oder größere 
Teile der Triaskalkplatte gleichsam abgespalten und etwas verschoben, 
oft wieder durch wahre Bergstürze mit der Ablösungsstelle oberflächlich 
verknüpft. Welchen Umfang diese lokalen Abspaltungen erreichen, 
zeigt ein Blick auf die Karte. Vielfach muß man diese Ablösungen ihres 
Umfanges wegen schon zu den tektonischen Erscheinungen zählen. Selbst 
die Djeva, diese so auffällige Vorzinne der Romanja, scheint von der 
Kalkplatte der Romanja abgespalten und ein wenig abgesunken zu sein. 

Es waren namentlich die kleineren Vorkommnisse dieser Art, 
welche mit Bergstürzen in Verbindung stehen und häufig mit Sicher- 
heit von dem wirklich Anstehenden nicht zu trennen waren, vielfach 
auch allmählich in solche übergehen, die mich bewogen, die gesamten 
abgespaltenen und abgebrochenen Massen als Triaskalk auf der Karte 
zu kolorieren. Ein weiterer Grund hierfür lag in den Dimensionen 
derselben, an die sich ja, wie die Karte zeigt, oft riesige isolierte 
Schollen anschließen, die dem Schieferterrain auflagern. 


V. Geologische Topographie. 


Dieser Abschnitt wird in folgender Weise gegliedert: 


1. Das Sarajevsko polje und die Neogenbildungen bei Sarajevo. 
2. Das Igmann—Bjelasnicagebirge nebst den Tälern der Zujevina 
und des Jasen potok. 
3. Der Trebevic und seine Parallelzüge. 
Das Zeljesnicatal. 
. Sarajevo und das Miljackatal bis Pale. 
. Die Ravna planina. 
. Das Gebirge nördlich der Miljacka. 
. Das Gebiet der Miljackaquellen. 
. Das paläozoische und untertriadische Gebiet von Praca. 
10. Die Romanja planina und ihr Hinterland. 
ll. Das Flyschgebiet nördlich von Sarajevo. 
12. Die Ozren planina. 
!) Durch einen Irrtum wurde in der Farbenerklärung der Karte bei den 
rezenten Bildungen auch „Bergstürze“ angegeben, 


SnÄamnumı 


[49] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 563 


1. Das Sarajevsko polje und die Neogenbildungen bei 
. Sarajevo. 


Die tertiären Süßwassersedimente, welche das von sehr jungem 
Schotter und Lehm, zum Teil auch von Moor erfüllte Sarajevsko polje 
umranden, stehen in direktem Zusammenhange mit jenen, welche das 
Zenicaer Becken erfüllen, sowie mit denjenigen, welche sich längs der 
Zujevina nach Süden ziehen. Die letzteren dürften einer Bucht oder 
einem Verbindungsarme mit den gleichen Ablagerungen bei Konjica 
entsprechen. 

Die Haupterstreckung des Sarajevo—Zenicaer Beckens ist parallel 
dem dinarischen Gebirgsstreichen, wonach also dieser ehemalige Süß- 
wassersee sich ungefähr in einem beckenartigen Längstale ausgebreitet 
haben dürfte. Die meisten Sedimente dieses Süßwasserbeckens sind 
heute durch die Gebirgsfaltung stark geneigt und gehoben sowie durch 
Erosionswirkung zernagt. 

Auf dem Gebiete der Karte zeigen die Schichten des Süßwasser- 
tertiärs wie bei Zenica ein vorwaltend südwestliches Einfallen. Bei 
Sarajevo herrscht aber im allgemeinen eine flachere Neigung, so daß 
hier die geringsten Störungen vorhanden sind. Abweichungen von dem 
normalen Einfallen können vielfach beobachtet werden; so sieht man 
bei Lukavica und Dvor ein nordöstliches Einfallen, bei Kobilj dol 
ein nordwestliches u. s. w. 

Zweifellos sind die heute zu beobachtenden Schichtstellungen 
durch die jüngsten gebirgsbildenden Kräfte erzeugt. Dabei scheint es, 
daß vorwaltend die dinarische Faltung zum Ausdrucke kommt, während 
die Abweichungen davon auf Querstörungen zurückgeführt werden 
können. Daß die gehobenen Schichten vielfachen Erosionswirkungen 
ausgesetzt waren, ist selbstverständlich. Trotz dieser mehrfachen 
Schichtstörungen und Erosionen dürfte die heutige Verbreitung dieser 
Ablagerungen der Hauptsache nach dem Gebiete des ehemaligen Süß- 
wassersees entsprechen !). 

An der Nordostseite grenzen die jungtertiären Beckenausfüllungen 
an das auf unserem Kartengebiete ausschließlich aus Flysch bestehende 
Grundgebirge, an der südwestlichen Längsseite vermittelst einer Längs- 
bruchzone an Trias- und vielleicht auch an ältere Bildungen. 

Die schmale Südostgrenze, welche teilweise mit Querbrüchen 
zusammenfällt, zeigt wiederholt ein buchtenartiges Eingreifen des 
Neogens in die Züge, die namentlich in die Täler des Gebirges 
zwischen Sarajevo und Kievo, was ich ebenfalls zum Teil der ehe- 
maligen Begrenzung des Süßwasserbeckens zuschreibe. 

Die Gesteine des Tertiärbeckens sind seltener Konglomerate, 
häufig grobe und feinkörnige Sandsteine, Sande, Mergel, Tone, aber 
stellenweise auch Kalksteine, dann Kohlenflöze. 

Der Charakter der fossilen Fauna des Neogens des Zenica— 
Sarajevoer Beckens ist schon im allgemeinen durch die Arbeiten von 


1) F. Katzer scheint mir den Einfluß der Gebirgsbildung auf die Verwischung 
der ursprünglichen Grenzen der jungtertiären Süßwasserbildungen zu überschätzen. 
(Vgl. Geolog. Führer durch Bosnien etc., pag. 35.) 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1903, 53. Band 4. Heft. (E. Kittl.) 77 


564 Ernst Kittl. h [50] 


A. Bittner!), M. Neumayr?), S. Brusinad), N. Andrussow‘), 
F. Siebenrock) bekannt. 

Wenn auch die einzelnen Süßwasserbecken Bosniens nach den 
Schichten sowie untereinander gewisse kleine Unterschiede aufweisen, 
so bleiben doch, wie oben betont wurde, die Gattungen zumeist die- 
selben, auch viele Arten kehren immer wieder. Aus diesem Verhält- 
nisse, das schon durch die Übersichtsaufnahmen im Jahre 1878 und die 
Bearbeitung der dabei gewonnenen Materialien durch M. Neumayr 
hinreichend festgestellt wurde, ergibt sich, daß sehr große Altersunter- 
schiede der Becken gegeneinander sowie der Ausfüllungsmassen der 
einzelnen Becken selbst kaum bestehen. Jedenfalls ist die Bezeichnung 
der limnischen Sedimente derselben als Neogen eine zutreffende, 
wie ebenfalls schon oben auseinandergesetzt wurde. Es gilt das daher 
auch für das Zenica—Sarajevoer Neogenbecken. 

Aus der Gegend von Zenica führte E. Tietze®) nach Be- 
stimmungen M. Neumayrs folgende, den grauen Kalkmergeln ent- 
nommene Fossilien an: £ 


Unio indet. Congeria cf. Basteroti Dsh. 
Pisidium indet. Fossarulus cf. tricarinatus Brus., 
Oongeria Fuchsi Pilar Planorbis sp., 


während Neumayr aus einem tieferen Horizont Cardium sp. und 
Fossarulus pullus Brus. anführt. 

A. Bittner”) nennt aus den Tertiärschichten der Umgebung 
von Sarajevo aus den tieferen Tegellagen Schnäbel von Congeria cf. 
triangularis Partsch., dann vom Wege nach Lukavica: Congeria cf. 
Basteroti Desh., Lithoglyphus ef. fuscus Ziegl., Melania Pilari Neum. 
M. cf. Escheri Merian, Melanopsis 6 sp. 

Bei Kova&6ic nächst Sarajevo, wo gut bestimmbare Schalen 
vorkommen, sammelte ich im Mergel eine Anzahl unten namentlich 
angeführter Süßwasserkonchylien. 

Bei Gromol dürften im Kalke dieselben Formen auftreten. 

In Sarajevo, am Beginne der Appelstraße, von wo Congeria 
cf. banatica, dann quergefaltete Melanien, alles zerdrückt im Mergel, 
sich vorfinden, scheint eine ähnliche Fauna vorzukommen. 

Würde man aus dieser Fauna auf das Alter der Tertiärablage- 
rungen schließen, so weisen die nächsten Beziehungen auf ein miocänes, 
vielleicht sogar sarmatisches Alter hin. In der Tat kam auch, wie oben 
schon bemerkt wurde, Neumayr zuerst auf dieses Resultat, modifi- 
zierte seine Anschauungen jedoch mit Rücksicht auf die bei Dervent 


!) A. Bittner in „Grundlinien“, ]. c. 

®?) M. Neumayr in „Grundlinien“, ]. c. 

®3) S. Brussina, Fossile Binnenmollusken aus Dalmatien etc. 1874. Faune 
malacologique neogene. Agram 1897. 

#) N. Andrussow, Die fossilen und lebenden Dreissensidae Eurasiens. 
St. Petersburg 1897. T 

5, F. Siebenrock, Über einige fossile Fische aus Bosnien. Wissensch. 
Mitt. aus Bosnien. VII. Bd. 

°) „Grundlinien* im Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1880, pag. 315. Vgl. dies- 
bezüglich auch Katzers Geolog. Führer, pag. 33 u. f. sowie 113 u. f. 

‘) Vgl. auch „Grundlinien“ etc., pag. 464. 

®) „Grundlinien.* Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., pag. 416. 


[51] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 565 


erhobenen Lagerungsverhältnisse und den Charakter der Pflanzen- 
fossilien, für welche D. Stur ein oberoligocänes Alter in Anspruch 
nahm. Immerhin scheint aber die Hauptmasse dieser tertiären See- 
ablagerungen miocän zu sein. 

Was die Verteilung der Gesteine anbetrifft, so liegen Konglomerate 
und grobe Sande zumeist am Rande des Beckens, und sind im Gebiete 
des Kartenblattes nur von geringer Ausdehnung, während die allerdings 
zum Teil gehobene Beckentiefe von Tonen, Mergeln, feinen Sanden 
und Sandsteinen eingenommen wird. 


Fig. 1. 


Aufschluß des neogenen Tegels dureh die Ziegelei Jeftanovic in Sarajevo. 


Nach einer Aufnahme von Jos. Sch warz in Sarajevo, 


Die Einzelbeschreibung des Tertiärbeckens beginne ich bei 
Sarajevo. Deren Untergrund und Umgebung hat zwar A. Bittner’) 
schon zutreffend dargestellt, doch hätte ich dem so viel an Ergänzungen 
beizufügen, daß ich es vorziehe, eine neue ausführlichere Darlegung 
hier folgen zu lassen. 

Auf der rechten Seite der Miljaöka reichen die blau- 
grauen Tegelschichten am Westabhange des Kastellberges fast so 
weit hinauf, als die Häusermasse eine geschlossene ist, hier gewöhnlich 
mit Einlagerungen oder Decken von sandigen Sedimenten. Unter dem 
tiefer gelegenen Stadtteile streichen diese Schichten mit schwacher 


1) Grundlinien, pag. 250. 


566 Ernst Kitt). [52] 


westlicher Neigung durch, über KoSevo hinaus, wo die meisten 
größeren Ziegeleien Sarajevos darin angelegt sind. Aus diesen Ziege- 
leien stammt die Mehrzanl der neogenen Fischskelette im Sarajevoer 
Landesmuseum '), und zwar die Arten: 


Labrax longiceps Siebenr. 

2 bosniensis  ,„ 
Serranus gracilispinis Siebenr. 
Dentex? sp. 


Über Bakije reicht das Neogen bis zum Fuße des Gradony 
(Panina kula), den die dort auftretenden dunkelgrauen Sandsteine und 
Konglomerate umziehen. 

Nördlich bei KoSevo findet sich bei Gromol, am Ljuti potok 
nicht weit hinaufziehend, eine Bank von Süßwasserkalk, stellenweise 
erfüllt mit Konchylienschalen, wie: Congeria sp., Melania af. Pilari 
Neum., Melanopsis sp. 

Wieder gröbere Ablagerungen, die offenbar den Beckenrand 
bezeichnen, finden sich bei Vlagije und Poljine (hier zum Teil 
auch ein unreiner sandiger Kalk), dann bei VogoSca, wo auch mürbe 
Sandsteine und Konglomerate vorkommen. Am Ausgange des JoSa- 
nicatales fand sich in tegeligem Material eine kleine Schwefelquelle 
vor. Daselbst sind aber auch Sandsteine und Konglomerate anstehend 
zu sehen. Von Vlagije bis über Ljubina hinaus verläuft die Grenze 
des Tertiärs unregelmäßig gegen NW. zuerst an Triaskalke, dann aber 
an Flysch anstoßend. Meist reichen die Tertiärbildungen eine Strecke 
weit am Gehänge hinauf. Südlich von der nordwestlich verlaufenden 
Talfurche bei VogoSca steigt das Neogen um etwa 300 m bis zu den 
bedeutenden Anhöhen des Hum, Orlic, Zuö und Arnautka, wo die 
Tegelbänke, welche auch bei VogoSca sichtbar werden, zumeist von 
mehr sandigen Gesteinen überlagert werden. Als Oberfläche ist in 
dieser Hügelgruppe ein lößartiger Lehm sehr verbreitet, der die 
charakteristischen Lößschnecken führt. 

Bei Kosevo wurden nächst Bethanien Kohlen gefunden ?), bei 
Vogosca nach einem im Sarajevoer Landesmuseum befindlichen Stücke 
auch Pflanzenreste, unter welchen F. Krasser?) Cinnamomum poly- 
morphum A. Br. bestimmt hat. Auch aus der Gegend von Dvor sind 
aus dem Sandsteine Pflanzenreste bekannt geworden ®); hierüber liegt 
jedoch keine rähere Bestimmung vor. 

Wendet man sich in Sarajevo der linken Seite der Miljacka zu, 
so findet man zunächst an dem Fuße der Kapa die Tertiärbildungen 
als verhältnismäßig schmalen Saum nach Westen ziehen bis zum Aus- 
läufer des Trebevi& (Debelo brdo nächst dem Judenfriedhofe); viel- 
fach kann man auf der Grenze des Tertiärs gegen das hoch auf- 
ragende triadische Grundgebirge Straßen verfolgen. Ostlich zieht sich 


ı) Vgl. F.Siebenrock, Über einige fossile Fische aus Bosnien. Wissensch. 
Mitteil. aus Bosnien ete. VII (1900). 

2) Wahrscheinlich das von Bittner in „Grundlinien®, pag. 251 erwähnte 
Vorkommen nördlich der MiljaCka. 

>) Ann. d. Naturhist. Hofmuseums, V. Bd — Notizen, pag. 90. 

*) Funde des Ingenieurs Tit. Beil im Sarajevoer Landesmuseum. 


[ 


[53] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 567 


jedoch eine Zunge des Neogens bis zum Beginne der Appelstraße (auf 
den Dragulac führend) hinauf, wo eine kleine Ziegelei angelegt ist. 
Hier findet man einzelne Mergelbänke erfüllt mit Konchylienresten 
(Congerfen, zumeist ungekielt, selten mit scharfem Kiel, quergefaltete 
Melanien etc.), jedoch in sehr schlechter Erhaltung. Wie ich finde, 
lassen sich die Congerien als Cong. cf. banatica R. Hoern. anführen. 
Ein schmaler Streifen des Neogens scheint in derselben Richtung 
weiter zu ziehen, bis er die alte Straße unterhalb der Ziegenbrücke 
(Kosiacuprija) erreicht, woselbst mit neogenem Sande erfüllte Spalten 
und Taschen ausgebeutet wurden. Das Stadtviertel um den Konak 
herum hat nach den spärlichen Aufschlüssen einen tegeligen Unter- 
grund, wie er auch am rechten Ufer der Milja&ka vorhanden ist. 

Dasselbe tonige Material schließt auch die weiter abwärts ge- 
legene Ziegelei in ziemlicher Mächtigkeit auf. (Hier fand sich ein 
näher nicht bestimmbarer Fischrest.) Höher hinauf, anscheinend den 
Tegel überlagernd, stößt man auf sandige Bänke, welches Material 
in einzelnen Zungen — so bei Komatin — in das Grundgebirge 
eingreift. 

Nachdem man den wie ein Vorgebirge gestalteten Ausläufer des 
Trebevi@ mit seinen Kalkbreccien, in dem Steinbrüche angelegt sind, 
gegen Westen zu passiert hat, trifft man an der Straße vor Kovaöic 
auch fossilreiche Bänke von Mergel. Es finden sich da die Fossilien: 


Congeria cf. banatica R. Hoern. Melania n. f. 


Cardium sp. R cf. Pilari Neum. 
Melanopsis cf. Visiana Brus. Neritina sp. 
= cf. Lanzaeana Brus. 


Unweit von hier, bei ZlatiSte beobachtet man in sandigmergeligen 
Schichten auch große Melanien (Melania af. Escheri) in Steinkernen. 
Auch westlicher noch sind fossilführende Schichten aufgeschlossen. 

Von da zieht die Grenze des Tertiärs südlich bis Tilava, hier 
eine kleine Bucht bildend, wo wechselnd sandiges und toniges 
Material zu finden ist. Am Südostende der Tertiärbucht treten die 
Quellen des Lukavicabaches hervor, also an der Grenze von Neogen 
und Grundgebirge. Das Tertiär streicht als Hügelland nördlich vom 
Bache über das Dorf Lukavica, woselbst Kohlenschürfe liegen, bis 
Nedjaridi, hier durch einen Steilrand gegen die Zeljesnica zu abge- 
schnitten. 

Bei Lukavica, wo schon A. Bittner die oben pag. 564 an- 
geführten Fossilien gefunden hat, sammelte Herr Berghauptmann 
Grimmer Congerien mit geknickter bis scharf gekielter Seitenfläche ). 
Daselbst kennt man zwei Kohlenausbisse: einen südlich vom Dorfe 
und einen südlich vom Brauhause; beide besitzen ein nordöstliches 
Einfallen. Noch weiter südlich zeigt sich wieder ein buchtartiges 
Eingreifen des tertiären Beckenrandes in das Grundgebirge bei Kobilj 
dol, woselbst abermals ein Kohlenausbiß auftritt, der in den letzten 
Jahren zu Schürfungen Veranlassung gab. Da findet man ein nord- 


!) Es ist das vielleicht die Art, welche Bittner und Neumayr als Congeria 
cf. triangularis auführen, jedoch in kleinen Exemplaren. 


568 Ernst Kittl. [54] 


westliches Einfallen der Schichten. Das Tertiär erstreckt sich hier 
einerseits bis auf die Anhöhe Vrela, von hier über den Kobilj brdo 
bis Kotorac, wo die Neogenschichten unter die alluviale Becken- 
ausfüllung des Polje hinabtauchen. 


Verfolet man die Tertiärbildungen am Beckenrande weiter, so 
trifft man zunächst am Fuße der Igman planina zwischen 
Nojkovici und Glavogodina beschränkte Aufschlüsse neogener Gesteine, 
besonders Sande und Mergel, in der am Fuße des Igman hinziehenden 
Hügelreihe. Von da bis BlaZuj fehlen Aufschlüsse des Tertiärs; erst 
am Abhange des Pod Igman liegt auf dem Triasdolomit ein Fetzen 
Neogen. Diese Art des Vorkommens der Auflagerung getrennter 
Neogenschollen findet man bei Hadzici, wo das Tertiär auf Werfener 
Schichten und schwarzen Muschelkalken liegt, dann längs des Rakovica- 
baches, wo es in ähnlicher Weise den Flysch bedeckt. 


Zwischen der von BlaZuj nach Kiseljak führenden Straße und 
dem Stücke des Bosnalaufes von Dvor bis Han Vratnica liegen die 
mehr oder weniger parallelen Hügelketten von Crnotina, deren höhere 
Erhebungen Dobrowo—Placigora, Tiesnica und Maljasevo heißen. Sie 
scheinen fast durchaus dem Tertiär anzugehören. Es ist nicht ganz 
ausgeschlossen, daß unter dem Neogen hie und da noch etwas Flysch 
zum Vorscheine komme. Auf den Höhen sind hier wie auf den 
Neogenhügeln um den Orlic vielfach jüngere Lehmdecken ausge- 
breitet, die wie jene des Orli@ auf der Karte nicht ausgeschieden sind, 
da sie von den eluvialen Bildungen häufig schwer zu trennen sind. 


Auf der rechten Talseite der Bosna zwischen VogoSca und 
Han Vratnica zieht das Tertiär in der Breite von 2—4 km von 
SO. nach NW., hier dem Flysch an- und aufgelagert. Nächst der 
Eisenbahnstation VogoSca sah ich abgerollte Kalkblöcke mit großen 
Zweischalern (Congerien ?). 

Auffällig ist die aus Neogenkonglomerat bestehende Felsbildung 
des Lokve bei NaboSic, wo das Tertiär auch mit einigen Fetzen 
weicherer Gesteine auf den Flysch übergreift. 

Daß Kohlen in diesen häufig gefalteten Tertiärgebilden längs der 
Bosna nicht fehlen, zeigen einige kleine Ausbisse z. B. bei Han 
Cur£in sowie bei Rakovica im Westen (schon außerhalb der 
Karte). 

Zwischen dem tertiären Hügellande von Crnotina, jenem des 
Orli& und Hum sowie zwischen den höheren Triaszügen der Trebevic- 
gruppe und des Igman eingeschlossen liegt das flache Sarajsko 
polje. 

Der Boden des eigentlichen Polje ist aus Alluvialanschwem- 
mungen gebildet: Schotter, rote und gelbe Lehme, Moorland setzen 
ihn zusammen. Roter Lehm findet sich insbesondere zwischen BrieSte 
und Dvor. Die Moorbildungen liegen hauptsächlich in der Westhälfte 
des Polje, in dessen Mittelpunkt sich die Schwefeltherme 
Ilidze!) befindet. 


') Der Entdecker derselben war Herr Ingenieur Titus Beil; die Fund- 
stücke sollen im Sarajevoer Landesmuseum liegen. 


[55] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 569 


Einer von E. Ludwig verfaßten Broschüre !) entnehme ich, daß 
nach dieses Autors chemischen Analysen in 10.000 Teilen des Thermal- 
wassers. enthalten sind: 


Schwefelsaures Kalium . . . 2. .2...0342 
BorsauresuNatrium | .0%, 3 ol il ae 056 
Schwefelsaures Strontium . . ...2...0'035 
Schwefelsaures Natrium . . . . 2.7984 
OR ana In; Deu mg aellntne0r33 
Ohlorealehumni d 020.9" &u0i9 mögemser 24945 
Unterschwefligsaures Calcium . . . . 0021 
Phosphorsaures Calium . . . . 0.004 
Caleiumearbonat da Krk ost an 3 03 10:359 
Masnesiumbicarbonat . .. 2... »..0.2.4669 
Pisenbiearborati un sin MA Bra Ingntd 05012 
Aluminmamoryd in ua ste a san. 0001 
Schwetelwasserstoff  »v.... Le: 9.2 1570:034 
Kisselsänrencni ra a Br rare 0497 
EreieuxKohlensäure .00;= . 7. /18. 21:03 404909 


Die Quellentemperatur betrug am 22. August 1894 im Quell- 
bassin 57:50 C. Dabei ist zu bemerken, daß diese Temperatur sich 
auf die heutigen Quellenzustäinde nach der durch Sektionschef 
Passini im Jahre 1893 erschrotteten neuen Quelle bezieht ?), 
während die Quelltemperatur früher, nach der von E. Ludwig 1886 
vorgenommenen Temperaturmessung, 51% C ergeben hatte®). Der 
letztere berichtet nach Angaben des Kreisingenieurs Ribarich, 
folgendes: 


„Das Thermalgebiet von IlidZe erstreckt sich über ungefähr 
20 Hektar und ist durch einen weißen kristallinischen Sinter gekenn- 
zeichnet, der sich aus dem Thermalwasser abgeschieden hat. Dieser 
Sinter besteht aus Kalkspat und Aragonit und hat an manchen 
Stellen eine Mächtigskeit von 7 m. Wo dieser Sinter durchbohrt 
wird, stößt man auf Thermalwasser; dasselbe ist zweifellos zu ver- 
schiedenen Zeiten an verschiedenen Stellen des Thermalgebietes 
zutage gekommen.“ 


Unter der liebenswürdigen Führung des Herrn Sektionschefs 
Passini hatte ich*) Gelegenheit, das Thermalgebiet genauer kennen 
zu lernen. Außer der heutigen Hauptquelle, die durch eine Bohrung 
in einer Tiefe von 8:77 bis 890 m vermittelst 30 Bohrlöchern, 
welche die Sinterdecke durchstießen, aufgeschlossen wurde, kennt 
man schwache Ausflüsse von Thermalwasser noch hauptsächlich südlich 
vom Thermalschachte an der Sohle der vorbeifließenden Zeljesnica 


1) E. Ludwig, Schwefelbad Ilidze. Wien 1896. Herausgeg. v. d. Landes- 
regierung von Bosnien-Hercegovina. 15. Aufl. — Vgl. auch: Tschermaks Min.-petr. 
Mitt. X, 1888, pag. 406. 

?) Die Quelle liefert heute 16 Sekundenliter, 

3) Die damals vorgenommene chemische Analyse differiert sehr wenig von 
der oben mitgeteilten. 

*) Am 9. September 1896. 


570 Ernst Kitt!l. - [56] 


sowie nördlich davon auf dem Territorium des Schwimmbades und 
des Kühlbassins 1. 

Die Sinterdecke tritt an denselben Stellen neben den Thermal- 
quellen zutage, so wie sie auch weiter nördlich in der Sohle der Zeljes- 
nica und am rechten Ufer derselben. zu finden ist. Der letztgenannte 
Punkt bietet den schönsten übertägigen Aufschluß der hier kuppel- 
förmig emporgewölbten Sinterdecke!). Die hier sichtbare Durchkreuzung 
mehrerer Sinterlagen oder Sinterdecken zeigt vielleicht deren zu ver- 
schiedenen Zeiten von neuem eingeleitete Ablagerung an. (Vgl. Fig. 2.) 

Schon nahe der Grenze des Polje erscheinen bei Blazui, genau 
nördlich der Bosnaquelle, drei Kohlensäuerlinge, welche durch ihre 
Temperatur von 14° C anzeigen, daß sie mit der Therme von IlidZe in 
gewissem Zusammenhange stehen, an die sich, wie schon Mojsisovics 
bemerkte ?), über Blazui nach NW. eine „geradlinige Reihe von Kohlen- 


Felsen von Quellsinter an der Zeljesnica bei Ilidze. 


säuerlingen“ anschließt, welche den Südweststrand des Beckens be- 
gleiten (Grahovdi, Kiseljak, Slanojezero, Han Bjelalovac, Busovata 
u. S. f.). Mojsisovies dachte bei Betrachtung dieser von ihm auch als 
Südwestrand des Tertiärbeckens von Zenica bezeichneten Linie sofort 
an einen großartigen Einsturz des älteren Gebirges und fand in dem 
Auftreten der Therme von Ilidze sowie jener geradlinigen Reihe von 
Kohlensäuerlingen eine Stütze für diese Ansicht. Doch scheint das nicht 
völlig zuzutreffen, da — wie schon erwähnt — die Tertiärbildungen längs 
des Zujevinatales bis über Taröin hinausziehen. Gleichwohl halte ich 
ebenfalls die Linie Kiseljak—IlidZe für eine Dislokationslinie, deren 
Sprunghöhe jedoch anscheinend keine sehr bedeutende ist. Wie das 
Auftreten der Therme bei- IlidZe tektonisch erklärt werden kann, soll 
später erörtert werden. 


ı) Vgl. Bittner in „Grundlinien“, pag. 261. 
*) Mojsisovics in „Grundlinien“, pag. 52. 


[57] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 571 


2. Das Igman-BjelaSnicagebirge nebst den Tälern der 
Zujevina und des Jasen potok. 


Das nach NW., NO. und zum Teil auch nach SO. wohlabge- 
grenzte Triasgebirge Igman-BjelaSnica hat ein ausgesprochen dinarisches 
Streichen. Sein Bau zeigt eine Mulde. Untergeordnete Längs- und 
Querbrüche sind vielfach vorhanden. Die tiefsten Schichten. die 
der Werfener Stufe, treten auf der NW.- und SO.-Seite heraus. An 
dem gegen NW. orientierten Steilabhange des Gebirges, der wohl mit 
einem Querbruche zusammenfällt, findet man im Zujevinatale in der 
näheren und weiteren Umgebung von Hadiici auf den Werfener 
Schichten schwarze Kalke und zunächst darüber Dolomite; erst in 
einem höheren Niveau treten hier Kalke auf. Spärliche Fossilführung 
zeichnet die Werfener Schichten aus, während die meist rötliche Schicht- 
flächen zeigenden schwarzen Kalke bisher Fossilien nicht geliefert haben. 

Daß in diese Einsenkung transgredierend die tertiären Süßwasser- 
bildungen des Zenica-Sarajevoer Beckens hereingreifen und über Tar&in 
vielleicht mit dem Konjicaer Becken in Zusammenhang standen, wurde 
schon angedeutet. Die Mächtigkeit dieser tertiären, durch die Erosion 
in einzelne Schollen aufgelösten Decke ist auf dem Kartengebiete 
eine sehr geringe. 

Noch zu erwähnen ist das als Flysch kartierte, südlich von 
Kasalici am Abbruche der BjelaSnica liegende Gebiet von grauen Sand- 
steinschiefern und Mergeln (Flysch ?), welche petrographisch den per- 
mischen Schiefern bei Pra@a sehr ähnlich sehen, weshalb es nicht 
ganz auszuschließen ist, daß jene Schiefer als paläozoische Unterlage 
der Trias anzusehen wären, die als tiefstes Glied hier zum Vorscheine 
käme. Weder Fossilfunde noch Lagerung vermochten hier hinreichend 
klärende Anhaltspunkte zu liefern. 

Diesbezüglich ähnlich verhalten sich die ebenfalls als Flysch 
kartierten Schiefer und Mergel an der Rakovica, wo aber der Flysch- 
charakter petrographisch deutlicher wird. 

Die beiden NW.—SO. streichenden Berge Igman und Bjelasnica 
bestehen aus Triaskalk einschließlich der Dolomite und der rhätischen 
Dachsteinkalke. Zwischen Igman und BjelaSnica liegt die Längsfurche 
des Veliko polje. 

Wenn man von der Bosnaquelle aus den neuangelegten Reitsteig 
auf die BjelaSnica verfolgt, trifft man zuerst auf dunkelschwärzlich- 
graue, darüber auf hellgefärbte Diploporenkalke. Ihr Einfallen ist ein 
südwestliches. Weiterhin sind wegen der dichten Bewaldung lange keine 
anderen Funde zu machen als abgewitterte Triaskalkbrocken. Übrigens 
zeigen sich viele Dolinen. Die geologisch sterile Eintönigkeit dieses 
Weges wird erst bei der Quelle Hrastnicki stan unterbrochen, wo man 
neben einer schwachen Quelle mehrere Tümpeln (lokve) findet. Die 
letzteren sind in lehmigem Material mit Mergel und Sandsteinbrocken 
eingebettet. Die spärlichen Gesteinsbrocken erinnerten mich am meisten 
an Flysch. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Punkt eine geo- 
logische Wichtigkeit besitzt, sei es, daß hier ein Mergelniveau durch- 
zieht, sei es, daß er an einer tektonischen Längsstörung liegt. Immerhin 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1903, 53. Band, 4. Heit. (E. Kittl.) 78 


572 Ernst Kittl [58] 


ist es sehr auffällig, daß solcher Lokven oder Quellen im Streichen noch 
mehrere liegen, so die Lokva bei Sirovei gornje im SO., die Lokva 
bei Kovacki stan, die Quelle Mednjik bei Zunovnicki stan. Während 
des nun folgenden sanften Abfalles zum Veliko polje traf ich Kalk- 
blöcke mit Korallen und ästigen, stark verzweigten Spongien. Bei dem 
Aufstiege auf die Bjelasnica verquert man zwischen Babin dol und 
Grkarica grüne Sandsteine und Schiefer, auch rote Jaspise ; sonst sieht 
man dort nur Kalk. 

Der lang hinstreichende Kamm der Bjelasnica erwies sich als 
eine nach NO. geneigte Scholle von Megalodontenkalk. Die darin reichlich 
auftretenden Megalodonten darf man wohl mit den Dachsteinbivalven 
identifizieren, für welche man vielleicht den Namen Conchodus infra- 
liasicus Stopp. verwenden darf, so sehr stimmen sie mit den nord- 
alpinen Vorkommnissen vom Dachsteingebiete, vom Paß Lueg u. s. w. 
überein d). 

Die Megalodontenkalke zeigen gegen SW. eine Terrainstufe, dann 
fallen die Bänke der Kalke nach SW. ab (siehe Fig. 3). Zweifellos 


Fig. 3. 


Meteorolog. Observatorium. 


NO 


Gipfel der Bjelasnica. 


(Dachsteinkalk) von Südosten. 


bezeichnet jene Terrainstufe am SW.-Hange eine mit Bruch ver- 
bundene Längsstörung, vielleicht eine Überschiebungskluft. Wenn man 
das Veliko polje im Streichen verfolgt, so trifft man nächst Malo polje 
auf dieselben Megalodontenkalke, tiefer bei Radava auch auf Spuren 
anderer Fossilien in einem mehr rötlichen Gesteine. 

Unterhalb Zunovnicki stan erst erscheinen die Dolomite, noch 
tiefer die Werfener Schichten. Es mag hier bemerkt sein, daß die 
Kuppe oder Scholle des eigentlichen Igman durch den von der Bosna- 
quelle heraufkommenden Quereinschnitt von der Igman planina ge- 
trennt erscheint und gleichzeitig gegen NO. vorgeschoben ist. 

Ein anderes Querprofil durch die Triaskalke der Igman planina 
von Nojkovici aus ergab das Durchziehen roter Kalke mit Hornstein 
im Radeljateforste, was wohl auf Buloger Kalke hinweist. Das Einfallen 


!) Es bedarf allerdings noch weiterer genauer paläontologischer Studien, um 
festzustellen, ob die als Conchodus Schwageri Tausch (=? C. infraliasicus Stopp.) 
mit den im Dachsteinkalke sonst so häufigen Conchodus-Exemplaren spezifisch 
identisch sind. 


[59] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 573 


der Schichten auf dieser Anhöhe ist an einer Stelle ein nordöstliches; 
vielleicht ist das jedoch nur eine ganz lokale Abweichung in dem an 
Doliner überreichen Gebiete. 

Wie im NW. der Bjelasnica-Igmanzug durch das Zujevinatal quer 
auf das Streichen abgebrochen erscheint, so ist auch im SO. durch 
das Quertal von Krupac-Jasen ein ähnlicher Aufschluß bloßgelegt. Im 
Zeljesnicatale bei Vojkovid trifft man im Bachbette Rauchwacken an- 
stehend, im Jasentale aber grünliche, seltener rötliche, serieitische 
Werfener Schiefer), die auf der rechten Talseite auch Myaeiten 
(Anodontophora) und andere Fossilien enthalten. Hier, gegen Stara 
gora zu, sind die Schichten steil aufgerichtet, lokal sogar überkippt. 
Es folgen da auf die sandigschiefrigen Schichten Kalkschiefer, dann 
Dolomit von dunkler Färbung. 

Auf der Höhe der Stara gora herrschen graue Mergel bei sehr 
wechselndem Einfallen, die nach dem petrographischen Charakter als 
Flysch kartiert wurden. Es bedürfte weiter ausgreifender Studien, 
um festzustellen, ob man es wirklich mit Flysch zu tun hat oder etwa 
mit paläozoischen Schiefern. 


3. Der Trebevic und seine Parallelzüge. 


Das Kettengebirge der Trebevicgruppe zeigt einen sehr 
regelmäßigen und einfachen Bau. Fünf meist nach SW. geneigte schmale 
Schollen von Triaskalk liegen auf Quarziten und Schiefern der Werfener 
Schichten, welche in den Talrissen zum Vorscheine kommen. Daß die 
Triaskalke zum größten Teile dem Muschelkalke angehören, ist sicher; 
daß ein geringer Teil auch noch wenigstens den unteren (karnischen) 
Hallstätter Kalken entspricht, ist kaum zweifelhaft; jedoch ist das 
durch Fossilfunde nicht überall festgestellt. Der am leichtesten zugäng- 
liche Trebevi6 ist auch genauer bekannt als die südlichen Ketten und 
die schwer zugänglichen Waldgebiete, wo die spärlichen Fossilfunde 
eine genauere Horizontierung der Kalke nicht gestatteten. 

Das geologische Querprofil (Fig. 4) des Trebevic und der süd- 
lich angelagerten Kämme entspricht genau dem, was Suess als 
Schuppenstruktur bezeichnete. Bei südwestlichem Einfallen wiederholt 
sich bei jedem Kamme dasselbe geologische Profil: Nordöstlich am 
Fuße erscheinen Quarzite der Werfener Schichten, darauf liegen 
mächtige Triaskalkmassen, die vorherrschend dem Muschelkalke zu- 
fallen. 


Die NW.—SO. streichenden, aus Triaskalk bestehenden Parallel- 
züge der Trebevicgruppe sind von NO. gegen SW. zu folgende: 


a) Der Zug des Dragulac, Vaganj und Udes; 

b) der Zug des Trebevic und Veliki Stupan; 

c) der Zug der Siljeva greda und des Bojiste; 

d) der Zug der Kobilja glava und des Ostrik veliki; 
e) der Zug des Vienac. 


1) Das Einfallen ist in der Talsohle nach OSO. gerichtet. 


574 Ernst Kittl. [60] 


Im SW. schließen sich an den letzteren noch etwa zwei weitere 
undeutlich ausgebildete Züge an. Der Dragulaczug zeigt ein nord- 
östliches, alle übrigen besitzen ein südwestliches Einfallen. 

a) Der Zug des Dragulac, im NO. von der Miljacka und 
deren einen Quellbach: der Paljanska Milja&ka begrenzt, beginnt bei 
Sarajevo mit der Kapa, welche durch eine kleine Transversalstörung 
von dem Hauptzuge abgetrennt erscheint; es folgt dann der durch 
die Höhenpunkte Dragulac, Vaganj und Kurvina stiena 
bezeichnete Abschnitt, der bis zu dem vom Dorfe Dovlici herab- 
kommenden Bache reicht, und zuletzt schließt sich ein schmaler 
Abschnitt an, der mit dem UdesS beginnt, sich dann langsam bis 
Radenici hinabsenkt und schließlich in einzelnen Kalkklippen in das 
Schiefergebiet von Pale fortsetzt. 

Die Kapa ist eine an ihrem Fuße fast rings von Werfener 
Schichten eingefaßte Kalkscholle. Die bekannten Aufschlüsse der 
Werfener Schichten am Bistrikbache setzen südlich von der Kapa 


Fig. 4. 
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iS IS: c zZ = Sa A = 
2) 


a — 
Profil durch die Trebevicketten und die Boria. 


1. Werfener Schichten. — 2. Helle Riffkalke. — 3. Buloger Kalk, Knollenkalk, 
Jaspisbänke. 


fort, um erst bei Ercedole eine größere Ausbreitung zu zeigen. Aus 
dem Bistrikeinrisse, wo man sowohl gelbliche Quarzite als auch rote, 
graue und grüne Sandsteinschiefer aufgeschlossen findet, hat schon 
Bittner charakteristische Fossilien der Werfener Schichten genannnt }). 
Bei den obersten Häusern von Sarajevo ist ein prächtiger Aufschlub 
der Werfener Schichten und der darüber folgenden Kalke. In der 
Tiefe liegen die Schiefer und Quarzite der Werfener Schichten, 
über ihnen die knolligen Muschelkalke mit Gastropoden und Lamelli- 
branchiatenresten. Zu den von A. Bittner daselbst gemachten Funden 
von Terebratula vulgaris Schloth., Naticopsis sp. großen Gastropoden und 
Encrinus gracilis Buch konnte ich einige weitere hinzufügen). Zu 
oberst folgen dann die hellen, an der Basis gelblich verwitternden 
Riffkalkmassen, aus welchen zwar Bittner ebenfalls einige Fossilien 3) 


!) Über die Fossilführung dieser Aufschlüsse vgl. auch oben pag. 535. 

2) Vgl. pag. 539. 

®) Bittner führt in „Grundlinien“ pag. 390 .Pecten-Arten, darunter P. Marghe- 
ritae Hau. und Terebratula cf. venetiana Hau. an. 


[61] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 575 


gewonnen hat, die aber in der Regel nur Diploporen und etwa noch 
Korallen und Spongien führen. Von Steilwänden begrenzt, bauen sie 
die Kapa auf. 

Jene Aufschlüsse in den Werfener Schichten ziehen den Bistrik- 
bach aufwärts, auf die Plateauhöhe hinauf, während die Talhänge 
außer hellen Riffkalken auch rötliche Kalke mit Hornsteineinschlüssen 
zeigen. Auf der Plateauhöhe streicht ein die Werfener Schichten 
bedeckender breiter Wiesenstreifen gegen N. nach Ercedole hinüber. 
Außerdem findet man noch einige andere kleine Aufbrüche der Werfener 
Schichten. 

Wenn man nördlich der Kapa die Appelstraße verfolgt, deren 
Beginn noch im Tertiär liegt, so trifft man zuerst nächst Ercedole 
auf helle Riffkalke mit Spongien, Korallen, seltener Diploporen und 
andere Fossilreste, weiter hinauf bei km 2°5 neben hellen Kalken 
sehr viel Hornstein und roten Flaserkalk flach N. fallend, hie und da 
auch glaukonitführende Sandsteinbrocken ohne klare Aufschlüsse !). 


Fig. 5. 
Dra- Bistrik 


Miljacka. gulac. Kapa. potok. Trebevic. 


Die Trebevic planina von Sarajevo aus. 


(o = Werfener Schichten.) 


Einen Einblick in den Bau des Dragulaczuges gewährt erst die Anhöhe 
mit dem Fort und der Südwesthang. 

Auf dem Rücken des Dragulac sieht man zuerst im N. helle 
Kalke, dann eine Anhäufung von Jaspisgrus, die vielleicht auf ein 
gangförmiges Vorkommen hindeuten würde, bei dem Fort wieder helle 
Kalke dann eine Serie wohlgeschichteter, O. fallender rötlicher Kalke 
mit der Fauna der Aonoides-Schichten (unterkarnisch), deren Haupt- 
repräsentanten schon oben pag. 549 angeführt sind. Es ist das eine 
von Herrn Oberbaurat Dr. Kellner entdeckte Fundstelle, die dann 
wiederholt ausgebeutet wurde. 

Uber diese karnischen Hallstätter Kalke legen sich helle, un- 
deutlich gebankte Riffkalke, die am östlichen Sattelübergang des 
Weges und am Orlovac reichlich Diploporen führen. Auf dem süd- 
westlichen Hange des Dragulac wendet sich der Weg gegen Westen 
zurück und kommt dann wieder in karnische Hallstätter Kalke; 
es sind das die teils weißen, teils rötlichen Halobien- und Daonellen- 


!) An dem Abhange gegen die Miljalka zeigt sich mehr nordwestliches Einfallen. 


Bi “ 9) Ernst Kittl}0 7 Vnlaue] mob aigplost) Bd 


bänke des Dragulae !), deren sich mehrere faunistisch verschiedene 
unterscheiden lassen. Die zu beobachtende Schiehtfolge ist von oben 
nach unten nachstehende: | ia 

1. Helle Diploporenkalke. A 

2. Rote Kalke mit unbestimmbaren Ammoniten (Brut). 


3. Obere Halobienbänke ?), vorherrschend rötlich, mit 
Halobia cf. insignis_ Gemm. 

sicula Gemm. 

cf. Ienticularis, Gemam. . 


» 
» 
4. akeine Halobienbänke, vorherrschend weiß, mit 
 Halobia brachyotis Ki. n. f.?) massenhaft und 
Daonella styriaca Mojs., 
die teils in einzelnen Lagen angehäuft, teils auch sporadisch mit der 
ersteren zusammen vorkommt. 


5. Das Liegende bilden wieder rote Kalke mit Enerinus n. f. 
und Cephalopoden indet. 

So weit scheinen also die karnischen Kalke zu reichen. Wenn 
man nun die kleine Straße weiter abwärts verfolgt, trifft man auf eine 
andere Fauna. 


In einem kleinen Steinbruche daselbst fand ich in rötlichen Kalken: 


Enerinus n. f. cf. granulosus Mstr. 

Loxonema arctecostatum Mestr. 

Gymnites sp. ind. 

Sturia Sansovinii Mojs. 

Monophyllites sphaerophyllus Hau. oder M. wengensis Mojs. 
Arcestes sp. 

Procladiscites molaris Hau. ? 

Hungarites sp., 


welche kleine Fauna zunächst auf Bulogschichten (oberer Muschelkalk) 
hindeutet, die aber auch als eine Vertretung der ladinischen Fauna 
aufgefaßt werden könnte, da fast alle angeführten Arten in wenig 
oder gar nicht veränderter Gestalt in die ladinischen Schichten hinauf- 
reichen. Ein Beispiel einer solchen sichergestellten ladinischen Fauna 
wird etwas weiter unten von einer benachbarten Stelle angeführt 
werden. 

Ob nun die Kalke an dieser Stelle die karnischen Halobienbänke 
normal unterlagern oder von diesen — wie es aus mehreren Gründen 
wahrscheinlich ist — durch eine Dislokation getrennt werden, konnte 
ich nicht völlig klarstellen. 


!) Deren Entdeckung ebenfalls Herrn J. Kellner zu verdanken ist. 


?) Ein von J. Kellner eingesandter, wahrscheinlich aus diesen stammender 
Block enthielt: 
Halobia subreticulata Gemm. 


5 cf. insignis Gemm. 


®) Die genauere Beschreibung wird an anderer Stelle nachfolgen. 


[63] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 577 


Im ersteren Falle muß man annehmen, daß hier die sonst so 
charakteristischen Hornsteine und Flaserkalke der ladinischen Stufe 
fehlen oder verstürzt sind oder aber die anstehenden Kalke mit der 
oben zitierten Fauna vertreten werden. Da weiter westlich aber die 
Hornsteine massenhaft vorkommen, ebenso die Flaserkalke mit ganz 
verändertem Einfallen (gegen N.) erscheinen, darüber aber noch rötliche 
Kalke mit Pinacoceras sp. (vielleicht P. Layeri Hau.) folgen, so glaube 
ich die Verhältnisse am Dragulac in der Weise deuten zu sollen, 
wie nebenstehende Profilskizze Fig. 6 angibt. 


Fig. 6. 
Oberer 
Bistrikbach. Appelstraße. Fort Dragulae. Orlovae. 


NW. Fe nu 56 


ERS 

ANSÄNN 

II 
N 


Der Dragulae bei Sarajevo von der Südwestseite. 
1. Oberer Muschelkalk oder ladinische Kalke vom Hallstätter Typus. — 2. Rote 


Flaserkalke (ladinisch,. — 3. Jaspisschichten. — 4. Rötliche Kalke mit Pina- 
coceras sp. (karnisch). — 5. Helle Kalke mit Hornstein. — 6. Helle Kalke (ladinisch 
oder Muschelkalk?). — 7. Karnische Hallstätter Kalke (Cephalopodenschichten, 


Halobien- und Daonellenbänke). — 8. Helle Diploporenkalke. 


Die Abhänge des Dragulac gegen die Miljacka sind mit großen 
Blöcken und Buschwerk bedeckt oder zeigen Steilwände, so daß eine 
genauere Verfolgung der Schichten in dieser Richtung untunlich er- 
schien. Nur die schon erwähnten Aufschlüsse an der Appelstraße 
sowie die noch zu besprechenden Verhältnisse im Miljaökatale selbst 
bieten weitere Anhaltspunkte zur Beurteilung der Verhältnisse am 
Dragulac. Westlich aber ziehen die roten Flaserkalke in deutlich 
abgebrochenen Schollen zum Bistrikbach hinab, wo ınan sie an mehreren 
Stellen zu sehen bekommt. 

Die hellen Riffkalke mit Diploporen, welche am Dragulac das 
Hangende der karnischen Schichten bilden, sind es, welche die Be- 
krönung der erwähnten Steilwände insbesondere am Orlovac gegen 
die Milja@ka zu bilden. 

Auf den Anhöhen des Kalkrückens boten sich erst wieder in 
der Nähe des Vaganj einige Fossilfunde dar. 

Am Vaganj selbst sind vorherrschend helle Riffkalke entwickelt, 
die hie und da kleine rötliche Stellen zeigen, worin Arcesten (indet.) 


SW. 


978 Ernst Kittl. [64] 


und andere Fossilien auftreten. Das ist mein Befund nach den zahl- 
reichen hier herumliegenden angewitterten Blöcken. Einer derselben 
zunächst dem vorbeiführenden Wege enthielt neben zahlreichen unbe- 
stimmbaren Fossilfragmenten: 
Monophylites cf. sphaerophyllus Hau. (oder M. wengensis Mojs.) 
Megaphyllites sandalinus Mojs. (oder M. jarbas Mstr.), 
was also ebensogut als Muschelkalk wie als ladinisch oder karnisch 
gedeutet werden kann. 

Am Abhange der Kurvina stiena bei Dovlici fand sich ein 
Block, bestehend aus Monotis? n. f. (Amonotis cancellaria Kittl n. f.); 
weiter nördlich und tiefer fand sich eine anstehende Bank von 
Halobien, welche an die am Dragulac auftretenden Formen erinnern, zur 
Bestimmung aber kaum ausreichen. Der ganze Aufbau an dieser Stelle 
deutet aber darauf hin, daß die Kurvina stiena und wohl auch die 
Höhen des Vaganj der karnischen Stufe zufallen. (Siehe Fig. 7.) 

Der Nordhang der Kurvina stiena zeigt einen schmalen Aufbruch 
von Werfener Schichten, welcher zeigt, daß eine Verwerfung die 
scheinbare Mächtigkeit der Triaskalke auf das Doppelte erhöht hat. 


Fig. 7. 


Kurvina stiena Straße nach Bulog. 


Dovlici. 1050 m. Miljacka. Zli Stup. : Paprenik. 


$ 


NO. 


Profil vom Paprenik auf die Kurvina stiena. 


1. Werfener Schichten. — 2. Unterer Muschelkalk. — 3. Riffkalke des Muschel- 
kalkes. — 4. Buloger Kalk. — 5. Rote Flaserkalke. — 6. Hornsteinkalke. — 7. (Kar- 
nische?) Kalke mit Fossileinlagerungen. — 8. Obere Riffkalke. 


Eine Bestätigung der Auffassung der Gipfelkalke der Kurvina 
stiena als karnisch brachte ein Besuch der nächsten Kuppe, des UdesS 
nächst dem gleichnamigen Dorfe, woselbst ich in roten Kalken nach- 
folgende Arten sammelte: 


Orthoceras sp. indet. cf. tria- Arcestes ausseeanus Hau. 
dicum Mojs. Cidaris-Radiole endet. 
Monophyllites Simonyi Hau. Halobienbrut, 


Sageceras Haidingeri Hau. 
was auf karnische Schichten ziemlich unzweideutig hinweist. 


[65] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 579 


Von UdesS gegen SO. verschmälert sich der Kalkzug allmählich ; 
zum Teil ist in denselben die Paljanska Miljacka eingefurcht; bei 
Munici verläßt er die Miljacka, um in gerader Richtung auf Radenici 
weiter zu ziehen, woselbst er als geschlossener Zug aufhört und nur noch 
durch drei im Werfener Schichten-Terrain isoliert stehende Schollen 
bezeichnet wird. 

Noch eines wichtigen Fundes muß ich erwähnen, der aller 
Wahrscheinlichkeit nach dem Dragulaczuge angehört oder angehört hat. 

Zwischen Dovlici und Vaganj fand ich in einem losen 
Blocke, der aber wohl aus dem nahen Anstehenden herrühren dürfte: 

Spongien? indet. 

Enerinus granulosus Mstr. 

Oidaris-Radiolen indet. af. dorsata Roem. 
Dentalium sp. ind. 

Naticopsis sp. 

Daonella indet. ( Lommeli-Gruppe). 

Pecten sp. (Camptonectes ?), eine glatte Form 
Bivalve indet. 

Atractites sp. 

Atractites cf. Boeckhi Stürzenb. 

Orthoceras cf. campanile Mojs. 

Nautilus (Syringoceras) subcarolinus Mojs. 

Joannites cf. diffissus Hau. (oder proavus Dien.) 
Joannites sp. ind. juv. 

Monophyllites wengensis Klip. (= ? sphaerophyllus Hau.) 
Sageceras Haidingeri Hau. (oder S. Walteri Mojs. ?) 
Pinacoceras sp. ind. 

Megaphyllites Jarbas Mstr. 

OCeltites sp. cf. Buchi Klipst. 

OProtrachyceras doleriticum Mojs. 


Diese Fauna enthält neben einer großen Zahl indifferenter, sowohl 
im Buloger Kalke als auch in ladinischen Schichten vorkommenden 
Arten die zwei durch ° bezeichneten bisher nur als ladinisch be- 
kannten Formen. Gleichzeitig fehlen die im oberen Muschelkalk sonst 
stets vorhandenen Ptychiten, Gymniten, Ceratiten etc. gänzlich. Man 
wird daher nicht fehlen, wenn man die Fauna als eine ladinische 
bezeichnet. Dieser Fund lehrt somit, daß die Fazies der Hallstätter 
Kalke — genauer gesagt — die Fazies der roten Cephalopodenkalke 
in unserem Gebiete außer im roten Muschelkalke (Buloger Kalke) 
und in der karnischen Stufe (Dragulacer Kalke) auch in der da- 
zwischen liegenden ladinischen Stufe vertreten ist. 

Zugleich bietet die Zusammensetzung der Fauna ein paläonto- 
logisches Argument für die Existenz ladinischer Schichten !) zwischen 
dem Muschelkalke und der karnischen Stufe an dieser Stelle. Es ist 
das deshalb zu betonen, weil A. Bittner, der doch die Stufe als 
„ladinische* neu benannt hat, zuweilen, namentlich in seinen letzten 

1) Ein stratigraphisches Argument für das Vorhandensein ladinischer Schichten 
bietet die berühmte Straßenserpentine bei Bulog, worüber unten genauere Angaben 
folgen. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanıstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 79 


580 Ernst Kitt). [66] 


Publikationen das Vorhandensein der Stufe selbst zwar nicht negiert, 
aber doch ignoriert hat und wiederholt für die Vierteilung der alpinen 
Trias in 

Werfener Schichten 

Muschelkalk- oder unterer Kalkkomplex 

Lunz-Raibler Schichten 

Oberer Kalkkomplex 


eingetreten ist!) und Zittel?) die Wengener-, Cassianer- und Raibler- 
Schichten ganz zusammenziehen wollte. Ich halte diese Vorgehen zwar 
für statthaft, wenn es sich um eine übersichtliche Gliederung handelt, 
bemerke aber, daß, wenn man» in der Gliederung weiter gehen kann, 
dieses Mittel einer genaueren Altersbestimmung nicht aus der Hand 
gegeben werden soll, was auch immer das endgültige Resultat dieses 
Vorganges sein mag. 

Die vorherrschende Schichtenneigung des eben besprochenen Kalk- 
zuges ist eine nordöstliche; gleichwohl kann die direkte Auflagerung 
desselben auf seinem Liegenden, den Werfener Schichten, welche 
zwischen ihm und dem Trebeviczuge vorkommen, nur selten beob- 
achtet werden. Punkte, welche diese direkte Auflagerung des Kalk- 
streifens auf den Werfener Schichten auf der SW.-Seite mit Sicherheit 
gestatten, sind der Bistricabach bei Sarajevo und Dovlici. Mit ge- 
ringerer Klarheit kann hier dieses Verhalten ober Udes erkannt werden. 
Diese Punkte liegen aber an Querstörungslinien und stellen also 
Ausnahmen von der Regel dar, daß eine solche direkte Auflagerung 
nicht zu beobachten ist, vielmehr gewöhnlich verschiedene Glieder der 
Triaskalke nacheinander an die oberflächliche Grenze der Werfener 
Schichten anstoßen, was als ein Zeichen des Durchlaufens eines Längs- 
bruches betrachtet werden darf. Das Vorhandensein eines solchen wird 
auch sonst vielfach durch die verschiedene Neigung der Bänke einer- 
seits der Kalke, anderseits der Werfener Schichten bekräftigt. Der 
südwestlich an den Kalkzug des Dragulac anstoßende Aufbruch der 
Werfener Schichten ist denn auch, wie sich bei den folgenden Be- 
trachtungen ergeben wird, der Hauptsache nach das Liegende des 
Trebeviczuges, dessen Beschreibung nunmehr folgen soll. 

b) Der Kalkzug des Trebevic und Veliki Stupan. Un- 
mittelbar an den Dragulaczug bei Sarajevo schließt sich derjenige des 
Trebevic an, dessen in der Verlängerung der Kammlinie liegender 
Ausläufer, der Debelo brdo in das Polje weit vorspringt; während der 
Dragulaczug eine schwache Hauptneigung gegen NO. erkennen läßt, 
zeigt der Trebeviczug sowie alle folgenden Züge ein etwas steileres 
Einfallen von etwa 30° gegen SW.; dabei verflacht sich die Neigung 
bei allen Zügen mehr oder weniger gegen SO. zu und verschmälern 
sich die Aufbrüche der Werfener Schichten, verlieren sich wohl gele- 
gentlich auch ganz (vgl. Fig. 4 auf pag. 574). 


!) A. Bittner im Jahrb. d. k.k. geol. R.-A. 1894, pag. 374; ebendort 1903, 
pag. 495 u. f. — Bemerkungen zur neuesten Nomenklatur der alpinen Trias, Wien, 
1396, pag. 16. SE 

2) K. A. v. Zittel. Uber die Wengener-, St. Cassianer- und Raibler Schichten 
auf der Seiser Alpe. Sitzungsber. d. m.-ph. Cl. d. k. bayr. Ak. d. Wiss. XXTX 
(1899), pag. 341. 


[67] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 581 


Das Liegende der Triaskalkplatte des Trebevid erscheint schon 
in Sarajevo bei den hochgelegenen südlichsten Häusern in 2—3 zungen- 
förmigen Aufbrüchen von Werfener Schichten, die hier von grauen 
neogenen Sanden vielfach überdeckt sind. In der Mulde zwischen den 
steilen NO.-Wänden des Trebevic und den Kalken des Dragulae ziehen 
sie, nur hie und da durch vom Trebevid abgesunkene Schollen der 
Kalkplatte unterbrochen, weiter gegen SO. und "entsenden in den Bruska 
Suma eine sich ausspitzende Zunge. Das hier vorwaltende Gestein der 
Werfener Schichten ist ein gelblicher Quarzsandstein, der Sarajevoer 
Sandstein, welcher am Oberlaufe des Bistrikbaches zwischen dem 
Trebevi€ und dem Dragulac 

Pseudomonotis cf. aurita Hau. und 
Anodontophora sp. 
sowie verkohlte Pflanzenspreu geliefert hat. 


Bevor der Zug der Werfener Schichten, der immer südlich von 
dem Dragulac bleibt, das Dorf Dovlidi erreicht, wird er durch einen 
aus der Gegend unter der Trebevicspitze stammenden Bergsturz ober- 
flächlich eingeengt. Bei Dovlici selbst, wo er sich sehr verbreitert, 
führt er, und zwar an dem Abhange gegen die Kurvina stiena zu 
Anodontophora fassaensis Wissm. Ein untergeordneter Querbruch dürfte 
die Ursache der S-förmigen Ablenkung des Werfener Schiefer bei 
Dovlici sein!). Der Hauptzug der Werfener Schichten ?2) streicht nun 
etwas tiefer über Udes, Seovina und Munidi bis zu seiner Vereinigung 
mit dem Schiefergebiete von Pale weiter, während ein auf der Sattel- 
höhe südlich plötzlich auftauchender Aufbruch von Werfener Schichten 
den Hauptzug nunmehr begleitet, von letzterem durch einen schmalen 
Streifen von Triaskalk getrennt. Die Ortschaften Celinae, Jasik und 
Borovac liegen auf diesem oberen Zuge der untersten Trias, der sich 
dann an dem dortigen Bistrikbache buchtenartig in den Einschnitt 
zwischen Veliki Stupan (resp. Crni vrh) und Ravna planina hineinzieht; 
hier liegen auf ihm bei dem Dorfe Vlahovici wieder einige abgesunkene 
Kalkschollen. Der die beiden Bänder von Werfener Schichten trennende 
Kalkstreifen wird bei dem Dorfe Borovac tektonisch mehr selbständig 
und zieht als südfallende Scholle bis Pale, wo die Gradina eine letzte 
davon abgetrennte Partie dieses Zuges andeutet. Hier ist die Trias- 
kalkscholle auch paläontologisch bemerkenswert durch mehrere Auf- 
schlüsse von Buloger Kalken, die sich, häufig von Flaserkalken. be- 
gleitet, bis zum Ostende bei Pale hinziehen. 

Nächst dem Dorfe Borovac am Wege stehen die roten Buloger 
Kalke an und lieferten mir: 


Kokenella cornu Kittl n. f. (Hali- Monophyllites sphaerophyllus Hau. 


lueiform) Ptychites cf. seroplicatus Hau. 
Balatonites sp. (af. Zitteli Mojs.) . acutus Mojs. 
Danubites cf. Michaelis Mojs. Sturia Sansovinii Mojs. 


Monophyllites Suessi Mojs. 


!) Wie er auch mit dem tiefen Einrisse zusammenhängen mag, den der Bach 
von Dovlici benützt. serberk 
2) Ich habe mich nicht überzeugen können, ob dieser Zug wirklich überall 


so ununterbrochen fortzieht, wie er auf der Karte eingezeichnet ist. 
19% 


582 Ernst Kitt], \ [68] 


Nordwestlich von den höchsten Häusern des Dorfes fand ich in 
riesigen roten Kalkplatten: 


Spirigera borovacensis Kittl n. f. _Danubites Floriani Mojs. 


5 cf. trigonella Schloth. E Josephi Mojs.? 
Spiriferina cf. ptychitiphila Bittn. A celtitiformis Hau. 
Retzia n. f. Sturia Sansovinii Mojs. 
Rhynchonella n. f. af. retractifrons Gymnites obliquus Mojs. 

Bittn. 5 cf. obliquus Mojs. 
Lima? sp. a Palmai Mojs. 
Myoconcha rugulosa Ki. i Humboldti Mojs. 
Aviculopecten cf. Bosniae Bittn. h incultus BDeyr. 
Pecten cancellans Ki. Ptychites cf, opulentus Mojs. 
Hologyra aff. impressa Hoern. . Oppeli Mojs. 
Orthoceras? sp. 3 eusomus Mojs. 
Syringoceras bulogensis Han. L Suttneri Mojs. 
Pleuronautilus Mosis Mojs. x cf. Suttners Mojs. 
Temnocheilus cf. ornatus Hau. H cf. striatoplicatus Hau. 
Monophyllites Suessi Mojs. H flexuosus Mojs. 

sphaerophyllus Hau. h acutus Mojs. 


” 
Ceratites labiatus Hau. Arcestes sp. 


Während die Cephalopoden dieser Fundstelle mit jenen von Han 
Vidovie und Haliludi genau übereinstimmen, zeigen sich die Brachiopoden 
von den Buloger Arten abweichend und erinnern zum Teil sehr an 
die Formen der Brachiopodenkalke, ohne doch völlig mit solchen 
identisch zu sein. Auch der Aviculopecten nähert sich bedeutend einer 
Form der Brachiopodenkalke. 


Ich wende mich nun zu den Kalken des Trebeviczuges. 
Es wurde oben schon erwähnt, daß der Debelo brdo bei Sarajevo 
der nordwestlichste Ausläufer des Trebevickammes sei. Wie die Kapa. 
vom Dragulac, so ist auch der Debelo brdo vom Trebevic durch 
einen quer laufenden Anbruch von Werfener Schiefer abgetrennt. 
In dieser Gegend ist der knollige untere Muschelkalk wiederholt durch 
kleine Aufschlüsse zugänglich, jedoch auch hier ziemlich arm an 
Fossilien. Ich fand bei meinem Besuche nur Myophoria sp. und 
Lima sp. Von diesem Querbruche an erscheint der Trebevic als eine 
ziemlich ungestörte Kalktafel, welche der Nordostseite die durch Steil- 
wände abgebrochenen Schichtenköpfe zuwendet, auf der SW.-Seite 
aber die Schichtenflächen der fossilführenden Muschelkalke, und 
zwar bald der Trebevicer Brachiopodenkalke, bald der Buloger Kalke 
entblößt darbietet. Die tieferen Teile der Kalktafel sind helle Riffkalke, 
an deren Basis mitunter die knolligen Muschelkalke zum Vorscheine 
kommen. Die Riffkalke haben öfters Fossilauswitterungen (Diploporen, 
Spongien, Korallen) die eine genauere Bestimmung nicht erlauben. 
Auf dem bis zu 1629 m ansteigenden Kamme zeigen sich hie und da 
rötliche Stellen oder Fragmente roter Kalke mit Fossildurchschnitten, 
Am Südostgrate des Trebevic findet sich eine Anhäufung von 
Brachiopoden, worunter Waldheimia (Aulacothyris) gregalis Bittn. am 
häufigsten ist. 


[69] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 583 


Aus diesem Brachiopodenneste stammen: 


Spiriferina avar ica Bittn. Aulacothyris Waageni Bittn. 
z f. Mentzeli Dkr. £ mira Bittn. 
. microglossa Bittn. 2 semiplana Bittn. 
cf. pia Bittn. x gregalis Bittn. pl. 
Spirigera trigonella Schloth. 2 4 subgregalis Bittn. pl. 
- cf. hexagonalis Bittn. 1 n incurvata Bittn. 
24 Sturi Boeckh . R cymbula Bittn. 
RBhynchonella nissa Bittn. : turgidula -Bittn. 
. illyrica Bittn. pl. e soror Bittn. 
: „var. medio- supina Bittn. 
sulcata Bittn. Terebratula suspecta Bittn. 
u nitidula Bittn. Avieulopecten cf. Katzeri Bittn. 
4 dinarica Bittn. Spirostylus subcolumnaris Mstr. 
E cf. begum Bittn. 


Die in dieser Liste angeführten Brachiopoden sind noch von 
A. Bittner bestimmt worden. Den Namen der allerhäufigsten Arten 
ist pl., den seltensten eine die Anzahl der beobachteten Exemplare 
anzeigende Ziffer beigefügt. 


An der Außenseite des Brachiopodennestes legen sich stellen- 
weise ziegelrote oolitische Kalke an. Darin fanden sich: 


Rhynchonella volitans Bittn. Spirigera Kittli? Bittn, 
z cf. vivida Bittn. Spiriferina cf. ptychitiphila Bittn. 
Mentzeli Dkr. Orthoceras sp. 


Spiri iger a trigonella Schloth. 


Etwas weiter stellen sich rote eisenschüssige Kalke ein, 
die stellenweise durch Manganoxyde schwarz gefärbt sind und Cephalo- 
poden führen, wie: 


Orthoceras sp. 

Monophyllites Suessi Mojs. 
Ptychites cf. pusillus Hau. 
Aerochordiceras cf. Carolinae Mojs. 
Balatonites balutonicus Mojs. 


Diese zwei unregelmäßig begrenzten Schichten scheinen hier den 
faunistischen Übergang von den Trebevider Brachiopodenkalken der 
Recoarostufe zu den Buloger Kalken der Schreyeralmstufe zu vermitteln. 
Tiefer am Hange stehen mit den Schichtflächen entblößte, sehr fossil- 
reiche Cephalopodenkalke vom Aussehen der normalen Buloger Kalke 
an, in welchen jedoch bisher keine Aufsammlungen gemacht wurden. 
Nur Gymnites incultus Beyr. liegt von dort vor. Von diesem Punkte 
aus ziehen Buloger Kalke längs des Abhanges nordwestlich fort. 

Am Ostgrate nahe dem Brachiopodenneste lag ein loser 
Block dunkelroten Kalkes mit zahlreichen Klappen von: 

Pecten cf. discites Goldf. (P. Trebevicianus Kittl) und 
Terebratula Kittli Bittn. (wohl nur eine Mutation oder Lokal- 
varietät der Terebratula vulgaris). 


584 Ernst Kittl. [70] 


Seltener fanden sich in demselben Blocke: 


Rhynchonella volitans Bittn. 
Spiriferina cf. ptychitiphila Bittn. 
Patella? sp. 

Myoconcha ptychitum Ki. 

Leda sp. 

Mysidioptera Kittli Bittn. 


Lima ef. subpunctata Ab... 
Trigonodus? sp. 

Orthoceras sp. 

Monophyllites Suessi Mojs. 
Ptychites cf. domatus Hau. 


Nach dieser Fauna zu urteilen stammt der. Block wohl aus den 
Buloger Kalken, die früher zweifellos bis auf den Trebevickamm hinauf- 
gereicht haben. 

Alle hier genannten Fundstellen mit Ausnahme der Brachiopoden- 
kalke gehören den Buloger Kalken an. Diesen Horizont kann man schon 
an der roten Farbe am Südwesthange des Trebevic bis fast an das Nord- 
westende verfolgen. Immer sind hier entweder die roten Buloger Kalke 
oder ihr unmittelbares Liegendes, die rötlichweißen Brachiopodenkalke, 
die sich indessen nur stellenweise fossilreich zeigen, oder endlich 
auch das Hangende der Buloger Kalke, die roten Flaserkalke. und. 
Jaspisbänke, in Schichtflächen entblößt. Seltener sind hier die hellen, 
fossilarmen Kalke, zwischen welchen der eben beschriebene Komplex 
eingeschaltet zu sein scheint. Von der Sattelhöhe nächst dem Ostgrate 
des Trebevi@ ziehen sich, insbesondere auffällig entwickelt, die Jaspis- 
schichten bis über MedjuSse und darüber hinaus. 


Zwischen Blizanac und Medjuse lieferten hell- bis 


dunkelrote Kalke: 


Retzia speciosa Bittn. 

Bhynchonella ottomana_ Bittn. 

Spiriferina cf. ptychitiphila Bittn. 
n cf. Kövöskalliensis Suess. 

Lima n. f. 

Peecten Trrebevicianus Ki. n. f. 

Euzone cancellata Kok. 

Nautilus carolinus Mojs. 


eratites cf. evolvens Hau.. 
Balatonites Zitteli Mojs. 
Monophyllites. Suessi Mojs. 

: sphaerophyllus Hau. 
Sageceras Haidingeri Hau. (Walteri 

Mojs.) 

Sturia Sansovinii Mojs. 
Ptychites sp. 

Auch diese entsprechen faunistisch und petrographisch ganz den 
Buloger Kalken. Noch weiter, bei Blizanac habe ich ebenfalls Auf- 
sammlungen, und zwar sowohl in den Buloger Kalken als auch in den 
Brachiopodenkalken vorgenommen, 


Die Cephalopodenkalke bei Blizanae sind ziegelrot, 
dunkelrot bis schwärzlich (durch reichliche Manganoxyde) und führen 
neben Cephalopoden stellenweise in. Nestern auch ‘andere Fossilien, 
namentlich die  charakteristischen ‘Brachiopodenformen: der ‚Buloger 


Schiehten. Ich fand hier: 


Enerinus sp. 


Spiriferina cf. ptychitiphila Bittn. 


ketzia Mojsisoviesi Böckh. 
Aulacothyris Waageni Bittn. 


sp. cf. gregalis Bittn. 


Rhynchonella volitans Bittn. 


Rchynchonella Mentzeli Dkr. 
h ottomana Bittn., 
af. sublevata Bittn. 
Halobia sp. juv. 


‚Avicula sp. 


Pecten cancellans Ki. 


[71] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 585 


Aviculopecten sp. 
Hoferia sp. 
Leda sp. 
Macrodon sp. 
Lima sp. 
Halobia sp. juv. 
Trigonodus sp. 
Kokenella sp. 
Euryalox n. f 
Euzone cf. cancellata Kok. 
Lepidotrochus Bittneri Kok. 
Loxonema sp. 
Orthoceras dubium Hau. 
5 cf. triadieum Mojs. 


£ af. lateseptatum Hau. 


Atractites sp. 

Syringoceras subcarolinus Mojs. 

Pleuronautilus cf. patens Hau. 

Temnocheilus cf. triserialis Hau. 
Ceratites cf. labiatus Hau. 


e crasseplicatus Hau. 
» „ef. multiseptatus Hau. 
.s evolvens Hau. 


cf. aster Hau. 
Proteusites robustus Hau. 
a retrorsoplicatus Hau. 
e pusillus Hau. 
ef. Sibyllites planorbis Han. 
Dinarites? labiatus Hau. 


Balatonites cf. Zitteli Mojs. 
> cf. bragsensis Mojs. 
R ef. Ottonis Mojs. 
Acrochordiceras Damesi Noetl. 
x cf. Damesi Noetl. 
enode Hau. 
Megaph. yllites sandalinus Mojs. 
Monophyllites Suessi Mojs. 
sphaerophyllus Hau. 
Gi ymnites incultus Beyr. 
x Palmai Mojs. 


. bosnensis Hau. 
r Felcatus Hau. 
n MATT: 
Procladiscites Brancoi Mojs. 
3 Griesbachi Mojs. 
2 molaris Hau. 
Arcestes ventricosus Hau. 
a carinatus Hau. 


E angustus Hau. 
Sturia Sansovinii Mojs. 
Ptychites flexuosus Mojs. 

: Oppeli Mojs. 
Pauli Mojs. 
domatus Hau. 
e Suttneri Mojs. 
pusillus Hau. 
cf. patens Hau. 


Diese Liste ist ebenfalls ein typisches Beispiel für die Zusammen- 
setzung der Fauna der Buloger Kalke. 

Die hier teils weißen, teils rötlichen bis roten Brachiopo den- 
kalke sind von Blizanac aufwärts längs des Weges nach Sarajevo 


vielfach gut aufgeschlossen. 
lieferten: 


Spiriferina Köveskalliensis Boeckh. 


5 avarica Bittn. 


: cf. ptychitiphila Bittn. 


x solitaria Bittn. 

< af. pia Ditin. 

: megarhyncha Bittn. 
2 microglossa Bittn. 


„ af. fragilis Bittn. 
cf. pectinata Bittn. 
Spir iger a trigonella Schloth. 
Br. hexagonalis Bittn. 
E Kittli Bittn. 
5 Sturi Boeckh. 
5 cornutula Bittn. 


Aufsammlungen nächst Blizanaec 


Bhynchonella ambitiosa Bittn. 
24 nissa BDittn. 
Mentzeli Buch 
decurtata Gir. 
illyrica Bittn. 
vivida Bittn. 
dinarica Bittn. 
nitidula Bittn. 
begum Bitin. 
Pastrovicchiana Bittn. 
Aulacothyris decipiens Bittn. 
Waageni Bittn. 
Wähneri Bittn. 
ineurvata Dittn, 


586 


Aulacothyris obesula Bittn. 

gregalis Bittn. 

2 N var. subgre- 
galis Bittn. 


h subgregalis Bittn. 
, cymbula Bittn. 
e soror Bittn. 


z turgidula Bittn. 
supina Bittn. 
semiplana Bittn. 
Terebratula suspecta Bittn. 


Etwas höher am Hang gegen Studenkovic zu finden sich die 
vorherrschend rötlichen Brachiopodenkalke erfüllt mit Fossilien wie: 


Spongie indet. 
Spiriferina ptychitiphila Bittn. 


r pectinata Bittn. 

5 cf. pia Bittn. 

e Köveskalliensis Boeckh. 
var. va- 


lidirostri is Bittn. 
Mentzeli Dkr. 

2 microglossa Bittn. 

& avarica Bittn. 
Spirigera Kittli Bittn. 
Forojulensis Bittn. 
Sturi Boeckh. 

n (Pexidella) Sturi Boeckh. 
4 4 Sturi Boeckh., 
var. subglobulinaBittn. 
„ (Tetractinella) trigonella 
Schloth. 
hexagonalis Bittn. 
n biplicatula Bittn. 
canaliculata Bittn. 
cornutula Bittn. 
Retzia af. Schwageri Bittn. 
„ef. Taramellü Sal. 
Aulacothyris obesula Bittn. 
reclinata Bittn. 
cf. semiplana Bittn. 
x supina Bittn. 
turgidula Bittn. 
Waageni Bittn. 
. N var. crus- 
sula Bittn. 
e Wähneri Bittn. 


» 


Ernst Kitt]: 


172] 


Terebratula ef. vulgaris Schloth. 
ketzia cf. Schwageri Bittn. 
Aulacothyris sparsa Bittn. 

S mira Bittn. 

5 Loeffelholzi Bittn. 
Aviculopecten Bosniae Bittn. 

& cf. Schlosseri Bittn. 

e interruptus Bittn. 
Pecten cf. amphidoxus Bittn. 


le 


Terebratula suspecta Bittn. 
cf. vulgaris Schloth. 
Rhynchonella begum Bittn. 

y Trebevicensis Bittn. 
nitidula Bittn. 
proelivis Bittn. 
dinarica Bittn. 
illyrica Bittn. 
var. mediosul- 


$)) » 


cata Bittn. 
5 Fuchsi Bittn. 
I nissa Bittn. 


decurtata var. mert- 
diana Bittn. 

5 Mentzelii Bittn. 

R perpusilla Bittn. 

Ostrea? sp. 

Aviculopecten Schlosseri Bittn. 

Bosniae Bittn. 

interruptus Bittn. 


Pecten? sp. 

Macrodon sp. 

Oueullaea sp. 

Hoferia? n. f. 

Lima? sp. 

Mwyoconcha cf. Maximiliani Leuchten- 
bergensis Klip. 

Opis? sp. 

Pleurotomaria (Zygites) n. 

trigonellae n. A Ki. ) 

Worthenia cf. Bukowski n. f. Ki. 
3 indet. 

Pleurotomaria (Sisenna) n. f. 


!) Die hier genannten neuen Gastropodenarten sollen später an anderer 


Stelle genauer beschrieben werden. 


173] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 587 


Ptychomphalina cf. Protei Mstr. 'rachynerita juv. 
Euomphalus sp. Naticella sp. 
Hologyra cf. ovolum Stopp. Scalaria? sp. 

r sp. Maecrochilina (Rama) sp. 


Die Brachiopodenkalke dieser Stelle beherbergen wohl die reichste 
Fauna dieser Art, wobei das Fehlen von Cephalopoden immerhin sehr 
auffällig erscheint. 


Längs des Trebevic streichen die fossilführenden, immer mehr 
oder weniger roten Muschelkalkschichten nebst ihrem unmittelbaren 
Hangenden — den Hornsteinen der Graboviker Schichten — nord- 
westwärts, wo ich bei Per&in, und zwar schon nahe der Kammhöhe 
des Trebevicausläufers, in dunkelroten Kalken Fossilien der Buloger 
Kalke sammelte, und zwar: 


Pecten Trebevicianus Ki. Monophyllites sphaerophyllus Hau. 
BT, Sturia Sansovinii Mojs. 

4tractites sp. Ptychites fexuosus Mojs. 

Orthoceras cf. multilabiatum Hau. „ ef. eusomus Mojs. 

Pleuronautilus sp. »„ ef. intermedius Hau. 


Gymnites incultus Beyr. 


welche Fauna die normale der Buloger Schichten ist, vielleicht die obere 
Hälfte derselben besonders bezeichnet. 


Bei Per&in schließt sich an den Trebevickamm nördlich eine 
niedrigere Anhöhe, der Palez, dessen Bänke bei reinem Südfallen 
neben dem Debelo brdo zum Rande des Neogenbeckens westlich hinaus- 
streichen. 

Es wurde schon oben einer Querstörung bei Dovlici Erwähnung 
getan; in ihrem weiteren Verlaufe gegen S. scheint dieselbe sich unızu- 
biegen und den Trebevic südlich schräg abzuschneiden, um endlich bei 
Medjuse in den dortigen Längsbruch einzumünden. Unmittelbar östlich 
der bogenförmigen Querbruchlinie reiht sich dem Trebevic ein bogen- 
förmiger Kalkrücken an, auf dem die Einschichten Vrhi und Dol liegen. 
Da ich eine genauere Begehung dieses Rückens nicht ausführen konnte, 
so mag mir gestattet sein, die Vermutung auszusprechen, es werde sich 
der Rücken von Vrhi und Dol tektonisch als eine abgescherte Fort- 
setzung der Trebevicplatte erweisen und ebenfalls auf der SW.-Seite 
mehrfache Aufschlüsse von Buloger Kalken zeigen. Es spricht dafür 
das flach südsüdwestliche Einfallen seiner Bänke, das Auftreten von 
Steilwänden auf seiner N.- und NO.-Grenze sowie das an seinem S.-Ende 
bei Stupan beobachtete Auftreten von Buloger Kalken mit Ithynchonella 
refractifrons Bittner. Hier schließt sich bei dem Dorfe Stupan der 
Veliki Stupan (1522 m) an, der stark bewaldet ist und außer der Fest- 
stellung seines Aufbaues aus Kalk und wenig Dolomit keine wichtigen 
Beobachtungen gestattete. 

Seine südliche Fortsetzung der Crni vrh vereinigt sich mit dem 
nächsten Kalkzuge zu der dolinenreichen Plateaulandschaft um Dvoriste. 

c) DerZug der Siljeva greda und des Bojiste beginnt 
am Rande des Neogenbeckens von Sarajevo zwischen Miljevidi, Stanjevidi 
und Studenkovici mit einer quergestellten NW. fallenden Kalktafel: 

Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 80 


588 Ernst Kittl. 2 [7 4] 


ihr schließt sich eine ähnliche, abweichend orientierte Tafel, die des 
OÖstrog an, welcher westliches Einfallen zeigt. Erst südöstlich von 
dem letzteren beginnt das regelmäßige südwestliche Einfallen der Kalke 
auf der Siljeva greda. Die Werfener Schichten dieses Zuges 
streichen in einem schmalen Streifen von Studenkovi6c neben Blizanac 
und Medjuse gegen Luki, wo eine ansehnliche Verbreiterung des Auf- 
bruches eintritt. In der Umgebung von Luki liegen den Werfener 
Schichten einige kleinere Kalkschollen auf. Bei Stupan, namentlich 
im Dorfe kommen unter den ziemlich flach liegenden Triaskalken des 
Veliki Stupan die untersten knolligen Lagen des Muschelkalkes zum 
Vorscheine. In demselben habe ich unter anderem Enerinus sp., Myo- 
phoria sp. und Spirigera af. contraplecta Mstr. gesammelt. In dem regel- 
mäßig nach SW. fallenden Kalkzuge reihen sich an die Siljeva greda die 
Höhenkuppen des Siljevo brdo und des BojiSte, die Anhöhen bei 
Lipa, ein Teil der Berge ZlokoS brdo und Begovo brdo. Bis hierher, 
das ist bis zu einer Linie zwischen Pavlovac und Ku£atina streicht 
der Kalkzug in gleicher Breite fort. An der genannten Stelle erscheint 
er eingeengt und geht dann, sich verbreiternd, in den.plateauartigen, 
von Dolinen besäten Annex der Ravna planina über, auf dem die 
Wiesen Dvoriste liegen. Auf diesen letzteren sowie bei Pavicidi unterhalb 
der Siljeva greda sieht man vorherrschend lehmige Gebilde vielleicht 
diluvialen Alters ausgebreitet. Der ganze Kalkzug dürfte wohl aus den 
Riffkalken des Muschelkalkes bestehen. Nur zwischen Siljevo brdo 
und Lipa sind auf den Höhen Decken rötlicher bis roter Kalke auf- 
gelegt. Bei Lipa fand ich darin nur Orthoceras sp. und Lamelli- 
brauchiatenbrut (Halobien?), welche Funde zu einer genaueren Alters- 
bestimmung nicht ausreichen. Die dunklere rote Färbung der SW.- 
Abhänge der nördlich von Lipa gelegenen Kuppen bestimmte mich, 
dieselben auf der Karte als Buloger Kalke einzuzeichnen. 

d) Der Kalkzug der Kobilja glava und des OsStrik 
veliki wird nördlich von dem ihm zugehörigen Aufbruche der Werfener 
Schichten begrenzt, der in zwei bis drei Teile getrennt ist, nämlich den 
anfänglich ziemlich breiten Aufbruch von Petrovici, der sich talaufwärts, 
das ist gegen SO. zu ausspitzt, der aber bei Pavlovac sehr bald eine 
Fortsetzung findet, die weiterhin wahrscheinlich mit der Depression 
von Kasidol in Verbindung steht, woselbst wieder Werfener Schichten 
zu beobachten sind. Der Kalkzug setzt sich von der Kobilja glava 
ziemlich geradlinig über den Tvorvat und über den OStrik veliki, der 
etwas verbreitert ist, fort. In ziemlich einförmiger Weise sind hier 
helle Rifikalke verbreitet. 

Ob der kleine Wiesenfleck südlich vom Koleno brdo, der auf der 
Karte als Werfener Schiefer eingezeichnet ist, dieses Gestein auch an- 
stehend zeigte, erscheint mir heute etwas zweifelhaft. 

e) Der fünfte Kalkzug, der des Vienac, ist mit dem vor- 
hergehenden insofern mehrfach verknüpft, als er von ihm nur unvoll- 
ständig durch drei bis vier isolierte Aufbrüche von Werfener Schichten 
getrennt erscheint, die aber ihre tektonische Zusammengehörigkeit 
durch ihre Anordnung zu erweisen scheinen. Dieser Kalkzug zeigt noch 
weitere Besonderheiten, die dann anzuführen sein werden. Die er- 
wähnten Aufbrüche der Werfener Schichten sind zunächst ein schmaler 


[75] Geologie des Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 589 


Zug südlich von Tilava, der bei Klek von einer Wiese abgelöst wird, 
die keine guten Aufschlüsse zeigt, die aber wohl den Zusammenhang 
mit einem anderen kleinen oberhalb derselben herstellt. In der Nach- 
barschaft dieses oberen Aufschlusses finden sich noch einige weitere. 
Von hier ziehen Lehm, Sand und Hornsteingrus schräg durch den 
Kalkrücken bis HadZ Ahmetovina, wo dann am Tertiärrande wieder 
ein Fetzen von Werfener Schiefern auftaucht. Vielleicht ist die An- 
nahme einer von hier über Klek verlaufenden Transversalstörung ge- 
eignet, diese Unregelmäßigkeiten zu erklären. 


Fig. 8. 


Dolomitschlucht des Kasidolski potok bei Podivici von Süd. 


Nach einer Aufnahme von Jos. Schwarz in Sarajevo. 


Der nächste Werfener Schichten-Aufbruch liegt bei Tvrdinidi, wo er 
von leicht zu Grus zerfallenden Dolomiten begleitet wird; ein anderer 
liegt zwischen Debelo brdo (Stanovi) und OStrik veliki. Die genauere 
Verfolgung der Werfener Schichten ist bier durch Waldbedeckung 
sehr erschwert. 

Ich wende mich nun der Erörterung des Kalkzuges zu, dessen 
Schichtstellung vielfach wechselt und der angeführten Norm des SW.- 
Fallens kaum mehr ganz folgt, da dessen SW.-Grenze oft deutliches 
NO.-Fallen zeigt. 

Durch die erwähnte Transversalstörung wurde die nördlichste 


Scholle des Kalkzuges von dem Hauptzuge abgetrennt. Sie reicht in 
s0* 


590 Ernst Kittl. [76] 


die Neogenbildungen spornartig bis Toplik hinein. Die Hauptmasse 
des Kalkzuges ist der Länge nach von dem ober Podivici entspringenden 
Kasidolski potok durchzogen, der vielleicht einem sekundären Längs- 
bruche folgt, was um so wahrscheinlicher ist, als. längs desselben ober 
Podvici ebenfalls Werfener Schichten auftauchen, die sich über Ulobici 
nach SO. fortziehen und die als Lisina auf der Karte bezeichneten 
Kalkkuppen von der Hauptmasse des Kalkzuges abtrennt. Sehr auf- 
fallend ist in demselben das Auftreten von teilweise breccienartigen 
Dolomiten, welche nicht nur bei Tvrdinidi, sondern auch unterhalb 
Podiviöi, hier sogar in weiterer Verbreitung auftreten und da die 
Schlucht des Kasidolski potok zu einer höchst malerischen gestalten, 
deren Schönheit gewiß jene der Klause bei Mödling erreicht (vgl. 
Fig. 8). 


4. Die Umgebung der Zeljesnica. 


Unmittelbar an den Kalkzug von Vienac schließt sich südwestlich 
ein von der Zeljesnica durchzogenes Triasgebirge an, welches in 
seiner SO.-Hälfte vorwiegend aus Werfener Schichten besteht, denen 
einige Kalkschollen aufgelagert sind. Westlich reiht sich daran ein 
Dolomitgebiet (Kievsko brdo, Ostseite der Stara gora, Krupac), dem 
die schon angeführten grauen Mergelschiefer des Stara gora-Rückens 
folgen. Der nördliche Teil ist vorwiegend Triaskalk, der einen Auf- 
schluB der Buloger Kalke im Defilee der Zeljesnieca zwischen Kuk 
veliki und Krupacka stiena enthält. Dieses Muschelkalkterrain liegt 
bei Krupac auf Werfener Schichten und entsendet einen Ausläufer 
in das Polje, der mit der Anhöhe Gradae im NW. endet. 

Das obenerwähnte Werfener Schiefergebiet von Kievo hat schon 
Bittner gekannt und dortselbst manche Funde gemacht. Es ist das 
die einzige Stelle unseres Kartengebietes, wo die oberen Werfener 
Schichten in ihrer alpinen mergeligen Ausbildung als häufig bekannt sind. 

„Aus dem Werfener Schiefer von Kievo (Dörfer Klanae und Spile) 
im Zeljesnicatale führt Bittner (Grundlinien, Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A. 1880, S. 3761) nachfolgende Fossilfunde an: 


Myaeites Pecten sp. 
Pecten discites Schloth. Lingula 
Pseudomonotis (?) Naticella costata Mstr. 


Das letztgenannte Fossil gehört dem obersten mergeligen Niveau 
der Werfener Schiefer an, welches hier mit Rauchwacken in Ver- 
bindung steht. 

Während in der Umgebung des Dorfes Klanae neben den unteren 
Werfener Schichten meist in alpiner Ausbildung die obersten Werfener 
Schichten (Campiler und Mucer Schichten) eine große Oberflächen- 
verbreitung haben, findet man am linken Zeljesnicaufer in geringerer 
Ausbreitung die unteren Schichten der Werfener Stufe. Wenn man 
in dem Tälehen zwischen dem Kievsko brdo und dem Kuk veliki 
ansteigt, trifft man graue, dann grünliche Werfener Schiefer, die 


!) Grundlinien, pag. 210. 


[77] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 591 


letzteren mit der langgestreckten Gervilleia in stark zerdrücktem 
Zustande; es folgen schwarze Kalke, die den Gutensteiner Kalken 
ähnlich, sind, sodann aber Dolomite, welche sich am Kievsko brdo 
und oberhalb Spile ausbreiten. Nach Krupac absteigend trifft man 
sodann auf bunte Mergel, welche den liegendsten Schichten des 
bosnischen Flysch (Cevljanovicer Mergel) gleichen, endlich wieder auf 
schwarze Kalke (Gutensteiner Kalke?), unter welchen bei Krupae 
Werfener Schichten auftauchen. Unterhalb Krupae sieht man die 
Werfener Schichten mit ihrer Auflagerung dunkler Kalke weiterziehen. 
Über den letzteren folgen jedoch hier zum Kobilje brdo hinaufsteigend 
helle Triaskalke, die wohl noch zum Muschelkalke gehören, wie die 
nachstehend zu erwähnenden Fossilfunde erweisen. 

An der Straße von Vojkovie bei km 45 nach Foca im Ein- 
schnitte an der Zeljesnica fand Ing. Titus Beil 1879 folgende im 
Sarajevoer Landesmuseum liegende Fossilien der Buloger Kalke in 
einem 10 m langen Aufschlusse derselben: 


Atractites sp. Ptychites cf. Seebachi Mojs. 
Orthoceras sp. R Oppeli Mojs. 
@ymnites Palmai Mojs. : flexuosus Mojs.?) 


Gymnites sp. 


Das von Krupae südlich ziehende Jasental ist in untere Werfener 
Schichten eingeschnitten, die dem Liegenden der Triaskalke der öst- 
lichen Igman planina angehören. Gegen die Stara gora schaltet sich 
zwischen den dortigen schon mehrmals (pag. 556, 571 und 573) 
erwähnten Flysch und die Werfener Schichten des Jasentales ein 
Dolomitkeil ein. 

Von Klanaec und Spile aus erstrecken sich die Werfener Schichten 
mit den ihnen aufgelagerten Schollen von Triaskalk (wohl Muschelkalk) 
gegen SO. über die Grenzen der Karte längs der Zeljesniea fort. 


5. Sarajevo und das Miljackatal bis Pale. 


Die Hauptstadt Bosniens liegt in einer nach Westen gegen das 
Tertiärbecken und das Sarajsko polje offenen Einbuchtung des 
triadischen Kalkgebirges. Die Ausläufer des Trebevie und Dragulac 
(Debelo brdo und Kapa) begrenzen jene Einbuchtung südlich, der 
Kastellberg und der Gradonj östlich; der westliche Ausläufer des 
Gradina, dessen Ende als Narodno brdo bekannt ist, bildet die Nord- 
grenze dieser Bucht. An ihrer Umrandung, besonders aber an der 
östlichen Seite, zieher sich die Tertiärablagerungen ziemlich hoch 
hinauf. Am Fuße des Debelo brdo, nächst dem Spaniolenfriedhofe 
sind einige Steinbrüche angelegt und fällt hier das reichliche Auf- 
treten von Breccien in die Augen, welches Vorkommen wohl mit 
tektonischen Vorgängen zusammenhängt. Es wurde schon oben 


3) Offenbar auf diese ‘Stelle beziehen sich die Mitteilungen Fr. Katzers in 
„Zur Verbreitung der Trias in Bosnien“, Sitzungsber. d. böhm. Akad. d. Wiss. 1901, 
XXL, pag. 12. Da Katzer von einem sehr reichen Fundorte spricht und etwas mehr 
Arten anführt, so scheint die Stelle später besser ausgebeutet worden zu sein. 


599 Ernst Kittl. [78] 


bemerkt, daß sowohl der Debelo brdo als auch die Kapa durch 
transversale Aufbrüche der Werfener Schichten von den betreffenden 
hinter ihnen liegenden Bergzügen abgetrennt sind. Dasselbe Verhalten 
zeigt auch der nördlich folgende Kastellberg, der orographisch 
in sehr auffälliger Weise von den Kalkmassen der Boria durch das 
MoStanicatal, gleichzeitig aber auch durch einen, das letztere schräg 
durchziehenden Aufbruch von Werfener Schichten tektonisch abge- 
grenzt wird. 

Mit dem Kastellberge hat sich schon A. Bittner eingehender 
beschäftigt und daselbst das Vorkommen von Halobien aus der Gruppe 
der H. distineta am Gehänge gegen die Miljacka aufgefunden !). Wie 
schon erwähnt wurde, gelang es mir, am westlichen Hange Bänke 
von Daonella styriaca nachzuweisen ?), die auf karnische Schichten 
hindeutet. 

Sehr reich ist der Triaskalk des Kastellberges an Hornstein- 
knollen, die sich stellenweise zu ganzen Bänken vereinigen. Da die 
Daonellenfunde auf das Vorhandensein karnischer Kalke hinweisen, so 
dürften wohl auch Buloger Kalke nicht fehlen, die sich häufig zwischen 
den Kalken mit Hornsteinknollen und den Jaspisschichten einschalten. 
Es finden sich in der Tat an mehreren Punkten rote Kalke, auch 
Knollenkalke, so daß manche Hornsteinanhäufungen wohl Graboviker 
Schichten sind. Der ganze Kastellberg scheint von vielen Verwürfen 
durchzogen zu sein, so daß ein einheitliches Bild der Lagerungs- 
verhältnisse und der Tektonik schwer zu gewinnen ist. Bei Bakije 
westlich der Militärschießstätte, an der Straße, liegen über den in 
untere bunte Schiefer und obere gelbe Sandsteine geteilten Werfener 
Schichten die grauen Knollenkalke, in welchen ich Crinoidenstiele, 
Lamellibranchiatenreste (Lima oder Mysidioptera), Euomphalus sp., 
Worthenia cassiana Ki. und andere Pleurotomariden sowie Nati- 
copsiden fand. Darüber folgen helle Riffkalke, die dann erst von den 
hornsteinführenden Bänken überlagert werden. 

Dann erst kommen in einem höheren Niveau die gelblichweißen 
Plattenkalke mit Daonella styriaca Mojs. am Vinograd. Daß bei Bakije 
aber auch im weißen Riffkalke ein fossilführendes Muschelkalkniveau 
vertreten ist, zeigt eine Mitteilung A. Bittners?°) über einen solchen 
Fund des Herrn Starit, welcher aus einem weißen Kalke Fossilien 
einsandte, worunter sich nach A. Bittners Bestimmungen befanden: 


!) Es wird ein Steinbruch am südlichen Absturze des Kastellberges von 
A. Bittner in den Grundlinien (pag. 225) genannt, der eine Halobienbank enthielt. 
Die Halobia dieses Bruches soll nach Bittner in die Formenreihe der Halobia 
distineta gehören. Eine ähnliche, ebenfalls jedoch genauer kaum bestimmbare Art 
traf ich südöstlich von jenem Bruche im Hange. 

Wie ich an einer anderen Stelle zeigen werde, finden sich Angehörige dieser 
Gruppe in allen Horizonten der Hallstätter Kalke, wahrscheinlich sogar noch in 
älteren Schichten, so daß mit diesem Funde eine Altersbestimmung nicht gegeben ist. 

2) Nächst Sarajevo (eigentlich im Stadtgebiete selbst noch), in der Gegend 
Vinograd (das heißt Weinberg) am Kastellberge war früher ein kleiner Stein- 
bruch in dem gelblichweißen plattigen Kalke, worin die Daonella styriaca Mojs. 
nicht selten zu finden war; im Jahre 1896 war dieser Bruch jedoch wieder ver- 
schüttet. 

») Ein neuer Fundort von Brachiopoden bei Sarajevo. Verhandl. d. k. k. 
geol. R.-A. 1892, pag. 349. 


[79] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 593 


Aulacothyris cf. angusta Schloth. 
köhynchonella trinodosi Bittn. 
} aff. Mentzelii Buch. 
Be (Mentzelia) cf. Mentzelii Dkr. 
cf. Köveskalliensis Suess 
Spir iger a aff. Sturi Böckh. 
Spirigera n. sp. 


Nähere Angaben über die Fundstelle liegen nicht vor; nach der 
kleinen Fauna darf man die Funde aber mit den Brachiopodenkalken 
des Trebevic parallelisieren. 

Die Anhöhe Gradonj zeigt ebenfalls helle Riffkalke; aus dem 
Steinbruche am Fuße derselben kam mir durch Herrn Dr. H. Kellner 
ein großer Aviculopecten sp. zu, der wohl im allgemeinen mit den Arten 
aus dem alpinen Muschelkalke, insbesondere mit Aviculop. triadicus Sal. 
der Marmolatakalke übereinstimmt, der aber mit Rücksicht darauf, 
daß die Aviculopectenformen der Trias noch wenig bekannt sind, allein 
nicht geeignet ist, auf einen bestimmten Horizont schließen zu lassen. 
Die Gattung schon weist eher auf ein tieferes als auf ein höheres 
Niveau hin, so daß man vorläufig den Kalk Gradonj als Riffkalk des 
Muschelkalkes ansehen darf. 

Die nächste recht dominierende Triaskalkspitze ist derGradina, 
wo der Buloger Kalk, jedoch kaum in großer Ausdehnung ansteht. 
Unterhalb der Spitze gegen Sarajevo zu ist ein kleines Plateau, wo die 
gelblichen Quarzite der Sarajevoer Sandsteine auftauchen, während der 
tiefere Abhang gegen Mrkoevi6i zu, in den gegen NO. fallenden 
Kalkbänken zahlreiche Jugendexemplare einer kleinen Halobia führt, 
die sich von den entsprechenden Altersstadien der Halobia rugosa 
nur durch ihre etwas stärkere Wölbung unterscheiden. Ein einziges 
Exemplar einer großen Halobia von dort kann man als Halobia rugosa 
Gümb. ansprechen, womit ein etwa karnisches Alter dieser Schichten 
gegeben wäre !?!). 

Der westlichste Ausläufer des Triaskalkzuges des Gradina zwischen 
Nahorevo und Poljine zeigt am Narodno brdo wieder Buloger Kalke 
in sehr heller Färbung ?). Daselbst bestand kurze Zeit ein Marmorbruch 
in diesen Schichten, der aber keine so dunkelroten Kalke geliefert 
hat, wie sie bei Bulog häufig sind. 

Das Milja@katal von Sarajevo bis zum großen Sandstein- und 
Schiefergebiete von Pale zeigt von kalkigen Anhöhen begrenzte Gehänge, 
welche ebenfalls vorherrschend aus Kalken bestehen und nur bie und da 
kleinere Aufschlüsse von Werfener Schichten erkennen lassen. Vielfach 
ist das durch rechtsinniges Schichtfallen an den Gehängen bedingt, 
anderseits jedoch sind so zahlreiche Absitzungen gegen das tief 
eingerissene Tal zu vorhanden, daß die normalerweise höher liegenden 
Werfener Schichten durch die abgesunkenen Schollen bedeckt 
(maskiert) werden. 


1) Es darf indessen nicht unbeachtet gelassen werden, daß auch in ladinischen 
Niveaus vorkommende Halobien wie H. flura Mojs. der H. rugosa nahestehen. 

?) Die dort gefundenen Fossilien sind im Kapitel 8 dieses Abschnittes 
angeführt. 


994 7" Ernst Kittl. ! [80] 


Es wurde schon oben darauf hingewiesen, daß Sarajevo umrandet 
wird von einem Kranze von größeren Triaskalkschollen, die von den 
NW.—SO. streichenden Kalkzügen abgetrennt sind und daher mitunter 
auch ein abweichendes Einfallen zeigen (Debelo brdo, Kapa, Kastellberg, 
Gradonj). Ihnen gesellen sich noch kleinere ähnliche Schollenfragmente 
der Triaskalke zu. Solche finden sich zum Beispiel an der Stelle, 
wo der Miljackalauf an das Gebiet von Sarajevo gelangt. Längs der 
Bendbasa ulica sieht man flach gelagerte hornsteinreiche Bänke, die 
an den Südwestabhang des Kastellberges anstoßen und da intensive 
Faltungen und UÜberschiebungen zeigen, die überdies auch von mehreren 
Dislokationen durchsetzt werden. (Fig. 9.) 

Ähnlichen Schichtenknickungen unterliegen auf dem linken Ufer 
der Miljacka bei Alle Fegovac rote Kalkbänke, wahrscheinlich 
Buloger Kalke. An der MosCanicamündung unmittelbar an der Straße 


Fig. 9. 


Faltungen und Dislokationen der Hornstein führenden Kalke am Südwest- 
abhange des Kastellberges. 


bei dem Gasthause Dariva ist ein kleiner Aufbruch von Werfener 
Schichten, der sich in größerer Ausdehnung auf der anderen Talseite 
bei Sehova koria wiederholt. In beiden Fällen treten nicht weit von 
den Werfener Schichten in den hellen Kalken Einlagerungen von 
Buloger Kalken!) auf, die bei Sehova koria charakteristische 
Fossilien führen, wie: 


!) Die im Miljaßkatale gelegenen Fossilfundstellen der Buloger Kalke sind 
fast alle von Dr. J. Kellner entdeckt worden. Bis zum Jahre 1893 hatte derselbe 
nicht weniger als 10 Vorkommnisse aufgefunden, und zwar in nachstehender chrono- 
logischer Folge: 


. Straßenserpentine bei Han Vidovic (Han Bulog); 
. Mathildenquelle; 

. Sehova koria; 

. Gasthaus Dariva; 

. Haliludi; 

. Lipovac (Stary grad) mit Stup gornje; 

. Johannaquelle (Lapisnicamündung) ; 

. Gradiste bei Bulog; 

. Grabovik bei Bulog; 

. Bare (Zli stup). 


Dazu kamen noch die zwei karnischen Fundstellen am Dragulac, deren 
Kenntnis man ebenfalls Kellner verdankt. 


SEeXDa9mtpüpvm 


er) 


a 


[81] Geologie der Umgebung von ‚Sarajevo. (Geologische Topographie) 595 


Omphaloptycha cf. Escheri Hoern. Monophyllites sphaerophyllus Hau. 


Atractites sp. Pinacoceras Damesi Mojs. 
Orthoceras sp. . Arcestes sp. 
Pleuronautilus striatus Hau. Procladiseites sp. 
Ceratites sp. Ptychites acutus Mojs. 
Megaphyllites sandalinus Mojs. Sturia Sansovinii Mojs. 


Aus den roten Kalken nächst dem Gasthause Dariva sind mir 
keine bestimmbaren Fossilien zu Gesicht gekommen. Auch sind die 
lokalen Störungen gegen die MoSCanica zu, wo ein Steinbruch betrieben 
wurde, so bedeutende, daß die Kalke hier in eine bunte Breccie, zum 
Teil auch in losen Schutt übergehen. Im ganzen Mos£anicatale, und 
zwar an der rechten Talseite, sind ebensolche hornsteinreiche Kalke 
herrschend, wie an der Bendbasa ulica. 


An der neuen Straße ziehen die hornsteinreichen Kalke neben 
der Miljacka weit hinauf. Flußabwärts von dem erwähnten Aufbruche 
von Werfener Schichten bei der MosS@anicamündung aber über den 
roten Muschelkalken findet sich in den hellen Kalken eine rötliche 
Stelle mit Fossildurchschnitten, die eine Bestimmung nicht zuließen. 
Nach den obigen Darlegungen besteht der Kastellberg wohl zum größten 
Teile aus Muschelkalk mit einzelnen kleineren Auflagerungen von 
karnischen Schichten. Das reichliche Vorkommen von hornstein- 
führenden Bänken, die oft vollständig durch Hornsteinlager ersetzt 
werden, macht es wahrscheinlich, daß auch ladinische Horizonte hier 
weit verbreitet sind. Gleich oberhalb Sarajevo ragt im Miljackatale 
vom Abhange des Kastellberges ein schlanker Felskegel viele 
Meter hoch empor, der so auffällig von seiner Umgebung abweicht, 
daß ich ihn nicht unerwähnt lassen kann. Er besteht aus einer lokalen 
Breecienbildung wahrscheinlich sehr jungen Datums und erinnert 
daher durch Zusammensetzung und Gestalt an die bekannten Erd- 
pyramiden. Ich folge nun der Miljacka aufwärts zu. 


Nächst der Ziegenbrücke (Kosiatuprija), wo besonders auf der 
linken Talseite rote Kalke (wohl Buloger Kalke und Starygrader 
Knollenkalke) als Finschaltung im hellen Kalk gut zu beobachten sind, 
läßt sich ersehen, in welcher Weise die Absitzungen am Gehänge des 
Milja@katales den Aufbau des Gebirges hier maskieren (vgl. Fig. 10). 
Solche Vorgänge scheinen es zu sein, welche durch Wiederholung und 
durch Auftreten in größerem Maßstabe den Gehängen des Miljackatales 
den Anschein verleihen, als würden dieselben fast durchaus nur aus 
hellen Riffkalken bestehen. Aufbrüche der Werfener Schichten sind durch 
kleine Wiesenstreifen auf Terrainstufen charakterisiert. So scheint es 
also, als hätte sich die Milja&ka durch die Decke der Triaskalke 
duchgenast, bis tief in deren Unterlage der Werfener Schichten hinein, 
welches Verhältnis aber durch abgesessene und nachgestürzte Kalk- 
schollen und Blöcke heute der direkten Beobachtung entzogen ist. 
Es ist immerhin wahrscheinlich, daß der mit dem dinarischen Streichen 
übereinstimmende Verlauf des Milja@katales mit einer früher gebildeten 
tektonischen Mulde oder einem Längsbruche zusammenhänge. Welcher 
dieser beiden Fälle die wahre Ursache des Verlaufes und der Bildung 

Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) sl 


596 Ernst Kittl. [82] 


des Milja@katales darstelle, sei nicht entschieden. Jedenfalls aber ist 
die Erosionswirkung in hohem Ausmaße tätig gewesen und ihre Folgen 
sind wohl die Dislokationen parallel dem Tale. So lassen sich die 
Aufschlüsse des Werfener Schiefers im Miljackatale zwischen der 
Vereinigung der zwei Quellflüsse bei Starygrad und Sarajevo auf der 
linken Talseite in eine obere Reihe im Gehänge und in solche in 
der Tiefe trennen. Dem wird wohl auch die Verteilung des Kalkniveaus 
entsprechen, was sich indessen wegen der schwierigen Zugänglichkeit 
der Gehänge nicht leicht überall direkt erweisen läßt. Einiges darauf 
Bezügliche wurde schon bei Besprechung des Dragulaezuges angeführt 
und ist deshalb namentlich das oben auf pag. 578 in Fig. 7 dar- 
gestellte Profil Paprenik—Kurvina stiena zu vergleichen. 


Die rechte Talseite oberhalb der MoScanica ist durch die Ab- 
hänge der im allgemeinen südwestlich geneigten Boria gebildet, 


Fig. 10. 


Miljacka. 


Dislokationen oberhalb der Ziegenbrücke nächst Sarajevo. 


1. Werfener Schichten. — 2. Riffkalk des Muschelkalkes.. — 3. Buloger Kalke. 
— 4. Starygrader Knollenkalke und Hornsteinbänke. — 5. Oberer Riffkalk. 


welche letztere durch den Einschnitt des LapiSnicabaches in zwei 
Hälften zersägt ist. Die Werfener Schichten, welche die Basis der 
Kalktafel bilden, kommen einerseits im MoSGanicatale hervor, wobei 
sie sich bis in das Miljackatal hineinziehen und selbst da noch ober- 
halb der Ziegenbrücke in kleinen Zwickeln hinter den abgesetzten 
Teilen, in einem größeren Aufschlusse aber oberhalb der Mathilden- 
quelle zum Vorscheine kommen. Die Kalktafel von Boria zeigt 
auf ihrer Oberfläche nur reine und dolomitische Kalke (selten Dolomit- 
breceien), erstere mit Diploporen. Daß aber dieselbe wenigstens stellen- 
weise auch vertikal durch die Buloger Schichten gegliedert wird, das be- 
weisen die Funde bei der Johannaquelle (LapiSnicamündung), 
von wo durch Herrn Öberbaurat Dr. Kellner seinerzeit an F. v. 
Hauer einige Fossilien eingesendet worden waren, die sich in 
folgender Weise bestimmen ließen: 


Opis triptycha Ki. n. f. Lepidotrochus Bittneri Kok. 
Acilia n. f. Atractites cf. pusillus Hau. 


[83] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 997 


Atractites sp. ind. Arcestes carinatus Hau. 
Orthoceras sp. Ptychites n. f. 
Proteusites sp. Gymnites sp. ind. 


So unzweifelhaft dieselben auch auf die Horizonte der Buloger 
Kalke hinweisen, so habe ich doch das Anstehende dieser Schichten 
bei der Johannaquelle nicht gesehen und meine, daß diese Funde 
aus einem losen Blocke stammen dürften, der ja nicht allzuweit her- 
transportiert zu sein braucht. Wenn nun auch oberhalb der LapiSnica- 
einmündung am Gehänge vorherrschend helle Kalke vorkommen, so 
sind doch auch mitunter rötliche Färbungen derselben zu beobachten: 
erst bei der Mathildenquelle tief unten, unmittelbar an der Straße N 
sind gute Aufschlüsse in den Buloger Kalken, die von J. Kellner 
und mir ausgebeutet wurden. Aus den hier unterhalb des schon 
erwähnten Aufbruches der Werfener Schichten am Fuße des Paprenik 
einer offenbar abgesunkenen Scholle entsprechenden Kalken wurden 
gewonnen: 


Atractites cf. macilentus Hau. Arcestes sp. 

$ sp. Procladiseites Griesbachi Mojs. 
Orthoceras multilabiatum Hau. Gymnites incultus Beyr. 

s sp. I Humboldti Mojs. 
Syringoceras bosnense Hau. Monophyllites sphaerophyllus Hau. 
Pinacoceras Damesi Mojs. Ptychites acutus Mojs. 

Hungarites indet. Sturia Sansovinii Mojs. 


Ceratites sp. 


Die meisten Fossilien stammen aus rötlichem Kalke, einige auch 
aus damit verknüpften grauen bis roten Flaserkalken. 

In solchen flaserigen Gesteinen traf ich an der Straße ober- 
halb: Arcestes sp. und andere Ammoniten in gänzlich unbestimmbarem 
Zustande der Erhaltung, verknüpft mit Einlagerungen von Jaspisknollen. 

Hier scheint es somit, als wenn die Fazies der Starygrader 
Knollen- und Flaserkalke bis in die Buloger Kalke hinabreichen 
würde. Am benachbarten Zli stup haben sie so große Verbreitung, 
daß auch dort das erwähnte Verhältnis platzgreifen dürfte. 

Eine andere Fundstelle der Buloger Kalke — allerdings nur in 
losen Blöcken, die aber durch ihre Zahl auf das nahe Anstehen der 
Schichten hinweisen — fand sich oberhalb der Werfener Schichten 
schon ziemlich hoch im Gehänge „Paprenik“ des Gradiste, wo- 
selbst in ziegelroten Kalken mit Manganflecken die folgend ange- 
führten Fossilien gesammelt wurden: 


Bhynchonella af. pirum. Bittn.())  Orthoceras multilabiatum Hau. 
n refractifrons var. Dittn. _Syringoceras bosnense Hau. 


n af. refractifrons Dittn. - subcarolinum Mojs. 
Pecten sp. a carolinum Mojs. 
Atraetites ellipticus Mojs. Pleuronautilus sp. 


1) Die Quelle war in der letzten Zeit, als ich sie sah, teils versiegt, teils 
aufgelassen. Die Stelle liegt vor der steilen Serpentine der Straße, die von den 
Häusern unter der Straße nach Bulog hinaufführt und ist auf der Karte unter 
dem Namen Sejnovaca angegeben. 

81* 


598. Ernst Kittl. [84] 


Dinarites (?) cf. ornatus Hau. 

Ceratites .crasseplicatus Hau. 

labiatus Hau. 

(Proteusites?) connectens 
Hau. 


» 


n 


Monophyllites Swessi Mojs. 
sphaerophyllus Han. 
Gi ymnites incultus Beyr. 
5 bosnensis Hau. 
Prociadiscites Brancoi Mojs. 


Arcestes carinatus Hau. 

2 angustus Hau. 

4 cf. ventricosus Hau. 
Ptychites cf. pusillus Han. 
opulentus Mojs. 
cf. Seebachi Mojs. 
Suttneri Mojs. 
eusomus Deyr. 


Sibyllites n. f. 
Balatonites Zitteli Mojs. 
cf. Ottonis Mojs. 
gemmatus Mojs. 
Danubites cf. fortis Mojs. 
4 cf. Michaelis Mojs. 4 
R cf. Josephi Mojs. 
Ceratites trinodosus Mojs. 


» 


h sp. ind. 4 cf. Oppeli Mojs. 
Acrochordiceras enode Hau. “ acutus Mojs. 
x Damesi Noetl. ; flexuosus Mojs. 


Daß hier auf dem GradisSte aber auch die Trebevicer-Brachio- 
podenkalke, also der nächst tiefere Horizont fossilführend erscheint, 
das zeigt der Fund eines Blockes von weißem Brachiopoden- 
kalk, woraus ich bestimmen konnte: 


Spiriferina Köveskalliensis Suess 
avarica Bittn. 


Aulacothyris soror Bittn. 
gregalis Bittn. 


» 


s cf. avarica Bittn. Rhynchonella trebevicensis Bittn. 
microglossa Bittn. , begum Bittn. 
Spirig gera trigonella Schloth. 5 » . Büin. var. 
k hexagonalis Bittn. a illyrica Bittn. 
e Kittli Bittn. e B var. medio- 


ef. Kittli Bittn. 
n. f. af. Sturi Boeckh. 
Retzia cf. speciosa Bittn. 
Aulacothyris incurvata Bittn. 
: Wähneri Bittn. 
2 supina Bittn. 
& redunca Bittn. 


sulcata Bittn. 
Mentzeli Buch. 
aff. Fuchsi Bittn. 
2 nissa Bittn. 
dinarica Bittn. 
Murchisonia sp. 


Ihre unmittelbare Fortsetzung finden die Vorkommen der Buloger 
Kalke des Paprenik und der Mathildenquelle mit den ihnen aufge- 
lagerten Starygrader Knollenkalken und Graboviker Hornsteinschichten 
in der zur Miljacka steil abfallenden Kuppe Bare (Zli stup der 
(Greneralstabskarte) und auf dem Lipovac (Stary grad). Die Lokalität 
Bare, welche gleich neben der Mathildenquelle liegt, hat aus ihren 
Buloger Kalken !) geliefert: 


Diplopora n. f. 
Atractites crassirostris Hau. A 
2 macilentus Hau. = 
» intermedius Hau. 


Atractites pusillus Hau. 
tenuirostris Hau. 
Böckhi Mojs. 
Orthoceras multilabiatum Hau. 


!) Größtenteils Aufsammlungen, die darch Oberbaurat Dr. J. Kellner ver- 


anlaßt wurden. 


De a 


[85] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 599 


Orthoceras dubium Hau, Gymnites Humboldti Mojs. 

5 cf. lateseptatum Hau. Procladiscites molaris Hau. 
Pleuronautilus aff. striatus Hau. F Griesbachi Mojs. 
Syringoceras patens Hau. r Brancoi Mojs. 
Sibyllites n. f. Arcestes sp. 

Pinacoceras Damesi Mojs. Ptychites Pauli Mojs. 
Ceratites (Hungarites?) ef. rusticus R af. Oppeli Mojs. 
au. 3 acutus Mojs. 
Monophyllites sphaerophyllus Hau. 3 flexuosus Mojs. 
Gymnites bosnensis Hau. Sturia Sansovinii Mojs. 
“ incultus Beyr. 


Wie aus der Liste zu ersehen ist, schließt sich diese Lokalität 
faunistisch nahe an Haliludi an. 


Fig. 11. 


BER DRS 
IITES A 
En EN Ni 


w 
en 


= SI 

ee A 
= r. 

EN 


& 
Yu 
art 


Aufschluss von Stup gornje (Stary grad) an der Miljacka. 


1. Buloger Kalke. — 2. Starygrader Knollenkalke. — 3. Graboviker Jaspisbänke. 
— 4. Weiße Riffkalke. 


Aus denselben Schichten hat der Lipovac, insbesondere die 
Lokalität Stup gornje am Fuße des Berges au der Miljaöka (vgl. 
Fig. 11) ergeben: 


Enerinus sp. Norites gondola Mojs. 
Bhychonella tureica Bittn. Procladiscites Griesbachi Mojs. 

R cf. alteplecta Böckh. Megaphyllites sandalinus Mojs. 
Pecten cancellans Kin. f. Monophyllites sphaerophyllus Hau. 
Atractites tenuirostris Hau. Arcestes sp. 

n intermedius Hau. Gymnites Humboldti Mojs. 

: pusillus Hau. 5 Palmai Mojs. 

. sp. i incultus Beyr. 

r obeliscus Mojs. Piychites flexuosus Mojs. 
Orthoceras cf. campanile Mojs. P acutus Mojs. 

R cf. multilabiatum Hau. f sp. 
Syringoceras af. caroline Mojs. Sturia Sansovinii MojJs. 


Von der Anhöhe bei Stary grad, also im Streichen der vorigen 
Fundstelle, liegen mir nur Atractites sp. und Arcestes sp. vor, obwohl 
ich daselbst Gesteinsblöcke reich an Fossilien sah. 


600 Ernst Kittl. [86] 


Ähnliche Verhältnisse wie die bisher aus dem Miljaökatale 
zwischen Sarajevo und Starygrad beschriebenen scheinen auch tal- 
aufwärts in dem Abschnitte zu herrschen, welcher nunmehr von dem 
Quellbache Paljanska Miljacka durchflossen wird !). 


6. Die Ravna planina. 


Nicht so imponierend, wie die Wände der Romanja planina von 
Pale aus im NO. erscheinen, grüßt von Süden her in die Talmulde 
hinab die weiße langgestreckte Kalkmauer der Ravna planina, von 
dunkelgrünem Nadelholz bekrönt. Hinter dieser Mauer dehnt sich ein 
mit Urwald bestocktes Plateau von Triaskalken aus, das wie das 
Plateau der Romanja zahllose Dolinen zeigt?). Am Fuße der Kalk- 
mauern breiten sich bei Pale weithin die Werfener Schichten aus, 
hie und da mit einzelnen Relikten der Kalkdecke besetzt. Diese 
Unterlage der Triaskalke wird auch durch den westlich der Ravna 
planina tief einschneidenden Bistrica potok aufgeschlossen und zieht 
sich östlich rings um das Kalkplateau herum. 

Die von NW. nach SO. streichenden Kämme der Trebevicgruppe 
und deren Schichtstellung verflachen sich gegen SO. zu, bis erstere 
inder Ravna planina (Javorina) gänzlich in ein Plateau übergehen, 
dessen Schichten mehr oder weniger schwebend sind. 

Die Ravna planina zeigt sich, soweit sie auf unserem Gebiete 
liegt, fast überall hin, besonders gegen N. und O., durch Kalkwände 
abgegrenzt und bildet so das einförmige, dicht bewaldete Kalkplateau, 
dessen genauere Untersuchung der dichten Pflanzendecke halber un- 
tunlich war. Oberhalb der NO.- und O.-Wände kommen die Sarajevoer 
Sandsteine der Werfener Schichten bei den Koliben (Schäferhütten) 
zum Vorscheine, woraus sich ergibt, daß die Kalkmassen, welche die 
Ostwand bilden, zum Teil abgesunken sind. 

Daß übrigens die südlichen Teile der Ravna planina wenigstens 
teilweise aufgerichtet erscheinen, zeigte ein Besuch des Veliki Javor. 

Als einen durch den Bistrica potok von der Ravna geschiedenen 
Annex derselben habe ich schon die Gegend um Dvoriste bezeichnet, 
welche westlich von der Ravna gelegen ist. 

Südlich wird die Ravna planina oder Javorina von der Gola 
Jahorina durch das Tal von Kasidol getrennt, das nur zum kleinsten 
Teile auf dem Gebiete des Kartenblattes liegt. 

Der räumlich größte Teil der Ravna planina wird wohl den 
Riffkalken des Muschelkalkes zufallen. Daß auch stellenweise die 
Schreyeralmstufe sowie ladinische und karnische Schichten vertreten 


!) Da mir die zuerst beiderseits dieses Abschnittes gewählten Parallelrouten 
über das Plateau von Dragulja und anderseits über Dovlici und Jasik hinreichende 
Aufschlüsse boten, so habe ich von einer direkten Begehung dieser Strecke in 
der von Blockwerk erfüllten Talsohle abgesehen. 

?) Auf der Romanja wie auf der Ravna führen die Pfade — oder auch keine 
— fortwährend auf und ab über die Dolinen im Urwalde hinweg, dadurch dem an 
sonstigen Beobachtungen gehinderten Geologen die Natur des Terrains bis zum 
UÜberdrusse demonstrierend. 


[87] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 601 


sein werden, kann man wohl annehmen. Paläontologische Nachweise 
derselben sind aber erst zu erwarten, wenn eine Abstockung der 
dortigen Urwälder platzgegriffen haben wird. 


7. Das Gebirge nördlich der Miljacka. 


Südlich von der Milja@ka, nördlich vom VogoSdabache begrenzt, 
ist dieses Gebirge im Westen plötzlich abgebrochen und grenzt un- 
regelmäßig an jüngere Bildungen, während es gegen SO. zu mehr 
allmählich in das Schiefergebiet übergeht. 

Abweichend von dem Baue der Trebeviczüge ist hier der 
Plateaucharakter bei einzelnen Höhen vorwaltend, obgleich auch 
stärkere Neigungen und dinarisch streichende Kämme auftreten. 

Die Schiefer- und Sandsteinunterlage der Triaskalke kommt 
teils regelmäßig in gewissen Zügen, teils aber ziemlich regellos zum 
Vorscheine; insbesondere ist das letztere im Osten bei dem Über- 
sange in das Becken der Mokranska Miljacka der Fall. 

An der Westgrenze stößt an dieses Triasgebirge ein Flyschgebiet 
an, wobei — an das nordalpine tektonische Verhalten erinnernd — 
die Flyschschichten !) in der Regel unter die Trias einschießen (vgl. 
Fig. 16 auf pag. 611). Dieser Flysch greift aber auch in einzelnen 
Schollen auf das gehobene ?) Triasgebirge flacher liegend über (am 
Bukovik) oder erscheint in Dislokationsspalten eingezwängt (W. vom 
Glog). Die Verbreitung dieser jüngeren Schollen dürfte eine größere 
sein, als die Karte angibt, da ich manche ungenügend aufgeschlossene 
oder beobachtete Andeutungen derselben nicht ausgeschieden habe. 
Es wird einzelner davon gelegentlich Erwähnung getan werden. Ein 
größerer Aufbruch der Werfener Schichten, der fast ostwestlich das 
Terrain von Han Simbulovac bis über den Pasin brdo durchzieht, 
scheidet dasselbe in zwei Teile, den südlichen von Bakije bis gegen 
Pale und Han Bimba$a reichenden und den nördlichen mit den Kulmi- 
nationspunkten der Gradina und des Bukovik im Westen, des Ore- 
polsko, Crni vrh und Glog in der Mitte. Jener Aufbruch liegt in einer 
auffälligen Terraindepression, ist kein geschlossen fortstreichender 
Zug, sondern vielfach ‚verzweigt, weist aber zwei Zentren auf, um 
welche herum die größte Verbreitung der Werfener Schichten zu 
finden ist: nächst Gnjilo brdo und nächst Pasin brdo. Die südlich 
von diesem Aufbruche der Werfener Schiefer liegenden Kalk- 
massen sind fast alle südlich bis südwestlich geneigt und häufig 
durch unregelmäßig von Osten her in sie hineinsetzende Längsbrüche 
mehr oder weniger geteilt. Insofern schließen sie sich zunächst an 
die Trebeviczüge an. 

Das westliche Ende des südlichen Kalkzuges bildet der Kastell- 
berg bei Sarajevo, über welchen schon oben, pag. 592 u. 594, berichtet 
wurde. Es sei hier nur noch beigefügt, daß die alte Straße nach Mokro, 


1) Der Umfang des „Flysch“ muß hier entsprechend groß, das ist vorläufig 
vom Lias bis zur oberen Kreide angenommen werden, obgleich dazwischen eine 
größere Lücke zu bestehen scheint, wie schon oben bemerkt wurde. 

”) Relativ genommen. 


602 Ernst Kittl. [88] 


die über ihn hinführt, hier außer den Triaskalken und Jaspisen auch 
einen kleinen Aufbruch von Werfener Schichten verquert, dann weiter- 
hin zur MoS£anica hinabsteigt und von da an mit wenigen kleinen Unter- 
brechungen in den Werfener Schichten bis nach Mokro verläuft t). 
Das westliche Ende des Zuges der Werfener Schichten ist vielfach 
durch aufliegende Denudationsreste von Kalk zerteilt und reicht nörd- 
lich über Biosko dolnje und Mrkoevi6 bis Radova. 

An den Kastellberg reiht sich die Kalkplatte von Boria an, 
welche durch die Schlucht der LapiSnica in zwei Teile zerfällt. Die 
Plateaumassen zeigen auf ihrer Oberfläche teils reine, teils dolomitische 
Kalke, teils aber auch hornsteinführende Kalke, die viel Hornstein- 
srus geliefert haben. Die Schichtenneigung der Kalkmassen der 
Boria ist vorwaltend südöstlich, welche Neigung bis zur Mokranska 
Miljacka anhält. Von Norden her ziehen die Werfener Schichten unter 
die Kalke hinein, wobei man öfters die Grenzschichten — die knolligen 
Muschelkalke — beobachten kann. Eine von HreSa in die LapiSnica- 
schlucht hinabziehende Dislokation bringt dort die Werfener Schichten 
zum Aufbruche und über ihnen ebenfalls die knolligen Muschelkalke, 
in welchen ich Dadocrinus sp., Lima sp., Mysidioptera? sp., Spiriferina sp. 
und Waldheimia angusta Schloth. sammelte (vgl. darüber pag. 596). 

Den hier über dem unteren Muschelkalke folgenden Kalkmassen 
sind Buloger Kalke eingeschaltet, da sie bei der Johannaquelle 
(hier lose) und am Gehänge des Paprenik zum Vorscheine kommen 
und über die Mathildenquelle und Bare hinab weiter verfolgt werden 
können. (Auch hierüber vgl. pag. 596). 

Westlich vom GradiSte weitet sich das Talbecken von 
Bulog aus (siehe Fig. 12). Nördlich der Miljacka herrscht hier noch 
das südöstliche Einfallen der Schichten. Die aus der Gegend des 
GnJilo brdo herüberstreichenden Werfener Schichten gehen bis zur 
Miljacka hinab. Ihnen sind einzelne Kalkschollen aufgelagert. 


Das Talbecken wird rings von höheren Bergen und Kuppen 
umrahmt: im Westen liegt der GradiSte mit dem Gradaec, im 
Norden ein Kalkrücken bei Hodjidjed, im Osten der Krs mit seinem 
südlichen Ausläufer, dem Grabovik, südlich die Anhöhen um das 
Dörfchen Haliluci, die Zmijina glava mit dem schon erwähnten 
Lipovac, dem schließlich im Südwesten der Kalkrücken Zli Stup 
folgt. Wie die Miljacka (Mokranska Miljacka) das Talbecken im Osten 
durch eine in Kalk eingerissene Schlucht zwischen Lipovaec und Haliluci 
betritt, so verläßt sie die Mulde von Bulog ebenfalls durch eine 
Schlucht, die zwischen Bare und Starygrad liegt. Diese beiden 
Schluchten sind in Triaskalk eingerissen. Die Strecke des Miljacka- 
laufes zwischen diesen beiden Engen ist südlich an die Steilhänge, 
insbesondere der Zmijina glava angedrängt. Von hier an zieht das 
Terrain der Werfener Schichten, das auch hier vorherrschend die 
gelblichen Sarajevoer Sandsteine, seltener auch Sandsteinschiefer 
zeigt, nach Norden durch sanfte Wiesengehäuge hinauf, aus denen 


!) Dieser Verlauf der alten Straße hat wohl Bittner und Walter veranlaßt, 
in diesem Gebiete bei Sarajevo mehr Werfener Schichten auszuscheiden, als tat- 
sächlich an der Oberfläche zu beobachten sind. 


[89] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 603 


nur einzelne Kalkrücken oder kleinere Felsen aufragen. Inmitten des 
Talbeckens an der Straße liegt das durch die ersten Ammonitenfunde 
in den roten Muschelkalken durch J. Kellner!) berühmt gewordene 
Han Bulog. Vor der Zeit meines ersten Besuches der Gegend, also 
vor mehr als 10 Jahren, gab es dort nur ein Han, das jetzige Stary 
Han Bulog. Später entstanden weiter westlich das Novi Han Bulog 
und östlich das Han Vidovic. Alle drei Hans stehen aber auf Werfener 
Schichten, die an der Straße vielfach gut aufgeschlossen sind und hier 
nicht nur die Quarzite zeigen, sondern insbesondere gegen Osten zu 


Fig. 12. 


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Das Talbecken von Bulog von Hodjidjed aus. 


7 Beginn der Straßenserpentine bei Han Vidovie. — , Novi Han Bulog. — 
7 Fossilfundstelle „Haliludi“. — |||] Buloger Kalke. 


auch die roten, seltener grünen Schiefer. Tierische Reste sind hier 
nicht gar zu häufig; auffällig ist daneben das spärliche Erscheinen 
von Pflanzenresten, ja sogar kleiner Kohlenschmitzen in dem von 
Hodjidjed herabkommenden Bachrisse. 

Die berühmte Ammonitenfundstelle liegt an der östlichen Grenze 
der Buloger Mulde, eigentlich schon außerhalb derselben an der Stelle, 
wo die Straße die Mulde verlassen hat und in Serpentinen die östliche 


ı) Wie schon erwähnt, hat vielleicht kurz vorher Herbich dieselbe Stelle 
gesehen, ohne daß jedoch eine genauere Angabe darüber veröffentlicht worden wäre. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Banıl, 4. Ieit. (E. Kittl.) 82 


604 Ernst Kittl. [90] 


Miljaökaschlucht gegen Han Derventa hinabsteigt. An der Miljacka 
im Buloger Becken findet man zwei Aufbrüche der Werfener Schichten 
bloßgelegt, von welchen der westlichere außer Spuren von Pflanzen- 
resten in den Sandsteinen der Werfener Schichten die direkte Auf- 
lagerung der unteren Muschelkalke (hier mit Dadocrinus) sowie darüber 
gleich das Auftreten von hellgrauen Diploporenkalken zeigt. Uber 
diesem Aufschlusse folgen dann Riffkalke, in deren Hangendem rote 
Cephalopodenkalke (Lokalität Bare) erscheinen. Dieselben roten Kalke 
ziehen sich den Abhang hinauf und bieten westlich vom Novi Han 
Bulog unmittelbar an der Straße einen ganz kleinen Aufschluß dar. 
Ihr Auftreten am Gehänge Paprenik des GradiSte wurde schon be- 


Fig. 13. 
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Profil vom KrS nach Haliluei. 


1. Werfener Schichten. — 2. Riffkalke des unteren Muschelkalkes. — 3. Buloger 
Kalke. — 4. Starygrader Knollenkalk. -- 5. Graboviker Jaspisschichten. — 6. Ober- 
triadischer Kalk. 


sprochen; die betreffende Stelle liegt am westlichen Teile des Ab- 
hanges, während in deren Fortsetzung gegen Bulog zu sich große 
Schutthalden ausbreiten, die möglicherweise die Ausbisse der Buloger 
Kalke auf der Süd- und Ostseite verdecken. Die isolierten Kalk- 
schollen, welche zwischen Hodjidjed und der Straße liegen, boten 
keinerlei bemerkenswertere Aufschlüsse; es sind dort fast nur 
weiße bis gelbliche Diploporenkalke. Der isolierte Kalkrücken ober 
Hodjidjed (N. und W. davon) zeigte auf der Nordseite eine rötliche, 
teilweise sogar rote Färbung der Kalke, jedoch keine Fossilien. 
Zwischen seinem östlichen Teile und dem KrS ist unmittelbar über 
den Werfener Schichten viel Hornsteingrus zu finden, dessen Auf- 
treten hier wie an manchen anderen Stellen nur durch eine Dislokation 
zu erklären ist. 


[91] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 605 


_ Dagegen bietet der KrS mit dem Grabovik!) einen sehr 
guten Aufschluß. Von Han Vidovic bis nach Hodjidjed hinauf sind an 
dessen Basis die Werfener Schichten aufgeschlossen, darüber liegt 
die südlich geneigte Platte der hellen ungeschichteten Riffkalke. 
Auf der Spitze des KrS legen sich auf den letzteren dunkelrote bis 
schwärzliche Kalke mit 


Spiriferina cf. ptychitiphila Bittn., 
Ichynchonella ottomana Bittn. und 
n volitans Bittn., 


durchaus Formen, welche sich in den Bulogschichten neben den 
Cephalopoden finden. Diese Bänke lassen sich längs ihres sanften 
Einfallens am Rücken abwärts bis zur Straßenserpentine bei 
Han Vidovic verfolgen (vgl. Fig. 13); sie führen aber an manchen 
Stellen vereinzelt Cephalopoden, worunter hier besonders Formen 
von Acrochordiceras auffallen. 

Etwas tiefer, wo die Cephalopoden reichlicher erscheinen, wurden 
an der als Grabovik oder Grabovak bezeichneten Stelle größere 
Aufsammlungen zuerst durch J. Kellner eingeleitet, die eine gute 
Ausbeute ergaben. Außerordentlich häufig sind hier Spiriferinen, die 
ganze Blöcke allein erfüllen, aber auch mit den Cephalopoden zu- 
sammen vorkommen. 


Die roten Kalke vom Grabovik (Grabovak) enthalten: 


Spiriferina cf. ptychitiphila Bittn. Monophyllites sphaerophyllus Hau. 


Spirigera hexagonalis Bittn.? Gymnites incultus Beyr. 
Pecten Trebevicianus Ki. n. f.?) .; N. T- 
Avieula grabovicensis Ki. n. f. Acrochordiceras Damesi Noetl. 
Myalina? sp. 5 cf. Damesi Noetl. 
Orthoceras sp. & enode Hau. 
Proteusites robustus Hau. 5 cf. enode Hau. 
P cf. angustus Hau. Ptychites seroplicatus Hau. 
retrorsoplicatus Hau. 4 domatus Hau. 
Oeratites (Hungarites) n. f. 4 Pauli Mojs. 
Balatonites ef. Zitteli Mojs. Arcestes carinalus Hau. 
e N. T. „ angustus Hau. 
Procladiseites ef. Brancoi Mojs. u 


Monophyllites cf. Swessi Mojs. 


Auffällig ist neben der Gattung Acrochordiceras die Menge von 
Proteusiten und dicken, weit genabelten Ptychiten neben anderen 
häufigen und weitverbreiteten Formen, wie Monophyllites sphaerophyllus, 
wogegen Ptychites acutus und Pt. flexuosus fehlen). 


!) Unter dieser Bezeichnung verstehe ich zunächst den Rücken, der sich 
vom Kr$ südlich zieht, während die Generaistabskarte mit Grabovik die östlicher 
liegenden Bergkuppen bezeichnet, die übrigens einen geologisch ähnlichen Bau 
besitzen und daher als Fortsetzung des Kı$ zu betrachten sind. 

2) Die neuen Lamellibranchiaten der Buloger Kalke werden unten im 
Paläontologischen Anhange (Nr. 3) beschrieben. 

3) Diese Fauna scheint tieferen Bänken der Buloger Kalke zu entstammen, 
welche etwa den Balatonitenschichten des Bakony entsprechen würden, 

82* 


606 Ernst Kittl. [92] 


In einem hellroten Brachiopodenkalke fand sich Spirigera 
Kittli Bittn. neben Crinoidenstielen, welcher wohl die Trebevicer Brachio- 
podenkalke vertritt, die also auch hier vorhanden zu sein scheinen. 

Auf den Buloger Kalken liegen die roten Flaser- oder Knollen- 
kalke (Starygrader Schichten) und endlich die hier sehr verbreiteten 
Jaspisbänke (Graboviker Schichten). 


Über den Hornsteinschichten scheinen wieder Riffkalke zu folgen; 
doch habe ich die Uberlagerung nicht beobachtet. An der Stelle, wo 
der Rücken des Grabovik an die Miljacka mit einem Steilhange heran- 
tritt, verläßt die Straße das Talbecken von Bulog, in einer Serpentine 
zur Miljacka hinabsteigend. Hier liegt dem Han Vidovic zunächst 
der erstentdeckte Fundort der Buloger Kalke („Han Bulog“ der 
älteren Publikationen), dem unten weitere Bemerkungen gewidmet 
werden sollen. Am linken Ufer der Miljacka folgt nun mit einem 
Steilhange der Miljacka zugewendet ein langgestreckter Kalkrücken 
mit südwestlichem Einfallen der Schichten. Auf hellen Riffkalken 
liegen hier Bnloger Kalke von großem Fossilreichtum, deren Schicht- 
flächen frei liegen. Das südlich auf der Höhe befindliche Dorf Haliluci 
hat dieser Fundstelle den gleichen Namen verschafft. 


Es ist die Ausbeutung dieser zwei Fossilfundstellen bei Han 
Vidovie und Haliluci ein nicht hoch genug zu schätzendes Verdienst 
des Herrn Oberbaurates Dr. J. Kellner, wodurch die Wissenschaft 
und nicht zuletzt auch die verschiedenen Museen in Wien, Sarajevo, 
München, Berlin etc. eine von dieser Gegend nicht erwartete Be- 
reicherung erfahren haben. 

Weitaus überwiegend vertreten sind in diesen roten Kalken 
die Cephalopoden, welche F. v. Hauer sehr ausführlich, aber noch 
immer nicht völlig erschöpfend beschrieben hat, während die Brachio- 
poden A. Bittner bearbeitet hat; Fossillisten und Beschreibungen 
einiger neuer Arten von Lamellibranchiaten und Brachiopoden folgen 
im paläontologischen Anhange. 


An der von Han Vidovie gegen Han Derventa an dem recht- 
seitigen Steilhange der Miljackaschlucht hinabführenden Straßen- 
serpentine liegen über weißen Riffkalken in unregelmäßigen, jedoch 
meist nach Süd einfallenden Bänken die roten Kalke mit großem 
Reichtum an Fossilien. An einigen Stellen sieht man über ihnen 
rote Flaserkalke, überall aber legt sich ein mehrere Meter 
mächtiger Komplex von Hornsteinbänken mit Zwischenlagen von 
grünlichen Mergeln darauf, der sehr gut gebankt erscheint. (Vgl. 
Fig. 14 u. 15.) Untergeordnet kommt eine dünne Bank eines glaukonit- 
führenden Sandsteines vor. 


Das ist die berühmte Lokalität „Han Bulog“, welche ich jedoch, 
um Verwechslungen mit anderen Stellen bei Bulog, welche die Be- 
zeichnung „Han Bulog“ mit größerem Rechte tragen würden, zu ver- 
meiden, als „Han Vidovic“ bezeichne; die Schichten der roten 
Cephalopodenkalke mögen als „Buloger Kalke“ benannt sein. 
Diese Buloger Kalke gehen hier an den Aufschlüssen durch die 
Straßenserpentine gegen W. zu in eine aus Fragmenten und Trümmern 
von weißen Riffkalken mit dunkelrotem Bindemittel bestehende 


[93] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 607 


Riesenbreccie (Fig. 14) über, welche von den Graboviker Jaspis- 
schichten ebenfalls überlagert wird. Daraus ergibt sich, daß die 
Breccie älter ist als die Hornsteine, also wohl von beiläufig gleichem 
Alter wie die Buloger Kalke. 

Die Schichtung ist keine regelmäßige, da lokale Faltungen und 
Beugungen sowie kleine Verwürfe dieselbe beeinflußt haben. Das 
Gestein ist durch Eisenoxyd rot gefärbter Kalk. Stellenweise bedingen 
vorwiegende Manganoxyde eine dunkle, mitunter sogar schwarze Färbung 
des Gesteines. Diese färbenden Metalloxyde sammeln sich nicht selten 
in Konkretionen an, überrinden die Fossilien oder fremde Gerölle 
hellerer Kalke, die allerdings recht selten vorkommen. 

Die Fauna der Buloger Kalke ist je nach den Stellen etwas 
verschieden, ohne daß es jedoch gelungen wäre, eine bestimmte 
Schichtenreihe mit verschiedenen, für die einzelnen Schichten be- 
zeichnenden Arten festzustellen, da die späteren Aufsammlungen zu 
wenig ergiebig waren und die älteren Materialien nicht nach Schichten 
oder Blöcken getrennt gehalten worden waren. Ich vermute indessen, 
daß die Schichten, welche Balatonites, Proteusites, kleine, dicke, weit- 


Fig. 14. Fig. 15. 


Aufschlüsse an der Strassenserpentine bei Han Vidovie in Bulog. 


a Riesenbreccie. — b Buloger Kalk. (Rote Cephalopodenkalke.) — c Graboviker 
Schichten (Jaspis und Merge]). 


genabelte Arten von Ptychites enthalten, älter seien als die Schichten 
mit flachen und mit großen Arten von Pfychites, mit großen Exem- 
plaren von Gymnites u. s. w. Es bleibt späteren Untersuchungen 
vorbehalten, festzustellen, inwiefern eine weitergehende Gliederung 
der Buloger Kalke möglich ist und meine vorläufigen Annahmen 
hierüber berechtigt sind. Die Flaserkalke, welche als Hangendes 
der Buloger Kalke auftreten, sind an der Straßenserpentine nicht gut 
aufgeschlossen und ist hier wie anderwärts der Erhaltungszustand der 
von ihnen umhüllten Fossilien (Cephalopoden) ein für eine nähere 
Bestimmung gänzlich ungenügender. Vielleicht bringen spätere Funde 
besseres Material. Auch die Hornstein- oder Jaspisbänke von hier 
vorherrschend grünlicher Färbung mit ihren grünen Mergelzwischen- 
lagen schienen anfänglich fossilleer zu sein. Doch gelang es Herrn 
Oberbaurat Kellners und meinen wiederholten Bemühungen, einige 
der Schichtserie entstammende kalkreiche Platten zu gewinnen, welche 
Fossilien enthalten. Es fanden sich: 


Atractites sp. (Rostrum) | 
Daonella Pichler: Mojs. (= obligua Mojs.) 
5 2 sp. n. 


608 Ernst Kittl. [94] 


wonach es den Anschein hat, daß die Hornsteine ein ladinisches 
Niveau vertreten. Das einzige nicht vollständig neu erscheinende und 
dabei besser bestimmbare Fossil, die Duonella Pichleri, weist auf 
Wengener Schichten hin, da Daonella obligua Mojs.  D. Pichleri juv.) 
sowohl in den Nordalpen wie in den Südalpen!) in diesem Niveau 
auftritt. Die übrigen Fossilien sind zum Teil neu und daher für eine 
Niveaubestimmung ungeeignet. Wenn es danach zwar nicht völlig 
sicher ist, daß die Graboviker Schichten den Wengener Schichten 
entsprechen, so ist es dennoch in hohem Grade wahrscheinlich. Am 
Grabovik selbst, wo die Hornsteine wohl nicht so gut aufgeschlossen 
sind, haben sie doch eine große Verbreitung und erscheinen als Grus 
in anderen Färbungen als der grünen, so bräunlich, selbst rot. 

Von der Spitze des KrS streichen die roten Kalke und die 
Hornsteine östlich auf jene beide Rücken hinüber, welche auf der 
Generalstabskarte als Grabovik bezeichnet sind, hier ebenfalls ein 
südliches Einfallen zeigend, 


Die östliche Miljackaschlucht wird nördlich durch den Steilabfall 
nächst der eben besprochenen Straßenserpentine, südlich von den 
Nordwänden eines Kalkrückens gebildet, der sich im Bogen von dem 
Dorfe Haliluci zur Miljacka hinabzieht. Längs seines Südabfalles sind 
die Buloger Kalke mit ihren Schichtflächen aufgeschlossen. Das ist 
die Fundstelle Haliluci?) (Siehe Fig. 12 pag. 603 und Fig. 13 auf 
pag. 604.) Die fossilführenden Bänke reichen bis auf den östlichen 
höheren Teil des Rückens hinauf. Neben intensiv roten Kalken sieht 
man hier auch hellere Bänke oder Stellen. Die Schichtfugen sind in 
der Regel dunkelrot, braun bis schwarz gefärbt, doch kommen auch in 
den Kalken dunklere manganreichere Schmitzen und Konkretionen vor. 


Die Fauna, welche durch steinbruchmäßige Ausbeutung der Kalk- 
bänke an verschiedenen Stellen des Rückens gewonnen wurde, entspricht 
derjenigen von Han Vidovic; wie aus der Tabelle im paläontologischen 
Anhange zu ersehen ist, sind die häufigen Arten beiden Fundorten 
gemeinsam. (Vgl. hierüber den paläontolog. Anhang.) Das Liegende 
der Buloger Kalke bei Haliluci bilden helle, zum Teil bankig gesonderte 
Riffkalke, die wohl sicher dem Muschelkalke angehören, da sowohl 
östlich als westlich unter ihnen Werfener Schichten zum Vorscheine 
kommen. 


Im Liegenden der Cephalopodenschichten der Buloger Kalke 
von Haliludi, wie es scheint, nur 1—2 m tiefer, findet sich eine 
Brachiopodenbank, erfüllt mit kleinen Arten (oder Brut?), worunter 
zu erkennen sind: 


Rhynchonella begum Bittn. 
R nissa Bittn. 
cf. refractifrons Bittn. 

') Daonella obliqua Mojs. findet sich zum Beispiel in der Arzler Scharte zu- 
sammen mit D. Pichleri und D. Lommeli ; dieselben Arten liegen mir aus den Wengener 
Schichten der Südalpen vor von Wengen, von der Irschara Muhre bei Pedrazes etc. 
Vgl. die Erörterungen A. Bittners (Über die Halobien führenden Schichten der 
Stadlfeldmauer. Verh. d. k. k. geol. K-A. 1687, pag. 93) über ähnliche Funde. 

?) Das Dorf Haliludi liegt noch etwas höher. 


[95] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 609 


ne $- ottomana Bittn. 


R n. f. indet. 
BE PAR IgerG af. Shuri Böckh. 
£ n.f. af. sufflata Mstr. 
Aulacothyri is cf. gregalis Bittn. 
: supina Bittn. 
R cf. Wähneri Bittn. 


Vorherrschend sind Formen der Trebevid-Brachiopodenkalke, ein 
kleiner Teil (*) zeigt Anklänge an Formen jüngerer Schichten. Somit 
scheinen auch hier die Trebevicer Brachiopodenkalke als Liegendes 
vorhanden zu sein. Das reichliche Auftreten von Flaserkalken und 
Hornsteinbänken im Hangenden der Buloger Kalke, welche man insbe- 
sondere ganz oben in den östlichen Höhen findet, zeigen die Über- 
einstimmung der Gliederung mit jener bei den vorher besprochenen 
Lokalitäten. 

Unterhalb der hoch im Hange liegenden Bauernhäuser trifft man 
abermals auf Blöcke von Buloger Kalken, in welchen ich sah: Gym- 
nites, Ptychites ete.; von dieser Stelle, welche Herr OberbauratKellner 
entdeckt hat, liegt mir noch vor: Monophyllites Suessi Mojs. — Es 
dürfte das übrigens eine isolierte Scholle von Buloger Kalk sein, da 
die Bauernhäuser auf Werfener Schichten stehen, die sich südöstlich 
über die Höhen bis gegen Pale hinziehen. 


Westlich von Haliludi erhebt sich die Zmijina glava, welche 
sowohl gegen O. als auch gegen N. steil abbricht. Ihre Kalkmassen 
vermochte ich von diesen Seiten her nicht zu gliedern. Vermutlich 
verdecken auch hier Maskierungsdislokationen die ursprüngliche Be- 
schaffenheit; wenn man jedoch nächst den untersten Aufschlüssen der 
Werfener Schichten an der Miljacka den Fuß des Lipovac genannten 
Ausläufers der Zmijina glava untersucht, so findet man hier an der 
„Stup gornje“ genannten Stelle eine regelmäßige Folge von Buloger 
Cephalopodenkalken, Starygrader Knollenkalken, Graboviker Hornstein- 
schichten und hellen Riffkalken bei nordöstlichem Einfallen unter etwa 
300 aufgeschlossen. (Vgl. hierüber Text und Abbildung auf pag. 599.) 


Von hier stammen die schon oben angeführten Fossilien der 
Buloger Kalke von Stup gornje. Dieselben Schichten kann man 
westlich bis weit über Starygrad hinaus verfolgen. Auch von dem 
letztgenannten Punkte lagen mir einige Fossilien der Buloger Schichten 
vor; obgleich dort der Reichtum an organischen Resten ein recht be- 
deutender zu sein scheint, so wurden doch in dieser Gegend wegen 
der schweren Zugänglichkeit der Lokalität Aufsammlungen nicht vor- 
genommen, woraus sich die geringe Zahl der von dort eitierten Arten 
erklärt. 

Die Hornsteinschichten sowie die hellen, oft Hornsteinknollen 
führenden Kalke sind auf dem südlich von der Zmijina glava und 
von Haliludi sich ausdehnenden Plateau von Dragulja sehr ver- 
breitet. Es wurde früher schon des Zuges der Werfener Schichten 
erwähnt, der von Haliluci über dieses Plateau hinübergreift. Es ist 
dem noch beizufügen, daß von diesem Aufbruche bei Priban) über die 
Häusergruppe Brdo gegen Ra&unista stiena eine Abzweigung der 


610 Ernst Kittl. [96] 


Werfener Schichten verläuft. Auch hier an der Paljanska Miljacka 
sind die Gehänge maskiert, da die Abstürze zur Miljacka wieder nur 
Kalk aufweisen. 

Mit Rücksicht auf die angeführten Aufschlüsse hatte ich in dem 
Berichte !) über meine erste Reise nach Bosnien nachfolgende Schicht- 
folge der Trias für die Umgebung von Bulog angegeben: 


1. Werfener Schiefer ; 

2. grauer Muschelkalk ; 

3. weiße und rötliche Riffkalke;- 

4. rote Cephalopodenbank (Schreyeralmschichten, Ptychiten- 
schichten) ; 

5. rote Flaserkalke mit Hornstein, oft in reine Jaspisbänke mit 
Mergelzwischenlagen übergehend ; 

6. rötliche und 

7. weiße Riftkalke. 


Diese Gliederung ist durch die späteren Untersuchungen nur 
bestätigt worden. 


Die rötlichen Kalke (6) entsprechen der karnischen Stufe der 
Hallstätter Kalke. 

Wenn man von der Serpentine bei Han Vidovie die Straße längs 
der Mokranska Miljaöka aufwärts verfolgt, sieht man am linkseitigen 
Hange bei Han Derventa und 500 m weiter wieder je einen kleinen 
Aufbruch von Werfener Schichten, welche offenbar durch wiederholte 
Dislokationen zum Vorscheine gebracht werden. An der Einmündung 
des LjubogoStabaches beginnt — vorläufig im Tale — das Schiefergebiet 
von Pale-Mokro, während die Triaskalke erst mit den Anhöhen 
Bakias brdo und Kukor enden. Unter dem hellen Kalke des ersteren 
sieht man an der nach Pale ziehenden Straße die Grenzschichten 
der unteren knolligen Muschelkalke mit geringer südlicher Neigung 
gut aufgeschlossen. Die Milja@ka aber kommt hier von N. erst herein, 
nachdem sie die zwei Kalkschollen des Paklenik und Kukor mit 
einem EKrosionstale von den westlichen, respektive nördlichen Kalk- 
massen abgetrennt hat. 


Der Teil des Triasgebirges nördlich von dem OW. 
ziehenden Aufbruche der Werfener Schiefer beginnt im W. 
mit dem Narodno brdo, wo an der Flyschgrenze helle ?) bis gelbliche, 
auch rote Buloger Kalke anstehen, in welchen eine Zeitlang ein 
Marmorbruch bestand. Die dort gefundenen Fossilien sind: 


Spirigera marmorea Bittn. 
Atractites sp. 
Monophyllites Suessi Mojs. 
Sturia Sansovinii Mojs. 


!) Ann. d. k. k. naturhistor. Hofmuseums, 1893. Notizen, (Jahresbericht für 
1892) pag. 71. 

*) Wenn die Fauna der Buloger Schichten in dem ganzen hier besprochenen 
Gebirgsabschnitte in heller gefärbten Kalken enthalten sein sollte, wie es den 
Anschein hat, so muß sie dem Aufnahmsgeologen leicht entgehen. 


[97] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topograpbie) 611 


Nächst der Spitze des Gradina findet sich offenbar die Fort- 
setzung dieser Buloger Kalke, wo ich in nur zum Teil dunkelrotem 
Gesteine sammelte: 

Moönophyllites Suessi Mojs., 
Ptychites af. Oppeli Mojs. und 

B a acutus Mojs. 

Über das Vorkommen einer Scholle wahrscheinlich karnischen 
Kalkes am S.-Abfall des Gradina mit Halobia rugosa Gümb. wurde 
schon oben pag. 550 und 593 berichtet. Am SW.-Fuße zieht ein in 
mehrere Aufschlüsse zerteilter Aufbruch von Werfener Schichten von 
Biosko dolnje her durch. 

Wenn man vom Ober (im Flyschgebiete) aus die Grenze zwischen 
Flysch und Kalkgebirge betrachtet, so zeigt sich (siehe Fig. 16), wie 
überall an der Flyschgrenze die Triaskalke in Steilwänden abbrechen: 
im Süden die Wände des Gradina und Strnica, im Norden die des 


Fig. 16. 
Gornje KosSevo 


Ober. Selo. potok. Bukovik. Strniea. Gradina. 


Grenze des Flyschgebietes nördlich von Sarajevo gegen das Triasgebirge. 
Vom Narodno brdo aus. 


Bukovik. Durch die von Werfener Schiefer und Flysch erfüllte Depression 
von Motiodi wird der Kalkstock des Bukovik von einer Kette höherer 
Spitzen getrennt, welche letztere im Kosa und im Crepolsko dominiert. 
Uber diesen Höhenzug streicht aber ein zweiter vielfach abzweigender 
Aufbruch von Werfener Schichten hinweg, der mit dem erstgenannten 
in Verbindung steht. Die Werfener Schichten bilden hier eine von 
Brüchen begleitete Aufwölbung, welche gegen ONO. in das Gebiet 
der Werfener Schichten des Barjak brdo und der Crna rieka aus- 
streicht. Die auf die erwähnte Weise isolierte dachförmig gebrochene 
Kalkscholle des Bukovik zeigt am Nordabfalle abermals Werfener 
Schichten, längs welcher einige Quellen hervortreten. 

Am Nordhang, noch mehr aber am Südhange findet man Horn- 
steine, von welchen wohl die des Südhanges gegen Mo£iodci zu den 
Graboviker Schichten angehören mögen. Auf der Nordostseite des 
Bukovik liegt ein Fetzen Flysch. Mit Ausschluß des Bukovik erübrigt 
nunmehr eine Kalkmasse von dreieckigem Umrisse. Die schmälste 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsaustalt, 1903. 53. Band, 4. Ileft. (E. Kittl.) 83 


si8 Ernst Kittl. [98] 


Seite liegt gegen die Miljacka rieka (Quellbach der Mokranska Mil- 
jacka), die gegenüberliegende Spitze im Westen am Narodno brdo. In 
der Westhälfte sind die Kalkmassen nur sporadisch durch das Auf- 
tauchen der Werfener Schichten — hier zumeist mürbe gelbliche 
Sarajevoer Sandsteine — durchbrochen, im Osten zerteilen sie sich 
mehr und mehr in einzelne Schollen, bis sie an der Miljacka rieka 
ihr vorläufiges Ende finden. Aber auch die Westhälfte ist stark in 
Schollen zerteilt. Während nämlich an den Südabdachungen gegen den 
dortigen Aufbruch der Werfener Schichten zu öfters ein dem letzteren 
ähnliches Streichen der randlichen Kalkschollen zu beobachten ist, 
erscheinen zwischen Mocioci und dem Glog vorherrschend SW.—NO. 
streichende Schollen; am Glog selbst tritt sogar ein N.—S.-Streichen 
auf. Im Mittelpunkte dieser Schollen liegt der Bröe brdo, der eine Anti- 
klinale darstellt. Auf der Westseite des Glog liegt eine NS. streichende 
Mergelscholle von Flyschcharakter unter der gleichgerichteten und wie 
erstere nach O. fallenden Triaskalkscholle des Glog wie eingeklemmt. 

Die eben erwähnte Flyschscholle trifft zusammen mit dem Auf- 
treten verschiedenfarbiger Jaspise und Hornsteine, wodurch man 
ebenfalls an die Verhältnisse im sogenannten Flyschgebiete erinnert 
wird. Daß von diesen Jaspisen aber ein Teil der Trias entstammt, 
scheint mir sicher zu sein, da ja die betreffenden Schichten (Graboviker 
Schichten?) vom Siljato brdo herabkommen. Überdies fand sich hier 
ein loser Block mit Halobien erfüllt, der aber wegen seines isolierten 
Vorkommens keinerlei weitere Schlüsse gestattete. Es sei noch 
erwähnt, daß an dem Westabhange des Glog in roten Kalken Spuren 
von leider unbestimmbaren Brachiopodenfragmenten vorkamen. Südlich 
von der weiter östlich gelegenen Biela stiena sah ich Gesteine von 
eben demselben Flyscheharakter wie westlich vom Glog. Doch konnte 
ich nicht hinreichende Daten zu einer Kartierung des Vorkommens 
gewinnen; es sei also vorläufig hier erwähnt. Was nun den Rest dieses 
Triaskalkgebietes betrifft, so habe ich meine Beobachtungen so gut 
als möglich in die Karte eingetragen. Brauchbare Fossilfunde aus den 
Kalken konnte ich nicht erlangen; es möge nur erwähnt sein, dab 
ich rote Kalke auf dem kleinen Rücken nördlich von Kaline bei 
Vutcja luka sowie am Mali Kraljevac bei Brezovice verzeichnete, 

Nach alledem ist mir wahrscheinlich erschienen, daß weitaus 
die größte Masse der Triaskalke des besprochenen Gebietes dem 
Muschelkalke zufällt und nur räumlich wenig ausgedehnte Teile der 
oberen Trias angehören werden, deren Vorkommen durch die erwähnten 
Halobienfunde angedeutet erscheint. 


8. Das Gebiet der Miljackaquellen. 


Die fast durchwegs in Steilwänden abbrechenden Kalkgebirge 
im SW. und im NO. werden durch das Gebiet von Schiefern und 
Sandsteinen getrennt, in welchem die Quellen der Miljacka und der 
Praca liegen. An jener Stelle, wo die Kalkmauern der Ravna planina 
und der Romanja planina einander am nächsten treten, wird es durch 
die Wasserscheide des Karolinensattels in zwei Teile gesondert: 
das Quellgebiet der Miljacka im W. u. NW. und jenes der Prata im SO. 


[99] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 613 


Während der westliche gekrümmte Teil mit den Miljackaquellen 
— wenn vielleicht nicht ausschließlich, so doch jedenfalls haupt- 
sächlich — aus Werfener Schichten gebildet wird, besitzen 
in dem östlich gelegenen hydrographischen Gebiete der Praca die 
paläozoischen Gesteine eine nachweisbar sehr große räumliche 
Verbreitung. 

In diesem Abschnitte soll das Quellgebiet der Miljacka 
betrachtet werden. Es besteht zwar oro- und hydrographisch aus den 
zwei getrennten Quellbecken der Paljanska und Mokranska 
Miljaöka, doch entspricht deren Grenze keiner ausgesprochenen tek- 
tonischen Linie. Nach meinen Beobachtungen bei Sajnovici und Polje 
hat es den Anschein, als wenn zwischen den beiden Quellbecken nur eine 
höher ansteigende Antiklinale des gefalteten Schieferterrains läge. In 
hydrographischer Hinsicht schiebt sich zwischen die beiden Becken das 
kleine Gebiet des LjubogoStabaches ein, der sich unterhalb des Dorfes 
LjubogosSta in einer in das Kalkgebiet einschneidenden Bucht der 
Werfener Schichten an der Grenze gegen den Kalk mit der Mokranska 
Miljacka vereinigt, während letztere erst noch die beiden Kalkmassen 
desKukor und Paklenik umfließt, bevor deren Quellbäche endgültig 
das Gebiet der Werfener Schichten betreten. Nördlich fügt sich an 
das Becken von Mokro geologisch unmittelbar das Entwässerungsgebiet 
der Kaljina rieka und Crna rieka an, da es ebenfalls — wenigstens 
in seinem südlichen Teile — vorwaltend aus Werfener Schichten 
besteht. Die Nordgrenze des Mokroer Beckens ist also eine rein 
orographische, welche durch die Wasserscheide gebildet wird. Dagegen 
kann die Nordostgrenze, welche durch die Steilwände der Romanja 
planina gebildet wird, wohl als eine geologische betrachtet werden; 
dasselbe gilt von der Südgrenze der Mulde von Pale, welche mit den 
Kalkmauern der Ravna planina zusammenfällt, wogegen an der West- 
seite die Triaskalkplatte vielfach zerteilt erscheint und zahlreiche 
niedrigere Vorsprünge auf den Werfener Schichten bildet, die in der 
nördlichen Hälfte oft bastionartige Formen annehmen, wie die Kuppen: 
Bakias, Kukor und Kavala (letztere auch ein Crni vrh!). Die beiden 
Quellbecken seien getrennt betrachtet und soll mit dem nördlichen 
begonnen werden. 


a) Das Quellgebiet der Mokranska Miljatka. 


Die Längsachse dieses Beckens hat eine nordsüdliche Richtung; 
die Abstürze der Romanja planina bilden die Ostgrenze, während die 
westlich liegenden Berge ihre Kalkdecken verkleinern, indem sie 
von Westen heranstreichen; die regelmäßige Zinne des Crni vrh 
(Kävala) ist der östlichste Vorposten der westlichen Kalkrelikte. 

Campiler Schichten scheinen nur unter den Abstürzen der Romanja 
bei Mokro ausgebildet zu sein. Sonst sieht man in der Regel unter 
den Kalken die Sarajevoer Sandsteine zum Vorscheine kommen, doch 
sind auch die tieferen schiefrigen Glieder vorhanden, namentlich in 
dem hügeligen Terrain gegen S. gewinnen solche eine größere Ver- 
breitung. Gegen Alino brdo sind diese Gesteine völlig alpin aus- 
gebildet als ein Wechsel von roten Mergeln und bunten Schiefern mit 

83* 


614 Ernst Kittl. [100] 


glimmerreichen Schichtflächen, mitunter genau wie in den Alpen an 
Phyllite erinnernd. 

Alluvien haben hier besonders in der Beckensohle eine große 
Verbreitung. 


b) Das Quellgebiet der Paljanska Miljacka. 


Während man auf dem ganzen Wege von Sarajevo bis Ljubogosta 
nur hie und da kleine Aufbrüche Werfener Schiefer vorherrschend 
in Gestalt gelblicher Quarzite (nur in dem größeren Aufschluß bei Bulog 
zeigen sich auch rote und grüne Schiefer in größerer Verbreitung) 
antrifft, betritt man bei LjubogoSta das geschlossene Schiefer- und 
Sandsteinterrain von Pale. Die Mulde von Pale hat eine mehr unregel- 
mäßig polygonale Gestalt. Der Rücken von Jelovci trennt sie von 
der vorigen; er besteht ebenfalls aus Werfener Schichten, wie es 
scheint, hier eine Antiklinale darstellend. Die Ostgrenze bildet die 
Wasserscheide gegen das hydrographische Becken des Pratabaches, die 
südliche Begrenzung wird durch die Nordwände der Ravna planina, die 
westliche hauptsächlich durch das Plateau von Dragulja bezeichnet. 
Auffällig ist hier die größere Verbreitung roter, teils schiefriger, teils 
konglomeratischer Gesteine. Schiefergesteine von alpinem Typus finden 
sich insbesondere bei Seliste und Cemanovici. Aber auch in der 
Umgebung von Alino brdo erscheinen die roten und grünen, stark 
slimmerigen unteren Werfener Schiefer, dazwischen in einzelnen zer- 
streuten Partien gelbliche Quarzite, letztere gegen Han Pale zu dann 
in mehr geschlossener Masse. Bei Han Pale tauchen darunter wieder 
die unteren bunten Schiefer hervor, welche dann hie und da Quarzit- 
lagen führend, längs der Straße bis zum Anstieg auf den Karolinen- 
sattel anhalten. Rote konglomeratische Sandsteine erscheinen nicht nur 
an der Straße nach Pra©a, sondern auch in größerer Ausdehnung in den 
die Mulde südlich umgrenzenden Abhängen. Diese roten Sandsteine und 
Konglomerate, bei welchen als charakteristischer Gemengteil Lydit er- 
scheint, mögen wohl schon dem Perm angehören. Von einer Ausschei- 
dung derselben wurde indessen in diesem Becken Umgang genommen, 
da ein paläontologischer Nachweis des Perm in diesem Gebiete bisher 
ganz fehlt. Dagegen schien mir das paläozoische Alter der grauen Schiefer 
am UZe potok wegen ihres Zusammenhanges mit ähnlichen Gesteinen 
des Pracaer Beckens gesichert. Auch ein nördlich von der Repasnica 
sich ostwestlich durch das Hügelland erstreckender Zug von Schiefern 
könnte schon paläozoisch sein, obwohl die Gesteine desselben vor- 
herrschend die schiefrige Ausbildung der nordalpinen tieferen Werfener 
Schichten zeigen und nur selten, wie auch zwischen SeliSte und Repci, 
eine graue Färbung annehmen, welche an die permischen oder ober- 
karbonischen Gesteine des Prataer Gebietes erinnern. Wie vielfach in 
den Alpen sind die tiefsten Bänke der Werfener Schiefer absolut 
fossilfrei und dabei fast von phyllitischem Aussehen, Fossilfunde sind 
hier überhaupt selten gewesen; es ergaben sich solche zumeist erst 
in den schiefrigen Sandsteinen; am häufigsten sieht man die Muscheln, 
welche als Myacites oder Anodontophora bezeichnet werden. Ein solches 
reichlicheres Vorkommen ist das bei Han Potoci in einem Steinbruche 


[101] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Gevlogische Topographie.) 615 


an der Straße nördlich von dem Han durch J. Kellner entdeckte, 
wo ziemlich häufig Anodontophora fassaensis Wissm. und selten Myo- 
phoria cf. laevigata Alb. neben vielen sogenannten Hieroglyphen vor- 
kommen?! Aus dieser Gegend scheinf. auch der schon von F. v. Hauer 
erwähnte Pflanzenrest zu stammen, den D. Stur als cf. Anomopteris 
Mougeoti Brong. bestimmt hat. Das gefiederte Wedelfragment ist wohl 
wegen des ihn bergenden Materials, einem sehr grobkörnigen Quarz- 
sandsteine, äußerst schlecht erhalten. Alle Umstände sprechen dafür, 
daß das Fossil aus den höheren quarzitischen Werfener Schichten 
stamme, die ja auch an anderen Stellen sporadisch Pflanzenreste 
geliefert haben. 

Dieselben, nur etwas deutlicher geschiedenen Gesteine trifft man 
in der Umgebung des Dorfes Pale, nämlich bunte, vorwaltend rote 
Sandsteinschiefer als Unterlage, darüber hie und da bei normaler 
Lagerung stets gegen die Kalkgrenze zu erscheinende helle gelbliche 
Quarzsandsteine. 

Sehr mächtig und verbreitet sind rote grobkörnige und feinkörnige 
schiefrige Sandsteine am Anstiege von dem Dorfe Pale nach Begovina, 
oberhalb welchen Ortes man die Fortsetzung der Kalkscholle von 
Borovac verquert und hier sehr charakteristische rote Flaserkalke 
(Starygrader Schichten) im Hangenden bei SW.-Neigung antrifft. Unter 
den Wänden der Ravna sieht man mehrfach riesige abgebrochene 
Felsen von Kalk auf dem Terrain der Werfener Schichten liegen. 

Während die Westgrenze in hydrographischer Beziehung von 
dem Karolinensattel sowie von den zwei Sätteln gebildet wird, welche 
bei NiSate und zwischen dem Velika Gradina und dem Hodäa liegen, 
steht vor dieser hydrographischen Grenze eine von der Ravna gegen 
die Romanja hinüberziehende Reihe von Kalkkuppen — die noch zu 
erwähnenden Relikte einer früheren kontinuierlichen Verbindung der 
Kalkmassen. Zu diesen gehören auch die kleineren Kalkschollen, die 
an der Straße auf dem Karolinensattel zum Vorscheine kommen, die 
hellgefärbt, zum Teil sogar weiß und dann kristallinisch-körnig aus- 
gebildet sind. Fossilien fehlen in denselben nicht ganz, wie einzelne 
von mir gefundene Durchschnitte erwiesen. 

Zu den Alluvialmassen, die sich auch in der Mulde von Pale 
recht ausbreiten, kommen dort noch Moorwiesen. 


9. Das untertriadische und paläozoische Gebiet 
um Praca. 


Viel umfangreicher als die beiden Quellbecken der Miljacka ist 
das Sandstein- und Schiefergebiet von Pra@a. Nördlich von den Süd- 
wänden der Romanja planina, nordöstlich von jenen der Bogovicka 
planina und deren südöstlicher Fortsetzung, westlich von dem Wasser- 
scheiderücken des Karolinensattels und den Ostwänden der Ravna 
planina begrenzt, greift es südlich noch weit über die Grenzen der 
Karte hinaus. An der Nord- und an der Nordostgrenze ist der Umstand 
besonders bemerkenswert, daß dort die dinarische Streichungsrichtung 
wieder zum deutlichen Ausdrucke kommt. 


616 Ernst Kittl. [102] 


Wenn schon die beiden eben beschriebenen Talbecken teilweise 
oder großenteils Schiefergebiete sind, so verdient diese Bezeichnung 
das Sammelgebiet des Praöabaches in viel höherem Maße. Neben 
den Quarzsandsteinen und Schiefern der Werfener Schichten, welche 
die fast ringsum in Wänden oder Steilhängen aufragenden Triaskalk- 
massen unterteufen, findet man hier in großer räumlicher Verbreitung 
Tonschiefer, die schon Bittner als wahrscheinlich karbonisch ange- 
sprochen hat. 

Bei Prada treten von Süden her in unser Gebiet die paläo- 
zoischen Schichten, welche, soviel bis jetzt bekannt ist, dem Karbon 
und Perm zufallen. Wie an anderer Stelle angeführt wurde, sind 
hier die jüngsten Schichten mit den tiefsten mesozoischen, dem 
untersten Gliede der Trias (den Werfener Schichten) so eng ver- 
knüpft, daß häufig eine Abgrenzung gegen die letzteren schwierig ist. 
Um so schärfer tritt überall die Grenze des gesamten paläozoischen 
Schiefer- und untertriadischen Sandsteingebietes gegen die Triaskalke 
hervor, welche den Werfener Schichten aufliegen. Überall bilden die 
durchlässigen und daher oberflächlich wasserarmen Triaskalke das 
höhere Gebirge, an dessen Fuß meist reichliche Quellen hervorbrechen. 
So ist für die orographische Gestaltung der Gegend wie für die hydro- 
graphischen Verhältnisse die Grenze zwischen untertriadischem Sand- 
stein und Triaskalk die wichtigste aller geologischen Scheidelinien 
dieses Gebietes. Zweifellos bilden die Schiefer und Sandsteine weithin 
die Unterlage für die höher aufstrebenden Kalkmassen, wie für die 
oft siebartig durchlöcherten Kalkplateaus. 


In dem Gebiete von Prala ergab sich nachstehende Schichten- 
folge: 
Muschelkalk 
Helle Quarzite | Werfener | Untere Trias. 
Bunte Schiefer | Schichten 
Bellerophonschichten (Kalke und Mergel) | 
Rote Sandsteinschiefer und Konglomerate Perm. 
Helle Sandsteine, diekbankig (Grödener Sandstein) 
Graue Schiefer mit Sandsteinlagen. Oberkarbon (?) 
Schwarze Hornsteine (Lydite) Unterkarbon 
Dunkle Schiefer mit Kalkeinlagerungen (Kulm). 


Die ältesten Schichten des Gebietes scheinen bei Prata aufge- 
schlossen zu sein; es sind blauschwarze, bräunlichgrau verwitternde 
Schiefer, welche teils Kalk-, teils Hornsteinbänke eingelagert haben }). 
Ihr Alter konnte als Unterkarbon (Kulm) festgestellt werden. 


a I 


!) Schon Bittner schrieb hierüber in den „Grundlinien“, pag. 363: „Die 
Hauptmasse der paläozoischen Gesteine des Gebietes von FotCa und Pra&a besteht 
aus schwarzen, sehr ebenflächigen, überaus fein gefältelten, zarten Tonschiefern, 
die mit silbergrauer Farbe zu verwittern pflegen, ein mattglänzendes Aussehen be- 
sitzen und mit gröber gefältelten, mehr tonglimmerschieferartig glänzenden, zum 
Teil knolligen und unebenen Lagen wechseln. Etwas mehr glimmerigsandige Be- 
schaffenheit ist ebenfalls nicht selten und vermittelt gewissermaßen das Auftreten 
von mächtigen Einlagerungen massiggeschichteter Sandsteine 
und Quarzite.* Von einigen Punkten, so bei Ustikolima und Prata, führt 
Bittner 1. c. pag. 364 Kalkeinlagerungen in den Schiefern an. 


[103] Geologie der Umgebung von Sarajevo: (Geologische Topographie.) 617 


Sehr wahrscheinlich sind diese Kalkbänke führenden Schiefer 
älter als die mehr grau gefärbten mit Sandsteinplatten. Nach oben 
gehen diese letzteren in helle, fossilfreie, dickbankige Sandsteine über. 
Auf ihnen lagern noch meist rote, aber auch bunte Schiefer von dem 
Aussehen der echten alpinen unteren Werfener Schichten; es folgen 
dann Konglomerate, ferner meist hellgefärbte Quarzite (Sandsteine), 
endlich zu oberst die Werfener Schichten mit ihren zwei Abteilungen. 
Vielfach liegen auf oder in den Schiefern Bänke schwarzen Horn- 
steines, denen dann gewöhnlich aus demselben gebildete Breccien 
folgen, welche vielleicht eine lokale Modifikation der paläozoischen 
Sandsteine darstellen. In den oberwähnten Konglomeraten bilden die 
Fragmente dieser Lydite einen sehr bezeichnenden Gemengteil. 

An zwei Stellen fand ich zwischen roten Sandsteinschiefern im 
Liegenden und hellen Sandsteinen im Hangenden graubräunliche 
Mergel und schwarze Mergelkalke mit einer Fauna, die sich ganz 
analog jener der südtirolischen Bellerophonkalke erwies, deren 
Vertretung schon A. Bittner in den grauen fossilführenden Kalken 
der benachbarten Lokalität Han Orahovica!) vermutete Da nun 
Bittner die Stellung dieser letzteren zwischen den grauen Schiefern 
und den Werfener Schichten angibt, so scheinen die von mir ent- 
deckten Bellerophonschichten in einer höheren stratigraphischen 
Position zu liegen, was indessen durch den paläontologischen Befund 
kaum bestätigt wird. Vielmehr scheint es, als wenn die dem Perm 
zugehörigen Schichten unseres Gebietes in petrographischer Hinsicht 
sroßen lokalen Verschiedenheiten unterliegen würden. 

Wenn man sich auf der Straße von Pale gegen Prala dem 
Karolinensattel nähert, hat man links an den Hängen rote 
Schiefer, seltener Sandsteine der Werfener Schichten aufgeschlossen. 
Die Schichten fallen bei Podvitez nördlich gegen die Romanja zu, 
südlich unter die Kalkkuppengruppe des Vranjak, Urni bor und 
der Velika gradina hinein, welche wohl als isolierter Rest einer 
früheren Verbindung der Ravna planina und der Romanja planina 
anzusehen sind, da sie gerade an jener Stelle zwischen den beiden 
Kalkplateaus ‘stehen, wo diese einander am meisten nahekommen. 
Südlich von diesen Kalkkuppen, deren Gesteine außer verschiedenen 
undeutlichen Auswitterungen einem freilich nur flüchtigen Besuche 
nichts an Fossilien darboten, schneidet der UZe potok (BaStica potok) 
tief in das Schieferterrain ein. Die sogleich zu besprechenden 
grauen Schiefer des Prataer Gebietes greifen hier in das Becken von 
Pale hinüber, wo sie an den Gehängen des Nadzakov gaj bis zum 


') Derselbe schreibt hierüber in den „Grundlinien“, pag. 366: „An der 
Grenze zwischen Tonschiefer und Werfener Schiefer passiert man südlich von 
Han Orahovica am Aufstiege eine geringmächtige Zone von schwarzen plattigen 
Kalken, die sich aus den Tonschiefern ganz allmählich zu entwickeln scheinen.“ 
Bittner eitiert daraus: 

Cardiomorpha sp. cf. Aulacoceras sp. 
cf. Cyrtoceras rugosum Flem. Crinoide. 
Bellerophon sp. 

Diesen Kalken parallelisiert Bittner die schwarzen petrefaktenführenden 
Kalke von der Ramabrücke bei Prozor sowie die Rauhwacken von Podhum und 
Dobrkovici. 


618 Ernst Kitt]. [104] 


Jahorina potok reichen und dann nochmals auf der Höhe des Tarija- 
rückens auftauchen. 


Von Podvitez nördlich gelangt man über verschiedene bunte 
Schiefer (zumeist wohl Werfener Schichten) mit Kalkrelikten in das 
Gebiet der Quellen „Careve vode“ oder des Sirovicawaldes. Erstere 
kommen am Fuße der Kalkschollen zum Vorscheine, welche den 
Rücken der Karaule einnehmen. 


Östlich von Podvitezim Tale der Repasnica unter der Straßen- 
serpentine tauchen graue Schiefer nebst Hornsteinen und etwas Rauh- 
wacke auf. Die Schiefer und Hornsteine ziehen südlich über die 
Straße, bevor diese den Karolinensattel erreicht hat, wobei an einzelnen 
Stellen die bunten Schiefer der Werfener Schichten an kleinen Ver- 
würfen zum Vorscheine kommen. Die vereinzelten hier auftretenden 
Kalkfelsen halte ich für Trias. Die Färbung des Gesteines ist hellgrau. 
Fossilien scheinen nicht ganz zu fehlen, wie ein kleiner dort ge- 
fundener Arcestide sowie Durchschnitte anderer Fossilien lehren. 
Die Hornsteine sind hier breccienartig, meist dunkel gefärbt!), so daß 
sie als Lydite anzusprechen wären. Auch Konglomerate kommen 
untergeordnet vor. Nördlich von der Sattelhöhe taucht plötzlich ein 
Keil dunkelroter Schiefer auf, der petrographisch zu den Werfener 
Schichten gehören würde, auf der Karte auch mit dieser Farbe ein- 
getragen ist, der aber nach Beobachtungen bei Prala (Bellerophon- 
schichten) noch dem Perm zufallen könnte. Vom Sattel zieht die 
Straße längs des Stambulic potok durch einen größeren Aufbruch 
srauer Tonschiefer mit Sandsteinzwischenlagen nach SO. bis Rakite, 
wo steil aufgerichtete Schichten diekbankiger Sandsteine aufgeschlossen 
sind. Die erwähnten Schiefer von grauer Farbe sind anscheinend 
fossilleer und fallen teils südlich, teils nordöstlich. Aus dem Bette 
des Stambuli@ potok erhielt ich ein Stück Fasergips, was auf das 
Vorkommen eines Gipsstockes dortselbst hinweist. Auch südlich davon 
in der Gegend der Hajducka Cesma sollen Andeutungen eines 
Gipsvorkommens vorhanden sein, was ich registriere, obgleich ich auf 
meinen Touren durch diese Gegend nichts davon sah. Die dichte 
Bewaldung ist dort freilich den Arbeiten der Geologen recht hinderlich. 
Am Vitez sind dickbankigen Flyschsandsteinen (Magurasandstein) petro- 
graphisch ähnliche Sandsteine sehr verbreitet; doch muß ich dieselben 
nach Aufschlüssen an anderen Punkten für paläozoisch halten und 
mögen sie etwa dem Grödener Sandsteine entsprechen. Sie sind auf 
den Höhen längs des Grabovica potok das herrschende Gestein, welches 
nur zuweilen durch Konglomerate und rote Sandsteinschiefer unter- 
brochen wird. So ziehen solche Gesteine von der Höhe des Vitez 
nach Rakite ?) herab. Ein ähnliches Vorkommen übersetzt etwas weiter 
südlich in größerer Breite das Tal zwischen den Anhöhen Rastovac 
und Kaonik. Weitere ähnliche Vorkommnisse habe ich auf der Vitez 


!) Doch finden sich in dieser Gegend auch grünliche und rote Jaspise, wie sie 
sonst im sogenannten Flyschgebiete und auch in der Trias vorkommen. Mir scheinen 
die bunten Jaspise am Karolinensattel und am Vitez (alte Straße) am ehesten Relikte 
der Triasdecke zu sein, während die Lydite sicher dem Paläozoikum angehören. 


?) Ein isoliertes Kalkvorkommen im Walde nächst Rakite halte ich für Trias. 


[105] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 619 


planina, nördlich der Kuppe Omanice gesehen, dann auf den Anhöhen 
Strahovo und Raskräce. 

An der Einmündung des Grabovica potok in den Pratabach bei 
Han Pod grabom trifft man wieder auf Tonschiefer, welche hier unter 
die Sandsteine (Grödener Sandstein?) hineinfallen, anderseits aber 
weiter nach Osten ein mehr östliches Einfallen zeigen, so daß hier 
eine Antiklinale der Schiefer zu erkennen ist. Dieser nordsüdlich 
streichende Aufbruch der Tonschiefer läßt sich nicht nur südlich längs 
des oberen Pralabaches, sondern auch nördlich längs des Gralanica- 
baches bis in die Gegend des Stajnicki potok verfolgen, wo die Ton- 
schiefer unter den Sandsteinen verschwinden. Der Berg Rastovae, 
welcher östlich vom Gratanicatale liegt, besteht aus östlich fallenden 
Tonschiefern, denen insbesondere im Norden Sandsteine (Grödener 
Sandsteine) aufliegen, welche zum Beispiel bei Prutine in Bänken von 
etwa Meterdicke, ebenfalls östlich fallend, gut. aufgeschlossen sind. Bei 
dem Dörfchen Radalic auf der Südostseite des Rückens kommen bunte 
(besonders rote) Sandsteinschiefer zum Vorscheine, welche sich zwischen 


Fig. 17. 


Falsche Sehieferung und Verwürfe der Karbonschiefer bei Lugovi. 


die liegenden Tonschiefer und die hangenden Sandsteine einzuschieben 
scheinen, was auch mit anderen Beobachtungen übereinstimmen würde). 

Von Han Pod grabom auf der Straße bis Prada sieht man fast 
nur graue bis schwarze Tonschiefer. In der nächsten Umgebung des 
Hans liegen zunächst sowohl südlich als auch nördlich S.-fallende 
Schiefer, wahrscheinlich einer kleinen dislozierten Scholle angehörig. 
Alsbald stellt sich ein bis zur Straßenbiegung bei Pod koranom an- 
haltendes regelmäßiges Nordostfallen der Schiefer ein. Es ist jedoch 
zu erkennen, daß die Schieferung nicht überall mit der Schichtung 
harmoniert. Eine dieses Verhältnis der Nichtübereinstimmung von 
Schiehtung und Schieferung zeigende Stelle ist ein Anschnitt des 
SeliSte bei Lugovi (siehe Fig. 17). Hier kann man den Schiefern ein- 
gelagerte, zum Teil verworfene harte Bänke erkennen, die ganz ab- 
weichend von der Schieferung gelagert sind. 

Schon nahe an Pod koranom entdeckte Herr Berghauptmann 
J. Grimmer (bei den Telegraphensäulen Nr. 755 und 756) im Jahre 
1898 eine von ihm wiederholt ausgebeutete ınarine Kulmfauna, die 


1) Auf der Karte ist dieses Vorkommen durch ein Versehen nicht eingetragen. 
Jahrbuch d.k.k. geol. Reichsanstalt. 1903, 58. Band, 4. Ueft. (E. Kittl.) 84 


620 Ernst Kittl. [106] 


unten in Nr. 1 des paläontologischen Anhanges zusammen mit ähnlichen 
Funden genauer beschrieben ist, darunter die neue Form Tetragonites 
Grimmeri. An der erwähnten Straßenbiegung bei Pod koranom, wo 
auch das aus NO. zwischen Ora und Koran herabkommende Seiten- 
tälchen des Koran potok sowie das rechtwinklig darauf stehende 
größere Brnickital einmünden, treten neben und über den Karbon- 
schiefern auch wieder Sandsteine an die Prata heran, die im Koran 
potok steil aufgestellt sind. In dem nächsten kleinen Seitentale gegen 
Praöa fand ich in den von den Sandsteinen überlagerten Schiefern 
wieder marine Kulmfossilien mit Tetragonites Grimmeri. An dieser 
Fundstelle herrscht ein östliches Einfallen der Schichten. 

Bei Prata selbst erscheinen den Karbonschiefern Kalkbänke 
eingelagert, die aus den weicheren und leichter verwitterbaren Schiefern 
in auffälliger Weise hervortreten. Solche flach östlich geneigte Kalk- 
bänke!) treten schon an der rechten Talseite beiderseits der Ein- 
mündung des Mahalski potok, dann im Bette des Pralabaches selbst, 
gleich am nördlichen Ende des Ortes Pra&a (Prala dolnja), sowie 
nördlich an der Straße in einem kleinen Steinbruche (hier als dunkel- 
grauer Crinoidenkalk als Einlagerung im Schiefer) am Fuße des 
Rückens Seminiacdiauf. Endlich zeigt sich bei der Gendarmerie- 
kaserne grauer Orthocerenkalk, welches Gestein auch die Spitze der 
VlaSka stiena bildet, dann aber in das Tal herunter zieht und sich 
hier beiderseits der Prata ausbreitet und vielleicht auch zur Bildung 
der engen Schlucht unterhalb Prata Veranlassung gegeben hat. Auch 
S. von Prata längs des Bucki potok stehen solche Kalke an. 


Recht auffällig ist in diesem Gebiete das Auftreten von Lyditen 
oderschwarzen Hornsteinen, welche einerseits mit den Kalken, 
anderseits mit den Kulmschiefern verknüpft erscheinen. Sehr ent- 
wickelt finden sich dieselben am Westfuße der Vlaska stiena, ein 
langer Zug derselben streicht auch von Bilek nach Süden, O. hinter 
der Vla$ka stiena vorüber, wendet sich dann ostwärts und zieht über 
Stary grad hinab nach Pod gradom. Bei dem Orte Prada ist das 


!) Bittner schreibt darüber in den „Grundlinien“, pag. 364 und 365: „Bei 
Prata erscheinen in den schwarzen, hier am linken Ufer in Ost oder Nordost "ein- 
fallenden Schiefern linsenförmige Kalkmassen, die ziemlich häufige Crinoiden- 
durchschnitte zeigen; aus diesen Kalken höchstwahrscheinlich dürfte ein loses 
Stück wahren Crinoidenkalkes stammen, welches außer verschiedenen Formen von 
Crinoidenstielen ziemlich zahlreiche, aber leider sehr schlecht erhaltene und durchaus 
gerollte Brachiopoden (meist nur einzelne Klappen und Bruchstücke solcher) enthielt. 
Es konnten annähernd bestimmt werden: 


Platyceras sp. Produetus cf. striatus Fisch. 
Spirifer aff. striatus Mart. Strophomena sp.? 

Spirifer aff, bisulcatus Sow. Poteriocrinus sp. 

Spirifer pectinoides Kon. Platyerinus sp. 


Spirifer sp. 

. . Spirifer af. striatus und Sp. af. bisulcatus stimmen sehr wohl mit 
gewissen Arten des alpinen Kohlenkalkes, insbesondere solchen, die aus der Um- 
gebung von Pontafel stammen. Die Deutung dieser Fauna als Kohlenkalk wird 
um so weniger gewagt erscheinen, als sich bei Prata selbst in den mit den Kalken 
wechsellagernden schwarzen Schiefern, und zwar in einer glimmerigsaudigen Lage 
derselben ein vollständig erhaltener Trilobit fand, welcher wohl nur als Phillipsia sp. 
bezeichnet werden kann.“ 


ee 


[107] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 621 


allgemeine Streichen lokal ein nordsüdliches, wobei der Schichtenbau 
in seiner Regelmäßigkeit durch Längsstörungen beeinträchtigt erscheint. 
Östlich hinter der Vlaska stiena im Tale von UrnCale breiten sich 
rote, zum Teil auch grüne Schiefer vom Aussehen der tieferen Wer- 
fener Schichten aus, die bis auf die Höhe gegen die VlaSka stiena zu 
hinaufsteigen und nach Norden bis über Sarulje hinaus reichen. 
Nebenstehende Figur 18 zeigt das Profil über die VlaSka stiena, 
in deren südlich hinabziehenden Kalken ein alter Schurf auf Blei- 
glanz liegt. Nach dem heutigen Stande wären weitere Fossilfunde aus 
dem Kalke der VlaSka stiena dringendst erwünscht, da die bisherigen 
— wie pag. 528 und weiter unten dargelegt ist — eine sichere 
Altersbestimmung derselben nicht gestatten. Der Spielraum Silur bis 
Trias ist jedenfalls ein recht großer. Die Lagerungsverhältnisse deuten 
aber auf bedeutende Störungen hin. Wenn man solche nicht anzu- 
nehmen hätte, müßten die Orthocerenkalke dem Unterkarbon -zufallen, 


Fig. 18. 


Prada. VlaSka stiena. 


Profil von Pra@a über die VlaSka stiena. 


1. Kulmschiefer. — 2. Orthocerenkalke. — 3. Lydit. — 4. Gelbbraune Sandsteine 
(Grödener Sandstein?) — 5. Werfener Schichten. 


was nach allem wohl das wahrscheinlichste ist. Bezüglich der Einzel- 
heiten führe ich an: 

In dem Schiefer neben der Gendarmeriekaserne 
sammelte ich: Nereites?2 oder Helminthoiden-ähnliche Gebilde, welche 
sich an Dietyodora vielleicht anschließen, ohne jedoch damit hin- 
reichend übereinzustimmen. 

In dieser Gegend war es vielleicht auch, wo A. Bittner die 
unten beschriebene Phillipsia fand. 

Nächst der Gendarmeriekaserne sind dem Schiefer die 
schon erwähnten Bänke von dichten grauen Kalken ein- oder auf- 
gelagert (?), welche Orthoceras führen, und zwar eine Form, welche 
Spuren einer feinen Querstreifung aufweist. 

Ganz denselben grauen ‚Orthocerenkalk, wie er neben der 
Gendarmeriekaserne in vielleicht abgestürzten Bänken liegt, findet 
man auf der Vla&ka stiena sicher anstehend; hier führt derselbe: 

84* 


622 Ernst Kittl. BB] 


Orthoceras cf. discrepans Kon. 
R sp. 
Crinoidenstiele (Poterioerinus?). 


In den Schiefern finden sich, und zwar im Hangenden der Gonia- 
titenbänke Sandsteinschiefer mit vereinzelten kohligen Pflanzen- 
resten, die eine Bestimmung nicht zulassen, aber eine Vertretung des 
Oberkarbons andeuten mögen. 

In Pra&a, am rechten Ufer des Baches an der Straße 
unterhalb der Brücke, sammelte ich im Schiefer schöne Exemplare 
von Dictyodora Liebeana Weiss., ein Exemplar von Prolecanites Henslowi 
Sow. sowie Fragmente von anderen Cephalopoden und von Bivalven. 

Südlich des Pra@abaches von Han Grabovica an nach Osten 
herrschen im allgemeinen ähnliche Verhältnisse wie nördlich desselben. 
Die Mrakanj planina und der Rudo brdo sowie die Anhöhen 


Fig. 19. 


Ravna planina. Sjetline. Sjetlanski potok. Sanduci. Gazivoda. 


NW | M | u‘ 


Profil von Sjetline nach Gazivoda. 


1. Graue Schiefer und Sandsteine. — 2. Rote Breceien und Konglomerate. — 
3. Rote sandige Mergelschiefer. — 4. Bunte Sandsteinschiefer. — 5. Gelbliche 
Quarzsandsteine der Werfener Schichten. — 6. Triaskalk. 


südlich von diesen sind aus grauen Schiefern und helleren Sand- 
steinen aufgebaut. Die Art der Verteilung dieser Gesteine scheint 
mir auf das Durchziehen von einigen Brüchen hinzuweisen. Bei 
Celopek beobachtete ich mehr südliches Schichtfallen, am Ranjen 
vrh dagegen südöstliches. Der Oberlauf des Pratabaches 
südlich von Han Pod grabom schließt Kulmschiefer auf, die sich eine 
kurze Strecke sowohl längs des Grabovica potok, wie längs des 
Sjetlanski potok nach Westen ziehen. Auf den Höhen Graoviste 
und Krvavica walten wieder Sandsteine vor. Schöne Aufschlüsse 
findet man bei dem Dorfe Sjetline, wo insbesondere die roten verru- 
canoartigen Konglomerate auf der linken Talseite auffallen. Das 
landschaftliche Bild der Gegend (Fig. 19 zeigt ein Profil durch die- 
selbe) ist mit den prächtigen Abstürzen und Wänden der Triaskalke 
der Lisina und der Ravna planina ausgestattet. 


[109] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) ı 623 


Wie daraus zu ersehen, stoßen am Sanduci die Werfener 
Schichten an die wahrscheinlich karbonischen Schiefer und Sand- 
steine an, was nur durch Annahme eines Bruches zu erklären ist. 
Ob die hellen Sandsteine des Dorfes Sjetline alle zu den oberen 
Werfener Schichten gehören, wie ich das für den größeren Teil 
annehmen zu dürfen glaubte, muß ich unentschieden lassen. 

Bei Rastovaec unmittelbar südlich von Prada setzen die Kulm- 
schiefer von Prada mit ihren Lyditen und Kalken fort. Östlich folgen 
dann die hellgrauen Kalke, in welche die PraÖaschlucht eingefurcht 
ist. Ich halte dafür, daß diese Kalke mit jenen der Vlaska stiena iden- 
tisch sind und beide dem Paläozoikum angehören und habe diese Auf- 
fassung auf der Karte zum Ausdrucke gebracht. Indessen ist es nicht 
unwahrscheinlich, daß eine nordsüdlich verlaufende Dislokation zwischen 
den Kalken der VlaSska stiena und jenen der Schlucht durchzieht. Es 
könnten dann die letzteren eine Scholle von Triaskalk darstellen, für 
welche Auffassung die größere Mächtigkeit und die Fossilarmut der 
Kalke der Praöaschlucht sprechen würde. Die Lösung dieser Frage 
ist jedoch an der Stelle nicht erreicht worden; vielmehr müßte man 
dazu die Verhältnisse zwischen Praca und dem Klek studieren, wozu 
sich jedoch keine Gelegenheit ergab. Nördlich der Schlucht befindet 
sich eine Ruine (Stary grad), bei welcher die Grenze der Kalke vor- 
beiläuft, welche letztere bald an dunkle Schiefer,bald an Lydit anstoßen. 

Von Pra@a zur Ruine aufsteigend, verquert man zuerst Kulm- 
schiefer, dann rote Schiefer und zuletzt Lydite, auf welche Kalk folgt. 
Etwas weiter östlich jedoch grenzen die Kalke der Schlucht an Kulm- 
schiefer, welche wieder durch rote Schiefer und Lyditbreccie abgelöst 
werden, worauf sich grobkörnige Sandsteine einstellen. 

Die Nichtübereinstimmung dieser zwei Profile darf wohl auf 
tektonische Störungen zurückgeführt werden. Noch ein anderes 
Bedenken muß ich hier äußern. Wenn schon die Möglichkeit vor- 
liegt, daß die Kalke der Pra@aschlucht der Trias zufallen, so wird 
dadurch auch die Erwägung nahe gerückt, daß die Orthocerenkalke 
der VlaSka stiena ebenfalls der Trias angehören könnten. Ihre oben 
angegebene Fossilführung besteht fast nur aus Orthoceras-Arten, welche 
in ähnlicher Weise nicht nur in paläozoischen Schichten, sondern auch 
in der Trias vorkommen, so daß die Fossilführung das triadische Alter 
dieser Kalke nicht ausschließen würde. Die Scholle derselben Kalke, 
welche nächst der Gendarmeriekaserne anscheinend im Schiefer liegt, 
müßte dann von der VlaSka stiena abgestürzt sein. Wie die Karte 
zeigt, findet sich am Bilek bei Sarulje ein ähnlicher NS. streichender 
Zug heller Kalke, der petrographisch ganz wohl auch der Trias an- 
gehören könnte. Ich sah darin Durchschnitte von Orthoceras und auf 
den West fallenden Kalken liegen rote knollige Mergelkalke, über 
welchen Kulmschiefer und Lydite hervorkommen. Im Liegenden 
der Kalke sind Sandsteine und an einer Stelle auch Hornstein. Die 
tektonische Art des Auftretens dieses Kalkes scheint mir auf eine 
daneben hinziehende Dislokation zu deuten. Weiter östlich von Pod 
sradom bis Hrenovica und Petovid erscheinen bunte Schiefer (untere 
Werfener Schichten ?), Sandsteine und Kulmschiefer bis zum Vincica- 
bach, von wo aus nach NO. das in Fig. 20 dargestellte Profil verläuft. 


624 Ernst Kittl. [110] 


Zwischen SW. und NO. herrscht anscheinend regelmäßige Auf- 
lagerung; die hellen Sandsteine (2) am Fuße des Felsen Rat gehen 
nach oben durch Aufnahme von Lyditfragmenten in hellgelbliche, 
schwarzscheckige Brecciensandsteine über. Es ist wohl möglich, daß 
die angenommene Dislokation nicht besteht und die hellen Sand- 
steine mit den scheckigen Sandsteinen des Rat dem oberen Gliede 
der Werfener Schichten zufallen, welches hier dann direkt über den 
bunten Schiefern des Jabukovik liegen würde; doch spricht der 
südlich davon gelegene Aufbruch der Kulmschiefer dagegen. Im 
anderen Falle, wenn der letztgenannte Aufbruch in der Tat mit einem 
Längsbruche in Verbindung steht, wie ich es für wahrscheinlich halte, 
so hätte man eine ungestörte Schichtfolge erst vom Rat an gegen 
Osten zu. Die Konglomerate, welche in diesem Gebiete landschaft- 
lich auffällige groteske Felsen bilden, setzen auch die ähnlichen Ge- 
bilde am Mihalj südlich von der Pra@a neben der Straße nach Fota 


Fig. 20. 
Vineiea potok. Jabukovik. Rat. Petovic. 


SW. 


S yS NN 
/ 
Profil bei Petovic. 


1. Kulmschiefer. — 2. Sandsteine, — 3. Helle kouglomeratische Sandsteine. — 
4. Rote Konglomerate. — 5. Bunte Schiefer. — 6. Gelbliche Sandsteine. — 7. Triaskalk. 


zusammen. Am Vindica potok bei Vinca dolnje findet man am rechten 
Ufer ebenfalls solche Konglomeratfelsen, während am linken Ufer 
unvermittelt ein Aufbruch grauer Schiefer erscheint. Auf den Werfener 
Schichten, die von hier bis zur Kalkwand hinauf herrschen, ist eine 
Anzahl abgerutschter Schollen von Triaskalk aufgesetzt. 

In den kleinen Tälern des Brnjica- und Koranbaches findet 
man über den Kulmschiefern helle Sandsteine, die nordöstlich bei 
Bu@ und Brezje weite Verbreitung haben. Das Einfallen der Schichten 
ist ein südwestliches, das sich bei Brnica ganz gegen W. wendet. So 
streicht also bei Prala aus SO. gegen NW. über den Rasoharücken, 
über Brezje und den Bergaljerücken, über den Mali und Veliki 
Ora, über den Ljepo brdo und U Vrblu gegen den Wieshang bei 
Rakite eine Zone von Grödener Sandstein, um sich gegen Nordwesten 
zu in der Gegend des Dorfes Stajna unter den Werfener Schichten zu 
verlieren. Dieser Grödener-Sandsteinzug hängt hier bei Markovici 
mit der großen Ausbreitung dieses Gesteines auf der Vitez planina 


[111] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 625 


zusammen. Längs des ganzen Grödener-Sandstein-Gebietes, und zwar 
nordöstlich und nördlich gegen die Zone der Werfener Schichten hin 
welche die Abstürze der Kalkplateaus an deren Fuß begleiten, er- 
scheinen,” oft eine Terrainstufe bildend, rote Sandsteine und Konglo- 
merate. Die letzteren treten im Südosten an den schon erwähnten 
Punkten sehr deutlich hervor, sind dann eine Strecke weit verdeckt, 
um an den Hängen des obersten Loznica potok wieder in recht 
auffälliger Weise zum Vorscheine zu kommen und über Hoticina 
westlich bis gegen Podvitez zu ziehen. Die isolierten Vorkommen im 
südlichen Teile der Vitez planina wurden schon erwähnt. Die Konglo- 
merate streichen dann über die Gegend des Karolinensattels gegen 
Süden, wo sie am Fuße der Ravna planina ein ziemlich geschlossenes 
Band darstellen. So umranden und begrenzen diese roten Konglomerate 
und groben Sandsteine, welche mit dem südalpinen Veruccano Ähn- 
lichkeit haben, die Aufbrüche der älteren paläozoischen Schichten um 
Prala dolnja. 


Fig. 21. 
Prekala. 


sw. No. 


Profil durch das Vorkommen der Bellerophonschichten bei Prekata. 


1. Helle Sandsteine (Grödener Sandstein ?) — 2. Rote Sandsteinschiefer. — 3. Kalke 
und Mergel der Bellerophonschichten. — 4. Helle Sandsteine (Werfener Schiefer). — 
5. Triaskalk. 


Etwa südöstlich von dem südöstlichsten Konglomeratvorkommen der 
Karte liegt die von Bittner!) entdeckte Lokalität Han Orahovica. 
Das genauere Studium der dortigen Fossilien ?) ergab recht enge Be- 
ziehungen zu den südtirolischen Bellerophonschichten. Ähnliche Vor- 
kommen gelang es mir nur an zwei benachbarten Punkten: bei Suha 
Cesma am Südabhange des kleinen Sandsteinplateaus Vienac und 
östlich davon bei Prekala aufzufinden. Die dort gesammelten 
Fossilien sind im paläontologischen Anhange beschrieben ®). Überall 
fanden sich Bellerophonten, und zwar, wie es scheint, stets nur 
eine und dieselbe kräftig verzierte Art. Diese Fossilien liegen bei 


1) Grundlinien, pag. 200. 

?2) Es haben insbesondere Prof. Fr. Wähner und später Berghauptmann 
Grimmer dort Aufsammlangen gemacht. 

3) Vgl. unten Nr. 2 des Paläontologischen Anhanges. 


626 Ernst Kitt). [112] 


Suha Cesma und Prekata in dunklen Kalkplatten und in schmutzig- 
srauen bis bräunlichgrauen Mergeln, die keine im Terrain leicht kennt- 
liche Einschaltung in lichtem Sandstein bilden. Nicht weit im Liegenden 
erscheinen an beiden Lokalitäten dunkelrote Sandsteinschiefer, die 
etwas gefaltet sind. 


Wenn man nur diese zwei Fundstellen der Bellerophonschichten 
in Betracht zieht, gelangt man zu der Anschauung, daß hier dieselben 
zwischen zwei Gliedern eingeschaltet sind, welche den unteren und 
oberen Werfener Schichten petrographisch gleichen. Daß wirklich jene 
Glieder der Werfener Schichten vorliegen, ließ sich paläontologisch in 
keiner Weise feststellen. 


Während Bittner von Han Orahovica angibt, daß die kalkigen 
Bellerophonschichten dort an der Grenze der paläozoischen Schiefer 
(die er unmittelbar vorher als schwarz gefärbt angeführt hatte) gegen 
die Werfener Schichten vorkämen, konnte ich solche Schiefer weder 
bei Suha Cesma noch bei Prekala finden. Nicht nur die bedeutende 
Differenz in dem Vorkommen der älter bekannten und der neu ent- 
deckten Bellerophonschichten, sondern auch die Beobachtungen über 
das Hangende und Liegende an jeder Fundstelle fordern zu weiteren 
detaillierteren Untersuchungen über die Schichtfolgen und tektonischen 
Verhältnisse heraus. Bei Han Orahovica würden sowohl Grödener 
Sandsteine wie auch Konglomerate und rote Sandsteine des Perm 
fehlen; in den neuen Fundstellen scheint wieder die Fauna der 
Bellerophonschichten fast mitten in die Werfener Schichten hinein 
versetzt zu sein, aber sowohl Konglomerate wie auch schwarze 
Schiefer finden sich erst in bedeutenderen Entfernungen von den 
Bellerophonschichten: die ersteren weit unten im Liegenden (bei 
Brouica und an den Gehängen des Koranrückens), die letzteren dagegen 
östlich und westlich im Streichen. Ich habe daher daran gedacht, 
daß hier eine Überkippung der Schichten vorliegen könnte, ohne daß 
das zu beobachtende Profil von Preka@a nach Vinograd hinab (Fig. 21) 
eine solche Annahme bestätigen würde. 

Die Beschreibung der äußersten Umrandung des paläozoischen 
Aufbruches von Prala durch die Werfener Schichten will ich hier nur 
übersichtlich darstellen und einige ergänzende Details bei Besprechung 
der Triaskalkplatte der Romanja und Bogovicka planina etc. folgen 
lassen. 


Die Werfener Schichten, welche also fast überall den äußersten 
Rand des Schiefergebietes von Prata bilden, unterteufen stets direkt 
die umrandenden Triaskalke, somit auf dem Gebiete der Karte gegen 
Osten und Norden, zum Teil auch gegen Westen. Der Karolinensattel 
besteht nur zum Teil aus Werfener Schichten, gegen Süden setzen 
fast nur paläozoische Bildungen fort. 

Die herrschende Ausbildung des unmittelbaren Liegenden 
der Triaskalke ist die der gelblichen, seltener weißen Quarzite 
oder Quarzsandsteine, die gern zu Sand zerfallen. Darunter folgen wie 
in den studierten Nachbargebieten meist rote, mitunter auch grünliche 
Sandsteinschiefer. Besonders schöne Fossilfunde habe ich hier in den 
Werfener Schichten nirgends gemacht. 


[113] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 627 


10. Die Romanja planina und ihr Hinterland. 


Die schon öfters genannten steilen Wände oder Abhänge grenzen 
fast durchaus die Triaskalklandschaft nordöstlich der Schiefer- und 
Sandsteingebiete von Prala, Pale und Mokro gegen die letzteren ab. 
Eine von SO. nach NW. verlaufende, wellig gebogene Linie von 
Hrenovicaan der Prada bis Kulauzovic am Crna rieka bezeichnet 
den größten Teil jener Grenze zwischen dem Triaskalkplateau und 
dem südwestlich davon liegenden Terrain älterer Bildungen. Zwischen 
Bogovic und dem Leletva potok nördlich von Mokro springt 
aber die bewaldete, unregelmäßig dreieckig begrenzte Romanja 
planina gegen SW. vor, welche dadurch viel imponierender erscheint, 
daß sie sich um mehrere hundert Meter allmählich über ihr kalkiges 
Hinterland und besonders schroff über ihre sonstige Umgebung erhebt, 
um nahe ihren südwestlichen Abstürzen in Gipfeln von über 1600 m 
zu kulminieren!). Vielfach ist jene dinarische SO.—NW.-Richtung auch 
in den Grenzen zwischen Triaskalk und Werfener Schichten in der 
Romanja zu erkennen, wo die Werfener Schichten in dieser Richtung 


Fig. 22. 
Ravna Repasnica Romanja 
planina. potok. planina. Glasinae. 
sw. No 


Generelles Profil Ravna— Romanja—lasinae. 


(Zu unterst Paläozoikum, darüber Werfener Schichten, zu oberst Triaskalke.) 


zwischen die Kalkschollen eindringen und (bei der Schäferei Kevrina 
koliba) am Plateau selbst auftauchen. 

Die nordöstliche ausgedehnte, weit über die Grenzen der Karte 
hinausreichende Kalklandschaft mit der Mulde von Glasinae ist 
die Fortsetzung der Romanjakalke (vgl. Fig. 22). Sie zeigt sich im 
allgemeinen nordöstlich leicht herabgeneigt. 

Zuerst sei die Scheidelinie zwischen den geschlossenen Massen 
der Triaskalke und ihrer Unterlage, den Werfener Schichten, verfolgt, 
wobei im SO. begonnen werden mag. Hier bei Petovic tritt auf 
das Gebiet der Karte eine lange, nordwestlich bis Bogovie ver- 
laufende Kalkmauer, die sich über die Sandsteinschichten der unteren 
Trias ziemlich geschlossen erhebt. 

Dem Kalkgipfel der Crvena stiena folgt hier der Iljak und 
die Glavica bis zu dem oben schon?) als hydrographisch merkwürdig 


1) Die höchsten Punkte dort sind: Orlovina stiena (1629 m) und Velika 
stiena (1617 m). 
2, Vgl. pag. 523. 
Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 85 


628 Ernst Kitt). [114] 


hervorgehobenen Dörfchen Ponori, wo einige Sauglöcher am Rande 
des Kalkplateaus die Niederschläge der nächsten Abhänge sowie des 
benachbarten, nicht ausgedehnten muldenförmigen Terrains in den 
Werfener Schichten aufnehmen. 

Weiterhin bilden die Kalkhügeln Krst und Seo& den Rand 
des Kalkplateaus, welches dann durch das tief eingefurchte, ostwestlich 
verlaufende Tal JakSin dol verquert wird, welches ähnlich wie die 
Stelle bei Ponori durch einige Schlundlöcher die Niederschläge der 
weiten und ausgedehnten Mulde Barice aufnimmt. Diese letztere 
scheint nur in Werfener Schichten oder doch in Gesteinen von diesem 
Aussehen zu liegen. Nördlich bilden die Abhänge der Gradina ober- 
halb des Dorfes MioSici den Rand des Kalkgebirges und zugleich 
die Nordgrenze der Mulde. Die isolierte Kalkzinne des Loznik steht 
wie ein Vorposten auf den hier fast weißen Sandsteinen der Werfener 
Schichten neben den Wänden der ObraSke stiene, hinter welchen 
der Gipfel der Siljava glava emporragt. Von da aus ziehen sich 
die Kalkwände der Bogovicke stiene bis zum Dorfe Bogovicdi. 
Unterhalb dieser Wände breiten sich die Wiesen und Felder auf den 
Werfener Schichten aus, vielfach unterbrochen von Bergsturzhalden 
und einzelnen größeren oder kleineren abgestürzten Felsmassen. Bei 
MioSici sind die Werfener Schichten durch schiefrige, rote (seltener 
grüne) Sandsteinschiefer sowie durch hellgelbliche, diekbankige Sand- 
steine vertreten. Als oberste Lagen direkt unter den Riffkalken 
liegend erscheinen graue Mergelkalke mit Fossildurchschnitten, die 
zumeist von Gervilleia stammen dürften, und zahlreichen Wurmröhren 
(Oylindrites), also so ziemlich in normaler alpiner Ausbildung. Die 
tiefsten Muschelkalkbänke führen Lagen dunkler Crinoiden- 
kalke. Einzelne rotgefärbte Stellen in den hellen Riffkalken am 
Anstiege auf das Kalkplateau vor Ozerkovici ließen die Vertretung 
des oberen Muschelkalkes vermuten; doch gelang es nicht, einen dem- 
entsprechenden Fossilfund zu machen. 

Bei Bogovici bilden die Werfener Schichten (hier mit Anodonto- 
phora und dergleichen) eine tief einspringende Bucht und steigen 
erstere auch relativ hoch hinan. Die Südwände der Romanja verlaufen 
von da an westlich und unter ihnen findet man bedeutende, von den 
Wänden abgespaltene und abgesessene Massen von Triaskalk, welche 
Erscheinung der Abspaltung durch Bergschlipfe sich längs der Ab- 
stürze der Romanja über Zeöici, RoSulje, Tabakova Cesma, 
Careve vode, Sipovicka shuma, um die Felswände der Djeva (die 
ebenfalls abgespalten und gesenkt erscheint) herum bis über Mokro 
hinaus verfolgen läßt. Zunächst unter den Kalkwänden treten zumeist die 
gelblichen mürben Sandsteine hervor. Es ist fast überflüssig, nochmals 
zu betonen, daß von Bogovici an zahlreiche und nicht unbedeutende 
Quellen am Fuße der Wände hervortreten; daß solche Quellen 
zwischen Petovid und Bogovic aber fehlen, erklärt sich durch das 
nordöstliche Einfallen der Werfener Schichten unter die Kalke hinein. 

Bei RoSulje nächst Ze£ici fanden sich, wohl aus den von der 
Südwand der Romanja abgestürzten Partien stammend, Blöcke grauen 
Kalkes mit Anhäufungen von Lamellibranchiaten, worunter sich nur 
Avicula aff. Tofanae Bittn. bestimmen ließ. Da Avicula Tofanae neben 


[115] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 629 


ähnlichen Arten in den Alpen in ladinischen Schichten auftritt, so darf 
als wahrscheinlich angenommen werden, daß die Funde bei Rosulje auf 
dieses Niveau hinweisen. Von den auf der Westseite der Romanja 
planina von NW. her in die Kalkmassen eindringenden Scharten und 
Buchten sind zu nennen: die Scharte des Lipov dol, welche die 
Felspyramide Djeva von der Romanja abspaltet, und die Ein- 
buchtung des Jasenovawaldes, in welcher ich unter den Wänden 
„Orlovina“ in den Werfener Schichten deren oberste Bänke in der 
mergeligkalkigen Fazies vertreten fand. Bei Mokro, wo die Straße 
nach Sokolac die Romanja hinansteigt, trifft man die Werfener Schichten 
noch weit hinter dem Gendarmerieposten auf der Romanja in der Tal- 
furche zwischen den Kalken hinein ziehen. Es hat die Talfurche die 
Richtung SW.—NO., welche sich bei dem nächsten größeren Tal- 
einschnitte in die Romanja planina, dem Ceverski dol, wiederholt. 
Zwischen diesen beiden Tälern liegen zwei plateauartige Abschnitte 
der Romanja, deren südlicher die Spitzen Crvena stiena und 
Ravna stiena trägt, während der nördliche das Cmilevo polje 
trägt und in zwei Orni vrh kulminiert. Schon mit dem zweiten dieser 
Abschnitte sind die Steilwände der Romanja in die Fortsetzung der 
Abstürze der Bogovicka planina zurückgetreten und bildet diese Linie 
nun die beiläufige Grenze der sich weiter nordwestlich hinziehenden 
Kalkmassen, so insbesondere bis Kulauzovic, nördlich von welchem 
Orte bei BojiSte die zwischen Kalk sich durchwindenden Werfener 
Schichten sich wieder etwas ausbreiten, um dann in einem schmalen, fast 
gerade NW. fortziehenden Einschnitte bis Sudici O. von Cevljanovid 
zu reichen. In der weiteren Fortsetzung der Romanjawände liegt 
die bei weitem nicht mehr so auffällig hervortretende Kostresa 
planina, deren Kalkmassen nach N. hin eine Fortsetzung finden, 
die jedoch morphologisch nicht so scharf gegen das Gebiet der älteren 
Gesteine abgegrenzt ist, wie die Romanja. 


Die Kalktafel Romanja-Glasinac ist gleich allen Kalk- 
sebirgen Bosniens fast überall wie ein Sieb von zahllosen Dolinen 
durchbohrt; das gilt gleichmäßig für die bewaldeten, wie für die kahlen 
Partien !). Selbstverständlich fehlen auch Höhlen und Sauglöcher nicht. 
Von den ersteren ist ein etwa 10 m tiefer vertikaler Schlot etwa 
eine Stunde südlich von der Gendarmeriekaserne Na Romanja zu 
nennen, welcher immer, auch im Sommer Eis führt und daher benützt 
wird, um Sarajevo in der warmen Jahreszeit damit zu versorgen. Von 
den Sauglöchern (Ponoren), führe ich nochmals die bei dem Dorfe 
Ponori, dann das südöstlich von Miosici gelegene, welches die Wässer 
der Barice genannten Mulde aufnimmt, an. Die beiden empfangen Nieder- 
schläge aus dem Gebiete der Werfener Schiefer ; die Wässer ver- 
schwinden dort, wo die Kalktafel emportaucht, also an der Grenze von 
Werfener Schiefer und Muschelkalk. Viel zahlreicher sind die Ponore 
am Glasinac und nördlich davon. Während im Gebiete der Romanja 
offene Wasserläufe ganz fehlen, die Niederschläge also direkt durch 


1) Vgl. E. Kitt], Karstterrain und Karstlandschaft (Mitteil. d. Sektion für 
Naturkunde des Österr. Touristen-Klub 1893, pag. 57), welcher Artikel unter dem 
Eindrucke der in Bosnien gewonnenen Erfahrungen geschrieben wurde. 

85* 


630 Ernst Kittl. [116] 
die Dolinen ziemlich vertikal versiegen, gibt es am Glasinac sowie in 
dem nördlich und nordwestlich davon gelegenen Gebiete kurze Bach- 
läufe, die alle in Sauglöchern verschwinden. 

Die Triaskalke des Plateaus sind auf der Romanja und in einer 
Zone nächst der Auflagerung auf den Werfener Schichten vom Alter 
des alpinen Muschelkalkes. Da sie vorherrschend aus hellen Riff- 
kalken, zuweilen mit Diploporen bestehen und fossilführende Bänke 
bisher erst an wenigen Punkten nachgewiesen sind, so ist die Ab- 
srenzung dieser Zone, wie sie auf der Karte angegeben ist, an vielen 
Stellen eine willkürliche, wie ich abermals ausdrücklich hervorhebe. 


An Fossilfunden liegt aus dieser Zone folgendes vor: 


1. Bei MioSici bieten die Kalke der Bogovicka planina ein Profil 
dar, dessen unterer Teil bereits angegeben wurde; über den Quarziten 
folgen die obersten mergeligen Bänke der Werfener Schichten mit 
Gervilleia sp. die nach oben in die grauen Knollenkalke des Muschel- 
kalkes übergehen. Die darüber liegenden Riffkalke sind meist weiß; 
einzelne rötliche Blöcke mögen aus höheren Lagen stammen, da in 
der Tat solche Schichten weiter oben zum Vorscheine kommen, welche 
man als Vertreter der Buloger Kalke ansehen darf. Unmittelbar 
darüber liegen am Siljansko polje ausgebreitet hornsteinführende 
Kalke, selbst ganze Jaspisbänke neben grünlichen Mergeln, die also 
wohl die Graboviker Schichten darstellen. Nordöstlich davon, 
in der Mulde von Nepravdici deutet das Auftreten von lauchgrünen 
Tonschiefern mit untergeordneten hellbraunen, dunkler gebänderten 
Sandsteinen das Durchziehen einer Einschaltung an, welche mit 
keinem mir bekannten Vorkommen genau übereinstimmt, aber mit den 
Graboviker Schichten am meisten Ähnlichkeit hat und daher wohl auf 
das ladinische Niveau der Graboviker Schichten hinweist, in deren 
Fortsetzung sie auftritt. Das Einfallen aller bisher genannten Schichten 
ist ein nordöstliches. 


2. Am Nordwestende des Siljansko polje treten die Horn- 
steine zurück und fanden sich hier in grauen Kalken in der Nähe 
des Weges gegen Bogovidc sowie etwas tiefer am Hang Fossilien, die 
ich unten zum Teil genauer beschreibe. Es sind: 


Enerinus sp. ind, Spirigera Stoppanii Sal. 
Waldheimia angusta Schloth. z Siljamensis Kittl n. f. 
thynchonella sp. » cf. Wissmanni Mstr. 
Retzia Taramellii Stopp. Spiriferina cf. dinarica Bittn. 

„cf. truncata Sal. 3 af. meridionalis Bittn. 
Spirigera quadripleeta Mstr. var. 3 sp. indet. 


dann Durchschnitte von Ammoniten (Arcestes?) und Spongien. 

Diese Fossilien deuten wohl auf ein Niveau des Muschelkalkes 
im weiteren Sinne hin und kommen der Marmolatafauna zunächst. 
Nach diesen Funden würde die Grenze zwischen unterer und oberer 
Trias hier nicht weit entfernt sein. 


3. Bei dem östlicher gelegenen Dörfchen Kazimerici fanden 
sich in weißen Kalken eingeschlossene Sinterkugeln, welche Oolithe 
vielleicht das Raibler Niveau andeuten. 


[117] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 631 


4. Auf der Bogovicka planina oberhalb Bogovi6 am Wege 
nach Sokolac neben dem Hügel 1203 m vor Ramin bunar erscheinen 
rote Kalke mit grauen Sintereinschlüssen und folgenden Fossilien : 


Einerinus sp., große Stielglieder Pecten cf. diseites Schloth. 


Terebratula vulgaris Schloth. »„ ef. Seebachi Sal. 
Spiriferina cf. Mentzeli Buch. Aviculopecten sp. 
5 n. f. af. meridionalis Myoconcha? sp., 
Bittn. 


wonach hier etwa der Muschelkalk und zwar wahrscheinlich der Horizont 
der Trebevicer Brachiopodenkalke vertreten ist. 

Weiter gegen den Rand der Planina in der Richtung gegen das 
Dorf Bogovic herrschen hellgraue Diploporenkalke, wie solche 
auch auf der bewaldeten Romanja planina fast überall zu finden sind. 
Andere Fossilien gelang es mir nicht, hier zu entdecken. 


5. Es ist daher der 1879 von Baron Loeffelholz NW. von 
Han Obhodjasin rotem Kalke gemachte Fund einer Daonella!) für 
diesen Abschnitt des Gebirges immer noch ein wichtiger geblieben. 
Dieses Fossil stimmt mit im oberen Muschelkalke, und zwar an dessen 
oberer Grenze vorkommenden Formen wie Daonella paucicostata Tornq.?) 
beiläufig überein und soll hier als Daonella cf. paueicostata Torng. 
angeführt werden). 

Da man an dem Hange NW. vom Han sowohl rote Kalke wie 
auch Jaspis findet, so ist damit wohl ein Hinweis auf das dort an- 
zunehmende Vorkommen von Kalken des oberen Muschelkalkes und 
von ladinischen Schichten gegeben. 

Die weiteren von Baron Loeffelholz gemachten Funde von Korallen- 
auswitterungen, welche Bittner ebenfalls anführt, werden zu einer 
Altersbestimmung nicht dienlich sein. 


6. Die roten Kalke und Jaspise aber können von hier über Dobra 
voda bisin das Üeverski dol verfolgt werden, wo sie am Südhang 
des Vihor besser aufgeschlossen sind und dort Atractites, Megaphyllites 
und Arcestes führen. In der nordwestlichen Fortsetzung am Vrhovi 
erscheinen dieselben an Hornstein reichen Kalke. 


7. bei der Quelle Hvala Vrelo am Abhange des Vrhovine 
gegen den Kalina potok mitten im Walde und auch unterhalb der 
Quelle finden sich Blöcke, die teils Posidonomya? cf. fasciata Gemm., 
teils aber Daonella cf. tyrolensis Mojs. führen, was auf ein ladinisches 
Niveau hinweist. 

So ergibt sich also für diese Zone des Kalkplateaus nirgends 
ein Anhaltspunkt für die Annahme obertriadischer Schichten, 
wohl aber eine zwar spärliche Reihe von Fundstellen, wo Fossilien 
des Muschelkalkes oder der Jadinischen Stufe vorkamen. 


1) Vgl. A. Bittner, Verh. der k. k. geol. R.-A. 1881, pag. 28. 

2) A. Tornquist, Zeitschr. d. deutsch. geol. (es. 1898, pag. 673, Taf. XXI 
Fig. 1—4. 

3) Eine ganz ähnliche Daonella fand sich auch bei Bulog 


632 Ernst Kitt). [118] 


Gegen NO. folgt nun eine Zone von Kuppen, die teils aus 
reinen, teils aus dolomitischen Kalken aufgebaut sind. Am 
Crni vrh bei Vukosavljevi@ fanden sich graue Plattenkalke. Diese 
Kalke, die in den Alpen direkt als norisch oder rhätisch anzusprechen 
wären, wurden auf der Karte als obere (norische) Triaskalke ausge- 
schieden. Spätere Untersuchungen müssen lehren, inwieweit das für die 
ganze Zone berechtigt ist !). Erst in der von SO. nach NW. streichenden 
Zone der Glasinacmulde gelang es, an verschiedenen Stellen 
fossilführende Kalke aufzufinden, welche mit größerer oder geringerer 
Sicherheit erlauben, sie den oberen (norischen) Hallstätter Kalken zu 
parallelisieren. Relativ häufig sind hier Spongien und Korallen in Durch- 
schnitten. Die Fundstellen und Funde dieser Zone sind: 


1. Bei Pavicici am Südende des Glasinac, und zwar am Fuße 
des Megarsko brdo fanden sich neben ganz weißen graue, seltener 
rötliche Kalke mit eckigen Einschlüssen dunkelgrauer Kalkfragmente ?). 
Sie sind reich an Fossilien, besonders an Gastropoden, die jedoch 
schwer zu bestimmen sind, da sie sich aus dem Gesteine schwierig 
auslösen lassen; ich führe davon an: 


Foraminiferen Coelostylina sp. 
Neritopsis compressa M. Hörn. (juv.) Ammonites indet. 


2. Gazivoda bei Sokolac?°) zeigt weiße und hellgraue Riff- 
kalke mit stockförmig verzweigten Spongien dann: 


Aulacothyris Ramsaueri Swess Loxonema? sp. 
Lamellibranchiaten indet. Arcestes sp. und 
Trochide oder Stuorella? Ammonitenbrut 


Wie die Ausbeute der vorigen Lokalität war auch diese recht 
spärlich, trotzdem das Gestein reich an Fossildurchschnitten erscheint. 
Die in zwei Exemplaren vorliegende Aulacothyris stimmt mit der in 
den norischen Hallstätter Kalken vorkommenden Aulac. Ramsaueri 8ss. 
so gut überein, daß hier ein Zweifel an dem norischen Alter der 
Kalke von Gazivoda kaum möglich ist. 
3. Bei Vrasicisind weiße und gelbliche Kalke mit Manganoxyd- 
infiltrationen, die Spongien, Korallen etc. enthalten. 
4. Bei Pedise stehen rötliche und gelblichweiße Kalke an, 
letztere mit zahlreichen Manganoxydinfiltrationen. Unter den Fossilien, 
von welchen ich 
Kokenella sp. 
Coelochrysalis oder Coelostylina sp., dann 
Spongien und Korallen anführe, 

fand ich keine den Horizont sicher charakterisierende Form. 


1) Es ist kaum anzunehmen, daß die hier aufgestellten Zonen in völlig 
regelmäßigen Begrenzungen durchziehen. Ich habe auf der Karte nur eine solche 
Grenzlinie versuchsweise eingezeichnet, um doch einigermaßen die tieferen Kalk- 
niveaus von den höheren zu trennen. 

?) Diese fremden Einschlüsse eines dunklen Gesteines fanden sich auch bei 
dem Dachsteinkalke der Lednica sowie in der Nähe von Knezina außerhalb 
der Karte, was vielleicht ebenfalls als Argument für das jüngere Alter dieses 
Triaskalkes gelten kann. 

3) Ähnliche Kalke kommen auch auf dem Rücken Palike etwas weiter 
nördlich vor. 


si. 


[119] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 633 


5. Bei Sahbegovici treten gelblichweiße Riffkalke mit zahl- 
reichen Fossilauswitterungen auf, worunter aber Spongien überwiegen. 
Ein charakteristisches Fossil. fand sich hier nicht. Dasselbe gilt für 
ähnliche Kalke, die ich bei einer Verquerung des Gebirges über den 
Vihor bei Palike und am Sahbenski grad (Alpe unter dem Vihor) 
vorfand. 


6. Nächst dem Dorfe Borovae (NW. von Sahbegovici) stehen 
gelbliche Kalke mit Fossilauswitterungen, besonders von kleinen Gastro- 
poden an. 


7, Zwischen Borovac und HraSti$Ste am Gehänge zum 
Kalinabache hinab, schon nahe bei HraStiSte, zeigten sich Fossil- 
durchschnitte in größerer Menge in einem gelblichen Kalke, so daß 
ich hier größere Aufsammlungen machte und aus den Blöcken dieser 
Stelle eine Anzahl von bestimmbaren Fossilien gewann. 

Diese gelblichweißen Riffkalke von HraStiSte enthielten 
eine im paläontologischen Anhange weiter erörterte Fauna, in welcher 
unter anderen auftreten: 


OPlacites f. indet. Spirigera cf. Wissmanni Mstr. 
OKokenella cf. Fischeri M. Hörn.  Khynchonella signifrons Ki. n. f. 
Rhabdoconcha sp. °Koninckina Leopoldi Austriae Bittn. 
Protorcula bosniaca Kittl. n. f. Koninckina alata Bittn. 
*Plicatula imago Bittn. "Amphiclina cf. intermedia Bittn. 
*Pecten cf. cancellans Ki. Montlivaltia sp. 

Terquemia sp. OPinacophyllum sp. 

Spiriferina sp. 0Spongiomorpha sp. pl. dann 


*Spirigera cf. leptorhyncha Bitt. Spongien. 


Während ein Teil der Fossilien auf einen tieferen Horizont der 
Triaskalke (*) hinweist, spricht ein anderer, größerer gewichtig für die 
Annahme eines höheren Horizonts, etwa der norischen Stufe (°). 


8. Im Dorfe HrastiSte selbst fand ich Diploporenkalk von 
ge!blicher Färbung, in welchem ein Teil der Diploporen dunkelgrau 
gefärbt erscheint. 

Verfolgt man diese Kalkzone weiter nach NW. über die Grenze 
der Karte hinaus, so findet man fortwährend solche meist weiße oder 
gebliche Kalke reich an Fossildurchschnitten (besonders Korallen 
und Spongien), so bei Gire dolnje und Bielosalici; dann kommt 
man zu der Lokalität Dragoradi, welche schon Bittner für 
norisch erklärt hat!). Es folgt endlich noch die Lokalität Gajine, 
die Bittner?) als mutmaßlich karnisch bezeichnet. 

Für die Mehrzahl der genannten Fossilfundstellen ist ein nori- 
sches Alter in hohem Grade wahrscheinlich, wenn auch das Faunen- 
bild ein anderes ist, als das der typischen norischen Hallstätter Kalke 
des Salzkammergutes. Bei den beiden bisnun reichsten l.okalitäten, 
nämlich HraSti$Ste und Dragoradi zeigt sich allerdings je eine 
hauptsächlich aus neuen Arten bestehende Fauna, die Anklänge an 


1) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 636. 
1 1, .c. Pag, Gib, 


634 Ernst -Kittl. . [120] 


tiefere und an höhere Triashorizonte besitzt. Auch ich halte die 
Fauna von Dragoradi eher für norisch als für älter. 

Mit demselben Rechte wird man aber auch die Fauna von 
HraSti$te und jene von Gazivoda für norisch erklären können. Es ist 
nicht ganz ausgeschlosen, daß selbst die Kalke von Gajine hier näher 
angeknüpft werden müssen ?). 

Bei der Altersbestimmung ist auch das weiter nordöstlich zu 
liegende, sich - unmittelbar anschließende Gebiet der Dachstein- 
kalke mit Megalodonten nicht ganz außer acht zu lassen, 
welches nun näher zu betrachten ist. Die Megalodonten, welche da 
vorkommen, stimmen völlig mit denjenigen des Echerntales bei 
Hallstatt sowie mit jenen von der BjelaSnica überein. Es scheint 
wieder eine ganze Zone zu sein, in welcher diese Megalodontenkalke 
vorkommen. Dieselbe würde der Mulde von Glasinac—Sokolac nord- 
östlich folgen. Solche sichere Megalodontenkalke fand ich bei 
Borovac, Lednica und Berkovaec sowie bei Pustoselo und 
(außerhalb des Gebietes der Karte) bei Kalina und Rijeta. 

Neben den Megalodontenkalken kommen in dieser Zone in 
ziemlich beschränkter Verbreitung und — so viel ich sah — auch 
unter denselben Dolomite vor, die etwa unseren Hauptdolomiten ent- 
sprechen können. Ich habe jedoch ihr Auftreten nicht als ein ganz regel- 
mäßiges feststellen können. In der nordöstlichen Ecke schneidet aber 
ein solcher ziemlich regelmäßig fortstreichender Dolomitzug das Gebiet 
der Karte. Ein anderes von dieser Zone getrenntes Vorkommen einer 
Dolomitbreecie fand sich am Osthange „Brezjak“ des Vihor, welches 
nordwestlich bis über Rajkovic sowie auch südöstlich fortzuziehen 
scheint. 


Den voranstehenden Betrachtungen über die Triasbildungen selbst 
sollen noch einige ergänzende topographische Bemer- 
kungen folgen, mit welchen die Erörterung der hier auftretenden 
Jüngeren Formationen vereinigt werden mag. 

Es wurde schon oben dargelegt, daß sich die Platte der Trias- 
kalke von der Romanja, wo sie am höchsten liegt, gegen NO. all- 
mählich senkt: In der Mulde Glasinac fällt das Terrain bis auf 
835 m, also unter den Boden des Quellbeckens der Mokranska Miljacka 
(558 m) herab. Die in ihrem südlichen Teile einem Polje ähnliche 
Senke „Glasinac* ist oberflächlich erfüllt von gelblichem Lehm, 
dem sehr bezeichnender Weise mehr oder weniger zahlreiche Horn- 

!) Zum Vergleiche sei noch an die Funde A. Bittuers vom Anstieg zur 
Seme( planina (bei Rogatica), und zwar östlich vom Seljano polje erinnert, von 
wo er („Grundlinien“, pag. 390) aus rötlichem Kalke anführt: 

Durchschnitte von globosen Ammoniten 
Megaphyllites sp. (cf. Am. Jarbas bei Bittner) 
Koninckina alata Bittner 
(in den „Grundlinien“ als Koninckina sp. angeführt, in Bittner, Brachiopoden der 
alpinen Trias, pag. 236 erst genauer beschrieben), dann von ebendort (Verhandl. d. 
k. k. geol. R.-A. 1881, pag. 28) als durch Baron Loeffelholz gefunden: 
Rhynchonella longicollis Suess. 


Dieses Vorkommen spricht Bittner mit Recht als obeririadisch an. 


[121] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 635 


stein- und Jaspisfragmente beigemengt sind. Dieser Lehm, welcher 
als Ausfüllungsmaterial von Mulden auch in größeren Höhen vorkommt, 
dürfte etwa diluvialen Alters sein und bildet hier keinen voll- 
ständig ebenen Boden, sondern die aus ihm bestehende Decke schmiegt 
sich den Unebenheiten des Bodens teilweise an, was auf die Art der 
Entwässerung des Beckens zurückzuführen ist. Zahlreiche Schlund- 
löcher sind stets bereit, die sich ansammelnden Niederschläge abzu- 
führen. Vergleicht man die Umgebung des Glasinac mit demselben, 
so ergibt sich, daß die wahrscheinlich diluviale Lehmdecke nicht alle 
Dolinen der Unterlage zu verhüllen vermochte. Kommt man zum 
Beispiel von Westen her zum südlichen Ende des Glasinae, so sieht 
man dort zahlreiche Dolinen der Triaskalke noch frei von Lehm, 
deren Umgebung aber schon verhüllt. Nach Norden zu hebt sich die 
Unterlage wie deren Lehmdecke, wobei aber namentlich auf der 
Westseite einzelne Dolinen eine Durchlöcherung der Lehmdecke be- 
wirken, ja selbst einzelne Kalkriffe von Dolinen durchbohrt empor- 
tauchen. Dabei muß es immerhin auffällig erscheinen, daß im östlichen 
Teile Quellen nicht gar so selten sind. Es mag das damit zusammen- 
hängen, daß hier unter der Lehmdecke graugrüner Tegel liegt, 
der auf der Karte als Neogen bezeichnet wurde, obgleich bisher 
bezeichnende Fossilien von dort nicht bekannt wurden. Es sind mir 
nur wenige und dabei recht ungenügende Aufschlüsse dieses Tegels 
zu Gesicht gekommen, nämlich: 
1. Nächst Gazivoda am Re$etnica potok bei der Kote 346. 


2. Unmittelbar südlich von Sokolac zwischen den zwei großen 
Kalkriffen. 

3. Der Straßeneinschnitt NW. der Kaserne Pod romanjom. 

4. Zwei Aufbrüche südlich von Pedise. 


Es ist vielleicht diese Tegelunterlage, welche das Auftreten des 
kurzen oberirdischen Laufes des Resetnicabaches ermöglicht. Bei 
Sokolac hat die Mulde Glasinae ihr Nordende erreicht, da hier die 
Hügel Puhovac und Meljaöa sie unterbrechen. Nordöstlich davon, un- 
mittelbar bei Sokolac erstreckt sich das schmale Sokolatko polje 
noch weiter nordwestlich bis Odzak gornje, von wo die Lehmdecke 
in sehr unregelmäßiger Begrenzung gegen PedisSe hinüberzieht, hier 
Mulden ausfüllend. Isolierte lehmgefüllte Mulden der Umgebung sind 
nordöstlich von Sokolae das Vidriöko polje und das Luboric 
polje, nordwestlich bei den Dörfern Borovac, Nehorie u. Ss. w. 

Noch einige Worte seien der triadischen Kalkunterlage 
und Umrandung der Glasinacmulde gewidmet. Südwestlich umgeben 
die Mulde vorherrschend lichte, rein kalkige Gesteine vom Typus des 
Dachsteinkalkes, bei Mrvidi und Vukosavljevidi treten graue Platten- 
kalke auf, südwestlich davon scheinen mehr dolomitische Kalke 
durchzuziehen, namentlich sieht man solche an der Straße Mokro- 
Sokolac, etwa am halben Wege mehrmals. Wie schon erwähnt, treten 
dieselben auch am Nordosthange des Vihor auf. Ziemlich reine Kalke 
ziehen von Pod Romanjom nordwestlich über Pedise und Sahbegovi£ fort. 

Die nordöstliche Ecke der Karte stellt ein Gebiet meist 
reiner Kalke dar, welche zwischen zwei Längsbrüchen liegen und im 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heit. (E. Kittl.) 86 


636 Ernst Kitt]. [122] 


nördlichen Teil Megalodonten führen, also als echte Dachstein- 
kalke bezeichnet werden können. An die Bruchlinie im NO. grenzt ein 
Dolomitzug. Der südwestliche Bruch aber wird durch eine zwar 
niedrige, aber fortlaufende Terrainstufe bezeichnet; die Orte Gazivoda, 
Sokolac, Odzak gornje, Bukovik liegen an derselben. Bei Bukovik bildet 
dieser Bruch die nordöstliche Grenze des einer Grabenversenkung 
gleichenden Breznicatales. Westlich von Sokolac liegen die schon 
erwähnten Hügel Puhovac und Meljada, die wohl auf der Nord- 
seite aus teils reinem, teils dolomitischem Kalke der Trias mit nord- 
östlichem Einfallen bestehen, aber auf der Südseite Mergel, Sandsteine 
und Jaspisschichten in zum Teil abweichender Lagerung aufweisen, 
welche Gesteine mit denjenigen der nordöstlichen Flyschzone Bosniens 
übereinstimmen. Ähnliche Gesteine liegen auch bei PediSe in einer 
Grabensenke bei der Quelle Zopor; östlich daneben taucht ein basisches 
Eruptivgestein auf. Braune Sandsteine, bunte Mergel, seltener Jaspise 
erfüllen wieder die vorerwähnte Grabensenke der Breznica. Auch hier 
erscheinen an der Ostseite kleine Aufbrüche basischer Eruptivmassen 
(Diabase?). Diese drei Vorkommnisse scheinen zusammen zu 
gehören und ihr Alter ist wohl jungmesozoisch, obwohl sie am 
Bruche von Bukovik unter die ebenfalls nordöstlich fallenden Dach- 
steinkalke einzuschießen scheinen. 

Noch zweier Vorkommen habe ich Erwähnung zu tun, welche 
sich wahrscheinlich diesen Flyschgesteinen anschließen. Das eine habe 
ich auf zwei von Sahbegovic aus südwestlich hin unternommenen Touren 
kennen gelernt. Schon in dem Dorfe Sahbegovic fallen die Bänke 
der schon erwähnten Triaskalke nach SSW.; wenn man über Palike 
gegen den Vihor ansteigt, findet man zunächst gegen SW. fallende 
dolomitische Kalke. Nachdem sich die Steigung auffällig ermäßigt hat, 
gelangt man noch unterhalb der Anhöhe Breziak plötzlich zu einem 
durchziehenden Sandstein. Es wäre nun — wenn dieser nachweisbar 
dem Triaskalke regelmäßig eingelagert wäre — zunächst an das Auf- 
treten eines dem Lunzer Sandsteine äquivalenten Triassandsteines zu 
denken, dem er trotz seiner bräunlichen Färbung nicht unähnlich ist. 
Fossilien fanden sich keine, wohl aber Quellen. Darüber folgten — 
schlecht aufgeschlossen — Kalke, weiterhin Dolomitbreceien und auf 
der Spitze des Vihor wieder Kalke mit wenig bezeichnenden Fossil- 
auswitterungen, sodann aber bei dem Abstiege zum Öeverski dol die 
ganz abweichend — und zwar SO. — fallenden charakteristischen 
roten Buloger Kalke mit Hornsteinknollen und einzelnen Fossilien, 
denen Graboviker Schichten aufliegen. Direkte Beweise für das Alter 
jenes Sandsteines fehlen; daß derselbe aber nach SO. weiterzieht, 
macht nicht nur die Terraingestaltung, sondern auch das damit ver- 
knüpfte, in der Karte angegebene Auftreten von Quellen wahrscheinlich. 
Nun hatte ich aber früher bei einer von Sahbegovic nach Rajkovi6i 
ausgeführten Tour gesehen, daß gar nicht weit von dem erwähnten 
Sandsteinvorkommen im Streichen gegen NW. graue Mergelkalke vom 
Aussehen der Flyschmergel auftreten. Ich habe deshalb diese beiden 
Vorkommen zusammengefaßt und als Flysch (älteren Flysch) ausge- 
schieden. Der Gesteinscharakter widerspricht dieser Annahme in keiner 
Weise und Lagerungsverhältnisse waren in beiden Fällen in dem Wald- 


[123] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 637 


terrain nicht zu beobachten. Ähnliche Schwierigkeiten stellte ein anderes 
Vorkommen der Beobachtung entgegen, welches am Nordostabhange 
gegen die Dubova dolina ebenfalls mitten im Waldterrain liegt. 
Zur Beurteilung desselben muß ich voranschicken, welche Verhältnisse 
hier nördlich außerhalb des Kartenrandes herrschen. 

Wenn man von Borovac aus nördlich geht, so deuten wohl ver- 
einzelte Brocken von Jaspis und Sandstein die Nähe anderer Schichten 
an, doch bewegt man sich immer noch in dem gewohnten Terrain 
der Trias-, respektive Dachsteinkalke, welche letzteren sich hier 
deutlich durch Megalodontendurchschnitte zu erkennen geben. 

Doch bald nachdem man den nördlichen Hang hinabgestiegen ist, 
tritt man aus dem Walde und erblickt ein breites Talbecken, links 
begrenzt von den regelmäßig fortstreichenden Abstürzen der Triaskalke 
längs des.BioSöicatales, rechts flankiert von den Dachsteinkalken 
des GareS, während im Hintergrunde ein Wechsel verschiedener Berg- 
formen neue Rätsel darbietet. Die sanften Formen der westlich von 
Knezina sich ausbreitenden Hügel erinnern an manche aus den Alpen 
gar wohl bekannte Landschaften. Untersucht man die Gesteine, aus 
denen sie bestehen, so findet man grobe bunte Konglomerate, Sandsteine 
und bunte Mergel, die sofort an die Ablagerungen der oberen Kreide in 
den Alpen — an die Gosaubildungen — erinnern. Fehlten auch 
noch charakteristische Fossilien, so blieb doch nach meiner Überzeugung 
die sichere Aussicht auf solche Funde für eine künftige genauere 
Untersuchung des sich nordwestlich hin erstreckenden Gebietes). 
Ob nun die Ausfüllung des Einbruches der Breznica als völlig gleich- 
alterig mit den petrographisch als oberkretazisch anzusprechenden 
Ablagerungen des Talbeckens von Knezina anzusehen sei, darüber 
können wohl erst genauere Untersuchungen bei Knezina Aufschluß 
geben. Eine enge Beziehung beider Talausfüllungen zueinander darf 
aber auch jetzt schon angenommen werden. Neben dem schon er- 
wähnten, im Dachsteinkalke eingefurchten Tale des Quellbaches der 
Biosdica zieht sich eine Zunge von Kreidebildungen gegen Berkovac. 

Wenn man hier im Walde in südöstlicher Richtung geht, trifft 
man auf dunkle Jaspise, die da wohl anstehen müssen, so aus- 
schließlich kommen sie eine ziemliche Strecke weit, und zwar bis in 
die Nähe der Lednica vor, wo wieder Dachsteinkalk mit Megalo- 
donten auftritt, der augenscheinlich auch die Höhenrücken ringsum 
einnimmt. Dieses Jaspisvorkommen bei Berkovac glaube ich den jung- 
mesozoischen Gesteinen des Breznicatales anreihen zu sollen. 


11. Das Filyschgebiet nördlich von Sarajevo. 


Zwischen Vogosda im Süden, VareS im Norden sowie zwischen 
Sutjeska im Westen und der Gegend von Cevljanovid im Osten 
breiten sich jungmesozoische Bildungen von Flyschcharakter aus, welche, 


1) Wie ich aus F. Katzers „Führer“ (pag. 25) ersehe, sind auch in der 
Tat seither Actaeonellen- und Nerineenbänke in der Gegend des Kraljevo polje 
S. von VlaSenica gemacht worden, die an ähnliche Funde Bittners bei Viegrad 
(Grundlinien, pag. 239) erinnern. 
86* 


638 Ernst Kittl. [124] 


nach den vorliegenden Berichten von C. M. Paul!), E. Tietze?) und 
F. Katzer?°) zu urteilen, mit denjenigen des großen nordbosnischen 
Flyschgebietes übereinzustimmen scheinen. Eruptive Bildungen nehmen 
indessen — soviel bis jetzt bekannt ist — in dem Flyschgebiete zwischen 
VogoSca und Vare$ keinen wesentlichen Anteil an dem Aufbau der 
Schichten ; nur an den von Brüchen begleiteten Rändern im Osten und 
Norden erscheinen ziemlich untergeordnet an Anzahl und Größe alte 
Eruptionsstellen ®). Nur ein kleiner Teil dieses Gebietes liegt auf unserer 
Karte. Als älteste Gesteine habe ich graue, rote und bunte Mergel mit 
Jaspisschichten angesprochen, über ihnen liegen Sandsteine und Mergel, 
die letzteren Fucoiden führend, also echte Flyschgesteine, welche 
mit den älteren räumlich verbunden erscheinen. Eine genetische Ver- 
knüpfung ergibt sich aber vielleicht auch durch das Auftreten von dünnen 
Hornsteinbänken oder von Jaspisknollen in sonst durchaus. als Flysch 
zu charakterisierenden Bänken, wie man sie zum Beispiele am Ober 
und im Ljubinatale bei Gora vorfindet. So sind also die Flyschschichten 
unseres Gebietes und wohl auch, wie es scheint, ganz Nordostbosniens 
zum Teil oder ganz durch das Auftreten von Jaspis oder Hornstein 
charakterisiert. Außerdem treten ganz lokal Konglomerate und Kalk- 
breccien als Grenzbildungen auf, deren Alter vielleicht nicht durchweg 
das gleiche ist. Es empfiehlt sich wohl, für die gut charakterisierten 
Gesteinstypen Lokalnamen zu verwenden, wofür ich folgende be- 
nützen möchte: 


a) Gevljanovicer Schichten oder ÜOevljanovicer Mergel 
für die roten und bunten, wohl auch grauen Mergel mit Jaspisschichten. 
Sie sind in der Umgebung von Cevljanovic vielfach als direkt den 
Triasbildungen auflagernd zu beobachten. 


b) Stavnia-Schichten oder Stavnia-Breccien für die haupt- 
sächlich aus Kalktrümmern bestehenden Gesteine, welche im Stavniatale 
zum Beispiel mächtige Einlagerungen im normalen Flysch bilden. 


c) VogoSdaer Schichten für die normalen Flyschbildungen, 
die nur spärlich Jaspis oder Hornstein führen, wie sie zum Beispiel 
am VogoScabache so wohlentwickelt sind. 

Während man die VogoSdaer Schichten als wesentlich 
oberkretazisch betrachten darf, da sie — abgesehen von den 
Hornsteineinschlüssen — mit dem oberkretazischen Flysch Österreichs 
petrographisch auf das genaueste übereinstimmen, so erinnern die Oevl- 
janovicer Schichten zunächst an die oberjurassischen und 
unterkretazischen Aptychenmergel Österreichs. Während die 
erstere Altersparallelisierung immerhin als recht zutreffend erscheint, 
aber durch paläontologische Funde noch nicht vollständig erhärtet ist, 
so bleibt für das Alter der Öevlanovicer Schichten ein beträchtlicher 


1) C. M. Paul, Beitr. z. Geol. d. nördlichen Bosnien. Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A., XXIX. Bd. (1879), pag. 759 u. £. 

?) E. Tietze, Grundlinien, pag. 101 u. f.; vgl. auch pag. 34. 

») F. Katzer, Geolog. Führer durch Bosnien und die Hercegovina (1903), 
pag. 24 u. f. 

#) Die bei Öevljanovid hat B. Walter (Erzlagerstätten Bosniens, pag. 49. u. 54), 
jene bei Vare$ aber F. Katzer (Das Eisenerzgebiet von Vare$, Berg- und Hütten- 
männ. Jahrb. d. Bergak., XLVIII. Bd.) beschrieben, 


[1 25] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie) 639 


Spielraum offen. Wenn nämlich ein großer Teil derselben in der Tat 
dem oberen Jura und der unteren Kreide zufallen sollte, wie ich es 
für recht wahrscheinlich halte, so erübrigen noch die an anderen 
Stellen ausführlicher erwähnten Funde von Liasammoniten zu berück- 
sichtigen, welche in petrographisch ebensolchen Gesteinen vorkamen, 
die also wenigstens für einen Teil der ÖOevljanovicer Schichten ein 
Liasalter in Anspruch nehmen würden. Mit Erfolg wird man an eine 
definitive Gliederung und Altersfestsetzung der ganzen sogenannten 
Flyschserie Bosniens erst dann herantreten können, bis eine Reihe 
von solchen Fossilfunden vorliegen wird, welche eine sichere Paralleli- 
sierung mit bekannten Formationen erlauben wird. 

Das zuerst zu erörternde Flyschgebiet N. von Sarajevo 
kann als das des Ljubina- und Vogosdabaches bezeichnet werden: 
es ist das bedeutendste von allen auf dem Kartenumfange liegenden 


Fig. 23. 
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Profil dureh die Flyschketten nördlich von Sarajevo. 


1. Werfener Schichten, — 2. Triaskalk. — 3. Kalkbreceie,. — 4. Flysch., — 
5. Neogen. — m Flyschmergel. 


Flyschvorkommnissen und ist morphologisch so eigenartig gestaltet, 
daß zunächst dieses Verhältnis besonders besprochen werden muß, 
Südlich an das jungtertiäre Becken anstoßend, östlich bis zum 
Bukovik reichend, entsendet es eine um den Bukovik nördlich herum- 
biegende, bis in die Südhälfte des Gebietes der Ozren planina reichende 
tiefe Bucht, deren ehemalige weitere Erstreckung bis in die heutige 
KostreSa planina durch eine Reihe von isolierten Vorkommnissen 
angedeutet wird. Im Unterlaufe der Bäche Ljubina und Vogosca 
zeigen sich quer auf das dinarische Streichen gerichtete 
(von SW.nach NO. verlaufende), regelmäßig gestaltete Kämme und Täler, 
die mit dem Schichtstreichen übereinstimmen. (Vgl. Fig. 23.) Nördlich 
von Bukovik taucht die Triaskalkinsel der Brezova glava aus dem 
Flysch empor, am Ostende der Flyschbucht ragen Triaskalkriffe mit 
dem dinarischen Streichen aus den Flyschgesteinen heraus, Die 
kleineren isolierten Flyschpartien östlich und südöstlich von der 


640 Ernst Kitt). [126] 


Flyschbucht, nämlich auf der Rosöija greda, bei Kulauzovid, bei 
Krsulj, am Bukovik, und W. von Glog erscheinen als zweifellose 
Wahrzeichen einer ehemaligen weiteren Ausbreitung der Flyschgesteine 
in der beiläufigen Richtung der Ozrenbucht und wohl auch noch 
gegen Süden hin. 

Betritt man das große Flyschgebiet vom Neogenrande bei Vlagije 
aus, so findet man neogene Strandbildungen, und zwar kalkige Ge- 
steine mit zahlreichen Fragmenten älterer Gesteine, verquert gegen 
den Ober zu die schon erwähnte Zunge von Triasgesteinen, die zwar 
meist heller rötlich gefärbt sind, aber doch die charakteristischen 
Fossilien der Buloger Kalke führen, und bald danach oberhalb Poljine 
die Flyschgesteine. Nur eine kleine Scholle von Süßwasserkalk liegt 
noch mitten im Flysch südlich der Spitze des Ober. Von da aus hat 
man einen prächtigen Ausblick auf die oberen Verzweigungen des Tales 
von Nahorevo, längs welcher das Flyschgebiet in östlicher Richtung 
gegen Mo£iodi zu in spitzem Winkel in das Triasgebiet eingreift, sowie 
auf die das Flyschterrain umrandenden jähen Abstürze der Triaskalk- 
massen. (Siehe Fig. 16 auf pag. 611.) Die Flyschschichten, welche am 
Rücken des Ober zunächst ein südöstliches Einfallen zeigen, scheinen 
hier stellenweise geringe Einschaltungen von Hornstein zu besitzen. 
Manche Schichtflächen weisen verkohlte Reste mazerierter Pflanzen- 
fragmente auf, wie wir sie aus dem österreichischen Flysch als 
„Kohlenspreu“ kennen. In den Mergeln, welche mit den Sandsteinen 
häufig abwechseln, fehlen nicht die bekannten Flysch-Chondriten, 
obwohl sie hier ziemlich selten sind. Im Nahorevotale herrschen selbst- 
verständlich dieselben Verhältnisse, nur fallen da, wie in dem ganzen 
in das Triasgebiet einspringenden Winkel, die Schichten rein östlich 
und scheinbar unter die Trias hinein. Der ganze sich an den Ober 
anschließende Rücken „Bielosava“ zeigt nahe den Triaskalken des 
Bukovik eine etwas mächtigere Folge von Mergelkalken, die, indem 
sie sich dem Triasgebiete nähern, mehr und mehr bunte Jaspis- und 
Hornsteinfragmente aufnehmen, die vielleicht aus den triadischen 
Jaspisbänken stammen, da dort solehe sehr häufig sind. Das am Ober 
beobachtete Südostfallender Flyschbänke zeigt sich in gleicher 
Weise im VogoScatale, sowie auf dem Rücken des Tihovicberges, des 
Debelo brdo und der Ljubina strana. Dieses Einfallen hält an 
bis in die Gegend von Perta mala!), wo eine Faltung der gleich fort- 
streichenden Schichten zu beobachten ist, die bald endgiltig einem steten 
Nordwestfallen Platz macht, was vielleicht mit dem Emportauchen einer 
vom Bukovik abgesunkenen Triasscholle zusammenhängt, hinter welcher 
südöstlich eine Flyschzunge am linken Hange des sich gegen O. um- 
biegenden VogoScabaches hineinzieht. Das Ljubinatal scheint von 
den bisher erwähnten parallelen Ketten durch eine Dislokation getrennt 
zu sein, da an den rechtseitigen Hängen desselben von unten bis 
etwa UliStovice hinauf ein nordöstliches Einfallen der Schichten als 
herrschend sich einstellt. Unter den Abstürzen und Steilhängen der 
plötzlich auftauchenden Triasscholle der Brezova glava (vgl. Fig. 25), 
wo fast nur graue Mergelkalke vorkommen, wendet sich das Schicht- 


‘) Wohl ursrprünglich Perca mahala (= Pertaweg). 


[127] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 641 


fallen in ein östliches um. Wie aus den Darstellungen des folgenden 
Abschnittes erhellt, liegt hier eine nordsüdlich streichende 
Bruchfaltung vor. 

In der NW.-Ecke des Blattes finden sich die stark veränderten 
dolomitischen Kalke des Felsens Hum (wohl Trias) umgürtet von 
Breccien und Konglomeraten. Im Tale des Zonik potok, südlich 
davon erscheinen als Unterlage des Flysch rote Mergel und Jaspise. 


Fig. 24. 
Hum. Zonik potok. Sv. Dia. Ljubina potok. 


Profil Hum—Ljubina. 


35 Cevljanovider Schichten. — 2. Kalkbreccien. — 3. Flysch (Vogos6aer Schichten). 
r Rauchwacke, Dolomit und Kalk. 


Die Flyschbänke enthalten dann recht mächtige und im Terrain überall 
auffällig hervortretende Kalkbänke, die in drei Komplexen bei vor- 
herrschend östlichem Einfallen durchziehen, wie auf der Karte und 
der nebenstehenden Fig. 24 angegeben ist. Am Nordrande des Gebietes 
stauen sich ihnen gefaltete Flyschschichten bei SSW.—NNO.-Streichen 
entgegen, welches Verhalten bis zum Ljubinabache am Nordrande 
des Gebietes anhält. 


12. Die Ozren planina. 


Tektonisch recht verwickelt ist das Gebiet der vielgenannten 
Özren planina. Daher findet man auch hier eine ganz merkwürdige 
Verteilung der Gesteine vor. Unvermittelt tauchen hier aus dem Flysch- 
terrain Triasberge oder parallele Züge solcher empor, an einer anderen 
Stelle wieder solche Triasschollen in wiederholtem Wechsel mit 

evljanovider Schichten, erst im O. scheinen einfachere Verhältnisse 

überhand zu nehmen, wo die Triasgebilde herrschend werden. Im 
Mittelpunkte steht der Ozren selbst, in ınehrfacher Hinsicht Rätsel 
darbietend. Unsere Betrachtungen sollen im W. mit der Brezova 
glava beginnen. 

Von Srednje im Ljubinatale nach OÖ. ansteigend, verquert man 
zuerst normale Flyschschichten, dann graue OÖ. fallende Kalkmergel, 
die beide südlich und nördlich fortziehen. Es folgen dann steil aufge- 
stellte Triaskalke, deren den Schichtflächen beiläufig entsprechende 


642 Ernst Kittl. [1 28] 


Wände recht auffällig schon im Ljubinatal zu sehen sind. Zuerst trifft 
man auf rote Knollenkalke (Starygrader Schichten), dann auf 
weiße, stellenweise rötlich gefärbte Kalke, die im letzteren Falle Horn- 
steine führen. Auf der Höhe treten gelbliche Sandsteine und mehr graue 
Sandsteinschiefer hervor. Die ersteren zeigen Abdrücke von @ervilleia, 
Anodontophora und anderen Zweischalern, während letztere Turbo 
rectecostatus Hau. und Naticella costata Mstr. erkennen lassen, so daß 
hier also beide fossilführenden Horizonte der Werfener Schichten 
vertreten sind. Die tieferen Quarzite liefern besonders auf den Feldern 
von Rasdole, wo ein zweiter Aufbruch der Werfener Schichten liegt, 
Stücke mit Fossilienabdrücken, während ich die Gastropodenschichten 
nur westlich von der Spitze der Brezova glava sah. Die Werfener 
Schichten der Brezova glava stellen einen ganz isolierten Aufbruch 
dar, der rings von ihnen aufliegenden Triaskalken !) umgeben ist, 


Fig. 25. 


Ljubina. Brezova glava. Visovica. 


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7 ZA, Aa a 2% Er SI, o 
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ad ” 


| 
Profil durch die Brezova glava. 


1. Werfener Schichten. — 2. Riffkalke des Muschelkalkes. - - 3. Rote Knollenkalke 
und Jaspise. — 4. Oberer Triaskalk. — 5. Öevljanovider Mergel. — 6. Flysch- 
sandstein und Mergel (VogoS@aer Schichten). — 7. Kalkmergel. 


deren Schollen gegen das Ljubinatal steil abstürzen, also wohl durch 
einen Bruch von großer Sprunghöhe in diese Stellung gebracht 
worden sind. Ob die westlich an der Basis der Kalkwände scheinbar 
unter dieselben einfallenden Mergelkalke in normaler oder über- 
kippter Stellung sind, ließ sich nicht ermitteln. Bei SeliSte fand sich 
ein graues, tuffähnliches Gestein, das wohl mit den Eruptivstöcken des 
Öevljanovider Gebietes zusammenhängt 2). Obgleich nun die Triaskalke 
von der Brezova glava nördlich bis über den Rala potok hinaus- 
reichen, so erfolgt das doch nicht in kontinuierlicher Art, sondern es 
sind die Triaskalke mehrfach durch aufgelagerte oder ihnen einge- 


' Nördlich von der Spitze erscheint auch Dolomit. 

®) Es folgen dann im Raca potok zwei kleine Aufbrüche von Melaphyr ähn- 
lichem Gesteine, ferner ein solches Vorkommen bei Medojevic, dem sich jene von 
Gojenovid und Jvandie anschließen. 


[129] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 643 


schobene Schöllen älterer Flyschbildungen (Mergel von grauer und roter 
Farbe, Jaspise etc.) unterbrochen. Selbst VogoSdaer Schichten fehlen 
nicht ganz. Eine von Vuknjada über Vilic in SW.—NO.-Richtung 
verlaufende Grenzlinie schneidet jedoch alle diese Bildungen scharf ab, 
jenseits welcher die Triasgesteine des Ozren, insbesondere zunächst die 
hier mächtig entwickelten Quarzite der Sarajevoer Sandsteine einsetzen. 

Zwischen dem Bukovik im S. und der Brezova glava im N. zweigt 
die schon erwähnte Flyschbucht der NebeSna und Vjeterna gla va 
nach O. ab. An ihren Rändern lassen sich fast überall Öevljanovicer 
Mergel und Jaspise beobachten, so bei Travnjak und Vuknja6at), 
bei SuSica, am Wege von Han Toplica auf den Ozren u. s. w. Auch 
einzelne grobklastische Bildungen sind am Rande der Bucht zu be- 


Fig. 26. 


Vranj stiena. Crni vrh. Bukovik. 


Das obere Vogoscatal von Jasekavice aus. 


obachten. Ich nenne von diesen nur den Hügel NW. von Vuknjada, 
der aus Kalkbreecien besteht, die mit Flyschmergeln in Verbindung 
treten, dann die Gegend nördlich vom Slema bei Han Toplica, wo 
ähnliche Breceienbildungen auftreten mit Kalktrümmern verschiedener 
Färbung und Jaspisfragmenten ?). Das herrschende Einfallen in der 


1) Von Vuknjada aus treten diese Gesteine mit den angeführten Schollen 
derselben am Nordosthange der Brezova glava in Verbindung. 

2) Diese Stelle ist: vielleicht der Fundort des Liasammoniten, den B. Walter 
bei Han Toplica gefunden haben soll und den F. Wähner als Arietites cf. Seebachi 
Neum. bestimmt hat. Das Fossil liegt in rotem, aus Jaspis und Kalkmergel be- 
stehendem Gestein eingeschlossen, 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 58. Band 4. Heft. (E. Kittl.) 87 


644 Ernst Kittl. [130] 


Flyschbucht ist ein nordöstliches. Das VogoScatal, welches sich 
bei Per&a velika nach O. umbiegt, scheidet von Papratina an 
die Triasberge des Bukovik und Crni vrh ven ihren nördlichen und 
nordöstlichen Vorlagen. Unmittelbar nördlich des Bukovik, der hier 
den vielgenannten Wasserfall Skakavac zeigt (vgl. Fig. 26), breitet 
sich hier jenseits der tief in Kalk und Dolomit eingeschnittenen 
malerischen Schlucht des VogoS6abaches über den Dolomiten bei Jase- 
kavice, die oberflächlich sanft undulierte Flyschdecke aus, während 
zwischen deren östlicher Fortsetzung und dem Crni vrh sich einige nord- 
östlich fallende, also dinarisch streichende Schollen von Triaskalk ein- 
schieben, deren bedeutendste die Vranj stiena ist. Von dem Dorfe 
Jasekavice aus hat man einen prächtigen Ausblick auf dieses ganze 
Gebiet. Gegenüber, jenseits der Schlucht zeigen sich (siehe Fig. 26) der 
Bukovik und der Crni vrh; ersterer mit seinem stufenförmig abge- 
sunkenen Nordhange, an dem infolge der Absenkungen die Werfener 
Schichten zweimal zum Vorscheine kommen, während zwei der dislo- 
zierten Kalkschollen den Skakavacwasserfall einschließen. Der Croi vrh 
sowie die ihn begleitenden Kuppen zeigen erst in der Höhe die schroffen 
Formen der Kalke, während die davor liegenden Abhänge vorherrschend 
aus Werfener Schichten, zum Teil auch aus Flysch !) gebildet sind. 
Ganz links sieht man noch die Kalkscholle der Vranj stiena. Der 
Vordergrund ist aus Kalkmergeln gebildet (Öevljanovider Schichten ?), 
die den Dolomiten der tief eingerissenen Schlucht aufliegen. Diese 
Dolomite halte ich für obertriadisch, da die unteren kalkigen Gebilde, 
wie am Bukovik zu ersehen ist, nicht dolomitisch ausgebildet sind. 
An den Nordwesthängen des Bukovik sah ich an zwei Stellen weiße 
kristallinische Kalke 2), welche ich von den übrigen Kalkmassen nicht 
zu trennen vermochte. Dieses Vorkommen sowie ein ähnliches am 
Özren ist vielleicht als Kontakterscheinung oder als eine Folge von 
Druckwirkung zu erklären. 

Der Vordergrund des Ausblickes von Jasekavice zeigt nur die 
mittlere der drei dort vorhandenen vom VogosScatale abzweigenden 
Dolomitschluchten mit den oben aufgelagerten SW. fallenden Flysch- 
bänken. An dieser Stelle bestehen die tiefsten über dem Dolomit 
liegenden Bänke aus rötlichen Mergelkalkplatten, die dann 
von grauen Mergelkalken und endlich zu oberst von gewöhn- 
lichem Flysch überlagert werden. Weiter westlich sah ich bei 
NW.-Fallen gleich Mergel mit eingeschlossenen Hornsteinfragmenten 
als liegendste Schichte der Flyschserie, wie am Aufstiege vom Flysch- 
rücken oberhalb Papratina zum Kalkplateau des Bukovik. 

Im Gegensatze zu dem ganzen Gebiete der Ozren planina, 
deren Begrenzung ziemlich willkürlich angenommen werden kann, trägt 
eine Bergspitze den Namen „Özren“ im engeren Sinne, in 
welchem ich den Namen Ozren auch wiederholt gebrauche. Es wurde 
schon des Querbruches erwähnt, welcher den Ozren gegen W. hin scharf 
begrenzt. Gegen S. kann man als orographische Grenze das SuSicatal 


!) Diese Gesteine mögen wohl hier eine etwas größere Verbreitung haben, als 
auf der Karte angegeben ist. 

2) Auf dieses Vorkommen wurde ich von Herrn Oberbaurat Dr. J. Kellner 
zuerst aufmerksam gemacht. 


R 31] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 645 


annehmen, während der Geologe die höher gelegene dazu parallele 
Flyschgrenze vorziehen wird. Im NO. ist der Si& potok als Grenze 
des Ozren anzusehen, während eine scharfe östliche Grenze nicht 
vorhanden ist. Die Unterlage des Ozren bilden die aus dem Gebiete 
der Crna rieka herüber streichenden Werfener Schichten. welchen 
ein langer OW. streichender Kalk- und Dolomitrücken aufgesetzt 
erscheint, der von seinem Kulminationspunkte Ozren gegen NW. hin 
einen Ausläufer entsendet, die Bozova glava. Von der Ozrenspitze 
gehen daher gegen W., respektive NW. zwei Kalkrücken aus, die 
vielfach neben Kalk auch Dolomit zeigen. Unter der Ozrenspitze 
südlich an dem viel benützten Reitwege steht der weiße kristallinische 
Kalk an, der schon erwähnt wurde. Von hier aus westlich zieht eine 
Zunge von Werfener Schichten zwischen dem Kalke und der Flysch- 
grenze über die Wiese Karica Cair bis gegen Vuknajata. 

In der tiefen Talmulde. welche auf der Generalstabskarte den 
Namen Kate zeigt und die bis über den westlich gerichteten Ober- 
lauf des Sokolina potok reicht, sieht man nur Quarzsandsteine, 
welche ich als Sarajevoer Sandstein ansprach, und hellrote Jaspise, 
die etwa in der Mitte des Waldpfades von Vuknjala nach Vili@ mitten 
im Sandstein ziemlich massenhaft auftreten. Ihr Ursprung ist völlig un- 
geklärt. Das Einfallen der Quarzite wurde als ein westliches beobachtet. 
Nachdem man den Ausläufer des nördlichen Dolomitrückens über- 
schritten hat, gelangt man in ein ähnliches Gebiet von Werfener 
Schichten, das sich vom Dorfe Viliö@ bis zum Si® potok erstreckt 
und Ausläufer einerseits in die Talmulde des alten Han Si@, anderseits 
nordwestlich weit über Medojevic hinaus entsendet. An den südlichsten 
Punkten dieses wieder hauptsächlich aus Sarajevoer Sandsteinen be- 
stehenden Gebietes von Werfener Schichten fand ich in den zum Ozren 
hinaufziehenden Schluchten auch rote Sandsteinschiefer. Demselben 
Aufbruche der Werfener Schichten ruhen einige Schollen jüngerer 
Gesteine auf. Nördlich von Vili& im Flyschgebiete treten mit Jaspis- 
bänken verknüpfte Tuffsandsteine, die Glaukonitkörner führen, 
auf, welche an einer Stelle nahe bei Vilic auf die Werfener Schichten 
übergreifen. Weiter nördlich liegt ein Jaspiszug, der wohl ähnlichen 
Ursprunges ist, wie auch die kleine Flyschscholle östlich von Vilie. Im 
Tale am Siö potok liegt noch ein kleines Kalkvorkommen mit 
Fossilauswitterungen. Es finden sich an dieser Stelle graue Kalke mit 


Cidaris Roemeri Wissm. Waldheimia? sp. 
Cidaris sp. Retzia? sp. 
Enerinus cf. cassianus Laube 


und Ammonitenfragmenten. Aus diesen spärlichen Funden wird man 
ein ladinisches oder ein Muschelkalkalter für wahrscheinlich annehmen 
können. Weitere glückliche Funde an dieser Stelle dürften eine genauere 
Horizontbestimmung ermöglichen, wenn dem bei der Isoliertheit der 
Scholle auch keinesfalls eine größere Bedeutung wird zugeschrieben 
werden können. 

Der Kalkrücken der Bozova glava besteht vorherrschend aus 
Dolomit und gewährt einen unerwartet schönen Ausblick auf die 
westlich darunter liegende, dicht bewaldete Talmulde des Sokolina 

87* 


646 Ernst Kitt]. [132] 


potok (Kate) sowie auf die dahinter liegende Landschaft mit der 
Brezova glava. An der Stelle, wo sich der Kamm gegen die Ozrenspitze 
zu wendet, liegt ein beschränktes Roteisensteinvorkommen. An dem Wege 
von Han Ozren nach Han Si aber sind die Manganerzgruben des 
Özren, wo in Taggruben, die beliebig geöffnet und wieder zugeworfen 
werden, durch Bauern eine Art Raubbau getrieben wird. Die Unterlage 
der Manganerze sind Jaspise; in deren unmittelbarer Nachbarschaft 
sieht man bräunliche bröckelige Kalke und Dolomite. Irgend ein klarer 
Aufschluß ist mir trotz wiederholten Besuches der Gegend nicht unter- 
gekommen. 

Die Triaskalke des Ozren setzen sich — südlich von den Werfener 
Schichten am Oberlaufe des Ceresnica potok, dann von dem 
letzteren Bache selbst begrenzt — in einem Bogen bis Kulauzovic 
fort, wo sie wieder durch Werfener Schichten unterbrochen werden. 
Sie reichen aber nördlich über Han Palika, dann die Bergkuppen 
Silak und Lipnik hinaus, außer der Karte das Gebiet des Lipnik- 
forstes einnehmend und bis über Cevljanovic hinaus fortziehend. Fossil- 


funde liegen aus diesem ganzen Kalkgebiete — von undeutlichen 
Fig. 27. 
Crna rieka. Kulauzovic. Öeresnica potok. 
> N 


Profil bei Kulauzovic. 


1. Werfener Schichten. — 2. Riffkalk des Muschelkalkes. — 3. Flysch: Vogo&daer 
Schichten am Crna rieka, Cevljanovicer Schichten bei Kulauzovic. 


Auswitterungen abgesehen — keine vor. Eine gewisse Abwechslung 
ergeben die Hornsteinzüge, die wohl den Grakoviker Schichten ent- 
sprechen mögen. Das Einfallen ist vorherrschend nordöstlich. Bei 
Sirovine ist es aber schwebend bis NW. 

Bezüglich des Han Palike sei noch beigefügt, daß dort wohl 
auch eine Scholle von Cevljanovider Mergeln liegen dürfte, sowie ein 
kleiner Aufbruch eines Eruptivgesteines, welche jedoch auf der Karte 
des nur als gering beobachteten Umfanges und der ungeklärten 
Lagerungsverhältnisse wegen nicht eingetragen erscheinen. 

Am Südostende der Kalkmasse des Lipniker Forstes bei Kulau- 
zovi6 zeigt sich obenstehendes Profil. (Siehe Fig. 27.) 

Danach sind hier drei nebeneinander liegende Längsbrüche, 
die sich aus der mehrmaligen Wiederholung derselben Schichten er- 
kennen lassen. Von besonderem Interesse sind die Flyschvorkommnisse, 
insbesondere die Cevljanovicer Schichten sowie das Auftreten von 
Manganerz, von welch letzterem ich durch Herrn Berghauptmann 


[133] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Geologische Topographie.) 647 


Grimmer Nachricht erhielt. Aufschlüsse, die ein Urteil über das 
Vorkommen gestattet hätten, sah ich nicht. Die relativ zahlreichen dort 
vorkommenden Stücke von Erz lassen ein Anstehen desselben vermuten. 

Die schon mehrmals genannte Flyschbucht wird gegen Osten 
durch die aus Triaskalk bestehenden Anhöhen Roscia greda und 
Slema abgegrenzt, doch zieht sich im Norden davon schon nahe 
dem Ozren ein dem Triaskalke aufliegendes Vorkommen einer Breceien- 
bildung in Verbindung mit Jaspis und Mergel von der Anhöhe 
Ovniak östlich und steigt dann in das Tal der Crna rieka hinab, 
wo es unterhalb des Dorfes Vrhovina in einer isolierten Scholle 
liegt. Nördlich vom Dorfe zeigt sich nur noch ein kleiner Felsen von 
Triaskalk inmitten der Werfener Schichten, die sich hier ausbreiten. 
Auch östlich von der Roscia greda trifft man auf dinarisch streichende 
Züge von Jaspis und Mergel, welche mit grauen Kalken zu wechseln 
scheinen, was aber wohl auf wiederholte Absitzungen eines einzigen 
Systems zurückzuführen sein wird. Tiefer findet man nur Jaspis 
allein den Werfener Schichten aufgelagert. Am Bache selbst sind 
zahlreiche Jaspisgeschiebe massenhaft angehäuft. Südöstlich in der 
Umgebung von Rupe sind Werfener Schichten fast ausschließlich 
herrschend; nur einige Schollen hellen Riffkalkes, welche den 
Barjak brdo bilden, liegen ihnen auf. Südlich von den Werfener 
Schichten von Rupe liegt ein ostwestlich streichender schmaler Kalk- 
zug, welcher aus der Vereinigung der Kalkzüge der Vranj stiena 
bei Han Toplica hervorzugehen scheint und von da bis in die 
Nähe des Barjak brdo reicht, wo er sich ausspitzt. 

Das in einem kurzen Quertale liegende Han Toplica ist 
durch Funde von Halobien bekannt geworden. Diese Fossilien 
kommen dort in losen Blöcken vor, welche aber so massenhaft auf- 
treten, daß an dem Anstehen dortselbst nicht gezweifelt werden 
kann. Das Vorkommen wurde von B. Walter entdeckt und seither 
wiederholt ausgebeutet, so 1892 von Fr. Wähner, 1893 und 1894 
von mir selbst. Trotzdem also eine beträchtliche Quantität fossil- 
führender Stücke vorliegt und diese wahre Halobien-Lumachellen 
darstellen, indem sie mit Ausschluß aller anderen Fossilien nur aus 
Halobien bestehen, sind diese letzteren doch zum größten Teile nur 
Brut- und Jugendgehäuse, welche einer Bestimmung schwer zugänglich 
sind. Es scheint ein Teil der dort vorkommenden Formen der ober- 
triadischen Halobia salinarum Bronn nahe zu stehen. 

Südlich von dem letzterwähnten Kalkzuge, welchen ich als den- 
jenigen von Han Bludna ravan bezeichnen will, verläuft dem- 
selben parallel ein von den Nordostabhängen des Bukovik und des 
westlichen Crni vrh?) herüberkommender Aufbruch von Werfener 
Schichten, der sich östlich mit den schon erwähnten Werfener Schiefer- 
Gebieten von Rupe und vom Crna rieka zu einem einzigen breiten 


1) Diesen selbst auf unserem Kartengebiete mehrfach vorkommenden Namen 
tragen hier zwei nebeneinander liegende Berge, die durch die Wiese „Vudja luka“ 
getrennt sind. Crni vrh gibt es auf dem Kartengebiete noch mehrere zum Beispiel 
bei Ozerkovici N., bei Sahbegovi6 W., bei Vukosavljevic O., an der Miljacka rieka 
(Kavala), am Nordostrande der Romanja, bei Han Obodjas NW. und bei Stupan 
SO. Fast noch zahlreicher ist der Name Debelo brdo vertreten. 


648 Ernst Kitt). [134] 


Bande, das sich in südöstlicher Richtung über die Devina planina 
mit den gleichen Schichten der Mokroer Mulde vereinigt. Bei 
Kulauzovi&G geht ein Zweig von Werfener Schichten nördlich, den 
ich über die Kartengrenze bei Sirovine und an Han Plo&nik 
vorbei bis Sudici verfolgt habe. 


VI. Tektonische Übersicht. 


Bei dem Unternehmen, eine Übersicht der tektonischen Ver- 
hältnisse der Umgebung von Sarajevo zu gewinnen, muß man wohl 
etwas weiter ausgreifen, um das Allgemeine von den lokalen Einzel- 
heiten trennen zu können. Wenn dabei auch die genauere Kenntnis 
des zu betrachtenden Gebietes in hohem Grade erwünscht wäre, so 
steht dem der bedauerliche Umstand entgegen, daß von älteren Arbeiten 
in dieser Hinsicht sehr wenig vorliegt!). Ich war daher bezüglich 
der Nachbargebiete so ziemlich auf meine eigenen Erfahrungen ange- 
wiesen, die ich auf Orientierungstouren außerhalb meines Aufnahms- 
terrains gewonnen habe. In einzelnen Fällen mußten daher Kombi- 
nationen an Stelle positiver Beobachtungen treten. Insbesondere ist 
das der Fall bei dem Gebiete nördlich von der Linie Odevja?)— 
Olovo—Knezina, ferner bei der Öemerna und deren Umgebung sowie 
bei einem großen Teile des Südrandes des in Fig. 28 dargestellten 
Ubersichtskärtchens. Indessen glaube ich trotzdem die dort herr- 
schenden Verhältnisse wenigstens der Hauptsache nach erfaßt zu 
haben; es wird Aufgabe genauer Begehungen sein, die Verhältnisse 
im Detail zu studieren. Auf der nachfolgenden Übersichtskarte 
(Fig. 28, Seite 649) habe ich meine Anschauungen dargestellt. 


Die Schichtkomplexe, welche da zur Ausscheidung gelangten, sind: 


1. Die paläozoischen Ablagerungen und die Werfener 
Schichten, welche vereinigt wurden, da über deren Grenzen in 
den südlichen Gebieten nichts genaueres bekannt ist; 


2. die Triaskalke; 


3. der sogenannte „Flysch* (mesozoische Gesteine von Flysch- 
charakter mit Jaspiseinschlüssen) ; 


4, das Neogen einschließlich der tieferen als Oligocän be- 
trachteten Schichten. 


!) So verdienstvoli die Untersuchungen A. Bittners in diesem Gebiete auch 
sind, für eine Übersicht der Tektonik des Gebietes sind nur einzelne seiner Detail- 
beobachtungen verwendbar, da er die Aufgabe hatte, eine Erkenntnis eines sehr 
großen Gebietes anzubahnen, welche umfassendere Aufgabe ihm ja auch in treff- 
licher Weise gelungen ist. Dazu kommt noch eine Arbeit Fr. Katzers über das 
Eisengebiet von Vare$, sowie Notizen Katzers über die von Herrn T. Beil 
entdeckten Vorkommen von Buloger Kalken an der Zeljesnica, von oberer Kreide 
bei Kladanj und seine Äußerungen über die tertiären Süßwasserbildungen des Zenicaer 
Gebietes im „Führer“. Nicht unwichtig für den vorliegenden Zweck ist auch die 
Bearbeitung der Fossilfande der Gegend von Cevljanovice von A. Bittner, deren 
Veröffentlichung jedoch nicht mehr er selbst besorgt hat. 


”) Auf der Generalstabskarte Otevlje geschrieben, 


[135] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Tektonische Übersicht.) 649 


Man sieht aus der Karte, wie sich diese vier Komplexe von ein- 
ander trennen und zusammen mit den vorherrschenden Streichungs- 
und Fallrichtungen einen übersichtlichen Einblick in die geotektonische 
Gestaltung des Gebietes gewähren. Trotz aller Querstörungen und 
lokalen Abweichungen ist ganz klar zu erkennen, daß der Grund- 
charakter dieses Gebirgsabschnittes Bosniens wohl in den dina- 


a 


0 | 
ee 
A laıre NZ 


Paläozoikum und Triaskalk. Flysch. Neogene Süßwasser- 
> ee 
Werfener Schichten. Ablagerungen 


Geologisehe Übersicht der weiteren Umgebung von Sarajevo. 


650 Ernst Kittl. [136] 


risch (NW.- SO.) streichenden Faltungen liegt. Das Neogen 
erscheint größtenteils mitgefaltet und gehoben; daraus folgt, daß ein 
ansehnlicher Betrag der dinarischen Faltung jungmiocän oder pliocän 
ist. Die Flyschkomplexe zeigen stellenweise dinarische Faltung, häufig 
jedoch eine davon abweichende. Besonders auffällig wird hier das 
SW.—NO.-Streichen von Falten und Brüchen. Es ist das eine 
Faltungsrichtung, die jünger als Kreide ist, also vielleicht älter als die 
dinarische; ihr Vorhandensein bekundet sich auch in manchen lokal 
erhaltenen Falten und Brüchen in den älteren Komplexen. Dieser 
zweiten Faltungsrichtung beiläufig entsprechend wären zwei 
parallele Bruchlinien, welche den ganzen dinarisch gefalteten Kalk- 
komplex bei Sarajevo begrenzen, der von Han Toplica bis gegen 
Trnovo reicht. Die eine dieser Linien — es ist die Bruchlinie von 
Sarajevo — zeigt so augenscheinlich den plötzlichen Abbruch der 
Triasgebirge gegen Westen, daß es wohl überflüssig ist, nochmals darauf 
hinzuweisen, wie längs dieses Bruches eine Schleppung der westlichen 
Schollen nach unten durch eine beckenwärts gerichtete Neigung der- 
selben angedeutet erscheint. Weiter südlich schneidet dieselbe Linie 
die Bjelaßnica ab und schiebt sich längs derselben ein räumlich nicht 
unbedeutendes Vorkommen von flyschähnlichen Gesteinen ein. Ob 
das Alter derselben mesozoisch oder paläozoisch ist, ließ sich, wie 
schon wiederholt bemerkt wurde, nicht völlig sicherstellen. Die andere 
dieser zwei Linien — jene von Pale — entspricht vielleicht nur einem 
Bruche von geringerer Bedeutung; jedenfalls sind seine Anzeichen 
überall nur schwierig zu verfolgen. Es ließe sich dem beifügen, daß 
eine weitere solche Linie die Romanja und Ravna planina östlich be- 
grenze. Die auffälligste aller abnormen tektonischen Linien 
aber hat einen bogenförmigen Verlauf; zwischen Vogosca und 
VareS scheidet sie den geschlossenen Flyschkomplex von den östlichen 
Triasmassen, wobei ersterer gewöhnlich an Überschiebungsklüften unter 
den letzteren einschießt. Freilich liegen daneben einzelne Lappen des 
Flysch auch auf der Trias. Einem Horste ähnlich erhebt sich die Kalk- 
masse der Cemerna innerhalb des Bogens. Sehr wichtig ist ferner wohl 
der Umstand, daß in der südlichen Fortsetzung die Therme 
Ilidze liegt und weiterhin südlich Anzeichen für einen den Igman 
durchsetzenden Bruch folgen. 

Die Querdepression von Hadiici-Tar&in scheint schon älteren 
Datums zu sein, da sich in dieselbe nicht nur die neogenen Bildungen, 
sondern auch die Flyschbildungen hineinziehen. Die Kalkmasse der 
BjelaSnica und des Igman zeigt mehrere, vielleicht teilweise über- 
einandergeschobene Kalkschollen bei dinarischem Streichen. Parallel 
dem Nordostrande des Igman verläuft jene schon von E. v. Mojsi- 
sovics bemerkte Linie von Kiseljak—IlidZe mit den Säuerlingen und 
den bekannten Thermen. Der Kalkmasse der Bjelasnica folgt der schon 
hervorgehobene rhomboidisch begrenzte Triaskomplex zwischen Sarajevo 
und Pale einerseits und Trnovo und Han Toplica anderseits, der in 
zumeist dinarisch streichende Streifen zerbrochen erscheint, deren 
Anordnung größtenteils der sogenannten Schuppenstruktur 
entspricht. Diesem Triaskomplex schließen sich die selbständigen Kalk- 
massen der Gola Jahorina und der Ravna planina an; ihnen 


[137] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Tektonische Übersicht.) 651 


folgt in einiger Entfernung der zum Teil aus Kalk aufgebaute Klek, 
der jedoch noch nicht genauer bekannt ist. Die Übersichtskarte läßt 
ersehen, in welcher Weise das paläozoisch-untertriadische Gebiet 
in die” aus Triaskalk aufgebauten Hochgebirge eingreift. In dem 
paläozoischen Gebiete von Prada erscheinen Faltungen verschiedener 
Richtung, die, wie das Auftreten falscher Schieferung zeigt, von ver- 
schiedenem Alter sind und einander zu verschiedenen Zeiten durch- 
kreuzt haben. Das isolierte Auftauchen der grauen Schiefer am 
Karolinensattel an einer Störungslinie dürfte jüngeren Datums sein, 
während die Faltungen bei Praa wohl älter sein mögen. Welche kom- 
plizierten Verhältnisse südlich von der Ozren planina herrschen, ist 
oben genauer dargelegt worden. Es geht daraus hervor, daß zwischen 
dem Ozren und dem südlicheren Triasgebirge einige dinarisch strei- 
chende Falten liegen, in welchen neben Trias auch Flysch vorkommt, 
der in vereinzelten Schollen bis auf die KostreZa planina nördlich der 
Romanja hinüber streicht. 

Es erübrigt mir noch, darauf hinzuweisen, daß die nordöstlichen 
aus SO. heraufstreichenden Kalkmassen, welchen die Romanja ange- 
gliedert ist, ziemlich regelmäßig in flache, dinarisch streichende Falten 
gelegt, oder vielmehr durch diesen entsprechende Längsbrüche in 
Schollen geteilt sind, nicht ohne einzelne lokale Störungen zu zeigen, 
deren Ursache noch nicht genügend erforscht ist. Der südwestliche 
‘Abschnitt ist durch einen solchen Längsbruch von dem nordöstlichen 
getrennt. Der erstere reicht nordwestlich bis Olovo und Odevlje, wo 
sich das schmälere und ganz abweichend — fast westlich — strei- 
chende Triaskalkgebirge der Zwiezda anschließt. Nördlich sind die 
Triasmassen durch eine ostwestlich streichende Bruchlinie abge- 
schnitten, jenseits welcher Flyschgesteine in Verbindung mit Eruptiv- 
massen auftauchen. Von Olovo aus reichen bis über Knezina hinaus 
die hier zum Teil als oberkretazisch erkennbaren Flyschbildungen in 
einer breiten Bucht und dann in kleineren vereinzelten Vorkomm- 
nissen bis Sokolac hinab in die Falten und Einbrüche der Triaskalke. 
Nördlich von der Bruchlinie von Olevlje kommen die Triaskalke in 
isolierten Vorkommnissen aus der Flyschdecke hervor. 

Schrittweise nur reift die Erkenntnis der geologischen Be- 
schaffenheit jedes Gebietes. Einen solchen Schritt stellt für die 
Umgebung von Sarajevo die vorliegende Arbeit dar. Die wesentlichsten 
allgemeinen Resultate derselben sind: 


1. Die Verbreitung der triadischen Kalkmassen und die Erkenntnis, 
daß es mit Hilfe von Fossilfunden stellenweise gelingt, eine vertikale 
Gliederung derselben zu erzielen. 

2. Die Trias der Umgebung von Sarajevo trägt einen ganz alpinen 
Charakter und lassen deren Abteilungen eine Parallelisierung mit den 
alpinen Triasstufen zu. 

3. In den die Trias unterlagernden paläozoischen Schichten von 
Prata ließen sich der Kulm und das Perm mit Sicherheit paläontologisch 
feststellen. 

4. Das Mesozoikum ist größtenteils in einer modifizierten Flysch- 
fazies entwickelt. In jenem ist paläontologisch bisher nur der Lias 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 58. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 88 


652 Ernst Kittl. [138] 


nachgewiesen. Kaum einem Zweifel unterliegt auch die Vertretung der 
oberen Kreide. Die Verbreitung des Mesozoikums ist festgestellt und 
eine Gliederung desselben — wenn auch nicht erreicht — so doch 
angebahnt worden. 


5. Im Tertiär ist gegen den älteren Stand keine andere Erkenntnis 
gewonnen worden, als daß das Neogen von den jüngsten Gebirgsfaltungen 
mit betroffen wurde. 

6. Der tektonische Bau des Gebietes, wie er oben erörtert 
wurde, zeigt sich beherrscht von den dinarischen Faltungen, die 
jedoch von zahlreichen Transversalstörungen begleitet werden. 


Eine der nächsten und dringendsten Aufgaben geologischer 
Arbeiten in der Umgebung von Sarajevo erscheint die Gliederung des 
mesozoischen Flyschkomplexes. Nachdem dieser aber in der Um- 
gebung von Sarajevo nicht nur eine sehr geringe Verbreitung hat, 
sondern auch Fossilfunde bisher wenigstens nicht gestattete, so dürfte 
es sich empfehlen, diese Gliederung durch genaueres Studium der 
nördlichen Nachbargebiete zu fördern. 


VII. Nutzbare Gesteine und Erze der Umgebung von Sarajevo. 


Dieser Abschnitt war ursprünglich für die Erläuterungen bestimmt, 
welche die durch die bosnische Landesregierung herauszugebende 
Karte begleiten sollten. Wie alle anderen Abschnitte, erfuhr auch 
dieser eine gänzliche Umarbeitung für das Jahrbuch der k. k. geo- 
logischen Reichsanstalt. Der Fachmann wird freilich viele der hier 
gemachten Bemerkungen für überflüssig erachten; doch konnte ich 
mich nicht entschließen, diesen Abschnitt ganz zu eliminieren, da ja 
Nichtgeologen diese Arbeit ebenfalls benützen dürften. Überdies mag 
auch dem Fachmanne unter Umständen diese Zusammenstellung will- 
kommen sein, besonders da sie durch einige sonst nicht vorkommende 
Detailangaben ergänzt wurde, welche auch fachliches Interesse haben. 


Ich gliedere diesen Abschnitt mit Rücksicht auf praktische 
Zwecke in folgender Weise: 1. Gesteine, 2. Kohlen, 3. Erze, 4. Bau- 
materialien. 


1. Gesteine. 


A. Eruptivgesteine. 


Diese finden sich in dem aufgenommenen Gebiete nur in kleinen 
vereinzelten Aufbrüchen, die gewöhnlich in schroffen, unregelmäßigen 
Felsmassen aus der Umgebung aufragen und räumlich mit dem Auf- 
treten von älterem Flysch (Cevljanovider Schichten) verknüpft sind, 
was vielleicht auf eine zeitliche Beziehung zwischen beiden hinzu- 
weisen geeignet ist. Die genauere petrographische Untersuchung dieser 
Materialien hat Herr Dr. Ferd. Wachter in liebenswürdiger Weise 
übernommen, 


[139] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Nutzbare Gesteine u, Erze,) 653 


Es seien hier diejenigen Punkte zusammengestellt, an welchen ich 
Eruptivgesteine beobachtet habe, und dem gleich die Untersuchungs- 
resultate Dr. Wachters beigefügt. 


a) Bei SeliSte nordöstlich von der Brezova glava erscheint 
ein sehr kleiner Aufbruch eines basischen Eruptivgesteines, das sehr 
stark zersetzt ist und mit weicheren Eruptivtuffen, Jaspisbänken und 
Mergeln in Verbindung steht. Eine genauere Bestimmung ließ die 
mitgebrachte Probe nicht zu. 


b) Nördlich davon, am rechten, zum Teil auch am linken Ufer 
des Si@ potok, unterhalb des Dorfes Klek bei Öevljanovie, steht 
in nicht unbedeutenden Felsen ein Gestein an, das nach Dr. Wachter 
Plagioklas und Augit enthält und daher als Diabas zu bezeichnen ist, 
Auch hier finden sich als Tuffe zu bezeichnende Gesteine vor. Dieses 
Vorkommen steht zweifellos mit den gleich nördlich davon befindlichen 
Eruptivmassen von Medojevic im Zusammenhange, welche B. Walter!) 
als Melaphyr anführte, sowie mit den ähnlichen Gesteinen, welche 
die westlich von Öevljanovie in nordsüdlicher Richtung hinziehenden 
tektonischen Brüche begleiten. 


c) In der Umgebung des Dörfchens Vilic, nicht weit von den 
früher genannten Vorkommnissen stehen mit zweifellosen Flyschsand- 
steinen auch Glaukonitsandsteine (genauer: Sandsteine mit grünen 
Körnern) in Verbindung, die wohl als Tuffe zu bezeichnen sind. 

d) In der Umgebung von Han Palika (östlich von den vorigen 
Punkten) sah ich sowohl nordöstlich als auch östlich Fragmente von 
Eruptivgesteinen, ohne das Anstehende derselben zu finden. Auch kleine 
Schollen von Öevljanovicer Schichten kommen hier neben triadischen 
Hornsteinschichten vor. 


e) Bei dem Dorfe Bukovik (östlich von Sahbegovidi) stehen 
dunkle Felsen gerade an der Bruchlinie zwischen Triaskalk und 
Flysch an. Mehrere von Dr. Wachter untersuchte Proben ergaben 
folgendes: 

Ein dunkelgrünes Gestein besteht fast nur aus Augit mit einzelnen 
Feldspatkristallen, ist daher ein Diabas, ein anderes stark zersetztes 
Gestein ließ noch Mandelsteinstruktur erkennen. Ein schwärzlichrot 
gefärbtes, von mir als Jaspis angesprochenes Gestein enthielt sphäru- 
litische Einschlüsse, was vielleicht auf eine Verknüpfung mit den 
Eruptivmassen hindeutet, und selbst ein dunkelgrüner Sandstein scheint 
von eruptiven Fragmenten nicht ganz frei zu sein. Ein ähnliche Be- 
ziehungen aufweisender Mergel enthielt Einschlüsse von Foraminiferen. 

f) Bei der Quelle Zopor nächst Pedise tritt neben einem 
roten Jaspis, der sich dort ausbreitet, ein Felsen eines dunklen Eruptiv- 
gesteines hervor, der nach Dr. Wachter Plagicklas und Augit enthält, 
also wieder als Diabas zu bezeichnen ist. 


g) Es sei hier noch das Vorkommen eines grünen Gesteines 
erwähnt, das ich auf dem Wege zwischen Veliko polje und der 


1) B, Walter, Die Erzlagerstätten Bosniens, 1887, pag. 49 u. f. (der Name 
Medojevi6 wird dort übrigens nicht genannt). 
88* 


654 Ernst Kitt]. [140] 


Bjela$nica-Spitze im Terrain der Triaskalke fand, welches jedoch 
noch nicht näher untersucht ist. 

h) Der Vollständigkeit halber erwähne ich ferner nochmals jene 
dünnen, einem Tuffe ähnlich sehenden Lagen von klastischen Gesteinen, 
die ich als Glaukonitsandstein anführte, welche in den kieseligen 
grünlichen oder roten Bänken der Graboviker Schichten ein- 
gebettet erscheinen. Es wäre das ein Analogon zu den aus dem Horizont 
der Wengener Schichten genannten Tuffen aus den Südalpen, aber 
auch aus Bosnien, von wo sie schon durch E. v. Mojsisovies und 
A. Pilar bekannt geworden sind und auch mir mehrfach unterkamen. 


B. Sedimentäre Gesteine, 


Mit Berücksichtigung des vorwiegend praktischen Zweckes dieser 
Zusammenstellung werden nur die in größeren Mengen vorkommenden 
Gesteine angeführt. 


a) Kalkstein erscheint massenhaft als reiner oder als dolo- 
mitischer Kalk, in der Trias, wie schon dargelegt, ganze Gebirgs- 
plateaus oder Bergzüge aufbauend; dabei handelt es sich in der Regel 
um mehr oder weniger reine, zumeist nur undeutlich gebankte Kalke, 
seltener um dolomitische oder um bituminöse, dunkel gefärbte, 
ähnlich den Reichenhaller Kalken, welche sehr wohl gebankt erscheinen. 
Recht häufig sind Kalke mit Hornsteinknollen oder gar mit durch- 
ziehenden Lagen kieseliger Bänke. Als unrein müssen die Knollen- 
kalke an der Basis der Triaskalke bezeichnet werden, da sie nicht 
nur völlig von verunreinigenden mergeligen oder sandigen Substanzen 
durchsetzt werden, sondern auch tonige oder sandige Zwischenlagen 
besitzen. 

Die Buloger Kalke zeigen eine rötliche oder intensiv rote Färbung, 
die von wasserfreiem Eisenoxyd herrührt; stellenweise ist dieselbe 
durch Aufnahme von Manganoxyd dunkelrot bis schwarz. Einzelne 
schwärzliche Schmitzen deuten auch auf das Uberhandnehmen dieser 
Verunreinigungen durch Manganoxyde hin, welche wohl mitunter die 
Eisenoxyde ganz verdrängen. Diese beiden verunreinigenden und 
färbenden Substanzen sind auf den Schichtflächen oder in Klüften und 
Schmitzen bis zur gänzlichen Verdrängung des Kalkes angehäuft, wie 
das häufig in fossilführenden Schichten beobachtet werden kann. 

In Jura und Kreide sind reine Kalksteine hier bisher nicht 
gefunden worden; meist sind es nur mergelige Kalke oder auch 
kieselige Bänke derselben, die in der Basis der Flyschserie auftreten. 
Dagegen sind mir im Neogen Süßwasserkalke in einzelnen 
Bänken bekannt geworden, wie sie nördlich von Sarajevo zu beobachten 
sind. Es seien noch die Kalktuffe erwähnt, die zwar in unserem Gebiete 
nicht ganz fehlen, aber doch bisher in ausgedehnteren Vorkommnissen, 
wie sie zum Beispiel im Stavnjatale und bei Travnik sowie auch 
anderwärts vielfach vorkommen, nicht zur Beobachtung gelangten. Sie 
haben jedenfalis immer nur ganz lokale Bedeutung. 


b) Dolomit erscheint zumeist in der bekannten breccienartigen 
Ausbildung stellenweise, wie bei Kievo und Podividi, am Paprenik u. s. w. 


[141] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Nutzbare Gesteine u. Erze.) 655 


c) Mergelkalke, Kalkmergel und Mergel findet man 
besonders in der Flyschserie recht verbreitet. Sandige Mergel kommen 
auch im Tertiär vor. 

d)"Breccien sind, wenn sie nicht als Dolomitbreecien — die 
schon angeführt wurden — auftreten, sonst in der Regel ganz lokale 
Bildungen, wie zum Beispiel die Riesenbreccie bei Bulog und weisen 
häufig als sogenannte Reibungsbreccien auf das Vorhandensein von 
Dislokationen hin. Mir haben manche beschränkte Vorkommnisse den 
Eindruck gemacht, daß sie als erhärtete alte Gehängeschuttmassen 
Jüngeren oder höheren Alters zu betrachten seien. Aus einer solchen 
lokalen Breccienbildung besteht der auffällige Felskegel am Süd- 
hange des Kastellberges bei Sarajevo. In ganzen Bänken findet man 
ferner Breceien, und zwar Kalkbreccien und Jaspisbrececien 
häufig in der Flyschserie. Die ersteren wurden auf der Karte ihres 
bestimmt begrenzten und relativ weiter verbreiteten Vorkommens halber 
auch ausgeschieden. Lyditbrececien — oft mit Konglomeraten ver- 
knüpft oder in solche übergehend -- trifft man im Perm, doch nicht 
konstant durchziehend, besonders im Pralaer Gebiete. 

e) Konglomerate spielen im Perm des Gebietes von Prala 
sowie im Tertiär eine Rolle. Die permischen Konglomerate ziehen 
öfters durch und gehen in grobe Sandsteine über; sie sind auf der 
Karte auch ausgeschieden. Minder wichtig und verbreitet sind auf 
unserem Kartenblatte die tertiären Konglomerate, die aber am 
Nabosic ebenfalls hinreichende Verbreitung zeigten, um zu einer 
kartographischen Festlegung derselben zu veranlassen. Diese tertiären 
Konglomerate bilden gewöhnlich landschaftlich auffällige Felsen. (Vgl. 
Fig. 24 auf pag. 641 und Katzer, Führer, pag. 128.) 

/) Sandsteine finden sich in verschiedenen Formationen. Häufig 
stehen im Perm wie im Tertiär mit den Konglomeraten grobe Sand- 
steine in Verbindung. In diesen beiden Formationen finden sich aber 
auch feinkörnige Sandsteine von recht gleichmäßigem Korne. Außer- 
dem trifft man solche Sandsteine im Karbonschiefer eingeschaltet, 
dann im Flyschkomplex, hier wie in den schon genannten Formationen 
entweder allein mächtigere Schichtfolgen zusammensetzend oder mit 
mergeligen Schichten wechselnd. Eine sehr große Verbreitung haben 
in der Umgebung von Sarajevo die gelblichen Quarzsandsteine der 
Werfener Schichten, welche ich ihrer besonders charakteristischen 
Ausbildung wegen als Sarajevoer Sandsteine bezeichnet habe. 
Weniger auffällig sind die schiefrigen Sandsteine der Werfener Schichten. 

g) Lose Sande findet man selten im Tertiär. Gewöhnlich sind 

sie hier zumeist nur das sekundäre Verwitterungsprodukt der er- 
wähnten Sandsteine. 
\ h) Ton und Lehm. Ersteres Material tritt als grauer Tegel 
im Tertiär auf, und zwar so massenhaft, daß ziemlich mächtige Schicht- 
folgen im Tertiärbecken von Zenica-Sarajevo fast ausschließlich aus 
demselben aufgebaut sind; bei Sarajevo sind mehrere große und 
einige kleinere Ziegeleien darin angelegt. Sonst sind Tone nur sehr 
untergeordnet verbreitet. Es wäre etwa noch der graue oder grünliche 
Tegel bei Sokolac anzuführen, der aber ebenfalls dem Tertiär an- 
gehören dürfte. 


656 Ernst Kittl. [142] 


Wohl diluvialen Alters sind die gelblichen Lehmmassen, die eine 
ziemlich bedeutende Verbreitung als Oberflächendecke im Tertiär- 
becken wie als Ausfüllungsmaterial von Mulden im Kalkgebirge auf- 
weisen. 


i) Tonschiefer von grauer oder schwärzlicher Färbung bietet 
das Karbon bei Prada dar. Hier hat dieses Gestein eine große räumliche 
Verbreitung. 


k) Jaspis, Hornstein und Kieselschiefer erscheinen in 
verschiedenen Formationen, wie im Karbon (und Perm?), in der Trias, 
insbesondere als knollige Einschlüsse, aber auch als Einlagerungen 
in ganzen Schichten. 

Ich darf hier wohl auf die großen Schwierigkeiten hinweisen, 
welche sich an manchen Punkten einer sicheren Altersbestimmung 
gewisser Jaspise und Hornsteine, dann der roten Mergel und Mergel- 
kalke, die häufig Hornsteinlagen führen, entgegenstellen. 


Zunächst sei bezüglich der Hornsteine und Jaspise hervorgehoben: 


1. Daß sich rote Jaspise mitunter in Gebieten von Sandsteinen 
finden, welche man dem Horizont der Werfener Schiefer zu- 
weisen muß, so N. von Karica air im Özrengebiete. Hier allerdings 
wird man an eine nachträgliche Frittung des Sandsteines durch den 
Kontakt mit Eruptivgesteinen denken können. Die meist sehr mangel- 
haften Aufschlüsse gestatten keine abschließende Beurteilung. (Vgl. 
pag. 645.) 

2. Führen die Muschelkalke erwiesenermaßen häufig rote 
Hornsteine, ja es häufen sich dieselben mitunter zu ganzen Bänken 
an, sowohl im Muschelkalke selbst als auch insbesondere in seinem 
Hangenden, welches zweifellos den Buchensteiner- und Wengener 
Schichten äquivalent ist. Daß diese, mitunter (so an der Straßen- 
serpentine nächst Han Vidovie bei Bulog) diskordant den fossilführen- 
den Muschelkalken aufgelagerten Hornsteinbänke sicher noch zum 
Triaskomplex gehören, das erweisen nicht nur ihre an anderen Stellen 
zu beobachtende normale Einlagerung in den Triaskalken, sondern 
auch darin gemachte Fossilfunde (Daonellen). 

3. Ist nach dem von Walter gemachten Fossilfunde (Arietites) 
in rotem, kieseligem Kalke bei Han Toplica die Hornsteinfazies auch 
für den Lias unseres Gebietes erwiesen. & 

4. Mögen manche mit den bunten Mergeln der Cevljanovicer 
Schichten zusammen vorkommende Jaspise dem Jura oder der unteren 
Kreide angehören. 

5. Ist das Auftreten von Jaspisbänken im Flysch Bosniens über- 
haupt ja seit der ersten UÜbersichtsaufnahme wohl bekannt, aber auch 
in unserem Gebiete sicher zu beobachten (Ljubinatal, Ober). 

Daraus ergibt sich, daß in unserem Gebiete Jaspisbänke in 
mindestens fünf verschiedenen Horizonten (Trias bis Kreide) erscheinen 
und daher isolierte Funde dieses Gesteines in der Regel eine Alters- 
bestimmung nicht erlauben. 

Dazu kommt noch das Jaspisvorkommen in der paläozoischen 
Schichtenfolge; doch läßt sich dieses durch seine fast stets schwärzliche 
Färbung von den jüngeren Jaspisvorkommen leicht unterscheiden. 


[143] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Nutzbare Gesteine u. Erze.) 657 


Ein ähnliches Verhältnis besteht bezüglich der roten Mergelkalke, 
doch ist das nicht so störend, da dieses Gestein in der Trias nur 
sehr untergeordnet erscheint und daher das triadische Alter hier nur 
ausnahmsweise in Betracht zu ziehen ist. 


Viel störender dagegen ist der Umstand, daß die paläozoischen 
Schiefer mitunter den kretazischen Flyschgesteinen sehr ähnlich sehen, 
‚so daß in manchen Fällen Zweifel darüber bestehen, ob man es mit 
Gesteinen höheren oder geringeren Alters zu tun habe. Solche Ge- 
biete sind oben schon wiederholt angeführt worden. 


) Schotter und Sand fluviatilen Ursprunges führen alle 
Wasserläufe. Ablagerungen desselben von größerer Ausdehnung finden 
sich insbesondere im Sarajevsko polje. 


m) Gips ist mir nur sporadisch in kleinen Mengen vorgekommen, 
obgleich dessen Auftreten im Perm und in den Werfener Schichten 
erwartet werden durfte. 


2. Kohlen. 


An Schwarzkohlen sind irgendwelche abbauwürdige Vor- 
kommen bei Sarajevo bisher nicht bekannt geworden. Die Möglichkeit 
des Auftretens von Schwarzkohlen wäre wohl gegeben, da ja Forma- 
tionen, welche anderwärts Kohlen führen, vorhanden sind. 

Im Karbon von Prata hat Berghauptmann Grimmer im Sandstein 
einen unbestimmbaren Pflanzenrest gefunden, der allein auf das Vor- 
handensein von Kohlenflözen nicht hinweist. 

Im Werfener Schiefer, der in den Alpen meines Wissens nur 
selten Pflanzenreste führt, erscheinen nicht nur Pflanzenreste, sondern 
sogar dünne Kohlenschmitze häufiger in der Umgebung von Sarajevo 
wie auch an anderen Punkten Bosniens. Ich habe oben solche Vor- 
kommen aus der Umgegend von Sarajevo angeführt, Katzer nannte 
ein ähnliches von Vares!). 

Von Kohlen der Lunzer Schichten kennt man bisher nicht einmal 
eine Andeutung aus der Umgebung von Sarajevo, da eine Vertretung 
der genannten Schichten bisher nicht gefunden werden konnte. 

Braunkohlen sind in dem Gebiete der Karte mehrfach bekannt; 
es sind davon zwar größtenteils nur beschränkte Ausbisse gefunden 
worden, so daß eine Beschürfung nur in den seltensten Fällen stattgrift, 
aber es ist eine Bauwürdigkeit recht wahrscheinlich. Von einer Aus- 
beutung in größerem Maßstabe war — von Kobilj dol abgesehen — 
bisher kaum die Rede. 


Der größte Teil des Neogens des Zenica-Sarajevoer Beckens 
dürfte Kohlen beherbergen. Ausbisse sind?) aber nur von folgenden 
Punkten bekannt geworden: 


ı) F. Katzer, Über ein Kohlenvorkommen etc., Zentralbl. f. Min. etec,, 
1902, pag. 9. 

®2) Unter Benützung freundlicher Mitteilungen der Berghauptmannschaft 
Sarajevo, welche nähere Daten über alle diese Vorkommnisse besitzen dürfte. Vgl. 
auch F. Poech, Mitteilungen über den Kohlenbergbau in Bosnien. Österr. Zeitschr. 
für Berg- und Hüttenwesen, 1889, .pag. 369. 


658 Ernst Kittl. [144] 


Kobilj dol Kosevo ü Zuöa 
Lukavica Hreljevo und Han Ourdin Rakovica 
Kova£cie Misoda Zimea 


Alle diese Punkte liegen in nicht zu großer Entfernung vom Becken- 
rande, so daß dadurch trotz aller Dislokationen ein muldenförmiger 
Bau des Neogenbeckens angedeutet wird. Indessen liegen hierüber 
wohl noch viel zu wenige Studien vor, um darüber völlig sichere An- 
gaben machen zu können. 


3. Erze und Minerale. 


Von Mineralien ist aus unserem Gebiete außer den anzuführenden 
Erzen, dann dem überall verbreiteten Calcit und einem Vorkommen 
von Fasergips in der Nähe des Karolinensattels nichts bekannt. 

Von Erzen ist in erster Reihe das Manganerzvorkommen am 
Özren zu nennen, dann dasselbe Erz bei Kulauzovid!). Das erst- 
genannte Vorkommen scheint recht ergiebig zu sein, wurde jedoch bisher 
nicht systematisch abgebaut, sondern nur beliebig geöffneten Taggruben 
entnommen. Das letztere Vorkommen ist von mir nicht genauer unter- 
sucht worden, da ich nur ungenügende Aufschlüsse vorfand. 

Von sonstigen Erzen kennt man nur Spuren von Bleiglanz, Blende, 
Kiesen und Eisenerzen in Schiefergebieten von Prata, woselbst auch 
alte Schürfe bestehen. 

Sehr untergeordnet sind einige Vorkommen von Roteisenerz am 
Özren (vgl. pag. 646) und an anderen Orten. 

Die Manganerze vom Ozren und von Kulauzovic sind wohl ganz 
analog den genauer bekannten Vorkommnissen von Cevljanovic, wo 
nach einer freundlichen Bestimmung des Herrn Dr. Rud. Koechlin 
hauptsächlich Pyrolusit und Psilomelan das Erzlager bilden, während 
B. Walter auch Braunit angibt. 

Die Erze finden sich bei Cevljanovic in Gesellschaft von Limonit 
Jaspisbänken eingelagert; seltener scheint das gangartige Vorkommen 
zu sein. Die Angabe B. Walters?), daß diese Manganerze an Werfener 
Schichten geknüpft seien, ist durchaus unzutreffend, da die Mangan- 
erze auch den Triaskalken auf- und eingelagert erscheinen, so daß 
sie gewiß jünger sind, als diese letzteren. 

Bezüglich der Altersbestimmung der Manganerze ist es sonach 
von Interesse, die geologische Position der Liegendkalke kennen zu 
lernen. Nach den durch F. Katzer veranlaßten Aufsammlungen bei 
Cevljanovic bestimmte schon Bittner?) helle Kalke von Grk, Klade 
und Sabanke als Muschelkalk, ohne daß über das Verhältnis der Fund- 
punkte zu den Erzlagern etwas angegeben wäre. Danach wären die 
Erze, da sie den Kalken aufgelagert sind, jünger als Muschelkalk. 
Da der Horizont der Graboviker Schichten am reichsten an Horn- 


!) Diese beiden Manganerzfunde reihen sich einem ganzen Zuge von gleichen 
Vorkommnissen an, deren Hauptpunkte sich um Öevljanovid gruppieren, wohin auch 
zeitweilig die Erze vom Ozren von Unternehmern geliefert werden. 

’) Die Erzlagerstätten Bosniens, pag. 48. 

®) Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., 1902, pag. 495 u. f. 


[145] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Nutzbare Gesteine u. Erze.) 659 


steinen ist, so ergibt sich die Vermutung als sehr naheliegend, es 
könnte jener die Manganerze bergen. Das Hangende der Erzlager 
bilden häufig die sogenannten Öevljanovicer Schichten: graue und 
rötliche Mergel mit Jaspis, deren Alter mit Sicherheit bisher nicht 
bekannt ist, die aber kaum älter als Lias sind, wie schon oben aus- 
einandergesetzt wurde. Die Begleitschichten der Erze, welche Walter 
für Werfener Schichten hielt, lassen sich in keiner Weise mit den 
letzteren parallelisieren — nicht nach der petrographischen Beschaffen- 
heit, nicht nach der Lagerung — wohl aber zeigen sie einige Analogien 
mit den Graboviker Schichten. Ferner entsprechen die von Walter 
als Hangendsandsteine beschriebenen den Sarajevoer Sandsteinen 
(Werfener Schichten) !). 


Bezüglich des Manganerzvorkommens am Ozren führt Walter 2) 
folgendes an: 


„Die Fortsetzung dieses Erzformationsstreifens (von Alt-Drazevi£) 
findet sich 700 m weiter südöstlich, gleich oberhalb der Einmündung 
des Vukasovi& potok in den Siö potok. Derselbe erreicht dort aber 
infolge einer flacheren Lagerung eine Breite von 300 m. Von hier 
zieht derselbe auf eine weitere Länge von 45 km in h 10 nach SO. 
bis zum Ozren Han, um hier zu verschwinden.“ Diese Angabe bezieht 
sich hauptsächlich wohl auf die Cevljanovicer Mergel, wie ich gesehen 
habe; doch ist eine Unterbrechung derselben durch den Si@ potok 
vorhanden. Am ÖOzren wären nach Walter Manganerzlagen mit 
buntem Schiefer und Jaspis, also wie bei Drazevic. An diesem Punkte 
soll auch der Melaphyr (vielleicht wohl Diabas?) mit den Mangan- 
erzen in Kontakt treten. 


In den rötlichen und bräunlichen Liegendkalken von Cevljanovie 
(Grk) habe ich gesammelt: 


ı) Zur Klärung der verschiedenen Auffassung der geologischen Formations- 
glieder gebe ich nachfolgenden Vergleich: 


Nach Walter: Nach Kittl: 
Hangend-Sandsteine — Sarajevoer Sandstein (Werfener Sch.) 
Erz mit bunten Mergeln und Jaspis _ (Seskanorifer, Mergel (mesozoisch) 
(Werfener Schichten) Erz mit Jaspis 
Triaskalk == Muschelkalk 
Liegend: Mergelige Kalke (paläozoisch ?) = Flysch ? 


Die richtige, durch zahlreiche Dislokationen verschiedentlich zerteilte Schicht- 
folge aber ist: 


Jüngerer Flysch 
3. Hangend | Geyljanovicer Mergel 
9. Erz mit Jaspis 


Triaskalk (Muschelkalk) 
Sarajevoer Sandsteine der Werfener Schichten. 


Dem entspricht auch das einzige von Walter (}. c., pag. 52) gegebene 
größere Profil von Drazevi6, welches ich in ganz ähnlicher Weise beobachtet habe. 


2), 1. 0. "pag. BL. 


L. Liegend | 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Ileft. (E. Kittl.) 89 


660 Ernst Kittl. [146] 


Enerinus cf. cassianus Laube Aviculopecten cf. Schlosseri Bittn. 
Retzia cf. speciosa Bittn. oder Av. cf. triadicus Salom. 
Spiriferina aff. pectinata Bittn. Trachybembix (aff. Salomoni J. B.?) 
Spirigera sp. Scalaria triadica Kittl. 


Auch die hellen Riffkalke nächst dem Erdstollenmundloche ent- 
halten Fossilien, und zwar unbestimmbare Durchschnitte von Gastro- 
poden, Lamellibranchiaten ete. sowie reichlich Diploporenfragmente 
(D. porosa Schafh. ?). 

Die kleine Fauna der rötlichen Kalke vom Grk weist auf Formen 
des Muschelkalkes sowie der ladinischen Stufe hin. Zwischen diesen 
beiden Stufen schwankt nach den bisherigen Kenntnissen das Alter 
der Kalke. Die Manganerze dürften also möglicherweise noch etwas 
jünger sein als ladinisch, oder als äußerste Grenze nach unten ergäbe 
sich ladinisch. Wenn man in Betracht zieht, daß einerseits die Mangan- 
erze mit Jaspisbänken in Verbindung stehen, anderseits von den 
Cevljanovicer Schichten überlagert werden, so wäre als obere Alters- 
grenze für die Manganerze das dem unteren Flysch mit Jaspis ent- 
sprechende Alter anzusehen. Die Manganerze sind also jedenfalls 
jünger als die Werfener Schichten und Muschelkalke, und älter als 
der ältere Flysch. 


4. Baumaterialien. 


Diese werden in den folgenden Kapiteln behandelt: 


a) Bausteine, 

b) Straßenschotter, 

c) Weisskalkmaterial, 

d) Zementmaterial, 

e) Sand und Schotter, 

f) Ziegelmaterial und 

9) Dachschiefer. 

Die weitaus wichtigsten Gewinnungspunkte von Baumaterialien 

im Kartengebiete betreffen zweifellos diejenigen, welche für Sarajevo 
Bedeutung besitzen. Die folgenden Angaben, welche ich teils Herrn 
ÖOberbaurat Dr. Kellner, teils Herrn Kreisingenieur Ribarich ver- 
danke, teils auch gelegentlich selbst gesammelt habe, beziehen sich 
daher in erster Linie auf Sarajevo. Doch sollen auch andere Gegenden 
berücksichtigt werden. 


a) Bausteine. 


In dem ganzen Gebiete werden zumeist die Kalksteine der 
Trias zum Baue verwendet, da sie sich dazu besser als alle 
anderen dort vorhandenen eignen. Insbesondere in Sarajevo wird aus- 
schließlich Triaskalk benützt. 

Die wichtigsten Steinbrüche in diesem Material waren im Jahre 
1899: 


1. Unterhalb Vratca (nächst dem israelitischen Friedhofe), 
wo zum Teil Triaskalk, zum Teil Kalkbreccie (vielleicht eine spätere 
Bildung) vorkommt. Hier wurde Quader- und Bruchstein gewonnen. 


[147] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Nutzbare Gesteine u. Erze) 661 


Y 2. Im Milja&katale (rechte Talseite) bestanden mehrere 

Brüche, so am Ausgange des MoScanicatales und oberhalb desselben. 

3. Im Gebiete der MoS&anicaquellen Brüche in weißem 
Kalkstein. 

4. Ebensolchen Stein, jedoch etwas gelblich gefärbt, entnahm 
man dem Bruche am Pasin brdo. 

5. Eine Zeitlang stand auch am Narodno brdo (Gemeinde 
Slatina) ein Kalksteinbruch im Betriebe, der unter anderen auch roten 
Ammonitenmarmor lieferte. Zwei geschliffene Säulen im Rathause von 
Sarajevo stammen von dort. 


6. Es mag hier noch bemerkt sein, daß in Sarajevo ausnahmsweise 
auch Bausteine von anderen Gegenden Bosniens benützt wurden, 
so von Jablanica (Kalkstein). Selbstverständlich kommen ab und zu 
auch Marmorsorten von der verschiedendsten Herkunft zur Anwendung. 


Wie schon erwähnt, hat man in unserem Gebiete mit Vorliebe 
Kalk als Baustein genommen, der ja vielfach reichlich vorhanden ist. 
Zweifellos hat man ab und zu aber auch andere Steine benützt, 
insofern Kalkstein in der Nähe nicht zu Gebote stand. Insbesondere 
sah ich auch Werfener Quarzit sowie Flyschgesteine in Verwendung. 
Ebenso zweckdienlich ist auch dolomitischer Kalkstein und Dolomit. 
Sie werden auch überall als „Kalkstein“ schlechtweg bezeichnet und 
verwendet. 

Es unterliegt keinem Zweifel, daß gar manche Kalksteine unseres 
Gebietes geeignet wären, einen schönen Marmor zu liefern. Doch 
gehört viel Kapital dazu, um leistungsfähige Brüche aufzudecken. 
Die roten Ammonitenmarmore kommen freilich nur in beschränkter 
Mächtigkeit vor, dagegen sind weiße, hellgraue, auch gelblichweiße 
Kalksteine in bedeutenden Mengen vorhanden. 


b) Strassenschotter. 


Für den Unterbau der Straßen wird jeder Bruchstein, wie er 
zur Hand ist, genommen. Wichtig für den guten Zustand und die 
Haltbarkeit der Straßen ist die Qualität des Beschotterungsmaterials. 

Mit Vorliebe wird dazu bei Sarajevo Kalkstein genommen; selbst 
im paläozoischen Gebiete von Prata sucht man die isolierten Kalk- 
vorkommen zu diesem Zwecke auf. Doch ist Kalk gewiß nicht das beste 
Schottermaterial. Besser als heller Kalk ist der dunkle bituminöse 
sowie Dolomit, falls er nicht zu brüchig ist, was bei Dolomitbreccien 
mitunter wohl der Fall ist. 

Es dürfte sich empfehlen, dem Kalkschotter Dolomit oder Horn- 
stein beizumengen, was tatsächlich vielfach ausgeführt wird. Hornstein- 
führende Kalke, wie sie in der Nähe von Sarajevo vielfach vorkommen, 
sind daher für Straßenschotter den reinen Kalken gegenüber zu bevor- 
zugen. Ganz zu vermeiden sind Mergel und Tonschiefer. 

Auch die Sandsteine unseres Gebietes (Quarzite der Werfener 
Schichten und Flyschsandsteine) sind meist zu weich, besonders wenn 
halb oder ganz verwittertes Material verwendet wird. 

Als vorzüglichstes Material für Straßenschotter wären die Eruptiv- 

89* 


662 Ernst Kittl. 2 [148] 


gesteine zu empfehlen, die jedoch zu weit abseits und in zu geringer 
Menge vorkommen. Am zugänglichsten dürfte das Diabasgestein am 
Rata potok bei Boskovici und Drazevici sein. 


c) Weisskalkmaterial. 


Da überall in unserem Gebiete an Ort und Stelle oder in nicht 
zu großer Entfernung Kalkstein vorkommt, so ist es leicht, sich überall 
Weißkalk für Mörtel zu verschaffen. Der bosnische Bauer bedarf dessen 
für seine hölzerne Hütte indes fast nicht. Sarajevo deckt seinen 
Bedarf an Weißkalk aus den neuerbauten großen Kalkringöfen an 
der Mündung der LapiSnica in die Miljacka und bei Hadzidi; nur der 
erstere liegt in unserem Gebiete. 


d) Zementmaterial. 


Gegenwärtig wird, wie mir angegeben wurde, meist Romanzement 
aus den Flyschmergeln erzeugt, die nächst der Eisenbahnstation Cevl- 
janovic im Ljubinatale vorkommen. Liegt der Bruch auch nicht im 
Gebiete des Kartenblattes Sarajevo, so kommen doch ebensolche 
Gesteine auch in unserem Gebiete in ausreichender Menge vor. Nur 
sind, vom Ljubinatale abgesehen, die Kommunikationen für den Zweck 
noch zu ungünstige. Die Verbreitung dieser Mergel ist eine ganz 
bedeutende und wäre vielfach Gelegenheit vorhanden, dieselben aus- 
zubeuten, wenn nicht die ungünstigen Verbindungen das verhindern 
würden. 

Die Qualität dieser Mergel ist eine bestimmte. Doch würden 
sich auch andere Qualitäten eignen, ein brauchbares Produkt zu 
erzeugen. 


e) Sand und Schotter. 


Sand liefern das Neogen sowie die Werfener Schichten. In der 
Umgebung von Sarajevo sind verschiedene kleinere Sandgruben zur 
Gewinnung benützt worden, die aber niemals einen größeren Umfang 
erreichen. 

Gröberen Sand für Mörtelbereitung gewinnt man auf der linken 
Talseite der Miljaöka gegenüber der Moscanicamündung aus taschen- 
artigen Einlagerungen tertiären Materials in den Triaskalk, feineren 
Putzsand sowie Schotter aus den Alluvien der Zeljesnica bei IlidZe. 

Eine durch feines Korn und hellbraune oder gelbliche Farbe ausge- 
zeichnete Sorte von Sand liefern die Quarzite der Werfener Schichten 
durch Verwitterung, welche aber bisher nur wenig benützt wurde. 

Schotter — und zwar Flußschotter — vermögen selbstverständlich 
die Flüsse und Bäche in ausreichendem Maße zu liefern. Das Sarajsko 
polje hat überdies große Vorräte davon. Daß man mit diesem Schotter 
keine vorzüglichen Straßen erzielt, ist bekannt; mit Recht hat man 
daher zumeist lieber zur Erzeugung von Schlägelschotter gegriffen 
und dabei bald besseres, bald schlechteres Schottermaterial erhalten. 
Nur selten wird Schotter den Anschwemmungen der Miljacka ent- 
nommen, 


[149] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Literatur.) 663 


f) Ziegelmaterial. 


Die Hauptstadt Sarajevo hat seit der Occupation einen großen 
Bedarf an Ziegeln, der durch zwölf oder mehr, größere und kleinere, 
rings um Sarajevo liegende Ziegelwerke befriedigt wird. Sie alle ent- 
nehmen das Rohmaterial für die Ziegel den tertiären (miocänen) Tegel- 
ablagerungen, welche hauptsächlich den Untergrund der Stadt bilden 
und an den Grenzen derselben vielfach leicht zugänglich sind. Die 
leistungsfähigsten Ziegeleien liegen am Fuße des Hum, wo die tertiären 
Tegel, von gelblichen Lehmen wohl diluvialen Alters überdeckt, in un- 
erschöpflicher Menge auftreten. 


g) Dachschiefer. 


Solche könnten vielleicht in der Umgebung von Prada gewonnen 
werden, doch müßten erst gegen Verwitterung hinreichend widerstands- 
fähige Bänke ermittelt werden. 


VIII. Literatur. 


Die folgende Zusammenstellung enthält die mir bekannt gewordene 
geologische Literatur, mit besonderer Rücksicht auf die Umgebung 
von Sarajevo. Paläontologische Arbeiten sind nur dann aufgenommen, 
wenn sie sich auf Funde desselben Gebietes ausschließlich oder 
wenigstens mitbeziehen. 


1840. A. Boue. La Turquie d’Europe. Paris. 
1868 J.Roskiewicz, Studien über Bosnien und die Hercegovina. Wien u, Leipzig. 
1870. A. Bou&@, Min.-geogn. Details über die Reiserouten in die europäische 
Türkei. Sitzungsb. d. Wiener Akad. d. Wissensch., LXI. Bd., pag. 203 f. 
1879. A. Rzehak, Geologische Beobachtungen auf der Route Brod—Sarajevo. 
. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 98. 

— F.v. Hauer, Einsendungen aus Bosnien. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., 
pag. 170. 

— E.Tietze, Aus dem östlichen Bosnien. Verhandl.d.k.k. geol. R.-A., pag. 283, 

— E.v. Mojsisovics, Reiseskizzen aus Bosnien. Verhandl. d. k. k. geol. 
R.-A., pag. 255, 282 und 288. 

— A. Bittner, Route Sarajevo—Mostar. Verhandl. d.k.k. geol. R.-A., pag. 257. 

— A. Bittner, Aus der Hercegovina (enthaltend Notizen über Bosnien). Ver- 
handl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 287. _ 

— A, Bittner, Vorlage der geologischen Übersichtskarte der Hercegovina und 
des südlichen Teiles von Bosnien. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 351. 

1880. E.v.Mojsisovics, Vorlage der geologischen Übersichtskarte von Bosnien— 
Hercegovina. Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 23. 

— M. Neumayr, Tertiär aus Bosnien. Verhandl. d.k.k. geol. R.-A., pag. 90. 

— F. Herbich, Geologisches aus Bosnien—Hercegovina. Neues Jahrb. für 
Min. etc., pag. 94. 

— E.v.Mojsisovies, E. Tietze und A. Bittner (mit A. Pilar, M. Neu- 
mayr undC.v. John), Grundlinien der Geologie von Bosnien—Hercegovina. 
Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. XXX, pag. 159—492. — Wird hier citiert als: 
„Grundlinien“, 

1881. Baron Loeffelholz, Einige geognostische Notizen aus Bosnien. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A., pag. 33. 
— A. Bittner, Bemerkungen dazu. Verhandl. d, k. k. geol. R.-A., pag. 27. 
1882. F. Toula, Geologische Übersichtskarte der Balkanhalbinsel. Peterm. geogr. 
Mitt., Oktoberheft. 


1884. 


Ernst Kittl. [150] 


. F. Toula, Die im Bereiche der Balkanhalbinsel geologisch untersuchten 


Reiserouten. Mitt. d. k. k. geogr. Gesellsch. Wien, 2. Heft. 

F. Toula, Materialien zu einer Geologie der Balkanhalbinsel. Jahrb. d. 
k. k. geol. R.-A., XXXIII. Bd., pag. 61. 

M. Neumayr, Über einige tertiäre Süßwasserschnecken aus dem Orient. 
Neues Jahrb. für Min. etc. 1883, II. Bd., pag. 37. 


F. v. Hauer, Cephalopoden der ae Trias von Han Bulog. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A., pag. 217. 

F.v. Hauer, Erze und Mineralien aus Bosnien. Einsendungen B. Walters 
(enthaltend eine Notiz über Werfener Schichten mit Myacites aus dem 
Hangenden der Eisensteine von Vares und die Angabe von Paläozoikum und 
Kalk unter dem Manganerz von Cevljanovi6). Jahrb. d. k. k. geol. R.-A,, 
pag. 751. 

A. Bittner, Neue Einsendungen von Petrefakten aus Bosnien. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A., pag. 140. 


. F. v. Hauer, Cephalopoden des bosnischen Muschelkalkes. Denkschr. d. 


Wiener Akad. d. Wissensch., LIV. Bd., pag. 1. 
B. Walter, Beitrag zur Kenntnis der Erzlagerstätten Bosniens. (Herausgeg. 
von der bosn. Landesregierung.) 


. E. Ludwig, Die Mineralquellen Bosniens. Tschermaks Min.-petr. Mitt. X (u. XT). 


A. Bou&@, Die europäische Türkei. Wien. Herausgegeben von der Bou6- 
Stiftungskommission der kais. Akad. d. Wissenschaften. 


. A. Bittner, Einsendung von Gesteinen aus dem südöstlichen Bosnien etc. 


Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 311. 

A. Bittner, Brachiopoden der alpinen Trias. Abhandl. d. k. k. geol, R.-A., 
XIV. Bd. 

Th. Fuchs, Einsendung von Petrefakten aus Bosnien. Ann. d. k. k. natur- 
hist. Hofmuseums, V. Bd., Not., pag. 84 f. 


F. v. Hauer, Beiträge zur Kenntnis der Cephalopoden der Trias von Bosnien 
I. Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wissensch., LIX. Bd, 

A. Bittner, Nachtrag I zu den Brachiopoden der alpinen Trias. Abhandl. 
d. k. k. geol. R.-A,, XVII. Bd., 2. Heft. 

A, Bittner, Ein neuer Fundort von Brachiopoden bei Sarajevo. Verhandl. 
d. k. k. geol. R.-A., pag. 349. 


. E. Kitt], Reisebericht im Jahresberichte des k. k. naturhist. Hofmuseums 


für 1892. Ann. d. k. k. natur ist. Hofmuseums 1893, pag. 71. 
F. Wähner, Reisebericht, evendort pag. 70. 


. E. Koken, Gastropoden der Schichten mit Arcestes Studeri. Jahrb. d. k.k. 


geol R.-A., XLIV. Bd., pag. 441. 


. E. v. Hauer, Beitrag zur Kenntnis der Oephalopoden aus der Trias von 


Bosnien II (Nautilen und Ammoniten mit ceratit. Loben von Haliludi). 
Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wissensch., LXITI. Bd., pag. 237 u. £. 

A. Rücker, Einiges über das Goldvorkommen in Bosnien. Wien, Selbst- 
verlag des Verfassers. 

E. Ludwig, Das Schwefelbad Ilidze bei Sarajevo. Wien. 

8. Brusina, Faune malacologique neogene. Agram. 

N. Andrussow, Fossile und lebende Dreissensidae Eurasiens. St. Petersburg. 


. E. Koken, Die Gastropoden der Hallstätter Kalke. Abhandl. d. k. k. geol. 


R.-A., XVII. Bd., 4. Heft. 


F. Poech, Mitteilungen über den Kohlenbergbau in Bosnien. Österr. Zeit- 
schrift für Berg- und Hüttenwesen, pag. 369. 


. Fr. Siebenrock, Über einige fossile Fische aus Bosnien. Wissensch. Mitt. 


aus Bosnien und der Hercegovina, VII. Bd., pag. 683 f. 
F. Katzer, Das Eisenerzgebiet von Vares. Berg- und Hüttenmänn. Jahrb. 
d. Bergakad., XLVIII. Bd., pag. 99. 


. F. Katzer, Zur näheren Altersbestimmung des Süßwasserneogens in Bosnien. 


Zentralbl. für Min. etc. Nr. 8, pag. 227. 

A. Bittner, Über einige Petrefakte von norischem Alter aus der Gegend 
von Öevljanovi6 in Bosnien, Verhandl. d. k. k. geol. R.-A., pag. 284. 

H. Engelhardt—F. Katzer, Prilog poznavanju terciarne flore najsire 
okoline Dönje Tuzle u Bosni. Glasnik XIII, pag. 473. 


[151] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 665 


1901. Joh. Grimmer, Das Kohlenvorkommen von Bosnien und der Hercegovina. 
Wissensch. Mitteil. aus Bosnien etc., VIII. Bd. 
— F.Katzer, Zur Verbreitung der Trias in Bosnien. Sitzungsber. d. k. böhm., 
Ges. d. Wiss., Prag, Nr. XXI. 
1903. A. Bittner, Brachiopoden und Lamellibranchiaten aus der Trias von 
Bosnien, Dalmatien und Venetien. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1902, pag. 495 f. 
—  F. Katzer, Geologischer Führer durch Bosnien und die Hercegovina. 
Sarajevo. 
— H. Engelhardt, Prilog poznavanju foss. flora Zenica etc. Glasnik, XV. Bd., 
pag. 115. 


IX. Paläontologischer Anhang. 


So sehr es erwünscht gewesen wäre, alle bei Sarajevo ver- 
tretenen Formationen hier auch ausführlicher paläontologisch zu be- 
handeln, so konnte davon doch nur einzelnes herausgegriffen werden, 
wovon genügendes Material vorlag, welches einer Bearbeitung harrte. 
Die Cephalopoden der Buloger Kalke erscheinen für die Zwecke der 
vorliegenden Arbeit schon hinreichend durchgearbeitet; dasselbe gilt 
von den Brachiopoden der Trebevicer Brachiopodenkalke. Die Gastro- 
poden dieser Schichten sollen zusammen mit anderem Material 
einer Bearbeitung unterzogen werden, weshalb hier nur einige An- 
deutungen über diese Fossilien gegeben werden. Es werden hier 
nachfolgende Materien behandelt: 


Die Fauna des Karbons von Prata; 

Die Fauna der Bellerophonschichten ; 

Die Fossilien der Buloger Kalke; 

Die Fauna der Kalke vom Siljansko polje; 

Die Fauna der Kalke von Hrasßtiste; 

. Triadische Arten von Posidonomya, Daonella, Halobia und 
Monotis. 


are I SOUL 


1. Die Fauna des Karbons von Prala. 


Der Beschreibung der Arten aus den Schiefern des unteren 
Karbons (Kulm) sollen einige Bemerkungen über andere Funde folgen. 


A. Arten aus dem Kulmschiefer. 


Mit Ausnahme des von A. Bittner 1889 aufgefundenen Trilo- 
bitenrestes stammt das hier besprochene Material aus den von Berg- 
hauptmann J. Grimmer vorgenommenen und aus meinen eigenen 
Aufsammlungen. Herr Berghauptmann Grimmer hat mir wiederholte 
Einsendungen von dem durch ihn entdeckten Fundorte gemacht. 


1. Dictyodora Liebeana (Weiss). 

1892 E. Zimmermann, Dictyodora Liebeana (Weiss) und ihre Beziehungen etc. 
32.35. Jahresber. d. Gesellsch. v. Freunden d. Naturwissenschaft in Gera 
(1889— 1892), pag. 28. 

Die eingehendsten Studien über dieses Fossil hat E. Zimmer- 
mann geliefert; er hat es mit dem kambrischen Vexillum verglichen. 


666 Ernst Kittl. ee: 


Über die Natur von Dictyodora haben aber auch diese sorgfältigen 
Arbeiten nichts ermitteln können. Das auffälligste sind die Durch- 
schneidungen der sogenannten Mantelflächen; sie lassen die Annahme, 
daß Dictyodora in seiner Gestalt den Rest eines reellen Organismus 
darstelle, nicht recht aufkommen, man wird vielmehr zu dem Glauben 
gedrängt, daB man es nur mit Spuren ausgeführter Bewegungen zu 
tun habe. Für unsere Zwecke kommt indes die Frage nach der Bildung 
des Fossils erst in zweiter Linie in Betracht. 

Nach Zimmermann ist Dictyodora aus dem Untersilur und aus 
dem tieferen Devon bekannt und erscheint häufig im Kulmschiefer 
(unterer und oberer Kulm). 


Mit diesen Erfahrungen stimmt das Vorkommen in den Schiefern 
von Pra&a ganz wohl überein, wo es ebenfalls nicht selten zu sein 
scheint. Die Erhaltung des Fossils ist hier eine ebensolche wie in 
den thüringischen Kulmschiefern. 


Vorkommen bei Pra&@a: Grimmers Fundort und rechtes Ufer so. 


2. Poterioerinus? sp. 


Abdrücke von Stielen; sie lassen eine Bestimmung nicht zu. Ab- 
drücke von Stielgliedern aber zeigen kräftige Radialfurchen und einen 
kreisförmigen Nahrungskanal. 


Vorkommen bei Praöa: Grimmers Fundort. 


3. Stenopora? sp. 


Auf der Innenseite? eines glatten Gehäuses (Orthoceras) sind 
die Spuren mehrerer Kolonien mit einfachen runden bis polygonalen 
Zellen zu erkennen, die je von einer Verdickung umgeben sind. 
Eine nähere Bestimmung ist ganz ausgeschlossen. 


Vorkommen bei Pra@a: Grimmers Fundort.’ 


4. Productus (?) tureicus Kittl n. f. 
Taf. XXI (D, Fig. 1 und 2. 


Der Umriß der Schalen ist gerundet, subrektangulär, gegen den 
geraden Schloßrand’zu etwas verschmälert. An den Schloßrand schließt 
sich auf beiden Klappen eine schmale, mit Deltidialspalte versehene 
Area an; auf der größeren Klappe wird der Schloßrand von 3—4 in 
gleichen Entfernungen stehenden röhrigen Stacheln begleitet. Die 
Oberfläche scheint nur mit schwachen konzentrischen Lamellen, mit 
einer schütteren Punktierung sowie mit einzelnen ziemlich unregel- 
mäßig verteilten Stacheln von geringeren Dimensionen, als jene nächst 
dem  Schloßrande verziert zu sein. Die Wölbung der Schalen ist 
(wohl des zerdrückten Zustandes wegen) nicht sehr bedeutend ; sie 
verflacht sich gegen den Rand und scheint sogar einer Biegung in 
entgegengesetztem Sinne Platz zu machen. 


[153] Geologie des Umgebung von Sarajevo. (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 667 


Die zu dieser Art gerechneten Exemplare weisen Merkmale auf, 
welche teils auf die Gattung Produetus, teils auf die Gattung Chonetes 
hinweisen. 

Die oben beschriebene Art der Wölbung der Klappen sowie der 
Schalenumriß und die Skulptur würden eher für Productus sprechen, 
wogegen das Vorhandensein einer mit Deltidialspalte versehenen Area 
auf beiden Klappen sowie die schrägen Stacheln neben dem Schloß- 
rande mehr — wenn auch nicht mit Sicherheit — auf Chonetes hin- 
deuten. Diese Merkmale finden sich — freilich seltener — auch bei Pro- 
ductus. So erscheint eine solche Area mit Deltidialspalte bei Productus 
Murchisonianus Kon.!), welche Art auch in Skulptur und Umriß unserer 
Art recht ähnlich ist, aber nach Koninck die verbreitetste devonische 
Art ist, also wohl kaum mit Productus twreicus identisch sein dürfte, 
wenngleich sie bis in die obersten Grenzschichten gegen das Karbon 
reichen soll. Daraus könnte zunächst als wahrscheinlich abgeleitet 
werden, daß die Schiefer von Praöa einem der tiefsten karbonischen 
Horizonte zufallen. Eine mitunter ebenfalls eine kleine Area zeigende 
Art wäre Productus productoides Murch., welche Art Koninck als im 
Oberdevon vorkommend anführt und fast als Varietät von Prod. ‚Mur chi- 
sonianus zu betrachten geneigt ist?). 


Dem Productus tureicus hinsichtlich der Wölbung der Schalen 
recht ähnlich und auch sonst damit in anderen Eigenschaften über- 
einstimmend ist eine Art von Vise, nämlich Productus marginalis Kon. °) ; 
sie zeigt aber auf dem auffällig abgebogenen Schalenrande eine aus 
kräftigen Radialrippen bestehende Verzierung. 


Zu jenen Eigenschaften, welche mir für die Zuteilung der Art von 
Prada zu Productus maßgebend erschienen, gehört der Mangel einer 
auffälligen Radialskulptur, da ja alle bisher bekannten Arten von 
Ohonetes mit wenigen Ausnahmen \ Oh. concentrica Kon.) eine Radial- 
streifung oder Radialberippung zeigen. 

Nachdem somit die Mehrzahl der erhobenen Eigenschaften für 
Productus spricht, so teile ich die Art dieser Gattung zu, obgleich der 
Erhaltungszustand der vorliegenden Exemplare ein recht ungünstiger 
ist, daher eine Sicherheit der Bestimmung nicht gewährleistet, welche 
ich nur als eine vorläufige ansehe. 

Die relativen Dimensionen schwanken innerhalb weiter Grenzen, 
was ich zum Teil auf Rechnung der Deformation setze. 

Die abgebildeten Exemplare zeigen nachfolgende Abmessungen 
in Millimetern: 


Länge Breite 
ru Zen ea 174 
Piadrr2:0,0)..,.1120:807 0° 198 


Vorkommen bei Pra&a : Grimmers Fundort und nördliches Seitental. 


1) Orthis productoides Murchison. (Bull. soc. g6ol. France, XI., 1840, pag. 254) 
— Koninck, Rech. s. l. anim, foss, I, 1847, pag. 138. 

2) Koninck, ]. c. pag. 143. 

3), Koninck, Rech. s. ]. anim. foss. I., Monogr. des genres Productus et 
Chonetes. Liege 1847, pag. 132. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 4, lleft. (E. Kittl.) 90 


668 Ernst Kitt). . [154] 


5. Pecten !) (Aviculopecten) pracaensis Ki. n. f. 
Taf. XXI (D), Fig. 3. 


Ein Exemplar von Grimmers Fundort zeigt konzentrische Rippen 
und auf der hinteren Schalenhälfte deutliche, sonst aber nur undeut- 
liche Radialfurchen in schwacher Ausbildung. 

Einige Ähnlichkeit damit hat Pecten (Inoceramus auriculatus Me. 
Coy (Carb. foss. Ireld., pag. 77, Taf. XIX, Fig. 5), dann Streblopteria 
cellensis Kon. (Cale. carbonif. de la Belgique, Tome V, Taf. XXXIX, 
Fig. 14); diese Art entbehrt der konzentrischen Falten. Auch Aviculo- 
pecten proteus Kon. (l. c. Taf. XL, Fig. 10) und Limatula linguata Kon. 
(l. e., Taf. XXXIIL, Fig. 17—20) könnten damit verglichen werden. 

Vorkommen bei Praöa: Grimmers Fundort. 


6. Fecten (Streblopteria?) cf. cellensis Kon. 
Taf. XXI (I), Fig. 4. 
1885, L. G. de Koninck, Faune du calc. carbonifere de la Belgique, V., 

pag. 209, Taf. XXXIX, Fig. 14, 16 und 20. 

Gestalt, Umriß und Größe stimmen mit den von Koninck ge- 
lieferten Abbildungen überein. Die starke Deformation ist aber doch 
jedenfalls ein Hindernis der strikten Identifizierung des Pra&aer Stückes 
init der angezogenen Art. Der Mangel deutlicher konzentrischer Wellen 
und radialer Skulpturelemente unterscheidet diese Form in bestimmter 
Weise von Aviculopecten pradaensis, während die Gattungscharaktere 
nicht in unzweideutiger Weise zu ersehen sind ?). 

Vorkommen bei Praöa: Grimmers Fundort. 


7. Chaenocardiola cf. Footi Bail. 
TAX XI (DiERig. 5. 
Die von Holzapfel (Unterkarbon von Erdbach etc. Pal. Abh. 
von Dames und Kayser V, 1889, pag. 61) aufgestellte Gattung Chaeno- 
cardiola ist nach demselben von Chaenocardia Meek (Proc. ac. nat. sci., 


1) Koninck, Calc. carb. belg., V.,1885, pag. 210, scheint alle karbonischen 
Pecten-Arten zu Aviculopecten, Streblopteria oder Entolium zu stellen; die Gattung 
Pecten nennt er nicht. — Waagen hat aber im indischen Karbon echte Pecten-Arten 
nachgewiesen; er unterscheidet Aviculopecten und Pecten nach der relativen Länge 
der vorderen und hinteren Ohren; erstere Gattung hat nach ihm längere hintere, 
Pecten längere vordere Ohren. Außerdem konnte Waagen bei einigen wenigen 
Exemplaren von Pecten die dreieckige Ligamentgrube nachweisen. Selten sind die 
Aviculopecten-Formen höher als breit; von diesen seltenen Formen wäre die vor- 
liegende aus dem Karbon von Pra£ia eine. 


2) Die Gattung Streblopteria wurde von Mc. Coy (On some new mountain 
limestone fossils) Ann. mag. nat. hist. VII. Bd. (2. ser.), 1851, Seite 170 aufgestellt, 
und zwar für „many species in the carboniferous limestone“, ohne ein bestimmtes 
Beispiel anzuführen. Der Charakter der Gattung ist nach ihm: „Oval oder gerundet, 
fast rechteckig und so weit wie der Hinterrand reichend. Vorderes Ohr schmal, scharf 
begrenzt. Oberfläche glatt oder radial gerippt. Ein breiter Muskeleindruck etwa 
hinter der Mitte; ein kurzer schmaler Zahn etwas schräg zum Schloßrand, hinten; 
Ligament in einer Grube (facet) auf dem Schloßrande.“ 

Koninck, Faune du calc. carb. de la Belgique, V., (1885), gibt an, Pecten 
laevigatus Me. Coy habe als Type gedient. (Vielleicht weil diese Art bei Mc. Coy 
zuerst in der Reihe der Abbildungen steht?) 


u 


[155] Geologie der Umgebung von Sarajevo, (Paläontolog. Anh.: Karbon) 669 


Philadelphia 1869, pag. 170) wesentlich durch die Ungleichklappigkeit 
der Schalen unterschieden. Holzapfel beschreibt aus dem Karbon von 
Liebstein die Art Ch. haliotoidea (Roem.) und nennt als zu der Gattung 
gehörig auch devonische Arten. 

Beushausen (Lamellibr. d. rhein. Devons. Abh. d. k. preuß. 
Landesanst., 17. Heft, 1895) charakterisiert die Gattung neu als gleich- 
klappig mit nach hinten eingerollten Wirbeln. W. Hind (Carbonif. 
Lamellibranchiata I., London, Palaeontograph. Soc. 1896, pag. 475) 
rechnet Chaenoc. (Lunulicard.) Footi Bail. hierher; er orientiert die 
Schalen bezüglich hinten und vorn anders als Beushausen. 

Die von Prata vorliegenden Reste (3 Klappen) sind zu der Unter- 
suchung der generischen Eigenschaften kaum ausreichend, stimmen 
jedoch mit der karbonischen, durch Baily !), Etheridge ?2) und Hind 3) 
von Großbritannien beschriebenen Form recht gut überein, so daß die 
Reste von Prada wahrscheinlich mit diesen identisch sind. 


Vorkommen bei Pra@a: Grimmers Fundort. 


8. Modiola lata Hind. 
Taf. XXI (I), Fig. 6 und 7. 
W. Hind, Carbonif. Lamellibranchiata I., Paläont. soc. London, 1896, pag. 65, 

Taf. II, Fig. 23—27. 

Hiervon liegen vor: eine Klappe, verschieden von allen Arten 
Konincks; ferner eine andere, dieser ähnlich, aber schmäler. Beiden 
ist eine hintere breite, schräge Abstutzung der Schale gemeinsam, 
welche sich an allen Zuwachsstreifen wiederholt. 

Diese Art der Abstutzung findet man zum Beispiel bei Grammysia, 
aber auch bei Modiola lata, wenn auch bei den Originalen in geringerem 
Ausmaße, als bei den zwei Exemplaren von Praca. 

Man kann über die Zusammengehörigkeit der zwei abgebildeten 
Exemplare im Zweifel sein, da ihr Umriß anscheinend große Ver- 
schiedenheiten darbietet. Ich schreibe jedoch der Deformation im 
Schiefer eine so bedeutende Wirkung zu, daß mit Rücksicht darauf 
die Zusammengehörigkeit beider Exemplare nicht unwahrscheinlich 
wird. Zahlreicheres und besseres Material dürfte darüber Aufklärung 
bringen. 

Vorkommen bei Pra@a: Grimmers Fundort. 


9. Patella ottomana Ki. n. f. 
Taf. XXI (I), Fig. 8. 


Der Umriß ist oval, etwas seitlich abgeflacht, der Wirbel liegt 
exzentrisch im Verhältnisse 2:3. Es zeigen sich Radialrippen ange- 
deutet. Der Gehäusewinkel scheint sehr flach gewesen zu sein, immerhin 
ist das Exemplar aber jedenfalls auch flachgedrückt. 


1) Geol. Surv. of Ireland; Expl. Sheet 142, pag. 19, Fig. 9a—e (1860). 
2) Etheridge, Brit. foss. pt. I. Palaeozoic (1888), pag. 281. 
3) Hind, Carb, Lamellibr., I. (Pal. Soc. London 1896.) 

90* 


670 Ernst Kittl. [156] 


Ähnliche Fossilien wurden von L. G. de Koninck (Faune calc. 
carb. de la Belgique, IV., 1883) als Lepetopsis beschrieben. Ich ziehe 
hier den indifferenten Gattungsnamen vor. 


Vorkommen bei Pra&a: Grimmers Fundort, 1 Exemplar. 


10. Euomphalus sp. 


Eine Reihe von zerdrückten Exemplaren zeigt deutlich die Kante, 
welche sich bei Euomphalus findet. Es ist wahrscheinlich, daß nur eine 
solche Kante vorhanden war, doch läßt sich bei dem zerdrückten Zu- 
stande der Gehäuse nichts sicheres darüber ermitteln. 


Vorkommen bei Prada: erstes Seitental, Grimmers Fundort. 


11. Orthoceras? sp. 
Taf. XXI (D), Fig. 25 und 26. 


Glatte Gehäuse, die zumeist zerdrückt sind und gewöhnlich vier 
Längsbrüche zeigen, wodurch sie bei regelmäßigerem Verlaufe der 
Bruchlinien an Gehäuse von Conularia erinnern, jedoch auf solche 
nicht bezogen werden können, da die sonstige Skulptur dieser Gattung 
fehlt. Aber die Zugehörigkeit zu Orthoceras ließ sich nicht nach- 
weisen, da nicht einmal Spuren einer Kammerung erkennbar sind, 
obgleich zahlreiche Exemplare des sehr häufigen Fossils untersucht 
wurden. Auch an die Zugehörigkeit zu Solenoconchen läßt sich denken, 
jedoch ist darüber bei der Unvollkommenheit der Erhaltung keine 
Klarheit zu gewinnen. Dasselbe gilt von etwaigen Beziehungen zu 
Pteropoden ohne kantige Gehäuse. Was noch für die Zugehörigkeit 
zu Örthoceras spricht, das ist das seltene Vorkommen deformierter, 
aber unzerbrochener Gehäuseabdrücke, die, obgleich auch unvoll- 
ständig, mit viel größerer Wahrscheinlichkeit zu Orthoceras gehören. 
Wenn diese Reste in der Tat zu Orthoceras gehören, wie es noch 
immer das annehmbarste ist, so deuten sie wohl auf zwei Arten 
hin, die sich durch den Gehäusewinkel unterscheiden. Die mit größerem 
Gehäusewinkel sind seltener. 


Vorkommen bei Pra@a: An den beiden Hauptfundorten in zahl- 
reichen Exemplaren. 


12. Orthoceras cf. salutatum Kon. 
Taf. XXI (I), Fig. 28. 

Neben den zweifelhaften Resten von Orthoceras finden sich in 
den Kulmschiefern drei verzierte Arten, welche dieser Gattung mit 
größerer Sicherheit zugeteilt werden können, obgleich auch ihr Er- 
haltungszustand manches zu wünschen übrig läßt. 

Eine dieser Arten steht dem Orthoceras salutatum Koninck (Faune 
du calc. carb. de la Belgique II.) sehr nahe, welche bei subzylindrischer 
Gestalt fein quergestreift ist. 

Vorkommen bei Prada: Grimmers Fundort. 


[157] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 671 


13. Orthoceras? cf. discrepans Kon. 
Taf. XXI (I), Fig. 97. 


Unter diesem Namen führe ich ein Exemplar an, welches ebenfalls 
eine feine Querstreifung bei mehr konischer Gestalt zeigt. Hier wäre 
es immerhin möglich, auch an eine Zugehörigkeit zu Dentaliiden zu 
denken. O. discrepans wäre die häufigste Art der Orthocerenkalke der 


-Vlaska stiena, wenn diese wirklich Karbon sind. 


Vorkommen bei Pra@a: Grimmers Fundort. 


14. Orthoceras cf. laevigatum (2) Kon. 
Taf. XXI (D), Fig. 29. 


Eine mit Querringen und dazwischen liegenden feinen Quer- 
streifen verzierte Art; sie stimmt in ihrer Skulptur mit Orthoc. annuloso- 
lineatum überein, während sie in der Gestalt besser zu Orthoc. laevi- 
gatum (Koninck, Cale. carbonif. de la Belgique, Tome II, Taf. 41) 
paßt, welche auch eine ähnliche Verzierung besitzt. 


Vorkommen bei Pra@a: Grimmers Fundort; nördliches Seitental. 


Genus Gontatites de Haan. 


Es ist zweifellos ein Verdienst von E. Haug!), den Namen 

Goniatites, der in der letzten Zeit gleichwie Ammonites nur mehr als 
Gruppenname benützt wurde, wieder als Gattungsbezeichnung in Ver- 
wendung gebracht zu haben. 
4 Erst kürzlich hat in diesem Sinne J. P. Smith?) gezeigt, daß 
de Haan?) als Type für seine Gattung Goniatites die Art: @. sphaericus 
Mart.*) gewählt hat, also ein anderer Gattungsname für die Art nicht 
anwendbar ist. Demnach erscheint die Gattung @Glyphioceras Hyatt), 
welche auch Gon. sphaericus umfaßt, nur als ein Synonym von Gonia- 
tites. Mit Smith bin ich der Anschauung, daß die Begrenzung der 
Gattung Goniatites, bei welcher de Haan neben Gon. sphaericus nur 
noch die verwandte Art: Gon. striatus Mart. anführte, auf ihre ur- 
sprüngliche Bedeutung zurückzuführen sei. Nachdem Hyatts Gl/yphio- 
ceras in der Tat neben den ursprünglichen Typen nur noch weitere 
sehr ähnliche Arten umfaßt, so entspricht seine Diagnose von @lyphio- 
ceras auch der von Goniatites. 


!) E. Haug, Etudes sur les @Goniatites. M&m. soc. g&ol. — Paleontologie. — 
Mem. No. 18. Paris, 1898, pag. 26. 

?) James Perrin Smith, The carboniferons ammonoids of America. Monogr. 
of the U. S. Geol. Survey, XIII, 1903. 

3) G. de Haan, Monogr. Ammoniteorum et Goniatiteorum 1825, pag. 159. 

*) De Haan beruft sich auf Sowerby (Min. Conch.) 

5) A. Hyatt, Genera of fossil cephalopods. Proc. Boston soc. nat. hist., XXII, 
1883, pag. 328, teilt die Gattung @/yphioceras in zwei Gruppen: 

a) mit spitzem Externsattel: @. crenistria, G. complicatum ; 

b) mit rundem Externsattel umfaßt die meisten übrigen Formen: @. sphae- 
ricum, G. fimbriatum, G. striatum, G. obtusum, @. Phillipsi, @. miceronotum, @. trun= 
catum, @. vesica. G, implicatum etc, 


672 Ernst Kitt. [158] 


In gewissem Gegensatze zu diesem Vorgange steht der von 
E. Haug, welcher die Gattung Glyphioceras neben Goniatites erhalten 
sehen will, indem er der Gruppe 1 Hyatts mit spitzem Lateralsattel 
den Namen Goniatites, der Gruppe 2 Hyatts mit gut entwickelten 
Varices aber den Namen @Glyphioceras geben will. 

Ich glaube mich jedoch dem Vorgange von Smith auch deshalb 
anschließen zu sollen, weil ein Teil der von Hyatt zur Gruppe 2 von 
Glyphioceras gestellten Formen, falls sie von Goniatites entfernt werden 
sollten, auch bei Gastrioceras untergebracht werden kann, was schon 
Karpinsky?!) gefunden hat, während Haug darauf hinweist, daß 
die Jugendcharaktere bei Gastrioceras im Gegensatze zu Glyphioceras 
selbst im Alter erhalten bleiben, welcher Umstand vielleicht doch nicht 
hinreicht, zwei Gattungen getrennt zu halten; ja man darf sonach 
sogar zweifeln, ob es möglich sein wird, auf die Dauer Gastrioceras 
von Goniatites separiert zu halten. 

Die Gattung Goniatites hätte nach den vorigen prinzipiellen Aus- 
führungen folgenden Charakter: 

Gehäuse involut, Nabel eng oder geschlossen, glatt oder fein 
gestreift, Externseite gerundet; Externlobus mit schmalem Median- 
sattel; Externsattel schmal, gerundet oder spitz; Laterallobus spitz, 
tief. Lateralsattel breit, gerundet, gewöhnlich mit einem Auxiliarlobus 
auf dem Nabelrande. 


15. Goniatites erenistria Phill. 
Taf. XXI (T), Fig. 9. 


Eine quergestreifte Form, deren Lobenlinie mit der von Gon. 
sphaericus Martin bei Koninck (l. e. Taf 47, Fig. 4) beiläufig, genauer 
aber mit der von L. G. Smith (l. e. Taf. XVI, Fig. 1j) gelieferten 
Zeichnung übereinstimmt; ähnlich ist auch die Lobenlinie von G@on. 
 complicatus Kon. 

In jeder Hinsicht stimmt also Gon. crenistria Phill. mit den von 
Prada vorliegenden Exemplaren so weit überein, als das bei dem 
deformierten Zustande der Gehäuse möglich ist. Die Querstreifung 
ist bei den Exemplaren von Prata in bester Übereinstimmung mit 
der bei den Exemplaren von Grund zu beobachtenden. 

Gon. crenistria kommt in dem Bergkalke und im Kulm von Eng- 
land, Deutschland und Belgien vor; so auch im amerikanischen Unter- 
karbon, scheint also das Unterkarbon (Kulm) gut zu charakterisieren. 

Vorkommen bei Pra@a: Grimmers Fundort und nördl. Seitental. 


16. Goniatites af. truncatus Phillips (2). 


1836. Goniatites truncatus J. Phillips. Geol. Yorksh. II, pag. 223, Taf. XIX, 
Fig. 20 und 21. 

1897. Glyphioceras truncatum Foord & Crick, Cat. foss. ceph. Brit. Mus. III., pag. 175. 
Das einzige Exemplar, welches ich glaubte mit der angezogenen 

Art vergleichen zu sollen, zeigt nur Fragmente der Lobenlinie, wohl 


!) Karpinsky, Die Ammoneen der Artinskstufe. Mem. acc. St. Pet., XXX VII, 
Nr. 2, pag. 46. 


[159] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 673 


aber ein enggenabeltes Gehäuse mit flachen Falten auf den Seiten- 
flächen und Zuwachsstreifen, welche auf der Externseite einen tiefen 
Sinus bilden. In dieser Hinsicht könnten noch @lyph. Phillipsi Fo. & Or. 
und Glyph. mieronotum Phill. in Betracht kommen, die sich aber durch 
einige Details der Skulptur unterscheiden: @. micronotum hat die 
kräftigste Skulptur auf der Externseite, @. Phillipsi einen anders 
beschaffenen Externlobus und eine anders geformte Nabelregion, so 
daß der vorliegende Rest von Prada dem @. truncatum am nächsten 
stehen dürfte. 


Vorkommen bei Praca: nördl. Seitental. 


17. Gastrioceras Beyrichi Kon. 
Taf. XXI (D), Fig. 10. 


1833. Ammonites Listeri Davreux. Prov. de Liege, Taf. V, Fig. 6, Taf. VIII, Fig 4c. 
1837. anne Listeri Beyr. (non Mart.). Verst. d. Rhein. Überg., pag. 39, Taf. II, 
ig. 6. 

1843. Goniatites Beyrichianus Koninck in Omalius d’Halloy, Precis elements de 
geologie, pag. 515. 

1844. Ammonites diadema Koninck. Deser. anim. foss. carb. de la Belgique, pag. 574, 
(pp-), Taf. L, Fig. 1 (non 2). 

1863. Goniatites Listeri F. Roemer (non Mart.). Marine Conchilienfauna, pag. 580, 
Taf. XV, Fig. 2. j 

1880. (2) Goniatites Listeri F. Roemer. Über eine Kohlenkalkfauna der Westküste 
von Sumatra. Paläontogr. XXXVII, Taf. III, Fig. 6. 

1897. Glyphioceras diadema Foord & Crick. ‚Cat. pag. 202 (p. p.). 

1898. Glyphioceras Beyrichianum E. Haug. Etudes s. ]. goniatites, pag. 95, Taf. I, 
Fig. 1—21 und 23. 


Die Gattung Gastrioceras!), als deren Type @. Listeri Phill. 
bezeichnet wird, ist durch folgende Eigenschaften charakterisiert: 
Weit genabelt, Umgänge längsgestreift, oft mit Querrippen und Knoten 
auf dem Nabelrande, außen breit gerundet, mit Einschnürungen. Extern- 
lobus breit und tief mit einem Mediansattel, erster Laterallobus tief 
zungenförmig, winklig, zweiter Laterallobus schmal, winklig, auf der 
Nabelkante oder weiter hineingerückt. 

Diesem Charakter entspricht @. Beyrichi, wenn auch nicht 
genau, so doch in so hohem Grade, daß diese Art viel besser bei 
Gastrioceras steht, als bei Glyphioceras. Holzapfel stellt denn auch 
G. diadema zu Gastrioceras?), und schon Beyrich?°) hat @ .Beyrichi 
als Gon. Listeri bestimmt. 

Dagegen führt Zittel (Grundzüge) die Art @. Beyrichi bei 
Glyphioceras an, wie auch F. Frech (Lethaea geogn.) und Foord & 
Crick‘*). 

Diese weitverbreitete Art glaube ich mit ziemlicher Sicherheit 
in zwei zerdrückten Exemplaren zu erkennen, welche sehr weit 
genabelt und kräftig gerippt sind, also sich unmittelbar der ebenso be- 


1) Hyatt, Proc. Boston Soc. Nat. Hist., XXII., (1884), pag. 327. 

2) Paläontolog. Abhandl. v. Dames u. Kayser, V., 1889, pag. 26. 

3) Beitrag zur Kenntnis derVersteinerungen des rheinischen Übergangsgebirges, 
1837, pag. 39. 

*) Cat. Foss. Ceph. in the Brit. Mus. III., 1897, pag. 202 als @lyphioceras 
diadema. 


674 | Ernst Kittl. [160] 


schaffenen Varietät von Choquier anschließen, welche mit dem eng- 
senabelten, schwächer verzierten Typus der Art allerdings durch Über- 
gänge verknüpft ist. 

Die zwei von Prata vorliegenden, im Schiefer eingeschlossenen 
und deformierten Exemplare zeigen keine deutliche Lobenlinie, wohl 
aber die so charakteristische Nabelkante und Gehäuseskulptur. Scharfe 
Querrippen übersetzen die Nabelkante, wobei sie zu Knötchen an- 
schwellen. Auf der Externseite scheinen einige Längskiele in weiten 
Abständen zu verlaufen. 


Vorkommen bei Praöa: Grimmers Fundort und nördl. Seitental. 


18. Osmanoceras undulatum Ki. nov. gen. n. f. 
Taf. XXI (I), Fig. 11. 


Ein Fragment eines Goniatiten zeigt deutlich eine Lobenlinie, 
wie sie für G@lyphioceras und Gastrioceras bezeichnend ist, in Vereinigung 
mit groben Zuwachsstreifen, welche auf der Externseite einen nach 
vorn gerichteten Lappen bilden (medianes Ohr), während alle die 
zahlreichen Glyphioceras-Arten auf der Externseite einen Sinus zeigen, 
also seitliche Ohren besessen haben. Diese charakteristische Krümmung 
der Zuwachsstreifen, welche Haug zum Beispiel für die Jugendstadien von 
Gastrioceras Beyrichi als bezeichnend erkannte und welche Osmanoceras 
von allen Gattungen und Arten mit ähnlicher Lobenlinie unterscheidet, 
steht in Verbindung mit. submarginalen Einbuchtungen der Zuwachs- 
streifen. Auffällig breit ist auch der Lateralsattel. Die Lobenlinie hat 
einen zweispitzigen Externlobus, einen hohen runden Externsattel, 
einen tiefen, zungenförmigen, zugespitzt abgerundeten Laterallobus und 
einen sehr unsymmetrischen, breiten Lateralsattel, dessen innerer 
absteigender Ast sehr flach gegen den Nabel zieht, wo sich vielleicht 
noch ein seichter zweiter Laterallobus anfügt. Die Gestalt des Gehäuses 
von Osmanoc. undulatum scheint kugelig und enggenabelt gewesen 
zu sein. 

Vorkommen bei Prala: Grimmers Fundort. 


19. Pericyclus? sp. 


Einige zerdrückte Gehäuse zeigen bei wahrscheinlich kugeliger 
Gehäuseform zahlreiche Querfalten und wenige Querfurchen (Varices), 
die von seitlichen Anschwellungen begleitet sind. Die Richtung dieser 
Falten und Querfurchen ist radial über das Gehäuse, kaum Ein- 
biegungen zeigend. Eine solche Beschaffenheit der Gehäuseskulptur, 
insbesondere die Varices finden sich bei Popanoceras (Stacheoceras), 
Pericyclus, Glyphioceras nitidum (Phill.) [siehe Foord u. Crick, Catal. 
pag. 186], Glyphioceras mutabile Phill., Glyphioceras Roemeri Holzapf. 
und bei Glyphioceras parallelum (Hall) [siehe Foord u. Crick, Catal. 
pag. 189]. | 

Die kräftigen Querfalten würden ebenso wie deren gerader 
Verlauf auf Pericyclus hindeuten, wogegen Beziehungen zu Glyphio- 
ceras gerade in dieser Hinsicht nicht zu erkennen sind. 

Vorkommen bei Prata: Grimmers Fundort und nördl. Seitental. 


[161] Geologie der Umgebung von Sarajevo, (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 675 


20. Pronorites sp. 
Taf. XXI (D, Fig. 12. 

Ein Fragment eines Ammonitenrestes zeigt deutliche Loben, die 
so vollständig mit denjenigen von Pronorites!) übereinstimmen, daß 
es wohl auf diese Gattung bezogen werden kann. Es ist der erste 
Laterallobus, welcher deutlich zweispitzig erscheint, während der 
nächstfolgende als zweiter Lateral gedeutete Lobus sicher einspitzig 
ist. Die Konstatierung dieser Gattung allein gestattet schon den 
Rückschluß auf ein karbonisches Alter ihrer Lagerstätte. 

Vorkommen bei Praöa: nördliches Seitental. 


21. Prolecanites Henslowi Sow. ?) 
Taf. XXI (I), Fig. 13—17. 


Die von Prada vorliegenden Exemplare zeigen evolute, weit- 
genabelte Gehäuse, deren glatte Umgänge wahrscheinlich höher als 
breit sind. Die Höhe der Schlußwindung beträgt mehr als t/, des 
Gehäusedurchmessers, die Nabelweite weniger als 2/, des Durch- 
messers.. Die Wohnkammer ist !/; Windung lang, die Lobenlinie 
zeigt 4 bis 5 runde Sättel, dazwischen zungenförmige, in der Tiefe 
winkelig abgerundete Loben; nur der Externlobus scheint kurz und 
einfach winkelig zu sein. Die ersten zwei Seitensättel sind die 
srößten, der Externsattel nur wenig, die inneren Sättel jedoch auf- 
fällig kleiner. 

Die Gestalt der meisten Pra6Gaer Exemplare und ihre Ab- 
messungen stimmen mit den von P. Henslowi am besten von allen be- 
schriebenen Prolecaniten überein, wogegen die Gestalt der Loben, der 
von Prol. mixolobus Phill. viel mehr gleicht, welche Art aber nach 
Foord und Crick weiter genabelt sein soll als P. Henslowi. In- 


!) Pronorites (Mojsisovics, Die Cephalopoden d. mediterranen Trias. 
Abh. d. k. k. geol. R.-A., X., 1882, pag. 201) ist beschaffen wie Prolecanites, aber 
der Externlobus und 1. Laterallobus sind gezähnt. Externlobus mit drei Spitzen, die 
durch zwei spitze Zacken getrennt sind, 1. Laterallobus meist nur durch einen 
Zacken, selten (bei Pronor. mixolobus Phill.) noch durch einen zweiten kleineren 
Zacken geteilt. Externsattel kürzer als der 1. Lateralsattel. 

Mojsisovics nennt: 

Pronor. cyclolobus Phillips (Barrois, Bol. Com. Mapa geol. Espada, VIII., 1. Lam. C., 

Fig. 2.) 

Pronor. mixolobus Phillips (Koninck, Foss. calc. carb. Belgique II, pag. 122, 

Taf. L, Fig. 15.) 

Beide mit 3 bis 4 Lateralloben. 
Pronor. postcarbonarius (Karpinsky, Verh. d. russ. Min. Ges., II. Ser., IX. Bd., 
| pag. 291, Taf. XII, Fig. 6 bis 8.) 
Pronor. praepermicus (Karpinsky, Verh. d. russ. Min. Ges., II. Ser., IX. Bd., 

Pag: 295, Tar XII, Fig. 15 bis 17.) 

Bei Pronor. mixolobus ist der 2. Laterallobus am tiefsten, sonst der 
Externlobus. 

2) Wäre nach Foord und Crick (Geol. Mag. 1894, pag. 11) identisch 
mit dem älteren Ellipsolithes compressus Sow. (vgl. Foord und Crick, Cat. foss. 
ceph. Brit. Mus, III., pag. 252 und 254, woselbst auch die Synonymie angeführt ist). 
Ich ziehe den gebräuchlicheren und jeden Zweifel ausschließenden Artnamen 
Henslowi dem älteren, aber doch unsicheren Namen compressus vor. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1903, 58. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 91 


676 Ernst Kittl. j [162] 


dessen zeigen einige Exemplare, zumeist solehe ohne Loben, eine dem 
P. Henslowi ähnlichere Gestalt, neben deutlicher seitlicher Abflachung. 


Die Unterschiede dieser zwei nahestehenden Arten gegen die 

Prataer Exemplare sind folgende: 
a) P. Henslowi ist etwas weiter genabelt, die Loben sind zum 
Teil tiefer und spitzer, die innersten vielleicht anders gestaltet. 


b) P. mixolobus ist viel weiter genabelt, die Loben zeigen dieselbe 
allgemeine Gestalt, aber nach den Beschreibungen nicht die 
bei den Exemplaren von Praöa vorhandenen weitgehenden 
Größenunterschiede. 


Diese Differenzen beziehen sich also entweder auf die Gestalt 
der Gehäuse, oder auf die Form der Loben. Alle Exemplare von 
Prata sind seitlich stark zusammengedrückt, wodurch alle relativen 
Maße wie Nabelweite und relative Höhe der Schlußwindung ver- 
ändert werden; aber auch ein Teil der bisherigen Abbildungen 
der genannten Arten weist deutlich auf eine Deformation der be- 
treffenden Gehäuse hin, so daß eine genauere Vergleichung dieser 
Eigentümlichkeiten undurchführbar erscheint. Im allgemeinen darf 
man aber vermuten, daß die starke seitliche Kompression der Fossilien 
in den Schiefern von Pra@a eine Verkleinerung der relativen Nabel- 
weite erzeugt und so vielleicht in der scheinbaren Verschiedenheit der 
letzteren ein wesentlicher Unterschied nicht zu suchen ist. 

Wichtiger sind die Differenzen in der Lobenlinie, da sie durch 
Deformation wohl nicht erzeugt werden können. 


Zunächst unterscheiden sich P. Henslowi und P. mixolobus durch 
die größere Tiefe und Gestrecktheit der Lobenelemente bei ersterem 
auf der Schlußwindung großer Exemplare, während bei kleineren 
Windungen ein wesentlicher Unterschied nicht zu bestehen scheint). 
Die Abweichung in der Darstellung der Lobenlinie bei Foord und 
Crick (Cat. Ceph. Brit. Mus. III, Fig. 116 a und c) ist wohl nur 
auf die ungünstige Erhaltung der Schlußwindung zurückzuführen, 
da in Fig. 116 «a diese Unterschiede nicht dargestellt sind. 


Die Exemplare von Prata zeigen die schon oben beschriebenen 
Eigentümlichkeiten der Lobenlinie: es findet sich innerhalb des 
3. Lateralsattels noch ein ganz kleiner vierter Sattel, der bei 
P. Henslowi und mixolobus nicht angegeben oder wenigstens nur unvoll- 
ständig dargestellt wird. 


Die Unterschiede der Exemplare von Prala gegen die ver- 
glichenen Arten scheinen somit keine sehr wesentlichen zu sein und 
eine artliche Vereinigung mit denselben, namentlich mit P. Henslowi 
zu gestatten. Sollte sich aber herausstellen, daß die schon be- 
schriebenen zwei Formen in der Tat weniger Loben und einen 
weiteren Nabel besitzen, als die Pra@aer Gehäuse, so kann man den 
letzteren, weiche sich durch ihre Eigenschaften der devonischen Art 


!) Es ist daher fraglich, ob die sonach erübrigende Differenz zwischen 
P. mixolobus und P. Henslowi — die verschiedene Nabelweite — hinreicht, um 
sie als artlich verschieden zu betrachten, 


[163] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 677 


P. lunulicosta sehr nähern, immerhin einen besonderen Namen geben, 
als welchen ich Prolecanites quinguelobus vorschlagen möchte. 

Wenn ich aber nun hier von der Anwendung dieses Namens 
weiterhm absehe, so hat das seinen Grund in dem Umstande, daß 
bei Prada auch weiter genabelte Exemplare vorkommen, welche sich 
also in dieser Beziehung näher an P. Henslowi anschließen; dazu 
gehört auch ein von mir auf der rechten Talseite nächst der Brücke 
gesammeltes Exemplar. 

Vorkommen bei Pra&a: nördl. Seitental 9 Exemplare, Grimmers 
Fundort 19 Exemplare, rechte Talseite I Exemplar. 


Genus Tetragonites Kittl nov. gen. 


Der Charakter ist vorläufig jener der einzigen Art Tetragonites 
Grimmeri. Als wichtigste Eigenschaften im Vergleiche mit anderen 
Gattungen erscheinen: 

Mäßig weit genabeltes Gehäuse, einander halb umfassende Win- 
dungen mit Radialrippen, die auf der Externseite durch Einschaltung 
oder Gabelung verdoppelt und zu zungenförmigen Randlappen vor- 
gezogen sind, welche durch eine ebenso gestaltete, tiefe Externbucht 
getrennt sind. Die Jugendwindungen zeigen tetragonale Nähte. Loben- 
linie mit tiefem Externlobus, großem, gerundetem Externsattel und 
zwei Seitenloben (?). 

Von jüngeren Cephalopoden scheinen durch ihre Zuwachsstreifen, 
zum Teil auch durch ihre Lobenlinie zwei von Gemmellaro als 
Glyphioceras (G. gracile und @. Meneghinii) aus dem Fusulinenkalke von 
Val Sosio beschriebene Formen !) einige Beziehungen zu Tetragonites 
zu verraten. Abgesehen davon, daß der weite Nabel diese Formen 
von Glyphioceras trennt und eher an Nomismoceras?) anreiht, so ist 
es dieselbe Eigenschaft, welche die sizilianischen Arten von Tetra- 
gonites scharf unterscheidet. Es ist vielleicht kein Zufall, wenn von 
karbonischen Goniatiten Glyphioceras reticulatum Phill.?) noch am 
nächsten mit Tetragonites verwandt erscheint, welches unter den vielen 
Formen von Glyphioceras die einzige sein dürfte, welche ähnlich 
gestaltete Zuwachsstreifen hat; in der Lobenlinie zeigt sie trotzdem 
keine Übereinstimmung, da sie nur einen Laterallobus besitzt. 


22. Tetragonites Grimmeri Kittl n. f. 
Taf. XXI (N), Fig. 18—24. 


Das Gehäuse war wahrscheinlich flach, sicher nicht weit genabelt 
(Nabelweite etwa !/, des Gehäusedurchmessers), mit 6—7 die kleineren 
halb umfassenden Windungen, welche mit kräftigen Querrippen geziert 
sind, die von dem nicht kantig begıenzte ı Nabelrande weg an den 
Seitenflächen zuerst gerade radial verlaufen, im äußeren Drittel aber 


1) G. Gemmellaro, La fauna dei calcari con fusulina della valle del 
fiume Sosio. Palermo, 1887—1889. 
2) Auch von Gemmellaro schon eitiert. 
3) Foord u, Crick, 1. c., pag. 193. 
91* 


678 Ernst Kittl. [164] 


sich nach vorne krümmen, dabei durch Gabelung oder Einschaltung 
sich verdoppeln und zuerst fast randständige, lange, zungenförmige 
Ohren bilden, auf der Außenseite sodann sich noch stärker zurückbiegen 
und eine der Ohrenlänge an Tiefe mindestens gleichkommende schmale 
Bucht beschreiben. Die Gestalt dieser Rippen scheint nicht nur den 
Zuwachsstreifen, sondern auch der Form der Mündung zu entsprechen. 
Die Anfangsblase ist relativ groß und so wie die erste Umgangshälfte 
stark aufgebläht; die zweite und dritte, zumeist auch die vierte 
Windung zeigen tetragonal aufgewickelte Nähte, und zwar in der 
Weise, daß an den um je einen Quadranten von einander abstehenden 
Windungsteilen eine nach beiden Seiten hin rechtwinklig begrenzte 
Aufblähung zu erkennen ist. Die Lobenlinie läßt einen tiefen, schmalen 
Externlobus, einen hohen Externsattel von beiläufiger Gestalt der 
Ohren, dann zwei kleinere, einfache, gerundete Loben und Sättel 
erkennen. 


Der Durchmesser der Gehäuse scheint 20 mm selten zu über- 
schreiten; nur einzelne Schalenfragmentabdrücke weisen auf wenig 
größere Gehäuse hin. Die Rippen sind in den inneren zwei Dritteilen 
in der Regel gerade, nur selten schwach falcoid geschwungen; auf 
der Schlußwindung größerer Gehäuse von etwa 20 mm Durchmesser 
stehen sie oft etwa 1 mm von einander entfernt, können aber auch 
bei schwächerer Ausbildung auf etwa 1/; mm zusammengedrängt werden, 
was gewöhnlich in der Mündungsnähe eintritt; aber auch ganz indivi- 
duell können die Rippen, wie bei Fig. 19 feiner entwickelt sein, in 
welchem Falle die wahre Gestalt der Gehäuse mit dem engen Nabe] 
besser zu erkennen ist als bei kräftiger Ausbildung der Schalen- 
verzierung, wo dann die Skulptur der umhüllten inneren Windungen 
durch die äußere Windung oft so vollständig durchgedrückt ist?), daß 
das Fossil das Aussehen eines vollständig evoluten Gehäuses gewinnt 
und dann an Nomismoceras-Formen sowie an die oben erwähnten, von 
Gemmellaro beschriebenen, sogenannten Glyphioceras-Arten erinnert. 
(Vgl. Fig. 20.) 

Die Verdoppelung der Rippen auf dem äußeren Schalenteile 
zeigt Fig. 22, ein Stück der Externseite mit der reichen Skulptur 
Fig. 23, wogegen Fig. 24 ein vergrößertes, rekonstruiertes Gehäuse 
der Art darstellt. Ein Bild der innersten Umgänge, wie sie sich in 
der Nabelöffnung zeigen, gibt Fig. 18. Ob die tetragonale Aufwindung 
sich auch im Umrisse der Externseite in demselben Maße wie an der 
Naht zu erkennen gibt, konnte nicht erhärtet werden. Es ist das auch 
gar nicht wahrscheinlich und sprechen die kleineren vorliegenden 
Exemplare dafür, daß dieser vierseitige Umriß außen nur in be- 
schränktem Maße in Erscheinung tritt 2). 


!) Es kommen auch Exemplare vor, an welchen die Skulptur der Gegenseite 
auch noch durchgedrückt ist — wenigstens stellenweise — wodurch sich das Bild 
des Fossils besonders kompliziert gestaltet. 


*) Wodurch diese periodische Unregelmäßigkeit in der Gehäusebildung ver- 
anlaßt war, kann wohl nicht ermittelt werden; es mag indessen darauf hingewiesen 
werden, daß diese bei Gastropodengehäusen mehrfach zu beobachtende Erscheinung 
auch bei Cephalopodengehäusen bekannt ist, wie zum Beispiel bei Olymenia paradoxa 


E 


[165] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 679 


Die Lobenlinie ist in Fig. 21 zusammen mit dem Verlaufe der 
Rippen dargestellt; erstere ist nur selten zu erkennen, aber doch an 
einer Anzahl von Exemplaren in übereinstimmender Weise beobachtet 
worden. Die Tiefe der Seitenloben scheint Schwankungen zu unter- 
liegen. Auf der Externseite konnte die Lobenlinie nicht beobachtet 
werden, weshalb die Art der Endigung des Externlobus unbekannt 
blieb. Wenn man auch durch Analogieschlüsse zu der Annahme ge- 
führt wird, daß Tetragonites Grimmeri zu den Cephalopoden und 
höchstwahrscheinlich zu den Ammonoidea gehört, so wäre doch eine 
Bestätigung dieser Annahme durch Funde von besserer Erhaltung 
nur sehr erwünscht. 

Immerhin dürfte eine so extreme tetragonale Anordnung der 
Windungen bei Cephalopoden kaum schon beobachtet sein. 

Vorkommen bei PraCa: Grimmers Fundort und nördliches Seiten- 
tal häufig. 


Genus Nomismoceras (Hyatt) Holzapfel. 


Zu dieser Gattung wären nach Holzapfel sowie nach Foord und 
Crick nur ganz evolute Formen zu stellen. Ich schließe mich diesem 
Vorgange an. 

Unter den Materialien aus dem Schiefer von Pra@a fanden sich 
einige zerdrückte Exemplare, welche ganz wohl auf Nomismoceras 
bezogen werden können, und zwar auf 


23. Nomismoceras spirorbis? Phill. 


Nicht selten sind Exemplare, welche durch ihre kleinen, ganz 
evoluten Gehäuse, ihre sehr langsam anwachsenden Windungen sowie die 
relativ große Anfangsblase völlig mit Nom. spirorbis !) übereinstimmen. 

Auch eine Andeutung tetragonaler Aufwindung, wie sie — nach 
den Abbildungen zu urteilen — auch bei dieser Art aufzutreten 
scheint, ist zu erkennen. Erwähnt mag noch sein, daß eine grobe 
Ähnlichkeit der Pra@aer Reste auch mit Pseudonomismoceras silesia- 
cum Frech (Lethaea geogn., I. Teil, II. Bd., Taf. XLVlIa, Fig. 7) zu 
ersehen ist. Indessen konnte ich weder die Querschnittsform noch 
die Gestalt der Lobenlinie sicherstellen, so daß diese Bestimmung 
zweifelhaft bleibt. 

Vorkommen bei Pra&a: Grimmers Fundort 8 Exempl. und nörd- 
liches Seitental (?). 


24. Ostracodenschalen 


finden sich wohl in den Schiefern von Praca; doch ist deren Be- 
stimmung wegen der schlechten Erhaltung kaum durchführbar. 
Vorkommen bei Praöa: an den beiden Hauptfundorten selten. 


Mstr. (vgl. Roemer, Lethaea palaeozoica I, Taf. XXXVI, Fig. 5), wo eine trian- 
guläre Gestaltung der Jugendwindungen angegeben wird. 

Triangularia paradoxa Frech (Lethaea palaeozoica II, Taf. XIXc, Fig. 1) 
zeigt quadratisch gewickelte Jugendwindungen, welchen später eine dreiseitige 
Anordnung folgt. 

1) Foord und Crick, l. c. pag. 213. 


680 Ernst Kittl. [166] 


25. Phillipsia Bittneri Kittl n. f. 
Taf... X] (1)5 802 30;- 32, 
1880. Phillipsia sp. A. Bittner, „Grundlinien* ete. im XXX, Bde. d. Jahrb. d. 

k. k. geol. R.-A., pag. 365. 

Nach Bittner (l. c.) besitzt der von ihm aufgefundene Rest 
». . . eine Länge von 16 mm. Seine nach vorn etwas verschmälerte 
Glabella kennzeichnet ihn als echte Phillipsia, der Limbus des Kopf- 
schildes setzt sich rückwärts in lange Dornen fort, die den Beginn 
des Pygidiums nahezu, wenn nicht vollständig erreicht haben. Sehr 
auffallend ist die Bildung der Gesichtsnaht, die weit vom Glabella- 
rande nach außen liegend in einer nahezu geraden Linie verläuft, 
ohne die Andeutung eines Augenwinkels sowie auch Augen selbst 
nicht wahrnehmbar sind. Wäre diese Eigentümlichkeit nicht vorhanden, 
so ließe sich die bosnische Form vielleicht am besten mit Proetus 
posthumus Richter!) aus thüringischen Kulmschiefern vergleichen, dem 
sie in den Körperumrissen sehr nahesteht, obwohl die langen Dornen 
des Cephalothorax auch an Ph. latispinosa Sandb. erinnern.“ 

Das Kopfschild zeigt in der Medianebene etwa !/; der Körper- 
länge, hat einen parabolisch gebogenen Außenrand mit einer stumpf- 
winkligen Biegung in der Mitte. Der Rand ist von einem relativ 
breiten und flachen ?2) Wulste begleitet, außerhalb dessen am Stirn- 
rande noch eine schmale Furche auftritt. An beiden Seiten besitzt 
der Randwulst einige unregelmäßig verteilte Längskiele, nach hinten 
verlängert er sich in die großen Wangenstacheln, welche in der Mitte 
und innen einen Längswulst besitzen. Der innere Wulst liegt in der 
Fortsetzung des Nackenabschnittes, die zwischen den beiden Längs- 
wülsten erscheinende Furche ist die Verlängerung der Nackenfurche. Die 
Stacheln erstreckten sich wahrscheinlich über den Thoracalteil hinaus. 

Die Glabella ist breit und reicht bis zum Randwulst. Die 
Dorsalfurchen zeigen außerhalb der Hälfte eine Einbiegung, welche 
die Glabella an dieser Stelle etwas einschnürt. Die Seitenfurchen 
sind stark nach hinten gebogen. 

Die von Bittner als Gesichtsnähte aufgefaßten Furchen des 
Kopfschildes sehe ich als Brüche an, weil sie erstens einen bei 
Phillipsia ungewöhnlichen Verlauf haben und sie übrigens auf beiden 
Wangen nicht übereinstimmen. Die wirkliche Naht dürfte nach meiner 
Beobachtung einer sehr zarten Linie entsprechen, die auf der rechten 
Wange, zum Teil auch auf der linken wahrnehmbar ist und den Ver- 
lauf hat, welcher in der vergrößerten Darstellung (Fig. 22) des Kopf- 
schildes angegeben ist. Dieser Verlauf würde mit den bei Phillipsia 
beschriebenen Nähten viel besser übereinstimmen. 

Über die Augen läßt sich nichts Deutliches beobachten. An 
ihrer Stelle sind rundliche Hügel ohne organische Struktur; diese 
würden die Annahme großer facettierter Augen zulassen. 

Der Thorax scheint 10 bis 11 Segmente zu besitzen, welche 
auf den Pleuren schmale Furchen erkennen lassen. Das halbkreis- 


') Richter, Der Kulm von Thüringen. Zeitschr. d. Deutsch. geol. Gesellsch. 
Jahrg. 1864, pag. 155, Tab. III, Fig. 1. 
?) Vielleicht flachgedrückt. 


2 A er ri 


[167] Geologie der Umgebung von. Sarajevo. (Paläontolog. Anh.: Karbon.) 681 


förmige Pygidium zeigt nur im vorderen Teile Spuren einer Seg- 
mentierung, welche im übrigen wohl durch die ungünstige Erhaltung 
verwischt ist. 


Vorkommen: Prada. 


Übersicht der Arten aus den Kulmschiefern von Pra&ca. 


sE| = eg 

ur en SIE 

Sa| © =E 
1 | Dietyodora Liebeana (Weiss) + _ 2. 
2 | Poteriocrinus? sp. ir -- — _ 
3 , Stenopora? nn = —_ 
4 | Produetus turcicus, Ki, + _ _ 
5 | Aviculopecten pracaensis Ki. . er + _ _ 
6 | Fecten (Streblopteria?) cf. cellensis Kon. . + -E — 
7  Chaenocardiola cf. Footi Bail. ie + + — 
8 | Modiola lata Hind . ge eh = = = 
9 , Patella ottomana Ki. + — = 
10 | Euomphalus? sp. T - —_ 
11 | Orthoceras sp... . = =j= — 
12 ” AR salutatum Kon. nn _ _ 
13 R ? cf. discrepans Kon. + — —_ 
14 1 cf. laevigatum Kon.? . [F + — 
15 | Goniatites crenistria Phill. . + + — 
16 ” af. truncatus Phill. — + — 
17 | Gastrioceras Beyrichi Kon. . , Ir = = 
18 | Osmanoceras undulatum Ki. — = — 
19 | Pericyclus? sp. an HE a DE + E= —_ 
20 | Proonorites sp. . . TE BTACHR — = — 
21 | Prolecanites cf. Henslowi Sow. — - + 
22 | Tetragonites Grimmeri Ki. . = Sr — 
23 | Nomismoceras ? spirorbis Phill. + -H — 
24 | Ostracoden indet. -- En E= 
25 | Phillipsia Bittneri Ki. — — | — 


B. Arten aus den Crinoidenkalken. 


Schon A. Bittner hat aus den dunklen Crinoidenkalken, welche 
den Kulmschiefern eingelagert sind, eine Reihe von Arten angeführt !), 
welche hier nochmals einer Besprechung unterzogen werden. Freilich 

wohl scheinen diese Funde aus einem losen Blocke zu stammen. 
Obgleich es mir nicht gelang, ähnlich reiche Funde zu machen, so 
konnte ich doch an mehreren Punkten die Einlagerung solcher Ge- 
steine in die Schiefer feststellen, so daß deren Zugehörigkeit zur 
Kulmserie gar keinem Zweifel unterliegt, was deshalb zu betonen 
ist, weil Bittner an seinen Bestimmungen selbst zu zweifeln schien. 

Bittners Bestimmungen sind so genau, als es nur tunlich ist; 

ich schließe mich diesen Bestimmungen zumeist an. 


26. Poteriocrinus sp. Stielglieder von geringer Dicke mit gesägten 
Nähten, fünfeckigem Nahrungskanale und radial gestreiften 


!) Grundlinien, pag. 198. 


682 Ernst Kittl. [168] 


Gelenksflächen. Sie stimmen mit solchen von Foteriocrinus 
crassus gut überein. Eine Artbestimmung kann natürlich nicht 
semacht werden. 

27. Productus cf. striatus Fisch. Es liegen nur einzelne Klappen vor, 
welche dem Productus striatus gewiß sehr nahe stehen. Indessen 
sind es nur kleinere unvollständige Exemplare, welche eme ge- 
nauere Bestimmung nicht zulassen. 


28. Spirifer af. striatus Mart. Der Unvollständigkeit des vorliegenden 
Fragments wegen (ein Teil der Ventralklappe) kann die Be- 
stimmung nicht genauer gemacht werden, als es bisher geschah. 

29. Spirifer sp. Bittner bestimmte die Exemplare (fast nur Ventral- 
klappen) als Sp. af. bisulcatus Sow. und fand, daß sich einige 
Exemplare dem Sp. pectinoides Kon. nähern. Mir scheinen 
diese Vergleiche nicht ganz zuzutreffen; ich würde vielmehr 
die meisten Individuen an Spirifer striatus anschließen. 


30. Strophomena sp. Eine große Klappe mit fast rechtwinkliger 
Knickung, die ebensogut auf Productus (wie P. arenarius Kon., 
P. marginalis Kon., P. Griffithianus Kon.) bezogen werden kann. 


31. Platyceras sp. Unter diesem Namen führte Bittner ein sehr 
rasch anwachsendes Gehäuse mit außerordentlich kräftigen 
Querwülsten und planer Aufwindung an, welches sowohl zu 
verzierten paläozoischen Formen, wie Spirina, als auch zu der 
ähnlichen Naticella anomala Ki. von St. Cassian durch die 
Querwülste, welche aber hier noch viel kräftiger entwickelt 
sind, als auch zu den Arten der paläozoischen Gattung Platy- 
ceras Beziehungen zeigt. Da die bisher beschriebenen Arten 
dieser letzteren Gattung glatt sind, so ist die Anwendung des 
Namens Platyceras nicht zutreffend. Bittner mag denselben 
gewählt haben, weil er auf die sonstigen Eigenschaften des Ge- 
häuses Rücksicht nahm. Welcher Gattung aber der vorliegende 
Rest angehört, läßt sich wegen seiner Unvollständigkeit nicht 
entscheiden. Jeder angewendete Name ist gleichsam nur ein 
Versuch. Gleichwohl sind die Artcharaktere so auffallende, 
daß eine Artbenennung eher annehmbar ist. Ich schlage vor, 
diese Art einstweilen zu Spirina zu stellen und sie als Spirina 
carbonaria zu benennen. 

Obwohl das Gehäuse nicht gerade dünnschalig ist, so sind 
doch die Querwülste auf dem Steinkerne fast ebenso aus- 
geprägt, wie auf der Gehäuseoberfläche. Die Asymmetrie des 
Gehäuses ist keine sehr bedeutende. 


2. Die Fauna der Bellerophonschichten. 


Das Material für diesen Abschnitt über die Fauna der bosnischen 
Bellerophonschichten stammt aus den drei Lokalitäten Han Oraho- 
vica, Suha Cesma und Prekada. Die erstgenannte Fundstelle 
wurde bei den Übersichtsaufnahmen durch A. Bittner im Jahre 
1879 entdeckt, die zwei anderen von dem Verfasser im Jahre 1899. 
A. Bittners Materialien von Han Orahovica waren mir nicht 


| 
| 
| 


[169] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bel).-Sch) 683 


zugänglich geworden, dafür aber die reichen Ergebnisse von Auf- 
sammlungen, welche Prof. Dr. Fr. Wähner im Jahre 1892 und Berg- 
hauptmann Grimmer dortselbst in späteren Jahren vorgenommen 
haben’). Der Erhaltungszustand dieser Fossilien, von welchen A. Bittner 
Bellerophon sp., dann mit Reserve: Cardiomorpha sp., Oyrtoceras ruyosum 
Flem. und Aulacoceras sp. angeführt hat2), ist nicht der beste, dafür 
gestattete der Umfang des Materials, welches mir zur Verfügung stand, 
die Auswahl relativ gut bestimmbarer Exemplare. Die weniger um- 
fangreichen Materialien von Suha Cesma und Prekada habe ich selbst 
gesammelt. Von allgemeinen Resultaten der nachfolgenden Bearbeitung 
wären anzuführen, daß 


1. die drei bosnischen Lokalitäten der Bellerophonschichten 
faunistisch untereinander recht gut übereinstimmen; 


2. die bosnischen Bellerophonschichten mit den südalpinen eben- 
falls recht nahe Beziehungen aufweisen. 


1. Chondrites sp. 


In einem einzigen Mergelstücke, das reich an den unten be- 
schriebenen Discinen ist, fand ich langgestreckte, oft etwas unregel- 
mäßig gewundene, verkohlte Thallusfragmente von etwas mehr als 1 mm 
Breite, die zweifellos als Reste mariner Algen zu betrachten sind, 
aber keine weiteren zu einer Artbestimmung nötigen Merkmale er- 
kennen lassen. 

Die Reste stimmen hinsichtlich der allgemeinen gestreckten Form 
der Thalluszweige mit Chondrites virgatus Mstr. (vgl. Geinitz, Dyas, 
pag. 132, Taf. XXIV, Fig. 5) überein, welche Art mit Polysiphonia 
Sternbergiana King (Permian Fossils, pag. 3, Taf. I, Fig. 2) nach 
Geinitz indentisch wäre; beide Arten zeigen jedoch viel geringere 
Dimensionen der Thalluszweige als die aus Bosnien stammenden. 


Vorkommen: Suha Cesma. 


2. Steinmannia sp. 
Taf. XXII (II), Fig. 1 und 2. 


Die Gattung Steinmannia unterscheidet sich nach W. Waagen?) 
von Sollasia Steinm.*) durch den Mangel von Oseulis und die teilweise 
Ausfüllung der Kammern (mit Gewebe). Die aus Bosnien vorliegenden 
Exemplare sind den indischen recht ähnlich, welche auf die zwei 
Arten St. gemina Waag. et Wentz. und St. salinaria Waag. et Wentz. ver- 
teilt wurden, wovon S8#. salinaria5) mit den bosnischen Exemplaren gut 
übereinstimmt; nur sind die Dimensionen der letzteren etwas kleinere. 
Von diesen liegen Exemplare mit zwei bis fünf Kammern vor. Ob 


1) Ein Aufsammlungsergebnis, das von Berghauptmann Grimmer an 
A. Bittner gekommen war, hat mir derselbe ebenfalls zur Verfügung gestellt. 

2) Grundlinien, pag. 200 und 201. 

s) W. Waagen, Salt range fossils. Pal. Indica, ser. XIII, Vol. I, pag. 980. 

#) Steinmann, Neues Jahrb. f. Min. etc. 1882, II. Bd. 

5) Waagen, |. c. pag. 980, Taf. 124 und 125. 


Jahrbuch d. k. k, geol. Reichsanstalt, 1903, 58. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 92 


684 Ernst Kittl. e [170] 


einige in das Gestein eingeschlossene, scheinbar einkammerige Individuen 
wirklich nieht mehr Kammern besessen haben, ließ sich nicht ent- 
scheiden. Übrigens darf man ja doch wohl einkammerige Individuen 
als die ursprünglichen ausehen. 

Waagen führt von den indischen Exemplaren an, daß sie etwas 
gekrümmt sind, welches Verhalten an den bosnischen Exemplaren 
nicht deutlich zu ersehen ist. 


Vorkommen: Han ÖOrahovica. 


3. Archaeocidaris Keyserlingi Gein. 


1848. Cidaris Keyserlingi Geinitz. Verstein. d. deutsch, Zechst., pag. 16, Taf. VII, 
Fig. 1 und 2. 


1850. Archaeocidaris Verneuiliana King. Permian fossils of England, Paläontogr. 

Soc., pag. 53, Taf. VI, Fig. 22—24. 

1861. Eocidaris Keyserlingi Geinitz. Dyas, pag. 108, Taf. XX, Fig. 5—9. 

Lange zylindrische oder schwach keulenförmige Radiolen, welche 
ihres geringen Durchmessers wegen zu Archaeoeidaris ladina nicht gestellt 
werden können, mögen unter dem obeitierten Artnamen angeführt werden. 

Da, wie unten ausführlich erörtert wird, eine Zugehörigkeit von 
A. ladina zu A. Keyserlingi derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, 
zu einer besseren Entscheidung aber nicht nur mehr Material, sondern 
auch eingehendere Studien nötig sind, so begnüge ich mich mit der 
einfachen Anführung der Art. 

Diese Reste sind nicht selten in den Kalken von Han Orahovica, 
wo sie meist langgestreckte, etwa bis 1 mm im Durchmesser zeigende, 
mit spärlichen, unregelmäßig verteilten kurzen Seitenfortsätzen ver- 
sehene zylindrische Kalkkörper darstellen. 


Vorkommen: Han Orahovica, Suha Öesma? 


4. Archaeocidaris ladina Stache. 
1877. G. Stache, Zur Fauna der Bellerophonkalke Südtirols. Jahrb. der k. k. 

geol. R.-A,, XXVII. Bd., pag. 318, Taf. V, Fig. 11—17. 

Einige der vorliegenden Radiolen stimmen genau mit den Ab- 
bildungen der eitierten Art von Südtirol überein, die übrigens nirgends 
näher beschrieben ist !). Die Radiolen tragen Seitendornen oder Seiten- 
fortsätze in unregelmäßiger Verteilung. Dieselbe Art der Verzierung 
zeigt Eocidaris Keyserlingi Gein. (Dyas, Taf. XX, Fig. 5—6) sowie 
Archaeocidaris (Palaechinus, Palaeocidaris) Verneuili King. (Perm. foss. 
of Engl., pag. 52 und 23, Taf. VI, Fig. 22—24), welche Art von 
Geinitz als Synonym der erstgenannten betrachtet wird. Es hat 
wohl den Anschein, als wenn Archaeocidaris ladina von A. Keyserlingi 
zunächst, wenn vielleicht auch nicht ausschließlich, durch seine größeren 
Dimensionen unterschieden wäre. Da aber beide Arten nur sehr un- 
vollständig bekannt sind, so muß von einer genaueren Vergleichung 
derselben abgesehen werden. Indessen weise ich darauf hin, daß die 


!) Stache verspricht 1. c. nur die spezielle Erläuterung für seinen nächsten 
Beitrag, wo eine solche indes fehlt. 


> 


[171] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bell.-Sch.) 685 


Keulen, welche hier als Archaeoeid. ladina angeführt werden, häufig 
eine Längsriefung erkennen lassen. 


Vorkommen: Han Orahovica. 


5. Archaeocidaris? sp. 
Taf. XXII (I), Fig. 3. 


Ein zerdrücktes Individuum zeigt größere Täfelchen mit ver- 
tieften Radiolenansatzstellen (Interambulacraltäfelchen ?) und etwas 
schmälere Täfelchen ohne solche Ansatzstellen (Ambulacraltäfelchen ?), 
ferner zylindrische, mit Längsstreifung versehene Radiolen. 


Gattungscharaktere sind nicht erkennbar; wohl aber zeigen die 
Täfelchen schräge Facetten, welche auf eine gegenseitige Verschieb- 
barkeit der ersteren hinweisen. Diese Eigenschaft wird von Archaeo- 
cidaris angegeben; da auch die sonstigen Eigenschaften des Restes 
einige Beziehungen zu Archaeocidaris erkennen lassen, so wende ich 
diesen Namen hier an, natürlich nur unter Vorbehalt. 


Der Rest ist stark angewittert, so daß die ursprüngliche Ober- 
flächenbeschaffenheit der Skeletteile zumeist nicht zu ersehen ist; nur 
einzelne Stacheln ließen die obenerwähnte Längsskulptur erkennen. 
Solche lose und isolierte Stacheln finden sich nicht selten auf Platten 
mit anderen ausgewitterten Fossilien vor. 


Neben dem obgenannten zerdrückten Individuum sind Fragmente 
eines zweiten ähnlichen zu erkennen. 


Vorkommen: Suha Cesma. 


6. Eocidaris? sp. 
Taf. XXII (I), Fig. 4. 


Ein Täfelehen und mehrere durchgewitterte Radiolen von Echi- 
noideen lassen keine generische Bestimmung zu, obgleich sie denen 
von Öidaris nicht unähnlich sind. Ihre Größenverhältnisse sind gegen- 
über den bisher aus Europa, und zwar von Geinitz (Dyas) und King 
(Permian fossils) beschriebenen Resten von Archaeocidaris und Eoci- 
daris sehr bedeutende und geben den Cidaris-Resten der mesozoischen 
Schichten diesbezüglich nichts nach. 

Die Verzierung des einen polygonalen Interambulacraltäfelchens 
mit großer Stachelwarze besteht aus randlichen radialgestellten Furchen, 
deren Unregelmäßigkeit es nicht ausschließt, daß sie in gar nicht an- 
gewittertem Zustande der bei Cidariden gewöhnlichen, einem margi- 
nalen Wärzchenkranze entspricht. Die schmalen Seitenflächen der 
Tafel sind anscheinend ganz vertikal abgebogen bis auf eine, welche 
gegen innen zu eine schräge Adventivfläche über einer zugeschärften 
Erweiterung zeigt, also auf eine bewegliche Verbindung an dieser 
Stelle schließen läßt. Immerhin glaube ich, daß hier der Name Koci- 
daris noch Anwendung finden könne. Es ist jedoch im Auge zu be- 
halten, daß diese spärlichen Reste möglicherweise zu einer der voran- 


gehenden Arten gehören. 
92* 


dB ie Ernst Kittl. [172] 


Die neben dem beschriebenen Reste liegenden Radiolen sind 
zylindrisch, jedoch so stark angewittert, daß eine Skulptur nicht mehr 
erkennbar ist. 


Vorkommen: Han ÖOrahovica. 


7. COyathocrinus ramosus? (Schloth.). 


Als Oyathocrinus ramosus (Schloth.) beschreiben Geinitz (Dyas) 
und King (Permian fossils) den unteren 'l’eil eines Kelches und Stiel- 
glieder mit radialgefurchten Nahtflächen und einfachem Nahrungskanal. 

Dem entsprechende, jedoch meist kleiner dimensionierte Stiel- 
glieder finden sich im Kalke von Han Orahovica teils vereinzelt, teils 
lokal angehäuft. 


Vorkommen: Han ÖOrahovica. 


8. Geinitzella (Stenopora) columnaris (Schloth.) 


Wie fast überall in den permischen Ablagerungen Europas tritt 
auch in Bosnien eine, andere Fossilien inkrustierende Bryozoenart auf, 
die man wohl zu Stenopora (Geinitzella) columnaris Schloth.!) stellen 
muß. Waagen (Productus-limest.-foss.) beschreibt die Art unter dem 
neuen Gattungsnamen Geinitzella. 

Wahrscheinlich sind das dieselben Reste, welche A. Bittner?) 
als Gyroporellen ansah. Dazu mag ihn der Umstand geführt haben, 
daß manche Stöcke zylindrisch und häufig hohl sind. Die auch ander- 
wärts auftretenden hohlen Stöcke führten Waagen und Wentzel 
auf Inkrustationen von Fremdkörpern zurück. Auch mir liegen sowohl 
massive Stöcke vor, als auch solche, welche Dentalien, Echinodermen- 
reste etc. inkrustieren; aber auch hohle Röhrchen bildende Stöcke 
kommen vor, die etwa eingeschlossene Fremdkörper nicht erkennen 
lassen. Wohl aber finden sich neben massiven zylindrischen und röhren- 
förmigen Kolonien auch Enden massiver Stöcke, die becherförmig aus- 
gehöhlt sind. Ob sich daraus nun hohle Röhren entwickelt haben, muß 
ich dahingestellt sein lassen; doch ist diese Möglichkeit ebensogut 
gegeben, wie die weitere, daß früher die röhrenförmigen Gebilde jetzt 
gänzlich zerstörte organische Fremdkörper umgeben haben. 


Vorkommen: Han Orahovica, Prekaca. 


9. Lingula cf. Oredneri Gein. 


Ein mit beiden übereinander liegenden, jedoch verschobenen 
Klappen erhaltenes Exemplar von Suha Cesma stimmt mit Lingula 
Credneri so weit überein, daß man ganz wohl diesen Namen verwenden 
kann. Von demselben Fundorte liegt noch eine einzelne, etwas größere 
Klappe vor. 

Vorkommen: Suha Öesma. 


ı) W. Waagen, Salt-range fossils, 1. c., pag. 882 (siehe dort die ältere 
Literatur). 
?) Die Originalfunde Bittners sind in Verstoß geraten. 


[173] Geologie der Umgebung von Sarajevo, (Paläont. Anh.: Bell.-Sch) 687 


10. Diseina bosniaca Kittl n. f. 
Taf. XXII (I), Fig. 5—7. 


Die Schalen sind groß, mit kielartigen, konzentrischen Zuwachs- 
falten in regelmäßigen Distanzen, die Unterklappe ist flach, innen 
mit medianem Septum, welches mehr oder weniger weit über den 
Wirbel nach vorn reicht. Die Oberklappe ist flach konisch gestaltet. 

Diese Discina unterscheidet sich durch die bedeutend größeren 
Dimensionen von Disc. speluncaria Schloth. (= D. Konincki Gein.)'); 
ihr Durchmesser beträgt das Doppelte von dem der Disc. speluncaria, 
welche, trotzdem sie mehrfach eitiert wird und eine weite Verbreitung 
hat, bisher niemals in solchen Dimensionen beobachtet wurde. Da 
die beiden Formen hinsichtlich der Skulptur annäherungsweise über- 
einstimmen, so ist Disc. bosniaca vielleicht nur eine große Lokalvarie- 
tät der Disc. speluncaria. 

Wenn man berücksichtigt, daß die Gattung Discina eine äußerst 
geringe vertikale Veränderlichkeit zeigt, so gewinnt die letztgenannte 
Vermutung an Gewicht. Die Größenverhältnisse der Disc. bosniaca 
findet man zum Beispiel bei der devonischen Disc. alleghania Hall?) 
wieder, auch manche rezente Formen wie Disc. lamellosa und Dise. tenuis 
stimmen nicht nur in der Art der Verzierung, sondern auch der Größe 
nach mit Disc. bosniaca annähernd gut überein. 

Diese Discina fand sich bei Suha Cesma in einem Mergelstücke 
zusammen mit Lingula cf. Oredneri, Bakewellia und anderen Zwei- 
schalern in etwa 8—10 Exemplaren, natürlich in zerdrücktem Zustande, 
wobei häufig die beiden Klappen in- und durcheinandergepreßt er- 
scheinen. 


Vorkommen: Suha Cesma. 


11. Avicula (Oxytoma) Wähneri Kittl n. f. 
Taf. XXII (IT), Fig. 9 und 10. 


Die linke Klappe ist stark, die rechte schwach gewölbt. Es 
ist das eine zumeist klein bleibende Art, auf der linken Schale mit 
8 (selten mehr) radialen Hauptrippen, zwischen welche sich bei ein- 
zelnen größeren Exemplaren gegen den Rand hin sekundäre Rippen 
einschalten. Auf den Rippen bilden einzelne Zuwachslamellen in regel- 
mäßigen Abständen haubige Verzierungen. In der vorderen Hälfte zeigt 
sich oft eine breitere vertiefte Lücke in der Rippenreihe. Der Hinter- 
flügel der rechten Klappe ist mit einer dem Schloßrande parallelen 
inneren: Leiste und einer zwischen dieser und dem Schloßrande 
liegenden Ligamentfurche versehen. Da leider trotz ziemlich zahlreich 
vorliegender Exemplare keines derselben vollständig erhalten ist, läßt 
sich keine Beschreibung geben, die allen Anforderungen entsprechen 
würde; namentlich ist der Schloßrand der linken Klappe nur unvoll- 


1) King, Permian foss. of England, pag. 85, tab. VI, fig. 28 u. 29, und 
Geinitz, Dyas, pag. 106, Taf. XV, Fig. 8-11. 

®2) A. Hall, Palaeontology of New York, vol. IV, pag. 25, tab. I, fig. 17, und 
L. G. de Koninck, Foss, pal, de la Nouv.-Galles du Sud. 1876—77, pag. 82,.tab. IV. 


688 Ernst Kittl. [174] 


ständig beobachtet worden, sowie auch die Skulptur der rechten 
Klappe mir unbekannt blieb, indem die zahlreichen vorliegenden 
Stücke linke Klappen sind und nur eine rechte Klappe von der Innen- 
seite sichtbar ist. 

Eine ähnlich verzierte Art ist Oxytoma atavum Waagen aus dem 
Productuskalk der Salt-range (W. Waagen, Pal. Indica, Ser. XIII, 
Salt-range fossils, Bd. I, Taf. XX, Fig. 6—7); sie ist jedoch weniger 
schräg. 

Vorkommen: Han Orahovica, Prekaöa. 


12. Leiopteria? sp. 


Eine sehr schiefe, glatte, nur ganz unvollständig bekannte Form 
von Han Orahovica mag als Leiopteria sp. angeführt werden. Zum Ver- 
gleiche geeignete Formen finden sich fast in sämtlichen europäischen 
Permgebieten, insbesondere auch in Sizilien !), doch ist eben wegen 
der Unvollständigkeit des Fossils aus den bosnischen Bellerophon- 
schichten irgend eine halbwegs sichere Bestimmung untunlich. 


Vorkommen: Han Orahovieca. 


13. Bakewellia Kingi Kittl nov. nom. 
Taf. XXII (II), Fig. 11 und 12. 


Die Schalen sind nahezu gleichklappig, schräge, etwas breiter 
als hoch; die beiden Flügel sind nicht oder nur undeutlich abgesetzt, 
vorne meist mit der Andeutung einer den Vorderflügel begrenzenden 
seichten und breiten Radialfurche versehen. Die Zuwachsstreifen sind 
stetig gekrümmt und ziehen namentlich von hinten in ziemlich gleich- 
mäßiger, nach vorn konvexer Krümmung fast direkt dem hinteren 
Schloßrande zu. Eine auffällige kräftige Radialskulptur fehlt ebenso, 
wie kräftige Zuwachslamellen. Der Vorderflügel ist kurz, vorne meist 
gerundet, der Hinterflügel längs des Schloßrandes ein wenig ver- 
längert. 

Die Schloßränder sind mit schmaler Area versehen. Die Schloß- 
zähne sind radiale Leisten, von welchen je eine dem Schloßrande folst. 

King?) und Geinitz?)haben Gelegenheit gehabt, das Schloß von 
Bukewellia antiqua zu studieren; ersterer gibt vorne zwei Leistenzähne 
an. Ich sah an einem Abdrucke eines thüringischen Exemplars nur 
einen solchen bei Bak. Kingi. 

Es erscheint mir nötig, das Verhältnis von Bakewellia Kingi zu 
den zwei verbreitetsten Arten der Gattung: D.ceratophaga und B. antiqua 
klarzustellen. 

Schon Goldfuß (Petrefacta Germaniae) unterschied von Avicula 
ceratophaga die Av. antiqua, welche nach ihm beide aus dem Zech- 
steindolomit von Glücksbrunn stammen und zusammen vorkommen. 


!) G. Gemmellaro, Fauna dei calcari con fusulina della valle del fiume 
Sosio, fasc. III, Palermo. 1895. 

?) King, Permian fossils of England, pag. 166. 

®) Geinitz, Dyas, pag. 78, Taf. XIV, Fig. 17—20. 


zu... 8 


[175] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bell.-Sch.) 689 


Die Differenzen der beiden Arten sind hier schon klar bezeichnet. 
Wenn man damit die Auffassungen späterer Autoren vergleicht, so 
ergibt sich über die Begrenzung der B. ceratophaga eine gute Überein- 
stimmung. Nicht so ist es hinsichtlich der A. antigua. Wenn auch 
die Abbildungen bei Goldfuß (l. ec. II, Taf. 116, Fig. 6 und 7) nicht 
völlig genau sein mögen, so deutet doch Fig, 7 (A. antiqua) unzweifelhaft 
auf eine Form hin, bei welcher die Zuwachsstreifen auf dem hinteren 
Flügel von der hinteren Beuge weg nicht direkt und gerade zum Schloß- 
rande, sondern entweder schräg nach vorn oder wahrscheinlicher in 
einem Bogen, ähnlich wie bei A. ceratophaga, zum Schloßrande hin 
verlaufen. Eine solche Form nun, welche der Goldfußschen Abbildung 
der A. antiqua und gleichzeitig der von Geinitz gelieferten Beschreibung 
entspricht, findet sich vielfach neben 4A. ceratophaga in deutschen, 
englischen und russischen Permablagerungen. Sie stimmt aber nur 
zum Teil mit den von King (Permian fossils of England) und Geinitz 
(Dyas) gelieferten Abbildungen der Gervilleia (respektive Bakewellia) 
antigu« überein. Namentlich die Abbildungen bei King (l. e. Taf. XIV, 
Fig. 29 und 30) und bei Geinitz (l. c. Taf. XIV, Fig. 17 und 18) 
zeigen auf dem Hinterflügel gerade zum Schloßrande hin laufende 
Zuwachsstreifen, wozu in beiden Fällen eine viel kürzere Gestalt der 
Schale kommt. Es scheint danach diese Form den Artnamen „antigua 
Mstı.“ mit Unrecht getragen zu haben. Dagegen mögen die Abbildungen 
der B. antiqua bei King (l. e Taf. XIV, Fig. 28, 31 und 32) wirklich 
auf diese Art hindeuten. Ich stimme ferner Geinitz (l. c.) bei, wenn 
er B. tumida King auf Jugendexemplare von B. antiqua zurückführt. 
Dabei bleibt aber jene Form unbenannt, welche sich durch ihre 
gedrungenere, weniger schräge Gestalt von der B. antiqua sondert 
und bei der die Zuwachsstreifen des Hinterflügels in leichter Krümmung 
ziemlich direkt dem Schloßrande zustreben. Diese Form, welche tat- 
sächlich in den Permschichten Deutschlands und — wie es nach Kings 
Angaben scheint — auch Englands auftritt, ist auch diejenige, welche 
in den Bellerophonkalken Bosniens wieder erscheint. Ich bezeichne 
sie als Bakewellia Kingi. 

Die von King für die Gattung Bakewellia angegebene Ungleich- 
klappigkeit ist keine sehr bedeutende. 

Die aus dem bosnischen Bellerophonkalke vorliegenden Exemplare 
schließen sich in der Form den gedrungensten der englischen und 
deutschen Exemplare gut an. Stets zeigen sie feine Zuwachsstreifen, 
selten konzentrische, wellenförmige Auftreibungen. An einem Exemplar 
konnte der hintere Schloßzahn erkannt werden, während die sonstigen 
etwa vorhandenen Schloßzähne sowie die nach Angaben Kings und 
Geinitzs auftretenden Bandgruben auf der Schloßrandarea bei den 
bosnischen Exemplaren bisher nicht beobachtet werden konnten. 

In den Umrissen der Bakewellia Kingi sehr ähnlich ist Cyrtodont- 
arca bakewelloides Jakowlew!) aus dem Donetzbecken, welche Art aber 
wegen der Beschaffenheit des viel komplizierter gebauten Schlosses 


1) N. Jakowlew, Die Fauna der oberen Abteilung der paläozoischen Ablage- 
rungen im Donetz-Bassin., I. Lamellibranchiaten., Mem. Com. G&ol., nouv. sEr., livr. 4, 
1903, pag. 36, Taf. II. 


690 Ernst Kittl. > 


nicht weiter in Vergleich kommen kann. Der Autor der letzteren Art 
ist der Anschauung, daß diese Art früher mit Dakewellia antiqua viel- 
fach verwechselt wurde, die aber im Donetzbecken nicht anzutreffen 
sei. Gute Schloßexemplare der Bakewellia Kingi liegen aus Bosnien 
wohl nicht vor. Soweit aber der Schloßapparat bosnischer Exemplare 
der Erkenntnis zugänglich war, stimmt derselbe mit dem von Bake- 
wellia, nicht aber mit dem komplizierteren von Oyrtodontarca überein, 
ja er mag eher noch einfacher gestaltet sein, als der von den anderen 
Arten von Bakewellia sonst gewöhnlich zu sein pflegt, welcher einfachere 
Bau des Schlosses ja auch an Exemplaren von B. Kingi anderer Fund- 
orte gefunden werden konnte. 


Vorkommen: Han ÖOrahovica, Prekaöa. 


Genus Promyalina Kittl nov. gen. 


Die Charaktere, welche die unten genauer zu beschreibende 
Art darbietet, passen auf keine der bisher aufgestellten Gattungen 
der Aviculidae — wozu die Art zweifellos gehört — genau; vielmehr 
scheinen Eigenschaften verschiedener Genera oder Subgenera zu einem 
Sammeltypus vereinigt zu sein. 

Die beiläufige Gestalt schwankt zwischen der von .Weleagrina 
und Myalina und nähert sich im Umriße der von manchen Perna-Arten. 
Die Vorderseite ist wie bei Myalina unter dem Wirbel eingebogen. 
Hier scheint auch ein schmaler Ausschnitt vorhanden zu sein. Unter 
dem Wirbel ist innen eine plattenartige Verdickung, wie bei Myalina!). 
Die beiden Klappen sind ungleich: die linke ist stärker gewölbt als 
die rechte; erstere trägt vorne eine kurze flügelartige Aufbiegung, 
bei der rechten konnte ich das nicht nachweisen. Der Schloßrand ist 
etwas konvex, mäßig verdickt. 


Am nächsten schließt sich Promyalina an Myalina an, die Gestalt 
ist jedoch weniger dreieckig, der Schloßrand nicht längsgestreift und 
zeist die linke Klappe ein vorderes Ohr, welche Eigenschaft Myalina 
abgeht, aber auf der rechten Klappe von Myalinoptera Frech?) erscheint. 


14. Promyalina Hindi Kittl n. f. 
Taf. XXII (Tl), Fig. 8 und Textfiguren 29—3!. 


Die Schalen sind ungleich, die linke ist stärker gewölbt als die 
rechte, der Umriß derselben ist Perna-artig, die Wirbel sind fast end- 
ständig, der Schloßrand ist nahezu gerade. Die Vorderseite erscheint 
eingebogen und vertieft, die Schalen sind unten und hinten flach und von 
rundem Umrisse. Die linke Klappe zeigt neben dem Wirbel eine 
kurze flügelartige Aufbiegung (Ohr?) auf den Steinkernen. Beide 
Klappen haben lange dreieckige, gegen die übrige Schale gewöhnlich 


!) Siehe Hind, ]. c. 
®2) Frech, Devonische Aviculiden. Abhandl. z. geol. Spezialkarte v. Preußen. 
IX. Bd., 3. Heft. 


Re 


[1 77] Geologie der Umgebung von Sarajevo, (Paläont. Anh.: Bell.-Sch) 691 


nur undeutlich abgegrenzte Hinterflügel. Die Schalenoberfläche läßt 
nur Zuwachsstreifen, die meist etwas ungleich ausgebildet sind, 
erkennen. Die Mantellinie ist deutlich und vom Schalenrande unten 


Fig. 30. Fig. 29. Fig. 31. 


Promyalina Hindi Ki. n. f. von Han Orahoviea. 


Fig. 29. Steinkern der rechten Klappe. — Fig. 30. Schalenexemplar der linken 
Klappe von außen nach zwei Exemplaren. — Fig. 31. Dieselbe Klappe von innen 
nach zwei anderen Exemplaren. 


und seitlich weit abgerückt. Der hintere Muskeleindruck ist groß, 
meist unregelmäßig länglichrund begrenzt. Unvollständig freigelegte 
Schalen sehen Mytilus-artig aus. 


Vorkommen: Han Orahovica, zahlreiche Exemplare ; Suha Öesma. 


15. Edmondia? sp. cf. rudis Me. Coy. 


Taf. XXII (II), Fig. 18. 


1878. G. Stache, Beitr. z. Fauna d. Bellerophonkalke Südtirols. Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A., XXVIII. Bd., pag. 123, Taf. I, Fig. 21. 


Den Umriß der Schale und die Skulptur der letzteren haben die 
vorliegenden unvollständigen Exemplare mit Kdmondia!) gemeinsam. 
Ob die sonstigen Eigenschaften auch übereinstimmen, müssen erst 
spätere Funde lehren. 

Schon Stache führte ähnliche Reste unter diesem Namen aus dem 
Bellerophonkalke Südtirols an, die jedoch meist kleineren Individuen 
angehörten. Trotz der verschiedenen Dimensionen ist die äußere Er- 
scheinung der bosnischen Exemplare in den Umrissen dieselbe, weshalb 
ich mich vorläufig der von Stache gewählten Bezeichnung der Fossilien 
anschließe. 


Vorkommen: Han Orahovica, Prekaca, Suha Öesma. 


1) Insbesondere kämen da die Arten in Betracht, welche W. Hind (Carbonif. 
Lamellibranchiata, London 1896, Palaeontogr. Soc.) beschreibt. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 98 


692 | Ernst Kittl. » 78] 


16. Nucula cf. Beyrichi Schaur. 
Taf. XXII (II), Fig. 15 und 16. 


1854. Schauroth, Zeitschr. d. Deutsch. geol. Ges. VI. Bd., pag. 551, Taf. XXI, 

Fig. 4. 
nat: Dyas, pag. 67, Taf. XIII, Fig. 22—24. 

?1878. G. Stache, Bellerophonkalke Südtirols, Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., XXVIII, 

Bd., pag. 116, Taf. I, Fig. 24. 

Sehr kleine Schalen dieser Art liegen auf einer Schichtfläche 
ausgewittert, jedoch etwas inkrustiert; die meisten sind mit der Innen- 
seite nach oben gewendet, so daß der sehr bezeichnende Schloßrand 
erkennbar ist. 

Vorkommen: Han Orahovica. 


17. Schizodus truncatus King. 
1850. King, Permian fossils of England, pag. 193, Taf. XV, Fig. 25—29. 
1867. Geinitz, Dyas, pag. 63, Taf. XIII, Fig. 1—6? 

Ein Steinkernexemplar zeigt neben der äußeren Gestalt, welche 
jener der Gattung Schizodus sehr ähnlich ist, zwei vom Wirbel nach 
hinten und oben ziehende Kiele (welche also Schalenfurchen ent- 
sprechen) und oberhalb derselben einen breiten länglichen Höcker, der 
einem Muskeleindruck entsprechen wird. Diese Eigenschaften sind zwar 
recht unzulänglich, aber sie erinnern neben weiteren Eigenschaften 
zunächst an Schizodus; möglicherweise deuten sie auf eine Zugehörig- 
keit zu Sanguinolites Bellerophontium m. hin. Mit bei weitem größerer 
Sicherheit läßt sich ein zweites Exemplar zu Schizodus stellen, da es 
auf dem Steinkerne zunächst alle Eindrücke und Furchen, die man 
von Schizodus truncatus King beschreibt, wieder erkennen läßt und 
namentlich in den Umrissen mit dieser Art übereinstimmt, wobei ich 
besonders die von King gelieferten Abbildungen im Auge habe, womit 
die Abbildungen bei Geinitz nicht gut übereinstimmen. 


Vorkommen: Han ÖOrahovica. 


18. Cleidophorus') Jacobi Stache. 


Taf. XXII (II), Fig. 13 und 14. 


1878. Pleurophorus Jacobi @. Stache. Bellerophonschichten II, Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A,, XXVIIl. Bd., pag. 121, Taf. IT (1V), Fig. 30. 


Schon Bittner nennt in einem mir von ihm ubergobänen®! Manu- 
skripte über eine Einsendung des Herrn Berghauptmannes Grimmer 


!) Die zwei Gattungen Pleurophorus und Cleidophorus werden mitunter nicht 
streng auseinandergehalten. 

Pleurophorus, dessen Type P. costatus Brown ist, wurde von King nicht 
scharf genug charakterisiert; die zum Beispiel bei Zittel (Grundzüge) angegebene 
Charakterisierung ist besser, wo die Wirbeln als terminal und der Umriß als vier- 
seitig angegeben werden. 

Cleidophorus Hall (Hall, Palaeont. of New-York, Vol. I, pag. 300) hat 
dagegen keine vordere Abstutzung und keinen vierseitigen Umriß, daher auch keine 
terminalen Wirbeln. Die bei Oleidophorus regelmäßig auftretende kräftige innere 
Schalenleiste aber findet sich auch mitunter bei Pleurophorus. Type dieser Gattung 
ist Cl. planulatus, Conr. 

Mit Rücksicht hierauf ist Pleuroph. Jacobi zu Oleidophorus zu stellen. 


[179] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bell.-Sch.) 693 


Fossilien, die dem Pleuroph. Jacobi Stache äußerst ähnlich sehen. Nach 
genauer Vergleichung sehe ich keinen Grund, warum man nicht auf 
die bosnischen Exemplare den citierten Namen anwenden sollte, da 
sie nicht nur mit der Abbildung, sondern auch mit der Beschreibung 
auf das genaueste übereinstimmen. 


Vorkommen: Han Orahovica. 


19. Pleurophorus sp. 


Eine Klappe im Mergel, nur ihrer Unvollständigkeit halber nicht ge- 
nauer bestimmbar; sie nähert sich sehr dem Pleurophorus Jacobi Stache. 


Vorkommen: Suha Öesma; vollständigere Exemplare liegen von 
Prekala vor. 


20. Sanguinolites Bellerophontium. Kittl. n. f. 
Taf. XXIE (II), Pie: 17. 


Die Schalen sind groß, quer verlängert, von gerundet rhom- 
boidischem Umrisse; nur die Hinterecke des geraden Schloßrandes 
ist stumpfwinklig. Die Wirbel liegen weit vorn: Die Oberfläche ist 
von feinen Zuwachsstreifen bedeckt. In radialer Richtung verlaufen 
vom Wirbel gegen den Hinterrand drei schwache Kiele, die in den 
Zuwachsregionen mittlerer Altersstadien am deutlichsten hervortreten. 

In den Jugendstadien dürfte diese Art dem Pleurophorus Jacobi 
im Umrisse sehr nahe kommen; doch scheint die innere Schalenleiste 
den ersteren zu fehlen. Trotzdem meine ich, daß eine nähere Ver- 
wandtschaft der beiden Arten nicht ganz ausgeschlossen werden kann. 
Eine völlige Aufklärung kann jedoch nur reichliches Material ver- 
schiedener Größenstadien bei geeigneter Erhaltung bringen. Ferner 
werden auch andere von Stache aus Südtirol beschriebene Arten, 
wie seine Cardinia? sp. (l. c., Taf. I, Fig. 27), Allorisma sp.? (l. e., 
Taf. I, Fig. 26), Leptodomus sp. (l. c. Taf. II, Fig. 1) in Vergleich 
zu ziehen sein. Recht ähnlich scheint auch Allorisma elegans King 
(Permian fossils, pag. 193, Taf. XV, Fig. 25—29) zu sein, sowie auch 
Edmondia Murchisoniana King (l. e., pag. 165, Taf. XIV, Fig. 15 —17). 


Vorkommen: Han Orahovica. 


21. Bellerophon (Bucania) suhaönsis Kittl n. f. 
Taf. XXII (II), Fig. 19—28. 


Gehäuse mäßig stark, sehr rasch anwachsend, enggenabelt, mit 
sehr kräftigem Kiele, längsgestreift und mit Querfalten versehen, 
welche auf den äußeren Windungen zahlreicher vorhanden sind, stets 
in ihrer Stärke unregelmäßig wechseln, aber mit den Längsstreifen 
eine Art Gitterung erzeugen. Der Querschnitt der Windungen ist 
breiter als hoch, nierenförmig. Der Kiel ist schon bei kleineren 
Individuen kräftig entwickelt, scheint aber von der kallösen Innen- 
lippe obliteriert zu werden. Die Mündung ist erweitert, die Auben- 

93* 


694 Ernst Kittl. [180] 


lippe zugeschärft, mit einem medianen Schlitz versehen. Der Kiel 
wird von zwei breiten flachen Furchen begleitet. Die Längsstreifen 
alternieren meist in ihrer Stärke. 

Die Untergattung Bucania wurde bekanntlich von J. Hall!) 
aufgestellt, von W. Waagen 2) neu charakterisiert, wobei er als 
wichtigstes Merkmal die Längsstreifung der Schalenoberfläche im 
Gegensatze zu Hall hervorhob, der den weiten Nabel für charak- 
teristisch ansah. Waagen folgten auch Koninck?) und andere 
Autoren. 

Von den beschriebenen Arten sind viele unserer Art ähnlich; 
doch scheint mir mit keiner eine Identität zu bestehen. 

Am ehesten dürfte man erwarten, daß die Bellerophonten 
Bosniens mit jenen der äquivalenten Schichten Südtirols überein- 
stimmen. Das ist — nach den bisherigen Kenntnissen — aber durch- 
aus nicht der Fall. G. Stache ®) beschrieb aus den südtirolischen Belle- 
rophonkalken nicht weniger als 13—15 verschiedene Arten), welche 
aber durchwegs der Längsstreifung entbehren, also nicht zu Bucania 
gestellt werden können. Nun sind die in Südtirol nicht gerade 
seltenen Bellerophonten dort gewöhnlich nur als Steinkerne erhalten, 
weshalb glückliche Funde in diesem Gebiete immerhin noch einmal 
auch das Auftreten längsgestreifter Formen ergeben könnten. Ein 
näherer Vergleich der Bucania suhaensis selbst mit den gekielten 
Formen wie B. Vigilii, B. Janus, B. sextensis u. s. w. ist aber heute 
ausgeschlossen, weil die letzteren ihrer Oberfläche nach nicht ge- 
nauer bekannt sind. 


Von den durch W. Waagen®) aus den indischen Productus- 
Kalken der Salt-range beschriebenen Bellerophonten sind Bucania 
integra W., B. kattaensis W. und vielleicht noch B. ornatissima W. 
sowie B. angustifasciata W. am ähnlichsten. Doch ist bei keiner 
der Formen ein so kräftiger Kiel entwickelt. In dieser Hinsicht sind 
andere indische Formen wie Bellerophon Blanfordianus W. und 
BD. affinis W. ähnlicher, die jedoch der Längsstreifen entbehren. 


Ganz ähnliche Differenzen ergeben sich bei dem Vergleiche 
mit den von Jakowlew aus dem russischen Perm beschriebenen 
Arten ?) wie auch mit denjenigen der sizilianischen Fusulinenkalke ®). 
Desgleichen beschreibt auch Netschajew °) aus dem russischen 
Perm keine mit DB. suhaönsis übereinstimmende Form. Der Gestalt 


!) J. Hall, Nat. history of New York, Palaeontology I. (1847), pag. 32. 

2) W. Waagen, Palaeont. Indica, XIII. Ser., Vol. I, 1880 (1887), pag. 150. 

®) L. G. de Koninck, Faune du calc. carb. de la Belgique IV, pag. 148. 

*) G. Stache, Zur Fauna der Bellerophonkalke etc. Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A., XXVII, 1877, pag. 296 u. f. | 

5) F. Frech (Lethaea palaeozoica) dürfte nicht unrecht haben, wenn er 
diese Zahl von Arten für zu groß hält. 

6) Salt-range fossils, 1. c. 

”) N.Jakowlew, Oberpalaeoz. Abl. Rußlands, Mem. Com. Geol., XV, 3, 1899. 

®) G.G. Gemmellaro, Fauna dei calcari con fusulina della valle del 
fiume Sosio II, Palermo, 1889. 

2) Netschajew, Die Fauna der permischen Ablagerung des östlichen 
En: des europäischen Rußlands, Trudy Sjezd. Russk. Estestwoisp. Taf. XXVII - 
4, Kasan, 1894. 


[181] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bell.-Sch,) 695 


nach würde sich der letzteren B. striata Flem. bei Koninck !) nähern, 
doch mit jener weder in der Gestalt, noch in den Einzelheiten der 
Skulptur völlig übereinstimmen. 


Vorkommen: Suha Cesma und Han Orahovica. 


22. Worthenia dyadıca Kittl n. f. 
Taf. XXII (II), Fig. 24. 


Gehäusewinkel etwa 35- 40° Gehäuse spindelförmig mit tiefen 
Nähten und mit gut ausgebildetem Randkiele versehenen Umgängen, der 
Randkiel mit starken, dicht gedrängten Querrippen. Auf der Schluß- 
windung steht unter dem Randkiele eine schwach ausgehöhlte Seiten- 
fläche, welche durch eine Kante von der flachgewölbten, spiralgestreiften 
Basis getrennt ist. Die Mündung ist rundlich. Auf der Basis sind 
drei kräftige Spiralkiele außer dem Randkiele zu erkennen. 

Aus wahrscheinlich durchaus permischen Schichten Rußlands 
beschreibt N. Jakowlew!) eine Reihe von Arten der Gattung 
Worthenia als Wortheniopsis. Darunter wäre W. kyschertianaeformis 
Jak. der W. dyadıca am ähnlichsten, ohne daß ich eine vollständige 
Übereinstimmung beider finden könnte. Zudem ist gerade jene russische 
Form diejenige, welche vielleicht noch am ehesten zu Wortheniopsis 
gehören könnte, während alle übrigen dort von Jakowlew angeführten 
Arten meiner Anschauung nach zu Worthenia zu stellen sind. Auch 
W. Waagen beschreibt aus dem Salt-range Indiens eine Worthenia 
als Pleurotomaria sequens, die aber eine nähere Beziehung zu W. 
dyadica nicht zu haben scheint. 


Vorkommen: Han Orahovica und Suha Cesma 


23. Loxonema sp. 


Mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit der Gattung 
Loxonema angehörig erweist sich eine kleine Anzahl fragmentär 
erhaltener Gastropodenreste der Lokalität Han Orahovica. Die Unvoll- 
ständigkeit derselben verbietet es, direkte Bestimmungen vorzunehmen. 
Indessen nenne ich als sehr ähnliche schon beschriebene Formen: 
L. (Turbonilla) Phillipsi Howse und L. (Turbonilla) altenburgensis Gein. 
(Geinitz, Dyas, pag. 47 und 48, Taf. XI., Fig. 11—15) sowie insbe- 
sondere L. kazanensis Netsch. (Netschajew, Permische Ablagerungen 
des östlichen europäischen Rußlands, 1894, Taf. XII, Fig. 36 und 37). 


Vorkommen: Han Orahovica. 


24. Promathildia? permiana Kittl n. f. 
Taf. XXIL (II), Fig. 25. 


Der Gehäusewinkel zeigt etwa 30 Grade. Das Gehäuse ist turm- 
förmig mit eingeschnittenen Nähten, die Umgänge sind niedrig, etwa 
zweimal so breit als hoch, oben mit einer schmalen schrägen Naht- 


1) loc. eit, 


696 | Ernst Kittl. FI 


facette versehen, darunter etwas ausgehöhlt, noch tiefer unten schwach 
gewölbt. Die Skulptur besteht aus ziemlich dicht stehenden Quer- 
falten, welche sich bis zu der oberen Nahtfläche verdicken, wo sie 
plötzlich unterbrochen sind. Die Schlußwindung ist unbekannt. 

Die erkennbaren Eigenschaften sind recht dürftig. Die Skulptur 
deutet entweder auf die Gattung Loxonema oder auf Promathildia 
hin, auf letztere vielleicht in höherem Maße. 

Einige weitere Reste, die keine : Öberflächenskulptur mehr 
erkennen lassen, könnten zu derselben Art gehören. 


Vorkommen: Han Orahovica. 


25. Entalis (?) orahovicensis Kittl n. f. 
Taf. XXII (ID, Fig. 26 und 27. 


Das Gehäuse geradegestreckt, röhrenförmig konisch, am unteren 
Ende mit dicht gestellten Querringen und etwas schütter ange- 
ordneten Längskielen verziert, von welchen Skulpturelementen bald 
das eine, bald das andere überwiegt (Fig. 27). Nach oben, gegen die 
Mündung zu verschwindet die Längsskulptur gänzlich und es erübrigt 
nur mehr die Querskulptur. Diese letztere bildet sich hier in der 
Weise aus, daß die Ringe von ziemlich ungleicher Stärke erscheinen, 
einzelne davon aber in ziemlich regelmäßigen Abständen sehr weit 
kragenförmig vorragen (Fig. 26). Auf dem weiteren Gehäuseteile 
entsprechen die Querverzierungen ganz. deutlich den Zuwachszonen 
und stehen ihre Ebenen auf der Gehäuseachse nicht normal, sondern 
sind schwach geneigt. 

Die Zuteilung dieser Art zu den Scaphopoden und nicht zu den 
Cephalopoden erfolgte auf Grund der Beobachtung, daß die Stein- 
kerne keinerlei Querkammerung erkennen lassen. Auffallend bleibt 
dabei der Umstand, daß die Wandstärke der Röhre nach unten ge- 
wöhnlich in keiner auffälligen Weise zunimmt, mitunter sogar abzu- 
nehmen scheint. Es mag das durch den Erhaltungszustand verursacht 
sein. Weniger bedenklich ist die — wie es scheint — immer vor- 
handene Geradestreckung der Röhre. Hat doch schon Koninck 
solche Entalis-Formen aus dem belgischen Kohlenkalke beschrieben }). 


Vorkommen: Han ÖOrahoviea. 


26. Entalis (2?) cf. ingens Kon. 
Taf. XXII (ID), Fig. 28. 

Hierher rechne ich einfache, röhrenförmige, etwas konische Ge- 
häuse, welche mit Ausnahme einer gegen die Gehäuseachse schwach 
geneigten Zuwachsstreifung keine auffällige Oberflächenskulptur er- 
kennen lassen. Dieselben sind gerade oder schwach gekrümmt. 

Die vorliegenden zahlreichen Durchschnitte zeigen eine Aus- 
füllung der einfachen Röhren meist mit dichter, homogener Gesteins- 


!) L. G.deKoninck, Faune calc. carb. de la Belgique, IV., 1883.: Entalis 
walciodorensis, E. acumen, E. filosa u. a. 


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[183] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bell,-Sch.) 697 


masse. Bei vielen Exemplaren stellen sich dieselben Bedenken wie 
bei der vorhergehenden Art ein, und zwar sowohl hinsichtlich des 
in der Regel völlig geraden Verlaufes der Röhre, wie bezüglich der 
Schalerdicke, welche auch hier am unteren Ende nur selten stärker 
ist, als am oberen. Bezüglich des letzteren Umstandes kann aber an- 
geführt werden, daß einerseits das normale Verhalten der Schalen- 
dicke in einzelnen Fällen an vollständigeren Gehäusen doch beobachtet 
‘werden konnte, anderseits aber aus dem belgischen Kohlenkalke vor- 
liegende Fragmente von E. ingens bei sehr großem Durchmesser auch 
eine sehr dicke Schale zeigen, ferner bei kleinerem Gehäusedurch- 
messer eine Zunahme der Schalendicke nach abwärts ebenfalls nicht 
beobachtet werden konnte. Da außerdem auch bei tertiären und re- 
zenten Dentalien dieses Fehlen der Schalenverdickung am unteren 
Ende, wenn auch nur als Ausnahme, beobachtet wurde, so glaubte ich 
mich dem Vorgange W. Waagens und L. G. deKonincks anschließen 
zu können und die in Rede stehenden Reste zu den Dentaliiden stellen 
zu dürfen. 

Bekanntlich hat Koninck aus dem indischen Kohlenkalke solche 
Reste als Entalis herculea beschrieben und W. Waagen (Pal. indica 
Ser. XIII, Vol. I, Taf. XVI) sich diesem Vorgange angeschlossen ; 
ferner beschrieb Ko ninck aus dem belgischen Kohlenkalke ähnliche 
Arten von Entalis, wie E. prisca, E. ingens, E. ornata u. s. w. (Faune 
du cale. carb. de la Belgique IV, 1883). Von diesen letzteren scheint mir 
Entalis ingens Kon. mit den anscheinend glatten, einfachen Röhren der 
Lokalität Han Orahovica am besten übereinzustimmen, sowohl hin- 
sichtlich der Größenverhältnisse als auch hinsichtlich der Krümmung, 
da von beiden verglichenen Fossilien nicht nur gerade, sondern auch 
gekrümmte Röhren bekannt sind. 

Ob diese nun zu Dentalium oder zu Entalis gehören, muß ich 
unentschieden. lassen. Für die letztere Eventualität spricht die bei 
vielen permischen und karbonischen Arten erfolgte Konstatierung eines 
Schlitzes am unteren Schalenende. Ein Steinkernexemplar von Han 
Orahovica zeigt einen Längskiel, daneben beiderseits je eine seichte 
Furche, welcher Umstand vielleicht als Bekräftigung der Zugehörigkeit 
zu Entalis anzusehen ist. Koninck beschreibt von Zntalis ornata 
(l. ec. pag. 218, Taf. XLIX, Fig. 4) das Auftreten einer ähnlichen 
Richtungslinie in Gestalt einer Längsfurche. 

Es erübrigt noch ‘auf das Vorkommen einer ähnlichen, aber 
kleineren Art: Entalis prisca Mstr. im Perm von Deutschland, England 
und Rußland hinzuweisen. 


Vorkommen: Han Orahovica. 


27. Entalis (2) multiplicans. Ki. n. f. 
Taf. XXII (II), Fig. 29—32. 
Im Anschlusse an die eben erwähnten, zu Dentalium gestellten 
Gehäuse habe ich andere, äußerlich ähnlich gestaltete zu erwähnen, 


welche eine Einschachtelung einer kleineren Röhre zeigen, wobei aber 
von der Mündung her gegen abwärts eine Verdickung der Schale der 


698 Ernst Kittl. [184] 


Einzelröhren eintritt, also jene Eigenschaft der Dentaliden auftritt, 
die bei den früher erwähnten Resten abging. 

Diese ineinandergeschalteten Röhren finden sich aber nicht etwa 
selten, sondern sehr häufig entweder in Gesellschaft der einfachen 
Röhren oder selbständig angehäuft. 

Gerade dieses zum Teil gesellige Vorkommen scheint doch wohl 
darauf hinzudeuten, daß da keine wirkliche Einschaltung von Röhren 
verschiedener Individuen vorliegt. Einige Exemplare zeigen zwischen 
der äußeren und der nächstfolgenden inneren weißen Röhrenwand rot- 
gefärbte Füllmasse, während diese bei den weiteren Zwischenräumen 
meist dunkel gefärbt ist. Die Anzahl der ineinander geschalteten 
Röhren beträgt zwei bis fünf. 

Die Deutung dieser Reste ist auf verschiedene Art möglich. Das 
nächstliegende wäre die Annahme, man habe es mit einfachen Ge- 
häusen zu tun, welche, wie es ja mitunter vorkommt, zufällig im leeren 
Zustande ineinander geraten sind. Dagegen spricht jedoch die schon 
erwähnte große Häufigkeit des Vorkommens. Gerade dieser letzt- 
genannte Umstand drängt zu der Annahme, daß man eher eine wieder- 
holte Gehäusebildung anzunehmen hätte. Weniger wahrscheinlich 
erschiene die Deutung der inneren Röhren als nachträgliche Sinter- 
absätze, für gewisse verzierte sogar ganz unannehmbar. 

Die einfachen Röhren wurden im vorhergehenden je nach der 
Verzierung der Gehäuseoberfläche zwei Arten zugeteilt. Nun scheinen 
sowohl glatte Röhren als auch verzierte ineinandergeschaltet zu sein, 
und zwar so, daß in der Regel nur verzierte oder nur glatte Röhren 
ineinander gefunden werden. 

Die glatten Exemplare bezeichne ich mit dem Namen Ent. multi- 
plicans, ohne daß es sicher wäre, daß hier eine besondere Art vorliege, 
die verzierten aber mit demselben Vorbehalte als Ent. tureica. 

Vorkommen: Han Orahovica sehr häufig. 


28. Entalis (?) tureica Kittl n. f. 
Taf. XXIT (ID), Fig. 33. 


Ineinandergeschaltete Röhren, zwei bis fünf an der Zahl, ober- 
flächlich mit Quer- und Längskielen verziert. Die Zwischenräume der 
Einzelröhren sind hier meist relativ schmal 


Vorkommen: Han Orahovica. 


Die soeben als Entalis beschriebenen Arten sind es wohl, welche 
A. Bittner von der Lokalität Han Orahovica als Aulacoceras sp. an- 
führt; er stellt sie als massive belemnitenförmige Körper, aber ohne 
deren strahlige, spätige Struktur dar, die hie und da noch eine feine 
Längsberippung ihrer Oberfläche sowie Andeutungen von Querstreifung 
zeigen. Danach sind es wahrscheinlich insbesondere die verzierten 
Formen: Entalis (2) orahovicensis und Entalis (?) tureica gewesen, 
welche Bittner beobachtet hatte. 


[185] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bell.-Sch.) 699 


Die von Bittner mitgebrachten Stücke sind derzeit nicht auf- 
findbar gewesen. Jetzt, wo von diesen Fossilien ein umfangreicheres 
Material vorhanden ist, ergab sich eine andere Deutung derselben. 


29. Orthoceras (Oycloceras) Waageni Kittl n. f. 
Textfiguren 32 und 33, 

Gehäusewinkel 12—17°, Gehäuse mit kräftigen gerundeten Quer- 
ringen in Abständen von 0'4—0'25 (im Mittel '/,) des Durchmessers, 
die eine sehr geringe oder etwas erheblichere Schrägstellung gegen 
die Achse erkennen lassen. Die Zwischenräume der Ringe sind zwei- 
bis dreimal so groß, wie deren Breite. Die Ringe sind stets gerundet, 
niemals zugeschärft. Die Kammerwände sind in Entfernungen von 
1/, des Durchmessers angeordnet; der Sipho liegt, soviel zu erkennen 
ist, exzentrisch. Der Gehäusequerschnitt ist unbekannt, da die vor- 
liegenden Exemplare zerdrückt oder nur in Fragmenten erhalten sind. 


Fig. 32, Fig. 33. 


Orthoceras (Cyeloceras) Waageni Ki. n. f. von Han Orahovica. 


Fig. 32 Längsschnitt. — Fig. 33 Schalenexemplar. 


Aus den Bellerophonschichten Südtirols hat C. Diener eine 
ähnliche Form beschrieben, die sich jedoch durch kantig zugeschärfte 
Ringe und wahrscheinlich auch durch größeren Gehäusewinkel von 
O. Waageni unterscheidet. Erstere Form hat Diener unbenannt gelassen, 
weshalb ich vorschlage, sie als Orthoc. Dieneri zu bezeichnen; er hat 
sie mit Orthoceras oblique-annulatum Waagen!) zunächst verglichen, 
welche Art aus dem oberen Produetus-Kalke stammt, während Orthoceras 
Waageni mit dem aus denselben Schichten Indiens stammenden Ortho- 


1) W, Waagen, Salt-range fossils, Palaeontol, Indica, ser. XIII, vol. I, pag. 69, 
Taf. VI, Fig. 10, 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 58. Band, 4, Heft, (E, Kittl,) 94 


700 Ernst Kittl. .. [186] 


ceras cyclophorum Waagen!) viel nähere Beziehungen aufweist, von 
welcher letzteren sich erstere Form aus den bosnischen Bellerophon- 
schichten wahrscheinlich nur durch etwas größeren Gehäusewinkel und 
etwas größere Entfernung der Querringe unterscheiden dürfte. 

Es gehört Orthoceras Waageni zu jenen wenig veränderlichen 
annulaten Orthoceren, die als Orthoceras annulatum Sow. sowohl aus 
dem Silur als auch aus viel jüngeren paläozoischen Schichten, wie zum 
Beispiel aus dem Bergkalke angeführt werden. So würde zum Beispiel 
das von Phillips?) abgebildete Exemplar in sehr guter Weise mit 
den bosnischen übereinstimmen. Von den aus dem belgischen Kohlen- 
kalke beschriebenen annulaten Orthoceren dürfte Orthoc. laevigatum 
Me. Coy?) am meisten Ähnlichkeit haben. Mit Rücksicht auf die 
Skulptur allein steht dem Orth. Waageni die belgische Kohlenkalk- 
art Orthoc. annuloso-lineatum *) noch näher. Recht ähnlich ist unserem 
Orthoc. Waageni der Abbildung nach auch Orthoceras annulatum Abich 5) 
von Djulfa; es zeigt das letztere jedoch etwas größere Entfernungen 
der Kammerscheidewände. Wenn man die weite Fassung der Sowerby- 
schen Art Orthoceras annulatum®), wie sie von den älteren Autoren 
durchweg angenommen wurde, gelten ließe”), so könnte man unbe- 
denklich auch unser Orthoceras Waageni darunter subsumieren. Solange 
jedoch die große vertikale Verbreitung des Orth. annulatum und dessen 
Umfang nicht genauer fest gestellt ist®), darf man wohl andere Namen 
verwenden, wie das ja auch von anderen Autoren vielfach geschehen ist. 

Von A. Bittner wird (Grundlinien, pag. 366) von Han Ora- 
hovica ein Öyrtoceras-artiges Fossil erwähnt, über dessen Bedeutung 
sich nichts sicheres angeben läßt, da das Stück in Verstoß geraten 
ist. Ich möchte vermutungsweise annehmen, daß es sich wahrscheinlich 
um ein Orthoceras handelt. 


Vorkommen: Han Orahovica. 


30. Orthoceras sp. ind. 


Eine glatte Form von großen Dimensionen mit ziemlich dicht 
gestellten Scheidewänden fand sich an den zwei unten genannten 
Lokalitäten. Weitere Vergleiche sind bei der mangelhaften Erhaltung 
der Stücke ausgeschlossen. £ 

Vorkommen: Han Orahovica, Suha Cesma. 


1) ]. c. pag. 68, Taf. VI, Fig. 7 und 8. 

2) Geology of Yorkshire, II, pag. 239, Taf. XXI, Fig. 9 und 10. 

) Koninck, Calc. carbonif. de la Belgique, II., Taf. XLI, Fig. 4. 
) 

) 


o” 


* Koninck, l. c, Taf. XLI, Fig. 1-8, 

5) H. Abich, Eine Bergkalkfauna von Djulfa., I., 1878, pag. 25, Taf. IV, 
Fig. 9. — Eine ähnliche Form ist auch Orthoceras annulato-costatum Meek et 
Worthen. (Geol. Surv. of Illinois II., pag. 304, Taf. XXIV, Fig. 3.) 

6) Orthocera annulata. Sowerby, Min. Conch., pag. 77, Taf. 123. 

") Eine kritische Bearbeitung der Frage nach dem Umfange dieser Art könnte 
nur an der Hand eines sehr umfangreichen Materials vorgenommen werden. 

°) Die Originalabbildung bei Sowerby (l. c.) stimmt nicht genau mit den 
Textangaben überein, wo gesagt wird, daß die Ringe um etwa !/, des Durchmessers 
von einander abstehen, während die Abbildung dieselben näher gerückt zeigt. Das 
Original scheint aus dem Karbon zu stammen, nach dem Fundorte (Coalbrook Dale) 
zu urteilen. 


[187] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Bell.-Sch.) 701 


31. Nautilus? sp. 
Textfigur 34, 

Ein Durchschnitt (siehe Fig. 34) erinnert an Asymptoceras korul- 
kensis (Jakowlew, Fauna der oberpaläozoischen Ablagerungen Ruß- 
lands. I., Mem. Com. geol., XV, 3. Heft, pag. 9 und 86, Taf. III, Fig. 3), 
der Umgangsquerschnitt ist durch die weitere Umfassung der Windungen 
scheinbar breiter, die Wölbung des Rückens würde jedoch sehr gut 
übereinstimmen. Da jedoch nicht einmal Spuren der Kammerung zu er- 
kennen sind, so bleibt es fraglich, ob das Fossil überhaupt zu den 
Cephalopoden gehört. 


Fig. 34. 


Nautilus (2) sp. von Han Orahovica. 


Eine zu dem Durchschnitte ebenfalls passende Form wäre noch: 
Endolobus Salomonensis Gemmellaro (Fauna dei calcari con fusulina 
della valle del fiume Sosio II, 1889, pag. 99, Taf. XI, Fig. 20 und 21). 


Vorkommen: Han ÖOrahovica. 


32. Nautilus (Temnocheilus) sp. 
Textfigur 35. 


Ein Fragment siehe (siehe Fig. 35) zeigt sehr breite trapez- 
förmige Umgänge mit breitem, ganz flachem Rücken, auf welchem die 


Fig. 35. 


Temnocheilus sp. von Han Orahovica, 


94* 


10°. rt Ernst Kit], Ä [188] 


Zuwachsstreifen eine weite flache Bucht bilden. Die Scheidewände 
sind enggestellt, ihre Suturen ohne besondere Einbiegung, namentlich 
ist auf der Externseite keine Bucht vorhanden (welches Merkmal der 
Externbucht allerdings von Temnocheilus angegeben wird). 


Vorkommen: Han Orahovica. 


Tabelle der Fossilien der bosnischen Bellerophonschichten. 


Bosnien P Perm 

3 8 B) a:= DE-B- De: 

a |% |a.2\285|9o| 8 || |3 

S|8 l331233|835|%|s|5 |# 

Z = sa zul or-| E ei 

= A Sa a|ıra|Ie 
1) ORondrites sp AR ER rt xXIxX1- || — | — 
2 | Steinnannianspr: DEE NIT TRER 3 — | + — — 2 ul) 2 
3 | Archaeocidaris Keyserlingi Gein. .|+?| —- | +| — | +\+|1—| — | - 
4 » ladina Stache. . . | —| — | +| + | —|—|— | — | — 
5 h 3:7. ER a2 — 7 Te 
6 1 REDE N TR | — | + — [| XIX)-)-|- 
7| Oyathocrinus ramosus? Schloth. . | —-| +] + I +[+1J- || —|— 
8| Geinitzella columnaris Schloth., . . \ — | +| +| — Eye Fan 
9| Lingula cf. Oredneri Gein. +! | -| x | xXIxX|- || — |— 
10 | Discina bosniaca Ki. ...l1#+1 --| | — |IXIxXI—| —-|— 
11:1, Oxyboma Wannen Ku. PR u a ee 
12 |. Beiopteriae pr. RM .I—| —-| +! — | xX|IxXIx| XI 
13 | Bakewellia Kingi Ki. . .... ./—-| +) +! — I +|+Xal —|— 
14 | Promyalina Hindi Ki... .. + -| + -— |—-1-1xX| —|- 
15, Edmondia cf. rudis Me. Coy u ee a BE 
16 | Nucula cf. Beyrichi Schaur. . . .\— | —|+| + | +|1-|-| — | — 
17 | Schizodus truncatus King...» . .\—| -| +I — | -|+!-| -|— 
18 | Cleidophorus Jacobi Stache . . Sa a — ee 
19 | Pleurophorus sp. „en lt el || — 
20 | Sanguwinolites bellerophontium Ki. . | — | — +| — | -|xX|-| — | — 
21 | Bucania suhaönsis Ki...» .... en re 
22 | Worthenia dyadica Ki. Buie a Sl ee ae 
23 | Woronemalp. Ne ae I KK = 
24 | Promathildia (?) permiana Ki. . .|—| -| +| — | — er 
25 | Entalis? orahovicensis Ki... . .|—| —  +| — | — n R 
26 2 ChMRIenSs KOM... de te — | —-| +! — I XIxIxX| —|+ 
27 a. (2) multiplicans Ki... .|— | — | + — | —- - | —|| — | — 
28 4 tureica Ki... 2.2... .|l-| | +| — | —-|-|-| —-|— 
29 | Orthoceras (Oycloceras) Waageni Ki.\— | — | +| X || -|1- —| —|X 
30| Orihocenasuen. .. ie Tr an. —| —- | +| — || ee 
31. | NUN SERSDrr a ee Ne —ı — | #|9= — [—-/xX] X | — 
32. "Temaochellusesy. || +[ — | —|-|-|| —|\— 


Anmerkung. — bezeichnet das Vorkommen derselben, X das Auftreten 
einer nahe verwandten Form. 


[#89] Geologie der Umgebung von Sarajevo, (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 703 


3. Die Fossilien der Buloger Kalke. 


Die Buloger Kalke sind durch einen großen Reichtum an Cephalo- 
poden ausgezeichnet; Reste anderer Tierklassen sind aber geradezu 
Seltenheiten. In dem Folgenden sollen Listen der bisher aus den 
Buloger Kalken bekannten Fossilien und Beschreibungen einzelner 
derselben gegeben werden. 


a) Algen. 


Hierher werden jene Reste gerechnet, welche als Diplopora 
(Gyroporella, Dactylopora) bekannt und in hellen triadischen Riffkalken 
stellenweise recht häufig sind, ja sogar gesteinsbildend auftreten. In 
einzelnen prächtig erhaltenen Exemplaren, welche man als Diplopora 
triasina Schaur. (nach Gümbel) von Haliluci und als Diplopora cf, 
Gümbeli Salomon (Marmolata, Palaeontogr. 42 Bd.) von Haliludi und 
Zli stup anführen kann, finden sie sich auch in den Buloger Kalken. 


b) Echinodermen. 


Stellenweise sieht man Anhäufungen der Stielglieder von Cri- 
noiden, die sich zumeist ungezwungen auf Encrinus cassianus Laube 
(Han Vidovic) und auf Enerinus granulosus Mstr. (Han Vidovic) be- 
ziehen lassen, welche Arten in der Trias eine große vertikale Ver- 
breitung besitzen, wenn man auf Stielglieder allein einen so weit- 
gehenden Schluß gründen darf. Neben diesen gewöhnlichen triadischen 
Formen finden sich Stiele von Crinoiden, deren einzelne Glieder sehr 
regelmäßig sanduhrförmig eingeschnürt sind, deren Gelenkflächen aber 
grobe Radialrippen wie manche von Laube zu Knerinus granulosus 
gestellte Exemplare zeigen. Es mögen dieselben als Enerinus n. f. 
angeführt sein. Sie fanden sich bei Stup gornje und Han Vidovic. 

Die außerordentlich spärlichen Echinidenreste zeigten nur 
wenig bekannte Typen von Radiolen, die sämtlich von Han Vidovic 
stammen: 

Cidaris cf. biformis Mstr. lange und schmale zylindrische Formen. 

Oidaris n. f. zylindrisch-keulenförmige, grobgranulierte Formen, 
die von den häufigen Cassianer Arten ganz abweichen. 


c) Brachiopoden !). 


In den Bänken, welche von Cephalopodengehäusen erfüllt sind, 
erscheinen Brachiopodenschalen ebenfalls in der Regel nur als Selten- 
heiten. Hie und da jedoch schieben sich kleine Nester von Brachio- 
poden ein, gegen die Basis der Cephalopodenbänke zu scheinen auch 
srößere Ansammlungen von Brachiopoden zu liegen, wo dann Spiriferina 
ptychitiphila Bittn. fast allein vorkommt. 


!) Die wichtigste Literatur ist: 
Georg Graf zu Münster, Beiträge zur Petrefaktenkunde. II. und IV, Heft, 1840. 
Gustav C. Laube, Die Fauna der Schichten von St. Cassian. Denkschr. d. k. k. 


Akad. d. Wiss, XXV. Bd., 1865. [ # 
(Fortsetzung der Fußnote auf der nächsten Seite.) 


704 Ernst Kittl. >: 7190] 


Zuerst möge eine übersichtliche Tabelle (siehe pag. 705) aller 
bisher aus den Buloger Kalken bekannten Brachiopoden folgen, in der 
die auch in den Schreyeralmkalken der Nordalpen vorkommenden 
Formen durch ein vorgesetztes 7, die für die Buloger Kalke charak- 
teristischen oder in diesen besonders häufigen Arten durch einen * 
hervorgehoben sind. 

Die Brachiopodenliste der Cephalopodenmarmore von Bulog ist 
durch Berücksichtigung aller Fundorte unseres Gebietes auf etwa 25 
verschiedene Formen angewachsen. 

Alle durch A. Bittner (Brach. d. alp. Trias, pag. 45) bekannt 
gemachten Arten der Schreyeralmschichten sind mit 1—2 Ausnahmen 
entweder durch ganz identische Exemplare oder zumindest durch 
sehr nahestehende vertreten. Jene Ausnahmen betreffen Terebratula 
Laricimontana Bittn. vom Lärcheck bei Berchtesgaden (nur 1 Exemplar 
bekannt) und Rhynchonella arcula Bittn. von der Schreyeralm, die aus 
Bosnien bisher nicht bekannt sind. Die letztere Art scheint in den 
Buloger Kalken durch jene Form vertreten zu werden, welche ich als 
Rhynchonella cf. pirum Bittn. angeführt habe und der sodann eine Be- 
merkung zu widmen sein wird. 

Den in den Schreyeralmschichten vorkommenden zehn Arten 
reihen sich einige an, die auch in den vielleicht älteren Brachiopoden- 
kalken auftreten oder solchen Arten sehr nahe stehen, nämlich: 


Aulacothyris Waageni Bittn. Retzia Schwageri Bittn. 

Khynchonella cf. alteplecta Böckh 

Einige andere Formen wie: 

Oruratula sp. Spirigera af. Stoppanü Sal. 
Rhynchonella cf. sublevata Bittn. Koninckina? sp. 
n cf. pirum Bittn. 
erinnern au Arten etwas jüngerer Schichten, insbesondere an solche 
der karnischen Hallstätter Kalke. 

Dazu kommen noch die für die Buloger Kalke besonders charakte- 
ristischen — weil bisher nur von dort bekannten — Arten von Rhyn- 
chonella (Rh. ottomana, Rh. volitans und Rh. twreica). 

Im folgenden sollen einige seltene oder für diese Schichten neue 
Arten besprochen werden. 


1. Khynchonella refractifrons Bittn. (Brach. d. alp. Trias, pag. 39 und 
47, Nachtrag I, pag. 3 und 5) kam in ganz typischen Exemplaren 
bei dem Dorfe Borovac vor, was deshalb anzumerken ist, weil 
die übrigen bisher aus den Buloger Kalken bekannten Beispiele 
dieser Art den zwei angeführten besonderen Varietäten zufallen. 


A. Bittner, Brachiopoden der alpinen Trias. (Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. 
Bd. XIV, 1890.) 

A. Bittner, Brachiopoden der alpinen Trias. Nachtrag I. (Abhandl. d. k. k. 
geol. R.-A.,Bd. XVII., Heft 2, 1892.) 

W. Salomon, Geologische und paläontologische Studien über die Marmolata, 
(Palaeontographica, Bd. XLII, 1895.) 

A. Bittner, Brachiopoden aus der Trias des Bakonyerwaldes. (Resultate d. 
wissenschaftl. Erforsch. d. Balatonsees, I. Bd., 1. Teil, 1900.) 

A. Bittner, Brachiopoden und Lamellibranchiaten aus der Trias von Bosnien, 
Dalmatien und Venetien. (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., Bd. LIl, 3. und 4. Heft, 19C2.) 


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[191] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 705 


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706 Ernst Kittl. - 7132] 


2.—4. Rhynchonella cf. protractifrons (Brach. d. alp. Trias, pag. 41), 
Rh. cf. projectifrons (Brach. d. alp. Trias, pag. 41; Nachtrag I, 
pag. 7) und Rh. cf. productifrons Bittn. sind nach zum Teil 
noch nicht publizierten Bestimmungen A. Bittners angeführt. 

5. Rhynchonella cf. sublevata Bittn. (Brach. d. alp. Trias, pag. 48 
und 221) war bisher nur in einem Exemplar von Han Vidovic 
(Han Bulog) bekannt; ein weiteres fand sich bei Blizanac. 
(Taf. XXDI (IID, Fig. 1.) Auch dieses unterscheidet sich von 
der Type der Art Rh. sublevata nur wenig. 

6. Rhynchonella cf. pirum Bittn. Von Gradiste bei Bulog liegen vier 
Einzelklappen vor, wovon je zwei der schmäleren und der 
breiteren Varietät angehören. Man würde dieselben, wenn sie 
aus jüngeren Schichten stammten, wohl unbedenklich mit Ahynch. 
pirum der Hallstätter Kalke (A. Bittner, Brach. d. alp. Trias, 
pag. 214) vereinigen. Ein ebendazu gehöriges Exemplar liegt 
von Haliluci vor. 

7. Iöhynchonella glossoides Kittl. n. f. (Taf. XXIH [III], Fig. 2) von 
Blizanac ist eine kleine Art mit trapezoidisch gerundetem Ver- 
lauf der Kommissur und einer schmalen steilen medianen Stirn- 
falte auf der Dorsalklappe, gehört also ohne Zweifel in die 
Verwandtschaft der Ah. sublevata, von der sie sich äußerlich 
hauptsächlich durch den Umriß und die relativ große Höhe und 
geringe Breite der Bucht unterscheidet. Sie ist auch der Rhynch. 
lingulina Bittn. der Hallstätter Kalke ähnlich, von der sich 
unsere neue Art durch ihren hohen Stirnsattel, der mit einer 
medianen Randfalte zusammenhängt, sowie durch stärkere 
Wölbung unterscheidet. Lebhaft erinnert Rh. glossoides auch an 
Rh. begum Bittn. der Brachiopodenkalke des Trebevic, von 
welcher Art sie aber im Umriß verschieden ist. Noch näher 
steht Ah. glossoides wohl der Rh. deliciosa Bittn., doch besitzt 
letztere auf der kleinen Klappe eine Medianfurche, die ersterer 
fehlt. 

8. Ihynchonella cf. alteplecta Böckh, ein der Eh. altepecta Böckh. 
(Bittner, Brach. d. alp. Trias, pag. 11) äußerst nahe stehendes, 
sehr wahrscheinlich damit identisches Exemplar fand sich am 
Stup gornje bei Bulog. 

9. Retzia cf. speciosa Bittn. A. Bittner findet die (l. ec. pag. 20 u. 44) 
sehr geringen Unterschiede seiner R. speciosa von R. Mojsisoviesi 
darin, daß die größte Breite näher der Stirn liegt und die 
Mediandepression der beiden Klappen „fast vollständig“ fehlt, 
die bei den ungarischen Exemplaren ein wenig deutlicher ist. 
Bittner bemerkt daher ganz zutreffend, daß man vielleicht 
besser tun würde, „die Form der Schreyeralmschichten einfach 
als Varietät zu R. Mojsisovicsi zu ziehen“. 

Die Exemplare der Buloger Kalke variieren in der Weise, 
daß sie bald mit Zr. speciosa nahe übereinstimmen, häufiger aber 
breiter sind und oft die Mediandepression deutlich erkennen 
lassen, sich also in einer Hinsicht der R. Beneckei Bittn., in 
einer anderen der R. Mojsisoviesi Bittn. sehr nähern, ohne daß 
irgend einer der vorhandenen Namen genau entsprechen würde. 


[1935] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 707 


10. Retzia cf. Schwageri Bittn. vom Dorfe Borovac zeigt zwar die 
geringe Rippenzahl von 6—7 der Typen von R. Schwageri 
(A. Bittner, Brach. d. alp. Trias, pag. 21), aber eine bedeu- 
tende Mediandepression auf der kleinen Klappe. 

11. Spiriferina Kövöskalliensis Suess. In Anbetracht der schon von 
Bittner (l. e. pag. 26, Nachtrag I, pag. 6) erkannten großen 
Variabilität und des Vorkommens in Schreyeralmschichten darf 
die Zuzählung von Stücken aus den Buloger Kalken zu dieser 
Art nicht überraschen. 

12. Spiriferina ptychitiphila Bittn. (Taf. XXIII [III], Fig. 3 und 4) 
liegt in zahlreichen, ziemlich vollständigen Exemplaren vor, die 
aus Nestern in oder nächst den Cephalopodenbänken von den 
Lokalitäten Kr$ und Grabovik bei Bulog stammen. Eines der 
größeren Exemplare, die sich dadurch auszeichnen, daß die 
größte Breite hinter der Mitte liegt (Fig. 3), und ein fast 
kugeliges Exemplar (var. globosa m. [Fig. 4]) sind abgebildet. 
(Vgl. hiermit A. Bittner, Brach. d. alp. Trias, pag. 44.) 

13. Spirigera cf. trigonella Schloth. Ein Exemplar vom Dorfe Borovac 
zeigt eine bei den Typen von Sp. trigonella aus den Brachio- 
podenbänken nicht zu beobachtende Aufbiegung der Stirnränder. 


14. Spirigera borovacensis Kittl n. f. (Taf. XXIII [III], Fig. 5) vom Dorfe 
Borovac ist eine sehr dickschalige Art, die durch die weite 
Bucht der Stirnlinie an die judikarische Abart von Sp. tri- 
gonella (Bittner, Brach. d. alp. Trias, pag. 18, Taf. XXXVI], 
Fig. 29-31) erinnert, sie sogar in dieser Hinsicht noch über- 
trifft. Durch Umriß und Stirnbucht kommt Sp. borovacensis der 
Sp. Stoppanii Sal. (Marmolata, Palaeontogr., XLII. Bd., pag. 92, 
Taf. II, Fig. 29 und 30) sehr nahe, besitzt jedoch auf der 
Unterklappe nur vier sehr breite Rippen, die auf der Ober- 
klappe sehr verflacht erscheinen und läßt eine kurze, vom Sinus 
ausgehende dreieckige Falte erkennen. 


d) Lamellibranchiaten !). 


1. Avicula grabovicensis Kittl n. f. 
Taf. XXIII (II), Fig. 9. 


Mit einer Form der Veszprimer Mergel (4. Hofmannı Bittn.) 
in Gestalt und Größe nahe übereinstimmend, scheint die Art der 


’) Die wichtigste Vergleichsliteratur hierüber ist: 


Georg Graf zu Münster, Beiträge zur Petrefaktenkunde. III. und IV. Heft, 1840. 

A. v. Klipstein, Beiträge zur geologischen Kenntnis der östlichen Alpen. 1843. 

Moritz Hörnes, Über die Gastropoden und Acephalen der Hallstätter Schichten. 
(Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch., math.-nat. Kl., IX. Bd., 1855.) 

Gustav C. Laube, Die Fauna der Schichten von St. Cassian. Denkschr. d. Wiener 
Akad. d. Wissensch., XXV. Bd., 1865. 

A. Bittner, Lamellibranchiaten der alpinen Trias. (Abhandl, d. k. k. geol. R.-A., 
XVIII. Bd., 1. Heft, 1895.) 

W. Salomon, Geologische und paläontologische Studien über die Marmolata. 
(Palaeontographica Bd. XLTII, 1895.) 

(Fortsetzung der Fußnote auf der nächsten Seite.) 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1908, 58. Band, 4. llelt. (E, Kittl.) 95 


708 Ernst Kittl. - [194] 


Buloger Schichten durch ausgeprägte konzentrische Zuwachslamellen 
ausgezeichnet zu sein. Die beiden Klappen sind flach gewölbt, die 
linke Klappe stärker als die rechte. Der Wirbel ist sehr weit nach 
vorn gerückt, der vordere Flügel des Schloßrandes ist also sehr kurz, 
der hintere sehr lang. 

Von Cassianer Formen ist A. cassiana Bittn. am nächsten stehend; 
außer der schon genannten erinnern auch manche andere Veszprimer 
Formen sehr an unsere A. grabovicensis. 


Vokommen: Bulog (Han Vidovic), Haliludi, Grabovik bei Bulog, 
Blizanaec. 


2. Avicula miljacensis Kittl n. f. 
Taf. XXIII (III), Fig. 10. 


Diese Form unterscheidet sich von allen ähnlichen der unteren 
Trias durch ihre größere Höhe und Dicke. Im Umrisse gleicht A. 
miljacensis sehr der A. cassiana Bittn., vieleicht auch der A. Tofanae 
Bittn. (Lamellibr. d. alp. Trias I). Die außerordentliche Kürze des 
vorderen Ohres ließ die Möglichkeit offen, daß A. miljacensis zu 
Gervilleia gehöre; doch zeigte der Schloßrand keine Ligamentfurche. 


Vorkommen: Haliludi. 


3. Aviculopecten cf. Bosniae Bittn. 


2 Der echte A. Bosniae aus den hellen Kalken vom Grk bei 
Cevljanoviö ist nur in rechten Klappen beschrieben. Die mir aus den 
jüngeren Cephalopodenkalken (Buloger Kalken) von Borovac vor- 
liegenden linken Klappen möchte ich mit A. Bosniae vereinigen, 
wenn nicht die Hauptrippen eine beträchtliche Breite erlangen würden, 
was bei jener Art nicht der Fall ist. 


Vorkommen: Dorf Borovae. 


4. Halobia halilueensis Kittl n. f. 


Die Schalen sind wenig länger als breit, mit meist kräftigen 
konzentrischen Falten und nicht sehr zahlreichen sehr breiten Radial- 
rippen, welche bei den kleinen vorliegenden Schalen ungeteilt bleiben; 
sie reichen nahe an den vorspringenden Embryonalteil heran. Der 
Schloßrand zeigt eine schmale Area und ein schmales, aber deutlich 
hervorragendes vorderes Ohr. Eine Abbildung dieser Art wird später 
an anderer Stelle nachfolgen. 


A. Bittner, Lamellibranchiaten aus der Trias des Bakonyerwaldes. (Resultate 
d. wissensch. Erforsch. d. Balatonsees. I. Bd., I. Teil, 1901.) 

A. Bittner, Brachiopoden und Lamellibranchiaten aus der Trias von Bosnien, 
Dalmatien und Venetien. (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. LI. Bd., 1902, 3. und 
4. Heft.) 

F. Broili, Fauna der Pachycardientuffe der Seiser Alpe. (Palaeontographica, 
L. Bd., 1908.) 


[195] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anlı.: Buloger Kalk.) 709 


Mit der Halobia halilucensis hat sich eine sichere geohrte Halobia 
des oberen Muschelkalkes ergeben, während es bisher unsicher war, 
ob diese Gruppe, welche in der oberen Trias eine so weite Verbreitung 
hat, so tief hinabreicht. 


Vorkommen: Haliludi. 


5. Gervilleia bosniaca Kittl n. f. 
Taf. XXIII (II), Fig. 8a und 85. 


Halbmondförmig gekrümmte, nach hinten ausgezogene Klappen, 
Wirbel weit nach vorn gerückt, beide Flügel des Schloßrandes mäßig 
lang, der vordere kürzer, durch eine Furche abgegrenzt. Hinterer 
Oberrand winkelig zum Schloßrande abgebogen. Zuwachsstreifen kräftig. 

Die nächst verwandten Formen sind @. immatura Bittn. und 
G. arcuata Bittn. der Cassianer Schichten. 


Vorkommen: Han Vidovie. 


6. Pecten (Entolium) Kellneri Kittl n. f. 
Textfigur 36. 


Glatte Klappen, deren Mittelteil von zwei unter einem spitzen 
Winkel vom Wirbel ausgehenden Kanten begrenzt ist. Ohren schräg 
nach oben gerichtet. Die Oberfläche zeigt nur feine Zuwachsstreifen. 

Das Vorkommen der Untergattung Entolium im bosnischen Muschel- 
kalke, das schon A. Bittner (Jahrb. d. k.k. geol. R.-A. 1903, pag. 609) 
vermutete, ist nun zwar nicht durch die von Bittner beschriebene 
Art Pect. pervulgatus, wohl aber durch Pecten Kellneri nachgewiesen. 


Fig. 36. 


Entolium Kellneri Kittl n. f. von Halilu6i. 


Von allen anderen mitvorkommenden glatten Pecten-Arten ist 
P. Kellneri durch charakteristische Entolium-Ohren, wo diese — wie 
gewöhnlich — nicht zu beobachten sind, durch die zwei vom Wirbel 
unter einem spitzen Winkel ausgehenden Randkanten unterschieden. 

Die Mehrzahl der vorliegenden Klappen ist zwar unvollständig, 
weist aber darauf hin, daß die Art gewöhnlich bedeutend größer wird 
als das abgebildete vollständigere Exemplar. 


Vorkommen: Haliludi, hier häufig. 
95* 


ni. Ernst Kittl. [196] 


7. Fecten Trebevicianus Kittl n. f. 
Textfigur 37 a und b. 


Flach gewölbte, gewöhnlich kreisförmige Klappen, meist glatt, mit 
deutlichen, zum Teil kräftigen Zuwachslinien, selten mit Spuren von 
Radialskulptur, die mittlere Schalenschicht mit radial divergierenden 
Fasern (wie bei Camptonectes). Vordere Ohren deutlich abgesetzt, jenes 
der rechten Klappe groß, mit tiefem Byssusausschnitt, das der linken 
Klappe dreieckig, innen hinten mit einem kleinen, zahnartigen Buckel. 
Die linke Klappe trägt außen hinten in der Nähe des Öhres eine 
kräftigere und mehrere schwächere Radialrippen. Der Schloßrand er- 
reicht nicht die halbe Länge der Klappe. 

Pecten Trebevicianus gehört in die Verwandtschaft des Pecten 
discites, mit dem er viele Eigenschaften gemein hat ; ersterer ist jedoch 
regelmäßig etwas stärker gewölbt, besitzt auf der Hinterseite der 
linken Klappe eine deutliche Radialskulptur, die bei P. discites Goldf. 
ganz fehlt, selten durch eine Radialfurche angedeutet ist. 


Fig. 37. 


Peeten Trebevicianus Kittl n. f. vom Trebevi6 (Ostgrat). 
a linke, 5 rechte Klappe. 


Wenn A. Bittner seinen Pecten Mentzeliae (Jahrb. d. k. k. geol. 
R.-A. 1903, pag. 610) von Klade „mit den glatten Formen des viel- 
gestaltigen Pecten Alberti Goldf.“ vergleicht, so muß da wohl eine Ver- 
wechslung vorliegen, da diese Art des deutschen Muschelkalkes kleiner, 
stärker gewölbt und auch gerippt erscheint. Es besteht vielmehr eine 
große Ahnlichkeit jener bosnischen Art mit anderen Formen, wie 
Pecten tenuistriatus Goldf. und P. discites Goldf. In eben dieselbe 
Gruppe gehört nun auch unser Pecten Trebevicianus. 


Pecten Mentzeliae ist nach Bittner durch etwas schräge Klappen 
und eine feine Radialskulptur ausgezeichnet. Unser Pecten Trebeviceianus 
ist dagegen kreisförmig, die Radialstruktur der mittleren Schalenschicht 
gleichtsehr der „Radialskulptur“ von P. Mentzeliae, während die wirkliche 
Oberfläche der Art vom Trebevie solcher „Radialskulptur“ entbehrt!). 
Nur ab und zu findet man eine Andeutung einer radialen Verzierung; 
in der Regel sieht man nur Zuwachsstreifen. 


Vorkommen: Trebevic-Ostgrat (Pecten-Block) und Haliluci. 


‘) Bittner bezieht allerdings die Radialskulptur des Pecten Mentzeliae 
auf die innere Schalenschicht. 


[197] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) u 


8. Pecten marginiplicatus Kittl n. f. 
Textfigur 38. 


- 


Ein glatter Pecten aus der Verwandtschaft des P. discites, der 
etwas höher als breit, dessen Schloßrand halb so lang wie die Klappe ist, 
und der vom Wirbel etwa unter einem rechten Winkel ausgehende 


Fig. 38. 


Pecten marginiplicatus Kittl n. f. von Han Vidovie. 


Randkanten und innerhalb derselben sehr flache Radialmulden er- 
kennen läßt. Am unteren Schloßrande stellt sich eine unregelmäßige 
Radialfaltung ein. Die beiden Ohren der linken Klappe sind durch 
die Zuwachszonen parallel gestreift. 


Vorkommen: Bulog (Han Vidovie). 


9. Pecten magneauritus Kittl n. f. 
Textfigur 39. 


Die rechte Klappe ist kreisförmig, glatt, mit etwas faltig er- 
habenen Zuwachsstreifen. Der Schloßrand ist lang (?/, von der Schalen- 
länge einnehmend), mit Ohren versehen, deren hinteres dreieckig 
und flach, deren vorderes flach gewölbt, vorne breit abgerundet und 
unten mit Byssusauschnitt versehen ist. Auch die Ohren zeigen kräftige 
Zuwachsstreifen. 


Fig. 39. 


Peeten magneauritus Kittl n. f. von Halilui. 


In der Gestalt gleicht diese Art dem P. T’rebevicianus, besitzt 
jedoch viel größere Ohren; mit P. Mentzeliae Bittn. würde die Größe 
der Ohren übereinstimmen, jedoch ist der Umriß kein so schräger, wie 
bei der letzteren Art und ist das hintere Ohr von P. magneauritus 
von der Schale schärfer abgegrenzt, nicht nach hinten ausgezogen, 


Vorkommen: Haliluci. 


712 Ernst Kittl. [198] 


10. Pecten subconcentricus Kittl n. f. 
Textfigur 40. 
Diese Form stimmt mit Peect. concentricestriatus M. Hörnes !) 
nahezu überein; die konzentrische Streifung ist jedoch viel feiner. 


Dieser einzige Unterschied genügt, die Exemplare des bosnischen 
Muschelkalkes von einem der Originale zu P. subconcentricus zu trennen. 


Fig.:40. 


Peeten subeoncentrieus Kittl n. f. von Haliluci. 


Wie diese letztere Art, ist auch P. subconcentricus in linken Klappen 
häufiger als in rechten, welche unter dem vorderen Ohre keinen Byssus- 
ausschnitt zeigen. 


Vorkommen: Bulog (Han Vidovic) 2, Haliluei 5 Exemplare. 


11. Fecten cancellans Kittl n. f. 
Textfigur 41. 


Die Form ähnelt der vorigen; sie zeigt jedoch außer der 
doppelten konzentrischen Skulptur (konzentrische Wellen und feine 
konzentrische Streifen) vom Wirbel ausstrahlende schwächere oder 
stärkere Radialrippen, welche mit den groben konzentrischen Wellen 
eine Gitterung erzeugen. Auch hier sind die rechten Klappen weitaus 
seltener. 


Fig. 11. 


Peeten eancellans Kittl n. f. von Haliluei. 


Wahrscheinlich ist P. cancellans nur eine Varietät des P. subcon- 
centricus, wofür auch der Umstand spricht, daß zuweilen Exemplare mit 
sehr schwacher Radialskulptur vorkommen (Hybride oder Übergänge ?) 


Vorkommen: Stup gornje bei Bulog 1, Haliluci 7, Bulog (Han 
ag 1, GradiSte bei Bulog 2 Exemplare. 


1) M. Hörnes, Die Gastropoden und Acephalen der Hallstätter Schichten 
Denkschr. der k. k. Wiener Akad. d. Wiss, IX, 1855, pag. 54, Taf. II, Fig. 22. 


> 
2 


[199] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 713 


12. Pecten sarajevensis Kittl n. f. 
Textfigur 42. 


Diese Art schließt sich den vorigen an, entbehrt auch der 
konzentrischen Wellen in der Nähe des Wirbels nicht ganz, zeigt in 
geringer Entfernung vom Wirbel nur Zuwachsstreifen, dagegen ist 
gegen außen zu die Radialskulptur sehr entwickelt, und zwar in 


Fig. 42. 


Peeten sarajevensis Kittl n. f. von Haliluei. 


ähnlicher Weise, wie sie die Aviculopecten-Arten der Brachiopoden- 
kalke besitzen: kräftige und scharfe Radialrippen in weiteren Zwischen- 
räumen mit Einschaltung schwächerer Rippen. Der Schloßrand ist ?/, 
so lang wie die Klappen, die Ohren sind daher relativ groß, deren 
Gestalt ist dreieckig. 

Vorkommen: Bulog (Han Vidovic) 3 Exemplare, Blizanac am 
Trebevic 1 Exemplar. 


13. Pecten subeutiformis Kittl n. f. 
Textfigur 43. 


Die Form des bosnischen Muschelkalkes Jifferiert von P. cuti- 
formis (M. Hörnes, Die Gastropoden und Acephalen der Hallstätter 
Schichten, Denkschr. d. Wr. Akad. d. d. Wiss., IX. Bd. 1855, pag. 53, 
Taf. I, Fig. 20) in zweierlei Hinsicht. Erstlich sind außer den 
konzentrischen Wellen noch grobe konzentrische Streifen vorhanden, 
die mit den Radialrippen ein Netz mit groben rechteckigen Maschen 


a und b: Peeten subeutiformis Kittl n. f. von Halilu6i. 


a. Natürliche Größe. — b Skulptur vergrößert. — c Skulptur von Pecten cuti- 
formis.M. Hörnes aus den karnischen Hallstätter Kalken des Sandling, ver- 
größert, zum Vergleiche, 


714 Ernst Kittl. . [200] 


erzeugen, während Peeten cutiformis der Hallstätter Kalke nur sehr 
feine konzentrische Streifen besitzt, welche ihrerseits mit feinen 
Radialrippen ein außerordentlich feines Netzwerk mit etwa quadra- 
tischen Maschen bilden. Der zweite Unterschied ist noch nicht ge- 
nügend sichergestellt; er scheint in dem vorderen Ohre der rechten 
Klappe zu liegen. 

Während nämlich P. cutiformis auf der rechten Klappe ein ge- 
rundetes vorderes Ohr mit tiefem Byssuseinschnitte zeigt (was M. Hörnes 
zwar nicht beschreibt, was aber ein von ihm bestimmtes, in der 
Sammlung des Hofmuseums liegendes Exemplar vom Vordersandling 
aus den norischen Gastropodenbänken deutlich erkennen läßt), konnte 
ich einen Byssuseinschnitt an rechten Klappen von P. subeutiformis 
bisher nicht erkennen. Dieses Ohr scheint hier den übrigen drei 
nahe gleichgestaltet zu sein. 


Vorkommen: Haliluci 10 Exemplare. 


14. Lima (Plagiostoma) subpunctata Orb. 


Diese fast ganz glatte, nur mit Zuwachsstreifen gezierte, schräg- 
ovale kleine Form mit ziemlich gleichen schmalen Ohren, schmaler 
niedrig dreieckiger Area, die unter dem Wirbel eine breite dreieckige 
Bandgrube zeigt, läßt an manchen Exemplaren die charakteristische 
Punktierung der Cassianer Typen erkennen. 

In der Form gleichen die bosnischen Exemplare der L. sub- 
punctata Mstr., entbehren jedoch mitunter der charakteristischen 
Schalenpunktierung; einzelne Exemplare zeigen eine Radialstreifung 
auf der Vorderseite, die sich ausnahmsweise in jene Punktierung 
auflöst; die vollständige Punktierung der Schale scheint selten zu sein. 

Vorkommen: Trebevic-Ostgrat (Pectenblock) 12, Bulog (Han Vi- 
dovic) 9, Blizanac 1 Exemplar. 


15. Lima (Plagiostoma) aequilateralis Kittl n. f. 
Taf. XXIII (III), Fig. 14. 


Klappen queroval mit fast mittlerer Wirbellage, so daß Vorder- 
und Hinterseite gleich lang erscheinen. Diese Form ist genau so 
verziert, wie die schrägovale, in den Buloger Kalken ebenfalls ver- 
tretene L. subpunctata. 


Vorkommen: Bulog (Han Vidovic) 2, Haliluci 2 Exemplare. 


16. Lima angulata Mstr. 


G. Graf zu Münster (Beiträge zur Petrefaktenkunde, 4. Heft, 
1841, pag. 73, Taf. VI, Fig. 30) hat die Art ziemlich ungenügend 
abgebildet. A. Bittner (Lamellibranchiaten d. alp. Trias. Abh. d. 
k. k. geol. R.-A. 1895) geht über die Art flüchtig hinweg. F. Broili 
(Fauna der Pachycardientuffe. Palaeontograph. L, 1903) beschreibt 
dagegen die Art so genau, daß ich nicht zweifle, sie in den Buloger 
Schichten richtig wieder zu erkennen. 


[201] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 715 


Charakteristisch sind grobe, weitstehende und dazwischen einge- 
schaltete dichtgedrängte, feine Radiallinien. 


Vorkommen; Bulog (Han Vidovic) 2 Exemplare. 


17. Mysidioptera Kittli Bittner. 
1895. A. Bittner, Lamellibr. d. alp. Trias. Abh. d. k. k. geol. R.-A., XVIII. Bad., 
1., pag. 198, Taf. XXI, Fig. 15. 


Diese schon von A. Bittner genau beschriebene Art gehört 
zu den häufigsten Lamellibranchiaten der Lokalität Haliludi, wogegen 
sie bei Han Vidovie zu den Seltenheiten gehört, da von dort nur 
7 Exemplare (Klappen) gegen 34 von Haliludi vorliegen und diese 
beiden Hauptfundorte etwa gleich intensiv ausgebeutet wurden. Nur 
7 Exemplare erreichen die Größe des von Bittner zur Abbildung 
gebrachten Originals, der Rest bleibt beträchtlich kleiner. 

Vorkommen: Buloger Kalke von Haliludi in zahlreichen Exem- 
plaren, bei Bulog (Han Vidovie) seltener. 


18. Mysidioptera glaberrima Kittl n. f. 
Taf. XXIIL (IT), Fig. 13. 


Die vorliegende Art erinnert im Umrisse an M. Salomoni Tomm. 
und M. Bittneri Broili, jedoch nicht in der Schalenoberfläche, die 
keine besondere Skulptur zeigt und in dieser Beziehung der M. globosa 
Broili sowie einer ganzen Reihe anderer Arten näher steht, mit 
keiner aber eine vollständige Ubereinstimmung erkennen läßt. So sind 
M. cassiana Bittn. und M. Wöhrmanni Sal. vorne mit einer kürzeren 
und tieferen Bucht versehen, M. globosa Broili ist stärker gewölbt, 
M. obligqua Broili ist höher u. Ss. w. 

Es scheint mir zwar immerhin möglich, daß die vorliegende 
Art trotz all der Abweichungen mit einer der schon beschriebenen 
Arten identisch sei, was sich jedoch nur an der Hand reichlicheren 
Materials erweisen ließe. 


Vorkommen: Haliludi. 


19. Cucullaea (Macrodon?\ Beyrichi Tomm. 
1894. A. Tommasi, Fauna calc. conch. di Lomb., pag. 104, Taf. II, Fig. 1. 

Eine kleine Form, die mit ©. (Macrodon?) formosissima Orb. nahe 
übereinstimmt, bei der jedoch die Zuwachsstreifen von hinten nicht 
so schräg zum Schloßrande laufen. 

Das Schloß der bosnischen Exemplare ist unbekannt; letztere 
stimmen jedoch äußerlich so genau mit der von Tommasi gegebenen 
Beschreibung und Abbildung seines Macrodon Beyrichi überein, daß 
ich kein Bedenken trage, sie dieser Art anzureihen. 

Vorkommen: Blizanac 7 Exemplare. 

Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 96 


716 Ernst Kittl. . [202] 


20. Arcoptera canaliculata Kittl n. f. 
Taf. XXIII (III), Fig. 11 und 12. 


A. Bittner hat die Gattung Arcoptera auf Lameliibranchiaten- 
schalen von St. Cassian begründet, welche eine hintere Diagonalkante 
und vorne eine flügelförmige Abschnürung zeigen. Von dem Schlosse 
vermutete Bittner, daß es wie das der Arcaceen gestaltet sei, was 
Broili an Exemplaren aus den Pachycardientuffen bestätigen konnte. 

Obgleich bisher schon sechs Arten dieser Gattung beschrieben 
sind, so zeigt sich die vorliegende aus den Buloger Kalken durch die 
starke Wölbung oder Blähung der Klappen ziemlich abweichend von 
jenen. Der vordere Flügel erscheint ebenfalls aufgetrieben und von 
dem übrigen Schalenteile weit weniger abgeschnürt, als bei den anderen 
Arten. 

Vorkommen: Bulog (Han Vidovie), Blizanae. 


21. Leda? sp. (Phaenodesmia?). 


Nach der Gestalt würde ein glattes, hinten stark verschmälertes 
Schälchen vom Trebevie (Ostgrat) hierher gehören. 

Desgleichen ist eine nicht verschmälerte Schale von Han Vidovie 
sicher eine Leda. 


Vorkommen: Trebevic-Ostgrat (Pectenblock), Bulog (Han Vidovie). 


22. Nucula sp. 
Außer den unten angeführten Arten von Nuculiden liegen wohl 
noch andere vor, die aber kaum eine sichere Bestimmung gestatten. 
Vorkommen: Bulog (Han Vidoviec), Johannaquelle bei Sarajevo. 


23. Nucula expansa Wissm. 

Es liegen mir sehr gut mit obgenannter Art übereinstimmende‘ 
Schalen vor. 

Vorkommen: Bulog (Han Vidovie). 


24. Palaeoneilo cf. elliptica Goldf. 


Nach der äußeren Gestalt würden einige vorliegende Schalen 
sicher zu dieser Art gehören. Sie sind vielleicht etwas mehr gewölbt, 
als die Cassianer Typen. 


Vorkommen: Bulog (Han Vidovie), Haliludi. 


25. Cardiomorpha (?) gymnitum Kittl n. f. 
Taf. XXIII (II), Fig. 16 und 17. 
Klappen gebläht, rundlich trapezoidal, mit nach vorn und innen 
eingekrümmten, weit über den Schloßrand vorragenden Wirbeln. Schloß- 


rand zahnlos, nicht sehr verdickt, am mittleren und hinteren Teile mit 
einer denselben begleitenden Furche (Ligamentfurche ?). 


[203] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 717 


Schalenoberfläche glatt, mit Zuwachsstreifen. Vorne eine relativ 
große, jedoch nicht stark ausgeprägte Lunula. 

Die Gattung Cardiomorpha wurde für Kohlenkalkformen aufge- 
stellt und ist bisher wohl nur daher bekannt gewesen. Nachdem deshalb 
eine zeitliche Verknüpfung der von mir zu Cardiomorpha gestellten 
Muschelkalkform mit den Typen der Gattung nicht nachweisbar ist, 
so mag diese Zuteilung immerhin etwas zweifelhaft erscheinen. Zudem 
hat das Ligament nicht genau dieselbe Lage wie bei jenen Typen 
(Koninck beschreibt es vom Kardinalrande), sondern erstreckt sich 
vom Wirbel nach hinten; gleichwohl kann hierin kaum ein wesent- 
licher Unterschied gefunden werden. 


Vorkommen: Haliludi. 


26. Gonodon? sp. 


Nach der Gestalt und Verzierung der Schale stelle ich ver- 
mutungsweise einige Exemplare zu dieser Gattung; dabei scheint 
neben einer größeren, stark verzierten längeren Form (@. cf. lamellosus 
Bittn.) eine ebenfalls mit kräftigen konzentrischen Lamellen versehene 
rundliche sowie eine ebenfalls mehr runde, aber schwächer verzierte 
Form (Gon. cf. laticostatus Bittn. und Gon. cf. Laubei) aufzutreten. 


Vorkommen: Bulog (Han Vidovie). 


27. Myoconcha ptychitum Kittl n. f. 
Taf. XXI (I), Fig. 19-21. 


Mit Myoconcha Appeli hat diese Art gegen M. Maximiliani die 
beträchtlichere Breite (oder Höhe) der Klappen wohl gemeinsam, 
unterscheidet sich aber von beiden durch die geringere Anzahl der 
Radialrippen deutlich, von M. Appeli überdies durch die flachere 
Gestaltung des vorderen Schloßrandes, der nie so stark eingebogen, 
vielmehr meistens sehr flach erscheint. 

Sehr nahe dürfte dieser Art die M. gregaria aus den Tridentinus- 
kalken des Bakony stehen, da sie mit derselben in der geringen 
Rippenzahl übereinstimmt; gleichwohl ist M. ptychitum stets breiter. 
Diese Art variiert beträchtlich; ich unterscheide: 


a) forma typica zeigt meist etwas runzlige Zuwachsstreifen und 
5—7 Radialrippen deutlich; ist vorne eingebuchtet. 


b) var. I zeigt keine Runzeln. kaum Radialrippen; 


c) var. II zeigt keine Einbuchtung der Vorderseite, stimmt sonst 
mit forma typica überein. 


Vorkommen: Haliluci 20 Exemplare. 


28. Myoconcha rugulosa Kittl n. f. 
Taf. XXIII (II), Fig. 22. 

Diese Form schließt sich an M. ptychitum an, zeigt jedoch keine 
feinen oder gröberen Zuwachsstreifen, sondern konzentrische Runzeln, 
von welchen gegen den unteren Rand zu sich einige dichotomisch 

96* 


718 Ernst Kittl. [204] 


verzweigen. Das Feld am hinteren Schloßrande ist sehr schmal; in 
einiger Entfernung von der inneren Kante verläuft eine schmale 
Radialrippe. Die Radialskulptur tritt bei dieser Art daher sehr 
zurück. Die eine vorliegende unvollständige linke Klappe zeigt kaum 
eine Andeutung davon. 


Vorkommen: Dorf Borovac bei Pale 1 Exemplar. 


29. Myoconcha Appeli Kittl n. f. 
Taf. XXIII (III), Fig. 23. 


In der Schalenskulptur mit M. Maximiliana Leuchtenbergensis Klipst. 
gut übereinstimmend, zeigt diese Art eine beträchtlichere Breite (recte 
Höhe) der Klappen und zahlreichere Radialrippen (20 bis 21). Der 
Vorderrand ist stark eingekrümmt. 

Die flügelartige Verbreiterung vor dem Wirbel ist relativ klein, 
aber sehr auffällig vorspringend; wegen der Einbiegung der Vorder- 
seite tritt sie weiter vor als bei irgendeiner anderen triadischen Art. 


Vorkommen: Bulog (Han Vidovic) ; Trebevic-Ostgrat (Pectenblock). 


30. Opis (Protopis subgen. nov.) triptycha Kittl n. f. 
Taf. XXI (III), Fig. 18. 


Diese sehr auffallende und charakteristische Art mit den schmalen 
kantigen Klappen und den eingerollten Wirbeln wird wohl nur in die 
Nähe von Opis gehören; vorläufig stelle ich die Art zu Opis selbst, 
gebrauche aber dafür einen neuen Untergattungsnamen. Das Schloß 
ist noch nicht bekannt. Wenn die Art wirklich zu Opis gehört, so 
ist sie eine der ältesten Arten dieser Gattung. 

Die Klappen sind hoch und dick, aber sehr kurz mit nach vorn 
eingerollten Wirbeln und flacher Vorderseite, welche von der mit zwei 
Kieien versehenen Hinterseite durch einen dritten Kiel getrennt ist, 
der als scharfe, spitzwinklige Kante vom Wirbel spiral nach unten 
zieht. Vor den Wirbeln ist eine tiefe, sehr enge Lunula, welche 
nach vorne durch den etwas ausgezogenen oberen Vorderrand begrenzt 
wird. Der Vorderrand selbst ist nur schwach gebogen, der Hinterrand 
winkelig. 

Bei aller Analogie mit Opis weicht Protopis triptycha von den 
Typen der ersteren Gattung mehrfach ab. Die sehr enge Lunular- 
furche, und die in der Schalenmitte gelegene Spiralkante charak- 
terisieren Protopis besonders. 

Vorkommen: Bulog (Han Vidovic), Johannaquelle, Blizanac. 


31. Fachycardia alunulata Kittl n. f. 
Taf. XXIII (III), Fig. 18. 
Von Pachycardia Haueri Mojs. unterschied A. Bittner eine an- 
geblich aus den Cassianer Schichten stammende Form als Pachye. 


Zitteli, welche sich von jener sowie von allen verwandten Arten nach 
Bittner „durch die geringere Aufblähung der Schale in ihrer vor- 


& 


[205] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 719 


deren Hälfte, durch weniger herzförmig gestaltete Vorderansicht, 
deren größter Durchmesser tiefer liegt als bei den verwandten Arten, 
ferner durch die etwas stärker bauchig gewölbte Vorderseite und eine 
sehr undeutlich abgesetzte, schmale, kaum vertiefte Lunula“ unter- 
scheidet. Broili hat neuerdings Pachycardia rugosa Hau. und Pach. 
Haueri Mojs. auf Grundlage des Materials aus den Pachycardientuffen 
der Seiser Alpe vereinigt, ohne Pach. Zitteli Bittn. in Diskussion zu 
ziehen. Obgleich nun A. Bittner (l. c. pag. 16) meint, daß der Ab- 
srenzung der Lunula bei Pachycardia nur wenig Wert beigelegt werden 
zu können „scheint“, so glaube ich doch, daß das gänzliche Fehlen 
einer Lunula als wichtiges Artmerkmal gelten darf. Dieser Mangel 
einer Lunula tritt nur bei der Pachycardia der Buloger Kalke auf. 
Die P. alunulata besitzt außerdem einen der Schalenmitte bedeutend 
näher gerückten Wirbel, weshalb der vor dem Wirbel liegende Schalen- 
teil dem hinteren gegenüber relativ länger erscheint, als bei Pach. 
rugosa und Haueri. In der allgemeinen Gestalt, sowie in der Skulptur 
schließt sich P. alunulata übrigens gut an die schon bekannten Arten 
an. Der Schloßapparat der bosnischen Art konnte bisher nicht genauer 
studiert werden. 


Vorkommen: Haliludi 2 Exemplare. 


Die Lamellibranchiaten der Buloger Kalke sind somit 
folgende: 


1.  Avicula grabovicensis Ki. 16: # „  angulata Msir. 

eg miljacensis Ki. 17. *Mysidioptera Kittli Bittn. 

3.  Aviculo pecten cf. Bosniae 18. * 5 glaberrima Ki. 
Bittn. 19. Oucullaes Beyrichi Tomm. 

4. **Halobia halilucensis Ki. 20. Arcoptera canalieulata Ki. 

5.  Gervilleia bosniaca Ki. 21. *Leda sp. 

6.  Pecten(Entolium) Kellneri Ki. 22. *Nucula sp. 

1 » Trebevicianus Kit. DI. expansa Wissm. 

8 „  Marginiplicatus Ki. 24.* „cf. edliptica Goldf. 

9. „  magneauritus Ki. 25. POardiomorpha? gymnitum Ki. 

10. *#* „  subeoncentrieus Ki. 26. *Gonodon sp. 

112.,7= = \cancellans. Ri, 27. *Myoconcha ptychitum Ki. 

12 „  sarajevensis Ki. 28. a rugulosa Ki. 

13. **, „ _ subeutiformis, Ki. 29, 5 Appeli Ki. 

14. *Lima subpunctata Orb. 30. POpis (Protopis) triptycha Ki, 

15 „  aequilateralis Ki, 31. *Pachycardia alunulata Ki. 


Nicht zu verkennende Beziehungen zeigen die Lamelli- 
branchiaten der Buloger Kalke zu denjenigen jüngerer alpiner 
Horizonte, und zwar einerseits zu ladinischen Formen (*), anderseits 
zu solchen der Hallstätter Kalke (**); daneben erscheinen einige neue 
Typen(°) sowie minder charakteristische. 

Zu diesen Arten kämen noch 1—2 Arten von Daonella, die im 
6. Abschnitte des paläontologischen Anhanges zwar erwähnt werden, 
aber erst später an anderer Stelle genauer beschrieben werden sollen, 


720 Ernst Kittl. [206] 


e) Gastropoden 2) 


Von den Arten der Buloger Ralke hat bereits E. Koken 
Sagana juwvavica Kok. angeführt?). Es fanden sich indessen nicht 
wenige Arten, welche ich demnächst zusammen mit anderen alpinen 
Muschelkalkmaterialien zu beschreiben beabsichtige. Es ist beinahe 
selbstverständlich, daß sich in den Buloger Kalken eine Anzahl der 
von der Schreyeralm bekannten Arten wiederfindet wie: 


Euryalox (Sagana) juvavicus Kok.  Lepidotrochus Bittneri Kok. 
Sisenna Studeri Kok. Anisostoma falcifer Kok. 
Coelocentrus heros Kok. 


Von den sonstigen Formen nenne ich nur: 


Patella sp. Acilia sp. 
Kokenella cornu Kittl n. f. Omphaloptycha cf. Escheri Hörn. 
Euzone cancellata Kok. Spirostylus subcolumnaris Ki. 


f) Cephalopoden. 


Dieselben wurden von F. v. Hauer auf Grund des von Herrn 
J. Kellner in Sarajevo in den Jahren 1882—1893 aufgesammelten 
Materials von der Straßenserpentine bei Han Vidovie im Dorfe 
Bulog (unter der Fundortsbezeichnung Han Bulog) und von den 
benachbarten Fundorten bei dem Dorfe Halilu&i in drei Abhand- 
lungen beschrieben. 


1) Die wichtigste Literatur, welche nahe verwandte Arten enthält, ist: 
Georg Graf zu Münster, Beiträge zur Petrefaktenkunde. III. und IV. Heft, 1840. 
A. v. Klipstein, Beiträge zur geologischen Kenntnis der östlichen Alpen. 1843. 


M. Hörnes, Über die Gastropoden und Acephalen der Hallstätter Schichten. 
(Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wissensch., math.-nat. Kl.. IX. Bd., 1855.) 


Gustav C. Laube, Die Fauna der Schichten von St. Cassian. 1863. (Denkschr. d. 
Wiener Akad. d. Wissensch., XXVIII. Bd.) 

E. Kitt], Die triadischen Gastropoden der Marmolata und verwandter Fundstellen 
in den weißen Riffkalken Südtirols. (Jahrb. d. k. k. geol. R.-A., Bd. XLIV, 1894.) 


E. Kitt], Die Gastropoden der Schichten von St. Cassian der südalpinen Trias. 
(Annal. d. k. k. Naturh. Hofmuseums. Wien, Bd. VI,—IX, 1891— 1894.) 


E. Koken, Die Gastropoden der Schichten mit Arcestes Studeri. (Jahrb. d. k. k. 
geol. R.-A., 1994.) 

W. Salomon, Geologische und paläontologische Studien über die Marmolata. 
(Palaeontographica, Bd. XLII, 1895.) 

E. Koken, Die Gastropoden der Trias um Hallstatt. (Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., 
Bd. XVI, 4. Heft, 1897.) 

E. Kitt]l, Die Gastropoden der Esinokalke nebst einer Revision der Gastropoden 
der Marmolatakalke. (Annal. d. k. k. Naturh. Hofmuseums. Wien, Bd. XIV, 
Heft 1 und 2, 1899.) 


?) Die Gastropoden der Trias um Hallstatt. (Abhand). d. k. k. geol. R.-A., 
Bd. XVII, 1897, pag. 38.) 


[207] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 721 


Hierzu müssen jedoch noch einige andere Arbeiten benützt 
‚werden, die Beschreibungen dort vorkommender Arten enthalten ?). 

Aus den Buloger Kalken von Han Vidovie und Haliludi waren 
nach den Arbeiten F. v. Hauers insgesamt bisher 166 Cephalopoden- 
arten bekannt, wovon 67 auch auf der Schreyeralpe und der Schiech- 
linghöhe vorkamen. 

In der nachfolgenden Tabelle habe ich die von Herrn Oberbaurat 
Dr. J. Kellner gesammelten und im k. k. Naturhistorischen Hofmuseum 
zu Wien befindlichen, zumeist schon von. F. v. Hauer bestimmten 
Cephalopoden von Han Vidovie und von Haliluci zusammengestellt. 

Außer den sonstigen von Dr. J. Keller und von mir ermittelten 
Fundorten der einzelnen Arten bei Sarajevo sind zum Vergleiche auch 
die Vorkommnisse der Schreyeralpe und der Schiechlinghöhe nach 
E. v. Mojsisovics und ©. Diener beigefügt. 


In der Kolumne. „Sonstige Fundorte bei Sarajevo“ sind folgende 
Abkürzungen gebraucht: 


Bliz. = Blizanae. Ma. = Mathildenquelle. 
Pap. = Paprenik am GradiSte. Bor. = Borovac. 
Grab. = Grabovik oder Grabovak. Ba. = Bare oder Zli stup. 


Wie aus der Tabelle ersichtlich, ist die Cephalopodenfauna 
der Buloger Kalke durch eine große Anzahl von neuen Arten 
ausgezeichnet. Von den 170 hier angeführten Arten sind 95 für die 
Buloger Kalke bezeichnend, da sie von anderwärts nicht bekannt 
sind. Viele derselben schließen sich aber den Typen anderer — 
namentlich alpiner — Fundorte nahe an, so insbesondere die be- 
zeichnenden Arten der Gattungen: Aulacoceras (1), Atractites (1), 
Orthoceras (2), Nautilus (7), Pleuronautilus (7), Temnocheilus (5), Trema- 
todiscus (1), Dinarites (2), Ceratites (24), Hungarites (8), Balatonites (2), 
Norites (1), Japonites (1), Acrochordiceras (1), Celtites (2), Arcestes (6), 
Gymnites (2) und Pfychites (6 Arten), wogegen die zwei Gattungen 
Proteusites mit 7 und Bosnites mit 2 Arten bisher nur aus den Buloger 
Kalken bekannt geworden sind. Wie schon oben pag. 546 und 607 
angedeutet wurde, scheinen die Arten von Proteusites sowie gewisse 
Ptychites- und Ceratites-Formen, vielleicht auch Monophyllites Suessi 
Mojs., auf die tieferen Bänke der Buloger Kalke beschränkt zu sein. 


!) Die Hauptwerke für die Cephalopoden der Buloger Kalke sind: 


Edm, v. Mojsisovics, Die Cephalopoden der mediterranen Triasprovinz. (Abhandl. 
d. k. k. geol. R.-A., Bd. X, 1882.) 

F. v. Hauer, Die Cephalopoden des Muschelkalkes von Han Bulog. (Denkschr. 
d. Wiener Akad. d. Wissensch. LIV. Bd., 1887.) 

F. v. Hauer, Beiträge zur Kenntnis der Cephalopoden aus der Trias von Bosnien. I. 
(Ebendort, LIX. Bd., 1892.) II. (Ebendort, Bd. LXIII, 1896.) 


Weiters sind unter anderen in Betracht zu ziehen: 

. Diener, The ceph. of the lower Trias. (Mem. of the geolog. survey of India. 
ser. XV, vol. II, part I, 1897.) 

. Diener, The ceph. of the Muschelkalk. (Ebendort, part II.) 

. Diener, Die triadische Cephalopodenfauna der Schiechlinghöhe bei Hallstatt. 
(Beitr. z. Paläont. Österr.-Ung. u. d: Orients. Bd. XIII, 1900.) 

. Diener, Neue Beobachtungen über Muschelkalkcephalopoden des südlichen 
Bakony. (Resultate d. wissensch. Erforsch. d. Balatonsees, I. Bd., I. Teil, 1900.) 


DIDI 


122 


Ernst Kittl. 


Tabelle der Cephalopoden aus den Buloger Kalken. 


Shoes; 
a2 = 
H3|= 
P|E 


Aulacoceras acus Hau. . . 2...» + 
Atractites secundus Mojs. . ».. ..» nv 
2 obeliseus Mojs. . 2... .|+ 
5 Boeckhi Stürz. . .... Sie 
= tenuirostris Hau. , . . . Sie 
> crassirostris Hau... . . Ar 
3 eylindrieus Hau. .....|-+ 
= macilentus Hau. .... nn 
F intermedius Hau. . . .. .| + 
pusillus Hau... 2.0». = 
Or thoceras dubium Hau. ... R + 
e cf. dubium Hau... .. 72 
= multilabiatum Hau . 2 4 
F campanile Mojs. . ....|+ 
% lateseptatum Hau. ... .|-+ 
5 cf. lateseptatum Hau.. . . | — 
> ef. triadieum Mojs.. . . .|l— 
Nautilus (Syringoceras) subcarolinus 
Merz Rn PIE 
r Carolinus Mojs.. .....|+ 
5 salinarius Mojs. .....|+ 
5 bulogensis Hau. .....|+ 
» Palladü Mojs. . .....|+ 
E indifferens Hau. r En 
R bosnensis Hau. . . . 2. .|+ 
” polygonius Hau ... =r 
Rn cancellatus Hau. EEE N 
. lilianus Mojs.. . . a 
Pr ee patens Hau.| — 
r ventricosus 
Hau.” ser £ == 
Pleuronautilus Pichleri Hau. x -- 
> Mosis Mojs. r En 
4 Kelineri Hau. .... m 
r striatus Hau. . .. .|-+ 
5 cf. distinetus Hau. „ .\ + 
n, cf. trinodosus Mojs.. . | + 
” auriculatus Hau. . = 
s intermedius Hau. . . . | — 
clathratus Hau. . . .|— 
Temnocheilus Morloti Mojs. . .. u 
= binodosus Hau. - — 
5 (Pleuronautilus?) orn atus 
VE KB NE ER + 
> (Pleuronautilus?) triseri- 
alis Hau. 
A (Pleuronautilus?) Aug usti 
Mo98.. 5 = 
e (Pleuronautilus p) binodo- 
sus. Hau.‘ „u, wall 
5 (Fleuronautilus ?) qua- 
drangulus Hau. A 
Trematodiscus strangulatus Hau.. . = 


a sn 


| 


[208] 


Sonstige Fundorte 
bei Sarajevo 


Schreyer- 
alm 
Schiech- 
linghöhe 


Ba. 
Ba. 


Ba. 
Bliz., Ba. 


Pap., Ma. Ba. 


er 


Bliz., Ba. 
Bliz. 


I 


Bliz., Pap. 
Pap. 


Bor. 


+1 +4+ 
HESESZ 


Pap., Ma. 


| 


Bliz., Ba. 


rel 


Bier el?) 


Fe 


[209] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Paläont. Anh.: Buloger Kalk.) 723 


a Dinarites? labiatus Hau. 


98 


99 
100 


N 


Ceratites swavis Mojs. 


» 


Proteusites Kellneri Hau. .'.-. »: 


Flalenlter gemmatus Mojs. 


» 
» 
» 


* crassus Hau. 


. ornatus Hau. 
aviticus Mojs. » » » - 
evolvens Hau. . .. - - 
lenis Hau. . . - 
trinodosus Mojs. 
elegans Mojs. 
gracilis Hau. 
cf. subnodosus Mojs. 
bosnensis Hau. 


halilucensis Hau. 
‚fissicostatus Hau. 
bispinosus Hau. 

angustecarinatus Hau. 
ecarinatus Hau. . N: 
ellipticis Hau. . . .. :° 
faleifer Hau. % 


wo ie u, 0. m 


alien mut ee 


decrescens Hau. 
 balatoniformis Hau. 
multinodosus Hau. . . . : » 
celtitiformis Hau. » . 
aster Hau. 
striatus Hau. e 
crasseplicatus Hau...» : - 
altus Hau. Er 
-multiseptatus Hau. . 
labiatus Hau. er 
 (Hungarites?) rustieus Hau. : 


obliquus Hau. . . 
intermedius Hau. . 
„ Boeckhi Hau. : 
ornatus Hau. 
semiplicatus Hau. 
plicatus Hau. 
menbens Hau. 

labiatus Hau. 


pusillus Hau. 
connectens Hau. 
multiplicatus Hau. 
robustus Hau. s 
retrorsoplicatus Hau. 
'angustus Hau. 


Zitteli Mojs. 
semilaevis Hau. u 
trinodosus Hau. . . 
cf. Ottonis Mojs. 


Norites gondola Mojs. 


» 


subearinatus Hau. . 


101| Bosnites clathratus Hau. 


Jahrbuch d. k.k. geol, Reichsanstalt, 1908, 58. Band, 4. Heit. 


arietitiformis Hau. 
planilateratus Hau. 


HH HH 


Haliludi 


a 


Schreyer- 
alm 


Schiech- 
ghöhe 


(E, 


Sonstige Fundorte 
bei Sarajevo 


III +I 11 + +1 144 


Bliz. 
Pap. 


Bor. 
Bliz. 


Bliz., Pap 
Bliz. 
Ba. 


Bliz., Pap, Bor. 


Bliz. 
Zar 


Bliz., an 
Bliz., Grab. 
Grab. 

Pap. 
Bliz.,Pap.,‚Grab.,Bor. 
Bliz. 


Bliz., Pap. 


Kittl.) '97 


724 Ernst Kittl. [210] 


ie [Mr ) 
fd E > Ex: Sonstige Fundorte 
33 = 138 =» bei Sarajevo 
>IHı 3 1253 
Bosnites patens Hau. . Se: +1-1— ee 
Sibyllites (Japonites) planorbis Hau... . + |- [|— 1 »Bliz., Pap., Ba. 
104, Acrochordiceras Damesi Noetl.. .. .|+|+|+|!—| Bliz,, Pap., Grab. 
105 enoderBiik: a 0 +|+|J—1}- }:Bliz,:Pap., Grab. 
106| Celtites (Danubites) sp. indet. ..I1rI1—-|—th- _ 
107 „.— Foren Ma len > Bor. 
108 N reirorsus Maps IF +1 —-|#+|I— _ 
109 . Michaeha Moje: En...» +1— /+1— Pap., Bor 
110 a 1 lee ee Pap. 
111 nn IOBp N a EN: +[— | +[1- Pap., Bor. 
112 ?intermedius Hau. ..... +/-- |) —|— — 
113 Arcestes extralabiatus Mojs. a | a u Sun u u = 
114 . Esche Moin a uns +/++|1— _ 
115 Bramantei Mojs. . »... .:|+!+|1+!+ —_ 
116 “ bb Hausa Era 5 +1-|1—-|— _ 
117 n quadrilabiatus Hau... ..» :+|— | |< _ 
118 . carinatus.-Hoam. ı =. a „Nr || mern. Bliz, Pap. Grab: 
119 n angustus Hau... .. . ++ | = || I Blizs Pap., Grah. 
120 e ventricosus Hau. +|-|1-|— Bliz., Pap. 
121 bilabiatus Hau. +|1-|1—|—- 2 
122 Procladiseites molaris Hau. +|+ — Bliz., Ba 
123 " erassus Hau. ... +!-|—-|+ - 
124 ni Griesbachi Mojs. . +!|+1—|— Bliz,, Ma., Ba. 
125 e Brancoi Mojs. +++ | + |Bliz., Pap., Grab.,Ba. 
126 e connectens Hau. +1-|1-|1— — 
127 macilentus Hau. . . N le le —_ 
128 Sageceras Haidingeri Hau.( Walteri Mei) +1+/+/+ En 
129| Pinacoceras Damesi Mojs. . . +/+/+[/+ Ma., Ba 
130) Megaphyllites sandalinus Mojs.. ... ++ +!'+ Bliz. 
131| Monophyllites sphaerophyllus Hau. . . +/+!+1|+ | Bliz., Pap., Grab,, 
Ma., Ba., Bor. 
132 Suessi Mojs. . +|+1|+|— [Bliz., Pap.‚Grab,,Bor. 
133 Gymnites sübelausus Hau mas. .I+1+1-|+ —_ 
134 J Palma Ms. im is 5 .I-|+|I+1|1- Bliz., Bor. 
135 n incultus Beyr. . ..{+[1+1+]| +! Bliz, Pap. Grab., 
Ba., Ma., Bor. 
136 n Humboldt M0383.. sun) ayc\h +/+i+!+ Ma., Ba., Bor. 
137 > angustus Hau. mser.. . . a Ei ee — 
138 e bosnensis Hau. ie +/+1—-|[-+| Bliz., Pap., Ba. 
139 x falcatus Hann N +1 +1—|+ Bliz, 
140 ” ACUtU SEELE Er ee + -|1—-|1—- — 
141 obliquus: Mojs.ı, u hi... !. — +1 +J+ Bor. 
142| Meekoceras reuttense Beyr. +1-1—-|— — 
143| Ptychites eusomus Beyr. sch +)+/+'+ Pap., Bor. 
144 : Stachei Mojs.?. . . ME-RPREN |I= > —|- — :; 
145 he Oppeli Mojs. . x... ...|+1+1,+!+ |Bliz., Pap., Ba., Bor. 
146 4 Pauli Mojs. . »......l+|1—-|+I1—| Bliz, Grab. Ba, 
147 a Suttneri Mojs.. . +/+/+/+| Bliz., Pap. Bor. | 
148 R reductus Mojs. . Kalbe | +! +|+|1+ =: 
149 „ megalodiscus Beyr.. x... - +/+1+|— — 
150 FR evolvena Mais. I nu +1 +/+ _ | 
151 R progressus Mojs. . . . +/|-I+|— _ 
152 Re flexuosus Mojs. +/+1!+|+ |Bliz,, Pap., Ba., Bor. 
1158 5 acutus Mojs. +!+1,+[!+ [Pap., Ma., Ba.. Bor. 
+ +|4+ - 


154 Mr indistinetus Mojs. Dan | 


[211] Geologie d. Umgeb. von Sarajevo. (Pal. Anh.; Fauna v. Siljansko polje.) 725 


SE 
| s2 E =: Fr Sonstige Fundorte 

| A353 |5°5% bei Sarajevo 

2 Bis |S |25 | 

ei | 
155 Ptychites striatoplicatus Hau. .1+|+1-|— Bor, 
156 er Eee ER | ++ — = 
157 3 multiplicatus Hau... . . . +|/+ — _ 
158 r seroplicatus Hau. ..... + (=> Grab., Bor. 
159 » patens: Hau... na... +1 |=1I-— Bliz. 
160 » pusillus Hau. ....... 7-1 — Bliz., Pap. 
161 Y (Arcestes?) globus Hau... . .\+|—- |- | — _ 
162 Br opulentus Mojs. . ..... +|+/+|— Pap., Bor. 
163 ” intermedius Hau. .-...|-+ —| - _ 
164 5, Stoticzkas Mojs. . .... . +1-|+|-— — 
165 > Seebachi Mojs.. . . » El We u Ko ui De Pap. 
166 a Breunigi, Mojss on. ea. | +[/+| — - 
167 n striatoplicatus Hau. bee 
168 n gymnitiformis Hau. Be ee | == = 
169 ei cf. domatus Hau, ,. . ss“ —|— — Bliz., Grab. 
170| Sturia Sansovinü Mojs. . » .. . Ä +|1+1!+|-+ |Bliz., Ma., Ba., Bor.‘ 
ı 


£) Vertebraten. 


Reste von Wirbeltieren sind in den Buloger Kalken große 
Seltenheiten. Es fanden sich: Ein isolierter Zahn von Acrodus sp. bei 
Haliluci, dann spindelförmige, dreiseitig abgeflachte Kalkkörper, die 
auf einer der Abflachungen niedere Skulpturen zeigen, die ich daher 
als Otolithen anspreche (bei Han Vidovic), endlich ein Wirbel 
eines großen Sauriers (Ichthyosauride?) bei Haliludi. 


4. Die Fauna der Kalke vom Siljansko polje. 


Die schon auf pag. 630 angeführte Fauna der Kalke vom Nord- 
fuße des Siljansko polje soll nun nach ihren einzelnen Elementen 
besprochen werden. 


1. Waldheimia angusta Schloth. Die Fassung dieser Art ist hier in 
dem Umfange zu verstehen, den Bittner der Art 1890 zu- 
schrieb; es finden sich sowohl die schmäleren Typen, als auch 
breitere Varietäten. 


2. Rhynchonella? sp. ind. 


3. *Retzia Taramellii Sal. Wenn diese Art mit AR. Schwageri Bittn. 
gleichzeitig wäre, müßte man die Identität derselben sehr 
erwägen, da sie einander sehr nahe stehen. 


4. *Retzia cf. truncata Sal. (R. Mojsisoviesi var. truncata Salomon). 
(Marmolata. Palaeontogr. 42. Bd., pag. 98, Taf. II, Fig. 12.) 
Bei dem Umrisse der Retzia specios« weist die Type von ER. 
truncata keine stärkeren Medianfurchen auf, wohl aber zeigen 
die zwei mir vom Siljansko polje vorliegenden Exemplare eine 
solche recht auffällige. 
97” 


726 lo MER Een? dar . ı2 ».' 212] 


5. *Spirigera Stoppanii Sal. (Palaeontogr. 42, Bd. Salomon, 1. c. 
pag. 92, Taf. II, Fig.. 29—39.) 


6. Spirigera Siljanensis Kittl n. f. Eine sehr breite Form, bei welcher 
die Breitendimension der Klappen auf das doppelte Maß m 
Höhe ansteigt. (Taf. XXIII (III), Fig. 6 und 7.) 


7, *Spirigera quadriplecta Mstr. var. In kleinen bis sehr großen Exem- 
plaren, die letzteren in Fragmenten. 


8. *Spirigera cf. Wissmanni Mstr, Große unberippte Spirigera-Exem- 
plare vergleiche ich zunächst mit der genannten Form von 
St. Cassian, obwohl sie vielleicht einen neuen Namen verdienen, 
da sie meist etwas flacher, gewöhnlich auch mehrfach größer 
werden, also etwa kleinen Exemplaren von Sp. eurycolpos 
eleichen, von welchen sie sich aber durch den Mangel einer 
Medianbucht unterscheiden. 


9, ISpiriferina cf. dinarica Bittn. (Spirif. pia var. dinarica Bittn. 
vom Debelo brdo bei Knin. — Brach. d. alp. Trias, pag. 35, 
Taf. XXXV, Fig. 23) scheint auch der Sp. hirsuta Alb. ähnlich. 
Nur kleine Klappen. 


10. 0Spiriferina af. meridionalis Bittner (Jahrb. d. k. k. geol, R.-A. 
1902, pag. 519, Taf. XXVI, Fig. 11 und 12) von Sp. meridio- 
nalis durch eine Medianfurche auf der großen Klappe unter- 
schieden. Es liegen nur große Klappen vor, die vielleicht zu 
der vorigen Form (nur kleine Klappen!) gehören: 


11. Spiriferina sp. indet. Erinnert an Sp. manca Bittn., da der Schnabel 


eingekrümmt ist, noch mehr an rhätische Formen wie Spirif. 
Kössenensis Zugm. 


Es ergibt sich, daß von elf Formen eine neu erscheint, zwei 
nicht [näher bestimmbar waren; der Rest von acht Formen zeigte 
fünf ladinische (*) und drei Muschelkalktypen (°), wornach das Alter der 
Kalke den Marmolatakalken entsprechen dürfte, welche Annahme 
um so mehr berechtigt erscheint, als ja drei Arten als bezeichnend 
für die Marmolatakalke anzusehen sind. 


5. Die Fauna der Kalke von HrastiSte. 


Die gelblichweißen Kalke enthalten Fossilien, wie stockförmige 
Korallen und Spongien, dazwischen Conchylien, insbesondere Brachio- 
poden, Gastropoden, seltener Lamellibranchiaten und vereinzelt 


Cephalopoden. Das Vorkommen entspricht der Fazies der Korallen- 
riffkalke. Außer 


a) Spongien 


1—3, welche etwa den Gattungen Kudea Lmax., Peronidella Zitt. und 
Corynella Zitt. angehören mögen, nenne ich folgende Arten: 


> 


[213] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Pal. Anh.: Fauna v. Hrastite.) 797 


b) Korallen. 


4. Spongiomorpha. sp. Es liegen Formen vor, welche solchen der 
Zlambachschichten, insbesondere der Gattung Heptastylopsis !) 
ähnlich sind. 


5. Montlivaltia af. norica Frech. Durch die außerordentlich kräftig 
entwickelten Primärsepten erinnert die in zwei Exemplaren vor- 
liegende bosnische Form an die obertriadische Montl. norica Fr. 


6. Thecosmilia sp. Vereinzelt vorkommende Durchschnitte weisen 
auf das Vorhandensein dieser Gattung hin. 


7. Pinacophyllum cf. annulatum. kss. Diese für die Hallstätter Kalke 
und Zlambachschichten charakteristische Gattung kommt bei 
Hrastiste in großen Stöcken vor, die man früher einfach als 
Lithodendron bezeichnet haben würde. Die Zugehörigkeit der- 
selben aber zu Pinacophyllum folgt aus dem Vorhandensein 
zahlreicher dünner Querböden und der sehr schwachen Ent- 
wicklung der Septa. Am nächsten stehen die Exemplare von 
HraStiste dem P. annulatum Rss. der Hallstätter Kalke. 


c) Brachiopoden. 


8. Amphiclina sp. Eine Form von pentagonalem- Umriß, etwa wie 
A. Laubei Bittn. von St. Cassian. Die große Klappe ist jedoch 
oben in der Medianebene fast kantig, während sich vorn in 
der Fortsetzung der Kante eine Bucht ausbildet, welche Eigen- 
schaft zwar bei den meisten Arten von Amphiclina wiederkehrt, 
aber doch kaum irgendwo so sehr ausgebildet ist, - wie bei 
dem von Hra$tiste vorliegenden Exemplar. Das letztere steht 
vielleicht der A. amoena?) nahe, ist jedoch bedeutend flacher 
als diese Art. Auffälligerweise gleicht unsere Amphiclina keiner 
Form der oberen Trias vollständig. 


9. Amphiclina cf. intermedia Bittn. Diese Form ist langschnäbelig und 
hoch gewölbt und scheint daher der Amphiclina ungulina Bittn. 
aus den Hochgebirgs-Korallenkalken sowie der A. intermedia 
Bittn. aus der oberen Trias am nächsten zu kommen, während sie 
zu den kurzschnäbeligen Amphiclinen der ladinischen Schichten 
im Gegensatze zu der vorigen Form gar nicht paßt. 


10. Koninckina alata Bittn. (Textfigur 44.) Die zahlreichen (36) von 
Hrastiste vorliegenden Exemplare sind zumeist ähnlich so ge- 
flügelt, wie das Originalexemplar von der Semeö planina (Bittner, 
Brach. d. alp. Trias, Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. XIV, Taf. XV], 
Fig. 17), zumeist aber viel größer; sie erreichen oft eine 
relativ bedeutende Größe (vgl. Textfigur 44). Die Ausbildung 
der Flügel erweist sich individuell als sehr verschieden. Bei 


!) Vgl. F. Frech, Die Korallen der juvav. Triasprovinz, Palaeontographica, 
XXXVL. Bd., 1890. 

2) A. Bittner, Brach. d. alp. Trias, Abhandl. d. k. k. geol. R.-A. XIV., 
pag. 117. . 


728 | Ernst Kittl. [214] 


kleinen Exemplaren sind sie etwa gleich groß entwickelt wie 
bei dem Originale Bittners; große Exemplare dagegen zeigen 
mitunter relativ noch größere Flügel. Sie erreichen die Dimen- 
sionen von Koninckina Leopoldi Austriae Bittn. gewisser norischer 
Hallstätter Kalke, von welcher Art sich die Exemplare von 


Fig. 44. 


Koninekina alata Bittn. von Hrastiste. 


HraStiSte leicht dadurch unterscheiden, daß die die Seitenflügel 
im Schalenumrisse von dem Hauptteile der Schale trennenden 
Einbuchtungen schräg seitlich geöffnet sind und nicht rein 
seitlich, wie bei K. Leopoldi Austriae Bittn., wo diese Ein- 
buchtungen sich einander nähern. 


11. Koninckina Leopoldi Austriae Bittn.!) Neben der Kon. alata fand 
sich eine Anzahl von Exemplaren, welche von Kon. Leopoldi 
Austriae nicht zu trennen ist, da die Flügel zwar breit und 
groß entwickelt sind, aber die Schloßlinie nur wenig oder gar 
nicht breiter als der vordere Teil der Schale ist. Eine genaue 
Vergleichung von Hrastister Koninckinen mit solchen von Hern- 
stein und vom Siriuskogel bei Ischl (wo Kon. Leop. Austriae 
ebenfalls vorkommt), machte es in hohem Grade wahrscheinlich, 
daß die beiden großen Arten spezifisch kaum verschieden sind. 
Insbesondere fällt es auch auf, daß manche österreichische 
Exemplare ebenfalls eine sehr verlängerte Schloßlinie zeigen, 
wie Kon. alata. 

Wie immer man diesen Befunden nomenklatorischen Ausdruck 
geben mag, so steht es doch sicher, daß in den Kalken 
von HraStiSte auch die österreichische Kon. Leopoldi Austria 
vorkommt und die Kalke von HrastiSte mit Rücksicht auf dieses 
Fossil als obertriadisch anzusprechen wären. 


12. Koninckina af. ecpansa Bittn.?) Mehrere flache Exemplare zeigen 
einen langen geraden Schloßrand, an welchen sich der fast halb- 
kreisförmige Umriß der Schale anschließt Die Wirbelregion ist 
ganz abgeflacht, der Schalenrand schwach aufgebogen. 


13. Koninckina Telleri Bittn.?) Diese stark gewölbte, zuerst aus den 
obertriadischen Kalken von Oberseeland beschriebene Form 
fand sich auch bei HrastiSte in einigen Individuen. 


') Abhandl. d. k. k. geol. R.-A., XIV., Die Brachiopoden der alpinen Trias, 
pag. 232. 

2) Bittner, ]. c. pag. 132. 

8) Bittner, 1. « pag. 131. 


[215] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Pal. Anh : Fauna v. Hrastiäte) 729 


14. Spiriferina sp. Eine glatte ungerippte Form, die mit den Mentzelien 
des Muschelkalkes äußerlich viel Ähnlichkeit hat, aber doch 
wohl der Spirif. halobiarum war. amblyrhyncha Bittn, von 
Hernstein !) näher steht. 


15. Spirigera cf. leptorhyncha Bittn. Die Exemplare von Hra$tiste haben 
einen kräftigeren, massiveren Schnabel als die echte Sp. lepto- 
rhyncha ?), sind auch meist von mehr kreisförmigem Umrisse, 
zeigen aber den charakteristischen Stirnsattel, der bei Sp. cf. 
Wissmanni fehlt. 


16. Spirigera af. Wissmanni Mstr.®) Mit diesem Namen pflegte 
A. Bittner eine in obertriadischen Riffkalken der Alpen sehr 
häufige und verbreitete, aber keine charakteristischen Merk- 
male zeigende Art, die auch bei HrastiSte nicht selten ist, zu be- 
zeichnen. Auch die Schale der letzteren ist faserig, an mehreren 
Stücken kann man Durchschnitte der Spiralkegel beobachten. 


17. Rhynchonella signifrons Kittl n. f. (Textfigur 45 a—c), eine neue 
Art aus der Gruppe der inversen Rh. refractifronst), ausge- 
zeichnet durch eine zackige Ausbildung der Stirnkommissuren 
der ausgewachsenen Exemplare. In der Medianbucht steht ein 
häufig noch geteilter großer Zacken, an den Seiten neben der 


Fig. 45 


R EI 
v + 
KaWw # 
& 2 


Rhynchonella signifrons Kittl n. f. von Hrastiste, 


a. Typisches, ausgewachsenes Exemplar. — b. Schmale Varietät, 
e. Jugendexemplar., 


Medianbucht sind je drei kleine Zacken. Die ganze Schale ist 
etwas kugelig, die Ventralklappe etwas rundlich gefirstet; die 
Dorsalklappe entwickelt gegen den Stirnrand zu eine tiefe und 
breite Medianfurche, welche mitunter durch einen niederen 
Medianwulst geteilt ist. 


18. Rhynchonella af. pusillula Bittn. Fine kleine durchaus berippte 
Form, die mit der Rh. pusillula Bittn.5) beiläufig übereinstimmt. 


1) Bittner, ], c. pag. 248. 
?) Bittner, ]. c. pag. 272. 
8) Bittner, ]. c. pag. 272. 
*) Bittner, ]l. c. pag. 39. 

6) Bittner, 1, c. pag. 268. 


IE 1 IE Ernst Kittl. an [216] 


19, Rhynchonella 'n. f, indet., welche in mehreren Exemplaren vorliegt, 
entwickelt an der Stirnseite einige größere, daneben an der 
‚Seite einige kleinere Falten, ähnelt in dieser Beziehung der 
Rh. uncieulina Bittn.!), wird aber größer und relativ breiter 
als diese. 


20. Terebratula sp. ind. Ein einziges Exemplar von Hra$ti$te hat mit 

der rhätischen T. piriformis Suess recht viel Ähnlickeit, ist aber 

noch im Jugendstadium, so daß man kaum. eine sichere Be- 
“stimmung machen kann. 


d) Lamellibranchiaten. 


21. Plicatula cf. imago Bittn. liegt in zwei Klappen vor, die lebhaft 

| . an die Typen von Pl. imago der Cassianer Schichten erinnern. 
Ob diese Art als leitend für den Horizont zu betrachten wäre, 
kann wegen der geringen Erfahrungen über diese Formen nicht 
entschieden werden. 


22. Terquemia? sp. Mehrere mit Radialskulptur nach der Art mancher 
Cassianer Terguemia-Formen versehene Klappen lassen die 
Vertretung der Gattung vermuten. 


23. Pecten tenuistriatus Goldf.. Fast identisch mit aus dem deutschen 
Muschelkalke vorliegenden Exemplaren von P. tenuistriatus. 


24. Pecten cf. cancellans Ki. Die Typen von P. cuancellans stammen aus 
den Buloger Kalken, doch ist die Art nicht auf die Schreyer- 
almstufe beschränkt, sondern findet sich auch in der oberen Trias. 


25. Mysidioptera? sp. Eine kleine, schräge, flache Form mit regel- 
mäßigen, konzentrischen Rippen, welche wahrscheinlich zu der 
angeführten Gattung gehört. 


e) Gastropoden. 


26. Kokenella cf. Fischeri M. Hörn. unterscheidet sich nach einem 
vorliegenden Fragmente von der norischen Kok. Fischeri 2) 
wohl nur durch die größere Zahl der groben Querrippen, wo- 
durch sie sich der Kok. abnormis ?) nähert. 


27. Rhabdoconcha sp. ein Fragment. 


28. Protorcula bosniaca Kittl n. f. (Textfigur 46). Die bisher aus der 
Trias bekannten Formen von Protorcula erscheinen in ladinischen 
Schichten (St. Cassian, Esino, Marmolata). Die Pr. bosniaca ist 
von diesen bestimmt spezifisch verschieden. 

Das Gehäuse ist spitz (Gehäusewinkel etwa 12°), ar Um- 
gänge sind flach, etwas stufig abgesetzt, an der Naht oben mit 
einer Facette versehen. An den Seitenflächen mit zahlreichen, 


1) Bittner, l. c. pag. 267. 

2) Koken, Gastrop. d. Hallst. Sch., Abh. d. k..k. geog. R.-A., XV. Bd., 
4. Heft, 1897, pag. 42. 

5) Koken, l. c. pag. 43. 


[217] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Pal. Anh.: Fauna v. Hraßtiste.) 731 


29. 
30. 


1 
2 
3: 
4. 
5 
6 


schrägen Querfalten geziert. Die Basis ist abgeflacht, außen 
kantig begrenzt, nur mit Zuwachsstreifen geziert. Die Spindel 
ist wahrscheinlich hohl. Die Querfalten, welche den Zuwachs- 
streifen entsprechen, zeigen die verkehrt sigmoidale Krümmung, 
welche den Toxoconchen eigen ist; doch hat die obere Bucht 
individuell eine sehr verschiedene Ausbildung: bald ist sie 
tief und klein, dann liegt sie nahe der Naht oder sie ist weit 
und seicht und hat dann eine tiefere Lage. Die Beobachtung 


Protoreula bosniaeca Kittl n. f. von Hrastiste. 


dieser bedeutenden Variabilität legt die Möglichkeit einer 
näheren Verwandtschaft der Gruppen Proiorcula und Toxo- 
concha!) nahe. Protercula bosniaca hat mit Toxoconcha häufig 
auch eine Nahtfacette gemein, die jedoch bei manchen Indi- 
viduen fehlt. Von Toxoconcha unterscheidet sich unsere Art 
durch die flache Basis. 

Protorcula bosniaca kann als eine häufige Art der Kalke von 
Hrastiste bezeichnet werden, wo sie stellenweise angesammelt 
erscheint. 


f) Cephalopoden. 


Orthoceras ? sp. ein Fragment einer glatten schmalen Art. 


Placites sp. ein unvollständiges Exemplar, welches zwar keine 
Artbestimmung erlaubt, aber doch mit ziemlicher Sicherheit 
auf obere Trias (karnisch oder norisch) hinweist. 


Die in den Kalken von HraStiSte gefundenen Fossilien sind also: 


Peronidella sp. 7. OPinacophyllum cf. annulatum 
Corynella sp. Rss. 
Eudea? sp. 8. *Amphiclina sp. 
Heptastylopsis sp. 9. O Amphiclina cf. intermedia 

. 0Montlivaltia af. norica F'r. Bittn. 
Thecosmilia sp. 10. 0Koninckina alata Bittn. 


1) Vgl. E. Kittl, Gastrop. d. Esinokalke. Annalen d. k. k. Hofmaseums 


XIV. Bd., 1899 und Gastrop. d. Marmalata. Jahrb. d. k. k. geol. R.-A. 1894. 


Jahrbuch d. k.k. geol. Reichsanstalt, 1908, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 98 


732 Ernst Kitt). - [218] 


11. Koninckina Leopoldi Austriae 20. OTerebratula sp. ind. 


Bittn. 21. *Plicatula cf. imago Bittn. 
12. 2 af. expansa Bittn. 22. *Terguemia? sp. 
13. Telleri Bittn. 23. Pecten cf. tenuistriatus Goldf. 
14. *Spiriferina sp. 24, »„ ef. cancellans Ki. 


15. Spürigera cf. leptorhyncha Bittn. 25. Mysidioptera? sp. 
16. Spirigera af. Wissmanni Mstr. 26 °Kokenella cf. Fischeri M. Hörn. 
17. Rhynchonella signifrons Ki. 27. Rhabdoconcha sp. 


n. F. 28. *Protorcula bosniaca Ki. n. f. 
18. 5 af. pusillula 29. Orthoceras? sp. 

Bittn. 30. OPlacites sp. 
19. s n. sp. ind. 


Die Fauna enthält jüngere Typen (°) und ältere (*) gemischt 
mit indifferenten oder neuen Formen. 

Ausschlaggebend dürften sein: Placites sp., Kokenella cf. Fischeri 
sowie die Koninckinen. Sie sprechen wohl für ein unternorisches 
Alter der Fauna. 


6. Triadische Arten von Posidonomya, Daonella, 
Halobia und Monotis. 


Von den hierher gehörigen Arten der Umgebung von Sarajevo 
gestatten einige eine Altersbestimmung ihrer Lagerstätte, andere 
wieder nicht. Unsere Kenntnisse der in der Trias auftretenden Formen 
der oben bezeichneten Gattungen sind eben heute noch nicht hin- 
reichend geklärt. Ich behalte mir vor, manche der hier zu besprechen- 
den Arten später ausführlicher zu beschreiben, möchte jedoch hier 
schon einige vorläufige Bemerkungen darüber machen. Dabei sollen 
die Arten nach stratigraphischen Gesichtspunkten geordnet werden, 
da dies dem vorliegenden Zwecke am meisten entspricht. 


a) Daonellaformen aus dem Muschelkalke )). 


Die wenigen mir bekannt gewordenen Daonellenfunde aus dem 
Muschelkalke der Umgebung von Sarajevo lassen sich am besten mit 
der Daonella paucicostata Torng. vergleichen; freilich zeigt fast jede 
Lokalität besondere Formen, die vielleicht einen eigenen Namen ver- 
dienen. Ohne Abbildung wären jedoch dieselben besonders in diesem 
Falle inhaltlos, weshalb ich an dieser Stelle von solchen besonderen 
Namen absehe. Es sind als hieher gehörig anzuführen: 


1. Daonella sp. Vom großen Han Obhodjas auf der Romanja planina, 
die schon A. Bittner (Verhandl. d. k. k. geol. R.-A. 1881, pag. 27) 
erwähnt hat. 

2. Daonella sp. Von Han Vidovie und Haliluci bei Bulog, wo trotz 
der umfassenden Ausbeutung nur wenige jugendliche Exemplare 
zum Vorschein kamen. 


!) Den hier besprochenen Daonellen des Muschelkalkes reiht sich die schon 
oben pag. 708 erwähnte Halobia halilucensis Ki. von Haliluei an. 


[219] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Pal. Anh.: Posid. Daonella ete.) 733 


b) Arten aus ladinischen Schichten. 


Ladinische Schichten haben an zwei Lokalitäten Daonellen ge- 
liefert, nämlich bei Han Vidovic aus den Jaspisbänken und bei 
Hvala vrelo aus Kalken. 


3. Daonella Pichleri Mojs. (= Daon. obligua Mojs., welcher Name sich 
auf die Jugendzustände der D. Pichleri bezieht). Kam in den 
Graboviker Schichten bei Han Vidovic vor. (Vgl. oben pag. 607.) 


4. Daonella n. f. Zwei Formen mit ebenfalls exzentrischen Wirbeln 
jedoch mit breiten Rippen von demselben Fundorte, die teils 
an Daon. Pichleri, teils aber an Daon. paucicostata Torng. 
und Daon. spitiensis Bittn. erinnern. 


5. Daonella af. tyrolensis Mojs. Von Hvala vrelo am Vrhovine. Wie 
D. tyrolensis ist diese in den Jugendstadien schräg ovale, aus- 
gewachsen aber mehr zykloide Daonella durch mittelbreite, 
schon nahe dem Wirbel gespaltene Rippen ausgezeichnet. Vorn 
finden sich unter dem Schloßrande einige breitere Rippen 
(an Stelle des Ohrwulstes ?), es folgt hierauf eine Gruppe etwas 
schmälerer und dann wieder eine Gruppe etwas breiterer Rippen. 

Insoferne einige Individuen breitere Rippen zeigen, könnte 
man diese Form auch an D. parthanensis anschließen oder an 
D. Lepsiusi Gemm., wenn man die schmäler berippten Exem- 
plare berücksichtigt. 


6. Posidonomya cf. fasciata Gemm. Die mir vorliegenden Exemplare 
vom Vrhovine scheinen zuweilen eine Art hinteres Dreieckfeld 
zu besitzen. Am unteren Rande zeigen sich mitunter Spuren 
von seichten Radialfurchen. 

Die Art scheint mir nur ein Jugendzustand (oder eine 
Varietät?) einer Halobia oder Daonella zu sein. Spuren eines 
vorderen Ohrwulstes habe ich indessen nicht beobachten können. 


7. Halobia sp. aus losen Fundstücken nächst der Straße unter dem 
Glog nach Han Toplica ist eine Form, welche Beziehungen 
zu ladinischen Arten, wie auch zu solchen aus karnischen 
Schichten erkennen läßt. (Vgl. pag. 612.) 


c) Arten aus den karnischen Kalken. 


8. Halobia (Daonella) styriaca Mojs. [E. v. Mojsisovics, Über 
Daonella und Halobia. Abhandl. d. k.k. geol. R.-A. Bd. VII, 1874, 
Heft 2, pag. 10, Taf. I, Fig. 4 und 5. — G.G. Gemmellaro, 
Sul Trias della regione occident. della Sieilia., Mem. R. Acc. dei 
Lincei, 279, Jahrg. 1882, pag. 467, Taf. I, Fig. 1 und 2.] Vom 
Dragulac liegen einige Klappen vor, welche mit den typischen 
vom Feuerkogel (Rötelstein) völlig übereinstimmen; ebenso 
gleicht auch das Vorkommen am Vinograd bei Sarajevo in einer 
Reihe von Exemplaren denen vom Rötelstein, insofern gar kein 
deutliches Ohr oder ein flaches undeutliches ausgebildet ist. 
In deren Gesellschaft finden sich jedoch auch Exemplare, welche 
bei gleicher Berippung einen deutlichen erhabenen Ohrwulst 

98* 


734 Ernst Kittl. [220] 


zeigen, die man also je nach Wahl als Varietät von „Daonella“ 
styriaca M. mit Halobienohr oder als eine an „Halobia*“ 
Charlyana M. anzuschließende Form mit spärlicherer Berippung 
auffassen könnte. 

Hier erscheinen also die beiden Gattungen Halobia und 
Daonella, wie Mojsisovies dieselben umschreibt, in derselben Art 
vertreten. 

Die weite Verbreitung dieser für die karnischen Hallstätter 
Kalke bezeichneten Art ist aus deren von G. Gemmellaro 
publizierten Auftreten in Sizilien sowie aus der Auffindung 
derselben durch G. v. Bukowski in Süddalmatien und durch 
Dr. K. Renz bei Prostovitsa im Peleponnes zu erkennen). 

Das Vorkommen beschränkt sich in der Umgebung von 
Sarajevo bisher auf Sarajevo-Vinograd und Dragulac. 


9. Daonella cf. lenticularis Gemm. Vom Dragulac, obere Halobienbank. 
Gemmellaro beschreibt aus den sizilianischen Daonellenschichten 
(untere Schichten) von Scaletta (Mte. Cassaro di Castronuovo) 
als sehr gemein zusammen mit Halobia radiata vorkommend 
eine der Daonella styriaca nahe verwandte Form unter dem 
Namen Daonella lenticularis. (G. Gemmellaro, loc. eit. 
pag. 466, Taf. I, Fig. 3—5.) Dieselbe ist viel kleiner als 
erstere und trägt sehr breite Rippen in einer gewissen Ent- 
fernung vom Wirbel, und zwar weniger und breitere Rippen als 
Daonella styriaca. 

Durch die ungemeine Breite der Rippen weicht ein vom 
' Dragulae vorliegendes Fragment von Daonella styriaca ebenso 
sehr ab, als es sich der Daonella lenticularis nähert. 


10. Halobia cf. subreticulata Gemm. (Daonella cf. reticulata Mojs.) Vom 
Dragulac. Die echte Daonella reticulata Mojs. (l. e. pag. 15, 
Taf. II, Fig. 1 und 2) stammt aus dem sogenannten Furöder 
Kalk von Szöllös; sie ist der bosnischen Form, soweit das 
Abbildungen und Beschreibung zu beurteilen gestatten, sehr 
ähnlich. 

Diese Form vom Dragulac ist ebenfals ziemlich hoch, aber 
noch etwas breiter, wie hoch. Die Rippen gabeln sich meist 
bald nach ihrem Auftreten, nur die vordersten Rippen sind 
in der Regel immer ungegabelt; zuweilen bleiben auch die 
Rippen hinter der Schalenmediane, seltener die hintersten 
Rippen ungegabelt. An den Schloßrand fügen sich vorn und 
hinten dreieckige schwach- oder unberippte dreieckige Felder 
an. Das vordere ist ganz glatt bis schwach berippt, zeigt mit- 
unter eine breite Furche nächst dem Schloßrande, worauf ein 
meist breiter, flacher Ohrwulst folgt, dem auf der Innenseite 
eine Furche entspricht. 

Somit zeigt diese Art bald Daonella-, bald Halobia-Charakter 
wie mehrere andere Arten. 


‘) Von Dalmatien und Griechenland liegen mir die betreffenden Exem- 
plare vor. 


[221] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Pal. Anh.: Posid., Daonella ete.) 735 


11. Halobia cf. insignis Gemm. [G. G. Gemmellaro, Mem.R. Ace. 
dei Lincei, 279. Jahrg., 1882, pag. 459, Taf. II.] Vom Dragulae, 
obere Halobienbank. 

-Die Exemplare des Dragulac stimmen fast durchweg, und 
zwar in Größe und Verzierung mit den von Gemmellaro gege- 
benen Abbildungen und Beschreibungen der sizilianischen Exem- 
plare von Madonna della scala bei Palazzo Adriano überein. 
In einzelnen Fällen geht die Rippenteilung bei besonders großen 
Schalen vielleicht um einen Grad weiter. 

Das „Ohr“ ist so gestaltet, wie es bei Gemmellaro abgebildet 
erscheint, der Ohrwulst ist jedoch nicht mit quergestellter 
Zuwachsstreifung versehen, wie bei den Abbildungen der sizilia- 
nischen Exemplare, sondern mit dem sonstigen Verlaufe der 
Zuwachsstreifen völlig gleich gerichtet. Diese bei den Ab- 
bildungen der sizilianischen Formen vorfindliche abweichende 
Streifung der Ohren ist im Text nicht erwähnt, weshalb sie 
vielleicht auf einer Willkür des Zeichners beruht. 

12. Halobia af. sicula Gemm. [G. G. Gemmellaro, Sul trias etec., 
Mem. R. Acc. dei Lincei, 279. Bd., 1882, pag. 464, Taf. IV, Fig. 2 
und 3.] Vom Dragulac, Südseite, obere Bank. 

Von den sizilianischen Exemplaren unterscheiden sich die 
bosnischen vom Dragulac nur durch etwas kräftigere Skulptur, 
und zwar betrifft das sowohl die Ohren, wie die konzentrischen 
Furchen, die gewöhnlich als Rinnen erscheinen, und die Radial- 
verzierung. Bei der letzteren bleiben die Felder unter dem 
Schloßrande seltener von Furchen frei, als bei den sizilianischen 
Exemplaren oder es sind die nicht radial verzierten Felder 
schmäler als bei den letzteren. 

Zweifelsohne ist diese Form den norischen Arten: HF. plicosa 
Mojs., H. amoena Mojs. und H. norica Mojs. verwandt, von 
welchen die kräftiger verzierten Exemplare kaum zu trennen 
sind, venn man bei diesen die schwächer verzierten und 
mit engeren konzentrischen Falten versehenen Varietäten in 
Betracht zieht. 

13. Halobia brachyotis Kittln. f. Vom Dragulac, mittlere Bank. Schale 
von mittlerer Größe, sehr ungleichseitig, Wirbel hoch gewölbt, 
stark nach vorn gerückt, im vorderen Drittel liegend; die kon- 
zentrischen Runzeln sind sehr unregelmäßig verteilt, die Radial- 
rippen sehr fein, 2—4teilig und reichen bis nahe an den Wirbel. 
Das Ohr ist kurz, breit, meist ungeteilt; über dem Ohrwulste liegt 
ein schmales Feld mit groben Radialstreifen. Die Radialstreifen 
sind mitunter stellenweise schwach gekrümmt, in sehr seltenen 
Fällen ist bei größeren Exemplaren eine wellige Hin- und 
Herbiegung der Radialrippen zu beobachten; häufiger kommt 
eine solche wellige Biegung durch die Interferenz der konzen- 
trischen und Radialskulptur zustande. 

Diese Halobia erinnert an manche Daonellen der ladinischen 
Schichten der Südalpen wie D. Taramellii, durch die Berippung 
aber noch mehr an Hal. superba Mojs., Hal. distineta Mojs. und 
Hal. intermedia Mojs. 


736 


Ernst Kitt]. \ [222] 


Von allen angeführten Arten unterscheidet sich A. brachyotis 
durch größere Fxzentrizität des Wirbels und die damit 
zusammenhängende größere Kürze des vorderen Ohres. 
Abbildungen dieser Art sollen später an anderer Stelle nach- 
getragen werden. 

Das Vorkommen deutet auf unterkarnische Lagerstätte. 


14. Halobia rugosa Gümb. Diese Art findet sich selten am Gehänge 


des Gradina gegen Mrkoevici in einer Lumachelle von 
Halobienbrut. Ob diese letztere zu dem einzigen nur von innen 
freigelegten großen Exemplare von H. rugosa in Beziehung 
steht, ist nicht leicht zu ermitteln. Die Eigentümlichkeiten 
der Berippung sowie das kleine, flach kegelförmige Ohr sprechen 
nicht für solche Beziehungen ; jedoch kenne ich eine Varietät 
der Hal. rugosa vom Feuerkogel-Rötelstein, welche in gleichen 
Altersstadien wie die Brut von Mrkoevi6i ganz ähnliche Rippen 
zeigt und nur etwas flachere Schalen aufweist. 


15. Amonotis (Monotis?) cancellaria Kittl n. f. (Textfigur 47.) Vom 


Gehänge der Kurvina stiena bei Dovlidi. Diese Form hat einen 
nur wenig nach vorn gerückten Wirbel, einen fast querovalen 
Umriß, zahlreiche konzentrische Wellen, die schon am Wirbel, 
hier klein und gedrängt, beginnen und von gerundeten Radial- 
rippen gekreuzt werden, die schmäler bleiben als deren 
Zwischenräume, in welchen sich weitab vom Wirbel schwache, 


a. Fig. 47. b. 


Monotis? (Amonotis) eancellaria Kittl n. f. Von der Kurvina stiena. 


sekundäre Radialrippen einschalten. Diese zwei Skulptur- 
elemente umschließen gewöhnlich quadratische Vertiefungen, 
an deren Ecken sich schwache Knoten erheben. 


Ein hinteres Ohr wie bei den echten Monotis-Formen konnte 
ieh nieht beobachten. Hinter- und Vorderende des Schloßrandes 
scheinen abgerundet zu sein. 


Es ist indessen der Charakter der Radialrippen, welcher:an 
Monotis erinnert, und das so sehr, daß ich deshalb das vor- 
liegende Fossil, welches sonst zu Posidonomya und Daonella 
gestellt werden könnte, für eine Form aus der Verwandtschaft 
der Vorläufer von Monotis anzusehen geneigt bin; ein neuer 
Gattungsname scheint aber unumgänglich nötig zu sein, da die 
Art in keine der bisherigen Gattungen gestellt werden kann. 

Die neue Gattung Amonotis ist am besten durch die Angabe: 
„Posidonomya mit Monotis-Skulptur“ charakterisiert. 


Be ne 


[223] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Pal. Anh.: Posid., Daonella etc.) 737 


d) Arten, deren stratigraphisches Niveau noch unsicher ist. 


Hier führe ich die Funde vom Kastellberge bei Sarajevo und 
von Han Toplica an. 


16. Halobiad indet. ex aff. H. distineta Mojs. A. Bittner beschreibt in 
den „Grundlinien*, pag. 225 eine Halobienbank, die sich in 
einem kleinen Steinbruche am südlichen Absturze des Kastell- 
berges bei Sarajevo befindet. 

Die Halobia gehört nach Bittner in die Formenreihe der MH. 
distincta, ohne daß es möglich gewesen wäre, sie einer der 
vier Arten (H. distincta, salinarum, lineata, celtica) zuzuteilen. 

Mir gelang es nicht, in diesem Steinbruche Halobien zu 
finden, wohl aber südöstlich davon im Hange. Diese kleinen 
Halobien können vielleicht zu A. distineta in Beziehung gebracht 
werden, weil sie zahlreiche schmale Rippen aufweisen. Der 
OÖhrwulst ist einfach, kegelförmig. 


Halobien von Han Toplica. 


Ich möchte unter den von Han Toplica stammenden Halobien 
vorläufig folgende Formen unterscheiden: 


17. Halobia sp. ähnlich Posidonomya. Kleine halbkugelige Brutschälchen 
(Prodissoconch) und größere flachere Schalen, meist mit deutlich 
abgegrenztem, vorspringendem Prodissoconch aber fast durch- 
wegs noch unberippt, nur mitunter einzelne Strahlen erkennen 
lassend, hie und da eine zarte Radialrippung zeigend, welche 
sich in den späteren Zuwachsregionen meist ganz verliert. Fast 
immer sind konzentrische Runzeln vorhanden, die den Zuwachs- 
streifen genau parallel sind. Gewöhnlich sind Ohren nicht zu 
erkennen; mitunter jedoch zeigt sich ein vorderes kleines Drei- 
eckfeld durch einen vom Wirbel ausgehenden Bug angedeutet. 

Bei den größeren Schalen ist dagegen häufig ein hinteres 
großes Dreieckfeld ebenfalls durch einen Bug deutlich von dem 
übrigen Schalenteil abgegrenzt. 

Es ist bemerkenswert, daß diese größeren, ganz unberippten 
Exemplare in ihrem Umrisse und ihrer Gestalt später zu be- 
schreibenden berippten Schalen gleichen, insbesondere aber 
durch die Ausbildung des hinteren Dreieckfeldes mit den 
letzteren übereinstimmen. 

Eine spezifische Identität der unberippten und berippten 
Schalen ist insbesondere dann abzuweisen, wenn die unbe- 
rippten Exemplare Längen von 9—15 mm erreichen, während 
bei geringeren Dimensionen eine Vergleichung durch den 
Jugendcharakter von selbst ausgeschlossen erscheint. 


18. Halobia sp. Eine Form mit mittlerer Wirbellage, wenigen breiten 
Rippen, kräftigen konzentrischen Runzeln und großem wulst- 
förmigen Ohre. 


738 Ernst Kitt). [224] ee 


19. Halobia cf. salinarum Bronn. Mit zahlreichen Rippen, die sehr 
fein sind und exzentrisch liegendem Wirbel. Ein Ohr ist deutlich 
ausgebildet. Die Rippen verschwinden gegen den Hinterrand 
allmählich, hier einen schmäleren Raum rippenfrei lassend. 


Diese und andere Formen scheinen indessen nicht vielen Arten 
anzugehören ; am häufigsten dürfte eine Art sein, welche eine große 
Variabilität aufweist in Bezug auf die Berippung und Knickung der 
Rippen. 

Nach dem Typus dieser Halobien (Nr. 17—19) von Han Toplica 
mit Sicherheit auf ein Niveau zu schließen, scheint mir heute untunlich, 
da die zeitliche Entwicklung wie lokalen Varationen der Halobien 
noch ungenügend bekannt sind. Sähe man von dem Auftreten der 
Rippenbeugungen ab, so könnte man vielleicht ein höheres Triasniveau 
annehmen, da sichere Typen der tieferen Horizonte fehlen. 


[225] 


Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Ortsregister.) 


139 


Ortsregister‘). 


Die fetten Zahlen beziehen sich auf die Seiten, wo der betreffende Ort ausführlich besprochen wird. 


Aalquelle 525. 
Adzak 560, 

Alino brdo 613, 614. 
Arnautka 566. 


Babin dol 572. 

Bakias brdo 610. 613. 

Bakijje 532. 539. 566. 592, 601. 
Baltıici 555. 

Banjaluka 559. 

Bare 546. 598. 602. 604. 703. 721. 
Barice 523. 628. 

Barjak brdo 555, 611, 647. 
Bastica potok 617. 

Begovina 615. 

Begovo brdo 588. 

Bergalje 624. 

Berkovac 555. 634. 636. 
Bethanien 566. 

Bielosalici 633. 

Bielosava 640. 

Bilek 620. 623. 

Biosciea 520. 637. 

Biosko dolnje 602. 611. 


Bistrik (Bistrica) potok (bei Pale) 581. 


600. 


Bistrik (Bistrica) potok (bei Sarajevo) 532. 


535. 536. 539. 574. 580. 581. 
Bjelalovac 526. 


Bjelasnica (planina) 516. 519. 521. 532. 


551. 555. 560. 571. 650. 654. 
Bjela stiena 612. 
Blazuj 526. 555. 568. 570. 


Blizanac 532. 540. 541. 543. 584. 588. 


703. 705. 721. 
Bogovidi 627. 628. 630. 631. 


Bogovicka planina 520 525. 615. 630. 


631. 
Bogovicke stiene 522. 562. 628. 
Bojiste 587. 629. 
Boria. 574. 592. 596. 602. 
Borovac (bei Pustoselo) 633. 


Borovac (bei Pale) 581. 615. 705. 721. 


Borovac (bei Sokolac) 522. 633. 634. 635. 
637. 

Boskovidi 662. 

Bosna 520. 521. 522. 524. 

Bozova glava 645. 

Bröe brdo 612. 

Brdo 609. 

Brestnica 558. 

Brezjak 555. 634. 686. 

Brezje 624. 

Breznica 636. 

Brezova glava 519. 532. 536. 555. 639. 
640. 

Brezovice 612. 

Briesce 525. 568. 

Brnjica 624. 626. 

Brnjica (Brnjicki) potok 620. 624. 

Bruska Suma 581. 

Bu& 624. 

Bucki potok 620. 

Bukovik (Sarajevo N.) 518. 521. 537. 554. 
601. 611. 639. 640. 643. 644. 653. 

Bukovik bei Sahbegovic 555. 636. 

Bulog 516. 539. 543. 544. 545. 546. 548. 
579. 602. 603. 656. 

Busovata 526. 570. 


Careve vode 525. 618. 628. 
Cazin 546. 
Celinac 581. 
Celopek 622. 
Cemanovidi 614. 
Öemerna 554. 648. 
eresnica potok 646. 
Öeverski dol 629. 631. 636. 
Cevljanovic 516. 543. 637. 638. 658. 
Cmilevo polje 629. 
Crepljani 555. 
Crepolsko 519. 554. 601. 611. 
Crnöale 621. 
Crna rieka 611. 613. 627. 645. 646. 
Crni bor 617. 
Crnilquelle 525. 


ı) Die Zusammenstellung dieses Registers verdanke ich meiner bewährten 
Mitarbeiterin, dem Fräulein Karoline Adametz, die auch sonst bei der vor- 
liegenden Arbeit vielfach in trefflicher Weise mitgewirkt hat. 


Jahrbuch d. k. k. geol. Reichsanstalt. 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 99 


740 


Crni vrh (bei Han Toplica) 519. 522. 601. 
643 

Crni vrh (Vucja luka O.) 644. 647. 

Crni vrh (Kavala) 613. 

Crni vrh (bei Mokro N.) 629. 

Crni vrh (bei Sokolac 8.) 632. 

Crni vrh (Veliki Stupan) 581. 587. 

Crnotina 568. 

Crvena stiena (bei Bogovic) 523. 627. 

Crvena stiena (bei Mokro) 629. 


Debelo brdo (Trebevic) 566. 580. 582. 
587. 591. 

Debelo brdo (Stanovi) 589. 

Debelo brdo (bei Vogosca) 639. 640. 


Dervent 557. 

Devina planina 648. 

Djeva 519. 522 562. 628. 629. 

Dobrinje potok 521. 

Dobra voda (Romanja) 631. 

Dobrovo 568. 

Dol 587. 

Dolnje Tuzla 554. 557. 

Dolovi 532. 

Dovlici 535. 548. 562. 574. 578. 579. 581. 
587. 600. 736. 

Dragoradi 551. 633. 

Dragulac 516. 532. 535. 538. 547. 549. 
574. 581. 591. 733. 734. 735. 

Dragulja 561. 600. 609. 614. 

Drazevi6 659. 662. 

Drina 520. 522. 

Dubostica 552. 

Dubrava 522. 

Dubova dolina 637. 

Dvor 563. 566. 568. 

Dvoriste 587. 588. 600. 


Ercedol 574. 


Faletie 525. 


Gacko 552. 

Gajine 550. 633. 

(rares 637. 

Gazivoda (bei Prata) 622. 

Gazivoda (bei Sokolac) 532. 632. 636. 
(Gire dolnje 633. 


(Glasinac 519. 520. 522. 560. 627. 629. 


632 634. 
Glavica 627. 
Glavogodina 568. 
Glog 525. 555. 601. 612. 640. 733. 
Gnjilo brdo 601. 602. 
(ojenovid 642. 
Gola Jahorina 521. 600. 650. 
Gora 638. 
Grab 547. 
Grabovica potok 618. 622. 


(Grabovik (Grabovak) 545. 546 548. 549. 


602. 605. 705. 721. 


Ernst Kitt). 


1226] 


Gradanica (Nordbosnien) 553. 

Gratanica potok 619. 

Gradac 590. 602. 

Gradina (bei Bogovid) 628. 

(Gradina (bei Pale) 581. 

Gradina (bei Sarajevo) 550. 591. 593. 
601. 611. 639. 

Gradiste 543. 546. 597. 602. 705. 721. 

Gradonj 566. 591. 593. 

Grahoväi 570. 

Grahovo 516. 546. 547. 548. 

Graoviste 622. 

Grk 543. 658. 659. 

Grkarica 572. 

Gromol 564. 566. 


Hadz Ahmetovina 589. 

Hadiici 521. 568. 571. 650. 662. 

Hajducka Cesma 618. 

Haliluci 537. 545. 546. 602. 604. 606. 
608. 703. 705. 721. 732. 

Han Bielosalici 522. 

Han Bimbasa 601. 

Han Bjelalovac 570. 

Han Bludna ravan 647. 

Han Bulog 515. 533. 536. 537. 544. 545. 
548. 603. 

Han Öurdin 568. 658. 

Han Derventa 604. 606. 610. 

Han Grabovica 622. 

Han Jezero 526. 

Han Obhodjas 561. 631. 732. 

Han Orahovica 528. 531. 617. 625. 682. 


‚Han Ozren 646. 659. 


Han Pale 614. 

Han Palika 646. 653. 

Han Plo@nik 648. 

Han Pod grabom 530. 619. 622. 

Han Potoci 535. 614. 

Han Sid 645. 

Han Simbulovaec 601. 

Han Toplica 552. 643. 647. 650. 656. 
Schar 

Han Vidovice 532. 537. 538. 545 546. 
548. 603. 605. 656. 703. 705. 721. 732. 

Han Vratnica 568. 

Hodjidjed 602. 603. 604. 

Hodza 615. 

Hoticina 625. 

Hrastiste 532. 550. 633. 726. 

Hrastnicki Stan 561. 571. 

Hreljevo 658. 

Hrenovica 623. 627. 

Hresa 602. 

Hum (a. d. Misoca) 554. 

Hum (bei Ljubina) 641. 

Hum (bei Sarajevo) 561 566. 663. 

Hvala vrelo 549. 631. 732. 


Ilia (Sv.) 641. 

Igman (planina) 519. 520. 524. 537. 555. 
561. 568. 571. 591. 650. 

llidze 518. 521. 526. 568. 650. 662. 


[227] 


Iljak 627. 
Ivandicı 642. 


Jablanica {Kievo) 536. 
Jablanica (Hercegovina) 516. 661. 
Jabukovik 624. 

Jahorina potok 618. 

Jaksin dol 523. 628. 
Jasekavice 643. 

Jasen (potok) 528. 571. 591. 
Jasenova Suma 629. 

Jasik 581. 600. 

Javorina (Ravna planina) 600. 
Jegujac 525. 

Jelovci 614. 

Johannaquelle 596. 602. 703. 
JoSanica (potok) 526. 566. 639. 


Kace 645. 

Kalına 634. 

Kalina potok 522. 
Kaline 612 
Kalinovik 546. 
Kaljına rieka 613. 
Kaonik 618. 

Kapa 518. 540. 574. 582. 591. 
Karadzıcı 561. 
Karaule 618. 

Karica &air 645. 656. 


Karolinensattel 522. 528. 612. 614. 617. 


618. 625. 626. 651. 
Kasalıdı 571. 
Kasıdol 521. 588. 600. 
Kasidolski potok 521. 589. 


Kastellberg 532. 565. 591. 592. 601. 655. 


131. 
Kavala 613. 
Kazimerici 630. 
Kevrina koliba (Romanja) 627. 
Kievo 536. 563. 590. 654. 
Kievsko brdo 590. 
Kiseljak 526. 568. 570. 650. 
Kladanj 553. 554. 
Klade 543. 658. 
Klanac 536. 5%. 
Klek (bei Cevljanovic) 653. 
Klek (bei Tilava) 589. 
Klek (Praca S.ı 623. 650. 
Knezina 516. 632. 637. 648. 651. 
Kobilja glava 588. 
Kobilj brdo 568. 
Kobilj dol 563. 567. 657. 
Koleno brdo 588. 
Komatin 567. 
Konjica 559. 571. 
Koran 620. 626. 
Koran potok 620. 624. 
Kosa 611. 
KoS$evo 559. 566. 658. 
Kosevo potok 639 


Kosia @uprija (Ziegenbrücke) 567. 595. 


596. 


Geologie der Umgebung von Sarajevo. 


(Ortsregister.) 741 


Kostresa planina 629. 639 651. 

Kosuh 546. 

Kotorae 568. 

Kovacıc 564. 567. 658. 

Kovacki stan 572. 

Kraljevo polje 554. 637. 

Kralupi 552. 

Kratelj 522. 

Krblina 539. 547. 

Krivaja 520. 522. 

Krs 545. 546. 602. 604. 705. 

Krst 628. 

Krsulj 640. 

Krupaec 520. 573. 5%. 

Krupatka stiena 590. 

Krıvavice 622. 

Kucatina 588. 

Kukor 610. 613, 

Kuk veliki 590. 

Kulauzovic 555. 568. 627. 
658. 

Kuna gora 546. 

Kurvina stiena 535. 574. 578. 


Lapisnica (potok) 521. 532. 
602. 662. 

Lednica 551. 632. 634. 637. 

Leletva potok 627. 

Lipa 588. 

Lipnik 646. 

Lipov dol 629, 

Lipovac 598 602. 609. 

Lisina 590. 622. 

Ljepo brdo 624. 

Ljubina (potok) 522. 523. 566. 639 641. 

Ljubinatal 519. 554. 638. 641. 662, 

Ljubina strana 640. 

LjubogoSta (Dorf: 613. 614. 

Ljubogosta (potok) 610. 613. 

Ljuti potok 566. 

Lokve 568. 639. 

Loznica potok 625. 

Loznik 628. 

Luboric polje 635. 

Lugovi 619. 

Lukavica (Dorf) 563. 564. 567. 658. 

Lukavica (potok) 521. 567. 

Luki 588. 


Mahalski potok 620. 

Majdani potok 521. 

Majevica 556. 

Mali Kraljevac 612. 

Mali Ora 624. 

MaljaSevo 568. 

Malo polje 519. 521. 572. 
Markovidi 624. 

Mathildenquelle 546. 597. 602. 703. 721. 
Medjuse 537. 548. 584. 557. 588. 
Mednjik 572. 

Medojevic 642. 645. 653. 
Megarsko brdo 632. 

Meljaca 635. 636. 


629. 640. 646. 


736. 581. 
539. 596. 


99* 


742 


Mihalj 624. 


Miljacka 519. 521. 525. 535. 586. 539, 
546. 559. 574. 591. 593. 601. 612. 661. 


662 

Miljaöka rieka 612. 

Miljevidi 587. 

MioSidi 628. 630. 

Misoca 658. 

Mo&£iocdi 611, 612. 640. 

Mokranska Miljacka 519, 521. 535. 601 
602. 610. 612. 613. 


Mokro 519. 525. 535. 601. 602. 610. 613. 


627. 629. 
Mo$£anica (potok) 521. 525. 602. 
Mos£anicaquellen 661. 
MoS£anicatal 537. 592. 59%. 
Mrakanj planina 622. 


Mrkoevidi (Mrkovidi) 550. 593. 602. 736. 


Mrvici 635. 
Municı 579. 581. 
Muratov Han 561. 


Na Romanja 629. 
NaboSice 554. 568. 639. 655. 
Nadzakov gaj 617. 
Nahorevo 593. 640. 


Narodno brdo 591. 593. 610. 661. 705. 


Nebesna 643. 

Nedjaridi 567. 

Nehoric 635. 

Nepravdidi 547. 549. 630. 
Nisate 615. 

Nojkovidi 568. 572. 


Ober 611. 638. 640. 
Obraske stiene 628. 


Odevlje (Otevja) 532. 540. 543. 648. 651. 


Odzak gornje 635. 
Olovo 554. 648. 651. 
Omanice 619. 

Ora 620. 624. 
OraSac 639. 

Orliec 566. 568. 
Orlova 523. 

Orlovac 575. 
Orlovina 627. 629. 
Orlovina stiena 519. 
Oskova 558. 

OStrik Veliki 588. 589. 
Ostrog 588. 

Ovnjak 647. 
Ozerkovidi 628. 


Ozren 519 522. 537. 552. 641. 644. 646. 


651. 658. 


Özren planina 522. 561. 639. 640. 641. 651. 


Pakleniık 610. 613 


Pale 515. 519. 521. 525. 531. 535. 545. 
591. 601. 610. 613. 614. 


561. 581. 

627. 650. 
Palez 587. 
Palike 553. 632. 633. 636. 


‘ Ernst Kitt]. 


[228] 


Paljanska Miljacka 519. 521. 585. 550. 
574. 579. 600. 610. 613. 614. 

Panina kula 566. 

Papratina 644 

Paprenik 537. 578. 597. 602. 654. 703. 721. 

Pasin brdo 601. 661. 

Pavicidi 588. 632. 

Pavlovac 588. 

Pazari6 520. 

Pedise 555. 560. 632. 635. 636. 653. 

Per&a mala 640. 

Perea velika 644. 

Peröin 587. 

Petovie 623. 627. 628. 

Petrovici 588. 

Plaöigora 568. 

Pod Igman 568. 

Pod gradom 620. 623. 

Podivici 532. 537. 589. 654. 

Pod Koranom 619. 

Pod Romanjom 629. 635. 


Podvitez 617. 625. 

Polje 518. 521. 522. 613, 
Poljine 566. 593. 

Polom 520. 521. 

Ponori 523. 628. 629. 
Potoci 532. 


Praöa (Ort) 516. 520. 528. "596, 528. 
529. 534. 614, 615. 621. 627. 651. 
655. 656. 657. 658. 663 665. 


Praöa (potok) 519. 520. 522. 526. 528. 
2252956126142 615: 

Pra&aschlucht 620. 693. 

Pralo potok 555. 639. 

Pregrada 546 

Prekaca 531. 625. 682. 

Pribanj 609. 

Prutine 531. 619. 

Pustoselo 532. 551. 634. 

Puhovac 635. 636. 


Raca potok 642. 662. 
Radaäc 619. 

Radava 519. 521. 572. 
Radöunista stiena 609. 
Radeljace Forst 572. 
Radenidi 574. 579. 
Radova 602. 

Rajlovac 561. 

Rajkovic 634. 636. 
Rakita 624, 

Rakite 618, 

Rakovica (Dorf) 568. 658. 
Rakovica (potok) 521. 555. 568. 571. 
Ramin bunar 631. 
Ranjen vrh 622. 

Rasdole 642. 

Raskrsce 619. 

Rasoha 624. 

Rastovac 618. 619. 623. 


Rat 624. 


[229] 


Ravna planina 519. 520. 521. 522. 561. 
562. 581. 588. 600. 613. 612. 614. 617. 
622. 625. 650. 

Ravna stiena 629 

Repasnica potok 614. 618. 

Repovica 559. 

Resetnica potok 522. 635. 

Rijeta 634 

Romanja planina 519. 520. 521. 522. 
525. 531. 540. 551. 561. 600. 612. 
613. 615. 627. 650. 

Rosca 555. 

Rosöijja greda 640. 647. 

Rosulje 628. 

Rudo brdo ‚622. 

Rupe 647. 


Sabanke 543. 658. 

Sahbegovici 560. 633. 635. 636. 

Sahbenski grad 633. 

Sajnovici 613. 

Sanduci 622. 

Sarajevo 515. 518. 520. 521. 523. 525. 
533. 534. 535. 536: 5839. 540. 541. 
544. 545. 550. 558. 561. 563. 574. 
580. 591. 637. 648. 650: 655. 657. 
661. 662. 663. 


Sarajevsko (Sarajsko) polje 518. 520 525. 

. 526. 561. 563. 568. 591. 

Sarulje 621. 623. 

Sehova koria 594. 

Sejnovaca 597. 

Seliste (Brezova glava N.) 642. 653 

Seliste (bei Prata) 619. 

Seliste 614. 

Seljano polje 634. 

Semed planina 634. 

Seminiadi 620. 

Seo 628. 

Seovina 581. 

Sic potok 644. 645. 653. 659. 

Silak 646. 

Siljansko polje 532. 547. 630. 725. 

Siljato brdo 612. 

Siljava glava 628. 

Siljeva greda 587. 

Siljevo brdo 588. 

Sipovicka Suma 628, 

Sirovei gornje 572. 

Sirovica (Suma) 618. 

Sirovine 646. 648 

Sjetline 622. 

Sjetlanski potok 622. 

Skakavac (Wasserfall) 644. 

Skoplje-(ebiet 548. 

Slano jezero 570. 

Slatina 661. 

Slema 643. 647. 

Sokolac 516. 522. 523. 532. 555. 634 635. 
651. 655. 

Sokolacko polje 522. 560. 635. 

Sokolina potok 645. 


Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Ortsregister.) 


743 


Spile 532. 586. 537. 590. 

Srednje 641. 

Stajna 624. 

Stajnicki potok 619. 

Stambulic potok 618. 

Stanjevidi 587. 

Stara gora 573 59%. 

Stary grad (bei Bulog) 521. 546. 548. 
596. 599. 602. 609. 

Stary grad (bei Prata) 620. 623. 

Stavnia 522. 638. 654. 

Strahovo 619. 

Stranjska voda 561. 

Strnica 611. 

Stublinski kr 522. 

Studenkovid 541 543. 586. 587. 

Stupan (Dorf) 540. 587. 588. 

Stup gornje 546. 599. 609. 703. 

Sudıci 629 648. 

Suha Cesma 531. 625. 682, 

Susica 643. 644. 

Sutjeska 637. 


Tabakova Cesma 628. 

Tar&in 521. 535. 570. 571. 650. 

Tarija 618. 

TieSnica 568. 

Tihovic brdo 639. 640. 

Tilava 567. 589. 

Tiljava glava 522. 

Tisovik 554. 

Toplik 590. 

Tovarnıca 521. 

Travnık 654. 

Travnjak 643. 

Trebevi6 518. 582. 540. 541. 543. 545. 
548. 549. 562. 566. 573. 580. 591. 

Trebevic-Ostgrat (Südostgrat) 541. 543. 
582. 705. 

Treskavica planina 521. 560. 

Trnovo 521. 650. 

Tulinici 522. 

Tvorvat 588. 

Tvrdinicı 532. 537. 589. 


Udes 532. 550. 574. 578. 581. 
Ulistovice 640. 

Ulobici 521. 590. 

Ustikolima 616. 

U Vrblu 624. 

Uze potok 614. 617. 


Vaganj 532. 548. 574. 577. 579. 
Vares 552. 637 650. 657. 

Velika gradina 615. 617. 

Velika stiena 627. 

Veliki Javor 600. 

Veliki Ora 624. 

Veliki Stupan 580. 587. 588. 

Veliko polje 519. 521. 551. 571. 653. 
Vidovic 546. 

Vidricko polje 635. 


744 Ernst Kittl, 


Vienac (bei Kievo) 588. 590. 

Vie'ac (bei Prata) 625. 

Vihor 522. 538. 553. 631. 633. 655. 636. 
Vili@ 643. 645. 653. 

Vinca dolnje 624. . 

Vin£ica potok 623. 624. 

Vinograd (bei Prata) 626. 

Vinograd (Sarajevo) 550. 592 733. 
Visegrad 553. 637. 

Visovica 642. 

Vitez planina 522. 618. 624. 
Vjeterna glava 643. 

Vlagije 566 640. 

Vlahovici 581. 

Vlainje 555. 

Vlasenica 553. 

Vlaska stiena 528. 620 621. 623. 
Vogosca 537. 558. 566. 568. 637. 650. 


Vogosca potok 522. 523. 601. 638. 643. 


644. 
Vojkovic 573. 591. 
Vranjak 617. 
Vranj stiena 519. 643. 647. 
Vrasicı 632. 
Vratca 660. 
Vrela 568. 
Vrhi 587. 


 Vukosavljevici 632. 635. 


Vrhovina 647. 
Vrhovine 549. 631. 733. 
Vuöja luka 612. 
Vukasovi6 potok 659. 


Vuknjaca 643. 645. 


Zagorje 543. 547. 

Zecici 628. 

Zeljesnica potok 521. 
569. 573. 590. 662 

Zenica 557. 563. 564. 570. 657. 

Zimta 658. 

Zlatiste 567. 

Zlı stup (Bare) 597. 598. 602. 703. 721. 

Zlokos brdo 588. 

Zmijina glava 602. 609. 

Zonik potok 641. 

Zopor 636. 653. 

Zrmanja 552. 

Zut 566. 

Zuca 658. 

Zujevina (potok) 521. 528. 532. 535. 538. 

.r3363.1:570..521. 

Zunovnicki stan 572. 

Zviesda 651. 


532. 536. 567. 


[231] Geol. d. Umgebung von Sarajevo. (Verzeichnis der Abbild. im Texte.) 


Fig. 


Fig. 
. 12. Das Talbecken von Bulog. Von Hodjidjed aus. 
. 13. Profil vom Krs nach Haliludi 

Fig. 


Fig. 
Fig. 


. 19. Profil von Sjetline nach Gazivoda 
. 20. Profil bei Petovie 


Fig 


. 10. Dislokationen im ON oberhalb der Ziegenbrücke 


Verzeiehnis der Abbildungen im Texte. 


- 


Aufschluß des neogenen Tegels durch die Ziegelei Jefta- 
novi@ in Sarajevo . . ; 

Felsen von Quellsinter an der "Zeljesnica bei Ilidie . 

Gipfel der Bjelasnica (Dachsteinkalk) von SO. 

Profil durch die Trebevicketten und die Boria 

Die Trebevi6 planina von Sarajevo aus ; 

Der Dragulac bei Sarajevo von der Südwestseite . 

Profil vom Paprenik auf die Kurvina stiena . . 

Dolomitschlucht des Kasidolski potok bei Podivici von Süd 

Faltungen und Dislokationen der Hornstein führenden Kalke 
am SW.- -Abhange des Kastellberges 


ES 


nächst Sarajevo 
11. Aufschluß von Stup gormje an der Miljadka 


. 
° 


14 u. 15. Aufschlüsse an der Straßenserpentine bei Han Vidovic 
in Bulog . . 

16° Grenze des Flyschgebietes nördlich von Sarajevo. Vom 
Narodno brdo aus . 


. 17. Falsche Schieferung und ne der Ber bonachieler bei 


Lugovi ; 
18. Profil von Prada Er Fe Vlaska ee h 


21 Profil durch das Vorkommen der Bellerophonschichten 
bei Prekata 


. 22. Generelles Profil Ravna "Romanja Glasinae 

. 23. Profil durch die Flyschketten nördlich von Sarajevo 

. 24. Profil Hum-—-Ljubina . ; ß 

. 25. Profil durch die Brezova glava : 

. 26. Das obere Vogoscatal von Jasekavice aus 

. 27. Profil bei Kulauzovic . 

. 28. Geologische Übersicht der weiter en Umgebung von Sar ajevo 
2931. I’romyalina Hindi Kittl n. f. aus den” Bellerophon- 


schichten von Han ÖOrahovica 


. 82 u. 33. Orthoceras Waageni Kittl n. f. aus den Bellerophon- 


schichten von Han Orahovica 


. 34. Nautilus sp. aus den Bellerophonschichten v. von Han Örahovica 
. 85. Temnocheilus sp. aus den De  mueschten von Han 


Orahovica . 


36... Recten (Entolium) Kellneri Kittl N. 12 aus dem Buloger Kalk 


von Haliluci. 


37 N Trebevicianus Kittl n F. aus en "Buloger Kalk 
des Trebevid (Pectenblock am Ostgrat) . 
was: „  marginiplicatus Kittl n. f. aus dem Buloger Kalk von 
Han Vidovie bei Bulog 


799: »  magneauritus Kittl n. f. aus dem Buloger Kalk ı von 


Haliluci 


145 
Seite 

565 [51] 
570 [56] 
572 [58] 
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6 197] 
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624 |110] 
625 [111] 
627 [113] 
639 [125] 
641 [127] 
642 [128] 
643 [129] 
646 [132] 
649 [135] 
691 [177] 
699 [185] 
701 [187] 
701 [187] 
709 [195] 
710 [196] 
711 [197] 
zıı [197] 


746 Ernst Kittl.. 
Fig. 40. Pecten subeoncentrieus Kittl. n. F aus dem ie Kalk 
von Haliludi - 
Fig. 41. „  eancellans Kittl n. f. aus ein“ Buloger Kalk von 
Haliluci Eu: 
Fig. 42. „ sarajevensis Kittl n. 2: aus dem Buloger Bl von 
Haliluci 
Fig. 43. „.  subeutiformis Kittl n. Fi aus a leer Kalk 
von Haliludi (mit Pecten cutiformis M. Hörn. vom 
Sandling) SAMEN, DAS. EARLIENFEN AN 
Fig. 44. Koninckina alata Bittn. aus dem hellen Riffkalke von 
Hrastiste . 
Fig. 45. Rhynchonella signifrons Kite n. Fi aus de hallen Riffkalke 
von Hrastiste : 
Fig. 46. Protorcula bosniaca Kitel n. ri aus (dar köllen Riffkalke 


von Hrastiste 


. 47. Monotis :(Amonotis) ae Ken N. ke aus johlkehem 


Triaskalk der Kurvina stiena . 


Druckfehler. 


Seite 515 [1] Fußnote !) anstatt LV1 lies: LXI. 


” 


527 [13] Zeile 5 von oben anstatt Oberoligozän lies Oberoligocän. 
532 [18] Grenzschichten anstatt Serajevo lies Sarajevo. 

532 [18] rechts unten anstatt Castellberg lies Kastellberg. 
535 [21] Zeile 21 von unten anstatt Curvina lies Kurvina. 
543 [29] Fußnoten !) und °, anstatt 1903 lies 1902. 

552 [38] Zeile 10 von oben anstatt Toplica lies Toplica. 

553 [39] Zeile 6 von unten anstatt Graßanida lies Gratanica. 
555 [41] Zeile 3 von oben anstatt Kulausevic lies Kulauzovie. 
559 [45] Zeile 7 von unten anstatt Repovica lies Repovica. 
561 |47] Zeile 7 von oben anstatt Obodjas lies Obhodjas. 
561 [47] Zeile 9 von oben anstatt Stranzka lies Stranjska. 
562 [48] Zeile 12 von unten anstatt Igmann lies Igman. 

566 [52] Zeile 9 von oben anstatt Gradony lies Gradon). 

568 [54] Zeile 18 von oben anstatt Dobrowo lies Dobrovo. 
574 [60] Zeile 13 von unten anstatt Ercedole lies Ercedol. 


620 [106] Zeile 6 von oben anstatt Brnjicki lies Brnjica. 
624 [110] Zeile 4—5 von unten anstatt Rakite lies Rakita. 
624 [110] Zeile 8 von unten anstatt Brnica lies Brnjica. 
626 [112] Zeile 22 von unten anstatt Brnica lies Brnjica, 
639 [125] Zeile 4 von unten anstatt von lies vom. 

646 [132] Zeile 12 von unten anstatt Palike lies Palika. 


[232] 
Seite 
712 [198] 
712 [198] 
718 [199] 
713 [199] 
728 [214] 
729 [215] 
731 [217] 
736 [222] 


[233] Geologie der Umgebung von Sarajevo. (Inbaltsübersicht.) 


Inhaltsübersieht. 


il. Dihnllemmiiger 2% ee er 
II. Orographisehe Übersicht 
III. Hydrographische Übersicht 
a) Das Gebiet der Bosna 
DEDas Gebier der Driva .... „ut: 
Febisnewellen: sa 
IV. Die Formationen und ihre Verbreitung 
4. Paläozoische Bildungen 
B. Mesozoische Bildungen 
a) Trias 


ie endr Schrehten. 
2. Die Triaskalke im allgemeinen. 
n 3. Unterer Muschelkalk NZ 
oberer: Vüuschelkalle Tre. 
5. Äquivalente der ladinischen Sr 
6. Hallstätter Kalke der karnischen Stufe . 
7. Triaskalke der norischen Stufe 
8. Rhätische Megalodontenkalke 
EN. VE Vor 
c) Jura ea Be LET HET een [ee 
Eee sa ee, a ne ee 
Flyschbildungen.. . . . ae er Mt 
Beksetozeische Bildungen: . . 2 «er. 21ur en. 
1. Eocän . 


2. Neogene BR erhildongen 
3. Den 
4. Jüngste Bildungen 


V. Geologische Topographie 


. Das Sarajevsko polje und die Neosenbildungen vs a 0 

. Das Igman-Bjelasnicagebirge nebst den Tälern der Zujevina 
und des Jasen potok . 

3. Der Trebevic und seine Parallelzüge 

4. Die Umgebung der Zeljesnica . 

5. Sarajevo und das Miljackatal bis Pale 

6. Die Ravna planina . 

7 

8 


DD 


. Das Gebirge nördlich der Miljacka 
. Das Gebiet der Milja&kaquellen .. 
a) ie Quellgebiet der Mokranska Miljacka“ 
b) Das Quellgebiet der Paljanska Miljacka 
9. Das paläozoische und untertriadische Gebiet um Prala . 
10. Die Romanja planina und ihr Hinterland 
11. Das Flyschgebiet nördlich von ee : 
12. Die Ozren planina . .. . 


Jahrbuch d. k.k. geol., Reichsanstalt, 1903, 53. Band, 4. Heft. (E. Kittl.) 


Seite 
515 


518 


520 
520 
522 
523 


526 
526 
533 
533 


534 
537 
538 
544 
546 
549 
550 
55l 


552 
553 
853 
554 


556 
556 
556 
560 
561 


562 
563 


871 
573 
590 
591 
600 
601 
612 
613 
614 
615 
627 
637 
641 
100 


147 


— 
10) 
(3%) 


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SD 00 


Ja 
AAOQ 
ers 


748 Ernst Kittl, 


VI. Tektonische Übersicht 7a a 2. % 2 An Kohn Mar 
VI. Nutzbare Gesteine und Erze der Umgebung von Sarajevo . 


1. Gesteine 
4. Eruptivgesteine 
B. Sedimentäre Gesteine 
2. Kohlen 
3. Erze und Minerale 
4. Baumatersalen. . ...= 
a) Bausteine . . 
b) Straßenschotter . 
c) Weißkalkmaterial . - n 
A) Zementmaterlal. u u u se 
e) Sand und Schotter 
) Ziegelmaterial 
9) Dachschiefer . 
VIII. Literatur i 
IX. Paläontologischer inhangs, 
1. Die Fauna des Karbons von re 
A. Arten aus dem Kulmschiefer . 
Tabelle derselben . . . 
B. Arten aus den Crinoidenkalken, 
2. Die Fauna der Se amt > k 
Tabelle derselben . 3 
3. Die Fossilien der De Kalke 
a) Algen 
b) Echinodermen 
c) Brachiopoden . . 
Tabelle derselben 
d) Lamellibranchiaten 
Tabelle derselben 
e) Gastropoden . 
f) Cephalopoden . . 
Tabelle derselben 
9) Vertebraten . . 
4. Die Fauna der Kalke vom Siljänske höhe 5 


5. Die Fauna der Kalke von Hrastiste 
Tabelle derselben . 


6. Triadische Arten von Posidonomya, Halbbin, Daonelia und 
Monotis . Sf az. Se 4 Er. 6 ARTEN 


Ortsregister . h 

Verzeichnis der Runifmgen im Texte 
(Druckfehler) . 

Inhaltsübersicht 


Gesellschafts-Buchdruckerei Brüder Hollinek, Wien, III., Erdbergstraße 3. 


Tafel XXI. 


Ernst Kittl, Geologie der Umgebung von Sarajevo. 


Paläontologischer Anhang. 
Tafel (I). 


Fossilien der Kulmschiefer von Pra£a. 


100* 


Fig. 
Fig. 


Fig. 


Fig. 


Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 


Di 


= 
& 


Erklärung zu Tafel XXI (D. 


1 u. 2. Productus tureieus Kittl n. f. von Pra&a. NW.a.d. Straße, pag. 666 [152]. 
3. Aviculopecten pracaensis Kittl n. f. von Prada, NW. a. d. Straße, 
pag. 668 [154]. 
4, Pecten (Streblopteria?) cf. cellensis Kon. von Pra&a, NW. a. d. Straße, 
pag. 668 [154]. 
5. Chaenocardiola cf. Footi Bail. von Pra&a, NW.a. d. Straße, pag. 668 [154]. 
6. u. 7. Modiola lata Hind von Prada, NW. a. d. Straße, pag. 669 [155]. 
8. Patella ottomana Kittl n. f. von Prada, NW. a,.d. Straße, pag. 669 [155]. 
9. Goniatites cerenistria Phill. von Pra&a, pag. 672 [158]. 
10. Gastrioceras Beyrichi Kon. von Prata, pag. 673 [159]. 
11. Osmanoceras undulatum Kittl n. g., n. f. von Prada, NW. a. d. Straße, 
pag. 674 [160]. 
12. Pronorites sp. indet. von Prada N., Seitental, pag. 675 [161]. 
183—17. Prolecanites Henslowi Sow. von Prata, und zwar Fig. 13. NW. a.d. 
Straße, Fig. 14, 16, 17 N. im Seitentale, Fig. 15 (Pr. applanatus Fr.) 
N. im Seitentale; pag. 675 [161]. 
18—24. Tetragonites Grimmeri Kittl n. g., n. f. von Prada, pag 677 [163]. 
Fig. 18. Anfangswindungen nach einem Exemplar von NW. a. d. Straße in 
dreifacher natürl. Größe. 
Fig. 19. Jugendliches Gehäuse von NW. a. d. Straße. 
Fig. 20. Größeres Gehäuse, ziemlich vollständig von NW. a. d. Straße. 
Fig. 21. Lobenlinie nach einem Exemplar von NW. a. d. Straße. 
Fig. 22. Rippenteilung nach einem Exemplar von NW. a. d. Straße, in drei- 
facher natürl. Größe. 
Fig. 23. Externseite eines Exemplars von NW. a. d Straße, in dreifacher 
natürl. Größe. 
Fig. 24. a Exemplar von NW. a.d. Straße, in doppelter natürl. 
Größe, 
25 u. 26. Orthoceras? sp. von Prada, NW.a. d. Straße, pag. 670 [156]. 
27. Orthoceras cf. discrepans Kon. von Pra&a, NW.a.d. Straße, pag. 671 [157]. 
28. Orthoceras cf. salutatum Kon. von Pra@a, NW.a.d. Straße, pag. 670 [156]. 


29. Orthoceras cf. laevigatum? Kon. von Praca, NW. a. d. Straße, flach- 
gedrücktes Exemplar, pag. 671 i157]. 


30—32. Phillipsia Bittneri Kittl n. f. von Prata, pag. 680 [166]. 


Fig. 30. Original in natürl. Größe. 

Fig. 31. Dasselbe restauriert in zweifacher natürl. Größe. 

Fig. 32. Glabella in vierfacher natürl. Größe, Original in der k. k. geol. 
Reichsanstalt. 


Originale befinden sich mit Ausnahme des zu Fig. 30—32 im k. k. Natur- 
historischen Hofmuseum. 


Die Abbildungen entsprechen — wo nicht anders angegeben — der natürlichen Größe. 


E.Kitll: Geol d.Umgebung von Serajevo. Taf. XxIMm. 


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LilhAnst v. Th.Baımwarth Wien 


ASwobodandNat gezulith. 
Jahrbuch der k.k.Geologischen Reichsanstalt.Band LIII,1903. 
Verlag der kk.Geologischen Reichsanstalt Wien il Rasumoffskygasse 23 . 


Tafel XXll. 
Ernst Kittl, Geologie der Umgebung von Sarajevo. 


Paläontologischer Anhang. 
Tafel. (II). 


Fossilien der Bellerophonschichten der Umgebung von Prata. 


Fig 


Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig: 
Fig. 
Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


Fig. 


Erklärung zu Tafel XXII (II). 


1 u. 2. Steinmannia sp. von Han Orahovica, pag. 683 [169]. 

3. Archaeocidaris sp. von Suha Öesma, pag. 685 [171]. 

4. Eocidaris? sp. von Han Orahovica, pag. 685 [171]. 

5—7. Discina bosniaca Kittl n. f. von Suha Öesma, pag. 687 [173]. 

8. Myalina Hindi Kittl n. f. von Han Orahovica, pag. 690 [176], vgl. auch 
Textfiguren 29—31, pag. 691 [177). 

9. u. 10. Oxytoma Wähneri Kittl n. f., Fig. 9 von Han Orahovica, Fig. 10 
von Prekada, pag. 687 [173]. 

11. Bakewellia Kingi Kittl n. n. von Han Orahovica, pag. 688 [174]. 

12. Bakewellia Kingi Kittl n. n., var, von Han Orohovica, pag. 688 [174]. 

13 u. 14. Cleidophorus Jacobi Stache von Han Orahovica, pag. 692 [178]. 

15 u. 16. Nucula cf. Beyrichi Schaur. von Han .Orahovica, in vierfacher natürl. 
Größe, pag. 692 [178]. 

17. Sanguinolites bellerophontium Kittl n. f. von Han Orahovica, pag. 693 [179]. 

18. Edmondia cf. rudis Mc. Coy von Prekata, pag. 691 [177]. 

19—23. Bellerophon (Bucania) suhaönsis Kittl n. f., Fig. 21—23 von Han 
Orahovica, Fig. 19 u. 20 von Suha Öesma, pag. 693 [179]. 

24. Worthenia dyadica Kittl n. f. von Han Orahovica, pag. 695 [181]. 

25. Promathildia? permiana Kittl n. f. von Han Orahovica, pag. 695 [181]. 

26 u. 27. Entalis? orahovicensis Kittl n. f. von Han Orahovica, pag. 696 [182]. 

28. KEntalis? cf. ingens Kon. von Han Orahovica, pag. 696 [182]. 

29—32. Entalis? multiplicans Kittl n. f. von Han Orahovica, pag. 697 [183]. 

33. Entalis? tuwreica Kittl n. f. von Han Orahovica, pag. 698 [184]. 


Die Abbildungen entsprechen — wo nicht anders angegeben — der natürlichen Größe. 


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ASwobodand Nat gez.ulith. 


Lith.Anst v. Th.Baımwarth Wien 
Jahrbuch der k.k.Geologischen Reichsanstalt. Band LII,1903. 
Verlag der kkGeologischen Reichsa nstalt Wien Jll.Rasumoffskygasse 23 . 


Tafel XXlll. 


Ernst Kittl, Geologie der Umgebung von Sarajevo. 


Paläontologischer Anhang. 
Tafel (II). 


Triasfossilien, und zwar Brachiopoden und Lamellibranchiaten der 
Buloger Kalke (Schreyeralmstufe) und Brachiopoden des ladinischen (?) 
Kalkes vom Siljansko pojje. 


Fig. 


Erklärung zu Tafel XXIII (III). 


1. KRhynchonella ef. sublevata Bittn., aus dem Buloger Kalk von Blizanac am 
Trebevic, pag. 706 [192]. 

2. Rhynchonella glossoides Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Blizanac am 
Trebevie, pag. 706 [192). 

3. Spiriferina ptychitiphila Bittn. var., aus dem Buloger Kalk von Haliluei 
bei Bulog, pag. 707 [193]. 

4. Spiriferina ptychitiphila Bittn. var. globulosa Kittl, aus dem Buloger Kalk 
vom Kr$ bei Bulog, pag. 707 [193]. 

5. Spirigera borovacensis Kitt! n. f., aus dem Buloger Kalk vom Dorfe 
Borovac bei Pale, pag. 707 [193]. 

6 u. 7. Spirigera Siljanensis Kittl n. f., aus hellgrauem Kalke vom Siljansko 
polje bei Pra&a, pag. 726 [212]. 

8 (a u. b). Gervilleia bosniaca Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk vom Han 
Vidovic bei Bulog, pag. 709 [195]. 

9. Avicula grrabovicensis Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk vom Grabovik 
bei Bulog, pag. 707 [193]. 


. 10. Avicula miljacensis Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Haliluei bei 


Bulog, pag. 708 [194]. 


. 11. Arcoptera canaliculata Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Blizanac am 


Trebevie, pag. 716 [202]. 


. 12. Arcoptera canaliculata Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Han Vidovic 


bei Bulog, pag. 716 [202]. 


. 13. Mysidioptera glaberrima Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Haliluei 


bei Bulog, pag. 715 [201]. 


. 14. Lima (Plagiostoma) aequilateralis Kitt! n. f., aus dem Buloger Kalk von 


Han Vidovic bei Bulog, pag. 714 [200]. 


. 15 (a—e). Opis (Protopis) triptycha Kittl n. f., a--d aus dem Buloger Kalk 


von Han Vidovic bei Bulog, e von Blizanac am Trebevi6; a—c etwas 
rekonstruiert, pag. 718 [204]. 


ig. 16 u. 17. Cardiomorpha (?) gymnitum Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von 


Haliluci bei Bulog, pag. 716 [202]. 
18. Pachycardia alunulata Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Halilu@i bei 
Bulog, pag. .718 [204]. 


. 19 0.20. Myoconcha ptychitum Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Haliluei 


bei Bulog, pag. 717 [203]. 


. 21. Myoconcha ptychitum Kittl n. f. var., aus dem Buloger Kalk von Haliluei 


bei Bulog, pag. 717 [203]. 


. 22. Myoconcha rugulosa Kittln. f., aus dem Buloger Kalk vom Dorfe Borovac 


bei Pale, pag. 717 [203]. 
23. Myoconcha Appeli Kittl n. f., aus dem Buloger Kalk von Han Vidovic 
bei Bulog, pag. 718 [204]. 


Die Originale befinden sich im k. k. Naturhistorischen Hofmuseum. 


Die Abbildungen entsprechen der natürlichen Größe. 


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E.Kitil: Geol. d.Umgebung von Serajevo. 


Lith.Anst v. Th. Bannwarth Wien 


A Swoboda nd.Nat gezu.lith. 


Jahrbuch der k.k.Geologischen Reichsanstalt.Band LIII.1903. 
Verlag der kk Geologischen ReichsanstaltWien lIl.Rasumoffskygasse 23 . 


Geologische Karte der Umgebung von Sarajevo. 


In den Jahren 1892-1899 aufgenommen 


von 
Ernst Kittl. Beilage zum Jahrbuche der K. K- & 
Reichsanstalt, Band LII, 1 


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Geologie der Umgebung von ‘Sarajevo: Von. Ernst Kite, 


Inhalt. 


4. Heft. 


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geologischen. Karte in Farbendruck, 8 lithographierten. Aulelen 
(Nr, XXI IU-XXUN (tin) ae 47 RS ‚Fm Text. ge: 518 


';NB. Die ‚Autoren‘ allein sind für den That se de Hom 
ihrer ‚Aufsätze verantwortlich. 


Gen pchättechushernäkaral Brüder Hollinek, Wien, IL, Kräbergstraße a 2. 


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